Zum Tod von Holm Reuver – eine Würdigung

Titanen der Menschheit?

Sind Menschen, die angetreten sind, „um eine Delle im Universum zu hinterlassen“.
Sagte Steve Jobs.

Wer darf sich in diese Kategorie einordnen? 
Seien wir ehrlich…vermutlich keiner von uns.

Walter Hess war so ein Titan der Zahnmedizin.
Im Studium  haben mich seine Zeichnungen von der Komplexität des Wurzelkanalsystems extrem beeindruckt.
Tun es heute noch.
Aber das ist 100 Jahre her.

Wer ist seitdem in seine Fußstapfen getreten ?

Holm Reuver. 
Der nun nach längerer Krankheit – natürlich viel zu früh – verstorben ist.

Holm Reuver war – mit seinen transparent gemachten Zähnen – auf Augenhöhe mit Walter Hess.
Kann es ein grösseres fachliches Kompliment geben.
Sicher nicht.

Dabei waren es nicht die vielen Präparate seiner transparent gemachten Zähne per se, sondern es war vor allem wie bei Hess die unglaubliche Qualität der Ausführung, die seine Fotos und Videos über die fachliche Information hinaus zu Kunstwerken machten.

Holm Reuver hat das anzuwendende Verfahren nicht erfunden – es war schon zu Lebzeiten von Hess bekannt – aber er hat es mit der ihm eigenen Resolutheit und Akribie in der Durchführung perfektioniert.
Auf die Spitze getrieben.

Ich habe etliche Fotos transparent gemachter Zähne auf Kongressen überall in der Welt gesehen. Keines davon konnte den Präparaten Holm Reuvers auch nur annähernd das Wasser reichen.

Wenn ich ihm davon erzählte, winkte er immer nur bescheiden ab. Negierte die Diskrepanz in der Ausführung: „Keine grosse Sache. Das kann eigentlich jeder.“

Aber war dem wirklich so…
„Hic Rhodus, hic salta !“
Es springen nur die Wenigsten.
Du bist weit gesprungen, Holm!

Was Frank Paque in beeindruckender Weise um das Jahr 2009 herum in vitro mit einem großen apparativen Aufwand unter Zuhilfenahme eines Micro-CT´s gelang, nondestruktiv Einblicke in das Innere der Zähne zu erhalten, hattest Du schon etliche Jahre zuvor visualisiert und dokumentiert.

Mit Bordmitteln aus der Apotheke.
Zu Cent-Beträgen.

Methylsalicylat. Ein Einmachglas. Stativ, Lampe, Fotoapparat.
Im Vorübergehen.
Nebenbei des Praxisgeschehens, aber mit viel Einsatz.
Immer mit dem Ziel, Wissen weiterzugeben.

Lieber Holm, es war ein Wunder, das Du nach Manifestierung deiner Krankheit wider jeglicher Vorhersagen noch so lange Zeit für dich und deine Familie hattest. Und auch wenn ich in gewisser Weise darauf vorbereitet war, hat mich die Nachricht von deinem Tod dennoch sehr betroffen gemacht.
Holm, du sagtest mir, das längst schon über Dir schwebende Faktum des absehbaren Todes nicht mehr negierend könnend: „Wir sind privilegiert, das wir jeden Tag in unsere Praxen gehen und Zahnmedizin betreiben können. Es gibt für mich nichts Schöneres!“. 

Ein oft gehörter Satz, oft auch eine Floskel. Bei Dir allerdings war es genau so.

Und es war eine verdiente Gnade, dass trotz aller Widrigkeiten, die deine Krankheit für dich bereithielt, Du so lange dem dentalen Arbeiten, das Du so sehr gemocht hast, zum Wohle deiner Patienten nachgehen konntest. 

Holm, Steve Jobs war eine Egomane.
Kein Mensch wird jemals eine Delle im Universum hinterlassen.
Aber du hast deine Initialien tief in die Rinde des Baumes der Zahnmedizin eingeritzt.
Das war nur Wenigen überhaupt gestattet.

Und wenn wir alle schon längst vergessen sind, wird sich die zahnmedizinische Welt an Hand deines Schaffens noch immer an Dich erinnern.

Mehr kann und darf man von einem Leben nicht erwarten.

3 Gedanken zu „Zum Tod von Holm Reuver – eine Würdigung

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