Kleiner Stein – große Wirkung

von Bodald Necker

Der Patient gab an, dass sich unter der Zunge hin und wieder was entzünde. Es wäre dann dick und sehr unangenehm, man könne es kaum berühren und dann verginge es wieder. Er hätte es öfters mal.

Klang verdächtig nach Speichelstein.

Es war aber nichts zu sehen. Bei Ausführungsgänge der Sublingualdrüse waren frei und Speichel trat aus.

Aber nicht dauernd.

Hin und wieder sah man nur Speichel aus dem linken Ausführungsgang kommen, und wenn man genau hinsah, sah man, dass sich eine kleine Kugel vor das rechte Lumen legte und dicht machte. Mit der Sonde konnte man die Kugel wieder wegschieben, auch mit dem Luftbläser kurz Luft drauf gegeben, war sie sofort wieder verschwunden – und kam dann wieder – und verschwand wieder – und kam wieder.

Die Kugel war vom Durchmesser ungefähr Doppel so groß, wie die Öffnung des Ausführungsganges.

Also kurz eingespritzt  in der Nähe des Ausganges und mit zwei Pinzette die Kugel rausgedrückt – denkste.
Die wollte nicht. Der Ausführungsgang machte nicht weiter auf.

Also kleines Skalpell und das Lumen minimal vergrößert. Da lag er dann, der Speichelstein, in seiner vollen Größe. Fast 1 mm Durchmesser.

Die größte Herausforderung war, ihn aus der Mundhöhle heraus, sicher auf das Tray zu bringen.

Und wenn man ihn genau ansieht, dann sieht man, dass er – wer hätte es gedacht – von der Kugelform weit entfernt ist ;-)

Was zeigt das DVT ? (3)- Die Auflösung

von Hans – Willi Herrmann

Im hier vorgestellten Fall suchte die Patientin unsere Praxis zur Revision der vorhandenen Wurzelkanalfüllung an Zahn 46 auf. Anlass war eine vor 9 Monaten aufgetauchte, auf Antibiotikagabe ansprechende extraorale, den Unterkieferrand umfassende Schwellung der linken Gesichtshälfte.

Das angefertigte DVT zeigte, den Zahn 46 betreffend, eher unauffällige Verhältnisse.
Zwar weist die distale Wurzel eine kleine apikale Aufhellung auf, als Ursache für eine massive Schwellung, wie von der Patientin beschrieben, erscheint der Befund aber eher atypisch.

Stattdessen zeigte sich im DVT (ein reiner Zufallsbefund wohlgemerkt) das Vorhandensein eines Speichelsteines im Ausführungsgang der Glandula sublingualis bzw. Glandula mandibularis. Der Speichelstein liegt einige Millimeter unterhalb des Mundbodens und ist daher klinisch nicht sichtbar. Selbst nachdem ich weiß, wo er aufzufinden ist, findet sich im Mund zunächst kein Hinweis. Komprimiert man den Mundboden mit dem Fingern oder einem Spiegel zeichnet sich der Speichelstein sichtbar ab, um nach Wegnehmen des Druckes sofort wieder in der sublingualen Tiefe des Mundbodens zu verschwinden.

Therapie
Chirurgische Exzision des Speichelsteines.

Eine Revision der Wurzelkanalfüllung erscheint nicht kausal notwendig, um eine erneute Schwellung zu verhindern, entsprechende Termine wurden gestrichen.

Bildschirmfoto 2013-05-06 um 20.18.38