- Die sprichwörtlich weit überdurchschnittliche Qualität muss vorhanden sein.
- Sie muss für den Patienten sichtbar und nachvollziehbar sein. Dies setzt eine intensive Aufklärung und umfassende Dokumentation der Praxistätigkeit voraus in bislang unbekanntem Ausmass
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2012- Willkommen in der Realität! 4 KO – Kriterien (69 Prozent – Teil 4)
von Hans – Willi Herrmann
Warum Flugzeuge abstürzen und Zahnarztpraxen pleite gehen“.
So titelte der Wiesbadener Zahnarztkollege und Airbus- Pilot Bernhard Sanecke vor einigen Jahren einen seiner Vorträge.
Auch ich habe hier an dieser Stelle wiederholt den Bezug zum Piloten aufgegriffen, eine abschließende Einschätzung fehlte bislang noch.
Ich möchte diese an den Jahresbeginn 2012 stellen, stellt dieses Jahr doch mit der Einführung einer neuen privatzahnärztlichen Gebührenordnung eine Zäsur dar, deren nachhaltige Konsequenzen sich vermutlich die meisten, weder Patienten noch Anbieter im Gesundheitswesen (damit meine ich die Zahnärzte), gar nicht bewußt sind.
Fest steht: Auch 24 Jahre nach der letzten Änderung der Gebührenordnung, der GOZ 88, ist es zu keiner Anhebung des Punktwertes gekommen.
Für den Laien: Der Punktwert ist so etwas wie der Benzinpreis in der Honorarberechnung. Nur wenn er steigt, erhält ein Zahnarzt für die gleiche Behandlung mehr Geld. Bleibt er hingegen gleich, so hilft nur, mehr zu arbeiten, um den Verdienst zu erhöhen. Steigen die Ausgaben, und wer will bestreiten, dass sich seit 1988 die Kosten (und nicht nur für Benzin, dass damals umgerechnet 47 Cent kostete) teilweise drastisch erhöht haben, so muss mehr gearbeitet werden, allein um das ehemals vorhandene Einkommen auch nur zu halten.
Tut man es nicht, so ist schnell der Bereich des Break Even unterschritten, die Zahnarztpraxis macht Verluste. Längeres Krankbleiben verbietet sich also von selbst, Kontinuität ist angesagt, die Tretmühle Praxis muss ständig in Bewegung bleiben, ein Umstand der paradoxerweise eben gerade nicht gesundheitsfördernd wirkt und Burn Out (ist ein Modewort aber es trifft zu) oder die Flucht in Scheinwelten fördert. Also nicht ganz ohne Grund ist der Anteil suchtkranker Ärzte, aber auch deren Suizidrate, überdurchschnittlich hoch.
Warum aber wurde der Punktwert nicht geändert ?
Die Antwort ist einfach.
Weil keine Notwendigkeit dazu besteht.
Nachfolgend 4 KO – Kriterien, warum es zu keiner Punktwerterhöhung gekommen ist und – schlimmer noch, aber nach der Lektüre dieses Artikels nachvollziehbar – warum es hierzu auch in absehbarer Zeit nicht kommen wird.
KO – Kriterium 1:
Die Deutschen sind ein spendefreudiges Volk.
Das hat auch das Jahr 2011 wieder gezeigt. Wenn irgendwo Not in der Welt ist, wird der Geldbeutel geöffnet.
Selbst in den gegenwärtigen Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation bei einer ganzen Reihe von Bürgern nicht rosig daherschaut. Ob Hungersnot, Erdbeben, Flutkatastrophe, es wird gespendet.
Eine Grundvoraussetzung muss allerdings erfüllt sein. Es muss den Empfängern der Spenden schlechter gehen als den Spendern.
Je größer die Diskrepanz, umso besser.
Und jetzt mal Hand aufs Herz.
Solange es „dem“ Zahnarzt, seine wirtschaftliche Situation betreffend, besser geht als 90 Prozent seiner Patienten, solange ist kein Verständnis von Seiten der Patienten zu erwarten.
Da hilft auch kein noch so ausdauerndes und monoton wiederholtes Klagen. „Dann heul doch“, dieses legendäre Zitat Gerd Knebels werden ihm die Patienten in Gedanken entgegenrufen, um sich stande pede wieder den eigenen Widrigkeiten des Alltages zu stellen.
Hilfe, aufrichtige Unterstützung von Seiten der Patienten ist demnach erst zu erwarten, wenn sich das Verhältnis deutlich in Richtung 50 % hin wandelt.
Davon sind wir im Moment noch weit entfernt.
Oder -anderes Szenario- sofern im konkreten Einzelfall der jeweilige, von seinen Patienten geschätzte Behandler seine Praxis zuschließt. Dann ist es jedoch zu spät.
KO – Kriterium 2:
Die von Berufsverbänden skizzierten Horrorgeschichten des Not darbenden Zahnarztes entsprechen nicht der Realität.
Natürlich sind die goldenen Zeiten der 70er und frühen 80er Jahre, in denen der Beruf des Zahnarztes (möglicherweise sogar weitestgehend losgelöst vom Können des Tätigen) eine Lizenz zum Gelddrucken darstellte, lange vorbei.
Sie waren schon Vergangenheit, als ich 1993 meine eigene Praxis eröffnete.
Fakt ist aber, dass unabhängig vom Festhalten an der GOZ 88 es Änderungen in der Zahnmedizin gab, die eine Anpassung an die Preisgestaltung ermöglichten und zwar losgelöst vom weiterhin festgeschriebenen Punktwert. Als Beispiele dafür möchte ich die dentinadhäsive Kunststoff – Restaurationen, die Veränderungen im Rahmen der Prophylaxe- Leistungen (ich verabscheue nachwievor den Begriff der „professionellen“ Zahnreinigung, denn auch eine „einfache“ Zahnreinigung ist professionell), die Änderungen im Bereich des Zahnersatzes im Hinblick auf Grund- und Wahlleistungen, sowie zuletzt die Veränderungen im Bereich der Endodontie aufführen. In diesen Bereichen war es dem Zahnarzt zumindest teilweise möglich geworden, seine Honorierung an die situationsbedingte Kostensituation anzupassen. Um auf unser Beispiel mit dem Benzin zurückzukommen, er konnte dem Patienten nun neben Benzin auch noch Super, Bleifrei, und Diesel anbieten und den Preis hierfür in einem gewissen Rahmen eigenverantwortlich festlegen.
So ist es zu erklären, dass, aller in der Realität defacto vorgenommenen Einschneidungen zum Trotz, die Einkommen der Zahnärzte (zumindest im Schnitt) sich auf einem gewiss niedrigeren, aber dennoch solidem Niveau konsolidieren konnten, in anderen Fällen moderat gestiegen sind. Von flächendeckenden Insolvenzen kann also nicht gesprochen werden.
Die Zahnärzte sind demnach zwar nicht die Gewinner dieser Reformen, das sind Politik und Krankenkassen, die in den letzten Jahren Milliardengewinne im Bereich der Zahnmedizin eingefahren haben, sie sind aber auch nicht die großen Verlierer. Das sind zweifellos die Patienten, denn die sind diejenigen, die immer mehr, Jahr für Jahr, aus eigener Tasche für ihre Gesundheit dazuzahlen müssen, und das ja nicht nur in der Zahnmedizin, sondern auch in gleichem oder sogar noch stärkerem Maße für die Bereiche Medizin, Pharmazie, sowie den Bereich der Kuren und der Gesundheitsvorsorge. Und die Patienten haben nur die Wahl, zu zahlen, oder einen Verlust an Gesundheitsqualität in Kauf zu nehmen.
So betrachtet, erscheint die Position der Zahnärzte, denen man zumindest de facto zugestanden hat, gewisse Teilbereiche in der Zahnmedizin marktregulativ anzupassen, nun gar nicht mehr so übel.
KO – Kriterium 3:
Wieviel Piloten kennen Sie ? Und wieviele Zahnärzte ? Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiß.
Wir bemühen jetzt ein Vorurteil, aber manchmal hilft es, Dinge durch Überspitzung plastischer darzustellen: Der Lufthansa- Pilot, der wie ich Mitte der 80er Jahre seine Ausbildung gemacht hat, arbeitet 24 Stunden die Woche, ist Porschefahrer, wohnt in einem repräsentativen Bungalow mit Swimmingpool im Vordertaunus, geht mit 160.000 Euro im Jahr nach Hause und mit 55, spätestens 60 Jahren in Rente.
Das neidet ihm aber keiner.
Weil ihn keiner kennt.
Oder ? Wieviel Lufthansa- Piloten kennen Sie persönlich ?
Zahnärzte gibt es dafür eine ganze Menge, die laufen jedem Patienten also zwangsläufig über den Weg. Und wenn das in einem Auto passiert, das größer ist als das eigene, der Urlaub auf den Malediven stattfindet und nicht in Side, der Sonntagsspaziergang durch das Neubaugebiet das schmucke Eigenheim des Dentisten offenbart, dann kommt in Deutschland (denn in diesem Punkt haben wir keine US – Verhältnisse, bei uns wird, anders als in USA eben nicht daran die Qualität des Behandlers gemessen im Sinne eines „Der kann offensichtlich was, sonst hätte er es nicht so weit geschafft…“) ein nicht wegzudiskutierendes Maß an Sozialneid zum Tragen.
Auch das lasse ich, lediglich beobachtend und als deutsche Eigenheit registrierend, unbewertet als Fakt im Raum stehen.
Fest steht jedoch auch hier wieder: Solange noch Insignien eines wie auch immer gearteten Praxiserfolges zu sehen sind, ist an eine vom Patienten sanktionierte Gehaltsanpassung nicht zu denken. Soll heißen, erst wenn das Auto des Zahnarztes deutlich kleiner und älter ist als das eigene und sein Jahresurlaub auf Balkonien in der Mietwohnung stattfindet, darf wieder die Stimme erhoben und eine Gehaltssteigerung postuliert werden.
Siehe KO- Kriterium 1.
Und die Piloten ? Haben Glück, dass sie gewissermaßen noch unter der Nachweisgrenze laufen.
KO – Kriterium 4:
Wem gehört eigentlich das Flugzeug, dass der Pilot fliegt und wer bezahlt die Flugbegleiter ?
Streiks oder Streikandrohungen von Pilotenseite gab es des öfteren in der Vergangenheit. Und vollkommen unabhängig davon, ob diese berechtigt waren oder nicht, sie waren in der Regel von Erfolg gekrönt.
Wenn die „Pilotengewerkschaft“ zum Streik aufruft, dann lehnt sich der Pilot entspannt zurück und genießt die arbeitsfreie Zeit mit dem sicheren Wissen, bei der Wiederaufnahme seiner Arbeit mit einem satten Plus an Bezügen zum Pilotensitz zurückkehren zu können.
Auflaufende Kosten aus seinem „Kleinunternehmen Flugzeug“ gibt es für ihn nicht. Ein entscheidender Unterschied zum Kleinunternehmer „Zahnarzt“.
Der hat nämlich zur Praxisgründung einen Kredit von 350 – 500.000 Euro aufgenommen, den er abbezahlen muss, er hat laufende Kosten für Miete etc. und er zahlt die Gehälter für seine zahnmedizinischen Mitarbeiter in der arbeitsfreien Zeit.
Machen wir uns nichts vor. Wäre der Pilot anteiliger Kreditnehmer für sein Arbeitsgerät „Flugzeug“ und müsste er die Gehälter der Flugbegleiter aus eigener Tasche zahlen, jegliches Streikgebaren wäre sofort und ein für alle mal vom Tisch.
Auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Ein Zahnarzt, der in eigener Praxis steht, ist erpressbar. Er ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass seine Praxis läuft, dass er arbeiten kann.
Oder er geht pleite. Ziemliche ungleiche Hebel, was Gehaltsverhandlungen angeht, zumal die Machtverhältnisse offenliegen.
Ein cooler Bluff a la „Oceans Eleven“ scheidet also von vorne herein aus.
Wer es dennoch tut (oder auch nur andeutet), macht sich lächerlich.
Stellen sie sich einen Pokerspieler vor, der als einziger von allen Spielern von Beginn an seine 5 Karten offen auf den Tisch legen muss.
Ziemlich langweiliges Spiel.
Vorhersagbarer Ausgang.
Ein Ärztestreik mit diesen Voraussetzungen ?
Undenkbar.
Das wissen Gesetzgeber, Ministerialbürokratie und Krankenkassen.
Gibt es ein Ausweg aus diesem Dilemma ?
Einen Königsweg sicher nicht, aber es gibt eine Lösung.
Darüber morgen an dieser Stelle.
102 Meter Russland
von Hans – Willi Herrmann
2 Stunden und 45 Minuten dauert der Flug von Frankfurt nach Moskau.
Für die 25 km vom Flughafen zum Hotel nach Moskau brauchen wir 3 Stunden.
Auch das ist das neue Millenium. Grenzenlose globale Mobilität, die an der Stossstange des Autos vor uns im Stau endet.
Unser Hotel ist irgendwo am 2. Ring in Moskau und könnte irgendwo sonst in der Welt stehen. Zumindest überall dort, wo kyrillische Schriftzeichen auf Straßenschildern zu finden sind.
Das Hotel ist das einzige, was wir von Moskau zu sehen bekommen an diesem Wochenende. 48 Stunden lang werden wir diesen Mikrokosmos im Grunde genommen nicht mehr verlassen.
Vom Flughafen geht es direkt ins Hotel, noch während des Abendessens müssen wir zum Computercheck und zur Einrichtung des Arbeitsplatzes für die Live – Demos. Das geht bis um 12 Uhr Ortszeit und dann sind wir froh, in unsere Betten zu kommen.
Samstags dann von 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr Vorträge und Live – Demo.
Um halb acht fahren wir zum offiziellen Abendessen. In der Konzerthalle, 50 Meter vom Hotel entfernt, tritt METALLICA heute abend auf. Es gibt noch Karten, 3 von uns würden gerne hingehen, aber wir müssen zum Essen.
Zurück im Hotel, 23 Uhr, checken wir online ein für den Rückflug. Damit nichts schiefgeht, wir wollen unbedingt wieder heim. Es dauert, bis jeder durch ist, aber es klappt alles.
Halb eins. Schlafenszeit.
Sonntags bin ich dann dran mit Vortrag und Live – Demo. Schnell ist es 15 Uhr.
Noch eine Stunde Warten in der Lobby, bis der Shuttle Bus zum Flughafen kommt, dann der Transfer zum Flughafen.
Kurze Schlange an der Passkontrolle und am Nacktscanner, dann gehts nach Hause. Zusammen mit einem Patienten von mir, den ich im Flugzeug treffe.
Die Welt ist ein Dorf.
Ich habe überschlagen: Insgesamt haben wir uns 102 Meter auf russischem Boden bewegt.
Wenigstens das Wetter hat es uns leicht gemacht. In Deutschland 26 Grad, in Moskau die meiste Zeit Platzregen, Schnee, Hagel.
Kurz vor 21.00 Uhr Sonntag abend, Frankfurt am Main, auf der Flughafenautobahn Richtung Heimat. Ein letzter Blick zum Frankfurter Flughafen im Abendrot.
Das gewohnte Bild.
Startende Flugzeuge. Ich bin froh drüber. Die Jetztzeit ohne Flugzeuge ?
Kann ich mir nicht vorstellen.
Und morgen wieder arbeiten. 3 Tage, dann gehts wieder weg. Keine Ahnung, ob ich mich freuen soll oder nicht.
Aber wenigstens fahre ich mit der Bahn…
Athmosphärische Störungen
von Hans – Willi Herrmann
18. April.
Sonntag abend. 19.50 Uhr.
Die Abendsonne wärmt nicht mehr, aber immerhin, sie scheint.
Strahlend blauer Himmel.
Keine Wolke bis zum Horizont. Der Kuckkuck ruft. Ich greife reflexartig in die Hosentasche. Geld dabei.
Glück gehabt.
Und in diese Stille hinein (zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit) ein Düsenjet , der seinen solitären Kondensstreifen am Himmel hinterlässt.
Gott sei Dank. Sie fliegen wieder.
Gerade noch mal gut gegangen.
Denn Jörg und ich wollten ja mit Christoph, Glenn und Holm nach Moskau. Zur Endo Show 2010. Und durch „Eljafallakackakall“, dem putzigen Vulkan auf Island, dessen Namen zu merken, mir zu blöd war und den ich auch nicht googlen werde, stand dieses Vorhaben auf der Kippe.
Jetzt allerdings, nachdem die Flugzeuge wieder unterwegs waren, würde bis Donnerstags abends, dem Termin unseres Abfluges, wieder alles im Lot sein im europäischen Flugverkehr.
Montags – wider Erwarten, weiterhin Flugverbot.
Es folgten zwei Tage die irgendwo zwischen „Das wird schon…“ und „Die werden doch hoffentlich nicht…“ hin und herpendelten.
Fliegen sie jetzt oder fliegen sie nicht ?
Keiner wusste es. Weshalb Glenn van As aus Vancouver / Kanada seine Anreise irgendwann Dienstagmorgen absagte.
Dann – am Mittwoch, auch für uns die Hiobsbotschaft.
Der Hinflug wird gestrichen.
Was nun ?
Ein Ersatzflug musste her. Und zwar schnell.
„Freitags läuft alles wieder wie geplant“, hieß es. Gerüchteweise. Bei SWR 3.
Kein Durchkommen bei der Lufthansa. Auskünfte ? Fehlanzeige.
Das Telefon, wen wundert es – pausenlos besetzt.
Dabei war zu vermuten – wer nicht schnellstens einen Flug für freitags bekommt, der kriegt vermutlich keinen Sitzplatz mehr.
Irgendwann, nachmittags, dann eine freie Leitung. Vorsichtige Anfrage, dann die gute Nachricht: Es gibt noch Plätze im Flieger von Freitag vormittag.
Der Preis. 1002 Euro Aufpreis. „Das ist dann Business Class, weil in der Economy nichts mehr frei ist“, frage ich.
Weit gefehlt.
Das ist der Preis für Economy. Nennt sich Economy Plus. Oder so ähnlich. Und bedeutet. Preis wie Business – Class, aber nur Leistungen der Holzklasse. „Wieso eigentlich Mehrkosten“, frage ich die nette Lufthansa – Mitarbeiterin. Hieß es nicht ohne Umbuchungskosten in den Medien ? „Das ist richtig“, sagt die Dame. „Es entstehen keine Umbuchungsgebühren. Nur der Mehrpreis ist von Ihnen zu zahlen“.
„Aha“, sage ich und dann erst mal nichts mehr.
„Sie können aber auch gerne ihr Geld sich zurückzahlen lassen, kein Problem“, sagt die freundliche Dame und das so ansatzlos, dass man davon ausgehen konnte, dass sie dies am heutigen Tag nicht zum ersten Mal gesagt hat.
Naja, so läuft das halt, nennt sich Marktwirtschaft und ganz ehrlich, ich hatte nichts anderes erwartet, alles darüber hinaus, wäre naiv gewesen, zu glauben.
Aber – liebe Lufthansa. So etwas bleibt sehr sehr lange negativ in Erinnerung. Die Art und Weise, wie hier agiert wird, ist legitim und marktgerecht, macht aber alles an Sympathiebonus kaputt, was sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Da helfen dann auch keine „Flugmeilen“ mehr. Etwas weniger Gier, etwas mehr Taktgefühl an dieser Stelle wäre sicherlich das bessere Investment gewesen.
Aber das nur am Rande. Jetzt heißt es: Augen zu und durch.
Jörg hat schon gebucht. Ich buche ebenfalls. Es ist Mittwoch nachmittag, 14.00 Uhr.
Alles wird gut.
Dann der Mittwoch abend.
Mail von Expedia.
Ein Flug wird storniert.
Schnee von gestern. Mein Flug ist sicher. Deshalb überfliege ich die Mail nur mit einem Auge und es trifft mich fast der Schlag.
Mein Hinflug findet statt.
Wie geplant.
Die teure Umbuchung wäre also nicht notwendig gewesen.
Stattdessen ist nun der Rückflug gestrichen. Der Rückflug, der bei meiner teuren Umbuchung beibehalten wurde.
Wieder 60 Minuten Warteschleife.
Dann ein netter Mitarbeiter am Telefon.
Es bedarf ein paar Minuten, die verzwickte Lage zu erklären.
Zuletzt die beruhigende Auskunft. Wenn ich den 1300 Euro Economy – Flug nehme, ist der Rückflug garantiert.
Und dabei bleibt es auch.
Freitag morgen. 11. 30 Uhr.
Jörg und ich sitzen eingeklemmt in der Holzklasse im Airbus nach Russland.
Moskau, wir kommen.
