Tag des Frontzahnes

Von Bonald Decker

Bis zu 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen erleiden ein Frontzahntrauma. Circa 35 Prozent davon betreffen die zweite Dentition. Wie aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ist die Zahl stark zunehmend.

Gestern haben wir unseren persönlichen „Praxisrekord aufgestellt“. Bei insgesamt sieben Patienten im Alter vom 7-63 Jahren wurden Direkt- oder Spätfolgen eines ehemals erlittenen Zahntraumas von uns versorgt.

Bei dem ersten Patienten (32 Jahre) ist aufgrund multipler Befunde eine umfangreiche Behandlung in mehreren Terminen vorgesehen. Die Röntgenbilder verdeutlichen, warum:

Alio loco angefertiges Röntgenbild der Regio 11 und 21 mit Guttaperchastiften in vestibulären Fistelgängen

Alio loco angefertiges Röntgenbild der Regio 11 und 21 mit Guttaperchastiften in vestibulären Fistelgängen

DVT Regio 21 mit erkennbarer apikaler Osteolyse

Gestern starteten wir zunächst mit der endodontischen Therapie des Zahnes 21. Dessen Prognose schätze ich bei normalem Behandlungsverlauf als gut ein.

Masterpoint-Aufnahme von Zahn 21 nach vor ca. 6 Jahren erlittener Dislokation der Zähne 11 und 21

Durch die ungünstige Lage der pulpapenetrierenden externen invasiven zervikalen Resorption erscheint der Erhalt des Zahnes 11 hingegen nicht nur anhand des DVTs als weitaus ungewisser.

Externe invasive zervikale Resorption an Zahn 11 nach Dislokation vor ca. 6 Jahren

Einen Erhaltungsversuch erscheint es uns trotzdem „wert“ zu sein.

Bei der nächsten Patientin schlossen wir im gestrigen zweiten Termin die Revisionsbehandlung ab. Die Erstbehandlung und Überkronung war laut Patientin ursprünglich notwendig geworden, nachdem ein Flaschenkopf gegen den Zahn zu einer komplizierten Kronenfraktur geführt hatte.Bei der Erstbehandlung war jedoch u.a. ein lingual gelegenes Kanalsystem übersehen worden.

„Einpressungen“ von Sealer in die koronalen Anteile gaben uns jedoch vorab einen sehr guten Anhalt für dessen Existenz. Nach Wurzelkanalfüllung wurde ferner einen Glasfaserstift mir adhäsiver Aufbaufüllung platziert

Prä- und post operatives Röntgenbild nach zweizeitiger Revisionsbehandlung eines Unterkieferfrontzahnes mit 2 Kanalsystemen

Die nächste (33jährige) Patientin und ihr Zahn 11 hatten schon eine „bewegtere“ Vergangenheit. Neben einer endodontischen Behandlung war der Zahn in der Vergangenheit bei wiederkehrenden Beschwerden mit Fistelbildung zweimal reseziert worden. Zuletzt vor ca. 18 Monaten. Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis imponierte nun erneut eine vestibuläre Schwellung bei apikaler Osteolyse.

Vestibuläre Schwellung nach zweimaliger WSR und wiederkehrender Entzündungsproblematik

Alio loco angefertiges Röntgenbild Regio 11 mit Zirkonstift

Palatinate Ansicht vor Revisionsbeginn

Mit etwas Mühe (u.a.Einsatz von Endoguide-Instrumenten und Ultraschallansätzen) gelang es (besser als gedacht) den Zirkonstift zu entfernen und das Kanalsystem anschliessend chemo-mechanisch zu reinigen.

Schräg resezierter Zirkonstift nach orthograder Entfernung mittels Ultraschallansätzen. Im ersten Behandlungstermin wurden 90 Minuten eingeplant. Nach 75 Minuten war der erste Termin abgeschlossen.

Gestern erfolgte nun nach erzielter Beschwerdefreiheit und abgeklungener Schwellung der Behandlungsabschluss.

Postoperatives Röntgenbild nach MTA plug und Guttapercha/Sealer-Backfill

Als nächstes war Max an der Reihe. Bei dem Siebenjährigen war es vor einigen Monaten traumatisch bedingt zu einer Avulsion des Zahnes 21 gekommen. Leider ist die Prognose des Zahnes aufgrund multipler Befunde als schlecht einzustufen. Nachuntersuchungen werden den weiteren Verlauf verdeutlichen müssen.

Alio loco angefertiges Röntgenbild (links) sowie nach medikamentöser Ca(OH)2-Einlage

Bei dem neunjährigen Felix haben wir uns aufgrund des weit offenen Apex für die Einleitung einer Revitalisierungstherapie entschieden.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach ehemals erlittener extrusiver Dislokation mit Pulpanekrose und nicht fortschreitendem Wurzelwachstum bei Zahn 11

In diesem Zusammenhang möchte ich einen Hinweis von Dr. Jörg Schröder weitergeben, der mich vor Kurzem auf die aktuellen Therapieempfehlungen der AAE in solchen Fälle hingewiesen hat.

Als sechster Traumapatient konnten wir im zweiten Termin die Behandlung vom Jan (11 Jahre) abschliessen. Da es u.a. durch die Pulpanekrose zu einer Verfärbung der klinischen Krone gekommen war, ist nun im Anschluss an die endodontische Therapie ein intrakoronales Bleaching vorgesehen.

Prä- und postoperatives Röntgenbild nach traumatisch bedingter Pulpanekrose an Zahn 11

Der siebte und letzte Patient hat bereits eine ähnliche Leidensgeschichte wie die dritte Patientin hinter sich. Mit dem Unterschied, dass ein Zahn bereits durch ein Implantat ersetzt wurde.

OPG vor endodontischer Revision des Zahnes 12

Klinisch wird schnell deutlich, warum der Patient unbedingt einen Erhalt durch Revision des Zahnes 12 nach bereits erfolgter Wurzelspitzenresektion wünscht:

Klinische Situation nach Implantation vor circa sechs Jahren Regio 11 mit deutlicher Infraposition und mässiger Ästhetik

Prä- und intraoperative Situation.

Die insuffiziente Wurzelkanalfüllung konnte mühelos entfernt und das Kanalsystem nachfolgend chemo-mechanisch bearbeitet werden.

Ich halte es für sehr realistisch, dass wir eine weitere Implantation durch die gewählte Therapie vermeiden können.

Über den weiteren Verlauf der heute vorgestellten Behandlungen werde ich Sie zukünftig auf dem Laufenden halten.

Ich bin allerdings froh, dass nicht jeder Tag bei uns von so vielen traumatischen Verletzungen „gepflastert“ ist…

Behandungsplanung & Prognose

von Christoph Kaaden

Die notwendigen Schritte zur Planung und Durchführung einer _vorhersagbaren_ endodontischen Behandlung sind zwar zahlreich, aber immer wiederkehrend…

hierzu zählen unter anderem:

  • Diagnosestellung
  • (ggf.) Präendodontischer Aufbau & antiseptisches Protokoll
  • Zugangskavität
  • Chemo-mechanische Reinigung
  • Obturation & Postendo-Versorgung

Schwieriger verhält es sich da schon bei der prä- bzw. postoperativen Einschätzung der „Wertigkeit“ und Prognose des Zahnes.  Zur Hilfestellung hat daher die American Association of Endodontists (AAE) jüngst einen lesenswerten Leitfaden veröffentlicht, der Zahnärzten bei der Einschätzung deutlich unterstützen sollte…

Nachzulesen hier

 

 

Statements zum Single Use von Endo – Instrumenten

von Hans – Willi Herrmann

Nachfolgend 2 Statements zur Frage der Einmalverwendung von Wurzelkanalinstrumenten, zum einen (via ROOTS durch Rob Kaufmann) eine aktuelle Stellungnahme der CAE zusammen mit der AAE. Es gibt auf der CAE – Homepage ein PDF – Dokument zum Herunterladen mit dem offiziellen Paper, allerdings passwortgeschützt. Die CAE schreibt::

„A concern had arisen in Alberta regarding the ability to sterilize and reuse packaged instruments marked as single use only.  Recognizing the importance of preventing cross contamination and transmission of disease, the AAE and CAE struck a joint committee to investigate the scientific basis for the endodontic instrument packages labeled single use only.

The final report endorsed by the executive committees of both the CAE and the AAE is an official position paper of both national organizations.  The findings of the report are that the most consistent and effective infection control protocol appears to be one that includes hand and ultrasonic cleaning of instruments immediately after use, followed by processing in an autoclave that is constantly monitored to assure sterility.  These methods appear to be effective in eliminating disease transmission caused by most microorganisms found within the root canal system but have been shown to be less effective in eliminating prion protein.  However, based upon best current scientific evidence and the very low risk of prion transmission to patients during endodontic treatment in the USA and Canada, the Special Committee on SUI feels that it is not currently warranted for clinicians to change the way in which they select endodontic files and reamers for re-use and sterilization.  The Special Committee does recommend that practitioners prepare and sterilize instruments for re-use in accordance with „best evidence“ currently available (See references).

The CAE and AAE  take this opportunity to thank the committee members, Dr. Gary Hartwell, Chair, Dr. Walter Bowles, Dr. Ove Peters, Dr. Marshall Peikoff, and Dr. Calvin Torneck, who worked on behalf of the dental profession to address this issue.

This position paper will be widely distributed in Canada to inform dentists and regulators. The CAE Standards of Practice document reflecting the standard of care will also reference the position paper. The Standards of Practice document is currently being updated, it will be distributed to our membership in 2012.“

Die zweite Stellungsnahme (des UK DHSSPS) ist vom April 2007. Sie lautet wie folgt:

„To

All General Dental Practitioners Clinical Directors of Community Dental Service Dental Directors and Consultants in Dental Public

Health HSSBs Head of School and Clinical Director, School of Dentistry Chief Executives of HSSBs Chief Executives of Trusts

Dear Colleague

T el: Fax: Email:

Your Ref: Our Ref:th

IMPORTANT: ADVICE FOR DENTISTS ON RE-USE OF ENDODONTIC INSTRUMENTS AND VARIANT CREUTZFELDT-JAKOB DISEASE (vCJD)

This letter is being issued to advise all dentists that endodontic files and reamers must be treated as single use instruments. This advice follows on from preliminary findings from research in progress by the Health Protection Agency in England. Similar advice in relation to single use of endodontic files and reamers has been issued in England, Scotland and Wales.

Background

Previous risk assessments for the transfer of vCJD infectivity via dental surgery have concluded that the risk is low. In 2006, the Spongiform Encephalopathy Advisory Committee (SEAC) issued a position statement on vCJD and endodontic dentistry based on a revised risk assessment produced by the Department of Health. The SEAC statement noted that there were uncertainties around the data and assumptions underpinning the assessment but that research underway should address some of these uncertainties. They recommended that “Once the research is complete and/or other data became available, the risks should be reassessed. A watching brief should be maintained”.

The SEAC statement concluded, “It is unclear whether or not vCJD infectivity can be transmitted via endodontic files and reamers. However, given the plausibility of such a scenario and the large number of procedures carried out annually, it would be prudent to consider restricting these instruments to single use as a precautionary measure. Since sufficiently rigorous decontamination of these instruments is difficult, single use of these instruments would eliminate this risk, should it exist”.

Date:

18April 2007

The Department of Health has now received preliminary findings from research in progress by the Health Protection Agency. Early results from studies in mice suggest that TSE (Transmissible Spongiform Encephalopathies, the group of diseases that include BSE, vCJD and scrapie) infectivity can be found in dental tissues. The research is ongoing and further advice is being sought form SEAC. However, the results support the possibility that files and reamers could pose an effective route of transmission of infection, and therefore support the restriction of these instruments to single use on a precautionary basis in order to reduce any risk of vCJD transmission.

This risk needs to be seen in context. Since 1996 there have been 165 cases of vCJD in the UK .There are approximately 1 million NHS endodontic treatments undertaken every year in England and Wales, 125,000 in Scotland and 50,000 in Northern Ireland. There is however no current evidence of vCJD being transmitted by any form of dentistry.

Advice

All dentists must ensure that endodontic files and reamers are treated as single use instruments. In view of the microbiological evidence which shows that endodontic reamers and files cannot be reliably decontaminated it is advised that these instruments be treated as single use and disposed of appropriately after each patient. This should be done whether or not the instruments are labelled as single- use.

The DHSSPS will review the resource implications for the general dental services.

Further advice on local decontamination procedures will be issued soon from the DHSSPS.

Yours sincerely

Donncha O’Carolan

Dr Michael McBride“