Und wieder ein Überweiser/Zuweiser weniger…

Gerade habe ich mit einer Zahnärztin telefoniert, die uns regelmäßig Patienten überweist. Ihr Zahntechniker hatte ein akutes Problem, ab einem neu überkronten Zahn. Der Zahn zeigt stark obliterierte Wurzelkanäle. Die Nachbarzähne zeigten im DVT anatomische Besonderheiten. Deshalb rief ich in der Praxis an und informierte die Kollegin.
Sie freut sich, daß wir ihr Probleme dieser Art abnehmen.
Ihr fehlt immer mehr die Kraft, den beruflichen Alltag zu meistern. Seit mehreren Jahrzehnten ist sie als Zahnärztin tätig.
Im gleichen Atemzug erklärte sie mir, daß sie demnächst ihre Praxis schließen wird. Einen Nachfolger findet sie nicht und weiter arbeiten möchte sie nicht mehr unter diesen Bedingungen. Die großen Kostensteigerungen für Personal, Verbrauchsmaterial, IT und Digitalisierung, sowie Mietkosten führen zu einem immer geringer werdenden Überschuss.
Wenn die Bedingungen stimmen und man die zahnärztliche Arbeit gern macht, bleibt man lange am Ball.

Das ist aber nicht mehr der Fall.
Jetzt laufen ihre Leasingverträge für ihre Computer aus und eine Neuinvestition wird sie nicht mehr machen. Ohne Computer kann sie heute keine Leistungen in der GKV abrechnen. Es ist schade, daß sie ihr Lebenswerk einstampfen muss.

Über kurz oder lang werden alle Einzelpraxen in den ländlichen Gebieten so enden.
Das ist ihre feste Überzeugung. Und demnächst werden noch einige Praxen in der Umgebung aus diesen Gründen schließen. Es wird zeitnah in diesen Gebieten neben dem ärztlichen auch den zahnärztlichen Notstand geben.

Die dort lebenden Menschen können nicht weg und in den Großstädten werden die Ärzte auch weniger. Dieser Verlust an Lebensqualität wird zunehmen.

Passend dazu diese Meldung von änd exklusiv und Quintessenz schreibt zur Personalproblematik.


2 Gedanken zu „Und wieder ein Überweiser/Zuweiser weniger…

  1. Das ist traurig. Aber hier in der Bretagne seit 10 Jahren Realität. In 4 Departements der Bretagne gibt es 3 Endodontologen. Zudem ist das, was der GKV entspricht hinsichtlich der Erstattung ein Witz. Brille: knapp einen Euro. Endodontie besteht hier im Verschreiben eines Antibiotikums oder in der Revitalisierung ohne weitere Therapie. Am Ende geht der Zahn verloren.

  2. Die zweitbeste Entscheidung in meinem Leben war, meine Praxis mit 55 sehr gut zu verkaufen und mich als Angestellter in meiner Expraxis (kein MVZ!) nicht mehr mit dem ganzen außerzahnmedizinischen Schrott, den alle hassen, beschäftigen zu müssen.
    So viel Geld kann ich als selbstständiger Zahnarzt gar nicht verdienen, das mir die jetzige Lebensqualität aufwiegen würde.

Kommentar verfassenAntwort abbrechen