Dens gemi­natus

Von Christoph Kaaden

 

Heute möchte ich Ihnen eine sehr seltene Zahnanomalie vorstellen, die wir kürzlich diagnostizieren durften.

Der achtjährige Til ist uns von seiner Kieferorthopädin zur Beurteilung überwiesen worden.

Klinisch imponierte eine sehr breite klinische Krone des Zahnes 11 mit ausgeprägter bukkaler und palatinaler Kerbe.

Gemination.001

Hier das uns übermittelte OPG:

Da Zahn 12 radiologisch erkennbar ist gingen wir von einer Gemination aus.

 

Diese Zahnkeimpaarung ist eine unvollständige Teilung eines Zahnkeimes während des Glockenstadiums in der embryonalen Odonto­genese.

Im Röntgenbild ist deshalb nur eine gemeinsame Pulpa zu erkennen, welche sich jedoch koronal aufspalten kann . Die unvollständige Teilung führt in der Regel zu einer mehr oder weniger deutlichen Kerbe im Inzisalkantenbereich. Gepaarte Zähne können bis doppelt so breit sein wie der entsprechende Einzelzahn. Die Vorkommenshäufigkeit beträgt 0,1 bis 0,3%. Am häufigsten sind Zahnkeimpaarungen bei unteren Inzisiven und Eckzähnen beider Dentitionen zu beobachten. Die Anzahl Zähne im entsprechenden Kiefer ist normal, wenn die Zahnkeimpaarung als ein Zahn betrachtet wird.

Differentialdiagnostisch ist zur Zahnkeimpaarung die Zahnverschmelzung (Fusion oder unechte Zahnkeimpaarung) abzugrenzen. Eine Zahnverschmelzung  entsteht,wenn zwei benachbarte Zahnkeime während der Kronen- und/oder Wurzelbildung zusammenwachsen. Im Gegensatz zur Zahnkeimpaarung sind bei einer Zahnverschmelzung röntgenologisch immer zwei getrennte Pulpakammern erkennbar Bei einer Zahnverschmelzung fehlt ein Zahn im entsprechenden Kiefer, falls die verschmolzenen Zähne als ein Zahn betrachtet werden (1).

Hier noch das angefertigte DVT der Region

Es gilt jetzt zu planen, wie das weitere Vorgehen bei ausgeprägtem Platzmangel sein wird…

ich halte Sie auf dem Laufenden.

 

Literatur

1) Zahnanomalien; Schaffner M, Stich H, Lussi A: Schweiz Monatsschr Zahnmed Vol. 123 11/2013

Autogene Zahntransplantation

Von Christoph Kaaden

Nachdem ich gestern Abend auf einem gelungenen Vortrag zum Thema „dentales Trauma und Zahntransplantation“ war, möchte ich die Möglichkeit nutzen für diese Therapieform weiter zu sensibilisieren.

Auf WURZELSPITZE war in der Vergangenheit hier und hier über eine Prämolaren-Transplantation geschrieben worden. Weiterführende Literatur zu dieser Thematik finden Sie u.a hier in einer interessanten Dissertation.

Prof. Nolte hob ferner die Therapieoption einer Milchzahntransplantation hervor. Hier ein Fallbericht, der das Vorgehen näher erläutert.

 

Mein Fazit des gestrigen Abends lautet:

  • Man kann nie genügend Wissen über die dentale Traumatologie sammeln (hier der link zu der DGZMK-Leitlinie)
  • Zahntransplantationen (egal ob Zähne der ersten oder zweiten Dentition) bei verloren gegangenen bleibenden Zähnen sind eine Therapieoption, die mehr Beachtung finden sollte.

 

Antibiotikagabe in der Enddontie

von Jörg Schröder

Heute ging eine E-Mail der ESE, namentlich von Paul Dummer, mit folgendem Betreff  im Postfach ein. Nach dem englischen Text folgt ein PPT-Dokument zur Kampagne und die Links zu verschiedenen PDF’s. Ich finde es lohnt sich das zu lesen.

„ESE awareness campaign on the correct use of Antibiotics in Endodontics“

There is international concern about the overuse of antibiotics and the emergence of antibiotic-resistant bacterial strains. As dentists prescribe approximately 10% of antibiotics dispensed in primary care, it is important not to underestimate the potential contribution of the dental profession to the development of antibiotic-resistant bacteria. For example, in the UK, it has been reported that 40% of dentists prescribed antibiotics at least three times each week, and 15% prescribed antibiotics on a daily basis.

Antibiotics do not reduce pain or swelling arising from teeth with symptomatic apical pathosis in the absence of evidence of systemic involvement. Furthermore, one Cochrane systematic review has found no evidence to support the use of antibiotics for pain relief in irreversible pulpitis. Thus, two systematic reviews concluded that infection must be systemic or the patient must be febrile or immunocompromised to justify the need for antibiotics. For these reasons, prescription of antibiotics by dentists should be limited.

Odontogenic infections, including endodontic infections, are polymicrobial involving a combination of gram-positive, gram-negative, facultative anaerobes and strict anaerobic bacteria. When bacteria become resistant to antibiotics, they also gain the ability to exchange this resistance.

Antibiotic sensitivity of the bacteria found within the oral cavity is gradually decreasing, and a growing number of resistant strains are being detected, in particular Porphyromonas spp. and Prevotella spp. However, the phenomenon has also been reported for alpha haemolytic streptococci (‘Streptococcus viridans’) and for drugs such as macrolides, penicillin and clindamycin.

Inappropriate use of antibiotics not only drives antibiotic resistance and misuses resources but also increases the risk of potentially fatal anaphylactic reactions and exposes people to unnecessary side effects. In addition, antibiotic prescribing for common medical problems increases patient expectations for antibiotics, leading to a vicious cycle of increased prescribing in order to meet expectations.

ESE ABC Awareness campaign

Doppelklick auf den Link öffnet ein Fenster aus dem heraus die ppt-Datei heruntergeladen werden kann.

Ein wichtiger Anstoss, wie ich finde. Denn auch wir Zahnmediziner können dazu beitragen, die in meinen Augen weit verbreitete unreflektierte Antibiotikagabe zu reduzieren.

Das Statement der ESE , findet man hier:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/iej.12781/full

Wer es lieber direkt mag, findet das PDF zum Download nachfolgend:

Segura-Egea_et_al-2017-International_Endodontic_Journal

Auch in der DZZ wird endlich wird geschrieben, was wir alle hier bestimmt längst schon wissen:

Der vermehrte Einsatz des Ausweichantibiotikums Clindamycin in der zahnärztlichen Versorgung stellt eine Fehlversorgung mit Antibiotika dar.

Wer es ein wenig ausführlicher nachlesen möchte, findet den Artikel unten angehängt.

58AC5A45554F4743A01AC9304D1E704E_em_oa_hussein_ii_antibiotikagabe_wurzelkanalbehandlung_gkv_1_original

Cone Beam Computed Tomography in Endodontics

Von Christoph Kaaden

Vor längerer Zeit bin ich der Vorankündigung des Quintessenz-Verlags gefolgt und habe das Buch „Cone Beam Computed Tomography in Endodontics“ bestellt. Leider hat es zahlreiche Monate gedauert, bis mir das Buch vor 14 Tagen zugestellt wurde.

Herausgeber sind Dr. Shanon Patel et al. Bereits in der Vergangenheit fanden sich u.a. hier und hier in der internationalen Literatur von den Autoren entsprechende Veröffentlichungen zu dieser Thematik. In dem Buch werden nun viele Bereiche und Themengebiete der DVT-Technologie auf insgesamt 11 Kapiteln sehr eingehend beleuchtet und gut zusammengefasst. Auch wenn die Wartezeit auf das Buch lang war hat sich die Geduld in meinen Augen gelohnt. Wer sich für die digitale Volumentomographie interessiert sollte dieses Buch als Anschaffung absolut in Betracht ziehen…

 

 

 

Zu geringe Saugstärke …

von Jörg Schröder

… weist das Papier der aktuellen Ausgabe des IEJ auf (Vol 48, Nr. 7 Juli 2015).

Sonst hätte ich es nutzbringend einsetzen können. Zum Stirnabtupfen bei tropischer Wetterlage, zum Beseitigen des überschüssigen Kettenfetts an meiner Fahrradkette oder zum Trocknen der Arbeitsfläche unserer Küche.

Auf 78 Seiten hochwissenschaftlich präsentierte (Nullhypothese, negative Kontrollgruppen, P< 0,001, Chi-Quadrat-Test etc.) Banalitäten. Die Evidenz wird als nicht ausreichend befunden zumeist aber als verbesserungswürdig eingestuft.

Alleine schon der Satz : „Due to the lack of scientific evidence“ hinter jedem zweiten Artikel bringt mich auf die Palme.

Dafür werden aber im Gegenzug nach Befragungen unter deutschen Zahnärzten zur favorisierten Spüllösung in der Endodontie Rückmeldungsquoten von 20,5 % (ist ja auch nur 5 % schlechter als die Recallquote der Toronto-Studie) zu finiten Aussagen „verwurstet“.

„Die Mehrheit der deutschen Zahnärzte (die geantwortet haben) benutzen NaOCl in 3%iger Konzentration.“  Klinische Relevanz für den Leser?

Getoppt wird dieser Knaller an Information durch die Ausführungen der deutschen Autoren, dass Kofferdam in Deutschland ja bei der Verwendung von NaOCl zwingend vorgeschrieben sei, seit den 1950’ern Kofferdam auf dem Lehrplan deutscher Universitäten steht und daher im Fragebogen die Verwendung von Kofferdam gar nicht erst abgefragt wurde. Warum kennen dann die zu uns überwiesenen Patienten den Kofferdam in den meisten Fällen nicht?

Aber nicht nur in Deutschland treibt die Suche nach Evidenz ihr Unwesen. In Schweden fanden Forscher heraus, dass sich die Qualität der durch Durchschnittszahnärzte durchgeführten endodontischen Behandlungsergebnisse, gemessen am PAI-Score, nach dem Absolvieren eines NiTi-Anwendungskurses tatsächlich nicht verbessert hat. Nein! Echt? Als ob diejenigen, die diese Informationen lesen sollten, Zugang zur selben hätten.

Erinnert mich an die Untersuchung eines Kommilitonen von mir, der in seiner Promotionsarbeit tatsächlich herausfand, dass geölte Nadelhalter geringere Auslösekräfte benötigten als ungeölte. Nein!!!!! Echt?????

Dann noch drei Artikel zur Debris-Extrusuion bei reziprokierender Arbeitsweise des Aufbereitungsinstrumentes. Eine stellt fest, dass Arbeitslänge und die apikale Aufbereitungsgröße keinen Einfluss auf die apikale, Achtung!!!, Extrusion von Bakterien haben sollen. Die anderen beiden stellen fest, dass alle Instrumente Debris extrudieren. Ist also egal ob ich die apikale Konstruktion respektiere oder aufreiße, Arbeitslänge auf jeden Fall frei wählbar. Hallo!! McFly!!! Jemand zu Hause???

Hat eigentlich irgendjemand noch Immanuel Kant im Gedächtnis der als Evidenz die anschauende Gewissheit im Sinn hatte?

Wenn Konsens darüber besteht, dass eine apikale Parodontitis eine bakteriell verursachte Erkrankung ist, dann wundert es nicht, dass der Einsatz von NiTi-Instrumenten bei gleichbleibender Desinfektion nichts am Ergebnis ändert. Ist aber noch nicht als solche Erkenntnis wissenschaftlich begründet veröffentlicht worden.

Diese Ausgabe des IEJ war eine vollständige Enttäuschung.

Ok, eine Information die für mich zumindest in die Kategorie „nutzloses Wissen, das bei geeigneter Gelegenheit mein Gegenüber durchaus beeindrucken kann“ fällt, gab es dann doch noch: Wave One Instrumente der Gruppe „Large File“, also 40/08, sind bei D 0 gar nicht 0,4 mm groß sondern nur 0,32 mm.

Nein!!! Echt???

„Das allgemeine Berufsbild ist höchst unerfreulich“ Teil 2

von Hans – Willi Herrmann

Von Erich Heinrichs 1949er Buch „Vom Erfolg in der zahnärztlichen Praxis“ hatte ich hier berichtet. Heinrich hatte unter der Überschrift “ Das allgemeine Berufsbild ist höchst unerfreulich“ über den Verlust an Wertschätzung des Zahnarztes durch die Patienten geklagt.

Von den Ursachen dieses Gesinnungswandel berichtet er im nachfolgenden Kapitel „Vertrauenskrisen“.

Kleine, aber feine Mikroskoplösung

von Mario Schulze

In meiner Praxis stehen mir zwei Behandlungszimmer zur Verfügung. Ein Behandlungszimmer für endodontische Behandlungen, welches, wie hier berichtet, aus-gestattet ist.
Im zweiten Behandlungszimmer werden alle anderen zahnärztlichen Behandlungen unter Anwendung einer Lupenbrille durchgeführt. Nun kommt es immer häufiger vor, dass mir diese Vergrößerung bei verschiedenen Behandlungen nicht mehr ausreicht und der Wunsch nach einem Dentalmikroskop auch in diesem Zimmer bestand.
Da mein durch den Umbau im „Endozimmer“ freigewordenes Leica M650 nur sehr aufwendig im zweiten Behandlungszimmer zu integrieren war, stand die Frage nach einer optisch und technisch gut passenden Lösung.
Die Wahl fiel auf ein iScope der Firma Jadent, welches mit einem speziellen Arm an der Lampenstange der vorhandenen Behandlungseinheit KaVo E80 befestigt wurde. Um Gewicht zu sparen, habe ich auf Strahlenteiler und Fotodokumentation verzichtet. Die LED- Beleuchtung ist im Mikroskopkörper integriert, so dass lediglich ein Kabel vom im Behandlungsstuhl platzierten Trafo zum Mikroskop führt. Um ergonomisch variabler zu sein, habe ich das iScope um den bereits hier  beschriebenen Jung Variofocus erweitert.

Disclaimer: Es besteht beim Autor kein Interessenkonflikt in Form einer finanziellen oder persönlichen Beziehung zu Dritten, deren Interessen vom Beitragsinhalt positiv oder negativ betroffen sein könnten.

Unsere Altvorderen haben schon alles gewusst…

von Lothar Pröbster

In meinem Bücherschrank fand ich eine Arbeit aus dem Jahre 1949 von Bruno Weigele mit dem Titel „Chlorgas-Therapie chronischer, geschlossener und fistelnder Infektionsherde“. Da denkt man sich erst, „mein Gott, was haben die früher alles für Sachen gemacht!“, aber beim Lesen stellt sich heraus, die Schilderung der Problematik der Wurzelkanalbehandlung könnte auch 2014 geschrieben worden sein. Ein ähnliches Aha-Erlebnis hatte ich schon einmal, als ich im Rahmen meiner Beschäftigung mit Vollkeramik Arbeiten von Schneider aus dem Jahre 1908 oder Conod aus dem Jahre 1937 gelesen habe, da war (mit Ausnahme der Adhäsivtechnik) auch schon alles Wesentliche beschrieben. Man kann vor den Erkenntnissen unserer Vorfahren nur den Hut ziehen, und offenbar haben sich die Verhältnisse bis heute kaum geändert:

 

Es war einmal… in 1896

von Hans – Willi Herrmann

Die folgenden Textzitate verdanke ich Tomas Lang und dessen Vortrag auf einem Endodontie- Expertenforum am vergangenen Freitag. Sie sind dem Buch von W. D. Miller „Lehrbuch der conservirenden Zahnheilkunde“ von 1896 entnommen, das auch heute noch, fast 120 Jahre später ausgesprochen lesenswert ist und darüber hinaus an vielen Stellen den Leser sehr nachdenklich zurücklässt.

Aber sehen sie selbst – Zunächst das im Vortrag von Tomas Lang angeführte Zitat, das er seinem Vortrag über tatsächliche und vermeintliche Neuerungen in der Endodontie voranstellte:

Im Vorwort habe ich die nachfolgenden Sätze gefunden, den Stellenwert der Konservierenden Zahnheilkunde betreffend im Vergleich zur Prothetik:

Und führt weiter aus:

 

Zum Kofferdam schreibt Miller:

 

Aber auch – nachdenklich:

 

Wenn ich jetzt – so wie Tomas Lang bei mir (dem ich an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte für den Literaturhinweis) ihr Interesse an diesem Buch geweckt haben sollte, dann finden sie im Internet an mehreren Stellen wie z.B. hier das Buch als PDF – Download. Abschließend noch ein weiteres Zitat zum Thema „Endodontie“ zur auch aktuell wieder heiß diskutierten Frage „einzeitig oder zweizeitig“, das zeigt, das in der Endodontie nur sehr sehr wenig wirklich neu ist:

Kinder-Keramik-Kronen – Teil 2

von Christian Danzl

Bei den von uns hier beschriebenen keramischen Kinderkronen ist die aktuelle Studienlage seeeehr dünn.
Recht viel hat sich nicht getan. Aber es gibt ein Poster, welches beim Frühjahrsymposium der ÖGK in Salzburg den GABA-Posterpreis gewonnen hat.

Hier das Abstract:

Praxisfall mit vollkeramischen Kinderkronen

Dr. Dinah Fräßle, Kinderzahnordination Salzburg

 Bei fortgeschrittener, mehrflächiger Karies oder nach Vitalamputation an Milchmolaren waren silberfarbene Kinderkronen bisher die empfohlene Standardbehandlung (Dawson et al.1981). In Zeiten steigender ästhetischer Ansprüche besteht jedoch vielfach seitens der Eltern der Wunsch nach einer zahnfarbenen und metallfreien Versorgung. 

Bisher gab es die Möglichkeit, die betroffenen Zähne mit Komposit- oder Kompomerfüllungen zu versorgen, wobei es  nicht selten zu Sekundärkaries, Randspaltbildung und Frakturen gekommen ist (Eriksson et al. 1988). 

Alternativ konnten weiß verblendete Stahlkronen verwendet werden, die allerdings zeit- und kostenintensiver in der Beschaffung, Präparation und Anpassung sind. Zudem ist der ästhetische Vorteil oft nur eingeschränkt, da die Kronenform sehr ausladend ist und zudem die Verblendung häufig den Kau- und Scherkräften der Kinder nicht gewachsen ist. Unschöne Abplatzungen und frei liegende Metallanteile sind die Folge (Beattie et al. 2011).

Vor gut zwei Jahr fanden wir mit vollkeramischen Zirkon-Kinderkronen aus den USA einen alternativen  Lösungsansatz für die Problematik der Ästhetik, des Füllungsbruchs, der Randspaltbildung mit Sekundärkaries und der extrem selten vorkommenden Kontaktallergie auf Nickelbestandteile der Stahlkrone. Die vollkeramischen Kronen werden bereits seit 2010 in den USA erfolgreich eingesetzt.

Im Rahmen einer praxisinternen  Vergleichsuntersuchung wurden bisher fünf Kinder (n = 10) mit weißen vollkeramischen Kinderkronen versorgt. Nach bisher 2 Jahren kam es bei keiner eingesetzten Keramikkrone weder optisch noch röntgenologisch zu Abplatzungen, Frakturen oder Verlust. Nur eine der eingesetzten Kronen musste auf Grund einer interradukulären Entzündung extrahiert werden.

Abschließend kann gesagt werden, dass vollkeramische Kinderkronen sicherlich ein interessanter neuer Ansatz hin zu hochwertigen, ästhetischen Milchzahnversorgungen sind. Durch den hohen Substanzabtrag, die erschwerte Anpassung und den erhöhten Zeitaufwand, sind die vollkeramischen Kinderkronen jedoch in der Praxistauglichkeit bisher noch im Vergleich zu den silberfarbenen Stahlkronen eingeschränkt zu betrachten.

Jedoch kann durch geübte Abläufe auch eine vollkeramische Kinderkrone in einer relativ zügigen und vor allem kindgerechten Zeit angefertigt werden. 

Und das Poster als pdf:

Kinderkronen

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Autorin.

WSR – Historisches

von Olaf Löffler

„Die Wurzelspitzenresektion als Sanierungsmaßmahe“ J. Koch-Langentreu, 1947, Urban&Schwarzenberg / Wien

In diesem Buch fiel mir am Wochenende in die Hände. Es ist schon einige Zeit in meinem Besitz. Bisher hatte ich noch keine Zeit für die antiquarische Literatur gefunden.
Beim Blättern fiel mir auf Seite 35 die Überschrift: Die Vorbehandlung des Wurzelkanales ins Auge.

Der Autor schreibt auf Grund seiner dreißigjährigen Erfahrung für den Praktiker. Das Werk ist reich an Fotografien und Röntgenbildern, die in erstaunlich guter Qualität abgedruckt sind.

Aber lesen Sie selbst, welche Forderungen bereits 1947 beschrieben wurden.

Zitat:

…Während bei der normalen Wurzelbehandlung an die endgültige Wurzelfüllung eine Reihe von Forderungen gestellt werden,  welche die Unzahl von Methoden und Medikamenten zum Teil erfüllen, zum Teil nicht erfüllen und auch nie erfüllen können, lautet unsere Forderung an die Füllung des Wurzelkanals vor  der Resektion nur dahin, daß der Kanal restlos ausgefüllt wird, daß dieser gute Randschluß auch dauernd erhalten bleibt, d.h. daß keine Schrumpfung eintritt, welche den ganzen Erfolg der Wurzelspitzenresektion in Frage stellen würde, und schließlich, daß kein Reiz auf die umgebenden lebenden Gewebe ausgeübt wird. Es empfiehlt sich daher,  zur Resektion unter allen Umständen den Kanal neu zu füllen…

Quelle: „Die Wurzelspitzenresektion als Sanierungsmaßmahe“ J. Koch-Langentreu, 1947, Urban&Schwarzenberg / Wien,

Kombinierte Paro Endo Läsion? (2)

von Olaf Löffler

An dieser Stelle baten wir um die Meinung der Leser. Hier nun der transparente Zahn.

Nach folgendem Vorgehen haben wir gearbeitet:
Die Desinfektion des Zahnes erfolgte mit 5% Natriumhypochlorit im Ultraschallbad in einem Glasgefäß für 15 Minuten. Alternativ haben wir das auch auf einem Laborgipsrüttler (30 Minuten) erfolgreich versucht. Der extrahierte Zahn wurde von Zahnstein und Konkrementen gereinigt. Die Konkremente der distalen Wurzel ließen sich nur äußerst schwer und unvollständig entfernen.

Der Zahn wurde für 4 Tage in ca. 30 ml Salpetersäure 5% eingelegt und öfters bewegt. Danach wurde die Salpetersäure abgewaschen und der Zahn in einer alkoholischen Reihe (70% , 90% , 96 %) entwässert. Abschließend wurde der Zahn mit Mull abgetupft und in Methylsalicylat eingelegt. Nach ca. 2 Stunden zeigt sich die vollständige Transparenz.
Dieses Verfahren entspricht nahezu dem von Holm Reuver beschriebenen Vorgehen.

Beim betrachten des Zahnes zeigen sich einige frakturierte Instrumente und deutliche Hinweise auf bakterielle Besiedelung, bzw. verbliebene Gewebereste in Kanalbereichen der distalen Wurzel. Diese stellen sich durch bräunliche Verfärbungen dar. Im mesialen Kanalsystem sind geringere Spuren erkennbar. Dies bedeutet, daß das Kanalsystem unvollständig und unzureichend desinfiziert wurde.
Wahrscheinlich ist von einer kombinierten Läsion auszugehen, da neben der endodontischen Problematik auch die parodontale Situation entscheidend war. Die orale Mikroflora gilt als Infektionsquelle. Eine Infektion von Endodont und Parodont unabhängig voneinander ist typisch für die kombinierte Läsion. Dafür sprechen die große Füllungslage und die manifestierte P. marginalis der Patientin.

Literaturtip:

„Da es sich um opportunistische Infektionen handelt, ist schwierig festzustellen, welche Keime ursächlich mit den Erkrankungen assoziiert sind und welche nur deshalb gefunden werden, weil die Umgebung ihre Auslese begünstigt. Exazer- bationen periapikaler Läsionen scheinen mit der Anwesenheit schwarz pigmentierter gramnegati- ver Stäbchen im Wurzelkanal zusammenzuhängen“

Endodontie 13 (2004), Nr. 2, Seite 133-146
Paro-Endo-Läsionen: Ätiologie, Diagnostik und Therapievorschläge – Eine Literaturübersicht
Zehnder, Matthias / Paqué, Frank / Gold, Steve / Hasselgren, Gunnar

Buchvorstellung „Adhäsive Zahnheilkunde“

von Christian Danzl

Zitat aus dem Vorwort des Autos:
„Noch ein Buch über Adhäsivtechnik? Na klar!“

Dieses Buch ist ein Update über die Adhäsivtechnik, einem Bereich der Zahnheilkunde, der jeden in der Praxis täglich begleitet.  Da kann es nicht schaden, wenn man mal wieder auf den aktuellen Stand gebracht wird.
Der Herausgeber Prof. Dr. Roland Frankenberger hat es geschafft in diesem Buch Wissenschaftler und Praktiker zu Wort kommen zu lassen.
Das Buch umfasst folgende Kapitel:

  1. Adhäsive: R. Frankenberger/U. Blunck
  2. Lichpolymerisation: C.-P. Ernst
  3. Komposit-Restaurationen: M. Lehnhard
  4. Keramik-Veneers: J. Hajtó
  5. Keramik-Inlays: A. Jacobi
  6. CAD/CAM und adhäsive Zahnheilkunde: S. Reich
  7. Adhäsive Stiftsysteme: M. Naumann, R. Frankenberger
  8. Aesthetic under control: T. Schwenk, M. Striegel
  9. Reparatur/Korrektur zahnärztlicher Restaurationen: R. Frankenberger

Mit knapp 380 Seiten und vielen Abbildungen ein durchaus gelungenes Buch für den Praktiker.
Erschienen im Deutschen Zahnärzte Verlag 2013 für 149,-
ISBN 978-3-7691-3427-8

Saving Hopeless Teeth (XXXI) und Erfolgsraten 2

von Ostidald Wucker

Im vorliegenden Fall haben wir uns an den unten beschriebenen Quellen zu der Ausgangssituation geäußert.

Erfolgsraten und Prognosen.

Die Stellungnahme der DGZMK schreibt dazu:

„Der Begriff Prognose läßt sich als Voraussage von zukünftigen Ereignissen oder Entwicklungen (z. B. die Entstehung oder Heilung einer periapikalen Parodontitis), deren Ausgang zeitabhängig ist, definieren. Die überwiegende Mehrzahl der Studien gibt jedoch lediglich Erfolgsraten oder Erfolgsquoten an.“

Zu Erfolgsquoten und prognostische Einschätzung schreiben die Autoren:

„Wurzelkanalbehandelte Zähne mit infiziertem Endodont und assoziierter periapikaler Läsion nach Revision : Die Erfolgsraten liegen hier im Vergleich mit den übrigen Kategorien am niedrigsten. Sie sind im Bereich von 50% bis 70% angesiedelt. Auf Ereigniszeitanalysen beruhende Angaben fehlen bisher.“

Klicke, um auf Zur_Prognose_von_Wurzelkanalbehandlungen.pdf zuzugreifen

Weitere Literatur:

Eine von Ng et al.11,12 vorgelegte Metaanalyse aus dem Jahr 2007 (63 Publikationen, 6 davon randomisiert, die im Zeitraum von 1922 bis 2002) sieht die durchschnittliche Erfolgsrate bei Revisionen mit P. apicalis  bei 75 %. (10, 11, 12)

10. Weiger / Zitzmann Implantat oder Wurzelkanalbehandlung?                              Endodontie 2008;17(4):317-327

11. Ng YL, Mann V, Rahbaran S, Lewsey J, Gulabivala K. Outcome of primary root canal treatment: systematic r eview of the literature – Part 2. Influence of clinical factors. Int Endod J 2008;41:6-31.

12. Ng YL, Mann V, Rahbaran S, Lewsey J, Gulabivala K. Outcome of primary root canal treatment: systematic review of the literature – Part 1. Effects of study characteristics on probability of success. Int Endod J 2007;40:921-939.

Dekoronation

von Bonald Decker

Mit etwas „Feiertagsverspätung“ möchte ich noch einen (wie ich finde) interessanten Fall vorstellen und hoffe, dass sich das Warten auf den heutigen Beitrag gelohnt hat…

Es handelt sich um eine Dekoronationsbehandlung nach fortgeschrittener Ersatzresorption eines ehemals avulsierten Zahnes.

Kurz zur Vorgeschichte….

Frederik erlitt im Jahr 2007 ein Frontzahntrauma in Form einer Totalluxation der Zähne 11 und 21. Die daraufhin durchgeführte Behandlung erfolgte alio loco. Erst einige Zeit nachher stellte sich der junge Patient zusammen mit seiner Mutter bei uns vor. Die folgenden Untersuchungen zeigten (leider) sehr schnell, dass Zahn 21 eine Ankylose mit Infraposition entwickelte. Da Frederik dies optisch nicht störte und er weiterhin in der Lage war die Region suffizient zu reinigen wählten wir zunächst eine abwartende Haltung.

2012 hatte sich die Situation Regio 21 allerdings so verschlechtert, dass nun endgültig Handlungsbedarf bestand. Als Therapie unserer Wahl entschieden wir uns für die Dekoronation. Mittlerweile waren hierfür auch die in der Literatur angeführten Kriterien erfüllt (U.a. Alter des Patienten mindestens 14 Jahre)…

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Eine genaue Beschreibung des klinischen Vorgehens mit weiteren Informationen finden sich in dem sehr lesenswerten ENDODONTIE-Artikel von Filippi et al.

Mutter aller Fallberichte (I)

von Bonald Decker

Seit Beginn meiner zahnärztlichen Tätigkeit habe ich in den Jahren eine Vielzahl klinischer Fallberichte gelesen und für mich daraus unterschiedlichste Erkenntnisse gewonnen. Meine persönliche „Mutter aller Fallberichte“ ist dabei die Veröffentlichung von Branchs und Trope aus dem Jahr 2004:

Der dort publizierte Therapieansatz mit der damit (für mich erstmals beschriebenen) verbundenen „Abkehr“ von der „mechanischen“ Endodontie beeindruckt mich noch heute.

Um so mehr „freut“ es mich, dass wir nun einen sehr ähnlich gelagerten Fall behandeln „dürfen“, bei dem u.a. Informationen aus der Veröffentlichung bei der Erklärung der enstandenen Pulpanekrose geholfen haben.

Dass Patienten mit asiatischem Ursprung vermehrt okklusale Tuberculi aufweisen, die unter Kaubelastung abscheren können (und es somit zu freiliegendem Dentin kommt) war mir bis 2004 nicht bekannt.

Eine solche Vorgeschichte mache ich (wie Branchs und Trope damals) in „unserem“ Fall für die Pulpanekrose mit daraus resultierender apikaler Parodontitis + submukösem Abszeß (bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum) verantwortlich.

Als Therapie haben wir den oben beschriebenen Revitalisierungsansatz gewählt, wobei sich durch weitere Veröffentlichungen der letzten Jahre gewisse Modifikationen des Protokolls (I) / (II) ergeben haben.

Zum Abschluss des ersten Behandlungstermins haben wir nach Trepanation und eingehender Spülung des Kanalsystems mit NaOCl (bei sorgsamer Anwendung) und EDTA ein Mix aus Ciprofloxacin und Metronidazol appliziert und den Zahn provisorisch verschlossen…

Demnächst werde ich über die weiteren Behandlungsschritte berichten…

Trauma App

von Christoph Kaaden

Einem Hinweis von Dr. Fred Barnett (Einstein Institute – Abteilung für Endodontologie –  Philadelphia/USA) verdanke ich den Hinweis auf das Erscheinen einer wertvollen „App“ für Smartphones:

DENTAL TRAUMA

Eine Applikation gedacht als schnelle „Online-Hilfe“ bei der Versorgung von unfallbedingten Zahnverletzungen.

Verfasst wurde das Ganze von Dr. Ulf Glendor und ist bisher in englischer und schwedischer Sprache erhältlich…

Meine persönliche Meinung zu dieser Anwedenung…

wenn nur ein Zahn mehr durch dieses Programm korrekt behandelt wird (und sich dadurch die Prognose verbessern lässt) hat sich die Anschaffung schon gelohnt…

Dafür gibt`s einen „Daumen hoch“ von mir…

Medizinischer Portlandzement

von Christoph Kaaden

Vor längerer Zeit haben wir hier erstmals über eine Schweizer MTA-Alternative berichtet. Kurze Zeit danach stellte ferner Bonald Decker in diesem Fallbericht seine ersten klinischen Erfahrungen mit diesem Produkt vor.

War es bisher schwierig und ggf. aufwendig diesen medizinischen Portlandzement in Deutschland zu erhalten, hat sich die Situation nun erheblich verbessert.

Die Firma DSI-Huber vertreibt seit Mai 2012 das Produkt in Mittel- und Nordeuropa. Laut Homepage mit Versandgarantie innerhalb von 24 Sunden. Bestellt wird im Online-Shop.

Einige lesenswerte Artikel zu dieser Thematik finden sich ferner hier.

Unterkieferfrontzahn (3)

von Ostidald Wucker

In dem hier vorgestellten Fall kam es, wie auf dem Röntgenbild zu erkennen ist zu Problemen. Der Patient wurde zu uns überwiesen.

Dem Überweiser ist es nicht leicht gefallen den Patienten zu uns zu schicken. Ein Unterkieferfrontzahn dürfte doch nicht so schwer zu behandeln sein…
Aber irgendwie ging es nicht weiter.

Die Instrumentenfraktur(en) wurden nicht bemerkt.

Was waren die Ursachen für diese Probleme?

Die Zugangskavität.
Sie war falsch angelegt und in der Dimension zu gering. Das Ausmaß des Wurzelkanalsystems konnte nicht erkannt werden. Gerade Unterkieferfrontzähne sind nicht zu unterschätzen.
Die Bandbreite der anatomischen Varianten ist groß. Häufig sind zwei Wurzelkanäle in teilweise konfluierenden Verläufen vorhanden, bandförmige Verbindungen (Isthmen) sind zwischen den Kanälen möglich und es gibt Varianten mit zwei separaten Kanälen bis nahe an die Wurzelspitze.

Deshalb sollte die Zugangskavität sich an der Zahnform orientieren und sich nicht auf die linguale Fläche beschränken. Die inzisale Substanzschonung lässt nur eine eingeschränkte Sicht zu und ist oftmals der Grund von nicht erkannten Kanalbereichen.

In der Literatur werden auch labile Zugangskavitäten vorgestellt. Der Substanzverlust ist geringer als bei lingualer Präparaten.
( Logani A, Singh A, Singla M, Shah N. Labial access opening in mandibular anterior teeth – An alternative approach to success. Quintessence Int 2009;40:597-602. )

Zum genannten Fall nun das weitere Vorgehen.

Nach der präendodontischen Zugangskavität und Darstellung des Instrumentenfragmentes konnte dies entfernt werden. In der ersten Messaufnahme war ein (weiteres) Fragment zu sehen. „Dank“ dieses Fragmentes war für uns die Aufteilung des Kanalverlaufes im apikalen Bereich nach Ultraschallpräparation optisch erkennbar. Ein weiterer Hinweis war die nicht mittige Darstellung des Kanals in der Messaufnahme. Nach Entfernung dieses weiteren Fragmentes konnten auch dieser Kanalbereich behandelt werden.
Die Entscheidung zur Überweisung hat dem Patienten eine realistische Chance zum Zahnerhalt gebracht. 100% vorhersagbar ist eine Instrumentenentfernung für unsere Praxis jedoch nicht.

Anbei die Bilder des Behandlungsfalles.

Eine empfehlenswerte Literatur in deutscher Sprache ist in der Zeitschrift „Endodontie“ zu finden.

Die Differenzierung einkanaliger und mehrkanaliger Unterkieferfrontzähne mit Hilfe des Dentalmikroskops. Arnold, Michael, Endodontie, Seite: 153 – 163, Erscheinungsdatum: 31.05.2010, ISSN: 0940-9505

Anatomie unterer Molaren (6) – Radix entomolaris – reloaded –

von Bonald Decker

Vor längerer Zeit habe ich in diesem Beitrag über Vorkommen und Behandlung zusätzlicher distaler Wurzeln unterer Molaren berichtet.

Vor Kurzem war es mal wieder so weit und wir „durften“ eine solche „Laune der Natur“ erneut endodontisch versorgen…

Die vorhandene Anatomie zeigte sich für uns jedoch erst klinisch und somit etwas unerwartet, da sich die zusätzliche Radix auf den mitgelieferten Röntgenaufnahmen des Hauszahnarztes (für uns) vorab nicht zweifelsfrei erkennen lies.

Hier „zur Gegenüberstellung“ unsere postoperative Aufnahme:

Nachfolgend noch die Eckdaten unserer Behandlung:

Diagnose:

Pulpal: Nekrose

Periapikal: normal

Therapie:

chemo-mechanische Desinfektion in zwei Terminen, Med. Einlage: Ca(OH)2, Mesial: Konfluation der Kanalsysteme; Apikale Präparation: mesial: 35.04; distal: 35.06;

WF: warm-vertikale Obturation von Guttapercha&Sealer (AHplus)

Prognose (prä/post-operativ):

sehr gut

Wer zu diesem Thema übrigens noch mehr Informationen einholen möchte, empfehle ich u.a. diesen Artikel

P.S.: Mal schauen, wie gut Zahn 36 die parapulpären Stifte auf Dauer toleriert.

P.P.S: Und weil`s so gut passt: Ich „liebe“ unseren Kodak 6100, den wir ganz neu haben. Im Vergleich zu der mir bekannten „Abbildungsgenauigkeit“ von Sidexis, Gendex und Dürr ein Traum… auf jeden Fall für mich. Mal schauen, was die Langlebigkeit angeht…

;-)

Jahrbuch für Ärzte und Zahnärzte

von Christian Danzl

das dritte mal hintereinander ist das „Jahrbuch für Ärzte und Zahnärzte“ erschienen. Als Kooperation von Rebmann Research und dem Deutschen Sparkassen Verlag.

Es enthält auf gut 1.500 Seiten interessante Informationen zu den Themen:

  • Trends, Zukunft
  • Gesundheitssystem in Deutschland
  • innovative Versorgungsstrukturen
  • Entwicklung bei den KK
  • Finanzentwicklung bei Niedergelassenen
  • Abrechnung
  • Praxisausstattung
  • Manegement
  • Qualität im Gesundheitswesen
  • Recht und Steuern

Zu beziehen direkt bei Rebmann Research oder über Ihre Sparkasse.

Neue Visionen – Neue Möglichkeiten

von Christoph Kaaden

Endlich ist er „da“…

der Endodontie Kalender 2012 

Mit neuen Visionen & Möglichkeiten möchte Michael Arnold zusammen mit zahlreichen Autoren über neue Möglichkeiten in der Endodontologie auf der Basis aktueller Forschung informieren.

Dies gelingt nicht nur aufgrund der optisch ansprechenden zwölf Kalenderseiten, sondern insbesondere durch spannende und sehr versiert gelöste Behandlungsfälle eindrucksvoll.

Online zu bestellen gibt es den Kalender hier.

Behandungsplanung & Prognose

von Christoph Kaaden

Die notwendigen Schritte zur Planung und Durchführung einer _vorhersagbaren_ endodontischen Behandlung sind zwar zahlreich, aber immer wiederkehrend…

hierzu zählen unter anderem:

  • Diagnosestellung
  • (ggf.) Präendodontischer Aufbau & antiseptisches Protokoll
  • Zugangskavität
  • Chemo-mechanische Reinigung
  • Obturation & Postendo-Versorgung

Schwieriger verhält es sich da schon bei der prä- bzw. postoperativen Einschätzung der „Wertigkeit“ und Prognose des Zahnes.  Zur Hilfestellung hat daher die American Association of Endodontists (AAE) jüngst einen lesenswerten Leitfaden veröffentlicht, der Zahnärzten bei der Einschätzung deutlich unterstützen sollte…

Nachzulesen hier

 

 

Spülprotokoll bei Revaskularisierungstherapie

von Christoph Kaaden

Letzte Woche wurde hier über das mögliche klinische Vorgehen bei der Revaskularisierungstherapie von nekrotischen Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum berichtet.

Da passt es gut, dass Trevino et al. in der aktuellen Ausgabe des Journal of Endodontics ihre Ergebnisse zu unterschiedlichen Spülprotokollen in solchen Fällen veröffentlicht haben.

Als Quintessenz dieser in-vitro-Untersuchung  leitet sich folgendes mögliche klinische Vorgehen ab:

Erster Behandlungstermin: Spülung mit NaOCl gefolgt von EDTA (17%)-Anwendung. Danach Applikation der Antibiotika-Mixtur.

Zweiter Behandlungstermin: Alleinige Anwendung  von EDTA zur Ausspülung des Antibiotikums. Von einer NaOCl- oder CHX-Spülung wird aufgrund der abtötenden Wirkung auf mögliche Stammzellen abgeraten.

Näheres zu dieser Studie und dem Abstract findet der interessierte Leser hier.

eBook – Moderne Endodontie im Überblick

von Christoph Kaaden

Das Internet bietet uns allen nahezu in jeglichen Bereichen des täglichen Lebens – beruflich, wie privat- unbegrenzte Möglichkeiten der Informationsgewinnung…

auch im Dentalbereich hat dieses Medium mittlerweile umfassend Einzug gehalten.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf das Journal ZWP online verweisen, wo ab sofort ein aktuelles eBook zum Thema „Moderne Endodontie im Überblick“ mit zahlreichen interessanten Artikeln frei erhältlich ist…

Viel Spass beim Stöbern & Lesen…

Kostenexplosion im Gesundheitswesen?

von Christian Danzl

Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge von 14% auf 15% ist nicht EIN Prozent.
Das will uns nur die Politik verkaufen. Es ist eine Erhöhung um einen ProzentPUNKT. In Wirklichkeit ist es eine Steigerung von 7%. Aber 1% hört sich besser an.
Und das soll es ja.

„Das Einkommen der Zahnärzte ist in den letzten 8 Jahren um gut 22% gestiegen.“
Hört sich auch gut an. Nur wer kann das nachvollziehen?
Der gemeine Bürger, dem die Regierung wieder einmal erzählt, dass die Ärzte zuviel verdienen.
Nominal (der reine Geldwert) sind die Einkommen gestiegen.
Real (also nach Einberechnung von Inflation und Kaufkraft) sind die Einkommen von 1997 bis 2007 um knapp 6% gesunken.

„Gesundheitsausgaben haben sich 1995 bis 2004 offenbar mehr als verdoppelt.“ Das war, was sich aus der Grafik vom Kölner Stadtanzeiger vom 27.10.2006 auf den ersten Blick erkennen liess.
Warum?
1. eine Zahl von 1995 wurde falsch übertragen
2. eine abgeschnittene y-Achse, d.h. die Säulen in der Grafik werden nicht ganz dargestellt
Dadurch ergibt sich eine starke Verzerrung.
Nach Korrektur Kaufkraft und Inflation ist von der Explosion der Kosten plötzlich nichts mehr zu sehen.

Arbeitslose Stand Mai 2010:

3,242 Mio.

Was ist nicht dabei?
5,834 Mio „Arbeitsuchende“
5,918 Mio erwerbsfähige Empfänger von Geldleistungen (Arbeitslosengeld I und II)

Es kommt noch besser:
seit dem 01.05.2009 werden Jobsucher, die von privaten Trägern wie den Berufsbildungszentren betreut werden, nicht mehr als als Arbeitslose gezählt.

Das, und wie noch mit Statistiken und Zahlen gelogen wird, ist nachzulesen in
„Lügen mit Zahlen“ von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff.

Nach dieser Lektüre sehen Statistiken definitiv anders aus.
Auch die der eigenen KZVen!

Das einzige was stört ist der Patient.

von Olaf Löffler

Das einzige was stört ist der Patient von Roger Rankel & Oliver Reichert di Lorenzen.
Die eBookversion habe ich als eBook über iTunes für etwas weniger als 10 Euro erworben.

Das Buch ist kurzweilig geschrieben. Der durch die Autoren vorgehaltene Spiegel spricht Kolleginnen und Kollegen an, welche ihre Praxis nicht nur in der Behandlungsqualität weiter voranbringen wollen. Der häufigen Betriebsblindheit kann nach dem Studieren des Buches aktiv begegnet werden. Für Praxismitarbeiter ein ebenso empfehelnswert und wichtig.
Allerdings muss auch angemerkt werden, daß für alle die, welche dieses Gebiet bereits beackert haben wenig Neues vorhanden ist. Dafür enthält es als „Entschädigung“ einige interessante Literaturstellen und Quellenagaben. Diese weiter zu recherchieren und selbst auszuwerten ist spannend und informativ.

Einige Kommentare haben den Hauch einer Gebrauchtwagenverkäufermentalität. Die vorgetragenen Beispiele zeigen mitunter eine leicht oberflächliche Betrachtungsweise. Schade, denn diese zwei Dinge trügen etwas den ansonsten guten Eindruck.

Die eBook Version kann ich nicht anraten, da eine Weitergabe an Praxismitarbeiter nur mit dem entsprechenden iPad oder iPod erfolgen kann. Damit ist das gebundene Buch ein klarer Favorit.
Muss man das Buch kaufen? Wenn man Anregungen für Veränderungen sucht dann ist es hilfreich.

Wikipedia

von Olaf Löffler

Immer öfters sieht man in Vorträgen Erklärungen, bzw. Definitionen aus Wikipedia. Wikipedia erhebt den Anspruch, die größte, das gesamte Wissen der Welt beinhaltende Enzyklopädie zu werden. Ursprünglich als Jux gedacht ist Wikipedia nun 10 Jahre alt geworden.

Eine unkritische Übernahme der Definitionen aus diesem Wissenfundus ist nicht immer angebracht.

Einen interessanten Artikel habe ich hier gefunden.

Viel Spass beim Lesen und ein herzliches Dankeschön an unsere Schweizer Kollegen, welche Ihre Artikel kostenfrei online zur Verfügung stellen.

Würgereiz

von Christian Danzl

Als Zahnarzt steht man jeden Tag wieder vor kleinen und großen Herausforderungen. Zu den größeren Herausforderungen im normal verlaufenden Praxisalltag gehören Patienten mit starkem Würgereiz. Man braucht ihnen nur den Mundspiegel zu zeigen und schon ist die Magensäurefreiheit der Einrichtung und des Bodens in Gefahr (komischerweise habe ich es noch nie solchen Patienten gesehen, dass beim Essen die Bissengröße oder Gabelbeladungen aufgrund Würgereizes kleiner wären als bei anderen Menschen).

Was tun mit diesen bedauernswerten Patienten? Denn sie würgen ja nicht, um das Team der Zahnarztpraxis spasseshalber an die Belastungsgrenze zu führen, sondern leiden selber stark in so einer Situation

Ablenkung ist eine Möglichkeit. Wenn der Abdruck im Mund ist und aushärten soll, gilt es ein paar Minuten zu überbrücken. Die Helferin lässt abwechselnd das linke und dann das rechte Bein heben.

Eine andere Möglichkeit wäre die Aktivierung des Akupunkturpunktes KG 24 in der Kinnmulde (KG, Konzeptionsgefäß, einer der acht ausserordentlichen Meridiane, er verläuft von der Symphyse des Os pubis auf der Mittellinie ventral nach kranial bis zur Unterlippe und endet dort am Rand des Lippenrotes). Mit Druck auf diesen Punkt lässt sich der Würgereiz vorübergehend eindämmen und manchmal sogar ausschalten.

Diesen Tip, und auch verschiedene andere Interessante beschreibt Jochen M. Gleditsch in seinem Buch „Mundakupunktur„.

Helfer in der Praxis

von Christian Danzl

Heute mal zwei (kleine) Helfer.

Das erste Helferlein ist kaum der Rede wert, aber es ist doch immer wieder praktisch.
Es ist ein kleines Lineal.
Was macht es erwähnenswert?

3 Dinge:

  • es ist aus Aluminium, also autoklavierbar
  • die Null, also der Messbeginn ist nicht aufgedruckt, sondern die linke Kante, also brauchbar, um Endo-Feilen einzustellen (wenn gerade kein Messblock zur Hand sein sollte, oder zusätzlich für die Helferin) und zum Messen der Mundöffnung (Schneidekantendistanz) – auch das soll in der Zahnarztpraxis hin und wieder vorkommen.
  • der Preis. 3,50 € Für das Geld kann man mehrere davon in den Schubläden liegen haben

Zu beziehen bei Muji.

 

 

 

Der zweite Helfer ist größer, schwerer, teuerer und schwieriger.

Den Tip habe ich von meinem sehr geschätzten Kollegen Frank Sanner aus Frankfurt, einer der treibenden Kräfte der „Endopedia„.

„Orofacial Pain & Headache“ von  Yair Sharav und Rafael Benoliel,
ein umfangreiches Werk über Schmerzen in Kiefer- und Gesichtsbereich.


Es werden verschiedenste Aspekte von Diagnose, Einteilung, Hintergrund und mögliche Behandlungen usw. zum Thema dargelegt. Leider momentan nur in englischer Sprache verfügbar.

DVT-„Atlas“

von Christian Danzl

Die digitale Volumentomographie drängt in die Zahnarztpraxen. Und das massiv.

Aber nicht ohne Grund. Der diagnostische Nutzen für Chirurgie, Parodontologie, Endodontie ist nicht zu übersehen. Etliche Befunde, die in einer Summationsaufnahme nicht zu erkennen sind, lassen sich in einem Volumentomogramm sehr eindrucksvoll darstellen, wie z.B. hier beschrieben.

Doch die Literatur, insbesondere Atlanten, welche physiologische und pathologische Standardbefunde darstellen, ist dünn gesäht.

Einen der wenigen verfügbaren Atlanten habe ich mir bestellt:

Cone Beam CT of the Head and Neck: An Anatomical Atlas von Kau, Kamel, Bozic und Abramovitch.

Es ist ein kleines Taschenbüchlein, eher schon eine Broschüre. 13 x 19 cm groß und 5 mm dick.
Anatomische Präparate und korrespondierende CT-Schnitte sind nebeneinander abgebildet. Lediglich 9 axiale, 8 coronale und 7 sagittale Schnitte sind dargestellt.
Die anatomischen Präparate sind nicht von beeindruckender Qualität, die CT-Bilder sind zu klein, teilweise mit erheblichen Artefakten und die Auflösung uninteressant.

Urteil:

Für Zahnmediziner weitgehend unbrauchbar. Was hier gezeigt wird, dürfte bei jedem noch aus der Anatomie hängengeblieben sein.

Aktualisierte endodontische Terminologie

von Amir Moinzadeh

Im Journal of Endodontics wurde bereits im Dezember 2009 die auf der AAE Consensus Conference erarbeitete Nomenklatur für die endodontische Diagnostik veröffentlicht.

Anhand der nachfolgenden Auflistung der diagnostischen Begriffe kann z.B. die Kommunikation mit überweisenden Kollegen  auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Pulpale Diagnose

Normal pulp:

A clinical diagnostic category in which the pulp is symptom-free and normally responsive to pulp testing.

Reversible pulpitis:

A clinical diagnosis based on subjective and objective findings indicating that the inflammation should resolve and the pulp return to normal.

Symptomatic irreversible pulpitis:

A clinical diagnosis based on subjective and objective findings indicating that the vital inflamed pulp is incapable of healing. Additional descriptors: lingering thermal pain, spontaneous pain, referred pain.

Asymptomatic irreversible pulpitis:

A clinical diagnosis based on subjective and objective findings indicating that the vital inflamed pulp is incapable of healing. Additional descriptors: no clinical symptoms but inflammation produced by caries, caries excavation, trauma.

Pulp necrosis:

A clinical diagnostic category indicating death of the dental pulp. The pulp is usually nonresponsive to pulp testing.

Previously treated:

A clinical diagnostic category indicating that the tooth has been endodontically treated and the canals are obturated with various filling materials other than intracanal medicaments.

Previously initiated therapy:

A clinical diagnostic category indicating that the tooth has been previously treated by partial endodontic therapy (eg, pulpotomy, pulpectomy).

Apikale Diagnose

Normal apical tissues:

Teeth with normal periradicular tissues that are not sensitive to percussion or palpation testing. The lamina dura surrounding the root is intact, and the periodontal ligament space is uniform.

Symptomatic apical periodontitis:

Inflammation, usually of the apical periodontium, producing clinical symptoms including a painful response to biting and/or percussion or palpation. It might or might not be associated with an apical radiolucent area.

Asymptomatic apical periodontitis:

Inflammation and destruction of apical periodontium that is of pulpal origin, appears as an apical radiolucent area, and does not produce clinical symptoms.

Acute apical abscess:

An inflammatory reaction to pulpal infection and necrosis characterized by rapid onset, spontaneous pain, tenderness of the tooth to pressure, pus formation, and swelling of associated tissues.

Chronic apical abscess:

An inflammatory reaction to pulpal infection and necrosis characterized by gradual onset, little or no discomfort, and the intermittent discharge of pus through an associated sinus tract.

Condensing osteitis:

Diffuse radiopaque lesion representing a localized bony reaction to a low-grade inflammatory stimulus, usually seen at apex of tooth.

Nachzulesen im JOE — Volume 35, Number 12, December 2009

Praxishygiene

von Olaf Löffler

Es ist ein neuer Hygieneleitfaden des Deutschen Arbeitskreises für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) veröffentlicht.

Hier können Sie diesen finden.

WICHTIG für alle Praxisneugründer oder „Umzieher“:
… Keime aus dem Trinkwasser können an der Innenwandung der Leitungen sog. Biofilme bilden. Vor allem in Phasen der Stagnation des Wassers (z.B. über Nacht und am Wochenende bzw. Urlaub), und wegen relativ hoher Umgebungstemperaturen kann es zu Kontaminationen des Kühl- und Spülwassers kommen. Eine vielfach diskutierte Verkeimung des Wassers durch Mikroorganismen aus der Mundhöhle des Patienten und Einwanderung über die Übertragungsinstrumente ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Deshalb ist an der Übergabestelle öffentliches Trinkwassernetz/Dentaleinheit ein sog. freier Auslauf nicht gefordert.


Die dritte Dimension (II)

von Christoph Kaaden

Die Erkenntnis ist eigentlich alles andere als neu. Bereits 1961 konnten Bender and Seltzer in-vitro nachweisen, dass „konventionelle“ dentale Röntgenaufnahmen häufig nicht in der Lage sind tatsächliche Ausmasse apikaler Parodontopathien darzustellen. Dies gilt insbesondere für den Unterkiefer. Das Fazit Ihrer Untersuchungen lautete daher:

Lesions in cortical bone can be detected roentgenographically only if there is perforation of the bone cortex, erosion from the inner surface of the bone cortex, or extensive erosion or destruction from the outer surface. Lesions in cancellous bone cannot be detected roentgenographically. Extensive disease of bone may be present even when there is no evidence of it on roentgenograms.

Bender IB, and Seltzer S: Roentgenographic and direct observation of experimental lesions in bone I. J Am Dent Assoc 62:152-60, 1961

Der nachfolgende Fall unterstreicht diese Erkenntnisse eindrucksvoll. Während sich die Einzelzahnaufnahmen als wenig aussagekräftig erwiesen zeigte die angefertigte DVT-Aufnahme ein anderes Bild. Hier konnte eine knapp 10 Millimeter grösse apikale Osteoloyse endodontischen Ursprungs des alio loco behandelten Zahnes 47 als Ursache für das bestehende Beschwerdebild ausgemacht werden. Die weiterhin intakte bukkale bzw. linguale Kortikalis verhinderte eine adäquate Beurteilung durch die Einzelzahnaufnahmen…

„Rote Liste forte“

von Christian Danzl

Zahnärzte sind – im Gegensatz zu Allgemeinärzten und Internisten – nicht Helden des Rezeptblockes. Meist beschränkt sich das Rezeptieren auf Antibiotika und Analgetika oder auch mal ein Fluoridpräparat. Somit ist der normale Zahnarzt nicht immer der erste Ansprechpartner, wenn es um Fragen von Wirkung und Nebenwirkung bei Arzneimitteln geht.

Trotzdem ist das Wissen um die Medikamente, die der zu behandelnde Patient einnimmt, hin und wieder von großer Wichtigkeit für die Therapie beim Zahnarzt.

Eine große Hilfe ist hierfür die Rote Liste, oder auch das hier von Olaf Löffler vorgestellte iPhone App, besonders, wenn es darum geht sich einen schnellen Überblick ber Dosierung und/oder Wechselwirkung mit anderen Medikamenten zu Verschaffen.

Hin und wieder sind jedoch auch Hintergrundinformationen zu Medikamenten für den Zahnarzt interessant. Diese sind zu erfahren auf den Homepage der Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft AkdÄ.

Hier finden sich Informationen über Arzneimittelsicherheit (Drug Safety Mail, Rote Hand Briefe), Arzneimitteltherapie (neue Arzneimittel, Therapieempfehlungen…), Stellungnahmen von BMG, der europäischen Kommission, des G-BA und des IQWiG, sowie ein Online-Formular zum Melden von UAW.

Sehr interessant ist auch das Archiv des AVP-Bulletins.
Zitat:
„Arzneiverordug in der Praxis (AVP).
Besondere Schwerpunkte bilden kritische Übersichten über den therapeutischen Stellenwert von Arzneimitteln, Belange der Arzneimittelsicherheit im Sinne unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) und Preisvergleiche für ausgewählte Wirkstoffe.“

Die Seite ist für den Zahnarzt nicht absolut unverzichtbar, aber sie liefert gelegentlich schöne Hintergrundinformationen.

1976-2010 – 34 Jahre Pathways of the Pulp

von Oscar von Stetten

34 Jahre, 10 Ausgaben. In meinen Augen eines der Standardwerke für die Endodontie. Quasi „Endodontics in a nutshell“, wobei die „nutshell“ von ehemals 681 auf 952 Seiten angewachsen ist. Das gesamte Feld der Endodontie in einem Buch. Vergleichbar dem Memorix der Zahnheilkunde von Thomas Weber.

Aber NUR Endo.

Und: keine grosse Schrift. Einige Kapitel sind nur online erreichbar. Ansonsten wären man bei weitaus mehr Seiten. Das Buch wäre nicht mehr lesbar. Es ist jetzt schon kaum in der Hand zu halten. Schmökern auf dem Sofa? Schwierig. Sehr schwierig. Vielleicht mit einem Ipad.

Das neue an der 10. Ausgabe: es sind neue Autoren eingeladen worden. Neue Perspektiven, neue Interpretationen. Spannend und erfrischend. Nicht, dass ich etwas gegen bewährtes hätte ;-).

Meine Empfehlung: ein „haben-muss“. Als Nachschlagewerk oder zum schnellen Einstieg in ein spezielles Thema hervorragend geeignet. Sehr gute Literaturverweise, die ebenfalls einen tiefergehenden Recherche-Einstieg ermöglichen.

Aber Vorsicht: wenn man einmal damit beginnt, wird es schwer, wieder aufzuhören. Aber es sind ja nur 952 Seiten, 376 Seiten weniger als der aktuelle Roman von Frank Schätzing.

Wieviele Kanäle…

von Olaf Löffler

Diese Woche hatte ich die Ehre eine Wurzelkanalbehandlung an einem oberen ersten Molaren durchführen zu dürfen. Der Patient war einer meiner Überweiserkollegen.
Neben der Länge der schmerzfreien Behandlung war für den Kollegen am beeindruckensten, daß dieser obere Molare 4 Kanäle hat.

Für mich war das nicht ungewöhnlich. In meinen endodontischen Behandlungen gab es seit Einsatz des Mikroskopes 2 obere Sechsjahresmolare, in welchen ich nur einen mesiobukkalen Kanal gefunden habe.
Vorher gab konnte ich nur im absoluten Einzelfall mal einen mesiobukkalen zweiten Kanal erkennen. Nun interessierte mich, wann wurde erstmals das Vorkommen von mehr als 3 Kanälen beschrieben. Dabei konnte ich in Schuhmachers Anatomie der Zähne lesen, daß der obere erste Molar dreikanalig ist. Witzigerweise waren darüber Bilder von einem 4 kanaligen 6ern, darunter stand ( nach O.Keller 1928) . In Pubmed kam ich dann zu weiteren Ergebnissen.

In der oft zitierten Studie von Hess * 1917 ist zu lesen, daß Preiswerk 1908 und Fischer 1907 bereits eine Differenzierung des mesiobukkalen Kanals vornamen. 1913 beschrieb Hans Moral** den mesiobukkalen zweiten Kanal und die verschiedensten anatomischen Kanaleingänge.
1969 hat Weine***, die bis heute aktuelle Klassifizierung vorgenommen.
Typ I:    ein Kanal, ein Foramen
Typ II: zwei Kanäle, die sich vor dem Apex vereinigen und ein gemeinsames Foramen haben
Typ III:  zwei Kanäle, zwei getrennte Foramina
Typ IV: ein Kanal, der sich vor dem Apex in zwei Kanäle verzweigt (1984)

Vertucci**** hat noch weitere Formen hinzugefügt und Kulid und Peters***** haben 1990 die apikalen Verläufe in ihre Klassifikation mit einbezogen.

Nun noch die Behandlunsgdokumentation dieses Eingangs beschriebenen Falls. Dabei handelt es sich um eine Weineklassifikation Typ II und nach Kulid und Peters um den Typ 2C, welcher in dieser Studie mit einer Häufigkeit von 2,4% innerhalb der Klasse 2 angegeben wird. Die Klasse 2 wird mit einer Häufigkeit von 49,4% beschrieben.

* Hess, W., Zur Anatomie der Wurzelkanäle des menschlichen Gebisses mit Berücksichtigung der feineren Verzweigung. Schweizerische Vierteljahresschrift für Zahnheilkunde, 1917; 27; 1-53
** Moral, H., Über das Vorkommen eines vierten Kanales im oberen Molaren.  Österr.-Ung. V.f.Z. 1915 H.3
*** Weine FS, Healey HJ, Gerstein H, Evanson L., Canal configuration in the mesiobuccal root of the maxillary first molar and its endodontic significance, Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 1969 Sep;28(3):419-25
**** Vertucci FJ.,Root canal anatomy of the human permanent teeth.
Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 1984 Nov;58(5):589-99
***** Kulild J C, Peters D D., Incidence and Configuration of Canal Systems in the Mesiobuccal Root of Maxillary First and Second Molars.,Journal of Endodontics July 1990 (Vol. 16, Issue 7, Pages 311-17

Endo Kalender 2010

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Der Endodontie – Kalender 2010 ist da.
Pünktlich zur ESE – Zweijahrestagung in Edinburgh, die in wenigen Tagen beginnen wird, wird er verfügbar sein.
Bereits in der 4. Auflage und  – das ist neu – in einer deutschsprachigen und einer englischsprachigen Variante.
Auch dieses Mal wieder geht es im beeindruckenden DIN A2 – Format und bestechender Druckqualität nicht nur um einen endodontisch bebilderten Jahresdurchgang, sondern um viel mehr.

Aber dazu lassen wir am besten den „Vater“ des Endodontie – Kalenders, den Dresdener Endodontie – Spezialisten Michael Arnold zu Wort kommen. Für ihn sind 5 Kernpunkte essentiell für die Konzeption des Kalenders:

1. Exemplarische Information

Jeder Erwachsene weiß heute, was eine „Wurzelbehandlung“ ist. Zumeist sind unangenehme Erfahrungen an die Erinnerung einer Wurzelkanalbehandlung geknüpft. Was heute Endodontie zu leisten im Stande ist, ist jedoch weithin in der Öffentlichkeit unbekannt.
Mit den 12 Kalenderseiten im Querformat A2 werden in optisch ansprechender Weise spannende Behandlungsfälle gezeigt und über neue Möglichkeiten in der Zahnerhaltung auf der Basis aktueller Forschung informiert.

2. Anregung zur Kooperation
In der Zahnarztpraxis gehört die endodontische Diagnostik und Therapie zu einem wesentlichen Schwerpunkt der täglichen Arbeit. Traditionelle und bewährte Behandlungsmethoden ermöglichen den dauerhaften Erhalt von Zähnen mit irreversiblen Schäden der Pulpa. In Fällen mit einer mikrobiell infizierten Pulpanekrose oder einer Revisionsbehandlung mit periapikaler Entzündungsreaktion werden national und international noch immer keine zufrieden stellenden Ergebnisse erreicht.
Die vorgestellten Behandlungsfälle basieren auf der vertrauensvollen Zusammenarbeit von Generalisten und Endodontie-Spezialisten. Diese Kooperationen werden zur Verbesserung der Qualität in der Patientenbetreuung bei ständig zunehmenden Anforderungen unverzichtbar. Mit diesem Kalender soll zu der fachübergreifenden Zusammenarbeit ermutigt werden. Die drei Endodontie-Fachgesellschaften DGZ/AGET, DGEndo und der VDZE vermitteln auf Anfrage den Kontakt zu zertifiziert fortgebildeten Kollegen mit dem Arbeitsschwerpunkt Endodontie.

3. Übersichtliche Präsentation
Der Endodontie-Kalender zeigt seltene und interessante Behandlungsfälle. Anhand der Gegenüberstellung von Ausgangs- und Endbefunden werden die Besonderheiten schnell erkennbar. Bilder aus dem Wurzelkanalsystem zeigen auf eindrucksvolle Weise, welche Details unter Sicht mit einem Dentalmikroskop erkennbar sind. Eine zusammenfassende Kurzdarstellung des Falls ermöglicht das Nachvollziehen von wesentlichen Behandlungsabfolgen.

4. Kompetente Aufklärung
Der Endodontie-Kalender im Behandlungszimmer ermöglicht es, Patienten kompetent zu beraten und auf die Besonderheiten im Wurzelkanalsystem hinzuweisen. Der spezielle Einsatz des Dentalmikroskops zur Darstellung kleinster endodontischer Hohlräume und Korrektur von Problemsituationen wird dem Patienten dadurch besser verständlich und der daraus resultierende höhere Kostenaufwand transparent.

5. Internationaler Austausch
Mit der Sammlung aller nationalen und europäischen Tagungstermine endodontischer Fachgesellschaften besteht für jeden Interessierten die Möglichkeit der Fortbildung auf höchstem Niveau bei gleichzeitigem Kennenlernen benachbarter Länder und fremder Kulturen. Der fachliche nationale und internationale Austausch soll mit dem Endodontie-Kalender auf europäischer Ebene gefördert werden.

Weitergehende Hinweise zu den Autoren, Informationen zu den Behandlungsfällen und Bestellinformationen sind im Internet zu finden unter http://www.endodontie-kalender.de. Der Einzelpreis beträgt  35,00 Euro  zzgl. 7,00 € Versandkosten nach Deutschland. Die Kosten für den internationalen Versand können abweichen.

Und falls nach der Lektüre jemand Lust bekommt, eigene Fälle einzureichen für die nächste Edition 2011,  sei darauf hingewiesen, dass dies rasch erfolgen sollte.
Denn im nächsten Jahr wird zum ersten Mal eine internationale Ausschreibung der 12 Kalenderplätze stattfinden und ich bin sicher, dass dies nicht nur das  ohnehin schon hohe Niveau des Kalenders noch einmal steigern wird, sondern auch die begehrten Monatsblätter werden noch schneller als in diesem Jahr vergeben sein.

Spaghettisauce

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

2002 bin ich in einer Buchhandlung auf ein Buch von Malcom Gladwell gestossen.
The Tipping Point. Tipping points, das  sind  magische Momente, an denen eine Idee, ein Trend oder ein soziales Verhalten eine Schwelle überschreitet, umkippt, und sich wie ein Flächenbrand ausbreitet.
Die Suche nach Gesetzmäßigkeiten, die erklären könnten, wie es zu diesem Umkippen kommt, beschäftigte Gladwell, der zehn Jahre lang als Reporter für die Washington Post gearbeitet hat, erst als Wissenschaftsjournalist, und dann als Leiter des New Yorker Büros.
Insbesonders die Theorie des „zerbrochenen Fensters“ , die Konsequenzen für die New Yorker Polizei, die daraus gezogen wurden und die Erfolge, die damit erzielt wurden, fand ich sehr beeindruckend.
Ich habe auch die weiteren Bücher des Autors gelesen („Blink“ und „Überflieger“) und auch dort interessante Sachen mitgenommen.
Und jetzt bin ich auf das folgendes Video mit Malcom Gladwell gestossen.
Er redet über Spaghettisauce und Kaffeesorten.
Okay, sie fragen sich, was das mit Zahnmedizin zu tun hat.
Ich versuche, den Bogen zu spannen.
Vor Markteinführung eines neuen Consumerproduktes werden Marktforschungstests durchgeführt. Was möchte der Kunde ? Das ist die Kardinalfrage.
Ziel der Konsumfoschung war es lange Zeit, ein Produkt zu bekommen, dass möglichst breite Zustimmung bekommt.
Daraus resultiert jedoch zwangsläufig ein Produkt, dass von den Kunden in seiner Qualität als genügend, nicht jedoch als ausserordentlich eingestuft wird. Ein Kompromiss auf möglichst breiter Basis.
Kreiert man jedoch ein Produkt, dass auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten ist, so kann dieses Produkt wesentlich höhere Einstufungen in dieser Gruppe erreichen, der Grad an Zufriedenheit ist also wesentlich höher.
Um beim Kaffee zu bleiben, für Gladwell ist dieser Unterschied in der Zufriedenheit der Unterschied zwischen einer Plörre und einem coffeinen Hochgenuß.
Mein Tipp: Schauen Sie sich das Video an und überlegen Sie für sich selbst, welche Art von Zahnarztpraxis sie sein wollen.
Automatenkaffee oder Spezialmischung ?
Falls Sie zu letzterem tendieren: Nicht jeder wird ihren Kaffee mögen, aber die, die ihn mögen, werden begeistert sein.
Eine Begeisterung, die Sie in ihrer „Automatenkaffee“ – Praxis nie in dieser Form erfahren werden.
Und das wäre schade.

Buchtipp : Endodontic Microbiology

von Oscar von Stetten

Als mich der Kollege Bijan Vahedi auf dieses Buch aufmerksam machte, bestellte ich es mit gemischten Gefühlen.
Der Gedanke „wieder ein Buch mit Aufbereitungssequenzen und Instrumentenvorstellungen…..“ war sofort präsent.
Als mein Exemplar endlich ankam (Amazon, zwei Tage Lieferzeit) stellte ich beim ersten Blättern fest, dass KEINE EINZIGE Instrumentensequenz oder ähnliches enthalten war.
Diese Buch handelt auf 310 Seiten tatsächlich nur von der Biologie in der endodontischen Therapie.
Dabei handeln verschiedene Autoren sehr gründlich die verschiedenen Aspekte der biologischen Grundlagen ab.
Die Referenzen am Ende eines jeden Kapitels sind eine gute Zusammenfassung der momentan aktuellen Literatur dazu und ermöglichen ein vertieftes Studium.

Interessant?
Für mich auf jeden Fall, und zwar so, dass mich meine Erstassistenz unter Androhung körperlicher Gewalt zum Behandeln zwingen musste.
Relevant? Sicher, denn diese Buch sammelt IMHO alles, was man schon einmal fragmentarisch irgendwo gehört hat, und zwar kompakt und gut zum Nachlesen. Und es bietet die Gelegenheit, sein eigenes Behandlungsprotokoll zu überprüfen und aufgrund der vorhandenen Literatur anzupassen und/oder zu ergänzen.

Mein Resümee:

Einen Kauf wert für jeden, der weiter als die neuesten Feilentechnologien und Sequenzen schauen möchte und sein Wissen um den biologischen Aspekt der von uns tagtäglich durchgeführten endodontischen Arbeit auf eine solide Basis stellen will.

Endodontic Microbiology
Ashraf F. Fouad
ISBN: 978-0-8138-2646-2
Hardcover
368 pages
March 2009, Wiley-Blackwell

P.S.: soeben ist das Buch „Essential Endodontology“ von Dag Ørstavik und Thomas Pitt Ford in der aktuellen Ausgabe bei mir angekommen. Das erste Anlesen lässt sich nicht schlecht an…..