Und wieder ein Überweiser/Zuweiser weniger…

Gerade habe ich mit einer Zahnärztin telefoniert, die uns regelmäßig Patienten überweist. Ihr Zahntechniker hatte ein akutes Problem, ab einem neu überkronten Zahn. Der Zahn zeigt stark obliterierte Wurzelkanäle. Die Nachbarzähne zeigten im DVT anatomische Besonderheiten. Deshalb rief ich in der Praxis an und informierte die Kollegin.
Sie freut sich, daß wir ihr Probleme dieser Art abnehmen.
Ihr fehlt immer mehr die Kraft, den beruflichen Alltag zu meistern. Seit mehreren Jahrzehnten ist sie als Zahnärztin tätig.
Im gleichen Atemzug erklärte sie mir, daß sie demnächst ihre Praxis schließen wird. Einen Nachfolger findet sie nicht und weiter arbeiten möchte sie nicht mehr unter diesen Bedingungen. Die großen Kostensteigerungen für Personal, Verbrauchsmaterial, IT und Digitalisierung, sowie Mietkosten führen zu einem immer geringer werdenden Überschuss.
Wenn die Bedingungen stimmen und man die zahnärztliche Arbeit gern macht, bleibt man lange am Ball.

Das ist aber nicht mehr der Fall.
Jetzt laufen ihre Leasingverträge für ihre Computer aus und eine Neuinvestition wird sie nicht mehr machen. Ohne Computer kann sie heute keine Leistungen in der GKV abrechnen. Es ist schade, daß sie ihr Lebenswerk einstampfen muss.

Über kurz oder lang werden alle Einzelpraxen in den ländlichen Gebieten so enden.
Das ist ihre feste Überzeugung. Und demnächst werden noch einige Praxen in der Umgebung aus diesen Gründen schließen. Es wird zeitnah in diesen Gebieten neben dem ärztlichen auch den zahnärztlichen Notstand geben.

Die dort lebenden Menschen können nicht weg und in den Großstädten werden die Ärzte auch weniger. Dieser Verlust an Lebensqualität wird zunehmen.

Passend dazu diese Meldung von änd exklusiv und Quintessenz schreibt zur Personalproblematik.


Grund zur Freude

ist in den letzten Jahren im Berufsleben deutlich weniger geworden, oder wie man heute sagt die Freude ist nicht mehr so nachhaltig…
Die tägliche Arbeit wird von immer mehr Sorgen begleitet, mal fehlen Mitarbeiter, mal ist Material nicht lieferbar, fast ständig gibt es IT Probleme ( Telematik, Röntgensoftware, hängende Updates usw. ).

Und doch gibt es Tage, wo trotz oben genannter Probleme Patienten im Recall bestellt sind und alles genau so läuft, wie es gedacht und geplant war. Das ist ein Grund zur Freude in meinem Berufsleben, den ich nicht missen möchte. Schade nur, daß dies durch o.g. Gründe relativ schnell aus dem Bewusstsein gelöscht wird.

Vielleicht schreiben wir auch zu wenig Positives…
Deswegen möchte ich die zwei Fälle kurz vorstellen.

Beginnen wir mit dem Fall einer Patientin, welche unsere Praxis mit immer wieder kehrenden Beschwerden aufsuchte. Dar Zahn wurde bereits wurzelkanalbehandelt. Laut Aussage der Patientin wurde ihr immer mitgeteilt es sei alles in Ordnung. Der Zahn ist wetterfühlig, das ist immer mal bei wurzelkanalbehandelten Zähnen.
Sie wechselte den HZA und dieser überwies sie zu uns. 46 zeigte eine unvollständige WF und eine P. apicalis. Die Krone ist suffizient, der Zahn hat keine erhöhten Sondierungstiefen und der Lockerungsgrad ist 0.
Nach entsprechender Beratung haben wir uns für die Revision und den Erhaltungsversuch des Zahnes 46 entschieden.
Im angefertigten Röntgenbild sieht man nicht vollständig gefüllte Kanalstrukturen mit deutlich sichtbaren apikalen Veränderungen im Sinne einer P. apicalis. Die ZE Versorgung ist suffizient.
Der Zahn 46 hat Lockerungsgrad 0 und zirkular Sondierungstiefen zwischen 3 und 4mm.
46 ist zum Beratungstermin nicht perkussionsempfindlich. Die Patientin gibt an, immer mal einen Schmerz beim längeren Kauen zu verspüren.
Für endodontische Revision des Zahnes 46 haben wir die Patientin beraten. Die Stufenbildung mesial und distal und das apikale Erschließen der Kanalstruktur ist mit Risiken (Instrumentenfraktur, Perforation, etc.) verbunden. Die Patientin wollte unbedingt den Zahnerhalt versuchen. Nach Entfernung des WF Materials im koronalen Bereich mit der R25 erfolgte die weitere Entfernung mit Guttasolv und Wave One Gold Small. Die apikale Erschließung gelang wie hier schon oft beschrieben. (Suche: Pick, Pick). Die weiter Aufbereitung erfolgte mit Wave One Gold #25, #35. Die Wurzelfüllung erfolgte thermisch vertikal im modifizierter Schildertechnik.
Anbei die Röntgenaufnahmen und das Recall.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen. 

Und mal wieder die eGK

von Olaf Löffler

Im Jahr der eGK hat sich unser Kartenlesegerät verschluckt.
Nach dem Einlesen einer gültigen Karte hat sich unser Kartenlesegerät selbst gesperrt. Nun schicken wir es an die Firma 1A Handelsgesellschaft.

Die Kosten tragen wir. Immerhin wird der Reparaturaustausch „nur“ mit € 150,00 berechnet.
Was passiert, wenn man sich der eGK verweigert?

Hier noch ein neuer Beitrag der Freien Ärzteschaft zur eGK.:

17.09.2014, Pressemitteilung: Gutachten: Macht die elektronische Gesundheitskarte Ärzte strafbar?
Ein neues Gutachten stellt fest: Bei der Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) wurde der Datenschutz verletzt, denn die Identität der Versicherten wurde nicht geprüft. Jeder kann ein falsches Foto einsenden, auch die Unterschrift wird nicht überprüft. Und das hat Konsequenzen hinsichtlich der ärztlichen Schweigepflicht: „Ärzte, die mit dieser unsicheren eGK künftig wie geplant Sozial- oder Medizindaten übers Internet weiterleiten, könnten sich strafbar machen“, kommentierte heute Dr. Silke Lüder, Vizevorsitzende der Freien Ärzteschaft, in Hamburg das Ergebnis dieses Gutachtens. „Das ist eine schallende Ohrfeige für die Betreiberorganisation gematik, die gesetzlichen Krankenkassen, das Bundesgesundheitsministerium und alle ärztlichen Körperschaften, die das eGK-Projekt weiter durchziehen wollen.“

Der Datenschutz ist eng mit der Schweigepflicht verknüpft, die im Strafgesetzbuch geregelt ist. In ihrem Gutachten „Versichertenstammdatendienst (VSD) in der Arztpraxis und Strafbarkeitsrisiken für Ärzte nach § 203 StGB“ schreiben Dr. André Zilch, Managing Partner der LSc LifeScience Consult GmbH sowie Sachverständiger bei CertEuropA, und Rechtsanwältin Dr. Franziska Meyer-Hesselbarth: „Um als Arzt nicht Gefahr zu laufen, selbst gegen die Regelungen des §203 StGB zu verstoßen, kann der Arzt nur durch die Nichtbeteiligung am VSD wegen der immanenten rechtlichen Mängel seine eigene Strafbarkeit – sei es als Täter oder Teilnehmer – sicher vermeiden.“ Im Klartext: Nicht mitmachen – nur das schützt vor Strafe.

Lüder, selbst Allgemeinärztin in Hamburg, betont: „Wir wissen nicht, ob Patient, Karte und Daten wirklich zusammengehören, und würden eventuell Unbefugten einen Zugriff auf die Daten anderer erlauben.“ Die elektronische Gesundheitskarte biete also keine sichere digitale Identität, diese sei aber zwingend notwendig.

Aufgrund des fehlenden Identitätsnachweises sei die gesamte Telematik-Infrastruktur als „datenschutzrechtlich unsicher zum Zugriff auf Sozialdaten“ einzustufen, urteilen die Experten in ihrem Gutachten. Das Bundesgesundheitsministerium sieht die Ärzte in der Pflicht, die Identität der Patienten zu überprüfen. Lüder betont: „Ärzte können und dürfen das aber nicht. Zudem sind wir keine Hilfssheriffs der Kassen.“ Das Gutachten untermauert diese Position: „Ärzte haben rechtlich keinerlei Grundlage, sich von Versicherten Ausweispapiere zeigen zu lassen.“ Auch der Bundesgerichtshof stellte bereits in einem Urteil klar, dass Ärzte weder Amtsträger noch Beauftragte der gesetzlichen Krankenkassen sind (Beschluss vom 29. März 2012 – GSSt 2/11).
Über die Freie Ärzteschaft e.V.
Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.

Pressekontakt: Daniela Schmidt, Tel.: 0176 49963803, E-Mail: presse@freie-aerzteschaft.de

V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V., Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen,
Tel.: 0201 4690939, E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, http://www.freie-aerzteschaft.de

Die Zahnarztpraxis in naher Zukunft – ein mögliches Szenario

von Noel Shabraq

Als ich noch jung war (70er/80er Jahre) ging ich regelmässig zum Zahnarzt und bei Bedarf zum Arzt.

Nein.

Dieser Satz ist KEINE Aufforderung für die Gleichstellungsbeauftragte tätig zu werden.

Ja.

Arzt und Zahnarzt.

Ich wuchs auf dem Land (Kleinstadt) auf.

Da waren Ärzte und Zahnärzte Männer.

Wenn man in eine „größere“ Stadt (Kreisstadt) kam, bemerkte man hin und wieder, dass auch Frauen als Ärztinnen tätig waren. Meist jedoch beschränkt auf Pädiatrie und Gynäkologie.

Dass es auch Zahnärztinnen gab, wurde mir erst später klar. Im Umkreis von 30 km war mir zumindest in der Jugend keine bekannt (was aber nicht heisst, dass es keine gab).

Irgendwann wurde man dann im Zahnmedizinstudium mit einer anderen Realität konfrontiert:

„Was machen die ganzen Mädels hier?“

Es gab also doch einen deutlich höheren Frauenanteil in der Zahnheilkunde, als mir bisher klar war. Uns so war es, dass bei uns im Examen (Mitte der 90er) dann ca. ein Drittel bis die Hälfte der Studierenden Frauen waren.

Niedergelassen hab ich mich in einer Kreisstadt Ende der 90er.
Ca. 17.000 Einwohner, 15 Zahnärzte, 2 Zahnärztinnen.
Mehr dann doch wieder das „klassische“ Verhältnis.

Und ich hab auch noch die „Macho“-Sprüche der alten Kollegen im Ohr:

„Naja. Karies ausbohren können Frauen vielleicht noch, aber denen geht doch die Kraft aus, wenn sie mal einen Weisheitszahn ziehen müssen!“

An den Satz hab ich noch oft denken müssen.
Denn, geschwitzt hab ich oft beim Entfernen von 8ern, aber eine KRAFTanstrengung war es sicherlich nie….

OK, aber, wie war es vorher?

Als Zahnarzt hat man eine Praxis übernommen oder sich eine neu gegründet. Man hat dort gearbeitet, die Praxis abbezahlt und wenn man sich zur Ruhe gesetzt hat, hat man die Praxis für gutes Geld verkauft und so war für die Altersversorgung auch sicher. Es gab eine Zulassungsbeschränkung, so dass auch immer ein gewisser Preis beim Verkauf erzielbar war.

Irgendwann fiel die Zulassungsbeschränkung.

Was zur Folge hatte, dass Praxen in exponierter Lage oder Praxen mit alter Einrichtung schwer, bis gar nicht mehr zu verkaufen waren. So kam es auch bei uns im Umkreis dazu, dass Praxen, wenn nicht ein Nachfolger in der Familie da war, einfach geschlossen wurden.
Wer noch ein wenig aktiv war konnte die Einrichtung noch bei eBay verkaufen, wer nicht, durfte für die Entsorgung auch noch bezahlen.

Eine gut gehende, zeitgemäss ausgestattete Praxis ist aber immer noch für einigermassen Geld zu verkaufen, da eine Neugründung heutzutage auch keine Zuckerschlecken ist.

Zur Zeit gibt es einen Trend, den ich hier am Ort beobachte:

Da noch genug Arbeit in der ZHK vorhanden ist, und jetzt Zahnärzt/Innen angestellt werden dürfen, geht der Trend auch dahin.
In den letzten 5 Jahren haben am Ort mindestens 5 Praxen Zahnärzte angestellt.
Genau, meistens Zahnärzte. Anfangs.

Jetzt sind es mehr Zahnärztinnen.
Es sind in den letzten Jahren auch einige Praxen von Frauen übernommen worden, aber angestellt sind durch die Bank Frauen (was aber auch nicht verwundert, da zur Zeit die Examensjahrgänge teilweise aus 90% Frauen bestehen).

So auch bei mir.

Meine angestellte ZÄ hat sich nach 6 Jahren in eine andere Praxis/Fachrichtung orientiert und ist noch einen halben Tag in der Woche da.
Also Stellenanzeige aufgegeben. Ersatz suchen.

Kurz:
Eine gleichwertigen (zeitlichen) Ersatz – also Vollzeit – haben wir nicht auf die Schnelle gefunden.
Sondern:
Eine Zahnärztin nach dem Mutterschutz (1. Kind), die Teilzeit arbeitet (16 h/Woche) und eine Zahnärztin nach dem Mutterschutz (nach dem 2. Kind), die auch Teilzeit (12 h/Woche) arbeitet.

Es wird zwar ein wenig komplizierter, aber es wird auch gehen.

So wie es aussieht, ist die ZA-Praxenlandschaft gewaltig im Umbruch.
Der Einzelkämpfer, der Vollzeit arbeitet und nach seiner aktiven Zeit seine Praxis für gutes Geld verkauft, ist eine aussterbende Spezies.
Zahnärzte anstellen wird immer schwieriger (ca. 10% Absolventen), Zahnärztinnen einstellen eher leichter (90% Absolventinnen). Anfangs noch Vollzeit werden nach diversen Schwangerschaften die Frauen in der ZHK hauptsächlich Teilzeit arbeiten (wenn überhaupt noch).

Und so wird ein Teil der Praxisinhaber selber weniger arbeiten, und dafür seine Teilzeitzähnärztinnen verwalten, die er für verschiedene Teilbereiche einstellt.

So kann ich mir durchaus vorstellen, dass man eben mit 55-65 Jahren (oder wann man eben aufhören wollte) die Praxis nicht verkauft, sondern Teilzeit-Zahnärztinnen einstellt und sich selber aus dem operativen Geschäft zurückzieht und nur noch die anfallenden, nicht delegierbaren Verwaltungsaufgaben erledigt.
So eine Praxis ist aber dann natürlich wieder deutlich leichter zu verkaufen.

Leider aber auch an Nicht-Zahnärzte.
Also Investoren, die aus dem medizinischen, oder nichtmedizinischen Umfeld kommen werden.
Privatklinikbetreiber, Pharmafirmen, Dentaldepots, Krankenkassen, aber auch andere, fachfremde Investoren, die nur Geld verdienen wollen.
Wenn das gesetzlich anfangs vielleicht noch nicht möglich sein sollte, wird das über Stohmänner erfolgen. Aber Gesetze werden dahingehend sicherlich noch geändert werden um den Ausverkauf auch der Zahnmedizin an Investoren zu ermöglichen.

Die Preise für den Patienten werden dabei sicher nicht sinken, die Qualität der Behandlung allemal. Dafür werden wir täglich mit Werbung zugerdröhnt werden, in der die höchste Qualität der Versorgung – ermöglicht durch den neuen Träger – angepriesen wird.

Freie Arztwahl?
Man muss kein großer Visionär sein, um sich diese Frage selber zu beantworten.

Wie gesagt, ein mögliches Szenario.
Hoffen wir, dass der Ausverkauf der Zahnheilkunde nicht so erfolgen wird, sondern die ZHK in Händen der Zahnärzte bleibt. Angestellt oder Selbständig.

Der Kutschenprinz – Märchen oder Alptraum… Teil (1)

Es war einmal ein Prinz, der hatte auf Grund einiger größerer Investitionen in Schlossaustattung und Personal nur noch wenige Taler übrig.
Zugleich wurde ihm von einem bösen Räuberer seine Kutsche gestohlen. Der Räuberer und seine Kumpane hatte viel Spaß mit der gestohlenen Kutsche. Nur die Kutsche war nach der Spaßwoche vollkommen unbrauchbar geworden. Der Prinz musste sich nun mit seinen wenigen Talern nach einer neuen Kutsche umsehen.
Die neuen Kutschen waren alle sehr teuer. Deshalb hat der Prinz nach einem gebrauchten Kutschbock, der zudem wenig Reiz für die vielen bösen Räuberer hat gesucht.
Bei einem kleinen Kutschenreparateur hat er eine große, schöne, aber alte Kutsche gefunden. Eine deutsche Kutsche sollte es sein, weil diese den besten Ruf hegten und der Prinz seine Taler im eigenen Land verteilt wissen wollte, damit diese den eigenen Bürgern zugrunde kämen. Eine Garantie für Reparaturen wurde ihm gegeben
Die alte Kutsche schien gut intakt und wurde noch nicht zu viel geritten.
Der Prinz hatte lange Freude an seinen neuen alten Kutsche. Die Räuberer fanden die Kutsche nicht so toll, wie der Prinz. Das war gut für den Prinz. An einem Tag im Frühling wollte die Kutsche nicht mehr fahren. Der Prinz gab die Kutsche bei dem kleinen Kutschenreparateur ab. Der fand keine Ursache und hat den großen Premiumkutschenbauer weiter mit der Reparatur beauftragt.
Der große Premiumkutschenbauer tat sich auch schwer. Das war eine alte Kutsche, keiner wusste mehr so richtig über diese Kutsche bescheid.
Über eine Woche wurde gesucht und dann ein kleines Kästchen namens Steuerteil als Ursache gefunden. Vorsichtshalber sollte noch ein weiteres Kästchen ausgetauscht werden.
Die kleinen Kästchen waren recht teuer. Eines der Kästchen war bereits 2 Jahre vorher vom Premiumkutschenbauer gewechselt worden.
Der Prinz wollte seine Kutsche wieder und sagte „Macht alles bitte wieder ganz.“
Nach 2 Wochen fragte der Prinz beim kleinen Kutschenreparateur nach was mit seiner alten Kutsche ist. Der rief den großen Premiumkutschenbauer an.
Dieser sagte, die Kästchen sind in 2 Tagen da.
Nach einer weiteren Woche rief der Prinz wiederum seinen Kutschenreparateur an. Dieser rief umgehend den großen Premiumkutschenbauer an.
Die Kästchen waren noch immer nicht da. Wann die Kästelchen kommen, konnte niemand sagen.
Zum Glück hat der Prinz vom kleinen Kutschenreparateur eine kleine Ersatzkutsche bekommen. Die war aber sehr klein. Deshalb konnte der Prinz auch nicht
die in diesen Wochen liegenden Feiertage für eine geplante Reise verwenden. Die Ersatzkutsche war zu kurz. Es ging nicht alles hinein.
Nach der 4. Woche hat der Prinz selbst beim großen Premiumkutschenbauerchef nachgefragt. Dieser lies folgendes mitteilen:

Das Büro vom großen Premiumkutschenbauerchef hat uns als zuständige Fachabteilung mit der Bearbeitung beauftragt.
Wir bedauern sehr, dass Sie auf Grund der Ersatzteil-Lieferung Ihre Premiumkutsche 525 nicht nutzen können. Danke für Ihre offenen Worte und für die Gelegenheit, dass wir zu den Lieferschwierigkeiten Stellung beziehen dürfen.
Die aktuellen Lieferengpässe sind durch die weltweite Umstellung von Logistiksystemen geschuldet. Leider gab es einige Herausforderungen, die im Vorfeld trotz guter Planung nicht vorhersehbar waren. Umso mehr bedauern wir, dass gerade Sie durch diese Umstellung betroffen sind.
Sehr geehrter Herr Prinz die aktuelle Situation ist für Sie als Kunde und uns nicht zufriedenstellend. Seien Sie bitte versichert, dass wir unsere Kräfte bündeln, um Ihnen schnellstmöglich den gewohnten Premiumkutschenbauer Service zu bieten.
Sollten Sie zwischenzeitlich auf eine Ersatzkutsche angewiesen sein, werden wir Ihnen schnell und unbürokratisch eine Lösung über uns anbieten können.
Wir danken Ihnen im Voraus für Ihr Verständnis und den offenen Dialog.
Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung.

Jetzt wird die kranke Kutsche wieder heil. So dachte der Prinz. Es geht endlich voran.
Nach der 6. Woche fragte der Prinz wieder beim kleinen Kutschenreparateur nach. Dieser rief wieder den großen Premiumkutschenbauer an.
Das Kästchen ist gekommen. Leider war es das falsche Kästchen. Es war die richtige Verpackung. Nur war ein anderes Kästchen drin.
Jetzt wurde der Prinz sehr traurig. Das Bündeln alle Kräfte des großen Premiumkutschenbauers war nicht ausreichend.
Die kleine Kutsche hat er wieder zurückgegeben, da er diese zusätzlich zu seiner alten großen Kutsche bezahlen musste. Unbürokratisch wäre nämlich nur die Bereitstellung gewesen, die anfallenden Kosten hätte der Prinz aus der eigenen Schatulle bezahlen müssen.
Zum Glück war der kleine Kutschenreparateur hundertmal schneller und unbürokratischer als der große Premiumkutschenbauer.
Was ist die Lehre aus der Geschicht?
Glaub niemals was man Dir mit Textbausteinen wohlfeil verspricht.

So geschrieben vom großen Premiumkutschenbauer:

Beim Premiumkutschenbauer sorgen wir dafür, dass die Freude am Fahren mit Ihrem Premiumkutschen lange andauert.

Mitt diesen Worten wird man auf der Premiumkutschenbauer- Seite im Zwischennetz bei Service und Zubehör begrüßt.
Bei Service steht dann weiter: Mit dem Kauf Ihres Premiumkutsche fängt unser Service erst richtig an.

Und demnächst gibt es wohl noch Teil 2, denn die Premiumkutsche war nach einem Wochenende bereits wieder entzwei… :(

Gedanken zu den „weißen Strichen“

von Ostidald Wucker

Der weiße Strich (die Wurzelfüllung) muss bis zur Wurzelspitze, oder besser nahe an den Apex reichen.
Das ist ein Kriterium in der endodontischen Behandlung. In der Gebührenordnung (BEMA) der gesetzlichen Krankenversicherung wird dies gefordert.

Richtlinie B III Nr. 9.1 a) „Eine Behandlung im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung ist nur dann angezeigt, wenn die Aufbereitbarkeit und Möglichkeit der Füllung des Wurzelkanals bis bzw. bis nahe an die Wurzelspitze gegeben sind.

Beim Lesen entstehen Fragen.

Was wenn der Wurzelkanal nicht in der Wurzelspitze endet?

Selbst wenn der Kanal dort endet, erfordert es hellseherische Fähigkeiten um zu sagen es ist lösbar oder den Abbruch in der Behandlung um dann dem Patienten zu sagen: Die Kosten müssen sie übernehmen, die Behandlung wird nicht den Richtlinien entsprechen.
Wer hat sich das erdacht?

Wie umgeht man das Problem? Es werden vor Behandlungsbeginn alle möglichen Kostenpläne, Aufklärungsbögen und Flyer erstellt und mitgegeben. Der Patient erhält ein Buch mit eng bedruckten Seiten. Vieles ist unverständlich.

Dann heißt es auch hier:

„Die ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Wurzelbehandlung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sieht derzeit die Aufbereitung des Kanals mit Handinstrumenten sowie die Pastenfüllung mit Einstifttechnik vor. Alle modernen und (zeitlich) aufwändigen Verfahren zur Wurzelkanalbehandlung entsprechen demzufolge nicht dem Wirtschaftlichkeitsgebot.“

Da stellt sich die Frage: Ist die Aufbereitung mit Handinstrumenten gegenüber Nickeltitaninstrumenten in maschineller Aufbereitung nicht deutlich zeitaufwendiger? Demzufolge auch unwirtschaftlicher?
Nein, ist sie nicht. Die Aufbereitung eines Wurzelkanals wird in Deutschland von den gesetzlichen Krankenversicherungen im Schnitt mit ca. 25-30 Euro honoriert. 4 Nickeltitanisntrumente kosten zwischen 40 und 60 Euro. Handarbeit ist deutlich wirtschaftlicher. Insofern am Ende das gleiche Ergebnis steht.

Oder die Instrumente werden mehrmals eingesetzt. Da kommen wir zu anderen Problemen, die hier nicht betrachten werden sollen.
(Der Zeitaufwand spielt bei einer Zahnbehandlung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland keine Rolle, denn es wird pauschal honoriert.)

Folgendes Zitat zu den Nickeltitaninstrumenten 1998:

„…Diese neuartigen Instrumente vereinigen zahlreiche Merkmale, die besonders im gekrümmten Wurzelkanal von Vorteil sind. Eine schnellere, vor allem aber sichere Aufbereitung scheint dadurch möglich zu sein.“

Endodontie 7 (1998), Nr. 1, Seite 41
Aufbereitung gekrümmter Wurzelkanäle
Herrmann, H.-W.

Inzwischen können wir sagen, bei entsprechend fachgerechter Anwendung ist dem so. Quelle

Die Wurzelbehandlung mit Nickeltitaninstrumenten ist bei Backenzähnen mit mehreren Wurzelkanälen mittels Nickeltitaninstrumenten schneller und wirtschaftlicher.

Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich für den Behandler an Hand von zweidimensionalen Röntgenbildern dreidimensionale Objekte verlässlich zu beurteilen zu müssen. Dazu noch eine sichere Voraussage zu treffen ist nahezu unmöglich.
Wir behandlen keine Röntgenbilder.

Und selbst wenn es gelingt mit den weißen Strichen muss es nicht heißen, daß es ein Behandlungserfolg ist. Will der Behandler sicher gehen, kann er eine Wurzelbehandlung nicht zu Lasten der GKV beginnen.

Anbei ein Beispiel aus unserer Praxis. Die weißen Striche waren bei der Erstbehandlung nahe dem Apex. Trotzdem der pathologische Befund.
Also was ist schief gelaufen?
Der weiße Strich war nicht dick genug.
Muss heißen es fehlte nicht an Länge, es fehlte an Desinfektion und unzureichender Behandlung der infizierten Bereiche.
Die Revision der Erstbehandlung mit verkeiltem Thermafill-Carrier benötigte einen hohen Zeitaufwand von 4 Stunden. Es ist kein spektakuläres aber ein erfolgreiches Ergebnis.

Die Kosten trug der Patient.

Wie würden Sie entscheiden (2)

von Noell Schabrack

Ein neuer Patient kam zu uns mit Schmerzen am 17.
Das Röntgenbild stellte sich folgendermassen dar:

Krone wurde abgenommen und eine Wurzelbehandlung vorgenommen.

Im Unterkiefer zeigte sich folgende Situation:

Früher war ich entsetzt über derartige Bilder, es hat sich aber im Laufe der Zeit relativiert, weil man schon etliches gesehen hat. Ich wundere mich eigentlich nur noch, wie lange solche „Konstruktionen“ doch im Munde verweilen.

Wie verhalten Sie sich in so einem Fall gegenüber dem Patienten?
Konkret  bezogen auf die distale Kronenrandgestaltung an Zahn 17  und den perforierenden Stiftaufbau und die parakanaläre WF an Zahn am 35 sowie  die Verwendung des Zahnes 37 als Brückenanker.

Nichts sagen über den Vorbehandler?

Zum Rechtsanwalt schicken?

Oder irgendwas dazwischen?

Take Our Poll

Was tun, Xavier ? (69 Prozent Teil 5)

von Hans – Willi Herrmann Haben sie über die Analogie „Pilot – Zahnarzt“ aus den „69 Prozent Teil 1-4“- Beiträgen einmal genauer nachgedacht ? Es gibt in der Tat eine ganze Reihe von Parallelen.  Hochwertige technische Ausbildung, große Verantwortung für die anvertrauten Passagiere/Patienten und vieles mehr. Es gibt aber dennoch einen entscheidenden Unterschied in der öffentlichen Wahrnehmung. Jeder Flugpassagier weiss den Nutzen und die Notwendigkeit eines erstklassigen Piloten zu schätzen. Darum wird ja auch nach Landungen geklatscht. Denn im Zweifelsfall (das weiss der Passagier spätestens bei der ersten heftigen Turbulenz oder einem Durchstart am Zielflughafen, weil urplötzlich die Landebahn blockiert ist) hängt das eigene Leben davon ab. Für die Passagiere ist auch intuitiv klar, dass ein entsprechendes Niveau an Wartung und Sicherheit nicht unterschritten werden darf, will man nicht das eigene Leben riskieren. Und dieses Niveau kostet Geld. Auch das ist jedem klar. Selbst bei Billigflügen will man vielleicht auf Essen unterwegs verzichten, aber nicht auf ´s sichere Ankommen. Solche für den Patienten sofort, auf den ersten Blick, unmittelbar erfassbare, „erlebbare“ Qualitätskriterien gibt es in der Zahnmedizin nicht. Im Gegenteil. Möglicherweise urteilt der Patient sogar gegensätzlich („Die Behandlung hat aber lange gedauert, bei ihrem Vorgänger ging das immer viel schneller“, den Satz hat wohl jeder schon mal gehört). Standespolitisch ist das  allgemeingültige Statement seit ich weiss nicht wieviel Jahrzehnten („weil nicht sein darf, was nicht sein darf“): „Die deutsche Zahnmedizin befindet sich auf international höchstem Niveau und ist vorbildlich !“ Kritiker (zum Beispiel Hochschullehrer wie Marxkors, Staehle, Hülsmann oder – mit aktuellem Bezug –  die Gutachter der kürzlich im Stern publizierten Ergo- Studie) werden als Netzbeschmutzer gebrandmarkt, die Aussage der Studien grundsätzlich als nicht zutreffend negiert. Dabei zeigt schon ein überfliegendes Lesen des Stern- Artikels (aller vorhandenen Schwächen der Untersuchung zum Trotz, die leider der Sache mehr schaden als nutzen), daß die dort beschriebene Einteilung der Zahnärzte nichts Skandalöses darstellt, sondern ziemlich genau den normalen statistischen Verhältnissen entspricht, wie sie mit Sicherheit für jeden unserer Lebensbereiche des Alltags zutreffen. In besagter Studie zeigt sich nämlich, dass ein Drittel der untersuchtem Zahnärzte überdurchschnittlich, ein Drittel durchschnittlich und ein Drittel unterdurchschnittlich arbeitet. Und das kennt doch wohl jeder von uns aus jedem Bereich des täglichen Lebens. Ich nenne beispielhaft die Schulerziehung  (wir alle kennen sehr engagierte Lehrer, aber auch gegenteilig agierende) oder jedes Handwerk, seien es die Bäcker um die Ecke oder die Elektroinstallateure. Was also tun ? Eine weit überdurchschnittliche Qualität liefern und diese für den Patienten sichtbar, transparent machen. „Transparent machen“ heißt, alle mit besagter Leistung in Zusammenhang stehenden Begleitparameter aufzeigen und damit den zeitlichen, apparativen und organisatorischen Aufwand, der damit obligat verbunden ist, dem Patienten darlegen. Im zweiten Schritt muss folgerichtig über die damit verbundenen Kosten gesprochen werden und die Tatsache, dass diese Kosten nur teilweise von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen gedeckt werden. Dem widerspricht allerdings (weil auf den nachfolgenden Umstand nicht nachhaltig genug hingewiesen wird) ein dadurch zwangsläufig im Raum stehendes weiteres standespolitisches Statement, dass nicht der deutschen Realität entspricht. Betreibt man eine am aktuellen Stand der Zahnmedizin 2012 ausgerichtete Zahnarztpraxis (der Amerikaner spricht hier von „cutting edge“), so ist der damit verbundende Aufwand nicht durch die Aufwendungen der zur Abrechnung zur Verfügung stehenden Gebührenpositionen in ihrer Gesamtheit, also nur unvollständig gedeckt. Zur Erläuterung ein aktuelles Beispiel aus der druckfrischen GOZ 2012, die Gebührenposition für den Einsatz eines Dentalmikroskopes, in Höhe von  22,50 Euro pro Behandlungssitzung. Unser Zeiss Pro Ergo- Mikroskop kostet  60.000 Euro. Bei zwei Mikroskopen pro Praxis sind dies – man verzeihe mir, zehn Jahre nach Einführung des Euro die Umrechnung in eine harte Währung – fast eine Viertel – Million DM.  Die  Materialkosten für die Xenon- Beleuchtung (Laufzeit 500 Stunden) belaufen sich auf 1300 Euro. Die Wartung der Mikroskope wird von Zeiss auf 641 Euro pro Mikroskop pro Jahr veranschlagt. Wären also nochmal rund  25.000 Euro zusätzliche Praxiskosten, auf 10 Jahre gesehen. Darüber hinaus ist diese Position nicht für alle Einsatzbereiche der Zahnmedizin vorgesehen. Ich prophezeie, dass, zum Beispiel beim Einsatz des Mikroskopes in der konservierenden Zahnheilkunde und der Prothetik eine Zahlungsübernahme von Seiten der PKV en negiert werden wird und die Seriösität des Behandler wie bisher (wir kennen aus eigener Praxis das Spiel der PKVen (und der GKVen bis 2005) diesbezüglich seit 14 Jahren) pauschal, also ohne Berücksichtigung der tatsächlich vorhandenen Behandlungssituation in Frage gestellt werden wird. Um die Kosten für unsere beiden Mikroskope via DM – Zuschlagsposition herauszubekommen, müssten 8.000 Wurzelkanalbehandlungen durchgeführt werden. Das entspricht einem Zeitrahmen von 10  Jahren. Vorausgesetzt, es geht nichts kaputt oder die Mikroskope müssen finanziert werden, denn dies generiert zusätzliche Kosten. Noch ein anderes Beispiel ? Die RKI – Richtlinien und ihre dadurch notwendig gewordenen Änderungen in Praxis- Ausstattung und Organisation. Ich begrüße diese Richtlinien, (emotional gesprochen bin ich sogar ein ein großer Fan davon, aber dass darf man nicht laut sagen, sonst wird man als Spinner abgetan). Vieles davon tun wir seit geraumer Zeit und sind lange verlacht worden dafür. (z.B. Sterilisation all unserer Instrumente, aller Bohrer, Winkelstücke seit 1993, patientenspezifische Wurzelkanaleinmalinstrumente seit 2002). Jetzt -2012- ist alles richtig, was wir schon so lange taten. Aber es kann doch nicht sein, dass die obligat damit in Zusammenhang stehenden Kosten nicht von Erstatter- Seite berücksichtigt werden. Denn diese Mehrkosten gegenüber der traditionellen Vorgehensweise sind enorm. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen, dass einen Riesen- Kostenunterschied besteht. Genauso im Übrigen, wenn man statt eines N -Sterilisators  mehrere hochempfindliche und wartungsintensive computergesteuerte B – und S- Steri´s betreibt. Oder nehmen wir den Kostenaufwand, der mit einem DAC oder Thermodesinfektor (Anschaffung, Betrieb, Wartung) verbunden ist. Und noch was – es ist nicht wahr, dass Winkelstücke nicht leiden, wenn sie permanent sterilisiert werden. Sie tun es und verursachen über die einmalige Anschaffung hinaus weitere, nicht unerhebliche Kosten. Warum werden diese Dinge nicht ihrer tatsächlichen Bedeutung entsprechend artikuliert? Vielleicht weil es wesentlicher einfacher ist, das Potemkinsche Dorf der deutschen Spitzenqualität zum Null – Tarif aufrecht zu halten. Klingt kuschelig, trifft aber merkwürdigerweise außerhalb der Zahnmedizin auf nichts zu, weder im idealen und erst gar nicht in  realen Leben und das nicht nur nicht in Deutschland, nein auch überall sonst nicht auf der Welt. Was bleibt ? Eine Vision, ein möglicher Weg. Spitzenqualität, offen dargelegt und damit zwangsläufig losgelöst vom Erstattungsverhalten der Kassen. „Geht nicht“, hör ich sie sagen. Aber hatten wir nicht schon in der Vergangenheit  solche Situationen ? Es mag schon einige Zeit her sein, aber es gab schon bislang immer wieder Kollegen, die ihre Kassenzulassung zurückgegeben haben. Und nur noch privatzahnärztlich tätig waren. Die Voraussetzungen hierfür waren eine vorhandene Praxis- Klientel, die einen solchen Schritt wirtschaftlich tragbar machten. Und der Wille, sich von seinen GKV- Patienten trennen zu wollen. Für mich kam diese Option aus dem zweiten Grunde nie in Frage. Und was brauchen wir jetzt ? Sicherlich nicht ein Patientenklientel, dass zum größten Teil aus Privatpatienten besteht. Sondern vielmehr Patienten (gleich ob GKV oder PKV), die bereit sind, den Differenzbetrag zwischen Versicherungshonorar und tatsächlich patientenspezifisch entstandenem Behandlungsaufwand zu tragen. Die Voraussetzungen, nochmal zusammengefasst:
  • Die sprichwörtlich weit überdurchschnittliche Qualität muss vorhanden sein.
  • Sie muss für den Patienten sichtbar und nachvollziehbar sein. Dies setzt eine intensive Aufklärung und umfassende Dokumentation der Praxistätigkeit voraus in bislang unbekanntem Ausmass
Noch ein Pferdefuss – aus einer solch transparenten Darstellung des Preisgefüges und bei beschriebener Vorgehensweise lassen sich nie Riesenerträge generieren. Auch das ist eine unbequeme Wahrheit: „Schnell,schnell“ bedeutete gestern, heute und morgen machen wir mehr Geld. Zumal ja hier der schon zu Beginn erwähnte Umstand, dass ein Patient nur  unvollkommen die Vorgänge in seinem Mund beurteilen kann, verschleiernd zur Geltung kommt. Der behandelnde Zahnarzt, der sich für den hier skizzierten qualitativ hochwertigen Weg entscheidet, erhält aber ein Plus an Behandlungsqualität, dass Mindereinnahmen auf nicht pekunärer Ebene aufwiegt. In diesem Sinne: „Dieser Weg wird kein leichter sein Dieser Weg wird steinig und schwer Nicht mit vielen wirst du dir einig sein Doch dieser Leben bietet so viel mehr“ Grundvoraussetzung jedoch für all das: Eine pauschal vorgenommene Kriminalisierung von seiten der Privat- Versicherungen („Ihr Zahnarzt betreibt Überversorgung“) darf nicht länger durchgeführt werden. Ich vermute jedoch, dass an dieser in der Vergangenheit durchgeführten  Vorgehensweise (Große Versicherungen haben in Deutschland mehrere Millionen Mitglieder, ein vorgefertigtes Schreiben (zusätzlicher Arbeitsaufwand geht gegen Null) spart der Versicherung demnach viele Millionen Euro pro Jahr) aus genau diesem Grund weiter festgehalten wird. Aber ich lasse mich gerne durch Taten eines Besseren belehren, gerade die ERGO – Versicherung ist nach ihrer Budapest- Affäre sicherlich bemüht, verloren gegangenes Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen. Noch ein paar abschließende Bemerkungen: Zum einen der Hinweis auf einen Artikel von Janusz Rat von 1997, damals Vorstandsmitglied der BLZK, demnach von einem hochrangigen Vertreter der Standespolitik vorgetragen. So gesehen – kein neuer Weg. Und mein Dank geht an Hans Bodirsky, meinem Ausbilder in der Praxis direkt nach dem Studium, der mich schon 1990 auf diesen Weg einstimmte. Das Schöne ist: Im Verlauf der letzten 20 Jahre ist der skizzierte Weg leichter, begehbarer geworden. Und durch das Internet haben ungleich mehr Gleichgesinnte als früher die Möglichkeit, über räumliche Distanzen hinweg zusammenzufinden, sich auszutauschen, abzustimmen, Abläufe gemeinsam zu erarbeiten und miteinander zu teilen. Und zum Abschluss, was man auch 2012 auf gar keinen Fall tun sollte: Wenn ein Kunde im Gebäck eine Zigarettenkippe findet, nie als Bäckermeister und CHef der lokalen Bäcker-Innung dem Kunden vorhalten, dass sei vollkommen ausgeschlossen und der Kunde selbst habe die Zigarettenkippe in das Gebäck eingeschleust. Man sieht, QM wäre auch in anderen, nicht medizinischen Lebensbereichen eine gute Sache.

2012- Willkommen in der Realität! 4 KO – Kriterien (69 Prozent – Teil 4)

von Hans – Willi Herrmann 

Warum Flugzeuge abstürzen und Zahnarztpraxen pleite gehen“.

So titelte der Wiesbadener Zahnarztkollege und Airbus- Pilot Bernhard Sanecke vor einigen Jahren einen seiner Vorträge.

Auch ich habe hier an dieser Stelle wiederholt den Bezug zum Piloten aufgegriffen, eine abschließende Einschätzung fehlte bislang noch.

Ich möchte diese an den Jahresbeginn 2012 stellen, stellt dieses Jahr doch mit der Einführung einer neuen privatzahnärztlichen Gebührenordnung eine Zäsur dar, deren nachhaltige Konsequenzen sich vermutlich die meisten, weder Patienten noch Anbieter im Gesundheitswesen (damit meine ich die Zahnärzte), gar nicht bewußt sind.

Fest steht: Auch 24 Jahre nach der letzten Änderung der Gebührenordnung, der GOZ 88, ist es zu keiner Anhebung des Punktwertes gekommen.

Für den Laien: Der Punktwert ist so etwas wie der Benzinpreis in der Honorarberechnung. Nur wenn er steigt, erhält ein Zahnarzt für die gleiche Behandlung mehr Geld. Bleibt er hingegen gleich, so hilft nur, mehr zu arbeiten, um den Verdienst zu erhöhen. Steigen die Ausgaben, und wer will bestreiten, dass sich seit 1988 die Kosten (und nicht nur für Benzin, dass damals umgerechnet 47 Cent kostete) teilweise drastisch erhöht haben, so muss mehr gearbeitet werden, allein um das ehemals vorhandene Einkommen auch nur zu halten.

Tut man es nicht, so ist schnell der Bereich des Break Even unterschritten, die Zahnarztpraxis macht Verluste. Längeres Krankbleiben verbietet sich also von selbst, Kontinuität ist angesagt, die Tretmühle Praxis muss ständig in Bewegung bleiben, ein Umstand der paradoxerweise eben gerade nicht gesundheitsfördernd wirkt und Burn Out (ist ein Modewort aber es trifft zu) oder die Flucht in Scheinwelten fördert. Also nicht ganz ohne Grund ist der Anteil suchtkranker Ärzte, aber auch deren Suizidrate, überdurchschnittlich hoch.

Warum aber wurde der Punktwert nicht geändert ?

Die Antwort ist einfach.

Weil keine Notwendigkeit dazu besteht.

Nachfolgend 4 KO – Kriterien, warum es zu keiner Punktwerterhöhung gekommen ist und – schlimmer noch, aber nach der Lektüre dieses Artikels nachvollziehbar – warum es hierzu auch in absehbarer Zeit nicht kommen wird.

KO – Kriterium 1:

Die Deutschen sind ein spendefreudiges Volk.

Das hat auch das Jahr 2011 wieder gezeigt. 
Wenn irgendwo Not in der Welt ist, wird der Geldbeutel geöffnet.

Selbst in den gegenwärtigen Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation bei einer ganzen Reihe von Bürgern nicht rosig daherschaut. Ob Hungersnot, Erdbeben, Flutkatastrophe, es wird gespendet.

Eine Grundvoraussetzung muss allerdings erfüllt sein. 
Es muss den Empfängern der Spenden schlechter gehen als den Spendern.

Je größer die Diskrepanz, umso besser.

Und jetzt mal Hand aufs Herz.

Solange es „dem“ Zahnarzt, seine wirtschaftliche Situation betreffend, besser geht als 90 Prozent seiner Patienten, solange ist kein Verständnis von Seiten der Patienten zu erwarten.

Da hilft auch kein noch so ausdauerndes und monoton wiederholtes Klagen. „Dann heul doch“, dieses legendäre Zitat Gerd Knebels werden ihm die Patienten in Gedanken entgegenrufen, um sich stande pede wieder den eigenen Widrigkeiten des Alltages zu stellen.

Hilfe, aufrichtige Unterstützung von Seiten der Patienten ist demnach erst zu erwarten, wenn sich das Verhältnis deutlich in Richtung 50 % hin wandelt.

Davon sind wir im Moment noch weit entfernt.

Oder -anderes Szenario- sofern im konkreten Einzelfall der jeweilige, von seinen Patienten geschätzte Behandler seine Praxis zuschließt. Dann ist es jedoch zu spät.

KO – Kriterium 2:

Die von Berufsverbänden skizzierten Horrorgeschichten des Not darbenden Zahnarztes entsprechen nicht der Realität.

Natürlich sind die goldenen Zeiten der 70er und frühen 80er Jahre, in denen der Beruf des Zahnarztes (möglicherweise sogar weitestgehend losgelöst vom Können des Tätigen) eine Lizenz zum Gelddrucken darstellte, lange vorbei.

Sie waren schon Vergangenheit, als ich 1993 meine eigene Praxis eröffnete.

Fakt ist aber, dass unabhängig vom Festhalten an der GOZ 88 es Änderungen in der Zahnmedizin gab, die eine Anpassung an die Preisgestaltung ermöglichten und zwar losgelöst vom weiterhin festgeschriebenen Punktwert. Als Beispiele dafür möchte ich die dentinadhäsive Kunststoff – Restaurationen, die Veränderungen im Rahmen der Prophylaxe- Leistungen (ich verabscheue nachwievor den Begriff der „professionellen“ Zahnreinigung, denn auch eine „einfache“ Zahnreinigung ist professionell), die Änderungen im Bereich des Zahnersatzes im Hinblick auf Grund- und Wahlleistungen, sowie zuletzt die Veränderungen im Bereich der Endodontie aufführen. In diesen Bereichen war es dem Zahnarzt zumindest teilweise möglich geworden, seine Honorierung an die situationsbedingte Kostensituation anzupassen. Um auf unser Beispiel mit dem Benzin zurückzukommen, er konnte dem Patienten nun neben Benzin auch noch Super, Bleifrei, und Diesel anbieten und den Preis hierfür in einem gewissen Rahmen eigenverantwortlich festlegen.

So ist es zu erklären, dass, aller in der Realität defacto vorgenommenen Einschneidungen zum Trotz, die Einkommen der Zahnärzte (zumindest im Schnitt) sich auf einem gewiss niedrigeren, aber dennoch solidem Niveau konsolidieren konnten, in anderen Fällen moderat gestiegen sind. Von flächendeckenden Insolvenzen kann also nicht gesprochen werden.

Die Zahnärzte sind demnach zwar nicht die Gewinner dieser Reformen, das sind Politik und Krankenkassen, die in den letzten Jahren Milliardengewinne im Bereich der Zahnmedizin eingefahren haben, sie sind aber auch nicht die großen Verlierer. Das sind zweifellos die Patienten, denn die sind diejenigen, die immer mehr, Jahr für Jahr, aus eigener Tasche für ihre Gesundheit dazuzahlen müssen, und das ja nicht nur in der Zahnmedizin, sondern auch in gleichem oder sogar noch stärkerem Maße für die Bereiche Medizin, Pharmazie, sowie den Bereich der Kuren und der Gesundheitsvorsorge. Und die Patienten haben nur die Wahl, zu zahlen, oder einen Verlust an Gesundheitsqualität in Kauf zu nehmen.

So betrachtet, erscheint die Position der Zahnärzte, denen man zumindest de facto zugestanden hat, gewisse Teilbereiche in der Zahnmedizin marktregulativ anzupassen, nun gar nicht mehr so übel.

KO – Kriterium 3:

Wieviel Piloten kennen Sie ? Und wieviele Zahnärzte ? Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiß.

Wir bemühen jetzt ein Vorurteil, aber manchmal hilft es, Dinge durch Überspitzung plastischer darzustellen: Der Lufthansa- Pilot, der wie ich Mitte der 80er Jahre seine Ausbildung gemacht hat, arbeitet 24 Stunden die Woche, ist Porschefahrer, wohnt in einem repräsentativen Bungalow mit Swimmingpool im Vordertaunus, geht mit 160.000 Euro im Jahr nach Hause und mit 55, spätestens 60 Jahren in Rente.

Das neidet ihm aber keiner.

Weil ihn keiner kennt.

Oder ? Wieviel Lufthansa- Piloten kennen Sie persönlich ?

Zahnärzte gibt es dafür eine ganze Menge, die laufen jedem Patienten also zwangsläufig über den Weg. Und wenn das in einem Auto passiert, das größer ist als das eigene, der Urlaub auf den Malediven stattfindet und nicht in Side, der Sonntagsspaziergang durch das Neubaugebiet das schmucke Eigenheim des Dentisten offenbart, dann kommt in Deutschland (denn in diesem Punkt haben wir keine US – Verhältnisse, bei uns wird, anders als in USA eben nicht daran die Qualität des Behandlers gemessen im Sinne eines „Der kann offensichtlich was, sonst hätte er es nicht so weit geschafft…“) ein nicht wegzudiskutierendes Maß an Sozialneid zum Tragen.

Auch das lasse ich, lediglich beobachtend und als deutsche Eigenheit registrierend, unbewertet als Fakt im Raum stehen.

Fest steht jedoch auch hier wieder: Solange noch Insignien eines wie auch immer gearteten Praxiserfolges zu sehen sind, ist an eine vom Patienten sanktionierte Gehaltsanpassung nicht zu denken. Soll heißen, erst wenn das Auto des Zahnarztes deutlich kleiner und älter ist als das eigene und sein Jahresurlaub auf Balkonien in der Mietwohnung stattfindet, darf wieder die Stimme erhoben und eine Gehaltssteigerung postuliert werden.

Siehe KO- Kriterium 1.

Und die Piloten ?  Haben Glück, dass sie gewissermaßen noch unter der Nachweisgrenze laufen.

KO – Kriterium 4:

Wem gehört eigentlich das Flugzeug, dass der Pilot fliegt und wer bezahlt die Flugbegleiter ?

Streiks oder Streikandrohungen von Pilotenseite gab es des öfteren in der Vergangenheit. Und vollkommen unabhängig davon, ob diese berechtigt waren oder nicht, sie waren in der Regel von Erfolg gekrönt.

Wenn die „Pilotengewerkschaft“ zum Streik aufruft, dann lehnt sich der Pilot entspannt zurück und genießt die arbeitsfreie Zeit mit dem sicheren Wissen, bei der Wiederaufnahme seiner Arbeit mit einem satten Plus an Bezügen zum Pilotensitz zurückkehren zu können.

Auflaufende Kosten aus seinem „Kleinunternehmen Flugzeug“ gibt es für ihn nicht. 
Ein entscheidender Unterschied zum Kleinunternehmer „Zahnarzt“.

Der hat nämlich zur Praxisgründung einen Kredit von 350 – 500.000 Euro aufgenommen, den er abbezahlen muss, er hat laufende Kosten für Miete etc. und er zahlt die Gehälter für seine zahnmedizinischen Mitarbeiter in der arbeitsfreien Zeit.

Machen wir uns nichts vor. Wäre der Pilot anteiliger Kreditnehmer für sein Arbeitsgerät „Flugzeug“ und müsste er die Gehälter der Flugbegleiter aus eigener Tasche zahlen, jegliches Streikgebaren wäre sofort und ein für alle mal vom Tisch.

Auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Ein Zahnarzt, der in eigener Praxis steht, ist erpressbar. Er ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass seine Praxis läuft, dass er arbeiten kann.

Oder er geht pleite. Ziemliche ungleiche Hebel, was Gehaltsverhandlungen angeht, zumal die Machtverhältnisse offenliegen.

Ein cooler Bluff a la „Oceans Eleven“ scheidet also von vorne herein aus.

Wer es dennoch tut (oder auch nur andeutet), macht sich lächerlich.

Stellen sie sich einen Pokerspieler vor, der als einziger von allen Spielern von Beginn an seine 5 Karten offen auf den Tisch legen muss.

Ziemlich langweiliges Spiel.

Vorhersagbarer Ausgang.

Ein Ärztestreik mit diesen Voraussetzungen ?

Undenkbar.

Das wissen Gesetzgeber, Ministerialbürokratie und Krankenkassen.

Gibt es ein Ausweg aus diesem Dilemma ?

Einen Königsweg sicher nicht, aber es gibt eine Lösung.

Darüber morgen an dieser Stelle.

Der Tag im Leben eines Endo-Teams…

von Bonald Decker

eigentlich wollte ich heute einen anderen Beitrag einstellen.

Eigentlich.

Aber im Laufe des Behandlungsabends habe ich mich umentschieden und möchte kurz einen Tag im Leben eines (bzw. unseres) Endo-Teams vorstellen…

Hierzu jeweils die Eckdaten und wichtigsten Informationen zu den einzelnen Situation in Kurzform…(leider war unsere Fotodokumentationsvariante heute umzugsbedingt nicht verfügbar; daher also leider keine klinischen Fotos…)

Behandlungsbeginn 14:00 (Dienstag ist „unser langer Tag“ bis ca. 21:00 )

1. Patient: Nach erfolgter Beratung in Ersttermin über Diagnose, Therapie(optionen) und Prognose nun Behandlungsbeginn…

Lentulo-Entfernung

2. Patient: Zweiter Behandlungstermin (Diagnose: Z.n. Frontzahntrauma; jetzt apikale Parodontitis) nach initialer Trepanation und chemo-mechanischer Reinigung & med. Einlage (CaOH2)/ prov. Füllung. MTA-Plug (ohne Widerlager), Backfill mit Guttapercha / AH Plus; internes Bleaching für Beginn 2012 geplant.

 

3. Patient:

Z.n. Wurzelkanalbehandlung vor ca. 20 Jahren; Z.n. WSR vor ca. 8 Jahren, vor 2 Wochen beginnende Schwellung ausgehend von Zahn 46; Alio loco verordnete orale Antibiose; momentan Beschwerdefreiheit; Im Rahmen des Erstgesprächs Erläuterung der verschiedenen Therapien; Unsere Empfehlung: Entfernung des Zahnes 46 aufgrund von erheblicher Vorschädigung und parodontaler Situation; Patient (Orthopäde) wünscht Zahnerhalt mit allen Mitteln (da er aus eigenem Fachgebiet „Vorbehalte“ gegen Implantate hat!)

Revision bei Z.n. WSR und aktueller apikaler Parodontitis

Eine mögliche Wurzellängsfraktur bestätigte sich intraoperativ nicht. Die geschätzte Resektionswinkel mesial beträgt ca. 45 Grad (!) Die Messaufnahme zeigt die Instrumentenposition im mes-ling. Kanalsystem…

weiteres geplantes Procedere: Verschluss der Neoapices mit MTA (bei kontinuierlicher Beschwerdefreiheit) und weitere WF mit Guttapercha&Sealer sowie Glasfaserstift distal.

4. Patient:

Die „grosse“ Unbekannte…; Auf Wunsch des Vaters und der wohnlichen Situation der Patientin (im Ausland) Behandlungstermin _ohne_ „Erstkontakt“. Bei uns die _absolute_ Ausnahme! Unklarheiten über Ausgangsdiagnose (sowie Zahnart & Anzahl)…

die „Überraschung“ erfolgt nach Erhebung der Anamnese sowie der klinischen und radiologischen Befunde (daher auch eigentlich immer bei uns vorab Befundungs-/Beratungstermin).

Während die Situation von Zahn 17 auf den ersten Blick ggf. aufwändiger erscheinen mag, lag die tatsächliche heutige Herausforderung in der Gestaltung der adhäsiven Aufbaufüllung des Zahnes 15, die gefühlte 2/3 der Behandlungszeit ausmachte.

Später als gedacht war unser Behandlungstag beendet…

morgen (Mittwoch) gehts um 9.00 weiter…

:-)

mal schauen, was der morgige Endo-Tag so bringt…

 

;-)

 

PS: Danke Franzi für Ihren Einsatz :-)))))

Ungarn. Gelobtes Land?

von Christian Danzl

Wenn man zum Zahnarzt muss, wird es teuer.

Die Zahnärzte verdienen zu viel.

Das sind hinlänglich bekannte „Wahrheiten“.
Auch etliche Krankenkassen springen auf diesen Zug auf und empfehlen ihren Patienten Zahnersatz aus den Ausland oder bezuschussen sogar Zahnbehandlungen im Ausland, um Kosten zu sparen.
Ich empfehle den Patienten, die mit so einem Schreiben zu mir kommen, sofort eine billigere Krankenkasse, denn da spart man sicher jeden Monat, und nicht nur im Falle einer aufwändigen Zahnbehandlung.

Ja, Zahnbehandlung im Ausland.

Wo?

Ungarn!

Genau. Für Österreicher immer schon der Geheimtipp, wenn’s um „Zahnsparen“ geht. Auch für Deutsche nicht uninteressant. Ein 14 tätiger Urlaub in einem Hotel mit gehobenem Standard, eine Zahnarztpraxis ist gleich angegliedert, so dass man nicht noch lange suchen muss.
DAS all-in-one Paket. Man fährt in den Urlaub und kommt nach 14 Tagen mit einem neuen Lächeln zurück, ohne dass man sich in der Nachbarschaft mit Provisorien hätte blicken lassen müssen.

Und die neuen Zähne incl. der Implantate (sie wurden während des 14-tägigen Aufenthaltes gesetzt und auch mit dem endgültigen Zahnersatz versehen) sind so viel billiger als daheim in Deutschland, dass auch der Hotelaufenthalt finanziell nicht ins Gewicht fällt.

Sagenhaft!

Und jetzt die entscheidende Frage:

Ist das wirklich so?

Auszuschliessen ist es nicht.

Drei Dinge dazu:

  1. Ein befreundeter Zahnarzt südöstlich von München (also nicht im Grenzgebiet zu Tschechien), nähe Rosenheim, der viel und gut Implantiert wurde von einem Bekannten gebeten, er solle bitte den Zahnersatz seiner Frau reparieren. Dieser ist zwar aus Ungarn, aber als „Freundschaftsdienst“ könne er das ja wohl machen, weil man wegen einer Reparatur nicht noch mal nach Ungarn fahren wolle (eigentlich der Klassiker).
    Er willigte ein. Aber nur unter der Bedingung, dass er Einsicht in alle Rechnungen aus Ungarn bekommt. Rein interessehalber.
    Ergebnis: Der Zahnersatz incl. mehrerer Implantate war in Ungarn lediglich um 500,- billiger als bei ihm.
  2. Ein langjähriger Patient kam zu mir in die Praxis, er brauche eine neue OK-Totale. Er war in Ungarn und hatte sich einen implantatgetragenen ZE machen lassen. Schon nach 3 Wochen waren die Implantate wieder draußen. Er bekam dann eine Totale im OK. Die sah aus, als hätte sie der ZA noch in der Schublade gehabt und passte auch so. Ihm war klar, dass ich ihm keine neue Totale umsonst machen würde.
    Im Unterkiefer sassen de Implantate noch.
    Noch.
    Aber auch denen gebe ich keine 2 Jahre. Dann kommt auch da die Totale. Insgesamt gesehen eine 28er für viel Geld.

    Verstehen sie mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass die ungarischen Zahnärzte schlechter sind, auch nicht, dass die Deutschen besser sind.
    SO eine Implantatversorgung bekommen sie in Deutschland auch, aber da haben sie wenigstens einen Gewährleistungsanspruch vor Ort.

  3. Hier die Preisliste einer ungarischen Zahnarztpraxis.
    Machen Sie sich bitte selbst ein Bild.
    Bekommen Sie diese Honorare von der GKK in Deutschland? Verlangen Sie mal 40,- € von einem Kassenpatienten für eine „Erstbesprechung“ mit dem Hinweis, er solle sich seinen Zuschuss danach von der Kasse holen.
    Versuchen sie es einfach nur einmal.
    In etlichen Praxen in Deutschland wird der Patient laut schimpfend die Praxis verlassen, und die Worte „Wucher“ und „Abzocke“ gebrauchen.

    „Analyse ästhetisch“ 260,-
    Wurzelbehandlung, 3-Kanäle 500,-

    Verlangen sie es einfach nur mal, und schauen sie, wie die Patienten reagieren.

    KFO Keramikbrackets, selbstligierend, 2 Jahre Dauer, 4.800,-

    Viele Kieferorthopäden in Deutschland nehmen sie mit Kusshand.

    In Ungarn wird das gerne bezahlt, da ist es ja billiger……Krone und Brücken sind billiger als bei uns?
    Stimmt!
    Beziehen Sie aber die Zahntechnik zum selben Preis, wie der ungarische Kollege, werden sie keine Probleme haben die Preise zu halten.

Fazit:

Wenn die deutschen Krankenkassen weiterhin so mit den Behandlern umgehen, muss man die Praxis nicht immer die Schweiz verlegen, um in Ruhe und ohne Gängeleien seinem Beruf nachgehen zu können.
Auch Ungarn kann die Lösung sein.
Billiges Personal, billige Zahntechnik und Patienten, die während der Gewährleistungszeit mit relativer Sicherheit nicht mehr auftauchen, weil ihnen der Weg zu weit ist (und der „Preisvorteil“ dann weg ist), aber dafür schon bar bezahlt haben. Und zwar einen Preis, der sich oft nicht deutlich vom deutschen Preis unterscheidet.
Und wenn mal was schief läuft, holt schliesslich der deutsche Kassenzahnarzt die Kohlen aus dem Feuer bzw. die Implantate aus dem Eiter. Muss er ja.

Zugegeben, diese drei Punkte sind nicht repräsentativ, zeigen aber, dass der billige Zahnersatz im Ausland nicht unbedingt billiger als in Deutschland sein muss

Die neue GOZ

von Olaf Löffler

Die neue Gebührenordnung für Zahnärzte ist letzte Woche erschienen.

Das Vorblatt beginnt mit folgendem Satz:

A. Problem und Ziel
Mit der Verordnung sollen
– das Gebührenverzeichnis der GOZ an die medizinische und technische Entwicklung angepasst,
– bisher häufig aufgetretene gebührenrechtliche Streitfälle geklärt sowie
– die allgemeinen Gebührenvorschriften weiterentwickelt werden.

Die Leistungen im Bereich Wurzelkanalbehandlung und Vitalerhaltung Pulpa haben mich zunächst besonders interessiert. Ich habe mir die Mühe gemacht die Positionen der alten und neuen GOZ zu vergleichen. Siehe Tabelle.

Im ersten Vergleich wurden bei mir die Punkte eines älteren Referentenentwurfs verwendet…

Nun die aktualisierte Gegenüberstellung und die Beruhigung meinerseits zum Thema Devitalisation…

Gebührennummer Beschreibung Alt Punkte Neu Punkte Veränderung in Prozent
2330 cp 110 110 0,00 %
2340 p 200 200 0,00 %
2350 Amputation 290 290 0,00 %
2360 vite 110 110 0,00 %
Devitalisation 50
2380 Amp. MZ 160 160 0,00 %
2390 Trep 65 65 0,00 %
2410 wk 280 392 71,43 %
2430 med 130 204 63,73 %
2440 wf 200 258 77,52 %
2400 el 70 70 0,00 %
2420 phys 70 70 0,00 %
110 Mikroskop analog 400


Nur einmal verwendbare Nickel-Titan-Instrumente zur Wurzelkanalaufbereitung
sind gesondert berechnungsfähig.

Burnout Prophylaxe

von Hans – Willi Herrmann

Ein Kollege in meinem Alter, nicht allzuweit weit entfernt von uns, hat kürzlich seine Praxis aufgegeben.

Die Praxis (20 Jahre alt) lief gut, der Kollege war bei seinen Patienten beliebt, also keine der üblichen Insolvenz- Geschichten.

Warum also der Verkauf ? Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:

„Burnout – Prophylaxe“, sagte er mir.

„Die Verantwortung für Praxis, Personal, Patienten, Behandlung, Kosten, Umsatz, QM usw habe ich mehr und mehr als Belastung empfunden.

Selbst(und)ständig fremdbestimmt. Man wird nie fertig…
Zudem: man wird nicht jünger. Rücken und Schulter schmerzen häufiger, Regeneration dauert länger. Nachlassende Sehkraft kann man zwar kompensieren, ist aber schon nervig. So noch 10, 15 Jahre weitermachen? Nein.

Um C. G. Jung zu zitieren, hat der Mensch sein „wofür“, erträgt er jedes „wie“.
Dieses „wofür“ das alles, konnte ich mir nicht mehr beantworten.

Jammern oder handeln? Handeln.  Von den Optionen change it, love it, leave it fiel love it also schon mal weg ;-).
change it: den Anspruch an die eigene Arbeit senken, wäre eine Möglichkeit gewesen – schied aus. Weniger arbeiten und/oder mehr delegieren? Nur eine Auszeit nehmen? Die Verantwortung bleibt…
Also leave it. Spurwechsel.
Schluss mit schneller, höher, weiter.
Entschleunigen.
Downshiften.“

Was nehmen wir mit aus dieser Geschichte.
Es gibt eine Wahrheit jenseits den unisono lautenden, von der Politik geprägten  Meldungen der Tagespresse, die nachwievor mit dem Vorschlaghammer einzig das Bild des maßlosen, trotz ungehörig hoher Verdienste immer noch nach „Mehr“ schreienden porschefahrenden Zahnarztes publizieren.

Fakt ist – die Rahmenbedingungen sind hart. Auf Dauer möglicherweise zu hart. Darunter leiden Mediziner wie Patienten – direkt und indirekt – gleichermaßen.
Grenzen des Tragbaren, des Ertragbaren werden überschritten.
Immer nur im Einzelfall, aber irgendwann wird aus der Summe der Einzelfälle ein auch für die Allgemeinheit spürbarer Verlust.

Und – es sind nicht nur die schlechten Zahnärzte, die der Markt eliminiert.
Es sind auch die guten, die den Absprung suchen, schaffen.
Ins Ausland gehen.
Oder etwas ganz Anderes machen.

Zum quantitativen Ausbluten kommt also noch ein qualitatives Ausbluten verstärkend hinzu.

Keine schönen Aussichten.
Und daher umso bedauerlicher, dass diese Entwicklung von der Öffentlichkeit unbeachtet beibt und von der Politik und den Krankenkassen unter den Teppich gekehrt wird.

Zahnersatz aus China? Das war der Anfang, nicht das Ende – Teil 2: Gedanken dazu

von Christian Danzl

Was H.W. Herrmann am 14. Juni geschrieben hat, entspricht ziemlich genau meiner Meinung. Hier meine eigenen Gedanken zu diesem Thema:

Etliche „Original“-Geräte, die wir in Deutschland für viel Geld von bekannten Herstellern kaufen, sind bereits „Made in China“.

Der Hersteller spart also Geld in der Produkion. Was wir dann teuer bezahlen, bleibt im (Zwischen) Handel und als Gewinnmarge irgendwo hängen.

Dass viel Geld „irgendwo“  hängen bleibt, hat auch zur Folge, dass auf einigen Gebieten keine Entwicklung mehr erfolgt. Wenn die Herstellungskosten eines Gerätes nur noch 10% des Kaufpreises ausmachen (dürfen) – und da sind wir noch im Bereich westlicher Produktion, der Rest Handelsspanne ist (wo auch immer), kann kein Geld mehr für Entwicklung da sein.

Beispiel Endometrie.

Seit etlichen Jahren kosten die ungefähr 1.200,- €

Was können sie?

Sie zeigen uns an, wenn wir mit einem WK-Instrument, welches wir auf einer Seite in den Zahn einführen, auf der anderen Seite wieder verlassen.

Mehr oder weniger zuverlässig. Es gibt aber immer wieder unterschiedliche Messwerte oder Fehlmessungen, wenn der Kanal zu feucht ist, wenn eine Metallkrone drauf ist, wenn ein anders Desinfiziens im Kanal ist.

Wenn ein Behandler sagt, daß „sein“ Gerät sehr zuverlässig funktioniert liegt es zum Großteil an dessen Erfahrung, aus der Masse der Daten (falsche und richtige Messungen) die sinnlosen auszublenden.

Und weniger an der tollen Entwicklung, die diese Geräte in der letzten Zeit erfahren haben (ich warte nur bis es ein iPhone App für 0,79 € „lite“, die genauso gut misst wie die bisherigen Geräte, und eine Vollversion für 4,99 €, die den Kurzschluss über Metallkrone oder Flüssigkeit erkennt und meldet. Das Kabel für die Messung gibt es dann für 29,- € beim Apple-Zulieferer).

Nächstes Beispiel.

Polymerisationslampen.

Eine Lichtquelle, die blaues Licht abgibt (nativ oder gefiltert), ein Zeitschalter, der nach vorbestimter Zeit das Licht wieder ausschaltet, eine Stromquelle und evtl. ein Lichtleiter, der das Licht dahinbringt, wo es hin soll.

Nichts anderes als eine (Taschen)Lampe mit Abschaltautomatik.

Würde man die Einzelteile im Electonicversand (Also im Einzelhandel! Hier sind bereits Herstellungs-, Handels-, Export-, Fracht-, Importkosten abgegolten) bestellen, käme man – großzügig gerechnet – locker mit 20,- € hin.

Vom namhaften Hersteller zahlen wir dafür im Schitt 1.000,- €

Und nach einem Jahr macht der Akku dann die Grätsche, weil man ihn – auf Nachfrage beim Hersteller „nicht richtig ge- und entladen“ hat (das kommt aber nicht mehr vor, da man dafür jetzt QM installiert hat, was genau solche Sachen vermeidet!).

Da braucht sich niemand wundern, wenn man sich nach billigeren Alternativen umschaut.

Allerdings, und da schliesse ich wieder an die ersten Zeilen an, muss ein Billig-Gerät aus China nicht zwangsweise eine Kopie sein.

Etliche Geräte sind, wie gesagt, sowieso schon „Made in China“.

Jetzt fragt sich der interessierte Zahnarzt, ob „die Chinesen“ die Geräte, die sowieso schon „Made in China“ sind, nochmals kopieren um sie dann nochmal billiger herzustellen?

Es würde reichen, wenn die Fertigungsmaschinen, die für einen namhaften westlichen Hersteller 10.000 Stück auswerfen, nach Beendigung des Auftrages ein paar Wochen weiterliefen, um den eigenen Markt zu versorgen – dabei könnte auch ein gewisser Anteil in den Direkt-Export laufen. So könnte man erklären, dass es „Billig-Geräte“ gibt, die genauso aussehen und genauso gut (oder schlecht) funktionieren wie die Originale. Das ist aber eine reine Vermutung.

Ich als Provinzzahnarzt kann es aber nicht ausschliessen.

So und nun der Aufruf an Handel und Industrie:

Dass viel Geld eingenommen werden muss um Angestellte und Entwicklung zu bezahlen ist hier jedem klar, der eine Praxis führt, uns geht es genauso.

Jedoch kommen sich viele, die für ihr Geld hart arbeiten müssen, einfach nur veräppelt vor, wenn man für eindeutige Billig-Produkte horrende Summen ausgeben muss und denn richtig abgezockt wird, wenn man einen Ersatzakku dazu braucht.

Dann schaut man sich nach Alternativen um.

Auch wenn man unter Umständen mit der billigen Alternative nur scheinbar billiger fährt und langfristig draufzahlt – aber das, und genau das – haben wir schliesslich von den Krankenkassen gelernt.


					

Welches Lesegerät für die eGK?

von Christian Danzl

Sie wird wohl kommen, die elektronische Gesundheitskarte.

Uns wird die Anschaffung von Lesegeräten empfohlen, um unsere Leistungen, die wir im Gesundheitsystem erbringen auch weiterhin abrechnen zu können. Der Kauf wird finanziell von den KZVen bezuschusst (selbstverständlich durch bereits von uns bezahlten Beiträgen).

Welches Lesegerät aber kaufen?

Zumindest eines, das von der Gematik, der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH, zugelassen ist.

Meiner Meinung nach ist diese Frage als erstes an den Hersteller der Praxissoftware zu richten. Diese haben meist schon Empfehlungen bezüglich Modell und Anbindung, welches mit der jeweiligen Software am besten funktioniert, oder über das die meisten Erfahrungen vorliegen.

Desweiteren ist zu klären ob es ein reines eGK/KVK-Lesegerät werden, oder ob es ein Hybridlesegerät, also mit integriertem Bezahlterminal sein soll, wie zum Beispiel beim Hypercom Artema medHybrid. Dies würde zumindest das Kabel- und Gerätegewirr an der Anmeldung vermindern.

Eine weitere Option ist eine Tastatur mit integriertem eGK-Lesegerät, wie z.B. die Cherry-Tastatur G87-1504. Auch dieses System verringert verschiedenen Geräte, die rumstehen.

Jedoch bleibt auch zu bedenken, dass bei Kombigeräten der Ausfall eines Teiles oft zum Totalausfall des gesamten Gerätes zur Folge haben, und der Ersatz – sollte kein Wartungsvertrag vorhanden sein – evtl. mehrere Tage dauern könnte.

Aber was bringt uns die eGK ausser Kosten für Anschaffung, Installation, Updates (unter 1.000,- € wird das neue Lesegerät wohl kaum in einer Praxis installiert sein) noch?

Wir werden es sehen.

Noch kann der Patient wählen, was darauf gespeichert wird.
Minimal sind es die Stammdaten, also Name, Geburtsdatum, Adresse und Versichertenstatus, wie bei der jetzigen KVK auch, neu hinzukommen sind Informationen über den Zuzahlungsstatus und ein Bild des Patienten.

Über die anderen Funktionen (in Vorbereitung) kann der Versicherte noch entscheiden, ob sie aktiviert werden sollen:

  • Versichertenstammdaten online prüfen/aktualisieren
  • Notfalldaten
  • Datenaustausch zwischen Ärzten
  • elektronische Fallakte

Ob diese Funktionen auch in Zukunft optional bleiben oder Pflicht werden wird, wird sich zeigen.

Diese Optionen nicht zu nutzen hiesse, dass die eGK sinnlos wäre und definitiv nur Geld koste würde. Den Kassen, somit den Behandlern und letztlich den Patienten für ihre Behandlung.

Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass die Daten auf diese Karte absolut sicher sind, und es datenschutzrechtlich keinerlei Bedenken gibt, selbst wenn lt. Gematik „mehrere Dutzend Terabyte Daten“ (S. 2, Absatz 2) mit „über 10.000.000.000 Datentransaktionen“ durchs Netzgeschickt werden.

Auch gehe ich davon aus, dass ich definitiv KEINE Werbemails über Gesundheitsprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel in meinem e-mail Postfach finden werde, die gerade zu meinem aktuellen Gesundheitszustand passen.

Völlig unbegründete Argumente gibt die eGK würde man hier finden hierhier und hier.

69 Prozent (Teil 2) – Força Barça

von Hans – Willi Herrmann

Eine Woche lang war der Kollege in unserer Praxis zu Besuch.
 Er  kommt aus Barcelona und arbeitet dort,  auf Wurzelkanalbehandlung spezialisiert, in 3 verschiedenen Praxen.

Nur in einer dieser Praxen steht ein Mikroskop, und auch das erst seit wenigen Monaten. In den anderen Praxen muss der Kollege ohne Vergrößerungshilfen auskommen.
Eine Lupenbrille nebst LED – Licht besitzt er  nicht, er  konnte sich diese bislang nicht leisten. Denn er verdient deutlich weniger als ein Kollege in Deutschland. Dafür schleppt er   jeden Tag eine ganze Reihe von  Dingen, die man essentiell für eine Wurzelkanalbehandlung braucht, im Koffer mit sich herum von Praxis zu Praxis. Aus eigener Tasche bezahlt: Drehmomentkontrollmotor und Apex- Lokator zum Beispiel und einen Röntgensensor nebst Laptop.

Sein  Gehalt ist rein umsatzabhängig.
Wenn ein Patient absagt, das kommt im Moment bei schlechtem Wetter immer  mal wieder vor,  erfährt er  das erst vor Ort.  Zu spät, um einen anderen Patienten einzubestellen.

Und dann das Krankenversicherungssystem in Spanien.
 Ich gebe mal auszugsweise wieder, was der Kollege erzählt hat, Dr. Knobel, unser  deutscher Zahnarzt vor Ort, der in Madrid seine Praxis eröffnet hat und hier hoffentlich noch mitliest, wird sicherlich eine ganze Reihe von Details ergänzen oder gegebenenfalls auch richtigstellen können.

Umsonst gibt es Extraktionen.

Für den Rest der Zahnmedizin muss sich der Patient privat krankenversichern.

Die Beiträge sind deutlich niedriger als bei uns, die Leistungserstattung der PKV´s allerdings auch. Gefühlsmäßig würde ich sagen, die bezahlten Leistungen liegt deutlich unter dem Niveau unserer gesetzlichen Krankenversicherung.

Eine freie Arztwahl gibt es nicht, wer z. B. bei der AXA versichert ist, muss einen Zahnarzt, der bei der AXA gelistet ist, aufsuchen. Gute Zahnärzte schliessen keine Verträge mit den PKV´s ab, da diese nur sehr wenig für die jeweilige zahnärztliche  Leistung zahlen.

Zahnärztemangel ?

Gibt es in Barcelona nicht.

Und das liegt nicht nur an der Attraktivität der Metropole Barcelona  für Patienten und Zahnärzte. Denn da sind zum einen Zahnärzte aus Südamerika, die für Dumpingpreise arbeiten,  zum anderen gibt es zwei Universitäten vor Ort, eine staatliche und eine private. Die staatliche bildet alleine rund 240 Zahnärzte jedes Jahr aus.

Das Zahnbewußtsein der Patienten scheint geringer entwickelt zu sein als bei uns in Deutschland.

Der Patient kommt weniger prophylaktisch orientiert und damit seltener von sich aus regelmäßig in die Praxis, als vielmehr zielorientiert, auf konkreten Anlass hin.

Lückenversorgungen und suboptimale Zahnersatzlösungen sind häufiger anzutreffen als bei uns. Anfallende Zahntechnik ist (über den Daumen und auf die Gesamtheit bezogen) kostengünstiger. Zahnärztliche Honorare sind nicht geringer als bei uns, zumindest nicht für die vom Patienten nachgefragten Leistungen.

Es fragen halt nur nicht so viele und so oft wie bei uns.

Unser QM – Massnahmen  hat der Kollege im Übrigen  erstaunt bis ungläubig zur Kenntnis genommen. Es scheint, dass dies  im EU – Land Spanien in dieser Form noch nicht bekannt ist oder sich dort noch nicht hat etablieren können.

Das war für mich im Übrigen die nachhaltigste Erfahrung der Woche. Das  Leuchten in den Augen des Kollegen   zu sehen, angesichts der für uns vielen Selbstverständlichkeiten zahnärztlichen Arbeitens, wie wir es in Deutschland haben.  Zu sehen, dass wir hier bei uns mit unserem Standard an Praxisstruktur und Versorgung immer noch weit vorne dabei sind. Mit dem, was unsere Patienten bekommen und mit den Arbeitsbedingungen, unter denen wir hier arbeiten. 
Ich glaube, besagter  Kollege würde sich freuen,  in Barcelona unter solchen Arbeitsbedingungen arbeiten zu können.

Über unseren Grad an notwendigem Bürokratismus z.B. beim Beantragen von Zahnersatz, bei der Mehrkostenvereinbarung bei Füllungstherapie oder im Hinblick auf die bis zu 12 Seiten Papier, die, je nach Situation,  vor einer Wurzelkanalbehandlung ausgedruckt und mit dem Patienten erörtert werden müssen,  hat der Kollege allerdings nur fassungslos den Kopf geschüttelt.

Fassen wir zusammen: Zahnärzteüberschuss, Patienten- bzw. Arbeitsmangel, keine freie Arztwahl, Knebelverträge der Versicherungen, Schwierigkeiten, sich eine eigene Praxis aufzubauen, Patienten mit geringem dentalen Bewußtsein und wenig Geld für die zahnärztliche Versorgung und das alles bei gleichen Materialkosten und in der Gesamtheit wesentlich geringeren Einnahmen.

Das ist genau das Szenario, auf das wir zukünftig in Deutschland in der Zahnmedizin hinsteuern.

Und darauf muss sich die Zahnärzteschaft einstellen. Jeder einzelne von uns. Die Zeichen sind da und sie zeigen nicht nur aussenpolitisch und währungstechnisch, nein, auch zahnmedizinisch auf die  PIGS – Staaten und damit nach unten.

Auf eine kompakte Weltformel gebracht: Es ist nicht mehr genügend  Geld da.  Und es wird zukünftig nicht mehr, sondern weitaus weniger Geld für/in der Zahnmedizin geben.

Das sind die Fakten.

Und jetzt ? Folgt zwangsläufig die Analyse der Ist – Situation:
Was wir Zahnärzte mit den Airbus – Piloten gemeinsam haben und was uns von ihnen trennt.
Was zukünftig aus uns  wird und warum wir es sind, die ohne Fallschirm aus dem Flugzeug geworfen werden,  während der Lufthansa – Kapitän die Maschine sicher landet und dafür den Applaus der Passagiere erhält.

Darüber mehr im dritten Teil der Beitragsreihe 69 Prozent, am nächsten Dienstag.

2 Euro 60

von Hans – Willi Herrmann

2 Euro 60 bekommt der indische Zahnarzt für die Entfernung eines unteren Prämolaren.
„Erstaunlich wenig“, findet der Reporter, „selbst für indische Verhältnisse“.

„Aber dafür sind die hygienischen Verhältnisse auch nicht mit unseren Standards vergleichbar“.

Eine zurückhaltende Umschreibung.
Was hier gezeigt wird, ist vorsätzliche Körperverletzung und entspricht seit über 100 Jahren nicht mehr dem ärztlichen Standard und zwar nirgendwo auf der Welt.

Gut, dass wir solche Verhältnisse in Deutschland nicht haben.

Und was zahlen denn die Krankenkassen in Deutschland für eine solche Zahnentfernung ?

8 Euro 81 für die Zahnentfernung. 7 Euro 5 Cent für die Betäubung. 15,86 Euro  ingesamt.

Darin abgegolten alle Kosten für Praxismiete, Praxiseinrichtung, Personal, Material und den Aufwand für Vor/Nachbereitung, Desinfektion und Sterilisation der verwendeten Geräte, Instrumente, Räumlichkeiten.

Was der Reporter wohl dazu sagt ?

Germany – the „Mystery Country“

von Hans – Willi Herrmann

Falls jemand eine kurze und prägnante Antwort möchte auf die Frage, wie es in Deutschland mit dem Gesundheitssystem bestellt ist, der scrolle einfach ein paar Zeilen nach unten.
Entnommen einem vergleichenden Report von 2009 (Health Consumer Powerhouse Euro Health Consumer Index 2009 Report ISBN 978-91-977879-1-8 ), die Gesundheitssysteme der EU betreffend.

Ich fasse übersetzend zusammen.
Den deutschen Patienten stehen  mehr Gesundheitsleistungen zu als jedem anderen Bewohner der EU.
Nirgendwo ist es einfacher und nirgends kann man schneller mehr Gesundheitsleistungen bekommen als in Deutschland.

Und wie machen das die Deutschen mit den Kosten ?

Erstaunlich, daher der Titel „Germany – the Mystery Country“, daß die Kosten trotz zumindest quantitativer Höchstleistungen nur im Mittelfeld liegen.
Man würde Deutschland hier an der Spitze vermuten, mit einem Kostenrahmen, der vollkommen abgehoben wäre. Dem ist nicht der Fall.

Auch dafür gibt der Report die Antwort.
Studien zufolge arbeiten die deutschen Ärzte länger, härter und für weniger Geld als ihre europäischen Kollegen.
Ein typisch deutsches Phänomen, „die deutsche Arbeitsmoral“, wie der Report süffisant bemerkt, es sei allgemein bekannt, das es nur schwer möglich sei, die Deutschen von der Arbeit abzuhalten.

1.1.4 Germany – the “Mystery Country”

In 6th place with 787 points, Germany probably has the most restriction-free and consumeroriented healthcare system in Europe, with patients allowed to seek almost any type of care they wish whenever they want it. The main reason Germany is not engaged in the fight for medals is the mediocrity of Outcomes (and “Germany” and “mediocre quality” are rarely heard in the same sentence!). This is probably due to a characteristic of the German healthcare system: a large number of rather small general hospitals, not specializing.

The “mystery” is: how is it possible to operate a restriction-free system, and not have healthcare costs run wild? As can be seen from the cost graph in Section 5.1, German healthcare costs are in the middle of the Western European countries.

Another speculative explanation: There are studies, that show that German doctors work harder; long hours and many appointments/operations per doctor per year. It is well known that hindering a German from working is difficult. Could the relatively good cost containment in German healthcare be explained simply be “German work ethic”? Unfortunately, the EHCI does not provide the answer.

Tip Taxi 2

von Christian Danzl

Das von Christoph Kaaden vorgestellte Tip Taxi macht mir einen sehr guten Eindruck. Das hätte ich auch, wenn ich nicht schon die Spitzen-Ständer von Key-Dent hätte.
Hersteller ist Nichrominox in Frankreich.
Nichrominox liefert auch andere, für die Endodontie interessante Produkte.

Andere Notdienste im Blog

von Hans – Willi Herrmann

Durch Zufall (bei WordPress gibt es eine Auflistung der neuesten Artikel, die eingestellt wurden, und wenn die Überschrift mich anspricht, klicke ich drauf) bin ich auf einen ärztlichen Kollegen gestossen, der ebenfalls über seinen Notdienst berichtet.
Nicht schön, was es da von den Ärzten zu lesen gibt. Aber gut, dass Blogs wie jener zeigen, dass es eine Wahrheit jenseits der politischen Orwellismen gibt, die im Web 2.0 geäußert werden kann.
Und damit die heimischen Wände und  den Zahnärztestammtisch an Reichweite überschreitet.

Besagter Arztkollege, der sich selbst Dr. Geldgier nennt, kam zum Blog, weil er sich den Frust seines Notdienstes von der Seele schreiben wollte. Der für 4.50 Euro pro Stunde sein Telefon auf Rufbereitschaft stehen lassen soll, und das Ganze eine Woche lang.

Hallo Dr. Geldgier, der nächste Absatz ist für Sie: Diese Woche,  am Sonntag, wurde die verstopfte Toilette meiner Schwiegereltern repariert.
Wochenend – Aufschlag.
100 Prozent. Wir reden von 150 Euro, Baby. Wieviel bekommen sie noch mal pro Stunde am Wochenende mehr , Dr. Geldgier ? 4  Euro 50 ?

Und jetzt bitte keine Diskussionen, über Toiletten, die man reinigen muss, und wie schlimm das ist, und das es ja jeder selbst machen kann, wenn er das Geld nicht ausgeben will.
Es geht hier um den Wochenendzuschlag von 100 Prozent, der im handwerklichen Bereich ohne Wenn und Aber, maximal noch schulterzuckend,  gesellschaftlich akzeptiert wird.

Ich gönne dem Handwerker seine Mehreinnahmen. Aber 4 Euro 50 für einen Arzt, der an Heiligabend übers Land fährt ? Jedem Politiker muss klar sein, dass dies nicht sein darf. Und machen wir uns nichts vor. Die Politiker kennen diese Zahlen. Diese Infos, das Wissen über diese Zustände sind den Politikern seit vielen Jahren bekannt.

Geändert an diesen Verhältnissen wird nichts.
Und welchen Schluss zieht man daraus ?
Es interessiert die Politiker nicht die Bohne.


Anatomie eines Notdienstes (6)

von Donald Becker

Eine Stunde und 10 Minuten war ich zu Hause. Kurz was essen.
Ausruhen ging nicht. Unkonzentriertes Blättern in der Weihnachtsausgabe der Süddeutschen, während ich das aufgewärmte Essen von Heilig Abend zu mir nehme, schon muss ich wieder weg.

Als ich am 1. Weihnachtsfeiertag um 17 Uhr wieder in die Praxis komme, sind aus den bislang angekündigten 6 Patienten bereits 13 Hilfesuchende geworden.

Eine Stunde später, um 18 Uhr befinden sich deutlich mehr als 20 Personen gleichzeitig in in unserer Praxis.
Wir haben keine Stühle mehr.

Ich gehe nach draussen und bitte alle Begleitpersonen, die Praxis zu verlassen.
Langsam fängt der Notdienst an, stark auch an meinen Nerven zu zehren. Und von der freundlichen Athmosphäre des gestrigen Vormittags ist nichts mehr zu spüren. Im Wartezimmer herrscht eine  gereizte  Grundstimmung.
Angenervte Gesichter angesichts der langen Warteschlange.

Und immer noch klingelt zwischendrin das Telefon.

Am Ende des Tages werden es 20 Patienten sein, die nach 17 Uhr unsere Praxis aufgesucht haben werden.  Eigentlich wären es sogar 22, aber 2 Patienten erscheinen nicht. Lange genug hätten wir auf sie gewartet, der eine war um 17.30, der andere um 19.00 anvisiert, erst  um 22.50 Uhr verlasse ich die Praxis.

20 Patienten seit 17.00 Uhr.
Die überwiegende Mehrzahl mit unklaren Schmerzproblematiken. Der Satz „Herr Doktor, ich habe starke Zahnschmerzen, aber ich kann ihnen nicht sagen, wo die Schmerzen herkommen“, wird zum Dauerbrenner.

Zu guter Letzt dann noch zwei schwierige Extraktionen.
Ein Zahn 17. Wurzelkanalbehandelt.
Zumindest der palatinale Kanal.
Bis in die Mitte.

Die anderen zwei oder drei Kanäle ?
WF Fehlanzeige.

Schmerzen seit mehreren Tagen.

Der Hauszahnarzt hat vor 2 Tagen okklusal ein Loch in den Zahn gebohrt, Ledermix eingelegt und den Zahn offengelassen.
Und davon solls besser werden ? Selbst kurz vor  Weihnachten würde ich nicht zu sehr an ein Wunder glauben.

„Wenn der Zahn Beschwerden macht, muss er raus“, sagte der Vorbehandler.  „Schöne Grüsse soll ich ausrichten, von Dr. Müller Maier Schmidt“, sagt der Patient, der es nicht mehr aushält vor Schmerzen. Schöne Grüße ? Das kann der Kollege nicht Ernst gemeint haben.

Irgendwann geht der Zahn raus. 4 Wurzeln,stark gespreitzt, 3 davon mit einander verbunden, alles zusammen eingeklemmt von einem impaktierten Zahn 18.

Und danach ein Zahn 37.

„Die linke Seite tut weh, aber ich kann nicht einmal sagen, ob von oben oder unten.“
Schon wieder.

Aber wenigstens lässt sich der schmerzauslösende Zahn klinisch schnell ausmachen.  Klopftest leicht positiv und die Sonde retiniert stark unter der vorhandenen Krone.
Massive Sekundärkaries.

Das Problem – mittelalte Patientin, kein Knochenabbau, stark abgeknickte lange Wurzeln, der Zahn total auf Gingivaniveau weggefault. Also fest im Knochen und nichts zu angreifen. Achja, und da ist noch  die  4 gliedrige Brücke, die dranhängt.

Ich trenne die Brücke distal  des 4ers ab, schon kommt der hintere Teil mir entgegen. Vermutlich ist die Karies durch Dezementierung enstanden. Oder die Dezementierung durch die Karies. Das Ergebnis ist das Gleiche. Nicht mehr zu machen.
Die Wurzeln lassen sich trennen und  trotz fehlender Hebelmöglichkeiten schneller als zunächst befürchtet entfernen.
Natürlich nicht in dem Zeitrahmen, den die Krankenkasse für einen solche Verrichtung vorsieht, aber immerhin rascher als beim Zahn zuvor.

Das war die letzte Patientin. Niemand mehr im Wartezimmer.
Es ist kurz nach 22.00 Uhr.  Jetzt noch alle Eintragungen und Arztbriefe, die liegengeblieben sind, weil beim „Zwischen den drei Behandlungszimmern auf Rollschuhen hin und her Wechseln“ keine Zeit dafür blieb.

Und bitte – bitte keine Anrufe mehr.
Wobei die Erfahrung zeigt, dass in der Regel zwischen halb Elf und Elf noch mal das Telefon klingelt. Und zwischen zwei und drei Uhr, aber so weit sind wir noch nicht.

22. 35 Uhr.
Ich bin fast fertig mit meinen Eintragungen.

Das Telefon.
Klingelt.

Ich wusste es.
Ich gehe direkt dran.

„Hallo, machen Sie Extraktionen in Vollnarkose ?“

„Nein, machen wir nicht“.

„Können Sie mir sagen, wer so etwas macht hier bei uns ?“

Kann  ich.

„Das macht der Herr Dr. Müller Maier Schmidt“.

„Der hat jetzt aber nicht auf, oder ?“

Mit Sicherheit nicht“ ,antworte ich. Ist nur eine Vermutung, aber wir haben den ersten Weihnachtsferiertag und es ist nach 22.30 Uhr.

„Danke“, sagt die Dame und legt auf.

Und das war er dann, unser Notdienst.

Bis 3 Uhr nachts bin ich noch wachgeblieben vorm Computer. Weil es für mich nichts Schlimmeres gibt, als im Schlaf geweckt zu werden von einem Telefonanruf und ich daher ohnehin erst schlafen kann, wenn ich todmüde bin.
Es hat aber niemand mehr angerufen.
Gott sei Dank.

Anatomie eines Notdienstes (5)

von Donald Becker

Normalerweise ist der 2. Tag des Notdienstes weniger anstrengend.

Diesmal nicht.

Wenigstens war der Heilige Abend ruhig und auch in der heiligen Nacht rief niemand an. Das war für mich das Wichtigste.
Dafür kommt es jetzt um so heftiger.

Schon nach einer Stunde haben wir die Höchstmarke  des gestrigen Vormittags überschritten.  Als wir kurz vor 15.00 Uhr die Praxis verlassen, um etwas essen zu können, haben wir bereits 20 Patienten behandelt. Und für 17.00 Uhr sind schon weitere 6 Patienten angemeldet.

Der Patient mit dem Oberkiefereckzahn (das war der Patient, für den es in den Kammerrichtlinien nebst Gerichtsurteil keine Therapiekonzept ausser der Extraktion gibt)  kommt zur Kontrolle nach Wurzelkanalbehandlung vorbei. Seine Schmerzen sind weg, die Schwellung ist rückläufig, der Druck im Kiefer und in der Wange hat nachgelassen.

Eine Patientin mit Schmerzen in der Unterkieferfront und leichter vestibulärer Schwellung in Regio 41- 43 stellt sich vor. Sie trägt eine große den gesamten Frontzahnbereich umspannende Brückenkonstruktion. Klopftest, Rö- Bilder und Kältetest sind nicht eindeutig.  Am wahrscheinlichsten ist der Zahn 42 der Schmerzauslöser.

Wir trepanieren, ein extrem schwieriges Unterfangen bei den grazilen Zähnen, die die Patientin hat und der Keramikkonstruktion, die den Zahn umgibt. Trotz Dentalmikroskop ist dieser Zahn eine enorme Herausforderung. Ohne Mikroskop bei den extrem schwierig aufzufindendem Kanal keine Chance.

Was also tun im Notdienst ?
Draussen sitzen gegenwärtig 9 weitere Patienten. Längst haben wir zusätzliche Sitzgelegenheiten herbeigeschafft, der Wartebereich ist übervoll, die Patienten und ihre Begleitpersonen  sitzen in einer Reihe im Flur bis zur Anmeldung.

Es kommt zu leichtem Tumult, weil  ein paar der  Patienten sich nicht einigen können, wer nun als Nächster an der Reihe sei, nachdem wir eine Patientin, die zum Streifenwechsel die Praxis aufgesucht hatte, nach kurzer Wartezeit schon ins Behandlungszimmer   gesetzt haben.
Ich gehe nach draussen, erkläre die Situation. Meine Stimmung sinkt.

Es ist gerade mal Halb Eins am zweiten Tag unseres Notdienstes. Noch weitere 20 Stunden liegen vor uns.

Zurück im Zimmer.  Noch immer nicht der geringsten Hinweis, wo der Wurzelkanal des Zahnes 42 zu finden wäre.

Ich beschliesse, den Zahn erst weiterzubehandeln, wenn ich die weiteren Patienten versorgt habe. Die Patientin ist einverstanden.
Sie hat bislang schon 2 Stunden gewartet und wird weitere 90 Minuten warten müssen, bis wir uns ihr wieder widmen können.


Anatomie eines Notdienstes (4)

von Donald Becker

Ein Patient hat uns eine gute Flasche Wein mitgebracht.

Überhaupt sind die Patienten durch die Bank heute besonders höflich. Es gibt kein Klagen angesichts der teilweise stundenlangen Wartezeit.

Ausnahmen gibt es natürlich immer, wie die Dame, die sich über ihren Eigenanteil von knapp 9 Euro für das Wiedereingliedern einer Frontzahnkrone beklagt.

Klassiker im Notdienst, neben der Patientin, die nun schon zum 3. Mal an 3 aufeinanderfolgenden Notdiensten bei uns erscheint, sind auch dieses Mal wieder Patienten, die zwar mit einer drastisch geschilderten Beschwerdeproblematik in der Praxis erscheinen, dann  jedoch, wenn es darum geht, eine Therapie gleichwelcher Art durchführen zu lassen,  doch nichts gemacht haben wollen.

Bei den beiden Patienten, die mit neuen Teleskopversorgungen (verankert an 2 Eckzähnen und einem Molaren) vorbeigekommen sind, ist dies nicht der Fall.
Sie wollen Hilfe.

Der eine hat einen Abszess am Teleskopzahn 37. Die Prothese ist 6 Wochen alt und der Zahn ist wurzelkanalbehandelt. Eine Revision macht keinen Sinn mehr. Der Zahn ist austherapiert. Wir inzidieren, decken antibiotisch ab und weisen angesichts des Röntgenbildes den Patienten darauf hin , dass der Zahn 37 entfernt werden muss, sobald die Entzündung rückläufig ist.  Die Prothese ist handwerklich gut gemacht und wird sicherlich auch ohne den dritten Ankerzahn einen ausreichenden Halt haben.

Für den anderen Patienten sieht es nicht so gut aus.
Die Teleskopprothese ist 9 Monate alt, sieht aber so aus, als hätte sie deutlich mehr auf dem Buckel. Hier stimmt nur wenig. Die NEM – Primärteleskope sind vom Randschluss her mäßig bis unzureichend, der Sitz der Sekundärkonstruktion ist mangelhaft. Die Prothese hat einen Riss im Bereich des Teleskops 24  und nun ist der Zahn 13 abgebrochen.
Er ist wurzelkanalbehandelt, Schmerzen sind nicht zu erwarten.  Eine Präparationsgrenze ist nur andeutungsweise zu erkennen und sie ist nicht deckungsgleich mit dem Kronenrand.

Wollte man das Teleskop auch nur mittelfristig stablisieren, so müsste der Zahn mit einem Wurzelstift + Aufbau versehen werden und darüber das Teleskop passgenau wieder integriert werden. Entsprechende Präzision in der Systematik und in der Vorgehensweise vorausgesetzt,wäre  dies möglich.  Würde der Zahn extrahiert, würde  der Halt der Versorgung deutlich leiden.

Ich stelle die provisorische Eingliederung der Teleskopkrone einer definitiven Eingliederung gegenüber und plädiere für ersteres.
„Wie lange wird das halten ?, fragt der Patient.
„Nicht lange“, antworte ich offen.
„Schaffe ich es über die Feiertage bis ins neue Jahr ?
„Wenn sie Pech haben, stehen Sie morgen wieder hier, es ist zuviel von ihrem Zahn abgebrochen“.

Der Patient wünscht die definitive Eingliederung.

Eine Patientin erscheint.
Eine fünfgliedrige Brücke im Oberkiefer, vom Frontzahnbereich in den Seitenzahnbereich sich erstreckend. Die Patientin wünscht, nein, sie verlangt die Wiedereingliederung der, wie sie sagt 2 Jahre alten Brücke. Sie ist routiniert, es ist offensichtlich ein immer wiederkehrendes Ereignis. 3 der 4 Pfeilerzähne sind bis fast auf Gingivaniveau weggefault, nur der Zahn 23 ist noch etwas substanzreicher, wenngleich ebenfalls stark kariös angegriffen.
Keine Schmerzen.

„Ich kann Ihnen die Brücke nicht mehr eingliedern, sie hat keinen Halt mehr.“
„Mein Hauszahnarzt hat die Brücke doch auch immer wieder eingesetzt, warum soll das jetzt nicht mehr gehen ???“
„Weil es nicht lange halten kann“.

„Und was kommt dann ????“, fragt die Patientin . „Was kosten denn  Implantate ???“
„Da ist ihr Hauszahnarzt der geeignete Ansprechpartner, ich bin es nicht“, antworte ich.

„Jetzt sagen sie doch mal !!!!“, wiederholt die Patientin ihre Forderung. Der Ton wird schärfer. „Wieso wollen Sie mir denn nichts sagen ???? Jetzt sagen sie doch mal !!!!“

Ich wiederhole meinen Satz von oben und gliedere ein.

Anatomie eines Notdienstes (2)

von Donald Becker

Gleich der erste Endo -Patient des Notdienstes stellt eine Besonderheit dar.

Nicht was den Fall angeht, der wäre für uns Routine.
Es geht um die Richtlinien, die in einem engen Korsett vorgeben, wie bzw. was genau im Rahmen eines Notdienstes an zahnärztlichen Behandlungsschritten durchgeführt werden darf. Und was nicht, um nicht als unwirtschaftlich eingestuft zu werden oder als unkollegial zu gelten.

Im vorliegenden Fall müsste ich (folgte ich den Anweisungen der Kammer, die sogar auf ein LSG – Gerichtsurteil verweist) den Zahn des Patienten, einen Oberkiefereckzahn, ziehen. Der Zahn ist devital und die Pulpakammer ist bereits eröffnet. Eigentlich dürfte der Patient, dies wurde in einer jüngsten offiziellen Stellungnahme der Zahnärztekammer impliziert, gar keine Zahnschmerzen haben, daher sind  weitere Massnahmen zur Wurzelkanalbehandlung nicht notwendig und dürfen nicht durchgeführt werden.

Der Patient weiss nichts von diesem Schreiben und stellt sich daher trotzdem mit starken Zahnschmerzen bei uns vor.

Der Eckzahn steht sehr gut im Knochen, dass angefertigte Röntgenbild ergibt ausserdem, dass nicht einmal eine über das Maß einer Vermutung hinausgehende apikale Aufhellung an diesem Zahn im Röntgenbild festzustellen ist. Eine stärkere gingivale oder gar extraorale Schwellung, die eine Inzision rechtfertigen würde, ist ebenfalls nicht aufzufinden.

Es gibt aus medizinischer Sicht keinen Grund, diesen Zahn zu entfernen, ganz abgesehen davon, dass diese Extraktion hohe Folgekosten mitsichbringen würde. Schließlich müsste die entstandene Lücke, die im deutlich sichtbaren Bereich ist, mit einem Zahnersatz gleichwelcher Art verschlossen werden.

Aus medizinischer Sicht sieht die Behandlung folgender Maßen aus: Versorgung des vorhandenen kariösen Defektes mit einer Füllung. Trepanation des Zahnes, Kofferdam, Wurzelkanalaufbereitung, zusätzliche desinfizierende Maßnahmen, medikamentöse Einlage, Verschluss der Trepanationsöffnung mit einer bakteriendichten und die Zahnrestsubstanz stabilisierenden Füllung.

Es erhebt sich die Frage: Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob der Patient einen Zahnarzt während der Woche oder  am Wochenende aufsucht ?

Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob diese vom Hauszahnarzt oder von einem Zahnarzt im Rahmen des Notdienstes durchgeführt wird, wenn das Ergebnis im Zweifelsfall dem Patienten zum Nachteil gereicht ?

Ist es zulässig, dass eine Behandlungsmaßnahme, die vom Hauszahnarzt ohne Erfolg durchgeführt wurde und diesem erstattet wurde, einem Zahnarzt, der durch adäquate Massnahmen eine Schmerzbeseitigung erreicht, vorzuenthalten ?

Passt gut zu Weihnachten…


Eugen Roth – oder Dinge, die sich nie ändern….

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

„Kennst Du dieses Gedicht von Eugen Roth schon ?“ fragte mich Harald Vögele heute mittag.
Ich kannte es, hatte es aber nicht in meiner Erinnerung präsent.
Vermutlich hatte ich es  verdrängt angesichts der beschriebenen Situation. Jammerschade, denn es ist es wert, immer und immer wieder rezitiert zu werden.

Es geht darin um Krankenkassen und deren Erstattungsverhalten.
Und das Bemerkenswerteste ist nicht der Inhalt per se, sondern der Zeitpunkt seiner Entstehung.

Die Lyrik ist von 1935.

Zeitlos ? Aktueller denn je ? Das mag jeder selbst beurteilen:

Ärger mit der Krankenkasse
Eugen Roth, 1935

Ein Mann, der eine ganze Masse

Gezahlt hat in die Krankenkasse,

Schickt jetzt die nötigen Papiere,

Damit auch sie nun tu‘ das ihre.

Jedoch er kriegt nach längrer Zeit

Statt baren Gelds nur den Bescheid,

Nach Paragraphenziffer X

Bekomme er vorerst noch nix,

Weil, siehe Ziffer Y,

Man dies und das gestrichen schon,

So dass er nichts laut Ziffer Z

Beanzuspruchen weiter hätt‘.

Hingegen heißt’s nach Ziffer A,

Dass er vermutlich übersah,

Dass alle Kassen, selbst in Nöten,

Den Beitrag leider stark erhöhten

Und dass man sich mit gleichem Schreiben, Gezwungen säh ihn einzutreiben.

Besagter Mann denkt, krankenkässlich,

In Zukunft ausgesprochen hässlich.

Sollten wir nicht vielleicht jeder Rechnung diese Zeilen beilegen ?

Hälfe vermutlich mehr als alle von Abrechnungs- und Beilhilfestellen geforderten seitenlangen Erklärungen des Arztes,wo doch von vorneherein feststeht, dass dem Patienten die entsprechende Leistung nicht gezahlt werden wird, egal was und wieviel der Arzt schreibt.
Ich glaube ich werde das mal tun und schauen, was passiert.

HVM

von Hans – Willi Herrmann

Letzte Woche kam unser HVM für 2009 von der KZV.
HVM ?  KZV ?
Schon wieder zwei Abkürzungen.

Aber im Gegensatz zu „GYT“ von gestern weiss bei HVM und KZV  jeder Zahnarzt, was damit gemeint ist.

Für die Nicht – Zahnärzte.
HVM steht für Honorarverteilungsmaßstab und gibt uns vor, wieviel Geld unserer Praxis in der Behandlung von „Gesetzlich Krankenversicherten“ für das Jahr 2009 zur Verfügung steht.

Für dieses Jahr haben wir im Bereich der Zahnerhaltung bereits nach 6 Monaten die Budgetgrenze für Patienten, die bei Primärkrankenkassen (AOK, BKK´s )  versichert sind, erreicht.
Das bedeutet, das wir im zweiten Halbjahr vermutlich deutlich weniger Honorar bekommen, im schlimmsten Fall, dass wir das gesamte zweite Halbjahr umsonst bei all diesen Patienten arbeiten würden und darüber hinaus die Materialkosten selbst tragen.

Das Merkwürdige ist: Wir arbeiten seit vielen Jahren konstant. Immer die gleiche Leistungsmenge, die gleichen Patienten. Woher jetzt diese gravierende Änderungen ?

Ein Vergleich zu den Zahlen der Ersatzkassenversicherten (z.B. BEK, TKK) zeigt, dass wir hier vergleichsweise wenig Leistungen bisher erbracht haben.

Erstaunlich – all die Jahre (genau genommen die letzten 15 Jahre) war es immer umgekehrt. Das Verhältnis war 2:1 Ersatzkassen vs. Primärkassen. Hier also liegt die Erklärung des Phänomens. Unsere Patienten sind die gleichen, wir arbeiten wie all die Jahre zuvor, nicht mehr, nicht weniger,  aber der Versichertenstatus unserer Patienten hat sich geändert.

Offensichtlich sind die Patienten wg. der günstigeren Beitragssätze zu den Primärkassen gewechselt.

Und der HVM trägt dieser Entwicklung nicht Rechnung, sondern geht davon aus, dass die Patienten ihre Krankenkasse beibehalten haben.

Die Konsequenz ?
Wir bekommen möglicherweise weniger Honorar, obwohl wir

1. alles tun wie bisher und nicht mehr arbeiten (dafür ist der HVM ja da als Regelgrösse, wir verhalten uns also eigentlich genauso, wie wir uns verhalten sollten)
2. unser Budget für die Ersatzkassen nicht einmal annähernd ausschöpfen (würde man beide Zahlen zusammen addieren, dann kämen unter dem Strich keine höheren Ausgaben heraus als bisher, trotzdem wird uns Geld abgezogen)
3. wir mit unseren Leistungen unter dem Durchschnitt der Zahnärzte in Rheinland Pfalz sind (also vergleichsweise wenig Kosten verursachen und sparsam haushalten, aber trotzdem dafür mit Honorarabzug belegt werden)

Auslandszahnersatz – Erste Zahlen

von Hans – Willi Herrmann

Jetzt ist es amtlich.
In der „ZM“, den zahnärztlichen Mitteilungen (das  ist das offizielle Organ der Bundeszahnärztekammer  und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung) stand Anfang diesen Monats zu lesen:

Eine knappe Mehrheit der Zahnärzte (51%) nutzt bereits die Option des Auslandszahnersatzes. 10 % des eingegliederten Zahnersatzes stammt bereits aus dem Ausland.

Das ging schnell.
Und da diese Studie auf Ergebnissen des Vorjahres basiert, ist davon auszugehen, dass die aktuellen Zahlen noch höher ausfallen werden.

Hier die Kernergebnisse der Studie (Dentaltourismus und Auslandszahnersatz – Empirische Zahlungsbereitschaftsanalysen auf der Grundlage repräsentativer Stichproben im Jahre 2008″): Befragt wurden Patienten und Zahnärzte. Von den befragten Personen gaben 2,3 Prozent an, bereits im Ausland gefertigten Zahnersatz zu tragen. Unter den Zahnärzten gaben 12,3 Prozent an, „häufig“ Auslandszahnersatz einzugliedern. 15,3 Prozent tun dies „gelegentlich“, 23,4 Prozent „eher selten“ und 49 Prozent „gar nicht“. Über alle Zahnärzte gerechnet beträgt der Anteil des Auslandszahnersatzes an den Prothetikfällen im Durchschnitt rund 10 Prozent. Für die Untersuchung, die vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) in Köln in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Gesundheitsökonomie (IfEG) durchgeführt wurde, waren insgesamt 1 368 Versicherte und 300 Zahnärzte befragt worden.

Aufschlussreich waren auch die Ergebnisse sogenannter „Bidding Games“:
Dabei ging man der Frage nach, bei welchem Preisnachlass die Patienten bereit wäre, zu Auslandszahnersatz zu wechseln.

Bei den Szenarien „Kronenversorgung“ und „Implantatversorgung“ lag der Durchschnittspreis, ab den die Befragten sich für Auslandszahnersatz entscheiden würden, bei 30 bis 35 Prozent unterhalb des Preises in Deutschland.
Die Zahnärztebefragung – durchgeführt im Spätsommer 2008 – ergab, dass die Zahnärzteschaft die Versorgung mit Zahnersatz aus dem Ausland differenziert mit Vor- und Nachteilen sieht. 49 Prozent nutzen ausländischen Zahnersatz gar nicht, eine knappe Mehrheit von 51 Prozent greift grundsätzlich darauf zurück. Dabei liegt der Anteil derer, die dies nach eigenen Angaben häufig tun, bei 12,3 Prozent. Im Schnitt griffen die befragten Zahnärzte bei etwa jedem zehnten Prothetikfall teilweise oder vollständig auf Auslandszahnersatz zurück. Von denjenigen Zahnärzten, die grundsätzlich Auslandszahnersatz verwenden, gaben knapp 57 Prozent an, diesen im Jahr 2008 häufiger eingegliedert zu haben als in 2004.

Aufbauend auf diesen Zahlen fällt es nicht schwer, die weitere zukünftige Entwicklung zu skizzieren.
Der Markt für Auslandszahnersatz wird weiter wachsen.

Leidtragenden sind die deutschen Zahntechniker, denen ein wichtiger Umsatzmarkt wegbricht.
Es sei denn, sie wären bereit, für deutlich weniger Geld die gewünschten Arbeiten zu erbringen.
Dann bricht ihr Gewinn ein.
Tun Sie es nicht, werden zukünftig immer häufiger ihre Arbeiten sich auf das unterste und oberste Therapiesegment beschränken. Reparaturen und hochwertigste Arbeiten, wobei letztere wiederum nur von einer sehr geringen Zahl von Anbietern überhaupt in qualitativ zufriedenstellendem Maße bewältigt werden können.

Und das obere Therapiesegment wird zukünftig ausserdem für die große Zahl an Laboren weiter schwinden. Denn es ist ein Irrglaube, zu denken, dass ein größeres Risiko des Misserfolges bei höherer Komplexität des Zahnersatzes lediglich eine Grundlage in der Arbeit des Zahntechnikers hat.
Soll heißen: Ein Zahnarzt, der die Voraussetzungen für eine gescheiten Zahnersatz abliefert, bekommt ein adäquates Ergebnis zurück, ganz gleich, ob es sich dabei um 1 oder 10 Kronen handelt. Er kann und wird also, gute Erfahrungen vorausgesetzt,  mehr und mehr auch bei größeren Arbeiten  Auslandszahnersatz anbieten  und dadurch einen noch deutlicheren Wettbewerbsvorteil erreichen.

Auf der anderen Seite werden High Tech – Labore die Möglichkeiten computergestützten Zahnersatzes zur Kostenreduktion einsetzen. Dieser Weg dürfte vielen Zahntechnikern auf Grund der hohen Investitionskosten verwehrt bleiben. Auch diese Kunden, diese Arbeiten gehen verloren und es dürfte wenig trösten, dass dieser Zahnersatz nicht nach China, sondern an ein Fräszentrum in Hanau vergeben wurde.

Was bleibt ?
Die Hoffnung, dass der Welle der Euphorie eine Phase der Ernüchterung folgen wird und sich der Auslandszahnersatz als qualitativ unterlegen herausstelllen wird ?

Ich wäre nicht optimistisch diesbezüglich.

Denn es ist ein Irrglaube, zu denken, dass Auslandszahnersatz billiger, weil schlechter ist.
Auslandszahnersatz ist billiger, weil die Lohnkosten, die Lohnnebenkosten und sonstigen Ausgaben die Logistikkosten deutlich überkompensieren. Und nicht, weil da irgendwelche unterqualifizierten Pfuscher irgendwelchen Schund „dahinsauen“. Im Gegenteil. Ich würde die Qualität der Ausbildung nicht in Frage stellen. Und die Motivation des Zahntechnikers ist vermutlich eine viel höhere, weil existentiellere als es bei uns, im Sozialparadies Deutschland je sein könnte.

Eine Sache noch, Herr Doktor…

von Hans – Willi Herrmann

„Eine Sache noch, Herr Doktor“, sagt heute Herr Müller Maier Schmidt, nachdem wir  die Prophylaxe und die  turnusmäßige Kontrolle seines Gebisszustandes durchgeführt hatten.

„Meinen letzten Termin im März habe ich verbummelt. Und – nachdem ich dann im Juni angerufen hatte, habe ich  2 Monate warten müssen, weil kein früherer Termin frei war.

„Wenn ich das nächste Mal wieder anrufe und wie ein Kassenpatient warten muss… “ Kurze dramatische Pause. “ Ich würde es sehr bedauern…“ Kurze dramatische Pause. „…aber dann würden sich unsere Wege trennen“.

„Wir würden es auch sehr bedauern“, sage ich.
Und dann nichts mehr.

Ein ganz normaler Praxistag

von Hans – Willi Herrmann

Wieder Stau auf der B41 bei Waldböckelheim.
Und die tagtägliche Schlange beim Ortseingang Bad Kreuznach reicht über die Stadtgrenze hinaus, fast bis zum Kreisel auf der Lohrer Mühle.

Macht 15 Minuten Verspätung.
So dass ich, sicherheitshaber schon mal 10 Minuten früher zu Hause losgefahren, immer noch 5 Minuten zu spät in der Praxis eintreffe.

Kein guter Start in den Tag.

Die Tagesbesprechung fällt dementsprechend kurz aus.
Vielleicht lässt sich ja ein wenig Zeit aufholen, denn es gibt nichts Schlimmeres, als eine Verspätung den ganzen Tag mit sich rumzuschleppen.

Nützt aber nichts, denn schon beim ersten Patient stellt sich heraus, dass es nicht bei 5 Minuten bleiben wird. Benötigte Zeit 1 Stunde. Versehentlich eingeplant gerade mal die Hälfte.
Und schon sind wir 35 Minuten im Verzug.

Und dabei bleibt es nicht. Die nächste Patientin, für eine Routinebehandlung einbestellt, weist einen frakturierten Zahn auf, der unbedingt behandelt werden muss. Warum sie nichts gesagt hat im Vorfeld ? „Sie wusste ja, dass sie diesen Termin hat und es war nicht mehr lange hin, als es passiert ist“, antwortet sie.

Und schon sind wir 1 Stunde im Verzug.

Und damit läuft das Notfallprogramm an. Der nächste Patient ist schon da. Ich gehe nach draussen, bitte um Entschuldigung. „Sollen wir einen neuen Termin vereinbaren oder möchten / können sie warten ?“
Er kann und er gibt mir vor allem das Gefühl, dass es nicht ganz so schlimm ist, dass wir ihn nicht  pünktlich drannehmen können. Wir rufen den im Tagesplan folgenden  Patienten an, verschieben den Termin um 45 Minuten nach hinten. Auch hier heute keine Problem. Ich bin froh, auch  wenn damit die Mittagspause auf ein kümmerliches Maß sich reduziert.

Dann die erste Hiobsbotschaft.
Fehler bei der Quartalsabrechnung.
Und zwar einen, der in 16 Jahren bisher nicht aufgetaucht ist. So etwas hatten wir noch nie. Nichts geht mehr. Anruf bei der Zahnarztsoftware – Hotline. Das Problem ist bekannt, ein Lösungsweg wird genannt, er ist zeitaufwändig, aber immerhin machbar. Gut, dass heute zwei Leute in der Anmeldung sind.

Dann das nächste Problem.
Kein Wasser mehr an den Behandlungsstühlen.
Sollten die Stadtwerke das Wasser abgedreht haben ?
Ausgerechnet jetzt ? Wir können uns heute keine weitere Verzögerung leisten.

Kurzer Check am Waschbecken. Das Wasser läuft. Ich gehe ins Behandlungszimmer nebenan. Ebenfalls kein Wasser aus allen Winkelstücken, jedoch am Zst – Gerät. Der Fehler kommt vom Kompressor, vermutlich. Kein Druck ?

Ich gehe in den Technikraum. Die Druckanzeige zittert um die 1,5 bar herum. Viel zuwenig. Gleichzeitig ein lautes Zischen. Irgendwo ist etwas undicht. Der Kompressor läuft Vollast. Keine Frage, ein Techniker vom Dentaldepot muss kommen.
Kurze Zeit später, Rückruf des Depots, ein Techniker ist in der Stadt bei einem anderen Kollegen, er kommt vorbei, sobald er dort fertig ist. Der Druck steht im Moment bei etwa 3 bar, das Wasser läuft wieder, ich kann weiterarbeiten.

Jetzt läuft erst mal alles glatt. Die nächsten beiden WF´s sind Routine, auch wenn ein Zahn 17 bei schwierigem Zugang und eingeschränkter Mundöffnung nicht unbedingt das ist, was man sich vor der Mittagspause wünscht.

Aber egal, es läuft.
Ein kleiner Lichtblick  – die angekündigte Schmerzpatientin (2005 das letzte Mal in der Praxis), gibt bei der Anamnese an, dass die am Telefon verkündeten Zahnschmerzen im Molarenbereich, genau betrachtet, eher die Angst davor ist, dass solche Schmerzen auftauchen könnten. Beim Blick in den Spiegel waren ihre schwarze Punkte seitlich auf den Zähnen im Unterkiefer aufgefallen. Eine  Fissurenkaries, die noch nicht weit vorgedrungen scheint. Neuer Termin. Zumindest eine halbe Stunde Mittagspause scheint gerettet.

Zwischenzeitlich war auch der Techniker des Dentaldepots da.
Es ist die Trockenpatrone des Kompressors, die ausgetauscht werden muss.
Leider muss er jetzt erst einmal ins Depot fahren, ein entsprechendes Ersatzteil holen.
Ich bin trotzdem froh, dass er mir helfen kann und vor allem, dass dieser Fehler jetzt aufgetaucht ist und nicht am Wochenende, dann haben wir nämlich Notdienst. Aber die Reparatur  wird nicht billig werden, davon können wir ausgehen.

Im Vorübergehen fällt mir noch ein Kostenvoranschlag für unser defektes EMS Airflow – Gerät in die Hände.
480 Euro + MWS Reparaturkosten sind kein Pappenstiel.
Zusammen mit den 9000 Euro, die ich gerade heute morgen für eine neue Praxis – Software ausgegeben habe, sind wir noch am Vormittag um 10.00 Euro in die Miese gegangen. Und das am ersten Tag des Monats.

Kurz vor der Mittagspause ist der Techniker wieder da.
Ich bin noch mitten in der WF.
Hoffentlich ist die Röntgenkontrolle okay, denn  das Techniker – Taxameter tickt.
Die Kompressor – Reparatur kann schießlich erst beginnen, wenn wir mit der Behandlung fertig sind.

37 Minuten Mittagspause.
Zeit für 2,3 Telefonate.
Dienstlich. Ich muss weg nächste Woche. Beruflich bedingt. Kurzfristig. Sehr kurzfristig. Und das knapp eine Woche vor dem Urlaub. Eigentlich unmöglich. Wohin mit den Patienten des nächsten Dienstags?  Seit einer Woche überlegen wir, wie wir es machen könnten. Jetzt drängt das Reisebüro. Die Flüge müssen gebucht werden. Montag abends hin, letzter Fieger 22.10, Mittwoch morgen 7.00 Uhr Flug zurück, denn ich muss 10.00 Uhr wieder in der Praxis anfangen zu arbeiten.
Und da wäre noch der besagte Notdienst am Wochenende.
Ausgerechnet am Rheinland – Pfalz Tag, der dieses Jahr in Bad Kreuznach stattfindet.
350. 000 Besucher sollen kommen.
Wahrscheinlich werde ich in der Praxis übernachten. Und nicht an der Schulabschlussfeier meiner Tochter teilnehmen können. Und sie vermutlich von Freitag morgen bis Mittwochabend so gut wie nie zu Gesicht bekommen.

Wir haben immer noch keine Lösung für die Dienstags – Patienten.
Aber ich buche die Flüge.
Noch ein paar Bissen hinuntergeschlungen.
Der Techniker ist fertig, der Kompressor geht wieder. „Es müssen nur noch zwei Filter gewechselt werden, ob er noch mal wiederkommen soll“, fragt er mich. „Oder ob er mir kurz zeigen soll, wie es geht, er würde sie dann zuschicken“.
Moment mal, war er nicht gerade ins Depot gefahren ? Hätte er die Filter nicht mitbringen können ?  Ich verkneife mir die Frage, ich bin zu müde.

Wenigstens starten wir pünktlich in den Nachmittag.
Ich anästhesiere den nächsten Patienten, da kommt die Nachricht, die für die Mittagspause anvisierte Aussendienstmitarbeiterin stehe in der Tür.
Zu spät, zuviel Verkehr auf der Autobahn und dann hat sie die Praxis nicht gleich gefunden. Sie ist gekommen, um uns eine Einweisung in ein Neugerät zu geben.

Ich gehe raus, 3 Minuten, mehr sei nicht drin, sage ich, sonst müssten wir einen Neutermin vereinbaren, ich sei mitten in der Behandlung.
„Kein Problem“, sagt die Dame, um dann doch zusätzlich zum eigentlichen Grund ihres Kommens ihre gesamte Produktpalette vorzustellen.
Dezente Hinweise, dass ich zurück in die Behandlung müsste, werden überhört.

Wir beginnen den Nachmittag, wie wir den Arbeitstag begonnen hatten.
Verspätet.

Davon abgesehen läuft aber jetzt alles glatt.
Wir enden pünktlich.
Jetzt endlich ist Zeit, um mit Frau Pohl, meiner Assistentin in der Anmeldung, die Terminänderungen in Angriff zu nehmen.
Wir jonglieren die Termine der gesamten uns verbleibenden 1,5 Wochen hin und her.
Aber es klappt.

17. 16 Uhr.  Schluss für heute. Eigentlich bin ich früh dran.
Ein guter Tag also. So gesehen. Trotzdem war dies einer der Tage, die man lieber nicht haben möchte.
Eigentlich müsste ich noch die Eintragungen der Behandlungen des Tages nachschauen, Arztbriefe schreiben. Aber ich bin zu kaputt dafür. Ich werde morgen früh etwas früher in die Praxis fahren.
Bis morgen also.

Mal sehen, was uns dann erwartet.

Orientexpress, Achse Moskau – Instanbul – Die Karawane des Gesundheitstourismus

von Hans – Willi Herrmann

Es passt genau zu dem, was gestern hier berichtet wurde.
Und stand in der  Kolumne „Mein Deutschland“ (Süddeutsche Zeitung vom 13./14. Juni 2009).

Der Autor, Celal Özcan, hat schön auf den Punkt gebracht, wie es bei uns aussieht im Gesundheitssystem, das auch ein wenig als Spiegelbild unseres gesamten gesellschaftspolitischen Systems dient.
Und wo der Zug sich hinbewegt.
Oder, sollte ich besser sagen, sich wegbewegt, sowohl für Leistungserbringer, die ihr Glück im Ausland suchen, aber auch für alle, die wir hier in diesem Land bleiben und unsere Zukunft gestalten müssen.

Der Eisberg ist voraus, aber wir weichen nicht vom Kurs ab.

Weil wir diese Route schon immer so gefahren sind und nie was passiert ist bisher. Das die globale Erwärmung aber dazu führt, dass es plötzlich nun Eisberge gibt, die früher nie dort waren, das zieht niemand in Erwägung.

Aber genug der Metapher, hier der Artikel:

„Eine Augenklinik in Istanbul präsentiert auf ihrer Internetseite die stolze Zahl von monatlich 2000 Patienten aus Europa, die meisten aus Deutschland. Komfort, Atmosphäre und ein herzlicher Empfang sollen die Patienten vergessen machen, dass sie in einem Krankenhaus sind.

Drei Nächte in der Sieben-Sterne-Klinik und vier Tage in Istanbul inklusive Flug kosten 1700 Euro. Der ärztliche Leistungskatalog wird in neunzehn Sprachen aufgelistet. Die Klinik plant, die Türkei bei der Augenbehandlung zur allerersten medizinischen Adresse zu machen. Schon jetzt fährt ein Bus, ausgestattet als kleine mobile Augenklinik, quer durch das Land, um die Bevölkerung aufzuklären.

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Das ist Service – nicht nur für Ausländer, auch für die Einheimischen. Ein deutscher Manager, beruflich viel in Istanbul unterwegs, erzählt, was ihn dort ganz selbstverständlich erwartet: ein mit modernster Kommunikationstechnologie ausgestatteter Minibus, um schon während der Fahrt zur Sitzung Vorgespräche zu führen. Bei Dienstleistungen seien die Türken unübertroffen, sagt er.

In Deutschland, einst führend im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich, zeigen sich gegenläufige Tendenzen. Für eine Augenoperation zahlt man in Deutschland zwischen 3000 und 4000 Euro. Auch der Besuch beim Zahnarzt ist eine teure Sache, allein eine Zahnreinigung kostet mehr als 100 Euro. Die Ärzte jammern: zu wenig Geld, zu viel Arbeit.

Die Patienten beklagen steigende Zusatzkosten und weniger Leistung. Das Verhältnis von Preis und Qualität stimmt nicht mehr. Die Erlöse der Krankenhäuser in Deutschland wachsen weniger schnell als die Kosten, die Finanzierungslücken haben in den Kliniken zu „Anpassungen“ geführt. Die Arbeit, die heute ein Arzt im Krankenhaus zu leisten hat, teilten sich früher drei Kollegen. Auch bei Krankenschwestern und Pflegern liegen die Nerven blank.

Für die Türken der ersten Generation war das Gesundheitssystem in Deutschland ein wichtiger Grund, hier zu bleiben. Heute setzt sich die Karawane des Gesundheitstourismus aus Deutschland in Länder wie die Türkei, Ungarn und Tschechien in Bewegung. Der Sachverständigenrat für Integration und Migration schätzt, dass bisher 19 000 deutsche Mediziner ins Ausland abgewandert sind, allein 2008 haben 3000 Ärzte das Land verlassen. Der Grund: schlechte Arbeitsbedingungen, hohe Belastung, Bürokratie und unzureichende Bezahlung.

Der gesamte Dienstleistungssektor Deutschlands scheint sanierungsbedürftig zu sein. Klappte es früher einmal nicht mit dem Telefon, genügte ein kurzer Anruf, schon war der Fehler beseitigt. Heute, im Zeitalter der schnurlosen Kommunikation, verheddert sich die Telekom tagelang im bürokratischen Gestrüpp. Die Mängel werden gut verwaltet, aber nur sehr schleppend behoben. Beim Einkaufen muss der Kunde lange nach einem Verkäufer Ausschau halten, und als ein kompetenter Berater erweist sich der dann nur im Glücksfall. Aber garantiert hierzulande wirklich nur eine verrückte Glückssträhne, dass sich der Kunde aus dem Bettelstand erheben und zum König werden kann?

Vier Auslandskorrespondenten schreiben inder Süddeutschen Zeitung jeden Samstag über Deutschland. Celal Özcan arbeitet für die türkische Zeitung Hürriyet.“

4 Patienten

von Hans – Willi Herrmann

„4 Patienten behandelt er heute“, sagt der junge russische Praxisinhaber.

4 Patienten ? Hab ich mich verhört ? Nein, es sind tatsächlich nur 4.

Aber er kann trotzdem offensichtlich davon leben, denn die Praxis gibt es schon ein wenig länger.
Und 2 Stockwerke höher befindet sich das praxiseigene zahntechnische Labor mit 6 Angestellten.
Implantologie und hochwertiger Zahnersatz, das scheinen die Pfeiler seiner Tätigkeit zu sein.

In Deutschland ist es nicht ungewöhnlich, dass am Tag 40 Patienten die Praxis aufsuchen.
Ich kenne sogar eine Praxis, die meist 60 Patienten am Tag durchschleusst.

Und mindestens doppelt so viele Schmerzpatienten jeden Tag behandelt als der russische Kollege überhaupt Patienten hat in diesem Zeitraum.
Der Moskauer Kollege schüttelt den Kopf, als ich ihm von den deutschen Verhältnissen erzähle.

Ruhig geht es zu in dieser Praxis.

Was für eine angenehme Athmosphäre.
Keine Hetze, kein Gedränge.
Ruhe.
Das macht mich  nachdenklich.
Es geht also auch anders als im deutschen Gesundheitshamsterrad.

Was braucht es dafür ?

Vermutlich nur die Erkenntnis bei allen Beteiligten, dass eine adäquate Leistung eine entsprechende Honorierung mit sich ziehen muss.
Wir in Deutschland haben im Laufe der Jahrzehnte die Zeit zum Massstab aller Honorierungen gemacht. Die Qualität wird nicht in die Überlegungen einbezogen, sie wird stillschweigend vorausgesetzt, selbst dann noch, wenn offensichtlich ist, dass im vorgegebenen Zeitrahmen die Leistung nicht lege artis erbracht werden kann.

Wenn es in Russland geht, warum nicht bei uns ?

Weil zunächst einmal Abschied genommen werden müsste von der Vorstellung, mit dem zur Verfügung stehenden Gesundheitsbudget alle benötigten medizinischen Massnahmen in Topqualität und in  toto bezahlen zu können.

Warum das nicht geht ? Die Gründe dafür sind vielfältig und es ist müssig, darüber zu diskutieren.
Ebenso muss klar sein, dass die immer wieder von Ärztevertretern  geforderte pauschale Honorarerhöhung nichts, aber auch gar nichts zur Verbesserung der Gesundheitssituation beitragen wird.

Messbare,  nachweisbare Qualität, die aufwandgerecht honoriert werden kann, nicht länger als sinnlose Übertherapie oder Abzockerei abzutun, sondern als erstrebenswerte, vom Patienten frei zu wählende Alternative zu anderen Therapieoptionen gelten zu lassen, wäre die Grundvoraussetzung dafür, dass sich auch bei uns ein neues Behandlungsgefüge einstellen kann.

Kommen wird es so oder so.
Das Beispiel Moskau zeigt, das diese Entwicklung nur noch eine Frage der Zeit ist.

Noch hätten wir jedoch die Möglichkeit, einem breiten Kreis von Bürgern eine fein abgestuftes Bündel solcher Versorgungen zukommen zu lassen.
Wird diese nicht genutzt (und je länger man an gesetzgebender Stelle damit wartet, umso wahrscheinlicher wird es) steht am Ende unserer Entwicklung eine Minimalbasisversorgung für Viele und moderne Zahnmedizin für sehr Wenige.

Moskau Metro

Etwas Besseres als hier finden wir allemal…

von Hans – Willi Herrmann

Eine Endo – Patientin aus einer Stadt, etwa 80 km von uns entfernt, berichtete, dass ein ortansässiger Zahnarzt die Praxis verkauft habe, weil er in die Schweiz ginge.

Es stellt sich heraus, dass es ein Kollege ist, bei dem ich einen Teil meiner Assistenzzeit absolviert hatte.

Von Zeit zu Zeit hatte ich ihn auf Fortbildungen getroffen und in den letzten Jahren hatte er zunehmend über die unbefriedigende Situation in der Praxis geklagt.

Aber gleich alle Zelte abbrechen und auswandern ?

Denn nichts anderes ist es ja, was er tut der Kollege, der gegen Ende seines Arbeitslebens noch einmal ganz von vorne anfängt.

Schön ist es ja in der Schweiz. Aber soll man wirklich in  ein Land gehen, dessen Bewohner den Grad an Sympathie zu den Deutschen bei Fußballländerspielen in  Jubelschreien ausdrücken.
Für die gegnerischen Mannschaften wohlgemerkt.
Gehen sie mal bei einem Fussball – Länderspiel Deutschland gegen Irgendwen in eine Schweizer Kneipe. Der Gegner ist egal, glauben sie mir, jedes Tor wird umjubelt, solange der Torschütze kein Deutscher ist. Und die Schweizer Zahnärzte haben auch nicht umbedingt die beste Laune, im Hinblick darauf, dass immer mehr deutsche Zahnärzte in das Land der Eidgenossen kommen, um Ihnen endlich mal zu zeigen, wie tolle Zahnheilkunde aussieht.

Ich versuche ihn telefonisch zu erreichen, zunächst ohne Erfolg.

Und erwische ihn eine Woche später, bereits in der Schweiz.

„Besser jetzt, mit 55 noch einmal neu anfangen, als in ein paar Jahren, wo gar nichts mehr geht, hier bei uns. Und ich zu alt bin, um noch mal von vorne anzufangen“, sagt er.

„Naja, jetzt mal ehrlich, 55 ist auch nicht unbedingt das Optimum diesbezüglich“, sage ich.

Wie ätzend muss es sein, in diesem unserem Lande, wenn jemand mit 55, nachdem er schon mehr als 25 Jahre in eigener Praxis gearbeitet hat, all dies hinter sich lässt.

Würde man dies erwarten.
Eher nicht.
Eigentlich ist in bundesdeutschen Köpfen, insbesondere in den Häuptern von Politikern drin, dass der Kollege, mit der lässigen Gewissheit, schon längst für seinen Lebensabend genug Mammon angesammelt zu haben,  noch die nächsten 10 Jahre locker absitzt, dann seine Praxis meistbietend verhökert als zusätzliches Plus  seiner Altersicherung, um sich dann noch häufiger als bisher dem Golfspiel widmen zu können.

Golf hat er aber nie gespielt der Kollege aus der vorderpfälzischen Mittelstadt.
Und das mit der Alterssicherung durch Praxisverkauf ist ein Relikt aus vergangener Zeit.
Heute muss man froh sein, wenn man überhaupt noch ein wenig bekommt für die Praxis.
Und eine immer größerwerdende Zahl von Kollegen bekommt für die Praxis gar nichts mehr.

Warum also der Verkauf ?

Weil dieser Kollege nicht einmal eine gescheite Perspektive mehr sieht für die nächsten 10 Jahre.

„In die Menge müsse er gehen“, sagt sein Steuerberater.

„Implantieren soll er“, sagen die Kollegen, mit denen er befreundet ist.

Beides will er (der sich –  unter Professor Motsch ausgebildet – immer als Zahnerhalter gesehen hat) nicht.

Und so ist er gegangen.

Traurig, aber wahr.

Und ist der Zahnarzt mal krank…

von Donald Becker

Und ist der Zahnarzt mal krank…

Wir erinnern uns.
Letzte Woche musste ich unvorhergesehen dringend ins Krankenhaus und es ergab sich am Telefon die schnippische Antwort einer Patientin, deren Füllung just an diesem Tag herausgefallen war und die sich nun um ihren sofortigen Behandlungstermin gebracht sah.

Heute nun konnte ich das Maleur in Augenschein nehmen.
Denn das wollte ich mir nicht entgehen lassen, den Blick auf das Geschehen, „dass da wo“  so schwerwiegend gewesen ist, dass ein Krankenhausbesuch hätte verschoben werden müssen, „eigentlich“.

„Eine Woche musste ich nun warten, Herr Doktor Becker“, sagte sie vorwurfsvoll, noch bevor ich einen ersten Blick auf das Maleur werfen konnte.
Anbei ein Foto des betroffenen Zahnes.

Genau, es geht um die doch sehr begrenzte vestibuläre Füllung, die verlustig gegangen ist und nein, der Zahn machte auch heute noch keine Beschwerden.
Aber ganz sicher erwartete die Patientin eine Entschuldigung dafür, dass wir sie solange haben so rumlaufen lassen.

Apropo „rumlaufen“, mein Bein tut immer noch weh, im Gegensatz zum Zahn von Frau Müller Maier Schmidt.
Aber das habe ich ihr nicht erzählt.

Tiefe Beinvenen – Thrombose

von Donald Becker

2 oder 3 Tage nun tat die Wade schon weh.

Einfach so, aus heiterem Himmel, nach dem Aufwachen war es da gewesen.

Und es war keine Besserung abzusehen.
Wie ein starker Muskelkater oder Zustand nach einem Wadenkrampf.

Das Laufen fiel schwer, nach wie vor. Eigentlich sogar schwerer als am Anfang.

Anruf beim Hausarzt des Vertrauens, zwischen zwei Behandlungen.
Sein Rat: Gleich vorbeikommen. Ich stimmte zu. Denn wir  wussten beide, was als Verdachtsdiagnose im Raum stand.

„In 90 Minuten bin ich da“, antwortete ich.
Denn zunächst musste ich noch die Patientin behandeln, die gerade im Behandlungsstuhl Platz und eine nicht unbeträchtliche  Anreise auf sich genommen hatte.

Die Untersuchungen bei meinem Hausarzt, sofort durchgeführt und ausgewertet, verhießen nichts Gutes: Ein positiver Dime Test und eine Sonographie machten aus dem Verdacht eine  Verdachtsdiagnose. Tiefe Beinvenen – Thrombose. Ab ins Krankenhaus zur Phlebographie, zur definitiven Bestätigung.

Ich machte mich auf den Weg, fuhr zwischendrin nur noch kurz in die Praxis, um die weiteren Termine des Tages canceln zu lassen.

4 Stunden später.

Mit dem Ergebnis der Phlebographie, einem auf Grund para gelaufenen Kontrastmittels geschwollenen und leicht lividen Fusses („passiert nur bei Kollegen und Verwandten, sie haben gewackelt“),  einer Heparinspritze und Stützstrumpf zurück in die Praxis.
Denn der Patient für die WK -Beratung am Ende des Behandlungstages, auch nicht gerade ortsnah ansässig, wollte partou nicht noch einmal extra wiederkommen nur für eine Besprechung.

„War mit den anderen Patienten soweit alles okay ?“, fragte ich meine Assistentin, die die Termine telefonisch abgesagt hatte.

„Ja, bis auf Frau Müller Maier Schmidt.“
Frau Müller Maier Schmidt  hatte heute morgen angerufen, weil ihr ein Stückchen von ihrem Backenzahn oder einer Füllung (keine Schmerzen) abgebrochen war.
Selbstverständlich hatten wir ihr, obwohl auf Monate ausgebucht, noch heute einen Termin in unserer Schmerzzone gegeben.

Als wir anriefen und den Termin, den wir ihr für heute nachmittag gegeben hatten, aus gegebenem Anlass (Herr Dr. Becker muss unvorhergesehen zum Arzt)  verlegen wollten, sagte diese: „Ja, klar. Wenn ich mir Kronen leisten könnte, würde der Termin nicht abgesagt werden.“

Wie sagte ein Patient neulich über sich selbst bei seinem ersten Besuch in unserer Praxis: Er sei ein  Misanthrop.
Es gibt Momente, da kann ich diese Haltung nachvollziehen.

Im Hamsterrad (4)

von Hans -Willi Herrmann

Es stand in der Zeitung (Rheinzeitung 31.01.2009) 

Eine Mutter sucht wegen Krankheit ihrer zwölfjährigen Tochter im Urlaub an einem Sonntag im Ausland einen Arzt auf. 
Die Rechnung  für die Untersuchung in Höhe von 106,50 Euro wird nach der Rückkehr bei der gesetzlichen Krankenkasse eingereicht.

Im Bescheid der Krankenkasse teilt man der Frau mit, dass der Erstattungsbetrag von 3,60 Euro in Kürze überwiesen wird.

3 Euro Sechzig.
Die Frau ist ganz schön sauer.  Verständlich.

Werden nicht von den Krankenkassen auch im Ausland durchgeführte Leistungen im Krankheitsfall finanziell adäquat übernommen ?
Es geht ja hier nicht um eine Nasenkorrektur eines Fast -Teenagers, sondern um eine zur Diagnosefindung notwendige Untersuchung im Krankheitsfall.
Machen wir uns nichts vor, niemand geht am ersten Urlaubstag zum Arzt in einem fremden Land, wenn er es nicht muss.

Warum also zahlt die Krankenkasse nur 3,60 Euro ? Entsprechen die 3,60 Euro (nach Abzug einer Verwaltungsgebühr) etwa dem, was ein Arzt in Deutschland für eine solche Untersuchung von den Krankenkassen bekommt ?

Ein Blick in die BEMA, das ist die Gebührenordnung für Kassen -Zahnärzte (bei den Ärzten wird es ähnlich sein) zeigt: Beratung und symptombezogene Untersuchung: 8 Punkte.
Diese Punkte multipliziert mit dem vom Gesetzgeber festgelegten Punktwert von 0,8355 Euro ergibt das Honorar.

6,64 Euro.

Hätten Sie das gedacht ?

Ihr Kind ist krank, der Arzt untersucht es. Er versucht, zu helfen.
Nimmt sich Zeit, findet eine Lösung.
Alle freuen sich.
So soll es sein.

Die Frage sei trotzdem erlaubt:
Welchen Wert hat eine solche Leistung ?
Was würden Sie diesem Arzt in die Hand drücken ?
Was ist Ihnen diese Leistung wert ?
Betachten wir die Realität heute, im Januar 2009.
Bei einer Kostenstruktur von 25 Prozent erhält der Arzt für diese Leistung ein Brutto – Honorar von 1,67 Euro.

Brutto – Honorar heißt, das von diesem Geld die Steuern, die Tilgung für den Praxiskredit, der aufgenommen wurde, um eine Praxis überhaupt einrichten zu können, Rücklagen für zukünftige Anschaffungen  noch abgezogen werden müssen. Heißt defacto, das noch einmal ein nicht unbedeutender Betrag von diesen 1,67 Euro abgeht.
Vielleicht 1 Euro, 1,20 Euro bleiben übrig.

1,20 Euro für Massnahmen zur Gesundwerdung ihres Kindes.
Das ist also das, was man dem Arzt nach dem Besuch für seine Leistung in die Hand drückt. 

Nicht viel.

Vielleicht sogar zu wenig ?

Im Hamsterrad (3)

von Hans – Willi Herrmann

Am Wochenende hat ein Kollege angerufen, mit dem ich schon längere Zeit nicht mehr telefoniert habe.

Meine Tochter , 9 Jahre alt, war am Telefon.

Ob Sie wisse, wer am Telefon sei, fragte er.

„Natürlich“ sagte sie, mit ihrem immer präsenten lieben freundlichen Lächeln in der leicht singenden Stimme, „Du bist der Donald Becker„.

Wie es ihr in der Schule gefalle und ob sie schon wisse, auf welche Schule Sie demnächst ginge, wollte er wissen.

Und danach: „Weisst Du auch schon, was Du später mal werden möchtest ? “
„Zahnarzt ? Wie der Papa ?“

Wir haben in unserer Familie ein Berufsziel unserer Tochter noch nie thematisiert.
Wofür soll das in ihrem Alter gut sein ? 
In der Schule scheint dies ab und zu ein Thema unter den Kindern zu sein, denn ab und zu hatte Nele uns in letzter Zeit erzählt, dass alle schon wüssten, was sie später mal werden sollen, nur sie nicht. Wir hatten stets geantwortet, sie solle das machen, was ihr Freude mache und dass sie jetzt noch nicht sich auf irgendwas festlegen müsse. 
Unser Kind soll solange wie möglich eine glückliche Kindheit haben. Der Ernst des Lebens kommt früh genug.

Die Antwort, die Nele Donald Becker gab und vor allem, wie sie sie gab, machte mich nachdenklich.

Sie antwortete spontan. Und ruhig.
Ruhig, wie man nur antworten kann, wenn man eine Thematik mit ihrem Für und Wider für sich selbst (weder ein mögliches Berufsziel geschweige denn die Überlegung sie könne/solle beruflich in meine Fusstapfen treten war jemals Geprächsthema in unserem Hause) erörtert hat,  zu einem Ergebnis gelangt ist und mit der Thematik abgeschlossen hat:

„Nein, wenn ich sehe, wieviel Stress Papa und Mama haben, dann möchte ich das nicht.“

Im Hamsterrad (2)

von Hans – Willi Herrmann

Kürzlich habe ich in einer Patientenkarteikarte geblättert eines Patienten, der am ersten Tag meiner Selbstständigkeit in meiner Praxis war.

Ich bin nun seit fast 16 Jahren in eigener Praxis niedergelassen.
Wenn ich meine Einträge aus der Anfangszeit mir anschaue, fällt sofort ins Auge, wie schön geschrieben ich meine Karteikarteneinträge damals gemacht habe.

Und heute – Fast unleserlich.
Die Eintragungen dahingekritzelt, in aller Eile.
Gehetzt, getrieben von dem Stress des Berufsalltags.

Und das hat nichts damit zu tun, dass ich einfach damals als Praxisanfänger nichts zu tun hatte.

Ich habe 1993  eine Alterspraxis übernommen. Und  –  hatte von Tag 1 an einen ausgefüllten Bestellplan. 

Trotzdem gab es damals mehr Zeit als heute.

Wenn ich nur an die Quartalsabrechnung denke. Unsere erste Quartalabrechnung haben wir noch mit handschriftlich eingetragenen Krankenscheinen gemacht. Da war die Praxis 2,5 Tag zu.

Dann kam der Krankenscheinausdruck mit Nadeldrucker auf Endlospapier.  Die Abrechnung ging in einem Tag über die Bühne.

Und heute ? Dank EDV und Diskettenabrechnung oder Online -Abrechnung bedarf die Abrechnung keinerlei Ausfallzeiten in der Praxis, sie wird „en passant“, nebenbei erledigt.

Eine gute Sache ?

Teils, teils.

Mein Praxisvorgänger hatte bei 4 Quartalen 12 Tage im Jahr Freizeit, Urlaub oder zumindest Zeit, sich den Dingen in der Praxis zu widmen, die im Tagesgeschäft immer liegen bleiben.

Heute brauchen wir die Zeit am Stuhl, in der Behandlung, um kostendeckend arbeiten zu können. Die Preissteigerungen der letzten 15 Jahre auffangen zu können.

Was kostete der Liter Benzin 1993 ? 72 Cent. Und 2008 ? Waren wir schon bei den berühmten 3 Mark 10, von denen „Ich geb Gas, ich will Spass“ – Markus in den 80er Jahren glaubte, dass er es nie erleben würde, dass diese Vision einmal wahr werden würde.

Wir brauchen die gewonnene Zeit, um die vielen Regulatorien und bürokratischen Nebenschauplätze bedienen zu können. 

Ein Antrag für eine einfache Zahnersatzversorgung ? Dass können schon mal 12 Blätter Papier sein, die man ausdrucken muss. Oder mehr, wenn man seiner Aufklärungspflicht in extenso nachkommen möchte.

Machen wir uns nichts vor: Der Stress ist nicht geringer geworden in den letzten Jahren, da geht es uns nicht anders als unseren Patienten. Überall wird gestrichen, eingespart, rationalisiert. Aber nicht wie früher, offensichtlich, als der REFA – Mann mit der Stoppuhr am Fliessband stand. Nein. Heute funktioniert soetwas sozialverträglich.  Arbeitnehmer gehen in Ruhestand und ihre Stelle wird nicht mehr besetzt. Die Arbeit, die anfällt, muss von den verbliebenen Kollegen mitgemacht werden.

Oder es gibt neue zusätzliche Aufgaben (wie z.B. alle Massnahmen, die mit Einführung der neuen RKI – Richtlinien hinzugekommen sind), die dann eben einfach so zum ohnehin schon straffen Pensum an Arbeit noch einmal hinzukommen. 

So werden Umdehung um Umdrehung die Daumenschrauben fester und fester angezogen.
Und das Hamsterrad dreht sich schneller und schneller.

Im Hamsterrad

von Hans – Willi Herrmann

Die junge Anästhesistin, die bei uns auf dem Stuhl zur Wurzelkanalbehandung saß, sah müde, übernächtigt aus.
Dunkle Ringe unter ihren Augen. 

Zum 3. Mal Nachtdienst in dieser Woche.
Mit einer  Reihe von akuten Zwischenfällen, die deutliche Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen hatten. Nichts mit Durchschlafen auf der Arbeit.
Und zwischendrin der normale Tagdienst, also keine  Freizeit, zumindest nicht in dem Maße, dass man von einer der Belastung angemessenen Regeneration hätte sprechen können.

Kann unter diesen Umständen garantiert werden, dass die mit der  hohen Verantwortung einhergehende  notwendige Leistungsfähigkeit zu jeder Zeit und in jeder Situation sichergestellt ist ?

Und – was mich noch nachdenklicher machte. 

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