Interne Resorption

von Ronald Wecker

Diesen Fall werde ich aus verschiedenen Gründen im ganzen Leben nicht vergessen.

Der Patient klagte über ziehende Beschwerden im Bereich des rechten Unterkiefers. Die Sensibilitätsprobe fällt an allen Zähnen positiv aus, es liegen gesunde parodontale Verhältnisse vor, die Okklusion zeigt keine Auffälligkeiten, es gibt weder insuffiziente Füllungen noch kariöse Läsionen. Lediglich Zahn 47 weist eine geringe achsiale Perkussionsempfindlichkeit auf.

Das angefertigte Röntgenbild zeigte folgenden Befund:

Neben der pulpanahen Restauration fallen rundliche Erweiterungen des Pulpakammerhohlraums auf, die den Verdacht einer internen Resorption aufbringen. Typisch dafür die positive Sensbilitätsprobe sowie eine Erweiterung des Wurzelkanals oder des Pulpakammerhohlraumes.

Die endodontische Therapie mit Entfernung des Pulpagewebes stellt die einzige Möglichkeit dar, den resorptiven Prozess zu stoppen, da die Ernährung der Resorptionszellen aus dem Pulpagewebe heraus erfolgt.

Die endodontische Therapie wurde am gleichen Tag, genauer Abend, durchgeführt. Beeindruckend fand ich die Zahnoberflächen im Bereich der Resorptionslakunen. Sehr glatt und fast wie hineingefräst.

Das Besondere an diesem Fall ist, dass es mein erster Squirtingfall war. Dies allerdings ungewollt und nicht geplant. Mein damals in Benutzung befindliches System B hatte einen leeren Akku und das Laden dauerte bei diesem Gerätetyp noch länger als 1 Stunde. Da die Behandlung deutlich länger dauerte als gedacht, entliess ich die Mitarbeiterinnen nach der Aufbereitung in den Feierabend. („…das bisschen Obturation schaffe ich schon alleine!“) ohne zu wissen, dass das System B nicht funktionierte.

Masterpoints einprobiert und anschliessend: Nichts!

Dem Patienten, extrem empfindlich beim Platzieren des Röntgensensors und auch so genug gestresst von einer zahnärztlichen Behandlung, wollte ich einen weiteren Termin ersparen. Die Obtura Gun hatte allerdings einen direkten Stromanschluss. Also im Geiste noch einmal die Grundlagen des Squirtens durchgegangen und mit einigem Unbehagen obturiert. Das Ergebnis ist durchaus zufriedenstellend gewesen.

Noch mehr gefreut hat mich jedoch das Recall-Bild von dieser Woche nach nunmehr fünfeinhalb Jahren, wenngleich das Platzieren des Sensors ohne Anästhesie aufgrund eines ausgeprägten Würgereizes fast nicht möglich war.

…tiefer Fall (3)

von Bigidald Wucker

Die Behandlung begann nicht planmäßig.
Auf Grund akuter Beschwerden musste kurzfristig ein Behandlungstermin gefunden werden.
Das bedeutet, wir benötigen mindestens 60, besser 120 Minuten.

Letztendlich haben wir uns  60 Minuten Behandlungszeit schaffen können, nach der Sprechstunde.
Zuallererst versuchten wir die Brücke zu entfernen. Diese ließ sich nicht am Pfeilerzahn 45 lockern. Deshalb wurde die Krone an 45 belassen und nur das Brückenglied und die Krone an 47 entfernt.

Zunächst wurde die Karies excaviert. Die Darstellung des Instrumentenfragmentes gelang nicht. Ein Röntgenbild zeigte warum es nicht gelingen konnte. Die Lage des Instrumentenfragmentes war verändert. Eine optische Darstellung des Fragmentes war nicht möglich, jedoch konnte das Fragment passiert werden.

Alle Kanäle zeigten eine starke Sekretion.

Nach einer Calziumhydroxydeinlage (Ultracal – Ultradent) wurde eine Kontrastaufnahme angefertigt. Nach Auswertung des Röntgenbildes vereinbarten wir einen weiteren Termin.

Die Hoffnung stirbt zuletzt…
Was machte uns optimistisch?

Wir konnten das Fragment mit dem Calziumhydroxid bewegen. Demnächst mehr.

Wurzelkanalbehandlung 48 mit RACE 02, MTwo und VDW Reciproc

von Donald Becker

Die Patientin, Ende 30, kam zu uns, weil ihr 4 Zähne (48,47,46 und 16)  gezogen werden sollten. Einer davon, der Zahn 48, sollte zuvor noch  wurzelkanalbehandelt und dann, nachdem die Bezuschussung der Krankenkasse zum Zahnersatz erfolgt sei, entfernt werden.  Die Patientin sah keinen Sinn darin, warum der Zahn erst wurzelkanalbehandelt und dann entfernt werden sollte und auch nicht, warum alle Extraktionen und die Wurzelkanalbehandlung  innerhalb der  nächsten 2 oder 3   Tagen erfolgen sollte. In ihrem Bekanntenkreis wurde ihr geraten, sie solle uns für eine Zweitmeinung aufsuchen. So kam die Patientin zu uns.

Die Schmerzanamnese ergab Beschwerden im linken Unterkieferseitenzahnbereich, seit mehreren Monaten, mal mehr, mal weniger. Es war naheliegend, zu vermuten, dass der kariöse vitale Zahn 48 für diese Beschwerden verantwortlich sei.

Ich kam mit der Patientin  überein, zunächst den Zahn 48 zu behandeln, um die seit Monaten währende subakute Schmerzproblematik zu beseitigen. So könne man den zeitlichen Druck aus dem Geschehen nehmen, um dann in Ruhe zu schauen, ob die anderen 3 Zähne zu erhalten seien oder sinnvollerweise entfernt und durch Implantate ersetzt werden sollten.

Weisheitszähne stellen nicht selten besondere Herausforderungen an die Wurzelkanalbehandlung und dieser Zahn 48 bildete keine Ausnahme. Schon im Hinblick auf das Ausgangsröntgenbild wäre es töricht, zu glauben, daß man hier, im Sinne einer One-File-Endo mittels Maillefer Wave One oder VDW Reciproc  ein adäquates Ergebnis erzielen könne.

Denoch war auch hier die VDW Reciproc von Nutzen. Ein solches Instrument zeigt nämlich schnell und unproblematisch auf, an welchem Punkt des Wurzelkanalverlaufs die Schwierigkeiten auf Grund einer starken Krümmung zu erwarten sind.

Wie sollte man nun konkret verfahren ?
Hier meine Vorgehensweise im Telegrammstil:

  • Erschließung der Wurzelkanäle bis zum Ende des Kanals mit ISO 006-  Handfeilen
  • VDW Reciproc 25 bis zum Punkt des „apikal nicht weiter  Vordringen Könnens“
  • 006, 008 010 auf Wurzelkanallänge
  • RACE 10.02, 15,02 20.02 auf Wurzelkanallänge
  • VDW Reciproc 25 – wieder soweit wie möglich
  • MTwo 15.05, 20.06 auf Arbeitslänge
  • VDW Reciproc auf Arbeitslänge

Entgegen meiner „normalen“ Vorgehensweise habe ich hier, angesichts der starken Krümmungen, auf eine Aufbereitung bis zur MTwo 35.06 verzichtet.

Endpunkt der Aufbereitung war also eine VDW Reciproc 25.08 auf Arbeitslänge, als Mastercones wurden apikal justierte Protaper F2 – Guttaperchastifte verwendet.

„Matchwinner“ waren in diesem Fall die RACE 02- Feilen, die auf Grund ihrer Effizienz und Flexibilität die Erschließung der sehr schwierigen Wurzelkanäle ermöglichten bis zu einem Zeitpunkt, an dem stärker getaperte Instrumente überhaupt erst zum Einsatz gelangen konnten.

Für mich eine schöne Ergänzung meines Instrumenten – Portfolios.

…tiefer Fall (2)

klinisches Ausgangsbild

klinisches Ausgangsbild

von Bigidald Wucker

Die Auswertung der Unfrage ergab folgendes Bild:

60% die Prognose kritisch ein,
25% günstig,
10% nicht erhaltbar,
5% gut,

Wir haben den Zahn auf kritisch prognostiziert. Warum kein nicht erhaltbar?

Laut Hülsmann/Heppeler liegt die Erfolgsquote laut epidemiologischer Studien bei 60-75%. ( Endodontie 2008; 17 (1): 19-21 ). Eine Wahrscheinlichkeit der Heilung von 86,7% bei Instrumentenfraktur und P. apicalis becshreibt Spili ( The Impact of Instrument Fracture on Outcome of Endodontic Treatment, Peter Spili, BSc, BDSc, Peter Parashos, MDSc, PhD, and Harold H. Messer, MDSc, PhD; JOE — Volume 31, Number 12, December 2005.)
Der Zahn ist nach endodontischer Behandlung in einer Wahrscheinlichkeit von 60-85% erhaltbar. Eine klinische Kronenverlängerung ist indiziert um ausreichend Ferrule zu erreichen. Der Furcationsbefall mit Grad 1 ist von der Prognose als günstig einzustufen.

Optimal wäre eine Einzelkrone und die Lücke mittels Implantat zu schließen, da die Gefahr einer erneuten unbemerkten Dezementierung an 47 ausgeschlossen werden könnte. Da eine Implantation nicht möglich ist, wurde die erneute Brückenversorgung favorisiert. Das führte zur kritischen Prognose.

Die Patientin wünschte den Zahnerhalt mit allen Mitteln. Wir haben den Erhaltungsversuch unter Hinweis auf Folgebehandlungen (PA, UPT, chir. Kronenverlängerung) begonnen.
Demnächst mehr zur Behandlung.

…tiefer Fall

von Bigidald Wucker

Die Patientin kam mit dem Wunsch die Brücke und den Zahn  zu erhalten. Eine frühere Implantation scheiterte und nun lag die letzte Hoffnung im Zahnerhalt.
Diagnose:  Sekundärkaries, infizierte Pulpanekrose, P. apicalis, Fistelbildung, kombinierte Paro-Endo Läsion, Bifurcationsbefall Grad 1, Fragment mesial.

Die Prognose war kritisch zu sehen. Trotzdem wurde von Patientenseite ein Zahnerhaltungsversuch mit allen Mitteln gewünscht, da eine nochmalige Implantation von chirurgischer Seite abgelehnt wurde. Grund war ein erhöhte Nikotinkonsum.

Nach Brückenentfernung war ein großer ausgedehnter kariöser Defekt erkennbar.

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SAF – Reciproc

von Bogidald Wecker

Dieser Fall wurde zusammen mit VDW Reciproc und SAF aufbereitet. Entdecke die Möglichkeiten war der Leitspruch in der Aufbereitung.

Die SAF wurde im bereits im Rö erkennbaren „Groove“ im distalen Bereich eingesetzt und bewährte sich in dieser schmalen isthmenartigen Ausfurchung des Kanals mit einem größeren lateralen Kanal.
Initial wurde der Zahn mit Profil 15.04 instrumentiert und anschließend mit R25 und R40 aufbereitet. Ultraschallgestützte Spülungen erfolgte mit Natriumhypochlorit und Zitronensäure. Die SAF wurde in jedem Kanal eingesetzt nach 15.04 und R25 unter Verwendung von Natriumhypochlorit.

Die Aufbereitungsgröße der R25 lassen ein wirksame Kanalwandbearbeitung mit der SAF nach vorheriger Instrumentierung mit R25 wenig wahrscheinlich sein und lassen weitere SAF mit größeren Querschnitten fordern.

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2D vs. 3D (II)

von Jörg Schröder

Zustand nach zweimaliger Wurzelspitzenresektion an Zahn 26 innerhalb von 8 Jahren. Bis dato war der Zahn nur fühlig. Seit kurzem entleert sich bukkal aus einer Fistelung alle 2-3 Tage ein wenig Sekret.

Klinisch zeigt sich der Zahn bis auf die Fistelung völlig unauffällig: keine erhöhten Sondierungstiefen, keine Perkussionsempfindlichkeit, keine Zahnbeweglichkeit.

Das digitale Einzelbild lässt eine unvollständige Resektion der mesialen Wurzel sowie ein nicht behandeltes zweites mesiobukkales Kanalsystem vermuten. Eine periapikale Aufhellung ist ebenfalls zu erkennen.

Das angefertigte DVT zeigt das ganze Ausmaß der knöchernen Destruktion:

Die bukkale Knochenlamelle fehlt im Bereich der mesialen Wurzel, es gibt zwischen MB und DB und um die distobukkale Wurzel herum eine auf dem Einzelbild allenfalls mit viel gutem Willen zu erkennende knöcherne Lyse.

Für die Behandlungsplanung gibt mir die 3D-Diagnostik eine größere Sicherheit.

Erste Behandlungsoption ist die orthograde Revision mit Entfernung des retrograden Verschlussmaterials nach orthograd. Das nicht aufbereitete 2. mesiobukkale Kanalsystem soll, da es innerhalb des resizierten Wurzelanteils endet, ebenfalls nicht-chirurgisch behandelt werden.

Da die Möglichkeit einer extraradikulären Kontamination der unvollständig resizierten Wurzel besteht, ist im Fall einer Nichtausheilung eine chirurgische Intervention vorgesehen.

Was wäre ohne DVT anders gewesen?

Das Ausmass der „Nicht-Resektion“ wäre nicht einschätzbar gewesen. Die Lage und das Ende des MB2 ebenfalls nicht. Die apikale Lyse um die distobukkale Wurzel herum hätte ich deutlich unterschätzt.

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Arbeitslänge

von Olaf Löffler

Ein wichtiger Bestandteil der Wurzelkanalaufbereitung ist die Bestimmung der korrekten Arbeitslänge. Die haargenaue Umsetzung in der Behandlung für jeden einzelnen Kanal kann mitunter erschwert sein.

Es gibt verschiedenen Möglichkeiten zum Ziel zu kommen. Das wichtigste ist einen geeigneten, wiederauffinbaren Referenzpunkt zu haben.
Man kann einen markanten Punkt, wie die Höckerspitze des Höckers, welcher dem zu behandelnden Kanal am nähesten liegt wählen. Ungünstig bei diesem Verfahren ist, daß durchaus Ungenauigkeiten beim Wiederfinden auftreten können. Abstellen kann man dies durch Schaffen eines kleinen Plateaus mit einem Finierdiamanten. Das bedeutet allerdings, daß ein geringer Substanzverlust entsteht. Bei zu überkronenden Zähnen ist dieser Verlust unwesentlich.

Sollte beispielsweise eine vorhandene Kronenversorgung erhalten bleiben, so ist das Schaffen eines Plateaus an dem gefundenen Referenzpunkt nicht sinnvoll.
Für diesen Fall verwende ich die nachfolgend beschriebene Methode.

Voraussetzung dafür ist, daß der Kofferdamtuches mit einem flüssigen Kofferdam circulär um den zu behandelnden Zahn abgedichtet ist und das Abdichtungsmaterial fest an der Klammer nach dem Aushärten fixiert ist.

Man benötgigt folgende Materialien:

  • Blockout Resin (ultradent) – „flüssiger Kofferdam“
  • Kerrfeile #10, Niti-Feile #10.04 oder ähnlich
  • elektronisches Längenmessgerät
  • Polymerisationslampe

Zunächst bestimme ich die Arbeitslängen aller Wurzelkanäle mit einem elektronischen Längenmessgerät.  Als Referenzlänge verwende ich den längsten gemessenen Wert aller Kanäle. Zur Referenzpunkterstellung führe ich die Messfeile auf die Arbeitslänge in den längsten Kanal. Den Stopper stelle ich ca 1mm über den am Zahn bestimmten Referenzpunkt der zugehörigen Höckerspitze ein. Nun wird Blockout Resin schichtweise von der Kofferdamabdichtung in Richtung des Referenzpunktes auf den Zahn aufgetragen und ausgehärtet. Zum Abschluss wird das Material vorsichtig unter den Gummistopper der Messfeile appliziert und ausgehärtet. Danach wird im nächste Kanal die Messfeile auf die elektronisch ermittelte Arbeitslänge geführt. Der Gummistopper bleibt unverändert auf der Position der Messung des längsten Kanales. Nun wird hier analog mit Blockout Resin ein Referenzpunkt geschaffen. Dies wird für jeden Kanal durchgeführt.

Welchen Vorteil hat dieses Verfahren:

  • Alle einzustellenden Arbeitslängen für die Feilen sind gleich. Ein Umstellen für jeden Kanal und damit verbundene Fehler verringern sichn. Veränderungen in der Arbeitslänge können jedoch noch durch unterschiedliche Krümmungsradien der Wurzelkanäle in der Aufbereitung entstehen. Deshalb empfehle ich eine kontinuierliche Überprüfung mittels dem elektronischen Längenmessgerät.
  • Eventuell vorhandene metallische Kronenränder können mit dem flüssigen Kofferdam isoliert werden um Kurzschlüsse zu vermeiden.
  • Die Referenzpunkte sind sehr gut platzierbar und kontrollierbar.
  • Es gibt keinen Substanzverlust und Markierungen mittels Permanentmarker sind nicht notwendig.

Anbei Bilder der Referenzpunkte in einem solchen Fall.

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Mehrfachinstrumente oder Single Use: Stand der Diskussion

von Hans – Willi Herrmann

„Mehrfachinstrumente oder Single Use: Stand der Diskussion“ – Das war der Titel eines Fachvortrags von Prof. Edgar Schäfer (Münster) im Rahmen des 11. Quintessenz Endosymposiums, das vom 08. – 09. April 2011 in Berlin stattfand.

Nachfolgend ein paar Statements aus dem Vortrag:

  • Laut Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MpBetreibV) § 4, Absatz 2 Satz 3 (….Eine ordnungsgemäße Aufbereitung nach Satz 1 wird vermutet, wenn die gemeinsame Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte zu den Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten beachtet wird.)  ist das Robert Koch Institut für uns Zahnärzte  die Richtlinien festlegende Instanz.
  • Endodontische Handinstrumente werden gegenwärtig als kritisch A, rotierende Endo – Instrumente als kritisch B eingestuft. Die Differenzierung ist wissenschaftlich nicht haltbar und so ist zu rechnen, das in zukünftigen Abänderungen diese Ungleichheit beseitigt wird.
  • Kritisch B – Instrumente, demnach alle rotierenden Nickel – Titan – Instrumente, müssen validiert maschinell aufbereitet werden. Mindestens 10 Minuten im Thermodesinfektor bei 93 Grad Celcius. Anschließend Sterilisation im B – Sterilisator.
  • Extirpationsnadeln sind schon heute nach RKI Einpatienteninstrumente, da nicht wiederaufbereitbar.
  • Findet die Instrumentenwiederaufbereitung gemäß den Herstellerangaben nach DIN EN ISO 17664 statt, übernimmt der Hersteller die Verantwortung für das Gelingen der Reinigung. Besagte ISO – Norm legt dem Hersteller die Verpflichtung auf, dass er für jedes Instrument eine dezidierte Anweisung zur Wiederaufbereitung vorlegen muss oder gegebenenfalls die Instrumente als Einmalinstrumente ausweist. Gibt es eine solche dezidierte Wiederaufbereitungsanleitung nicht, darf das Instrument nicht in den Verkauf gelangen. Insofern müsste jeder Hersteller   Anleitungen für alle seine Instrumente haben.
  • Die Aufbereitungspflicht für die Dokumentation der B  – Sterilisationsvorgänge in der Zahnarztpraxis  beträgt 30 Jahre.
  • Die Materialkosten für rotierende Nickel – Titan – Instrumente sind gemäß GOZ berechenbar, sofern die Kosten für die Instrumente den Betrag von 16 – 17 Euro überschreiten. Zur Unterstützung dieser Aussage wurden die Aktenzeichen mehrerer Gerichtsurteile genannt.

32 Monats-Recall – Apikale Aufhellung (25)

von Bonald Decker

momentan ist bei uns in der Praxis „Recall-Zeit“…

und dies gibt uns die Möglichkeit unsere eigene Arbeit klinisch und radiologisch zu reevaluieren.

So wie den nachfolgenden Fall.

Eine endodontische Initialtherapie eines Zahnes 35 mit (erheblicher) apikaler Parodontitis.

Unser Behandlungsprotokoll:

Zweizeitige Behandlung; ELM; apikale Präparationsgrösse 35.06; Spülprotokoll: NaOCl 2,5%, EDTA 15%, CHX 2%, PUI; Med.Einlage Ca(OH)2-Ultracal; PV Cavit/Ketac Molar; Folgetermin: Wurzelkanalfüllung: Guttapercha&Sealer AH plus, warm vertikale Obturation, DT light post; Rely X; Tetric flow/ceram; Neuanfertigung der Brücke empfohlen.

:-)

Saving hopless teeth (XXIII) – Apikale Aufhellung (24)

von Bonald Decker

vor circa 1 1/2 Jahren hatte Christoph Kaaden hier über seine ersten Erfahrungen mit einer HD-Video-Lösung am Dentalmikroskop berichtet und diese mit einem Patientenfall einer Revisionsbehandlung incl. Perforationsdeckung verdeutlicht.

Wie es der Zufall nun so wollte stellte sich eben dieser Patient wegen eines anderen Anliegens nun bei uns vor. Wir nutzen die Gelegenheit ein Recall durchzuführen und sind sicher, dass das Ergebnis Patient und Behandler sehr erfreut.

PS: Laut Anamnese ist der alio loco behandelte Zahn 16 aufgrund einer Längsfraktur verloren gegangen…

IDS Rückblick 3 – Nachtrag zur HyFlex CM

von Christian Danzl

Die Coltene HyFlex CM wurde heute schon beschrieben, hier das Video dazu.

Die Feile habe ich mit den Händen verbogen – ohne großen Kraftaufwand. Anschliessend wird sie eingetaucht in den Glasperlen-Sterilisator von Hager und Werken.

Von – Gut, zu (ganz) schlecht, zu besser-…

von Bonald Decker

Ganz ehrlich hatten wir bei dem nachfolgenden Fall gewisse Bedenken hinsichtlich der Prognose des Zahnes. Während die radiologische und klinische Situation an Zahn 24 im Sommer 2007 noch unauffällig war zeigte sich zwei Jahre später eine recht dramatische Verschlechterung der Befunde. Die Taschensondierungstiefe (TST) betrug 10mm bei Lockerungsgrad (II-) III und radiologisch ausgeprägtem Attachmentverlust.

Unsere erste Verdachtsdiagnose einer vertikalen Wurzelfraktur bestätigte sich auch trotz intensivster Untersuchungen (Methylenblau-Färbung etc.) nicht. An dieser Stelle möchte ich auf den lesenswerten Übersichtsartikel von Stenner & Koçkapan zum Thema Vertikale Wurzelfrakturen in der aktuellen Endodontie 1/2011 hinweisen.

Daher gingen wir daraufhin von einer primär endodontischen Genese des Defektes aus. Die zweizeitig durchgeführte Behandlung wurde im September 2009  abgeschlossen. (Medikamentöse Einlage: CA(OH)2; Aufbereitungsgrössen bukkal&palatinal: 35.06; adhäsive Verankerung eines Glasfaserstiftes palatinal und Kompositdeckfüllung)

Bei dem im März 2011 vom Überweiser durchgeführten Recall stellt sich die Situation (erheblich) verbessert dar. Der Lockerungsgrad ist nun wieder physiologisch und die TST hat sich halbiert. Radiologisch (bisher) kein „voller Erfolg“, aber in Anbetracht der schlechten Ausgangssituation ein für uns erstaunliches „Comeback“


Was fällt hier auf?

von Ronald Wecker

Das genaue Studium der präoperativ angefertigten Röntgenbilder hilft in vielen Fällen unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Oftmals jedoch überdeckt das Offensichtliche die durchaus erkennbaren „Nebenbefunde“.

Was fällt bei der Betrachtung der Ausgangsbilder auf? Auch ohne Poll-Daddy-Umfrage bin ich mir sicher, dass die Mehrzahl der Antworten das in Zahn 47 befindliche Instrumentenfragment erwähnen werden.

Beim zweiten Blick dürfte der suboptimale Randschluss der Krone an Zahn 46 sowie die Nähe der Restauration zum distalen Kanalsystem auffallen.

Die genauere Betrachtung von 46 zeigt jedoch, dass das distale Kanalsystem im apikalen Drittel zu verschwinden scheint, ein sicherer Hinweis auf eine tiefe Aufgabelung. Desweiteren kündigen sich bereits präoperativ 3 mesiale Kanalsysteme an. Hilfreich zu wissen, wenn es darum geht das für eine solche Behandlung erforderliche Zeitfenster zu terminieren.

Liest sich toll und lässt vermuten, dass mir all diese Feinheiten bereits im Vorfeld aufgefallen wäre. Sind sie aber nur zum Teil. Leider.

Die tiefe Aufgabelung in der distalen Wurzel hatte ich tatsächlich vermutet. Das Vorhandensein von drei mesialen Kanalsystemen war mir jedoch, zumindest radiologisch, zunächst entgangen.

Klinisch wiesen MB und ML sehr weit an die Aussenkontur der klinischen Krone verlagerte Kanaleingänge auf. Ein feiner Isthmus verband beide Kanäle und konnte nach Bearbeiten mit einem Muncebohrer der Größe 1/4 auf eine kleine gewebegefüllte Grube reduziert werden.  Der Eingang zu einem weiteren Kanalsystem.

Häufig konfluieren diese Middle-Mesial-Kanäle mit MB oder ML. In diesem Fall wiesen alle Kanäle eigene Foramina auf.

Ein Fall der mich lehrte, mich in Zukunft noch ausführlicher mit den präoperativen Röntgenbildern zu befassen.

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Endodontiemotor (2)

von Olaf Löffler

Hier nun die Umfrageergebnisse bei knapp über 200 Teilnehmern.

  • 23%   Handlichkeit / Ergonomie
  • 21%   Programmierbare Elektronik
  • 19%   integrierte Längemessung (Ton und Display)
  • 17%   Kabelloser Motor
  • 10%   Gewicht
  • 6%   integriertes Ultraschallgerät (kabellos + ohne Fussanlasser)
  • 3%   integriertes Ultraschallgerät (kabelgebunden)

Warum so eine Umfarge. Eigentlich ganz einfach. Die derzeit angebotenen Endodontiemotoren entsprechen nicht meinen ergonomischen Anforderungen, oder sind
nicht für aktuelle Instrumentensysteme nutzbar (Reciproc, WaveOne). Im Gespräch mit Kollegen erfahre ich immer wieder Bestätigung zu dieser Meinung.

In Auswertung der Ergebnisse kann man festhalten:

Der Motor sollte ergonomisch und optimalerweise schnurlos sein. Eine frei programmierbare Elektronik haben. Eine integrierte Längenmessung wäre wünschenswert. Diese könnte kabellos, nur mit akustischen Signalen arbeiten. Oder eine WLAN-Schnittstelle für das Mikroskop haben um dann die Längenmessung in das Okkular graphisch einzublenden. Das ist jetzt weit voraus galoppiert, aber vielleicht inspiriert es ja die eine oder andere Firma…

Das Ultraschallgerät mit dem Endodontiemotor zu verbinden ist offensichtlich nicht gefragt. Ebenso landen schnurlose Ultraschallgeräte in Verbindung mit dem Endodontiemotor weit hinten.

Marco Versiani – The Root Canal Anatomy Project

von Hans – Willi Herrmann

Jeder Zahnmediziner kennt die wegweisenden Präparate von Walter Hess.
Ein Meilenstein in der anatomischen Darstellung von Wurzelkanälen und noch heute, bald 100 Jahre später,  ragt seine Leistung heraus.

Erst das Aufkommen des Micro CT´s  vor rund 10 Jahren  hat es möglich gemacht, mit den Resultaten von Hess gleichzuziehen, diese zu übertreffen, da mit der neuen zerstörungsfreien Technik die nachfolgende Behandlung des Zahnes und somit ein Vergleich von Ausgangs – und Endsituation möglich wird.

Prof. Marco Versiani hat mit seinem Team an der Universität Sao Paulo  in Brasilien  einer Vielzahl von Micro Ct´s von Zähnen und ihrer Wurzelkanalsystemstrukur erstellt und diese jetzt im Internet auf der Homepage „The Root Canal Anatomy Project“ allen Interessierten zugänglich gemacht.

Dafür möchte ich  ihm und seinen Mitstreitern von dieser Stelle aus im Namen des gesamten WURZELSPITZE – Teams meinen ausserordentlichen Dank aussprechen.


Es gibt wohl nur wenig Leute auf der ganzen Welt, die über vergleichbares Bild- und Video- Material verfügen, wie das hier gezeigte. In diesem Zusammenhang vielen bekannt ist Eric Herbranson, der mit dem 3D Tooth  – Atlas ein ebenso amibitioniertes, kommerzielles Produkt geschaffen hat.

Als vom Geiste Walter Hess beseelt muss aber auch an dieser Stelle ausdrücklich Holm Reuver genannt werden, der als  niedergelassener Zahnarzt in seiner Freizeit eine Vielzahl von wunderschönen transparenten Zahnpräparaten geschaffen hat, die den Vergleich mit den oben genannten Rekonstruktionen nicht zu scheuen brauchen.

Jeder, der schon einmal versucht hat, ein solches Hess -sches oder Reuver – sches Präparat herzustellen, der weiss, wie extrem schwierig es ist, solche schönen Ergebnisse zu erzielen.

Man mag geneigt sein, die Herstellung eines Micro – CT´s  hingegen als  leichte Übung einzustufen, aber dem ist nicht so.

Es gehört bei diesen digitalen Verfahren ebenso viel Erfahrung und Können dazu, um Top- Ergebnisse zu erreichen wie es bei den traditionellen „analogen“ Verfahren der Fall ist.

Woher ich dass weiss ?
Ich hatte vorgestern die Gelegenheit, mich intensiv mit dem wohl weltweit profundesten Kenner der Materie (von unserem  Tischnachbarn, Stefan Hänni,  liebevoll Mr. Micro CT genannt) zu unterhalten: Frank Paque von der Universität Zürich.
Und ich hoffe und wünsche allen Lesern hier, dass ich ihn motivieren konnte, demnächst hier  bei Wurzelspitze auch eines (besser mehrere) seiner Videos zu  zeigen.

Denn auch dieses Mal wieder, als wäre es das erste Mal gewesen, begeisterte mich die Darstellung des Wurzelkanalssystems vom Kanaleingang bis zu den Ramifikationen der Wurzelspitze im animierten Schnittbild mindestens genauso wie die Hesschen Bilder im Studium.

Und ich bin sicher, es wird Ihnen genauso gehen.

Der Schatz im Silbersee!

von Ronald Wecker

Über den Begriff „zeitgemäße Endodontie“ kann sicher ausgiebig diskutiert werden. Was gehört zwingend dazu, was ist „State of the Art“?

Das die hier gezeigte Ausgangssituation das Ergebnis endodontischer Bemühungen aus dem Jahr 2010 darstellen war für mich nur schwer vorstellbar. Das in meinen Augen einzige erfüllte Kriterium war die gute Röntgensichtbarkeit des verwendeten Obturationsmaterials.

Bereits der erste Blick im vom bröckelnden Cavit-Provisorium befreiten Pulpakavum liess erahnen, warum der Zahn nicht beschwerdefrei war.

Das Entfernen von Silberstiften, insbesondere wenn es wie hier ineinander verdrillte Stifte sind, birgt immer die Gefahr, dass die Stifte bei ausreichender Klemmung im Kanal während des Entfernungsversuches am Kanaleingang abscheren.  Um dieses zu vermeiden gilt es zunächst durch Einsatz von Microopener, intensivem Spülen und vorsichtigem Einsatz eines schallbetriebenen Kunststoffspülansatzes das Pulpakavum bestmöglich zu versäubern. Anschließend konnten die Silberstifte vorsichtig „entwirrt“ und aufgerichtet werden.

Das Entfernen der Stifte wurde mit einer grazilen Wurzelfasszange von Hartzell & Son durchgeführt. Diese an eine Arterienklemme erinnernde Fasszange weist sehr schmale aber dennoch stabile Branchen auf. Das Instrument kann in mehreren Stellungen arretiert werden, was den Einsatz deutlich erleichtert.

Wichtig ist das Herausziehen möglichst parallel zur Kanalachse durchzuführen. So kann ein Abknicken oder gar Abreissen der Silberstifte verhindert werden.

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Endodontiemotor

von Olaf Löffler

die SAF wird derzeit Endodontiemotoren nicht ersetzen können. Die rotierende Aufbereitung ist nach wie vor aktuell. Endodontiemotoren gibt es reichlich. Aber nicht immer entsprechen die den Anforderungen der Kunden. Was würden Sie für einen Kaufentscheid voraussetzen?

Reziproke Instrumentation

von Bostidald Wucker

Auf Wurzelspitze wurde zu dem Thema Reziprok um Ghassan Yared bereits einiges geschrieben. Seit gestern ist die VDW Reciproc-Feile im Handel erhältlich. Nun können die klinischen Bilder das Geschriebene bestätigen oder kritisch betrachten lassen.

Wichtig zu wissen ist, diese Feile funktioniert in keinem umprogrammierten ATR Motor. Für die Reciproc ist der VDW Reciproc Motor notwendig, da die Schneidrichtung entgegen der Uhrzeigerrichtung gerichtet ist.

Hier nun ein klinischer Fall aus meiner Praxis. Instrumentiert wurde mit 25.08 Reciproc, 30.05, 35.04 Mtwo.  Patencyfeilen waren #08 und #10.

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Wave One – offizielle Vorstellung

von Hans – Willi Herrmann

Am letzten Freitag hatten im Rahmen eines „Dentsply Deutschland“ OPL – Treffens rund 60 Zahnärzte, allesamt erfahrene Wurzelkanalbehandler,  die Möglichkeit,  nach Einführung durch Prof. Pierre Machtou die neue reziproke Maillefer – Feile „Wave One“ am Plastikblock und am natürlichen Zahn auszuprobieren.

Das am Ende vom Veranstalter abgefragte Stimmungbild war ausgesprochen positiv.
Ich hatte es in dieser Ausprägung so deutlich nicht erwartet. Denn das Verfahren, dass nach der Erschließung des Wurzelkanals mit einer ISO 10 Handfeile auf Arbeitslänge die definitive Aufbereitung mit einer einzigen 25.08 NiTi – Feile vorsieht, war bislang eher mit großer Skepsis beäugt worden. Verständlich, denn zu groß scheint die Diskrepanz zur  bisherigen Vorgehensweise, zu etabliert nach bald 20 Jahren die vollrotierende Aufbereitung, als das man radikal damit brechen wollte.

Für mich jedoch noch interessanter als das Urteil der Experten: 3 Tage zuvor hatte in  Köln ein Arbeitskurs stattgefunden, bei dem  20  Kolleginnen und Kollegen (darunter eine Reihe von absoluten NiTi – Neulingen)   die Gelegenheit hatten, VDW Reciproc – und Maillefer Wave One – Instrumente auszuprobieren, ebenfalls am Kunststoffblock oder Kunststoffzahn, vor allem aber an natürlichen Zähnen.

Das Ergebnis:  Die Behandler waren auf Anhieb in der Lage, mit den VDW Reciproc – Feilen Plastikblöcke  ideal formgebend zu präparieren.

Selbst unter dem Dentalmikroskop war es nicht einfach,  den angefertigten Musterblock des Referenten von den Blöcken der Teilnehmer zu unterscheiden.

Wer es stattdessen konventionell versuchte –  mit vollrotierend eingesetzten Nickel – Titan – Instrumenten – hatte es viel viel schwerer.
Stufen und apikales Zipping war die Folge.

Instrumentenfrakturen tauchten übrigens bei keinem der 20 Kollegen,  die mit VDW Reciproc arbeiteten,  auf. Eine  Frakturrate von 0,0 Prozent also und eine ideale Situation demnach, wie sie nicht einmal den WK – Profis 3 Tage später gelang, die allerdings die Instrumente teilweise bis zum Äußersten forderten und aufzeigten, das NiTi – Instrumente nachwievor brechen können, dies aber mit der neuen Vorgehensweise deutlich schwieriger geworden ist.

Kritische Stimmen in Mainz ?
Die gab es, aber nicht gegen das Prozedere per se, sondern der deutliche Hinweis, dass mit der schnellen Aufbereitung eine adäquate Desinfektion des Wurzelkanals einhergehen müsse.
Eine solche Forderung ist nichts Neues,  aber vielleicht besteht mit dem neuen Verfahren die Möglichkeit, nachdrücklich die Behandler darauf hinzuweisen, dass die bei der Aufbereitung eingesparte Zeit sinnvollerweise in effiziente zusätzliche Desinfektionsmassnahmen investiert werden sollte.

Endometrie oder Röntgenbild …

von Ronald Wecker

… wer hat recht?

Die endometrische Längenmessung ist aus der modernen Endodontie nicht mehr wegzudenken. Die meisten der verfügbaren Geräte besitzen eine große Messgenauigkeit.

Die Verlässlichkeit der Längenmessung kann m. E. auch ohne Vivisektion an der Reproduzierbarkeit der angezeigten Arbeitslänge festgemacht werden.

Korreliert ein geringfügiges Vorschieben des Instrumentes nach apikal in einem gleichermaßen geringen  Ausschlag der optischen Anzeige des Endometriegerätes und lässt sich diese „Reaktion“ verlässlich wiederholen, gibt es keine plötzlich springenden Anzeigen scheint dies ein Hinweis auf eine „korrekte“ endometrische Längenmessung zu sein.

Das Anfertigen einer Messaufnahme mit einer in den Kanal auf Arbeitslänge eingebrachten endodontischen Feile ist in jedem Fall ratsam wie der nachfolgende Fall erkennen lässt.

Die präoperative Aufnahme lässt im apikalen Anteil des Zahnes 12 einen etwas nach distal gekrümmten Kanalverlauf vermuten. Trotz einer, wie oben beschrieben, reproduzierbaren Längenmessung (Kanal mit Papierspitzen getrocknet, Messung auf Anzeige 0,0 davon metrisch 0,5 mm subtrahiert = Arbeitslänge, Instrument weist Tuck-Back auf) kommen angesichts der präoperativen Aufnahme Zweifel an der Korrektheit der Längenmessung.

Nach initialer Aufbereitung, ausgiebiger ultraschallunterstützter Spülung wurde in den getrockneten Kanälen eine erneute endometrische Längenmessung durchgeführt. Auch diese war auf der nun neu ermittelten Arbeitslänge reproduzierbar. Patency war gegeben, der Papierspitzentest bestätigte die neu ermittelte Arbeitslänge.

Als mögliche Ursache für das geschilderte Phänomen kommen größere Seitenkanäle, aus dem Periapikalbereich in das Foramen einsickernde Flüssigkeiten (die im Kanal befindliche Flüssigkeitssäule „verlängert“ dann bei der endometrischen Längenbestimmung das eingebrachte endodontische Instrument) oder aber auch größere apikale Lysen in Frage, die einen Kontakt des Messinstrumentes mit dem periapkalen Gewebe erschweren.

Es ist daher m. E. mehr als empfehlenswert, die endometrisch ermittelte Arbeitslänge radiologisch, selbstverständlich unter den Einschränkungen eines 2D-Bildes zu verifizieren. Endometrie und Röntgenbild schliessen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.

Die Isolierung der für eine subgingivale Keramikschulter präparierten Zähne erfolgte in der von Olaf Löffler entwickelten „Flow-Komposit-Klammer-Technik“.

Die Aufbereitung des Zahnes 12 „endete“ aufgrund der stark reduzierten Hartsubstanz bei 35/04 da Instrumente mit einem größeren Taper zu Aussprengungen an der koronalen Hartsubstanz geführt hatten.

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Anatomie

von Bonald Decker

anbei unser jüngster Fall einer ungewöhnlicheren anatomisch-endodontischen Variation eines zweiten Oberkiefer-Molaren.

Bereits kurz nach dem ersten Termin war der Fistelgang verschlossen und der Zahn beschwerdefrei.

Die 3 1/2 Wurzelkanalsysteme (mesio-bukkal I/II vereinigten sich frühzeitig halbmondförmig) wurden bis zu einem apikalen Durchmesser von 30.05 (mb) bzw. 35.06 (db) und 40.06 (pal) präpariert… obwohl sich beide bukkalen Kanalsysteme (beinahe) zu berühren scheinen lag doch keine klinisch nachweisbare Konfluation vor…

Auf jeden Fall handelte es sich hier um eine Anatomie die wir nicht jeden Tag sehen…

Hess lässt grüssen…

;-)

wieder mal kein Standard-Zahn

    von Bodald Necker
    Der Patient kam mit Schmerzen an einem anbehandelten Zahn per Überweisung vom Chriurgen zu uns.
    Der Vorbehandler wollte den Zahn ziehen, um anschliessend ein Implantat zu setzen. Der Patient suchte selbständig den Weg zum Chirurgen, um sich über Alternativen zu informieren. Der MKG schickte ihn mit dem Auftrag einer Wurzelkanalbehandlung in unsere Praxis weiter. 

    Nach Vitalextirpation und Aufbereitung wurde Calciumhydroxid als Medikament eingelegt und der Patient eine Woche später zur WF einbestellt.

    Bei der Masterpoint-Aufnahme stach mir eine kleine Strukur neben der Guttapercha ins Auge. Es sah verdächtig nach zweitem Kanal aus, obwohl bei der Aufbereitung nichts zu sehen war.
    Eine weitere Suche nach einem anderen Kanal blieb erfolglos.
    Da nichts zu finden war wurde der Kanal abgefüllt.

    Die Abschlussaufnahme brachte es ans Licht. So wie sich das NaOCl per Ultraschall seinen Weg gesucht hatte, hat sich auch der Sealer seinen Weg gesucht. Ohne Sicht.

    Ob die Desinfektion in diesem Kanalanteil gereicht hat werden wir sehen. Jedenfalls war ich über die Voids in der WF nicht erfreut. :-(

Fünfender

von Ronald Wecker

Zähne wie dieser sind nicht ganz alltäglich, zeigen aber eindrucksvoll welche anatomische Variationen dort draußen auf uns warten.

Nach der Ankündigung der überweisenden Kollegin, sie habe bereits 4 Kanaleingänge darstellen können hatte ich mich bereits auf ein normales Ende des Arbeitstages eingestellt. Bereits nach Entfernung der Verschlussfüllung kamen mir erste Zweifel an der Richtigkeit dieser Annahme.

2 palatinale Kanaleingänge, MB1 und DB wo sie zu vermuten waren und eine kleine gewebegefüllte Rinne palatinal von MB1.

Mit einem 34 mm langen Munce-Rosenbohrer ließ sich das Orificium von MB2 rasch lokalisieren. Der Gleitpfad wurde maschinell erstellt. Die Zugangskavitätengröße war durch die Vorbehandlerin vorgegeben.

Das Video zur Behandlung gibt es hier.

Wie würden Sie… (Teil2)

diesen Zahn aufbereiten/ instrumentieren:

Bonidald Wucker würde den hier gezeigten Zahn ebenso instrumentieren, wie die Mehrzahl der Stimmabgaben es zeigen.

Die Alternative zum hand- und maschinell instrumentierten Gleitpfad und Aufbereitung mit rotierende NiTi Instrumenten wäre die Balanced Force Technik nach Roane.
Der Zahn lässt eine Länge von mehr als 25 mm vermuten. Die Kanäle sind verengt und die größte Schwierigkeit ist wahrscheinlich distoapikal patent zu werden. Danach mittels Step back noch einen Taper von 4-6%, je nach Fülltechnik zu erreichen wird ein Kraftakt.
Möglich wäre dies…

Der maschinelle Versuch einen Gleitpfad zu etablieren wird sehr wahrscheinlich zur Stufenbildung führen, die Gefahr der Blockierung und Instrumentenfraktur zudem drastisch steigern. Wäre für mich keine Alternative.

Die klassische Variante mit handinstrumentiertem Gleipfad und anschließender vollrotierender Aufbereitung mit NiTi-Feilen ist eine bewährte Lösung.

Anbei ein Beispiel mit dieser Lösung.

Recall 36,37

Wie würden Sie…

diesen Zahn aufbereiten/ instrumentieren:

Röntgenbild

Saubermachen

von Olaf Löffler

Nach einigen Wochen intensiver Beschäftigung mit dem Thema Reziprok, werde ich mir nun, wie geplant die SAF ( Self Adjusting File ) anschauen. Diese steht nun seit einiger Zeit zum Einsatz bereit.

Für mich war bisher optisch nicht so richtig erkennbar, wie, bzw. ob die Feile arbeitet. Bei einem Versuch mit Wasser im extrahierten Zahn habe ich das nachfolgende Video drehen können.

Man sieht die Eintrübung der Spüllösung. Mit Natriumhypochlorit war dies nicht so deutlich zu erkennen. Nach dem Trocknen sieht man allerdings auch  unbearbeitete Bereiche in der Einziehungen.

Besonders wichtig erscheint mir aus dieser Situation der unbedingte geradlinige Zugang zum Kanalsystem.

Rumpelkammer reloaded

von Bonald Decker

Sie erinnern sich noch an unseren „Rumpelkammer“-Beitrag?

Hier könnten Sie ansonsten noch mal darüber nachlesen.

Bereits kurz nach unserem ersten Termin war der Patient beschwerdefrei und somit haben wir den Fall in der zweiten Sitzung nach Wurzelkanal- und Komposit-Füllung abgeschlossen.

Und wie es so häufig im Leben ist…

so ein Fall kommt selten allein…

nachfolgend ein paar Impressionen des letzten Patientenfalles von heute…

man könnte glauben beide Fälle sind „damals“ von ein und dem selben Behandler durchgeführt worden…

;-)

Am seidenen Faden…

von Sebastian Riedel

Eine gewissenhaft arbeitende Überweiserin schickte uns einen Revisionsfall, bei dem sie die angestrebte Patency nicht etablieren konnte.

Dieser Fall erschien relativ vorhersagbar lösbar: mesial war eine Konfluation der beiden Kanalsysteme tastbar, auch am Austausch der Spülflüssigkeiten beim desinfizierenden Spülen und Absaugen mittels Minisauger merkte man es. Im distalen Kanalsystem stieß die 10er C-Pilot in ca. 18 Millimetern Tiefe erstmal gegen eine Wand oder Stufe. Nach erneuter Inspektion der Anatomie auf dem Röntgenbild konnte durch Vorbiegen der Feile  und vorsichtiges Tasten, selektiv in bukkaler und mesialer Richtung, der weitere Kanalverlauf erschlossen werden – Fall gelöst !

Manchmal gehört aber auch eine Portion Glück dazu, das Richtige zu tun – durch ständige und intensive Schall- und Ultraschallaktivierung der Spülflüssigkeiten sah man plötzlich einen dunklen sehr feinen Faden, der im Pulpakavum in der Flüssigkeit aufschwamm.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Behandlung erinnerte sich die Patientin, angesprochen auf den Faden, dass dieser Zahn vor vielen Jahren mal von einem Kollegen offen gelassen wurde. So ist erklärbar, wie es zur Verschleppung der eingefärbten Fasern kommen konnte.

Nun mache ich mir Gedanken: Wie viele unserer kompromisslos behandelten Zähne und dazugehörige Periapikalregionen werden ein solches oder ähnliches Geheimnis bergen?

„Pathway of the Pulp“ weiß, dass viele Fremdmaterialien, zum Beispiel und vor Allem auch Watte, unverändert im Gewebe verbleiben und eine Fremdkörperreaktion provozieren können, da entsprechende Enzyme zu deren Auflösung fehlen.

Weder diagnostisch noch therapeutisch lässt sich etwas variieren, diesem potenziellen Problem immer Herr zu werden. Aber die genaue Anamnese kann Hinweise liefern, vor allem wenn ein Zahn über längere Zeit offen gelassen wurde.

Wir verwenden zum temporären Abdecken der Kanalorifizien gegenüber den darüber liegenden Verschlussmaterialien die Schaumstoff-Pellets „Pele Tim“ von VOCO. Man erhält sie in verschiedenen Größen. So können keine Zellulosefasern in die Kanalsysteme verschleppt werden. Dies erhöht die Chance eine vollständige Heilung herbei zu führen.

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Sicher ist sicher!

von Ronald Wecker

Die endodontische Therapie unterer Frontzähne hält einige Stolpersteine bereit. Anatomische Variationen, eingeschränkte Sichtverhältnisse, schwieriger Zugang zu den Kanalsystemen sind nur einige Punkte.

Bereits das sichere Verankern des Kofferdams kann bei besonders grazilen Zähnen mit flacher oro-vestibulärer Ausdehnung eine Herausforderung sein. Um das Abhebeln von Butterflyklammern zu verhindern hat Olaf Löffler hier bereits ein Verfahren vorgestellt.

In unserer Praxis kommt zum Erstellen eines Kippmeiders ein schnellhärtendes Bissregistratmaterial (Registrado, Fa. Voco) zum Einsatz.

Da während der Kofferdamapplikation die Orientierung erschwert sein kann und sich sowohl natürliche als auch mit Kronen versorgte untere Frontzähne sehr ähnlich sehen können, markieren wir vor dem Legen des Kofferdams den zu behandelnden Zahn mit einem wasserfesten Filzstift.

Verwechselungen sind damit ausgeschlossen. Wäre nämlich ziemlich unangenehm den falschen Zahn zu trepanieren.

In vorliegendem Fall hatten die unteren Inzisivi aufgrund von Abrasionen ein sehr ähnliches Erscheinungsbild. Die apikale Aufhellung ist Spätfolge eines Frontzahntraumas vor ca. 5 Jahren. Schön zu sehen wie bereits 6 Monate postoperativ eine deutliche Heilungstendenz zu beobachten ist.

Und die Abfolge der Röntgenbilder lässt insbesondere am letzten Bild erkennen, das die Positionierung des Röntgensensors in engen Kieferbögen durch die Verwendung eines Haltersystems verbessert wird.  ;)

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Hab ich den perforiert?

von Bonald Decker

Mit dieser Fragestellung wurde uns vor Kurzem der nachfolgende Fall geschickt.

Der Überweiser war beim Anblick seiner „Messaufnahme“ und der darauf ersichtlichen Instrumentenposition stark verunsichert und befürchtete eine iatrogene Verletzung des Zahnes. Ein Endometriegerät kam während der initialen Behandlung nicht zum Einsatz.

Bereits bei genauer Betrachtung der „Messaufnahme“, jedoch spätestens bei der Interpretation der Diagnoseaufnahme war eigentlich klar, dass es sich hier nicht um eine Perforation handelte.

Diagnoseaufnahme Zahn 25

Es fällt auf, dass die Wurzel im mittleren Drittel untypisch breit erscheint und quasi keine apikalwärts gerichtete Verjüngung aufweist…

Und auch das klinische Bild liess aufgrund der sehr minimal-invasiven Trepanationsöffnung eine mögliche Perforation des Zahnes als sehr unwahrscheinlich erscheinen.

Ausgangssituation der alio loco durchgeführten Trepanation

Nach Erweiterung der Zugangskavität bestätigte sich im weiteren Verlauf der „Verdacht“ auf Vorliegen eines „Mini-Molaren“ mit zwei bukkalen und einem palatinalen Wurzelkanalsystem.

Die abschliessende Präparation erfolgte bis zu den Grössen 25.06 (bukkal) bzw. 35.04 (palatinal). Nach Wurzelkanalfüllung und adhäsivem Verschluss der Zugangskavität konnten wir den Zuweiser über den Behandlungsabschluss informieren. Er war mehr als froh, dass sich seine initiale Befürchtung definitiv nicht bewahrheitete.

Von Prämolaren mit drei Wurzeln hatte er nach eigenen Angaben in ca. 30 Jahren Berufserfahrung noch nie gehört bzw. dies klinisch nie gesehen…

two file endo

von Bodald Necker

In den Wurzelspitze-Praxen wird – wie in vielen anderen Praxen auch – nach Möglichkeiten gesucht, die Endo besser, sicherer, einfacher, schneller und auch preiswerter zu machen. Ziele, die nicht mit jeder Neuerung funktionieren. Leider.

Ein großer Schritt in diese Richtung war die, von Ghassan Yared vorgestellte, Reziprok-Technik. Mit den, von VDW und Maillefer vorgestellten Reziprok-Systemen „Reciproc“ und „Wave One“, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung gemacht worden.

Momentan wird von mir eine neue Kombination getestet:

Eine rein maschinelle Aufbereitung, die sich auf zwei Feilen beschränkt.

  1. Nach Darstellung der Kanaleingänge wird der Kanal bis zum Apex erschlossen mit einer FKG Scout-RaCe 10/02. Durch die spezielle Geometrie der Race-Feile und die hohe Drehzahl katheterisiert diese Feile die Kanäle – nach meinem subjektiven Empfinden – noch geschmeidiger als die Maillefer PathFile.
  2. Wenn der Kanal bis zu Apex mit der 10/02 RaCe gängig gemacht ist, wird mit einer Easy RaCe 25/06 (sehr flexibel und schneidfreudig) in Reziprok-Technik erweitert.
  3. Als Antrieb fungiert der Endo Pilot von Schlumbohm, er bietet Längenmessung während der Aufbereitung mit programmierbarem Endpunkt sowie freie Einstellung der Parameter im Reziprok-Modus.
    Momentan von mir genutzte Reziprokeinstellung (rein empirisch) für die Easy-RaCe 25/06 im Endo-Pilot:
    L 16, S 80, P 18, R 24 (Linksdrehung, Drehgeschwindigkeit, Pause, Rechtsdrehung).
    Torque auf mindestens 2,0 Ncm, da sonst der Motor nicht rückwärts dreht.

Mit zwei verwendeten Feilen, die nach der Behandlung verworfen werden, halten sich bei diesem System die Ausgaben im Rahmen.

Klar, diese „Zweifeilenendo“ ist nicht in jedem Zahn optimal, es ist auch keine High-End-Aufbereitung und auch nicht für jeden Zahn ausreichend. Aber mit welchem System, welches weniger als 10 Feilen braucht, ist das schon so?

In der Vielzahl der Fälle funktioniert dieses System gut. Es ist schneller und billiger durch den Einsatz von nur zwei Feilen und der ELM während der Erschliessung und Aufbereitung. Und durch das, mit der Reziproktechik einhergehende, geringere Frakturrisiko, ist dieses System einfacher und sicherer.

Eine gewisse Einarbeitungszeit wird trotzdem notwendig sein.
Auch die Parameter für die Reziprokeinstellung sind sicher noch nicht.

Selbstverständlich können auch andere Feilen für diese two file endo verwendet werden. Ich komme momentan mit dieser Kombination am besten zurecht.

Anbei die Bilder eines 26, der mit diesem System aufbereitet wurde.

Die Masterpointaufnahme dient zur Verifizierung der ELM, WF mit üblichem System.

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Altmetallsammlung…

von Sebastian Riedel

Vor einigen Wochen wurde hier schon unter dem Stichwort Rumpelkammer Prof.Dr. Louis I. Grossman zitiert.

Beim folgenden Fall kam mir seine Redewendung wieder in den Sinn.

Die Patientin suchte uns auf, nachdem alio loco, auch unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskopes, versucht wurde, den Zahn 37 zu behandeln. Die Kollegin entschied sich während der Revision, die Behandlung nicht fortzusetzen und in unsere Hände zu empfehlen.

Vorweg : alles, was ausgegraben werden konnte, muss lange zurückliegenden Behandlungen zugeordnet werden. Sagt die Patientin.

Das mitgebrachte Röntgenbild, eine Mikroskop-Standbildaufnahme und unsere diagnostische Aufnahme mit GuttaPercha im vorhandenen Fistelmaul zeigten eine ausgedehnte interradikuläre knöcherne Lyse als auch metallische Fremdkörper im Bereich eines Kanaleingangs. Der Zahn wies klinisch keine Lockerung auf und verfügte über genügend koronale Restsubstanz, die Erhaltungswürdigkeit war gegeben.

Eine Perforation des Pulpakammerbodens konnte nicht festgestellt werden , jedoch förderte ich außer den röntgenologisch sichtbaren noch einige separierte Fragmente zu Tage. Allein aus dem distobukkalen Kanal konnten  3 Fragmente entfernt werden, die nacheinander an einer Stufe vom Rest des Wurzelkanalinstruments separiert worden waren. Zusätzlich sieht man neben den 7 metallischen Trophäen auch einen winzigen Dentikel.

Im Laufe der Erschließung der Kanalsysteme formte sich koronal eine deutliche C-Struktur, die in der Tiefe in vier getrennte Kanalsysteme und Foramen verzweigte.

Fast hätte es die nicht entfernte Luftblase noch geschafft, mich vom Vorzeigen abzuhalten, die Freude über den Fall ist aber größer als der Ärger über meine offensichtliche Inkonsequenz in diesem Punkt. Trotzdem ein wenig schade.

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DVT vs. Zahnfilm – Teil 1

von Bodald Necker

Der Patient wurde zur Wurzelkanalbehandlung in unsere Praxis überwiesen, da der Zahn 47 nach einer direkten Überkappung Schmerzen machte. Zuerst konzentrierte ich mich auf die vorgegebene Aufgabe: Endo an 47.

Auf den Röntgenaufnahmen war auch Zahn 46 zu sehen. Und an der distalen Wurzelspitze der alio loco erbrachten Wurzelkanalbehandlung war eine „Unregelmässigkeit“ zu sehen.
Es war keine Aufhellung  zu erkennen, jedoch war die Knochenstruktur ein verändert. Ich hatte den Patienten darauf hingewiesen und ein DVT zur Abklärung vorgeschlagen. Nachdem auch der überweisende Zahnarzt informiert wurde und er seine Zustimmung gab wurde der Patient zum DVT überwiesen.

Die Auswertung des DVT war dann doch ernüchternd. Was sich im analogen Zahnfilm als kleine diffuse Veränderung der Knochenstuktur dargestellt hatte, war ein durchaus imposanter Defekt im DVT.

Nach Aufklärung des Patienten (über Befund, Therapie, deren Alternativen, Risiken und Kosten) werden wir kommende Woche zur Revision schreiten.

Was brachte uns das DVT hier bei der Diagnose?
Aus einer Unregelmässigkeit im Zahnfilm wurde ein sehr deutlicher Knochendefekt im DVT, der meiner Meinung nach behandlungsbedürftig ist. Das DVT war hier eine deutliche Hilfe zum Erkennen des Knochendefektes.

Der Patient aber hatte keinerlei Beschwerden an diesem Zahn (die Beschwerden an Zahn 47 waren verschwunden nach der Vitalextirpation). Das heisst, es war ein reiner Zufallsbefund, da ohne Probleme an Zahn 47, kein Röntgenbild von dieser Region angefertigt worden wäre.

Konsequenz?

Das Granulom an 46 wäre nicht entdeckt worden. Wahrscheinlich mehrere Jahre lang nicht.

Hätte der Patient einen Schaden davon getragen?

Ich glaube nicht.
Es ist auch nicht zu erkennen, wie lange vor der Diagnose sich der Defekt manifestiert hatte.

Bedeutet das nun, dass man die Patienten, die wurzelkanalbehandelte Zähne im Mund haben alle durchs DVT schicken soll, um eventuelle Defekte auf zu decken?

In meinen Augen nicht.

Allerdings ist es zu überlegen, ob z.B. bei Zahnersatzplanungen, in die wurzelkanalbehandelte Zähne mit einbezogen werden, ein DVT – unter bestimmten Voraussetzungen – zur präoperativen Diagnostik sinnvoll sein kann.

Als Standard will ich es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ansehen.

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Endodontie Video John West

von Hans – Willi Herrmann

Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, einem der grossen Endodontisten bei der Behandlung über die Schulter zu schauen ?
Vermutlich eher selten, oder ?
Hier ist eine solche Gelegenheit.
John West bei der Endo eines OK –  Prämolaren. Das Video  – mehr als 45 Minuten lang  und kostenlos.

Neuralgiforme Beschwerden (2)

von Bonidald Wicker

die Ergebnisse Stand 03.01.2011:

 

Hier fing alles an.

Die Schmerzen der Patientin lassen den schmerzverursachenden Zahn nicht erkennen. Eine endodontische Problematik an 26 ist zu erkennen. Es ist der Verdacht einer apikalen Veränderung im Röntgenbild naheliegend. Die Pulpakammer zeigt eine Verschattung, welche ein Füllmaterial, oder eine Einlage mit einem Wattebausch vermuten lässt. Die klinische Inspektion zeigt eine insuffiziente Kronenversorgung.

In Absprache mit der Patientin haben wir uns für die sofortige endodontische Behandlung des Zahnes 26 entschieden. Die Krone wurde zur Schmerzbehandlung zunächste belassen und die Präparation der Zugangskavität erfolgte durch die Krone. Die Pulpahöhle war mit einem Wattebausch gefüllt. Die mesialen Kanäle zeigten ebenso wie der distale Kanal ein nektrotisches infiziertes Gewebe. Im palatinalen Kanal zeigte sich eine pulpitisch heftig blutende Pulpa. Nach Spülung, Aufbereitung und CaOH Einlage erfolgte der provisorische Verschluss.

Der Anruf am nächsten Tag  bei der Patientin ergab, keine Beschwerden.

Nach weiteren 2 Tagen stand die Patientin erneut vor der Praxistür. Die Beschwerden waren wieder da. Jedoch weniger heftig.
Die klinische Untersuchung und der Sensitest ließen den Zahn 25 eindeutig als Ursache erkennen.
Nach der endodontischen Behandlung von 25 sind sämtliche Beschwerden verschwunden.

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RECIPROC® – One File Endo

von Hans – Willi Herrmann

Gestern habe ich auf die Wave One Feile hingewiesen.
Via ROOTS kam noch am selben Tag der Hinweis auf entsprechende Infos und Videos zur VDW Reciproc im Netz.


 

Wave One – Reziprokes RNiTi – Instrument von Maillefer

von Hans – Willi Herrmann

Seit ein paar Tagen finden sich auf der Homepage von Maillefer detaillierte Informationen zum  Wave One – Instrument, welches  ebenso wie das  VDW Reciproc – Instrument die von Ghassan Yared vorgestellte nichtkontinuierliche, teilweise rückgeführte Rotationsbewegung verwendet.

Sieht nach einer runden Sache aus. Und das mein ich jetzt nicht allein  bezogen auf den   Aufhänger der Werbe -Broschüre.

Ich bin zuversichtlich, dass viele Anwender, sobald sie sich mit dieser Technik erst einmal vertraut gemacht haben, den Nutzen und die Vorteile der reziproken Arbeitsweise für ihre endodontische Aufbereitung entdecken werden.

Das wird nicht über Nacht sein, weil schon so viele Leute mit  konventioneller rotierender NiTi – Aufbereitung arbeiten und für die neue Technik ein spezieller Antrieb erforderlich ist, dessen Anschaffung man zunächst scheuen wird.
Aber diejenigen, die sich darauf einlassen,  werden sukzessiv den Anteil an Aufbereitungsarbeit vom konventionellen Verfahren an die reziproke Vorgehensweise übertragen.

Falls der Preis stimmt, denn eins ist klar. Unterm Strich müssen die Vorteile (die Synthese aus Aufbereitungsergebnis, Zeitaufwand und Preis) überwiegen, sonst wird diese neue Technik, ungeachtet ihres tatsächlichen Potentials, wieder vom Markt verschwinden.

Wie wird es letztendlich ausgehen ?
Keine Ahnung, wird sicherlich spannend sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen, ich für meine Person kann nur sagen,  nach mehr als 2,5 Jahren Arbeiten mit der GYT würde ich es sehr bedauern, wenn ich wieder auf die konventionelle Technik umsteigen müsste.

Auf der exzellent gemachten Maillefer -Homepage findet sich neben einer Vielzahl von Informationen auch ein ausführliches Video zur Wave One.
Dort auch zu finden eine weitere Neuheit, der Thermaprep 2 Ofen.

As time goes by …

von Ronald Wecker

Sieben Jahre nach Eingliederung der Krone an Zahn 37 und mehr als 9 Jahre nach endodontischer Therapie stellte sich der Patient mit dezementierter Krone und ausgedehnter Sekundärkaries vor. Apikal zeigte sich röntgenologisch eine deutliche Pathologie.

Schön zu sehen, dass ich mich in den vergangenen 9 Jahren im Bereich der chemo-mechanischen Aufbereitung weiter entwickeln konnte. Die Erstbehandlung hatte ich nämlich selbst durchgeführt.

FKG RACE Feilen für den maschinellen Gleitpfad – eine der Entdeckungen des Jahres 2010

von Hans – Willi Herrmann

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Anlass, zu überlegen, was sich in 2010 in der Praxis an Veränderungen ergeben hat.

Die VDW Reciproc  – Feile habe ich an dieser Stelle schon erwähnt.  Noch eine weitere Feile ist hinzugekommen. Genauer gesagt mehrere RACE – Feilen (FKG) in den Größen 10 und 15.

Seitdem VDW 2005 mit den Mtwo – Feilen das Arbeitskonzept einer initialen apikalen Aufbereitung mittels rotierender Nickel – Titan – Feilen offiziell in die Zahnmedizin einbrachte (und dafür viel Kritik hinnehmen musste) hat sich viel getan. Heute ist eine solche Vorgehensweise etabliert, was nicht heisst, dass man in jedem Falle so verfahren muss.

Aber  – es gibt Situationen, in denen der Einsatz solcher Instrumente Sinn macht und nützlich ist.
Ich habe hierfür von 2004 bis 2008 Mtwo 10.04 (VDW) –  und Flexmaster 15.02 (VDW) – Feilen eingesetzt, seit 2008 verwende ich dafür zumeist Pathfiles (Maillefer).

Und nun also RACE Feilen, die es in den Größen 10 und 15 mit Konizitäten von 2, 4, und 6 Prozent gibt.  Es ist wirklich erstaunlich, wie diese Feilen (FKG spricht bei den 2 Prozent – Feilen  von den Scout –  RACE – Feilen, ein offizieller Anwenderhinweis des Herstellers  findet sich am Ende des Blog – Beitrags) ihren Weg finden. „Mühelos“ ist wohl das Wort, dass die Art und Weise am Besten beschreibt.

Und wie sieht es mit der Sicherheit aus ? Ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich mit diesen Instrumenten arbeite. Wichtig: Initialer Einsatz von Handfeilen bis zur ISO 10 ist zwar keine Conditio sine qua non, fällt aber definitiv unter die Rubrik „vertrauensbildende Massnahmen“.  Im Zweifelsfalle also besser  „mit“.
Und – bei 600 Umdrehungen pro Minute bedarf es keiner Druckausübung.
Man lässt die Instrumente lediglich durch das Eigengewicht von Arbeitshand und Winkelstück von selbst nach apikal vordringen. Die „Echternacher Springprozession“ als Arbeitsbewegung ist auch hier sinnvoll.
Jegliche Rückmeldung aus dem Kanal sollte ein Zeichen sein dafür, das Instrument aus dem Kanal zu ziehen, es auf seine Integrität hin zu untersuchen und mit einem Handinstrument die Durchgängigkeit und den Verlauf des Wurzelkanals zu prüfen.

„Mechanical Glide Path“ – Feilen sind keine Wunderwaffen und eine gesunde Skepsis im Einsatz  ist wichtig. Wer sich aber mit Sinn und Verstand auf die Instrumente einlässt, diese, wie oben beschrieben, vorsichtig verwendet, der wird vermutlich wie ich sehr angenehm überrascht sein und die Scout – RACE sowie ihre größer getapeteren Varianten zukünftig häufiger einsetzen. Ob es im Einzelfall als Erstes eine 10er oder 15er ist und welche der drei Koniziäten ich initial einsetze, dass entscheide ich von Zahn zu Zahn wurzelkanalspezifisch.

Vertucci Typ VII

von Ronald Wecker

Obere zweite Prämolaren gelten landläufig als „einfache Zähne“. Insbesondere im Fall einer Vitalexstirpation. Der Zahn kann sich im Grunde genommen bereits kurz nach Anlegen der Zugangskavität als obturiert betrachten.

Mental derart „vorbereitet“ ist dann das Erstaunen des Behandlers umso größer wenn kurz darauf die Feile hakelt, Patency weit entfernt ist und es so gar keine Vorstellung von der tatsächlich vorhandenen Kanalanatomie gibt.

Wie gut, dass die heute zur Verfügung stehende Röntgendiagnostik bereits präoperativ mögliche Schwierigkeiten erkennen lässt.

In vorliegendem Fall kann der Zahn anhand des Ausgangsröntgenbildes mit großer Sicherheit einem Typ VII nach VERTUCCI zugeordnet werden. Ein Wurzelkanal der sich aufteilt, konfluiert und erneut aufteilt (1-2-1-2).

In der aktuellen Ausgabe der „Endodontie“ gibt es einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Klassifikationen der Wurzelkanalanatomie (Endodontie 2010;19(4), 369 -392).

Nach der ersten Aufteilung gab es zunächst eine weit hinabreichende Dentinbrücke zwischen dem palatinalen und dem bukkalen Kanal. Die anfangs vorhandene Idee diese zu entfernen um einen besseren Einblick in den apikalen Kanalanteil zu erlangen, habe ich aufgrund des damit verbundenen großen Substanzverlustes verworfen. Nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Spülung mit NaOCl konnte die Konfluationsstelle visualisiert werden. Das Entfernen des in diesem Bereich befindlichen Gewebes gelang mit Hilfe eines fast 90 Grad vorgebogenen Microopeners. Der bukkal gelegene Kanalanteil konnte anschliessend unter direkter Sicht instrumentiert werden. Die zweite Aufgabelung wurde mit einer leicht vorgebogenen C-Pilot Feile der Stärke ISO 008 aufgesucht und unter endometrischer Kontrolle initial erschlossen. Um ein versehentliches Abgleiten in den bereits aufbereiteten bukkalen Kanal zu verhindern wurde in diesen ein Masterpoint (35/06) eingebracht.

Nach jedem in den palatinalen Kanal eingebrachtem Instrument wurde die Guttaperchastange aus dem bukkalen Kanal entfernt und auf Einkerbungen kontrolliert. So wurde sicher gestellt, dass der „richtige“, nämlich palatinale Kanal instrumentiert worden war.

Die Obturation erfolgte in warmer vertikaler Kompaktion beginnend mit dem palatinalen Kanal. Ein Foto zeigt eine kleine Menge Sealer in  der breiten apikalen Konfluationszone.

Mein Fazit: Die am besten investierte Behandlungszeit ist das ausführliche Betrachten des präoperativen Röntgenbildes.

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ICR Recall

von Bonidald Wecker

Diese Woche habe ich ein Recallbild einer Behandlung aus 2008 erhalten.

Ausgangssituation damals war ein Röntgenbild, welches klassisch eine invasive cervikale Resorption Typ 3 nach Heithersay zeigte. Der Patient wollte den Zahn unbedingt erhalten. Das Resorptionsgewebe reichte bis zur Pulpa, so daß nach Entfernung dessen eine Wurzelbehandlung notwendig wurde.

Die klinische Inspektion zeigte neben einer generalisierten P. marginalis und Gingivitis keine kariöse Läsion des Zahnes. Ein Traumageschehen wurde durch den Patienten ausgeschlossen. Die funktionelle Untersuchung ergab eine Überbelastung des Zahnes. Dies könnte in Zusammenhang mit der P.marginalis als auslösender Faktor in Betracht kommen.

Nach 2 Jahren zeigt sich ein stabiler und schmerzfreier Zustand.

 

ICR Recall

ICR Recall

ICR Recall

Deep split

von Bonald Decker

anbei ein Kurzvideo eines aktuellen Behandlungsfalles, der für uns sicher nicht alltäglich war…

enjoy…

 

:-)

bone magnet

von Bodald Necker

Stört ein Puff die Ausheilung einer apikalen Läsion?

Ich weiss es nicht, jedenfalls wird die Ausheilung nicht verhindert – vorausgesetzt, das Wurzelkanalsystem ist gut genug desinfiziert und koronal wurde dicht verschlossen, um eine Reinfektion von koronal auszuschliessen.

Ein Patient kam mit Fisteln buccal an 41. Es war mehr oder weniger ein Zufallsbefund, denn sie störte ihn nicht weiter und er kam eigentlich mit einem anderen Anliegen in die Praxis.

Der 41 wurde trepaniert, aufbereitet und mit Calciumhydroxid-Einlage versorgt und nach 14 Tagen abgefüllt. In der relativ großen apikalen Läsion ist das kleine Puff ist gut zu erkennen.

Nach 5 Monaten war der Patient wieder zur Kontrolle. Das Puff war noch da, die Läsion weg. Zumindest war sie auf dem Röntgenbild nicht mehr zu erkennen.

Ob sich die Läsion ohne Sealerpuff schneller zurückgebildet hätte, und ob die Heilung durch der Sealer gestört wurde, kann ich nicht sagen, jedenfalls bin ich mit der Geschwindigkeit der Rückbildung mehr als zufrieden.

Herausgeschält …

von Ronald Wecker

Gegossene Stiftaufbauten haben einen eigenen Charme. Insbesondere bei ihrer Entfernung. Dabei erscheint es mir oftmals so, dass die auf den ersten Blick als schwierig eingeschätzten, weil z.B. sehr langen zylindrische Wurzelstifte, leichter zu entfernen sind als die sogenannten „No-Brainer“.

In vorliegendem Fall traten mehr als 20 Jahre nach der Stiftinsertion zunehmend stärker werdende periapikale Druckdolenzen auf. Das präoperative Bild ließ einige Schwachstellen vermuten, die die Entfernung begünstigen sollten. So war sowohl mesial als auch distal eine deutliche Zementfuge zu erkennen, nach deren Entfernung der Stift „aufgeben“ sollte. Leider hat die Wirklichkeit noch eine dritte Dimension auf Lager. In der vestibulo-lingualen Ausdehnung hatte der Stift eine feine Presspassung. Eine zünftige Kastenpräparation mit sehr kleinem Zementspalt sorgte dafür, dass ich mich nach Abnehmen der Vollkeramikkrone mit deutlich gebremstem Optimismus an die Stiftentfernung machte.

Um das Frakturrisiko zu minimieren habe ich zunächst einen ringförmigen Schlitz innerhalb des angegossenen Metallanteils präpariert. Die weiter vestibulär befindlichen Stiftanteile konnten so ohne Gefahr für die Hartsubstanz entnommen werden. Nachdem die Zementfuge mittels Ultraschall freigelegt war bedurfte es erst noch weitere 30 Minuten um nach „Abschälen“ der angegossenen Stiftanteile den Stift entfernen zu können.

Um bei zweizeitigen Vorgehen eine zufriedenstellende provisorische Versorgung zu ermöglichen wurde nach Einbringen von CaOH2 dieses zunächst mit einem Schaumstoffpellet und Cavit abgedeckt. Darüber wurde in der oberen Wurzelhälfte ein Quarzfaserstift adhäsiv befestigt und der Zahn nach Erstellung eines Kompositaufbaus nach Präparation mit einer laborgefertigten Krone versorgt.

In der zweiten Sitzung erfolgte nach Trockenlegung der erneute Zugang durch den im Kanal befindlichen Glasfaserstift. Um eine Irritation der Gingiva durch die Kofferdamklammer zu verhindern wurde aus einem lichthärtenden Flowkomposit eine individuelle Kofferdamklammer hergestellt. Nach dem Aushärten verankert sich diese an den Unterschnitten der Nachbarzähne und verhindert wirkungsvoll ein Hochrutschen des Kofferdamgummis über den präparierten Zahn. Ein Vorgehen, das ich von Olaf Löffler übernommen habe.

Nach Entfernen der medikamentösen Einlage erfolgte die Obturation mit MTA. Abschliessend wurde ein adäquater Quarzfaserstift adhäsiv befestigt und  das Provisorium rezementiert.

Das hier beschriebene Vorgehen ermöglicht es  sowohl die Bedürfnisse der Patienten nach einer sicheren und ästhetisch ansprechenden temporären Versorgung als auch den Wunsch des Behandlers nach einem speicheldichten und mechanisch belastbaren temporären Verschluss zu befriedigen.

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Neuralgiforme Beschwerden

von Bonidald Wicker

Die Patientin hat seit 1-2 Wochen heftigste Beschwerden.
Diese wurden von Ihr so beschrieben:

  • ausstrahlend vom Oberkiefer links bis in das Ohr und Kiegergelenk, sowie den Unterkiefer links
  • stark zunehmend und zur Verzweifelung neigend
  • verordnete Schmerzmittel versagten
  • suizidale Gedanken wegen der Beschwerden
  • nicht zahnbezogen

Die Verzweifelung trieb die Patientin auf Empfehlung von Bekannten in unsere Praxis. Zuvor erfolgte eine hausärztliche Therapie auf grund neuralgieforme Beschwerden und Kiefergelenksbeschwerden.
Die zahnmedizinische Anamnese ergab.
Vor kurzer Zeit Erneuerung der Versorgung an dem Zahn 27, wegen fehlendem Kontaktpunkt mesial und vorhergehenden Problemen am Zahnfleisch. Klinisch zeigte sich die Kunststofffüllung am Zahn 27 ohne Befund. 26 wurde vor über 10 Jahren mit einer Metallkeramikkrone versorgt. 24 und 25 zeigten Kunststofffüllungen, welche erneuerungsbedürftig sind.

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Diagnostik:
Die Zähne 25, 27, 28 zeigten eine positive Reaktion auf Kälte. 26 und 24 zeigten keine Reaktion. Der Kältereiz ergab keinen Hinweis auf einen schmerzauslösenden Reiz. Perkussion und Palpation waren symptomfrei. Es wurden Bissflügelaufnahmen angefertigt. Danach erfolgte die Röntgenaufnahme von 25 – 27.
Eine sequentielle Anästhesie von 25 ergab leicht nachlassende Beschwerden, 26 wieder etwas nachlassend, 27 vollständige Schmerzfreiheit.

Spätfolgen eines Frontzahntraumas (2)

von Ronald Wecker

Vor 2 Wochen wurden an dieser Stelle die präoperativ angefertigten Röntgenbilder eines Behandlungsfalles eingestellt, bei dem 18 Jahre nach dem Trauma im Rahmen einer Routineuntersuchung ein resorptives Geschehen diagnostiziert wurde.

Da eine kombiniert chirurgisch/kieferorthopädische Therapie mit Rückverlagerung des Oberkiefers geplant ist, sollte, wenn möglich, eine implantologische „Lösung“ vorerst vermieden werden. Angesichts der nicht exakt abzuschätzenden Dauer der kieferorthopädischen Therapie und eines sehr tiefen Überbisses schieden sowohl das herausnehmbare Provisorium als auch eine adhäsiv befestigte Brücke als Versorgungsform aus.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich der koronale Anteil der Pulpa vollkommen nekrotisch. Darunter war ein sehr gut durchblutetes Weichgewebe darstellbar, welches nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Irrigation mit NaOCl und gleichzeitigem mechanischen Einwirken  (Microopener, Microdebrider) entfernt werden konnte. Es erfolgte das Einbringen von CaOH2 und der dentinadhäsive Verschluss.

Am 2. Termin war die Resorptionslakune vollständig frei von Gewebe, Unter dem Mikroskop konnte apikal der ca. 2,5 mm lange Originalkanal visualiert und instrumentiert werden. Nach der Einprobe des Masterpoints wurde dieser mit einem Skalpell 3 mm von der Spitze entfernt gekürzt, mit wenig Sealer bestrichen und unter Sicht auf der Spitze eines durch Aufbiegen „verlängerten“ Microopeners in den apikalen Kanalanteil eingebracht.

Sodann wurde die Resorptionslakune unter Zuhilfenahme einer Dovgan-MTA-Gun (2,2 mm) mit MTA gefüllt. Um das MTA durch Ultraschallaktivierung in die Lakune einzubringen musste ein schöner S-Kondensor ISO 120 gerade gebogen werden, da der tiefste Punkt der Lakune bei 21 mm lag.

Abschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes dentinadhäsiv verschlossen. Die geringe seitliche Extrusion des MTA hat vermutlich keinen nennenswerten Einfluss auf die Prognose und stellt eher eine röntgenästhetische Unzulänglichkeit dar.

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Reciproc

von Christoph Kaaden

Vielleicht geht es ja dem ein oder anderem Leser dieses Blogs wie mir und hatte keine Möglichkeit in Wien oder Berlin (oder anderen Ortes) Vorträge von Dr. Ghassan Yared zu der von Ihm neu entwickelten Aufbereitungstechnik incl. neuer Instrumente zu hören…

aber heute habe ich erstmals im ROOTS Journal davon gelesen.

Hier der link zu dem Bericht (auf Seite 40) und weiteren lesenswerten Artikeln…

Komet Endo Rosenbohrer Sortimenterweiterung

von Hans – Willi Herrmann

Soeben habe ich die Nachricht erhalten, dass Komet seinem Sortiment von  überlangen Endo-Rosenbohrern , die bisher in den Größen 006 008 und 010 vorlagen (H1SML205.006 – 010),  ab Januar 2011 weitere Grössen mit den Durchmessern 012 und 014 zur Seite stellen wird.

Wenn ich überlege, wie lange es gedauert hat, bis dieses Projekt in die Tat umgesetzt wurde und dass zunächst bei Komet, um dieMarktakzeptanz zu testen, mit einer einzigen Größe begonnen wurde, dann freut mich diese Nachricht sehr, zeigt es doch, das der eingeschlagene Weg der richtige war. Ich nutze diese Bohrer ständig  und offensichtlich verfahren  immer mehr Kollegen ebenso.

Und so besteht sogar die Hoffnung, dass irgendwann auch noch unterschiedliche Arbeitslängen angeboten werden, sofern die Kollegen von ihrer Seite den Bedarf für solche Sortimentsausweitungen glaubhaft und nachhaltig versichern können.

Guttapercha periapikal

von Ronald Wecker

Nach Betrachten des Ausgangsbildes und nach klinischer Anamnese – die Patientin berichtete über seit Monaten anhaltende Beschwerden an Zahn 27 – riet ich nach Abwägen der Erfolgswahrscheinlichkeit zunächst zur Extraktion. Eine orthograde Entfernung des extrudierten Materials erschien aufgrund der Größe der periapikal befindlichen Obturationsmaterials  als nicht wahrscheinlich.

Nach längerer Beratung wurde schließlich  ein Termin zur Exploration vereinbart.

Die in MB und P enthaltene Guttapercha war zügig entfernt. Apikal des Foramens konnte im distobukkalen Kanal gerade noch so ein kleiner Guttaperchaanteil visualisiert werden. Mittels der bereits an dieser Stelle beschriebenen Technik gelang nach einigen Versuchen, die extrakanalär befindliche Guttapercha nach orthograd zu bewegen.

Im Vergleich zu einem Microdebrider ermöglicht eine vom Griff „befreite“ vorgebogenene Hedströmfeile ein besseres „Einarbeiten“ des Instrumentes in die periapikal befindliche Guttapercha.

Allerdings muss betont werden, dass zum erfolgreichen Entfernen (fast) nicht sichtbarer periapikal gelegener Fremdmaterialien stets auch ein wenig Glück dazu gehört.

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Little Toys and Tools (3)

von Olaf Löffler

Ultradentkanülen werden in unserer Praxis sehr häufig eingesetzt. Neben den Capillary Tips für die Mikroabsaugung und den Navitips für die Spülung gibt es seit kurzem eine weitere Variante.

Navitip als eine Art Pastenkanüle für Ultracal (29ga). Dies haben einen Außendurchmesser von 0,33 mm und lassen somit durch einen ebenso größeren Innendurchmesser (0,29mm) Ultracal einfacher aplizieren. Bei den „normalen“ Navitips (30ga=0,25mm) gelingt das in meiner Hand eher selten.

Tipp von Jörg Schröder: Vorher mit NaOCl und den Navitip spülen. Danach an die Ultracalspritze und vorsichtig das NaOCl ausspritzen. Danach gelingt das applizieren mit den Navitip immer.

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Interne Resorption

von Ronald Wecker

Die  Primärbehandlung liegt ca. 8 Jahre zurück. In Folge eines Frontzahntraumas mit komplizierter Kronenfraktur wurde an diesem mittleren Schneidezahn 1 Jahr nach dem Trauma eine tiefe Pulpotomie durchgeführt. Der koronal des vitalen Pulpagewebes gelegene Kanalhohlraum wurde alio loco in lateraler Kompaktion und unter Verwendung von viel Sealer mit Guttapercha gefüllt, der Zahn koronal in Adhäsivtechnik aufgebaut.

Im Rahmen der Versorgung des Zahnes mit einer vollkeramischen Teilkrone wurden Röntgenbilder angefertigt, die im Vergleich zu den regelmässig durchgeführten radiologischen Kontrollen neben einer apikalen Aufhellung und einer anresorbierten Wurzelspitze auch eine kugelige Erweiterung des Kanalhohlraumes im unteren Wurzeldrittel zeigen. Abgesehen von einer geringen achsialen Perkussions-empfindlichkeit lagen keine weiteren klinische Symptome vor.

Nach dem Entfernen der vorhandenen Obturationsmaterialien konnte etwas oberhalb des Foramens im Bereich der kugeligen Kanalerweiterung ein gut vaskularisiertes Weichgewebe dargestellt werden. Unter großvolumiger Spülung mit NaOCl und dem Einsatz von Handinstrumenten konnte das Gewebe entfernt und apikal ein unregelmässiges Foramen mit einem minimalen Durchmesser von ISO 120 dargestellt werden.

Auf eine zweiwöchige Einlage mit CaOH2 erfolgte die Obturation des Kanalsystems mit kollagenem Widerlagers und MTA. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  adhäsiv restauriert.

Unter Berücksichtigung der Anamnese und aller erhobenen Befunde scheint es durch den langandauernden infektiösen Reiz zu einer internen Resorption gekommen sein, die ihren Ausgang im verbliebenen apikalen Pulpastumpf genommen hat.

Die Resorption der Wurzelspitze  hingegen ging von peripikalem Gewebe aus; eine Reaktion wie man sie häufig an Zähnen mit apikalen Parodontitiden findet.

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Saving hopeless teeth (XXII)

von Bonald Decker

Im endodontischen Alltag erscheinen manche Zähne aufgrund der Ausgangssituation als besonders fraglich. Und auch nach erfolgter Therapie haben solche Fälle ggf. nicht den „Look“…

so wie auch in dem nachfolgenden Fall.

Es handelte sich um die Revisionsbehandlung eines Zahnes 46 mit Perforationsdeckung nach Schraubenentfernung. Erschwerend kam hinzu, dass die Verläufe der Wurzelkanalsysteme zusätzlich mühsam mittels Ultraschallansätze freipräpariert werden mussten…

Die Einjahreskontrolle stimmt trotz aller Unwegsamkeiten, fraglicher Ausgangssituation und fehlendem „Look“ zuversichtlich…

Reziprok-Technik ProTaper F2

von Christian Danzl

Ghassan Yared wird seine Reziprok-Technik auf der Jahrestagung der DG-Endo vorstellen. Hier ein Video von der Aufbereitung eines 22. Ein Gleitpfad wurde vollrotierend mit einer Pathfile erstellt.

Kaps Videoadapter f54, Canon Legria HF 20

 

Denksportaufgabe

von Ronald Wecker

Präoperativ schien alles sehr einfach zu sein. Oberer Prämolar nach begonnener Revisionsbehandlung und medikamentöser Einlage mit CaOH2.

Nach Anlegen der Zugangskavität zeigten sich zwei durch eine Dentinbrücke getrennte Kanaleingänge. Mit einem vorgebogenen Microopener konnte unterhalb der Dentinbrücke Guttapercha und nekrotisches Gewebe entfernt werden. Eine direkte Sicht auf den Apikalbereich war nicht möglich. Nach Abtragen der Dentinbrücke konnte sowohl das apikal befindliche als auch das periapikal gelegene Obturationsmaterial entfernt werden.

Der Originalkanal zweigte ca. 1,5 mm oberhalb der apikalen Perforation an der mesialen Kanalwand ab und hatte eine abrupte, fast rechtwinkelige Krümmung nach bukkal.

Eine Obturation mittels erwärmter Guttapercha hätte zwar das Abfüllen des Originalkanals erleichtert, jedoch aufgrund der großen Nähe zur Perforation mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Überpressung von Sealer oder Guttapercha in den Periapikalbereich geführt.

Es sollte daher zunächst die Perforation mit einem ca. 1mm starken MTA Plug verschlossen werden. Um ein Blockieren des seitlich abzweigenden Originalkanals zu verhindern wurde unter dem Mikroskop vor der MTA-Obturation ein kleines Stück Teflonband in den Originalkanal eingebracht. Nach Erstellen des ersten MTA Plug  wurde das Teflonband entfernt und der Originalkanal mit erwärmter Guttapercha obturiert.

Dazu wurde eine individualisierte Guttaperchaspitze vorsichtig vorgebogen und unter Sicht in den zuvor mit Sealer benetzten Kanal eingebracht, erwärmt und vertikal kompaktiert.

Anschliessend konnte MTA in der erforderlichen Schichtstärke eingebracht und der Zahn dentinadhäsiv verschlossen werden.

Ein schönes Beispiel dafür, dass die Tücke auch in der Endodontie manchmal im Detail liegt.

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Schwangerschaft und Medikation

von Olaf Löffler

Letzte Woche stellte sich in unserer Praxis eine neue Patientin mit akuten Beschwerden vor. Die Diagnose lautete irreversible Pulpitis an Zahn 26. Die Patientin befindet sich in der 20. Schwangerschaftswoche.

Sofort stellt sich die Frage nach dem Risiko verschiedenster Medikamente in der Schwangerschaft. Angefangen vom Anästhetikum bis hin zur medikamentösen Einlage.

Die Nachforschungen in den Weiten des Internets haben uns den folgenden Link finden lassen (http://embryotox.de).

 

Akutes Zahntrauma mit Pulpaeröffnung

von Tomas Lang

Der hier vorgestellte Fall ist nunmehr ca. 2,5 Jahre her. Ein Kollege, welcher damals kurz zuvor eine meiner Fortbildungen besucht hatte, rief mich an und bat mich, einen Fall für ihn zu übernehmen.

Der Patient lebt in Afrika mit seinen Eltern und hat sich beim Wasserrutschen auf dem Schulgelände einen Zahn ausgeschlagen. Die Eltern saßen zu der Zeit bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland, da sowohl der lokale Zahnarzt als auch die nächstgelegene Zahnklinik sagten, dass sie nicht die richtigen Materialien zur Versorgung vorrätig hätten.

Und so schlug der damals 8jährige Junge ca. 24h nach dem Unfall in meiner Praxis auf. Zu meiner großen Verwunderung war das herausgeschlagene Zahnfragment in einer Zahnrettungsbox (Dentosafe). Diese hatte die Schule in Afrika vorrätig!

Da die Pulpa seit 24h exponiert war, imponierte bereits eine ödematöse Schwellung mit beginnender oberflächlicher Nekrose. Daher habe ich in diesem Fall eine partielle Pulpotomie durchgeführt.

Die Pulpa wurde anschließend mit MTA überkappt mit Zinkoxid-Phosphat-Zement überschichtet und das koronale Fragment adhäsiv wiederbefestigt. Wie man in dem unteren Video erkennen kann, ist der Junge bei der Behandlung eingeschlafen – war er doch in den letzten 24h in Dauerstress gewesen. Ein besonders erhebender Moment für mich war, als ich ihn nach der Behandlung aufweckte ,ihm den Spiegel gab und sein eigener Zahn wieder hergestellt war.

Mittlerweile ist der kleine Junge gewachsen und war bisher nach einem und zwei Jahren zur Kontrolle erschienen. Der betroffene Zahn ist wieder normal vital und die Apexifikation verläuft regelrecht.

Lediglich, wenn man genau hinschaut, erkennt man das MTA als leicht dunklen Schatten unter der Zahnoberfläche.

Hier würde ich, wenn ich den Fall noch einmal machen könnte, dass weisse MTA verwenden.

Die Versorgung von Traumata ist diffizil und nur erfolgreich, wenn man sofort die richtigen Entscheidungen trifft. Dazu kommt, dass solche Fälle recht selten in der Praxis aufschlagen.

Der Dänische Kollege Ove Andreasen hat daher eine exzellente Homepage zur Entscheidungsfindung aufgestellt, welche zu jedem Traumafall evidenzbasiert die richtige Entscheidungskette vorgibt. Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, vor Therapiebeginn einen Blick auf die Homepage zu werfen.

Frontpage

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Und hier ein Video von der Behandlung.

Neues von der Fachdental München am 16.10.2010

von Christian Danzl

Letzten Samstag war die Bayerische Fachdental. In München, wie jedes Jahr.

Was gibt es Neues zu berichten?

Hier eine nicht-repräsentative Auswahl:

Schlumbohm

Der Endo-Pilot von Schlumbohm hat mir immer schon gefallen. Aufbereitung, simultane Längenmessung und Warmabfülltechnik (Downpack und Backfill) in einem kompakten Gerät ist eine äusserst interessante Sache. Es reduziert die Geräte, die rumstehen, gewaltig und es gibt auch nur einen Fussanlasser.

Interessant ist auch die Möglichkeit verschiedene Endo-Boxen zu verwalten, der Endo-Pilot misst für jede ihm einprogrammierte Feile, die aufgetretene Belastung und rät bei Überschreitung der programmierten Lebenszeit zum Feilenwechsel (Feilenalarm).

Die Bedienung und Programmierung des Endo-Pilot erfolgt einfach und angenehm über Touch-Screen.

Zur DG-Endo JT in Berlin wird Herr Schlumbohm noch den Co-Pilot vorstellen. Dieser soll ein Akku-Pack beinhalten um von der Steckdose unabhängig zu werden und noch zusätzlich ein US-Gerät.

Leica Microsystems

Das neue Leica-Mikroskop M320 F12b hab ich mir angesehen. Die Verarbeitung ist teilweise (Arm), wie von Oscar von Stetten hier schon beschrieben (momentan) sehr durchschnittlich, allerdings seien es – wie mir bei KaVo und Henry Schein versichert wurde, Protptypen. Die „richtigen“ Exemplare sollen auf dem gewohnt hohen Standard sein.

  • Die Optik hat mir ganz gut gefallen, auch bei hohen Vergrößerungen
  • Das LED Licht ist nicht viel dunkler als die Xenon-Lichtquelle des Zeiss-Pico (zumindest im Vergleichsaufbau auf den Henry Schein-Stand), allerdings hatte das Xenon für mich im direkten Vergleich eine angenehmere Farbtemperatur
  • Die Feinfokussierung fand ich im Gegensatz zu OvS sehr gut, weil sie mit einem Finger funktioniert.
  • Die integrierte Video/Foto-Lösung in Kombination mit dem LED-Licht (kein Lichtleiter) gibt es keine störenden Kabel. Foto und Video (Mpeg 4) werden auf einer leicht zugänglichen SD-Karte gespeichert. Über eine Eye-Fi-Karte dürften die Daten auch ohne Umstecken schnell auf dem Rechner zur Weiterverarbeitung sein.

VDW

hat das Mtwo Feilensortiment um 4 Feilen erweitert. Neu sind 30/.06, 45/.04, 50/.04 und 60/.04.

Der „Gold“ Endo-Motor ist jetzt auch für Reziprok-Technik geeignet.

Über die hier gezeigte Reziproc-Feile hat man sich ausgeschwiegen. Das allerdings sehr ausgiebig.

Schade.

Das SAF-System – ein kleiner Erfahrungsbericht Teil 2

von Oscar von Stetten

 

Hier mein Fazit

Es scheint manchmal, dass das ganze Produkt sehr schnell auf den Markt gebracht wurde. Vielleicht zu schnell. Einiges läuft noch nicht ganz rund und wird sicher noch seine Zeit brauchen.

Bisher hat die SAF keine einzige Feile aus meinem Aufbereitungsprotokoll eliminiert. Aber sie ist ein gutes Zusatzinstrument. Für die Spülung und um einfach die Fläche der mechanisch bearbeiteten Kanalwand zu erhöhen. Nach nun etwa 80 Kanälen mit der SAF kann ich die Feile deutlich besser einschätzen. Zwar immer noch skeptisch, aber Neues kennen zu lernen und Einzuführen dauert seine Zeit. Und ich habe sie umgetauft, von „self-adjusting-file“ in „super-additional-file“.

 

Verzichte ich auf die PUI? Nein, auf keinen Fall. Die Beobachtung war, dass auch nach 4 Minuten SAF und anschliessender PUI immer noch trübe Wolken aus dem Kanal kommen. Ob das eine Signifikanz besitzt, kann ich auch nicht sagen. Aber bis es endgültig geklärt ist, mache ich es noch.

Habe ich mehr Seitenkanäle gefüllt? Nein, auch das nicht.

Wie obturiert man mit SAF aufbereitete Kanäle? Laut Hersteller mit der Methode, die einem am meisten liegt. Bei uns ist es warme Guttapercha, ob als Squirt oder als modifizierte Schildertechnik. Es ist die philosophische Frage nach der besten Abfüllmethode und deren Einfluss auf den Outcome, die diesen kleinen Artikel bei weitem sprengen würde. Wer nun auf den Gedanken kommt, die Toronto-Study zu zitieren, dem sei eine kritischere Würdigung dieser Studie ans Herz gelegt  ;-)

Es soll eine grössere Feile mit 2,0 mm Durchmesser auf den Markt kommen. Von dieser verspreche ich mir weit mehr als von der 1,5 mm-Feile. Auch eine IntroFile, so habe ich von den Dächern pfeifen hören, soll erscheinen.

Wie viel schabt die Feile denn nun vom Kanal ab? Dr. Frank Paqué von der Uni Zürich war so freundlich, mir Bilder zur Verfügung zu stellen. Grün ist stets die Originalanatomie, rot das Überlagerungsbild nach Aufbereitung. Die Ortsauflösung beträgt 20 µm. Man sieht immer noch grün durchscheinen, was bedeutet, dass an dieser Stelle die Feile unter 20 µm abgeraspelt hat.

Es sind keine 100%. Das war aber auch nach der Studienlage nicht zu erwarten. Was man aber sehen kann, dass diese Feile ganz hervorragend in den ovalen Kanälen arbeitet (recessi, cul-de-sac´s). Das wird die Stärke der SAF sein. Das wird auch durch bakteriologische Studien bestätigt werden, da bin ich mir sicher. Interessant wird es werden, wenn die desinfizierende Leistung der SAF mal gegen die PUI verglichen wird.

Das Bild des Molaren mit C-förmigem Wurzelkanalquerschnitt habe ich von der Redent-Website. Nur exemplarisch, man kann sich die Kataloge als PDF downloaden. Wie man sieht, ist der c-shaped-Teil des Kanals nicht vollständig abgeraspelt worden. Und: die POE´s sind GAR NICHT bearbeitet. Also: Handfeilen oder rNITI zur Ausformung. Und mir kommen sofort die Bilder von Nair oder Ricucci in den Kopf, die eine Biofilmbesiedlung bis an die Wurzelspitze nachweisen. Dieser Teil wird von der SAF nicht touchiert. Diese Anteile müssen konventionell behandelt werden.

Es lohnt sich, die µCT-Bilder von der Website genau anzuschauen. Es wird auffallen, dass die Aussenkurvaturen stets mehr bearbeitet werden als die Innenkurvaturen. Wie sollte es auch anders sein……

Was das Instrument aber sehr gut kann, ist Isthmen zu spülen. Es wurde eine ProTaper-Aufbereitung gegen eine SAF-Aufbereitung gestellt. Es fällt auf, dass die Isthmen in der SAF-Gruppe nach Aufbereitung frei von opakem Material sind, während in der ProTaper-Gruppe sich immer noch röntgendichter Debris in den Isthmen befindet. Man sieht aber auch, dass die SAF den Isthmus zwar extrem „sauber“ hinterlassen, aber nicht aufbereitet hat (dafür kann es mehrere Gründe geben). Ob die ProTaper-Gruppe mit Einsatz der PUI ebenfalls dazu in der Lage gewesen wäre, kann zu diesem Zeitpunkt nicht bewertet werden. Am Rande sei erwähnt, diese Untersuchungen wurden an einem geschlossenen Modell vorgenommen.

All diese Fakten haben mich die SAF in mein Protokoll integrieren lassen. Aber nur als Supplement, nicht als Ersatz. Das Instrument macht einfach sauber. Diese Tatsache kann und sollte auch nicht geleugnet werden. Die Gretchenfrage wird sein: welchen Einfluss hat es auf die Prognose? Ich weiss es nicht, aber ich weiss, was raus ist, ist raus ;-)

In unserer Praxis stellt die Revisionsbehandlung ca. 80% der gesamten Endodontiebehandlungen. Dafür ist die SAF schlichtweg ungeeignet. Zumindest in meinen Händen (Handschuhgrösse 10). Es muss vor Einsatz der SAF die komplette konventionelle Revisionssequenz gefahren werden.

Spart mir also der Einsatz der SAF Zeit? Nein, eher im Gegenteil. Die Feile benötigt ihre Zeit, um effektiv zu sein. Mit schnell, schnell ist der Frust schon vorprogrammiert, da Brüche und/oder Einrisse der Feile vorkommen. Wenn man für einen Molaren 3 SAF-Feilen benötigt, lernt man schnell, ruhiger zu werden ;-) Auf zahnmed (einer Mailingliste) wurde der Preis von ca. 40-50€ für eine Feile genannt. Dann versteht man auch den Zusammenhang zwischen Feileneinsatz und innerer Ruhe…..

Die SAF überwindet weder verblockte Kanäle, noch findet sie übersehene Anatomie. Dazu die ungeklärte Frage nach der geeigneten Obturationstechnik. Ob ein Stift in Sosse (single-cone) der Anatomie gerecht wird? Sicher kann man über den Einfluss auf den Outcome diskutieren. Was man aber nicht diskutieren kann ist die Tatsache, dass eine erfolgreiche WKB multifaktoriell bedingt ist. Da gehört weit mehr dazu, als nur eine Feile irgendwo reinzuhalten und zu hoffen, jetzt wird alles gut. So wird die SAF aber positioniert. Es ist aber nicht die eierlegende Wollmilchsau.

Zu diesem Zeitpunkt zumindest nicht.

Die Umsetzung ist in meinen Augen nicht so perfekt gelungen. Das System sollte qualitativ noch deutlich zulegen. Die Preisgestaltung wird sicher nicht einfach. Der Preis wird den Erfolg dieses Systems jedoch stark beeinflussen, davon bin ich überzeugt. Und das System wird sich evolutionieren, weiterentwickeln, umso stärker, desto mehr es klinisch genutzt wird. Die ersten Schritte dahin sieht man in der Einführung der grösseren Feile, die einfach mehr Druck auf die Wände entwickeln kann. Viele mögliche Faktoren wie z.B. Ledgeformation, Transportation etc. sind (noch) nicht untersucht.

Dennoch sollte man dieses System im Auge zu behalten. Es hat grosses Potential. Den Marketingaussagen sollte jedoch mit einer gesunden Portion Skepsis und Menschenverstand begegnet werden, nicht zuletzt mit seinem Fachwissen.

Ach ja, falls die Frage nach Röntgenbildern im Raume steht, ich habe absichtlich keine in diesen Artikel eingefügt. Denn: welche Aussage könnte man wohl anhand der weissen Striche auf dem Rö über den Einsatz dieser Feile schon treffen……

Und noch ein kleiner Hinweis am Rande:

Bei der Jahrestagung der DGEndo in Berlin vom 04.11.2010-06.11.2010 wird ein SAF-Workshop angeboten und Prof. Metzger wird einen Vortrag über das System halten. Interessierten sei der Workshop ans Herz gelegt, um sich selber ein Bild machen zu können.

Mein abschliessender Dank gilt Dr. Frank Paqué von der Uni Zürich. Ohne seine exzellenten Bilder, seinen fachlich sehr fundierten Widerstand gegen meine empirischen Behauptungen und seine Ratschläge wäre dieser Blogeintrag nicht halb so interessant.

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Das SAF-System – ein kleiner Erfahrungsbericht Teil 1

von Oscar von Stetten

Die Idee dahinter ist bestechend. Man kann es einfach nicht anders bezeichnen. Für mich auf einer Stufe mit der Einführung des Dentalmikroskopes, der rNITI, des MTA.

Warum? Weil das System viele Vorteile in sich vereint. Eine schonende, dem Kanalverlauf genau angepasste Aufbereitung. Keine schnelle Rotation unter Scherlast, daher keine Bruchgefahr im herkömmlichen Sinne. Hohlnadelsystem, simultane Spülung möglich. Netzartige Struktur, dadurch extrem flexibel, die Spitze mit Durchmesser 0,2mm , Feilendurchmesser 1,5 mm. Vertikale Hubbewegung  mit einer Amplitude von 0,4mm, raspelt damit von der Kanalwand ab und aktiviert gleichzeitig die Spülung. Das sind die Eckdaten, die einem das Herz höher schlagen lassen. Nimmt man nun noch die Studien zur Hand, alles perfekt. Spricht man mit denjenigen, die diese Studien gemacht haben, bleibt einem das Staunen in den Erzählungen und der Enthusiasmus in Erinnerung. „So saubere Kanäle habe ich noch nie gesehen“ ist einer der prägnantesten Sätze.

Alles, wonach wir immer gesucht haben. Einfach die SAF 4 Minuten in den Kanal halten, das Instrument macht alles von alleine. Debris weg, SmearLayer weg, alles gut. Apikal bis zu 65% bearbeitete Kanalwand.

So waren meine Gedanken, als ich das System recherchierte.

Mitte August gab es einen SAF-Kurs bei Jadent, Wolf Richter hat das System schon seit kurzer Zeit im Betrieb und hat uns wertvolle Tipps gegeben. HenrySchein hat jedem 10 Feilen in die Hand gegeben, wir konnten in aller Ruhe das System an die Grenzen bringen. Nach den ersten drei Feilen war ich ernüchtert. Jahrelang trainierte Reflexe übernahmen die Kontrolle, ich behandelte die SAF wie eine rNITI. Fazit: so geht es nicht. Niemals. Auf keinen Fall. Die Feile verhält sich nicht wie eine konventionelle rotierende Feile. Druck mag die Feile nicht, sie knickt sofort ein. Als die Testfeilen beerdigt waren, wusste ich nicht, was ich von diesem System zu halten hatte. Sicher, die Kanäle der extrahierten Zähne sahen aus wie polierter Speckstein. Glänzend. Aber die Anwendung per se, schon seltsam. Der transparente Zahn ist ein Molar mit C-förmigem Wurzelkanalquerschnitt. Die abgerissenen und verkeilten Fragmente sind zu 100% meiner nicht vorhandenen Erfahrung zu verdanken. Trotzdem fand ich es nicht beruhigend, dass man die Fragmente so verkeilen kann, dass sie nicht wie beschrieben einfach zu entfernen sind, wie beschrieben.

Nun kam Anfang September mein System in die Praxis und voller Zuversicht habe ich meinen ersten Zahn damit behandelt. Mit Handinstrumenten bis ISO 20 den Gleitpfad erstellt, danach die SAF versucht zu verwenden. Versucht? Ja, versucht. Wenn die Spitze der Feile nicht (in meinen Händen) ca. 5-6 mm als Führung im Kanal steckt, geht gar nichts. Also PreFlaring mit einer ProTaper SX. Dann ging es.

Das klinische Protokoll wurde erweitert um das PreFlaring mit der SX. Dann die nächste Hürde…..

Ich habe mir extreme straight-line Zugänge aus Gründen der Zahnhart-substanzerhaltung abgewöhnt, natürlich immer fallindividuell entschieden. Aber es ist nun mal so, dass ich eine ProFile, M2 oder eine TwistedFile auch mal ein bisschen gebogen in den Kanal einführen kann. Das geht mit der SAF nicht. Gar nicht. Die Feile knickt sofort ein und beginnt zu reissen. Also: ein sehr guter straight-line-access ist essentiell. Ohne den wird man mit der SAF schnell gefrustet sein.

Eine Besonderheit des Kopfes RDT3 von RedentNova ist nicht nur die Hubbewegung. Die Feile kann, wenn sie ohne Last ist, auch rotieren. Das ist wichtig, damit die Spitze auch den Krümmungen folgen kann und eine Führungsfunktion übernimmt.  Nun ist es leider so gewesen, dass sich die Feile nicht gedreht hat, weil sie irgendwo klemmte. Damit konnte die Spitze auch Krümmungen nicht folgen und die Feile hat nicht gearbeitet, ist eingerissen oder eingeknickt. Ob eine Stufe präpariert wurde, kann ich natürlich nicht sagen, die behandelten Zähne sind noch im Patienten. Aber ich konnte eine leichte Stufe mit einer Handfeile tasten. Also habe ich begonnen, den Gleitpfad mit der ProFile 04/20 zu formen.

Damit kam zur SX meine klinisch bewährte Gleitpfadsequenz dazu.

Seit dieser Änderung des klinischen Protokolls habe ich keine Probleme mehr mit der SAF. Man bekommt ein Feeling für die Feile und die Kanäle. Inzwischen habe ich sie in mein Aufbereitungsprotokoll eingegliedert und mir ist schon komisch zumute, wenn ich sie nicht einsetze. Inzwischen weniger zum Aufbereiten, mehr zum Spülen, als Finish. Dabei habe ich stets die Studienbilder im Kopf, diese machen einfach ein gutes Gefühl. Und wenn man sieht, was da von apikal hochgespült wird….

Dennoch: die Feile hat Probleme. Und ist nicht für alle Fälle geeignet.

Grosse, ovale Kanäle sind problematisch. Das Prinzip der Feile beruht auf der Tatsache, dass sie gestaucht wird und aufgrund des Rückstellungsvermögens des NiTi wieder in die alte Form zurück will. Nur dann erzeugt die Feile ausreichend Druck auf die Seitenwände und bearbeitet diese. Sind die Kanäle zu gross, dann wird auch keine Arbeit verrichtet. Redent selber sagt, die SAF nicht in Kanälen gleich oder grösser ISO 45 einzusetzen. Was Bände spricht. Und die Indikation ein wenig einschränkt.

C-shaped-Wurzelkanalanatomien oder Isthmen sehe ich auch als problematisch an. Wenn die Feile sich aufgrund ihrer Bauart in einem Überhang verhakt, dann klemmt sie und geht auch nicht unbeschadet wieder raus. Es bleiben kleine Fragmente der Feile in den Kanälen. Es wird zwar propagiert, dass man diese Fragmente einfach wieder rausspült, aber das ist so nicht immer einfach und auch unbedingt möglich. Isthmen sollten, so meine Erfahrung, vorher mit US eröffnet werden, wobei nicht eine ISO 50 gemeint ist. Es reicht, mit einer ISO 20 oder ISO 25 Endosonore einmal zu eröffnen, damit die SAF einen Pfad hat, dem sie folgen kann.

Revisionen

Bei Revisionen muss vorher die komplette konventionelle Sequenz gefahren werden. Danach kann man versuchen, die Guttaperchareste mit der SAF wie in einem Korb nach oben zu transportieren. Kann klappen, muss aber nicht. Manche Sealer sind so hart, dass die SAF einfach machtlos ist. Und manche sind so weich, dass die SAF auch machtlos ist. Mit unpolaren Lösungsmitteln ist sicher mehr möglich, deren Einsatz in der Endodontie wird jedoch sehr kontrovers diskutiert und ich bin mir auch nicht sicher, ob der Kunststoffkragen der SAF das lange aushält.


Aus ergonomischer Sicht ist die Pumpe ein wenig suboptimal. Noch ein Gerät, noch ein Fussanlasser. Der Tank der Pumpe ist NICHT abnehmbar, vielleicht wird das geändert. Es sollte geändert werden, da das unverbrauchte Hypo dann die ganze Zeit über im Gerät steht. Wie wir wissen, ist es ein hervorragendes Oxidationsmittel, was der Haltbarkeit der Pumpen sicher nicht zuträglich ist. Der Zufuhrschlauch nervt manchmal und verhakt sich sehr gerne. Gut ist, dass die Pumpe über einen Akku verfügt und deswegen nicht permanent am Strom hängen muss.


Das ganze Handling ist zumindest bei uns nicht unproblematisch. Die Feile benötigt eine genaue Geschwindigkeit von 5000 UPM. Bei meiner Sirona C4+ ist das gut einzustellen. Leider habe ich nur zwei EL-Motoren an der Einheit, d.h. ich muss die Speicherplätze umschalten und umprogrammieren. Das stört den Workflow erheblich. Glücklich ist, wer eine NaCl-Pumpe in der Einheit hat. Vielleicht kann man das Hypo einfach in einen alten NaCl-Beutel füllen (und fett beschriften und/oder Neongelb markieren!!) und spart sich so die Pumpe. Oder aber die Assistenz bekommt eine grosse Spritze in die Hand und sorgt so für die Spülung. Viele Wege führen nach Rom, wie man es gerne hätte, muss jeder für sich rausfinden. Wie die Empfehlung der 5ml/min Durchflussmenge entstanden ist, kann ich nicht sagen. Aber ich kann es vermuten: es ist die maximale Durchflussmenge, die durch den Spülkragen der SAF passt. Bei einer grösseren Menge geht ein Teil der Spülflüssigkeit nach oben Richtung Arbeitskopf und kann zu Korrosionen führen.


Das klinische Arbeiten ist unspektakulär. Zuerst sortiert man die Kabel und den Schlauch, programmiert die Einheit auf die neue Geschwindigkeit und ist dann bereit. Nun ein Druck auf den Fussanlasser, die Pumpe arbeitet, man versucht die Feile ohne Knick und zu viel Druck in den Kanal zu führen und arbeitet mit leichten vertikalen Bewegungen (laut Dr. Zeppenfeld/Flensburg „und jetzt mach den Specht“) und schaut zu, wie die Feile im Laufe der Zeit immer tiefer in den Kanal sinkt, dabei rotiert und wieder tiefer geht bis nach einer gewissen Zeit die Feile nur noch rotiert, weil sie keine Arbeit mehr an der Wand vollführt.

Moment, versucht die Feile einzuführen? Ja, bei OK/UK Molaren kann das durchaus schon mal problematisch sein, wenn die Mundöffnung nicht allzu viel hergibt.


Die Reinigungswirkung ist unter dem DM schon beeindruckend. Wenn man sieht, was da selbst noch nach 3 min. Einsatz aus der Tiefe hoch schwimmt, das ist schon ein Wort.


Bei komplexeren Anatomien (oder mangelhaften Zugängen) kann es passieren, dass die SAF einfach aufreisst. Bei einem OK-Molaren können so schon mal 3 Feilen das Zeitliche segnen.


Die Bilder der zerstörten Feilen stammen vom Kurs. Wie jedes System kann man auch die SAF falsch einsetzen und bewusst zerstören. Keine Frage. Das geht mit rNiti auch, sogar ohne grössere Probleme.


Nachdem die ersten Einstiegshürden genommen waren, hatte ich Zeit, mir die Arbeitsweise der Feile näher zu betrachten.

Seltsam mutet  an, dass die Spülflüssigkeit sich rein über Kapillarkräfte an der Feile nach apikal hangelt (wenn man im OK behandelt und die Feile nicht zum Erdboden zeigt) Die daraus resultierende Frage ist: wie effektiv ist der Flüssigkeitsaustausch tatsächlich?  Er wird effektiver, wenn man die Feile 5-7mm aus dem Kanal rauszieht und dann wieder einführt. Diese grosse vertikale Bewegung bringt dann den gewünschten Austausch, so wie man es z.B. bei der PUI gewohnt ist. Die Assistenz darf beim Absaugen nicht zu nahe an der Feile sein, da sonst alles NaOCl im Sauger verschwindet, bevor es das Kavum erreicht hat.

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SAF System Präsentation

von Christoph Kaaden

Nach dem vor einigen Tagen hier vorgestellten Video über das SAF System möchte ich auf eine weiterführende Präsentation zu dieser Thematik hinweisen…

Herzlichen Dank an das Internetforum „Zahnmed„, aus dem der Hinweis zu diesem link stammt…

SAF System Video

von Hans – Willi Herrmann

Exakt 4 Wochen sind es noch bis zur Jahrestagung 2010 der DG Endo in Berlin, die dieses Mal im Rahmen des Vortragsprogramms gleich mit 2 Innovationen für den Bereich Wurzelkanalaufbereitung aufwartet: Über die eine, die neue „Reciproc“ – Feile, von  Ghassan Yared und VDW entwickelt, ist noch so gut wie nichts bekannt. Ihre Markteinführung erfolgt  in dieser Woche bei der IFEA 2010 in Athen.

Das zweite neue Instrument, die SAF -Feile,  ist schon etwas länger im Markt zu finden und so liegen auch schon deutlich mehr Informationsmaterial und sogar erste Studien vor. Und zur SAF – Feile gibt es auch eine Digitalpräsentation, die einen ersten Einblick in die Arbeitsweise des Instrumentes gewährt, das offensichtlich mit der  Bezeichung „Feile“ treffend beschrieben ist.

Wer darüberhinaus mehr wissen will, der sei auf den Vortrag von Prof. Zvi Metzger am 05.11.2010 in Berlin verwiesen.

Stufenplan advanced

von Ronald Wecker

Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle eine Vorgehensweise zum Überwinden iatrogener Stufen vorgestellt. Dieser Stufenplan fand auch in vorliegendem Behandlungsfall Anwendung.

Erschwert wurde das Ganze durch die Tatsache, dass unmittelbar nach der Stufe eine s-förmige Krümmung zur Gegenseite erfolgte. Damit nicht genug gabelte sich MB und ML nach dem „S“ in zwei eigenständige Kanäle mit jeweils eigenem Foramen auf.

Aber der Reihe nach:

Zunächst wurde der koronale Zugang optimiert. Dann wie im Stufenplan beschrieben, bis o,5 mm vor die Stufe mit größeren Tapern erweitert. Sodann konnte eine ProFile 15/04 in der von Michael Arnold beschriebenen Weise pickend eingesetzt werden um den verblockten Originalkanal zu erschliessen.

Nun wurde ein Reamer ISO 008 so vorgebogen, dass er der ersten Krümmung entsprach und anschliessend bis kurz vor Beginn des „S“ vorgeschoben. Nun eine Drehung um 180 Grad ohne das Instrument nach apikal zu schieben. Nachfolgend gelang es, den Kanal apikal des „S“ zu instrumentieren. Wichtig ist ein häufiges Rekapitulieren um das „S“ zum Instrumentieren mit rotierenden Instrumenten vorzubereiten.

Der nächste Schritt ist die rotierende Aufbereitung. Eine ProFile 15/04 wird per Hand durch das „S“ bewegt. Die Arbeitslänge muss dabei nicht noch erreicht werden. Es muss nur das „S“ passiert werden. Dann kann das Instrument rotierend eingesetzt werden.

Der im Mikroskop zu beobachtende Austausch der Spülflüssigkeiten liess einen gemeinsamen Kanalverlauf vermuten, eine Annahme der der Behandler aufgrund der bereits aufgetretenen Schwierigkeiten gerne gefolgt wäre.

Das nach rotierender Aufbereitung des MB durchgeführte Austasten mit vorgebogenen Handinstrumenten liess jedoch keinen Zweifel aufkommen, dass ML separat verläuft.

Auch hier war geduldiges Handinstrumentieren das Mittel zum Erfolg. Abschliessend erfolgte die maschinelle Aufbereitung sowie die Obturation in Schilder-Technik.

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Trauriges Ende

von Ronald Wecker

eines Traumafalles.

Der 10 jährige Patient kam 3 Wochen nachdem in der Notaufnahme die avulsierten Zähne 21 und 22 reponiert und mittels TTS semirigide geschient worden waren erstmalig in unsere Praxis. Die extraorale Verweildauer beider Zähne betrug ca. 40 Minuten.

Die Zähne 11-22 waren nicht sensibel auf Kälte und EPT. 11 hatte zumindest eine Subluxation erfahren und war leicht diskloriert. Die Zähne 11-22 waren achsial perkussionsempfindlich. 12 war beschwerdefrei und reagierte normal auf Kälte und EPT.

Nach Entfernung der TTS wurde zeitnah die endodontische Behandlung der Zähne 21 und 22 eingeleitet, da eine Pulpanekrose bei der Dauer der extraoralen Lagerzeit (ca. 40 Minuten) sehr wahrscheinlich war und Zahn 21 im Apikalbereich bereits Anzeichen einer Resorption vermuten liess.

Nach einer CaOH2-Einlage erfolgte aufgrund der großen Foraminadurchmesser die Obturation mit MTA. Ein periapikales Widerlager wurde nicht angelegt. An 21 kam es bei der ultraschallunterstützten Verdichtung des MTA-Plug zu einer unbeabsichtigten Extrusion von MTA in den Periapikalbereich. Bei der Messaufnahme fällt distal an 22 bereits ein resorptive Veränderung auf.

Klinisch zeigte sich in den folgenden Wochen eine langsam wiederkehrende Sensibilität auf elektrischen Reiz sowie eine Rückbildung der Zahnverfärbung an Zahn 11.

21 imponierte mit einem metallischen Klopfschall, der jedoch beim 3-Monats-Recall vollkommen verschwunden war.

Röntgenologisch erscheint im mittleren Wurzeldrittel von 22 nach 3 Monaten das resorptives Geschehen bereits vergrößert. Das 6-Monats-Recallbild zeigt eine fast vollständige Zerstörung der Wurzel von Zahn 22. Der Bereich des mit MTA gefüllten Apex bleibt davon völlig unberührt.

Ob es eine nur durch das Ausmass der Schädigung der Wurzeloberfläche verursachte Resorption oder eine Kombination aus beschädigter Wurzeloberfläche und Durchbruchsbegehren von Zahn 23 war, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Es bleibt zu hoffen, dass Zahn 21 von Ähnlichem verschont bleibt.

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Cliff Ruddle in PDF

von Hans – Willi Herrmann

Cliff  Ruddle war einer der Redner bei der VDZE Jahrestagung 2010 am letzten Wochenende in Wiesbaden.
Diejenigen, welche ihn zum wiederholten Male gehört haben, waren „wieder“ oder „immer noch“ begeistert. Und diejenigen, welche ihn zum ersten Mal hörten, waren dies sowieso.

Für alle anderen, die nicht in Wiesbaden waren, gibt es hier im Netz die Möglichkeit, eine ganze Reihe von Cliff´s Artikeln als PDF herunterzuladen.
Das kann die Gelegenheit, den Meister live zu erleben,  nicht ersetzen, aber ist nichtdestotrotz ebenfalls interessant anzuschauen. Und was die in den Artikeln gezeigten Fälle angeht, gilt für mich immer noch, 17 Jahre nach meiner ersten „Begegnung“ mit einer seiner Publikationen, dass wohl niemand für seine endodontischen Behandlungsfälle den Titel „The Art of Endodontics“ mehr verdient als Cliff.

Enjoy.

und noch ein Endochuckbeispiel

von Olaf Löffler

Über den Einsatz des Endochuck wurde bereits einiges geschrieben und einige Beispiele vorgestellt.

Heute nun noch etwas zum Thema Fremdkörperentfernung periapikal
und sonoabrasive Mikropräparation, um diesen darzustellen.

Das ist ein weiterer Versuch einen Fall, mit bewegten Bilder darzustellen.
(Hier gehts zum Film)

Lentuloentfernung Frontzahn- leider kein Routinefall

von Donald Becker

Eigentlich hätte alles ganz schnell gehen müssen…

Denn ein abgebrochenes Lentulo aus einem Oberkieferfrontzahn zu entfernen, gehört normalerweise, was Fragmententfernung angeht, zu den einfachen Sachen.

Hier, bei dieser Überweisung nach Wurzelkanalbehandlung 21 und initialer Wurzelkanalbehandlung an Zahn 11 war alles ganz anders.

Was vermutlich damit zusammenhing, dass sich 2 Lentulos ineinander verkeilt hatten und die Beweglichkeit der Einzelfragmente fast vollständig hemmten.

Mehr als 90 Minuten dauerte es, bis beide Fragmente entfernt werden konnten. Tube -Technik, Fragmentpinzette, ein  selbstgebautes IRS – Instrument, all diese Massnahmen scheiterten und so halfen nur Geduld und zielgerichtetes Arbeiten unter dem Dentalmikroskop mit Ultraschall und Komet – Rosenbohrern.

Was im Video letztendlich so spielerisch leicht aussieht, ist das Ergebnis von 1,5 Stunden Vorarbeit.

Die notwendig gewordenen Wurzelkanalbehandlungen an Zahn 11 und 21 sind im Übrigen das Resultat eines ein paar Wochen zurückliegenden Arbeitsunfalls. Beide Zähne sind schmerzfrei.

Was wäre die Alternative gewesen zur Fragmententfernung ?
In diesem Falle die Extraktion, denn eine suffiziente Wurzelkanalbehandlung mit den beiden Fragmenten in situ wäre nicht möglich gewesen. So gesehen rechtfertigt der Zahnerhalt den in diesem Falle extrem  hohen Zeitaufwand.

Saving hopeless teeth (XXI)

von Ronald Wecker

Beim Anblick des Röntgenbildes des überweisenden Kollegen kamen mir starke Zweifel, ob sich der Stift an 11 entfernen lässt, ohne dass es zu einer den Zahnerhalt gefährdeten Längsfraktur kommt. Die Krone nebst sporadisch auftretender Fistelung war schon einige Jahre in situ.

Nach Vorgespräch und Rücksprache seinem Behandler entschied sich der Patient zu einem Erhaltungsversuch. Das kurzfristige Ein-Jahres-Ergebnis lässt hoffen.

Zur Entfernung des Stifts kam das an dieser Stelle schon öfters beschrieben Thomas-System zum Einsatz. Aufgrund einer im apikalen Drittel befindlichen lateralen Perforation gestaltete sich das Einbringen des kollagenen Widerlagers und des MTA besonders schwierig. Eine kleine laterale Extrusion liess sich nicht vermeiden.

Die provisorische Versorgung erfolgte mittels dentinadhäsivem Stiftaufbau, durch den hindurch in der Obturationssitzung der erneute Zugang gelegt wurde.

Auch hier, wie im Fall von letzter Woche erwähnt, ist es die mechanische Prognose die über Wohl oder Wehe entscheiden wird.

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Gib‘ mir ein C!

von Ronald Wecker

Der erste Blick auf das präoperative Röntgenbild, sowie die Aussage des Überweisers, er könne nur 2 Kanalsysteme in einer für ihn nicht nachvollziehbaren räumlichen Beziehung zueinander darstellen, liess bei diesem 37 ein c-förmiges Kanalsystem vermuten.

Nach Entfernen der Verschlussfüllung konnte mesiolingual ein kreisförmig ausgearbeitetes Orifizium, distal hingegen bereits eine Art „C“ dargestellt werden.

Die Unterschiede in der Dentinfarbe wiesen bei der vollständigen Freilegung des „C’s“ den Weg.

Der Austausch der Spülflüssigkeit, sowie eine eingebrachte Papierspitze zeigte eine Kommunikation aller Kanalanteile an. Das Kanalsystem verlief stark gewölbt unterhalb des bukkal gelegenen „Dentindoms“ wie ein im Raum gekrümmter Spalt.

Apikal zeigte sich ein weites Foramen von mindestens ISO 70. Darunter gab es eine ausgedehnte knöcherne Krypte. Diese Tatsache bestimmte das Vorgehen bei der Obturation:

Um den nicht einsehbaren Teil des spaltförmigen Kanalsystems optimal zu verschliessen ist einer reine Injektionstechnik der Vorzug zu geben. Der notwendigerweise aufzubauende hydraulische Druck hätte jedoch sehr wahrscheinlich eine massive Extrusion von Guttapercha und Sealer in den Periapikalraum zur Folge gehabt.

Deshalb erfolgte die Obturation Bereichs oberhalb des Foramens nach Anlegen eines periapikalen Widerlagers mit MTA. Um ein Einpressen in den mesiolingualen Kanalanteil zu verhindern wurde dieser mit einer Papierspitze ausgeblockt. Nach röntgenologischer  Kontrolle des MTA-Plugs erfolgte dann die Obturation des „C“ in Squirt-Technik.

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Anschliessend wurde nach Insertion mehrerer Quarzfaserstifte als Schrumpfungshemmer der mittlere und koronale Kanalanteil dentinadhäsiv verschlossen.

Neben dem vorläufigen Behandlungsergebnis hat mich am meisten die Aussage des Patienten  gefreut, nachdem wir uns gemeinsam ein paar Videosequenzen angeschaut hatten: „Ohne Mikroskop wäre das doch gar nicht zu behandeln!“.

Glück gehabt

von Bonald Doppeldecker

Über die Wurzelspitzenresektion wurde hier schon viel geschrieben.

Heute möchte ich einen Fall vorstellen, welcher viel Zeitaufwand benötigte und mir während der Behandlung (Entfernung von retrogradem Füllungsmaterial) einige Adrenalinspitzen verschafft hat.
Dem Patienten musste ich zu Behandlungsbeginn sagen, daß sein Zahn gegen fast alle Therapieoptionen ein gewisse Resistenz zeigte und man vernünftigerweise eine alternative Behandlungsoption ohne Zahnerhalt mit größeren Erfolgschancen wählen sollte. Der Patient wollte jedoch noch einen Versuch wagen.

Für den Behandler können solche Fälle einen gewissen sportlichen Reiz haben. Wenn der Zahn erhalten werden kann, symptomlos ist und auch noch eine röntgenologische Heilung zeigt, ist der Behandler ein Held.

Ist das so? Nein, es war Glück. Pures Glück für den Patienten und manchmal ist so eine riskante Entscheidung doch gut gewesen. Schaun wir mal wie lange es währt…

Die Chancen vor der Resektion wären deutlich besser gewesen, aber wie sagt man so schön: „Hätte der Hund nicht, dann…“.

Zum Fall selbst. Die retrograden Füllungen konnten von orthograd distal komplett entfernt werden. Mesial war retrogrades Füllungsmaterial in einem isthmenartigen Bereich fest anhaftend und nicht ohne große substanziellen Verluste erreichbar. Deshalb wurde dies belassen.

Die Spülung erfolgte schall- und ultraschallgestützt mit Zitronensäure und NaOCl. Die abschließende Wurzelfüllung gelang mit ProRoot MTA weiss (Dentsply).

Glücksfall

Glücksfall

Frontzahntrauma – die Auflösung

von Ronald Wecker

Die Abstimmung zeigt, dass offensichtlich mehrere Therapieoptionen möglich sind.

Das Abwarten der Revaskularisierung bei avulsierten und massiv intrudierten Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum ist nicht zu favorisieren. Da es in beiden Fällen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu einer Zerstörung des Nerv-Gefässbündels gekommen ist, sollte das in der Folge nekrotisch gewordene Pulpagewebe ca. 7-10 Tage nach Reposition/Trauma entfernt werden, um das Risiko eines resorptiven Geschehens zu minimieren.

Sowohl die chirurgische Reposition beider Zähne, als auch das Belassen von 11 in der elongierten Position bei gleichzeitiger chirurgischer Reposition von 12 oder die kieferorthopädische Reposition von 12 wäre denkbar gewesen.

Ursprünglich hatte ich aufgrund der Tatsache, dass sich 12 mit seiner mesialen Frakturkante mit 11 verkeilt hatte daran gedacht beide Zähne chirurgisch zu reponieren. Eine antiresorptive Therapie wäre sicher sinnvoll gewesen. Das Zahnunfallzentrum in Basel empfiehlt dazu den Einsatz von Emdogain und Dexamethason. Im vor einiger Zeit hier von Christoph Kaaden vorgestellten Dental Trauma Guide wird  dazu eine Lagerung in 2%-iger Natriumfluoridlösung für 20 Minuten empfohlen.

Nun zusammengefasst wie es wirklich ablief:

6 Tage nach Trauma und Reposition 11 wurde eine systemische Antibiose mit Doxycyclin eingeleitet. Nach Entfernung der rigiden Schienung wurde ein Titan-Trauma-Splint von 13 nach 21 eingeliedert.

10 Tage nach Trauma wurde zunächst 11 initial endodontisch therapiert. Das nekrotische Pulpagewebe wurde entfernt und der Kanal nach ultraschallunterstützter Irrigation mit CaOH2 gefüllt. Anschliessend wurde die semirigide Schiene entfernt um Zahn 12 chirurgisch zu reponieren. Zahn 11 zeigte maximal Beweglichkeit Grad 1.

Nach Auflösung der Verkeilung mit einem sehr feinem Finierdiamanten wurde versucht den Zahn mit einer diamantierten grazilen Zange zu reponieren. Aufgrund der tiefen Intrusion und dem Verlust eines Großteils der klinischen Krone misslang dies. Die Zange konnte nicht angesetzt werden, ohne dass sie abrutschte. Nach Entfernung eines distopalatinal von 11 gelegenen knöchernen Sequesters (1×3 mm) wurde unter dem Mikroskop und unter relativer Trockenlegung die Pulpakammer an 12 eröffnet und nach Aufbereitung CaOH2 eingelegt. Dank sehr guter Assistenz gelang dies gut.

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Die nach Sequesterentfernung gelegten Einzelknopf- und Matratzennähte wurden 2 Tage später entfernt. Im Nahtentfernungstermin wurde ein Attachment zur kieferorthopädischen Extrusion geklebt. Diese begann weitere 5 Tage später.

In der Folge wird der Verlauf der Behandlung regelmässig klinisch und röntgenologisch überprüft. Klinische Kontrollen erfolgen wöchentlich in den ersten 4 Wochen nach Trauma. Die periapikale Situation wird 4, 12, 24 Wochen nach Trauma überwacht. Die weiteren Röntgenkontrollen erfolgen jährlich.

Nicht unerwähnt kann bleiben, dass die wertvollen Tips und Hinweise von Dr. Gabriel Krastl und Prof. Dr. Andreas Filippi, beide am Zahnunfallzentrum in Basel tätig, massgeblich zum bisher positiven Verhandlungsverlauf beigetragen haben. Ihnen gilt mein besonderer Dank.

5 Jahresrecall

von Donald Wecker

Die Patientin sah der Behandlung skeptisch entgegen. Die Chancen wurden von meiner Seite mit unter 80% angegeben.
Erst mussten beide Stifte entfernt werden. Der Gewindekontrast der Stifte im Röntgen ließ eine moderate Schwierigkeit vermuten. Eine Perforation, oder „Fastperoration“ durch die Stiftbohrung war durchaus zu erwarten. Dazu kam die Infektion des Kanalsystems, welche sich in Form einer apikalen Periodontitis, oder besser Läsion endodontischen Ursprungs präsentierte.

Die Behandlung zog sich über mehrere Sitzungen hin. Heute sieht man den wahrscheinlichen Behandlungserfolg.

5Jahresrecall

5Jahresrecall

Ist der Behandlungserfolg vorhersagbar?

Meiner Meinung nach, nein. Die möglichen Probleme sind oftmals im konventionellen Röntgenbild und bei der ersten klinischen Insprektion nicht erkennbar.

Wird uns die digitale Volumentomographie die Vorhersagbarkeit bringen. Was meinen Sie?

Saving hopeless teeth (XVIII) Apikale Aufhellung (23)

von Bonald Decker

Zugegebenermaßen könnte ich bei der initialen Befundung und Beratung der nachfolgenden Patientin keine absolute Einschätzung über die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Revisionsbehandlung geben. Die Ausdehnung der apikalen Aufhellung und die bestehende Furkationsbeteiligung hätten auch eine Extraktion ohne Zweifel gerechtfertigt.

Nachdem prä- wie intraoperativ u.a. eine vertikale Wurzelfraktur als Ursache für den massiven Entzündungsprozess sehr unwahrscheinlich erschien konnten wir die Behandlung nach zweimaliger Ca(OH)2-Einlage mit der Wurzelkanalfüllung und postendodontischen adhäsiven Füllung abschliessen.

Circa 18 Monate postoperativ zeigt die klinische und radiologische Nachuntersuchung ein positives Bild. Während die apikale Parodontitis quasi ausgeheilt erscheint, liegt nach wie vor eine Beteiligung der Furkation vor. Gemessen an der Ausgangssituation besteht allerdings eine nicht unbegründete Hoffnung, dass auch hier eine weitere Remission zu verzeichnen sein wird.

C Shape Zahn 37

von Donald Becker

Der Patient kam 2007 zu uns.

Er hatte Beschwerden an Zahn 46 und 37, beide 6 Monate zuvor wurzelkanalbehandelt. Beide nachwievor  schmerzhaft. Der 37 jetzt akut, bei deutlicher apikaler und lateraler Aufhellung.

So war es auch an Zahn 36 abgelaufen und letztendlich war der Zahn dann vom Hauszahnarzt gezogen worden.

Wir haben die Wurzelkanalfüllung 37 revidiert.

Es fand sich ein C Shape – Kanalsystem, dessen Ausmaß erst  in Augenschein genommen werden konnte, nachdem wir die Hartsubstanz über dem Kanalsystem mit Ultraschall entfernt hatten. Es war offensichtlich, dass allein schon wegen dieser Obstruktion eine suffiziente Wurzelkanalfüllung bislang nicht möglich gewesen war.
Der Blick durch das Dentalmikroskop offenbarte aber auch, daß das durchgeführte  kalte WF – Verfahren in diesem Falle keine ausreichende  Abdichtung gewährleisten konnte.

Nach WF – Revision, Präparation, Desinfektion und Calciumhydroxideinlage war die  WF in thermoplastischer Füllweise nur noch Routine, wie eigentlich die gesamte Behandlung in diesem Fall  für uns zu den eher leichten Aufgaben gehörte.

Jetzt 3 Jahre später ist der Patient wieder da.
Mit akuten Beschwerden im Oberkiefer.

Die im Rahmen der heutigen Behandlungssitzung angefertigte Röntgenkontrollaufnahme von 37  zeigt eine komplette Ausheilung des ehemals vorhandenen apikalen Prozesses.

An der vielgepriesenen postendodontischen koronalen Abdichtung kann es nicht gelegen haben. Die ehemals vorhandene Kunststofffüllung ist nicht mehr vorhanden, es steht nur noch der von uns direkt nach WF angefertigte Verschluss der Trepanationsöffnung.


NSK Endo-Mate TC2

von Christian Danzl

Wie hier schon öfters berichtet wurde, bin ich ein Anhänger der Ghassan-Yared-Technik. Sie bringt mir persönlich in der Praxis oft eine große Erleichterung bei der Wurzelkanalaufbereitung. Der größte Nachteil – auch schon öfters beschrieben – ist die Abhängigkeit vom ATR Endo-Motor.  War eigentlich nicht so schlimm, da ich ja einen habe.

Aber trotzdem schielte ich immer neidvoll auf die neueren kabellosen Endo-Motoren wie den Entran von W&H, den NSK Endo-Mate TC2 und die damit verbundene Möglichkeit mit 2 Motoren arbeiten zu können – ein Motor arbeitet im Wurzelkanal, während der andere von der Helferin mit der nächsten Feile der Sequenz bestückt wird. Somit kann man sich mehr auf die Aufbereitung konzentrieren und wird nicht immer durch den Feilenwechsel aufgehalten. Natürlich kann man dieses Spiel auch mit zwei kabelgebundenen Motoren machen, aber ohne Kabel ist es deutlich einfacher.

Nach langem Überlegen habe ich mit doch dazu entschlossen 2 NSK Endo-Mate TC2 zu kaufen. Es wurden die NSK, da ich noch einen alten Maillefer X-Smart Motor habe, dieser ist mit dem NSK Endo-Mate DT Motor nahezu baugleich und somit sind die Köpfe kompatibel.

Fazit nach zwei Wochen Betrieb:

Ich habe mich fast geärgert, dass ich diesen Schritt nicht schon deutlich eher gemacht habe. Die Motoren sind leicht, handlich, äußerst laufruhig, die Kraft reicht überall hin und die Akku-Standzeiten sind vollkommen ausreichend (nach zwei Wochen in einer Generalisten-Praxis musste ich noch nicht nachladen). Es gibt 5 programmierbare Speicherplätze und eine akustische Warnung, wenn man sich der Drehmomentgrenze nähert. Durch Wechsel auf einen anderen Kopf mit Schleifkontakt gibt es auch noch die Möglichkeit ein ELM-Gerät anzuschiessen um während der Aufbereitung die Aufbereitungslänge zu überwachen. Noch ein schönes Detail ist, dass die Akkus Standart-Akkus sind: AAA Micro-Zellen, das heißt, man ist in 1-2 Jahren, sollten die Zellen nach dieser Zeit schon schwächer werden, beim Akkutausch nicht gleich wieder ein halbes Vermögen los.

Der ATR-Motor kommt jetzt nur noch für GYT zum Einsatz.

Externe Resorption

von Ronald Wecker

Rückblickend hatte ich mich schon länger gewundert, warum sich bei diesem Patienten seit geraumer Zeit die Gingiva im Interdentalraum 15/16 als deutlich gerötet gezeigt hatte. Die Sondierungstiefen betrugen maximal 3mm, die Mundhygiene war gut. Dennoch kam es reproduzierbar zu Sondierungsblutungen, die der etwas engen Zahnstellung zugeordnet wurden.

Vor 2 Wochen berichtete der Patient über zunehmende Missempfindungen in regio 16. Bei der genauen Inspektion fiel eine kleine Unregelmässigkeit im Gingivalsaum von Zahn 16 auf. Die Parodontalsonde verschwand auf Anhieb mehrere Millimeter in Richtung palatinal. Das angefertigte Röntgenbild liess ein resorptives Geschehen vermuten.

Nach Entfernung der mit 17 verblocken Metallkeramikkrone zeigte sich das wahre Ausmass der Zerstörung. Die komplette Bukkalfläche sowie die Hälfte der mesialen Randleiste waren der Resorption bereits zum Opfer gefallen.

Nach Lappenbildung und relativer Trockenlegung konnte der Defekt dentinadhäsiv mit einem hochviskösen Komposit aufgebaut werden. Die Pulpa war großflächig durch das resorptive Geschehen eröffnet worden und wurde im Sinne einer Pulpotomie temporär versorgt. Die definitive endodontische Therapie wird folgen. Bereits nach 3 Tagen konnten die Nähte entfernt werden. Der Zahn ist seitdem vollkommen beschwerdefrei.

Ein präoperatives DVT hätte hier nach Entfernung der Metallkeramikkrone sicherlich genauere Auskunft über das wahre Ausmass der resorptiven Zerstörung geben können und die Entscheidung von Behandler und Patient zu Gunsten der prognostisch günstigeren implantologischen Versorgung beeinflusst. Über den weiteren Behandlungsverlauf wird hier an dieser Stelle berichtet.

1 1/2 Stunden – Teil I

von Bonald Decker

Letzte Woche rief mich ein Freund an, der seit Jahren als Mund-Kiefer-Gesichtschirurg in eigener Praxis tätig ist.

Er bat mich das Au-Pair-Mädchen seiner Familie weiterzubehandeln, dem er vor einigen Tagen einen OK-Molaren aufgrund starker Schmerzen trepaniert habe. Laut seiner Aussage habe der Zahn eine massive Karies (gehabt), die (zum Grossteil) entfernt wurde. Nach erfolgter Trepanation, Vitalextirpation und medikamentöser Ca(OH)2-Einlage sei der Zahn nun mit einem Schaumstoffpellet und einem provisorischem Material verschlossen…

nach diesen Informationen bat ich ihn, dass die junge Dame bei nächster Gelegenheit einen Termin für 1 1/2 Stunden in unserer Praxis vereinbaren solle…

„EINEINHALB STUNDEN???“

klang es mir aus dem Handy entgegen…

Mir war klar, dass ihm dieser Zeitaufwand enorm und wahrscheinlich überzogen vorkommen musste. Bei der Betrachtung der klinischen und radiologischen Situationen war mir jedoch sehr schnell klar, dass ich mit meiner ersten zeitlichen Einschätzung nicht übertrieben hatte…

Nach knapp 90 Minuten war die Patientin vorab eingehend über die Behandlung und Alternativem aufgeklärt, der Quadrant mittels Kofferdam isoliert, der Zahn kariesfrei, mit einer adhäsiven Aufbaufüllung versorgt (das Anlegen der Matrize dauerte alleine gefühlte 15 Minuten), 4 Wurzelkanalsysteme präpariert und mit einer medikamentösen Einlage versorgt. Nach Verschluss der Zugangskavität mit einer zweischichtigen provisorischen Füllung (ohne Watte- od. Schaumstoffpellet ;-) ) war der Behandlungstermin beendet.

Wie wohl der befreundete MKG-Chirurg reagiert wenn er „erfährt“ das die Behandlung noch nicht abgeschlossen ist?

Ich weiss es zum jetzigen Zeitpunkt nicht… werde es aber wohl erfahren und hoffe, dass er (wie ggf. auch andere) bei der Betrachtung der Bilder erkennt, warum eine solche Behandlung zeitlich umfangreich ist.

Saving hopeless teeth (XVII) Apikale Aufhellung (22)

von Ronald Wecker

Zustand nach zweimaliger Resektion, starker Substanzverlust, Sekundärkaries: eine Ausgangssituation, wie man sie sich „besser“ nicht wünschen könnte.

Die Frage des vom Oralchirurgen überwiesenen Patienten, ob dieser Zahn erhaltungsfähig wäre, liess sich nur Schritt für Schritt klären. Die Ursachen für die persistierende apikale Parodontitis waren schnell gefunden:

Die stark randspaltige Goldgussfüllung mit ausgedehnter Sekundärkaries harmonierte gut mit der nicht wandständigen Wurzelfüllung. Zudem war ein mesiobukkales Kanalsystem unaufbereitet geblieben. Nach dentinadhäsivem Aufbau, chemo-mechanischer Aufbereitung und einer CaOH2-Einlage heilte die mesiobukkal gelegene Fistelöffnung vollständig ab.

Die Obturation der Kanalsysteme mit MTA erfolgte aufgrund ausgedehnter apikaler Lysen nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers.

Die röntgenologische Kontrolle nach einem Jahr zeigt eine fast vollständige Ausheilung der apikalen Parodontitis.

Übungszahn

von Christoph Kaaden

Endodontische Arbeitskurse sind in aller Regel stark von Abschnitten geprägt, in denen praktische Schulungen eine zentrale Rolle einnehmen.

Speziell bei Übungen zur maschinellen Präparation von Wurzelkanälen muss jedoch häufig auf Kunststoffblöcke ausgewichen werden, da natürliche, extrahierte Zähne zumeist garnicht bzw. nur im begrenzten Mass zur Verfügung stehen.

Jeder, der mit diesen jedoch schon Erfahrungen sammeln „durfte“, erkennt schnell die Limitationen dieser artifiziellen Wurzelkanäle, da hier u.a. das Schneidverhalten der Instrumente je nach Typ mehr oder minder stark von der tatsächlichen klinischen Realität abweicht.

Für Anfang Juli ist in diesem Zusammenhang jedoch eine Neuerung zu erwarten.


Gemeinsam mit Teilnehmern eines Workshops hatte ich beim Roots Summit in Barcelona die Möglichkeit, Eindrücke und Erfahrungen mit diesen neuen artifiziellen Oberkiefer-Molaren von VDW zu sammeln.

Mein Fazit, wie auch das der Teilnehmer, stand schnell fest. Dieser Übungszahn kommt dem Natürlichen bisher am Nächsten (bei genauem Suchen findet sich „sogar“ ein mb2) und stellt hierfür eine sinnvolle Alternative dar. Für einen Stückpreis von 12,50 Euro kann man sie zukünftig hier beziehen. Rechnet man 4 Plastikblöcke, die ein solcher Zahn ersetzen kann, gegen, so wird der Mehrwert um so deutlicher.

Ghassan Yared Technik – Fortsetzung

von Bodald Necker

Über die Ghassan-Yared Technik ist hier schon einiges geschrieben worden.

Hier mal ein Film, wie es aussieht.
ATR Visio-Endo-Motor (umprogramiert auf reziproke Bewegung. 4/10  Kreisdrehung CW alternierend mit 2/10 Kreisdrehung CCW) mit W&H 16:1 Untersetzungs-Winkelstück. Statt der von Yared beschriebenen ProTaper F2 mit einer VDW M2 25/06. Aufbereitung eines Plastik-Blockes.

Das Video ist in Echt-Zeit, d.h. der Kanal im Plastik-Block ist in ca. 1 Minute aufbereitet. Der „Behander“ ist ein sehr endo-erfahrener Kollege, aber es war sein erster Kontakt mit der Yared-Technik.

Wer’s sehen kann ist klar im Vorteil.

von Ronald Wecker

Häufig kommt im Rahmen praktischer Arbeitskurse die Frage auf, ob es nicht ausreicht, wenn das Dentalmikroskop nur zum Auffinden der Kanaleingänge eingesetzt wird. Der Rest der Wurzelkanalbehandlung  könnte ja dann in gewohnter Weise mit oder ohne Vergrößerungshilfe durchgeführt werden.

Das das Durchführen der gesamten Behandlung unter Zuhilfenahme des Dentalmikroskopes durchaus sinnvoll ist zeigt vorliegender Behandlungsfall.

Die Überweisung erfolgte, weil die Darstellung der Kanaleingänge unter Lupenvergrößerung nicht möglich war. Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich zunächst, dass der vermeintliche Pulpakammerboden in Wahrheit das stark „abgesunkene“ Pulpakammerdach war.

Bereits nach kurzer Zeit konnten die Kanalorifizien mittels langschaftiger Rosenbohrer dargestellt werden.

Das palatinale Kanalsystem erschien relativ weit und liess bereits  initial ein klemmungsfreies Einbringen einer feinen Spülkanüle zu. Unter dem Mikroskop fiel auf, dass neben etwas trübem Sekret ein nadelförmiges Objekt in heller Dentinfarbe herausgespült wurde. Anstatt der routinemässigen Verwendung vollrotierender Nickel-Titan-Instrumente zum Etablieren des Gleitpfades wurde darauf hin der koronale Kanalanteil zunächst mit Gates-Glidden-Instrumenten erweitert. Die visuelle Inspektion liess erkennen, dass das Kanallumen ca. 3mm unterhalb des Einganges fast vollständig durch einen nicht wandadhärenten Dentikel verschlossen war. Mit Hilfe eines Microopeners konnten die koronalen 2/3 mit etwas Geduld entfernt werden.

Das apikale Kanaldrittel zeigte eine ampullenförmige Erweiterung, sodass der Dentikel zuerst mittels Ultraschall zerkleinert werden musste, um die restlichen Anteile nach koronal bewegen zu können.

Beim Anblick des Dentikels erinnerte ich

mich an so manchen Fall eines oberen Molaren bei dem es in den Jahren der mikroskoplosen Behandlung nach initialem Scouting des palatinalen Kanals zu einer plötzlichen Blockade des Kanalsystems mit hartem apikalem Widerstand kam. Insbesondere ab Verwendung von Handinstrumenten der Größe ISO 25 und größer. Wahrscheinliche Ursache war das unbemerkte Mobilisieren eines Dentikels und das anschliessende Apikalverschieben desselben. Je größer das eingesetzte Instrument umso „sicherer“ war die anschliessende Verblockung.

Der durch das Durchführen der gesamten endodontischen Behandlung erzielte Informationsgewinn wiegt die insbesondere zu Beginn des Arbeitens mit dem Mikroskop sehr flache Lernkurve und das Gefühl der fehlenden Orientierung mehr als auf. Das „Entdecken“ von Kanalkommunikationen, die Verwindung der eingesetzten rotierenden NiTi-Instrumente, die Debrismenge in den Spanräumen, die Menge und Art der herausgespülten Dentinspäne bzw. des alten Obturationsmaterials oder wie im vorliegenden Fall die Obliteration des Kanals durch einen intrakanalären Dentikel haben entscheidenden Einfluss auf die weitere Vorgehensweise und können bei Nichterkennen das Behandlungsergebnis kompromittieren.

ZE -Gesamtplanung

von Hans – Willi Herrmann

Die Patientin war vor einiger Zeit umgezogen.
Ihr neuer Zahnarzt  überwies sie nun wegen einer Fistel in Regio 47.
Neuer Zahnersatz steht an.
Im Oberkiefer und eventuell auch im Unterkiefer.

Im angefertigten Zahnfilm zeigte sich eine apikale  Aufhellung.

Kann der Zahn 47 erhalten werden ? Das war die Frage des Überweisers.

Die Chancen dazu stehen gut.

Dann der  Blick auf das mitgeschickte OPG.

9 Zähne sind wurzelkanalbehandelt. Nur zwei davon, von ihrem röntgenologischen Erscheinungsbild her, akzeptabel.
Was nichts heißen muss.

Fakt ist jedoch, daß die anderen 7 Wurzelfüllungen den Richtlinien zur Versorgung mit Kronen bei einer bei der  Patientin anstehenden Zahnersatzversorgung nicht entsprechen.

Wie also verfahren ?

Sollten, nein müssten nicht diese Wurzelkanalfüllungen vor ZE – Neuversorgung allesamt revidiert werden ?

Falls ja, wer trägt die Kosten ?

Die GKV ? Wie sind die Therapierichtlinien der gesetzlichen Krankenkassen ?

7 mal Wurzelspitzenresektion ?
Mit welcher Erfolgsprognose ?

Oder doch 7 mal Extraktion und ein herausnehmbarer Zahnersatz im Ober- und Unterkiefer für eine 29 jährige Patientin, die im Übrigen nicht den Eindruck macht, dass sie ihre Zähne gedankenlos hat verkommen lassen, sondern möglicherweise lediglich  einem subqualifizierten Behandler ihr Vertrauen geschenkt hat.

Wie also verfahren ?

Ich frage dies, weil aus zahnmedizinischer Sicht die Revision indiziert und die Erfolgswahrscheinlichkeit zwar nicht 100%ig vorhersagbar, aber deswegen nicht schlecht sein muss.

Besagte Zähne sind definitiv erhaltungswürdig. Ob sie erhaltungsfähig sind, hängt davon ab, was wir im Zahn vorfinden und ob wir diese Situationen meistern können.

Sollte man diesen Versuch also wagen ? Auf jeden Fall.

Und jetzt nehmen wir einmal an, die Behandlung hätte Erfolg.
Man würde erwarten, dass die Krankenkassen ihrem erfolgreich behandelten Mitglied, welches jeden Monat einen nicht unerheblichen Geldbetrag zur Finanzierung des Solidarsystems überweist, im Erfolgsfalle eine Kostenübernahme einräumen würden. Dass im Falle eines Misserfolges nichts gezahlt wird, ist klar.

Aber wie sieht es aus, wenn die Behandlung nachgewiesenermaßen erfolgreich verläuft. Im Falle des 47, bei vollständiger Rückbildung der apikalen Aufhellung.

Volle Kostenübernahme ?
Keineswegs.

Der Patient versteht die Welt nicht mehr.

Die Kosten der 9 Wurzelkanalbehandlungen, die alio loco durchgeführt wurden, wurden vollständig übernommen.

„Da stimmt doch was nicht“, sagt die Patientin.
Ich kann ihr nicht widersprechen.


Stift Ex oder nicht, das ist hier die Frage

von Nestaf Cherv

Oft stellen sich pathogene apikale Veränderungen dar, die sich in Zusammenhang mit einer kontaminierten Wurzelfüllung bringen lassen. Die Therapie der Wahl stellt oft eine Wurzelkanalrevisionsbehandlung dar, die den Kanal von Bakterien befreien und dicht verschließen soll. Schwieriger wird es, wenn ein Stift den Zugang orthograd zu dem Wurzelkanal versperrt oder verblockt. Im vorliegenden Fall besaß dieser zudem noch eine bis fast an den Apex reichende Länge.

Die Stiftentfernung mittels Ultraschall ist eine bewährte Methode; mir persönlich jedoch birgt sie bei sehr langen und voluminösen Stiften die Gefahr, daß letztlich doch zu viel Kraft mittels Ultraschall oder mittels Kräften , die den Stift zum Bewegen bringen sollen, übertragen werden und zu Rissen führt.

Der vorgestellte Fall zeigt einen fistelnden Zahn 21 mit einem Stift, der den gesamten Kanal bis fast zum Apex ausfüllte. Ich sah eine Stiftentfernung als indiziert an, um die Kanalinfektion zu beseitigen. Eine alleinige WSR hätte kontaminierte Anteile über eine zweifelhaft dichte retrograde Füllung belassen. Ich habe mich daher zum Entfernen durch Herausbohren mittels eines langschaftigen Munce Rosenbohrers des kleinsten verfügbaren Durchmessers entschieden. Nach Entfernen der Krone bohrte ich  unter der Sicht des Mikroskops langsamdrehend einen mittigen Kanal in den Stift, bis die letzte Schicht des Metalls fast erreicht war. Das weitere Vordringen wurde alternierend von der vorsichtigen Entfernung der seitlichen Stiftanteile neben dem mittigen Hauptbohrkanal mittels Muncebohrers begleitet.

Für die letzten 2 mm reichte dann eine Aktivierung über die Endo Chuck Nadel und das Stiftende verließ seinen Platz. Nach der medikamentösen Einlage und dem Verschluß des koronalen Einganges mit Cavit wurde der Zahn mittels Komposit als „direkte plastische Krone“ aufgebaut.

Die Wurzelfüllung wurde durch die trepanierte „direkte plastische Krone“ mit MTA durchgeführt und anschließend wurde in 2. Sitzung ein Glasfaserstift inseriert.

6 Monate stellten sich auf dem 2 dimensionalen Röntgenbild ausgeheilte Verhältnisse dar.

Saving hopeless teeth (XVI) – Apikale Aufhellung (21)

von Ronald Wecker

Hoffnungslos, das war das Wort das mir spontan beim Betrachten des Röntgenbildes von Zahn 45 einfiel. Ein Wort das auch sehr gut zu 46 und 47 passen würde.

Zahn 47 wies eine Vertikalfraktur der mesialen Wurzel auf, 46 war tief zerstört und Zahn 45 ….

Zustand nach WSR vor ca. 8-9 Jahren. Seitdem beschwerdefrei, nun aber seit 2 Wochen eine Fistelung mesial von 45 . Das retrograde Verschlussmaterial war deutlich disloziert. Der Zahn zeigte nur eine geringe Lockerung jedoch eine  deutliche Aufbissempfindlichkeit. Meiner Empfehlung einer implantologischen Lösung des Problems wollte der fast 80-jährige Patient nicht folgen ohne vorher einen Erhaltungsversuch unternommen zu haben.

Nach Entfernung der prothetischen Krone konnte der massive Stiftaufbau mit Hilfe des Thomas-Systems problemlos entfernt werden. Nach großvolumiger Spülung mit CHX gelang es das dislozierte retrograde Verschlussmaterial unter dem Dentalmikroskop zu visualisieren.

Da die Zementpartikel größer als der apikale Kanaldurchmesser waren, wurden die Zementpartikel mittels Ultraschall zerteilt. Trotz hartnäckigem Bemühen gelang es nicht alle Partikel aus dem Periapikalbereich zu entfernen.

Die Idee einer adhäsiven provisorischen Versorgung des Zahns um eine medikamentöse Einlage zu ermöglichen wurde nach kurzem Abwägen der Vor- und Nachteile verworfen.  Der ausgedehnte knöcherne Defekt birgt die Gefahr einer Verschleppung von CaOH2 in das periapikale Gewebe, das erneute Anlegen der Zugangskavität führt zu, wenn auch geringfügigem, erneutem Hartsubstanzverlust. Daher wurde die Behandlung in einer Sitzung durchgeführt.

Nach Erstellen eines kollagenen Widerlagers erfolgte die Obturation mit MTA Angelus. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  dentinadhäsiv aufgebaut und mit einer provisorischen Krone versorgt.

In weiteren Behandlungssitzungen wurde Zahn 46 adhäsiv aufgebaut und endodontisch versorgt, die mesiale Wurzel von Zahn 47 entfernt, die distale Wurzel ebenfalls endodontisch behandelt und laborgefertigte Langzeitprovisorien eingegliedert.

Das 14 Monatsrecall zeigt eine deutliche Reduktion der apikalen Aufhellung. Der Zahn zeigt keine erhöhte Beweglichkeit und normale Sondierungstiefen. Die Fistelung war 1 Woche postoperativ verschlossen.

Sicherlich kein Behandlungsfall aus dem geschlossen werden kann, dass stark kompromittierte Zähne in jedem Fall erhalten werden können. Darüber hinaus ist die Nachbeobachtungszeit als kurz zu bezeichnen und das Risiko einer Längsfraktur sicherlich hoch.

Aber der Fall zeigt zu welchen regenerativen Leistungen unser Organismus in der Lage ist, wenn wir die entsprechenden Umgebungsbedingungen schaffen können.

Und ich hoffe der Patient erscheint regelmässig zum Recall.

Saving hopeless teeth?

von Lodlan Reckleb

Der Patient kam mit Beschwerden.
Eine Zahnfleischtasche an 27 war akut.

Wir fertigten ein Röntgenbild an – und fanden neben dem parodontalen Befund noch weitere Probleme, welchen den Zahnerhalt beeinträchtigen könnten. Der Wunsch des Patienten lautete: Alles machen, damit der Zahn erhalten werden kann, auch wenn die Prognose des Zahnes insgesamt auf Grund der Ausgangslage ungünstig ist.

Das verbliebene abgebrochene Instrument war dem Patienten nicht bekannt.

Verwunderlich, denn bei der Größe des Fragmentes kann es dem Behandler schwerlich unbemerkt geblieben sein. Warum wurde nicht aufgeklärt? Dass Instrumente frakturieren können, ist selbst bei höchster Sorgfalt nicht grundsätzlich vermeidbar. Insbesondere im vorliegenden  Fall mit abrupten Richtungsänderungen im Kanalverlauf oder anderen schwierigen anatomischen Strukturen.

Der Patient sollte unbedingt im Sitzungsabschluss auf dieses Problem aufmerksam gemacht werden und diese Aufklärung sollte dokumentiert werden. Oftmals sind Instrumente entfernbar und der Zahn erhaltbar. In Ausnahmefällen kann man kleinere nicht entfernbare Fragmente passieren und belassen.

In diesem Fall war ein Passieren nicht möglich.
Nach Darstellung des Instruments konnte mit der Kanülenklebe-Technik das abgebrochene Lentulo entfernt werden.

Nun das Recall nach 2 Jahren.
Leider war der Patient zwischenzeitlich nicht wieder beim Zahnarzt und kam auch nicht auf unseren Recallbrief, sondern weil er erneut parodontale Beschwerden hatte.

Die Tasche mesial an 27 war wieder akut… :(

Hopless

Hopless

Thermafil-Revision

Die Revision trägerbasierter Wurzelfüllungen stellt mitunter eine echte Herausforderung dar. Die ersten Weichen werden bereits beim Anlegen der Zugangskavität gestellt.

Bereits ein allzu zügiges Entfernen der das Pulpakavum oftmals vollständig ausfüllenden Guttapercha mittels rotierender Instrumente kann ein unbeabsichtigten Einkürzen der Trägerstifte zur Folge haben. Das Entfernen derselben ist nachfolgend deutlich erschwert, da das Greifen und Herausziehen von auf Pulpakammerbodenniveau gekürzten Trägern meist nicht mehr möglich ist.

Es empfiehlt sich die Guttapercha vorsichtig unter direkter Sicht mit einem Exkavator oder mit langsam rotierenden Rosenbohrern zu entfernen bis die Trägerstifte freigelegt sind. Im Bereich der Kanaleingänge kann dann mit einem Microopener weitere Guttapercha entfernt werden. Ragen die Obturatoren in das Pulpakavum hinein, so kann versucht werden diese zu greifen und unter ständigem Zug nach koronal heraus zu ziehen.

Dazu eignen sich entweder ein Mikrogreifinstrument der Firma Hartzell & Sons oder, falls mehr Platz vorhanden ist, eine modifizierte gebogenen Arterienklemme. Die Branchen der Arterienklemme werden an den Aussenseiten mit einem Heatless-Stein so  verjüngt, dass ein Einbringen ins Pulpakavum möglich ist.

Sind die Trägerstifte am Kanaleingang abgetrennt, so hat sich zum Entfernen das Eindrehen zweier Hedströmfeilen bewährt, die nachdem sie parallel zum Trägerstift so weit wie möglich nach apikal eingebracht worden sind, miteinander verdrillt werden und dann mittels einer gebogenen Arterienklemme zusammen mit dem eingeklemmten Trägerstift herausgezogen werden können.

In vorliegendem Fall kamen beide Techniken zum Einsatz. Die Überwindung der Stufe im mesiobukkalen Kanal gelang unter Anwendung des „Stufenplans“.

Die Anatomie dieses unteren Molaren war (einmal wieder) besonders: 3 distale und 2 mesiale Kanäle, wobei MB und ML nicht kommunizierten, DB und MD ca. 7 mm unter Pulpakammerboden konfluierten und DL ca. 1 mm vor dem Foramen mit DL konfluierte, sodass alle 3 distalen Kanäle in einem gemeinsamen Foramen endeten.

Grenzen der Yared-Technik

von Christian Danzl

die Ghassan-Yared-Technik wurde auf diesem Blog schon öfters beschrieben. Einer der Vorteile dieser Aufbereitungstechnik ist das geringere Frakturrisiko der Feilen. Durch die diskontinuierliche Drehung ist die Anzahl der Umdrehungen insgesamt geringer, was weniger Ermügungsbrüche nach sich zieht. Durch die regelmässige Rückwärtsdrehung wird ein Festfressen der Feile meist vermieden. Die Gefahr eines Torsionsbruches wird geringer, weil sich die Feilenspitze durch die Rückwärtsdrehung wieder lösen kann.

Genau das, ein vereitelter Torsionsbruch,  ist wahrscheinlich hier in diesen Bildern zu sehen.

Trickkiste

von Ronald Wecker

Dieser obere Eckzahn verlangte einen tieferen Griff in die endodontische Trickkiste.

Zustand nach perforierender externer Resorption 2 Jahre nach operativer Entfernung von Zahn 22 mit gleichzeitiger Zystektomie. Pulpanekrose und stark obliterierter koronaler Kanalanteil. Hinzu kam, daß die Kronenachse nach langzeitprovisorischer Versorgung deutlich von der Zahnachse abweicht.

Bereits der Zugang erforderte ein wenig mehr Überlegung als sonst. Um die Zugangskavität zahnachsengerecht anlegen zu können wurde die Zahnachse präoperativ mit einem Permanentmarker auf die Labialfläche der provisorischen Krone aufgezeichnet.

Um den Zahn, der der distale Brückenpfeiler einer dreigliedrigen Brücke ist,  zu isolieren  wurde das Kofferdamgummi von 24 bis 21 gelocht und die gestanzten Löcher von 23 bis 21 durch Durchtrennen der Stege zu einem einzigen „Langloch“ erweitert. Die Befestigung des Gummis erfolgte durch 2 Klammern: Eine „2A“ auf 24 und eine „1“ auf 21. Das „Langloch“ wurde mittels Opaldam abgedichtet.

Die Zugangskavität führte geradewegs zum stark obliterierten koronalen Kanalanteil. Anhand der endodontischen Landkarte war der Kanaleingang recht schnell aufgefunden. Bereits nach initialer Erweiterung  imponierte eine Blutung aus dem Resorptionsbereich die nach Spülung mit erwärmtem NaOCl recht schnell zum Erliegen kam.

Die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge konnte nur mittels Isolierung des Handinstrumentes durch eine abgeschnittene und über den mittleren bis koronalen Teils des Instrumentes geschobenen „Capillary Tip“ durchgeführt werden, einen Tip den ich von Hans-Willi Herrmann erhalten hatte. Der Kontakt des unisolierten Handinstrumentes mit der Resorptionslakune führte nämlich immer wieder zu Fehlmessungen.

Da die Blutung weiterhin sistierte und die Resorptionslakune halbkreisförmig um den Originalkanal angeordnet war beschloss ich zunächst die Aufbereitung des Kanals zu beenden und dann diesen zu obturieren, bevor ich die Resorptionslakune nebst Perforation mit MTA verschliessen würde.

Die Arbeitslänge betrug 27 mm, sodaß eine Verlängerung der Guttaperchaspitze gefragt war. Dies geschah in der an dieser Stelle schon einmal beschriebenen Art und Weise.

Um die Guttaperchaspitze so abzulängen, daß sie gerade ein wenig unterhalb des Kanaleingangs endet, musste zunächst die Strecke vom Referenzpunkt bis zum Kanaleingang ermittelt werden. Dies geschah mit Hilfe eines auf einem Plugger aufgebrachten Silikonstopps. Von der Gesamtlänge der Guttapercha (27mm) wurde daraufhin oben genannte Strecke abgezogen (16 mm) sodaß die apikal benötigte Guttaperchaspitze eine Länge von 11 mm besitzen musste. Das Einbringen erfolgte indem der gekürzte Masterpoint auf die Spitze eines Microopener platziert wurde. Nur so war zu verhindern, daß Guttapercha und /oder Sealer in die Resorptions- bzw. Perforationslakune verbracht wurde.

Nachdem dies erfolgt war wurde der apikale Guttaperchteil warm vertikal kompaktiert. Anschliessend erfolgte eine inkrementelles Backfill bis knapp unterhalb des Kanaleingangs. Darauf hin wurde MTA Angelus in mehreren Portionen eingebracht und durch indirekte Ultraschallaktivierung kompaktiert. Nach Aushärtung des MTA erfolgte der dentinadhäsive Verschluss der Zugangskavität.

Ich bin gespannt wie  sich der Zahn in den mittel- und langfristigen Recalls zeigen wird.

Endox

von Olaf Löffler

Endox – Gewitter im Wurzelkanal – für Sie hier aufgezeichnet.

Das Gerät haben wir neu. War so ein Spontankauf. Wobei, getragen hatte ich mich schon länger damit. Die verschiedensten Anwender hatte ich dazu befragt um mir ein Bild zu machen.
Die Literaturlage ist sehr dünn.
Ich benutze das Gerät seit knapp 2 Monaten und weiß noch nicht, ob ich es standardmäßig in mein Behandlungsprotokoll integrieren werde.

Es erinnert mich an die Zeit nach dem Kauf meines ersten Mikroskops. Anfangs dachte ich das war deine größte Fehlinvestition… Nun nach vielen Jahren kann ich resümieren – das war die Investition überhaupt.

Ob ich das vom Endox auch sagen kann? Schaun mer mal.

Frei zugängliche Literatur gibt es unter diesen Links:

http://www.blzk.de/archiv/zbay/1_2_00/001-2s60.html
http://www.endopedia.de/Weitere_physikalisch-chemische_Methoden
http://www.db-thueringen.de/servlets/DocumentServlet?id=12910
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/6868/
https://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/zwr/doi/10.1055/s-2004-823091

Saving hopeless teeth (XV)

von Bonald Decker

Dieser Patienten wurde uns zur weiteren Therapie überwiesen, nachdem es in einem sehr (sehr) frühen Stadium der notwendig gewordenen endodontischen Therapie zu einer Komplikation gekommen war…

Bei näherer Betrachtung der von uns angefertigten Röntgenbilder fallen ein paar Dinge auf:

Die suboptimal angelegte primäre und sekundäre Zugangskavität mit dem sich daraus ergebendem nicht geradlinigen Zugang zu den Kanalsystemen führte in der weiteren Folge zu einer Instrumentenfraktur.

Genauer, zu zwei Frakturen.

Nach Entfernung der mesialen Karies und Optimierung der Zugangskavität richtete sich unser Augenmerk zunächst auf das Management der drei „komplikationslosen“ Kanalsysteme (ml, db & dl). Nach deren chemo-mechanischen Reinigung folgte die Darstellung des ersten Instrumentenfragmentes. In der weiteren Folge gelang es zunächst das eine, und schliesslich auch das zweite Bruchstück mittels Ultraschallansätze zu entfernen.

Die finale Präparation der vier Kanäle erfolgte bis zu den Grössen 35.06 (mesial) bzw. 40.06 (distal). Während distal im apikalen Anteil eine Konfluation der Systeme bestand, mündeten die beiden mesialen jeweils in separaten apikalen Foramina.

Die abschliessende Obturation der Wurzelkanäle erfolgte mit Guttapercha und 2Seal in mod. Schilder Technik. Abschliessend wurde die Zugangskavität adhäsiv mit Komposit versiegelt.



Abschliessende Gedanken:

Die Instrumentenfraktur zählt zu einer der möglichen Komplikationen während der Wurzelkanalbehandlung und stellt per se keinen Behandlungsfehler dar. Trotzdem gilt es vorab zu überlegen, wie solche Negativerlebnis zu vermeiden sind.

In dem vorliegenden Fall muss neben der suboptimal gestalteten Zugangskavität die Wahl der Hedströminstrumente zur initialen Bearbeitung der Kanalsysteme als mögliche Ursache angesehen werden. Diese sind aufgrund des größen Schneidekantewinkels bei der initialen Wurzelkanalinstrumentation als ungeeignet anzusehen.

Ausserdem empfiehlt es sich bei dem Verdacht von evtl. konfluierenden Kanalsystemen dies frühzeitig zu überprüfen, um eine Instrumentenfraktur aufgrund einer plötzlich auftretenden (massiven) Krümmung am Konfluationspunkt zu vermeiden.

Anatomie unterer Molaren (4)

von Bodald Necker

Untere Molaren haben verschiedenste Variationen der Wurzelkanalanordung.

Hier ein Beispiel für eine 3-1 Konfiguration. Also 3 mesiale Kanäle und ein distaler Kanal.

Nach der Trepanation des Pulpadaches sah es zunächst nach einer 2-2 Konfiguration aus. Die beiden distalen Kanäle vereinigten sich sehr schnell zu einem einzigen. Mesial wurden 2 Kanäle aufbereitet. Nachdem die Kanäle vollständig aufbereitet, desinfiziert und getrocknet waren, war der Eingang eines mesio-zentralen Kanal zu erahnen.
Nachdem die Sondierung mit einer 006er K-File nicht bis zum Apex vordrang, wurde der sehr enge Kanal aufbereitet/gängig gemacht mit Sequenz ProFile 15/04, ProFile 20/04, Flexmaster 15/06  in Wiederholung bis zum Apex.
Aufbereitung aller Kanäle bis 40/06.

Apikale Aufhellung (19)

von Ronald Wecker

Interessanter Recall von dieser Woche:

Zahn 35, Brückenpfeiler seit mehr als 15 Jahren. Im Rahmen einer Erstuntersuchung zeigte sich eine ausgedehnte apikale Veränderung.

Das Entfernen des gegossenen Stiftaufbaus gelang unter Erhalt der Krone. Das Kontrollbild nach Obturation lässt eine geringe Extrusion von Sealermaterial vermuten.

Nach 3,5 Monaten heute der erste Röntgenrecall. Ich staunte nicht schlecht als ich den ersten Blick auf das Röntgenbild warf. Hatte jemand erneut obturiert? Der Sealer war deutlicher zu erkennen als im Abschlussbild. Die Periapikalregion stellte sich deutlich röntgendichter dar als in der Ausgangssituation. Im Zuge der von peripher nach zentral voranschreitenden Ausheilung ist der Sealer offensichtlich zusammen geschoben worden.

Ordnet man die Bilder in anderer Abfolge an, kann man schnell falsche Rückschlüsse ziehen: initialer Sealerüberschuss wird im Verlauf der sich langsam ausbreitenden Infektion „abgebaut“, die apikale Veränderung wird größer: Misserfolg.

Schön, dass die digitalen Bilder automatisch mit dem Aufnahmedatum versehen werden.

Anatomie unterer Molaren (3)

von Ronald Wecker

Ein neues Beispiel für den Variantenreichtum der Natur.

Zahn 47 ist seit ca. 8 Jahren mit einer Vollgusskrone versorgt. Bei der routinemässigen Röntgenkontrolle des nicht kaltsensiblen Zahns 47 im Rahmen der Erstuntersuchung im Jahr 2007 zeigte sich eine apikale Veränderung. Die endodontische Revision wurde zunächst aus finanziellen Gründen verschoben. Der Zahn war zu dieser Zeit klinisch vollkommen beschwerdefrei. Seit Oktober 2009 stellte sich eine zunehmend stärker werdende Aufbissempfindlichkeit ein die mit einer deutlich größeren apikalen Aufhellung einher ging.

Nach Entfernung der Krone und Erstellung einer adhäsiven Aufbaufüllung konnten zunächst das mesiobukkale und das distale Kanalsystem instrumentiert werden.

Gegen Ende der Aufbereitung kam es zum  Austauschder Spülflüssigkeit zwischen MB und D. Die Röntgenmessaufnahme bestätigte die Kommunikation dieser beiden Kanalsysteme. Bei der Betrachtung der präoperativen Röntgenbilder konnte zunächst eine c-förmige Anatomie vermutet werden. Der Blick durchs Mikroskop  liess jedoch eine „normale“ Anordnung der Kanaleingänge erkennen: 2 mesiale Kanaleingänge und ein querovales distales Kanalsystem.

Das mesiolinguale Kanalsystem war im Rahmen der alio loco durchgeführten Behandlung bereits deutlich mesialer und lingualer „gesucht“ worden. Offensichtlich ohne Erfolg. Nach insgesamt knapp 60 Minuten war ML schliesslich dargestellt und aufbereitet. Einige ProFiles 15/04 hatten ihr Leben gelassen. Der mesiolinguale Kanal konfluierte im mittleren Drittel mit MB bevor sich „beide“ dann mit D vereinten. Eine nach Aufbereitung von MB in ML eingeführte PF 15/06 verursacht in der in MB eingebrachten Guttaperchaspitze eine Impression.

So konnte der Konfluationspunkt ermittelt und ein unnötiges „Mehrfachaufbereiten“ desselben Kanalabschnittes aus verschiedenen Richtungen vermieden werden. Die in MB eingebrachte Papierspitze „tauchte“ im distalen Kanal auf.

Die Obturation erfolgte in D in Squirtingtechnik mit in den Kanälen platzierten Masterpoints in MB und ML. Das Ergebnis der Röntgenkontrolle in 6 Monaten wird hier im Blog eingestellt.

Versprochen.

Radix entomolaris – Apikale Aufhellung (20)

von Ronald Wecker

Dieser Patientenfall hatte einige Schwierigkeiten parat. Neben einer Instrumentenfraktur am Zahn 35 war ein Radix entomolaris am Zahn 36 vorhanden. Diese „dritte“ Wurzel ist nicht oft zu beobachten.

Die Radix entomolaris kommt in 3-4% der europäischen Bevölkerung am ersten unteren Molaren vor. Ähnlich verhält es sich in der afrikanischen Bevölkerung. In der asiatischen Population, wie Chinesen, Eskimos und auch amerikanische Indianer ist ein Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von 5% bis über 40% möglich.

Die Schwierigkeit der Radix entomolaris liegt nicht im unbedingt in der schwierigen Kanalstruktur, sondern in der außergewöhnlichen Lage. Der Kanaleingang liegt fast immer extrem weit distolingual. Deshalb kann dieser mit einer Perforation verwechselt werden.

Weiterhin wird im Röntgenbild diese anatomische Besonderheit nicht immer gleich sichtbar. Deshalb sind exzentrische Aufnahmen vor Behandlungsbeginn sinnvoll. Neben der parodontalen Sondierung, ist die klinische Untersuchung der Zahnkrone wichtig. Ein zusätzliche Höcker (Tuberculum paramolare)  in Kombination mit einer zervikalen Prominenz oder Konvexität, kann auf das Vorhandensein einer zusätzlichen Wurzel hinweisen.

Die Spurensuche auf dem Pulpaboden hilft oft bei der Suche nach einer Radix entomolaris. Die dunklen Verbindungslinien zeigen in Richtung des distolingualen Kanaleingangs. Dazu ist mitunter die Entfernung eines Dentinüberhanges notwendig.

radix entomolaris

radix entomolaris

Mitt-mesiale & distale Kanäle (III)

von Christoph Kaaden


Klinisches Erscheinungsbild und Vorgehen

Bei der Inspektion des Pulpakammerbodens gilt es ein besonderes Augenmerk auf evtl. vorhandene Dentinüberhänge oder Kalzifikationen zwischen den Kanalorifizien zu richten. Diese sollten gezielt entfernt werden (mittels Rosenbohrern oder diamantierten Ultraschallansätzen), um somit eine Sondierung mittels grazilen Handinstrument (ISO 010 oder kleiner) zu erlauben.

Als Faustregel gilt ferner, dass, je weiter die beiden regulären Kanaleingänge voneinander entfernt liegen, desto wahrscheinlicher ist das Vorhandensein eines zusätzlichen mittleren Kanals.

.

Mitt-mesialer Kanaleingang nach initialer Darstellung

Nach initialer Sondierung des Kanalverlaufs sollte beim Preflaring von einem übermässigen Instrumenteneinsatz (z.B. Gates-Glidden-Bohrer) Abstand genommen werden, da hierbei eine erhöhte Strip-Perforationsgefahr (zur Furkation hin) besteht.

Ferner sollte vor der Präparation der Wurzelkanäle auf eine mögliche Konfluation der Kanalsysteme hin geprüft werden. Sollte diese bestehen, darf nur ein Wurzelkanal (zumeist der „leichter gängige“ mesio-linguale) bis zur vollen Arbeitslänge bearbeitet werden. Der andere Kanal (bzw. die anderen Kanäle) hingeben dürfen nur bis zu dem Konfluationspunkt bearbeitet werden, um eine mögliche Instrumentenfraktur aufgrund einer evtl. abrupt auftretenden Krümmung und der damit verbundenen Torsionsbelastung des Instrumentes zu umgehen.

Bei der Aspiration der Spüllösung verdeutlicht sich die bestehende Konfluation der drei mesialen Wurzelkanalsysteme

„Life In Plastic, It’s Fantastic“

von Hans – Willi Herrmann

Vor einer Woche sinnierte ich an dieser Stelle über die vielen, vielen NiTi – Systeme im Markt.
Und die wenigen, die aus der Masse herausragen.

Mehr als 15 Jahre nach Markteinführung von RNTI ist der Anforderungsrahmen  vorgegeben. Die Eckwerte dessen, was die Marktführer zu leisten im Stande sind, stehen fest.

Und so ist es  also nicht einfach, für ein neues System im Markt, Zeichen zu setzen. Sich abzusetzen.

Gelungen ist dies dem Alpha Kite – System der Firma Komet.
Ich gebe zu, für mich unerwartet.
Denn um ehrlich zu sein, die beiden bisherigen Systeme, die M – und Alpha – Files konnten mich nicht überzeugen.

Der erste Kontakt mit einem neuen System führt meist über eine Demo im Plastikblock. So auch hier.

Der Acid – Test für jedes NiTi – System.
Der Plastikblock hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Er  macht dem Instrument das Arbeiten unnötig schwer.
Und verlangt ihm viel, meist sogar zuviel, ab.

Ein schlechtes Abschneiden im Plastikblock kann dennoch mit einem guten Behandlungsergebnis im natürlichen Zahn einhergehen, ist also kein KO – Argument.
Und umgekehrt ?

Gibt es nur ganz ganz wenige Instrumente, mit denen man besagte Plastikblöcke gut bearbeiten kann.

Und damit kommen  wir zum Alpha Kite System.
Mit dem im  Plexiglasblock sich wirklich ausgesprochen angenehm arbeiten lässt.
Ein Aha – Erlebnis.

Zurückzuführen ist dieses auf die asymmetrische Gestaltung der Instrumentenschneide.
Ich spreche in diesem Zusammenhang vom Wendeltreppen – Design.
Und in der letzten Zeit werden die NiTi – Systeme zahlreicher, denen ein solcher Aufbau, auf zum Teil unterschiedlichen Wegen verwirklicht, zugrunde liegt.

Ich kenne 4 solche Systeme  und allen 4 gereicht diese Konstruktion zum Vorteil.
Der Trick:
Die Asymmetrie lässt das Instrument einen größeren Raum präparieren als das Instrument von seinem Körper her einnimmt.

Das Resultat:
Effizienz.
Höhere Flexibilität als konventionelle Instrumente analogen Aufbaus.
Weniger bis kaum bis Null Einschraubeffekt.

Sind schon mal 3 gute Gründe.

Wie das Alpha Kite -System im Zahn abschneidet?
Keine Ahnung.
Vielleicht habe ich irgendwann mal die Gelegenheit, das System ausführlicher zu testen.

Bis dahin bleibt es beim Achtungserfolg.
Und das ist schon mal nicht schlecht.

Ach so, damit ich´s nicht vergesse.
Der Wendeltreppen – Aufbau hat natürlich- kein Licht ohne Schatten – auch seine Details, auf die es zu achten geht.
Geringer Kerndurchmesser bedeutet höhere Flexibilität und damit aber auch höheres Torsionsbruchrisiko. Zumindest der dünnen Instrumente.

Also – immer schön das Instrument auf Aufdrehungen hin untersuchen.

Und noch was – so am Rande – was hier mit der Rotation auf kleinstem Raum passiert, ist nichts anderes als die miniaturisierte „envelope of motion“ -Arbeitsbewegung Herbert Schilders.
Ein vorgebogenes  dünnes und damit flexibles Instrument präpariert durch Rotation mehr Raum als es seinem Nominaldurchmesser entspräche.
Auch in diesem Punkt war Schilder seiner Zeit weit voraus.

Instrumententfernung 1

von Bodald Necker

Eine Bekannte brauchte eine Wurzelkanalbehandlung. Gut. Soll sie eine haben. Aber wie das so ist, wenn man Bekannte, Freunde oder Familienangehörige behandelt: Es geht was schief. Hier war es die ProTaper F2, die den Wurzelkanal nicht mehr vollständig verliess. Egal. Sie muss wieder raus.

Vorgehen war wie folgt:

  • Erweitern des Kanals bis zum Fragment mit Gates-Glidden rot
  • das Arbeitsende (Olive) des GG von der Spitze zur Hälfte wegschleifen
  • mit dem modifizierten GG wieder bis zum Instrument in den Kanal, um ein Plateau um das abgebrochene Instrument zu schaffen
  • mit einer Ultraschall-Spitze das Instrument im oberen Bereich zirkulär freilegen
  • das IRS-System von Maillefer applizieren und Instrument rausdrehen

fertig.

Ohne direkte Sicht unter dem Dentalmikroskop wäre dies ein sinnloses Unterfangen gewesen.

Da es eines meiner ersten Instrumente war, die ich entfernt habe, dauerte die Entfernung deutlich länger als das Schreiben dieses Beitrages.

Saving Hopeless Teeth (XIV) – Apikale Aufhellung (20)

von Ronald Wecker

Fragt man im Kollegenkreis welche Zähne endodontisch am einfachsten zu behandeln seien, so wird man in der Regel als Antwort “ Oberkiefer Frontzähne“ hören. Eigentlich ein No-Brainer. Oder? Offensichtlich nicht.

Denn gleichzeitig finden sich gerade in dieser Zahngruppe erstaunlich viele resizierte Zähne. Was zum Teil damit zusammen hängen mag, dass diese Zähne für einen endochirurgischen Eingriff gut zugänglich sind. Andererseits muss die vorangegangene Primärbehandlung an diesen „einfachen“ Zähnen fehlgeschlagen sein. Zumindest ist dies zu vermuten, da sich die meisten Patienten einem solchen Procedere nicht aus reiner Vergnügungssucht aussetzen werden.

Folgender Behandlungsfall zeigt, dass auch nach einer nicht erfolgreichen chirurgischen Revisionstherapie der Erhalt von stark kompromitierten Zähnen mit den derzeit zur Verfügung stehenden Techniken und Materialien möglich ist.

Zahn 22 wurde vor ca. 6 Jahren aufgrund persistierender Beschwerden resiziert. Klinisch und radiologisch zeigten sich dennoch Zeichen einer chronischen apikalen Parodontitis. Die orthograde Revisionstherapie erfolgte in 2 Sitzungen. Aufgrund der ausgedehnten apikalen Knochenkrypte wurde vor der Obturation mit MTA ein kollagenes Widerlager eingebracht.

Das Röntgen-Recall  zeigt bereits nach  7 Monaten eine deutliche Ausheilungtendenz. Beide Zähne sind seit der orthograden Revision klinisch vollkommen beschwerdefrei.

Mitt-mesiale & distale Kanäle (II)

von Christoph Kaaden


Entstehungsmechanismus


Als möglicher Entstehungsmechanismus für überzählige Kanäle wird diskutiert, dass es durch Sekundärdentinbildung während der Zahnentwicklung zur vertikalen Dentinaufteilung innerhalb des Wurzelkanalsystems kommt, wodurch separate Kanäle entstehen. Diese (dritten) Kanäle sind in der Regel zentral zwischen bukkalem und lingualem Kanal lokalisiert. Sie weisen einen deutlich geringeren Durchmesser auf, der aufgrund von Dentinapposition außerdem altersabhängig ist. Als eigenständiger Wurzelkanal wird der mitt-mesiale (oder mitt-distale) Kanal dann angesehen, wenn er ein eindeutiges Kanalorifizium aufweist und im weiteren Verlauf in einem eigenen apikalen Foramen mündet bzw. mit einem der beiden anderen „Hauptkanäle“ konfluiert. Sollte es allerdings möglich sein, ein endodontisches Instrument zwischen den betreffenden Kanälen hin- und her zu bewegen, so handelt  es sich definitionsgemäß um eine transversale Anastomose und nicht um einen eigenständigen Kanal.

Der dritte Teil dieses Beitrages wird sich mit dem klinischen Erscheinungsbild & Handling dieser anatomischen Variationen beschäftigen…

Dauerhaft

von Hans – Willi Herrmann

Wie lange arbeite ich eigentlich schon mit rotierenden Nickel – Titan – Instrumenten ?

14  Jahre. Zu Beginn, 1996, 1997  kannte ich 4 unterschiedliche Systeme.
ProFile, Quantec, Lightspeed, Miti Rotofile.

Wieviele verschiedene RNTI – Instrumentensysteme gibt es heute auf dem deutschen Markt ?

Keine Ahnung, aber sicherlich mehr als 30.

Wieviele davon habe ich bereits getestet ?

Fast alle.

Soweit sogut.

Aber nur ganz ganz wenige davon habe ich auf einer wiederkehrenden Basis längere Zeit benutzt.

Eigentlich nur 4 Stück.

ProFile.
Damit habe ich angefangen.
Und – ich finde es immer noch gut und setze es – zumindest in bestimmten Fällen – nach 14 Jahren immer noch und gerne ein.

Zeitweilig habe ich ProFile und Lightspeed – Instrumente miteinander kombiniert.
1997 habe ich damit begonnen, bis 2001 so gearbeitet. Zu einer Zeit also, da Hybrid – Technik noch kein feststehender und allgemeingültiger Begriff war, geschweige denn es alle“immer schon so gemacht haben“.
2001 kam Protaper auf den Markt und hat einen großen Teil der Aufbereitungsarbeit der Kombi /ProFile und Lightspeed übernommen.
Lightspeed wurde fast immer hinfällig.
Ich nutzte nach 2001  die Lightspeed – Instrumente nur noch selten zur Aufbereitung, aber noch – immer mal wieder – als Apical Gauging – Instrument.
Die Anwendung von ProFile wurde auf die initiale koronale und apikale und die finale apikale Aufbereitung reduziert.

2004 dann kam ich in Kontakt mit Mtwo.
Und setzte die Instrumente zunächst in der Kombi ProFile und ProTaper, mit Auftauchen der Mtwo 35/.06 und 40/.06 dann weitestgehend allein ein.

Und dabei ist es bis heute geblieben.

Für irgendein anderes der Systeme gab es nie eine ausgeprägte individuelle Indikation. Kein besonderes Qualitäts- oder sogar Alleinstellungsmerkmal, dass es gerechtfertigt hättte, dieses System zusätzlich aufzunehmen oder gar eines der bewährten Systeme dagegen einzutauschen.
Das ist  keine Wertung per se und soll keines der nichtgenannten Instrumentensysteme abwerten.
Viele Wege führen nach Rom , aber in meiner Arbeitsumgebung muss ein neues System  besser sein als das bestehende, sonst macht es keinen Sinn, zu wechseln.

Und warum schreibe ich das ?

Weil es für RNTI – Einsteiger sicherlich nicht das dümmste ist, mit einem dieser bewährten Systeme anzufangen.
Ganz gleich mit welchen Marketing-Getöse  Hersteller für ihre neuen, innovativen Produkte werben.

ProTaper. Mtwo.
Damit würde ich als Einsteiger meine ersten Erfahrungen sammeln.
Wenn etwas über viele Jahre vorne dabei war, dann kann es nicht ein totaler Fehlgriff sein.

Try  the best, forget about the rest.