Erstmals stellte sich die Patientin im Frühjahr 2024 in unserer Praxis vor.
Sie hatte Beschwerden am Zahn 16. Diese waren latent da. Nichts Dramatisches, sagte sie, aber so, dass sie auf der rechten Seite nichts Festes mehr kauen konnte.
Vor einigen Jahren wurde der Zahn 16 endodontisch behandelt. Dieser konnte als Ursache identifiziert werden.
Der klinische Befund:
– Kunststofffüllung om, mit Verfärbungen am Füllungsrand, circumferent,
– Lockerungsgrad 0,
– keine pathologisch erhöhten Sondierungstiefen,
– Perkussionsschmerz okklusal.
Röntgenologisch fiel eine unvollständige, nicht randständige Wurzelfüllung auf. Apikal war im 2D Röntgen palatinal ein verbreiterter Desmodontalspalt erkennbar. Zudem periapikal gelegene Sealerreste. Im angefertigten 3D Bild imponierte distal apikal eine hypodense, weichteildichte Struktur im Sinne einer P. apicalis mit trichterförmiger apikaler Veränderung des Foramen apikale. Mesial apikal zeigte sich ebenso eine hypodense, weichteildichte Struktur.
Die Therapie war eindeutig: Revision 16. Die Patientin wünschte den Erhaltungsversuch.
Nach Anästhesie, präendodontischem Aufbau unter Kofferdam und Entfernung des WF-Materials fiel ein Biofilm um die palatinale Guttapercha auf. Nach Desinfektion mit NaOCl 3 % und EDTA 17 % mit Schall und Ultraschall sowie maschineller Aufbereitung bis apikal #25 erfolgte eine CaOH-Einlage.
Zum zweiten Termin nach 14 Tagen berichtete die Patientin über eine geringfügige Besserung. Aber der Zahn war noch nicht belastbar. Es erfolgte keine Wurzelfüllung, sondern die nochmalige Desinfektion mit NaOCl 3 % und EDTA 17 % sowie die apikale Aufbereitung mesial und distal bis #35, palatinal bis #45 und danach die Einlage mit CaOHJ. Die palatinal apikal gelegenen Sealerreste konnten nur dezent orthograd entfernt werden.
Die CaOHJ Einlage sollte 3 Monate verbleiben.
Zur Kontrolle nach 3 Monaten berichtete die Patientin über mehr schmerzfreie Zeiten, aber in den letzten 2 Wochen über eine wiederkehrende lästige Beschwerdesituation.
Der Wunsch zur Entfernung des Zahnes kam nun erstmals auf.
Was nun? Was sollte man der Patientin raten oder tun?
