Frohe Weihnachten

von Hans – Willi Herrmann

Xmas-1-2Es ist Heiligabend.
Wir wünschen allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das kommende Jahr 2014.

WURZELSPITZE legt eine kurze Weihnachtspause ein.

Am 02. Januar geht es dann wieder mit dem regulären Betrieb weiter.

Bis dahin eine schöne und geruhsame Zeit.

 

Ihr

Christian Danzl
Hans-Willi Herrmann
Christoph Kaaden
Olaf Löffler
Jörg Schröder

Wobei – so ganz stimmt das möglicherweise nicht.
Und  vielleicht schauen Sie daher zwischenzeitlich doch ab und zu mal auf der Seite vorbei. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass zwischenzeitlich doch ein paar Beiträge veröffentlicht werden, die noch in der Pipeline stehen.

Hoffnungsloser Frontzahn – Lockerungsgrad 3

Von Donald Becker

Hier war guter Rat teuer.

Die Patientin, ein 17 jähriges Mädchen, war von einem Überweiser an uns verwiesen worden, nachdem ihn eine Kollegin in einer Mail um Hilfe gebeten hatte:

„Hallo XXX,

hier die Rö-Bilder des Zahnes 21. Nach langer Suche hatte ich irgendwann den Kanal gefunden.
Die Meßaufnahme war 15 mm ( RH: inz).
Abgefüllt ist der Zahn mit einem Gutta Stift Gr. 50. Leider fistelt der Zahn jetzt. Vielleicht hast du ja eine Idee.

Danke dir

Liebe Grüße

YYY“

War röntgenologische Befund schon deprimierend genug, so stellte sich die klinische Situation noch prekärer dar. Aus der bei Erstvorstellung in unserer Praxis noch immer vorhandenen Fistel entleerte sich Pus, die Patientin hatte Schmerzen und der Zahn wies (nicht verwunderlich angesichts der vermutlich als Zustand nach KFO vorhandenen Wurzelresorption und dem entzündlich bedingten Knochenbau) einen Lockerungsgrad von 3 auf.

Ich möchte daher die Frage des Hauszahnarztes weitergeben, vielleicht haben Sie, liebe Leser, eine Idee:

Wie sollte im vorliegenden Fall konkret vorgegangen werden und welche Prognose hat die von Ihnen präferierte Therapie ?

Anbei noch 2 OPG – Bilder und ein Video des angefertigten DVT´s.

Eine Bemerkung noch zu den „beiden“ OPG`s.

Es handelt sich bei beiden Bildern um die gleiche Aufnahme, es wurde also nur ein OPG erstellt.  Die Bilder zeigen vielmehr das Original – OPG und die veränderte Aufnahme nach Anpassung der Frontzahnschicht auf die patientenspezifische Situation. Ein Feature, das unser Röntgengerät bereithält. Man sieht eine verbesserte Erkennbarkeit der Frontzahnbereichs, die in diesem Falle sich in einem (für mich tolerablen)  wellenförmigen Verlauf der OK- Eckzahn- und Prämolarenwurzeln niederschlägt.

Hier noch das Video.

Überraschungs-Dentikel

von Ronald Wecker

32 Jahre nach orthograder Pastenfüllung und anschliessender Wurzelspitzenresektion zeigte Zahn 32 eine allmählich zunehmende klinische Symptomatik mit palpatorischer Druckdolenz und achsialer Perkussionsempfindlichkeit.

Die genaue Ursache der Pulpanekrose konnte damals nicht ermittelt werden. Nach rezidivierenden Fistelungen wurde die endodontische Therapie von Zahn 31 und 32 eingeleitet und das Ganze dann chirurgisch „beendet“. Weshalb 31 im Gegensatz zu 32 mit einer retrograden Amalgamfüllung bedacht wurde, bleibt ebenfalls unergründet.

Beide Zähne waren bis dahin vollkommen unversehrt gewesen. Ein Trauma war dem Patienten nicht erinnerlich.

Nach Anlegen der Zugangskavität konnte die im koronalen Drittel befindliche Guttapercha entfernt werden. Die apikalen Wurzeldrittel waren mit einer pastösen Wurzelfüllmasse gefüllt. Bereits nach initialer Irrigation schien das gereinigte Lumen einen c-förmigen Querschnitt zu haben. Nach vollständiger Entfernung der alten Obturationsmasse erschien das Kanallumen zum Teil mit einem an der mesialen Kanalwand anhaftenden Dentin-„Zylinder“ ausgefüllt zu sein, der sich im weiteren Behandlungsverlauf mittels Ultraschall in toto entfernen liess.

Die  Obturation mit MTA erfolgte in gleicher Sitzung. Gespannt bin ich auf die histologische Beurteilung des „Präparates“.

Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (IV)

Von Bonald Decker

Anbei unser jüngstes Beispiel welches leider abermals verdeutlicht, dass noch sehr (sehr) viel Aufklärungsbedarf rund um das Thema Zahntrauma besteht.

Und zwar an „allen Fronten“!

Hier zunächst das Ausgangsröntgenbild:

Zahntrauma_Aufklärung tut Not.001

Man erkennt einen Unterkiefer-Frontzahn 31 mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, der mittels Komposit an den Nachbarzähnen befestigt wurde. Ferner erscheint der Zahn im Vergleich zu den Nachbarzähnen in Supraposition zu stehen.

Soweit eigentlich nichts „Besonderes“…

Dies ändert sich (für mich) im Zuge der Anamneseerhebung, bei der Patient (6 Jahre) und Mutter über die Umstände des Zahntraumas berichten.

Es handelte sich um eine vor ca. 3 Wochen im Schulsport erlittene Avulsion des Zahnes. Dieser wurde dann in der weiteren Folge von der Schul-Krankenschwester als Milchzahn „identifiziert“ und daher als nicht replantationsfähig bzw. nötig eingestuft. Insbesondere aus diesem Grund wurde von der Lagerung des verunfallten Zahnes in der vorhandenen (!) Zahnrettungsbox abgesehen.

Erst, als die Mutter (Humanmedizinerin) ihren Sohn einige Stunden später von der Schule abholte, wurde von ihr das wahre Dilemma erkannt.

Die Replantation des für mittlerweile ca. 6 (!) Stunden im Taschentuch trocken gelagerten Zahnes erfolgte dann bei einer Kinderzahnärztin…

Aufgrund der genannten Umstände ist die Prognose dieses Zahnes als schlecht anzusehen. Bei Einhaltung einer optimalen „Rettungskette“ hätte diese (wahrscheinlich) positiver bewertet werden können.

Was bleibt für mich als Fazit?

Alleine die Anschaffung  einer Zahnrettungsbox hilft noch lange nicht verunfallte Zähne zu „retten“. Es Bedarf ferner auch der Aufklärung und Schulung möglicher „Ersthelfer“…

Helfen Sie also mit das Projekt „Zahntrauma- Aufklärung tut Not“ voranzutreiben, damit solche Situationen zukünftig vermieden werden können…

Implantat versus Zahn – reloaded (I)

Von Bonald Decker

Nachdem ich 2010 bereits unter der Überschrift „Implantat versus Zahn“ über diesen ungleichen „Kampf“ berichtet habe, möchte ich dieser Thematik heute einen weiteren Beitrag widmen.

Aus aktuellem Anlass.

Die Überweisung des 63-jährigen Patienten erfolgte durch eine kieferchirurgische Praxis mit Bitte um Weiterführung der endodontischen Behandlung des Zahnes 24. Als Diagnose stand auf der Überweisung:“Infiltrat ausgehend von Zahn 24„.

Zwei Wochen zuvor war in der zuweisenden chirurgischen Praxis Regio 25 eine Implantation durchgeführt worden. Gut eine Woche später beklagte der Patient daraufhin eine Schwellung Regio 24 sowie eine erhebliche Aufbiss- und Perkussionsempfindlich des Zahnes 24.

Als sich der Patient erstmalig bei uns vorstellte waren die akuten Symptome durch die begonnene Wurzelkanalbehandlung (laut Zuweiser: Trepanation und medikamentöse Einlage) und die systemische Antibiotikagabe (quasi) abgeklungen.

Klinisch und radiologisch stellte sich die Ausgangssituation für uns initial wie folgt dar:

Nach Entfernung der provisorischen Füllung wurde schnell klar, dass der Zahn neben einer möglichen Schädigung durch die Implantation ein weiteres Problem in Form einer Perforation des Pulpakammerbodens aufwies.

Die Mesialkippung des Zahnes hatte wohl eine Fehleinschätzung hinsichtlich der zu wählenden Lage der Trepanationsöffnung begünstigt. Die eigentlichen Orifizien fanden sich deutlich weiter distal…

Als bisher positiv anzumerken ist, dass mittels endometrischer Längenmessung kein Anhalt für eine mögliche (laterale) Verletzung der Wurzel durch die Implantation zu verifizieren war. Eine ferner zusätzlich angefertigte Röntgenmessaufnahme erlaubte keine aussagekräftige Beurteilung der Situation…

Unsere bisherige Therapie lautete daher: Darstellung und chemo-mechanische Reinigung der Kanalsysteme und Verschluss des (scheinbar) knöchern begrenzten Perforationsdefektes mittels MTA. Bei Beschwerdefreiheit ist der Abschluss der Behandlung mittels Wurzelkanalfüllung und adhäsiver Deckfüllung vorgesehen…

ich werde berichten..

Für den Patienten bleibt „festzuhalten“: „Ein Unglück kommt selten allein.“

Tag des offenen Zahnes (III) – Update Fall III

Von Bonald Decker

 

Hier also das nächste Update unserer Beitragsreihe – Tag des offenen Zahnes –.

Die Prognose dieses Zahn hatte ich initial am Besten eingestuft, da sich während des ersten Termins  reichlich vitales Pulpagewebe fand. Daraus schloss ich, dass die bakterielle Infektion hier wahrscheinlich geringer einzustufen war, als bei den anderen (stark) nekrotischen Zähnen.

Tag des offenen Zahnes – Fall III

Bleibt also noch Fall I für einen der nächsten WURZELSPITZE-Beiträge…

Tag des offenen Zahnes (II) – Update Fall II

Von Bonald Decker

Sie erinnern sich sicher noch an meinen Beitrag zum „Tag des offenen Zahnes“

Fall II konnte gestern abgeschlossen werden.

Durch eingehende chemo-mechanische Reinigung mit nachfolgender medikamentöser Einlage war es nach dem ersten Behandlungstermin möglich den Zahn provisorisch (Cavit & Ketac Molar) zu verschliessen, ohne, dass sich erneut massive Schmerzen einstellten.

Bei vorhandener Beschwerdefreiheit haben wir daraufhin gestern die Wurzelkanalfüllung vorgenommen und den Zahn abschliessend adhäsive restauriert.

Hier also prä- und postoperative Röntgenaufnahme:

Demnächst berichten wir von dem Behandlungsverlauf der anderen „Kandidaten“…

Anatomie unterer Molaren (9)

Von Bonald Decker

Heute möchte ich den Beitrag wieder einmal der Anatomie unterer Molaren „widmen“.

Überwiesen würde uns der Patient, weil das distale Kanalsystem dieses unteren zweiten Molaren laut Überweiser nach seiner ersten klinischen Einschätzung ein Foramen apicale grösser ca. ISO 070 aufwies. Er sah sich daher (vorhersagbar) nicht in der Lage, dieser Anatomie bei Präparation und Wurzelkanalfüllung „gerecht“ zu werden.

Ausgangssituation

Bei Erstbefundung und Behandlung stellte sich der Zahn für uns als unauffällig daher. Es zeigten sich keine Besonderheiten von Taschensondierungstiefen und Lockerungsgrad.

Mit Hilfe des Dentalmikroskops und entsprechender Xenon-Licht-Ausleuchtung erschien mir diese „Laune der Natur“ recht gut beherrschbar zu sein. Präoperativ war daher u.a. der Verschluss der Apikalregion mittels MTA geplant.

Insbesondere die (sehr mühevoll) angefertigte Masterpoint-Aufnahme verdeutlichte jedoch, dass es auch der mesialen Anatomie (mit separat verlaufenden Kanalsystemen) ein besonderes Augenmerk zu schenken galt.

Masterpoint-Aufnahme

Die Bilder nach MTA-Applikation (distal) und Downpack (mesial) bekräftigen diese Einschätzung.

distales Foramen und MTA plug

Downpack mesial & MTA plug distal

Neben meiner „Begeisterung“ über das (radiologisch erkennbare) Resultat freut mich besonders die Tatsache, dass mir Tipps und Tricks, die ich im Laufe der Jahre u.a. bei WURZELSPITZE, ROOTS (in dieser „Form“ leider nicht mehr online) und ENDONEWS erfahren durfte, ermöglicht haben, dieses (für mich) sehr erfreuliche Ergebnis zu erzielen.

Hier die Links zu einigen Tipps, die uns bei diesem Fall sehr geholfen haben:

Röntgensensor

– Wurzelkanalfülltechnik nach Dr. J. Avilion (System A) (-in dem gezeigtem Fall zur Nachverdichtung nach erstem Downpack)

– Aktivierung von Spülflüssigkeiten

Mein Dank gilt daher heute besonderes all den (hier) mitwirkenden Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind Ihr Wissen aktiv zu teilen…

Danke dafür

:-)

Endo oder doch X

von Bonald Decker

So lautete der Betreff einer E-Mail die mich gestern erreichte.

Nachfolgend finden Sie Auszüge des Textes sowie das dazugehörige Röntgenbild. Mehr Informationen besitze ich nicht.

Mich würde sehr interessieren, was Sie dem Kollegen bzw. der Patientin (Alter ca. 75 Jahre) empfehlen würden.

Sehr geehrter Herr Kollege,

 in der Anlage sende ich Ihnen eine Rö-Aufnahme mit der Bitte der Patientin um Stellungnahme.
Bei der Patientin, Frau XYZ, handelt es sich um die Schwester einer Ihrer Patientinnen. So kam Sie auf die Idee Sie zu Rate zu ziehen und hat mich darum gebeten. Die Pat. lebt im Schwarzwald.
Am Zahn 27 hatte Sie nun mehrmals Schmerzen und nach Anfertigung der Rö-Aufnahme bin ich der Meinung dass 27 wegen der Lagebeziehung zum retinierten 28 nicht erhaltungsfähig ist. Ihre Bitte wäre nun Ihre Meinung dazu.
Ich hoffe Sie haben Verständnis für diesen besonderen Weg der Konsultation.
 
Mit freundlichen Grüßen“

Und es gibt ihn doch…

von Ostidald Wucker

Ja – es gibt ihn. Man kann es nicht mehr leugnen. Hier ist er zu sehen. Der gemeine Zahnwurm. Oder auch Lumbricus dentis genannt. Kurz vor dem Sommerloch haben wir ihn erwischt und für Sie dieses Foto aufgenommen.

Der endodontischen Sommer-Bade-Wurm-Schnappschuss.

Dieser Artikel entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (III)

Von Bonald Decker

Heute ein kurzes Update zum aktuellen Stand der Behandlung von Jan, dessen Schicksal  wir in den letzten Beiträgen dieser Reihe hier und hier vorgestellt hatten.

Leider ein (weiteres) sehr trauriges Kapitel seiner Krankengeschichte:

P.S.: Das Foto wurde mir „freundlicherweise“ von einem weiterbehandelnden Kollegen überlassen…

Jeder hat so seine Vorlieben

von Christian Danzl

Die letzte Woche hier vorgestellten Endosonore Feilen kommen bei mir nicht zum Einsatz. Ich verwende zum Entfernen von Wurzelstiften (Glasfaser, wie auch Metall) eigentlich immer meine „Universalspitze“ E5 von NSK. Sie ist steifer als die Endosonore, nicht ganz so lange. Reicht allerdings doch fast immer aus, da sie sich schon vor der Kröpfung verjüngt, somit ist die volle Länge einsetzbar und man hat immer noch Sicht. Um das Arbeitsende effektiver zu machen wird sie nicht abgezwickt, sondern gespitzt. Mit einem Siliziumcarbid- (Siehe Bild), Korund- oder Arkansassteinchen. Entweder rund oder abgeflacht, je nachdem, was gerade gebraucht wird.

Verwendet wird diese Spitze bei mir auch zum Freilegen von Isthmen und Dentikeln, Suchen und Entfernen von abgebrochenen Instrumenten, erweitern von Kanaleingängen und natürlich zur Aktivierung von Spüllösungen.
Universalspitze eben.

Wurzelresorption mal anders

von Xudaranel Herk

Die Patientin wurde von ihrer Zahnärztin mit Bitte um Wurzelbehandlung von Zahn 46 überwiesen. Eine prothetische Neuversorgung war geplant, ein in diesem Zusammenhang im Vorfeld angefertigtes Röntgenbild zeigte eine unklare Veränderung im Bereich der Zahnwurzel von 46. Der Vorbehandler hatte den Zahn bereits trepaniert, allerdings konnten die Kanaleingänge nicht dargestellt werden. Der Zahn war mit einer provisorischen Krone versorgt und zeigte keine Sensibilität auf Kältespray, keine Druckempfindlichkeit im Vestibulum und keine Perkussionsempfindlichkeit. Die Sondierungstiefen waren nicht erhöht, Karies war nicht vorhanden. Im Röntgenbild war eine ovale, nicht randdichte Aufhellung sichtbar, die sich auf Höhe des mittleren Wurzelanteils von der mesialen Wurzel bis hin zur mesialen Wand der distalen Wurzel erstreckte. Es wurde zunächst vermutet, dass es sich hierbei um eine Resorption handeln könnte. Im Rahmen der anamnestischen Befragung erzählte die Patientin auf entsprechende Nachfrage, dass bei ihr vor einigen Jahren an Zahn 36 eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt wurde. Der Chirurg hatte damals laut Aussagen der Patientin zunächst die Seiten verwechselt und in Regio 46 mit der WSR begonnen. Er versicherte aber der Patientin, den Fehler noch rechtzeitig bemerkt zu haben, ohne dass ein Schaden entstanden sei. Um das Ausmaß der Resorption besser ermitteln zu können, wurde ein DVT von Zahn 46 angefertigt. Auf diesem DVT bestätigte sich der Verdacht, dass die Auflösung der Wurzel iatrogene Ursachen hat. Auf dem DVT erkennt man, dass die mesiale Wurzel fast vollständig und die distale Wurzel bis auf die hintere (distale) Kanalwand durchtrennt sind. Diagnose: iatrogen bedingte Pulpanekrose mit chronischer apikaler Parodontitis Es wurde eingeplant, die Kanäle bis auf Höhe der begonnenen Resektion aufzubereiten und später mit MTA zu füllen. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt Entzündungen an den apikalen Anteilen der durchtrennten Wurzeln auftreten, könnte eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt werden. Am darauffolgenden Termin wurde der Zugang präpariert. Das Pulpencavum stellte sich stark verkalkt dar. Nach Entfernung der verkalkten Anteile stellten sich 3 Kanaleingänge dar. Die koronalen Kanalanteile wurden erweitert. Die Arbeitslänge wurde elektrometrisch bestimmt. Ein Röntgenbild mit Instrumenten auf AL wurde angefertigt. Die 3 Kanäle wurden mit Lightspeed-Instrumenten (LS 1 bis Aufbereitungsgröße 100) bis zur Resektionsstelle aufbereitet und zunächst mit Kalziumhydroxid gefüllt. Der Zahn wurde provisorisch mit Cavit verschlossen. In der nächsten Sitzung wurden die Kanäle mit MTA gefüllt und der Zahn mit einer adhäsiven Füllung verschlossen. Die Patientin ist beschwerdefrei.

Was zeigt das DVT ? (4) – Resorptionen- Die Antworten Teil 2 : Fall 3

von Hans – Willi Herrmann

Fall 3

Zahn 47, 46

Die 62 jährige Patientin suchte wegen einer unklaren Schmerzsymptomatik im rechten Unterkiefer- Seitenzahnbereich  unsere Praxis auf.

Zahn 45 wurde deshalb schon extrahiert, die Schmerzen persistierten weiterhin, dann kam die Überweisung durch den Hauszahnarzt zur Revision der vorhandenen WF in Zahn 46.

Der Zahn 46 war bislang klinisch unauffällig, die Patientin konnte sich nicht erinnern, wann die WF ehemals erfolgte.

Auf den durchgeführten Klopftest reagierte der Zahn 46 leicht positiv, Zahn 47 reagierte nicht. Eine an Zahn 47 und 46 durchgeführte PA – Messung zeigte unauffällige Taschentiefen an beiden Zähnen.

Die Patientin machte auf uns einen zwiespältigen manischen Eindruck. Ein solch erster Eindruck kann trügen, aber als sich im Konzilgespräch mit dem Hauszahnarzt herausstellte, daß die Patientin, die vom Vorbehandler in der persönlichen Anrede nur mit Vornamen gesprochen hatte und der Eindruck entstand,dass sie diesen seit Kindertagen schon kannte, diesen erst seit wenigen Wochen zum ersten Mal aufgesucht hatte, konnte dies die Fragezeichen nicht entkräften.  Vermutlich jeder von uns kennt solche Patienten. Aussagen bezüglich der Symptomatik, insbesondere, was die Intensität der Schmerzsensation angeht, sind oft zu relativieren, da diese Patientengruppe zu drastischen Beschreibungen neigt. Im Gegensatz zum Hauszahnarzt, der nach dem Zahn 45 den Zahn 46 als Schmerzquelle ausgemacht hatte, vermutete die Patientin den Zahn 47 als Schmerzursache.

Auch wenn nichts auf den Zahn 47 als Grund der Beschwerden hindeutete, passte das im Rahmen der Anamnese zusammengestellte Schmerzprofil und die  klinischen Befunde nicht so recht zur  klinischen Situation des Zahnes 46. Insbesondere die heftige Heiß/Kaltempfindlichkeit irritierte, denn auch wenn der Zahn 46 radiologisch nicht einwandfrei war, so würde man zum Beispiel mit der um die distale Wurzel sichtbaren apikalen Aufhellung eine andere Beschwerdeproblematik vermuten.

Andererseits gab es im Zahnfilm 47 keinen Hinweis auf eine Karies oder eine pulpanahe Füllung. Wäre vielleicht ein Zahn im Oberkiefer die Schmerzursache ? Das diesbezüglich angefertigte OPG gab keine konkreten Hinweise.

Die Auflösung lieferte das DVT. Rein zufällig im Übrigen, ich hatte den betreffenden Befund  – eine externe Resorption, mesiovestibulär an Zahn 47 (im nachfolgenden Video ab 2.00 Minuten)- in keinster Weise vermutet.

Selbst mit dem Wissen um den vorhandenen Defekt war es danach im Übrigen nur schwierig möglich, klinisch die betreffende Stelle mit einer zahnärztlichen Sonde darzustellen. Und von aussen zu sehen war schon mal gar nix. Die ausgelöste Schmerzsensation bewies dann aber, dass dieser Defekt in der Tat für die seit einiger Zeit vorhandene Schmerzproblematik verantwortlich war. Aber auch mit diesem Wissen war es mir nicht möglich, an Hand des vorhandenen Zahnfilmes die Resorption zu diagnostizieren. Mit viel Fantasie liesse sich nun rückblickendvielleicht die Resorption im Zahnfilm erahnen. Eine gesicherte Diagnose jedoch auf besagten Zahnfilm vorab zu stützen wäre unmöglich. Fakt war jedoch, die Patientin – Manie hin oder her –  hatte den richtigen Zahn als Schmerzursache vermutet.

Der Patientin schlug ich die Deckung des vorhandenen Defekts mit einer dentinadhäsiven Kompositfüllung und nachfolgender Wurzelkanalbehandlung vor.
Angesichts der geringen und eher oberflächlichen Lokalisation der Resorption mit guter Prognose.

Die Patientin entschied sich jedoch für die Extraktion des Zahnes.

Epilog

Vor einigen Wochen suchte die Patientin wegen einer anderen Schmerzproblematik wieder unsere Praxis zur Beratung auf.

Zwischenzeitlich waren nicht nur der Zahn 47, sondern im gleichen zeitlichen Kontext mit der Extraktion 47 war auch der Zahn 46 entfernt worden.

Frühjahrsputz

von Jörg Schröder

Obwohl der Blick auf den Kalender zeigt, dass der Frühlingsanfang schon lange hinter uns liegt, haben wir uns erst heute mit dem Großreinemachen des Innenlebens unseres Pro Ergo Mikroskopes beschäftigt. Genauer, wir haben das Großreinemachen durchführen lassen.

Beim letzten, von mir durchgeführten  Leuchtmitteltausch war mir die starke Staubansammlung im Lüftergehäuse des Xenonleuchtmittels  aufgefallen.

Das Zerlegen des Gehäuses nebst Leuchtmittelschlitten erschien mir, nach einigen Versuchen, als zu zeitaufwendig um es im laufenden Praxisbetrieb durchzuführen. Dazu die Möglichkeit durch laienhaftes Hantieren das Gerät vorübergehend ausser Funktion zu setzen. Erinnerungen an das Zerlegen und Zusammensetzen des Vergasers meines ersten Kleinkraftrades (am Ende waren Schrauben übrig) wurden wach.

Durchgeführt haben die Grundreinigung Frau Ludwig und Herr Ermerling von der Firma Hanchadent. Punkt 13.00 Uhr ging es los und nach 1.30 h war das gute Stück, wie vorhergesagt, wieder funktionstüchtig. Erstaunlich, was sich in 7 Jahren so alles angesammelt hatte. Leuchtmittel und Lüfter werden es mir danken.

Hier ein paar Impressionen:

Stiftentfernung der besonderen Art

von Ronald Wecker

12 Jahre nach erfolgter Wurzelspitzenresektion entwickelte dieser Patient eine zunehmende klinische Symptomatik an Zahn 11.

Der Wurzelkanal war statt mit einem plastischen Material mittels apikalem Verschlusskegel aus Titan obturiert worden, eine Methode, die sich Mitte der 90’er Jahre einer größeren Beliebtheit erfreute. Nach Normbohrung wurde nach erfolgter Resektion intraoperativ ein Titankegel passender Größe in den apikalen Wurzelkanalanteil eingebracht und dort mittels Zement verankert.

Während mir der erste Behandlungsfall dieser Art noch vor Behandlungsbeginn einiges Kopfzerbrechen bereitete, konnte ich dieses Mal auf die bewährte Entfernungstechnik und  vorbereitete Ultraschallansätze zurückgreifen.

Als glückliche Fügung erwies sich dabei, dass das feine Ende eines Capillary-Tips von Ultradent exakt in die für die Aufnahme der Einbringhilfe vorgesehen Vertiefung im Titan-Kegel passt. So kann der gelockerte, aber das Lumen vollständig ausfüllende Kegel sehr elegant durch Saugkraft aus dem Kanal entfernt werden.

Die weitere Behandlung erfolgte nach bekanntem Schema: nach intensiver chemo-mechanischer Aufbereitung und Erstellen eines apikalen Widerlagers aus Kollagen wurde der apikale Kanalanteil mit MTA verschlossen. Vor dem adhäsiven Verschluss erfolgte die Insertion eines Glasfaserstiftes.

Glück gehabt

von Ronald Wecker

Das alio loco angefertigte OPG liess mich die Entfernbarkeit des Instrumentenfragmentes als zumindest fraglich einordnen. Zahn 37 war stark nach mesial geneigt und zudem als Brückenpfeiler für eine unproblematische Optimierung der Zugangskavität nicht unbedingt sonderlich gut geeignet.

Erschwerend hinzu kam, dass es neben der mesio-distalen noch eine ausgeprägte bukko-linguale Krümmung im betroffenen mesiobukkalen Kanalsystem gab.

In Fällen, in denen eine Kommunikation oder Konfluation der mesialen Kanalsysteme nicht unwahrscheinlich ist, bietet das nicht blockierte Kanalsystem eine gute Möglichkeit das apikale Drittel chemo-mechanisch aufzubereiten, ohne dass dabei das frakturierte Instrument entfernt werden muss. Das präoperativ angefertigte DVT zeigte, dass MB nahezu rechtwinkelig in ML mündete.

Bereits das erste Instrumentieren mit vorgebogenen Handinstrumenten zeigte, dass ein Passieren der Kommunikationsstelle problemlos möglich war. Nach initialer Erweiterung des ML wurde begonnen, das Fragment im koronalen Anteil freizulegen. Um eine versehentliches Verbringen des Fragmentes aus MB in ML zu verhindern wurden D und ML mit Schaumstoffpellets abgedeckt. Eine sinnvolle Massnahme, wie ich später noch erfahren sollte.

In der zweiten Behandlungssitzung kam diese Vorsichtsmassnahme leider nicht zum Einsatz und die Strafe folgte auf den Fuss: Nachdem mittels vorgebogener Endosonorefeilen das Fragment zunächst gelockert werden konnte, kam es bei der nächsten „Spülaktion“ zum Lösen des Fragmentes mit zeitgleicher Verbringung in den schon aufbereiteten ML.

Sofort fiel mir die Geschichte von Cliff Ruddle ein, die jener auf der 2. Jahrestagung der DGEndo in Köln im Jahre 2003 zum besten gab. Nachdem ihm dasselbe Missgeschick wie mir passiert war, eröffnete er der Patientin, dass er eine gute und eine schlechte Nachricht für sie hätte: die gute war, dass er das Instrument aus dem einen Kanal entfernen konnte, die schlechte, dass es nun im anderen Kanal verschwunden war.

Ich hatte Glück, da sich das Fragment innerhalb der nächsten Sekunden mit ein wenig Ultraschallunterstützung und einer Endosonorefeile entfernen liess. Freilich erst, nach dem ich diesmal alle anderen Kanäle mit Schaumstoff abgedeckt hatte. Eigene Missgeschicke prägen sich offensichtlich besser ein, als welche die man vom Hörensagen kennt.

Half Topic

von Jörg Schröder

Gäbe es die Möglichkeit als Tester für Anwendungssoftware sein Geld zu verdienen, wäre ich eine geeignete Person. Das Lesen von Bedienungsanleitungen gehört nämlich nicht zu meinen Stärken. Insofern ist die intuitive Bedienbarkeit einer Software für mich von besonderer Bedeutung.

Das von Apple angebotete Programm „iMovie“ ermöglicht nach kurzem Ausprobieren und unter rudimentärer Nutzung der mitgelieferten „Hilfe“sehr rasch die Erstellung eines kleinen Films, der aufgrund der Verwendung der angebotenen Grundthemen einen zumindest semiprofessionellen Eindruck erwecken kann.

Hier ein kleines Beispiel:

Alltäglicher Jammer

von Ronald Wecker

Der Alltag in einer endodontologischen Praxis besteht leider nicht nur aus erfolgreich gelösten Behandlungsfällen und der Freude über positive Langzeit-Recalls.

Immer wieder stellen sich Patientin  zur Beratung vor, bei denen die Erhaltungsfähigkeit der zu beurteilenden Zähne nicht mehr gegeben ist. Oftmals scheint es dabei nach Erhebung der zahnbezogenen Anamnese, dass eine adäquate und dem aktuellen endodontischen Kenntnisstand entsprechende Erstbehandlung einen Zahnerhalt mit großer Wahrscheinlichkeit ermöglicht hätte.

Besonders frustierend empfinde ich es, wenn an einem Beratungsvormittag gleich drei von vier zu beurteilenden Zähnen als nicht erhaltungsfähig bezeichnet werden müssen.

Hier die „Vertreter“ vom gestrigen Tag:

 

Als Zahnarzt in der Schweiz – ein Vierjahres- Rückblick (3)

von Torsten Hatzky

Vier Jahre ist es nun her, dass wir Deutschland verlassen haben, um nach mehr als 20 Jahren zahnärztlicher Tätigkeit in Südwest-Deutschland noch mal einen neuen Anfang in der Schweiz zu versuchen. Nachdem die Gründe für unsere Entscheidung und unsere ersten Erfahrungen hier und hier ausführlich dargelegt wurden, möchte ich nun ein weiteres Fazit und eine Beschreibung des gegenwärtigen Status Quo wiedergeben:

An den Umzug erinnern wir uns noch genau – Chaos und Stress pur! In der damaligen Wohnung haben wir mehr als 17 Jahre gewohnt. Die Praxisräume hatten wir seit 15 Jahren. Mit der Zeit sammelt sich einiges an. Ein Zeitraum von 4 Monaten war sehr knapp bemessen um alles, was nicht mehr gebraucht wurde, auszumisten. Dank professioneller Hilfe durch ein Umzugsunternehmen mit Auslandserfahrung hat letztlich alles gut geklappt.

Aber es gibt noch andere Erinnerungen. Da ist zum Beispiel das Gefühl freudiger Erwartung, gepaart mit einer gehörigen Portion Spannung: Was wird uns erwarten? Wie lang wird es brauchen, bis die neue Praxis läuft? Würden wir den Schritt bereuen? Aber es war keine lähmende Spannung, sondern sondern ein gutes Gefühl, eines, das angespornt und Energie gebracht hat. Die Psychologen nennen es „Flow“.

Wie sieht das heute aus? Die Spannung ist inzwischen weg. Routine ist in den Alltag eingekehrt. Es gibt kaum noch Überraschungen. Allerdings erlebt man ja, wenn man aus Deutschland kommt, nicht den grossen Kulturschock in der Schweiz.

An den Dialekt haben wir uns inzwischen sehr gut gewöhnt. Da „Schwizerdütsch“ aber keine einheitliche Sprache ist, gibt es mit Menschen aus etwas weiter entfernten Regionen schon machmal Verständigungsprobleme. Da geht es aber den Einheimischen auch nicht unbedingt besser als uns. Diese Sprache selbst richtig zu sprechen werden wir wohl nicht lernen. Unsere Tochter (23) hat damit etwas weniger Probleme. Für viele Schweizer ist es relativ anstrengend, Hochdeutsch (hier sagt man Schriftdütsch) zu reden. Sie sind sehr dankbar, wenn man ihnen gleich am Anfang einräumt, Dialekt zu sprechen. Ich sage dann einfach, dass ich mich daran gewöhnen wolle und schon nachfragen werde, wenn ich wirklich mal etwas nicht verstanden habe. So ist die erste Hürde schnell überwunden und unserer Gegenüber zeigt fast immer ein freundliches Lächeln. Auch ausserhalb der Praxis wächst die Anzahl der Kontakte. Dafür muss man natürlich selbst etwas tun. Die Schweizer feiern gern. Wenn man dann, besonders in Vereinen oder anderen Gruppen bereit ist, etwas zur Vorbereitung beizutragen, hier sagt man „sich einzubringen“, wird man sofort überaus herzlich aufgenommen.

Wir haben übrigens niemals irgendwelche Antipathien oder gar Feindseligkeiten wahrgenommen. Leider gibt es hier jedoch eine im ganz rechten Spektrum angesiedelte, populistische Partei, die diese Probleme gern herbeiredet und schürt, um bei einfachen und politisch ungebildeten Menschen daraus politisches Kapital (= Wählerstimmen) zu schlagen. Und so soll es vereinzelt schon zu Aggressionen oder Sachbeschädigungen gegenüber Deutschen gekommen sein. Auch können wir das, was HaWi  in diesem Beitrag geschrieben hat, überhaupt nicht nachvollziehen. Sicherlich wird ein Schweizer Fussballfan, wenn er sich ein Duell zwischen Deutschland und einer kleineren oder schwächeren Fussball-Nation anschaut, nicht für Deutschland Partei ergreifen. Das liegt wahrscheinlich nicht in irgendwelchen Feindseligkeiten begründet, sondern eher in einer Art „Solidarität“ der „Kleinen“, vielleicht aber auch an der Arroganz einiger deutscher Fussballstars. Insgesamt nämlich nehmen die Schweizer viel mehr am deutschen „Fussball-Leben“ teil, als umgekehrt. Über die deutsche Bundesliga wird im Schweizer Fernsehen regelmässig berichtet. Auch in den allgemeinen Nachrichten nimmt die Berichterstattung über die deutsche Politik fast täglich breiten Raum ein. Peinlich für uns Deutsche: Umgekehrt wird in den deutschen Medien nur sehr selten über die Schweiz informiert. Völlig überrascht hat mich aber dies: Ein etwa 10 jähriger Schweizer Schulbub, der bei uns eine kieferorthopädische Behandlung bekommt, wollte seine neue Zahnspange in den Farben schwarz/ gelb mit dem Logo von BVB Dortmund haben.

So fühlen wir uns hier richtig wohl und würden vieles vermissen, wenn wir wieder nach Deutschland zurück müssten. Umgekehrt vermissen wir erstaunlich wenig. Eigentlich bleiben da nur die besseren Einkaufsmöglichkeiten und die meist niedrigeren Preise. Aber dank Internet-Handel ist das eigentlich auch kein Problem, wenn man gelernt hat, die Zollvorschriften zu beachten. Am meisten würde uns in Deutschland die hohe Qualität sowie die grössere Vielfalt, vor allem an hochwertigen Nahrungsmitteln, fehlen. Da wir schon immer gutes Essen mochten und sehr viel selbst kochen, wissen wir das natürlich mehr zu schätzen als manch einer, der andere Vorlieben hat. In diesem Punkt sind wir uns mit vielen anderen deutschen Einwanderern einig und akzeptieren gern die höheren Preise.

Zu den Preisen sei aber noch etwas gesagt: Wir hatten es an unserem früheren Wohnort in Südwestdeutschland (Nähe Karlsruhe) mit einem extrem hohen Preisniveau zu tun und empfanden die Unterschiede zur Schweiz nicht so krass wie zum Beispiel unsere Verwandten in Nordhessen. Wenn man weiter in den Osten (neue Bundesländer) schaut, wird das noch extremer. So ist das auch zu erklären, dass die schleichende Abwertung des zahnärztlichen Honorars in Deutschland uns eher getroffen hat als Kollegen in anderen Regionen.

Eines gleicht die hohen Preise jedoch wieder aus: Die niedrigen Steuern! Laut Bund der Steuerzahler war der „Steuerzahlergedenktag“ 2012 in Deutschland am 8. Juli. (für höhere Einkommen liegt er noch deutlich später im Jahr). Hier ist der Tag, bis zu dem man den finanziellen Teil seiner staatsbürgerlichen Pflicht geleistet hat, zwischen Ende Januar und der zweiten Februarhälfte, je nach Einkommen und Wohnort. Das merkt man schon sehr deutlich in der Geldbörse und es hat wesentlich dazu beigetragen, das die letzte Wirtschaftskrise aufgrund des florierenden Binnenmarktes kaum Schäden gesetzt hat.

Was uns nicht so gut gefällt, ist das „Klima“ im Strassenverkehr. Während das allgemeine Leben hier erheblich „relaxter“ ist, scheint sich das schlagartig zu ändern, wenn der Schweizer hinterm Steuer sitzt: Man wird hier wesentlich mehr als in anderen Ländern durch sehr dichtes Auffahren und massives Lichthupen bedrängt. Vermutlich liegt das an dem sehr niedrigen Tempolimit. Bei Tempo 80/120 kann man eine Verspätung schlechter aufholen. Zum Ausgleich wird erheblich häufiger kontrolliert. Verstösse werden mit vergleichsweise drastischen Strafen belegt: Schon 1 km/h zu viel nach Abzug der Gerätetoleranz (3-5%) kostet CHF 40.-. Ab 16 km/h Überschreitung innerorts bzw. 21km/h ausserorts gibt es ein Gerichtsverfahren und den sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis. So habe ich in den ersten Wochen in der Schweiz gleich mehrere Zahlungsbefehle erhalten und musste einmal von einem auf den anderen Tag auf eine Prophylaxe-Assistentin verzichten. Sie hatte beim Überholen eines Traktors innerorts kurzzeitig um 16km/h überschritten und musste auf der Stelle den Führerschein abgeben. Da es keine brauchbaren Nahverkehrsverbindungen gab, konnte sie nicht mehr zur Arbeit kommen. Ich selbst fahre jetzt entweder sicherheitshalber etwas zu langsam (was dann wieder die Drängelei anderer provoziert) oder ich sehe quasi im 5 Sekundentakt auf den Tacho. Das erhöht den Stress beim Fahren und könnte auch ein Grund für das gereizte Verkehrsklima sein.

Vorsicht ist in dem Zusammenhang auch beim Umgang mit der Polizei geboten. Es gibt erheblich mehr Verkehrskontrollen! So wurden wir einmal auf einer Fahrstrecke von 40km gleich drei mal kontrolliert. Ausserordentlich unerfreulich war dabei oft das Auftreten der Polizisten. Von Deutschland habe ist das immer als professionell, korrekt, aber in aller Regel sehr freundlich in der Erinnerung. Hier war war der Tonfall mit wenigen Ausnahmen extrem streng und manchmal erhielt ich die Anweisungen zum Zeigen der Papiere in harschem, militärischem Befehlston. Wohl bemerkt: Bei normalen Verkehrskontrollen ohne irgendein Fehlverhalten meinerseits. Das hat natürlich Folgen: Während die deutsche Polizei allgemein ein sehr hohes Ansehen geniest, hat die hiesige Polizei ein stark angeschlagenes Image: Viele Schweizer mögen ihre Polizei nicht.

Sehr positiv: Die Schweizer Bahn. Sauber und pünktlich – einfach genial. So versuche ich viel mehr als früher, meine Ziele mit der Bahn zu erreichen. Und da bin ich nicht der Einzige. Im Gegenteil: Die Bahn ist oft bis zum Limit und manchmal deutlich darüber hinaus ausgelastet. Aber auch dann: Es funktioniert!

Zuletzt noch ein paar Worte zur Entwicklung unserer Praxis: Die ist alles in allem sehr erfreulich. Aber eine so gute Erfolgsbilanz, wie sie in diesem Beitrag von einem deutschen Zahnarzt in Spanien beschrieben wird, kann ich nicht vorweisen. Während der ersten drei Jahre war es finanziell oft sehr eng und wir mussten uns sehr einschränken. Seit etwa einem Jahr hat sich dies so nach und nach entspannt. Es kommen immer mehr Patienten auf Empfehlung und was mich besonders freut: Es kommen jetzt viel mehr solche, die Wert auf eine anspruchsvollere Versorgung legen. So konnten wir inzwischen einige notwendige Anschaffungen tätigen und es besteht die berechtigte Aussicht, das wir in diesem Jahr endlich mal wieder in Urlaub fahren können.

Fazit: Wir haben die Entscheidung zum Auswandern nicht bereut und haben keinerlei Heimweh. Wir konnten unser Leben um viele interessante Erfahrungen und Facetten bereichern. Auch unsere Tochter, die anfangs sehr unter Heimweh gelitten hat, kann sich derzeit eine Rückkehr nach Deutschland kaum noch vorstellen. Und es hat letztlich riesig viel Spass gemacht, noch einmal eine neue Praxis aufzubauen, die ich wahrscheinlich dann in einigen Jahren zu einem guten Preis verkaufen kann, sofern die allgemeinen Rahmenbedingungen so bleiben. Das gelingt wohl in Deutschland derzeit nur wenigen Zahnärzten.

Zahnschutz

von Christoph Kaaden

„So etwas“ will Moritz nicht, dass ihm noch mal passieren…

ein Zahnunfall beim Basketballspielen.

„Gemeinsam“ mit Moritz und seinen Eltern haben wir daher entschieden nach der ersten Behandlungsphase einen individuellen Zahnschutz anzufertigen.

Die Wahl fiel auf einen individuellen Mulit-Layer-Zahnschutz.

Das klinische Vorgehen hierfür ist recht schnell erläutert:

  • Abformungen von Ober- und Unterkiefer inklusive Bissnahme

Da der Zahnschutz in den allermeisten Fällen im Oberkiefer getragen wird (Ausnahme bei ausgeprägter Progenie) sollte darauf geachtet werden, dass Umschlagfalte, Lippen- und Wangenbändchen sowie Gaumen bis zum 1. Molaren gut dargestellt sind.

Die eigentliche Herstellung erfolgt in einem zahntechnischen Labor. Im Vorfeld gilt es dabei zu berücksichtigen, bei welcher Sportart (mit damit ggf. verbundenen Krafteinwirkungen auf die Zähne) der Zahnschutz getragen werden soll. Dies hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl der verschiedenen Kunstoffschichten. Da beim Basketball mit einer flächigen Krafteinwirlung zu rechnen ist wurde bei Moritz ein Multi-Layer Zahnschutz mit 2 und 4 mm Schichten hergestellt.

Dieser macht das erste Zahntrauma zwar nicht unvergessen und rückgängig, sollte aber verhindern, dass ähnliches wieder passiert…

Dem interessierten Leser sei an dieser Stelle der sehr gelungene Artikel von Lang & Filippi zu dieser Thematik ans Herz gelegt.

Kunst im Zahn

von Jörg Schröder

Es ist schon unglaublich, mit welcher Kunstfertigkeit dieses Instrument  zusammen gefaltet und im palatinalen Kanal eines oberen Molaren platziert worden war.

Zahnschmerzen sind grausam – die Fortsetzung

von Hans – Willi Herrmann

Bei den 3 hier letzte Woche vorgestellten Fällen habe ich das gemacht, was ich immer tue.

Anästhesie, Kofferdam, Sondierung der Kanäle mit Handfeilen ISO 006 bis 010, Bestimmung der Wurzelkanallänge.
Danach Instrumentation mit einer VDW Reciproc 25- Feile auf Apex minus 0,5 mm in den Fällen, in denen sich die Wurzelkanallänge mittels Apexlokator  einwandfrei und reproduzierbar bestimmen lässt.

In Fällen, in denen die Apexmessung zwar durchführbar,  aber zu diesem frühen Zeitpunkt der Wurzelkanalbehandlung noch nicht eindeutig und reproduzierbar ist,  Aufbereitung mit VDW Reciproc 25 auf Apex minus 2 mm unter permanenter Kontrolle mittels Apexlokator.

In Fällen, in denen es nicht möglich ist, mit den Handinstrumenten bis auf Apexlänge zu kommen, erfolgt zunächst eine koronale Aufbereitung mit der VDW Reciproc 25, danach apikale Sondierung mit Handinstrumenten bis ISO 010. Anschließend wie oben beschrieben der apikale Einsatz der VDW Reciproc 25 – Feile.

Gespült wurde intermittierend mit 3%iger NaOCl- Lösung, auf 50 Grad erwärmt.

Am Ende der Behandlung wurden die Wurzelkanäle mit Papierspitzen getrocknet und danach in jedem Wurzelkanal das Endox – Gerät mit jeweils einem Stromstoss apikal angewandt.

Im Anschluss daran Ledermix – Einlage mittels Ultradent Skinny Syringe- Spritze und Kanüle in die Kanäle appliziert.

Abdeckung der Wurzelkanaleingänge mit Teflon- Band.
Abschließend Verschluß der Trepanationsöffnung mit einer Fuji F9 – Glasinonomerzementfüllung.

Alle 3 Patienten waren am nächsten Tag beschwerdefrei.
Und sind es bis Ende der Behandlung geblieben.
Alle 3 Wurzelkanalbehandlungen wurden zwischenzeitlich abgeschlossen.

Der von unserer Seite  obligatorische Anruf beim Patienten am Tag nach der Behandlung ergab, daß bei  allen dreien die zum Teil über einen Monat lang vorhandenen Beschwerden, welche zum Teil  starken Schmerzcharakter besaßen, verschwunden waren.

Für die Patienten wie von Zauberhand, insbesonders nach der langen Zeit.
Vor allem erstaunlich für diese im Hinblick darauf, dass ein Verschluss des Zahnes zwischen den Behandlungssitzungen als nicht zielführend eingestuft worden war und die Patienten dies im bisherigen Verlauf der Behandlung, wann immer der Versuch unternommen wurde, den Zahn zu verschliessen, als problematisch erlebt hatten.

Wo sind die Gründe für den Misserfolg zu suchen ?

Im Falle des Zahnes 47 wurde die vorhandene Krone abgetrennt.
Es fand sich eine zerbröselte Ausbaufüllung und Sekundärkaries. Der Zahn wurde mit einer dentinadhäsiv verankerten Kunststoffrestauration aufgebaut.
Gab diese Maßnahme hier den Ausschlag ? Vermutlich nicht, denn der Zahn war ja ohnehin offen, da spielte vermutlich die undichte Krone keine Rolle. Ist der stabile, bakteriendichte Aufbau eine Grundvoraussetzung adäquaten Arbeitens ?  Definitiv.

Im Falle des Zahnes 25 wurde die vorhandene Krone ebenfalls entfernt, um mehr Übersicht zu haben. Die vorhandene Krone war dicht und es gab keinen Hinweis für eine koronale Reinfektion durch die Krone, wenn man davon absieht, dass der Zahn einen Monat lang offen, die Trepanationsöffnung mit einem medikamentengetränkten Wattepellet versehen war.

Bei Zahn 44 wurde die vorhandene Krone (sie war relativ neu und zirkulär dicht, der Zahn kariesfrei) belassen.

An der bis dato durchgeführten Aufbereitung kann es in diesen Fällen sicher nicht gelegen haben. Die Wurzelkanäle sind in den Röntgenbildern einwandfrei zu sehen und schon röntgenologisch als erweitert zu erkennen. Intraoperativ zeigten sich in allen drei Fällen, dass die Aufbereitung auf jeden Fall soweit durchgeführt worden war im Vorfeld, dass eine ausreichende Wirkung der Spülflüssigkeiten und Medikamente vorausgesetzt werden kann.

Woran lag es also dann ?

An den eingesetzten Spüllösungen  ?
Den verwendeten medikamentösen Einlagen ?
Am Offenlassen des Zahnes ?

Es gibt keinen Grund, darüber zu spekulieren, solange man weiss, daß  die oben beschriebene Vorgehensweise funktioniert.
Dem Patient ist es ohnehin egal, Hauptsache, es wird ihm geholfen.
Denn – wie schon zu Beginn geschrieben – Zahnschmerzen sind grausam.
Und das vornehmste Ziel des Zahnarztes ist es, den Patienten von seinen – teils unerträglichen Schmerzen zu befreien und – ihm seinen Zahn zu erhalten.

Es hat sich ausgekegelt!

von Ronald Wecker

Bei der Betrachtung des präoperativen Röntgenbildes kam mir sofort ein System in den Sinn, welches ich selbst vor mehr als 15 Jahren ein einziges Mal angewendet hatte:

Der apikale Verschlussstift aus Titan nach Prof. W. Schilli. Damals noch von Straumann vertrieben, heute bei der Firma Atec im Programm. Es gab ihn in drei verschiedenen Größen. Charakteristisch ist der radiologisch darstellbare zylindrische Hohlraum im koronalen Anteil der der Aufnahme einer Einbringhilfe diente. Kurioserweise wurde die WSR mit „Metallverschluss“  im vorliegenden Fall vor ebenfalls 15 Jahren alio loco durchgeführt.

Zur Entfernung des Verschlussstiftes stehen grundsätzlich zwei Wege zur Verfügung:

Ein rein orthogrades Vorgehen und ein kombiniert retrograd-orthogrades Verfahren, bei dem nach orthograder Aufbereitung bis zum Titankegel im Anschluss die Periapikalregion chirurgisch dargestellt wird und der Verschlussstift mittels Ultraschall in den Kanal zurückgestossen wird.

Um dem Patienten mit hoher Lachlinie einen chirurgischen Eingriff zu ersparen wurde hier dem orthograden Verfahren der Vorzug gegeben.

Nach Anlegen der Zugangskavität konnte der koronale Anteil des Titankegels dargestellt werden. Nach distal zeigte sich eine kleine Zementfuge, die mittels Endosonore-Feilen abgetragen wurde. Nachdem diese Fuge bis etwas mehr als 200 Grad der Zirkumferenz fortgeführt worden war, konnte der Stift in dieser Fuge auf einer Länge von ca. 2 mm passiert werden. Da die durch Endosonorefeilen oder Spülansätze (ET25, Aceton) übertragene Energie nicht ausreichte um eine Lockerung zu bewirken und das Aufsetzen eines größeren Aussatzes eine weitere Apikalbewegung mit der Gefahr einer Zahnfraktur bewirken könnte, wurde kurzerhand ein CPR-Ansatz Nr. 1 „modifiziert“.

Mittels Brownie-Polierers wurde die Kugelspitze „verschlankt“, bis sie mit etwas Spiel in die Aussparung des Schilli-Kegels passte. Keine 20 Sekunden später konnte der Stift angehoben, mit Hilfe eines Capillary-Tips angesaugt und orthograd entfernt werden.

Was anfänglich recht schwierig aussah, liess sich mit einer entsprechenden Strategie vorhersagbar lösen. Über die Obturation und das Langzeitergebnis wird mit Sicherheit an dieser Stelle berichtet werden.

Das Offensichtliche …

von Ronald Wecker

… muss nicht gleichbedeutend mit der Wirklichkeit sein.

Das präoperative Röntgenbild versprach einen spannenden Behandlungsfall. Nach Anlegen der Zugangskavität konnte der bereits im Röntgenbild sichtbare Dentikel freigelegt werden. Aus dem Zahn entfernt könnte er makroskopisch aufgrund seiner runden Form auch mit einem Wurzelrest verwechselt werden.

Das Kanalorifizium von MB2 entsprang einer sehr feinen, gewebegefüllten Rinne. Der Kanal schien zunächst deutlich nach bukkal zu verlaufen. Die frühzeitige Kommunikation mit MB1 im oberen Kanaldrittel wurde durch den unter dem Mikroskop erkennbaren Austausch der Spülflüssigkeit zwischen MB1 und MB2 bestätigt.

Dass etwas nicht stimmen konnte war daran zu merken, dass die zur Bestätigung des Konfluierens eingebrachte ISO 008 bereits nach 14-15 mm deutlich klemmte, obwohl MB1 bereits bis 20/04 und einer Länge von 21,5 mm aufbereitet war. Die nachfolgend rotierend eingesetzte ProFile 15/04 wies deutlich mit Debris gefüllte Spanräume auf und ging alles andere als leicht nach apikal.

Die Messaufnahme zeigte dann die Wirklichkeit. Die in MB2 eingebrachte ISO 008 liegt deutlich nicht mittenzentriert und verläuft weiter distal als das Instrument in MB1.

Des Rätsels Lösung: eine 2-in-1-in-2-Situation. Die Kombination Endometrie, taktile Rückmeldung des Instrumentes und die, mancherorts gerne vernachlässigte, Messaufnahme brachten mich in diesem Fall auf die richtige Spur.

Valplast Prothese

von Bonald Decker

Geht ein Zahn trotz intensiver (endodontischer) Bemühungen verloren stellt sich in der Regel die Frage nach einem (temporärem) prothetischen Ersatz.

Bisher kannte ich hierfür primär (kleine) Klammerprothesen.

Aus eigener Erfahrung weiss ich um den suboptimalen Tragekomfort sowie die eingeschränkte Ästhetik dieser Option…

Umso erfreuter war ich kürzlich auf eine (für mich) neue Zahnersatzvariante für diese (und andere) Indikationen gestossen zu sein.

Die Valplast Prothese. Ein Zahnersatz gefertigt aus thermoplastischen Nylon, der  werkstoffkundliche und optische Vorteile gegenüber der mir bisher bekannten Variante zu bieten scheint.

Unsere erste, mit dieser Prothesenart (übergangsweise) versorgte Patientin ist auf jeden Fall „happy“.

Interessante weiterführende Links zu dieser Thematik und dem Werkstoff finden sich hier

ROOTS auf Facebook

von Christoph Kaaden

Im Zuge des gestrigen Beitrags ist es bereits erwähnt worden…

seit ein paar Wochen ist das (internationale) Online-Endodontie-Forum ROOTS in seiner bisherigen Form vom Netz genommen worden…

Leider !

Ich persönlich habe hier eine Menge lernen dürfen.

Obgleich ich mir von ROOTS-„Veteranen“ habe sagen lassen, dass die besten Zeiten des Forums, in dem internationale Grössen der Endodontologie (u.a Gary Carr, John Stropko u.v.a.m)  bereitwillig ihr Wissen mit anderen „Endothusiasten“ teilten, schon länger (bzw. lange) der Vergangenheit angehörte…

aber es scheint trotzdem weiter zu gehen…

Ein „Nachfolger“-Forum findet sich unter der Regie des neuen Administrators Freddy Belliard (ganz zeitgemäß) hier auf Facebook…

die Zeit wird zeigen, ob ROOTS auf Facebook an „die guten alten Zeiten“ anknüpfen kann…

Ein Unglück kommt selten allein

von Ronald Wecker

Dieser stark kompromittierte Zahn 33 hat bis zur implantologischen Versorgung des linken Unterkiefers als Pfeiler einer Interimsversorgung eine temporäre strategische Bedeutung.

Die isolierte Sondierungstiefe mesiobukkal von 8 mm sowie die nicht zahnachsengerechte Lage des Glasfaserstiftes liess eine Stiftperforation wahrscheinlich erscheinen.

Nach chirurgischer Freilegung der bukkalen Wurzelanteile imponierte jedoch zunächst weiter koronal eine zusätzliche, mit Zement nur unvollständig ausgefüllte Perforation.

Nach ausreichender Hämostase konnte diese Perforation zunächst dentinadhäsiv verschlossen werden. Der im Parodont „verankerte“ Glasfaserstift wurde unter dem Mikroskop mittels eines feinen flammenförmigen Diamanten gekürzt. In einer zweiten Sitzung erfolgt nun die Revision der unvollständigen Wurzelfüllung.

Ordentliches Loch – Recall

Von Bonald Decker

Erinnern Sie sich noch an den Fall – Ordentliches „Loch“ – Teil I und II.

Eine Perforationsbehandlung, wie wir sie nicht jeden Tag erleben.

Nach sechs Monaten stellt sich die Situation wie folgt dar:

Klinisch (keine Besonderheiten bei den üblichen Befunden) und radiologisch scheinen wir auf einem guten Weg zu sein…

State of the Art

von Ronald Wecker

Das ist das Behandlungsniveau das man als Patient in einer deutschen Universitäts(zahn)-Klinik erwarten sollte. Finde jedenfalls ich.

Und wenn die behandelnden (Zahn)-Ärzte ein Krankheitsbild nicht oder nicht sicher diagnostizieren können, sollten sie, zum Wohle des Patienten, zumindest an mit dem nötigen Wissen ausgestattete Behandler überweisen oder solche hinzuziehen. Zumal die im konkreten Fall beteiligte Hochschule im Bereich der Endodontie eine Kooperation mit einem versiertern Endodontologen unterhält. Dass diese Kooperation den dortigen Kollegen der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie offensichtlich unbekannt gewesen sein muss, zeigt nachfolgender Behandlungsfall.

Der 9-jährige Patient stellte sich mit einer deutlichen Schwellung im Bereich des Zahnes 22 in besagter Klinik vor. Nach Anfertigung eines OPG wurde die apikale Aufhellung an 22 diagnostiziert. Die Frage nach einem vorangegangenem Zahntrauma wurde von Patient und Eltern verneint.

Die Sensibilitätsprüfung an Zahn 22 zeigte keine Reaktion auf Kältereiz. Nachfolgend wurde in Lokalanästhesie die Regio 22 chirurgisch „dargestellt“. Es kam nach Ablösung der Gingiva zu einer deutlichen Pusentleerung. In den folgenden Tagen wurde parallel zur systematischen Antibiose mehrfach ein Streifen eingelegt/ gewechselt.

10 Tage nach Inzision stellte sich der junge Patient erstmals in unserer Praxis vor. Die Beschwerden waren fast vollständig abgeklungen. Deutlich sind im klinischen Bild die Inzisionen sowie der Verlust der angewachsenen Gingiva an 22 zu erkennen.

Das angefertigte digitale Einzelbild lässt eine Invagination nach Oehlers Typ II erkennen. Bei genauer Betrachtung des alio loco angefertigten OPG sind im Bereich der Zähne 12-22 bereits auf eine Invagination hinweisende Schmelzstrukturen zu erkennen.

Die bei uns durchgeführte Therapie bestand, nach Anlegen der palatinalen Zugangskavität, in der Entfernung der im Originalpulpakavum gelegenen Invagination sowie der chemo-mechanischen Desinfektion des Wurzelkanalsystems. Mittels Ultraschall und Munce-Rosenbohren konnten nach initialem Scouten unter dem Dentalmikroskop die Schmelz und Dentinanteile der Invagination zerkleinert und nach koronal entfernt werden.

Die ultraschallunterstützte Irrigation förderte noch große Mengen putriden Sekrets aus dem weiten Wurzelkanalsystem zu Tage. Als medikamentöse Einlage wurde nach Aufklärung der Eltern im Erstgespräch eine Mix aus Ciprofloxacin und Metronidazol eingesetzt, da zumindest der Versuch einer Revitalisierung der für das weitere Wurzelwachstum verantwortlichen Stammzellen unternommen werden sollte. Der Abschluss der Behandlung wird in etwa 2 Wochen erfolgen.

Bleibt der etwas betrübliche Eindruck, dass man auch als Patient einer deutschen Universitätszahnklinik nicht sicher sein kann, mit etwas vom Normalen abweichenden Erkrankungsbildern eine zeitgemässe Behandlung zu erfahren.

Gesunder Menschenverstand

von Hans – Willi Herrmann

Wenn ich innerhalb Deutschlands als Referent zu Fortbildungen muss, dann fahre  ich, wenn möglich, mit der Bahn.

Wenn möglich –  heißt, dass der Zeitbedarf den der Anreise via Flugzeug nicht deutlich überschreitet. Bis nach München oder Hamburg spart man in der Regel mit dem Flieger, wenn überhaupt, nur wenig Zeit. Lediglich nach Berlin oder Dresden macht für mich das Fliegen Sinn.

Merkwürdige Welt.
Mittlerweile ist Fliegen oft günstiger als Bahnfahren.
Zumindest solange man keine Bahncard 50 besitzt.

Ich habe seit ein paar Jahren diese Bahncard. Sie kostet 482 Euro. Privat nutze ich diese Card eigentlich nicht, mit der Familie bin ich fast ausschließlich  mit dem Auto unterwegs. Für die   Institutionen, in deren Auftrag ich Fortbildungen halte, lohnt sich die Karte aber auf jeden Fall.
Neulich war in Erfurt. Die Bahnfahrt kostete dank Bahncard 50 117 Euro. Anteilsmäßig habe ich 25 Euro für die Bahncard  in Rechnung gestellt. Macht eine Kostenersparnis für die Landeszahnärztekammer von 92 Euro gegenüber dem regulären Preis.  Leider sieht sich die Kammer ausserstande, den 25 Euro- Kostenanteil zu übernehmen.

Haben Sie sich schon gedacht ?
Dann wissen Sie ja auch, was die Konsequenz für mich ist. Das Kündigungschreiben an die Bahn ist soeben raus (hilfreich hierbei war die Internet – Seite Aboalarm, denn die Homepage der DB gibt sich hinsichtlich Kündigungsmöglichkeiten sehr zugeknöpft).
Leider ein paar Tage zu spät, das Bahncard -Abo verlängert sich automatisch bis September 2013.

Bis dahin werde ich nun vorab jedesmal anfragen, ob ich die Bahncard einsetzen soll oder nicht.
Mal sehen, ob die Landeszahnärztekammer Thüringen ein Einzelfall bleibt oder ob sich noch mehr Institutionen ausserstande sehen, eine für ihre Mitglieder und Kunden kostensparende Lösung einzugehen.

Und es gibt ihn doch!!!

von Jörg Schröder

„Kundenservice“ – ein Wort das stark polarisieren kann.

„Servicewüste Deutschland“ war vor ein paar Jahren das Schlagwort eines großen Wochenmagazins.

Das auch das Gegenteil existiert durften wir erfreulicherweise gestern und heute erfahren.

Am späten Vormittag stellte sich eine überwiesene Patientin mit folgendem Befund vor:

Zahn 21 mit einer von labial zu sondierenden externen Resorption. Um zu klären, ob der resorptionsbedingte Defekt ohne größere resektive Massnahmen im Alveolarbereich adhäsiv versorgt werden kann, sollte ein hochauflösendes DVT erstellt werden.

Bereits wenige Sekunden nach dem sie das Zimmer verlassen hatte, kehrte die mit der Vorbereitung des VeraviewEpocs 3De beauftragte Mitarbeiterin mit der Nachricht zurück, dass der auf einem DELL- Rechner installierte iDixel-Server nicht mehr reagiere und das Erstellen eines DVT zur Zeit nicht möglich sei.

Die Patientin nahm die Nachricht sehr gelassen auf. Ein neuer Termin sollte nach Fehlerbehebung telefonisch vereinbart werden.

Was sich dann ereignete kann ich nur als optimalen Service am Kunden bezeichnen.

Die mit der Installation beauftragte Firma CoSi in Sigmaringen wurde telefonisch kontaktiert. Der zuständige Mitarbeiter konnte zunächst anhand der Fehlermeldung einen Softwarefehler ausschliessen. Er sagte zu, sich sofort mit der Firma DELL in Verbindung zu setzen. Im Rahmen des Dell Pro Support garantiert die Firma DELL einen Technikereinsatz innerhalb eines Arbeitstages.

Keine 2 Stunden später kam aus Sigmaringen die Nachricht, dass am nächsten Tag um 8.30 ein Techniker der Firma DELL in der Praxis sein werde, um den Schaden zu beheben. Des weiteren wurden mögliche Fehler-Szenarien  (Festplattendefekt, Daten von externer Sicherung aufspielen) und die praktische Umsetzung der Fehlerbehebung durchgesprochen. Für den Zeitraum des Techniker-Einsatzes wurde eine telefonische Erreichbarkeit eines CoSi-Mitarbeiters vereinbart.

Am heutigen Morgen um 8.30 traf der DELL-Mitarbeiter pünktlich in unserer Praxis ein.

Nach kurzer Zeit war das fehlerhafte Netzteil getauscht und der Server konnte wieder in Betrieb genommen werden. Zur Feinabstimmung der Inbetriebnahme konnte sich der DELL-Mitarbeiter wie versprochen telefonisch mit einem Mitarbeiter der Firma CoSi austauschen.

Per Fernwartung „inspizierte“ CoSi anschliessend die Einstellungen, empfahl eine ausserplanmässige Konstanzprüfung und gab, unter Vorraussetzung der erfolgreichen Konstanzaufnahme , grünes Licht für den Einsatz des VeraViewEpocs 3De.

Innerhalb von weniger als 24 Stunden war das Problem zu unserer vollsten Zufriedenheit gelöst worden. Und es gibt ihn eben doch. Den Service am Kunden.

Trauma App

von Christoph Kaaden

Einem Hinweis von Dr. Fred Barnett (Einstein Institute – Abteilung für Endodontologie –  Philadelphia/USA) verdanke ich den Hinweis auf das Erscheinen einer wertvollen „App“ für Smartphones:

DENTAL TRAUMA

Eine Applikation gedacht als schnelle „Online-Hilfe“ bei der Versorgung von unfallbedingten Zahnverletzungen.

Verfasst wurde das Ganze von Dr. Ulf Glendor und ist bisher in englischer und schwedischer Sprache erhältlich…

Meine persönliche Meinung zu dieser Anwedenung…

wenn nur ein Zahn mehr durch dieses Programm korrekt behandelt wird (und sich dadurch die Prognose verbessern lässt) hat sich die Anschaffung schon gelohnt…

Dafür gibt`s einen „Daumen hoch“ von mir…

Was Zeiss von Porsche lernen kann

von Hans – Willi Herrmann

Sie haben es vielleicht gelesen vorletzte Woche, ich war auf einem HNO – Kongress in Mainz, um mir ein neues Mikroskop anzuschauen.

Der Kongress ging von Donnerstag bis Samstag.
Ich war am ersten Tag da, bereits um 10 Uhr morgens.

Noch war alles ruhig, die HNO – Mediziner zumeist in den Vorträgen, demnach war die Industrieausstellung angenehm leer.
Von langen Schlangen und Gedränge keine Spur.

Ich war schnell fertig bei Atmos und gerade auf dem Weg zu Morita, als mir  am nicht zu übersehenden und von der Aufmachung her sehr gelungenen ZEISS -Stand das ZEISS HNO Top – Modell Vario 700 ins Auge fiel.

Das nur als Vorabinformation, um das Nachfolgende einordnen zu können.
Eine Ausrede, man sei am Ende eines langen Messe- Marathons, wie es an einem Samstag nachmittag auf der IDS nachvollziehbar wäre, kann ich in diesem Falle nicht gelten lassen.

Ich trat also näher an das ZEISS Vario 700 heran, betrachtete und inspizierte es genauer. Ein ZEISS- Mitarbeiter kam herbei und  erkundigte sich, ob ich Interesse hätte an einem solchen Mikroskop.

Ich nickte zustimmend, gab aber zugleich an, dass ich kein HNO-ler, sondern Zahnmediziner sei und bereits 2  ZEISS- Mikroskope besäße.
Im Laufe des Gesprächs kam dann noch zur Sprache, dass ich ein Pro Ergo und ein  Pro Magis besitze und seit 1997 mit dem Mikroskop arbeite.

Wir fachsimpelten ein wenig über die Vor- und Nachteile des aufgebauten Gerätes, sprachen danach über die Möglichkeit der Vakuumabsaugung des Steril- Drapes beim ZEISS Pentero und ich  fragte  nach dem ZEISS Movena und wie denn ein solches Mikroskop im Vergleich zum Vario 700 preislich liege.

Ich hatte das ZEISS Movena -Mikroskop zum ersten Mal etwa 2 – 3 Wochen zuvor bei Jadent / Aalen gesehen und vom ersten Eindruck her  für mich als eine günstigere Alternative zum Pro Ergo eingestuft. Jedenfalls wesentlich eher als ein ZEISS Pico, dass normalerweise als Einstieg angepriesen wird, und welches für mich nie als Alternative zum Pro Magis / Pro Ergo in Frage gekommen war.

„Was kostet denn das Movena ? „, fragte ich.

„Mehr als ein ZEISS Pico“, war die knappe Antwort.

Was für eine Antwort ??? Ich war verblüfft. Konnte es nicht glauben. Der Verkäufer hatte offensichtlich keinerlei Interesse, sich um mich als potentiellen Kunden zu bemühen. Er gab sich nicht einmal die Mühe, sein Desinteresse nicht auffällig werden zu lassen.

„Das war mir klar“, entgegnete ich, „ich hätte aber gerne gewußt, was ein  Movena genau koste.

„Das müsste ich extra in der Preisliste nachschauen“, antwortete der ZEISS – Mitarbeiter, bewegte sich dabei keinen Millimeter und die Art, wie er es sagte, stellte unmissverständlich klar, daß er dies auch auf keinen Fall tun wolle.

Vorurteile wollen offensichtlich gepflegt werden. Der Firma Zeiss haftete in der Vergangenheit der Ruf an, arrogant im Umgang mit ihren Kunden zu sein und sich wenig  um die Belange und Wünsche der Zahnärzte zu kümmern.
Seit ein paar Jahren stelle ich fest, dass im Management und im Bereich der Führungsebene versucht wird, diesen angeknacksten Ruf von ZEISS wieder zurechtzurücken. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar sagen, dass man genau dort überdurchschnittlich viel und voller Engagement tut, um ZEISS  den Status im Bereich Kundenbetreuung wiederzugeben, den die Firma in früheren Jahren und, meines Erachtens die Qualität ihrer Produkte betreffend, noch immer inne hat.

Wie schade, wenn solche Bemühungen an der Basis kontrakariert werden.
Meinen ursprünglichen Wunsch nach einer Probestellung des ZEISS Movena habe ich  nicht mehr vorgetragen.

Was kann nun ZEISS von Porsche lernen ?

Einer meiner Patienten, Herr Müller-Maier-Schmidt, Chef eines florierenden Sanitärinstallationsbetriebes, sah auf dem Weg zu einem Kunden  die nagelneue Audi A6 Limousine im Schaufenster des Audi – Händlers stehen, auf die länger schon gewartet hatte. Vermutlich sein nächstes Auto. So hatte er es fest vor.
Er ging hinein, um sich das Auto anzuschauen, wurde aber auf Grund seiner Dienstkleidung, bei uns sagt man „Schaffklamotten“ dazu, vom dem ihn beratenden Verkäufer mit arroganter Herablassung gestraft.

Man ließ sich kaum dazu herab, Auskünfte zu erteilen. Ähnlichkeiten mit besagtem ZEISS – Mitarbeiter sind vermutlich rein zufällig, aber nicht von der Hand zu weisen.

Herr MMS, der alle seine Firmenwagen und seine Privatautos bisher in diesem Autohaus der VW – Gruppe  gekauft hatte,  verliess das Autohaus mit der festen Absicht, dort in Zukunft  nicht mehr zu kaufen.

Wie es der Zufall so wollte, war Herr MMS ein paar Tage später beruflich bedingt in Wiesbaden. Und kam in der Mittagspause nach Besuch eines Schnellrestaurants am in der Nähe gelegenen Porsche- Autohaus vorbei.
Er ging, weil sich ihm eine solche Gelegenheit nicht jeden Tag  bot, hinein, um die Autos in Augenschein zu nehmen,  war sich aber angesichts seines „Blaumann“ – Anzuges innerlich sicher, dort ebenfalls mit Mißachtung gestraft zu werden.

Das Gegenteil war der Fall.
Er wurde ungeachtet seines „nicht standesgemäßen“ Äußeren sehr höflich und zuvorkommend betreut und es wurde ihm sogar eine Probefahrt angeboten. Das lehnte Herr MMS aus Zeitgründen ab, kam aber an einem der nächsten Wochenende zum Testen wieder und – kaufte.

2 Zitate des Tages

Am Wochenende sind mir 2 interessante Zitate, Medizin bzw. Zahnmedizin betreffend, in die Hände gefallen.

Das erste ist aus der  Biographie von  Peter Janetta.
Janetta hat das Operationsmikroskop in die Neurochirurgie eingeführt und es erging ihm am Anfang nicht anderes wie vielen anderen Vordenkern, seine Idee wurde zunächst mit Häme und Ignoranz bedacht.

Mark Shelton, Biograph und Autor von „Working in a very small place“, schreibt:

„It is one thing for a surgeon to device something new and try it himself; it may be successful, he may be eminently satisfied with the results, he may do it again and again and again. But it is another thing to get others to do it, too. Without that, a generation may pass before someone happens upon the same idea and try his hand at having it catch on. One person cannot change medicine until he changes the minds of enough of his peers for word to begin to get around.
Only then is the revolution safe.“

Das zweite Zitat ist noch wesentlich älter. Es stammt aus dem 1932 erschienenen Lehrbuch „Der Goldguß“ von Max Rosenzweig.
Dort heißt es, einleitend:

In allen unseren Spezialdisziplinen hat fast jeder Zahnarzt eine andere, seine Methode. Noch schlimmer, noch nachteiliger für die Zahnheilkunde aber ist es, daß jede offizielle Lehrstätte in Europa ihre Methode lehrt, obwohl schon vielfach auf den ersten Blick nicht alle Methoden gleichwertig, viele sicherlich unzulänglich sind. Ich bin kein unbedingter kritikloser Nachbeter der Amerikaner, aber um Institutionen, wie die Dental-Association, das Buerau of Standards etc. müssen wir die Amerikaner beneiden, wenn die zahllosen, bei fast allen unseren konservativen und technischen Arbeiten geübten Methoden von einer objektiven, wissenschaftlich und fachlich autorisierten Stelle aus überprüft und per exclusionem die besten festgestellt und standardisiert würden. So machen es die oben erwähnten amerikanischen Prüfstellen. Wie segensreich wäre eine solche Institution, um nur eine Beispiel herauszugreifen, beim Wurzelkanalbehandlungsproblem gewesen, wieviel Mißerfolge hätten wir uns und unseren Patieten ersparen, wieviel Zähne erhalten können. Es gab schlechtweg fast soviele Methoden der Wurzelkanalbehandlung als es Zahnärzte gab. Kaum in einer anderen Disziplin unseres Faches wird soviel Ballast mitgeschleppt, werden soviele wertlose, den Erfolg ausschließende Methoden geübt, als gerade bei der Wurzelkanalbehandlung.

Schlüsselloch-Endodontie (I) – Catch of the day

von Bonald Decker

Die Wichtigkeit und Bedeutung einer suffizienten (primären und sekundären) Zugangskavität als einer der ersten Schritte für eine vorhersagbare endodontische Therapie ist in der Literatur hinreichend beschrieben worden.

Trotzdem wird diesem Behandlungsschritt gerne nicht die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt bzw. versucht, „auf-Teufel-komm-raus“ Zahnhartsubstanz zu schonen…

in meinen Augen erfolgt dies leider zumeist an der falschen Stelle.

Anbei unser jüngstes (und gleichzeitig) „extremstes“ Beispiel einer minimal gehaltenen Trepanationsöffnung mit dem Versuch einer endodontischen Schlüssellochbehandlung.

 

Der überweisende Kollege des Patienten ist erst seit sehr kurzem der Behandler und empfahl eine Revision vor der (in meinen Augen wirklich indizierten) prothetischen Neuversorgung des Zahnes 46.

Nachfolgend sehen Sie die Abfolge der Zugangskavitäten-Modifikation:

Natürlich haben wir durch die ausgedehntere Kavität  jetzt mehr Zahnhartsubstanz „geopfert“…aber nur so ist es uns möglich, eine vorhersagbare Behandlung durchzuführen und nicht Gefahr zu Laufen, bei einem Misserfolg (durch die Entfernung des Zahnes) noch „viel mehr“ Zahnhartsubstanz zu verlieren…

Im zweiten Teil dieses Beitrages stellen wir dann demnächst die Röntgenbilder der Therapie vor…

Reunited – die Fortsetzung

von Ronald Wecker

Vor kurzem wurde hier folgender Fall eines Frontzahntraumas vorgestellt:

Einige Wochen nach einer unkomplizierten Kronenfraktur an Zahn 11 konnte das Fragment adhäsiv wiederbefestigt werden.

Zahn 21 hatte eine komplizierte Kronenfraktur mit nachfolgender Pulpanekrose erlitten. Aufgrund des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums wurde ein Therapieansatz gewählt, der nach Desinfektion des Wurzelkanalsystems ein Voranschreiten des Wurzeldicken- und Wurzelängenwachstums ermöglichen soll.

Um eine absolute Trockenlegung zu ermöglichen wurde zunächst das seit dem Trauma nass gelagerte inzisale Kronenfragment adhäsiv wiederbefestigt. Um eine sichere Kofferdamapplikation zu gewährleisten wurde zeitgleich palatinal ein ausgedehnter Komposit-„bauch“ hergestellt. Da der unvollständig durchgebrochene Zahn 21 geringe Unterschnitte bot, wurde die Kofferdamklammer labial durch Auftragen einer geringen Menge Flow-Komposites „gesichert“.

Anschliessend erfolgte nach Entfernung der medikamentösen Einlage und Stimulation einer Blutung aus der apikalen Papille das Abdecken des Koagulums mit Kollagen und MTA.

Über die klinische Vorgehensweise  und die grundsätzliche Idee von Regenerations- bzw. Revitalisierungsverfahren wurde bereits berichtet.

Die im Ausgangsbild zu erkennende infektionsbedingte bedingte externe Resorption scheint nicht weiter voran zu schreiten. Die weiteren radiologischen Kontrollen werden zeigen, ob das Wurzelwachstum fortgesetzt werden konnte.

Licht und ein wenig Schatten

von Ronald Wecker

Die junge Patientin stellte sich erstmals 10 Monate nach einem an Zahn 21 erlittenen Frontzahntrauma vor. Ausser einer unkomplizierten Kronenfraktur, die bereits alio loco mittels Komposit versorgt worden war, zeigte der Zahn eine geringe vestibuläre Druckdolenz und war achsial und lateral perkussionsempfindlich.

Zwei Monate vor der Erstvorstellung hatten starke Beschwerden eingesetzt, woraufhin in der Praxis des Hauszahnarztes nach Trepanation des Zahnes eine Einlage mit CaOH2 und der temporäre Verschluss mit Glasionomerzement erfolgte.

Das präoperativ angefertigte digitale Einzelbild zeigt neben einer apikalen Aufhellung ein im Vergleich zum alio loco angefertigten Bild unmittelbar nach Trauma kein weiteres  Voranschreiten des Wurzelwachstums.

Aufgrund des weit offenen Foramens wurde trotz der bereits erfolgten Applikation von CaOH2 der Versuch einer regenerativen Therapie unternommen.

CaOh2 soll nach den bisher zur Verfügung stehenden Erkenntnissen negative Auswirkungen auf die in der apikalen Papille befindlichen Stammzellen (SCAP) haben. In der ersten Behandlungssitzung zeigte sich nach initialer Irrigation jedoch apikal ein deutlicher „Gewebestumpf“. Da ein Stillstehen des weiteren Wurzelwachstums im jetzigen Stadium die mechanische Prognose des Zahnes langfristig deutlich kompromittieren würde, wurde der Behandlungsplan einer Apexifikation mit MTA nach kurzer Abstimmung mit den Eltern intraoperativ zugunsten einer möglichen Apexogenesis abgeändert.

Nach Entfernung der CaOH2-Reste und intensiver ultraschallunterstützter Irrigation mit NaOCl wurde eine antibiotische Paste, bestehend aus Ciprofloxacin und Metronidazol eingebracht und der Zahn dentinadhäsiv verschlossen.

10 Tage später war der Zahn klinisch vollkommen symptomlos. Nach Spülung mit EDTA und Entfernung der antibiotischen Einlage wurde mit einem Microopener eine Blutung aus der apikalen Papille induziert. Da die Anästhesie bei diesem Vorgehen in der zweiten Sitzung mit adrenalinfreiem Anästhetikum erfolgt, war das Kanallumen bald mit dem aufsteigendem Blut gefüllt.  Bis hier hin schien alles optimal zu verlaufen.

Um die Applikation des MTA zu erleichtern, wurde eine dünne Kollagenabdeckung zugeschnitten und auf das Koagulum platziert. Nach kurzer Zeit war das Kollagen mit Blut durchtränkt. Und jetzt wurde es schattig.

Offensichtlich war das Koagulum noch nicht stabil genug, denn das nach der Erstellung der MTA Abdeckung angefertigte Röntgenbild zeigte eine deutliche, nahezu zylindrische Extrusion des MTA -Plugs in das Koagulum.

4 Monate nach Abschluss der Behandlung war der Zahn weiterhin beschwerdefrei. Ein Voranschreiten des Wurzelwachstums konnte radiologisch nicht beobachtet werden.

Der Schatten schien das anfängliche Licht zu verdrängen.

Heute nun das Recall 14 Monate nach Behandlung. Zur großen Freude des Verfassers zeigte der Zahn neben einem normalen Klopfschall und fehlenden klinischen Symptomen ein deutlich vorangeschrittenes Wurzellängen- und Wurzeldickenwachstum.

Über die weitere Entwicklung wird an dieser Stelle berichtet werden.

Abenteuer Spanien: Bilanz nach 2 Jahren

von Alexander Knobel


Die Zeit rennt.
Vor 1 1/2 Jahren wurde ich von Wurzelspitze gebeten, etwas über meine Erfahrungen aus dem europäischen Ausland zu berichten. Jetzt sind bereits zwei Jahre in der Ferne vergangen und es ist an der Zeit, erneut Bilanz zu ziehen.

Kurz gesagt: das Auf und Ab meines Körpergewichts spiegelt die Höhen und Tiefen der letzten zwei Jahre (+/- 10kg) extrem gut wieder. Während man sich in Deutschland über das kostspielige QM, die neue GOZ oder immer mehr Bürokratie ärgern darf, sorgt in Spanien eine brutale Finanzkrise für leere Wartezimmer. Angestellte Zahnärzte werden schonungslos entlassen und sind froh, wenn sie als „Helferin“ einen Job finden. Alternativ kann bei einer der Zahnarztketten wie z.B. Vitaldent, Unidental… für laue 5-8€/h angeheuert werden. Diese Ketten verhalten sich wie Heuschrecken und verbreiten sich übers komplette Land. Ist ein Gebiet abgegrast wird eingepackt und weitergezogen. Einzig der Aufwand und die Qualität des „product placements“ sind erstklassig und extrem hochwertig. Wirklich bemerkenswert, was da an gelungener Reklame in den Medien rausgehauen wird. Ansonsten ist die dort betriebene Zahnmedizin weder modern noch in vielen Fällen hygienisch. Dafür auf den ersten Blick billig. Auch sprießen immer mehr Versicherungen mit eigenen Praxen auf den Markt. Nicht sehr erfreulich für meine Kollegen, die der Reihe nach ihre Zusammenarbeit mit den Versicherungen aufgekündigt bekommen.

Andere Länder, andere Probleme.
In diesem Fall sind jedoch aus meiner Sicht die Lösungen identisch: Nur mit hochwertiger Zahnmedizin und großem Engagement kann diesem Strudel entkommen werden. Ansonsten sollte man sich den ganzen Aufwand und die vielen Arbeit einfach nicht geben. Im Media Markt ist man wenigsten gegen die drohende Arbeitslosigkeit versichert und kann sich auch mal bei einer Grippe schön umsorgen lassen. Niemand stört einen am WE, die Urlaube sind gesichert und es gibt geregelte Arbeitszeiten…

Meine Strategie ist relativ simpel.
Ich will besser als der Großteil der Zahnmediziner in Madrid sein.
Mich abheben von der breiten Masse Zahnarztpraxis. High-End-Dentistry und moderne Zahnmedizin zu einem angemessenen und fairen Preis.
Den deutschen Qualitätskriterien im Bereich der Hygiene und des Behandlungsmanagements unterwerfe ich mich freiwillig. Nach dem Motto: „form follows function“. Nur so kann ich mich abheben. Und nur so macht auch mir Zahnmedizin wieder Spaß. Kaum vorstellbar wie ich früher im Schnitt 18(+) Patienten pro Tag anständig versorgen konnte.

Täglich findet hier mein CEREC AC, der Laser, meine Lupenbrille und besonders mein wiederbelebter und geliebter Kofferdam Anwendung. Nicht immer schneller und mehr Patienten durchschleusen. Klasse statt Masse. Den Patienten wieder in den Mittelpunkt stellen. Sicherlich: ich wurde hier auch dazu gezwungen, da ich mich nicht auf Kassenpatienten mit der Motivation auf Zuzahlung ausruhen kann. Keiner kommt mal vorbei, nur um zu schauen wie der Deutsche so ist. Mein Patientenstamm wächst langsam, aber er wächst und 80% der Neupatienten kommen einzig durch ausgesprochene Empfehlungen. Meine Rechnung scheint aufzugehen, auch wenn ich hier locker eine 70-80 Stunden Woche habe und wenig vom milden Klima mitbekomme. Nach nur 2 Jahren bin ich hier in Madrid bekannter als ich es hätte jemals in meiner alten Wirkungsstätte hätte werden können. Referent für das CEREC System und Betatester für neue Soft- und Hardware für verschieden namenhafte Hersteller. Nur durch eine Standard- Zahnmedizin, die sich mit Zahnextraktionen und Zementfüllungen über Wasser hält, hätte ich hier keine Chance. Dieser Markt ist gesättigt. Spanien ist aktuell nicht wirklich ein guter Ort für Zahnmediziner. Speziell da zusätzlich zur Immobilien- und Bankenkrise südamerikanische Zahnärzte den Markt überfluten. Die Mentalität und Lebensweise ist eine komplett andere und darf auf keine Fall mit der deutschen Lebensweise verglichen werden. Es ist schwierig zu erklären, aber bereits zu Beginn meines Abenteuers hatte mir eine netter Kollege es versucht so zu erklären: Leben kann man in Spanien besser, aber zum Arbeiten (was die Professionalität und Qualität angeht), wäre man doch lieber in Deutschland geblieben.

Zumindest Eines habe ich aber bereits in Deutschland gelernt: Die Standortfrage wird maximal überbewertet und „wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ [Philip Rosenthal] Auch ich bin gespannt, was mir die nächsten Jahre bringen werden und ich bin gespannt was es in weiteren 2 Jahren zu berichten gibt.

Ordentliches „Loch“ – Teil I

von Bonald Decker

Beim ersten Blick auf das nachfolgende Röntgenbild stelle sich mir sofort die Frage, warum das WF-Material nur bis in das mittlere Wurzeldrittel reicht…

gilt ein Oberkiefer-Frontzahn doch langläufig als endodontisch (vermeintlich) einfach zu behandelnder Zahn…

auf des „Rätsels Lösung“ kam ich erst, nachdem wir das bestehende WF-Material entfernt hatten…bei der damals (vor ca. 9 Jahren) durchgeführten Trepanation des Zahnes wurde das tatsächliche Wurzelkanalsystem „verpasst“ und bei der „Kanalsuche“ ein tiefreichender iatrogener „Schacht“ präpariert. Da dieser quasi parallel zu dem eigentlichen Kanalverlauf  angelegt wurde, stellte sich das 2D-Röntgenbild für mich trügerisch dar…

Hier noch ein paar weitere Informationen zu dem Fall sowie der bisher durchgeführten & geplanten Behandlung….

Anamnese:

Z.n. „Wurzelkanalbehandlung vor ca. 9 Jahren; damalige Diagnose nicht mehr nachvollziehbar; bis vor ca. 7 Tagen schmerzfrei; dann Schmerzen und submuköse Schwellung; Notfallbehandlung und Medikation (Antibiotika-Gabe) durch überweisenden Kollegen;

Röntgendiagnostik: insuffiziente Wurzelkanalfüllung; apikale Aufhellung

Befund (fokussiert auch Zahn 21):

Taschen-Sondierungstiefen: normal

Lockerungsgrad II

geringfügige vestibuläre Schwellung

Perkussion positiv

Unsere Therapie: Anästhesie, Trepanation, Revision, Darstellung des Kanalsystems, endometrische Längenmessung (unproblematisch, da Perforation weiter apikal lag), Präparation bis apikalen Durchmesser von 60.04; med. Einlage Ca(OH)2,Perforationsdeckung mit MTA Angelus, prov. Verschluss (Cavit & Ketac Molar)

Weiteres Procedere: Kontrolle des MTA auf Aushärtung; WF des Kanalsystems mit Guttapercha & Sealer, Verschluss der Zugangskavität mit Komposit; Nachkontrolle in 6 Monaten

Vorläufige Prognose: Gut; die Perforation liegt sehr weit apikal, was sich als günstig erweisen sollte

Teil II der Behandlung dann demnächst hier bei Wurzelspitze…

P.S: Dokumentation: Zeiss Pro Ergo mit Canon Legria am JS Adapter

Warme Guttapercha …

von Ronald Wecker

… scheint für Zähne mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum ein wenig optimales Füllmaterial zu sein.

Erstvorstellung des 9-jährigen Patienten ca. 5 Monate nach komplizierter Kronenfraktur und Sofortversorgung mit Vitalexstirpation, Wurzelfüllung in Warmfülltechnik und Kompositaufbau in einer auf Kinderbehandlung spezialisierten Praxis.

3 Wochen nach der Wurzelfüllung trat erstmals eine labial gelegene Fistelung auf. Eine daraufhin verordnete systemische Antibiose führte zu einer geringen Verbesserung der klinischen Beschwerden. Die Fistel persistierte. Als Behandlungsoption wurde den Eltern die Resektion der Wurzel von Zahn 21 empfohlen.

Das vorhandene Wurzelfüllmaterial war großvolumig in Sealer eingebettet. Aufgrund einem raschen Abklingen der Anästhesiewirkung gelang es in der ersten Sitzung nicht das Obturationsmaterial vollständig aus dem Kanal zu entfernen. Ein Passieren der Guttapercha war jedoch möglich.

Dennoch war die Fistelung zu Beginn der zweiten Behandlungssitzung abgeheilt.

Nach vielen Versuchen gelang es in dieser Sitzung den Großteil des stark mit dem periapikalen Gewebe verbackenen Wurzelfüllmaterials zu entfernen. Kleine Reste konnten nicht visualisiert und auch nicht „blind“ geangelt werden.

Trotz dem Anlegen eines periapikalen Widerlagers aus Kollagen konnte eine geringe Extrusion des MTA nicht verhindert werden. Nach der Obturation wurde die Zugangskavität nach Insertion eines Quarzfaserstiftes adhäsiv verschlossen.

Die radiologischen Recalls werden zeigen ob der anfängliche Behandlungserfolg von langfristiger Dauer ist.

Anatomie unterer Molaren (6) – Radix entomolaris – reloaded –

von Bonald Decker

Vor längerer Zeit habe ich in diesem Beitrag über Vorkommen und Behandlung zusätzlicher distaler Wurzeln unterer Molaren berichtet.

Vor Kurzem war es mal wieder so weit und wir „durften“ eine solche „Laune der Natur“ erneut endodontisch versorgen…

Die vorhandene Anatomie zeigte sich für uns jedoch erst klinisch und somit etwas unerwartet, da sich die zusätzliche Radix auf den mitgelieferten Röntgenaufnahmen des Hauszahnarztes (für uns) vorab nicht zweifelsfrei erkennen lies.

Hier „zur Gegenüberstellung“ unsere postoperative Aufnahme:

Nachfolgend noch die Eckdaten unserer Behandlung:

Diagnose:

Pulpal: Nekrose

Periapikal: normal

Therapie:

chemo-mechanische Desinfektion in zwei Terminen, Med. Einlage: Ca(OH)2, Mesial: Konfluation der Kanalsysteme; Apikale Präparation: mesial: 35.04; distal: 35.06;

WF: warm-vertikale Obturation von Guttapercha&Sealer (AHplus)

Prognose (prä/post-operativ):

sehr gut

Wer zu diesem Thema übrigens noch mehr Informationen einholen möchte, empfehle ich u.a. diesen Artikel

P.S.: Mal schauen, wie gut Zahn 36 die parapulpären Stifte auf Dauer toleriert.

P.P.S: Und weil`s so gut passt: Ich „liebe“ unseren Kodak 6100, den wir ganz neu haben. Im Vergleich zu der mir bekannten „Abbildungsgenauigkeit“ von Sidexis, Gendex und Dürr ein Traum… auf jeden Fall für mich. Mal schauen, was die Langlebigkeit angeht…

;-)

Luftmangel


von Jörg Schröder

Montage scheinen für Überraschungen der besonderen Art prädestiniert zu sein.

Defekte Anrufbeantworter, unwillige Kopierer, undichte Gipsabscheider nutzen offenbar das Wochenende um pünktlich zum Wochenbeginn Ihren Dienst einzustellen.

Im Behandlungszimmer 3 war der Behandlungsstuhl nicht in Gang zu bringen. Kein Strom, kein Wasser, keine Druckluft. Relativ ungünstig an einem komplett einbestellten Behandlungstag. Zumal sich in den weiteren Behandlungszimmern der gleiche Fehler zeigte. An eine Patientenbehandlung war nicht zu denken.

Da unsere Einheiten druckluftbetrieben sind, lag der Gedanke nah, dass ein schadhafter Komressor die Ursache sein könnte. Also auf in den Keller und nach unserem Dürr Duo Tandem geschaut. Eines der beiden Manometer stand auf 0 das andere bei 6 bar.  Es schien kein Teil zu fehlen. Dennoch war auf der in die Behandlungszimmer führenden Leitung kein Druck. Das Rätsel konnte per Telefondiagnose unseres Depot-Technikers gelöst werden.

Der nunmehr 19 Jahre seinen Dienst verrichtende Kompressor war damals mit einem zusätzlichen Druckregler ausgeliefert worden, da zu dieser Zeit die wenigsten druckluftbetriebenen Endgeräte über eigene Druckminderer verfügten.

Offenbar hatte nach der langen Einsatzzeit die Kunststoff-Fassung des Druckminderers ihre Weichmacher verloren und den Einstellknopf mit 6 bar in Richtung Kellerdecke geschossen. Die Bruchfläche war so glatt, daß das Fehlen des Regelknopfes zunächst nicht auffiel.

Der innerhalb einer halben Stunde nach Anruf erschienene Techniker musste lediglich das defekte Teil entfernen und den Druckmindererkreislauf überbrücken. Nicht auszudenken, wenn sich das Teil während einer Wartung im Beisein von Personen verabschiedet hätte.

Den Duo Tandem würde ich mir jederzeit wieder kaufen. 19 Jahre hat er seine Arbeit mit minimaler Wartung verrichtet und wird dies nach Aussage des Technikers auch noch eine Weile tun. Das nenne ich Robustheit.

2D vs. 3D (X)

von Ronald Wecker

Nachfolgender Patient stellte sich 15 Jahre nach einer traumatischen Zahnverletzung an 21 in unserer Praxis vor. Der Zahn wurde damals 10 – 14 Tage nach dem Trauma in einer Sitzung sowohl von ortho- als auch von retrograd endodontisch behandelt. Seitdem war der Zahn beschwerdefrei.

Klinisch ist der Zahn vollkommen unauffällig. Der Klopfschall ist normal, ebenso Beweglichkeit als auch Sondierungstiefen. Es fehlen Perkussionsempfindlichkeit,  palpatorische Druckdolenz, Fistelung als auch Schwellung. Es fällt lediglich eine geringfügige Diskoloration der klinischen Krone auf.

Das vor kurzem alio loco angefertigte digitale Einzelbild zeigt folgenden Befund:

Auf einer, allerdings nur analog zur Verfügung stehenden, Röntgenaufnahme aus dem Jahr 2003 zeigt sich die Wurzelfüllung von koronal nach apikal vollkommen durchgängig.

Take Our Poll

Nachfolgend 2 Ausschnitte aus dem angefertigten DVT.

Die erste Abbildung zeigt einen Sagittal- und einen Frontalschnitt durch die Mitte der Wurzelfüllung. Horizontal liegt die Schnittebene etwas oberhalb der apikal vorhandenen Obturationsmasse.

In der zweiten Abbildung befindet der Sagitall-Schnitt distal und der Frontal-Schnitt distal der Wurzelfüllung. Der Horizontal-Schnitt liegt unverändert.

Take Our Poll

Ein Strauss voller Feilen

von Bonald Decker

Kategorien, in die Beiträge von Wurzelspitze eingeteilt werden gibt es mittlerweile eine ganze Reihe.

Nachfolgend ein Röntgenbild, dass „gut“ in eine Neue „passen“ würde.

In Anlehnung an bestehende Unterteilungen nenne ich diese „Endo-Missgeschick du jour“

und es bewahrheitet sich wieder einmal… es gibt nichts, was es nicht gibt…

Silberbiest


von Ronald Wecker

Die präoperativen Röntgenbilder zeigten deutlich das für einen Silberstift typische Bild.

Während im koronalen Wurzeldrittel und auch apikal deutlich Befestigungszementreste zu erkennen sind scheint der Stift das mittlere Kanaldrittel vollständig auszufüllen. Einige Jahre nach der zweiten Wurzespitzeresektion hatte der Zahn vor einigen Monaten eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit entwickelt. Klinisch zeigte sich zudem im Vestibulum eine palpatorische Druckdolenz.
Nach Entfernung der Metallkeramikrone erwies sich die vorhandene Zementaufbaufüllung als „etwas“ undicht. Nach Grobpräparation konnte nach Aufkleben eines bukkal gelegenen „Komposit-Bauches“ Kofferdam appliziert werden. Mittels Ultraschallansätzen wurde der koronale Teil des Silberstiftes vorsichtig aus dem Befestigungszement „herausgeschält“.
Unglücklicherweise war der im Vergleich zum Kanallumen deutlich schmalere Stift schräg zur Zahnachse einzementiert worden. Während die Zementfuge im koronalen Drittel nach labial eine dickere Schichtstärke aufwies verjüngte sich diese weiter apikal um im mittleren Drittel labial nicht mehr vorhanden zu sein. Der Stift lag direkt der Kanalwand an.
Zu diesem Zeitpunkt musste die ursprüngliche Planung, den Stift lateral zu passieren und ihn anschliessend mittels einer eingeklebten Hohlkanüle in toto zu entfernen, aufgegeben werden. Der koronale Stiftanteil wurde bis zur nun palatinal gelegenen Zementfuge gekürzt. Anschliessend konnte der Befestigungszement bis ins apikale Wurzeldrittel entfernt werden, ohne den Silberstift dabei zu zerspanen. Ein Ausbohren hätte mit Sicherheit zu einer unerwünschten Verteilung von Silberpartikeln in den Periapikalbereich geführt.
Nach etwas mehr als 60 Minuten war es dann soweit. Der Stift hatte ein Einsehen und kam im Ganzen heraus. Deutlich zu ist die vom Chirurgen gewählte schräge Resektionsrichtung zu erkennen.
Nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Spülung erfolgte eine medikamentöse Einlage sowie der temporäre adhäsive Aufbau unter Verwendung eines DT Illusion Quarzfaserstiftes und die Versorgung mit einem laborgefertigten Langzeitprovisorium.
In der nächsten Sitzung konnte auf das Belegen des Zahnes mit einer Kofferdamklammer verzichtet werden. Der Kofferdam wurde mittels Flow-Komposit am Zahn befestigt. Eine Klammer auf dem nächstgelegenen Prämolaren sorgte für den Halt.
Vor Obturation wurde aufgrund des sehr großen knöchernen Defektes ein periapikales Widerlager aus Kollagen angelegt. Der Wurzelfüllung mit MTA schloss sich der dentinadhäsive Aufbau und das Rezementieren des Langzeitprovisoriums an.
Warum kein DVT?
Das präoperative Röntgenbild ließ eine Silberstift“versorgung“ vermuten. Im Gegensatz zu Objekten aus Titan verursachen stark röntgenopake Materialien wie Silber unerwünschte Aufhärtungsartefakte die eine Beurteilung der für die Entfernungsstraegie wichtigen Details (hier Lage der Zementfuge) in der Regel unmöglich machen.

Endstation WSR?

von Ronald Wecker

Der nachfolgend vorgestellte Behandlungsfall stellt mittlerweile keine Besonderheit mehr dar, sondern steht exemplarisch für eine zunehmend größer werdende Zahl von oberen Schneidezähnen die nach, manchmal zweimaliger, Wurzelspitzenresektion weiterhin klinische Symptome sowie radiologische Befunde zeigen.

Fragt man im Kollegenkreis so wird die endodontische Behandlung oberer Frontzähne in der Regel für eher einfach gehalten. Warum dann die zumindest in meinen Augen auffällige Häufung solcher Befunde?

Oftmals finden sich in der Weite unvollständig gefüllte Kanalsysteme in Kombination mit koronalem Leakage. In der Mehrzahl der Fälle zeigen die retrograden Verschlüsse deutliche Undichtigkeiten. Mit den zur Verfügung stehenden Techniken sind solche Zähne, die früher als hoffnungslos betrachtet wurden, relativ vorhersagbar behandeln.

1 / 6

 

Neue Visionen – Neue Möglichkeiten

von Christoph Kaaden

Endlich ist er „da“…

der Endodontie Kalender 2012 

Mit neuen Visionen & Möglichkeiten möchte Michael Arnold zusammen mit zahlreichen Autoren über neue Möglichkeiten in der Endodontologie auf der Basis aktueller Forschung informieren.

Dies gelingt nicht nur aufgrund der optisch ansprechenden zwölf Kalenderseiten, sondern insbesondere durch spannende und sehr versiert gelöste Behandlungsfälle eindrucksvoll.

Online zu bestellen gibt es den Kalender hier.

Fallgrube

von Ronald Wecker

Eigentlich schien es eine sehr vorhersagbare Revisionsbehandlung zu werden:


Die beiden mesialen Kanalsysteme waren bereits im präoperativen Röntgenbild zu identifizieren. Von den mindestens zu erwartenden drei Kanalsystemen waren nur zwei obturiert worden, sofern man die mesiale Wurzelfüllung als Obturation bezeichnen mag.

Das periapikal der distalen Wurzel befindliche Obturationsmaterial erachtete ich als nicht entfernbar und mesial schien es ein Selbstläufer zu sein. Denkste.

Zunächst einmal wurde ein erheblicher Teil des Pulpakammerdaches mit darunter befindlichen Geweberesten entfernt. Die trocken eingesetzten Munce-Rosenbohrer hinterliessen mesial gleich zwei potentielle Kanaleingänge, sodass es zwischenzeitlich nach drei mesialen Kanalsystemen aussah.

Die nach vorsichtiger Entfernung des mesial vorhandenen Wurzelfüllmaterials eingebrachte Handfeile ISO 008 gab eine, nach dem präoperativen Röntgenbild unerwartete harte taktile Rückmeldung. Auch nach mehrfachen Vorbiegen in alle in Frage kommenden Richtungen war mesiobukkal kein weiterer Kanalverlauf zu ertasten.

Also zunächst das bis dahin unaufbereitete mesiolinguale Kanalsystem erkundet. Dieses wies einen sehr stark nach bukkal gekrümmten Kanalverlauf auf und war im apikalen Drittel stark obliteriert. In der angefertigten ersten Messaufnahme erschien das unter endometrischer Kontrolle eingebrachte Instrument ein wenig zu lang zu sein. Nach weiterer Aufbereitung von ML zeigte sich nach einigen ultraschallunterstützen „Spüldurchgängen“ ein Austausch der Spülflüssigkeiten zwischen MB und ML. Der in den für MB gehaltenen Kanaleingang eingebrachte Microopener schien zwar in der orthograd ausgeführten zweiten Röntgenmessaufnahme einigermassen mittenzentriert zu liegen, war jedoch deutlich zu kurz.

Was nun?

Nach dem präoperativen Bild zu urteilen musste sich apikal der alten Wurzelfüllmasse ein sondierbarer Kanalabschnitt befinden. Er war auch da. Allerdings erst als solcher zu erkennen, als ich das mesiobukkale Kanalorificium mit einer Endosonore-Feile moderat in Richtung des ML erweitert hatte.

Ein stark nach lingual vorgebogener Microopener konnte ca. 1,5 bis 2 mm Millimeter in den Originalkanal eingeführt werden. Nach einiger Zeit des Bearbeitens mittels vorgebogener Handinstrumente gelang es eine gerade ProFile 15/04 rotierend in den MB einzubringen. Bei 18mm jedoch war wieder Schluss. Hier half wieder ein Sprung „zurück“ zu einer auf den vordersten 3 mm vorgebogenen ISO 008 Handfeile. Nach mehrmaligem Versuchen glitt sie reproduzierbar und endometrisch kontrolliert auf 0,0.

Des Rätsels Lösung:

Der als unvollständig gefüllte mesiobukkal gefüllte Kanalanteil war in Wahrheit eine wunderschöne Via falsa der vorherigen Behandlung.

Der eigentliche Kanal lag an der lingualen Wand versteckt und krümmte sich bereits zu Beginn deutlich nach lingual. 3 mm vor dem Foramen konfluierten MB und ML recht spitzwinkelig und endeten in einem gemeinsamen Foramen, wie das distal exzentrisch angefertigte Röntgenbild nach Obturation erkennen lässt.

Die Lehre daraus:

– Bereits präoperativ exzentrische Aufnahmen anfertigen.

– Sich merken, dass wenn bei Unterkiefer-Molaren z.B. der mesiolinguale Kanal eine starke Krümmung nach bukkal aufweist, dies dann häufig auch im mesiobukkalen Kanal, nur in umgekehrter Weise, also nach lingual gekrümmt, anzutreffen ist.

Und meine wichtigste Erkenntnis: Das Bärenfell erst verkaufen, wenn der Bär erlegt ist.

Trauma-Erstversorgung – Wunsch und Wirklichkeit

von Ronald Wecker

Zwei Fälle von dieser Woche die einen ins Nachdenken bringen und mir exemplarisch für den Zustand der Trauma-Erstversorgung in unserem Land zu stehen scheinen.

Fall1:

Zustand 7 Wochen nach Fahrradunfall und chirurgischer Versorgung in einer Universitätsklinik. Vollständige Fraktur des Unterkiefers in Regio 31 mit Avulsion des Zahnes 31, Längsfraktur des Zahnes 15 (dieser wurde am Unfalltag entfernt) sowie einer Reihe unkomplizierter Kronenfrakturen im Front- und Seitenzahnbereich beider Kiefer. Die Reposition der Fragmente erscheint nicht vollständig gelungen zu sein.

Klinisch imponiert ein knöcherner Sequester im Bereich des avulsierten Zahnes 31.

Auf Nachfrage berichtet der Patient, dass es vor einem Tag eine Nachkontrolle gegeben hatte. Seine Frage was denn mit dem Sequester geschehen müsse wurde mit einem „da muss sich Ihr Zahnarzt kümmern“ beantwortet. Da war selbst ich sprachlos.

Auf die Versorgungsnotwendigkeit der multiplen unkomplizierten Kronenfrakturen mit zum Teil erheblichen Dentinfreilegungen ist zu keiner Zeit hingewiesen worden. Eine regelmässige Sensibilitätskontrolle der teilfrakturierten Zähne erfolgte nicht.

Fall 2:

9-jährige Patientin nach komplizierter Kronenfraktur an 21 vor ca. 8 Monaten. Die Erstversorgung in einer auf Kinderbehandlung spezialisierten Praxis erfolgte noch am Unfalltag: Inhomoge Obturation mit Extrusion in den Periapikalbereich und dentinadhäsiver Aufbau.

Seit 2 Wochen zeigt sich eine bukkale Fistelung, die 9mm tief verfolgbar ist. Radiologisch imponiert eine lateral der Wurzel gelegene Aufhellung.

Die den Eltern alio loco gegebene Therapieempfehlung lautet: Wurzelspitzenresektion.

Wünschenwert wäre, wenn die Kenntnise über eine adäquate Erstversorgung nach traumatischen Zahnverletzungen und die in der Folge durchzuführenden Behandlungsmassnahmen eine größere Verbreitung erfahren würden. Der hier schon mehrfach erwähnte DentalTraumaGuide ist eine der einfachsten Möglichkeiten sich zu auf den aktuellen Wissenstand zu bringen.

Die Wirklichkeit sieht – leider- anders aus.

Sturz mit Folgen

von Ronald Wecker

Der siebenjährige Patient glitt bei einem Schwimmbadbesuch aus ca. 2 Meter Höhe von der Sprungbrettleiter ab und schlug ungebremst mit dem Kinn auf. In der Folge kam es zu einer lingual gelegenen Sagittalfraktur des Unterkieferkörpers im Bereich des Zahnes 41.

Aufgrund der anhaltenden starken Beschwerden im Bereich des Unterkiefers wurde der kleine Patient stationär aufgenommen und ein CT angefertigt.

Aus den Beschreibungen der Mutter liess sich für Zahn 41 zumindest eine Subluxation ableiten. Eine gingivale Blutung und eine Beweglichkeit des Zahnes 41 war zu beobachten.

Die chirurgische Behandlung erfolgte in einer großen deutschen MKG-Klinik. Neben einer Osteosyntheseplatte wurden Ober-und Unterkiefer nach Schienung über intermaxilläre Gummizüge ruhig gestellt.

4 Wochen nach dem Sturz stellte sich der Patient bei uns vor:

Das Erstellen eines aussagekräftigen Einzelbildes wird durch die lingual gelegene Osteosysntheseplatte erschwert. Der Apikalbereich von 41 ist aufgrund einer Überlagerung nicht eindeutig zu beurteilen. Aufgrund der noch sehr geringen Mundöffnung gestaltete sich zudem die Positionierung des digitalen Röntgensensors als äussert schwierig.

Klinisch zeigen mit Ausnahme von Zahn 41 alle Frontzähne des Ober- und des Unterkiefers eine eindeutige Kaltsensibilität.

Zahn 41 ist weder auf Kälte noch auf elektrischen Stimulus sensibel. Der Zahn ist weder perkussionsempfindlich noch beweglich. Die Sondierungstiefen liegen innerhalb physiologischer Grenzen. Der Klopfschall ist normal, der Zahn ist nicht diskoloriert.

Nach der Materialentfernung in 8 Wochen wird ein erneuter elektrischer Sensibilitätstest und gegebenenfalls ein weiteres Einzelbild Aufschluss über die zu ergreifenden therapeutischen Massnahmen geben.

Eine Entfernung des im Bruchspalt stehenden Zahnes 41 ist nicht zwingend indiziert.

Weitere Informationen gibt es hier.

Silberstiftabenteuer


von Ronald Wecker

Das präoperative Röntgenbild verhiess einen interessanten Behandlungsverlauf:

Der im periapikalen Gewebe endende Silberstift in Zahn 22 war durch einen gegossenen Stiftaufbau mit sehr gutem Randschluss am Herausfallen „gesichert“ worden.

Nach Abnehmen der Langzeitprovisorien mussten beide Zähne zunächst adhäsiv aufgebaut werden um das Anlegen des Kofferdams zu ermöglichen. Nach Reduktion des koronalen Stiftanteils konnten die gegossenen Aufbauten mit Hilfe des Thomas-Post-Puller-Systems entfernt werden.

Der im oberen Kanaldrittel gelegene Silberstiftanteil hatte durch das Präparieren und Einsetzen des gegossenen Aufbaus deutliche Deformationen erlitten, sodass ein Entfernungsversuch mittels Greifinstrument nicht in Frage kam. Zu groß die Möglichkeit den Silberstift dabei zwischen oberen und mittlerem Wurzeldrittel abzureissen.

Daher wurde das um den Stift befindliche Obturationsmaterial vorsichtig mit einer Endosonore-Feile der Größe 20 entfernt. Dabei ist darauf zu achten den Silberstift nicht zu touchieren. Durch intermittierendes Spülen konnten so drei Viertel des Silberstiftes freigelegt werden. Anschliessend wurde das apikal verbliebene Obturationsmaterial mit Handinstrumenten der Größe 008-12,5 passiert um ein Verklemmen des Silberstiftes im Bereich des Foramens zu vermeiden.

Die Entfernung erfolgte mittels Kanülentechnik: Eine klemmungsfrei den Silberstift umschliessende, stumpfe Luer-Lock-Kanüle wurde nach Trocknung von Silberstift und Kanal mit einem dualhärtendem Komposit gefüllt und unter visueller Kontrolle bis zu der vorher durch eine Markierung gekennzeichnete Einbringtiefe auf den Silberstift geschoben.

Nach langen 3 Minuten des Wartens konnte der Silberstift nun mit einer Arterienklemme samt Kanüle aus dem Kanal entfernt werden. Das angefertigte Röntgenbild zeigt sowohl die vollständige Entfernung des Silberstiftes als auch den mit Obturationsmaterial gefüllten, sehr weiten Kanalhohlraum an Zahn 22.

Nach chemomechanischer Aufbereitung beider Zähne stellte sich nun die Frage der temporären Versorgung.

Um einen erneuten Zugang zu den Kanalsystemen zu erleichtern kamen DT Illusion Stifte von VDW zum Einsatz. Thermisch reaktive Farbpigmente machen die Stifte nach Abkühlung durch Luft oder Wasserspray sichtbar. Bei Körpertemperatur haben die Stifte ein normales, milchglasähnliches Erscheinungsbild.

Nachdem das Kalziumhydroxid mit einem kleinem Schaumstoffpellet abgedeckt worden war wurde eine kleine Schicht Cavit in den Kanal eingebracht. Anschliessend wurde die Zahnhartsubstanz konditioniert und beide Zähne nach Einbringen eines passenden DT Illusion Stiftes dentinadhäsiv aufgebaut. Nach Grobpräparation erfolgte das Adaptieren und Zementieren der vorhandenen Langzeitprovisorien.

In der zweiten Behandlungssitzung konnte, da beide Zähne adhäsive Aufbauten trugen, auf den Einsatz von Butterfly-Klammern zur Befestigung des Kofferdams verzichtet werden.

Die Fixierung des Kofferdams an den präparierten Zähnen erfolgte durch Anfertigung einer individuellen „Klammer“ aus einem fliessfähigen Komposit. Nach erneutem Anlegen der Zugangskavitäten wurden beide Kanalsysteme nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Irrigation obturiert. Aufgrund des großen Foramendurchmessers und dem Fehlen einer Konstriktion kam an Zahn 22 MTA zum Einsatz. Die Zugangskavität wurde nach Insertion eines Quarzfaserstiftes dentinadhäsiv verschlossen.

Wenngleich das Entfernen von Faserstiften unter dem Mikroskop recht unproblematisch durchzuführen ist, erleichtert der Einsatz der DT Illusion Stifte diesen Behandlungschritt nochmals deutlich.

Traurig … (2)

von Jörg Schröder

Es scheint die Woche der Trauma-Fälle zu sein.

Vor einer Woche hatte ich an dieser Stelle die Röntgenbilder einer jungen Patientin 3 Jahre nach horizontaler Wurzelfraktur der beiden zentralen Inzisiven eingestellt.

Heute wieder ein Fall, der zeigt, welche dramatische Folgen eine nicht adäquate Initialtherapie in Kombination mit einem nicht erfolgten Follow-Up haben kann.

1998 kam es bei der damals 9-jährigen Patientin in Folge eines Sportunfalls zu einer Luxationsverletzung der Zähne 12-22. Die Zähne 11 und 22 zeigten zudem unkomplizierte Kronenfrakturen. Nach Entfernung der posttraumatisch durchgeführten Schienung erfolgten keine weiteren klinischen Kontrollen.

Im Jahr 2002 kam es an den Zähnen 12 und 22 zu Fistelungen und Schwellungen im Vestibulum. Die Therapie bestand in einer intraoperativ durchgeführten orthograden Wurzelfüllung mit anschliesender Resktion der Wurzelspitzen beider Zähne. Im Röntgenbefund der Universitätsklinik werden die Resorptionserscheinungen an den Zähnen 11 und 21 erwähnt. Eine Therapieempfehlung blieb aus.

Die nunmehr 23-jährige Patientin stellte diese Woche sich mit folgendem Röntgenbefund vor.

Die Zähne 21 und 11 zeigen klinisch ausgedehnte subgingival gelegene externe Resorptionen. Zahn 22 weist mesial eine 5 mm tiefe Rezession und eine Sondierungstiefe von weiteren 5 mm auf. Zahn 12 ist alio loco trepaniert und nach Entfernung der bestehenden Wurzelfüllung mit einer medikamentösen Einlage versehen worden.

Zahn 21 ist nicht erhaltungsfähig, 11 aufgrund der ebenfalls weit vorangeschrittenen palatinalen Wurzelresorption mehr als fraglich, Zahn 22 ist ästhetisch mehr als suboptimal. Nur 12 scheint einigermassen vorhersagbar therapierbar zu sein.

Traurig.

Das alio loco angefertigte DVT lässt den Erhalt der Zähne 11-22 als nicht sehr wahrscheinlich erscheinen.


Tiefe Teilung

von Bonald Decker

Zähne mit aussergewöhnlicher Anatomie haben wir im Laufe der Jahre sicherlich schon einige behandelt… dazu zählen auch einige Oberkiefer-Prämolaren mit drei Wurzeln…

 Aber jeder Zahn ist bekanntlich anders und man lernt mit jeder Behandlung hinzu. Wie in dem nachfolgenden Fall, der mich aufgrund der (für mich zunächst) verborgenen Anatomie „überraschte“…

Ich hatte vorab schon die Vermutung, dass es sich bei diesem Thermafil-Revisionsfall um einen Mini-Molaren handeln könnte.

Meine erste „Verwunderung“ ergab sich, nachdem wir den Pulpakammerboden von diversen Füllungsmaterialien befreit hatten. Entgegen meiner Erwartungen lieferte die „anatomische Landkarte“ des Bodens zunächst keinen wirklichen Anhalt für das Vorhandensein zweier bukkaler Kanalsysteme.

Bei der weiteren Interpretation der klinischen Situation haben uns dann jedoch kleine Details weitergeholfen; ziemlich unscheinbare Details, um genau zu sein. Solche, die man ohne weiteres übersehen kann… schliesslich kann das Auge nur das sehen, was das Gehirn auch weiss… in unserem Fall war es ein kleiner Guttapercharest an der lateralen Kanalwand, der den weiteren Verlauf des disto-bukkalen Kanalsystems maskierte. Nachdem diese „Hürde“ genommen war, stellte die weitere Therapie kein unüberwindbares Problem mehr dar…

Eine solch tiefe (und unscheinbare) Teilung zweier bukkaler Kanalsysteme eines OK-Mini-Molaren hatten wir auf jeden Fall bis dato noch nicht behandelt…

PS: In diesem Zusammenhang passt es ferner gut, dass Dr. Antonis Chaniotis hier einen weiteren Beitrag zu dieser Thematik veröffentlicht hat…

The Dentist Of Jaipur

von Hans – Willi Herrmann

Für Alle, die am Montagmorgen in eine Wochenbeginn-Depression zu fallen drohen,  ein Kurzfilm von Falk Peplinski.

Spätestens nach 4 Minuten sollte jeder von uns, sowohl Patient als auch im Gesundheitssystem aktiv Mitwirkender, mit großer  Demut zur Arbeit gehen, angesichts des Umstandes, auf dem richtigen Breiten – und Längengrad geboren worden zu sein.

 

Kollateralschaden

von Ronald Wecker

Im Anschluss an die Implantatinsertion in regio 24 klagte der Patient über eine langsam zunehmende Druckdolenz im Apikalbereich von Zahn 23.

Klinisch wies der Zahn eine kleine Kompositfüllung mit distopalatinaler Ausdehnung auf. Allerdings gab es keine Reaktion auf thermischen oder elektrischen Reiz. Das präoperative Röntgenbild konnte, da nicht exzentrisch projeziert, einen Kontakt zwischen Implantat und Wurzeloberfläche nicht sicher ausschliessen.

Klinisch zeigte sich nach Anlegen der Zugangskavität und Eröffnung des Pulpakavums zunächst eindeutig vitales Gewebe. War die Pulpa nur nicht sensibel, jedoch noch vital gewesen? Ein Kontakt zwischen Füllungsmaterial und Pulpa konnte ebenfalls nicht bestätigt werden.

Bereits 2mm weiter apikal dann unzweifelhaft nekrotisches Gewebe. Und noch weiter apikal: Nichts. Ein leerer Wurzelkanal. Aus welchem Grund konnte die Nekrose von apikal nach koronal vorangeschritten sein?

Die Längenmessung und der Papierspitzentest bestätigten die ermittelte Arbeitslänge, wenngleich dies radiologisch sowohl bei der Mess- als auch bei der Masterpointaufnahme als „zu kurz“ erscheinen mag. Während der abschliessenden endometrischen Einprobe des zuletzt eingesetzten NiTi-Instrumentes ein erster Hinweis auf die möglcihe Ursache: Die Endometrie zeigt deutlich vor Erreichen der Arbeitslänge 0,0 an. Erst ausgiebiges Trocknen mit sterilen Papierspitzen konnte diese Phänomen beseitigen.

Das Röntgenbild nach Backfill brachte es dann zu Tage: Ein im mittleren Wurzeldrittel vorhandener Seitenkanal war ausgefüllt worden. Offensichtlich hatte die Verletzung dieses hauchfeinen zuführenden Blutgefässes während der Implantatinsertion zur endodontischen Problematik an Zahn 23 geführt.

Kanonenrohre (I)

von Bonald Decker

Meinen ganz persönlichen „Glauben“ daran, was durch endodontische Behandlungen im Sinne der Zahnerhaltung auch scheinbar hoffnungsloser Zähne möglich ist, habe ich vor einigen Jahren u.a. bei diesem „Ofenrohr-Fall„gefunden“. Das war vor circa sechs Jahren.

Aber allen endodontischen Bemühungen sind natürlich auch Grenzen gesetzt… selbst wenn man es noch so sehr „versucht“…

Nachfolgend möchte ich den ersten Teil einer Revisionsbehandlung vorstellen, die aktuell von uns durchgeführt wird. Dieser Fall trägt intern den Arbeitstitel „Kanonenrohre“ (wahlweise auch „E.T.“-Fall). Insbesondere beim Blick der klinischen Bilder werden Sie wissen, warum… ;-)

Ich bin auf Ihre Kommentare und Anmerkungen in diesem Fall _sehr_ gespannt. Macht ein Revision in Ihren Augen Sinn? Würden Sie es „versuchen“? Was würden Sie machen, wenn es Ihre Zähne wären?

Tatsächlich habe ich bis dato ein mässig gutes Gefühl bei dieser Therapie und sehe die Prognose dieser Zähne langfristig als suboptimal an…

aber in diesem Fall gibt es eine zusätzliche Hintergrundgeschichte.

Diese beiden Zähne „gehören“ nämlich zu einem Patienten, der selber Zahnarzt  (genauer gesagt Prothetiker) ist. Und trotz moderner Implantat-Techniken hat er den innigen Wunsch der Zahnerhaltung mit allen Mitteln…

kurz zur Anamnese dieses Falles:

  • Z.n. Frontzahntrauma im Alter von circa 9 Jahren
  • multiple endodontische „Therapieansätze“ im Laufe der letzten Jahre
  • rezidivierende submuköse Schwellungen Regio 11 & 21
  • z.N. Wurzelspitzenresektion an Zahn 21
  • z.N. mehrmaliger prothetischer Neuversorgung der Zähne 11 & 21

Aktuell fiel klinisch insbesondere eine vestibuläre Fistel  Regio 21 bei normaler Taschensondierungstiefe auf. Radiologisch zeigten beide Zähne eine chronische apikale Parodontitis.

Nach eingehender Beratung und Abwägung der Vor- und Nachteile einer Revision folgten wir dem Wunsch des Patienten nach einem Erhaltungsversuch.

Während die Schrauben aus den Zähnen mühelos entfernt werden konnten stellte sich die weitere Therapie, insbesondere des Zahnes 21, als komplizierter dar…

 mehr dazu im zweiten Teil…

Indikation verpasst?

von Ronald Wecker

Was den ehemaligen Behandler vor vielen Jahren bewogen hat den Zahn 36 sofort chirurgisch zu behandeln wird nicht mehr zu ergründen sein. Die distal schlecht passende Inlayrestauration war im Laufe der Zeit durch eine distobukkal gelegene insuffiziente Komposit-Füllung „ergänzt“ worden.

Da der Zahn im Rahmen einer Erstuntersuchung keine Reaktion auf Sensibilitätstests (Kälte & elektrisch) zeigte, wurde ein Einzelbild erstellt.

Neben von orthograd unangetasteten Kanalsystemen fielen in beiden Wurzeln retrograde Wurzelfüllungen auf. Das der Zahn keine klinischen Symptome zeigt, noch nicht einmal geringfügig gelockert ist und die apikalen Lysen im 2D-Bild als eher moderat zu bezeichnen sind erscheint angesichts des seit mindestens 15 Jahren bestehenden Situation geradezu erstaunlich.

Der Patient ist 82 Jahre alt und wird dauerhaft mit Antikoagulantien therapiert. (INR 2,6)

Die Sondierungstiefen sind unauffällig, die Gingiva selbst im Bereich der subgingivalen Füllung nicht entzündlich verändert. Es gibt weder Fistelung, noch Schwellung, noch palpatorische Druckdolenz noch zeigt sich der Zahn beweglich.

Welche Therapieempfehlungen würde der geneigte Wurzelspitzenleser geben?

Take Our Poll

Pro Design S




von Jörg Schröder

Vor einer Woche hatte ich an dieser Stelle von meinen ersten Erfahrungen mit einem neuen Feilensystem berichtet.

Das“Pro Design S“- System, entwickelt von Dr. Henrique Bassi, besteht aus 4 Feilen mit folgenden Abmessungen: 30/10, 25/08 25/01 und 20/06. Die Schneidengeometrien und Querschnitte variieren zwischen den verschiedenen Instrumenten. Bei stark obliterierten Kanalsystemen kommt zur Erlangung der Patency eine 15/05 in reziproker Arbeitsweise zum Einsatz.

Der dazugehörige Motor kann sowohl in rotierender als auch in reziproker Weise betrieben werden. Bei der vollrotierenden Arbeitsweise wird kontinuierlich der Verschleiss/die Belastung der verwendeten Feilen ermittelt und in „% Lebensdauer“ angezeigt.

Leider konnte ich keine Muster der Feilen mitnehmen. Allerdings konnte ich Kanalsysteme extrahierter Zähne aufbereiten. Einen Zahn, einen oberen Molaren mit einer starken Krümmung im apikalen Drittel des MB1, habe ich nach der Aufbereitung als Souvenir mitgebracht und in der Praxis röntgenologisch betrachtet.

Die zur Messaufnahme eingebrachte ProTaper F1 (20/07) zeigte sich dabei äusserst störrisch und wies nach dem Einsatz deutliche Aufdrehungen des Arbeitsendes auf.

Die Aufbereitung dieses Kanalsystems mit den Pro Design S Feilen gestaltete sich unkompliziert, und dass trotz unzureichender Zugangskavität.
Dabei war das taktile Empfinden ähnlich dem beim Einsatz einer ProFile 15/04 oder 15/06 beim pickenden Erschliessen obliterierter Kanäle.

Ich denke, dass wir von diesem System noch hören werden.




Der Nabel der Welt …


von Jörg Schröder

… scheint zumindest im endodontischen Bereich wie selbstverständlich in Nordamerika und Mitteleuropa angesiedelt zu sein.

Hervorragend ausgebildetete Endodontologen mit ausgezeichnetem Fachwissen, die zudem über das modernste technische Equipment verfügen, gibt es sehr wohl  aber auch in Ländern, in denen die ökonomische Lage des Großteils der Bevölkerung dies nicht unbedingt vermuten lassen würde.

Dies wurde mir anlässlich eines Vortrages auf einem brasilianischen Endodontiekongress einmal mehr klar. Bereits zum 11. Mal hatte Henrique Bassi, ein Kollege, der neben der Tätigkeit als Hochschullehrer auch noch 3 Tage in der Woche praktisch tätig ist, zum „Encontro de Endodontia da Easy“ nach Itaparica im Bundesstaat Bahia geladen.

Im Rahmen eines Workshops hatte ich die Gelegenheit, das auf diesem Kongress erstmals vorgestellte Feilensystem „Pro Design S“ an extrahierten Zähnen auszuprobieren.

Kernstück des Systems ist die Weiterentwicklung eines seit 10 Jahren existierenden drehmomentkontrollierten Motors. Dieser erlaubt die Einstellung sehr geringer Torquewerte (bis unter 0,25 Ncm). Die Torqueeinstellung wird dabei auf den Bereich der Feile abgestimmt, der tatsächlich im Kanal arbeitet, sofern man der von BASSI empfohlenen Behandlungssystematik folgt.

Darüber hinaus erfasst der Motor den Verschleiss bzw. die Beanspruchung jeder eingesetzten Feile und gibt sie kontinuierlich in „% Lebensdauer“ wieder.

Die neu entwickelten Orifice-Shaper haben die Dimensionen 30/10 und 25/08. Die Feilengeometrien sind „Doppelhelix“ für 30/10 und „Triplehelix“ für 25/08.

Überraschend schmal kommt die nächste Feile daher: 25/01 und aufgrund ihres schlanken Aussehens mit dem Namen „Giselle“ bedacht (Giselle Bündchen, brasilianisches Supermodel).

Erstaunlich in wie vielen Kanälen damit Patency erreicht werde konnte. Wenn „Giselle“ nicht erfolgreich ist, wird mit wenigen Tasten der Motor auf reziproke Arbeitsweise umgestellt. Die dann eingesetzte 15/05 kam in allen Fällen (17 von 17 Kanälen) ohne Begradigung bis zum Foramen.

Obwohl es in Brasilien 15.000 Kollegen gibt, die überwiegend endodontisch tätig sind, hatten die meisten ein geradezu familiäres Verhältniss zueinander. In Deutschland auf großen Kongressen auch schwer vorstellbar, das der Vortragende ohne Anzug und Krawatte mit hochgekrempelten Ärmeln auftritt. Dabei hatte der Veranstaltungssaal eine mehr als ausreichende Klimatisierung.

Zwischendrin tritt auch schon einmal ein verdienter und hoch respektierter Kollege vor (53 Berufsjahre in der Endodontie, erfolgreiche Recallbilder die 40 Jahre und älter sind) und kommentiert das eine oder andere Gezeigte wohlwollend.

Neben den fachlichen Eindrücken haben wir eine große Portion Gelassenheit mit nach Hause nehmen können, was sowohl an der fröhlichen Art der brasilianischen Kollegen als auch an der schönen Umgebung lag. Nachfolgend einige Stimmungsbilder:

3 / 30


Weisse Linie

von Bonald Decker

Die radiologische Ausgangssituation des nachfolgenden Falles sah bei Betrachtung des Röntgenbildes eigentlich (vermeintlich) gut aus. An Zahn 35 zeigte sich ein röntgenopakes Wurzelfüllmaterial, welches sich als „hübsche“ weisse Linie bis unmittelbar in Apexnähe (und in Form eines „Puffs“ auch leicht darüber) projizierte und eine erfolgreiche Behandlung versprechend (bzw. erhoffen) liess…

Leider hatte der Patient kurze Zeit nach der alio loco durchgeführten Wurzelkanal-behandlung/füllung erneut Schmerzen an dem entsprechenden Zahn entwickelt. Klinisch imponierte ferner eine diskrete vestibuläre Schwellung. Nach eingehender Aufklärung des Patienten über die verschiedenen Behandlungsoptionen entschied sich dieser für eine Revision…

die daraufhin vorgefundene Situation bekräftigte uns in unserem Therapievorschlag. Eine Wurzelspitzenresektion hätte in dieser Situation (wie wohl auch in den meisten anderen) nicht den gewünschten Erfolg gezeigt…

Nach eingehender chemo-mechanischer Reinigung und medikamentöser Einlage war der Patient zum zweiten Termin beschwerdefrei und so konnte die Behandlung nach WF und abschliessender adhäsiver Deckfüllung abgeschlossen werden.

Uns freut das bisherige Ergebnis und zeigt, dass wir keine Röntgenbilder behandeln und eine rein radiologische Beurteilung einer Situation kritisch zu sehen ist…

Zahntourismus nach Ungarn

von Hans – Willi Herrmann

Ein Artikel in der „Zeit Online“ zum Thema Zahntourismus nach  Ungarn findet sich hier.

Der Hinweis kam aus dem Schweizer Dentoforum.


Trauma de Jour – Reloaded (1)

von Ronald Wecker

Vor 2 Wochen hatte ich an dieser Stelle die Bilder eines Traumafalles eingestellt. Durch einen Sturz auf eine Bordsteinkante erlitt die Patientin multiple Verletzungen im Bereich des linken Oberkiefers:

Zahn 11: Vertikalfraktur mit Verlust der prothetischen Krone einschliesslich Stiftaufbau

Zahn 21-23: Laterale Dislokation mit Alveolarfortsatzfraktur

Zahn 22 & 23 : Unkomplizierte Kronenfraktur

Nachdem die einzelnen Verletzungsarten, nicht zuletzt durch die Anfertigung eines DVT, diagnostiziert werden konnten, erfolgte zunächst eine semirigide Schienung mittels Titan-Trauma-Splint. Eine Reposition der Zähne war nur teilweise möglich da sich die Patientin nach einem 2-tägigen Klinikaufenthalt erst 4 Tage nach dem Sturz in unserer Praxis vorstellte. Die noch verbliebene Okklusionstörung wurde durch Einschleifen der betroffenen Zähne und deren Antagonisten behoben.

Da sich die Patientin in einem schlechten Allgemeinzustand befindet (Herz-Kreislaufbeschwerden unklarer Genese, erhöhter Augeninnendruck) kann die notwendige Therapie nur in mehreren Behandlungssitzungen durchgeführt werden.

Nach der semirigiden Schienung wurde zunächst der längsfrakturierte Zahn 11 entfernt. Um der Patientin einen gewissen ästhetischen Komfort zu ermöglichen war geplant die TTS-Schiene als Verankerungsmöglichkeit für eine temporäre Versorgung der entstandenen Zahnlücke heranzuziehen.

Dazu wurde eine passende Frasacco-Hülse ausgewählt und in Mehrschichttechnik mit einem Frontzahnkomposit gefüllt. Der entstandene Kompositzahn wurde dann in die Lücke eingepasst, apikal als „Ovate Pontic“ gestaltet und in die TTS Schiene eingeklebt.

Um einen vorzeitigen Verlust des „Brückengliedes“ zu vermeiden, wurde die Inzisalkante leicht eingekürzt; ein Umstand der der Patientin beim erstmaligen Betrachten auch sofort auffiel!

Als nächster Behandlungsschritt wird die endodontische Therapie der Zähne 21-23 erfolgen. To be continued.

4 / 6

Interne Resorption

von Ronald Wecker

Diesen Fall werde ich aus verschiedenen Gründen im ganzen Leben nicht vergessen.

Der Patient klagte über ziehende Beschwerden im Bereich des rechten Unterkiefers. Die Sensibilitätsprobe fällt an allen Zähnen positiv aus, es liegen gesunde parodontale Verhältnisse vor, die Okklusion zeigt keine Auffälligkeiten, es gibt weder insuffiziente Füllungen noch kariöse Läsionen. Lediglich Zahn 47 weist eine geringe achsiale Perkussionsempfindlichkeit auf.

Das angefertigte Röntgenbild zeigte folgenden Befund:

Neben der pulpanahen Restauration fallen rundliche Erweiterungen des Pulpakammerhohlraums auf, die den Verdacht einer internen Resorption aufbringen. Typisch dafür die positive Sensbilitätsprobe sowie eine Erweiterung des Wurzelkanals oder des Pulpakammerhohlraumes.

Die endodontische Therapie mit Entfernung des Pulpagewebes stellt die einzige Möglichkeit dar, den resorptiven Prozess zu stoppen, da die Ernährung der Resorptionszellen aus dem Pulpagewebe heraus erfolgt.

Die endodontische Therapie wurde am gleichen Tag, genauer Abend, durchgeführt. Beeindruckend fand ich die Zahnoberflächen im Bereich der Resorptionslakunen. Sehr glatt und fast wie hineingefräst.

Das Besondere an diesem Fall ist, dass es mein erster Squirtingfall war. Dies allerdings ungewollt und nicht geplant. Mein damals in Benutzung befindliches System B hatte einen leeren Akku und das Laden dauerte bei diesem Gerätetyp noch länger als 1 Stunde. Da die Behandlung deutlich länger dauerte als gedacht, entliess ich die Mitarbeiterinnen nach der Aufbereitung in den Feierabend. („…das bisschen Obturation schaffe ich schon alleine!“) ohne zu wissen, dass das System B nicht funktionierte.

Masterpoints einprobiert und anschliessend: Nichts!

Dem Patienten, extrem empfindlich beim Platzieren des Röntgensensors und auch so genug gestresst von einer zahnärztlichen Behandlung, wollte ich einen weiteren Termin ersparen. Die Obtura Gun hatte allerdings einen direkten Stromanschluss. Also im Geiste noch einmal die Grundlagen des Squirtens durchgegangen und mit einigem Unbehagen obturiert. Das Ergebnis ist durchaus zufriedenstellend gewesen.

Noch mehr gefreut hat mich jedoch das Recall-Bild von dieser Woche nach nunmehr fünfeinhalb Jahren, wenngleich das Platzieren des Sensors ohne Anästhesie aufgrund eines ausgeprägten Würgereizes fast nicht möglich war.

2D vs. 3D (III)

von Ronald Wecker

3 Tage nach einem Sturz auf eine Bordsteinkante stellte sich diese Patientin in unserer Praxis vor. Die ersten zwei Tage verbrachte sie zur Abklärung eines Schädel-Hirn-Traumas stationär in einer Klinik.

Neben dem Verlust einer ca. 40 Jahre alten Stiftkrone an Zahn 11 fiel besonders eine starke Okklusionsstörung im Bereich der Zähne 21 -23 auf.

Zahn 23 zeigt eine kleine Schmelzaussprengung an der mesialen Labialfläche mit deutlichen Spuren des Aufpralls auf die Bordsteinkante. Zahn 23 weist keine Beweglichkeit dafür aber einen metallischen Klopfschall auf. Dies ist ein deutliches Anzeichen einer lateralen oder auch intrusiven Dislokationsverletzung, da es in beiden Fällen zu einer zumindest partiellen Kompression des Parodontalspaltes kommt.

Zahn 22 zeigt eine Beweglichkeit Grad 1, eine Schwellung der palatinalen Gingiva sowie einen normalen Klopfschall. Mesial zeigen sich ebenfalls Spuren des Aufpralles sowie eine unkomplizierte Kronenfraktur.

Zahn 21 ist stärker beweglich (Grad 2), perkussionsempfindlich, zeigt eine ausgeprägte labiale Druckdolenz und weist einen normalen Klopfschall auf.

Zahn 11 hat durch den Aufprall eine Vertikalfraktur erlitten. Die Wucht war so groß, dass es zu einem Verbiegen des Siftaufbaues kam.

Die Zähne 21-23 sind weder kaltsensibel, noch reagieren sie auf einen elektrischen Reiz. Die Zähne 12 und 13 , sowie alle Unterkieferfrontzähne sind kalt- und elektrisch sensibel. Verletzungen der Zahnhartsubstanz liegen nicht vor.

Das zweidimensionale Röntgenbild zeigt keine Hinweise auf eine Horizontalfraktur. Zahn 21 zeigt einen unilateral verbreiterten Parodontalspalt. Bei 23 könnte man eine Intrusion vermuten. Das wahre Ausmass der Verletzungen zeigt sich im DVT.

21 und 22 zeigen beide deutliche Dislokationen sowie Frakturen des labialen Teils des Alveolarfortsatzes. An 23 ist eine geringe Dislokation zu erkennen. Die Vertikalfraktur an Zahn 11 ist in ihrem Verlauf deutlich zu erkennen.

Die Zähne 21-23 werden , da das Wurzelwachstum abgeschlossen ist, bei dieser Art der Verletzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit endodontisch behandelt werden müssen, da es in Folge der Dislokation zu einem Abriss des Nerv-Gefässbündels gekommen ist.

Die Zähne 23 -13 wurden in gleicher Sitzung mit einem Titan-Trauma-Splint semirigide geschient. Eine minimale Reposition war noch möglich. Die nach Schienung noch bestehende Okklusionsstörung wurde durch Einschleifen behoben. Die Schienungszeit beträgt aufgrund der Fraktur im Bereich des Alveolarfortsatzes 4 Wochen.

Zahn 11 ist nicht erhaltungsfähig . Es ist geplant ihn nach endodontischer Behandlung der Zähne 21 bis 23 durch ein Einzelimplantat zu ersetzen.

Die Bilder zur durchgeführten Therapie werden hier in den nächsten Wochen eingestellt.

5 / 8

Das Dental Makroskop

von Jörg Schröder

Während im Bereich der Dentalmikroskope technisch immer ausgefeiltere und aufwändiger gestaltete Weiterentwicklungen auf den Markt gebracht werden und das Ende der Möglichkeiten sicher noch nicht erreicht ist, ich denke z.B. an eine Anzeige der elektrischen Längenmessung im Stil eines On-Screen-Displays, geht ein Berliner Kollege einen völlig gegensätzlichen Weg.

Mit geringem materiellem Aufwand, jedoch mit hohem persönlichem Engagement hat Klaus-Peter Jurkat eine Vergrößerungshilfe entwickelt und zur Marktreife gebracht, die auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheint.

Das Dental-Makroskop ist ein monokkulares Gerät, welches sich mit geringem Aufwand in die tägliche Praxisroutine eingliedern lässt. Es ermöglicht, ausgerüstet mit einer Beleuchtung mit Hochleistungs-LEDs, eine bis zu 12-fach vergrößertes Betrachtung, allerdings nur mit einem Auge.

Ein räumliches Sehen, wie im Dentalmikroskop, wird nicht ermöglicht, sodass sich zumindest im Bereich der Endodontie der Einsatz auf eine verbesserte Diagnostik, sowie das Arbeiten im oberen und mit einigem Training unter Umständen auch im mittleren Kanaldrittel normal weiter Kanalsysteme beschränken wird.

Ein Video zum Makroskop gibt es hier.

Für seine Idee und deren Umsetzung erhielt Klaus-Peter Jurkat den „Dental Innovation Award“ 2010.

Beklagenswert

von Jörg Schröder

Das Vorhandensein austauschbarer und vor allem auch sterilisierbarer Griffhülsen war beim Kauf zusätzlicher Geräte für die Warmfülltechnik das für mich ausschlaggebende Kriterium gewesen. Dieses Feature bietet die Elements Obturation Unit an.

Beklagenswert finde ich, dass offensichtlich zwar das Material auf Thermobeständigkeit nicht jedoch auf mögliche Verfärbungen als Folge regelmässiger Sterilisationsvorgänge hin geprüft worden ist.

Die Verfärbungen sind zwar durch Bimssteinpolitur wieder entfernbar, tauchen jedoch spätestens nach dem zweiten Mal Sterilisieren erneut auf.

Sie erscheinen sowohl beim verpackten als auch beim unverpackten Sterilisieren. Mit aufgeschobener Gummihülse und ohne.

Sterilisiert wird trotzdem weiter und man kann nur hoffen, dass der Patient aus dem farblichen Zustand der Griffhülsen keine falschen Schlussfolgerungen zieht.

2D vs. 3D

von Jörg Schröder

Im zweidimensionalen Röntgenbild diagnostizierbare Aufhellungen sind aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine Summationsaufnahme handelt in ihrer wahren Ausdehnung oft nicht beurteilbar.

Das nachfolgende Beispiel verdeutlicht den Unterschied zur dreidimensionalen Röntgendiagnostik recht anschaulich.

Der Patient konnte sich übrigens nicht an eine an 36 durchgeführte Wurzelspitzenresektion erinnern. Die Frontalschnitte des DVT lassen deutlich das Gegenteil erkennen.

Op am offenen Herzen

von Jörg Schröder

Ein wenig mulmig war mir schon. Schliesslich hatte ich so etwas noch nie gemacht.

Was war passiert?

Mitten in einer Behandlung gab es beim Betätigen des motorischen Zooms meines ProErgo hässlich knarzende Geräusche. Beim Versuch den Fehler noch einmal zu reproduzieren ging plötzlich gar nichts mehr. Ein Verändern der eingestellten Vergrößerung war nicht mehr möglich. Ein elektrisches Handgriffproblem schien ausgeschlossen, da sowohl Fokus als auch Autofokus und Helligkeitsregulierung funktionierten.

Nach der Behandlung griff ich sofort zum Telefon und schilderte Herrn Ermerling von der Firma Hanchadent mein Problem. Nach telefonischem Briefing machte ich mich daran den Mikroskopkopf zu zerlegen.

Ein wenig kam ich mir so vor als ob ich versuchen würde an einem automobilen Oberklassenmodell aus Baden-Württemberg den Zylinderkopfdeckel abzuschrauben ohne auch nur im Entferntesten eine Ahnung davon zu haben was sich darunter befindet.

Nachdem Strahlenteiler nebst Kameras und Okkularen entfernt waren scheiterte der Versuch weiter ins Innere vorzudringen am Fehlen eines Torx-Schlüssels der Größe 10. Also ab in den nächsten Baumarkt.

Mit neuem Werkzeug konnte dann die Abdeckung des Mikroskopkopfes entfernt werden und der Blick ins Allerheiligste war frei. Nach Lösen von 4 weiteren Schrauben, konnte ich das Varioskop nach oben entnehmen. 2 weitere Schrauben später hielt ich den Stellmotor des motorischen Zooms in Händen. Das Zahnrad des defekten Motors liess sich nicht mehr frei drehen. So schien zumindest die Ursache gefunden.

Ein weiteres Problem tauchte jedoch auf: Nach dem Entfernen des Motors stellt sich der Zoom automatisch auf die kleinste Vergrößerungsstufe ein. Und wann das Ersatzteil eintreffen sollte, stand noch in den Sternen. Um das Mikroskop wenigstens mit eingeschränktem Komfort nutzen zu können habe ich den Zoom manuell auf eine geschätzte Vergrößerung von ca 2/3 der Maximalvergrößerung eingestellt und sodann den defekten Stellmotor wieder eingebaut um die Stellung des Zooms zu fixieren.

Genau 7 Tage hatte ich daraufhin das zweifelhafte Vergnügen die Zugangskavität mit ca. 12-facher Vergrößerung anzulegen bevor mich ein Express-Versand erlöste. Der Einbau war unkompliziert und dank der vorangegangenen Erfahrung am offenen DM-Herzen deutlich adrenalinärmer.

Nochmals herzlichen Dank an dieser Stelle an Herrn Ermerling der mich bei dieser OP bestens telefonisch unterstützte und dafür sorgte dass das Ersatzteil in kurzer Zeit bei mir eintraf.

Eine bebilderte Beschreibung des Vorgehens gibt es hier:

7 / 9

Was fällt hier auf?

von Ronald Wecker

Das genaue Studium der präoperativ angefertigten Röntgenbilder hilft in vielen Fällen unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Oftmals jedoch überdeckt das Offensichtliche die durchaus erkennbaren „Nebenbefunde“.

Was fällt bei der Betrachtung der Ausgangsbilder auf? Auch ohne Poll-Daddy-Umfrage bin ich mir sicher, dass die Mehrzahl der Antworten das in Zahn 47 befindliche Instrumentenfragment erwähnen werden.

Beim zweiten Blick dürfte der suboptimale Randschluss der Krone an Zahn 46 sowie die Nähe der Restauration zum distalen Kanalsystem auffallen.

Die genauere Betrachtung von 46 zeigt jedoch, dass das distale Kanalsystem im apikalen Drittel zu verschwinden scheint, ein sicherer Hinweis auf eine tiefe Aufgabelung. Desweiteren kündigen sich bereits präoperativ 3 mesiale Kanalsysteme an. Hilfreich zu wissen, wenn es darum geht das für eine solche Behandlung erforderliche Zeitfenster zu terminieren.

Liest sich toll und lässt vermuten, dass mir all diese Feinheiten bereits im Vorfeld aufgefallen wäre. Sind sie aber nur zum Teil. Leider.

Die tiefe Aufgabelung in der distalen Wurzel hatte ich tatsächlich vermutet. Das Vorhandensein von drei mesialen Kanalsystemen war mir jedoch, zumindest radiologisch, zunächst entgangen.

Klinisch wiesen MB und ML sehr weit an die Aussenkontur der klinischen Krone verlagerte Kanaleingänge auf. Ein feiner Isthmus verband beide Kanäle und konnte nach Bearbeiten mit einem Muncebohrer der Größe 1/4 auf eine kleine gewebegefüllte Grube reduziert werden.  Der Eingang zu einem weiteren Kanalsystem.

Häufig konfluieren diese Middle-Mesial-Kanäle mit MB oder ML. In diesem Fall wiesen alle Kanäle eigene Foramina auf.

Ein Fall der mich lehrte, mich in Zukunft noch ausführlicher mit den präoperativen Röntgenbildern zu befassen.

8 / 9

Radiologische Beurteilung von Kronen

Von Bonald Decker

Anbei die Ausgangsröntgenbilder eines Patienten, der sich mit Beschwerden an Zahn 45 bei uns vorstellte. Anamnestisch ergab sich, dass im Rahmen einer umfassenden Neuversorgung (ca. 20 Kronen und Veneers) auch eine Wurzelkanalbehandlung an Zahn 45 durchgeführt werden musste (Diagnose: irreversible Pulpitis).

Nach Übersendung der von uns angefertigten Aufnahmen folgte ein kurzes Telefonat mit dem Behandler. Einer der nachfolgenden Sätze fiel im Zuge dieses Gesprächs. Was glauben Sie, welcher? Stimmen Sie ab…

Take Our Poll

Ferner würde mich interessieren, was _Sie_ als Ursache für die suboptimal erscheinende Passung ansehen. Stimmen Sie bitte auch hier ab.

Take Our Poll

„Folge“ & Vorfreude

von Bonald Decker

Heute konnten wir einen Fall abschliessen, der seinen Ursprung in gewisser Weise vor einem Jahr fand. Genauer gesagt beim Wurzelspitze – Ü – Day 2010.

Der Zuweiser war einer der teilnehmenden Kollegen des letztjährigen Events. In einemder damaligen Vorträge wurde u.a. auch über mögliche komplexe Anatomien unterer Prämolaren und deren Therapie berichtet. „Sensibilisiert“ durch diesen Vortrag überwies er uns nun einen Patienten, bei dem er den Verdacht auf zwei (oder mehr) Wurzelkanalsysteme bei einem UK-Prämolaren hatte. Da ihm persönlich eine vorhersagbare Therapie nicht möglich erschien, besprach er mit seinem Patienten die Situation und erläuterte diesem die möglichen Behandlungsoptionen. Daraufhin entschied sich  der Patient für die Behandlung durch uns.

Nachfolgend das Ergebnis der Behandlung, dass quasi als „Folge“ des letztjährigen Ü-Days gesehen werden kann…

Bei der Betrachtung der Abschlussaufnahme waren wir nicht nur von dem Ergebnis erfreut, sondern es förderte insbesondere die Vorfreude auf den kommenden Ü-Day 2011…

Nächstes Wochenende ist es wieder soweit…

:-)

Yiiiiiippppppppppeeeeeeee

69 Prozent (Teil 2) – Força Barça

von Hans – Willi Herrmann

Eine Woche lang war der Kollege in unserer Praxis zu Besuch.
 Er  kommt aus Barcelona und arbeitet dort,  auf Wurzelkanalbehandlung spezialisiert, in 3 verschiedenen Praxen.

Nur in einer dieser Praxen steht ein Mikroskop, und auch das erst seit wenigen Monaten. In den anderen Praxen muss der Kollege ohne Vergrößerungshilfen auskommen.
Eine Lupenbrille nebst LED – Licht besitzt er  nicht, er  konnte sich diese bislang nicht leisten. Denn er verdient deutlich weniger als ein Kollege in Deutschland. Dafür schleppt er   jeden Tag eine ganze Reihe von  Dingen, die man essentiell für eine Wurzelkanalbehandlung braucht, im Koffer mit sich herum von Praxis zu Praxis. Aus eigener Tasche bezahlt: Drehmomentkontrollmotor und Apex- Lokator zum Beispiel und einen Röntgensensor nebst Laptop.

Sein  Gehalt ist rein umsatzabhängig.
Wenn ein Patient absagt, das kommt im Moment bei schlechtem Wetter immer  mal wieder vor,  erfährt er  das erst vor Ort.  Zu spät, um einen anderen Patienten einzubestellen.

Und dann das Krankenversicherungssystem in Spanien.
 Ich gebe mal auszugsweise wieder, was der Kollege erzählt hat, Dr. Knobel, unser  deutscher Zahnarzt vor Ort, der in Madrid seine Praxis eröffnet hat und hier hoffentlich noch mitliest, wird sicherlich eine ganze Reihe von Details ergänzen oder gegebenenfalls auch richtigstellen können.

Umsonst gibt es Extraktionen.

Für den Rest der Zahnmedizin muss sich der Patient privat krankenversichern.

Die Beiträge sind deutlich niedriger als bei uns, die Leistungserstattung der PKV´s allerdings auch. Gefühlsmäßig würde ich sagen, die bezahlten Leistungen liegt deutlich unter dem Niveau unserer gesetzlichen Krankenversicherung.

Eine freie Arztwahl gibt es nicht, wer z. B. bei der AXA versichert ist, muss einen Zahnarzt, der bei der AXA gelistet ist, aufsuchen. Gute Zahnärzte schliessen keine Verträge mit den PKV´s ab, da diese nur sehr wenig für die jeweilige zahnärztliche  Leistung zahlen.

Zahnärztemangel ?

Gibt es in Barcelona nicht.

Und das liegt nicht nur an der Attraktivität der Metropole Barcelona  für Patienten und Zahnärzte. Denn da sind zum einen Zahnärzte aus Südamerika, die für Dumpingpreise arbeiten,  zum anderen gibt es zwei Universitäten vor Ort, eine staatliche und eine private. Die staatliche bildet alleine rund 240 Zahnärzte jedes Jahr aus.

Das Zahnbewußtsein der Patienten scheint geringer entwickelt zu sein als bei uns in Deutschland.

Der Patient kommt weniger prophylaktisch orientiert und damit seltener von sich aus regelmäßig in die Praxis, als vielmehr zielorientiert, auf konkreten Anlass hin.

Lückenversorgungen und suboptimale Zahnersatzlösungen sind häufiger anzutreffen als bei uns. Anfallende Zahntechnik ist (über den Daumen und auf die Gesamtheit bezogen) kostengünstiger. Zahnärztliche Honorare sind nicht geringer als bei uns, zumindest nicht für die vom Patienten nachgefragten Leistungen.

Es fragen halt nur nicht so viele und so oft wie bei uns.

Unser QM – Massnahmen  hat der Kollege im Übrigen  erstaunt bis ungläubig zur Kenntnis genommen. Es scheint, dass dies  im EU – Land Spanien in dieser Form noch nicht bekannt ist oder sich dort noch nicht hat etablieren können.

Das war für mich im Übrigen die nachhaltigste Erfahrung der Woche. Das  Leuchten in den Augen des Kollegen   zu sehen, angesichts der für uns vielen Selbstverständlichkeiten zahnärztlichen Arbeitens, wie wir es in Deutschland haben.  Zu sehen, dass wir hier bei uns mit unserem Standard an Praxisstruktur und Versorgung immer noch weit vorne dabei sind. Mit dem, was unsere Patienten bekommen und mit den Arbeitsbedingungen, unter denen wir hier arbeiten. 
Ich glaube, besagter  Kollege würde sich freuen,  in Barcelona unter solchen Arbeitsbedingungen arbeiten zu können.

Über unseren Grad an notwendigem Bürokratismus z.B. beim Beantragen von Zahnersatz, bei der Mehrkostenvereinbarung bei Füllungstherapie oder im Hinblick auf die bis zu 12 Seiten Papier, die, je nach Situation,  vor einer Wurzelkanalbehandlung ausgedruckt und mit dem Patienten erörtert werden müssen,  hat der Kollege allerdings nur fassungslos den Kopf geschüttelt.

Fassen wir zusammen: Zahnärzteüberschuss, Patienten- bzw. Arbeitsmangel, keine freie Arztwahl, Knebelverträge der Versicherungen, Schwierigkeiten, sich eine eigene Praxis aufzubauen, Patienten mit geringem dentalen Bewußtsein und wenig Geld für die zahnärztliche Versorgung und das alles bei gleichen Materialkosten und in der Gesamtheit wesentlich geringeren Einnahmen.

Das ist genau das Szenario, auf das wir zukünftig in Deutschland in der Zahnmedizin hinsteuern.

Und darauf muss sich die Zahnärzteschaft einstellen. Jeder einzelne von uns. Die Zeichen sind da und sie zeigen nicht nur aussenpolitisch und währungstechnisch, nein, auch zahnmedizinisch auf die  PIGS – Staaten und damit nach unten.

Auf eine kompakte Weltformel gebracht: Es ist nicht mehr genügend  Geld da.  Und es wird zukünftig nicht mehr, sondern weitaus weniger Geld für/in der Zahnmedizin geben.

Das sind die Fakten.

Und jetzt ? Folgt zwangsläufig die Analyse der Ist – Situation:
Was wir Zahnärzte mit den Airbus – Piloten gemeinsam haben und was uns von ihnen trennt.
Was zukünftig aus uns  wird und warum wir es sind, die ohne Fallschirm aus dem Flugzeug geworfen werden,  während der Lufthansa – Kapitän die Maschine sicher landet und dafür den Applaus der Passagiere erhält.

Darüber mehr im dritten Teil der Beitragsreihe 69 Prozent, am nächsten Dienstag.

Auf in neue Dimensionen!

von Jörg Schröder

Nach längerer Vorlaufphase, etlichen Gesprächen mit meinem Praxispartner Sebastian Riedel und so manchem durchgrübelten Abend war es heute endlich so weit. Unser DVT, ein VeraViewEpocs 3DE aus dem Hause Morita, konnte nach 2-tägiger Einbau- und Installationszeit in Betrieb genommen werden.

Aufbau, Installation der dazugehörigen Rechner, Intergration der Software in unser Praxisnetzwerk sowie die Schulung des Praxisteams erfolgte durch die Mitarbeiter der Firma COSI aus Sigmaringen. Neben dem reibungslosen und professionellen Ablauf aller durchzuführenden Massnahmen verdient das unglaublich nette und unkomplizierte Auftreten der Herren Dege und König eine besondere Erwähnung. Geht nicht, gab’s nicht.

Nach 2 von 5 Stunden Einweisung konnten die ersten Ergebisse bestaunt werden.

Bereits die als Scoutaufnahme dienende Panoramaaufnahme in Standardauflösung erfreut mit klaren Details. Die Positionierung des Patienten ist noch vom analogen OPG der Firma Morita bekannt und unkompliziert durchzuführen.

Bleibt der Patient nach der Scoutaufnahme unverändert im Gerät positioniert, kann man mittels Mausklick die Region markieren, von der ein DVT erstellt werden soll. Es kann zwischen Zylindern der Dimension 40 x 40 mm und 40 x 80 mm gewählt werden (Durchmesser x Höhe).

Nach 9,4 Sekunden Umlaufzeit beginnt der Rechner mit der Rekonstruktion des Datensatzes. Die Einbindung in die Praxissoftware (Charly, Fa. Solutio) benötigte eine Schnittstelle und eine weitere Lizenz für den Rechner des DVT. Über die von COSI aufgespielte „Reveal“-Software können alle 2D-Bilder (Kleinröntgen, OPG, digitale Fotos) komfortabel patientenbezogen verwaltet werden. Für die 3D-Daten steht das i-Dixel-Software von Morita zur Verfügung.

Nachfolgend erste Beispielsbilder von heute. Das Potential der Software wurde dabei nur zu einem Bruchteil ausgenutzt.

Endometrie oder Röntgenbild …

von Ronald Wecker

… wer hat recht?

Die endometrische Längenmessung ist aus der modernen Endodontie nicht mehr wegzudenken. Die meisten der verfügbaren Geräte besitzen eine große Messgenauigkeit.

Die Verlässlichkeit der Längenmessung kann m. E. auch ohne Vivisektion an der Reproduzierbarkeit der angezeigten Arbeitslänge festgemacht werden.

Korreliert ein geringfügiges Vorschieben des Instrumentes nach apikal in einem gleichermaßen geringen  Ausschlag der optischen Anzeige des Endometriegerätes und lässt sich diese „Reaktion“ verlässlich wiederholen, gibt es keine plötzlich springenden Anzeigen scheint dies ein Hinweis auf eine „korrekte“ endometrische Längenmessung zu sein.

Das Anfertigen einer Messaufnahme mit einer in den Kanal auf Arbeitslänge eingebrachten endodontischen Feile ist in jedem Fall ratsam wie der nachfolgende Fall erkennen lässt.

Die präoperative Aufnahme lässt im apikalen Anteil des Zahnes 12 einen etwas nach distal gekrümmten Kanalverlauf vermuten. Trotz einer, wie oben beschrieben, reproduzierbaren Längenmessung (Kanal mit Papierspitzen getrocknet, Messung auf Anzeige 0,0 davon metrisch 0,5 mm subtrahiert = Arbeitslänge, Instrument weist Tuck-Back auf) kommen angesichts der präoperativen Aufnahme Zweifel an der Korrektheit der Längenmessung.

Nach initialer Aufbereitung, ausgiebiger ultraschallunterstützter Spülung wurde in den getrockneten Kanälen eine erneute endometrische Längenmessung durchgeführt. Auch diese war auf der nun neu ermittelten Arbeitslänge reproduzierbar. Patency war gegeben, der Papierspitzentest bestätigte die neu ermittelte Arbeitslänge.

Als mögliche Ursache für das geschilderte Phänomen kommen größere Seitenkanäle, aus dem Periapikalbereich in das Foramen einsickernde Flüssigkeiten (die im Kanal befindliche Flüssigkeitssäule „verlängert“ dann bei der endometrischen Längenbestimmung das eingebrachte endodontische Instrument) oder aber auch größere apikale Lysen in Frage, die einen Kontakt des Messinstrumentes mit dem periapkalen Gewebe erschweren.

Es ist daher m. E. mehr als empfehlenswert, die endometrisch ermittelte Arbeitslänge radiologisch, selbstverständlich unter den Einschränkungen eines 2D-Bildes zu verifizieren. Endometrie und Röntgenbild schliessen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.

Die Isolierung der für eine subgingivale Keramikschulter präparierten Zähne erfolgte in der von Olaf Löffler entwickelten „Flow-Komposit-Klammer-Technik“.

Die Aufbereitung des Zahnes 12 „endete“ aufgrund der stark reduzierten Hartsubstanz bei 35/04 da Instrumente mit einem größeren Taper zu Aussprengungen an der koronalen Hartsubstanz geführt hatten.

10 / 6

Rumpelkammer reloaded

von Bonald Decker

Sie erinnern sich noch an unseren „Rumpelkammer“-Beitrag?

Hier könnten Sie ansonsten noch mal darüber nachlesen.

Bereits kurz nach unserem ersten Termin war der Patient beschwerdefrei und somit haben wir den Fall in der zweiten Sitzung nach Wurzelkanal- und Komposit-Füllung abgeschlossen.

Und wie es so häufig im Leben ist…

so ein Fall kommt selten allein…

nachfolgend ein paar Impressionen des letzten Patientenfalles von heute…

man könnte glauben beide Fälle sind „damals“ von ein und dem selben Behandler durchgeführt worden…

;-)

Hab ich den perforiert?

von Bonald Decker

Mit dieser Fragestellung wurde uns vor Kurzem der nachfolgende Fall geschickt.

Der Überweiser war beim Anblick seiner „Messaufnahme“ und der darauf ersichtlichen Instrumentenposition stark verunsichert und befürchtete eine iatrogene Verletzung des Zahnes. Ein Endometriegerät kam während der initialen Behandlung nicht zum Einsatz.

Bereits bei genauer Betrachtung der „Messaufnahme“, jedoch spätestens bei der Interpretation der Diagnoseaufnahme war eigentlich klar, dass es sich hier nicht um eine Perforation handelte.

Diagnoseaufnahme Zahn 25

Es fällt auf, dass die Wurzel im mittleren Drittel untypisch breit erscheint und quasi keine apikalwärts gerichtete Verjüngung aufweist…

Und auch das klinische Bild liess aufgrund der sehr minimal-invasiven Trepanationsöffnung eine mögliche Perforation des Zahnes als sehr unwahrscheinlich erscheinen.

Ausgangssituation der alio loco durchgeführten Trepanation

Nach Erweiterung der Zugangskavität bestätigte sich im weiteren Verlauf der „Verdacht“ auf Vorliegen eines „Mini-Molaren“ mit zwei bukkalen und einem palatinalen Wurzelkanalsystem.

Die abschliessende Präparation erfolgte bis zu den Grössen 25.06 (bukkal) bzw. 35.04 (palatinal). Nach Wurzelkanalfüllung und adhäsivem Verschluss der Zugangskavität konnten wir den Zuweiser über den Behandlungsabschluss informieren. Er war mehr als froh, dass sich seine initiale Befürchtung definitiv nicht bewahrheitete.

Von Prämolaren mit drei Wurzeln hatte er nach eigenen Angaben in ca. 30 Jahren Berufserfahrung noch nie gehört bzw. dies klinisch nie gesehen…

Kuriositätenkabinett

von Christoph Kaaden

So, wie manche Briefmarken oder Schallplatten sammeln, so sammle ich Röntgenbilder…

bevorzugt natürlich Kuriositäten oder Raritäten…

folgendes Bild wurde mir von einer Kollegin für meine Sammlung zu Verfügung gestellt.

ich denke Sie stimmen mir zu, dass es einen „Ehrenplatz“ in meinen Kuriositätenkabinett verdient hat… oder?

Schade …

von Ronald Wecker

… dass dieser Zahn so enden musste.

Anlässlich der bei ihr selbst durchgeführten Routineuntersuchung sprach mich die Mutter auf den Zahnverlust ihrer jetzt 11-jährigen Tochter an.

Zahn 12 war vor 3 Jahren aufgrund länger bestehender palatinaler Zahnfleischentzündungen entfernt worden, nachdem sich dort eine etwa haselnussgroße sehr schmerzhafte Vorwölbung gebildet hatte aus der sich in großen Mengen Pus entleerte.

Nachdem die Tochter in drei Zahnarztpraxen vorgestellt wurde ohne dass eine mögliche Ursache genannt werden konnte, erfolgte die Extraktion in einer auf Kinderbehandlung spezialisierten Praxis. Die Invagination als Ursache wurde vermutet, eine Empfehlung zu einer endodontischen Behandlung wurde nicht gegeben.

Nunmehr wird kieferorthopädisch versucht Zahn 13 an die Stelle des verloren gegangenen seitlichen Schneidezahnes zu bewegen.

Auf den angefertigten Röntgenbildern, die Mutter hatte den Zahn bei ihrem nächsten mitgebracht, kann man in der orthograden Projektion eine ungewöhnliche Kontur des Pulpakammerhohlraums erkennen. Die Projektion von lateral lässt eine Invagination mit Verbindung zur Pulpa erkennen (Typ II nach OEHLERS).

Klinisch ist eine an der distalen Seite gelegene ausgeprägte Furche zu erkennen. Dies palato-radicular-grooves (PRG) treten mit einer Häufigkeit von 2- 5 % an oberen seitlichen Inzisiven auf. Die PRG ermöglichen eine Plaqueproliferation nach apikal mit einhergehenden parodontalen Problemen bis hin zur retrograden Pulpitis.

11 / 8

Eine hervorragende Übersicht zur Anatomie und möglichen Anomalien des seitlichen oberen Schneidezahnes geben Michael Arnold und Frank Paque  in der letzten ENDODONTIE (2010; 19(4):419-429.

Rumpelkammer

von Bonald Decker

Das nachfolgende Zitat von Dr. Louis I. Grossman verdanke ich dem Hinweis von Jörg Schröder, auf das er mich vor einiger Zeit in Vorbereitung auf einen Vortrag hinwies:

Ich bezweifle, daß es im menschlichen Körper einen Hohlraum gibt, der mit so viel verschiedenen Materialien gefüllt wurde.Es sieht so aus, als ob der Wurzelkanal die „Rumpelkammer“ des Zahnhauses sei“.

Dr. L.I. Grossman (Philadelphia;USA)

Beim Blick in den Zahn einer heute durchgeführten Revision fühlte ich mich stark an diesen Ausspruch erinnert…

Kompositwärmer

von Jörg Schröder

Mein absolutes Material/Geräte-Highlight 2010 ist der hier im Blog von Stefan Verch vorgestellte Kompositwärmer.

Eine einfache Heizplatte die über den USB Anschluss eines Computers mit Strom versorgt wird und die Oberfläche auf ca. 55 Grad Celsius erwärmt.

Die für einen dreistelligen Betrag erhältlichen Spritzenwärmer haben den Nachteil, dass immer die gesamte Kompositmasse aller im Gerät befindlichen Drehspritzen erwärmt wird und somit einem nicht erwünschten Alterungsprozess ausgesetzt ist.

Ausgediente Inkubatoren, die ebenfalls in Frage kämen, haben neben dem gerade genannten Nachteil (alle Massen werden erwärmt)  zudem ein nicht gerade ansprechendes äußeres Erscheinungsbild.

Die USB-Heizplatte hingegen kostet ca. 6 Euro, nimmt wenig Platz weg und ist innerhalb von 2 Minuten einsatzfähig.

Nimmt man noch ein im Dentalhandel erhältliches Lichtschutzschild hinzu können die Massen auch über längere Behandlungen hinweg lichtgeschützt und erwärmt vorgehalten werden.

Vielen Dank, Stefan.

Spätfolgen eines Frontzahntraumas (2)

von Ronald Wecker

Vor 2 Wochen wurden an dieser Stelle die präoperativ angefertigten Röntgenbilder eines Behandlungsfalles eingestellt, bei dem 18 Jahre nach dem Trauma im Rahmen einer Routineuntersuchung ein resorptives Geschehen diagnostiziert wurde.

Da eine kombiniert chirurgisch/kieferorthopädische Therapie mit Rückverlagerung des Oberkiefers geplant ist, sollte, wenn möglich, eine implantologische „Lösung“ vorerst vermieden werden. Angesichts der nicht exakt abzuschätzenden Dauer der kieferorthopädischen Therapie und eines sehr tiefen Überbisses schieden sowohl das herausnehmbare Provisorium als auch eine adhäsiv befestigte Brücke als Versorgungsform aus.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich der koronale Anteil der Pulpa vollkommen nekrotisch. Darunter war ein sehr gut durchblutetes Weichgewebe darstellbar, welches nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Irrigation mit NaOCl und gleichzeitigem mechanischen Einwirken  (Microopener, Microdebrider) entfernt werden konnte. Es erfolgte das Einbringen von CaOH2 und der dentinadhäsive Verschluss.

Am 2. Termin war die Resorptionslakune vollständig frei von Gewebe, Unter dem Mikroskop konnte apikal der ca. 2,5 mm lange Originalkanal visualiert und instrumentiert werden. Nach der Einprobe des Masterpoints wurde dieser mit einem Skalpell 3 mm von der Spitze entfernt gekürzt, mit wenig Sealer bestrichen und unter Sicht auf der Spitze eines durch Aufbiegen „verlängerten“ Microopeners in den apikalen Kanalanteil eingebracht.

Sodann wurde die Resorptionslakune unter Zuhilfenahme einer Dovgan-MTA-Gun (2,2 mm) mit MTA gefüllt. Um das MTA durch Ultraschallaktivierung in die Lakune einzubringen musste ein schöner S-Kondensor ISO 120 gerade gebogen werden, da der tiefste Punkt der Lakune bei 21 mm lag.

Abschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes dentinadhäsiv verschlossen. Die geringe seitliche Extrusion des MTA hat vermutlich keinen nennenswerten Einfluss auf die Prognose und stellt eher eine röntgenästhetische Unzulänglichkeit dar.

13 / 8

Paradigma und der Wechsel

von Jörg Schröder

Manche Ereignisse gewinnen erst mit etwas Abstand an Bedeutung. Der Vortrag von Prof. Kenneth Hargreaves (San Antonio, Texas) gehört in diese Kategorie. Für mich persönlich war es rückblickend das absolute Fortbildungsglanzlicht der letzten Jahre. Das Wort Paradigmenwechsel wurde auf dieser Jahrestagung häufig verwendet. Verdient hat es in  meinen Augen das von Professor Hargreaves in einem sehr gut gegliederten Vortrag vorgestellte Regenerationsverfahren.

Seit dem späten 18. Jahrhundert verwendet man das Wort „Paradigma“, um damit eine bestimmte wissenschaftliche Denkweise oder eine bestimmte Art der Weltanschauung zu bezeichnen. Ein Paradigmenwechsel wäre also gleichbedeutend mit einem Wechsel der Weltanschauung.

Statt Aufbereiten und Obturieren erscheint es nun möglich, wenn auch vorerst nur in Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, vitales Gewebe im zuvor desinfizierten Kanalhohlraum entstehen zu lassen und somit ein Fortschreiten des Wurzeldicken- und -längenwachstums zu ermöglichen. Darüber hinaus zeigen viele der so „regenerierten“ Zähne nach 2-3 Jahren wieder eine positive Reaktion auf einen elektrischen Reiz (EPT).

Stammzellen, Wachstumsfaktoren, Zelldifferenzierung, Tissue Engeneering heissen die Schlagworte die unter Umständen in der Lage sind die Zukunft solcher Zähne rosig erscheinen zu lassen.

Guttapercha periapikal

von Ronald Wecker

Nach Betrachten des Ausgangsbildes und nach klinischer Anamnese – die Patientin berichtete über seit Monaten anhaltende Beschwerden an Zahn 27 – riet ich nach Abwägen der Erfolgswahrscheinlichkeit zunächst zur Extraktion. Eine orthograde Entfernung des extrudierten Materials erschien aufgrund der Größe der periapikal befindlichen Obturationsmaterials  als nicht wahrscheinlich.

Nach längerer Beratung wurde schließlich  ein Termin zur Exploration vereinbart.

Die in MB und P enthaltene Guttapercha war zügig entfernt. Apikal des Foramens konnte im distobukkalen Kanal gerade noch so ein kleiner Guttaperchaanteil visualisiert werden. Mittels der bereits an dieser Stelle beschriebenen Technik gelang nach einigen Versuchen, die extrakanalär befindliche Guttapercha nach orthograd zu bewegen.

Im Vergleich zu einem Microdebrider ermöglicht eine vom Griff „befreite“ vorgebogenene Hedströmfeile ein besseres „Einarbeiten“ des Instrumentes in die periapikal befindliche Guttapercha.

Allerdings muss betont werden, dass zum erfolgreichen Entfernen (fast) nicht sichtbarer periapikal gelegener Fremdmaterialien stets auch ein wenig Glück dazu gehört.

Interne Resorption

von Ronald Wecker

Die  Primärbehandlung liegt ca. 8 Jahre zurück. In Folge eines Frontzahntraumas mit komplizierter Kronenfraktur wurde an diesem mittleren Schneidezahn 1 Jahr nach dem Trauma eine tiefe Pulpotomie durchgeführt. Der koronal des vitalen Pulpagewebes gelegene Kanalhohlraum wurde alio loco in lateraler Kompaktion und unter Verwendung von viel Sealer mit Guttapercha gefüllt, der Zahn koronal in Adhäsivtechnik aufgebaut.

Im Rahmen der Versorgung des Zahnes mit einer vollkeramischen Teilkrone wurden Röntgenbilder angefertigt, die im Vergleich zu den regelmässig durchgeführten radiologischen Kontrollen neben einer apikalen Aufhellung und einer anresorbierten Wurzelspitze auch eine kugelige Erweiterung des Kanalhohlraumes im unteren Wurzeldrittel zeigen. Abgesehen von einer geringen achsialen Perkussions-empfindlichkeit lagen keine weiteren klinische Symptome vor.

Nach dem Entfernen der vorhandenen Obturationsmaterialien konnte etwas oberhalb des Foramens im Bereich der kugeligen Kanalerweiterung ein gut vaskularisiertes Weichgewebe dargestellt werden. Unter großvolumiger Spülung mit NaOCl und dem Einsatz von Handinstrumenten konnte das Gewebe entfernt und apikal ein unregelmässiges Foramen mit einem minimalen Durchmesser von ISO 120 dargestellt werden.

Auf eine zweiwöchige Einlage mit CaOH2 erfolgte die Obturation des Kanalsystems mit kollagenem Widerlagers und MTA. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  adhäsiv restauriert.

Unter Berücksichtigung der Anamnese und aller erhobenen Befunde scheint es durch den langandauernden infektiösen Reiz zu einer internen Resorption gekommen sein, die ihren Ausgang im verbliebenen apikalen Pulpastumpf genommen hat.

Die Resorption der Wurzelspitze  hingegen ging von peripikalem Gewebe aus; eine Reaktion wie man sie häufig an Zähnen mit apikalen Parodontitiden findet.

15 / 7

Deutscher Zahnarzt in Madrid gestrandet!

von Alexander Knobel

Ja, auch ich habe den Schritt gewagt und alles, was ich die letzten 10 Jahre beruflich aufgebaut hatte, einfach über Bord geworfen.

Wir sind vor 1 1/2 Jahren nach Spanien ausgewandert und ich habe seit 7 Monaten eine Clinica Dental im Herzen von Madrid.

So, in der Regel wird hier erst einmal im deutschen Kollegenkreis lautstark applaudiert….

Was hat nun mich aus dem beschützten Schoß deutscher Sicherheit getrieben? Als Partner einer sehr gut funktionierenden 3-Behandler-Praxis?

War es so schlecht in Deutschland? Flucht vor der KZV, der Reglementierung, Budgetierung und dem behandlungsfeindlichen Regelwerk deutscher Kassen, gar dem schlechten Wetter entflohen?

Nein, die Gründe sind viel simpler: Wie bei einer Vielzahl der Deutschen, die ich hier kennengelernt hab, gaben rein familiäre Gründe den Ausschlag diesen Schritt zu wagen.

Einfacher ausgedrückt, ich bin mit einer Spanierin verheiratet und derjenige, der mit einem gebürtigen Spanier verheiratet ist, wird über kurz oder lang in Spanien stranden.

Die familiären Wurzel der Spanier sind sehr stark ausgeprägt. Eine Eigenschaft, die in Deutschland wohl weniger zu finden ist.

Ok, die Gründe sind dann ja erst einmal egal, denn: jetzt wird ja alles besser!!!

…. das würde ich so nicht unterschreiben wollen.

Eines ist sicher, es ist definitiv anders als in Deutschland! Nicht nur das Wetter.

In Spanien ist jeder gesetzlich versichert und es gibt keine Trennung in gesetzlich oder privat versichert. Der Umfang der zahnmedizinischen Leistungen umfasst dabei einzig die Kontrolle, einfache Schmerzbehandlung und Extraktionen.

Möchte man mehr Leistungen erhalten, so kann man sich natürlich zusätzlich privat versichern.

Diese sind relativ günstig und daher fallen die entsprechenden Leistungen eher gering (mager) aus.

Eine Krone geht hierbei dann auch mal für 60€ über den Tisch. Wir reden vom Komplettpreis incl. Labor. Über die Möglichkeiten, die man dafür hat, kann sich jeder selber seine Gedanken machen.

Weiterhin bleibt einem dabei in der Regel die freie Arztwahl verwehrt und man ist somit gezwungen zu einem Arzt, der das Vertrauen der Versicherung genießt, zu gehen.

An einer massiven Zuzahlung kommt man aber auch hier für  eine vernünftige Zahnmedizin nicht herum.

Zuzahlung als Standard, keine Versicherung im Rücken. Erstmal ganz toll, aber:

Zahnmedizin hat in Spanien keine Tradition, soll heißen, dass ein Großteil der Bevölkerung nur bei akuten und starken Beschwerden den Zahnarzt aufsucht. Routinekontrollen und Prophylaxe sind für die meisten ein Fremdwort.

Jeder Besucht kostet direkt Geld und man muss wie beim Metzger direkt nach Erhalt der Leistung bezahlen. Garantien gibt es eigentlich keine, wobei man natürlich seitens des Arztes alles versprochen bekommt.

Naja, anderes Thema.

Es ist also erst einmal wirklich schwer, als Neugründer Leute in die Praxis zu bekommen. Und Zahnärzte gibt es hier auch mehr als genug.

Gefühlt mehr als Patienten.

Aber davor steht erst einmal die Praxisgründung an. Was ich hier zur Übernahme gesehen habe, hat mir wirklich umgehauen:

Rostige Autoklaven, nicht vorhandene Steris…aber das Wartezimmer war immer Top ausgestattet!

In Spanien ist es übrigens völlig egal, ob man vor hat, eine Zahnarztpraxis oder eine Wurstfabrik (nein, ich bin kein Vegetarier!) zu gründen. Man benötigt einen Kredit und dieser muss komplett gedeckt werden können. Ohne anderweitige materielle Sicherheiten  bekommt man hier keinen Cent von der Bank. Gott sei Dank ist der familiäre Zusammenhalt sehr groß, so dass man hierbei immer auch auf die Familie zählen kann. Es wird geholfen.

Sollte die Hürde Papier und Zulassung, was recht einfach, aber zeitaufwendig ist, der Kredit und das Auffinden geeigneter Räumlichkeiten überwunden sein, geht es ans Eingemachte.

Der Umbau.
Hierfür gibt es erst einmal keine Beteiligung des Vermieters. Ich war schon glücklich, dass ich einen 10 Jahres – Vertrag bekommen habe, was so nicht üblich ist. Das spanische Mietrecht ist dabei auch eher mieterunfreundlich (immer im direkten Vergleich zu Deutschland).

Und spätestens, wenn der erste Bauarbeiter den Hammer schwingt, treibt das einen deutschen Zahnarzt, der auch gerne zur Optimierung der Qualität mit Lupenbrille arbeitet, in den Wahnsinn.

Mir ist in meinem Leben noch nie soviel Pfusch und Dummheit begegnet. Auch wenn irgendwann einmal eine ordentliche Planung stattgefunden hat, so ist diese bei den ersten Maßnahmen nur noch Vergangenheit. Es existieren ab jetzt keine detaillierten Pläne mehr, alles wird nur noch so ungefähr, aus dem Bauch heraus, erledigt. Es gibt für jeden Pfusch eine Lösung und, auch wenn später alles ganz nett aussieht, ist alles mehr Schein als Sein. Bereits nach zwei Wochen zeigen die ersten Wände Risse und in den ersten zwei Monaten hatten wir drei Wasserschäden, aufgrund mangelnder Bauqualität. Von meinen Stromausfällen möchte ich hier jetzt nicht berichten. Wer braucht schon Strom in einer modernen Zahnarztpraxis ?!?

Alleine zum Thema Umbau bzw. Aufbau meiner kleinen (100qm) Clinica Dental könnte ich eine Buchserie starten ….. behalte ich zumindest im Hinterkopf, falls das hier nichts mehr wird.

Sollte man es mir bis jetzt noch nicht angemerkt haben,  ich habe das Trauma „obra“ (Baustelle)  immer noch nicht ganz verwunden. Ich hatte noch nicht einen Patienten gesehen und bereits mehr Abenteuer, als zu verkraften war.

Wir hatten übrigens eine spanische Firma  beauftragt, die sich auf den Aufbau von Arztpraxen spezialisiert hat. Stress wollten wir unbedingt vermeiden.

Dagegen war zumindest der Erwerb des spanischen Röntgenscheines (3 Tage Seminar mit Prüfung auf spanisch), welcher mich nun zum spanischen Kernphysiker ausweist, ein Klacks.

Besteht man übrigens auch mit geringen Sprachkenntnissen, da man ja dafür privat bezahlen muss. Ist nur schade um die 3 Tage. Mitgenommen habe ich nichts.

Aber jetzt rollt der Rubel….
Nicht ganz.

Zahnmedizin ist hier ein Geschäft und man handelt definitiv selbstständig. Ich darf meine Preise bestimmen und muss dementsprechend auch etwas dafür bieten. Die mittleren Preise liegen im Übrigen ungefähr auf Höhe der GOZ. Labore sind deutlich günstiger, allerdings qualitativ auch mit Abstrichen.

Ein großes Problem in den Großstädten sind Zahnärzte aus Südamerika, die hier den Markt völlig kaputt machen und in Zahnarztketten (wie z.B. VitalDent…60€ für die Versorgung mit einer Krone stehen im Raum) für Hungerlöhne arbeiten. Auch die Privatversicherungen betreiben hier ihre eigenen Zahnkliniken (man bedenke dabei immer die nicht bestehende freie Arztwahl)

Warten und hoffen das jemand kommt funktioniert also nicht. Nur mal schnell schauen, wie der Neue so ist, kostet gleich Geld und da wird dann doch eher mal abgewartet! Werbung ist erlaubt und auch notwendig. Wenn niemand von einem hört, kommt auch niemand.

Mundpropaganda ist wie überall auf der Welt die beste Werbung und das dauert nun einmal. Nach nun 6 Monaten kann ich natürlich noch recht wenig zu meiner Zukunft sagen, aber eins ist sicher. Das Leben ist auch unter der spanischen Sonne kein Ponyhof.

Es wird einem nirgendwo etwas geschenkt und mehr als einmal habe ich bisher den Schritt hinterfragt. Es ist schwierig, von 15-20 Patienten pro Tag plötzlich auf 0-5 Patienten runterzufahren.

Die Kosten sind dabei ähnlich hoch wie in Deutschland. Es erscheint einem nur erst alles etwas günstiger, dem ist definitiv nicht so.
Materialien und Geräte sind in Deutschland oft günstiger zu erwerben.

Auch wenn  man nun versucht ist, zur Steigerung der Patientenzahl sich einer der privaten Versicherungen anzuschliessen, ist das nicht wirklich ratsam. Dagegen erscheint einem die Bema wie ein Selbstbedienungsladen.

Hört sich ja furchtbar an ? Wird schon, wenn´s dann mal läuft, dann läuft´s, aber davor steht nun einmal viel Arbeit und Schweiß.

Eins muss gesagt werden: Die Versorgung der Patienten ist in Deutschland immer noch auf einem hohen Level, wenn auch nicht mehr wie früher. Was mir schwerfällt zu beurteilen. Mir wurde auch als Kassenpatient immer eine anständige Medizin angeboten.

Ist man bereit für eine hochwertige Arbeit und Service eine Zuzahlung zu Verlangen, so sind gute Patienten immer dazu bereit. Nur muss dazu selbst und ständig viel für getan werden.

In meiner ehemaligen Wirkstätte hatte der Senior-Partner schon früh den Trend erkannt und gegengesteuert. Eine Mehrbehandlerpraxis, ein Eigenlabor mit angestelltem Techniker zur Reduktion der Fremdkosten. Zuzahlung für qualitativ hochwertige Arbeiten und das Umsetzen einer modernen Zahnmedizin waren angesagt.

Die Patienten sind bereits in der Praxis, nur von alleine ist natürlich Niemand bereit Qualität zu bezahlen, dies muss sicher extremer als noch vor 20 Jahren kommuniziert werden.

Die Konkurrenz ist auch in Madrid extrem gross, wirbt mit Dumpingpreisen (Erstuntersuchung, Zahnreinigung, OPG und Kostenvoranschlag komplett kostenlos) und man kann sich auch hier nur mit dem Streben nach qualitativ hochwertiger Arbeit von der Masse abheben. Mit dem südamerikanischen Preisdumping kann und will ich nicht Schritt halten.

Ich persönlich versuche mich dabei, auf die hier lebenden deutschen Patienten zu konzentrieren und Ihnen die Zahnmedizin anzubieten, die sie von einer qualitätsorientierten deutschen Zahnarztpraxis erwarten. Dazu gehört auch der Luxus einer GOZ Abrechnung, die fast immer bzw. immer häufiger gewünscht wird und von den deutschen Kostenträger soweit auch erstattet wird.

Ob Madrid die richtige Wahl war. Schwierig aktuell zu sagen, aber sicherlich ist es aufgrund der Ausländerschwemme an den spanischen Küsten deutlich einfacher.

Egal wie das Abenteuer ausgeht, ich werde berichten.

FORTSETZUNG FOLGT…….

Zahnarzt in Deutschland – Nichts wie weg!

von Torsten Hatzky

Ich bin einer von den vielen Zahnärzten, die Deutschland den Rücken gekehrt haben. Wie kam es dazu? Zunächst erst mal etwas zu mir, meiner Berufsauffassung, meiner Zeit in Deutschland.

Ich bin als Mensch sehr freiheitsliebend, halte mich aber trotzdem genau an Regeln.  Nur müssen die Regeln für mich nachvollziehbar und vernünftig sein. Im Beruf gilt deshalb nur das, was man gemeinhin als „lege artis“ bezeichnet. Auch habe ich die Macke, dass ich mich gern über die Ergebnisse meiner Arbeit freue. Hier und da Kompromisse einzugehen, bereitet mir immer Bauchweh und ich vermeide es vorzugsweise. Da ich seit 1993 eine reine Privatpraxis führte, konnte ich mir das leisten. Fachlich bin ich Generalist, praktiziere eine sehr systematische Zahnheilkunde, bin stark zahnerhaltend tätig, etwas Paro, etwas KFO. Ich arbeite gnathologisch und auch ein klein wenig „ganzheitlich“ orientiert. Wenig Chirurgie, keine Implantate. Einen ganz wesentlichen Schwerpunkt bildet natürlich die Endodontie.

Bis Ende 2008 ging das über fast 15 Jahre sehr gut. Finanziell sah es jedoch in den letzten Jahren schon nicht mehr so gut aus. Der Praxisgewinn sank kontinuierlich, trotz stetig gestiegener Patienten- und Umsatzzahlen.

Als dann der Steuerberater immer deutlicher mahnte und wir feststellten, dass immer mal wieder am Ende vom Geld noch relativ viel Monat übrig war, haben wir zunächst bei den Privat- und Praxisausgaben einen rigiden Sparkurs eingeschlagen. Die Zahl der wöchentlichen Behandlungsstunden wurde erhöht, der Urlaub gekürzt. Leider war der Erfolg nur von kurzer Dauer. Dann haben wir über allerlei Maßnahmen wie z.B. Zusatzeinkommen außerhalb der Praxis nachgedacht – leider erfolglos! Eine Honoraranpassung über §2Absatz3 GOZ  erwies sich als Flop. Da offenbar viele meiner Patienten selbst am finanziellen Limit lebten, reagierten sie oft recht unerfreut, wenn die Krankenversicherung nicht alles übernahm. Es deutete für mich vieles darauf hin, dass in Deutschland vor allem der Mittelstand, und dazu gehörten nahezu alle meiner Patienten, finanziell nicht weiter belastbar war. Schließlich haben wir sogar einen Unternehmensberater zu Rate gezogen. Sein Rezept: die Kassenverträge, die ich Ende1992 freiwillig gekündigt hatte, wieder aufzunehmen,  sonst sei nichts zu machen. Alles andere sei ausgereizt.  Aber wann sollte ich die zusätzlichen Patienten behandeln?  Ich war ja bereits zu fast 100% ausgebucht. Also zukünftig Sprechzeiten bis 22 Uhr? Auch samstags? Und  das Behandlungstempo massiv erhöhen, selbst wenn es zu Lasten der Qualität ginge?

Nun war also endgültig Schluss mit lustig. Und Schuld hatte die Politik.

Ich konnte mir ausrechnen: hätte man die GOZ  über die vielen Jahre seit 1988, wie ursprünglich versprochen, an die Teuerungsrate und die beträchtliche Steigerung der Praxiskosten angepasst, hätte ich keinerlei Sorgen. Hoffen auf eine Änderung?  Mit etwas Nachdenken, wurde mir klar: Vergebens! Zu hoch ist der Schuldenberg bei Bund, Ländern, Gemeinden sowie bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Kein Interesse seitens der PKV. Und da es offensichtlich kaum noch Politiker mit wirklichen Visionen, sondern überwiegend profillose Sachwalter gibt, die vor allem Anderen an Ihrem Amt kleben, wird wohl frühestens etwas passieren, wenn es zu spät ist, d.h. wenn ein deutlicher Mangel an Zahnärzten herrscht und Unmut in der Bevölkerung  aufkommt. Erst dann macht es ja aus der Sicht eines  Politikers Sinn, tätig zu werden. Denn nun kann er sich profilieren, kann seine Wichtigkeit unter Beweis stellen. Das wird bei der derzeitigen Versorgungslage wohl noch 10 Jahre dauern. Eigentlich traurig, aber so funktioniert Politik in Deutschland. Siehe hierzu auch diese lesenswerten Beiträge bei Wurzelspitze:

„must have“ oder „want have“ ? Zahnmedizin ist wichtig, keine Frage….

Veränderung als Chance ? Die Zukunft im Gesundheitswesen

Prognose eines Wirtschaftswissenschaftlers

Germany – the „Mystery Country“

So lang konnte ich nicht mehr warten. Also blieb nur noch die Möglichkeit des Auswanderns!

Es gab auch noch weitere Gründe für diesen Schritt. Einer war, dass meine Frau und ich uns für unsere Tochter, die damals kurz vor dem Abitur stand, ein Land für Ihren weiteren Lebensweg wünschten, in dem sie bessere Möglichkeiten für ein erfolgreiches und glückliches Leben hatte. Stattdessen war immer öfter in den Medien zu hören und zu lesen, dass gerade die jetzt heranwachsende junge Generation in Deutschland ganz besonders schlechte Rahmenbedingungen für ihr Vorrankommen hat.  Sie sind diejenigen, die am meisten unter den gigantischen Schuldenbergen leiden müssen, die ihre Vorgängergeneration aufgetürmt hatten.

Aber auch das allgemeine gesellschaftliche Klima in Deutschland hat unsere Entscheidung mit beeinflusst. Ich bin nämlich ein Mensch, der sehr aufmerksam die Stimmung seiner Mitmenschen registriert. Auch lasse ich mich leicht mitziehen, was nicht gerade dienlich ist, zumindest, wenn es bergab geht. Ich beobachtete schon seit Ende der 90er Jahre, dass die Stimmung  in Deutschland kontinuierlich schlechter wurde. In diesem Zusammenhang ist wohl der schon oft zitierte „Niedergang der Mittelklasse“ als Hauptstütze der deutschen Gesellschaft von großer Bedeutung.

Im Übrigen stand ich ja nicht allein mit dieser Auffassung da. Mittlerweile gab es schon zahlreiche Fernsehbeiträge zum Thema Auswanderung, die wir mit großem Interesse verfolgten. Die Protagonisten der Serien sind teilweise schon richtige Fernsehstars. Konny Reimann ist zum Urvater einer neuen Auswanderungswelle avanciert. Viele der Beiträge zeigten:  Wenn man es richtig macht und bereit ist, etwas dafür zu tun, kann man an vielen Orten der  Welt den Erfolg haben, der einem in Deutschland aufgrund schlechter Rahmenbedingungen versagt bleibt.

So fing ich an, nach Möglichkeiten in anderen Ländern zu suchen.  Dank Internet ist das leicht vom heimischen Schreibtisch aus möglich. Immer öfter erschienen auch  in der zahnmedizinischen Fachpresse Artikel über die Zahnmedizin in anderen Ländern. Ergebnis: es gibt in vielen Regionen der Welt Möglichkeiten, als Zahnarzt tätig zu werden. Der Ruf deutscher Mediziner ist dank hoher Ausbildungsstandards generell sehr gut.

Doch leider bin ich sprachlich ziemlich unbegabt. Und Zahnmedizin in einer ungewohnten Sprache auszuüben, stelle ich mir sehr schwer vor. Zu sehr kommt es bei der Befragung der Patienten auf feine sprachliche Nuancen an. Zudem bin ich inzwischen nicht mehr der Jüngste und es stellt sich die Frage: Lohnt sich das eigentlich? Da aber laut Aussage meines Steuerberaters meine Lage  in den kommenden Jahren doch recht zielstrebig in Richtung Insolvenz steuerte, bestand Handlungsbedarf.

Es blieb also für mich nur das deutschsprachige Ausland: Österreich und die Schweiz. Recht schnell fiel Österreich raus. Die zahnärztliche Besiedelung ist mehr als reichlich. Nicht einmal jeder österreichische Zahnarzt bekam eine Zulassung zum staatlichen Gesundheitswesen, ohne die es wohl dort kaum möglich ist zu überleben. Als reiner Privatzahnarzt hat man ganz besonders geringe Chancen.

Fortan lag mein Fokus also auf der Schweiz. Zahnmedizin dort ist überwiegend Privatsache, d.h. die Patienten bezahlen aus eigener Tasche. Nur wenige haben eine private Zahnversicherung. Das dortige Gebührensystem, der „Schweizer Zahntarif“, ist genial, fachlich topaktuell!  Die Preise sind nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkuliert. Bei den wesentlichen Leistungen kann das Honorar nach individuellem Schwierigkeitsgrad  vom Zahnarzt in gewissen Grenzen angepasst werden. PZR, Deep Scaling und Endo-Revisionen werden rein nach Zeitaufwand berechnet.  Darüber hinaus legt jeder Zahnarzt den Taxpunktwert, mit dem die für jede Leistung festgelegte Punktzahl multipliziert wird, als praxisspezifische Kalkulationsgrundlage selbst fest.

Nur Sozialhilfeempfänger und wenige, finanziell  besonders schlecht gestellte Rentner bekommen Zuschüsse von der öffentlichen Hand oder von der Rentenversicherung.  Dieser Personenkreis, sowie Patientenfälle, die infolge von Unfallschäden zulasten einer Unfallversicherung abgerechnet werden, müssen zu einem deutlich niedrigeren Taxpunktwert, der zurzeit nicht mehr ganz kostendeckend ist, behandelt werden. Glücklicherweise sind es nur wenige Prozent des Behandlungsaufkommens, für die diese Regeln gelten. Das alles überzeugte mich und es begann die Suche nach einer geeigneten Praxis.

Recht schnell war klar: Für eine Praxisübernahme hatte ich nicht mehr genug Geld, denn die Hoffnung  auf einen Verkauf meiner bisherigen Praxis war gering. Es gab zu wenig Interessenten  für die große Zahl der angebotenen Praxen. Zu diesem Zeitpunkt wurden in Deutschland Praxisübernahmen von Banken nur noch in seltenen Fällen finanziert. Dafür waren die Praxen in der Schweiz dank großer Nachfrage von deutschen Zahnärzten sehr teuer.

Es blieb für mich also nur die Neugründung als einzige Lösung.

Immerhin konnte ich in diesem Fall meine recht gute Praxiseinrichtung  weiter verwenden. So habe ich die zuständigen Kantonszahnärzte (ein wenig vergleichbar mit  der Stellung der Landeszahnärztekammer in Deutschland) angeschrieben und nach eventuell noch unterversorgten Gebieten nachgefragt. Man riet mir überall ab und empfahl mir, wenn überhaupt, nur eine Praxisübernahme anzustreben. Auch einige mir bekannte Kollegen, die schon früher in die Schweiz gegangen waren, haben uns gewarnt: Die Schweiz ist kein unterversorgtes Gebiet! Eine Neugründung ist in aller Regel nicht zu empfehlen, je nach Region sei  sie sogar finanzieller Selbstmord.

Trotzdem ließ ich mich nicht gleich entmutigen. Ich recherchierte auf eigener Faust im Internet. Ich habe Zahnarztdichte und Bevölkerungszahlen für alle wesentlichen Regionen der Deutschschweiz  abgeglichen. Es galt nun eine Gegend zu finden, in der inklusive einer weiteren Praxis möglichst mehr als 2000 Einwohner auf einen Zahnarzt kamen. Nach wochenlanger Suche habe ich dann tatsächlich eine kleine Region gefunden, die noch Potential zu haben schien. Telefonate mit den Finanzierungsberatern zweier Banken der Region brachten die Bestätigung. Ich hatte einen Platz gefunden, an dem  eine Neugründung Sinn machte und man zeigte sogar Bereitschaft mit einer Kreditvergabe, den eventuell nötigen Umbau  vorhandener Räumlichkeiten zu finanzieren.  Einer der freundlichen Bankberater gab mir sogar einen Tipp, in welchem der Dörfer dank hoher Einkommensstruktur der Bevölkerung die besten Aussichten bestehen würden und konnte mir sogar geeignete Räumlichkeiten nennen, da seine Bank im selben Haus gerade eine neue Filiale eröffnet hatte.  Weitere eigene Recherchen sowie eine Fahrt dorthin bestätigten: Ich hatte die berühmte Stecknadel im Heuhaufen, wahrscheinlich den letzten noch möglichen Standort  für eine neue Praxis gefunden.

Dann ging alles ganz schnell. Als erstes erfolgte die Kontaktaufnahme mit der örtlichen Gemeindeverwaltung per Email. Die Antwort kam umgehend. Man schien sehr erfreut über unseren Wunsch, dort eine Praxis zu eröffnen. Gleichzeitig erhielt ich eine genaue Auflistung aller Verwaltungsschritte, die wir  dafür unternehmen mussten.  Man hatte sogar alle Links zum Herunterladen der benötigten Formulare  und die Email-Adressen der Ämter und Behörden beigefügt. So konnten wir nahezu alles von Deutschland aus erledigen. Für die wenigen dann noch verbliebenen Behördengänge genügte eine einzige Fahrt in die Schweiz.

Es folgte die Prüfung und Planung durch einen Praxiseinrichter aus der näheren Umgebung, der Abschluss der Mitverträge für Praxis und Wohnung, sowie die Planung und Durchführung des Umzugs. Schon drei Monate später waren wir in der Schweiz. Doch darüber demnächst mehr.

Trauriges Ende

von Ronald Wecker

eines Traumafalles.

Der 10 jährige Patient kam 3 Wochen nachdem in der Notaufnahme die avulsierten Zähne 21 und 22 reponiert und mittels TTS semirigide geschient worden waren erstmalig in unsere Praxis. Die extraorale Verweildauer beider Zähne betrug ca. 40 Minuten.

Die Zähne 11-22 waren nicht sensibel auf Kälte und EPT. 11 hatte zumindest eine Subluxation erfahren und war leicht diskloriert. Die Zähne 11-22 waren achsial perkussionsempfindlich. 12 war beschwerdefrei und reagierte normal auf Kälte und EPT.

Nach Entfernung der TTS wurde zeitnah die endodontische Behandlung der Zähne 21 und 22 eingeleitet, da eine Pulpanekrose bei der Dauer der extraoralen Lagerzeit (ca. 40 Minuten) sehr wahrscheinlich war und Zahn 21 im Apikalbereich bereits Anzeichen einer Resorption vermuten liess.

Nach einer CaOH2-Einlage erfolgte aufgrund der großen Foraminadurchmesser die Obturation mit MTA. Ein periapikales Widerlager wurde nicht angelegt. An 21 kam es bei der ultraschallunterstützten Verdichtung des MTA-Plug zu einer unbeabsichtigten Extrusion von MTA in den Periapikalbereich. Bei der Messaufnahme fällt distal an 22 bereits ein resorptive Veränderung auf.

Klinisch zeigte sich in den folgenden Wochen eine langsam wiederkehrende Sensibilität auf elektrischen Reiz sowie eine Rückbildung der Zahnverfärbung an Zahn 11.

21 imponierte mit einem metallischen Klopfschall, der jedoch beim 3-Monats-Recall vollkommen verschwunden war.

Röntgenologisch erscheint im mittleren Wurzeldrittel von 22 nach 3 Monaten das resorptives Geschehen bereits vergrößert. Das 6-Monats-Recallbild zeigt eine fast vollständige Zerstörung der Wurzel von Zahn 22. Der Bereich des mit MTA gefüllten Apex bleibt davon völlig unberührt.

Ob es eine nur durch das Ausmass der Schädigung der Wurzeloberfläche verursachte Resorption oder eine Kombination aus beschädigter Wurzeloberfläche und Durchbruchsbegehren von Zahn 23 war, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Es bleibt zu hoffen, dass Zahn 21 von Ähnlichem verschont bleibt.

16 / 8

Mehr als ärgerlich!

von Jörg Schröder

Schon lange waren wir in unserer Praxis auf der Suche nach einem funktionierenden Rechtwinkelhaltersystem für unsere digitalen Kodak-Sensoren. Nach einigen frustierenden Erfahrungen mit bunten Kunststoffhaltern verschiedener Anbieter haben wir uns auf Empfehlung von Olaf Löffler den aus Edelstahl und Kunststoff gefertigten RAYFIX RWS BEYCODENT® Sensor-Halter angeschafft.

Für stolze 255,- Euro netto.

Dieses Set enthält neben einem Adapterring auch zwei Edelstahlstangen nebst Sensorhalter. Mit ihm gelingen ohne große Einarbeitung reproduzierbare Röntgenbilder in Rechtwinkeltechnik.

Bereits nach ca. 4 Wochen ein trauriges Ereignis: Die Fixierschraube für die Edelstahlstange drückte beim Koppeln von Adapterring und Sensorhalter die Halteschrauben für die Stangenaufnahme aus dem Kunststoffgewinde.

Der gesamte Halter wird dadurch instabil und kann nicht wie vorgesehen eingesetzt werden. Zunächst glaubten wir noch an einen Handhabungsfehler. Der sofort georderte Ersatz für 165,80 Euro (netto) zeigte ebenfalls nach einigen Wochen dasselbe Fehlerbild.

Also den Adapterring ein drittes Mal bestellt und bei der Firma Beycodent nachgefragt. Der zuständige Mitarbeiter war nicht am Platz. Ein Rückruf wurde zugesagt. An der Art der gestellten Fragen und dem Gesprächsverlauf bei unserem Anruf konnte man den Eindruck gewinnen, dass das geschilderte Problem am anderen Ende der Leitung bekannt war. Schade.

Der versprochene Rückruf des zuständigen Mitarbeiters blieb im übrigen aus. Nicht nur schade, sondern ärgerlich.

Beim näheren Betrachten der Konstruktion (Maschinenschrauben in einem Kunststoffgewinde)  verwundert es nicht, dass es bereits bei bestimmungsgemässem Gebrauch zu einem Ausreissen der beiden kleinen Fixierschrauben kommt.

Was bleibt abschliessend zu sagen?

1. Weiterempfehlen kann ich diesen Halter der Firma Beycodent aus oben genannten Gründen zur Zeit nicht.

2. Die Ausprägung der Kundenorientierung der Firma Beycodent und die Qualität der gelieferten Adapterringe scheinen auf ähnlichem Niveau zu liegen.

Und das ist einfach mehr als ärgerlich.

Treat the tooth with sunshine

von Christoph Kaaden

eigentlich hatte ich für heute einen anderen Beitrag vorgesehen….

eigentlich…

aber beim Anblick des heute Abend zu begutachteten Zahnes habe ich meine Meinung kurzfristig geändert.

Obwohl in diesem Blog häufiger von der „Rettung“ (vermeintlich) hoffnungsloser Zähne berichtet wird, war hier beim besten Willen keine Zahnerhaltung mehr sinnvoll möglich…

und so fiel mein Therapievorschlag „neudeutsch“ formuliert so aus:

„Treat the tooth with sunshine…“

;-)

PS: Irgendwie erinnert mich dieser Zahn doch sehr an das hier vorgestellte „Objekt“

PPS: Ist es nicht immer wieder erstaunlich, was der menschliche Körper über Jahre toleriert?

Von Platinzahnärzten und Spezialisten

von Hans – Willi Herrmann

Was erwartet man eigentlich von einem Spezialisten ?
Was versteht man unter einem Spezialisten ?

Für mich ist ein Spezialist jemand, der Aussergewöhnliches auf einem bestimmten Gebiet leistet. Ein Spezialist für Endodontie demnach ist jemand, der sich auf dem Gebiet der Wurzelkanalbehandlung durch besondere Leistungen auszeichnet.

Bedarf es dafür eines besonderen Titels ?
Mit Sicherheit nicht.
Ein Doktortitel macht keinen besseren Arzt. Ein Spezialistentitel per se keinen besseren Endodontisten.

Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von „wirklichen Spezialisten“ für bestimmte Bereiche der Zahnmedizin, welche im Laufe ihres Beruflebens sich eine besondere Eignung erworben haben, die sich in adäquaten Behandlungsergebnissen äußert.
Hic Rhodos, hic salta ! Diese Kollegen können springen.
Jederzeit und aussergewöhnlich weit. Und daher  bedürfen diese keiner vollmundigen Anpreisung auf Werbemitteln gleichwelcher Art. Sie führen keinen vollmundigen Titel in ihrem Namen.
Weil sie es nicht brauchen. Weil sie wissen, dass es nicht rechtens ist. Oder sagen wir besser nicht fair wäre, den Patienten und Kollegen gegenüber, denn das mit dem „nicht rechtens sein“ ist neuerdings so eine Sache.

Dem gegenüber steht eine immer größere werdene Zahl von „Titelträgern“.
Der in der Überschrift beschriebene Platinzahnarzt ist  da noch eine eher harmlose, weil sich mit dieser Phrase  selbst entlarvende Peinlichkeit.  Möglicherweise ein   standortbedingtes Phänomen, denn nur rund 100 Megter entfernt fand sich in der gleichen Stadt längere Zeit ein Praxisschild mit der Zeile „Tätigkeitssschwerpunkt Implantologie in Vorbereitung“.

Und damit sind wir bereits mitten in der  Problematik, denn natürlich zielt der öffentliche Verweis auf  solche Titel darauf ab, Patienten für die eigene Praxis zu gewinnen.

Während der Begriff „Platinzahnarzt“ von jedem halbwegs im Leben stehenden Patienten als Blendwerk, als unnützer Tand aussortiert werden wird, ist dies bei anderen Titeln nicht ganz so offensichtlich.

Ein Tätigkeitsschwerpunkt zum Beispiel suggeriert qualitätsverbessernde Konzentration auf einen bestimmten Teilbereich.
Verspricht einen Routinier, der Besonderes leisten kann.

Und dann der Master, ein Meister seines Faches.

Gehts noch prestigeträchtiger ?Möglicherweise, denn Spezialist sticht Master sticht Tätigkeitsschwerpunkt sticht Zahnarzt.

Der Spezialist also. Die Spitze der ärztlichen Kompentenzpyramide ? Das Halbgott in Weiss – Professorenanalogon des neuen Milleniums ?

Wohl kaum.

Denn der  Titel „Spezialist“ scheint nicht geschützt oder genau definiert.

Was offensichtlich dazu führt, dass  heute jeder Zahnarzt, der meint, sich so zu benennen zu müssen, einen solchen Titel auf seine Briefbögen, auf  sein Praxisschild, auf seine Internethomepage schreiben darf.

Letztlich eine Folge des Vorbeck – Urteils von 1997, dass die Möglichkeit der Aussendarstellung einer Zahnarztpraxis im Internet grundsätzlich zuließ. Während bis dato, über Jahrzehnte hinweg, die für die Einhaltung eines strikten Webeverbotes zuständigen Zahnärztekammern mit Argusaugen selbst das zentimetergenaue Ablängen von Praxisschildern bebeckmesserten, befinden wir uns  heute, gerade mal 13 Jahre später, diesbezüglich in einem fast vollständigen Reglementierungs – Vakuum. In dem Jeder  eigentlich Alles darf, sofern er nicht vorgibt, routinemäßig Amalgam in Gold verwandeln zu können.

Das wir uns nicht missverstehen. Mit Oliver Pontius (Bad Homburg) und Helmut Walsch (München) gibt es 2 Behandler, die in den USA im Rahmen einer mehrjährigen universitären Weiterbildung den Titel „Endodontischer Spezialist“ erworben haben.  Es gibt daneben in Deutschland Spezialistentitel der Deutschen Gesellschaft für Endodontie und der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung, denen ein genau definierter Anforderungskatalog zugrunde liegt. Die European Society of Endodontology hat in diesem Monat ein  Konsenspapier zur Definition von Minimalkriterien für die Erteilung eines Spezialisten – Titels veröffentlicht.

Im Gegensatz dazu tauchen  in den letzten Jahren eine Vielzahl von „Endodontie – Spezialisten“ auf, die, merkwürdigerweise in der Endo – Szene (die in Deutschland eine immer noch sehr überschaubare ist) vollkommen unbekannt sind, jedoch dafür umso lauter ihre besondere Befähigung in ihrer Aussendarstellung zur Schau stellen.
Bezeichnenderweise findet sich auf ihren zumeist aufwändigen und professionell durchgestylten Homepages kein konkreter Hinweis, auf welchen Kriterien die Titelverleihung „Spezialist“ sich gründet.

Eine fatale Fehlentwicklung.
Und die Zahnärztekammer täte gut daran,  dieses Geschehen genaustens zu analysieren und die Titelinflation der letzten Jahre wieder in einen ehrlichen und (hier ist der Begriff mal ausnahmsweise wirklich angebracht)  evidenzgestützten Zustand zurückzuführen.

Geschieht dies nicht, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Behandler, deren Marketingbemühungen nicht mit ihren Behandlungsfähigkeiten proportional korrelieren, den Ruf zeitgemäßer Zahnmedizin (und das nicht nur in der Endodontie, das gilt für andere Teilbereiche der Zahnmedizin genauso) )ruinieren werden und das Vertrauen der Patienten in die Zahnmedizin schwinden lassen wird.

Warum bislang keine Reaktionen von den Kammern ?

Ein Aspekt ist sicherlich, daß zwischenzeitlich, neben den einschlägigen Fachgesellschaften und privaten Anbietern, eine ganze Reihe von  Zahnärztekammern selbst zum Ausrichter und Anbieter solcher Weiterbildungsreihen wurden. Wer Fortbildungen initiiert, dem fällt es nicht leicht, strenge Regeln zu errichten, denen die eigenen Kurse nicht genügen.  Und vollends zum Problem würde dies, wenn bislang versucht worden wäre, mit dem Hinweis auf eine „Schildfähige Weiterbildung“ den Zustrom an Teilnehmern zu erhöhen.

Die Konsequenz aus all dem, zum gegenwärtigen Zeitpunkt ?

Für den Patienten: Misstraue dem Titel, sofern er nicht eindeutig und nachweisbar belegt ist.   Und nicht vergessen. Es gibt hervorragende Behandler ohne Spezialisten-, Master-, Gold, Platinum, Diamond – Tätigkeitsschwerpunkt – Titel.

Für die Kollegen:  Belege die geführten Titel oder verzichte darauf, denn eine solche Vorgehensweise ist irreführend und unfair Patienten und Kollegen gegenüber.

Für die Kammern: Wer Titel führen möchte, muss diese anzeigen und deren Rechtmäßigkeit einwandfrei belegen. Die Kriterien zur Erteilung eines Titels müssen präzise definiert, veröffentlicht und frei zugänglich sein. Sie sollten für den Patienten verständlich und nachvollziehbar erläutert und kommentiert sein.

Saving hopeless teeth (XX)

von Ronald Wecker

Die Ausgangssituation erschien alles andere als rosig: massive Metallstifte, 11 und 21 bereits 2x resiziert, seit ca. 6 Monaten zunehmende Druckdolenzen vestibulär.

Zudem an 21 vestibulär eine isolierte Sondierungstiefe von 7mm. Eine vertikale Wurzelfraktur erschien sehr wahrscheinlich und damit der Erhalt zumindest von 21 sehr fraglich.

Die alio loco ausgesprochene Empfehlung von 2 Einzelimplantaten ist angesichts der präoperativ zu stellenden endodontischen Prognose nachzuvollziehen, birgt allerdings bei relativ hoher Lachlinie ästhetische Risiken.

Nach ausführlicher Beratung entschied sich der Patient für einen Erhaltungsversuch. Nach nunmehr 6 Monaten scheint es die richtige Entscheidung gewesen zu sein:

Beide Stifte „schwammen“ präoperativ in den Kavitäten. Am Herausfallen wurden sie nur durch den als Aufbaumaterial verwendeten Laborkunststoff (im Bild rot) gehindert. Periapikal zeigten sich ausgedehnte knöcherne Krypten. Zahn 21 war zudem bei der Präparation des Stiftbettes nach palatinal perforiert worden.

Beide Zähne wurden zweizeitig behandelt. Als temporäre Versorgung diente unter dem stuhlgefertigten Provisorium ein adhäsiv befestigter Glasfaserstift sowie ein dentinadhäsiver Aufbau. In der 2. Behandlungssitzung wurde der erneute Zugang zum Kanalsystem durch diesen Aufbau hindurch angelegt. Die Obturation wurde nach Anlegen eines periapikalen kollagenen Widerlagers mit MTA Angelus durchgeführt.

6 Monate postoperativ zeigen sich bereits deutlich verbesserte periapikale Verhältnisse. Die Sondierungstiefe vestibulär an 21 beträgt nunmehr 3 mm.

Hinsichtlich der röntgenologischen „Ästhetik“ stören nur die bei der Unterschichtung der laborgefertigten Schalenprovisorien reichlich in den Provisorienkunststoff  „eingegliederten“ Luftblasen.

18 / 16

Zahnhalsfüllung – Nachtrag

von Christian Danzl

Im Lokschuppen Rosenheim ist derzeit eine Gewürzausstellung.

Dort hab ich ein Rezept zur Behandlung von Zahnhalskaries gefunden…

Es erscheint aus heutiger Sicht nicht besonders kostenintensiv, damals war es das mit Sicherheit.
Über die Wirkung wurde leider keine Angabe gemacht :-(

Gib‘ mir ein C!

von Ronald Wecker

Der erste Blick auf das präoperative Röntgenbild, sowie die Aussage des Überweisers, er könne nur 2 Kanalsysteme in einer für ihn nicht nachvollziehbaren räumlichen Beziehung zueinander darstellen, liess bei diesem 37 ein c-förmiges Kanalsystem vermuten.

Nach Entfernen der Verschlussfüllung konnte mesiolingual ein kreisförmig ausgearbeitetes Orifizium, distal hingegen bereits eine Art „C“ dargestellt werden.

Die Unterschiede in der Dentinfarbe wiesen bei der vollständigen Freilegung des „C’s“ den Weg.

Der Austausch der Spülflüssigkeit, sowie eine eingebrachte Papierspitze zeigte eine Kommunikation aller Kanalanteile an. Das Kanalsystem verlief stark gewölbt unterhalb des bukkal gelegenen „Dentindoms“ wie ein im Raum gekrümmter Spalt.

Apikal zeigte sich ein weites Foramen von mindestens ISO 70. Darunter gab es eine ausgedehnte knöcherne Krypte. Diese Tatsache bestimmte das Vorgehen bei der Obturation:

Um den nicht einsehbaren Teil des spaltförmigen Kanalsystems optimal zu verschliessen ist einer reine Injektionstechnik der Vorzug zu geben. Der notwendigerweise aufzubauende hydraulische Druck hätte jedoch sehr wahrscheinlich eine massive Extrusion von Guttapercha und Sealer in den Periapikalraum zur Folge gehabt.

Deshalb erfolgte die Obturation Bereichs oberhalb des Foramens nach Anlegen eines periapikalen Widerlagers mit MTA. Um ein Einpressen in den mesiolingualen Kanalanteil zu verhindern wurde dieser mit einer Papierspitze ausgeblockt. Nach röntgenologischer  Kontrolle des MTA-Plugs erfolgte dann die Obturation des „C“ in Squirt-Technik.

19 / 11

Anschliessend wurde nach Insertion mehrerer Quarzfaserstifte als Schrumpfungshemmer der mittlere und koronale Kanalanteil dentinadhäsiv verschlossen.

Neben dem vorläufigen Behandlungsergebnis hat mich am meisten die Aussage des Patienten  gefreut, nachdem wir uns gemeinsam ein paar Videosequenzen angeschaut hatten: „Ohne Mikroskop wäre das doch gar nicht zu behandeln!“.

Implantat versus Zahn

von Bonald Decker

Die Implantologie stellt eine großartige Bereicherung des Therapiespektrums in der Zahnheilkunde dar. Obwohl es sich vielmals um einen chirurgischen „Routineeingriff“ handelt birgt dieser jedoch auch bei penibler Planung immer gewisse Risiken und mögliche Nebenwirkungen.

In dem vorliegenden Fall kam es während der alio loco durchgeführten Implantation Regio 36/37 zu einer möglichen Verletzung des Zahnes 35. Die wohl daraus resultierende irreversible Pulpitis machte eine endodontische Intervention zur Zahnerhaltung unumgänglich.

Warum eine Implantation in dieser Region überhaupt notwendig wurde liess sich leider auch durch die Befragung des Patienten nicht mehr klären.

Vielleicht hätte aber auch eine im Vorfeld sorgsam durchgeführte endodontische Behandlung der Molaren eine Implantation und die daraus resultierenden Folgen vermeiden können…

PS: Eine Neuanfertigung der Krone von Zahn 35 erscheint radiologisch ebenfalls indiziert

;-)


Frontzahnnotfall Sonntagmittag Stuttgart

von Donald Becker

Letzter Urlaubstag. Sonntagnachmittag.
Meine Frau, unsere Tochter und ich  sind auf einer Radtour. Kurz vor Meisenheim, auf einer ebenso idyllischen wie abgelegenen Kopfsteinpflasterbrücke, klingelt mein Handy. Steve Jobs sei Dank, denn vor dem Iphone hatte ich mein Handy  nie am Mann.

Eine Patientin ist am Telefon.
Ihre 10 jährige Tochter hat sich mit einer Getränkeflasche ein Stück ihres Oberkieferfrontzahnes abgeschlagen. Es ist auch  ihr letzter Urlaubstag, sie sind in Stuttgart. Ob sie notfallmäßig einen Zahnarzt vor Ort aufsuchen solle.

Der Zahn ist mir nicht unbekannt. Die Fraktur ist Folge eines Sportunfalls mit 7 Jahren. Die Pulpa war eröffnet, ich hatte damals eine direkte Überkappung mit MTA vorgenommen. Ich biete der Mutter an, nach dem Zahn ihrer Tochter  zu schauen. Zwei Stunden Autofahrt von Stuttgart bis Bad Kreuznach, das würde reichen, um mit dem Fahrrad wieder heimzukommen.

Das abgeschlagene Zahnfragment ist vorhanden. Die Mutter hat es zu Desinfektionszwecken in eine Kontaktlinsenlösung gelegt. Ich rate ihr, in einer Apotheke einen Dentosafe, eine Zahnrettungsbox,  zu kaufen und das Fragment darin zwischenzulagern. Notfalls auch isotone Kochsalzlösung, die dürfte zumindest auch sonntags mittags auf jeden Fall erhältlich sein.

Am frühen Abend sehe ich Mutter und Kind. Die Überkappungsstelle ist nachwievor mit MTA und Glasionomerzement verschlossen. Keine akute Gefahr. Der Zahn reagiert nach 3 Jahren immer noch sofort positiv auf eine Sensibilitätsprüfung mittels Kältespray.

Und das  Zahnfragment ?  Liegt in Kochsalzlösung.

Die übereinstimmende Auskunft dreier Notfallapotheken in der Landeshauptstadt des Musterländle:  „Dentosafe!?! Kennen wir, haben wir aber nicht vorrätig“, so die einhellige Auskunft.

Das Zahnfragment habe ich wieder angeklebt. Ohne das MTA und dessen Abdeckung mit einem Liner wäre die Passung Fragment / Restzahnsubstanz besser, der Klebespalt deutlich geringer. Aber ich gehe davon aus, daß, sofern keine Getränkeflasche dazwischenkommt, die vorhandene Klebung wieder einige Jahre halten wird.

Externe Resorption

von Ronald Wecker

Rückblickend hatte ich mich schon länger gewundert, warum sich bei diesem Patienten seit geraumer Zeit die Gingiva im Interdentalraum 15/16 als deutlich gerötet gezeigt hatte. Die Sondierungstiefen betrugen maximal 3mm, die Mundhygiene war gut. Dennoch kam es reproduzierbar zu Sondierungsblutungen, die der etwas engen Zahnstellung zugeordnet wurden.

Vor 2 Wochen berichtete der Patient über zunehmende Missempfindungen in regio 16. Bei der genauen Inspektion fiel eine kleine Unregelmässigkeit im Gingivalsaum von Zahn 16 auf. Die Parodontalsonde verschwand auf Anhieb mehrere Millimeter in Richtung palatinal. Das angefertigte Röntgenbild liess ein resorptives Geschehen vermuten.

Nach Entfernung der mit 17 verblocken Metallkeramikkrone zeigte sich das wahre Ausmass der Zerstörung. Die komplette Bukkalfläche sowie die Hälfte der mesialen Randleiste waren der Resorption bereits zum Opfer gefallen.

Nach Lappenbildung und relativer Trockenlegung konnte der Defekt dentinadhäsiv mit einem hochviskösen Komposit aufgebaut werden. Die Pulpa war großflächig durch das resorptive Geschehen eröffnet worden und wurde im Sinne einer Pulpotomie temporär versorgt. Die definitive endodontische Therapie wird folgen. Bereits nach 3 Tagen konnten die Nähte entfernt werden. Der Zahn ist seitdem vollkommen beschwerdefrei.

Ein präoperatives DVT hätte hier nach Entfernung der Metallkeramikkrone sicherlich genauere Auskunft über das wahre Ausmass der resorptiven Zerstörung geben können und die Entscheidung von Behandler und Patient zu Gunsten der prognostisch günstigeren implantologischen Versorgung beeinflusst. Über den weiteren Behandlungsverlauf wird hier an dieser Stelle berichtet.

1 1/2 Stunden – Teil I

von Bonald Decker

Letzte Woche rief mich ein Freund an, der seit Jahren als Mund-Kiefer-Gesichtschirurg in eigener Praxis tätig ist.

Er bat mich das Au-Pair-Mädchen seiner Familie weiterzubehandeln, dem er vor einigen Tagen einen OK-Molaren aufgrund starker Schmerzen trepaniert habe. Laut seiner Aussage habe der Zahn eine massive Karies (gehabt), die (zum Grossteil) entfernt wurde. Nach erfolgter Trepanation, Vitalextirpation und medikamentöser Ca(OH)2-Einlage sei der Zahn nun mit einem Schaumstoffpellet und einem provisorischem Material verschlossen…

nach diesen Informationen bat ich ihn, dass die junge Dame bei nächster Gelegenheit einen Termin für 1 1/2 Stunden in unserer Praxis vereinbaren solle…

„EINEINHALB STUNDEN???“

klang es mir aus dem Handy entgegen…

Mir war klar, dass ihm dieser Zeitaufwand enorm und wahrscheinlich überzogen vorkommen musste. Bei der Betrachtung der klinischen und radiologischen Situationen war mir jedoch sehr schnell klar, dass ich mit meiner ersten zeitlichen Einschätzung nicht übertrieben hatte…

Nach knapp 90 Minuten war die Patientin vorab eingehend über die Behandlung und Alternativem aufgeklärt, der Quadrant mittels Kofferdam isoliert, der Zahn kariesfrei, mit einer adhäsiven Aufbaufüllung versorgt (das Anlegen der Matrize dauerte alleine gefühlte 15 Minuten), 4 Wurzelkanalsysteme präpariert und mit einer medikamentösen Einlage versorgt. Nach Verschluss der Zugangskavität mit einer zweischichtigen provisorischen Füllung (ohne Watte- od. Schaumstoffpellet ;-) ) war der Behandlungstermin beendet.

Wie wohl der befreundete MKG-Chirurg reagiert wenn er „erfährt“ das die Behandlung noch nicht abgeschlossen ist?

Ich weiss es zum jetzigen Zeitpunkt nicht… werde es aber wohl erfahren und hoffe, dass er (wie ggf. auch andere) bei der Betrachtung der Bilder erkennt, warum eine solche Behandlung zeitlich umfangreich ist.

Patriotismus

von Christoph Kaaden

Seit ein paar Tagen rollt der Ball wieder bei der Fussballweltmeisterschaft in Südafrika…

insbesondere in dieser Zeit scheint der Patriotismus für das eigene Vaterland besonders ausgeprägt zu sein…

und auch vor Zähnen macht – Schwarz – Rot – Gold nicht halt…

;-)


Wer’s sehen kann ist klar im Vorteil.

von Ronald Wecker

Häufig kommt im Rahmen praktischer Arbeitskurse die Frage auf, ob es nicht ausreicht, wenn das Dentalmikroskop nur zum Auffinden der Kanaleingänge eingesetzt wird. Der Rest der Wurzelkanalbehandlung  könnte ja dann in gewohnter Weise mit oder ohne Vergrößerungshilfe durchgeführt werden.

Das das Durchführen der gesamten Behandlung unter Zuhilfenahme des Dentalmikroskopes durchaus sinnvoll ist zeigt vorliegender Behandlungsfall.

Die Überweisung erfolgte, weil die Darstellung der Kanaleingänge unter Lupenvergrößerung nicht möglich war. Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich zunächst, dass der vermeintliche Pulpakammerboden in Wahrheit das stark „abgesunkene“ Pulpakammerdach war.

Bereits nach kurzer Zeit konnten die Kanalorifizien mittels langschaftiger Rosenbohrer dargestellt werden.

Das palatinale Kanalsystem erschien relativ weit und liess bereits  initial ein klemmungsfreies Einbringen einer feinen Spülkanüle zu. Unter dem Mikroskop fiel auf, dass neben etwas trübem Sekret ein nadelförmiges Objekt in heller Dentinfarbe herausgespült wurde. Anstatt der routinemässigen Verwendung vollrotierender Nickel-Titan-Instrumente zum Etablieren des Gleitpfades wurde darauf hin der koronale Kanalanteil zunächst mit Gates-Glidden-Instrumenten erweitert. Die visuelle Inspektion liess erkennen, dass das Kanallumen ca. 3mm unterhalb des Einganges fast vollständig durch einen nicht wandadhärenten Dentikel verschlossen war. Mit Hilfe eines Microopeners konnten die koronalen 2/3 mit etwas Geduld entfernt werden.

Das apikale Kanaldrittel zeigte eine ampullenförmige Erweiterung, sodass der Dentikel zuerst mittels Ultraschall zerkleinert werden musste, um die restlichen Anteile nach koronal bewegen zu können.

Beim Anblick des Dentikels erinnerte ich

mich an so manchen Fall eines oberen Molaren bei dem es in den Jahren der mikroskoplosen Behandlung nach initialem Scouting des palatinalen Kanals zu einer plötzlichen Blockade des Kanalsystems mit hartem apikalem Widerstand kam. Insbesondere ab Verwendung von Handinstrumenten der Größe ISO 25 und größer. Wahrscheinliche Ursache war das unbemerkte Mobilisieren eines Dentikels und das anschliessende Apikalverschieben desselben. Je größer das eingesetzte Instrument umso „sicherer“ war die anschliessende Verblockung.

Der durch das Durchführen der gesamten endodontischen Behandlung erzielte Informationsgewinn wiegt die insbesondere zu Beginn des Arbeitens mit dem Mikroskop sehr flache Lernkurve und das Gefühl der fehlenden Orientierung mehr als auf. Das „Entdecken“ von Kanalkommunikationen, die Verwindung der eingesetzten rotierenden NiTi-Instrumente, die Debrismenge in den Spanräumen, die Menge und Art der herausgespülten Dentinspäne bzw. des alten Obturationsmaterials oder wie im vorliegenden Fall die Obliteration des Kanals durch einen intrakanalären Dentikel haben entscheidenden Einfluss auf die weitere Vorgehensweise und können bei Nichterkennen das Behandlungsergebnis kompromittieren.