Artikel in der „Zeit“ – Die Wurzel des Übels

von Hans – Willi Herrmann

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEr habe in der „Zeit“ über ein spezielles Wurzelkanalinstrument gelesen.
Ob ich den Artikel kennen würde, fragte der zur Wurzelkanalbehandlung überwiesene Patient beim Aus-der-Tür-Gehen.
Es war seine erste Behandlungssitzung bei uns, ich hatte ihm während unserer Behandlung ein wenig vom Aufbau der von uns verwendeten Instrumente erzählt.

Ich verneinte, aber schnell war klar, im Zeitungsbericht ging es um das Lentulo.

Natürlich wollte ich den Artikel lesen.
Ob er mir die Zeitung mitbringen könne, fragte ich.
Der Patient hielt Wort. Und brachte zur nächsten Behandlungssitzung  die betreffende „Zeit“- Doppelseite mit.

Ein ausführlicher Bericht über die Wurzelkanalbehandlung in der wohl renommiertesten deutschsprachigen Wochenzeitschrift ?

Jeder Lobbyverband wäre froh über soviel kostenlose PR.
Wer nachlesen möchte, was  über Zahnschmerzen und Möglichkeiten des Zahnerhaltes durch Wurzelkanalbehandlung geschrieben wurde, der nutze diesen Link bei „Zeit Online“ zum Nachlesen.

Dem einen oder anderen wird dabei vermutlich gegen Ende der ersten Seite das Lachen spontan aus dem Gesicht verschwinden. Die Autorin wagt es nämlich, das böse C- Wort nicht nur zu erwähnen, sondern darüber hinaus besagtes Desinfektionsmittel als das beste und eindrucksvollste überhaupt anzupreisen. Nur der Vollständigkeit halber. Von Kofferdam, Dentalmikroskop, elektrischer Längenmessung war bis dato  keine Rede, wird auch im Nachfolgenden nicht gesprochen und der Begriff „Spezialist“ wird lediglich im Zusammenhang mit Korallenriffen erwähnt.

Wer nun zum Schluss kommen sollte, die „Zeit“ sei auch nicht mehr das, was sie einstmals war, den möchte ich auf das Erscheinungsdatum des Artikels kurz vor Weihnachten hinweisen. Jahreszeitlich gesehen schwebt über diesem Aufsatz adventsbedingt also nicht nur die auch im Dezember drückend heiße Mittagssonne Timbuktus, sondern auch der zur Versöhnung und Völkerverständigung aufrufende Stern von Bethlehem.

Und daher schlage ich vor –  Friede auf Erden – gewissermaßen als guter Vorsatz für das gerade begonnene Jahr 2015 – einfach mal versuchsweise – rein hypothetisch – anzunehmen, das das in den Artikel Beschriebene wahr ist.

Wie ließ Arthur Conan Doyle seinen Helden Sherlock Holmes einst sagen: „Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.“

Es gab Jahrzehnte,  in denen die Endodontie generell als falsch verschrien war.
Es gibt Vorurteile aus dieser Zeit, die sich bis heute hartnäckig halten.
Die nicht tot zu kriegen, aber dennoch falsch sind.

Das alles im Hinterkopf und  dem entsprechenden zeitlichen Abstand sollte es doch heutzutage möglich sein, CHKM  erneut und vorbehaltlos zu revaluieren.

Was spräche also dagegen, in diesem Jahr einfach mal – von mir aus in den sogenannten hoffnungslosen Fällen – zu eruieren, ob man unter Zuhilfenahme „reinigender Kriechmittel“ die entsprechenden Zähne erhalten kann.

Und nächstes Jahr sprechen wir hier darüber, welche Erfahrungen gemacht wurden.
Einen Versuch wäre es wert und die Patienten  – die Autorin ist das beste Beispiel –  würden es danken.

Röntgenauswertung zur Behandlungsplanung (2)

von Ostidald Wucker

Die Beschwerden der Patientin waren vorrangig auf den Zahn 46 zurückzuführen. Der fehlende Kontaktpunkt am Zahn 47 wurde zunächst provisorisch wiederhergestellt.

Die Auswertung des Röntgenbildes am Zahn 46 war nicht einfach. Das Bild zegte eine Unschärfe, welche durch einen erhöhten Würgereiz und dem damit verbundenen verwackeln zusammen hing.

Unsere Diagnose am Zahn 46 lautet:
Z.n Wurzelbehandlung mit Perforation(en) Pulpaboden und Fremdkörperextrusion
VD Z.n Wurzelbehandlung mit Instrumentenfraktur, P. apicalis und Z.n. Wurzelbehandlung und Verdacht auf unbehandelte Kanalstrukturen

Im DVT zeigte sich, daß im mesiobukkalen Kanal der Verdacht auf eine Instrumentenfraktur besteht und es konnte die Lage des Fremdmaterials dreidimensional erfasst werden. Dadurch wurde das „Blindfischen“ nach dem Material erleichtert und es gelang die nahezu vollständige Entfernung desselben. Das Hilfsmittel der Wahl ist bei uns ein modifizierter Microopener und Microdebrider.

Nach der erfolgreichen Entfernung des Fremdmaterials wurde die Perforation mit ProRoot MTA abgedeckt. Die Entfernung des Fragmentes gelang in 2 Teilen in der darauffolgenden Sitzung. In der Masterpointaufnahme zeigte sich noch verbliebenes Obturationsmaterial, welches nach US aktivierter Spülung mit Natriumhypochlorit entfernt werden konnte. Im Bereich des mesialen Pulpenbodens registrierten wir eine Mikroperforation. Der Verdacht wurde durch Kontrolle mit dem elektrischen Längenmessgerät erhärtet. Die Perforation wurde nach der Kavitätendesinfektion und -reinigung und Wurzelfüllung mit ProRoot MTA verschlossen.

Abschließend kann man die Behandlung als wahrscheinlich erfolgreich einstufen. Bedenken hat uns die nicht revidierter laterale Kanal in der Disteln Wurzel bereitet. Dies im Blickfeld des Zustandes im Pulpencavum mit der massiven bakteriellen Besiedelung. Die mögliche Instabilität des Puppenbodens ist ein weiterer kritischer Punkt. Die prothetische Versorgung wurde zeitnah angeraten.

Wir werden über den weiteren Verlauf berichten.

 

Was sichert den Behandlungserfolg ?

von Donald Becker

Endodontisten lieben Seitenkanäle.
Zumindest wenn diese sich im Röntgenbild als gefüllt präsentieren.

Alles gut also in diesem Fall ?

Man weiss es nicht, ist doch eine nicht ins Auge fallende und demnach vollkommen unscheinbare Maßnahme im Vorfeld vermutlich der Vater oder hier sollte ich besser sagen die Mutter des Erfolges. Und die abgefüllten Seitenkanäle nur schmückendes Beiwerk, ihre  Bedeutung untergeordnet, ziemlich wahrscheinlich sogar unbedeutend.

Aber der Reihe nach.

Der jährige 51 jährige Patient wurde von seiner Hausärztin überwiesen.
Diese hatte an Zahn 21 ein starkes „Störfeld“ festgestellt.
Zahn 21 war vor ca. 4 Jahren von seiner Hauszahnärztin wurzelkanalbehandelt worden, der Patient hat gegenwärtig und hatte in all der Zeit keinerlei  Beschwerden.

Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich, dass die Kronen 11 und 21 miteinander verblockt sind.

Die gesamte Front von Zahn13 bis 23 ist klopfsensitiv.
Zahn 21 ist stark klopfempfindlich.

Auf die Sensibilitätsprüfung mit Kältespray reagieren die Zähne13, 22, 23 sofort eindeutig positiv, der Zahn 11 nach 1.5 Sekunden, die Zähne 12 und 21 reagieren nicht.

Der Zahn 21 zeigt sich parodontal unauffällig mit Taschen von maximal 3 mm und weniger.

Nennen Sie es klinische Erfahrung, aber irgendwie passen hier ein paar Dinge nicht zusammen, selbst wenn sich kein direkter Hinweis für diese Ahnung finden lässt. Auch das zu Hilfe genommenen Dentalmikroskop liefert kein Indiz für die von mir vermutete Dezementierung, aber letztendlich ist genau dies hier der Fall, wie sich beim Abtrennen der Krone offenbart.
Der Zahn wird  von der restaurativ tätigen Praxiskollegin mit einer Komposit- Restauration wiederaufgebaut, danach für die Aufnahme einer Krone präpariert. Nach Ausarbeitung und Konturierung wird die  angefertigte provisorische Krone abschließend bemalt und  mit Rely X adhäsiv eingegliedert.

Die eigentliche Wurzelkanalbehandlung erfolgt nun problemlos. Lediglich die Herstellung der apikalen Durchgängigkeit gestaltet sich als knifflig, erfordert angesichts der vorliegenden Situation (Stufe?, Obliteration?) einen höheren zeitlichen und instrumentellen Aufwand. Die abschließende WF mit warmer Guttapercha offenbart die beiden schon zu Beginn erwähnten Seitenkanäle, der Patient ist allerdings schon seit der ersten Behandlungssitzung beschwerdefrei, was, apikale Anatomie hin oder her, die Vermutung zuläßt, dass in der Tat die dezementierte Krone für die Schmerzsensation verantwortlich war.

Fazit: Gefüllte Seitenkanäle sind schön anzuschauen (und in Fällen wie diesem hier für den Behandlungserfolg verantwortlich). Hier jedoch war die koronale Abdichtung durch Kompositaufbau und Krone der Weg zum Erfolg. Mein Dank gilt meiner Teamkollegin für die hervorragende ästhetisch ansprechende Arbeit !

Röntgenauswertung zur Behandlungsplanung

von Ostidald Wucker

Die Patientin wurde uns mit akuten Beschwerden überwiesen. Die Zähne 47 und 46 waren druckdolent auf Palpation vestibulär, aufbissempfindlich und der Zahn 46 reagierte zusätzlich auf laterale Perkussion. Der Lockerungsrad ist an beiden Zähnen 0. Die Sondierungstiefen sind zirkulär zwischen 3-5 mm im Sinne einer P. marginalis adulta.

Die Füllungen sind insuffizient und zeigen Sekundärkaries und insuffiziente Füllungsränder. Die Wurzelbehandlungen beider Zähne sind ca. 12 Monate alt.

Die Röntgenbilder zeigten multiple Probleme an den Zähnen 46,47. Welche Diagnose können Sie an Hand der vorhandenen Röntgenbilder erkennen, bzw. welche Verdachtsdiagnosen bestehen?

Take Our Poll      
Take Our Poll

Geht´s auch ohne DVT – Die Fortsetzung

 von Donald Becker

Im letzte Woche hier vorgestellten Patientenfall zeigte das angefertigte DVT eine ausgeprägte interne Resorption in der palatinalen Wurzel. Die knöcherne Begrenzung zur Kieferhöhle im Bereich der palatinalen Wurzel war aufgelöst.

Beides zusammen könnte unangenehme Folgen haben im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung. Klinisch war die Resorption nicht auszumachen, denn auch ein OP -Mikroskop vermag nicht, bildlich gesprochen, die Ausdehnung einer Höhle auszumachen, die sich hinter dem schmalen Höhleneingang verbirgt.

Die Behandlung verlief problemlos, die Patientin war nach der ersten Behandlung schmerzfrei und ist es bis heute geblieben. Der apikale Part des palatinalen Kanals (Durchmesser > 1 mm) wurde mit MTA gedeckt, der Resorptionsdefekt mit erwärmter Guttapercha in Squirt- Technik.

Anbei Röntgenbilder der Behandlung und eine erste Röntgenkontrolle 7 Monate post WF. Der im Röntgenbild (Zustand nach MTA – Applikation) sichtbare Materialüberschuss ist im Übrigen zum größten Teil kein MTA, sondern Calciumhydroxid.

Neue Wege gehen – UK – Prämolar, 90 Grad gedreht – so ging´s weiter

von Donald Becker

Über diesen Zahn hatte ich hier geschrieben und möchte nun berichten, wie es weitergeht.

Letzten Mittwoch war der Patient nach 12 Wochen Liegezeit des CaOH2 als medikamentöse Einlage nun bei uns zur Wurzelfüllung.

Anbei Fotos/Röntgenbilder zum Fall.

Neue Wege gehen

von Hans – Willi Herrmann

Ich bin mir bewusst, dass dieser Beitrag gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden wird. So wie es immer ist, wenn man etwas neu und anders macht als bisher.
Ich möchte niemanden bekehren, viele Wege führen nach Rom, lediglich auf neue und – wie ich finde – interessante Möglichkeiten hinweisen, wie sie bislang in dieser Form nicht zur Verfügung standen.

Nachfolgend  zwei Fälle der letzten Woche: Während man beim ersten Fall (einem devitalen Zahn 13 bei einer 74 jährigen Patientin) sicher darüber streiten kann, ob die gezeigte Vorgehensweise zwingend notwendig wäre (sie ist es nicht, zeigt aber dennoch die Möglichkeiten einer minimalinvasiven Vorgehensweise bei der Trepanation), so liegt im zweiten Fall bei einem 13 jährigen Mädchen eine starke Obliteration des Wurzelkanals vor als Folge eines Traumas in jungen Jahren. Erst bei 13 mm lässt sich mit dem Dentalmikroskop ein erster Hinweis auf den ehemals vorhandenen Wurzelkanal erkennen, ein Befund, den ich auf Grund des geringen Alters und der großen Ausdehnung der apikalen Pulpa nicht erwartet hätte. Ohne die angewandte Vorgehensweise hätte ich Blut und Wasser geschwitzt.  Auch wenn ich bislang schon eine ganze Reihe ähnlich schwierige Zähne (mit tiefen Obliterationen bei selbst unter Dentalmikroskopkontrolle nicht  sichtbarem ursprünglichen Kanalverlauf) behandelt habe, stellen doch solche Ausnahmesituationen jedes Mal wieder eine  Herausforderung dar, über der das Damoklesschwert der Perforation und des Zahnverlustes schwebt.

Umso mehr freut es mich, dass wir in diesem Fall vorhersagbar und mit sehr geringem Substanzverlust die Trepanation des Zahnes durchführen konnten.

Was zeigt das DVT ? (5) – Zahn 46 und 47 vor WF – Revision

von Donald Becker

Ganz ehrlich- die Röntgenaufnahme 45 bis 47 sah für mich harmlos aus. Kein Grund, eine WF – Revision nicht in Angriff zu nehmen. Nach der Sichtung des DVT´s  war meine Einschätzung nicht mehr ganz so positiv.  Das 46 und 47 jeweils eine Radix entomolaris besaßen und bei beiden Zähnen nur 2 der 4 Wurzelkanäle bearbeitet waren, ordnete ich noch unter normalen Praxisalltag ein. Aber da war der im DVT nach zentral hin nun deutlich sichtbare Verlust an Zahnhartsubstanz im Bereich der  distolingualen Wurzel (Perforation oder Resorption?) von Zahn 46 und der wog schwer. Sollte man hier nicht besser dem Implantat den Vorzug geben gegenüber einem Versuch des Zahnerhaltes 46 mit nicht vorhersagbarer Prognose?  

Und was war mit dem Zahn 47 apikal los.
Die Wurzelkontur auf der vestibulären Seite lies mich vermuten, dass hier eine (offensichtlich unvollständige)  WSR vorgenommen worden war. Die Patientin bestätigte dann auf Nachfrage, dass in diesem Bereich mal eine „Zahnoperation“ vorgenommen worden war.  Auch hier stelle ich die Frage i nden Raum, ob man den Versuch des Zahnerhaltes 47 wagen soll angesichts der zur Verfügung stehenden Alternativen. 

Ich habe angesichts der Ausdehnung des distolingualen Hartsubstanzdefektes für die Extraktion  des Zahnes 46 plädiert mit nachfolgender Implantation.  Und angesichts dessen, dass nun hier ohnehin implantiert würde die Patientin darauf hingewiesen, dass man versuchen kann, den Zahn 47 zu erhalten, dass aber alle Argumente pro Implantat 46 auch auf den Zahn 47 zutreffen.

Hoffnungsloser Frontzahn – Lockerungsgrad 3 – Die Fortsetzung

von Donald Becker

Über diesen symptomatischen, mit einer Fistel versehenen, hochgradig gelockerten (weil mit einer Wurzelresorption behafttet) und damit  – machen wir uns nichts vor – im wortwörtlichen Sinne mehr als  „infaust“ einzustufenden Zahn 21 habe ich hier berichtet.

Und mich –  gemäß dem Motto „Nie aufgeben !“ – zunächst für den Versuch des Zahnerhaltes durch WF- Revision entschieden.

Nach Entfernung der vorhandenen Wurzelkanalfüllung, Beseitigung einer Stufe, Herstellung der apikalen Durchgängigkeit, Wurzelkanalaufbereitung, medikamentösen Einlagen, Wurzelkanalfüllung und nachfolgendem koronalen Bleaching in Walking Bleach- Technik präsentiert sich der Zahn nicht nur seit der ersten Behandlungssitzung schmerzfrei, sondern darüber hinaus (für die vorhandene Ausgangssituation) bemerkenswert befestigt.

Er weist nun einen Lockerungsgrad von etwas mehr als 1 auf und zeigt gegenüber seinem Pendant 11 (mit einem Lockerungsgrad 1) eine nur unwesentlich stärkere Beweglichkeit.

Ein – wie ich finde – sehr erfreuliches Ergebnis.

Hoffnungsloser Frontzahn – Lockerungsgrad 3

Von Donald Becker

Hier war guter Rat teuer.

Die Patientin, ein 17 jähriges Mädchen, war von einem Überweiser an uns verwiesen worden, nachdem ihn eine Kollegin in einer Mail um Hilfe gebeten hatte:

„Hallo XXX,

hier die Rö-Bilder des Zahnes 21. Nach langer Suche hatte ich irgendwann den Kanal gefunden.
Die Meßaufnahme war 15 mm ( RH: inz).
Abgefüllt ist der Zahn mit einem Gutta Stift Gr. 50. Leider fistelt der Zahn jetzt. Vielleicht hast du ja eine Idee.

Danke dir

Liebe Grüße

YYY“

War röntgenologische Befund schon deprimierend genug, so stellte sich die klinische Situation noch prekärer dar. Aus der bei Erstvorstellung in unserer Praxis noch immer vorhandenen Fistel entleerte sich Pus, die Patientin hatte Schmerzen und der Zahn wies (nicht verwunderlich angesichts der vermutlich als Zustand nach KFO vorhandenen Wurzelresorption und dem entzündlich bedingten Knochenbau) einen Lockerungsgrad von 3 auf.

Ich möchte daher die Frage des Hauszahnarztes weitergeben, vielleicht haben Sie, liebe Leser, eine Idee:

Wie sollte im vorliegenden Fall konkret vorgegangen werden und welche Prognose hat die von Ihnen präferierte Therapie ?

Anbei noch 2 OPG – Bilder und ein Video des angefertigten DVT´s.

Eine Bemerkung noch zu den „beiden“ OPG`s.

Es handelt sich bei beiden Bildern um die gleiche Aufnahme, es wurde also nur ein OPG erstellt.  Die Bilder zeigen vielmehr das Original – OPG und die veränderte Aufnahme nach Anpassung der Frontzahnschicht auf die patientenspezifische Situation. Ein Feature, das unser Röntgengerät bereithält. Man sieht eine verbesserte Erkennbarkeit der Frontzahnbereichs, die in diesem Falle sich in einem (für mich tolerablen)  wellenförmigen Verlauf der OK- Eckzahn- und Prämolarenwurzeln niederschlägt.

Hier noch das Video.

„Chapeau“ oder der Wirt und die Wette

von Donald Becker

Der Patient, heute Ende 40, suchte im Februar 2011 wegen Beschwerden in Regio 35 unsere Praxis auf.
Ein angefertigter Zahnfilm des nicht auf einen durchgeführten Kältetest reagierenden, überkronten und als Brückenpfeiler dienenden Zahnes 35 ergab eine 6 * 12 mm messende apikale Aufhellung.

Der Zahn 35 wurde daraufhin am 09. Februar 2011 initial wurzelkanalbehandelt.
Nach Calciumhydroxideinlage erfolgte dann am 01. Juni 2011 die Wurzelkanalfüllung.

Am 23.Oktober 2013 suchte der Patient wieder unsere Praxis auf.
Die Röntgenkontrolle zeigte eine vollkommene knöcherne Konsolidierung der ehemals vorhandenen apikalen Knochendestruktion.

Der Patient, vor etlichen Jahren beruflich bedingt von unserem Praxisstandort weggezogen, ist mir aber aus einem anderen Grund nachhaltig in  Erinnerung geblieben:

Er suchte im März 2000 mit extremen Zahnschmerzen unsere Praxis als Notfallpatient auf. Er hatte 2 Tage nicht geschlafen und verlangte die Extraktion des bereits irgendwann einmal alio loco wurzelkanalbehandelten Zahnes 25.

Die Symptomatik war nicht eindeutig, aber im Gegensatz zum Patienten vermutete ich nicht den Zahn 25, sondern den ebenfalls klopfempfindlichen und schwach auf den Kältetest reagierenden  Zahn 24 als Schmerzauslöser.

Der Patient, Koch und Restaurantchef, beruflich stark eingebunden, bestand jedoch darauf, das ich zunächst seinen Zahn 25 behandle.  Originalzitat: „Ich wette mein Haus darauf, dass es dieser Zahn ist, der die Schmerzen verursacht.“ Bei der WF- Revision fand sich mit dem damals noch weithin unbekannten Operationsmikroskop ein zweiter Wurzelkanal im Zahn 25, dessen bisherige Nichtbearbeitung als Grund für die Schmerzproblematik hätte dienen können.

Die Schmerzen blieben jedoch weiterhin bestehen, worauf der Patient nach einer weiteren schlaflosen Nacht mir am nächsten Tag die Erlaubnis gewährte, nun auch den Zahn 24 endodontisch zu behandeln. In diesem war es deutlich schwieriger, die 2 vorhandenen Wurzelkanäle aufzufinden, es fand sich zunächst nur einer, aber im Hinblick darauf, dass schon Zahn 25 2 Kanäle besaß, konnte ich sehr sehr sicher davon ausgehen, dass der Zahn 24 nicht weniger Kanäle haben würde.

Nach durchgeführter initialer Wurzelkanalbehandlung an Zahn 24 mit Instrumentation des einzigen auffindbaren Wurzelkanals verschwanden die Schmerzen und mit Ihnen der Patient, der die nächsten 3 WK – Termine verfallen liess. Erst im Juli 2001, also mehr als ein Jahr nach Behandlungsbeginn, konnte mit der Wurzelkanalfüllung an Zahn 24 (der zweite Wurzelkanal war schließlich doch noch auffindbar) die Behandlung abgeschlossen werden.

Diesen Fall habe nach Behandlungsende in der Zahnmed- Liste von Michael Logies vorgestellt und sah mich daraufhin harter  Kritik  von Seiten eines endodontisch engagierten Kollegen ausgesetzt. Das seiner damaligen Mail vorangesetzte und mir bis heute unvergessene „Chapeau, Herr Kollege!“ klang zwar auf den ersten Blick anerkennend, war aber aus seinem Munde zynisch zu verstehen, unterstellte er  doch im Nachfolgenden angesichts eines von seiner Vorgehensweise abweichenden Behandlungsprotokolls eine Fehlbehandlung.

Umso mehr freue ich mich, das bei besagtem Patienten, der in den Jahren 2005, 2007, 2009 unsere Praxis zu Nachkontrollen aufsuchte, alle bislang von uns endodontisch behandelten Zähne 15, 24, 25 und zuletzt, wie oben aufgeführt,  auch Zahn 35 bis heute erhalten werden konnten.

Der Patient hat im Übrigen Besserung gelobt, seine parodontale Situation betreffend. Wenn er seinen bisherigen Turnus beibehält, werde ich vermutlich 2016 nach der nächsten Verlaufskontrolle an Zahn  35 berichten können,  ob er sich zwischenzeitlich dazu entschliessen konnte, engmaschige reguläre Zahnarzt- und Prophylaxetermine  wahrzunehmen.

Was zeigt das DVT ? (5) PA – Abszess, frakturiertes Instrument – Abstimmungsergebnisse

von Donald Becker

Im Beitrag „Was zeigt das DVT ? (5) PA – Abszess, frakturiertes Instrument“ stellte ich den Fall einer 26 jährigen Patientin vor, die als dringlicher Sehmerzfall unerwartet notfallmäßig unsere Praxis aufsuchte. Ich fragte die Leser nach ihren Einschätzungen, den Fall, seine Prognose und eine mögliche Therapie, sowohl die Notfallsituation als auch diesich anschließende weitere Behandlung betreffend.

Hier zunächst die Ergebnisse der Umfragen jeweils mit meinen Ansichten und Vorgehensweisen ergänzt:

1. Notfallbehandlung

In der nachfolgend aufgeführten Liste sehen sie das Ergebnis der Abstimmung.

Ich habe mich für die WF- Revision als Notfall- Behandlungsmaßnahme entschieden. Natürlich ist dies die zeitaufwändigste Alternative und wirft vermutlich – wie auch in unserem Falle – den Zeitplan der Praxis über den Haufen. Solche „unerwünschten Nebenwirkungen“ lassen sich  durch entsprechende praxisorganisatorische Maßnahmen (Einrichten von Schmerzzonen) möglicherweise zwar nicht gänzlich ausschalten, aber doch auf ein in der Regel vertretbares Maß verringern.

Der systemischen Antibiotikagabe im Rahmen der endodontischen Therapie  stehe  ich generell sehr skeptisch gegenüber.
Ich sehe ihre Indikation auf deutlich raumgreifende eitrige Entzündungen (die sprichwörtlichen „dicken Backen“) beschränkt, wobei auch hier immer eine solche Maßnahme mit einer kausal therapierenden (sprich wurzelkanalaufbereitenden) einhergehen muss. Als schmerzausschaltende Maßnahme ist die alleinige Antibiotika- Gabe im Übrigen nicht geeignet, diesbezüglich gibt es Studien, welche die Unwirksamkeit belegen.

2. Weiterführende Therapie

Bei der weiteren Therapie hat der überwiegende Teil der Abstimmenden (78,4 %) für die Revision gestimmt. Angesichts des Alter der Patientin auf jeden Fall eine lobenswerte Entscheidung, vollkommen ungeachtet der Schwierigkeiten, die möglicherweise mit einem solchen Fall verbunden sind. Das abgebrochene Instrument hat eine nicht unbeträchtliche Länge, liegt im apikalen Drittel der Wurzel und ist vermutlich mit dem Dentalmikroskop nicht einsehbar. Auf Grund des Durchmessers und der Länge des Fragmentes ist davon auszugehen, dass es sich nicht um einen Torsionsbruch, sondern um einen Ermüdungsbruch handelt, das Fragment daher möglicherweise über seine gesamte Fläche hinweg sich ins Dentin eingeschraubt hat und demnach sehr fest sitzt.

3. Prognose

Bei der Prognose stimmten 48 % für eine gute Prognose bei WF- Revision.
Für mich ein überraschend positives Ergebnis. Ich persönlich würde  in einem  Fall wie dem vorliegenden für „nicht vorhersagbar“ stimmen. Wir müssen von einer massiven Infektion des Wurzelkanalsystems ausgehen und wissen nicht, ob es uns möglich sein wird, besagtes Fragment zu entfernen.  In diesem Fall wäre dann aber davon auszugehen, dass  sowohl die Reinigung und Desinfektion wie auch die nachfolgende Wurzelkanalfüllung in dem zu erzielenden Ergebnis als kompromitiert anzusehen sind.

Was zeigt das DVT ? (5) PA – Abszess, frakturiertes Instrument

von Donald Becker

Die 26 jährige Patientin, überwiesen im Hinblick auf eine mögliche  Erhaltungsfähigkeit des Zahnes 36  durch endodontische Maßnahmen suchte unerwartet schon vor dem vereinbarten Beratungsgespräch  als dringender Schmerzfall unsere Praxis auf.

Zahn 36 stellte sich dar als  Zustand nach WF ca. 6 Monate zuvor durch den Hauszahnarzt. Ein frakturiertes Instrument befand sich in der mesialen Wurzel, die
Überweisung durch Hauszahnarzt erfolgte zur Beurteilung der Möglichkeit des Zahnerhaltes durch WF – Revision  36.

Der klinische Befund ergab starke Schmerzen und eine leichte vestibuläre Schwellung im Sinne eines PA – Abszesses an Zahn 36, der Perkussionstest zeigte Zahn 35 minimal klopfempfindlich, Zahn 36 leicht leicht klopfempfindlich. Eine Sensibilitätsprüfung mittels  Kältespray  ergab negative Reaktionen an Zahn 35 und 36.

Im PA- Befund wies der Zahn 36 folgende Werte auf:

distovestibulär 2 mm
vestibulär 3 mm
mesiovestibulär 2 mmmesiolingual 2 mm
lingual 2 mm
distolingual 3 mm

Lockerungsgrad 0

Nun die Frage an die Leser, zu beantworten in den Kommentaren oder in den Umfragen:

Welche Therapieempfehlung sollte der Patientin gegeben werden ?

Wie sieht die Schmerzbehandlung aus ?

Wie ist die Prognose der jeweiligen angestrebten Lösungen ?

Take Our Poll
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Was zeigt das DVT ? (4) – Resorptionen- Die Antworten Teil 2 : Fall 3

von Hans – Willi Herrmann

Fall 3

Zahn 47, 46

Die 62 jährige Patientin suchte wegen einer unklaren Schmerzsymptomatik im rechten Unterkiefer- Seitenzahnbereich  unsere Praxis auf.

Zahn 45 wurde deshalb schon extrahiert, die Schmerzen persistierten weiterhin, dann kam die Überweisung durch den Hauszahnarzt zur Revision der vorhandenen WF in Zahn 46.

Der Zahn 46 war bislang klinisch unauffällig, die Patientin konnte sich nicht erinnern, wann die WF ehemals erfolgte.

Auf den durchgeführten Klopftest reagierte der Zahn 46 leicht positiv, Zahn 47 reagierte nicht. Eine an Zahn 47 und 46 durchgeführte PA – Messung zeigte unauffällige Taschentiefen an beiden Zähnen.

Die Patientin machte auf uns einen zwiespältigen manischen Eindruck. Ein solch erster Eindruck kann trügen, aber als sich im Konzilgespräch mit dem Hauszahnarzt herausstellte, daß die Patientin, die vom Vorbehandler in der persönlichen Anrede nur mit Vornamen gesprochen hatte und der Eindruck entstand,dass sie diesen seit Kindertagen schon kannte, diesen erst seit wenigen Wochen zum ersten Mal aufgesucht hatte, konnte dies die Fragezeichen nicht entkräften.  Vermutlich jeder von uns kennt solche Patienten. Aussagen bezüglich der Symptomatik, insbesondere, was die Intensität der Schmerzsensation angeht, sind oft zu relativieren, da diese Patientengruppe zu drastischen Beschreibungen neigt. Im Gegensatz zum Hauszahnarzt, der nach dem Zahn 45 den Zahn 46 als Schmerzquelle ausgemacht hatte, vermutete die Patientin den Zahn 47 als Schmerzursache.

Auch wenn nichts auf den Zahn 47 als Grund der Beschwerden hindeutete, passte das im Rahmen der Anamnese zusammengestellte Schmerzprofil und die  klinischen Befunde nicht so recht zur  klinischen Situation des Zahnes 46. Insbesondere die heftige Heiß/Kaltempfindlichkeit irritierte, denn auch wenn der Zahn 46 radiologisch nicht einwandfrei war, so würde man zum Beispiel mit der um die distale Wurzel sichtbaren apikalen Aufhellung eine andere Beschwerdeproblematik vermuten.

Andererseits gab es im Zahnfilm 47 keinen Hinweis auf eine Karies oder eine pulpanahe Füllung. Wäre vielleicht ein Zahn im Oberkiefer die Schmerzursache ? Das diesbezüglich angefertigte OPG gab keine konkreten Hinweise.

Die Auflösung lieferte das DVT. Rein zufällig im Übrigen, ich hatte den betreffenden Befund  – eine externe Resorption, mesiovestibulär an Zahn 47 (im nachfolgenden Video ab 2.00 Minuten)- in keinster Weise vermutet.

Selbst mit dem Wissen um den vorhandenen Defekt war es danach im Übrigen nur schwierig möglich, klinisch die betreffende Stelle mit einer zahnärztlichen Sonde darzustellen. Und von aussen zu sehen war schon mal gar nix. Die ausgelöste Schmerzsensation bewies dann aber, dass dieser Defekt in der Tat für die seit einiger Zeit vorhandene Schmerzproblematik verantwortlich war. Aber auch mit diesem Wissen war es mir nicht möglich, an Hand des vorhandenen Zahnfilmes die Resorption zu diagnostizieren. Mit viel Fantasie liesse sich nun rückblickendvielleicht die Resorption im Zahnfilm erahnen. Eine gesicherte Diagnose jedoch auf besagten Zahnfilm vorab zu stützen wäre unmöglich. Fakt war jedoch, die Patientin – Manie hin oder her –  hatte den richtigen Zahn als Schmerzursache vermutet.

Der Patientin schlug ich die Deckung des vorhandenen Defekts mit einer dentinadhäsiven Kompositfüllung und nachfolgender Wurzelkanalbehandlung vor.
Angesichts der geringen und eher oberflächlichen Lokalisation der Resorption mit guter Prognose.

Die Patientin entschied sich jedoch für die Extraktion des Zahnes.

Epilog

Vor einigen Wochen suchte die Patientin wegen einer anderen Schmerzproblematik wieder unsere Praxis zur Beratung auf.

Zwischenzeitlich waren nicht nur der Zahn 47, sondern im gleichen zeitlichen Kontext mit der Extraktion 47 war auch der Zahn 46 entfernt worden.

Was zeigt das DVT (4) – Resorptionen – Die Antworten – Fall 1

von Hans – Willi Herrmann

Fall 1

Fall 1 war für mich angesichts des vorliegenden Röntgenbildes von Dezember 2011 eindeutig eine externe Resorption. Dezentral gelegen, unsymmetrisch, Ränder ausgefranzt, der Wurzelkanal in seiner Kontinuität erhalten.

Ein weiteres, exzentrisch angefertigtes Röntgenbild bestätigte die Vermutung einer externen Resorption.

Der Patient kam mit leichter extraoraler Schwellung im Bereich der rechten Wange. Im Bereich von 13 war die Wange druckdolent, der Druckschmerz hielt nach Palpation dann auch etwas länger an. Die Situation bestand seit etwa einer Woche, wobei die Schwellung im Laufe der letzten Tage zugenommen hatte.

Mit dem Heidemann-Spatel unter Dentalmikroskop- Kontrolle habe ich nach der externen Resorption gesucht und diese auf der palatinalen Seite gefunden, deutlich subgingival.

In der Behandlungssitzung wurde zunächst nach Anästhesie aufgeklappt, der bis an die Knochengrenze reichende Resorptionsdefekt präpariert und adhäsiv mit Floxkomposit verschlossen.

Anschließend wurde die Krone an Zahn 13 trepaniert und die eigentliche Wurzelkanalbehandlung durchgeführt.

Den Zustand nach Defektdeckung und endodontischer Behandlung zeigt das WF – Kontrollbild von Januar 2012 .

Was zeigt das DVT (4) ? Die Fälle

von Hans – Willi Herrmann

Im heutigen Beitrag – angestossen durch eine Diskussion auf Zahnmed, der zahnmedizinischen Emailliste von Michael Logies – möchte ich das radiologische Erscheinungsbild von Resorptionen ein wenig in den Mittelpunkt des Interesses stellen.

4 Röntgenbilder habe ich hierzu ausgesucht.
2 davon zeigen eine externe Resorption, das 3. eine interne Resorption, im 4. Fall findet sich keinerlei Resorptionsgeschehen.
Zwei Patienten hatten Schmerzen, zwei keine Schmerzen.
Als Hinweis sei noch angegeben, das in jedem Röntgenbild maximal ein Zahn ein Resorptionsgeschehen zeigt.

Nun hoffe ich auf rege Beteiligung in den Kommentaren, sei es denn eine kurze Nennung, gerne jedoch auch mit präziseren Diagnosen, Therapievorschlägen und Prognosen.

Was zeigt das DVT ? (3)- Die Auflösung

von Hans – Willi Herrmann

Im hier vorgestellten Fall suchte die Patientin unsere Praxis zur Revision der vorhandenen Wurzelkanalfüllung an Zahn 46 auf. Anlass war eine vor 9 Monaten aufgetauchte, auf Antibiotikagabe ansprechende extraorale, den Unterkieferrand umfassende Schwellung der linken Gesichtshälfte.

Das angefertigte DVT zeigte, den Zahn 46 betreffend, eher unauffällige Verhältnisse.
Zwar weist die distale Wurzel eine kleine apikale Aufhellung auf, als Ursache für eine massive Schwellung, wie von der Patientin beschrieben, erscheint der Befund aber eher atypisch.

Stattdessen zeigte sich im DVT (ein reiner Zufallsbefund wohlgemerkt) das Vorhandensein eines Speichelsteines im Ausführungsgang der Glandula sublingualis bzw. Glandula mandibularis. Der Speichelstein liegt einige Millimeter unterhalb des Mundbodens und ist daher klinisch nicht sichtbar. Selbst nachdem ich weiß, wo er aufzufinden ist, findet sich im Mund zunächst kein Hinweis. Komprimiert man den Mundboden mit dem Fingern oder einem Spiegel zeichnet sich der Speichelstein sichtbar ab, um nach Wegnehmen des Druckes sofort wieder in der sublingualen Tiefe des Mundbodens zu verschwinden.

Therapie
Chirurgische Exzision des Speichelsteines.

Eine Revision der Wurzelkanalfüllung erscheint nicht kausal notwendig, um eine erneute Schwellung zu verhindern, entsprechende Termine wurden gestrichen.

Zahnschmerzen können grausam sein (II)

von Hans – Willi Herrmann

Ein Kollege schrieb in einer privaten Mail zu diesen Fällen: „Bemerkenswert einfach !“

Und da mag er – aus seiner Sicht – Recht haben.

Bemerkenswert einfach sind solche Fälle immer dann, wenn man weiss, „wie es geht“.

Für Andere, denen besagter Lösungsweg fehlt, mögen diese Fälle gar nicht mehr so einfach, möglicherweise sogar schwierig bis unlösbar sein.

Fakt ist, dass keiner der Vorbehandler den Patienten wissentlich die Schmerzausschaltung vorenthalten wollte.
Jeder Zahnarzt will dem Patienten helfen.

Der sadistische Zahnarzt als Stereotyp aus irgendwelchen Hollywood – Filmen ist eine Fiktion.
Im Gegenteil. Studien haben gezeigt, dass ein zahnärztlicher Behandler besonderem Stress ausgesetzt ist, wenn ein Patient Schmerzen erfährt. Und nichts ist unbefriedigender, als einen Patienten mit manifesten Schmerzen ohne adäquate Schmerzausschaltung ziehen lassen zu müssen.

Wir können also davon ausgehen, dass den Behandlern in den vorliegenden Fälllen nicht der Wille, sondern lediglich der notwendige Lösungsweg fehlte.

Ende Januar diesen Jahres habe ich mein 20 jähriges Berufsjubiläum „gefeiert“.

Rückblickend waren es nur wenige, banal erscheinende Ereignisse, die meinen Weg geführt, geprägt haben.

Ein Buch, das Augen öffnete für eine neue Welt der Zahnmedizin mit dem Dentalmikroskop. Ein Patient im Notdienst mit einer Knochennekrose nach Einlage eines Devitalisierungsmittels. Zu sehen, wie einfach Kofferdam auch in scheinbar schwierigen Situationen appliziert werden kann. Ein massiver Phönixabszess nach Offenlassen eines bis dato relativ unproblematischen OK- Schneidezahnes. Ein Artikel über eine effizeinte Aufbereitungstechnik bei engen Wurzelkanälen.

Ich hatte Glück. Ich habe in der so wichtigen ersten Zeit des Berufsstartes gelernt, gesehen, erfahren, dass Dinge funktionieren. In Situationen, von denen viele sagen, dass hier besagte Vorgehensweise nicht funktionieren kann.

Denn zu oft hört man: „Das klappt eh nicht. Das ist in der Praxis nicht umsetzbar. Das kann man an der Uni so machen, aber nicht im zahnärztlichen Alltag.“

Wir hier bei WURZELSPITZE möchten zeigen, wie es geht.
Unsere Lösungswege aufzeigen.
Es gibt viele andere.
Und das will keiner hier in Frage stellen. Hier geht es nicht darum, Dogmata aufzustellen. Lediglich um praktikable Lösungen. In der Hoffnung, dass Kollegen, so wie ich damals, dadurch ein wenig besser, einfacher, sicherer,erfolgreicher ihren Weg in die Zahnmedizin finden.

Die Staffette weitergeben. Dafür schreibe ich.

Zahnschmerzen sind grausam – die Fortsetzung

von Hans – Willi Herrmann

Bei den 3 hier letzte Woche vorgestellten Fällen habe ich das gemacht, was ich immer tue.

Anästhesie, Kofferdam, Sondierung der Kanäle mit Handfeilen ISO 006 bis 010, Bestimmung der Wurzelkanallänge.
Danach Instrumentation mit einer VDW Reciproc 25- Feile auf Apex minus 0,5 mm in den Fällen, in denen sich die Wurzelkanallänge mittels Apexlokator  einwandfrei und reproduzierbar bestimmen lässt.

In Fällen, in denen die Apexmessung zwar durchführbar,  aber zu diesem frühen Zeitpunkt der Wurzelkanalbehandlung noch nicht eindeutig und reproduzierbar ist,  Aufbereitung mit VDW Reciproc 25 auf Apex minus 2 mm unter permanenter Kontrolle mittels Apexlokator.

In Fällen, in denen es nicht möglich ist, mit den Handinstrumenten bis auf Apexlänge zu kommen, erfolgt zunächst eine koronale Aufbereitung mit der VDW Reciproc 25, danach apikale Sondierung mit Handinstrumenten bis ISO 010. Anschließend wie oben beschrieben der apikale Einsatz der VDW Reciproc 25 – Feile.

Gespült wurde intermittierend mit 3%iger NaOCl- Lösung, auf 50 Grad erwärmt.

Am Ende der Behandlung wurden die Wurzelkanäle mit Papierspitzen getrocknet und danach in jedem Wurzelkanal das Endox – Gerät mit jeweils einem Stromstoss apikal angewandt.

Im Anschluss daran Ledermix – Einlage mittels Ultradent Skinny Syringe- Spritze und Kanüle in die Kanäle appliziert.

Abdeckung der Wurzelkanaleingänge mit Teflon- Band.
Abschließend Verschluß der Trepanationsöffnung mit einer Fuji F9 – Glasinonomerzementfüllung.

Alle 3 Patienten waren am nächsten Tag beschwerdefrei.
Und sind es bis Ende der Behandlung geblieben.
Alle 3 Wurzelkanalbehandlungen wurden zwischenzeitlich abgeschlossen.

Der von unserer Seite  obligatorische Anruf beim Patienten am Tag nach der Behandlung ergab, daß bei  allen dreien die zum Teil über einen Monat lang vorhandenen Beschwerden, welche zum Teil  starken Schmerzcharakter besaßen, verschwunden waren.

Für die Patienten wie von Zauberhand, insbesonders nach der langen Zeit.
Vor allem erstaunlich für diese im Hinblick darauf, dass ein Verschluss des Zahnes zwischen den Behandlungssitzungen als nicht zielführend eingestuft worden war und die Patienten dies im bisherigen Verlauf der Behandlung, wann immer der Versuch unternommen wurde, den Zahn zu verschliessen, als problematisch erlebt hatten.

Wo sind die Gründe für den Misserfolg zu suchen ?

Im Falle des Zahnes 47 wurde die vorhandene Krone abgetrennt.
Es fand sich eine zerbröselte Ausbaufüllung und Sekundärkaries. Der Zahn wurde mit einer dentinadhäsiv verankerten Kunststoffrestauration aufgebaut.
Gab diese Maßnahme hier den Ausschlag ? Vermutlich nicht, denn der Zahn war ja ohnehin offen, da spielte vermutlich die undichte Krone keine Rolle. Ist der stabile, bakteriendichte Aufbau eine Grundvoraussetzung adäquaten Arbeitens ?  Definitiv.

Im Falle des Zahnes 25 wurde die vorhandene Krone ebenfalls entfernt, um mehr Übersicht zu haben. Die vorhandene Krone war dicht und es gab keinen Hinweis für eine koronale Reinfektion durch die Krone, wenn man davon absieht, dass der Zahn einen Monat lang offen, die Trepanationsöffnung mit einem medikamentengetränkten Wattepellet versehen war.

Bei Zahn 44 wurde die vorhandene Krone (sie war relativ neu und zirkulär dicht, der Zahn kariesfrei) belassen.

An der bis dato durchgeführten Aufbereitung kann es in diesen Fällen sicher nicht gelegen haben. Die Wurzelkanäle sind in den Röntgenbildern einwandfrei zu sehen und schon röntgenologisch als erweitert zu erkennen. Intraoperativ zeigten sich in allen drei Fällen, dass die Aufbereitung auf jeden Fall soweit durchgeführt worden war im Vorfeld, dass eine ausreichende Wirkung der Spülflüssigkeiten und Medikamente vorausgesetzt werden kann.

Woran lag es also dann ?

An den eingesetzten Spüllösungen  ?
Den verwendeten medikamentösen Einlagen ?
Am Offenlassen des Zahnes ?

Es gibt keinen Grund, darüber zu spekulieren, solange man weiss, daß  die oben beschriebene Vorgehensweise funktioniert.
Dem Patient ist es ohnehin egal, Hauptsache, es wird ihm geholfen.
Denn – wie schon zu Beginn geschrieben – Zahnschmerzen sind grausam.
Und das vornehmste Ziel des Zahnarztes ist es, den Patienten von seinen – teils unerträglichen Schmerzen zu befreien und – ihm seinen Zahn zu erhalten.

Zahnschmerzen können grausam sein

von Hans – Willi Herrmann

Nachfolgend exemplarisch 3 Fälle des letzten Monats.
Ihnen ist  gemeinsam, daß die Patienten über einen Zeitraum von mindestens einem Monat (Minimum 4 – Maximum 6 Wochen) an immer wiederkehrenden, zum Teil sehr starken Zahnschmerzen litten.

Die Therapie bis dato trotz wiederholter Behandlungen brachte keinen Erfolg.

In allen drei Zähnen (Rö Bild 1 -Zahn 44, Rö- Bild 2 Zahn 25, Rö- Bild 3 Zahn 47)  sind die Wurzelkanäle weit aufbereitet, daß davon ausgegangen werden kann, daß eingebrachte Desinfektionslösungen und Medikamente ihre Wirkung entfalten konnten, die eingesetzten Substanzen sind  in der Zahnmedizin seit vielen Jahrzehnten bekannt und renommierte Endodontologen haben deren Wirksamkeit in Studien bestätigt.

Was sagt man nun diesen Patienten ?
Soll weiter der Versuch der Zahnerhaltes gewagt  oder sollte der jeweilige Zahn entfernt werden ?

Die Patienten sitzen bei uns auf dem Behandlungsstuhl und erwarten konkrete Hilfe.

Was wäre eine sinnvolle Vorgehensweise, um dem jeweiligen Patienten die Schmerzen zu nehmen und den Zahn zu erhalten ?

Ich werde nächste Woche berichten, wie ich konkret den jeweiligen Zahn behandelt oder gegebenenfalls auch nicht behandelt habe.
Das gibt dem interessierten Leser die Möglichkeit, Behandlungsvorschläge als Kommentar eingestellt werden.



Was braucht´s zur Heilung ?

von Ronald Recker Der Patient suchte unsere Praxis am 14.12.2010 mit Schmerzen an Zahn 15 und einer vestibulären Schwellung  in Regio 15 auf. Die vorhandene Krone an Zahn 15 war vor einiger Zeit verloren gegangen.  Jetzt – kurz vor dem geplanten Weihnachtsurlaub in Ägypten – machte der Zahn Probleme. Der Zahn 15 wurde mit einer Kompositrestauration  versehen, anschließend trepaniert,  initial aufbereitet und mit einer Ledermix – Einlage und abschließendem Glasionomerzementverschluss der Trepanationsöfnung versehen. Am nächsten Tag war der Patient beschwerdefrei, die Woche darauf trat er, wie vorgesehen, seinen Urlaub an. In der zweiten Behandlungsitzung am 25.01.2011 wurde der Zahn vollständig aufbereitet, der Masterpoint eingemessen und für die WF – Sitzung eingetütet. Nach der medikamentösen Einlage mit CaOH2 und dem abschließenden Glasionomerzement – Verschluss verließ der Patient die Praxis. Und kam knapp  2 Jahre nicht wieder. Erst der Verlust des Kompositaufbaus mitsamt F9 -Verschluss veranlasste den Patienten, einen neuen Termin zu vereinbaren. So saß er nun am 07. November 2012 wieder auf unserem Stuhl, etliche Wochen nach dem Verlust des Aufbaus, aber immer noch ohne Schmerzen. Diese waren unmittelbar nach der ersten Sitzung verschwunden und seitdem bis zu diesem Tage nie wieder aufgetaucht. Auch die ehemals vorhandenen Aufbissbeschwerden hatten sich nicht mehr eingestellt. Leider war der Zahn zwischenzeitlich weiter kariös weggefault. Koronal war kaum noch harte Zahnsubstanz vorhanden. Eigentlich sehr sehr schade, denn apikal war der ehemals vorhandene Knochendefekt vollständig ausgeheilt. Ein wenig sauberes Calciumhydroxid war im Übrigen mit dem Dentalmikroskop noch apikal auszumachen. Auch im Kontroll – Röntgenbild ist es zu sehen. Und jetzt die Fragen… Hätte das Ganze überhaupt heilen dürfen ? Und hätte nicht nach der langen Zeit sich ein Misserfolg wiedereinstellen müssen ? Hätte sich nicht spätestens nach Verlust der Deckfüllung der Misserfolg rasch wiedereinstellen müssen ?

Neuralgiforme Beschwerden

von Bonidald Wicker

Die Patientin hat seit 1-2 Wochen heftigste Beschwerden.
Diese wurden von Ihr so beschrieben:

  • ausstrahlend vom Oberkiefer links bis in das Ohr und Kiegergelenk, sowie den Unterkiefer links
  • stark zunehmend und zur Verzweifelung neigend
  • verordnete Schmerzmittel versagten
  • suizidale Gedanken wegen der Beschwerden
  • nicht zahnbezogen

Die Verzweifelung trieb die Patientin auf Empfehlung von Bekannten in unsere Praxis. Zuvor erfolgte eine hausärztliche Therapie auf grund neuralgieforme Beschwerden und Kiefergelenksbeschwerden.
Die zahnmedizinische Anamnese ergab.
Vor kurzer Zeit Erneuerung der Versorgung an dem Zahn 27, wegen fehlendem Kontaktpunkt mesial und vorhergehenden Problemen am Zahnfleisch. Klinisch zeigte sich die Kunststofffüllung am Zahn 27 ohne Befund. 26 wurde vor über 10 Jahren mit einer Metallkeramikkrone versorgt. 24 und 25 zeigten Kunststofffüllungen, welche erneuerungsbedürftig sind.

Diagnostik:
Die Zähne 25, 27, 28 zeigten eine positive Reaktion auf Kälte. 26 und 24 zeigten keine Reaktion. Der Kältereiz ergab keinen Hinweis auf einen schmerzauslösenden Reiz. Perkussion und Palpation waren symptomfrei. Es wurden Bissflügelaufnahmen angefertigt. Danach erfolgte die Röntgenaufnahme von 25 – 27.
Eine sequentielle Anästhesie von 25 ergab leicht nachlassende Beschwerden, 26 wieder etwas nachlassend, 27 vollständige Schmerzfreiheit.

Take Our Poll

Starke Schmerzen im Oberkiefer

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt Schmerzfälle, die sind einfach.
Andere sind kompliziert und es erscheint schwierig, den richtigen Zahn aus einer Vielzahl potentiell möglicher Kandidaten herauszupicken.

Anbei die Röntgenaufnahme eines Patienten, der letzte Woche mit schlagartig aufgetretenen starken Schmerzen, so dass er  direkt von der Arbeit weg einen Zahnarzt aufsuchen musste, in unsere Praxis kam.

Wie nun verfahren ? Am besten wir stimmen ab:

Take Our Poll
Take Our Poll
Take Our Poll
Take Our Poll

Den Rest der Geschichte – wie die Sache für den Patienten weiterging – das  gibt es dann an einem der nächsten Dienstage.

ZE -Gesamtplanung

von Hans – Willi Herrmann

Die Patientin war vor einiger Zeit umgezogen.
Ihr neuer Zahnarzt  überwies sie nun wegen einer Fistel in Regio 47.
Neuer Zahnersatz steht an.
Im Oberkiefer und eventuell auch im Unterkiefer.

Im angefertigten Zahnfilm zeigte sich eine apikale  Aufhellung.

Kann der Zahn 47 erhalten werden ? Das war die Frage des Überweisers.

Die Chancen dazu stehen gut.

Dann der  Blick auf das mitgeschickte OPG.

9 Zähne sind wurzelkanalbehandelt. Nur zwei davon, von ihrem röntgenologischen Erscheinungsbild her, akzeptabel.
Was nichts heißen muss.

Fakt ist jedoch, daß die anderen 7 Wurzelfüllungen den Richtlinien zur Versorgung mit Kronen bei einer bei der  Patientin anstehenden Zahnersatzversorgung nicht entsprechen.

Wie also verfahren ?

Sollten, nein müssten nicht diese Wurzelkanalfüllungen vor ZE – Neuversorgung allesamt revidiert werden ?

Falls ja, wer trägt die Kosten ?

Die GKV ? Wie sind die Therapierichtlinien der gesetzlichen Krankenkassen ?

7 mal Wurzelspitzenresektion ?
Mit welcher Erfolgsprognose ?

Oder doch 7 mal Extraktion und ein herausnehmbarer Zahnersatz im Ober- und Unterkiefer für eine 29 jährige Patientin, die im Übrigen nicht den Eindruck macht, dass sie ihre Zähne gedankenlos hat verkommen lassen, sondern möglicherweise lediglich  einem subqualifizierten Behandler ihr Vertrauen geschenkt hat.

Wie also verfahren ?

Ich frage dies, weil aus zahnmedizinischer Sicht die Revision indiziert und die Erfolgswahrscheinlichkeit zwar nicht 100%ig vorhersagbar, aber deswegen nicht schlecht sein muss.

Besagte Zähne sind definitiv erhaltungswürdig. Ob sie erhaltungsfähig sind, hängt davon ab, was wir im Zahn vorfinden und ob wir diese Situationen meistern können.

Sollte man diesen Versuch also wagen ? Auf jeden Fall.

Und jetzt nehmen wir einmal an, die Behandlung hätte Erfolg.
Man würde erwarten, dass die Krankenkassen ihrem erfolgreich behandelten Mitglied, welches jeden Monat einen nicht unerheblichen Geldbetrag zur Finanzierung des Solidarsystems überweist, im Erfolgsfalle eine Kostenübernahme einräumen würden. Dass im Falle eines Misserfolges nichts gezahlt wird, ist klar.

Aber wie sieht es aus, wenn die Behandlung nachgewiesenermaßen erfolgreich verläuft. Im Falle des 47, bei vollständiger Rückbildung der apikalen Aufhellung.

Volle Kostenübernahme ?
Keineswegs.

Der Patient versteht die Welt nicht mehr.

Die Kosten der 9 Wurzelkanalbehandlungen, die alio loco durchgeführt wurden, wurden vollständig übernommen.

„Da stimmt doch was nicht“, sagt die Patientin.
Ich kann ihr nicht widersprechen.


Endo – Engel

von Hans – Willi Herrmann

Nicht immer endet eine Überweisung zur endodontischen Behandlung auch tatsächlich in einer Wurzelkanalbehandlung.

Am Freitag kam ein Patientin zu Nachkontrolle, die sich vor ein paar Wochen in unserer Praxis mit starken Aufbissbeschwerden an Zahn 16  vorgestellt hatte.
Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass die Beschwerdeproblematik mit einer Infraktur, einem Riss in der Zahnhartsubstanz in Zusammenhang stehen könnte.

Aus diesem Grund wurde mit der Patientin vereinbart, eine kürzlich durchgeführte Füllung zu entfernen und mittels dem Dentalmikroskop nach verborgenen Rissen zu suchen.

In der Tat fand sich eine Infraktur eines Zahnhöckers.

Der Zahn wurde mit einer dentinadhäsiv verankerten Kunststoffrestauration versehen. Die Nachkontrolle ergab, dass der Zahn „tausendmal besser sei als vor der Behandlung“ und die Wurzelkanalbehandlung nun nicht mehr notwendig sei.

Einen anderen Weg, Wurzelkanalbehandlungen zu vermeiden, beschreibt ein kurzes Video, das den Einsatz von Engelsymbolen zur Vermeidung von Wurzelkanalbehandlungen schildert.
Unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis ein (mir bislang vollkommen unbekannter) interessanter Ansatz, wenn man bedenkt, dass eine solche Behandlung ja defacto keine Kosten verursachen kann und somit eine enorme Entlastung der Krankenkassenbudgets ermöglicht.
Es muss nur funktionieren.

Zum Video gehts hier.

2 Euro 60

von Hans – Willi Herrmann

2 Euro 60 bekommt der indische Zahnarzt für die Entfernung eines unteren Prämolaren.
„Erstaunlich wenig“, findet der Reporter, „selbst für indische Verhältnisse“.

„Aber dafür sind die hygienischen Verhältnisse auch nicht mit unseren Standards vergleichbar“.

Eine zurückhaltende Umschreibung.
Was hier gezeigt wird, ist vorsätzliche Körperverletzung und entspricht seit über 100 Jahren nicht mehr dem ärztlichen Standard und zwar nirgendwo auf der Welt.

Gut, dass wir solche Verhältnisse in Deutschland nicht haben.

Und was zahlen denn die Krankenkassen in Deutschland für eine solche Zahnentfernung ?

8 Euro 81 für die Zahnentfernung. 7 Euro 5 Cent für die Betäubung. 15,86 Euro  ingesamt.

Darin abgegolten alle Kosten für Praxismiete, Praxiseinrichtung, Personal, Material und den Aufwand für Vor/Nachbereitung, Desinfektion und Sterilisation der verwendeten Geräte, Instrumente, Räumlichkeiten.

Was der Reporter wohl dazu sagt ?

Globuli

von Knic Soman

Die Patientin kam im April 2009 mit starken Zahnschmerzen zu mir.
Sie musste ihren Afrika-Urlaub früher abbrechen, sie hatte es vor Schmerzen nicht mehr ausgehalten.

Ihr Mann, ein alter Freund von mir, wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen.
Nun rief er an. Samstags abends. Und fragte, ob er mit seiner Frau bei mir vorbeikommen könne, da die Zahnschmerzen unerträglich seien.

Wir trafen uns in der Praxis.
Die Patientin  war in der Woche vor dem Urlaub wegen bereits vorhandener Beschwerden zu ihrem Hauszahnarzt gegangen.
Dieser trepanierte den Zahn 22, ohne ein Röntgenbild anzufertigen. Und liess den Zahn offen.
Die Schmerzen hielten weiter an, darauf hin trepanierte der Hauszahnarzt den Zahn 21.
Auch dieser wurde  offen gelassen.

Als ich an jenen Samstagabend die Patientin zu ersten Mal sah (sie hatte eine Anreise von ca. 150 km hinter sich) fand ich zwei trepanierte, unverschlossene Zähne vor mit, salopp ausgedrückt, „reichlich Schmodder drin“.

Ich bereitete beide Zähne auf und machte eine medikamentöse Einlage mit CaOH2, die für einen Monat belassen wurde.
Dann folgte im Mai – die  Patientin war nach unserer Erstbehandlung schmerzfrei und blieb es –  die WF.

Februar 2010.

Die  Familie kam zur Routinekontrolle wieder und ich fertigte ein neues Röntgenbild von 21 und 22 an.
Und es hat mich sehr gefreut, dass im Röntgenbild  eine klare Heilungstendenz nach relativ überschaubarer Zeit bei so einem doch größeren Knochendefekt  zu sehen war.

Um so härter und unerwartet traf mich die Reaktion der Patientin, als ich ihr das Röntgenbild zeigte:  „Puuh, da bin ich aber froh, dass mir meine Heilpraktikerin die richtigen Globuli gegeben hat.“
Hatte ich richtig gehört ? Ich fragte nach. „Wie meinen Sie das ?“

Die Antwort: „Ich bin sicher, dass es ohne die Globuli niemals so geworden wäre!“

Wenn´s schnell gehen soll…

von Mick Nason

Schmerzbehandlung wie man sie nicht machen sollte ;-( .
Oder schnell, schnell klappt doch nicht.
Hier die Geschichte.

Eine Patientin mit Schmerzen, sehr ängstlich,  und natürlich unangemeldet zwischen 2 regulären Terminen drangenommen.

Okay, also nur excavieren und bis kurz vor Apex und Größe 25/06 aufbereiten, spülen und medikamentöse Einlage mit Ledermix.

Beim Einbringen der Ledermix-Paste mit dem Lentulo zwei kurze Bewegungen in den Kanal hinein, aber warum ist das Lentulo so kurz?

Na super,  die Einheit war verstellt, auf Linkslauf. Selber nicht gesehen und die  neue Mitarbeiterinnen hat auch nicht drauf geachtet.

Daraus resultierte viel „Spaß“ beim Entfernen der Fragmente.
Diesmal dann auch mit ordentlicher präendodontischer Aufbaufüllung und der notwendigen Ruhe.


Andere Notdienste im Blog

von Hans – Willi Herrmann

Durch Zufall (bei WordPress gibt es eine Auflistung der neuesten Artikel, die eingestellt wurden, und wenn die Überschrift mich anspricht, klicke ich drauf) bin ich auf einen ärztlichen Kollegen gestossen, der ebenfalls über seinen Notdienst berichtet.
Nicht schön, was es da von den Ärzten zu lesen gibt. Aber gut, dass Blogs wie jener zeigen, dass es eine Wahrheit jenseits der politischen Orwellismen gibt, die im Web 2.0 geäußert werden kann.
Und damit die heimischen Wände und  den Zahnärztestammtisch an Reichweite überschreitet.

Besagter Arztkollege, der sich selbst Dr. Geldgier nennt, kam zum Blog, weil er sich den Frust seines Notdienstes von der Seele schreiben wollte. Der für 4.50 Euro pro Stunde sein Telefon auf Rufbereitschaft stehen lassen soll, und das Ganze eine Woche lang.

Hallo Dr. Geldgier, der nächste Absatz ist für Sie: Diese Woche,  am Sonntag, wurde die verstopfte Toilette meiner Schwiegereltern repariert.
Wochenend – Aufschlag.
100 Prozent. Wir reden von 150 Euro, Baby. Wieviel bekommen sie noch mal pro Stunde am Wochenende mehr , Dr. Geldgier ? 4  Euro 50 ?

Und jetzt bitte keine Diskussionen, über Toiletten, die man reinigen muss, und wie schlimm das ist, und das es ja jeder selbst machen kann, wenn er das Geld nicht ausgeben will.
Es geht hier um den Wochenendzuschlag von 100 Prozent, der im handwerklichen Bereich ohne Wenn und Aber, maximal noch schulterzuckend,  gesellschaftlich akzeptiert wird.

Ich gönne dem Handwerker seine Mehreinnahmen. Aber 4 Euro 50 für einen Arzt, der an Heiligabend übers Land fährt ? Jedem Politiker muss klar sein, dass dies nicht sein darf. Und machen wir uns nichts vor. Die Politiker kennen diese Zahlen. Diese Infos, das Wissen über diese Zustände sind den Politikern seit vielen Jahren bekannt.

Geändert an diesen Verhältnissen wird nichts.
Und welchen Schluss zieht man daraus ?
Es interessiert die Politiker nicht die Bohne.


Anatomie eines Notdienstes (6)

von Donald Becker

Eine Stunde und 10 Minuten war ich zu Hause. Kurz was essen.
Ausruhen ging nicht. Unkonzentriertes Blättern in der Weihnachtsausgabe der Süddeutschen, während ich das aufgewärmte Essen von Heilig Abend zu mir nehme, schon muss ich wieder weg.

Als ich am 1. Weihnachtsfeiertag um 17 Uhr wieder in die Praxis komme, sind aus den bislang angekündigten 6 Patienten bereits 13 Hilfesuchende geworden.

Eine Stunde später, um 18 Uhr befinden sich deutlich mehr als 20 Personen gleichzeitig in in unserer Praxis.
Wir haben keine Stühle mehr.

Ich gehe nach draussen und bitte alle Begleitpersonen, die Praxis zu verlassen.
Langsam fängt der Notdienst an, stark auch an meinen Nerven zu zehren. Und von der freundlichen Athmosphäre des gestrigen Vormittags ist nichts mehr zu spüren. Im Wartezimmer herrscht eine  gereizte  Grundstimmung.
Angenervte Gesichter angesichts der langen Warteschlange.

Und immer noch klingelt zwischendrin das Telefon.

Am Ende des Tages werden es 20 Patienten sein, die nach 17 Uhr unsere Praxis aufgesucht haben werden.  Eigentlich wären es sogar 22, aber 2 Patienten erscheinen nicht. Lange genug hätten wir auf sie gewartet, der eine war um 17.30, der andere um 19.00 anvisiert, erst  um 22.50 Uhr verlasse ich die Praxis.

20 Patienten seit 17.00 Uhr.
Die überwiegende Mehrzahl mit unklaren Schmerzproblematiken. Der Satz „Herr Doktor, ich habe starke Zahnschmerzen, aber ich kann ihnen nicht sagen, wo die Schmerzen herkommen“, wird zum Dauerbrenner.

Zu guter Letzt dann noch zwei schwierige Extraktionen.
Ein Zahn 17. Wurzelkanalbehandelt.
Zumindest der palatinale Kanal.
Bis in die Mitte.

Die anderen zwei oder drei Kanäle ?
WF Fehlanzeige.

Schmerzen seit mehreren Tagen.

Der Hauszahnarzt hat vor 2 Tagen okklusal ein Loch in den Zahn gebohrt, Ledermix eingelegt und den Zahn offengelassen.
Und davon solls besser werden ? Selbst kurz vor  Weihnachten würde ich nicht zu sehr an ein Wunder glauben.

„Wenn der Zahn Beschwerden macht, muss er raus“, sagte der Vorbehandler.  „Schöne Grüsse soll ich ausrichten, von Dr. Müller Maier Schmidt“, sagt der Patient, der es nicht mehr aushält vor Schmerzen. Schöne Grüße ? Das kann der Kollege nicht Ernst gemeint haben.

Irgendwann geht der Zahn raus. 4 Wurzeln,stark gespreitzt, 3 davon mit einander verbunden, alles zusammen eingeklemmt von einem impaktierten Zahn 18.

Und danach ein Zahn 37.

„Die linke Seite tut weh, aber ich kann nicht einmal sagen, ob von oben oder unten.“
Schon wieder.

Aber wenigstens lässt sich der schmerzauslösende Zahn klinisch schnell ausmachen.  Klopftest leicht positiv und die Sonde retiniert stark unter der vorhandenen Krone.
Massive Sekundärkaries.

Das Problem – mittelalte Patientin, kein Knochenabbau, stark abgeknickte lange Wurzeln, der Zahn total auf Gingivaniveau weggefault. Also fest im Knochen und nichts zu angreifen. Achja, und da ist noch  die  4 gliedrige Brücke, die dranhängt.

Ich trenne die Brücke distal  des 4ers ab, schon kommt der hintere Teil mir entgegen. Vermutlich ist die Karies durch Dezementierung enstanden. Oder die Dezementierung durch die Karies. Das Ergebnis ist das Gleiche. Nicht mehr zu machen.
Die Wurzeln lassen sich trennen und  trotz fehlender Hebelmöglichkeiten schneller als zunächst befürchtet entfernen.
Natürlich nicht in dem Zeitrahmen, den die Krankenkasse für einen solche Verrichtung vorsieht, aber immerhin rascher als beim Zahn zuvor.

Das war die letzte Patientin. Niemand mehr im Wartezimmer.
Es ist kurz nach 22.00 Uhr.  Jetzt noch alle Eintragungen und Arztbriefe, die liegengeblieben sind, weil beim „Zwischen den drei Behandlungszimmern auf Rollschuhen hin und her Wechseln“ keine Zeit dafür blieb.

Und bitte – bitte keine Anrufe mehr.
Wobei die Erfahrung zeigt, dass in der Regel zwischen halb Elf und Elf noch mal das Telefon klingelt. Und zwischen zwei und drei Uhr, aber so weit sind wir noch nicht.

22. 35 Uhr.
Ich bin fast fertig mit meinen Eintragungen.

Das Telefon.
Klingelt.

Ich wusste es.
Ich gehe direkt dran.

„Hallo, machen Sie Extraktionen in Vollnarkose ?“

„Nein, machen wir nicht“.

„Können Sie mir sagen, wer so etwas macht hier bei uns ?“

Kann  ich.

„Das macht der Herr Dr. Müller Maier Schmidt“.

„Der hat jetzt aber nicht auf, oder ?“

Mit Sicherheit nicht“ ,antworte ich. Ist nur eine Vermutung, aber wir haben den ersten Weihnachtsferiertag und es ist nach 22.30 Uhr.

„Danke“, sagt die Dame und legt auf.

Und das war er dann, unser Notdienst.

Bis 3 Uhr nachts bin ich noch wachgeblieben vorm Computer. Weil es für mich nichts Schlimmeres gibt, als im Schlaf geweckt zu werden von einem Telefonanruf und ich daher ohnehin erst schlafen kann, wenn ich todmüde bin.
Es hat aber niemand mehr angerufen.
Gott sei Dank.

Anatomie eines Notdienstes (5)

von Donald Becker

Normalerweise ist der 2. Tag des Notdienstes weniger anstrengend.

Diesmal nicht.

Wenigstens war der Heilige Abend ruhig und auch in der heiligen Nacht rief niemand an. Das war für mich das Wichtigste.
Dafür kommt es jetzt um so heftiger.

Schon nach einer Stunde haben wir die Höchstmarke  des gestrigen Vormittags überschritten.  Als wir kurz vor 15.00 Uhr die Praxis verlassen, um etwas essen zu können, haben wir bereits 20 Patienten behandelt. Und für 17.00 Uhr sind schon weitere 6 Patienten angemeldet.

Der Patient mit dem Oberkiefereckzahn (das war der Patient, für den es in den Kammerrichtlinien nebst Gerichtsurteil keine Therapiekonzept ausser der Extraktion gibt)  kommt zur Kontrolle nach Wurzelkanalbehandlung vorbei. Seine Schmerzen sind weg, die Schwellung ist rückläufig, der Druck im Kiefer und in der Wange hat nachgelassen.

Eine Patientin mit Schmerzen in der Unterkieferfront und leichter vestibulärer Schwellung in Regio 41- 43 stellt sich vor. Sie trägt eine große den gesamten Frontzahnbereich umspannende Brückenkonstruktion. Klopftest, Rö- Bilder und Kältetest sind nicht eindeutig.  Am wahrscheinlichsten ist der Zahn 42 der Schmerzauslöser.

Wir trepanieren, ein extrem schwieriges Unterfangen bei den grazilen Zähnen, die die Patientin hat und der Keramikkonstruktion, die den Zahn umgibt. Trotz Dentalmikroskop ist dieser Zahn eine enorme Herausforderung. Ohne Mikroskop bei den extrem schwierig aufzufindendem Kanal keine Chance.

Was also tun im Notdienst ?
Draussen sitzen gegenwärtig 9 weitere Patienten. Längst haben wir zusätzliche Sitzgelegenheiten herbeigeschafft, der Wartebereich ist übervoll, die Patienten und ihre Begleitpersonen  sitzen in einer Reihe im Flur bis zur Anmeldung.

Es kommt zu leichtem Tumult, weil  ein paar der  Patienten sich nicht einigen können, wer nun als Nächster an der Reihe sei, nachdem wir eine Patientin, die zum Streifenwechsel die Praxis aufgesucht hatte, nach kurzer Wartezeit schon ins Behandlungszimmer   gesetzt haben.
Ich gehe nach draussen, erkläre die Situation. Meine Stimmung sinkt.

Es ist gerade mal Halb Eins am zweiten Tag unseres Notdienstes. Noch weitere 20 Stunden liegen vor uns.

Zurück im Zimmer.  Noch immer nicht der geringsten Hinweis, wo der Wurzelkanal des Zahnes 42 zu finden wäre.

Ich beschliesse, den Zahn erst weiterzubehandeln, wenn ich die weiteren Patienten versorgt habe. Die Patientin ist einverstanden.
Sie hat bislang schon 2 Stunden gewartet und wird weitere 90 Minuten warten müssen, bis wir uns ihr wieder widmen können.


Anatomie eines Notdienstes (4)

von Donald Becker

Ein Patient hat uns eine gute Flasche Wein mitgebracht.

Überhaupt sind die Patienten durch die Bank heute besonders höflich. Es gibt kein Klagen angesichts der teilweise stundenlangen Wartezeit.

Ausnahmen gibt es natürlich immer, wie die Dame, die sich über ihren Eigenanteil von knapp 9 Euro für das Wiedereingliedern einer Frontzahnkrone beklagt.

Klassiker im Notdienst, neben der Patientin, die nun schon zum 3. Mal an 3 aufeinanderfolgenden Notdiensten bei uns erscheint, sind auch dieses Mal wieder Patienten, die zwar mit einer drastisch geschilderten Beschwerdeproblematik in der Praxis erscheinen, dann  jedoch, wenn es darum geht, eine Therapie gleichwelcher Art durchführen zu lassen,  doch nichts gemacht haben wollen.

Bei den beiden Patienten, die mit neuen Teleskopversorgungen (verankert an 2 Eckzähnen und einem Molaren) vorbeigekommen sind, ist dies nicht der Fall.
Sie wollen Hilfe.

Der eine hat einen Abszess am Teleskopzahn 37. Die Prothese ist 6 Wochen alt und der Zahn ist wurzelkanalbehandelt. Eine Revision macht keinen Sinn mehr. Der Zahn ist austherapiert. Wir inzidieren, decken antibiotisch ab und weisen angesichts des Röntgenbildes den Patienten darauf hin , dass der Zahn 37 entfernt werden muss, sobald die Entzündung rückläufig ist.  Die Prothese ist handwerklich gut gemacht und wird sicherlich auch ohne den dritten Ankerzahn einen ausreichenden Halt haben.

Für den anderen Patienten sieht es nicht so gut aus.
Die Teleskopprothese ist 9 Monate alt, sieht aber so aus, als hätte sie deutlich mehr auf dem Buckel. Hier stimmt nur wenig. Die NEM – Primärteleskope sind vom Randschluss her mäßig bis unzureichend, der Sitz der Sekundärkonstruktion ist mangelhaft. Die Prothese hat einen Riss im Bereich des Teleskops 24  und nun ist der Zahn 13 abgebrochen.
Er ist wurzelkanalbehandelt, Schmerzen sind nicht zu erwarten.  Eine Präparationsgrenze ist nur andeutungsweise zu erkennen und sie ist nicht deckungsgleich mit dem Kronenrand.

Wollte man das Teleskop auch nur mittelfristig stablisieren, so müsste der Zahn mit einem Wurzelstift + Aufbau versehen werden und darüber das Teleskop passgenau wieder integriert werden. Entsprechende Präzision in der Systematik und in der Vorgehensweise vorausgesetzt,wäre  dies möglich.  Würde der Zahn extrahiert, würde  der Halt der Versorgung deutlich leiden.

Ich stelle die provisorische Eingliederung der Teleskopkrone einer definitiven Eingliederung gegenüber und plädiere für ersteres.
„Wie lange wird das halten ?, fragt der Patient.
„Nicht lange“, antworte ich offen.
„Schaffe ich es über die Feiertage bis ins neue Jahr ?
„Wenn sie Pech haben, stehen Sie morgen wieder hier, es ist zuviel von ihrem Zahn abgebrochen“.

Der Patient wünscht die definitive Eingliederung.

Eine Patientin erscheint.
Eine fünfgliedrige Brücke im Oberkiefer, vom Frontzahnbereich in den Seitenzahnbereich sich erstreckend. Die Patientin wünscht, nein, sie verlangt die Wiedereingliederung der, wie sie sagt 2 Jahre alten Brücke. Sie ist routiniert, es ist offensichtlich ein immer wiederkehrendes Ereignis. 3 der 4 Pfeilerzähne sind bis fast auf Gingivaniveau weggefault, nur der Zahn 23 ist noch etwas substanzreicher, wenngleich ebenfalls stark kariös angegriffen.
Keine Schmerzen.

„Ich kann Ihnen die Brücke nicht mehr eingliedern, sie hat keinen Halt mehr.“
„Mein Hauszahnarzt hat die Brücke doch auch immer wieder eingesetzt, warum soll das jetzt nicht mehr gehen ???“
„Weil es nicht lange halten kann“.

„Und was kommt dann ????“, fragt die Patientin . „Was kosten denn  Implantate ???“
„Da ist ihr Hauszahnarzt der geeignete Ansprechpartner, ich bin es nicht“, antworte ich.

„Jetzt sagen sie doch mal !!!!“, wiederholt die Patientin ihre Forderung. Der Ton wird schärfer. „Wieso wollen Sie mir denn nichts sagen ???? Jetzt sagen sie doch mal !!!!“

Ich wiederhole meinen Satz von oben und gliedere ein.

Anatomie eines Notdienstes (3)

von Donald Becker

Die dicke Backe, mit der die Patientin in der Praxis erscheint, ist beachtlich, aber nicht spektakulär.  Zwar ist der Unterkieferrand der rechten Gesichtshälfte zu Hals hin teigig verstrichen  und nicht mehr durchtastbar, aber immer hin ist das Auge noch nicht zugeschwollen. Und die Schmerzsituation der Patientin ist besser, als es das Äussere vermuten liesse.

Trotzdem ist die  Situation aussergewöhnlich. Die Mundöffnung der Patientin ist mittlerweile extrem eingeschränkt. Wir messen eine Schneidekantendistanz von 21 mm. Im Bereich, in dem die Ursache der Schwellung, ein massiver eitriger Abszess, zu suchen ist, ist der Abstand zwischen den Zahnreihen noch  geringer.

Die Patientin war seit dem 09. Dezember jeden Tag in Behandlung bei ihrem Hauszahnarzt.
Jeden Tag.
13 Tage lang.

Erst war der Zahn 47, dann der Zahn 46 wurzelkanalbehandelt worden. Vielleicht war es auch genau umgekehrt. Die Beschwerdeproblematik blieb jedoch auch nach diesen Wurzelkanalaufbereitungen und medikamentösen Einlagen.
Es wurde nicht besser.
Und so wurde vor ein paar Tagen der Zahn 47 gezogen.
Danach immer noch keine Besserung.

Jetzt sitzt die Patientin vor uns und der Blick in den Mund zeigt, dass massiv Eiter aus der Extraktionswunde des Zahnes 47 herausläuft.
So etwas habe ich  in fast 20 Jahren noch nicht gesehen. Der Eiter läuft und läuft aus dem Knochenfach und das, obwohl die Patientin seit mehreren Tagen antibiotisch abgedeckt ist und mittlerweile das zweite Antibiotikum nimmt.

Und die Wange glüht, sie ist kochend heiß, wenngleich die Patientin Gott sei Dank noch keine erhöhte Temperatur hat.

Wir machen einen Zahnfilm von der Region 47, 46.
Der Film lässt sich nur mühsam in den Mund einbringen.
Das Herausnehmen ist noch schwieriger, fast unmöglich und für die Patientin extrem schmerzhaft. Daran, den Zahn 46 endodontisch zu entlasten, ist auf Grund der geringen interokklusalen Distanz nicht mal dran zu denken.

Für mich (Thomas Weber, der Vater des Memorix,  würde sagen, für mich als Landzahnarzt) ist hier die Grenze des im Notdienst Möglichen erreicht.
Ich verweise die Patientin an die kieferchirurgische Kompetenz der Uniklinik.

Es ist kurz nach 18.00 Uhr am ersten Tag unseres Notdienstes.
Mittlerweile sind es 13 Patienten geworden, die seit 17.00 Uhr in der  Praxis  sich angekündigt haben.
Es ist davon auszugehen, dass wir schon bald die 30 Schmerzpatienten – Marke für den ersten Tag überschreiten werden.

Anatomie eines Notdienstes (2)

von Donald Becker

Gleich der erste Endo -Patient des Notdienstes stellt eine Besonderheit dar.

Nicht was den Fall angeht, der wäre für uns Routine.
Es geht um die Richtlinien, die in einem engen Korsett vorgeben, wie bzw. was genau im Rahmen eines Notdienstes an zahnärztlichen Behandlungsschritten durchgeführt werden darf. Und was nicht, um nicht als unwirtschaftlich eingestuft zu werden oder als unkollegial zu gelten.

Im vorliegenden Fall müsste ich (folgte ich den Anweisungen der Kammer, die sogar auf ein LSG – Gerichtsurteil verweist) den Zahn des Patienten, einen Oberkiefereckzahn, ziehen. Der Zahn ist devital und die Pulpakammer ist bereits eröffnet. Eigentlich dürfte der Patient, dies wurde in einer jüngsten offiziellen Stellungnahme der Zahnärztekammer impliziert, gar keine Zahnschmerzen haben, daher sind  weitere Massnahmen zur Wurzelkanalbehandlung nicht notwendig und dürfen nicht durchgeführt werden.

Der Patient weiss nichts von diesem Schreiben und stellt sich daher trotzdem mit starken Zahnschmerzen bei uns vor.

Der Eckzahn steht sehr gut im Knochen, dass angefertigte Röntgenbild ergibt ausserdem, dass nicht einmal eine über das Maß einer Vermutung hinausgehende apikale Aufhellung an diesem Zahn im Röntgenbild festzustellen ist. Eine stärkere gingivale oder gar extraorale Schwellung, die eine Inzision rechtfertigen würde, ist ebenfalls nicht aufzufinden.

Es gibt aus medizinischer Sicht keinen Grund, diesen Zahn zu entfernen, ganz abgesehen davon, dass diese Extraktion hohe Folgekosten mitsichbringen würde. Schließlich müsste die entstandene Lücke, die im deutlich sichtbaren Bereich ist, mit einem Zahnersatz gleichwelcher Art verschlossen werden.

Aus medizinischer Sicht sieht die Behandlung folgender Maßen aus: Versorgung des vorhandenen kariösen Defektes mit einer Füllung. Trepanation des Zahnes, Kofferdam, Wurzelkanalaufbereitung, zusätzliche desinfizierende Maßnahmen, medikamentöse Einlage, Verschluss der Trepanationsöffnung mit einer bakteriendichten und die Zahnrestsubstanz stabilisierenden Füllung.

Es erhebt sich die Frage: Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob der Patient einen Zahnarzt während der Woche oder  am Wochenende aufsucht ?

Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob diese vom Hauszahnarzt oder von einem Zahnarzt im Rahmen des Notdienstes durchgeführt wird, wenn das Ergebnis im Zweifelsfall dem Patienten zum Nachteil gereicht ?

Ist es zulässig, dass eine Behandlungsmaßnahme, die vom Hauszahnarzt ohne Erfolg durchgeführt wurde und diesem erstattet wurde, einem Zahnarzt, der durch adäquate Massnahmen eine Schmerzbeseitigung erreicht, vorzuenthalten ?

Passt gut zu Weihnachten…


Anatomie eines Notdienstes (1)

von Donald Becker

Heiligabend.

8.00 Uhr.

Start unseres 48 stündigen Notdienstes. Noch ist alles ruhig.

9.00 Uhr – Beginn unserer Sprechstunde am Vormittag.

Das Telefon klingelt schon, als ich um kurz vor Neun die Praxis betrete.

Und das wird es tun, unentwegt die nächsten beiden Stunden.

Bis 11 Uhr schon 12 Patienten.

Um 14 Uhr gehen wir aus der Praxis. 15 Patienten bis dato.

Und für 17.00 Uhr sind schon zwei weitere angekündigt.

Der erste Patient am morgen gleich ein Kuriosum.

Er kommt zum Streifenwechsel in Regio 16. Zustand nach Inzison und Streifeneinlage am Tag zuvor.
Es ist kein Streifen zu sehen. Und alles scheint gut verheilt, denn die Wunde ist schon vollständig verschlossen. Nichts mehr zu sehen, was auf einen Schnitt hindeutet.

Weihnachtliche wundersame Heilung ? Irgendwie außergewöhnlich.

Auch bei einem anderen Schmerzpatienten ein ähnliches Phänomen. Zahn 46, Zustand nach Wurzelkanalbehandlung durch den Hauszahnarzt Anfang Dezember. Der Zahn, stark abradiert, so dass die Pulpa durchschimmert, ist okklusal vollkommen unversehrt.
Keinerlei Trepanationsöffnung.

Mal sehen, wie es im Notdienst weitergeht.

Toxavit – Was in der Zeitung steht, stimmt, oder ?

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Ich wollte vorgestern die (zahnmedizinische) Zeitung, die in der Post war,  schon ungelesen wegwerfen, aber dann hab ich doch zumindest mal durchgeblättert.

Und bin auf den Artikel über Toxavit gestossen, in dem ein Zahnarzt den Nutzen dieses Medikamentes ausdrücklich hervorhebt.

Seine Intention ?

Vermutlich ein Gegengewicht schaffen zu den kritischen Stimmen, dieses Mittel betreffend.
Kernaussagen seines Beitrags: Das berühmte Zitat von Paracelsus, jedes Ding sei Gift, es sei alles nur eine Frage der Dosierung und  – richtig angewandt, sei das Risiko, das dem Mittel ausgehen könne, extrem gering, demnach vernachlässigbar, oder akzeptierbar im Hinblick auf den Nutzen, den dieses Mittel biete.

Folge ich dieser Kausalkette, dann ist:

1.Der Hersteller  für Schäden, die durch das Präparat entstehen, nicht verantwortlich.

Denn diese Schäden entstehen nur bei unsachgemäßer Anwendung. Dafür kann das Präparat ja nichts, oder ?

2. Wenn Schäden entstehen sollten, dann ist demnach der Anwender dafür verantwortlich.

Und verantwortlich heißt dann aber auch, er muss diese Schäden und die negativen Konsequenzen für den Patienten, die daraus entstehen, verantworten. Dafür geradestehen.

Und solche Schäden treten auf.

Tag für Tag in Deutschland.

Nicht ohne Grund gehören  die Toxavit –  Artikel die meistgelesenen Artikel dieses Blogs.

Gerade mal einen Tag später wird in einer zahnmedizinischen Mailingliste folgender Fall eingestellt:

Der Kollege, auf einer berühmten Nordseeinsel beheimatet, schreibt: „Der Patient, Rollstuhlfahrer,  ist auf Urlaub hier. Schmerztherapie vor 7 Tagen in einer Berliner Klinik am Zahn 38 .“

Die Fotos zeigen eine massive Gingivanekrose (für den Laien, das Zahnfleisch ist abgestorben) nach Einsatz eines Devitalisierungsmittels (auf Hinweis der Firma „Lege Artis“ weise ich an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um   Toxavit handelt). Es kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass auch der darunterliegende Knochen von der Nekrose betroffen ist.

In einer idealen Welt, das stimme ich dem Autor zu, hätte es diesen Schaden für den Patienten nicht gegeben.

Aber in der realen Welt, in der wir leben, passiert dies Tag für Tag.

Und DIES müsste nicht sein.
Wer die Verantwortung hierfür übernimmt, ob Hersteller oder Behandler,  ist mir egal.

Aber einer muss es tun.

Ihr Zeuge, Herr Kollege.

Dentogene und nichtdentogene Zahnschmerzen

von Hans – Willi Herrmann

Ein immer wieder gern nachgefragtes Vortragsthema sind Zahnschmerzen. Ihre Diagnostik und (Notfall) Therapierung.
Ich habe eine meiner Vortragsfolien vor Augen: Eine Gegenüberstellung dentogener und nichtdentogener Ursachen für „Zahnschmerzen“.

Bei den dentogenen Schmerzursachen eine überschaubare Aufstellung.
Demgegenüber bei den nicht dentogenen Schmerzursachen eine wesentlich längere Liste mit teilweise exotischen Vorschlägen wie Herpes Zoster, Münchhausen – Syndrom und Herzinfarkt.

Vorschläge von denen man denkt, dass diese vermutlich nur einem Lehrbuch entstammen und in der tagtäglichen Praxis nie auftauchen werden.

Das dem dies nicht so sein muss, zeigt der heutige Blogbeitrag von Benno Jaspers.
So schlimm also Zahnschmerzen sein können, man sollte immer daran denken, dass noch wesentlich ernstere Probleme den Patienten, der bei uns im Zahnarztstuhl sitzt, den Weg in unsere Praxis hat finden lassen.

Zahnschmerzen waren Herzinfarkt

von Benno Jaspers

Eine Patientin, 73 Jahre alt, stellte sich mit alio loco eingesetzter Brücke 16-14 und Schmerzen darauffolgend in der Gegenbezahnung 44 bei uns vor. Der Percussionsbefund 44 war positiv, Therapieversuch zunächst mit Einschleifen (neue Brücke Gegenkiefer), dann mit Revision der WF 44 (dazwischen 6 CHKM-Einlagen über 3 Wochen). Zunächst Besserung, danach wieder Verschlechterung.

Eine Leitungsanästhesie aus diagnostischen Zwecken brachte zu diesem Zeitpunkt Schmerzfreiheit am 44, also entschlossen wir uns zu einer WSR an diesem Zahn.

Danach persistierten die Schmerzen,  begleitet von einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes (Kurzatmigkeit). Es erfolgte eine Überweisung  zu ihrem Hausarzt, und siehe da: Der Auslöser der Schmerzen war ein Herzinfarkt, der sich offensichtlich in den UK projizierte!

Die Patientin hat Gott sei dank die Intensivstation verlassen und bekommt jetzt Bypässe.

Koryphäenkiller einmal anders

von Rahald Birdele

Der Patient (ein junger Teilhaber einer renommierten Unternehmensberatung) kam zu mir, nachdem er in Köln bei einem ihm wärmstens als äußerst kompetent empfohlenen Zahnarzt war. Eine absolute Koryphäe, wie sein Arbeitskollege ihm wortwörtlich versicherte. Er besuchte diesen Zahnarzt im Juni, da er massiv Zahnschmerzen hatte. Dort wurde eine Wurzelbehandlung begonnen, mit abschliessender Med (CaOH2) und prov. Verschluss (Ketac). Als er wieder zuhause in München war und immer noch starke Schmerzen hatte, rief er seinen Freund an, einen Zahnarzt aus Bad Reichenhall, und bat um ortsansässige Hilfestellung im Raum München.

So kam der Patient zu uns.
Beim ersten Termin fertigte ich ein diagnostisches Röntgenbild vor der Behandlung an (2.jpg). Man erkennt zwar eine Trepanationskavität, aber das eigentliche Pulpakavum vermutet man etwas weiter darunter. Nach Entfernung der Ketacfüllung dann das Bild (1.jpg): Der Vorbehandler hat das Pulpadach an drei Stellen kunstvoll trepaniert, und zwar an genau den Stellen, wo sich der mb1, der db und der pal Kanal darunter befanden. Die waren auch initial instrumentiert, aber es war noch reichlich vitales Gewebe vorhanden. Nach der kompletten Entfernung des Pulpadaches war auch der bislang unentdeckt gebliebene mb2 leicht instrumentierbar. Das orthograde Röntgenbild nach Wurzelfüllung zeigt  eine stark gekrümmte mesiobukkale Wurzel, ein Eindruck, der sich in der exzentrischen Aufnahme noch verstärkt. Der Patient war nach unserer ersten Behandlung vollkommen schmerzfrei und ist es bis heute geblieben.

Sicher wäre es zu einfach, jetzt den Stab über den Erstbehandler zu brechen. Vielleicht kamen mehrere ungünstige Umstände, vor denen keiner gefeit ist, zusammen, so dass ein solch kompromissbehaftetes Ergebnis der Schmerzbehandlung resultierte. Allein – am Ende zählt nur, wer dem Patienten die Schmerzen nimmt und dafür bedurfte es im vorliegenden Fall keiner Koryphäe sondern nur einer stimmigen und stringenten Behandlungssystematik.

Apikale Aufhellung (11,12)

von Donald Becker

Zahnschmerzen tauchen ja immer dann auf, wenn man sie gar nicht gebrauchen kann.

Zum Beispiel im Urlaub wie bei diesem Patienten.

Unterwegs in Oberbayern musste er wegen starker Schmerzen in Regio 47 einen Kollegen aufsuchen.

Zwei verblockte Kronen auf Zahn 46 und 47  1,5 Jahre alt, vor Überkronung durchgeführte WF.
Apikale Aufhellungen an beiden Zähnen.
6 Monate nach Überkronung Schmerzen im rechten Unterkieferseitenzahnbereich.
Inzision und Antibiotika- Gabe ohne dauerhaften Erfolg.
Es folgte zunächst die Extraktion des Zahnes 16 und des Zahnes 48 als vermutete Schmerzauslöser.
Die Schmerzen blieben.


Therapieempfehlung des Hauszahnarztes: Extraktion 46 durch Oralchirurg.
Doch vor dem vereinbarten Termin fuhr der Patient noch in Urlaub….

Der Kollege im Urlaubsort entfernte zunächst die Kronen, ermittelte dann den Zahn 47 als alleinigen Schmerzauslöser, revidierte mit viel Enthusiasmus soweit es ihm möglich war das alte WF -Material in 47, sorgte für weitgehende, den Urlaub wieder lebenswert erscheinen lassende Schmerzfreiheit und gab dem Patienten zu guter  Letzt mit auf den Weg, dass es in Heimatnähe des Patienten (Nähe ist relativ, es waren rund 120 km)  jemanden gäbe, an den er sich zur Weiterbehandlung wenden könne.

So kam der Patient zu uns.

Wir führten im November 2007 eine WF – Revision an Zahn 47 und 46 durch.

Die Schmerzen verschwanden und kamen nicht wieder. Die apikalen Aufhellungen bildeten sich zurück.

Im Februar 2009 kam der Patient wieder.

Mit Zahnschmerzen im Unterkiefer links an Zahn 37.

Zahn 37 und 36 waren kurz zuvor (von einem neuen Behandler) wurzelkanalbehandelt worden, jedoch waren die Zähne (zumindest der Zahn 37) weiterhin nicht schmerzfrei.

Ich habe beide Wurzelfüllungen revidiert, woraufhin Schmerzfreiheit eintrat.

Neuwagen verwettet, und die E – Gitarre dazu

von Hans – Willi Herrmann

„Ich habe sehr starke Schmerzen und jetzt kann ich auch genau sagen, wo sie herkommen“.
Sagt der Schmerzpatient, männlich, Mitte 20.
Wir sind mitten im Notdienst.
Es ist Samstag abend, um uns rum tobt der Bär in der Stadt. Rheinland Pfalz – Tag,  Polarkreis 18 und DSDS – Sieger für die Jüngeren, Foreigner und ACDC Coverband für deren Eltern. Das Wetter ist traumhaft und alle Leute, die uns kennen, bedauern uns, dass wir so gar nichts mitbekommen von all dem, was so abgeht in der Stadt, aber wir haben uns das ja nicht ausgesucht.
Der junge Mann sicherlich auch nicht, denn er hat seit 3 Monaten Schmerzen, aber bisher konnte nicht herausgefunden werden, wo diese herkommen.

Seine Stationen der Schmerzsuche waren: Hauszahnarzt, Kieferchirurg, Hausarzt, HNO – Arzt.

Von Letzterem bringt er uns eine Schädelaufnahme mit in den Notdienst, wegen der Kieferhöhlen. Nichts zu sehen, alles okay.
Ein paar Wochen alt, aber da konnte er auch noch nicht genau angeben, wo die Schmerzen herkommen.

Jetzt ist das anders.

Er zeigt auf den Zahn 24, der eine Krone trägt. „Der ist es !“, sagt er.
Er ist sich ganz sicher.

Ich klopfe auf den Zahn.
Keine Schmerzreaktion. Hätte ich angesichts seiner Schilderung anders erwartet.
Ein Kältetest fällt negativ aus. Das spricht für den Zahn als Übeltäter, allerdings hätte dann besagter Klopftest eigentlich positiv ausfallen müssen.

Die klinische Untersuchung des Oberkiefers bringt keine Hinweise.
Die klinische Erfahrung sagt, irgendwas stimmt hier nicht, auch wenn der Patient sich seiner Sache sicher ist.
Was tun ?
Ganz klar, misstrau der Aussage des Patienten.
Wie sieht es im Unterkiefer aus ?
Aber auch der linke Unterkiefer ist unauffällig, von einer insuffizienten Kunststofffüllung an Zahn 36 abgesehen.
Aber die Schmerzen kommen ja eindeutig aus dem Oberkiefer.

„Welcher Zahn macht die Schmerzen ?“ Ich frage noch einmal.
Der Patient zeigt wieder auf den Zahn 24 mit der Krone.

Ich fertige ein Röntgenbild an  von Zahn 24 und, weil ich der Sache nicht traue, auch noch eins von Zahn 36.

Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von Null bis Zehn ? „Null“ heißt gar keine Schmerzen, „Zehn“ heißt die Schmerzen sind so stark, dass sie am liebsten hier aus dem Fenster springen wollen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

„Acht“.

Das ist eine Ansage.
Dann muss es ja wirklich schlimm sein. Und ein Zahn muss der Schmerzauslöser sein.

Die Röntgenbilder sind da.

Zahn 24 ist wurzelbehandelt.
Daher auch der negative Kältetest. Eventuell hat der Zahn eine diffuse apikale Aufhellung, eventuell ist die WF zu lang und eventuell steckt ein Instrument im Wurzelkanal. Oder ist es ein Stift ? Auf jeden Fall nichts im Röntgenbild zu sehen, was die These des Patienten vollends bestätigen würde, der Zahn sei der Schmerzauslöser, aber auch nichts, was grundsätzlich dagegen spricht.

Der Zahn 36 hat eine tiefe Karies unter der Füllung, die zumindest bis in unmittelbare Nähe der Pulpa reicht.

Ich bin sicher, der Zahn 36 ist der Schmerzauslöser.
Aber der Patient will sein fast neues Auto und seine E- Gitarre verwetten, dass die Schmerzen aus dem Oberkiefer kommen.

Ich überzeuge ihn, den behandlungsbedürftigen Zahn 36 anzugehen.

„Lassen Sie mich diesen Zahn betäuben“, schlage ich vor.  „Wenn er der Schmerzauslöser ist, werden die Schmerzen durch die Anästhesie verschwinden“.

Er ist einverstanden.
Ich setze die Lokalanästhesie.
2 Minuten später sind die Schmerzen verschwunden.

Es folgt die Kariesexkavation, dann eine Kunststoffüllung zur bakteriendichten Abschluss, danach Kofferdam und die Wurzelkanalbehandlung.

Am nächsten Tag kommt der Patient zur Nachkontrolle.
Die Schmerzen sind weg.

Was lernen wir ?
Bei länger vorhandenen Zahnschmerzen, deren Ursache nicht gefunden werden kann, immer dran denken, dass Zähne aus dem Gegenkiefer die Schmerzauslöser sein können und gezielt diese in Augenschein nehmen. Und – nicht immer ist der Zahn, den der Patient als Schmerzursache wähnt, der wahre Übeltäter. Es kann ein ganz anderer Zahn sein, der weit weg ist von der vermeintlichen Ursache und der kann sogar in einem anderen Kiefer beheimatet sein.

Sekundärkaries 36

Diffuse apikale Aufhellung 24

Angst vorm Zahnarzt: Wurzelkanalbehandlung besonders gefürchtet

von Hans – Willi Herrmann

Die Pressemeldung der DEVK – Versicherung  kreist seit ein paar Tagen im Internet.

„Vor keinem Doktor fürchten sich die Deutschen mehr als vor dem Zahnarzt (44 Prozent). Behandlungen an der Zahnwurzel rufen die größten Ängste hervor: Zwei von drei Bundesbürgern bereitet ein solcher Eingriff bereits im Vorfeld Zahnschmerzen. Weitere Top-Ängste sind Zahnziehen (59 Prozent) und Bohren (50 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite repräsentative Befragung im Auftrag der DEVK Versicherungen unter 1.000 Personen.
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Auch die Kosten für Wurzelbehandlungen werden seit Januar 2004 nur noch von Fall zu Fall von den Krankenkassen übernommen. Gesetzlich Versicherte, die neben der Angst vor einer Wurzelbehandlung auch das dazugehörige Kostenrisiko plagt, können sich über eine private Zusatzversicherung absichern. Die DEVK bietet beispielsweise ab sofort eine Krankenzusatzversicherung an, die sowohl für die Zahnbehandlung als auch für Teil- oder Vollnarkosen aufkommt. Die Zahnversicherung wird abgeschlossen in Verbindung mit einem Grundtarif für Zahnersatz, Sehhilfen und Krankenversicherungsschutz für Auslandsreisen. Neu ist, dass jetzt auch Behandlungen der Zahnwurzel mitversichert sind.

Soweit Auszüge aus der Pressemeldung.

2 von 3 Patienten fürchten sich vor der Wurzelkanalbehandlung ?

Kann das sein ?
Müsste das sein ?
Und wie sieht es hinterher aus ?
Was sagen die Patienten, wenn die Behandlung vorbei ist ?

Der Eindruck in den Praxen der „WURZELSPITZE“ – Autoren ist ein anderer.
Im Gegenteil, viele Patienten gehen mittlerweile die Wurzelkanalbehandlung entspannter an als andere Routineeingriffe in der Zahnmedizin, wie Füllungen oder Zahnreinigung.
Offensichtlich scheint es Unterschiede zu geben.

Aber Eindrücke sind das eine, Fakten das andere.
Aus diesem Grund wird im Laufe der nächsten 12 Monate  eine Befragung in den „Wurzelspitze“ – Praxen zur Schmerzsituation im Rahmen von Wurzelkanalbehandlungen durchgeführt werden. Wir sind gespannt, ob sich der Trend der DEVK – Befragung wiederfinden wird oder ob die Ergebnisse davon abweichen.

Wir werden berichten.