Hier berichtete ich erstmals über diesen Fall.
Zuletzt war die Patientin bereit, den Zahn 16 entfernen zu lassen, um endlich wieder beschwerdefrei zu sein. Die Beschwerden treten beim Essen auf und klingen erst nach einer Weile wieder ab.
Was tun?
- Anamnese prüfen:
Zunächst sollte die allgemeine Anamnese des Patienten nochmals kontrolliert werden. Traten Veränderungen ein, wie ungewöhnliche Stresssituationen, Ernährungsumstellungen etc.
Zudem sollten Veränderungen im Zahnbereich, wie neuer ZE oder Schiene, bekannt sein. - Okklusions- und Artikulationsprüfung.
Auch wenn diese bereits erfolgt sind, sind Veränderungen möglich. Meistens wurde dies unter Anästhesie kontrolliert und zuvor hatte der Patient lange Zeit den Mund geöffnet.Vodafone
Bei Schmerzsensationen, wie in diesem Fall, prüfe ich, ob ich einen Schmerzpunkt auf der Okklusionsoberfläche identifizieren kann.
( Funktionelle Untersuchungstechniken zu möglichen Strukturveränderungen zu erkennen sind wichtig. Einzigste mir bekannte Fortbildung dazu, die ich empfehlenswert finde, ist: https://www.westerburgerkontakte.de/seminare/fdt-2-a-und-b-manuelle-funktions-und-strukturdiagnostik-sowie-therapie-5063.html ) - Palpation im Vestibulum und ggf. Lineal oder Polatonal auf schmerzauslösende Bereiche oder spürbare Schwellungen.
Bei der Patientin war der schmerzauslösende Bereich auf dem palatinalen Höcker.
Die Palpation ergab keine schmerzhaften Punkte oder Schwellungen.
In der allgemeinen Anamnese war tatsächlich eine stressbedingte Veränderung eingetreten. Sie hatte ein Schlafdefizit, da ihre Tochter seit einigen Wochen krankheitsbedingt nicht mehr durchschlief.
Aus diesen Daten und dem klinischen Bild des massiven Biofilms in der palatinalen Wurzel war der Verdacht naheliegend, dass die Ursache im palatinalen Bereich liegt. Die geschwollene Kieferhöhlenschleimhaut war ein weiterer Hinweis. Laut HNO liegt es an einer mangelnden Belüftung.
Die Patientin war mit einem weiteren Versuch des Zahnerhaltes einverstanden. Wollte aber aus Kostengründen keine weiteren Behandlungstermine. Deshalb entstand eine Hopp-oder-topp-Situation.
In dieser nachfolgenden Behandlungssitzung habe ich palatinal bis #60 (Mtwo) aufbereitet, da der Spanraum bis #50 nur wenig bis kein Wurzeldentin zeigte. Das apikale Foramen war nach Modifizierung der Zugangskavität einsehbar und mit einem aufgebogenen Microdebrider konnte ich zudem einen Großteil des sichtbaren Sealers periapikal entfernen. Nach Desinfektion mit NaOCl 3 % und Debrisentfernung mit EDTA 17 % erfolgte der apikale Verschluss mit ProRoot MTA. Die Wurzelfüllung erfolgte thermisch vertikal mit Guttapercha und als Sealer wurde BC-Sealer Highflow verwendet.
Zum Recalltermin nach 6 Monaten erschien eine überglückliche Patientin, die seit dem letzten Behandlungstag vollkommen schmerzfrei war. In den letzten 6 Monaten hatte sie auch keine Sinusitis mehr.
Anbei die Röntgenbilder.
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.
