Ein gutes Gefühl haben, oder auch nicht …

Der Patient hatte eine lange Zeit wenig auf seine Gesundheit geachtet. An den Zähne zeigten diese Jahre besonders. Er wurde mir überwiesen, mit der Bitte die Zähne 47, 46, 36, 26 mit allen Mittel zu erhalten.

Die Ausgangsbefunde gaben ein wenig hoffnungsvolles Bild.

Diagnosen und Befunde:
46 P. apicalis, erhöhte Sondierungstiefen circulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Wurzelkaries

47 Z.n. WKB, P. apicalis, erhöhte Sondierungstiefen circulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries

36 Z.n. WKB, P. apicalis, erhöhte Sondierungstiefen circulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries

26 P. apicalis, externe apikale Resorption pal., erhöhte Sondierungstiefen circulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries,

27 (Zufallsbefund DVT) P. apicalis erhöhte Sondierungstiefen circulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries


Nach klinischer Befundung und Diagnostik hatte ich kein so gutes Gefühl für den langfristigen Erhalt der Zähne …
Nach der Beratung und Besprechung, meinte der Patient: ich habe ein sehr gutes Gefühl und wir sollten mit der Therapie beginnen.

Gerade dieser Satz (Ich habe ein sehr gutes Gefühl.) hatte ich in der letzten Woche meines Urlaubs auch gehört.

Wir waren auf einer Fotopirsch im afrikanischen Busch. Unser Guide fragte unseren Fahrer zu Beginn der Tour, warum die Tankanzeige auf Reserve ist. Er meinte, die geht nicht genau, er hat aber ein sehr gutes Gefühl.
Nachdem wir wenig Tiere sahen, aber 2 Mal defekte Reifen hatten (nur ein Ersatzrad war dabei),
mussten wir uns von einem anderen Fahrzeug ein Rad borgen. Da hatten wir auf jeder Seite und Achse ein anderes Rad mit völlig unterschiedlichen Profilen. Da hatte ich kein gutes Gefühl mehr. Nach dem 2. Radwechsel wurden zudem Geräusche am gewechselten Rad immer deutlich hörbarer. Auf unsere dringende Bitte, das Rad zu kontrollieren, musste unser Fahrer feststellen, Das war doch nicht richtig fest… Und jetzt brannte noch die Reservelampe an der Tankanzeige. Unser Fahrer meinte: „Oh, jetzt habe er auch kein gutes Gefühl mehr.“
Die Stimmung war dann nicht mehr gut. Aber Fahrer und Guide konnten uns dann doch noch zu 3 Löwen führen und alles war gut.
Auf dem Weg in unser Quartier mussten wir durch eine aufgescheuchte, sehr große Elefantenherde fahren, welche den Weg blockierte. Das gab noch mal Aufregung und danach durch einen Fluß mit einigen Krokodilen und Hippos. Inzwischen wurde es dunkel.
Kurz nach der Furt ging unser Motor aus. Er sprang nicht wieder an. Das Benzin war alle.
Wir saßen fest. Es war dunkel, 2 Meilen hinter uns waren die Elefanten (Elefanten vergessen nichts). 200 Meter neben uns waren Hippos, die zu ihren Futterstellen marschieren wollten, und wir saßen im offenen Jeep, hatten tolle Bilder, aber ein ganz schlechtes Gefühl…
Zum Glück konnte Hilfe per Funk geholt werden und wir waren einige Zeit später wieder gesund in unseren Zelten.

Demnächst mehr zu den o.g. Fällen…

Das wichtigste Organ in der endodontischen Tätigkeit

sind unsere Augen.
Deshalb sollten die Augen und der Augenhintergund regelmäßig kontrolliert werden.
Wie komme ich gerade darauf?
Phosphene – Lichtblitze

Ein Kollege berichtete letztes Jahr, daß er Blitz im Rand des Sehfeldes sah. Aufgefallen ist es, als er im Dunkeln losfuhr. Er nahm es nicht so ernst und hatte mehr durch Zufall nach einem Gespräch mit einem Hausarzt die sofortige Handlungsanweisung bekommen: Lass das sofort von einem Augenarzt abklären. Nicht in 2 Wochen, sondern sofort aus der Sprechstunde heraus.
Als Diagnose wurde ein Netzhautablösung erkannt und sofort eine Therapie begonnen.
Es ging alles gut.

Gestern Abend habe ich am Rand des Sehfeldes des rechten Auges Lichtblitze wahrgenommen. Durch die obige Geschichte war ich geprägt und habe mich sofort zum Augenarzt begeben.

Als Erklärung für die Blitze gilt im zunehmenden Alter die Ablösung des Glaskörpers von der Netzhaut. Durch den Zug werden die Nervenzellen gereizt und es entstehen diese Lichtphänomene. Es kann dabei aber auch zu Rissen in der Netzhaut oder Ablösungen der Netzhaut kommen.

Häufigster Grund für Lichtblitze ist ein Zug des Glaskörpers an Ihrer Netzhaut. Die mechanische Belastung stimuliert die Nervenzellen Ihrer Netzhaut und erzeugt die Illusion von Licht, das Sie als Blitze wahrnehmen. Im Laufe der Zeit löst sich der Glaskörper von der Netzhaut ab und die Lichtphänomen verschwinden. Um auszuschliessen, dass der Zug, der auf Ihre Netzhaut ausgeübt wird, Risse in der Netzhaut verursacht hat, sollten Sie sich beim Auftreten dieser Lichtblitze von Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt untersuchen lassen.

Wenn die Lichtblitze oder Mouches volantes (fliegende Mücken“-Flecken im Glaskörper) plötzlich in dichten Schwärmen auftreten sollten, kann dies das Symptom einer Netzhautablösung sein. Unbedingt abklären lassen.

Mein Auge war unauffällig und es konnte keine Netzhautproblematik erkannt werden.



Phishing Brief – Warnung

Letzte Woche habe ich den unten angezeigten Brief erhalten. ( Anschrift und QR Code wurden geschwärzt.)

Nach Rückfrage bei der APO Bank wurde mir folgendes per Mail mitgeteilt:

Vielen Dank für Ihre Nachricht.
Bei diesem Schreiben handelt es sich um keins der apoBank!

Dies ist ein Phishing Brief.

Bitte scannen Sie nicht den QR Code und geben keine persönlichen Daten an.

Bitte entsorgen Sie den Brief und geben uns eine kurze Rückmeldung, sofern Sie den QR-Code gescannt haben oder persönliche Daten preisgegeben haben.

Sollten Sie weitere Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne erneut.
Per E-Mail unter kundenanfragen@apobank.de oder telefonisch unter +49 211 – 5998 – 8888.

Wir sind telefonisch für Sie erreichbar:
Montag bis Freitag: 07:00 – 20:00 Uhr
Samstag: 09:00 – 16:00 Uhr

KI – Perplexity und/oder Chat GPT?

Die KI ist in unser aller Leben präsent. Dem sich Ausschließen ist nahezu unmöglich.
Deshalb hier einige erweiternde Dinge.
„Die Suchmaschine Perplexity hatte im Januar 2024 etwa 10 Millionen regelmäßige Benutzer, deren Zahl stark wächst.“
Einige Fragen habe ich mir gestellt und die gefundenen Antworten möchte ich hier vorstellen.

Was ist besser, Perplexity oder ChatGPT? Antwort Google.

„ChatGPT ist ideal für Nutzer, die menschenähnliche Unterhaltungen führen und komplexe Fragen beantwortet haben möchten, während Perplexity AI sich durch präzise Antworten und die Möglichkeit, Quellen zu überprüfen, auszeichnet.“

Es gibt entscheidende Unterschiede zu klassischen KI-Anwendungen wie Chat-GPT. Während diese mit hohen Datenmengen darauf trainiert sind, Antworten aufgrund von Wahrscheinlichkeiten zu generieren, sucht Perplexity zuerst einige ausgewählte Quellen im Internet und fasst diese dann zusammen.

Perplexity ist als kostenlose und als ProVersion erhältlich – Unterschiede?

„Perplexity Pro bietet eine Reihe von Premium-Funktionen. Für 20 $ pro Monat oder 200 $ pro Jahr erhalten Sie mit Pro Zugriff auf leistungsstarke KI-Modelle wie GPT-4 Omni und Claude 3 sowie Dateianalysen für PDFs, CSVs und Bilder.“

Tipp: Mehr Informationen dazu gibt es an dieser Stelle: https://www.michaelheitkoetter.de/perplexity-ai-vs-chatgpt/.

Perplexity ist nicht unumstritten, welche Probleme werden beschrieben?

„Perplexity entscheidet bei einer Suchanfrage: «Diese Quelle ist gut, diese nicht», sucht die relevanten Antworten aus, fasst sie zusammen. Die Wahl, welche Inhalte zusammengefasst werden, wird somit ausgelagert. Und die Entscheidung, wem zu trauen ist, wird dem Fragenstellenden abgenommen.
Perplexity sieht sich nicht als Such-, sondern als Antwortmaschine. Genau darin liegt das Risiko – sowohl für Google als auch für die Nutzer.“

Was sollte mann zu Perplexity wissen?

Zu den derzeitigen Geldgebern von Perplexity gehören der KI-Chiphersteller Nvidia und der Amazon-Gründer Jeff Bezos sowie mehrere prominente Namen aus der KI-Branche, wie der OpenAI-Mitbegründer Andrej Karpathy und der leitende KI-Wissenschaftler von Meta, Yann LeCun.

Die Eigenleistung von Perplexity ist, Chatbot und Suchmaschine innovativ und benutzerfreundlich zusammenzufügen.

Wenn KI-Anwendungen welche Quellen relevant sind und welche nicht – dann werden sie zu Gatekeepern, die entscheiden, was wir wissen.

Tipp: https://digitalresponsibility.ch/2024/10/18/23599/

PS: Die Suchmaschine von Chat GBT heißt Open AI – https://openai.com

Quellen:
(1) NZZ, https://www.nzz.ch/wirtschaft/perplexity-vs-google-revolutioniert-ki-die-websuche-ld.1853258

(2) https://www.instituteofaistudies.com

(3) Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gatekeeper_(Nachrichtenforschung)

https://de.wikipedia.org/wiki/Perplexity.ai

(4) https://www.manager-magazin.de/thema/nvidia/

IT-Sicherheit

Quelle: https://www.aend.de/article/232389

Das sollten Praxen künftig unbedingt beachten

Die KBV überarbeitet gerade ihre Richtlinie zur IT-Sicherheit für die Praxen. Der neue Entwurf enthält strenge Vorgaben für Datenschutz und Cyberabwehr. Der änd verrät, was auf Praxen zukommt und warum der Entwurf umstritten ist.

Der neue Entwurf zur IT-Sicherheitsrichtlinie enthält Dutzende Vorgaben, die die Praxen beachten müssen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) formulieren in ihrem Entwurf zur IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 390 SGB V umfassende Anforderungen an Praxen, um den Datenschutz und die IT-Sicherheit zu gewährleisten. So müssen alle Komponenten der Telematikinfrastruktur (TI), wie der Konnektor und das Kartenlesegerät, den vorgegebenen Sicherheitsstandards entsprechen und sicher betrieben werden, heißt es in dem Papier, das dem änd vorliegt.

Ebenso sind regelmäßige Updates und Patches für Betriebssysteme und Softwareanwendungen verpflichtend, um Sicherheitslücken zu schließen. Der Einsatz veralteter Systeme, wie etwa Windows 7, ist strikt untersagt. Diese müssen „ausgemustert oder separiert in einem eigenen Netzwerksegment betrieben werden“, heißt es wörtlich.

Zusätzlich gibt es spezifische Anforderungen, die im Anhang der Richtlinie beschrieben werden. So dürfen Patientendaten nur verschlüsselt per E-Mail verschickt werden. „Benutzer sollten darauf achten, dass zur Verschlüsselung von Kommunikationsverbindungen kryptografische Algorithmen nach dem Stand der Technik wie z.B. TLS verwendet werden“, heißt es.

Für die physische Sicherheit müssen zentrale IT-Komponenten, etwa Server, in abschließbaren Räumen aufbewahrt werden, die nur autorisiertem Personal zugänglich sind. Auch bei der Installation von Software gilt Vorsicht: Es dürfen ausschließlich geprüfte und freigegebene Programme verwendet werden, private Softwareinstallationen auf Praxisrechnern sind nicht erlaubt.

Darüber hinaus enthält der Richtlinien-Entwurf differenzierte Vorgaben, die je nach Praxisgröße und IT-Komplexität variieren.

Drei Kategorien für Praxen

Die Anforderungen sind nach Praxisgrößen gestaffelt. Der Entwurf unterscheidet dabei zwischen drei Praxisgrößen:

– kleine Praxen (bis zu fünf Personen in der Datenverarbeitung),

– mittlere Praxen (6–20 Personen in der Datenverarbeitung) und

– Großpraxen (über 20 Personen oder erheblicher Umfang an Datenverarbeitung).

Anforderungen für kleine Praxen

Kleine Praxen müssen knapp 50 Maßnahmen wie geregelte Mitarbeiterschulungen und Einarbeitung umsetzen, schreibt die Richtlinie vor. So müssen Updates für Betriebssysteme und Software zeitnah installiert werden, um Sicherheitslücken zu schließen.

Weitere Anforderungen sind unter anderen:

Zugangskontrolle: Jede Person, die Zugang zu IT-Systemen hat, benötigt individuelle Benutzerkonten mit strengen Passwortvorgaben.

Antivirenschutz: Alle Systeme, die mit Patientendaten arbeiten, müssen über eine aktuelle Antivirensoftware verfügen, die regelmäßig Updates erhält.

Back-up-Strategie: Die Daten müssen mindestens einmal täglich gesichert werden, und die Back-ups müssen an einem physisch getrennten Ort aufbewahrt werden.

Zusätzliche Auflagen für mittlere Praxen

Für mittlere Praxen kommen erweiterte Anforderungen hinzu, dazu zählen:

Alarmierung und Logging: Netzwerke müssen Ereignisse protokollieren, um Sicherheitsvorfälle zu überwachen.

Richtlinien für mobile Geräte: Verbindliche Regeln für den Umgang mit Smartphones und Tablets sind zu erstellen.

Wechseldatenträger: Gefordert werden klare schriftliche Regeln, ob und wie und zu welchen Anlässen Wechseldatenträger mitgenommen werden dürfen.

Vorgaben für Großpraxen

Großpraxen müssen sich intensiver mit IT-Sicherheit auseinandersetzen. Beispiele sind:

Netzwerksegmentierung: Trennung sensibler Gesundheitsdaten von weniger kritischen Informationen.

Mobile Device Management (MDM): Zentralisierte Verwaltung mobiler Endgeräte mit der Möglichkeit zur Fernlöschung bei Verlust.

Segmentierung des Netzwerks: Es müssen separate Netzwerke für administrative Systeme, Patientendaten und die Internetnutzung eingerichtet werden. Dadurch wird die Gefahr von Datenlecks minimiert.

Aktuell befindet sich der Entwurf in der Phase der sogenannten Benehmensherstellung. KBV und KZBV warten also auf Stellungnahmen von Verbänden zu ihrem Entwurf. Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) weist in seiner Stellungnahme bereits auf erhebliche Schwächen des Entwurfs hin und fordert Nachbesserungen, um die Praxen bei der Umsetzung der Richtlinie besser zu unterstützen und die Sicherheit sensibler Gesundheitsdaten zu gewährleisten.

Kritik vom IT-Verband

So bemängelt der bvitg unter anderem, dass der Entwurf der Richtlinie nicht auf etablierte Sicherheitsstandards wie den BSI-Grundschutz zurückgreift. Dies führe zu uneinheitlichen Anforderungen und stelle insbesondere kleinere Praxen vor große Herausforderungen. Der Verband fordert, den BSI-Grundschutz verbindlich in die Richtlinie aufzunehmen und dessen Bausteine für ein marktübliches Information Security Management System (ISMS) bereitzustellen.

Dass die IT-Sicherheitsanforderungen je nach Praxisgröße variieren, hält der Verband für nicht akzeptabel. Der Schutz sensibler Gesundheitsdaten dürfe nicht von der Praxisgröße abhängen. Einheitliche Sicherheitsanforderungen für alle Praxen seien unerlässlich, um ein gleichbleibend hohes Schutzniveau zu gewährleisten, fordert der IT-Verband.

Für größere Praxen mit mehr als fünf Mitarbeitenden fordert der bvitg die verpflichtende Einführung eines ISMS und die Benennung eines Informationssicherheitsbeauftragten. Dies sei notwendig, um die steigenden Bedrohungsrisiken effektiv zu bewältigen.

Der Verband schlägt vor, den Praxen niedrigschwellige Arbeitshilfen und Informationsmaterialien zur Verfügung zu stellen, um die Umsetzung der IT-Sicherheitsmaßnahmen zu erleichtern.

Die Richtlinie, die erstmals auch explizit die vertragspsychotherapeutische Versorgung umfasst, dürfte nach Eingang aller Stellungnahmen also noch an der einen oder anderen Stelle überarbeitet werden und muss am Ende von den Vertreterversammlungen der KBV und KZBV beschlossen werden. Erst dann tritt sie in Kraft und würde dann die derzeit gültige Richtlinie ersetzen.

Und wieder ein Überweiser/Zuweiser weniger…

Gerade habe ich mit einer Zahnärztin telefoniert, die uns regelmäßig Patienten überweist. Ihr Zahntechniker hatte ein akutes Problem, ab einem neu überkronten Zahn. Der Zahn zeigt stark obliterierte Wurzelkanäle. Die Nachbarzähne zeigten im DVT anatomische Besonderheiten. Deshalb rief ich in der Praxis an und informierte die Kollegin.
Sie freut sich, daß wir ihr Probleme dieser Art abnehmen.
Ihr fehlt immer mehr die Kraft, den beruflichen Alltag zu meistern. Seit mehreren Jahrzehnten ist sie als Zahnärztin tätig.
Im gleichen Atemzug erklärte sie mir, daß sie demnächst ihre Praxis schließen wird. Einen Nachfolger findet sie nicht und weiter arbeiten möchte sie nicht mehr unter diesen Bedingungen. Die großen Kostensteigerungen für Personal, Verbrauchsmaterial, IT und Digitalisierung, sowie Mietkosten führen zu einem immer geringer werdenden Überschuss.
Wenn die Bedingungen stimmen und man die zahnärztliche Arbeit gern macht, bleibt man lange am Ball.

Das ist aber nicht mehr der Fall.
Jetzt laufen ihre Leasingverträge für ihre Computer aus und eine Neuinvestition wird sie nicht mehr machen. Ohne Computer kann sie heute keine Leistungen in der GKV abrechnen. Es ist schade, daß sie ihr Lebenswerk einstampfen muss.

Über kurz oder lang werden alle Einzelpraxen in den ländlichen Gebieten so enden.
Das ist ihre feste Überzeugung. Und demnächst werden noch einige Praxen in der Umgebung aus diesen Gründen schließen. Es wird zeitnah in diesen Gebieten neben dem ärztlichen auch den zahnärztlichen Notstand geben.

Die dort lebenden Menschen können nicht weg und in den Großstädten werden die Ärzte auch weniger. Dieser Verlust an Lebensqualität wird zunehmen.

Passend dazu diese Meldung von änd exklusiv und Quintessenz schreibt zur Personalproblematik.


Vacanza

August ist der Monat im Jahr auf den wir spätestens im Monat Juni lechzen.
Es ist der Urlaubsmonat.

In den ersten 2 Jahren meiner Berufstätigkeit, die noch in die Zeiten des „Der Sozialismus siegt“ fallen hatte ich im Jahr ca. 3 Wochen Urlaub, inkl. Samstage. Ich war angestellt in einer staatlichen Zahnarztpraxis.
Nach meiner Selbständigkeit im Jahr 1991, nun im Kapitalismus, hatte ich die 14 Tage Urlaub im Jahr. Sprich 2 Wochen. Mehr konnte ich mir nicht leisten, meinte ich. 1999 war das erste Jahr in welchem ich mir 4 Wochen Urlaub leistete. Das war ein Traum… Den wollte ich weiter genießen.

Als Zahnarzt, ausgebildet in der DDR hatte ich ein großes Problem. Es fiel mir unglaublich schwer Geld für meine Tätigkeit zu verlangen. Das mussten wir früher nie. Das hatte zur Folge, daß ich 10 Jahre Leistungen, die wir erbrachten, gar nicht berechnete. Vor allem im GOZ Bereich.
Das führte natürlich wiederum dazu, daß wir mehr, sprich länger arbeiten mussten. Deshalb weniger Urlaub.
Aus heutiger Sicht unvorstellbar.

6 Jahre ging das gut mit dem „vielen Urlaub 3-4 Wochen. Dann gründete ich eine neue Praxis, ganz ausgerichtet auf dentalmikroskopische Therapien der Zahnerhaltung. Das war die Umsetzung eines Traums. Träume leben kostet…
Folge, auf Grund von noch bestehenden Altkrediten und Neukrediten, mehr Arbeiten und wieder weniger Urlaub. Wieder waren Jahre mit max. 2-3 Wochen Urlaub im Jahr angesagt.

Diese Form der Selbstausbeutung ist sicher vielen Selbständigen nicht ganz unbekannt. Das ist eigentlich ein Unding, wenn man selbst weniger Urlaubstage hat als die Mitarbeiter.
Früher gab es in meiner Praxis für die Mitarbeiter den gesetzlichen Mindesturlaub, dann 2 Tage mehr, danach mindestens 28 Tage auch bei Teilzeitarbeitsmodellen.

Und nun bin ich im Urlaub und schreibe über Urlaub… Es hilft mal die Zeiten Revue passieren zu lassen und zu überlegen, wie soll das weiter gehen…
Ich wünsche allen Lesern die noch im Urlaub sind, oder diesen noch vor sich haben erholsame Tage. Ich bin wieder im September online.



Geschichte aus dem TIozän

Die Gematik und TI sind ein leidiges Thema. Mehr oder weniger gezwungen sind die meisten Praxen dabei. Auch wir.
Unser Praxisalltag ist dadurch verändert. Meistens zum Negativen. Eine Mitarbeiterin ist immer mit diesem Thema beschäftigt.
Es gibt auch einen Teil, den ich persönlich gut annehmen kann. Das ist das KIM Postfach.

Wir bekommen einfacher Röntgenbilder übermittelt und viele Praxen nutzen dies nach der DSGVO Novelle.

Derzeit ist unser Konrektor defekt, seit 1 über Woche.
Nach einem Update ist das Gerät ausgefallen. Nicht nur bei uns, es soll einige Praxen erwischt haben. Jetzt gibt es laut Betreiber nicht genügend Austauschgeräte. Das Update sei Schuld.

Für jeden Kassen-Patienten drucken wir jetzt einen Erfassungsschein aus und fotografieren die Versichertenkarte. Digitale Beantragung und Anrechnung geht nicht.
Was wirklich ärgerlich ist, wir haben ein KIM Postfach, welches von unseren Überweiserpraxen gern genutzt wird um uns Röntgenbilder zuzusenden.
Nun sehen wir nicht ob eine Mail gekommen ist und wir können auch nicht zugreifen. Wir versenden Arztbrief und Befund, die liegen seit einer Woche im Postfach und können ebenso wenig nicht versendet werden.
Wann es wieder gehen wird? Alle vereinbarten Termine (2x) zum Konnektortausch wurden wieder gecancelt. Es gibt keine Geräte von der Compugroup…

Wenn man sich vorstellt, daß mit einem Update des Betreibers die Geräte geschrottet werden, dann entsteht ein ungutes Gefühl.

Aber das hat man ja inzwischen bei fast allen Neugeräten.
Das neu gekaufte Röntgengerät meldet sich am Montag morgen mit einer Fehlermeldung und piepst ständig. Zum Glück wurde am Freitag an dem anderen Gerät der Schalter getauscht.

Schmerzfall (2)

Das Röntgenbild zur Erstbefundung ist nicht optimal. Es sind an Hand dieses Bildes mehrere Verdachtsdiagnosen erkennbar:

  1. VD Mesiodens mit follikulärer infizierter Zyste
  2. VD 21 externe apikale Resorption (Konturveränderung der Wurzel), P. apicalis
  3. VD 11 P. apicalis
  4. 13 VD Wurzel / Kronenfraktur

Wir haben deshalb eine Aufnahme 11, 21 in Rechtwinkeltechnik angefertigt. Der Verdacht Mesiodens (follikuläre Zyste), 21 externe apikale Resorption, P. apicalis erhärtete sich.
Im nachfolgend erstellten DVT ist die Situation deutlicher dargestellt.

Im DVT ist ein Zahnstruktur ( Dentin/Schmelz)

periapikal 21 erkennbar, die Kontur der Wurzel des Zahnes 21 zeigt Veränderungen im Sinne einer P. apicalis mit externer Resorption, 11, 12 erscheint apikal o.p.B., 13 zeigt keine Wurzelfraktur.

Der Patient suchte uns Donnerstag abend auf. Am Montag beginnt seine 4wöchige Kur. Er wollte nur wissen ob er fahren kann…
Die Zähne 13,12, 21,11 zeigten klinisch Sekundärkaries. Die von uns präparierte Zugangskavität am Zahn 21 stellte einen vollständig kariösen Zahnstumpf ohne Erhaltungsmöglichkeit dar. In Zusammenarbeit mit einer kieferchirurgischen Praxis wurde folgende Planung erarbeitet:
Zahn 21 unterer Brücke entfernen, die Krone prov. verschließen mit operativer Entfernung des Mesiodens und ggf. Zystektomie, Antibiose und Abklärung ob Pat. danach reisefähig ist.

Eine Rückmeldung haben wir noch nicht erhalten.

Das Bild des Tages

Ein analoges Röntgenbild zu digitalisieren ist früher eine Kunst gewesen. Erst mit der Sanyo E6 gelang dies reproduzierbar. Diese Kammer (von Michael Logies empfohlen) hat uns bis heute begleitet. Nun werden die unzähligen Exemplare in unserer Praxis immer weniger.

Für eine uns überwiesene Jugendliche nach Frontzahntrauma baten wir die Mutter vorab um die Röntgenbildzusendung. Kein Problem hieß es und kurze Zeit später hatten wir dieses aussagekräftige Handybild.
Tolles Ergebnis für die erste Umwandlung von Analog zu Digital.

Heinrich Heine-Gedächtnis-Post 230302

Wer sich fragt, wie ist es bestellt um ein Land, welches einst für sein sprichwörtliches „Made in Germany“ bekannt und bewundert wurde, dem sei als Indiz diese Nachricht von heute zur Kenntnisnahme vorgelegt. Ganz ehrlich, ein trauriges und peinliches Bild, den status quo der Schul- und Allgemeinbildung betreffend. 

Und gibt es eigentlich niemanden mehr, der solche Dinge gegenliest ?
So, wie man es früher gemacht hätte ?
Vermutlich sind alle Strukturen, die  hier einst helfend, korrigierend, leitend eingegriffen hätten, längst von BWLern wegrationalisiert. Ganz ehrlich. Für einen VERLAG ein Armutszeugnis.

Mir begegnen täglich solche Negativbeispiele zwischenzeitlich verloren gegangener Unternehmenskultur. Verloren gegangener gesellschaftlicher und sozialer Strukturen. Geht es Ihnen auch so? 

Das einzig Gute an der Sache.
Wer seine Zahnarztpraxis nach „antiken“ Grundsätzen betreibt und führt, der wird vom Kultur-Exodus profitieren. Unter den Blinden ist der Einäugige König und der normal Sehende Kaiser…

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Klein, aber sehr fein.

Besser kann ich die Jahrestagung der französischen Gesellschaft für Endodontie (SFE), die dieses Mal in Saint Malo stattgefunden hat, nicht beschreiben.

Neben der hohen Qualität und der sehr starken klinischen Relevanz der Hauptvorträge (und hier waren nicht nur die üblichen Verdächtigen eingeladen) hat mich besonders der extrem freundschaftliche und respektvolle Umgang der Mitglieder untereinander beeindruckt .

Begünstigt wird dies sicher auch ein wenig durch den Umstand, dass es nur 470 Mitglieder sind, die miteinander umgehen müssen. Aber die brennen wirklich fast alle für Endodontie.

Das war besonders am Samstag zu merken, wo ein, wie ich finde, sehr interessantes Format als einziger Programmpunkt stattfand. Klinische Fallpräsentationen der Mitglieder.

Die Qualität der gezeigten Behandlungen? Herausragend. Von der Dekompression, über Dens invaginatus (die Behandlung desselben wurde an einem zuvor anhand des DVT im 3D-Drucker erstellten Modell geprobt) bis hin zu wirklich anspruchsvollen mikrochirurgischen Fällen war alles vertreten.

Bild des 3-D-gedruckten Zahnes

Von 9.00h-10.30h und von 11.00 bis 13.00 Uhr gab es für jede Fallvorstellung 5 Minuten und anschliessend 10 Minuten Diskussion. Für einen mit Literatur und ausführlicher Erläuterung der klinischen und radiologischen Befunde gespickten Fallbericht keine wirklich allzu lange Zeit, wie ich selbst am eigenen Leib erfahren durfte.

Noch nie habe ich in einer Diskussion in einem Kongress derart klar ausgesprochene, jedoch immer konstruktive Kritik erlebt, wie in Saint Malo. Dabei blieben alle immer respektvoll. Und freundlich. Eine geradezu familiäre Atmosphäre. Es ging um die Sache und das Persönliche stand hintenan.

Die Hauptvorträge drehten sich um den Sinus maxillaris und chirurgische Endodontie. Jérôme DeLattre, ein HNO-Kollege, brachte uns den Sinus näher. Endoskopische Videos zeigten eindrucksvoll, wie es im Inneren aussieht.

Roderick Tataryn aus den USA zeigte anhand vieler klinischer Fälle den gegenwärtigen Stand endodontischer Mikrochirurgie. Gestochen scharfe 3-D-Rekonstruktionen und exzellent ausgeführte apikale Chirurgie waren die Highlights seines Vortrages.

Und dann kam Byron Tvisos. Statisch und dynamisch geführte retrograde Chirurgie, die diese Behandlungen auf ein neues Niveau bringen. Schnell und extrem sicher. Interessant dabei, dass Byron nach Mobilisierung des Mukoperiostlappens die Reduktion des bukkalen Knochens und die Resektion mit einem Trepanbohrer in einem Arbeitsschrittund nicht mit einer Fräse ausführt. In einem Zug. Mit Tiefenanschlag. Eine, wie ich finde, überlegenswerte Vorgehensweise.

Nicola Grande und Gianluca Plotino rundeten den ersten Tag ab und zeigten, wie intentionelle Implantationen genutzt werden können, um komplexe endodontische Herausforderungen zu vereinfachen. Die Wurzelspitze wird um 2-3 mm gekürzt. Die retrograde Präparation erfolgt aus Zeitgründen (der extrahierte Zahn sollte nach 10 Minuten wieder replantiert sein) mit einem diamantierten rotierenden Instrument. Sind die unteren 3 mm retrograd gefüllt, erfolgt die Reposition und die Schienung. Der koronale Teil der Aufbereitung erfolgt dann 2 Wochen später, wenn die Schienung entfernt wird. Bei tiefen kariösen Defekten wird der okklusale Zahnanteil reduziert und der Zahn koronal versetzt reponiert und geschient.

Am Donnerstag Abend fand die wohl aussergewöhnlichste Mitgliederversammlung statt, die man sich vorstellen kann. In der Produktionshalle des Austernfischers, der 2022 die Medaille d’Or in Cancale gewonnen hat, wurde von Präsident und Schatzmeister, auf einer Bierbank stehend, Rechenschaft über die vergangenen 2 Jahre abgelegt. Dann begann die Verkostung. ;)

Mitgliederversammlung SFE
2022
Austern aus Cancale
Blick aus dem Kongresszentrum
Strand vor dem Kongresszentrum
Lunch am Strand

Nächstes Jahr wir die Jahrestagung in Lyon stattfinden. Ob ich hinfahren werde? Mais bien sûr!

Telematikinfrastruktur

Im änd – Ärztenachritenportal wird eine Bilanz zur TI gezogen.
Eine verheerende Zwischenbilanz zur Telematikinfrastruktur hat KBV-Vorstand Thomas Kriedel am Montag gezogen. In seiner Rede vor der VV war viel von „Wut“, „Ärger“ und „Enttäuschung“ die Rede. Es brauche jetzt so schnell wie möglich „tiefgreifende Kurskorrekturen“ und einen Neustart bei der Gematik.

Unglaublich was abläuft.
Für mich unverständlich, wo da Kurskorrekturen herkommen sollen. Vor allem durch wen?

Inkompetenz und Ignoranz wird systemrelevant.
Wird es Änderungen geben – wohl kaum.
Es gibt genug Geld dabei zu verdienen.

Und es gibt größere Probleme.

Die Zukunft macht Angst.

änd

der Ärztenachrichtendienst, ist eine Informationsquelle, welche immer wieder Informationen enthält die mir in meinem Praxisalltag nicht unwichtig sind.
Deshalb gebe ich die Empfehlung, welche ich durch Thomas Weber erhielt gerne weiter. Die Beiträge kann man lesen, wenn man sich kostenfrei beim and anmeldet.
Der Blick über den Tellerrand ist sicherlich

Die Beiträge, welche ich in letzter Zeit sehr interessant fand, stelle ich als Link hier ein. Lesen kann man diese nur, wie gesagt, wenn man sich anmeldet.

Interview – Kann sich eine gefährlichere Virusvariante gegen Omikron durchsetzen?

ePA-Opt-Out – Klammheimliche Einführung mit Impfpflichtgesetz gescheitert

IT-Sicherheit – Praxen sollen jederzeit mit einem Cyber-Angriff rechnen

Gematik nennt erstmals Zahlen – 130.000 Konnektoren müssen raus aus den Praxen

Kritik Orthopäden und Unfallchirurgen fordern TI-Betriebsstopp

Gesundheitsaktivitäten von Apple & Co Bertelsmann warnt vor Parallelstrukturen im Gesundheitssystem

Das neue Jahr fängt gut an …

Manchmal frage ich mich ob die Digitalisierung nicht uns beherrscht, statt andersherum.
Immer wieder mal verändert WordPress seinen Editor und dazugehörigen Module. Das führt zu plötzlichen nicht erwarteten Problemen bei der Beitragserstellung.
Da sich dadurch der Zeitaufwand zumindest bei mir stark erhöht, stört mich das sehr.

Keiner Ahnung warum man die Kunden verärgert und Frust erzeugt. Das scheint aber heute zum Geschäftsprinzip zu gehören. Oder man möchte die Leute so beschäftigen, daß diese keine Zeit haben, sich nach Alternativen umzuschauen. Ich möchte an dieser Stelle nur um Verständnis bitten, warum jetzt vielleicht das eine oder andere Bild, bzw. Erklärung nicht an der richtigen Stelle platziert ist.

So nun genug herumgenörgelt…

Im heutigen Fall stelle ich einen Fall mit einem Fehler vor, wie ich ihn bisher noch nicht hatte. Da man aus Fehlern mehr lernt, als von toll anzuschauenden Fällen halte ich diese Beiträge für nicht unwichtig.
Eigentlich lief bei der Patientin alles nach Plan.
Akute Beschwerden beginnend in der Adventszeit mit submukösem Abszess.
Der HZA schickte die Patientin umgehend zu uns und die Ursache war röntgenlogisch gut erkennbar. Distal apikal imponierte ein weiter Seitenknanal und ein ausgedehnte P. apicalis.

Die mesial unvollständige Wurzelfüllung ließ eine ausgeprägte Stufenbildung vermuten, was sich klinisch auch so darstellte. Die Überwindung der Stufen gelang mit vorgebogenen Handinstumenten in einer Balance Forced Technik. Die apikale Krümmung war sehr aprupt.
Die maschinelle Aufbereitung mesial erfolgte bis #35.04.
Im Kontrollbild der Wurzelfüllung dann plötzlich die Überraschung. Obwohl die Guttaperchapoints bis zur Markierung entsprechend der Masterpointaufnahme eingebracht wurden, fehlte ein erheblicher Teil der WF apikal.
Wir hatten die Downpackaufnahme eingespart. Es hätte uns Einiges an Arbeit erspart, nicht darauf zu verzichten. Nun erfolgte die Revision der mesialen Kanäle.
Wir verwendeten den Hitzeplugger der Obturation Unit und konnten die weitere GP mit Hedströmfeilen entfernen. Dabei zeigte sich, daß beide apikale Bereiche der GP-Points umgeknickt waren.
Um dies zu vermeiden, werden die Points von uns mit Alkohol benetzt und durch die dabei entstehende Verdunstungskälte etwas stabiler beim Einbringen mit dem Sealer.
Genau das haben wir in diesem Fall versäumt und wurden sofort bestraft. Durch die beschriebenen Fehler haben wir unsere Behandlungszeit um 60 Minuten verlängert.

ePA – elektronische Patientenakte

Ein Video zu Haftungsfragen der ePA kann man hier anschauen.

 

Medizinprodukteverordnung – wird Geschichte fürs Endozän?

Nun ist  es da – MDR (Medical Device Regulation).

Die neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten (Medical Device Regulation Nummer 2017/745) ersetzt zwei Medizinprodukte-Richtlinien, die
Richtlinie 93/42/EWG über Medizinprodukte (Medical Device Directive, MDD) und die
Richtlinie 90/385/EWG über aktive implantierbare Medizinprodukte (Active Implantable Medical Devices, AIMD).

Einige Kollegen, welche ich zu dem Thema ansprach zuckten nur mit den Schultern, ist mehr für die Labore interessant, meinten diese. Die Dentallabore schicken nun seit MDR ganzseitige Listen zu ihren Arbeiten.

Da täuschen sich die Kollegen sehr.
MDR schlägt bereits bei uns zu – gnadenlos.

In einem Gespräch mit einem Dentalhändler habe ich letztens erfahren, daß er fast täglich seitenlange Listen von ausgelitsteten Medizinprodukten erhält. Diese werden nicht mehr in die EU geliefert oder vorhandene nicht mehr repariert oder gewartet!
Wir wollten von einer unserer Sybronendo Obturation Unit’s den Extruder reparieren lassen. Das geht nicht mehr. Kerr hat den Service wegen MDR eingestellt.
Kerr ist jetzt mit KAVO ein Tochterunternehmen der Envista Corporation/ USA.

Auf deren Webseite kann man lesen:

Aufgestellt für anhaltenden Erfolg

2017 entsteht KaVo Kerr – zwei führende, globale Dentalunternehmen, synergetisch vereint, um dem Dentalmarkt ein komplementäres Angebot von der Praxisausstattung bis hin zu Verbrauchsmaterialien aus einer Hand zu bieten. KaVo Kerr verbindet eine gemeinsame Vision, die unsere Kunden, deren Patienten und unsere eigenen Mitarbeiter inspiriert und unterstützt, ihr gesamtes Potential zu verwirklichen.

Das hat nun ein schnelles Ende gefunden, mit dem Potential verwirklichen, weil die EU Bürokratie neue Regeln erstellt und die Firmen diese nicht umsetzen und lieber nicht mehr in die EU verkaufen. Dabei ist MDR eine Folge des Brustimplantateskandals (Die französische Firma Poly Implant Prothèse (PIP) hat Brustimplantate mit Industriesilikon befüllt.).

Und wenn man nun im Netz etwas zum MDR googelt, dann kommen auch solche Stimmen zu Wort, die uns nachdenklich lassen werden sollten.

Zitat Johner Institut:

  1. Kritik an der MDR

a) Gefahr für Patientensicherheit
Durch die erhöhten Anforderungen, die gestiegenen Kosten und die unzureichende Anzahl und Kapazität Benannter Stellen besteht zu befürchten, dass Medizinprodukte nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.
Die Neue Zürcher Zeitung übertitelt einen Artikel zur MDR mit „Wenn die Politik ein Monster gebiert“. Die Zeitung hat leider Recht: „Es wird unweigerlich zu einer Konsolidierung kommen. Entweder werden die Kleinen aus dem Markt gedrängt oder zu Zulieferern der Grosskonzerne degradiert.„
In einem weiteren Artikel vom 12.02.2018 äußert die Zeitung sogar die Bedenken, dass notwendige Produkte nicht mehr im Markt verfügbar sein werden. Die Autoren schlussfolgern: „Das ursprüngliche Ziel der neuen Regulierung, die Patientensicherheit bei Medtech-Produkten zu erhöhen, dürfte verfehlt werden.„
b) Gefährdung der KMUs
Die Medical Device Regulation ist völlig an ihrem selbstgesetzten Ziel gescheitert, eine Regelung zu schaffen, die auch für kleine und mittlere Unternehmen beherrschbar ist.
Wie soll ein solches KMU ein 175-seitiges Werk lesen und verstehen können?
Woher soll ein KMU die Mittel nehmen, um eine weitere Rolle, den „Compliance Officer“ zu besetzen?
Weshalb werden die meisten Apps in die Klassen IIa und höher klassifiziert, was eine Benannte Stelle erfordert und die Kosten explodieren lässt? (Lesen Sie hierzu einen separaten Artikel)
Weshalb bedarf es neben den harmonisierten Normen nun zusätzlich der Common Specifications? Waren die Normen wirklich unzureichend? Oder wollte die Kommission sich nur ein Instrument schaffen, um lästige Diskussion mit den Normengremien mit Gewalt zu zu beenden? Weshalb maßt sich die Kommission ein besseres Fachwissen an? Dass Sie auf diese Weise quasi beliebig neue Anforderungen formulieren kann, verwundert. Alles vorbei an jedem parlamentarischen Prozess …
c) Wettbewerbsnachteile durch Kosten
Die Hersteller müssen mit höheren Kosten rechnen, die entstehen durch
gestiegenen Anforderungen an die Dokumentation,
die Pflicht zur erneuten Zulassung, d. h. ein erneutes Durchlaufen der Konformitätsbewertungsverfahren von bereits unter der MDD zugelassenen Produkten
die höheren Aufwände für die Marktbeobachtung (Post-Market Surveillance und Post-Market Clinical Follow-up),
zusätzliche Meldungen, z. B. an die EUDAMED,
Systeme zum Erstellen und Nachverfolgen der UDI,
die Pflicht zur Einführung eines Compliance Officers.
Die Komplexität der Materie zwingt viele Hersteller dazu, vor einer Inverkehrbringung externe Beratung in Anspruch zu nehmen.
Das Johner Institut ist sich dieser Problematik bewusst und bietet im Rahmen des Micro-Consultings in eingeschränkten Umfang sogar kostenlose Unterstützung an.
Die NZZ befürchtet 18 Mrd. EUR an Kosten für die Medizintechnikfirmen, um die Anforderungen der MDR zu erfüllen.
Auch der BVMed klagt in seinen „BVMedNews“ 41/17 und 42/17 gar von einem sinkenden Innovationsklima wegen der Regularien. Man schreibt zudem „in Kombination mit einer tiefen Verunsicherung hinsichtlich der MDR-Umsetzung für KMU eine tödliche Kombination, da sie mittel- und langfristig den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen, zu reduzierten Investitionen sowie dem Verlust von sozialversicherungspichtigen Arbeitsplätzen führen!“
Daher fordert der BVMED, dass der „kleine Mittelstand auch durch die umfassenden neuen klinischen Anforderungen […] besonders hart getroffen werde“ und „ein nationales Förderprogramm für diese KMUs ist für das Überleben des Klein-Mittelstandes dringend notwendig“ sei.
d) Es gab keinen Grund
Auch der BVMed, der Bundesverband Medizintechnologie, scheint Bedenken zu haben. In einer Pressemitteilung gibt der Verband seine Sicht der Dinge wider:
„Bei Medizinprodukten gibt es kein Regelungsdefizit, sondern eher ein Vollzugsdefizit. Daher sind bessere Kontrollen durch die Benannten Stellen und die zuständigen Aufsichtsbehörden bei Herstellern und im Markt sinnvoll.“
Dieser Aussage kann man absolut zustimmen: Wenn man sieht, welche Unterlagen bei Audits durchgewunken wurden, wie häufig und wie intensiv die Behörden prüfen, fragt man sich manchmal schon, ob da überhaupt eine Prüfung stattfand. Eben ein Vollzugsdefizit.
Den Beweis, dass wir ein regulatorisches Problem hatten, das die MDR lösen müsste, ist die EU-Kommission schuldig geblieben.
e) Fazit
Auch wenn wir als Beratungsunternehmen vielleicht von den neuen Regularien profitieren: Freuen können wir uns darüber nicht. Denn mit der MDR schaden wir den Bürgern mehr, als wir ihnen nützen. Die horrenden Kosten, die letztlich das Gesundheitswesen zu begleichen hat, die Toten, die es geben kann weil Medizinprodukte nicht verfügbar sind, all das zählt niemand.

Was man unbedingt hinzufügen muss. Es fehlen in den medizinischen Einrichtungen die MItarbeiter, die diese gutgemeinten Vorgaben umsetzen können.

Es ist an der Zeit in den politischen Entscheidungsgremien ein zertifiziertes QM System zu installieren, welches die praktische Umsetzung der eigenen Regelungen überprüft und in Testläufen kritisch begleitet.

Fokusmonitor – Focuspeaking

Hier nun noch einige Beispiele und Infos zu dem letztens beschrieben Field-Monitors Desview R7 Plus.

Das Focuspeaking, welches der Monitor integriert hat war einer der Pluspunkte, welche uns zum Kauf dieses Modells führten.

Fokuspeaking heißt:
Es werden die kontrastreichsten (und damit die am schärfsten abgebildeten) Kanten im Foto farbig – hier rot umsäumt, so dass man die schärfsten Bereich des Bildes besser erkennen kann.

In der Dentalmikroskopfotografie ist das allerdings nicht so einfach umsetzbar. Durch die häufig weniger kontrastreiche Darstellung, begrenzten Lichtverhältnisse und Vergrößerung wird häufig kein scharfer Bereich eindeutig erkannt und somit kein Peak dargestellt.

Wenn Farbsaum des Fokuspeaking eingeblendet wird ist er eine sehr gute Orientierung.
Voraussetzung ist das man den Bildausschnitt vergrößert, der dargestellt werden soll.
Wir haben die Ansicht 200% größer gewählt. Durch die Voreinstellungsmöglichkeit im Gerät wird diese Einstellung immer beibehalten.
Genau diese Vergößerungseinstellung ist für uns die wichtigste Neuerung zum vorgehenden Monitor.
Die 4K Auflösung des Monitors ist für uns optisch nicht erkennbar besser, da unsere Kamera Canon550D max. HD unterstützt.

 

 

 

 

Schraube vs. Zahn

Von Christoph Kaaden

Anfang der Woche sind wir von einem Zuweiser gebeten worden die Situation seiner 21-jährigen Mitarbeiterin zu beurteilen.

Zu den Hintergründen:

Anfang Februar 2021 war in einer kieferchirurgischen Praxis eine OK/UK-Umstellungsosteotomie vorgenommen worden.

In diesem Zuge wurden auch eine Reihe von IMF-Schrauben zur mandibulo-maxillären Fixation platziert.

Laut der Patientin wurden diese gut zwei Wochen postoperativ (nur) nach Applikation eines Oberflächenanästhetikums entfernt.

Insbesondere in Regio 46 war dies ihrer Angabe nach extremst schmerzhaft.

Gut zehn Tage später bemerkte sie eine Fistelbildung in der betreffenden Region…

während das OPG und die Einzelzahnaufnahme noch Anlass zur Hoffnung gaben…

zeigte das DVT das volle Ausmass der Problematik…

leider hat die Schraube den Zweikampf gegen den Zahn eindeutig gewonnen.

Nun wird eine andere Art „Schraube“ die entstehende Lücke versorgen müssen…

FFP2 Masken

Ein interessanter Beitrag zum Thema FFP2 vom SWR.

Auch wenn wir wahrscheinlich keine Masken aus BW haben, könnte es bei jedem anderen Lieferanten nicht groß anders sein.

Hoffen wir mal alle, daß die 80% schlechte Masken doch etwas schützen.
Hier der Link

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/fehlerhafte-masken-104.html

Und hier noch das Video dazu.

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ffp2-normstreit-100.html

Total Fill BC Sealer high flow (II)

Von Christoph Kaaden

Anfang der Woche hatte ich einige radiologische Beispiele unserer High flow-Anwendung gezeigt.

Heute möchte ich ein paar bewegte Bilder hinzufügen.

Neu für uns sind bei dieser Anwendung massgeblich folgende drei Punkte:

-geringere Trocknung der Kanalsysteme mit reduzierter Anzahl an Papierspitzen

-Einbringen des Sealers mit Kanüle (statt vormals Beschicken des Masterpoints mit Sealer)

-deutlich grössere Menge an Sealer

Das Video verdeutlicht das komplett andere Wärmeverhalten von High flow im Vergleich zum „klassischen“ BC Sealer (ohne „Ausflocken“ des Materials)…

ich bin auf Ihre Meinungen gespannt…

fire on

Die „radiologische“ Zyste

Und da war sie wieder die Diagnose: Zyste. Radiologisch erhoben. Am Telefon von einem Kollegen, der wiederum hat sie von einem Kieferchirurgen und wo der diese Diagnose her hat, weiß ich nicht.

Die Definition Zyste: Zysten sind als pathologischer Hohlraum mit epithelialer Auskleidung definiert.

Quelle: Johnson N R, Gannon O M, Savage N W, Bat­
stone M D: Frequency of odontogenic cysts
and tumors: a systematic review. J Investig Clin Dent 5: 9–14 (2013)

Nun stellt sich mir die Frage, kann ich im Röntgenbild ein Epithel erkennen?
Nein.
Kann ich dann die Diagnose Zyste stellen?
Nein.
Dann sollte als Diagnose eine Verdachtsdiagnose oder eine Differentialdiagnose mit Verdacht angegeben werden.

In der Endodontie 2019 kann man das wunderbar  nach lesen:

Radiologie
Die mitgebrachten radiologischen Aufnahmen wurden zur Diagnostik mit herangezogen: Das OPG (Abb. 1) zeigt ein bleibendes adultes Gebiss mit persistierendem Milchzahn 85. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war der Zahn 21 noch in situ. Die zarten und inhomogenen Verschattungen im In neren des Zahns sind als Zeichen einer versuchten Wurzelkanalbehandlung zu interpretieren. Apikal und lateral der Wurzelspitze des Zahns 21 sind re- lativ scharf begrenzte, rundliche Aufhellungen zu erkennen. Die Zähne 21 und 22 sind im Bereich der Wurzel deutlich divergent. Die Osteolyse er- streckt sich scheinbar polyzystisch (2-kammerig) nach kranial bis oberhalb der Spina nasalis und verdrängt die faziale Kieferhöhlenwand. Die Ein- zelzahnaufnahme (Abb. 2, gleiches Datum) bestätigt die Osteolysen in Regio 21/22.
Aufgrund der geplanten Zystektomie und der Größe der Zyste wurde alio loco ein Dental-CT
Abb. 2 Einzelzahnaufnahme gleichen Datums mit apikaler Par- odontitis an Zahn 21.
angefertigt. Das vorhandene axiale Schnittbild auf Höhe der Wurzelspitzen (Abb. 3) zeigt zwei von- einander getrennte Zystenlumina in die einerseits Zahn 21 und andererseits Zahn 22 bis 24 hineinragen. Es ist eine deutliche Auftreibung der vesti- bulären Kortikalis von 22 bis 24 zu erkennen. Die zum Palatum durum gerichtete Auftreibung ist nur minimal.
In den sagittalen Schnittbildern (Abb. 4 und 5) sind in Abhängigkeit von der Schnittpositionie- rung entweder ein oder zwei getrennte Zystenlu- mina zu sehen.
Nach der Befundung der Röntgenbilder wurde die Verdachtsdiagnose einer infizierten Zyste ausgehend von der Invagination an Zahn 22 gestellt.

Endodontie 28 (2019), Nr. 3, Seite 365-369
Zwei benachbarte Zysten
Bürklein, Sebastian / Schäfer, Magdalena

Nun stelle ich drei Röntgenbilder vor und bitte um die Bewertung Verdachtsdiagnose Zyste oder röntgenlogisch erkennbare apikale Aufhellung, oder was noch?

Recruiting

Wer hat keine Personalnot? Der kann trotzdem weiter lesen.

Vor 12 Monaten hätte ich gesagt, ich habe keine Not.

In 12 Monaten hat sich alles verändert.
2 Mitarbeiterinnen wurden schwanger, 1 ist in Elternzeit.
1 weitere Mitarbeiterin ist von heute auf morgen aus familiären Gründen verzogen. Das ist für eine kleine Praxis mit 2 Behandelrn eine Katastrophe. Zumal wir ein sofortiges Beschäftigungsverbot für die schwangeren Mitarbeiterinnen ausgesprochen haben. 

Als fast Krönung ist auch die Putzfrau aus Angst vor einer Cvid-19 Infektion zeitiger in Pension gegangen – zum selben Zeitpunkt.
Und gibt es noch etwas zum Steigern?
Ja, unser Thermodesinfektor, Getinge ist ausgefallen und seit dem 14.08.2020 steht er beim Händler und soll repariert werden. Getinge liefert nicht die notwendigen Teile, bzw. nennt keine Liefertermine. ( Stand 22.11.2020 – immer noch defekt )

Wie soll man mit diesen Veränderungen umgehen?
Ehrlich gesagt bin ich jetzt froh, daß mich 40 Jahre Sozialismus etwas abgehärtet haben.
Allerdings hilft das bei den derzeit verrückten Materialengpässen in Kombination mit den oben genannten Probleme immer weniger.

Was tun?
Zunächst haben wir auf einschlägigen Portalen annonciert. Arbeitsamt, KZV Seite, Indeed, Ebay Kleinanzeigen etc.
Ergebnis: Man lernt unglaublich viele Recruiting Teams kennen. Alle bieten gerade Sonderpreise an. 

Hat mein einmal auf indeed annonciert wird man mit Recruiting-Mails überschwemmt.
Nimmt man die Annonce raus, sind sofort weniger Recruiting-Mails.Mobile Recruiting – mit dem Smartphone neues Personal finden…
Schnellestelle.de

Wir haben viel Geld für Klicks und keine Bewerbungen ausgegeben. 

Recruiting – Rekrutieren habe ich zuletzt in der Nationalen Volksarmee gehört. Da war ich Rekrut. Das war eine wenig angenehme Zeit.
Und nun sind Sie wieder hinter mir her und wollen mich, oder vielleicht auch für mich rekrutieren. Für mich ist dieses Wort schlecht besetzt. Aber Anglizismen sind in.
Mehr Infos gibt es auch in diesem Wiki.

Unsere Versuche über Ebay Kleinanzeigen brachte:

  • 114 Besucher
  • 2 mal gemerkt

Kosten: 2 x €18,95 (Topanzeige)  gesamten November

Indeed:

  • 21 Klicks
  • 1 Bewerber – Zahnarzt die eine Stelle suchte, keine ZMF. Dafür musste ich noch €12,58 extra zahlen, obwohl es nicht zum Bewerberprofil passte

Kosten: €73,63
Obwohl ich die Anzeige erst wieder im Oktober aktiviert habe, sind Gesamtkosten seit August von €200,32 entstanden. Hier fehlt mir die Transparenz.
Seit wir die Annonce pausiert haben, kommen auch keine Personalvermittlermails.
Haben wir deren Klicks bezahlt? Wahrscheinlich…

Verstärkung haben wir bekommen durch eine ehemalige Mitarbeiterin. Die Einarbeitung ist dadurch leichter, da die Arbeistabläufe nicht ganz unbekannt sind. Sie ist glücklich wieder bei uns arbeiten zu können.
Mal sehen, wie es weiter geht. Wir suchen weiter – über unsere Mitarbeiterinnen und Ebay Kleinanzeigen. Ach, ja und über das gute alte Arbeitsamt auch weiterhin. Das hat uns ebenso Bewerberinnen eingebracht. Eine aus dem Endobereich, nur leider unbedingt jetzt ZMP werden möchte.

 

Marktwirtschaft

Spiegel Online hat es letztens in einer Schlagzeile berichtet.

Handschuhe werden knapp…
https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/corona-engpass-einmalhandschuhe-werden-knapp-a-46fa3084-646f-4479-bdc8-3b86f6aee9c5

Das Material knapp ist und man improvisieren muss, habe ich im Rahmen der zahnmedizinischen Ausbildung und Tätigkeit im real existierenden Sozialismus erleben dürfen.
Niemals hätte ich damit gerechnet, daß mich diese Erfahrungen wieder einholen.

Nun ist es soweit. Einmalhandschuhe sind rar. Bestellungen werden automatisch gekürzt. Es gibt Zuteilungen. Das sind dann, wenn man Glück hat noch Vinylhandschuhe.

Das ist wie Schlangestehen nach Bananen und wenn man dran ist gibt es keine mehr, dafür aber Äpfel.

Für mich stellt sich die Frage, was überblicken die Gesundheitspolitiker und Standesvertreter noch?
Wozu brauchen wir ein QM, wenn einfachste Dinge im Arbeitsschutz nicht gewährleistet sind.

Handschuhe gibt es jetzt als Schnäppchen. 100 Stck. für 18,80€+Ust. – Netdental.

Wer seine Angestellten und sich selbst schützen will, der zahlt das schon. Für die Gesundheit ist nichts zu teuer.

 

Trennwand – Plexiglas

Und wieder ist ein Produkt rar geworden.

Plexiglas.

In Sachsen haben alle Baumärkte geschlossen. Es gibt kein Plexiglas zu kaufen. Nur einige Tischler haben sich darauf spezialisiert Trennwände zu bauen.
Einige Internetversender haben ebenfalls so etwas im Angebot. Minilu.

Bei meiner Suche im Internet bin ich dann in Südtirol gelandet und welch lustiges Ergebnis, die Loeff-System GmbH, mit der ich weder verschwägert, noch verwandt noch bekannt bin, bietet so eine Trennwand an.
Ich habe diese kurzer Hand bestellt. Inklusive Versand €147,00.
Nach 3 Tagen war sie da. Die Verarbeitung ist fast gut. Der Zuschnitt stimmt nicht 100%. Da wir die Mittelscheibe nach oben versetzt haben fällt das nicht auf.

Den Anbieter habe ich dazu per Mail informiert.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen..

Neues in 2020 (II&III)

Von Christoph Kaaden

 

Heute möchte ich Ihnen und Euch zwei weitere Neuerungen unserer Praxis vorstellen.

  • Neues II –  kommt zusammen mit bzw. nach unserer Heldentafel zum Einsatz:

 

Jedes Kind darf sich nach jeder Behandlung aus unserer Schatzkiste ein entsprechendes Geschenk aussuchen. Dabei achten wir darauf, dass maximal drei unterschiedliche Präsente zur Auswahl stehen, um eine gewisse Wertigkeit zu vermitteln. Eine „große Grabbelkiste“ mit einer Vielzahl von Tand und Nippes sucht man bei uns daher vergebens.

Auf dem obigen Foto ist unsere Truhe für Jungs zu sehen. Modell: Piratenschatzkiste

Die der Mädchen fällt in die Kategorie – Girly-style – (Foto folgt)…

 

Neues III ist primär für die erwachsenen Patienten bei uns gedacht:

Nachdem das Klingeln, Piepsen und Schrillen der Handys während Beratungen und Behandlungen immer mehr und unerträglicher wurden (Ein Patient hat sogar versucht trotz Kofferraum-Isolation seines Zahnes 27 ans Telefon zu gehen!) haben wir an markanten und strategisch günstigen Stellen der Praxis diese kleinen Hinweistafeln aufgehängt. Bewusst in schwarz-weiß, um einen „Verbots-Charakter“ zu „entschärfen“.

Insbesondere diese Neuerung fällt in die Kategorie:  – Hätten wir schon viiiiiiel früher machen sollen- und kann ich vollumfänglich empfehlen…

Pick (3.1)

Vielen Dank für die Kommentare.

Auf Grund der zu erwartenden massiven Stufenbildung haben wir der Patientin zum Erhaltungsversuch des Zahnes mit der Prognose günstig-kritisch geraten.
Im angefertigten DVT haben wir den Kanalverlauf nach der Stufe im mb Kanalsystem erruieren können. Trotzdem war ich zurückhaltend mit der Prognose. Ich hatte bereits einige „dieser vorbehandelten Zähne“ in der Revision und es war jedesmal extrem schwierig und zeitaufwendig diese Fälle zu lösen.

Die im DVT erkennbare Kanalverlagerung war schon deutlich, ließ uns aber die Revision nicht aussichtslos erscheinen.

In der Behandlung konnten wir nach dp vorgebogenen Handinstrumenten nichts sondieren, bzw. nachverfolgen. Innerhalb einer Stunde konnten wir keinen Erfolg erreichen.
In der angefertigten Kontrollaufnahme waren Reste der Einlage eines unbekannten Materials oder die Spitze eines Eddy zu vermuten. Wir konnten dies mittels Schall- und ultraschallgestützter Spülungen nicht entfernen.
Die Instrumentenspitze traf immer wieder auf einen harten Widerstand in der Stufe.
Nach dieser Stunde hatten wir das Limit erreicht und brachen weitere Versuche ab.
Die Patientin wurde von uns über diesen erfolglosen Versuch informiert.
Wir hatten im Vorfeld vereinbart, daß wir bei erfolgloser Suche nach der ersten Sitzung die Behandlung abbrechen.

Auf mein Anraten und der Hoffnung doch noch über den mb2 Kanal etwas zu erreichen, haben wir einen weiteren Termin vereinbart um noch einen weiteren Versuch der Erschließung ggf. über mb2 zu unternehmen. Auch hier gelang uns nachweiteren 30 Minuten im mb1 Kanal kein Fortschritt.

Der unbehandelte mb2 Kanal konnte mittels der Balanced-force-Technik initial instrumentiert werden und wurde anschließend maschinell weiterentwickelt bis zur #25.
( Niti-K-Feilen werden mit geringem Druck in den Wurzelkanal bis zum Widerstand eingeführt und um ca. 90 Grad im Uhrzeigersinn rotiert. Danach wird unter forciertem Druck die Feile ca. 180° in die Gegenrichtung  nach apikal das Instrument gedreht und aus dem Kanal entfernt. )
Leider war keine Konfluation mit dem Kanal mb1 zu erkennen. Es lag eine Vertucci Klassifikation Typ IV vor.

Die Erweiterung und Behandlung des gesamten restlichen Kanalsystems konnte nur eine dezente Beschwerdeminderung erreichen.
Die Palpation in Höhe der mesiobukkalen Wurzelspitzeentsprach den Schmerzen und verstärkte die Beschwerden.

Die Patientin hatte sich nach Beratung gegen eine apikale Resektion der unbehandelten mesialen Kanalbereiche und leider für die Extraktion entschieden.

In unserer Praxis treten diese Fälle nicht selten auf. Zumeist in Folge von vorbehandelten schwierigen Kanalsystemen, welche ein gezieltes und bewusstes Vorgehen erfordern.

Die Röntgenbilder zeigen erhebliche Krümmungsradien. Diese erfordern ein geplantes Vorgehen ( siehe oben, Erschließung mb2 ).
Die Hoffnung auf einen Zugang zum mb1 über den mb2 Kanal war leider illusorisch.
Hedströmfeilen gehören nicht in in die Erschließung und Sondierung derartiger Kanalsysteme. Zur Differenzierung übereinander projezeirter Kanäle in Messaufnahmen oder zur Entfernung von Guttapercha sehe ich eine Indikation dafür.

Schade. In diesem Fall hätte ich der mikroinvasiven Resektion der mb nicht behandelten Wurzelbereiche eine Chance gegeben.

 

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma

Von Christoph Kaaden

Im Herbst 2018 stellte sich der damals 10-jährige Milo erstmals bei uns vor.

Hinter ihm lagen mehrere Tage starker Schmerzen und multiple Zahnarztbesuche mit endodontischen Behandlungen seines linken oberen zentralen Schneidezahns.

Erst mit dem gestrigen Beginn der Einnahme eines Antibiotikums stellte sich langsam eine gewisse Besserung ein…

Die Befragung des jungen Patienten ergab, dass er vor circa einem Jahr beim Fußballspielen ein Frontzahntrauma mit Lockerung des Zahnes erlitten hatte. Seit dieser Zeit war der Zahn in unregelmässigen Abständen ohne besondere Befunde kontrolliert worden.

Bei Betrachtung des aktuellen Röntgenbildes ist anzunehmen, dass eine radiologische Untersuchung in der Vergangenheit nicht Teil der Befundung war:

Ausgeprägte apikale Aufhellung bei Zustand nach Frontzahntrauma vor ca. 12 Monaten

Gemeinsam entschlossen sich alle Beteiligten trotz der ausgeprägten apikalen Pathologie weitere endodontische Maßnahmen durchzuführen.

Am Ende  des dritten Behandlungstermins (Behandlungsdauer 2,5h) stellte sich die Situation wie folgt dar:

Und so sah das Recall ein Jahr später aus:

Es sieht so aus, als hat Milos Zahn trotz des Fußballunfalls eine gute Prognose…

 

Nun auch wieder beim CCC Treffen in Leipzig ein Thema – TI

Interessant ist die Diagnose und Therapieempfehlung des CCC.

https://www.ccc.de/de/updates/2019/neue-schwachstellen-gesundheitsnetzwerk

Später ist der Beitrag auch als Videostream anzusehen: www.media.ccc.de

DSGVO: Löschen bedeutet nicht vernichten

Die DSGVO gibt betroffenen Personen „das Recht, von dem Verantwortlichen zu verlangen, dass sie betreffende personenbezogene Daten unverzüglich gelöscht werden”. Unter den Begriffsbestimmungen in der Verordnung sind unter Verarbeitungstechniken sowohl das Löschen als auch das Vernichten von Daten aufgelistet. Daher muss es zwischen beiden Tätigkeiten einen Unterschied geben. Genau damit musste sich jetzt die österreichische Datenschutzbehörde auseinander setzen.

Kunde verlangte Löschung bei Versicherung
Bei dem Fall ging es laut Heise um eine Versicherung: Eine Kunde verlangte von seiner ehemaligen Versicherung die Löschung der personenbezogenen Daten. Die Versicherung löschte daraufhin die Kontaktdaten und erstellten Versicherungsangebote. Der Name des ehemaligen Kunden wurde durch „Max Mustermann” ersetzt; ebenso wurden bei der Adresse anonymisierte Musterdaten eingetragen. Die Informationen zu den ehemaligen Versicherungsverträgen blieben erhalten.

Der Kunde war mit diesem Vorgehen alles andere als zufrieden und beschwerte sich bei der Datenschutzbehörde, die sich des Falls annahm.

Der Unterschied zwischen Löschen und Vernichten
Die Datenschutzbehörde gab – so Heise weiter – der Versicherung Recht: Es gibt einen begrifflichen Unterschied zwischen dem Löschen und der Vernichtung der Daten. Bei der Vernichtung geht es darum, die Daten rückstandslos zu beseitigen; dagegen reicht bei der Löschung der Daten eine Anonymisierung. Es muss lediglich darauf geachtet werden, dass weder der Verantwortliche selbst noch ein Dritter, ohne unverhältnismäßigen Aufwand einen Personenbezug wiederherstellen kann“, begründet die Behörde laut Heise die Entscheidung. Weiter heißt es: „Eine Löschung liegt dann vor, wenn die Verarbeitung und Nutzung der personenbezogenen Daten (…) nicht mehr möglich ist. Dass sich zu irgendeinem Zeitpunkt eine Rekonstruktion (etwa unter Verwendung neuer technischer Hilfsmittel) als möglich erweist, macht die ,Löschung durch Unkenntlichmachung‘ nicht unzureichend. Eine völlige Irreversibilität ist daher (…) nicht notwendig.“

Da die Versicherung in dem Fall sichergestellt hat, auch keinerlei Logdateien mehr vorzuhalten, über die die Anonymisieren rückgängig gemacht hätte werden können, wurde dem Löschanspruch des Kunden Genüge getan.

ÜBER DEN AUTOR

Sandra May
Experte für IT- und Strafrecht
Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

Quelle: https://www.onlinehaendler-news.de/e-recht/rechtsfragen/130512-dsgvo-loeschen-bedeutet-nicht-vernichten

Nichtbehandlung (I)

Von Bonald Decker

 

Nachfolgend möchte ich Ihnen einen gestrigen Fall vorstellen und Ihre Meinungen dazu einholen…

kurz zur Vorgeschichte:

Der 18-jährige Lion stürzte in der Nacht von Samstag auf Sonntag letzte Woche auf dem Nachhauseweg mit seinem Fahrrad. Daraufhin suchte er mit seinen Eltern in den frühen Morgenstunden die chirurgische Notaufnahme einer Universität auf.

Hier erfolgte in erster Linie eine Untersuchung zum Ausschluss eines möglichen Schädel-Hirn-Traumas (u.a. Kopf-CT etc.)

Da keine allgemeinmedizinischen Besonderheiten vorlagen wurde der junge Mann wieder nachhause entlassen.

Da er am nächsten Morgen weiterhin beträchtliche Schmerzen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich hatte suchte er daraufhin auf eigene Initiative den kieferchirurgischen Notdienst der Universität auf.

Das dort angefertigte Orthopantomogramm sehen Sie hier:

Eine weitere Behandlung in irgendeiner Form erfolgte nicht.

Lion wurde gebeten sich Ende der nächsten Woche (also knapp 7 Tage nach dem Unfall) bei seinem Hauszahnarzt vorzustellen, um die betroffenen Zähne mit Kompositfüllungen restaurieren zu lassen.

Zur akuten Schmerztherapie wurde ihm die Einnahme eines nichtsteroidalen Antiphlogistikums empfohlen.

Aufgrund der weiter vorhandenen Schmerzsituation stellte sich Lion schliesslich am Mittwoch bei seinem Zahnarzt vor. Dort wurde diese Einzelzahnaufnahme angefertigt.

Eine weitere Behandlung erfolgte nicht. Dem Patienten wurde empfohlen sich zur „bestmöglichen“ Behandlung bei uns vorzustellen.

Unsere Befunde vom Mittwoch (4 Tage post traumatisch) im Überblick:

Vipr 12 und 21 +++,  11 ++, 13,22,23 und UK Front ohne Besonderheiten

Perk 12-11 +, 13,22,23 und UK Front ohne Besonderheiten

12-11: LG I

Hier extra- und intraorale Impressionen der Situation:

Meine Fragen an Sie…

was geht Ihnen nach dem Lesen der Krankengeschichte spontan durch den Kopf?

Würden Sie die Kollegen kontaktieren um die Hintergründe der Nichtbehandlung zu besprechen ?…

 

 

 

Apikale Raumforderung (I)

Von Bonald Decker

 

Aus aktuellem Anlass möchte ich Ihnen heute nachfolgenden Fall vorstellen und Sie bitten mir Ihre mögliche Behandlungsstrategie/meinungen  zu nennen…

zu den Hintergründen:

 

  • 14 Jahre altes Mädchen
  • Allgemeinanamnese: Asperger Syndrom
  • Zahnärztliche Anamnese: Laufende kieferorthopädische Behandlung seit ca. 1 Jahr

 

  • seit Juni 2019 Beginn der Einstellung des verlagerten Zahnes 13 mittels Gummizüge
  •  seit Behandlungsbeginn dreimalige Abszess-Bildung palatinal Regio 13/12
    • einmalige Antibiose notwendig
    • zweimalige Spontanentleerung vestibulär

 

Da bei Hauszahnarzt und Kieferorthopäden Unklarheit über die Ursache der wiederkehrenden Abszess-Bildung bestand wurde die Patientin zu uns überwiesen.

Bei der klinischen Untersuchung im Ersttermin ergaben sich keine grossen Besonderheiten. Einzig die Sensibilität an Zahn 12 war negativ. Zahn 13 liess sich nicht zuverlässig testen. Zahn 11 und 14 testeten positiv.

Anbei die alio loco angefertigten Röntgenaufnahmen:

Radiologisch fallen primär das altersuntypische nicht abgeschlossene Wurzelwachstum sowie die apikale Osteolyse unklaren Ausmasses an 12 auf.

Aufgrund der gegebenen Umstände fertigen wir ein kleinvolumiges DVT an.

Erkennbar ist eine ausgeprägte apikale Raumforderung, die den gaumenseitigen Anteil des Oberkiefers perforiert hat. Ferner scheint eine vestibuläre Verbindung des Defektes über den verlagerten Eckzahn zu bestehen. Die Raumforderung erstreckt sich bis in die Apikalregionen von 11 und 14.

 

Wie wäre Ihr weiteres Vorgehen? Was sollten der nächsten Behandlungsschritte sein?

 

 

 

 

Autogene Zahntransplantation

Von Christoph Kaaden

Nachdem ich gestern Abend auf einem gelungenen Vortrag zum Thema „dentales Trauma und Zahntransplantation“ war, möchte ich die Möglichkeit nutzen für diese Therapieform weiter zu sensibilisieren.

Auf WURZELSPITZE war in der Vergangenheit hier und hier über eine Prämolaren-Transplantation geschrieben worden. Weiterführende Literatur zu dieser Thematik finden Sie u.a hier in einer interessanten Dissertation.

Prof. Nolte hob ferner die Therapieoption einer Milchzahntransplantation hervor. Hier ein Fallbericht, der das Vorgehen näher erläutert.

 

Mein Fazit des gestrigen Abends lautet:

  • Man kann nie genügend Wissen über die dentale Traumatologie sammeln (hier der link zu der DGZMK-Leitlinie)
  • Zahntransplantationen (egal ob Zähne der ersten oder zweiten Dentition) bei verloren gegangenen bleibenden Zähnen sind eine Therapieoption, die mehr Beachtung finden sollte.

 

Quiz du jour 11/17

Von Bonald Decker

 

Liebe „Wurzelspitzler“…

Nachfolgend mal wieder ein „Quiz du jour“…

Eine 48-jährige Patientin wurde uns zur Revision des Zahnes 46 überwiesen.

Kurz zur Anamnese:

  • Z.n. Wurzelkanalbehandlung 1997;
  • Z.n. prothetischer Neuversorgung vor 1,5 Jahren.
  • Seit einigen Monaten Aufbissbeschwerden (=moderates,gleichbleibendes Schmerzbild)
  • weitere klinschen Befunde (Taschensondierung etc.) ohne pathologische Befunde.
  • Weitere Röntgenbilder sind nicht vorhanden

Wie schätzen Sie die Prognose des Zahnes ein?

Welche Herausforderung sehen Sie bei diesem Zahn?

Wie würde Ihre Therapie aussehen?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion…

 

 

Antibiotikagabe in der Enddontie

von Jörg Schröder

Heute ging eine E-Mail der ESE, namentlich von Paul Dummer, mit folgendem Betreff  im Postfach ein. Nach dem englischen Text folgt ein PPT-Dokument zur Kampagne und die Links zu verschiedenen PDF’s. Ich finde es lohnt sich das zu lesen.

„ESE awareness campaign on the correct use of Antibiotics in Endodontics“

There is international concern about the overuse of antibiotics and the emergence of antibiotic-resistant bacterial strains. As dentists prescribe approximately 10% of antibiotics dispensed in primary care, it is important not to underestimate the potential contribution of the dental profession to the development of antibiotic-resistant bacteria. For example, in the UK, it has been reported that 40% of dentists prescribed antibiotics at least three times each week, and 15% prescribed antibiotics on a daily basis.

Antibiotics do not reduce pain or swelling arising from teeth with symptomatic apical pathosis in the absence of evidence of systemic involvement. Furthermore, one Cochrane systematic review has found no evidence to support the use of antibiotics for pain relief in irreversible pulpitis. Thus, two systematic reviews concluded that infection must be systemic or the patient must be febrile or immunocompromised to justify the need for antibiotics. For these reasons, prescription of antibiotics by dentists should be limited.

Odontogenic infections, including endodontic infections, are polymicrobial involving a combination of gram-positive, gram-negative, facultative anaerobes and strict anaerobic bacteria. When bacteria become resistant to antibiotics, they also gain the ability to exchange this resistance.

Antibiotic sensitivity of the bacteria found within the oral cavity is gradually decreasing, and a growing number of resistant strains are being detected, in particular Porphyromonas spp. and Prevotella spp. However, the phenomenon has also been reported for alpha haemolytic streptococci (‘Streptococcus viridans’) and for drugs such as macrolides, penicillin and clindamycin.

Inappropriate use of antibiotics not only drives antibiotic resistance and misuses resources but also increases the risk of potentially fatal anaphylactic reactions and exposes people to unnecessary side effects. In addition, antibiotic prescribing for common medical problems increases patient expectations for antibiotics, leading to a vicious cycle of increased prescribing in order to meet expectations.

ESE ABC Awareness campaign

Doppelklick auf den Link öffnet ein Fenster aus dem heraus die ppt-Datei heruntergeladen werden kann.

Ein wichtiger Anstoss, wie ich finde. Denn auch wir Zahnmediziner können dazu beitragen, die in meinen Augen weit verbreitete unreflektierte Antibiotikagabe zu reduzieren.

Das Statement der ESE , findet man hier:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/iej.12781/full

Wer es lieber direkt mag, findet das PDF zum Download nachfolgend:

Segura-Egea_et_al-2017-International_Endodontic_Journal

Auch in der DZZ wird endlich wird geschrieben, was wir alle hier bestimmt längst schon wissen:

Der vermehrte Einsatz des Ausweichantibiotikums Clindamycin in der zahnärztlichen Versorgung stellt eine Fehlversorgung mit Antibiotika dar.

Wer es ein wenig ausführlicher nachlesen möchte, findet den Artikel unten angehängt.

58AC5A45554F4743A01AC9304D1E704E_em_oa_hussein_ii_antibiotikagabe_wurzelkanalbehandlung_gkv_1_original

Mutter aller Fallberichte (IV)

Von Bonald Decker

 

Zuletzt habe ich hier 2014 über unsere persönliche „Mutter aller Fallberichte“ berichtet.

Hier hatte 2012 die Fallvorstellung begonnen.

Heute nun das Update fünf Jahre nach Behandlungsabschluss:

 

Wie ich finde ein sehr erfreuliches Ergebnis…

P.S.: Der Sensibilitätstest mittels elektrischer Stimulation fiel positiv aus.

Prämolar nach Resektion

Von Bonald Decker

Der nachfolgende Fall fällt sicher in die Rubrik „heldenhafte Bemühungen“…

das Röntgenbild der Ausgangssituation zeigt warum:

Es handelt sich um einen unteren  zweiten rechten Prämolaren der circa sechs Monate nach endodontischer „Behandlung“ und prothetischer Einbeziehung in eine dreigliedrige Brücke bei wiederauftretenden Beschwerden alio loco „reseziert“ wurde.

Der nachfolgende Desktop-Mitschnitt des angefertigten DVTs zeigt die Gesamtsituation:

Trotz aller widrigen Umstände haben wir uns für einen orthograden Revisionsversuch entschieden. Hier einige Impression der Behandlung:

Entferntes WF-Material 

Bei aller Freude über die bisher erzielte Heilung müssen weitere Nachuntersuchungen die Nachhaltigkeit unserer heldenhaften Bemühungen unterstreichen…

Unbild des Tages 12/16

Von Bonald Decker

Zustand nach zweimaligem Versuch der endodontischen Behandlung an Zahn 36 mit nachfolgender Wurzelspitzenresektion und prothetischer Neuversorgung mittels Keramik-Teilkrone vor ca. 1 Jahr- aktuell neuerliches Beschwerdebild (u.a. Aufbissschmerz)

Quiz du jour 11/16 Desktopmitschnitt DVT

Von Bonald Decker

Hier also der Desktopmitschnitt des 3D-Scans.

U.a. aufgrund der Vorgeschichte haben wir uns zur Anfertigung eines DVTs entschieden…

aber sehen Sie selbst…

Stillstand (?)-Update-Update Pat A.R

Von Bonald Decker

Vor einiger Zeit hatte ich hier die Situation des jungen Alex nach Avulsion des Zahnes 11 vor zwei Jahren vorgestellt.

Vor Kurzem konnten wir die Behandlung in der zweiten Sitzung abschliessen. Da das apikale Foramen grösser als 0,6mm war entschlossen wir uns für eine MTA-Apexifikation.  Die Applikation erfolgte wie hier gezeigt. Der im Röntgenbild zu sehende Masterpoint wurde dabei zum Teil verwendet, um den Portland-Zement apikal zu verdichten

Die künftigen Nachuntersuchungen müssen zeigen, ob die ausgeprägte apikale Parodontitis auf die Therapie anschlägt…

 

Kieferorthopädischer Extrusionsversuch bei Ankylose

Von Bonald Decker

Letzte Woche habe ich Ihnen hier den Fall der zehnjährigen Charly vorgestellt.

Heute möchte ich Ihnen die Aufnahmen des kieferorthopädischen Extrusionsversuchs nachreichen. Diese verdeutlichen leider sehr eindrucksvoll was passieren kann wenn versucht wird einen ankylosierten Zahn zu extrudieren. Statt der gewünschten Bewegung von Zahn 21 kam es zur Intrusion der Nachbarzähne (insbesondere von 11 und 22) mit einem daraus resultierenden frontal offenen Biss.

 

Aktuell angestrengte kieferorthopädische Bemühungen haben zum Ziel diesen wieder positiv zu regulieren…

 

Was tun bei vorhandener Ankylose?

Von Bonald Decker

Heute möchte ich Ihnen den Fall der jungen Charly (10,4Jahre) vorstellen und wieder einmal um Ihre Meinung hinsichtlich möglicher Behandlungsoptionen bitten…

Zur Vorgeschichte:

Gemeinsam war Kind und Mutter letzten Sommer aufgefallen, dass der linke grosse Schneidezahn „auf sich warten liess“.

Das von der Hauszahnärztin angefertigte OPG zeigte eine deutliche Infraposition des Zahnes.

Es erfolgte die Überweisung zu einer Fachzahnärztin für Kieferorthopädie.

Die dort daraufhin eingegliederte Apparatur zur Gaumennaht-Erweiterung führte dazu, dass der Zahn zumindest etwas in die Mundhöhle durchbrach.

Es folgte eine Bebänderung der Oberkieferfrontzähne 12-22 mit dem Ziel der weiteren Zahnextrusion von 21.

Nach circa vier Monaten wurde dieses Vorhaben abgebrochen, da es nicht zu der gewünschten Extrusion des Zahnes 21, sondern vielmehr zu einer Intrusion der Nachbarzähne (mit daraus resultierendem frontal offenen Biß) kam.

Daraufhin würde bei einem konsultierten MKG-Chirurgen ein DVT der Region angefertigt. Hier zwei Screenshots sowie ein Desktop-Mitschnitt der Aufnahme:

Klinisch zeigt sich der Zahn wie folgt:

Die Untersuchungen zeigten keine (unerwarteten) Besonderheiten (Vipr +, BOP-,Lockerungsgrad=0,Klopfschall hell…,anamnestisch ist kein Trauma bekannt)

Wie lautet Ihre Diagnose und welche Therapieoption(en) sehen Sie?

Für Ihre Meinungen und Feedback wäre ich Ihnen seeeehr dankbar…

 

Implantat

von Olaf Löffler

Heute eine Frage an die Wurzelspitzeleserinnen und Leser.
Was für ein Implantat ist auf dem Röntgenbild zu sehen. Es scheint kein verschraubtes Abutment zu haben.
Unsere Vermutung: Nobel direct posterior

Vielen Dank  für Ihre Hilfe und Unterstützung.

 

Unbild des Tages

Von Bonald Decker

 

Der siebenjährige Erstklässler Adi hatte sich Mitte August auf einer Wasserrutsche Zahn 21 totalluxiert. Nach (nahezu) perfekter Erstversorgung im Schwimmbad (Zahn wurde nach weniger als zehn Minuten in eine Zahnrettungsbox transferiert) erfolgte die Replantation und „Schienung“ beim Notfallzahnarzt (circa eine Stunde nach Trauma). Gestern stellte sich der junge Patient erstmals bei uns vor:

Neustart (XIV) – Digitaler Volumentomograph (II)

Von Bonald Decker

Vor längerer Zeit wurde hier auf WURZELSPITZE über die Findungsphase hinsichtlich einer DVT-Anschaffung für die Praxis berichtet. Heute möchte ich über die Entscheidung und weitere Begleitumstände berichten.

Nach langem hin und her habe ich mich schliesslich für die Anschaffung eines CS 9300 select entschieden. Im Vorfeld habe ich viele unterschiedliche Aufnahmen von diversen Geräten gesichtet (F40, CS 8100, CS 9000…) und kam zu dem Entschluss, dass das CS 9300 für mich die besten Aufnahmen produziert.

Da in den Praxisplanungen seiner Zeit bei mir ein DVT eigentlich nicht vorgesehen war, zog die Entscheidung pro DVT auch einige Umbaumaßnahmen nach sich.

Damit nahm das „Drama“ seinen Lauf.

Es würde zu weit gehen über jede Kleinigkeit zu berichten, die im Zuge der DVT Installationen und Inbetriebnahme in die Hose gegangen ist. Daher hier nur ein paar Punkte:

Schon bei der Montage gab es zeitlicher Verzögerung. Die Anlieferung am Montagetag verzögerte sich (Der Kopf des Gerätes stecke in einem Ort circa 30km weit weg fest und musste erst per Express-Kurier geschickt werden. Mittags war er endlich da) und so wurde neben den vorgesehen Tagen Mittwoch und Freitag auch noch der Donnerstag benötigt. Damit kein Patientenbetrieb in diesem Zimmer…

Ursprünglich war ferner vorgesehen dass die Depot-Abnahme am Freitag Mittag erfolgen sollte. Durch die Verzögerungen vertröstete mich der Techniker auf den kommenden Montag und ging ins „wohlverdiente“ Wochenende. Da also keine Abnahme erfolgte, konnte auch die geplante Einweisung in das Gerät durch den Hersteller am Freitag nicht erfolgen. Hierzu wurde ein neuer Termin notwendig. Zum Teil war dies natürlich mit Patientenumbestellungen etc. verbunden

An dem besagten Montag war der Techniker leider erkrankt und wir mussten einen neuen Termin festlegen. Bei diesem fiel ihm dann auf, dass er einen „speziellen“ Prüfkörper für die Abnahmescannung benötigte, den er allerdings erst bestellen müsse. (Das dieser Prüfkörper benötigt wird sei ganz „neu“ und habe er noch nicht erlebt)

Dies bedeutete, dass sich seine Abnahme um 2-3 Tage verzögerte, was wiederum bedeutet, dass wir den Termin mit dem TÜV-Sachverständigen verschieben mussten. (Wartezeit auf Termin 4 Wochen)

Als der Sachverständige dann endlich die Abnahmeprotokolle und die Uraufnahmen  etc. begutachtete lehnt er eine offizielle Abnahme des Gerätes in diesem Zustand ab.

Ab diesem Moment hat sich der Hersteller eingeschaltet und alles Weitere übernommen. Nach einigem hin und her war es dann endlich geschafft und wir „ergatterten“ die abschliessende TÜV Plakette.

Am Anfang schienen die Aufnahmen ok zu sein, allerdings kam es immer wieder zu Fehlermeldungen. Nach circa acht Techniker-„Besuchen“ und geschätzten 25 Arbeitsstunden (es wurde so ziemlich alles getauscht, was sich in dem Gerät so findet:Strahler, Motherboard etc. etc.) ohne durchschlagenden Erfolg bot man mir schliesslich an ein Neugerät in Betrieb zu nehmen. Meine Antwort darauf lautete, dass ich bereit wäre einen letzten Anlauf zu nehmen, bevor ich von meinem Kaufvertrag zurücktreten würde. So wurde der „alte“ Tomograph abgebaut und durch einen Neuen ersetzt. Seitdem sind die Aufnahmen wie gewünscht.

Als Fazit bleibt für mich,dass ich insbesondere die Betreuung durch das Depot als unterirdisch empfand. Ich habe mich bei der Planung und Montage voll auf den Händler  verlassen. Das Resultat ist neben den angeführten Punkten unter anderem ein wenig „ästhetische“ Verkabelungslösung gewesen.

Verkabelung mit und ohne Verblendung 

Als „Wiedergutmachung“ erließ mir das Depot die circa 2000 € für Montage, Installation und Abnahmeprüfungen und bot mir an für die Kosten der „Kabelverblendung“ aufzukommen. Da diese Variante von einem Freund von mir gefertigt wurde (und ich daher keine Rechung vorweisen konnte) bat ich den Aussendienstmitarbeiter sich bei dem Freund und Bastler „erkenntlich“ zu zeigen. Als Dankeschön erhielt der Kollege einen Geschenkgutschein eines Feinkostgeschäftes im Gegenwert von 150 €.

Mein Fazit lautet daher, dass ich mir eher die rechte Hand abschneiden würde, als noch einmal mit diesem Depot Geschäfte zu machen (unseren zweiten Röntgen-Sensor habe ich u.a. aufgrund der geschilderten Erfahrungen bei  F1 Dentalsysteme geordert).

Die Betreuung etc. durch Carestream hingegen empfand ich als professionell und kundenorientiert. Da mir das DVT seit dem zweiten Anlauf viel Freude macht und ich mir unsere Praxis ohne diese 3-D Diagnostik nicht mehr vorstellen könnte kann ich über die Erfahrungen der ersten Monate ein Stück weit hinwegsehen. Es bleibt aber ein fader Nachgeschmack.

Flöhe und Läuse

Von Bonald Decker

Das es stets eine gute Idee ist möglichst objektiv zu sein und unbefangen an eine (klinische) Situation heranzugehen soll der nachfolgende Fall aus unserer Praxis verdeutlichen.

Zu den Hintergründen:

Die vierzigjährige Patientin wurde uns vor einiger Zeit zur endodontischen Behandlung von 16 überwiesen. Bei diesem Zahn hatte sich eine Pulpanekrose als Folge einer ehemals ausgeprägten Karies mit nachfolgender Füllungstherapie (alio loco) entwickelt.

Alio loco angefertigtes OPG

Zahn 16 vor endodontischer Behandlung bei Pulpanekrose

Der Zahn wurde daraufhin von uns in insgesamt zwei Sitzungen endodontisch behandelt. Zum zweiten Termin, circa sechs Wochen später, war die Patientin vollkommen schmerzfrei. Auf Nachfrage berichtete sie ferner, dass auch nur direkt nach der ersten Behandlung sehr milde Beschwerden (in Form einer leichten Aufbissempfindlichkeit) für ein paar Tage vorgeherrscht hatten.

Hier unsere Abschlussaufnahme nach Wurzelkanalfüllung und adhäsivem Verschluss der Zugangskavität.

Abschlussaufnahme nach zweizeitig durchgeführter endodontischer Behandlung des Zahnes 16

Prä-op vs. post-op Aufnahme

Drei Tage nach Behandlungsabschluss rief die Patientin kurz nach acht Uhr früh in der Praxis an. Sie gab an mit einer leichten Schwellung der rechten Wangenseite aufgewacht zu sein.

Ein paar Stunden später konnte ich mir ein eigenes Bild von der Situation machen. Die Schwellung war sehr moderat ausgeprägt (leider ohne Fotodokumentation). Das Vestibulum im 1. Quadranten war nicht verstrichen und eine apikale Druckdolenz konnte ich nirgends feststellen. Zahn 16 war leicht perkussionsempfindlich. Die Zähne 14,15 und 17 reagierten positiv auf Kältereiz.

Den letzten Befund hatte ich so nicht unbedingt erwartet, da ich aufgrund der radiologisch erkennbaren tiefen Restaurationen einen der Prämolaren als ursächlich vermutete.

Zu diesem Zeitpunkt begann ich stark in Erwähnung zu ziehen, dass hier tatsächlich ein Flare-up nach Wurzelkanalfüllung vorlag. Eine für mich bis dato ungekannte Komplikation…

Das weitere Gespräch mit der Patientin über mögliche Therapieoptionen und andere Ursachen brachte mich schliesslich dazu noch etwas anderes in Erwägung zu ziehen…

Sie erwähnt eher beiläufig, dass Sie in der Vergangenheit nie Probleme an den Prämolaren verspürt hatte, jedoch der Eckzahn in der Vergangenheit schon wiederholt moderat schmerzhaft war….obgleich dieser füllungs- und kariesfrei war.

Et voila:

Karies- und füllungsfreier Zahn 13 mit diskreter apikaler Aufhellung bei ausgeprägter Obliteration des Kanalsystems ab dem mittleren Wurzeldrittel 

Das Röntgenbild bekräftigte den negativen Sensibilitätstest auf Kälte und elektrische Stimulation. Die daraufhin eingeleitete endodontische Therapie führte bereits bis zum nächsten Tag zu einem Abklingen der leichten Gesichtsschwellung…

 

Blick in Zugangskavität mit nekrotischem Pulpagewebe

Vor Kurzem konnten wir schliesslich auch diese Behandlung beenden. Klinisch bestand die grösste Herausforderung darin die apikale Obliteration zu überwinden…

Abschlussröntgenbild nach Wurzelkanalfüllung und Glasfaserstift-Kompositrestauration an Zahn 13

Bei aller Freude darüber die tatsächliche Ursache doch noch erkannt zu haben ärgert  mich, dass ich bei meiner klinischen Untersuchung die Frontzahnregion nicht fundiert genug untersucht und als mögliche Ursache in Betracht gezogen hatte. Die Kariesfreiheit verleitete mich zu einer vorschnellen Abkehr einer gründlicheren Untersuchung (zum Beispiel eines Kältetests). Erst die Patientin brachte mich auf die richtige Fährte….

aber wie sagte schon der kanadische Arzt William Osler seinen Studenten vor mehr als hundert Jahren:

„Hör dem Patienten zu: Er erzählt dir die Diagnose“

 

Vorgehen bei Revitalisierung – Statement der ESE (I)

Von Bonald Decker

Durch einen Hinweis von Marc I. Semper bin ich kürzlich auf die aktuelle Stellungnahme der europäischen Gesellschaft für Endodontologie (ESE) zur empfohlenen Vorgehensweise bei der Revitalisierung nekrotischer Zähne mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum gestossen.

Laut der Veröffentlichung ist es das Ziel „entsprechend ausgebildeten Zahnärzten ein Behandlungsprotokoll einschließlich detaillierter Einzelheiten des Verfahrens zu liefern“. Die Aussagen basieren dabei auf aktuellen klinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie dem Know-how des Autoren.

Gemäss der aktuellen Empfehlungen haben wir daraufhin gestern bei dem 8-jährigen Johannes folgende erste Schritte durchgeführt:

 

  1. Behandlungstermin:
  • Anlegen der Zugangskavität
  • Entfernung von losem oder nekrotischen Pulpagewebe mit geeigneten Endodontie-Instrumenten
  • Vermeidung mechanischer Bearbeitung der Wurzelkanalwände
  • Spülung mit 1,5-3 % Natriumhypochlorit (20 ml =5 min) bis 2 mm vor vitalem apikalem Gewebe (bevorzugt Spülkanüle mit seitlichem Ausgang)
  • Spülung mit steriler physiologischer Kochsalzlösung zur Minimierung der zytotoxischen Wirkung von Natriumhypochlorit auf vitales Gewebe  (5 ml)
  • Trocknung mit Papierspitzen
  • Spülung mit 17%iger EDTA-Lösung (20 ml)
  • Applikation einer medikamentösen Einlage:
    • Antibiotikamischung (Ciprofloxacin,Metronidazol (und ggf.Minocyclin)
      • Neuere Veröffentlichungen befürworten stattdessen die Anwendung von Calciumhydroxid
  • Temporärer Verschluss der Zugangskavität (in unserem Fall Cavit & Ketac Molar)

 

Der zweite Termin ist in zwei bis vier Wochen geplant. Über unser weiteres Procedere werde ich dann berichten…

Hier schon mal der Link zu dem vollständigen ESE-Artikel hier bzw. hier.

 

Neustart (XVII) – Pimp your Behandlungszimmer (I) mehr

Von Christoph Kaaden

 

Hier wie gewünscht noch ein paar close-up Fotos der Verbindung Röntgenröhre zu Säule

Hier noch ein Tipp der Carestream Mitarbeiterin wie der RVG 6100 Sensor nach der Benutzung zu Lagerung ist. So reduziert sich der Zug auf den „sensiblen“ Übergang des Kabels in der Sensor- Aufgrund der deutlichen Mehrnutzung haben wir den neue 6200 in unserem „Hauptbehandlungszimmer“ in Betrieb. Der „Alte“ leistet gute Dienst in Zimmer II

Hier schon mal ein „Blick“ auf unser DVT

Erfahrungen mit dem Melatherm 10 – Teil 2

von Christian Danzl

Jetzt läuft er ein gutes halbes Jahr der Melatherm 10. Mindestens 2 mal an einem normalen Arbeitstag.
Der Salzverbrauch war zu hoch, aber er war auf die „falsche“ Wasserhärte eingestellt. Er war auf 9° dH eigestellt, statt der aktuell vom Techniker gemessenen 6° dH.
Mal sehen, ob es was ausmacht…

Ja, Ihr habt richtig gelesen: Techniker!

Der Techniker war da, denn das Gerät meldete einen Fehler.

Die Kondensatpumpe war ausgefallen. Wurde ausgetauscht. Auf Garantie.

Der Fehler ist bekannt (mehrere Einzelfälle?), es ist angeblich die neue Serie der Pumpe, die „alte“ lief gut, die „neue“ nicht. Jetzt ist angeblich wieder eine aus der alten, haltbaren  Serie verbaut. Wir werden sehen, und ich werde berichten.

Egal, jetzt läuft er wieder. Wie gesagt, Austausch auf Garantie.
Angenehme Überraschung.

Anbei noch Beladungsmöglichkeiten, die sich bei uns bewährt haben.

Service (2)

von Olaf Löffler

1991 begann meine selbständige Praxistätigkeit. Damals kauften wir den Kompressor der uns angeboten wurde ohne nachzufragen, einen Dürr Duo Tandem. Der hält ein Leben lang wurde uns versichert. Wir hatten von solchen Dingen keine Ahnung. Dieser stand dann in einem ziemlich nassen, anfangs unsanierten Kellerraum.
Dort steht er wahrscheinlich noch immer und läuft und läuft und läuft…

2008 habe ich nach einem Umzug einen neuen Kompressor gekauft. Einen Power Tower PTS 200 von Dürr. Mein Depot hat mir diesem empfohlen und ich hatte Jahre zuvor ein zuverlässiges robustes Gerät erlebt. Was soll da schon schief gehen – bei einer guten deutschen Firma.

Nach 5 Jahren Betrieb musste eine Trockenluftanalge nachgerüstet, bzw. erneuert werden.
Nun 2016 war es vorbei mit dem neuen Kompressor im Power Tower. Metallspäne lagen herum und der Motor war dahingeschieden. Nach 8 Jahren.

2015 hatten wir eine Nassabsaugung mit zentralem Abschiede in der Praxis installiert. Dazu mussten die Einheiten mit einem Mundspülbecherventil und einem Platzwahlventil nachgerüstet werden. Diese sind von der Firma Dürr. Die Measys Amalgamabscheider in den Einheiten waren sehr störanfällig und verursachten hohe Kosten in Reparatur und Unterhalt.
Nach etwas über einem Jahr war nun das erste Platzwahlventil defekt. Von einen auf den anderen Tag funktionierte die Absaugung nicht mehr. Der sofortige Behandlungsausfall ist die Folge. Ein Unding heut zu Tage.
Dank unseres Servicetechnikers konnten wir angeleitet am Telefon mit einer Schere die nichtöffnende Membran des Ventils zerschneiden und weiterarbeiten.
Wieder ein Problem mit einem Produkt von Dürr. Kulanz? Negativ.

Das passt ins Bild, wenn man an Investitionen in modernste Technik denkt. Da geht schnell etwas kaputt, oder es gibt von Anfang an Probleme.
Selten wendet es sich zum Guten, wie beim ProErgo von Zeiss.
Carestream-Röntgengeräte sind unsere Dauerbaustelle. Wir haben bereits viel Geld in Reparaturen und Neuanschaffungen tätigen müssen. Der Service von Carestream war nicht nur bei uns gleich Null. „Da kann man nichts machen…“, sagte Carestream nach dem Ausfall eines Geräts.

Was bleibt ist ein negatives Image der Firma Dürr und Carestream bei uns. Wir werden zukünftig einen großen Bogen bei Neuinvestitionen um Produkte dieser Firmen machen.

Wie Service auch gehen kann habe ich hier geschrieben.
Von meinem Dentaldepot (Henry Schein) hätte ich mir denselben Einsatz gewünscht. Angesprochen habe ich es. Nachfolgende Reaktionen waren gleich NULL.

 

MTA-Apexifikation in bewegten Bilden

Von Bonald Decker

 

Auf WURZELSPITZE ist schon seeehr häufig von der MTA-Anwendung zum apikalen Verschluss weit offener Apices berichtet worden. Heute möchte ich Ihnen unser Vorgehen in einem Fall anhand einer kleinen Videodokumentation vorstellen.

Hier die radiologische Ausgangssituation:

Zustand nach Frontzahntrauma mit unkomplizierter Kronenfraktur vor circa 18 Monaten 

Auf den ersten Blick kein „klassischer“ MTA Fall, da das Wurzelwachstum abgeschlossen erscheint. Da sich klinisch jedoch eine apikale Foramengrösse von circa ISO 060 bestimmen liess entschied ich mich für einen MTA Verschluss. Auf ein resorbierbares Widerlager habe ich verzichtet.

Hier unsere klinisches Vorgehen in bewegten Bildern:

P.S.: In diesem Fall wurde das MTA  „weich“ angemischt, um eine bestmögliche Adaptation bei kleinerer Foramengrösse zu gewährleisten…

 

 

 

 

 

 

Saving hopeless teeth (38)

Von Bonald Decker

Die nachfolgende Patientin arbeitet als zahnmedizinische Fachangestellte in einer „unserer“ Zuweiserpraxen. Im Zuge einer Routineuntersuchung war dort aufgefallen, dass Zahn 36 eine ausgeprägte apikale Parodontitis aufweist.

Ausgeprägte asymptomatische chronische apikale Parodontitis an Zahn 36 bei Zustand nach alio loco durchgeführten endodontischen „Behandlungsspuren“

Insbesondere die Praxisinhaberin sah aufgrund der interradikulären Aufhellung keine Chance auf einen weiteren Zahnerhalt. Die Entfernung des Molaren mit späterer Augmentation und Implantation in dieser Region war bereits vorgesehen…

erst die „Intervention“ und das „Veto“ der Assistenzzahnärztin führte zu einer Vorstellung und nachfolgenden Behandlung bei uns.

Der Zahn wurde bei klinisch unauffälligen Befunden (Taschensondierungstiefen etc.) daher nach dem „üblichen“ Protokoll zweizeitig behandelt und die Zugangskavität nach Obturation der fünf Kanalsysteme mit Guttapercha & Sealer adhäsiv verschlossen.

Hier das Abschlussröntgenbild:

postoperative Abschlussaufnahme und Blick in die Zugangskavität mit drei mesialen Kanalsystemen  

Vor Kurzem war die Patientin zur Nachkontrolle wieder bei uns. Hier die radiologische Nachkontrolle:

Es sieht sehr daraus aus, als tragen unsere endodontischen Bemühungen Fürchte.

Implantat versus Zahn 3.o (I)

Von Bonald Decker

In dem Themenbereich –Implantat versus Zahn– hatte ich in der Vergangenheit (hier, hier, hierhier und hier)  eine Reihe von Fallberichten veröffentlicht.

Heute berichte ich über den ersten Teil eines (möglichen) weiteren Falles.

Zur Vorgeschichte: Der Patient liess sich nach dem Verlust des Zahnes 25 vor einiger Zeit alio loco ein Implantat setzen. Dies machte bereits kurz nach dem Eingriff beträchtliche Probleme und musste daraufhin laut Patient wieder entfernt werden. Nach einer Phase der Wundheilung wurde ein neuerlicher chirurgischer „Anlauf“ genommen und ein weiteres Implantat in diese Region eingebracht. Bereits einige Tage danach stellten sich erneut sehr starke Schmerzen in dieser Region ein (u.a. Aufbissbeschwerden an Zahn 24). Als ursächlich hierfür wurde nicht das Implantat bzw. die Implantation angesehen. Vielmehr wurde ein endodontisches Problem an dem ersten Prämolaren diagnostiziert und dieser daraufhin behandelt.

Obgleich sich das Beschwerdebild zwar insgesamt verbesserte, der Patient aber weiterhin nicht schmerzfrei war erfolgte die Zuweisung an uns. Nachfolgend sehen Sie das von uns erstellte Ausgangsröntgenbild:

Klinisch zeigte Zahn 24 eine deutliche Aufbiss- und Perkussionsempfindlichkeit. Alle anderen Befunde in dieser Seitenzahnregion waren unauffällig.

Da es schien als würde es Verbesserungsmöglichkeiten der bisher erfolgten endodontischen Behandlung geben vereinbarten wir zwei Sitzungen mit dem Patienten. Im ersten Termin gelang es das Wurzelkanalfüllmaterial sowie das Instrumentenfragment zu entfernen und die Kanalsysteme chemo-mechanisch zu reinigen. Nach medikamentöser Einlage mit Kalziumhydroxid verschlossenen wir die Zugangskavität mit Cavit und Glasionomerzement.

Vor einigen Tagen sollte dann eigentlich die neuerliche Wurzelkanalfüllung erfolgen. Diese wurde aufgrund folgender klinischer Situation verschoben:

Der Patient wurde gebeten sich sehr zeitnah an seinen Hauszahnarzt zu wenden um zu klären, ob nur ein stark gelockerter Gingivaformer inklusive entzündeter Weichgewebe für die erkennbare Pusentleerung bei vestibulärer Schwellung verantwortlich ist oder ob ggf. eine mangelnde Osseointeration des Implantats hierfür in Frage kommt …

ich werde weiter berichten…

 

 

Service

von Olaf Löffler

Eine neu Schreibtischleuchte musste her. Die alte war defekt, ein altgedientes Ikeaprodukt, noch mit Glühbirne. Nun gibt es ja LED. Und genau das sollte es sein.
Die Wahl fiel auf ein Modell von Otto Watt die Tischleuchte Mirror. Der Hersteller ist Luceplan. Die Leuchte lässt sich dimmen. Es ist ein angenehmes Licht und die Haptik ist genauso toll, wie das Aussehen. Leider auch der Preis.

2,5 Jahre hatten wir Freude. Dann auf einen Schlag kam ein stroboskopartiges An-und Ausschalten des Lichtes ohne, daß man die Leuchte berührte. Gekauft hatte ich die Leuchte bei der Berliner Firma Prediger.
Ärgerlich war die kurze Lebenszeit der Leuchte. Deshalb rief ich die Firma Prediger an und bat um eine Kulanzlösung. Lucplan brauchte fast 3 Monate und die reparierte Leuchte zurückzusenden. Es wurde auf Kulanz repariert. Ich war angenehm überrascht und freute mich trotz der langen Leuchtenauszeit.
Nur musste ich feststellen, daß die Leuchte nur noch mit extremen Druck auf den Tippschalter anzuschalten war. Vorher war es nur eine kleine Berührung. Jetzt muss man den ganzen Lampenkörper festhalten und mit der anderen Hand auf den Taster drücken, damit es leuchtete.
Also nochmal per Mail reklamiert.

Eigentlich hatte ich erwartet, daß ich nichts mehr höre und froh sein konnte außerhalb der Garantiezeit die Reparatur zu bekommen. Dann erhielt ich eine Mail von der Firma Prediger, daß sie sich eingesetzt hat, daß ich eine neue Leuchte bekomme und diese kommt in den nächsten Tagen bei mir an.

Das ist Service, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt habe. An dieser Stelle ein ein großes Dankeschön.

 

Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Mit acht Jahren Verspätung…

Von Bonald Decker

Vor circa acht Jahren stellte sich die nachfolgende Patientin erstmals bei mir vor.

Zahn 22 sollte nach Meinung des Hauszahnarztes entfernt worden.

Seine Diagnose lautete perforierende interne Resorption.

 

Klinische Situation vor Behandlungsbeginn

Nach eingehender Abwägung aller Vor- und Nachteile entschieden wir uns damals gemeinsam für einen weiteren Erhaltungsversuch des Zahnes.

Nach chemo-mechanischer Reinigung und nachfolgender Obturation des Kanalsystems mittels Guttapercha & Sealer (in zwei Terminen) wurde die sehr weit krestal gelegene Perforation mittels MTA verschlossen.

Letzte Woche wurde die Patientin nun wieder bei mir vorstellig.

Leider musste ich nun mit acht Jahren „Verspätung“ auch für die Extraktion des Zahnes stimmen…

 

Wäre dieser Misserfolg Ihrer Meinung nach vermeidbar gewesen ?

Was hätte ich anderes machen können?

Oder sollte ich mich darüber „freuen“, dass wir acht Jahre „von der Uhr“ genommen haben?

Was denken Sie?

Ode an einen Dental-Klassiker

von Hans – Willi Herrmann

Wir haben zwei neue Behandlungseinheiten.

Und standen im Vorfeld vor der Frage, welche der 3 bestehenden Einheiten dafür aufzugeben seien.

Eigentlich eine klare Sache.
Die beiden Siemens M1-Einheiten sind Baujahr 1994. Demnach 22 Jahre alt.
Und dann ist da eine Ultradent- Behandlungseinheit, Baujahr 2007. 9 Jahre alt.

Also ?
Keine Frage. Raus mit den zwei uralten Siemens M1!

Interessanterweise hat sich das Team einstimmig und nachdrücklich dafür ausgesprochen, statt der Ultradent-Einheit wenigstens eine M1 zu behalten. Auch der Hinweis, dass diese Geräte nach über 20 Jahren intensiver Nutzung jederzeit ihren Dienst quittieren könnten und dann möglicherweise keine Reparatur mehr möglich sei (die Firma Sirona hat ja kürzlich mit großem medialem Aufwand darauf hingewiesen, dass eventuell in naher Zukunft benötigte Ersatzteile nicht mehr zur Verfügung stehen).

„Was soll kaputtgehen ?“, wurde ich gefragt. „Die beiden M1 laufen wie ne Eins“. Wurde mir entgegnet.
Ich konnte nichts dagegen einwenden.

Der Ultradent- Stuhl hingegen.
Super bequem, von allen Patienten für seinen Liegekomfort gelobt.
Für die Endo- Behandlung optimiert. Verlängerter  Arztelement-Arm. 3 Sauger. 6 genutzte Motorenköcher. System B- Gerät in die Einheit integriert. Tempur- Rückenlehne.
Es liess sich wirklich gut daran und damit arbeiten .
Aber – er war in all den Jahren immer mal wieder mit nervigen Kleinigkeiten auffällig geworden.

Das blieb im Gedächtnis haften.
Die M1 hingegen. Wie der VW Käfer. Und läuft und läuft und läuft. Einzig der Amalgam- Abscheider  war als Verschleissteil zu buchen. Und auch das die letzten Jahre vergleichsweise wenig.

Schwere, sehr schwere Entscheidung.
Letztendlich traf ich den Entschluss, den Ultradent- Stuhl in Zahlung zu geben, den M1- Stuhl im Prophylaxezimmer zu belassen und vom  M1- Stuhl in Zimmer 2 alle verwertbaren Teile abzubauen, diese aufzuheben und  für eventuelle Reparaturen des verbliebenen Stuhls in Reserve zu halten.

So saß ich nun, inmitten des Praxisumbaus, mit Imbusschlüssel und Schraubendreher bewaffnet, im Wartebereich der Praxis, um die dort zwischengelagerte M1 auseinanderzunehmen.

Was dabei zum Vorschein kam ?

Ein wunderbares Beispiel für herausragende Ingenieurskunst „Made in Germany“.

Wenn man bedenkt, dass die M1 1983 in den Markt eingeführt, demnach vermutlich schon Ende der 70er Jahre erdacht und konzipiert wurde, dann ist die darin zum Einsatz gekommene Technik und auch die ergonomische Grundkonzeption als herausragend und richtungsweisend anzusehen. Die Bauteile zeigen noch den Geist des „Made in Germany“. Gefertigt, um solange wie möglich einwandfrei seine Funktion erfüllen zu können.

Solide, wertige Arbeit.

Also nicht nur von aussen, auch von innen eine tolle Einheit.
Allein die Antriebe für das motorbetriebene Arztelement, die Motoren für den Stuhlantrieb. Der Sitzunterbau.

Hut ab vor der Leistung der Entwicklungsingenieure. Hier wurde zwar nicht für die Ewigkeit, aber doch für solange als möglich gebaut.

Geplante Obsoleszenz ?
Solche Ideen hätten die Erbauer der M1 entrüstet zurückgewiesen.

Und heute ?
2016.
Mehr als 30 Jahre sind eine lange Zeit.

Der sich in den zeitgemäßen Behandlungseinheiten niederschlagende Fortschritt sollte enorm sein.
Es müssten doch Welten dazwischenliegen zwischen den alten Stühlen und den Behandlungseinheiten neuester Generation. Wagen wir einen Seitenblick zum Automobilbau. Golf 1 versus Golf 7. Denken wir nur an die Sicherheits- Features und Assistenzsysteme.

Damals gab es Dreipunktgurte.

Heute ?
Der Tiguan II, seit Ende April in den Autohäusern. Das neueste Auto im Hause Volkswagen hat Allrad, eine Vielzahl von Airbags, ABS, ASR, Rückfahrkamera, Tempomat mit Verkehrszeichenerkennung, Head Up Display, Stauassistent, Parkassistent, Spurassistent, Einparkassistent, Anhängerassistent. Das ist aktueller Stand der Technik bei den Brot – und Butter Autos. Bei den sprichwörtlichen Volkswagen.

Was sagt Sirona ?
In einem Artikel von Februar 2016, im Dentalmagazin erschienen,  der das Ende der M1- Gerätepflege ankündigt, heißt es zu den Einheiten neuester Generation:

Die neue Gerätegeneration wartet mit zeitgemäßen Weiterentwicklungen auf. Die Hard- und Softwarekomponenten der Einheiten TENEO, INTEGO oder SINIUS fügen sich nahtlos in das technologische Gesamtkonzept einer Praxis ein und unterstützen den digitalen Workflow. Integrierte Funktionen für Implantologie und Endodontie vereinfachen bei TENEO den Arbeitsablauf während der Behandlung, ohne dass zusätzliche Geräte eingebunden werden müssen.“

Und weiter unten heißt es:
„Nicht zuletzt punktet die Einheit auch in Sachen Ergonomie und Design, betonte Thomas Senghaas, Zahnarzt und Endodontie-Spezialist: „Die bequeme motorische Kopfstütze, die Möglichkeit der Anpassung der Sitzfläche für größere Patienten oder Bedienkonzepte wie die Fußschalterfunktionen sind ein Plus in Sachen Komfort für Arzt und Patient.“

Motorische Kopfstütze?  Hatte unsere M1 schon vor 30 Jahren.
Größere Patienten ? Haben wir auch. Haben sich nicht überdurchschnittlich oft über den Liegekomfort beschwert. Uns selbst ist in der Hinsicht auch nix aufgefallen.
Dann wäre da noch die Bedienkonzepte, die auf den  neuen Fussschalter zurückgreifen.

Ganz ehrlich.
Das ist zu wenig.
Ich vermisse, mir fehlt bei den Premiumprodukten der Premiumhersteller genau all das, was die M1 ausgemacht hat.

Ja, die M 1 war ein Premiumprodukt. Sie kostete Einiges.
Aber sie war Innovation, gepaart mit Zuverlässigkeit und Langlebigkeit.
Und damit ihr Geld wert.

Wo ist das vergleichbare Produkt der Jetzt- Zeit ?

Denn mehr denn je – die goldenen Zeiten der Zahnmedizin sind vorbei – brauchen wir Zahnärzte einen Behandlungsstuhl, der uns wirklich und nachhaltig bei unserem tagtäglichen Arbeiten unterstützt. Auf den wie uns immer und vor allem viele Jahre lang verlassen können. 100 Prozent. Nicht technologisches Gesamtkonzept. Nicht digitaler Workflow. Sondern „Hic Rhodos, hic salta! „, zuverlässige Hilfe bei der tagtäglichen Verrichtung.

Können das die neuen leisten ?
Da reicht vermutlich schon ein erster Blick, ein erstes Anfassen.

Die Haptik zeitgemäßer Einheiten ist mit einer M1 nicht zu vergleichen.
Zwar war auch die Oberfläche der M1 aus schnödem Kunststoff. Allerdings scheint es zwischen Kunststoff und Kunststoff enorme Unterschiede zu geben. Die Oberfläche der M1, wenngleich ähnlich dem Kunststoff alter Macintosh- Computer mittlerweile leicht gelblich verfärbt, ist trotz mehr als 20 Jahrzehnten Praxisalltag noch immer extrem ansehlich. Warum nur beschleicht einen schon beim Anschauen neuer Premium-Dentaleinheiten das Gefühl, dass dies zukünftig nicht so sein wird.

Unsere M1 hat Patienten mit  230 kg Gewicht klaglos überstanden.
Viele Male.
Ist eine auch nur annähernde Haltbarkeit der neuen Einheiten zu erwarten ?
Ich bin skeptisch.

Auch ich bin Endodontie- Spezialist. Halte ein Dentalmikroskop dazu für unverzichtbar, eine 3,2 fache Lupenbrille für nicht ausreichend, aber das ist eine andere Sache. Ich sage: Wir brauchen als Behandlungseinheit keinen Schicki – Micki- Pseudo- High Tech-Design-Blender, den man – angepriesen mit den üblichen Marketing- Worthülsen – versucht als sogenanntes Premium- Produkt für eine ach so  erstrebenswerte „brave new world“ im Markt zu platzieren. Und wenn die Nachfrage nicht so ist, wie man sich das erhofft oder wie es die zu Jahresbeginn vorgegebenen Firmenziele der Shareholder erfordern, dann wird eben der Vorgänger aus dem Rennen genommen. Keine Ersatzteile mehr. Aus die Maus. So geht das heute.

Falls es in den Entscheidungszentralen der Stuhlhersteller noch nicht angekommen ist.
Ihr lauft Gefahr, Euch eurer Renomee, dass eure Altvorderen mit genau jenem Produkt euch erschaffen haben, nachhaltig kaputtzumachen.

Ich werde bis ans Ende meines Berufslebens keinen Sirona- Stuhl mehr kaufen. Sorry, aber ihr habt versäumt, mich mit Werten zu überzeugen. Und ihr hättet es leicht gehabt. Es wäre so einfach gewesen. Eure M1 hatte ja die beste Vorarbeit geleistet, die man sich nur vorstellen kann. Aber ihr habt es vermasselt.

Daher zu Mitschreiben: Der Zahnarzt 2016 braucht eine „No Bullshit“- Einheit.
Einwandfreie Ergonomie.
Einwandfreie Funktionalität.
Einwandfreie Hygienefähigkeit.

Zuverlässig.
Punkt.
Das ist die Pflicht.

Die Kür sind praxisrelevante innovative  (hier sei der Anglizismus mal erlaubt) Features.

Das wäre eurer Pfund, mit dem ihr wuchern könntet, liebe Premiumhersteller. Hier hättet ihr Euch austoben können. Den Vorsprung halten, ausbauen können. Aber irgendwie sieht es so aus, als ob ihr in der Post M1- Zeit  nach dem Motto agiert habt, dass ein gutes Turnierpferd nur gerade so hoch springt, wie es muss.

Ein Innovationsschub, wie mit der M1 vor 35 Jahren in den Raum gestellt, ist gegenwärtig nicht in Sicht. Ob also vordergründig schickes Design für eine Erfolgsstory ausreicht ?

Was zählt ist auf m Platz. Bling Bling und schreiende Rummelplatz- Leuchtreklame, sterotype Marketing- Worthülsen, vordergründig spektakuläre, aber letztlich substanzlose Aussendarstellung in Hochglanzprospektästhetik ist so unnötig wie ein Kropf.
Und definitiv kontraproduktiv.

Fakt ist.
Die Kollegen wandern ab. Zu recht. Getreu dem Motto der  Gebrüder Grimm – „Was Besseres als hier findest Du überall.“
Für den Preis der neuen Super Duper XXX – Einheit gibt es nämlich 2 oder sogar 3 „No Bull Shit“- Stühle. Um beim Automobilbau zu bleiben. Auch Koreaner bauen gute, zuverlässige Autos. Und Italiener, Skandinavier, Japaner gute, zuverlässige Dentaleinheiten.

Und die Kollegen berichten.
Via Social Media -Kanäle: Funktioniert !!! Geht auch !!!  Tolles Preis- Leistungsverhältnis !!! Besser als meine alte Einheit. Macht Spass!!!

„Neue Besen kehren gut …“. Hör ich die Mahner rufen.
Mag sein.
Aber ich würd mich nicht drauf verlassen, dass alle reumütig nach kurzer Zeit wieder zurückkehren. Dafür ist der wirtschaftliche Druck für die Zahnärzte einfach zu groß.
Wie gehts weiter? Spannend.
Die Zeit wird es zeigen.

Bis dahin sage ich: Wer eine M1 hat, der sollte sie hegen und pflegen.
Besser – das Gesamtpaket betrachtet – wirds vermutlich nicht mehr.

 

 

 

Externe Wurzelresorptionen (III)

Von Bonald Decker

Heute ein weiteres Update zu dem hier und hier vorgestellten Fall.

Die stark resorbierten/ankylosierten Zähne 11 und 21 wurden vom Kieferchirurgen in Vollnarkose entfernt. Anschliessend erfolgte die Transplantation der Zähne 35 und 45 in die entstandenen Lücken.

Hier die klinische Situation sechs Tage nach dem Eingriff.

Klinische Situation 6 Tage post-operativ. Die Bilder wurden uns freundlicherweise von der behandelnden Kieferorthopädin überlassen

Okklusalansicht sechs Tage nach der Transplantation

Alio loco angefertigtes OPG nach autogener Transplantation 45 an Position 11 und 35 an Position 21 

 

Ich halte Sie in diesem Fall sicher weiter auf dem Laufenden…

>>Das Ende vom Lied<< Zeitnahme – Teil 4

von Christian Danzl

Der letzte Satz vom Bericht Teil 3 war:

„Kurz: Bei den nächsten Problemen fliegt das Teil raus.“

Soweit war ich auch. Es kam aber anders.

Das Gerät verrichtete seinen Dienst mehr schlecht als recht. Aber es lief. Bei einer neuen Angestellten ging das Anlegen eines neuen Zeitkontos meist reibungslos – sofern der Chip Lust hatte.

Bis die Information vom Systemadministrator kam:

„Von Chipdrive gibt es keinen Support mehr. Keine Hotline, keine Chips, keine Karten.
Die sind zahlungsunfähig.“

Und wieder 400 g E-Schrott in der Praxis.

Was tun (II)?

Von Bonald Decker

Heute möchte ich Ihnen einmal den „Ball zuspielen“ und Sie um einen möglichen Behandlungsplan bei der zehn Jahre alten Jule bitten.

Kurz zur Vorgeschichte:

Die junge Patientin erlitt vor circa drei Jahren ein Frontzahntrauma, als sie mit den Oberkieferfrontzähnen auf eine Karusell-Stange stiess. Eine genaue Diagnose liess sich im Nachhinein für mich nicht mehr erheben. Nachfolgend sehen Sie das damals alio loco angefertigte Röntgenbild:

Bei vollkommender Beschwerdefrei befand sich Jule in regelmässiger Nachsorge der verunfallten Region. In der Vergangenheit waren keine Besonderheiten aufgefallen. Zu Beginn dieses Jahres bildete sich dann laut Anamnese jedoch eine Fistel Regio 21 aus, woraufhin alio loco dieses Röntgenaufnahme angefertigt wurde:

Leider vergingen aus verschiedenen Gründen weitere vier Monate, bis sich Jule erstmals bei uns vorstellte. Klinisch fanden sich keine Besonderheiten (keine Fistel, Klopfschall, Taschensondierungstiefen und Lockerungsgrad etc. ohne pathologische Befunde). Hier das von uns angefertigte Einzelzahn-Röntgenbild:

Aufgrund der unklaren Anatomie des Zahnes 21 entschieden wir uns zu der Anfertigung eines kleinvolumigen DVT’s (FOV 5x5cm):

Was denken Sie über diesen Fall und wie wäre Ihr Vorgehen? Über Anregungen hinsichtlich eines möglichen weiteren Prozederes (und ggf. auch zu einer möglichen Theorie hinsichtlich der Entstehung dieser Pathologie) würde ich mich sehr freuen.

P.S.:Bisher ist noch keine Therapie erfolgt

 

Shimstockfolie

von Christian Danzl

Heute mal wieder etwas zum Basteln, nachdem wir ja nach Ostern noch in Übung sind ;-)

Eines vorweg, die Anleitung stammt nicht von mir, sondern von einer befreundeten Kollegin. Bei ihr in der Praxis herrscht ein großer Verbrauch an Shimstockfolie.

Sie braucht sie in ca. 3 x 15 mm großen Streifen, schon in eine Arterienklemme eingeklemmt.

Herstellung der Streifen:
Grundprodukt ist eine silber/goldfarbene Rettungsdecke. Dicke 12 µm. Diese ist tw. für unter einen Euro zu erstehen.
Um gleichmässig breite Streifen zu erhalten, wird sie durch den Aktenvernichter gejagt. Dieser macht keinen ganz sauberen Schnitt, sondern die Kanten sind etwas gekräuselt, was dem Streifen etwas Stabilität und somit bessere Handhabung verleiht.

Da der Aktenvernichter die Folie normalerweise einzieht, zerknüllt und nicht schneidet, wird die Folie zwischen zwei Blätter Papier eigelegt in den Papierschlitz eigebracht. Wenn das Schneidwerk anläuft, die 3 Blätter leicht auf Spannung halten. Und mit ein wenig Übung hat man die gewünschte Shimstockfolie. Danach nur noch auf gewünschte Länge bringen.

Ob mit diesem Vorgehen soviel Geld gespart wird, dass es am Ende des Jahres bemerkbar ist, sei dahingestellt, jedenfalls sind die so geschnittenen Folienstreifen gut handhab- und durch die Helferinnen konfektionierbar.

Fröhliches Basteln.

Cone Beam Computed Tomography in Endodontics

Von Christoph Kaaden

Vor längerer Zeit bin ich der Vorankündigung des Quintessenz-Verlags gefolgt und habe das Buch „Cone Beam Computed Tomography in Endodontics“ bestellt. Leider hat es zahlreiche Monate gedauert, bis mir das Buch vor 14 Tagen zugestellt wurde.

Herausgeber sind Dr. Shanon Patel et al. Bereits in der Vergangenheit fanden sich u.a. hier und hier in der internationalen Literatur von den Autoren entsprechende Veröffentlichungen zu dieser Thematik. In dem Buch werden nun viele Bereiche und Themengebiete der DVT-Technologie auf insgesamt 11 Kapiteln sehr eingehend beleuchtet und gut zusammengefasst. Auch wenn die Wartezeit auf das Buch lang war hat sich die Geduld in meinen Augen gelohnt. Wer sich für die digitale Volumentomographie interessiert sollte dieses Buch als Anschaffung absolut in Betracht ziehen…

 

 

 

Internes Bleichen (II)

Von Bonald Decker

Auf meinen ersten Beitrag zum Thema –Internes Bleichen– gab es u.a. diese Fragen:

 

  1. Mit welchem Material wurde die WF abdeckt und bis auf welche Höhe (subkrestal/epikrestal/subgingival)?
  2. Welche Wartezeit wurde nach dem Entfernen des Bleichmittels eingehalten? 
  3. Bringt eine EDTA Spülung etwas um die H202-Rückstände welche das Bonding kompromittieren könnten zu entfernen? 
  4. Wie erfolgte der provisorische Verschluss während des Bleichens?

Gerne möchte ich versuchen diese Punkte nachfolgend zu beantworten.

Zu1.) Nach erfolgter Wurzelkanalfüllung achten wir darauf, dass das Material nicht zu weit in das Kavum extendiert wird. Ziel ist es WF-Materialien und Abdeckung mindestens subgingival enden zu lassen (Abb.4). Dies wird mittels Parodontalsonde überprüft (Abb.5).

Vor der Abdeckung des WF-Materials wird die Zugangskavität ferner von allen Füllungsmaterialien (Guttapercha, Sealer etc.) befreit. Dafür verwenden wir Rosenbohrer (Munce) und Diamanten. Nachfolgend wird die Kavität mit Alkohol und Microbrush ausgewaschen. Die Abdeckung des Wurzelkanalfüllmaterials erfolgt mit Rely X Unicem. Bei der Anwendung ist darauf zu achten, dass das Material (möglichst) blasenfrei eingebracht wird.

Zu 2.)

Laut Wiegand & Attin ist ist die Adhäsion von Kompositen auf der gebleichten Zahnhartsubstanz zunächst verringert, so dass erst zwei Wochen nach Abschluss des Bleichens die definitive Versorgung vorgenommen werden sollte. Da laut der Autoren eine Kalziumhydroxideinlage zur Neutralisierung des sauren pH-Wertes beitragen kann und somit das Risiko des Auftretens von zervikalen Resorptionen vermindert wird folgen wir dieser Empfehlung nach Abschluss des Bleachings und vor der Kompositrestauration.

Zu 3.)

Wiegand & Attin empfehlen eine zwischenzeitliche Spülung der Kavität mit Natriumhypochlorit zur Auflösung verbliebener Peroxidreste.

Zu 4.) In aller Regel erfolgt bei uns der provisorische Verschluss während der Bleichphase mit Cavit und Ketac Molar.

Anbei einige Impressionen zu dem Vorgehen bei einem aktuellen Fallbeispiel.

Abb.1: Ausgangssituation radiologisch

 

 

 

Abb.2.: Ausgangssituation klinisch

Abb.3: Intrakoronale Verfärbungen

Abb.4: Zustand nach Wurzelkanalfüllung

Abb. 5: Überprüfung der Füllhöhe mittels Parodontalsonde

Abb.6: Zustand vor und nach internem Bleichen

Neues von der Messe – Teil 3

von Christian Danzl

Vor der Messe ist nach der Messe. Hier ein paar Eindrücke aus New York. Das Wetter war diesmal sehr angenehm, bis 15° und meist sonnig.

Neustart (XV) – Praxisbekleidung – update

Von Christoph Kaaden

Vor ca. 15 Monaten habe ich hier über unsere neue Praxisbekleidung der Firma Stoiber berichtet. Nach diesem Zeitraum möchte ich ein persönliches Fazit ziehen…

Und dies fällt mehr als positiv aus.

Auch nach über einem Jahr sehen insbesondere die weissen Polohemden inklusive Stickereien (quasi) aus wie neu. Von Verschleiss keine Spur.

Praxisteam -Endodontie in München- mit Praxishemden der Firma Stoiber

Etwas anderes verhält es sich mit den dunkelblauen Hemden (die ich zusätzlich neben gelben für mich bestellt habe). Hier sieht man ein leichtes Verblassen des ursprünglichen Farbtons. Diese Entfärbung fällt aber sehr sehr moderat aus.

Von uns gibt es also – 2 Daumen hoch- für diese spitzen Praxisbekleidung, die wir uneingeschränkt empfehlen können.

 

Neustart (XI) – 2000

Von Bonald Decker 

Fast vier Jahre nach dem ersten Beitrag zu unserem Praxisneustart kann von einem solchen nun wirklich keine Rede mehr sein…

gestern Abend um 17:30 war es so weit. Der zweitausendste Patient seit dem 09.Januar 2012 kam zur Behandlung seines zweiten oberen Molaren. „Pikanterweise“ handelte es sich bei dem Patienten um einen zahnärztlichen Kollegen…

was könnte man sich Schöneres vorstellen…

;-)

Hier ein paar Impressionen der Behandlung:

Prä-OP Situation

Als Besonderheiten zeigten sich eine eher ungewöhnliche Anatomie mesio-bukkal sowie ein weit offener Apex palatinal, (ca.ISO 070) der die Anwendung von MTA bei der Obturation „notwendig“ machte.

Prä-OP vs Post-OP

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Beteiligten des Projektes „B5“ sehr herzlich bedanken! Nur durch die Unterstützung und das Zusammenwirken von vielen vielen Personen war dieser Neustart 2012 möglich.

Vielen Dank Ihnen und Euch allen für die Unterstützung!

Therapieplanung dank DVT

Von Bonald Decker

Heute möchte ich Ihnen einen Fall vorstellen, den wir im Februar 2015 abgeschlossen haben. Hier zunächst das alio loco angefertigte Ausgangsröntgenbild. Dies wurde uns von einem Zuweiser mit der Fragestellung hinsichtlich eines möglichen Therapievorschlags übermittelt.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach endodontischer Behandlung vor ca. 4 Jahren

Obgleich ich natürlich nur „weisse Linien“ beurteilen konnte machte es für mich den Eindruck, als hatte sich jemand bei der Erstbehandlung Mühe gegeben…

es stellte sich also für mich die Frage, in welche Richtung ich den Patienten berate und welche Therapie in meinen Augen empfehlenswert sei. Um eine fundiertere Aussage hierzu treffen zu können legte ich dem jungen Mann eine DVT Aufnahme ans Herz. Hiervon versprach ich mir die apikalen Anatomien besser einschätzen zu können.

Stichwort Isthmus bzw. Konfluation der (mesialen) Kanalsysteme zu einem apikalen Foramen etc.

Hier also der Desktopmittschnitt des DVTs:

 

Da es sich mesial um ein apikales (Haupt)Foramen handelte war ich guter Dinge die apikale Parodontitis erfolgreich behandeln zu können. Beim Vorhandensein eines Isthmus hätte ich ggf. zurückhaltender hinsichtlich einer Revision beraten.

Die Behandlung erfolgte nach dem für uns „üblichen Protokoll“ und konnte im zweiten Termin so abgeschlossen werden:

Abschlussaufnahme nach orthograder Revisionsbehandlung –

Vor Kurzem war der Patient nun zum 2D-Recall bei uns.

Hier das Ergebnis:

Recall 8 Monate nach Revision

Es freut mich zu sehen, dass ich mit Hilfe des DVTs vor einer möglichen Behandlung eine fundiertere Beurteilung der Situation treffen konnte. Dies wäre mir anhand einer 2D-Aufnahme in dieser Form nicht möglich gewesen.

Daher lautet mein Kurzfazit:

Das DVT ist für uns der bisher fehlende Mosaikstein für ein zeitgemässes endodontisches Praxiskonzept… mein Dank gilt allen, die mich in diese Richtung motiviert und bei der Entscheidungsfindung unterstützt haben. Ihr hattet recht!

;-)

P.S.: Eine (mögliche) Stripperforation mesial ist mir intraoperativ nicht aufgefallen. Handelt es sich um eine „tatsächliche“ laterale Anatomie oder doch um eine iatrogene Eröffnung? Was denken Sie?

Happy Birthday Sophie

Von Christoph Kaaden

Gestern hatte unsere Tochter Sophie Geburtstag. Vor fünf Jahren kam unser erstes Kind auf die Welt. Sehr zu unserer Freude.

Obgleich alle Anfangsuntersuchungen belegten, dass unsere kleine Prinzessin rundum gesund war stellte insbesondere meine Frau schnell fest, dass ihre Kopfform unnormal war. Ihr Hinterkopf war auffallend abgeflacht und ferner einseitig „unterentwickelt“. Darauf angesprochen beschwichtigten uns die Ärzte und stellten in Aussicht, dass sich dieses „primär ästhetische“ Problem in absehbarer Zeit normalisieren und „verwachsen“ werde.

Die nächsten zwei Monate zeigten indes eine gegenteilige Entwicklung und so begann meine Frau sich im Internet mit dieser Thematik näher zu beschäftigen. Recht schnell konnte sie die Diagnose einer lagerungsbedingten occipitalen Plagiocephali „herausfinden“.

Das Wort Plagiocephalus stammt aus dem Griechischen und bedeutet «schiefer Kopf». Seit der Empfehlung, Neugeborene und Säuglinge im Rahmen der SIDS-Prophylaxe in Rückenlage schlafen zu lassen werden seither sechsmal mehr lagebedingte unnormale Kopfformen registriert. Man unterscheidet die lagebedingte, sekundäre Plagiocephali von der primären Plagiocephali bei einseitiger Coronarnaht- oder Lambdanahtsynostose.

Unsere Tochter war also alles andere als eine Ausnahme. Bereits im Mutterleib hatte diese Fehlentwicklung begonnen und wurde in der weiteren Folge durch die Rückenlage beim Schlafen weiter verstärkt. Unsere „Recherchen“ zur Therapie ergaben, dass eine Helmbehandlung angezeigt war. Die Suche nach einem kompetenten Ansprechpartner hierfür brachte uns schließlich an die Universitätsklinik nach Würzburg. Dort hatte die pädiatrische Neurochirurgie in Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Kieferorthopädie und Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie eine Spezialsprechstunde hierfür eingerichtet.

Eine dort für Sophie individuell angefertigte Kopforthese wurde daraufhin von ihr für die nächsten Monaten konsequent getragen.

Sophie im Alter von 5 1/2 Monaten mit Kopforthese

Konsequent bedeutete in diesem Zusammenhang 23 Stunden am Tag…

die Eingewöhnung hierfür dauerte keine zwei Tage und verlief unproblematisch.

Drei Monate und einige Kontrolltermine später war die Behandlung abgeschlossen. Die Gegenüberstellung von prä- und postoperativer Situation verdeutlicht das beeindruckende Behandlungsergebnis …

prä- vs postoperative Situation bei lagerungsbedingter Plagiocephalie

Unser besonderer Dank gilt allen beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität Würzburg. Insbesondere Frau S. Habel und Herrn Dr. P. Meyer-Marcotty

Jetzt könnte unsere Tochter auch Super-Modell werden…

;-)

P.S.: Wer sich näher mit dieser Thematik beschäftigen möchte kann dies hier und hier tun

Neues von der Messe 10/2015

von Christian Danzl

Letzten Samstag fand in München die Messe, die früher mal Fachdental hieß, statt. Nach id Süd heisst sie jetzt infotage dental. Egal, wie die Messe genannt wird, es gibt immer wieder die eine oder andere Neuerung.

Für mich interessant waren zwei Dinge (was aber nicht heissen soll, dass es sonst keine interessanten Neuerungen gab).

Coltene hat eine neue „Tankstelle“ für die eigenen Spülflüssigkeiten (EDTA 17%, CHX 2%, NaOCl 3% und 6 %). Für die neuen eckigen Flaschen gibt es Halter für Wand und Tisch.
Einbandbedienung ohne zu tropfen, und auch wenn die Flasche mal umfallen sollte, hält das Zapfventil dicht.

Bei Schlumbohm wurde der Endpilot wieder erweitert. An der Peristaltikpumpe gibt es einen neuen Steckplatz für das SAF-Handstück, so dass für den Betrieb der SAF nun nicht mehr umgesteckt werden muss.

Neuer Steckplatz an der Pumpe

Das My Sequence – Menu wurde so programmiert, dass nicht nur das Endo-Winkelstück, sondern auch das SAF-Winkelsück und die Pumpe in einer Sequenz angewählt werden  können. Somit kann mit dem Funkfussanlasser die Sequenz durchgeschaltet werden, ohne das Menu verlassen zu müssen.

Menubeispiel

Dir Peristaltikpumpe zieht momentan die Spülflüssigkeiten – unter anderem – aus kleinen Plastikflaschen mit Luer-Lock Anschluss (wie z.B. von lege artis), vielleicht gibt es ja in Zukunft noch die Möglichkeit die neuen Coltene-Tankstelle direkt anzuschliessen.

Die nächste Welle (I) – drüber – Abschluss

Von Ronald Decker

Heute das Update zu diesem „drüber“-Fall.

Zunächst möchte ich Ihnen noch den Desktop-Mittschnitt des präoperativ angefertigten DVTs zeigen. 

Als Nebenbefund zeigt auch Zahn 15 eine apikale Osteolyse bei insuffizienter endodontischer Vorbehandlung.

Heute erfolgte schließlich die Wurzelkanalfüllung bei vollkommen abgeklungenen (Schmerz)Symptomen. Nach dem apikalen Guttapercha&Sealer Downpack folgte ein Glasfaserstift sowie eine Kompositfüllung.

Prä-op vs Post-op

Die zukünftigen Nachuntersuchungen müssen die Nachhaltigkeit der Behandlung noch belegen….

 

Tag des Frontzahnes – Abschluss Fall I & „trauriges“ mehr

Von Bonald Decker

Heute möchte ich Ihnen das Abschlussröntgenbild der hier und hier vorgestellten Behandlung zeigen. Die Therapie gliederte sich u.a. aus patientenbezogenen Gründen in mehrere Schritte auf. Gestern erfolgten schliesslich die Wurzelkanalfüllungen der Zähne 11 und 21, nachdem die ersten Behandlungen zu einer Abheilung der Fisteln geführt hatten.

Prä-OP vs Post-OP

Ich fiebere jetzt schon der Nachuntersuchung in sechs Monaten entgegen.

Und demnächst werde ich wohl über diese aktuellen Fälle berichten:

Fall I:

Alio loco durchgeführte radiologische Kontrolle nach Avulsion des Zahnes 21 im Sommer 2014 – weiteres Vorgehen: abwartende Haltung da ohne pathologische Befunde

Im Notdienst angefertigtes Röntgenbild während Sommerurlaubs bei auftretenden Beschwerden Regio 21

Klinisches Erscheinungsbild bei Erstvorstellung in unserer Praxis; Zustand nach alio loco durchgeführter 8-wöchiger „Schienung“

Screenshot des angefertigten DVTs

Screenshot des angefertigten DVTs (II)

Hat jemand einen Therapievorschlag für Zahn 21?

Fall II:

Zustand nach alio loco durchgeführter Wurzelkanalbehandlung und nachfolgender Wurzelspitzenresektion an Zahn 21 – Erstvorstellung bei uns wegen persistierender Beschwerden, Therapie-Vorschlag des MKG-Chirurgen: erneute WSR (Einzelzahn Rö durch uns (09/15);OPG durch MKG-Chirurgen postoperativ 03/15)

Screenshot des angefertigten DVTs

Screenshot des angefertigten DVTs (II)

 

 

Cliff Ruddle / ÖEG

von Christian Danzl

Wer ihn noch nicht gesehen hat, oder nochmal sehen will, Cliff Ruddle kommt im Rahmen seiner European Lecture Tour nach Österreich.

Cliff Ruddle spricht am Samstag, den 03. Oktober 2015 während der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Endodontie, ÖGE,  in Salzburg.
Vormittags ein Vortrag über „Creating Endodontie Excellence“, nachmittags ein hands-on Kurs über Kanalpräparation.

 

 

Vertrauensbildende Maßnahme in der Endodontie- ich „muss“ an der Reaktion des Patienten …

von Bonald Decker

…die „richtige“ Position“ des Instrumentes erkennen…

So, oder so ähnlich wird bei „Wurzelbehandlungen“ damit „argumentiert“, dass während der Therapie auf eine Lokalanästhesie verzichtet werden „muss“.

Auch auch WURZELSPITZE sind befürwortenden Kommentare dieses Procedere nicht unbekannt. So hieß es dort in der Vergangenheit u.a.:

Ich sehe immer wieder zentimeterweise über den Apex hinausgeschobene Guttapercha-Points – da dürfte vorher auch ein Aufbereitungsinstrument den Weg gebahnt haben. Ohne LA kaum vorstellbar, dass das ohne Reaktion des Patienten bliebe.“

Als exemplarisches Gegenbeispiel möchte ich nachfolgenden Fall vorstellen. Die Wurzelkanal“füllung“ erfolgte laut Patientin ohne Anästhesie, da der Behandler an ihrer Reaktion (in/an den Augen) sehen wolle, ob er „am Ziel“ sei…

gemerkt habe sie bei der WF „schon was“, aber richtig schmerzhaft sei es nicht gewesen…

auch wenn dies nur ein Fallbeispiel darstellt verdeutlich es doch, dass auch die Technik der –Arbeitslängenbestimmung anhand der Patienten(schmerz)reaktion– alles andere als fehlerfrei ist…

Hier noch einige 3D-Impressionen der Situation:

https://wurzelspitzeintern.files.wordpress.com/2015/08/pohl-fotoii.jpg

In diesem Beitrag geht es mir darum zu verdeutlichen, dass keine der verfügbaren Techniken zur Bestimmung der Arbeitslänge vollkommen fehlerfrei ist. Nur eine Kombination aus unterschiedlichen Verfahren (z.B. endometrische Längenbestimmung, radiologische Aufnahmen…) liefert die höchste Messgenauigkeit für unsere Patienten. Deren Schmerzsensation als alleiniges Kriterium heranzuziehen scheint keine ausreichend valide Methode zu sein…

P.S.: Das palatinale Fragment misst 16 mm

Tag des Frontzahnes – Update & kleines Feierabend-Highlight

Von Bonald Decker

Hier ein Update zu Fall I unserer Beitragsreihe Tag des Frontzahnes.

Gestern stand die Behandlung der palatinal gelegenen pulpaperforierenden Resorption bei Zahn 11 an. Da sich nach Applikation des Lokalanästhetikums eine Kommunikation der Perforation zum Sulkus sondiert liess schied eine intrakanaläre Deckung des Prozesses (z.B. mit MTA) für mich in diesem Fall aus. Somit folgte ein kleiner chirurgischer Eingriff. Nach Bildung eines Muko-Periost-Lappens (Cave: N. palatinus) wurde dieser mittels „Guttapercha-Pfropfen“ aus dem OP-Feld gehalten und der Defekt nach „Ausräumung“ der Resorption mit nachfolgender kleiner Osteoplastik mittels Kompositfüllung (Clearfil SE Bond & Tetric Beach XL) gedeckt. Voraussetzung hierfür war eine entsprechende Hämostase. Dank Vasokonstriktorzusatz von 1:40.000 in dem von uns teilweise verwendeten Lokalanästhetikums (Xylonor 2% Special) ging dies erstaunlich gut. Unterstützend kamen (wie hier bereits beschrieben) ferner  Racellet® Pellets zur Anwendung.

Zustand nach Kompositfüllung bei perforierender externen invasiver  zervikalen Resorption palatinal

Über den weiteren Behandlungsverlauf werde ich demnächst berichten…

P.S.: Als kleines Feierabend-Highlight erreichte mich gerade noch diese Mail. Sie fällt in die Kategorie =Vertrauensbildende Massnahmen in der Endodontie – Lokalanästhesie=

Kurz zur Vorgeschichte: Bei dem nachfolgenden Patienten war alio loco erfolglos versucht worden eine irreversible Pulpitits zu therapieren. Trotz zahlloser Ampullen Lokalanästhetikums in verschiedenen Anwendungsarten (Infiltration bukkal und palatinal, intraligamentär…) war es nicht möglich den Patienten annähend schmerzarm/frei zu behandeln.

Ausgangssituation mit tiefer Sekundärkaries 27 distal

Laut Patientenangaben kenne er dieses „Phänomen“ und es sei grundsätzlich sehr schwierig ihn ausreichend zu „betäuben“. Daraufhin wurde die Behandlung abgebrochen und eine Therapie in Vollnarkose empfohlen.

Nach Rücksprache mit dem behandelnden Kollegen wurde jedoch ein weiterer „Anlauf“ genommen. Meine Empfehlungen lauteten:

Neben der Infiltrationsanästhesie sollte ferner eine Leitungsanästhesie in Form einer Tuberanästhesie erfolgen. Das klinische Vorgehen des im Englischen als Posterior superior alveolar nerve block (=PSA) bezeichneten Verfahrens wird in diesen beiden Video(II) exzellent dargestellt. Ferner sollte der Patient circa 30-45 Minuten vor Behandlungsbeginn 600mg Ibuprofen sowie 500mg Paracetamol einnehmen. Idealerweise wäre ein Behandlungsbeginn gegen 14:00 (Stichwort:Chronobiologie) zu wählen.

Und so ging es weiter:

Hallo Herr Decker,
 
ich möchte mich ganz herzlich für den Tipp bei Herrn XYZ  bedanken, eine Tuberanästhesie durchzuführen. Hierdurch war eine vollständige Betäubung möglich und wir konnten die Wurzelkanal-Behandlung an Zahn 27 dann schmerzfrei durchführen.
Noch einen schönen Abend,
viele Grüße,
xxx
Mein Fazit lautet daher: Auch wenn eine Tuberanästhesie nur in Ausnahmefällen indiziert ist konnte sie dem Patienten in diesem Fall eine Vollnarkose ersparen. Das nenne ich eine vertrauensbildende Massnahme
;-)

Die nächste Welle (I) – drüber

Von Bonald Decker

Kaum scheinen die Drei-Strikes-Phase und die Perforationswelle in unserem Praxisalltag etwas abzuebben, häufen sich aktuell die (drunter&) drüber Fälle.

Wie in den ersten beiden Szenarien gut zu sehen war hier alio loco bei der Wurzelkanalfüllung versehentlich Guttapercha (und ggf. Sealer) extraradikulär verbracht worden. Auch wenn das Material in der Regel nicht der Grund für den endodontischen Misserfolg ist, wäre es bei einer orthograden Revisionsbehandlung wünschenswert dieses in toto entfernen zu können. Hierbei ist der Einsatz eines Hedström-Instruments u.a. aufgrund des Schneidekantenwinkels gegebenenfalls hilfreich und führte in den gezeigten Fällen zu der gewünschten Entfernung des überextendierten Materials.

Endodontischer Misserfolg u.a. bei unbehandeltem 2. mesio-bukkalem Kanalsystem mit separatem For. apicale

Etwas kurioser hingegen ist der nachfolgende Fall, denn wir gestern begonnen haben… auch hier spielt ein Hedström-Instrument eine zentrale Rolle:

Alio loco frakturiertes Hedström-Instrument

Aufgrund der Fragmentbeschaffenheit (und weiterer Gründe) entschied ich mich für einen Entfernungsversuch mittels Hülsentechnik. Davon versprach ich mir u.a., dass ich das Fragment nicht nur ziehend, sondern bei Bedarf auch drehend entfernen könnte.

Klinische Situation

Hierzu war es nach Fragmentdarstellung vorab notwendig den an der Kanalwand anliegenden Instrumentenkopf in Richtung Kanalmitte zu verdrängen. Dies gelang mittels „Feilenkissen“. Hierzu platzierte ich sehr kleine Stückchen eines feuchten (!) Wattepellets solange zwischen Instrument und Kanalwand, bis die gewünschte Lage erreicht war.(Den Tipp zu diesem klinischen Vorgehen verdanke ich Dipl. stom. Michael Arnold vor vielen Jahren)

Fragment vor und nach „Feilenkissen“

Die tatsächliche Entfernung erfolgte dann mittels Kanüle, Rely X-Unicem und etwas Geduld…

Entferntes Hedströmfragment

Ich freue mich u.a., dass wir der zuweisenden MKG-Chirurgin (bisher) „gerecht“ werden konnten. Diese hatte dem Patienten vor einer möglichen WSR zunächst eine orthograde Revision mit (möglicher) Fragemententfernung  ans Herz gelegt hatte.

Die erste Hürde wäre in diesem „drüber-„Fall erfolgreich genommen… ich werde berichten wie es weitergeht…

P.S.:Dauer des ersten Behandlungstermins heute 1:20h

Unterer Prämolar mit C-Form

von   Charrsirih Disinfect

Es ist schon so eine Sache…

Früher hatten wir gefühlt immer mal wieder c-förmige Kanalsysteme zu behandeln, aber seit wir DVT´s miteinbeziehen nehmen die C-förmigen (gefühlt) zu. Insbesondere in unteren Prämolaren finden wir immer häufiger (gefühlt) teilweise oder komplett ausgebildete c-förmige Systeme.

So auch in dem heute abgeschlossenen Fall. Der Überweiser hatte – nachdem er bereits initial in dem c-förmigen Isthmus eine Feile frakturiert hatte – rechtzeitig weitergeschickt. Bereits die Ausgangsaufnahme ließ den Schluss zu, dass die Anatomie des Kanalsystems nicht den „Bilderbuchregeln“ folgen würde. 

Abb.1: Situationsaufnahme

Das angefertigte DVT machte die ausgeprägte c-förmige Anatomie des bukkalen Anteils des WK-Systems deutlich.

Abb.2: DVT-Ausschnitt horizontal, etwas unterhalb des Instrumentenfragmentes

Von hier aus war es zunächst eine Fleißarbeit, den sehr tief zervikalen distalen Defekt zu verschließen, und das sehr enge Kanalsystem darzustellen und aufzubereiten. Der linguale Anteil verschlang dabei ein paar Feilen. Das Instrumentenfragment hatte sich im bukkalen Anteil in einem schmalen Isthmus verkeilt und konnte relativ einfach entfernt werden. Bukkal bot das c-förmige Kanalsystem zwei Eingänge, die dem DVT-Bild entsprachen. Auch sie ließen sich gut bearbeiten und sie schienen apikal wider Erwarten zu konfluieren, so dass wir eine Masterpointaufnahme angefertigt haben. 

Abb.3: Erste MasterpointaufnahmeAbb.

Die Masterpointaufnahme bot dann die Ernüchterung, weil die Konfluation lediglich einem Bein der auf dem DVT erkennbaren „X-Bein-Struktur“ des mesio-bukkalen Systems folgte.

Irgendwo, etwa bei 20 mm (Gesamtlänge des Zahns 24mm), musste sich der mesiobukkale Kanal erneut abzweigen. 

Abb.4: Gut erkennbare „X-Bein-Struktur“ des mesiobukkalen „C“

Ab da wurde aus der Fleiß- eine Konzentrationsarbeit.
Mit Ultraschall ließ sich der mesiobukkale, apikale Anteil schließlich darstellen und das Kanalsystem füllen.

Abb.5: Mesiobukkal Isthmus mit US freipräpariert. Bläschen im Hypochlorid über Pulpagewebe.

Abb.6: „C“ im apikalen Drittel

Abb.7: zweite Masterpoinaufnahme

Abb.8: fertig präparierter mesiobukkaler Anteil, lingual bereits gefüllt

Abb.9: mesiobukkal gefüllt

Abb.10: alle apikalen Abschnitte gefüllt.

Abb.11: WF-Kontrolle

Vertrauensbildende Maßnahmen in der Endodontologie (V)

Von Christoph Kaaden

Heute möchten ich Ihnen den 5. Teil der Beitragsreihe zu vertrauensbildenden Maßnahmen in der Endodontologie vorstellen. Wieder geht es um das zentrale Thema Lokalanästhesie und weitere (kleine oder grosse) Anwendungshinweise die dazu führen können, dass unsere Patienten eine möglichst angenehme, weil hierdurch schmerzfreie Behandlung erfahren. Hierfür ist es zunächst nötig sich einiger Grundlagen zu erinnern.

Zum Beispiel, dass das in Deutschland und Europa zumeist verwendete Articain einen Wirkungseintritt nach bereits 2-3 Minuten aufweist. Dies ist wichtig zu beachten, da ferner eine unterschiedliche Wirkungsdauer auf Pulpa und Weichgewebe besteht, die sich zeitlich stark unterscheiden. Erwähnenswert ist ferner, dass die Konzentration des Vasokonstiktors (z.B. 1:100.000 bzw. 1:200.000) keinen Unterschied hinsichtlich der Dauer der Pulpaanästhesie bewirkt. Diese liegt laut Malamed (2006) bei beiden Darreichungsformen bei (voraussichtlich) 60 Minuten. Es macht daher in der Regel keinen Sinn, bewusst (deutlich) länger auf die einsetzende Wirkung zu warten ,weil so „kostbare“ Anästhesiezeit „verschenkt“ wird.

Die nachfolgende Grafik gibt einen guten Überblick über gängige Lokalanästhetika und deren Wirkungseintritt/dauer.

Ferner ist es auch wichtig sich daran zu erinnern, dass die Anästhesie von Weichgewebe nicht gleichbedeutend mit einer pulpalen Anästhesie ist. Um also sicher zu gehen, dass der Patient während unserer Massnahmen keine Schmerzen verspürt reicht die Frage nach der „tauben Lippe“ alleine nicht aus. Erst die ebenfalls getestete negative Reaktion auf Kälte- und/oder elektrischen Reiz erlaubt eine objektive Aussage über die tatsächliche pulpale Anästhesie. Der Unterschied zwischen Weichgewebs- und Pulpaanästhesie lässt sich mit dem Aufbau der Nervenfaser(n) erklären. Die primär für die Weichteilanästhesie verantwortlichen Mantelfaszikel liegen mehr in der Peripherie, wohingegen die für die pulpale Anästhesie zu betäubenden Faszikel zentral(er) liegen.

Schematische Zeichnung einer Nervenfaser

Es bedarf also einer entsprechenden Konzentration an Lokalanästhetikum nahe der Nervenfaser, um eine entsprechende Diffusion ins Innere zu gewährleisten. Dies erklärt ferner, warum die Weichteilanästhesie deutlich länger anhält, als die Pulpabetäubung.

Zuletzt möchte ich noch einen kleinen klinischen Tipp anführen der dazu beitragen kann, dass die „Spritze beim Zahnarzt“ weniger unangenehm ist. Um eine Verletzung der Knochenhaut durch den Schliff der Kanüle möglichst gering zu halten sollte dieser zur periostzugewandten Seite gerichtet sein. Das nachfolgenden Schaubilder verdeutlichen warum:

Ungünstige Angulation der Kanüle

Wünschenswerte Angulation der Kanüle

Leitlinie Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne

von Olaf Löffler

Die aktuelle Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne “ können Sie hier nachlesen und downloaden:

Klicke, um auf 083-004l_S2k_Dentales_Traume_bleibende_Zähne_Therapie_2015-06.pdf zuzugreifen

Aktuelle Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und deren Gültigkeit sind auf dieser Seite der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) nachzulesen:

http://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/deutsche-gesellschaft-fuer-zahn-mund-und-kieferheilkunde.html

 

Zu kurz oder zu lang?

von Jörg Schröder

Die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge ist ein etabliertes und verlässliches Verfahren, während hingegen  die rein radiologische Bestimmung in vielen Fällen zu einer Überinstrumentierung führen kann (El Ayouti 2001, bei 50 % der aufbereiteten Prämolaren – AL war radiologisch 0-2 mm koronal des radiologischenApex- kam es zu einer Überinstrumentierung).

Dennoch beschleicht einen ein ungutes Gefühl, wenn die Messaufnahme trotz reproduzierbarer Endometrie eine deutliche Abweichung vom radiologischen Apex zeigt.

An diesem extrahierten Molaren kann „bestaunt“ werden, wie weit radiologischer Apex und Foramen auseinander liegen können.

„Echte“ Revaskularisierung?

Von Bonald Decker

Das kleine Mädchen Maja war zum Zeitpunkt ihres Frontzahntraumas 7 1/2 Jahre alt. Auf dem Weg zur Schule war sie mit ihrem Roller gestürzt und hatte sich den rechten oberen zentralen Schneidezahn ausgeschlagen. Glücklicherweise funktionierte in ihrem Fall die dentale „Rettungskette“ quasi lehrbuchmässig und der Zahn wurde binnen kürzester Zeit (innerhalb von Minuten) nach Avulsion in einem entsprechenden Nährmedium (Dentosafe) gelagert. Die weitere zahnärztliche Versorgung erfolgte dann in einer nahegelegenen Kinderzahnarztpraxis. Nach 14-tägiger Schienungszeit (und Entfernung der Selbigen) wurde uns die junge Patientin zur weiteren Nachsorge anvertraut. Röntgenbilder der Ausgangssituation sowie nach Replantation lagen uns leider nicht vor.

Bei Erstvorstellung in unserer Praxis stellte sich die Situation radiologisch wie folgt dar:

Zustand nach Frontzahntrauma mit Avulsion Zahn 11;  physiologische Lagerung in Zahnrettungsbox vor alio loco durchgeführter Replantation

Der Sensibilitätstest auf Kälte fiel negativ aus; Klopfschall und Lockerungsgrad waren ohne nennenswerte Besonderheiten.

Weitere drei Monate später fand sich im Oktober 2013 folgende Situation:

Recall ca. 3 Monate nach Avulsion Zahn 11

Der Sensibilitätstest auf Kälte fiel weiterhin negativ aus; Klopfschall und Lockerungsgrad waren ohne nennenswerte Besonderheiten. Da sich radiologisch eine Verkleinerung des Pulpakavums zeigte (was in meinen Augen vitales Gewebe innerhalb des Kanalsystems voraussetzt) empfahl ich Kind und Mutter eine weiter abwartende Haltung.

Weitere drei Monate später ein ähnliches Bild ohne klinische Besonderheiten:

6 Monate nach Avulsion des Zahnes 11; fortschreitendes Wurzelwachstum mit erkennbarer Verkleinerung des Pulpakavums

Wieder ein Jahr später kam Maja nun im Januar 2015 erneut zur Nachkontrolle. Es scheint, als hätte sie „Glück im Unglück“ gehabt…

1 1/2 Jahre nach Avulsion Zahn 11

Ferner gibt sie nun an, den elektrischen Pulpatest wahrzunehmen (bei fehlender Kälteempfindlichkeit) und es scheint sich hier ggf. um eine „echte“ Revaskularisierung nach Avulsion zu handeln…

was denken Sie?

 

IDS – Neuheiten 2015 (6) – EDDY

Von Christoph Kaaden

Die Schall bzw. Ultraschallaktivierung von Spüllösungen innerhalb des endodontischen Kanalsystems hat in den letzten Jahren zunehmend an Beachtung erlangt. Auch auf der IDS wurden hierzu einige Neuerungen vorgestellt.

Zum Beispiel:

„EDDY“

Nach einer Idee von Dr. Winfried Zeppenfeld bewirkt diese Polyamid-Spitze in Kombination mit einem Airscaler eine Schallirrigation endodontischer Spüllösungen. Wie dieses kleine Video zeigt scheint der Name (Eddy = Wirbel) „Programm“ zu sein

 

In dieser Firmenbroschüre finden sich nähere Einzelheiten zu dieser IDS-Neuheit.

 

IDS – Neuheiten 2015 (4) – Ein Traum wird wahr (II) – Connect drive

Von Christoph Kaaden

Seit 2008 ist die Verwendung eines kabellosen Endodontie-Motors aus unserem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Meine Erfahrungen mit dem von mir sehr geschätzten ENTRAN habe ich in diversen Beiträgen (u.a. auch hier) auf WURZELSPITZE veröffentlicht.

Leider war es diesem Motor (wie auch anderen) nicht möglich neben der vollrotierenden auch die reziproke Bewegung für Nickel-Titan-Instrumente umzusetzen.

Wie für Hans-Willi Herrmann (und viele andere) wird daher in Kürze auch für mich mit der Vorstellung solcher „Kombigeräte „ein Traum“ in Erfüllung gehen . Das von VDW für diesen Zweck entwickelte Gerät wird der breiten Öffentlichkeit erstmals auf der IDS unter dem Namen Connect drive vorgestellt.

VDW Connect drive

In dieser Produktbroschüre finden sie hierzu vorab schon nähere Informationen.

Auf die regelmässige klinische Anwendung und unsere Erfahrungen mit diesem und anderen Kombimotoren bin ich selber maximal gespannt…

ich werde sicher weiter berichten!

Notfallkoffer

von Christian Danzl

Letzte Woche fand er wieder statt, unser regelmässig wiederkehrender Notfallkurs für die Zahnarztpraxis.

Neben Therorie und Praxis der Kurses stellt sich natürlich immer wieder die Frage, welchen Notfallkoffer man sich für die Zahnarztpraxis anschaffen soll.

Die Antwort des Ausbilders war einfach: Keinen!
Da meist viel unnötiges Material drin ist, welches keiner einsetzen kann, wenn man nicht täglich damit zu tun hat.

Was natürlich nicht heissen soll, dass man keine Ausrüstung für Notfälle haben soll!

Empfohlen wurde uns als sinnvolle Ausstattung für die Zahnarztpraxis:

  • Blutdruckmessgerät
  • Blutzuckermessgerät
  • Pulsoxymeter
  • Sauerstoffflasche mit Druckminderer und Sauerstoffmaskemaske
  • Adrenalin mit Verneblermaske für Sauerstoffflasche
  • Ambubeutel
  • Larynxtubus
  • Nitrolingualspray

und eventuell einen

  • AED, einen automatischen externen Defibrilator

Das sollte normalerweise reichen um einen Patienten bis zu Eintreffen des Rettungsdienstes zu stabilisieren. Das Material bringt natürlich nichts, wenn man nicht weiss, wie es eingesetzt wird. Aber das lernt man ja regelmässig im Notfallkurs.

Das praxisinterne QM braucht dann nur noch einen geeigneten Ort (bei uns ist es eine zentrale, eindeutig beschriftete Schublade im Steri) um die Sachen abzulegen und Batterien und Ablaufdatum des Adrenalins und des Nitolingualsprays zu kontrollieren.
Man kann das Ganze selbstverständlich auch in einem Koffer unterbringen, oder in einer geeigneten Tasche oder Kiste. Die wiederum kann aber die Putzfrau mal woanders hinstellen, und man ist wieder am Suchen.

Der Aufwand hierfür ist überschaubar.

Kurstadt

von Noel Shabrak

 

 

So sieht das Diagramm der Altersstruktur der Patienten in einer – nicht repräsentativen – Zahnarztpraxis in einer deutschen Kurstadt aus. Hier für das vergangene Jahr 2014.
Auf der X-Achse der Altersbereich (genau: 0-6 Jahre, 7-12, 13-20, 21-30, 31-40, 41-50, 51-60, 61-70, ab 71 Jahre), auf der Y-Achse die Anzahl der Patienten

Was fällt auf?

  • knapp 20% der Patienten sind über 70
  • mehr als die Hälfte der Patienten sind über 50
  • die „werberelevante Zielgruppe“ der 14-49-Jährigen ist mit nur ca. 40% Anteil dabei

Doch die Kurve könnte steiler verlaufen, tut sie aber nicht, denn:

  • wir haben eine Kinderzahnärztin auf Teilzeit beschäftigt, das hebt die Kurve im linken Bereich an
  • wir machen keine Hausbesuche in Alters-/Pflegeheimen oder Sanatorien, das dämpft die Steigung rechts
  • Praxis ist nicht komplett barrierefrei; dämpft auch rechts

Wie hat sich die Altersstruktue in den letzten Jahren verschoben?

Kaum. Die letzten 15 Jahre hat sich sehr wenig verändert. Das Diagramm schaut bei uns seit langem sehr ähnlich aus.

Was hat sich trotzdem verändert in den letzten 15 Jahren?

  • die Totalprothesen werden zugunsten implantatgetragener Lösungen weniger, liegt aber daran, dass sich Implantate in den letzten 10 Jahren als Behandlungsmöglichkeit etabliert haben
  • die „dicke Backe“ wird wieder mehr.
    Die 2004 eingeführten 10,- € Kassengebühr hat  die Patienten, die man jahrelang an einen jährlichen oder halbjährlichen Kontrolltermin herangeführt hat, alle wieder aus der Praxis getrieben, um Geld zu sparen. Das rächt sich natürlich nach einigen Jahren. Da ist es egal, dass die Kassengebühr schon wieder abgeschafft ist.

Was ist typisch für so eine Praxis mit dieser Altersstruktur der Patientenschaft?

  • eine/n Kinderzahnarzt/ärztin vollzeit zu beschäftigen ist nicht sinnvoll
  • für Rollatoren ist hin und wieder der Platz knapp
  • altersbedingte Schwerhörigkeit erschwert Terminvereinbarungen und Kommunikation vor Ort und besonders am Telefon
  • Entfernung von Druckstellen gehören zum täglichen Geschäft
  • die Patienten jenseits der 75 ist selten für einen Termin vor 10.00 Uhr zu begeistern

Was wird sich ändern in den nächsten Jahren?

  • die Kurve der Altersverteilung wird eher steiler, als flacher. Das liegt aber an der allgemeinen Altersstruktur Deutschland.
  • die prothetischen Arbeiten im preislichen Mittelfeld werden noch weniger werden. Es überwiegen jetzt schon die teuren und die ganz billigen Lösungen.

Zahnärzte als Erfinder

von Hans – Willi Herrmann

Jeder von uns kennt das.
Hat sich schon mal geärgert über eine Unzulänglichkeit im Behandlungsablauf.

Und spontan eine Idee, einen Geistesblitz, wie man mit einem speziell hierfür zugeschnittenen Gerät/Instrument die unbefriedigende Situation verbessern könnte.

Fast immer bleibt es dabei.
Zu schwierig die Umsetzung.

Ganz selten gibt es Kollegen, die ihre Vision soweit vorantreiben, dass diese in dieTat umgesetzt und als fertiges  Produkt auf den Markt gebracht werden kann. Vier davon möchte ich mit ihren Erfindungen hier kurz vorstellen. Erfindungen, die sich in unterschiedlichen Phasen der Produktentwicklung befinden, alle entweder kurz vor oder nach Markteinführung.
Da wäre zunächst Stephan Gäbler zu nennen, der einen neuartigen Kofferdam- Klapprahmen entwickelt hat. Vermutlich ein typisches „Entweder – Oder“- Produkt.
Entweder man findet es angesichts bereits vorhandener Kofferdamrahmen entbehrlich oder auf Grund seiner Features gegenüber den konventionellen Produkten unverzichtbar. Solche Ideen haben es schwer, einen Industriepartner zu finden. Zu sehr dominieren die „3 D“ („Das haben wir schon immer so gemacht, Das haben wir noch nie so gemacht, Da könnt ja jeder kommen“) in den Köpfen der Entscheidungsträger. Um so größer mein Respekt vor der Leistung Stephan Gäblers, diesen besonderen Kofferdamspannrahmen auf den Weg zu bringen.

Winfried Zeppenfeld konnte hingegen auf  professionelle industrielle Unterstützung zurückgreifen. Sein Instrumentenansatz zur Schallirrigation von Wurzelkanälen  wird in wenigen Wochen von der Firma VDW als „Eddy“ auf den Markt gebracht werden. Ein industrieller Partner ist de facto von großem Vorteil. Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung und Herstellung des neuen Instrumentes per se, sondern darüber hinaus um die Erfüllung und Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Auflagen, die zur Produkteinführung notwendig sind. Immerhin handelt es sich zumeist um ein Medizinprodukt, an dessen Zulassung eine Vielzahl von  Reglementationen gebunden sind. Hier ist ein entsprechendes Know How und die zur Abwicklung dafür notwendige Manpower ungeheuer wichtig. Ein „Greenhorn“, und genau zu dieser Personengruppe ist der ideenreiche Zahnarzt zu zählen, wird sich an diesen Formalien extrem schwer tun.

Der Haken an der Sache – eine Beteiligung der Industrie wird umso eher erfolgen, je attraktiver und- machen wir uns nicht vor – damit lukrativer ein neues Produkt erscheinen mag.

Das genau ist das Manko der nächsten Erfindung, die ich vorstellen möchte.

Es ist, um es vorwegzunehmen,  eine tolle Erfindung.

Nils Widera und Marcus Leineweber haben sich ein Hilfsmittel erdacht, das in der Tat bislang einzigartig ist. Weil es im Gegensatz zu den beiden zuvor besprochenen Erfindungen nicht nur etwas besser als bisher bewerkstelligt, sondern etwas zu leisten vermag, für das es bislang  in dieser Form nichts Vergleichbares gab.

Worum handelt es sich ? Um ein Gerät, mit dem es leichter und vor allem selbst in bislang schier hoffnungslosen Fällen möglich ist, Instrumentenfragmente aus Wurzelkanälen zu entfernen.

Die Gretchenfrage ist: Wieviel Geld kann eine Firma mit einem solchen Gerät verdienen ?Wer kauft so ein Gerät ? Wie groß ist überhaupt der Markt für diese Erfindung? Was darf das Instrument kosten, um Marktakzeptanz zu finden ? Ist der Markt groß genug, dass sich eine solche Entwicklung lohnen würde, den Prozess bis zur Marktreife durchzuführen?

Das kann man unterschiedlich sehen.
Die traurige Wahrheit ist allerdings: Bei mehreren Firmen vorgestellt fand sich kein Industriepartner, der das Wagnis der Produktentwicklung eingehen wollte. Nach vielen frustranen Erfahrungen haben die beiden Zahnärzte- Erfinder letztendlich beschlossen, dass Projekt allein auf den Weg zu bringen. Ich drücke beide Daumen, dass es gelingen mag, denn ich würde das Gerät sofort kaufen. Mehr dazu demnächst hier im Rahmen eines Praxis- Erfahrungsberichtes, basierend auf dem Arbeiten mit einem ersten Prototypen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma, zumindest was eine notwendige Startfinanzierung angeht, zeigt die 4. Erfindung auf, die ich hier heute präsentieren möchte.

Simon Prieß steht hinter der Wawibox, einer Online- Materialwirtschaft und Bestellplattform für die Zahnarztpraxis. Seit Donnerstag letzter Woche wirbt die Wawibox bei der Crowdfunding- Plattform „Seedmatch“ um Kapitalgeber.

Auch hier von unserer Seite zweimal Daumen hoch für die Wawibox, damit das Crowdfunding ein Erfolg wird, denn dies wäre ein positives Signal für andere Erfinder, einen gangbarer Weg zu kreieren, die eigenen Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir sind gespannt.

 

 

 

Ein Fall von qualitativer Obsoleszens?

von Olaf Löffler

Obsoleszens – ist ein Wort, welches nicht so häufig gebraucht wird. Aber im Alltag ereilt es uns häufig. Unter Obsoleszens ist die Abnutzung, bzw. Veralterung (Duden) eines Produktes zu verstehen. Hier nun eine kleine Geschichte dazu.

Plötzlich funktionierte das Kodak Röntgengerät nicht mehr. Baujahr 2009. erst vor 2 Jahren haben wir die Hauptplatine erneuern müssen, da beim Auslösen des Gerätes ein Kondensator geplatzt ist, so war die Aussage des Monteurs.
In unserer Praxis haben wir 3 dieser Röntgengeräte. Nur eines funktionierte immer problemfrei. Allerdings wird dieses nur selten genutzt. Als Nutzer ist man auf Grund dieser Erfahrung frustriert.

Dann fiel mir eines Tages das Buch „Geplanter Verschleiss“ von Christian Kreiß in die Hände.
Prof. Kreiß hat in seinem Buch einige Probleme der Kunden beschrieben. Interessant ist die klassische Einteilung von geplantem Verschleiss.

Es wird unterschieden in:
1. Technische und Funktionelle Obsoleszens
Durch technischen Fortschritt wird ein Produkt obsolet – überflüssig, weil das neue Produkt besser ist.
2. Qualitative Obsoleszens
Künstliche, geplante Verkürzung der Lebenszeit durch den Hersteller mit dem Zweck, den Kunden zu Ersatzkäufen zu zwingen.
3. Psychologische Obsoleszens.
Voll funktionsfähige Gegenstände werden durch neue ersetzt, beispielsweise aus Modegründen.

Beispiele zur oben beschriebene Einteilungen kann sicher jeder Leser nennen.

Im anfänglich beschriebenen Fall des Röntgengerätes kommt noch hinzu, daß ein Neukaufzwang durch überteuerte Ersatzteile bzw. Reparaturen entsteht.
Im Falle dieses Gerätes sind für den Strahler € 2589,44 Kosten für die Reparatur fällig.

Dies kann man als eine gewollte Umsatzsteigerung der Firma ansehen. Wenn der Kunde dies bemerkt, wechselt er zu einem Konkurrenzprodukt. Und hofft wenn er wechselt, daß ihm beim Konkurrenten nicht dasselbe wiederfährt. Wenn aber alle Konkurrenten so unfair spielen dann.
Da im o.g. Beispiel keine Kulanz gewährt wird, kommt der Verdacht der qualtitativen Obsoleszens auf.
In Frankreich ist die geplante Obsoleszens zukünftig ein Betrugsdelikt.

 

 

Die Zahnarztpraxis in naher Zukunft – ein mögliches Szenario

von Noel Shabraq

Als ich noch jung war (70er/80er Jahre) ging ich regelmässig zum Zahnarzt und bei Bedarf zum Arzt.

Nein.

Dieser Satz ist KEINE Aufforderung für die Gleichstellungsbeauftragte tätig zu werden.

Ja.

Arzt und Zahnarzt.

Ich wuchs auf dem Land (Kleinstadt) auf.

Da waren Ärzte und Zahnärzte Männer.

Wenn man in eine „größere“ Stadt (Kreisstadt) kam, bemerkte man hin und wieder, dass auch Frauen als Ärztinnen tätig waren. Meist jedoch beschränkt auf Pädiatrie und Gynäkologie.

Dass es auch Zahnärztinnen gab, wurde mir erst später klar. Im Umkreis von 30 km war mir zumindest in der Jugend keine bekannt (was aber nicht heisst, dass es keine gab).

Irgendwann wurde man dann im Zahnmedizinstudium mit einer anderen Realität konfrontiert:

„Was machen die ganzen Mädels hier?“

Es gab also doch einen deutlich höheren Frauenanteil in der Zahnheilkunde, als mir bisher klar war. Uns so war es, dass bei uns im Examen (Mitte der 90er) dann ca. ein Drittel bis die Hälfte der Studierenden Frauen waren.

Niedergelassen hab ich mich in einer Kreisstadt Ende der 90er.
Ca. 17.000 Einwohner, 15 Zahnärzte, 2 Zahnärztinnen.
Mehr dann doch wieder das „klassische“ Verhältnis.

Und ich hab auch noch die „Macho“-Sprüche der alten Kollegen im Ohr:

„Naja. Karies ausbohren können Frauen vielleicht noch, aber denen geht doch die Kraft aus, wenn sie mal einen Weisheitszahn ziehen müssen!“

An den Satz hab ich noch oft denken müssen.
Denn, geschwitzt hab ich oft beim Entfernen von 8ern, aber eine KRAFTanstrengung war es sicherlich nie….

OK, aber, wie war es vorher?

Als Zahnarzt hat man eine Praxis übernommen oder sich eine neu gegründet. Man hat dort gearbeitet, die Praxis abbezahlt und wenn man sich zur Ruhe gesetzt hat, hat man die Praxis für gutes Geld verkauft und so war für die Altersversorgung auch sicher. Es gab eine Zulassungsbeschränkung, so dass auch immer ein gewisser Preis beim Verkauf erzielbar war.

Irgendwann fiel die Zulassungsbeschränkung.

Was zur Folge hatte, dass Praxen in exponierter Lage oder Praxen mit alter Einrichtung schwer, bis gar nicht mehr zu verkaufen waren. So kam es auch bei uns im Umkreis dazu, dass Praxen, wenn nicht ein Nachfolger in der Familie da war, einfach geschlossen wurden.
Wer noch ein wenig aktiv war konnte die Einrichtung noch bei eBay verkaufen, wer nicht, durfte für die Entsorgung auch noch bezahlen.

Eine gut gehende, zeitgemäss ausgestattete Praxis ist aber immer noch für einigermassen Geld zu verkaufen, da eine Neugründung heutzutage auch keine Zuckerschlecken ist.

Zur Zeit gibt es einen Trend, den ich hier am Ort beobachte:

Da noch genug Arbeit in der ZHK vorhanden ist, und jetzt Zahnärzt/Innen angestellt werden dürfen, geht der Trend auch dahin.
In den letzten 5 Jahren haben am Ort mindestens 5 Praxen Zahnärzte angestellt.
Genau, meistens Zahnärzte. Anfangs.

Jetzt sind es mehr Zahnärztinnen.
Es sind in den letzten Jahren auch einige Praxen von Frauen übernommen worden, aber angestellt sind durch die Bank Frauen (was aber auch nicht verwundert, da zur Zeit die Examensjahrgänge teilweise aus 90% Frauen bestehen).

So auch bei mir.

Meine angestellte ZÄ hat sich nach 6 Jahren in eine andere Praxis/Fachrichtung orientiert und ist noch einen halben Tag in der Woche da.
Also Stellenanzeige aufgegeben. Ersatz suchen.

Kurz:
Eine gleichwertigen (zeitlichen) Ersatz – also Vollzeit – haben wir nicht auf die Schnelle gefunden.
Sondern:
Eine Zahnärztin nach dem Mutterschutz (1. Kind), die Teilzeit arbeitet (16 h/Woche) und eine Zahnärztin nach dem Mutterschutz (nach dem 2. Kind), die auch Teilzeit (12 h/Woche) arbeitet.

Es wird zwar ein wenig komplizierter, aber es wird auch gehen.

So wie es aussieht, ist die ZA-Praxenlandschaft gewaltig im Umbruch.
Der Einzelkämpfer, der Vollzeit arbeitet und nach seiner aktiven Zeit seine Praxis für gutes Geld verkauft, ist eine aussterbende Spezies.
Zahnärzte anstellen wird immer schwieriger (ca. 10% Absolventen), Zahnärztinnen einstellen eher leichter (90% Absolventinnen). Anfangs noch Vollzeit werden nach diversen Schwangerschaften die Frauen in der ZHK hauptsächlich Teilzeit arbeiten (wenn überhaupt noch).

Und so wird ein Teil der Praxisinhaber selber weniger arbeiten, und dafür seine Teilzeitzähnärztinnen verwalten, die er für verschiedene Teilbereiche einstellt.

So kann ich mir durchaus vorstellen, dass man eben mit 55-65 Jahren (oder wann man eben aufhören wollte) die Praxis nicht verkauft, sondern Teilzeit-Zahnärztinnen einstellt und sich selber aus dem operativen Geschäft zurückzieht und nur noch die anfallenden, nicht delegierbaren Verwaltungsaufgaben erledigt.
So eine Praxis ist aber dann natürlich wieder deutlich leichter zu verkaufen.

Leider aber auch an Nicht-Zahnärzte.
Also Investoren, die aus dem medizinischen, oder nichtmedizinischen Umfeld kommen werden.
Privatklinikbetreiber, Pharmafirmen, Dentaldepots, Krankenkassen, aber auch andere, fachfremde Investoren, die nur Geld verdienen wollen.
Wenn das gesetzlich anfangs vielleicht noch nicht möglich sein sollte, wird das über Stohmänner erfolgen. Aber Gesetze werden dahingehend sicherlich noch geändert werden um den Ausverkauf auch der Zahnmedizin an Investoren zu ermöglichen.

Die Preise für den Patienten werden dabei sicher nicht sinken, die Qualität der Behandlung allemal. Dafür werden wir täglich mit Werbung zugerdröhnt werden, in der die höchste Qualität der Versorgung – ermöglicht durch den neuen Träger – angepriesen wird.

Freie Arztwahl?
Man muss kein großer Visionär sein, um sich diese Frage selber zu beantworten.

Wie gesagt, ein mögliches Szenario.
Hoffen wir, dass der Ausverkauf der Zahnheilkunde nicht so erfolgen wird, sondern die ZHK in Händen der Zahnärzte bleibt. Angestellt oder Selbständig.

In eigener Sache: RVG 6100 – Linienpaar defekt ?

Von Bonald Decker

Seit knapp drei Jahren verwenden wir zu unserer vollsten Zufriedenheit einer RVG 6100 Sensor zur Anfertigung unserer intraoralen Röntgenaufnahmen. Bisher ohne „Fehl & Tadel“.

Kürzlich ist mir jedoch eine wiederkehrende „Störung“ in der Bildgebung aufgefallen..

Auf den ersten Blick ist diese ggf. nicht unbedingt erkennbar. Bei genauer Betrachtung der Aufnahme jedoch sehr wohl…

Ich führe es darauf zurück, dass (ggf.) ein Linienpaar des Sensors defekt ist (?). Gibt es ggf. eine andere Erklärung für die durchgängig erkennbare „Linie“ auf den entsprechenden Röntgenbilder?

Wie weitere Aufnahmen verdeutlichen scheint es sich nicht um ein Artefakt zu handeln:

Nun meine Frage: Kennte jemand dieses „Phänomen“? Ist dies ggf. ein erstes Vorzeichen darauf, dass der Sensor in absehbarer Zeit ggf. nicht mehr funktionieren wird?

Danke für die Rückmeldungen

:-)

Der Transparentmacher

Von Christoph Kaaden

In der endodontischen „Szene“ ist der Name – Dr. Holm Reuver – seit Langem ein Begriff. Insbesondere verbindet man mit seinem Namen die von ihm in den letzten Jahren perfektionierte Technik der „Transparentmachung von Zähnen

Vor sehr Kurzem hat dieser „Daniel Düsentrieb“ der Zahnheilkunde beschlossen sein Wissen und seine Erkenntnisse der „breiten Masse“ zuteilwerden zu lassen. Mittels einer eigenen Homepage:

Transparentmacher.de

Die Seite richtet sich primär „an Zahnärzte, die auf Endodontie spezialisiert sind oder ein besonderes Interesse an diesem Fachgebiet haben. Hier können hochwertige Bilder durchsichtiger Zahnpräparate für die Praxis erworben werden.“

Der zwei Teil der Seite stellt mit „CLEARINGSERVICE ein ganz neuen und besonderen Dienst zur Verfügung. Es ist eine weltweit einmalige Einrichtung zur Untersuchung von Zähnen mit Hilfe der Clearing-Technik. Sie eignet sich besonders zur Untersuchung wurzelbehandelter Zähne. Von Ihnen eingeschickte Zähne werden in transparente Präparate überführt und anschließend mit einer hochwertigen Fotodokumentation ausgewertet.“

Ich bin mir sehr sicher, dass diese Seite und seine Inhalte ein voller Erfolg werden.

Machen Sie sich selber einen Eindruck!

Es lohnt sich!

Wie wär´s mit dem Stanglwirt ?

von Donald Becker
Wir brauchen eine neue Unterkunft.
Hals über Kopf waren wir angereist. Hatten, der ungewissen Lage wegen, solange dies möglich war, Tag für Tag unseren Hotelaufenthalt verlängert.
Nun müssen wir uns eine neue Bleibe suchen.

„Wie wärs mit dem Stanglwirt ?“, sagt die Dame neben mir, die – man kennt sich mittlerweile – ebenfalls allmorgentlich vor der Tür der Intensivstation des österreichischen Krankenhauses darauf wartet, Zugang zu bekommen. „Das ist ein schönes Hotel. Ich war schon dort.“ Und fügt bekräftigend hinzu: „Da sind auch viele Prominente.“

Der Stanglwirt in Kitzbühel.
Gehört hatte ich davon schon des öfteren. Und war daher beim ersten Vorbeifahren auf dem Weg nach St. Johann in Tirol erstaunt darüber, daß Kitzbühel noch  15 – 20 Kilometer entfernt gelegen ist. Der angesichts des Renomees des Hauses vermutlich nicht ganz so durchschnittliche Herbergsgast wird wahrscheinlich den Weg zur Streif nicht zu Fuß zurücklegen wollen.
Aber diese kleine geographische Ungenauigkeit lasse ich durchgehen.
Mehr stört mich, wer alles als prominenter Gast in besagtem Hause in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt wird.

Prominent, das habe ich aus der Anatomievorlesung noch in Erinnerung, bedeutet „herausragend, hervorragend“.

Und prompt kommt mir ein Yellowpress- Druckerzeugnis von Anfang des Jahres in den Sinn, welches ausführlich berichtete, daß „unzählige Prominente“ ein gemütliches Jahresend- Zusammensein bei besagtem Stanglwirt feierten.

Eine Person ist mir konkret in Erinnerung geblieben.
Nennen wir sie Frau E. und von Berufs wegen war sie – ihr Noch – Ehemann ist nicht mehr professionell sportlich aktiv – Spielerfrau.

Frau E. stammt aus einer Zeit, in der die Lebensabschnittsgefährtinnen von Fußballbundesliga- Spielern noch nicht den Anspruch hatten, Model und Schmuckdesignerinnen in Personalunion zu sein. Sondern sich darin genügten, als das schöne weibliche Wesen an der Seite des Sportidols in Erscheinung zu treten.

Das sei ihr gestattet, drängt aber die Frage auf, was denn nun an ihr als Projektionsfläche des  längst verblichenen  Ehegattenruhmes so herausragend ist, das Hochglanz- Printmagazine und „Vor 20 Uhr Gossip TV“- Formate mit ihr als Inhalt gefüllt werden.

Herausragend hingegen ist das Tun der Frauen und Männer hinter der Tür, vor der ich seit einer Woche sitze, während mein Vater wenige Meter von mir entfernt mit dem Tode ringt. Zustand post OP wegen akutem Abdomen, zunächst unauffälliger Verlauf, 3 Tage später nach paralytischem Ileus Aspirationspneumonie, Sepsis, Herzinfarkt, Reanimation, Niereninsuffizienz mit Dialyse. 14 Perfussoren hängen an. Adrenalin in zunächst hochdramatischen Dosen.

Was niemand nach einer Woche permanent an der Schwelle des Todes auch nur hoffen durfte.
Er überlebt.

Dank der gut eingespielten, unprätenziösen, ruhigen Arbeit der Ärzte und Pfleger.
Die nicht nur ein Leben gerettet, sondern darüber hinaus ein Stück weit das angekratzte Bild der Krankenhausmedizin – Sparwut und Entfremdung haben in den letzten Jahren ihre Spuren prägend hinterlassen- ein wenig korrigiert, es vertrauensbildend wiederaufgebaut haben.
Denn die  Institution Krankenhaus hat sich  in den vergangenen Jahrzehnten nicht zum Vorteil entwickelt. Damit ist nicht der per se de facto vorhandene Fortschritt in der Medizin ist gemeint, sondern die Begleitumstände und Rahmenbedingungen.

Vielleicht ist das alles ja in Österreich deutlich besser als in Deutschland.
Ich habe keine Ahnung.
Aber ich vermute, das dem nicht so ist, denn auch im „Heile Welt Idyll“ – Heimatland von Mozartkugeln und Schlagobers vermisse ich die Wertung, die Würdigung des Geleisteten in der Öffentlichkeit. Da bislang Frauke Ludowig nicht lobend im Fernsehen berichtete,  in der GALA noch kein Beitrag über die heilenden Hände der Intensivpflegerinnen und Pfleger von St. Johann platziert wurde  und ich auch keine Dienstwagen- Armada an Luxusssportwagen in der Tiefgarage des Krankenhauses entdecken konnte, gehe ich, bis das Gegenteil bewiesen wurde, davon aus, das in Österreich weder Ansehen noch Bezahlung positiv von den Rahmenbedingungen in Deutschland abweichen.

Und damit kommen wir zum springenden Punkt.
Wir leben heutzutage in einem Zeitalter, in einer Gesellschaft, die ihre wahren Stützen, ihre real exisitierenden, aber zugegebenen lobbylos und daher still und unbeachtet agierenden Helden ignoriert.
Und sich daher nicht wundern muss, wenn diese irgendwann ausgebrannt die Segel streichen, der dringend benötigte Nachwuchs nachvollziehbar immer schwerer zu finden ist.

Ich möchte also „unzählige“ Kranken- und Altenpfleger sehen, die die Seiten jener „Seht her wie toll“- Hochglanzpostillen füllen, Feuerwehrleute und Polizisten. Polizisten, die gegenwärtig in München so wenig verdienen, dass sie sich das wohlgemerkt ganz normale Leben in dieser Stadt nicht mehr leisten können, während Sie die Sicherheit der in der Maximilianstraße geparkten  Luxuskarossen gewährleisten und damit den reibungslosen Transit ihrer im Überfluß lebenden Besitzer nach Kitzbühel sicherstellen.

Ich habe das Gefühl, das ich das nicht mehr erleben werde.
Mein Vater, im Juni 76 Jahre alt geworden, sicherlich nicht.

Aber er ist wieder zu Hause.
Und mäht vielleicht sogar demnächst wieder den Rasen hinter seinem Haus, was familienintern als ultimatives Zeichen dafür gewertet werden könnte, dass er noch einmal dem Tod nicht nur von der Schippe gerutscht, sondern mit beiden Beinen kraftvoll und weit heruntergesprungen ist.

Dafür möchte ich den Frauen und Männern der Intensivstation des Krankenhauses St. Johann in Tirol meinen tiefen Dank aussprechen.

Und sie bitten, nicht nachzulassen in ihrem tagtäglichen Bemühen, Leben zu retten.
Sie leisten Herausragendes.

Und damit etwas unendlich Wertvolleres als viele der Pseudo- Medien- Lichtgestalten, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und sich im potemkinschen Glanz des renommierten Nachbarortes sonnen.

Nicht diese sind die wahren Prominenten, SIE sind es.

Erster Tag nach der Sommerpause

Von Bonald Decker

Montag war unser erster Behandlungstag nach der WURZELSPITZE Sommerpause.

Es ging gleich wieder ordentlich „rund“ bei uns und es war eine Menge geboten:

– Revisionsbehandlung bei wiederauftretenden Beschwerden trotz multipler Vorbehandungen

Zahn 16: Wiederauftretende Beschwerden bei Zustand nach alio loco durchgeführter Wurzelkanalbehandlung und nachfolgender Wurzelspitzenresektion inkl. retrogradem Verschluss bukkal mittels Amalgam; apikale Parodontitis mesio-bukkal; Karies 25 distal, 26 mesial

– Beratung hinsichtlich möglicher Erhaltungswürdigkeit eines bereits endodontisch behandelten Zahnes 37 mit rekurrierenden Beschwerden

Zahn 37: Zustand nach zweimaliger endodontischer Behandlung (zuletzt vor 2,5a) und wiederauftretenden Schmerzen

– Kanalsuche und Präparation von vier Kanalsystemen bei massiver Obliteration

Ausgangssituation: Zustand nach alio loco begonnener Behandlung mit Abbruch der Therapie bei mangelnder Darstellbarkeit aller Kanalsysteme

Dokumentation der Orifiziendarstellung disto-bukkal

– Therapie einer iatrogenen Perforation bei Trepanationsversuch

Radiologische Ausgangssituation Zahn 36: Zustand nach Pulpakammerbodenperforation während der Suche nach „fehlendem“ mesio-lingualem Kanalsystem; insuffiziente Restauration distal

– Weiterbehandlung zweier Überweiser nach alio loco begonnenen endodontischen Behandlungen (Zahn 45 bzw. 16 und 17)

Ausgangssituation Zahn 45: Zustand nach alio loco begonnener Behandlung und persistierenden Beschwerden;radiologisch imponiert eine insuffiziente Restauration distal mit Sekundärkaries sowie ungewollt extraradikulär verbrachtes Ca(OH)2; Karies 46 distal

 

Ausgangssituation Zähne 16 und 17: Pulpitische Beschwerden nach Kariesexkavation&Aufbaufüllungen mit nachfolgenden Hohlkehl-Präparationen

– Schmerzbehandlung bei irreversibler Pulpitis

Ausgangssituation Zahn 26: Pulpapenetrierende Sekundärkaries distal

Obgleich es ein anstrengender erster Tag war fällt unser Fazit „trotzdem“ positiv aus:

 

Sommerpause 2014

Wurzelspitze macht Sommerpause bis einschliesslich 17. August 2014

Wir wünschen allen Lesern noch schöne Sommertage.

Euer Wurzelspitze-Team

Revitalisierungstherapie – Recall – Reloaded

Von Bonald Decker

Anbei unser jüngster Recall-Fall nach Revitalisierungstherapie…

mit einem ähnlichen Ergebnis wie in diesem Beitrag 2012.

Revitalisierungstherapie – Recall – Reload.001

Neben der Remission der apikalen Aufhellung scheint es zusätzlich noch zu einer geringfügigen Dickenzunahme des apikalen Wurzelbereichs gekommen zu sein. Ferner fällt auf, dass sich auch bei dem „gesunden“ Zahn 21 in den 6 Monaten keine signifikante Zunahme des Wurzelwachstums verzeichnen lässt. Unter anderem aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam mit Patient und Eltern auf eine abwartende Haltung geeinigt…

ich berichte über das weitere Procedere.

 

Schlüsselloch-Endodontie – reloaded

Von Bonald Decker

Erinnern Sie sich noch an unseren Bericht zur Schlüsselloch-Endodontie inklusive Abschlussbericht. Den ersten Teil hatte ich im Mai 2012 veröffentlicht.

Kaum wartet man zwei Jahre, schon treffe ich gestern auf einen sehr sehr ähnlichen Fall…:

Schlüsselloch-Endodontie reloaded — Ausgangssituation

Bei aller Ähnlichkeit zum damaligen Fall kann ich nicht sagen, ob die selbe Person die endodontische Behandlung durchgeführt hat…was ich aber festhalten kann ist, dass sich unser Procedere nicht grossartig von dem damals Berichteten unterschieden hat:

Schlüsselloch-Endodontie reloaded — klinische Situation

Im zweiten Teil dieses Beitrages stellen wir dann demnächst wieder die Röntgenbilder der Therapie vor…

 

Was ist das (2)

von Ostidald Wucker

Die Frage war gemein.

Allerdings war zu sehen, daß der Zahn auf durch seine Achsrotation nicht in Achsengerecht im Strahlengang war. Damit war ein genaue Projektion eventuell nicht gegeben.
Die Patientin gab an, daß eine WSR mit retrograder Füllung auf Grund obliterierter Kanäle erfolgte. Nach WSR im September 2013 bestand fortwährend ein chronisch apikaler Abszess (Fistelbildung).

Derzeit bestehen keine Beschwerden auf Perkussion, kein Loslassschmerz und kein Aufbissschmerz. Auf Palpation vestibulär reagiert die Patientin empfindlich. Es sind keine erhöhten Sondierungstiefen über 3mm messbar, der Lockerungsgrad beträgt 0. Die Patientin wurde über die Möglichkeit der orthograden Revision aufgeklärt und beraten. Anbei die klinischen Bilder und ein Screenshot des angefertigten DVT.

 

Krake

Von Bonald Decker

Der Blick auf das präoperative Röntgenbild dieses alio loco „anbehandelten“ zweiten Unterkiefer-Molaren ließ für mich nichts „Gutes“ vermuten.

Unter anderem, weil sich mesial wie distal die Kanalverläufe in den unteren Abschnitten nicht bis apikal nachvollziehen liessen.

Intraoperativ zeigte sich dann für mich eine bis dato nie gesehene (oder sollte ich besser  sagen „nie erkannte“) Anatomie. Neben den beiden üblichen mesio-bukkalen und lingualen Kanalsystemen liessen sich jeweils eine weitere bukkale bzw. linguale „Ramifikation“ sondieren und instrumentieren.

Blick in Zugangskavität mit Fokus auf mesio-bukkal. Bei entsprechender Angulation fiel sehr weit bukkal eine sondierbare Ramifikation auf; die selbe Anatomie lag lingual vor

Während bei allen vier mesialen Kanalsystemen eine vollständige Gängigkeit vorlag war diese distal zu keiner Zeit für mich erzielbar…

Hier das Abschlussröntgenbild, dass die komplexe Anatomie dieses Zahnes verdeutlicht.

Abschlussröntgenbild eines 2. Unterkiefer-Molaren mit komplexer Anatomie

Prä-op vs. Post-op

 

 

Kleines Wunder?

Von Bonald Decker

Der Wunsch nach „Zahnerhalt mit allen Mitteln“ bei zum Teil hoffnungslosen Fällen wird von Patienten (und Zuweisern) regelmässig geäussert. Nachfolgend möchte ich Ihnen in dem heutigen Beitrag einen solchen Patientenfall vorstellen.

Im Sommer 2012 wurden wir gebeten eine Einschätzung zur Prognose eines Zahnes 12 vor geplanter kieferorthopädischer Behandlung abzugeben. Die damals 11-jährige „Besitzerin“ des Zahnes gab (im Beisein ihre Mutter) an, dass sie vor einigen Jahren einen Schulunfall erlitten habe. Hierdurch sei der kleine rechte obere Schneidezahn in Richtung Gaumen verschoben worden. Ferner habe das Zahnfleisch in dieser Gegend stärker geblutet.

Laut weiterer Anamnese sei der Zahn daraufhin von einem Zahnarzt wieder in Position gedrückt und für einige Zeit geschient worden. Eine weitere Therapie schloss sich nach Schienenentfernung nicht an. Im Zuge einer kieferorthopädischen Erstuntersuchung im Sommer 2012 sei dann aufgefallen, dass der beschriebene Zahn eine sehr kurze Wurzel aufweisen würde. Weitere Angaben liessen sich nicht erheben.

Alio loco angefertigtes OPG vor geplanter KFO-Behandlung

Anhand des alio loco angefertigten OPGs bestand der Verdacht, dass damals eine horizontale Wurzelfraktur vorlag, wobei sich die beiden Fragmente stark disloziert darstellten.

Bei unserer klinischen Untersuchung zeigte Zahn 12 einen Lockerungsgrad II bei unauffälligen Taschensondierungswerten. Die Sensibilitätstestungen waren nicht aussagekräftig. Dafür der radiologische Befund umso mehr:

Einzelzahn-Röntgenaufnahme Regio 12 bei Z.n. Frontzahntrauma mit nachfolgender Wurzelresorption

Radiologisch macht es den Anschein, dass die klinische Krone einzig von einem kleinen mesialen Wurzelanteil noch in situ „gehalten“ wird. Mit etwas „Phantasie“ erkennt man ferner noch die stark resorbierten apikalen Wurzelanteile.

Meine Empfehlung fiel damals daher eindeutig aus. Unter keinen Umständen sollte der Zahn kieferorthopädisch bewegt werden. Ferner machte ich Kind und Mutter wenig Hoffnung auf einen (langfristigen) Zahnerhalt.

Vorgestern stellte sich die junge Patientin gemeinsam mit ihrer Mutter erneut vor, um die Situation neu bewerten zu lassen. Ihrem eigenen Empfinden nach gab die nun 12-Jährige an, dass der Zahn (subjektiv) fester geworden sei und sie keine Einschränkungen in der täglichen Nutzung empfand.

Die klinischen Untersuchungsergebnisse unterschieden sich nicht signifikant von denen im Sommer 2012. Einzig der Zahnbeweglichkeit war nun Grad I(-II). Richtig erstaunt war ich dann beim Anblick des aktuellen Röntgenbildes:

Situation 9 Monate nach Erstuntersuchung

9 Monate nach unserer Erstuntersuchung scheint es, als wäre es zu einer Art knöchernen „Einwachsung“ in die klinische Krone gekommen. Klinisch und radiologisch gab es keine akuten Entzündungszeichen.

Für mich ein „kleines Wunder“ dessen Nachhaltigkeit ich nicht abschätzen kann. Aber mit jedem Monat oder Jahr, die dieser für mich zunächst schier hoffnungslose Zahn weiter problemlos und funktionstüchtig im Mund verbleiben kann, ist viel gewonnen.

Von dem Wunsch der jungen Patientin nach „perfekter“ kieferorthopädischer Einordnung des Zahnes in den Zahnbogen habe ich dennoch abgeraten. Man sollte sein Glück nicht herausfordern.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

Was zeigt das DVT ? (6) – Zahn 26 und 27 (I)

Von Bonald Decker

Die 62 Jahre alte Patientin Frau W.S. stellte sich erstmal im Mai 2012 bei ihrem Zahnarzt mit Beschwerden unklarer Genese Regio 26 und 27 vor. Sie berichtete über eine lokal begrenzte (moderate) Schmerzhaftigkeit in diesem Bereich. Die klinische Untersuchung (Perkussion, Sensibilitätstest etc.) ergab ausser einer erhöhten Taschensondierung wohl keine Besonderheiten. Radiologisch stellte sich die Situation wie folgt dar.

Was zeigt das DVT?

Die daraufhin laut Patientin durchgeführte Parodontaltherapie (Scaling and root planing) führte zu einer raschen Beseitigung der Beschwerden.

Im Sommer 2013 traten die vor gut einem Jahr beschriebenen Beschwerden erneut auf. Die wieder durchgeführten Untersuchungen ergaben keine aussergewöhnlichen Besonderheiten bei weiterhin positiver Reaktion der Zähne 26 und 27 auf Kältereiz.

Im Oktober 2013 kam es schliesslich zu einer akuten Exazerbation mit Ausbildung eines submukösem Abszesses in der Regio 26. Hier der radiologische Verlauf:

Was zeigt das DVT?

Was zeigt das DVT?

Die notwendige chirurgische Intervention (nach Anfertigung eines OPGs) im Sinne einer Inzision und Drainage der putriden Schwellung (in Kombination mit einer oralen Antibiotikagabe für 7 Tage) erfolgte in einer kieferchirurgischen Klinik. Weitere Behandlungsschritte erfolgten nicht.

Bei der von uns ein paar Tage später durchgeführten klinischen Untersuchung reagierten die Zähne 24,26 und 27 positiv auf Kältereiz. Zahn 25 zeigte keine Sensibilität. Die Zähne 26 und 27 wiesen einen Lockerungsgrad von II auf.

Die daraufhin angefertigte DVT-Aufnahme verdeutlichte einen ausgeprägten radiologischen Befund einer fast 20mm grossen Osteolyse, die sich über die Zähne 26 und 27 erstreckte. Als Nebenbefund war auch eine Radix relicta Regio 28 zu vermerken.

Bei der daraufhin durchgeführten endodontischen Therapie der Zähne 26 und 27 fand sich in beiden palatinalen Kanalsystemen vitales Gewebe, welches (ggf.) die positive Reaktion auf Kältereiz bei vorausgegangenen Untersuchungen erklären könnte.

Hier das Abschluss-Röntgenbild der Behandlung in insgesamt drei Terminen:

Was zeigt das DVT?

Ich bin froh, dass wir uns in diesem Fall für die weiterführende Diagnostik im Sinne eines DVTs entschieden haben. Der ausgeprägte Befund der Osteolyse endodontischen Ursprungs war mir in den bisherigen 2D-Röntgenaufnahmen verborgen geblieben…

Hätten Sie es gesehen?

P.S.: Wir halten Sie über das zukünftig durchgeführte Recall auf dem Laufenden.

Neustart (XIII) – Erste Hilfe – AED

Von Christoph Kaaden

Obgleich medizinische Notfälle in einer Zahnarztpraxis (zum Glück) sehr selten vorkommen muss man bestmöglich auf einen solchen eventuellen Zwischenfall vorbereitet sein. Neben einer Erste-Hilfe-Ausstattung sind regelmässig besuchte Notfall-Kurse (so wie z.B. beim Team-Day 2013 in Salzburg für die WS-Praxisteams) hierfür unabdingbar.

Insbesondere ein Kreislaufstillstand (Herz-Kreislauf-Stillstand) stellt einen der dramatischsten Zwischenfälle dar. Dieser unmittelbar lebensbedrohliche medizinische Notfall (ausgelöst durch z.B. Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen) erfordert umgehende Maßnahmen, wie insbesondere die Herz-Lungen-Wiederbelebung. In diesem Zusammenhang kann ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) helfen, die Überlebenschance der Betroffenen signifikant zu verbessern. Obgleich vom Gesetzgeber (bisher meines Wissens nach) für Zahnarztpraxen nicht zwingend gefordert, stellt dieser eine sehr sinnvolle Ergänzung zur praxisinternen Notfallausrüstung dar. Mit etwas Verspätung (weil eigentlich direkt zum Praxisstart als Inventar vorgesehen) habe ich mich in den letzten Wochen eingehender mit der Thematik beschäftigt, um ein für uns geeignetes Gerät auszuwählen.

Geholfen haben mir hierbei unter anderem folgende Internetseiten:

Auswahl eines geeigneten AEDs

AED Gebrauchsanweisungen

Meine Wahl fiel schliesslich auf einen LIFEPAK CR Plus Automatik, den wir nun gut sichtbar und zugänglich für Praxisteam und Patienten in der Praxis (mittels Wandhalterung) platzieren werden. Aufgrund von Empfehlungen und Ratschlägen einiger Notfallmediziner habe ich mich aktiv für einen „Vollautomaten“ entschieden. Dieser nimmt dem Anwender die „Entscheidungen“ bzw. das _aktive_ Auslösen des empfohlenen Schocks ab und hilft so, die Angst des (unerfahrenen) Ersthelfers vor Behandlungsfehlern zu reduziert.

Hier ein Schulungsvideo (leider nur auf Englisch verfügbar) zu diesem Gerät.

Auch wenn es gut zu wissen ist, dass wir so einen AED nun sofort verfügbar hätten, hoffe ich trotzdem sehr, dass dieser bei uns nie zur Anwendung kommen muss. Aber eines ist mir in den letzten Wochen leider wieder vor Augen geführt worden: Always „Be prepared“ bzw. „Allzeit bereit

Disclaimer: Es besteht beim Autor kein Interessenkonflikt in Form einer finanziellen oder persönlichen Beziehung zu Dritten, deren Interessen vom Beitragsinhalt positiv oder negativ betroffen sein könnten.

Immer gut… (II)

Von Bonald Decker

Letzte Woche habe ich hier den Fall einer Perforationsdeckung nach iatrogener Pulpakammerboden-Verletzung vorgestellt.

Hier der Fall bzw. die Perforationsdeckung noch in bewegten Bilder…

Immer gut…

Von Bonald Decker

Nicht zu findende „Kanäle“ stellt eine der Hauptgründe dar, warum Patienten an uns verwiesen werden. So auch im nachfolgenden Fall:

Mit der Aussage ihres Zahnarztes:

„Ich komme nicht weiter und finde nur zwei Kanäle. Wenn jemand die „Restlichen“ behandeln kann, dann ein Spezialist“

stellte sich die Patientin erstmals bei uns vor.

Nachfolgend die präoperative Röntgenaufnahme des Zahnes 36, die uns mit der Zuweisung der Patientin übermittelt wurde.

Präoperative Röntgenaufnahme (alio loco) Zahn 36

Aus der Vergangenheit haben wir (zum Teil „schmerzlich“) gelernt, dass es immer gut ist, vor Beginn der zugewiesenen Behandlung ein eigenes „präoperatives“ Röntgenbild zu machen…

diese „Regel“ sollte sich in diesem Fall bewähren.

Nachfolgend unsere präoperative Röntgenaufnahme (nach endodontischer Erstbehandlung inklusive Entfernung der Krone alio loco).

eigenes „präoperatives“ Röntgenbild Zahn 36

Anhand dieser Aufnahme bestand der „begründete“ Verdacht, dass es bei der endodontischen Erstbehandlung (möglicherweise) zu einer Perforation des Pulpakammerbodens gekommen war.

Diese radiologische Verdachtsdiagnose konnte klinisch (leider) bestätigt werden und bedeutete eine Modifikation des zunächst angedachten Behandlungsprotokolls.

intraoperativ verifizierte Pulpakammerboden-Perforation

Neben der chemo-mechanischen Aufbereitung erfolgte daher im ersten Behandlungstermin auch der Verschluss der Perforation mittels MTA.

Im zweiten Behandlungstermin konnte der Zahn dann bei Beschwerdefreiheit mittels Guttapercha & Sealer obturiert und mittels Komposit-Füllung verschlossen werden.

postoperative Röntgenaufnahme nach endodontischer Behandlung inklusive Perforationsdeckung an Zahn 36

Unser Fazit dieses Behandlungsfalles lautet daher:

Komplikationen einer zahnärztlich-endodontischen Behandlungen lassen sich nicht zu 100% Prozent vermeiden. Glücklicherweise erlauben aktuelle Therapieansätze ggf. auch solche Komplikationen vorhersagbar zu behandeln, um den Zahnerhalt zu ermöglichen. Es ist jedoch immer gut, wenn man vorab (anhand diagnostischer Massnahmen) möglichst wenige Überraschungen erlebt…