Die Behandlung dieses 14 stellte ein regelrechtes Vergnügen dar, bot er doch eine Vielzahl von zu überwindenden Schwierigkeiten.
Bei der alio loco aufgrund der tiefen distalen Karies initiierten Erstbehandlung war es zu einer Perforation der mesialen Zahnbegrenzung gekommen. Die Originalkanäle waren sehr stark obliteriert gewesen und weiterhin unbehandelt. Dennoch hat die Ledermixeinlage den Zahn klinisch beschwerdefrei gehalten. Immer wieder erstaunlich.
Der Behandlungsplan war nach Auswertung des DVT schnell erstellt.
Zunächst galt es die Originalkanäle darzustellen, um dann die Perforationsdeckung durchführen zu können. Das Versorgen der Perforation am Schluss der Behandlung -von renommierten Kollegen proklamiert – halte ich aus verschiedenen Gründen für nicht ratsam. Zum einen wird das NaOCl über die Perforation über ein sehr lange Zeit auf das umliegende Gewebe einwirken. Zum anderen besteht die Gefahr über die nicht verschlossene Perforation kontaminierten Debris in das umliegende Gewebe zu verbringen.Last but not least besteht das Risiko einer Bltung aus dem Perforationsbereich, die z.B. die Endometrie verfälschen oder das Abfüllen der Kanalsysteme erschweren kann.
Nach dem Versäubern der Perforationsränder und dem Entfernen des im Gewebe befindlichen Restes der medikamentösen Einlage war ein ausgedehnter knöcherner Defekt zu erkennen.
Das deshalb erstellte Kollagene Widerlager wurde über die größere der beiden Perforationen eingebracht. So konnte die kleinere und unregelmäßiger begrenzte Perforation klein belassen werden, da sich das Kollagen nach einigen eingebrachten Stückchen in die kleiner Perforation hineinbewegen ließ.
Der Verschluss selbst erfolgte mit grauem MTA Angelus. Die Wasserbeständigkeit wurde durch Aufbringen von Ultrablend und dem Überschichten desselben mit einem fließfähigem Komposit hergestellt. Nun konnten die stark obliterierten Kanalsystem dargestellt und chemo-mechanisch aufbereitet werden.
P mündete ca. 0,6 mm vor dem im 2D-Bild erkennbaren radiologischen Apex nach bukkal, sodass die Einprobe des Masterpoints ein wenig kurz erschien. Die Kontrolle nach WF gibt dann wieder ein schlüssiges Bild.
Der nachfolgend dokumentierte Behandlungsfall bildet den ganz normalen Alltag ab.
Bei der Initialbehandlung dieses 34 ging es laut Patient ab der Mitte der Wurzel irgendwie nicht weiter und es kam auch zu einer bei einer Pulpanekrose eher untypischen Blutung.
Erfährt man solche Details während der Erstberatung, liegt der Verdacht auf einen Prämolaren mit mehr als einem Kanalsystem nahe und auch eine Perforation sollte in Betracht gezogen werden.
Kurios an diesem Fall ist das Persistieren der zur Darstellung der ursprünglich vom später entfernten Zahn 35 ausgehenden Fistelung eingebrachten Guttaperchaspitze.
Meiner Empfehlung, diese doch im Rahmen der in Regio 35 geplanten implantologischen Versorgung zu entfernen, wurde ganz offensichtlich nicht gefolgt.
Vor knapp 2 Wochen hatte ich hier die Ausgangssituation geschildert und um Therapievorschläge und Empfehlungen für eine (etwaige) Behandlung geben.
Nachfolgend nun die Behandlungsdokumentation.
Wie schon im Kommentar geschrieben mochte der Patient der ursprünglichen Empfehlung der Zahnentfernung nicht folgen und wünschte einen Erhalt des 26, wenn technisch möglich.
Nach Entfernung der langzeitprovisorischen Brücke 23-25,26 erfolgte zunächst der dentinadhäsive zirkumferente Aufbau, um unter absoluter Trockenlegung arbeiten zu können.
Nach Entfernung des in DB vorhandenen Wurzelstiftes mit Hilfe des Thomas-Systems konnten anschliessend alle Kanaleingänge dargestellt werden. Im Anschluss ließ sich der die Perforation verursachende Stift mit Ultraschall entfernen. Soweit lief alles nach Plan.
Nun wurden die Perforationsränder gesäubert und die in der Funktion befindliche knöcherne Lakune drucklos mit NaOCl durchspült. Und dann löste sich der Kofferdam nebst Aufbau.
Da der Zahn auch ohne Kofferdam trocken zu legen und die Perforation gesäubert war, erfolgte das Anlegen des kollagenen Widerlagers und der Verschluss mit MTA in relativer Trockenlegung.
Anschliessend wurde das MTA mit Ultrablend abgedeckt, die gesamte Zahnhartsubstanz mit rotierenden Instrumenten angefrischt und ein „verstrebter“ Aufbau erstellt. Durch das Verstreben können auch Teile des Pulpakammerbodens zur Retention genutzt werden. Die Kanaleingänge wurden ausgespart und mit Schaumstoff und Cavit verschlossen. Nach Präparation des Zahnes wurde die Krone des 26 von dem dem vorhandenen PVabgetrennt, dasselbe rezementiert, an 26 eine temporäre Krone erstellt und mit RelyXUniCem befestigt.
Nun konnte nach erneuter Trepanation die chemo-mechanische Aufbereitung der Kanalsysteme erfolgen. Während MB1 in starker Krümmung nach distal verlief überraschte MB2 mit einem deutlich geringer gekrümmten Verlauf. Das Foramen mündet in einer ungewöhnlichen Einziehung der mesialen Wurzel, die im achsialen Schnitt imponiert.
Da die apikale Aufhellung an DB sehr gering war, wurde aus Zeitgründen auf das Entfernen der Guttapercha in DB verzichtet.
Nach medikamentöser Einlage mit CaOH2 wurde die Zugangskavität bis zur zweiten Behandlungssitzung adhäsiv verschlossen.
Nach erneuter Trepanation konnten in der zweiten Sitzung alle Kanalsysteme bis zum Foramen instrumentiert werden.
Die Obturation erfolgte mit BC Sealer. Nach dem ersten Recall in 6 Monaten soll der Ferrule mittels chirurgischer Kronenverlängerung hergestellt werden.
Ein Grenzfall der Zahnerhaltung, sicher. Nun wird die Zeit es zeigen.
Eine diplomatischere Bezeichnung für das in folgendem Behandlungsfall Vorgefundene ist mir nicht eingefallen.
Bereits das vom überweisenden Kollegen – die „Erstbehandlung“ war in einer weiteren Praxis erfolgt – zugeschickte Einzelbild ließ eine iatrogene Perforation nach mesial vermuten. Deutlich war der von der Zahnachse nach mesial abweichende Bohrschacht zu erkennen.
Unmittelbar nach Entfernung der medikamentösen Einlage kam es zu einer starken, hellroten Blutung, die erst nach intrakoronaler Anästhesie weitestgehend sistierte. In den kurzen blutungsfreien Intervallen konnte ich einen Blick auf eine kreisrunde Öffnung erhaschen, deren Lage mesial der gedachten Zahnmitte nicht dafür sprach, dass es sich um den palatinalen Kanaleingang handelte.
Anhand der Dentinfärbung und unter Nutzung der DVT-Bilder war der palatinale Kanal rasch gefunden und mittels rotierender Instrumente (Munce) initial erweitert.
Bei großen Perforationen bevorzuge ich, diese zeitnah zu verschliessen, um ein Verbringen potentiell kontaminierten Materials in dieselbe zu verhindern. Ausserdem besteht kein laterales Leakage, welches die Endometriemessung verfälschen könnte.
Da alio loco ein artifizieller Kanal in den knöchernen Halteapparat präpariert worden war, habe ich diesen zunächst mit einem kollagenen Widerlager gefüllt.
Nachfolgend konnte sowohl die Perforation des Pulpakammerbodens als auch die der mesialen pulpachsialen Wand mit MTA durchgeführt werden. Diffizil dabei einen ausreichend nach mesial wirkenden Druck auf die Seitenfläche des Pluggers aufzubringen. Inkrementweises Platzieren kleiner Plugs erleichtert das Verschliessen. Um den initial erweiterten Kanal nicht mit MTA zu verblocken, wurde in P eine Papierspitze Größe 25 platziert.
Nun mag man anmerken, dass es doch einfacher gewesen wäre, zunächst P final aufzubereiten, um dann den Eingang mittels Schaumstoff zu verschliessen. Ich habe dies bewusst vermieden, da dann der Rand des Orifiziums näher an den Rand der Perforation gerückt wäre.
Um das MTA vor den nachfolgenden Spüllösungen zu schützen – die Schichtstärke nach mesial ist klein und könnte ausgewaschen werden, zudem war ein einzeitiges Vorgehen geplant – habe ich das MTA mit Ultrablend und nachfolgend nach Dentinkonditionierung mit Scotchbond Universal mit einem Flow-Komposit abgedeckt.
Nun ging es daran, den im DVT koronal nur schwach und im weiteren Verlauf nicht mehr darstellbaren B zu suchen und aufzubereiten. Hierbei war die Dentinfarbe und die Symmetrie-Regel hilfreich. Ein Munce-Bohrer 1/4 half den stark obliterierten Eingang des B freizulegen. Es folgte die übliche Abfolge von rotierenden NiTi-Instrumenten (ProFile 15/04, 20/04 & 15/06 ) bis zum Erreichen des apikalen Endpunktes.
Interessant zu sehen, dass B deutlich vor dem radiologischen Apex endet. Zudem ein Paradebeispiel für den Nutzen von Vergrößerungshilfen.
Vorgestern habe ich zum ersten Mal seit mehr als 14 Jahren wieder eine Behandlung in ITN durchgeführt.
Der Patient hat einen derart ausgeprägten Würgereiz, dass an eine konventionelle Behandlung nicht zu denken war. Das präoperative Einzelbild war mit aufrechter Lagerung, konsequenter Nasenatmung und schwebendem Rayfix-Sensorhalter (Beycodent) gerade so machbar. Ein erster Behandlungstermin von 2,5h musste bereits während des Anlegens des Kofferdams abgebrochen werden. Die Alternative der Zahnentfernung (zumindest von Zahn 26) und der implantologischen Versorgung war angesichts der auch dort drohenden Probleme nicht gerade verlockend.
Im Vorfeld der des Termins waren meine Bedenken groß, ob das ganze Drumherum der Anästhesisten noch eine halbwegs normale endodontische Behandlung zulassen würde.
Mein Praxispartner Mario Müller hatte die Dienste von narko-mobilo schon einmal in Anspruch genommen und war höchst zufrieden.
Ich kann dies nur bestätigen. Kleines Equipment, kaum Platzbedarf, nasale Intubation, Kofferdam wie immer, Einzelbilder kein Problem. Einzige Änderung zu meinem üblichen Ablauf: ein Aufbisskeil.
So konnten die Zähne 25 und 26 in einer Sitzung behandelt werden. Periapikales Fremdmaterial aus 26 entfernt, Perforationsverschluss, Kollagen, MTA, Kompositabdeckung, Revision, 5 Kanalsysteme und ein tiefer Split im 25. Behandlungsdauer 3h45. 6-Hand-Technik.
Einziger Nachteil: der Anästhesist kam 30 Minuten zu spät und ich konnte erst mit einer Stunde Verzug beginnen.
Letzte Woche fragte ich an dieser Stelle nach der Mutter aller ????
Wer, den Satz zu Ende führend, mit „die Mutter aller Perforationen“ geantwortet hat, der lag richtig.
Betrachtet man hierzu die nachfolgenden Videos, wird man allerdings zugeben müssen, daß das Ausmaß der Hartsubstanzdestruktion am Zahnfilm-Röntgenbild nicht einmal annähernd abgeschätzt werden kann.
Die 45 jährige Patientin stellte sich auf Überweisung des Hauszahnarztes am 28.01.2015 zur Weiterbehandlung des im Notdienst an Heiligabend 2014 alio loco initial wurzelkanalbehandelten Zahnes 16 vor.
Der Zahn 16 war vor der endodontischen Initialbehandlung stark symptomatisch (Schmerzskala 8), nach der Behandlung liessen die Schmerzen für mehrere Tage nach (Schmerzskala 3), um dann wieder zuzunehmen. Bei Vorstellung in unserer Praxis war der Zahn schmerzfrei, die Patientin vermied es allerdings, auf dem Zahn zu beissen. Die PA-Messung an 6 Messpunkten ergab Taschentiefen von 2mm, der Zahn 16 war klopfempfindlich.
Erst nach Entfernung des provisorischen Füllungsmaterials offenbarte sich das ganze Ausmaß der Zerstörung, wenngleich das prätherapeutisch angefertigte DVT schon die Aussage zuliess, das die Prognose des Zahnes eher pessimistisch eingeschätzt werden muss. Vor Einführung der Tri-Silicate in die Zahnmedizin wäre sogar von vornherein ein solcher Zahn als zweifelos nicht erhaltungsfähig eingestuft worden.
Heute besteht zwar grundsätzlich eine nicht vorhersagbare Chance der Erhaltungsfähigkeit des Zahnes, dennoch ist angesichts der für die Wiederherstellung des Zahnes aufzuwendenden Kosten und des nicht vorhersagbaren Risikos des Zahnverlustes der Extraktion mit nachfolgender Implantation oder Brückenversorgung der Vorzug gegenüber heldenhaftem Bemühen zum Zahnerhalt zu geben.
Die Patientin fragte allerdings nach dieser Empfehlung zur Extraktion, ob es denn gar keine Möglichkeit des Zahnerhaltes gäbe. Sie wolle sich den Zahn nur ziehen lassen, wenn alle Möglichkeiten des Zahnerhaltes ausgeschöpft seien.
Ehrlicherweise muss man an dieser Stelle, angesichts der Möglichkeiten, die uns Materialien wie MTA und Biodentine an die Hand geben, die Frage in den Raum stellen, was man verlieren könne in einer solchen, scheinbar hoffnungslosen Situation, wenn man einen ultimativen Erhaltungsversuch unternähme, sofern wie in diesem Falle die Patientin dies unbedingt wünscht und bereit ist, das Risiko des Zahnverlustes aller Rettungsbemühungen zum Trotz einzugehen.
Am 05. 02.2015 erfolgt die Versorgung des Zahnes 16 mit einer dentinadhäsiven Composite- Restauration. Am Tag darauf die Trepanation, die klinisch dann das ganze Ausmaß der Perforation offenbart.
Es erfolgt die Deckung des rund 22 Quadratmillimeter großen Perforationsdefektes mittels Biodentine. Die Möglichkeit, einzeitig nach Wartezeit von ca. 15 Minuten post Applikation mit der Behandlung weitermachen zu können, ist insbesondere bei wie im vorliegenden Fall nicht ortsansässigen Patienten ein großer Vorteil. Die Perforation ragte in den Bereich des mesiobukkopalatinalen Kanals hinein. Die Notwendigkeit, den Defekt decken zu müssen, gleichzeitig jedoch die Penetration und Erweiterung des Kanals sicherzustellen, ohne die Perforationsdeckung wieder zu kompromittieren oder gar zunichte zu machen, stellte eine weitere große Herausforderung dar.
WF-Kontrolle 05.05.2015
Letztendlich gelang die Wurzelkanalbehandlung in weiteren Sitzungen am 16.02.2015, 24.04.2015 und 05.05.32015 unter Berücksichtigung der vorliegenden extrem schwierigen Ausnahmesituation reibungslos. Die bis nach apikal getrennt voneinander verlaufenden sehr engen Wurzelkanäle in der mesiobukkalen Wurzel sowie der distobukkale Kanal werden bis zu 35.06 aufbereitet, der palatinale Kanal bis 60.04.
WF-Kontrolle 20.11.2015
WF-Kontrolle 19.05.2016
Es erfolgten Nachkontrollen am 20.11.2015 und 19. Mai 2016. Der Zahn 16 war in all der Zeit vollkommen unauffällig bei im Röntgenbild stabiler Knochensituation und Taschentiefen von circulär weniger als 3 mm, weshalb 12 Monate post WF eine Empfehlung zur Kronenversorgung des Zahnes durch den Hauszahnarzt gegeben und das Recallintervall auf 12 Monate hochgesetzt wird.
Am 20.10. 2016 sucht die Patientin wegen einer unklaren Schmerzproblematik im rechten Oberkiefer überraschend zur ausserplanmäßige Kontrolle unsere Praxis auf. Die vorhandene klinische Symptomatik (starke Heiß Kalt-Empfindlichkeit vor einigen Tagen, jetzt nachlassend) deutet eher nicht auf den Zahn 16 als Schmerzauslöser hin.
WF-Kontrolle 20.10..2016
Klinische Kontrolle, Röntgenbefund und PA – Befund des Zahnes 16 sind weiterhin unauffällig.
… der Erhaltungsfähigkeit; so habe ich dem 30-jährigen Patienten die Situation an diesem oberen mittleren Schneidezahn beschrieben.
Nach alio loco innerhalb von 4 Jahren zweimalig durchgeführter orthograder Revision war der Zahn weiterhin nicht beschwerdefrei. Nach der letzten Intervention imponierte zudem eine mesial von 11 gelegene Fistelung. Der Zahn wies physiologische Sondierungstiefen, jedoch eine deutliche palpatorische Druckdolenz, sowie eine axiale und laterale Perkussionsempfindlichkeit auf.
Bereits das präoperative Röntgenbild liess den Betrachter staunen.
Die weite der apikalen Präparation war auffällig groß, ebenfalls die Achsenausrichtung der Wurzelfüllung/Stiftlokalisation im koronalen Drittel. Diese korrelierte zudem mit der mesial zu erkennenden lateralen Aufhellung. Zudem schien das periapikal gelegene Fremdmaterial in seinem Aussehen einer um 180 Grad gedrehten Guttaperchaspitze zu ähneln.
Das DVT brachte Licht ins Dunkel. Neben einer ausgedehnten periapikalen Lyse, an deren Randbereich das zuvor beschriebene Fremdmaterial lag, konnte die, vermutlich durch eine Stiftpräparation verursachte mesiopalatinal gelegene Perforation erkannt werden.
Nach ausführlicher Aufklärung über Risiken und Chancen einer Behandlung, entschied sich der Patient gegen die vom Behandeler favorisierte implantologische Versorgung und für eine Versuch der Zahnerhaltung.
Die Behandlung erfolgte zweizeitig. In der ersten Sitzung konnten zunächst drei adhäsiv befestigte Glasfaserstifte entfernt werden. Neben den zwei, mehr oder weniger in Achsenrichtung gesetzten Stiften, gab es einen dritten, der palatinal infraossär im Parodont endete.
Guttapercha war so gut wie nicht mehr vorhanden, der Zahn war bis zum Foramen mit einer Mischung aus Glasfaserstift und mittlerweile deutlich kontaminierten Komposit „gefüllt“. Daher dauerte die Entfernung der „Obturationsmassen“ auch deutlich länger, als zunächst angenommen. Nach medikamentöser Einlage mit CaOH2 stellte sich der Patient zwei Wochen erneut vor. Die klinische Symptomatik war vollständig abgeklungen. Daher wurde nach Erstellung von je einem apikal und einem lateral gelegenen kollagenen Widerlegt der Zahn mit MTA obturiert und adhäsiv verschlossen.
Trotz intensivem „Suchen“ mittels vorgebogenem Microopener gelang es leider nicht, das periapikal gelegene Fremdmaterial nach orthograd zu entfernen. Da sich im DVT keine, das Fremdmaterial umgebende Lyse zeigte, wurde das Material daraufhin belassen. Der Patient wurde informiert, dass im Falle einer Persistenz der periapikalen Lyse ein chirurgische Vorgehen zur Materialentfernung notwendig ist.
Ob der Zahn angesichts des bereits erlittenen Substanzverlustes auch noch in 20 Jahren in Funktion stehen wird ist fraglich. Sollte jedoch eine primäre Ausheilung der periapikalen Pathologien erfolgen, so sind die Vorraussetzungen für eine komplikationsarme Implantation deutlich verbessert worden.
Wie eigentlich nicht anders zu erwarten stellt sich der Zahn nach Wurzelkanalfüllung im Einzelzahn-Röntgenbild recht „unspektakulär“ dar.
post op Röntgenaufnahme
prä op vs. post op
Ich hoffe auf eine 3D-Nachuntersuchung in 6 (-12) Monaten, um besser beurteilen zu können, inwieweit wir der Anatomie und dem bakteriellen Problem gerecht werden konnten…
Fast auf den Tag genau 7 Jahre post WF (die Wurzelkanalfüllung war am 14.05.2008) stellte sich Ende letzter Woche der Patient zur Kontrolle seines „Sauerbruch“ – Zahnes 21 bei uns vor.
Ich hatte erstmalig hier darüber berichtet.
Das war 2009.
Sauerbruch- Zahn.
So nenne ich Zähne, die sich intraoperativ als infaust oder irreparabel präsentieren, allerdings dies aber erst zu einem Zeitpunkt offenbaren, da schon viel zu viel Zeit investiert wurde, um jetzt einfach resignierend aufzugeben, die Behandlung abzubrechen und den Zahn zu extrahieren.
Der „alte“ Sauerbruch, so steht es in seinen Memoiren („Sauerbruch – Das war mein Leben“) hatte während einer Operation angesichts einer scheinbar ausweglosen Situation ausgerufen: „Dieser Patient verstirbt mir nicht auf dem Tisch !“ und die Operation fortgesetzt. So war es letztendlich dem ausgeprägt großen Ego des Professors zu verdanken, dass der Patient wider Erwarten überlebte und kurze Zeit später als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.
Die Zeiten der „unfehlbaren“ Medizin- Titanen a la Sauerbruch sind lange vorbei.
Und im vorliegenden Fall ging es nicht um egomane Professoren-Psychen.
Sondern ganz pragmatisch nach Entdecken der palatinalen Resorption darum, angesichts der bereits investierten Anstrengungen und der reichlich verstrichenen Behandlungszeit den Fall zum Abschluss zu bringen, um ihm so überhaupt eine Chance geben zu können.
Wenn man dies tut, stellt man wie im vorliegenden Falle fest, das auch hoffnungslose Zähne „funktionieren“ können.
Gut sogar.
Die vorhandene Fistel verschwindet.
Mit ihr die über ein Jahrzehnt sporadisch wiederkehrenden Beschwerden.
Die laterale Aufhellung bildet sich zurück.
Klinische Situation 7 Jahre post WF
Zwischenzeitlich wurden Zahn 21 und (obwohl ich vehement davon abgeraten habe) der Zahn 11 vom Hauszahnarzt überkront. Die PA- Situation ist stabil. Mesiopalatinal eine Tasche von 4 mm, palatinal und distopalatinal 3 mm, vestibulär jeweils an Zahn 21 2 mm. Der Zahn weist Lockerungsgrad wie auch Zahn 11 Lockerungsgrad 1 auf.
Im Moment spricht nichts dagegen, dass der Zahn 21 nicht auch noch ein paar Jahre im Mund verbleiben kann.
Und wer sich das Wirken Sauerbruchs in der 1954 von Bavaria- Film auf die Kinoleinwand gebrachten Sauerbruch – Biographie einmal in Bewegtbildern anschauen möchte, der wird auf der Website Archive.org fündig. Dort stehen tausende Filme bereit – nicht nur Spielfilme, sondern auch Werbespots, Interviews oder Weiterbildungsfilme. Sie können kostenlos direkt im Browser angesehen oder heruntergeladen werden – sogar im DivX-Format, das bei hoher Komprimierung noch relativ gute Bildqualität liefern kann.
Das Angebot ist legal: Das Copyright der Filme ist abgelaufen oder von den Firmen freigegeben worden.
Heute ein kurzes Update zu dem damals vorgestellten Fall IV.
Der Zahn konnte letzte Woche nach insgesamt drei Behandlungsterminen zu Ende behandelt werden. Der Verschluss der Perforation erfolgte mit MTA, das tatsächliche Kanalsystem wurde nach chemo-mechanischer Reinigung „klassisch“ mit erwärmter Guttapercha und Sealer gefüllt. Den vorläufigen Abschluss der Behandlung stellte eine tief intrakoronal verankerte Kompostfüllung dar.
Zustand nach Wurzelkanalbehandlung Zahn 23 mit MTA-Perforationsdeckung.
Das von mir bereits herbeigesehnte Recall nach sechs Monaten werde ich Ihnen dann (mit hoffentlich erfreulichem Heilungsergebnis) vorstellen. Bis dahin heisst es sich in Geduld zu üben… aber ich bin guter Dinge für Zahn und Patientin.
Wie schrieb Christoph Kaaden letzte Woche – die nächste Welle (an Perforationen) rollt an. Genau zu diesem Zeitpunkt saß eine Patientin bei uns auf dem Stuhl mit der wohl größten Perforation, die jemals den Weg in unsere Praxis gefunden hat. Und ich muss gestehen, dass – obwohl ich ein großer Fan des (Original) MTA bin, ich in solchen Fällen – also bei größeren Perforationen am Pulpakammerboden – froh bin, stattdessen auf Biodentine der Firma Septodont zurückgreifen zu können. Weil – es sich (zumindest an besagter Lokalisation) besser verarbeiten lässt. Nämlich in etwa so, wie wir es von einem Zinkoxid-Eugenol – Zement her gewohnt sind. Am Anfang sehr knatschig- pastig-plastisch, aber noch gut positionierbar und vorsichtig stopfbar, ist das Material nach ca. 15 Minuten soweit ausgehärtet, das man es mit Bohrern bearbeiten, in Form bringen, Überschüsse entfernen kann oder aber – sofern es sich punktgenau platzieren ließ, man nach besagter Viertelstunde direkt mit der Wurzelkanalbehandlung weitermachen kann.
Biodentine besteht aus einem Pulver und einer Flüssigkeit. Das Pulver enthält hauptsäch- lich Tri- und Dikalziumsilikat, die Hauptbestandteile von Portlandzement, sowie Kalziumcarbonat. Als Kontrastmittel dient Zirkondioxid. Die Flüssigkeit ist eine wässrige Lösung von Kalziumchlorid, der ein Polycarboxylat zufügt wurde. Bei der Abbindung des Zements entsteht Kalziumhydroxid.
Das Material kommt in Kapselform, 5 Tropfen aus dem beiliegenden Dispenser werden zugegeben, dann das Ganze im „Amalgam“- Kapselmischer 30 Sekunden lang gemischt. Die entstandene teigige weiße Masse wird mit kleinen Plastikspateln entnommen und von mir mit dem vom MTA bekannten „Lee“- Carver platziert, danach mit den großen „Dovgan“- Pluggern kompaktiert. Dann heißt es warten, 15 Minuten sind nach meiner Erfahrung das Minimum, das man zur Bearbeitung mit Bohrern/Diamanten vergehen lassen sollte, auch wenn der Hersteller optimistisch kürzere Wartezeiten benennt. Nicht jede Mischung gelingt im Übrigen trotz Kapselmischer. Immer mal wieder erhält man eine krümelige Konsistenz, die man verwerfen sollte. Ein Umstand, den man angesichts des im Vergleich zum MTA deutlich geringeren Preises gut oder zumindest wesentlich besser ertragen kann. Blieben noch die Langzeitergebnisse. Nicht ohne Grund halte ich eisern am „Original“ Pro Root MTA fest, arbeite ich doch mit sehr guten Ergebnissen seit 2000 mit diesem Material (kleine Kuriosität am Rande – die erste Fuhre bekam ich in einem zu drei Vierteln gefüllten Filmdöschen, Material und Preis waren damals unbekannt. Die angelieferte Menge hätte mein für gesamtes weiteres Berufsleben gereicht, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass für das Material solch hohe Grammpreise aufgerufen werden würden und – einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul – dementsprechend großzügig bin ich beim Anmischen damit umgegangen). Weit über 1000 Studien zu MTA sind ein gewichtiges Argument, für Biodentine gibt es nichts auch nur annähernd Vergleichbares, was man in die Waagschale werfen könnte.
Ich beschränke also den Einsatz gegenwärtig auf die klinischen Situationen, in denen MTA eindeutig verarbeitungstechnische Nachteile aufweist, die für Erfolg oder Misserfolg entscheidend sein könnten und habe in diesen Fällen bislang mit Biodentine sehr gute Erfahrungen gemacht.
Disclaimer: Die Firma Septodont hat zum Ausprobieren des Materials eine Packung mit 15 Kapseln Biodentine kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der erste Teil der endodontischen Behandlung dieses 16 wurde hier letzte Woche im Video vorgestellt.
In einer zweiten Behandlungssitzung erfolgte dann die chemo-mechanische Aufbereitung der vier Kanalsysteme.
MB1 und MB2 kommunizierten nicht und zeigten getrennte Foramina. Der distobukkale Kanal wies auf den apikalen 1,5 bis 2 mm eine sehr abrupte Krümmung nach bukkal auf, die sich bei der Messaufnahme zunächst eher unspektakulär darstellte. Nach der Erweiterung auf 20/04 halfen Hyflex-Feilen den für die Warmfülltechnik erforderlichen Taper zu gestalten.
Der Verdacht einer iatrogenen Perforation ergab sich bereits aus dem präoperativem Röntgenbild. Irgendwie liess sich die im Bereich der Funktion gelegene Guttaperchaspitze nicht so recht mit der Längsachse einer der vorhandenen Wurzel in Einklang bringen.
Zunächst erfolgte die vorsichtige Freilegung der Guttapercha. Diese konnte anschliessend unter Zuhilfenahme eines kleinen Greifinstrumentes in toto aus dem Knochen entfernt werden. Nach sonoabrasiver Präparation der Perforationsränder wurde der Pulpakammerboden nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA „instandgesetzt“ und mittels Flow-Komposite verstärkt.
Der heutige Fall ist ein Beispiel einer sehr gut gelungenen Weiterbehandlung nach endodontischer Therapie.
Die Patientin wollte unbedingt den Zahnerhalt. Trotz unserer kritischen Betrachtung sollte der Erhalt versucht werden. Eine Implantatversorgung kam für die Patientin nicht in Betracht. Seit 9 Monaten hat sie Beschwerden und mehrere Versuche in verschiedenen Praxen führten zu keiner Besserung. Es sind zirkulär erhöhte Sondierungstiefen messbar. Lockerungsgrad 0. Die Sensibilität ist fraglich. Die Perkusssion lateral und horizontal ist unangehem aber nicht extrem schmerzhaft.
Wo sahen wir die Probleme?
Die Wurzelkaries distal. Die Sondierungstiefen von 10 mm an beiden distalen Messpunkten. Mesial 5mm, palatinal 4mm und bukkal 2.
Der präendodontische Aufbau an distal stark zerstörten endständigen Zähnen ist unter Kofferdam nicht immer möglich. In diesem Fall gelang und dies ganz gut unter Verwendung einer Ivory Matrize. Nach Gestaltung der Zugangskavität zeigte sich eine zentrale Perforation des Pulpenbodens. Die Perforation wurde nach vorheriger Desinfektion mit ProRoot MTA verschlossen. Anschließend wurde die Patientin über das weitere, bis dahin nicht bekannte Problem informiert. Nach einer Bedenkzeit von einigen Tagen wurde durch die Patientin eine Weiterbehandlung gewünscht. Die abschließende Aufbereitung und Füllung des Kanalsystems erfolgte in einer weiteren Sitzung.
Nach dem ersten Recallbild zeigte sich eine sehr gute prothetische Versorgung, welche uns optimistischer in die Zukunft blicken lässt.
Die Entfernung aller Obturationsmaterialien ist normalerweise eine conditio sine qua non bei allen in unserer Praxis durchgeführten Revisionsbehandlungen. In vorliegendem Fall einer die palatinale Wurzel perforierenden Resorption wurde dieses Grundprinzip aus technischen Gründen verlassen.
Zahn 24 zeigt bereits im präoperativen Bild eine im mittleren Wurzeldrittel der palatinalen Wurzel gelegene, scharf abgegrenzte ovale Osteolyse.
Nach Entfernung der im koronalen Drittel gelegenen Wurzelfüllmassen kam es zu einer stetigen Blutung aus dem Kanaleingang. Nach großvolumiger Irrigation mit erwärmtem NaOCl und zusätzlicher Anästhesie konntdie Blutung weitestgehend gestoppt werden. Anschliessend konnte die gesamte Ausdehnung der die Wurzel perforierenden Resorption visualisiert werden. Nach Ultrschallpräparation der Perforationsränder erfolgte die Einlage von CaOH2 und der dentinadhäsive Verschluss.
8 Wochen später kam es nach Wiedereröffnung der Kanäle nur noch zu einer geringen Blutung aus dem Resorptionbereich. Bei der Überlegung ob es möglich sein wird, den apikal vorhandenen Rest der Guttapercha zu entfernen, überwog die Gefahr dass es unter Umständen aufgrund nachlassender Hämostase im Resorptionsbereich zu einer Einblutung in das apikale Wurzeldrittel kommen könnte. Die Guttapercha schien im Mikroskop wandständig zu sein und wurde bis ca. 1 mm unter den Perforatiosnrand eingekürzt.
Anschliessend erfolgte der Perforationsverschluss mittels MTA. Daraufhin wurde der Guttapercharest aus B vollständig entfernt und nach Erzielung von Patency das bukkale Kanalsystem in Warmfülltechnik obturiert.
Regelmässige radiologische Kontrollen werden zeigen, ob das Belassen des apikalen Wurzelfüllmaterials die richtige Entscheidung war.
Es vergeht kaum einmal ein Tag in unserer Praxis, an dem wir kein MTA verwenden (müssen).
Die Anwendungsbereiche sind dabei mannigfaltig. Von der (bei uns sehr selten durchgeführten) direkten Pulpaüberkappung über Apexifikationen, Perforationsdeckungen bis hin zur Revitalisierungstherapien.
MTA Anwendung Perforationsdeckung
MTA Apexifikation
Revitalisierungstherapie
Insbesondere bei der Perforationsdeckung sowie Apexifikationen stellt sich dabei ggf. die Frage nach einem notwendigen (resorbierbaren) Widerlager. Dessen Verwendung soll helfen eine Materialextrusion zu Vermeidung. Hierfür kommen primär (xenogenes) Kollagen oder Kalzium-Sulfat in Frage.
Laut Torabinejad et al. (1995) verschlechtert eine Material-Extrusion von MTA dessen Abdichtungseigenschaften nicht signifikant und erlaubt trotzdem eine Zementogenese. Unter anderem aus diesen Gründen verzichten wir zumeist auf ein Widerlager.
Anbei unser jüngster Recall-Fall, bei dem ich unabsichtlich etwas MTA über den offenen Apex verbracht habe.
Die Studienergebnisse von Torabinejad et al. scheinen sich hier auch klinisch/radiologisch zu bestätigen und wir werden weiterhin nur sehr selektiv ein Widerlager verwenden…
In nachfolgend gezeigtem Behandlungsfall galt es vor der vom Überweiser geplanten prothetischen Neuversorgung mehrere Hürden zu nehmen.
Bereits das präoperativ angefertigte Röntgenbild lässt erahnen, dass neben der inhomogenen Wurzelfüllung auch eine iatrogene Perforation zu versorgen ist.
Nach Entfernung der Langzeitprovisorien und absoluter Trockenlegung wurde zunächst der vorhandene gegossene Stiftaufbau mittels rotierender Instrumente soweit reduziert, dass eine Visualisierung des Zementspaltes möglich war. Dieser wurde anschliessend unter Verwendung feiner Ultraschallfeilen (Endosonore) desintegriert. Nach weiterem Einwirken mittels Ultraschall konnte der gegossene Stiftaufbau problemlos entfernt werden.
Mesial zeigte sich eine deutlich kontaminierte Perforation. Nach intensiver Irrigation und Reduktion des eingedrungenen Weichgewebes konnte die supraossäre Perforation mittels hochviskösem Flow-Komposit vorhersagbar verschlossen werden. Unmittelbar benachbart fanden sich weiter Spuren zahnärztlicher Tätigkeit. Eine in das Dentin eingebolzte Exstirpationsnadel sowie ein weiterer „Perforationsversuch“.
Nach Entfernung der inhomogenen Wurzelfüllung und chemomechanischer Aufbereitung wurde der Wurzelkanal obturiert und der Zahn dentinadhäsiv aufgebaut.
Bemerkenswert war, dass das ansonsten sehr verlässlich arbeitende Endometriegerät Dentaport ZX in diesem Fall eine Überinstrumentierung mit einer 15/04 nicht korrekt anzeigte. Nach Korrektur anhand der Längenmessfunktion der Röntgensoftware zeigten die dann auf die „neue“ Arbeitslänge eingebrachten Instrumente verlässliche Endometrie-Ergebnissen.
Erstaunlich wie viele Komplikationen in einem doch im Allgemeinen als „einfach“ bezeichneten oberen Eckzahn zu „realisieren“ sind.
Dieser stark kompromittierte Zahn 33 hat bis zur implantologischen Versorgung des linken Unterkiefers als Pfeiler einer Interimsversorgung eine temporäre strategische Bedeutung.
Die isolierte Sondierungstiefe mesiobukkal von 8 mm sowie die nicht zahnachsengerechte Lage des Glasfaserstiftes liess eine Stiftperforation wahrscheinlich erscheinen.
Nach chirurgischer Freilegung der bukkalen Wurzelanteile imponierte jedoch zunächst weiter koronal eine zusätzliche, mit Zement nur unvollständig ausgefüllte Perforation.
Nach ausreichender Hämostase konnte diese Perforation zunächst dentinadhäsiv verschlossen werden. Der im Parodont „verankerte“ Glasfaserstift wurde unter dem Mikroskop mittels eines feinen flammenförmigen Diamanten gekürzt. In einer zweiten Sitzung erfolgt nun die Revision der unvollständigen Wurzelfüllung.
Für den Verschluss supraossärer Perforationen hat sich in unserer Praxis die in nachfolgendem Behandlungsfall gezeigte Technik bewährt.
Die Überweisung des Patienten erfolgte nach einer iatrogenen Perforation die sich bei der Suche nach dem Orificium des distobukkalen Kanalsystems ereignete.
Nach Reduktion der undichten Restauration und präendodontischem Aufbau wurde zunächst der Pulpakammerboden versäubert. Das in die Perforation eingedrungene Weichgewebe wurde elektrochirurgisch reduziert. Wichtig dabei ist, dass die Reduktion so weit erfolgt, dass das Gewebe an der Aussenfläche der Perforation keinen Kontakt zu den Perforationsrändern hat. Nur so kann ein Eindringen von Blut und Gewebsflüssigkeit über Kapillarkräfte verhindert und ein trockenes Arbeitsfeld gewährleistet werden. Zudem ist zu empfehlen die die Perforation umgebenden Weichgewebe mit einem Anästhetikum mit Adrenalinzusatz 1:100 00 zu anästhesieren um eine optimale Hämostase zu erreichen.
Nach ultraschallunterstützter Reinigung der Perforationsränder wird nach Konditionierung der Defektränder die Perforation mit einem hochviskösen Flow-Komposit (Estelite Lowflow, Tokuyama) in mehreren Schritten adhäsiv verschlossen. Nach initialer Darstellung des distobukkalen Kanaleinganges wurde auch die benachbarte Beinahe-Perforation mittels Flow-Komposit verschlossen.
Das beschriebene Verfahren ermöglicht, ausreichende Hämostase vorausgesetzt, einen vorhersagbaren adhäsiven Verschluss supraossärer Perforationen.
Diesen Montag nun der zweite Teil.
Nach erneutem Zugang wurde mittel Ultraschall das Calciumhydroxid entfernt, die Aufbereitung verifiziert, die Kanäle mb, mb2 und db wurden weiter aufbereitet bis 40/06, p blieb bei ISO 80.
Nach nochmaliger Desinfektion und Masterpoint folgte die WF warm vertikal in mb, mb2 und db. Der Isthmus zwischen mb und mb2 konnte nach chemischer Aufbereitung und Säuberung gefüllt werden.
Der palatinale Kanal wurde wegen der notwendigen großen Aufbereitung mit ProRoot MTA grau gefüllt. Auf ein kollagenes Widerlager wurde verzichtet. Der Rest des Kanals wurde mit warmer GP gefüllt.
Nach der groben Versäuberung der Kanaleingänge mit Alkohol und Microbrush wurden die WFs mit einem überlangen Rosenbohrer zurückgebohrt, so dass ein sauberer adhäsiver Verschluss mit Venus Baseliner (weiss) gewährleistet werden kann. Besonders im Bereich der interradikulären Perforationsdeckung wurde darauf geachtet, dass die WF unterhalb der Füllungsgrenze zu liegen kommt um eine bessere Abdichtung zu erreichen.
Vor dem adhäsiven Verschluss wurde gesamt Kavität mittels Microbrush und Ätzgel gesäubert und konditioniert.
Die Röntgenkontrolle zeigt p und mb passende Längen, während db etwas zu lange erscheint.
Wenn der Zahn die nächsten vier Wochen beschwerdefrei bleibt, wird er mit einem laborgefertigtem Langzeitprovisorium versorgt.
Beim ersten Blick auf das nachfolgende Röntgenbild stelle sich mir sofort die Frage, warum das WF-Material nur bis in das mittlere Wurzeldrittel reicht…
gilt ein Oberkiefer-Frontzahn doch langläufig als endodontisch (vermeintlich) einfach zu behandelnder Zahn…
auf des „Rätsels Lösung“ kam ich erst, nachdem wir das bestehende WF-Material entfernt hatten…bei der damals (vor ca. 9 Jahren) durchgeführten Trepanation des Zahnes wurde das tatsächliche Wurzelkanalsystem „verpasst“ und bei der „Kanalsuche“ ein tiefreichender iatrogener „Schacht“ präpariert. Da dieser quasi parallel zu dem eigentlichen Kanalverlauf angelegt wurde, stellte sich das 2D-Röntgenbild für mich trügerisch dar…
Hier noch ein paar weitere Informationen zu dem Fall sowie der bisher durchgeführten & geplanten Behandlung….
Anamnese:
Z.n. „Wurzelkanalbehandlung vor ca. 9 Jahren; damalige Diagnose nicht mehr nachvollziehbar; bis vor ca. 7 Tagen schmerzfrei; dann Schmerzen und submuköse Schwellung; Notfallbehandlung und Medikation (Antibiotika-Gabe) durch überweisenden Kollegen;
Unsere Therapie: Anästhesie, Trepanation, Revision, Darstellung des Kanalsystems, endometrische Längenmessung (unproblematisch, da Perforation weiter apikal lag), Präparation bis apikalen Durchmesser von 60.04; med. Einlage Ca(OH)2,Perforationsdeckung mit MTA Angelus, prov. Verschluss (Cavit & Ketac Molar)
Weiteres Procedere: Kontrolle des MTA auf Aushärtung; WF des Kanalsystems mit Guttapercha & Sealer, Verschluss der Zugangskavität mit Komposit; Nachkontrolle in 6 Monaten
Vorläufige Prognose: Gut; die Perforation liegt sehr weit apikal, was sich als günstig erweisen sollte
Teil II der Behandlung dann demnächst hier bei Wurzelspitze…
P.S: Dokumentation: Zeiss Pro Ergo mit Canon Legria am JS Adapter
Freitag Mittag erwischte mich gerade noch der Verkaufsrepräsentant der Fa. MDS in der Praxis, neben vielen kleinen Dingen, die das Leben des Zahnarztes leichter machen sollen war auch „Biodentine“ von Septodont.
Biodentine soll ein Dentinersatzmaterial sein, und zwar in jeder hinsicht. Also wo Dentin am Zahn fehlt, kann es mit Biodentine wieder ersetzt werden.
Laut Hersteller ist es geeignet für:
Unterfüllungen
Cp
Dentinrekonstruktion vor Inlay- /Onlayversorgung
direkte Überkappung bei freiliegender Pulpa
Verschluss von Perforationen
Momentan ist es so, dass da nichts dabei wäre, was man nicht schon Versorgen könnte.
Unterfüllungen werden seit der Adhäsivtechnik sowieso immer weniger
Tiefe Stellen werden mit Calciumhydroxid versorgt
Dentinrekonstruktion vor adhäsiver Inlay- /Onlayversorgung ist jetzt nicht in jedem Fall notwendig, reduziert auch nur unnötig die Fläche für den adhäsiven Verbund
Deckung offener Pulpen und Perforationen gelingt mit MTA zuverlässig. Wenn auch bei der Perforationsdeckung etwas Übung erforderlich ist.
Kosten:
Der Preis liegt momentan bei ca. 10,- pro Anwendung.
Das ist stolzer Preis, wenn man das Material für Cp/Unterfüllung verwendet, er relativiert sich allerdings, wenn man in den Bereich der Anwendung des MTA kommt – vorausgesetzt man mischt immer eine komplette Packung MTA an.
In der Broschüre wird die Versorgung der Eröffneten Pulpa als Einsatzgebiet von Biodentine dargestellt, er wird aber nicht erwähnt, wie die Behandlung vor dem Auftragen Dentinersatzes aussehen soll.
Muss die Kavität mit der offenen Pulpa desinfiziert werden?
Wenn ja, mit was? Natriumhypochlorid, oder reicht Alkohol?
Oder reicht aus Aussprayen mit Wasser?
Wenn das so ist, könnte dem Zement (das ist es dem Anschein nach – der Vertreter schwieg allerdings sich über die Zusammensetzung gründlich aus) eine antibakterielle und womöglich noch eine entzündungshemmende Substanz zugesetzt sein.
Bisher wurden bei uns offene Pulpen nach diesem Verfahren versorgt. Mit – bis jetzt -großem Erfolg.
Weisses, wenn auch nicht röntgenopakes MTA, kann hier preisgünstig bezogen werden.
Im Großen und Ganzen ist Biodentine ein interessanter Ansatz. Wenn es die Versprechungen halten kann, ist es sicher ein Material, auf das wir gewartet haben, insbesondere wenn man mit wenig Aufwand eine eröffnete Pulpa retten kann.
Nachfolgender Fall (bzw. Patientin) befindet sich momentan bei uns in Behandlung.
Die Erhebung der Anamnese ergab, dass die junge Patientin vor ca. 4 Wochen notdienstlich an Zahn 11 behandelt werden musste (Diagnose: wahrscheinlich irr. Pulpitis). Hierbei kam es zu Komplikationen, die zu einer Perforation des Zahnes mit nachfolgender Fistelbildung führten
Überwiesen wurde die Patientin von einem Chirurgen, der entweder die Entfernung des Zahnes oder die Vorstellung bei uns empfahl…
nachdem (bisher) keine Kommunikation der Perforation zur Mundhöhle zu bestehen schien, entschieden wir uns für eine MTA-Perforationsdeckung nach Entfernung des Fremdmaterials und eingehender Desinfektion…
Neben dem Verschluss der Perforation mittels MTA Angelus wurde das „eigentliche“ Kanalsystem nach chemo-mechanischer Reinigung mit einer medikamentösen Einlage (Ultracal XS – Fa. Ultradent) versehen.
Beim nächsten Termin ist geplant, die MTA-Aushärtung klinisch zu verifizieren, bevor die Obturation des Kanalsystems mit abschliessender adhäsiver Deckfüllung der Zugangskavität erfolgt…
Teil II des Falles demnächst dann hier in diesem „Theater“…
vor circa 1 1/2 Jahren hatte Christoph Kaaden hier über seine ersten Erfahrungen mit einer HD-Video-Lösung am Dentalmikroskop berichtet und diese mit einem Patientenfall einer Revisionsbehandlung incl. Perforationsdeckung verdeutlicht.
Wie es der Zufall nun so wollte stellte sich eben dieser Patient wegen eines anderen Anliegens nun bei uns vor. Wir nutzen die Gelegenheit ein Recall durchzuführen und sind sicher, dass das Ergebnis Patient und Behandler sehr erfreut.
PS: Laut Anamnese ist der alio loco behandelte Zahn 16 aufgrund einer Längsfraktur verloren gegangen…
Im endodontischen Alltag erscheinen manche Zähne aufgrund der Ausgangssituation als besonders fraglich. Und auch nach erfolgter Therapie haben solche Fälle ggf. nicht den „Look“…
so wie auch in dem nachfolgenden Fall.
Es handelte sich um die Revisionsbehandlung eines Zahnes 46 mit Perforationsdeckung nach Schraubenentfernung. Erschwerend kam hinzu, dass die Verläufe der Wurzelkanalsysteme zusätzlich mühsam mittels Ultraschallansätze freipräpariert werden mussten…
Die Einjahreskontrolle stimmt trotz aller Unwegsamkeiten, fraglicher Ausgangssituation und fehlendem „Look“ zuversichtlich…
Präoperativ schien alles sehr einfach zu sein. Oberer Prämolar nach begonnener Revisionsbehandlung und medikamentöser Einlage mit CaOH2.
Nach Anlegen der Zugangskavität zeigten sich zwei durch eine Dentinbrücke getrennte Kanaleingänge. Mit einem vorgebogenen Microopener konnte unterhalb der Dentinbrücke Guttapercha und nekrotisches Gewebe entfernt werden. Eine direkte Sicht auf den Apikalbereich war nicht möglich. Nach Abtragen der Dentinbrücke konnte sowohl das apikal befindliche als auch das periapikal gelegene Obturationsmaterial entfernt werden.
Der Originalkanal zweigte ca. 1,5 mm oberhalb der apikalen Perforation an der mesialen Kanalwand ab und hatte eine abrupte, fast rechtwinkelige Krümmung nach bukkal.
Eine Obturation mittels erwärmter Guttapercha hätte zwar das Abfüllen des Originalkanals erleichtert, jedoch aufgrund der großen Nähe zur Perforation mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Überpressung von Sealer oder Guttapercha in den Periapikalbereich geführt.
Es sollte daher zunächst die Perforation mit einem ca. 1mm starken MTA Plug verschlossen werden. Um ein Blockieren des seitlich abzweigenden Originalkanals zu verhindern wurde unter dem Mikroskop vor der MTA-Obturation ein kleines Stück Teflonband in den Originalkanal eingebracht. Nach Erstellen des ersten MTA Plug wurde das Teflonband entfernt und der Originalkanal mit erwärmter Guttapercha obturiert.
Dazu wurde eine individualisierte Guttaperchaspitze vorsichtig vorgebogen und unter Sicht in den zuvor mit Sealer benetzten Kanal eingebracht, erwärmt und vertikal kompaktiert.
Anschliessend konnte MTA in der erforderlichen Schichtstärke eingebracht und der Zahn dentinadhäsiv verschlossen werden.
Ein schönes Beispiel dafür, dass die Tücke auch in der Endodontie manchmal im Detail liegt.
neben den zuletzt erwähnten BL Hand-Plugger haben wir vor einiger Zeit ein weiteres Instrument in unseren Behandlungsablauf integriert.
In diesem Fall handelt es sich um einen Condenser nach Dr. Joseph S. Dovgan. Besonders bei der Behandlung juveniler Oberkieferincisivi (nach Trauma) wird der grosse Nutzen schnell erkennbar, da dieses Handinstrument zwei „stattliche“ ISO-Grössen aufweist. Ferner kommt dieser Plugger bzw. Condenser auch bei Perforationsdeckungen mit MTA (z.B. im Pulpakavum) zum Einsatz.
Und anders, als die Instrumente des ersten Blogbeitrages zu diesem Thema, ist dieses in Deutschland bereits problemlos erhältlich. Die genaue Typenbezeichnung lautet: Dovgan Condenser NiTi 0,2 ISO100-140
dass es zwischen CHX und NaOCl zu einer Ausfällungsreaktion kommt ist bekannt und mittlerweile in der Literatur auch mehrfach beschrieben. In diesem Zusammenhang hatte ich vor einigen Tagen jedoch eine Situation, die mich mehr als erstaunt hat.
Wir haben bei einer Patientin eine MTA-Perforationsdeckung am Pulpakammerboden durchgeführt. Da wir hierbei in der Regel ein zweizeitiges Vorgehen bevorzugen und MTA für den Abbindeprozess Feuchtigkeit benötigt, plazieren wir aus diesem Grund auf den Zement in feuchtes Wattepellet. Zumeist, wie auch in diesem Fall, verwenden wir CHX zum Befeuchten des Pellets.
Im zweiten Termin, ca. 10 Tage später, zeigte sich klinisch eine vollständige Aushärtung des MTAs. Allerdings mussten wir bei der anschliessenden NaOCl-Spülung der Wurzelkanalsysteme beobachteten, dass sich die oberflächliche Schicht des Zementes rötlich färbte. Scheinbar war die Substantivität des CHX auch etliche Tage nach Applikation noch gegeben und so kam es auch hier zu dieser „Unverträglichkeitsreaktion“, die es zukünftig für uns zu vermeiden gilt…
Blick in Zugangskavität nach Wurzelkanal-Obturation und MTA-Perforationsverschluss mit rötlichem Ausfällungspräzipitat
Das Erstellen eines periapikalen Widerlagers aus Kollagen ist eine Massnahme, die in unserer Praxis immer dann zum Einsatz kommt, wenn im periradikulären Raum oder im Bereich von Perforationen größere knöcherne Defekte bestehen, die ein massives Überpressen des Obturationsmaterials (MTA) wahrscheinlich werden lassen.
Da es im Periapikalbereich selten trockene Verhältnisse gibt, scheidet medizinischer Gips als Material für ein Widerlager aus, da die aus dem Gewebe hinzukommende Feuchtigkeit ein Abbinden unmöglich macht. Das Einbringen von kleinen Kollagenvliespartikeln bietet die Möglichkeit ein verlässliches Widerlager zu erstellen, ohne daß selbst nennenswerte Mengen von Feuchtigkeit dies behindern.
Das Einbringen dieser kleinen Kollagenstückchen kann jedoch mitunter sehr zeitaufwändig sein und eine wirkliche Geduldsprobe darstellen. Bereits das Einbringen in die Kavität hat so seine Tücken: das Kollagen klebt sofort am Einbringinstrument an, wenn dieses nicht absolut trocken ist.
Wird das Kollagen mit einer Pinzette eingbracht, so muss darauf geachtet werden, dass der Pinzettendruck nicht zu groß ist, da anderenfalls das Kollagen in den Vertiefungen der Pinzettenbranchen hängen bleibt.
Neben der Methode, die in Christoph Kaadens Video zu sehen ist (er bringt das Kollagen mit Hilfe eines S-Kondensors ein) hat sich in unserer Praxis eine mit einfachen Hilfsmitteln modifizierte College-Pinzette bewährt.
Mit Hilfe eines in ein Technik-Handstück eingespannten Heatless-Steins wird die Zahnung der Branchen entfernt und die bearbeitenden Stellen mit einem Gummipolierer geglättet und poliert.
Die so modifizierte Pinzette ermöglicht ein sicheres Fassen der Kollagenstücke, ohne dass diese an der Pinzette anhaften.
Insbesondere bei der Anreichung durch die Mitarbeiterin ein großer Vorteil, da hier die sichere Übergabe der das Kollagen haltenden Pinzette im Vordergrund stehen muss.