Au revoir!

Nach fast exakt 15 Jahren Wurzelspitze wird der nachfolgende Beitrag zunächst einmal der letzte von DocSchroeder sein.

Nach mehr als 30 Jahren in eigener Praxis werde ich Berlin verlassen und mit meiner Frau in die Bretagne ziehen.

Ab dem 2. Quartal 2024 wird es dann wieder Fälle, Fälle, Fälle geben. Bis dahin: Kenavo!

Zum Abschluss ein wirklich schöner 27!

X800, TriAutoZX2+ im OGP2-Modus, Endowave, Hyflex, AdvErL Evo und BC Sealer.

4 Kanäle die alle apikal konfluieren. Die Planung ging voll und ganz auf. Der DB wurde, da am geringsten gekrümmt, als erster Kanal aufbereitet. Es folgte P, der im mittleren Drittel stärker nach bukkal gekrümmt war. Dann der MB1 (auch er geringer gekrümmt als MB2) und zu guter Letzt der MB2. Das Debris Gauging zeigte die erwarteten Debriseinpressungen. Unglaublich, wie vorhersagbar das DVT die Behandlung macht.

Misserfolg – Unterkiefer Frontzahn

Vor gut einem Jahr stellte sich die heute 20-jährige Marcella bei uns vor.

Bei ihrem Unterkiefer-Frontzahn (mit Traumahistorie) war alio loco trotz massiver Obliteration vergebens versucht worden, eine endodontische Behandlung durchzuführen.

Ausgangs-Röntgenbild Zahn 31 mit apikaler Parodontitis bei massiver Obliteration

Trotz dentalmikroskopischer Vergrösserung war es dort nicht möglich, der Anatomie gerecht zu werden.

Zustand nach alio loco durchgeführter endodontischer “Therapie”; es konnte bei Kanalsystem gefunden werden
Ausgangssituation im kleinvol. DVT

Alle Beteiligten waren höhst erfreut, dass es uns trotz aller Widrigkeiten (u.a. zahnfarbenes Komposit in kompletter Zugangskavität) (scheinbar) gelang, dem Problem die Stirn zu bieten…

Post-op Röntgenbild nach zweizeitiger endodontischer Behandlung (MAF: Wave One Gold 35)

leider stellte sich Marcella diese Woche mit wiederkehrenden, stärkeren Beschwerden an dem Zahn bei uns vor…

wie die Radiologie zeigt waren unsere konservativen Bemühungen nicht erfolgreich die apikale Pathologie zu bekämpfen….

alio loco angefertigtes Röntgenbild bei wiederkehrenden Beschwerden an Zahn 31
aktuelles DVT 1 Jahr post-op – Nachbarzähne klinisch und radiologisch o.B.
Zustand nach Abschluss der Behandlung vs. 1 Jahr post-op

leider schlägt unsere Therapie nicht in 100% aller Fälle an…

:-/

Mein “härtester” Patientenfall

im nahezu wörtlichen Sinn.
Bei diesem Patienten erfolgte einer prothetische Therapie mit Veränderung der Bisslage.
Erst im Behandlungstermin musste ich feststellen, daß dies mit NE Stärken von 7-9mm erfolgte.

Der Zahn 45 stellte eine extreme Herausforderung dar. Eine Zugangskavität möglichst minimal durch 8mm Nichtedelmetallelgierung zu bohren hatte bereits die geplante Behandlungszeit um 30 Minuten gesprengt. 120 Minuten waren eingeplant. Das Teil – OPG hatte ich leider nicht beachtet. Ein Fehler, wie ich im Nachhinein feststellen musste.
12 Hartmetaller (Trifft Hawk Talon 12) wurden für die Zugangspräparation vernichtet. (Das passiert in Deutschland wohlgemerkt ohne Honorar. Die Zugangskavität gibt es in keiner Gebührenordnung. Verbrauchsmaterial ist obendrein Gratiszugabe der Praxis und als Krönung wird der vorhandene Zahnersatz noch lange weiter erhalten und erspart eine Neuanfertigung.)

Das nächste Problem ist bei dieser Metalldicke die elektrische Längenmessung ohne Kurzschluss durchzuführen. Mit entsprechendem Aufwand gelang auch dies, über die Messinstrumente wurden Kanülenteile eines Capillarytips gezogen um diese zu isolieren.
(Wie hier 2015 bereits auf Wurzelspitze beschrieben.)
Die Desinfektion und Reinigung des Kanalsystems erfolgte mit NaOCl 3%, Zitronensäure 10% und Aktivierung mit Schall und Ultraschall. Zur Instrumentation verwendeten wir Handinstrumente,Profile und Wave One Gold. Die Wurzelfüllung erfolgte in thermisch vertikaler Obturation mit AH Plus.

Rechtwinkelige Röntgenhalter und unsere Sensoren hatten bei der Länge des Zahnes und der Restauration keine Chance den Zahn apikal abzubilden. Deshalb mussten alle Aufnahmen mit den Carestream Haltern Typ Zahnbürste (2009 beschrieben) erfolgen.

Den Zahn 48 wurde extrahiert da kein Antagonist vorhanden war. Einige Zeit nach Behandlung des Zahnes 45 mussten wir im Recall feststellen, daß der Zahn 47 nun ebenso eine zunehmende apicale Ostelyse ausbildete. In Absprache mit dem HZA wurde nun dieser Zahn ebenso wir 45 behandelt.

Die Recallbilder zeigen eine deutliche Heilöungstendenz und sind Belohnung für die im wahrsten Sinne Schinderei des roten Winkelstückes bei der Zugangspräparation…

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Kein Recall möglich, dann nach etlichen Jahren…

Die nachfolgende Geschichte könnte auch unter “Geschichten aus dem Endozän” eingeordnet sein. Die Patientin wird 2014 zur endodontischen Behandlung des Zahnes 15 und 17 an uns überwiesen. Beide devital. Beide mit massiven apikalen Aufhellungen. Der Zahn 15 zeigt zudem im oberen Wurzeldrittel nach distal hin eine nicht unerhebliche laterale Aufhellung.

Die Behandlung steht von Anfang an unter einem schwierigen, oder sollte ich besser sagen unglücklichen Stern.
Die Patientin möchte schwanger werden. Endodontische Behandlungen sind daher wegen der benötigten Röntgenbilder immer nur möglich, wenn zum Therapiezeitpunkt eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden kann.

Die Zeitfenster sind stark eingeschränkt, die Terminierung ist sehr schwierig. Und muss immer wieder neu aufgestellt werden, dementsprechend ziehen sich die Behandlungen in die Länge.

Die Patientin ist zudem in die Kategorie “Angstpatient” einzuordnen.
Das sie zudem jeden unserer Behandlungsschritte kritisch hinterfragt und ihr Modus operandi in Semantik, Pragmatik und Diktion, wie sie ihre Bedenken vorträgt, erschweren das Arbeiten zusätzlich.

In einfachen endodontischen Fällen mag dies noch keine so bedeutende Rolle spielen. Aber im vorliegenden Fall wiegt dieser Umstand schwer. Ist sich die Patientin der Tatsache bewusst, das unsere Behandlungen der ultimative Versuch des Zahnerhalts darstellen und mit grosser Wahrscheinlichkeit an anderen Orten die besagten Zähne ohne auch nur einen Wimpernschlag drüber nachzudenken stante pede extrahiert werden würden ? Wir also heldenhaft um ihre Zähne kämpfen, uns – aller Unkenrufen, allem Abwinkens des dentalen Mainstreams zum Trotz- aufopfernd um den Zahnerhalt bemühen, Stichwort Herodontics?

Statt die Zähne zur Extraktion freizugeben, um in einem Bruchteil der Zeit die wesentlich besser honorierte Implantation durchzuführen, um danach auch noch an einfacheren aber dennoch besser bezahlten, nun zwingend notwendig gewordenen ZE- Neuversorgung finanziell zu partizipieren ?

Ich weiss nicht, ob dies der Patientin bewusst ist, sie sich überhaupt darüber Gedanken macht.

Der Habitus der Patienten lässt auf jeden Fall keinen Zweifel daran, das diese einen Behandlungserfolg, unser Arbeiten betreffend, zwingend voraussetzt!
Und zwar nicht im Sinne eines ausmunternden “Sie schaffen dass, Herr Doktor”, vielmehr ein permanent subliminal nonverbal Mitschwingendes “Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass sie das hinkriegen, das ist ja ihr Job, es ist mir egal, wie sie das machen, aber wehe, wehe, wehe, wenn sie es nicht schaffen!”.

Immerhin.
Es gelingt, die Behandlung an beiden Zähnen zum Abschluss zu bringen.


An Zahn 15 zeigt sich eine sehr grosse Überpressung von Calciumhydroxid periapikal. Angesichts der massiven Knochendestruktion in Folge der Entzündung kein unerwartetes Ereignis.

Dennoch hätte ich mir das Ausmaß der Überpressung kleiner gewünscht.
Was wäre im Falle einer Beschwerdeproblematik ?
Eventuell im Notdienst ?

Würde der Behandler gegebenenfalls die Überpressung als Auslöser der Schmerzen benennen, vielleicht sogar als Ursache der riesigen Knochendestruktion ?
Wem würde die Patientin dann mehr Glauben schenken ?
Und wäre, wenn es soweit käme, in ihrer Entscheidungswelt nicht sogar ich dann für den Misserfolg verantwortlich ?

Ich würde es nicht ausschliessen wollen.

Normalerweise warte ich in Fällen solcher Überpressungen 12 – 16 Wochen ab, um in der Röntgenverlaufskontrolle die Resorption des Calciumhydroxides und damit einhergehend eine initiale knöcherne Konsolidierung überprüfen zu können.

Diese Zeit haben wir hier nicht.
Angesichts des konkreten Kinderwunsches und damit einhergehender medizinischer Massnahmen in der Sache führe ich am 08.05.2014 die Wurzelkanalfüllung durch.

Termine für die postendodontische Stabilisierung der Zähne und für den ersten Recall werden vereinbart. Dazu kommt es aber nicht mehr. Einen Monat nach Abschluss unserer Maßnahmen ist die Patientin schwanger und sagt alle Termine ab.

Fortsetzung folgt …

Doppelt-gekrümmt.

von Jörg Schröder

Bereits das analoge Einzelbild ließ erkennen, was das präoperative DVT klar zeigte. Dieser 15 glänzte mit einer doppelten Krümmung.

Die initiale Aufbereitung und die Längenmessung erfolgte nach Trepanation und “Bereinigung” der beiden koronal getrennt verlaufenden Kanalanteile mit einer im OGP2-Modus des TriAutoZX2+ eingesetzten EndoWave-Feile der Dimension 10/02.

Es war davon auszugehen, dass es bei der alio loco durchgeführten Erstbehandlung zu einer gewissen Stufenbildung im Bereich der gegenläufigen zweiten Wurzelkrümmung genommen war. Erfreulicherweise ließ sich die 10/02 ohne größeres “Hakeln” bis auf Arbeitslänge bringen. Das nachfolgende Erweitern erfolgte kleinteilig, was bedeutet, dass die nachfolgenden Instrumente nur gering im Durchmesser und Taper zunahmen. Das Ergebnis hat mich vollkommen zufrieden gestellt.

Fragmententfernung Zahn 22

Bei der nachfolgenden Patientin war die vormalige Restauration an Zahn 22 frakturiert und es stand eine Neuanfertigung an.

Leider zeigte das Röntgenbild, dass der vormals endodontisch behandelte Zahn bei unauffälligen apikalen Verhältnissen ein Instrumentenfragement bereithielt… was also tun?

Gemeinsam entschieden wir uns mit der Patientin für eine Revision. Intraoperativ zeigte sich, dass es sich nicht um ein Hedströminstrument handelte, sondern (wohl) um einen Kompaktor zur thermohydraulischen Verdichtung des Wurzelkanalfüllmaterials. Dieser war wahrscheinlich während der Anwendung frakturiert.

Klinisch bedeutete dies ein extrem festsitzendes Fragment. Die DREI Versuche mittels BTR Pen scheiterten, weil der Draht (0,5mm) beim Zugversuch jedes Mal riss…

erst der zweite Anlauf mittels Hülsentechnik (+Rely X Unicem) führte schliesslich zum Erfolg.

So ein derart festsitzendes Fragment habe ich bisher noch nicht erlebt…

Guttapercha Schneider (2)

In diesem Beitrag hatten wir erstmals über den Woodpecker R1 Plus berichtet.
Wir hatten diesen jetzt mehrfach im Einsatz.
In der Beschreibung / Beipackzettel steht, daß das Gerät auf 500 Anwendungen ausgelegt ist.
Das hat mich überrascht. Das sind ca. 125 Molare. Das reicht nicht weit, zumal die Klinge nicht wechselbar ist.

Beim genauen Betrachten des Schneidvorganges ist erkennbar, daß der GP Point dezent nach dem Schneidevorgang übersteht. Das entspricht dem Spalt zwischen Messlehre und Schneide. Dabei kann eine Schneidfahne am GP Point entstehen. Deshalb hat sich bewährt die Schneide in einer Ritsch/Ratsch Bewegung hin und her zu führen.

Die Schnittflächen sind mit der o.g. Bewegung akzeptabel, jedoch nicht immer ohne Nasen.
Lästig ist die dadurch notwendige mikroskopische Kontrolle der Points.

Empfehlung kann ich auf Grund der geringen Nutzungsdauer und nicht wechselbarer Schneide nicht geben.

Geschichten aus dem Endozän – Ein ärztlicher Kollege berichtet

In einem medizinischen Forum habe ich die Tage folgende Anekdote gefunden.
Es berichtet ein Dermatologe:

Pat war nach Op in USA, dort einfache Wunde nässend . Kollege untersucht , macht Sono und Röntgen. Reinigung, Pflaster, ca 1 Stunde in Praxis. Super schöne Einrichtung und Service etc

Honorar: 33 000 Dollar / Auslandsversicherung übernimmt 25000.

Wow – soviel kann ärztliche Kunst wert sein
Pat jetzt sehr demütig zurück.

Dermatologe in Bayern14.70 / Quartal / brutto
60 offene Sprechstunden/ Quartal ohne Honorar
allinclusive .

Fühl mich wertlos und ausgebeutet und bin unmotiviert .
keine ärztliche Kunst möglich.

Wir hatten neulich Notdienst.
Die Patienten kommen mit Schmerzen, es erfolgt Schmerzausschaltung durch endodontische Maßnahmen. Die Patienten präsentieren sich nach der Behandlung schmerzfrei.
Aber.
Es darf so gut wie keine endodontische Leistung abgerechnet werden.

Keine VITE, keine WK, nicht einmal die Med. Nicht einmal die eingehende Untersuchung darf abgerechnet werden, egal wie schwierig und zeitaufwändig die Diagnostik sich darstellt.
In Fällen, in denen beim devitalen Zahn bereits die Trepanation vom Vorbehandler abgerechnet wurde, nicht einmal diese, selbst wenn sie nicht suffizient durchgeführt worden war.
Und auch keine Anästhesie ? Weil der Zahn ja, weil devital, nicht wehtun “kann”.

Wie schreibt der Kollege:
Fühle mich wertlos und ausgebeutet.
Dito.

Debris Gauging

Wann ist die Formgebung bei der Kanalaufbereitung ausreichend?

Für mich ist das der Fall, wenn die Spanräume der Feile über eine Strecke von 4-5 mm, beginnend von der Feilenspitze gemessen, vollständig mit hellem Debris gefüllt sind und die Aufbereitungsweite ein nachfolgendes warmes Füllen des Wurzelkanals ermöglicht.

Damit ist meine minimalste Aufbereitungsendweite 25/06. Im Falle des bei diesem Molaren sehr engen und im Eingangsbereich sehr stark obliteriertem MB2 völlig ausreichend.

Die Sealerextrusion ist hier für meinen Geschmack etwas zu üppig ausgefallen und was genau ich mir bei der Zugangskavität gedacht habe, kann ich in der der Nachbetrachtung nicht mehr genau sagen. Diese hätte deutlich kleiner ausfallen können, ja müssen.

Interessant, die Zuversicht der Vorbehandlerin, dass es die Pulpa des 47 schon schaffen wird, wenn erst einmal die neue Krone zementiert wurde.