Service

von Olaf Löffler

Eine neu Schreibtischleuchte musste her. Die alte war defekt, ein altgedientes Ikeaprodukt, noch mit Glühbirne. Nun gibt es ja LED. Und genau das sollte es sein.
Die Wahl fiel auf ein Modell von Otto Watt die Tischleuchte Mirror. Der Hersteller ist Luceplan. Die Leuchte lässt sich dimmen. Es ist ein angenehmes Licht und die Haptik ist genauso toll, wie das Aussehen. Leider auch der Preis.

2,5 Jahre hatten wir Freude. Dann auf einen Schlag kam ein stroboskopartiges An-und Ausschalten des Lichtes ohne, daß man die Leuchte berührte. Gekauft hatte ich die Leuchte bei der Berliner Firma Prediger.
Ärgerlich war die kurze Lebenszeit der Leuchte. Deshalb rief ich die Firma Prediger an und bat um eine Kulanzlösung. Lucplan brauchte fast 3 Monate und die reparierte Leuchte zurückzusenden. Es wurde auf Kulanz repariert. Ich war angenehm überrascht und freute mich trotz der langen Leuchtenauszeit.
Nur musste ich feststellen, daß die Leuchte nur noch mit extremen Druck auf den Tippschalter anzuschalten war. Vorher war es nur eine kleine Berührung. Jetzt muss man den ganzen Lampenkörper festhalten und mit der anderen Hand auf den Taster drücken, damit es leuchtete.
Also nochmal per Mail reklamiert.

Eigentlich hatte ich erwartet, daß ich nichts mehr höre und froh sein konnte außerhalb der Garantiezeit die Reparatur zu bekommen. Dann erhielt ich eine Mail von der Firma Prediger, daß sie sich eingesetzt hat, daß ich eine neue Leuchte bekomme und diese kommt in den nächsten Tagen bei mir an.

Das ist Service, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt habe. An dieser Stelle ein ein großes Dankeschön.

 

Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Handgriff- Problem gelöst (2)

von Hans- Willi Herrmann

Auch in unserer Praxis wurde (wie schon hier beschrieben) vor einigen Wochen vom Zeiss – Kundendienst das ProErgo Handgriff- Problem durch Tausch der vorhandenen Handgriffe gegen neue Handgriffe angegangen.

Um ehrlich zu sein, an unserem Pro Ergo- Mikroskop Baujahr 2007 trat der Fehler schon so lange und tagtäglich auf, dass ich nicht mehr damit gerechnet hatte, dass sich diesbezüglich noch einmal etwas ändern würde.

Umso erfreulicher die kostenlose Umtauschaktion.
Und da es gegenwärtig in Emailforen wieder einmal en vogue scheint, das Zeiss Pro Ergo schlechtzureden, möchte ich noch auf folgenden Umstand hinweisen: Die Funktion der Handgriffe war in unserer Praxis in all der Zeit, in der ich mit diesem tollen Mikroskop – dessen Kauf ich niemals auch nur eine Sekunde gereut habe –  arbeite  (bis auf wenige Ausnahmen, die sich in den vergangenen 7 Jahren an 2 Händen abzählen liessen) immer gewährleistet, da der andere Handgriff weiterhin die Bedienung des Mikroskopes uneingeschränkt zuliess und durch Betätigung des intakten Griffes spätestens nach 2- 3 Auslösungen der funktionslose Griff wieder zur Normalität zurückfand.

Kein praxisrelevantes Problem also.
Aber natürlich bleibt ein „Geschmäckle“, denn vom Spitzenprodukt der Dentalmikroskopie erwartet man –  insbesondere angesichts des Premium- Preises – uneingeschränkte und stets reibungslose Funktion. Zumal Zeiss im nach aussen getragenen Habitus keinen Zweifel daran lässt, das man nicht nur besagte Spitzenposition im Mikroskopbau innehat, sondern daneben/darunter lange, lange nichts nachkommt.

Und so hätte man erwarten können, dass wie bislang der zwar im Kollegenkreis immer wieder auftauchende, aber eben doch nicht konstant vorhandene und gegebenenfalls nicht unter Laborbedingungen reproduzierbare Fehler mit einem Achselzucken quittiert und in bekannter Altkanzlermanier ausgesessen wird.

Ein mittlerweile in der Dentalindustrie nicht unübliches, fast schon zur Normalität gewordenes Vorgehen.  Dessen Folgen, die Hinwendung zu Billiganbietern in den nächsten Jahren erst, dann aber unleugbar zunehmend, sichtbar werden wird.

Mit fatalen Folgen für diejenigen renommierten Firmen, die heute noch in Großtankermanier unbeirrt am „Mia san Mia“- Denken festhalten.

Bei uns kam – wie oben erwähnt – erfreulicherweise nach Voranmeldung der Zeiss- Techniker.
Überprüfte die Handgriffe und tauschte.

Soweit so gut.
Zufällig erwähnte ich im Gespräch mit dem Techniker, dass wir vor 2 Jahren den Zoom-Motor des Pro Ergo getauscht hatten. Dank einer Einbauanleitung von Jörg Schröder war es kein Problem, den Wechsel selbst durchzuführen, das Ersatzteil hatten wir über einen Händler bestellt, der neben anderen Mikroskopen auch Zeiss – Mikroskope vertreibt.

Der Techniker erzählte, dass bei älteren Geräten bei bestimmtem Mikroskopen Motoren zum Einsatz kamen, die mit der zur Verfügung gestellten Ausgangsspannung langfristig Probleme hatten. Bei den neueren Jahrgängen trete dieser Fehler durch Anpassung der Komponenten nicht mehr auf. Er überprüfte darauf hin die zur Ansteuerung des Zoom- Motors notwendige Platine. Und tauschte vorsorglich. Ebenfalls kostenfrei.

Fazit
Über Zeiss wird viel gesprochen und natürlich wird das Schlechte immer gerne und häufig kolportiert, interessanterweise oft auch von Leuten, die gar nichts aus eigener Erfahrung in der Sache berichten könnten, es aber dennoch tun.

Über das Gute redet kaum jemand.
Ein solch kulantes Verhalten weit über die Garantiezeit hinaus wie im vorliegenden Fall ist heutzutage sehr selten geworden und verdient ausdrücklich der positiven Erwähnung.

 

 

 

Die Scheibe zum Abschneiden – Leica Customer Care

von Hans – Willi Herrmann

Man kann darüber streiten, ob an einer 4500 Euro teuren Fotokamera, ohne Fremdeinwirkung, einfach mal so, ein Plastik – Einstellrad abfallen darf.
So geschehen vor ein paar Wochen an meinem Leica DMR- Digital Rückteil.
Und um die Antwort vorwegzuschicken, nein, dass darf es nicht.
Aber – es passiert nunmal. Und dann ist guter Rat vermutlich schwierig und teuer obendrein.

Im November 2005 hatte ich besagtes Rückteil gekauft.
Für diejenigen unter Ihnen, die sich in der Fotografie nicht auskennen – das DMR macht nach leicht selbst zu bewerkstelligbarem Umbau aus meiner Leica R 8 – Spiegelreflexkamera, die Jahr ein Jahr aus einwandfrei ihren Dienst mit zumeist farbigen, seltener Schwarzweiß-Diafilmen ihren Dienst verrichtete, eine digitales Aufnahmegerät.

Das DMR war seinerzeits der sehr späte, aber dennoch lobenswert ernsthafte erste Versuch Leicas, mit einem eigenen Gerät im Digitalmarkt Fuß zu fassen.
10 Jahre sollte das DMR mir gute Dienste leisten, dass war die Grundvoraussetzung dafür, dass ich den Kauf vor mir selbst gerechtfertigt hatte.

Und jetzt war es kaputt. Nichts tat sich mehr.
Müsste ich das DMR als Totalschaden abschreiben ?

Das LEICA – Internet – User – Forum gab erste Infos (vielen Dank von hier an diese Stelle).
Der Fehler war anscheinend nicht nur bei mir, sondern auch noch bei anderen aufgetaucht. Ebenfalls, was mich beruhigte, ohne Fremdeinwirkung.
Man gab dort den Rat, sich an die Leica – Service – Abteilung zu wenden, neudeutsch Customer Care genannt.

Das tat ich via Email.
Prompte Antwort, ich möchte das DMR zur Prüfung einschicken, man könne das gelöste Drehrad wiederbefestigen. Knapp eine Woche später hatte ich das DMR wieder zurück, es funktioniert einwandfrei.
Keine Garantie mehr, nicht verwunderlich nach nunmehr 7 Jahren, die Reparatur war aber dennoch kostenlos.

Noch einmal.
Jeder von uns erwartet, dass bei einem so teuren Gerät ein solcher Fehler nicht passiert. Nicht bei 4500 Euro Kaufpreis.

Aber – ich kenne keine Firma – die, wenn nach 7 Jahren ein solcher Fehler auftaucht, diesen kostenfrei repariert.
Bei Leica hat sich viel verändert in den letzten Jahren. Vieles war sehr erfreulich, nicht alles war positiv.

In Sachen Kundenservice wird diese Firma noch immer ihrem sprichwörtlich herausragenden Namen gerecht.

Eine mittlerweile anachronistisch anmutende Ausnahme, die nicht hoch genug lobend herausgestellt werden kann.

Wie sieht es nun im Dentalbereich aus ?
Einem Kundenkreis, der, im Hinblick auf ein allgegenwärtiges Vorurteil, daß den Leica – Besitzers als nicht unerheblich Besserverdienenden beschreibt, mit der Gruppe der Zahnärzte eine vermutlich nicht unerhebliche Schnittmenge aufweist ?

Hier scheint das Gegenteil der Fall, wie auch immer wiederkehrende Kommentare von Lesern dieses Blogs zeugen, dass ein dem LEICA – Preisniveau vergleichbares Gerät ohne besagten vorbildlichen After Sale- Service auskommen muss.

Und ein Defekt, und zwar unabhängig davon, ob er konstruktionsbedingt ist oder nicht, nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Garantie, vom Käufer getragen werden muss.

Das nenne ich Service II

von Christian Danzl

Wie hier schon mal beschrieben, war eine komplette Packung Microbrushes nicht zu gebrauchen, weil sie beim Abbiegen des Arbeitsendes abbrachen.
Auf der letzten Fachdental habe ich den Repräsentanten von Microbrush darauf angesprochen. Er bat mich, die gebrochenen Microbrushes an die Firma in Irland zu schicken, um der Sache auf den Grund zu gehen. Man wäre sehr interessiert an solchen Fehlern.

Und im gleichen Augenblick hat er mir 3 Packungen Micrubrushes inclusive Dispenser in die Hand gedrückt mit der Bemerkung es täte ihm leid, dass ich mit dem Produkt Unannehmlichkeiten hatte.

Das nenne ich Service!

Es ist zwar nur ein Pfennig-Artikel, aber das tut nichts zur Sache. Ich kenne genügend andere Beispiele, wo einem statt  „oh das tut uns leid“ zuerst einmal ein Anwendungsfehler untergejubelt wird…

Athmosphärische Störungen

von Hans – Willi Herrmann

18. April.
Sonntag abend. 19.50 Uhr.

Die Abendsonne wärmt nicht mehr, aber immerhin, sie scheint.
Strahlend blauer Himmel.
Keine Wolke bis zum Horizont. Der Kuckkuck ruft. Ich greife reflexartig in die Hosentasche.  Geld dabei.
Glück gehabt.

Und in diese Stille hinein (zum ersten Mal seit  einer gefühlten Ewigkeit) ein  Düsenjet , der  seinen solitären Kondensstreifen am Himmel hinterlässt.

Gott sei Dank. Sie fliegen wieder.
Gerade noch mal gut gegangen.
Denn Jörg und ich  wollten ja mit Christoph, Glenn und Holm nach Moskau. Zur Endo Show 2010. Und durch „Eljafallakackakall“, dem putzigen Vulkan auf Island, dessen Namen zu merken, mir zu blöd war und den ich auch nicht googlen werde, stand dieses Vorhaben auf der Kippe.

Jetzt allerdings, nachdem die Flugzeuge wieder unterwegs waren, würde bis Donnerstags abends, dem Termin unseres Abfluges, wieder alles im Lot sein  im europäischen Flugverkehr.

Montags – wider Erwarten, weiterhin Flugverbot.

Es folgten zwei Tage die irgendwo zwischen „Das wird schon…“ und „Die werden doch hoffentlich nicht…“ hin und herpendelten.
Fliegen sie jetzt oder fliegen sie nicht ?
Keiner wusste es. Weshalb Glenn van As aus Vancouver / Kanada seine Anreise irgendwann Dienstagmorgen absagte.

Dann – am Mittwoch, auch für uns die Hiobsbotschaft.
Der Hinflug wird gestrichen.

Was nun ?
Ein Ersatzflug musste her. Und zwar schnell.
„Freitags läuft alles wieder wie geplant“, hieß es. Gerüchteweise. Bei SWR 3.

Kein Durchkommen bei der Lufthansa. Auskünfte ? Fehlanzeige.
Das Telefon, wen wundert es – pausenlos besetzt.
Dabei war zu vermuten – wer nicht schnellstens  einen Flug für freitags bekommt, der kriegt vermutlich keinen Sitzplatz mehr.

Irgendwann, nachmittags, dann eine freie Leitung. Vorsichtige Anfrage, dann die   gute Nachricht: Es gibt noch Plätze im Flieger von Freitag vormittag.

Der Preis. 1002 Euro Aufpreis. „Das ist dann Business Class, weil in der Economy nichts mehr frei ist“, frage ich.
Weit gefehlt.

Das ist der Preis für Economy. Nennt sich Economy Plus. Oder so ähnlich. Und bedeutet. Preis wie Business –  Class, aber nur Leistungen der Holzklasse. „Wieso eigentlich Mehrkosten“, frage ich die nette Lufthansa – Mitarbeiterin. Hieß es nicht ohne Umbuchungskosten in den Medien ? „Das ist richtig“, sagt die Dame. „Es entstehen keine Umbuchungsgebühren. Nur der Mehrpreis ist von Ihnen zu zahlen“.
„Aha“, sage ich und dann erst mal nichts mehr.
„Sie können aber auch gerne ihr Geld sich zurückzahlen lassen, kein Problem“, sagt die freundliche Dame und das so ansatzlos, dass man davon ausgehen konnte, dass sie dies am heutigen Tag  nicht zum ersten Mal gesagt hat.

Naja, so läuft das halt, nennt sich Marktwirtschaft und ganz ehrlich,  ich hatte nichts anderes erwartet, alles darüber hinaus, wäre naiv gewesen, zu glauben.

Aber – liebe Lufthansa. So etwas bleibt sehr sehr lange negativ in Erinnerung. Die Art und Weise, wie hier agiert wird, ist legitim und marktgerecht, macht aber alles an Sympathiebonus kaputt, was sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Da helfen dann auch keine „Flugmeilen“ mehr. Etwas weniger Gier, etwas mehr Taktgefühl  an dieser Stelle wäre sicherlich das bessere Investment gewesen.

Aber das nur am Rande. Jetzt heißt es: Augen zu und durch.
Jörg hat schon gebucht. Ich buche ebenfalls. Es ist Mittwoch nachmittag, 14.00 Uhr.
Alles wird gut.

Dann der Mittwoch abend.

Mail von Expedia.

Ein Flug wird storniert.
Schnee von gestern.  Mein Flug ist sicher. Deshalb überfliege ich  die Mail nur mit einem Auge und es trifft mich fast der Schlag.

Mein Hinflug findet statt.
Wie geplant.
Die teure Umbuchung wäre also  nicht notwendig gewesen.

Stattdessen ist nun der Rückflug gestrichen. Der Rückflug, der bei meiner teuren Umbuchung beibehalten wurde.

Wieder 60 Minuten Warteschleife.
Dann ein netter Mitarbeiter am Telefon.

Es bedarf ein paar Minuten, die verzwickte Lage zu erklären.
Zuletzt die beruhigende Auskunft. Wenn ich den  1300 Euro Economy – Flug nehme, ist der Rückflug garantiert.
Und dabei bleibt es auch.

Freitag morgen. 11. 30 Uhr.
Jörg und ich sitzen eingeklemmt in der Holzklasse im Airbus nach Russland.

Moskau, wir kommen.

Die Zukunft wird nicht rosig, davon können wir ausgehen.

von Hans – Willi Herrmann

Die Zukunft wird nicht rosig, davon können wir ausgehen.

Wie wird sich das Unternehmen „Zahnarztpraxis“ entwickeln in der nächsten Dekade ?

Keiner weiss es.

Wagen wir einen Blick über den Tellerrand, riskieren wir einen Blick auf andere Geschäftsbereiche, suchen wir nach Anhaltspunkten.

Nehmen wir die Hotelerie.

Zu weit hergeholt ?
Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Seit Jahren bin ich, beruflich bedingt, regelmäßig im In- und Ausland unterwegs.

Und kenne eine Reihe von Hotels  der gehobenen Kategorie. National, international.

Bleiben wir im Land. Nehmen wir München, wo ich gerade herkomme.

In der dortigen Hotelszene hat sich eine Menge getan in den letzten Jahren.

Natürlich gibt es immer noch die Platzhirsche.

Wie den „Bayrischen Hof“ , das „Vier Jahreszeiten“. Neue sind dazugekommen, wie das von mir sehr geschätzte „Sofitel Bayerpost“ oder das mir bislang unbekannte  „Rocco Forte“.

All diese Häuser werden, Wirtschaftskrisen zum Trotz,  ohne Frage auch zukünftig ihre Klientel haben. Die bereit ist, für den entsprechenden Standard (ganz gleich, ob als Luxus empfunden oder als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt) den entsprechenden Preis zu zahlen.

Aber – ebenso ausser Frage steht, dass diese Option, weil mit entsprechend hohen Übernachtungskosten verbunden, nur von einem verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung genutzt werden kann.

Nur wenige Jahre zurück klaffte ein große Lücke zwischen den Luxusherbergen auf der einen Seite und den Budgethotels andererseits, deren zum Teil schon längst in die Jahre gekommene, angeranzte, verwohnte Erscheinung ich unter der Rubrik “Tod eines Handlungsreisenden“ verbuche.

Negativer Höhepunkt in der bayrischen Landeshauptstadt war für mich eine runtergekommene Absteige mit feudalem Namen in der Nähe der LZK. Dies wurde von meiner (allenthalben als extrem höflich bekannten) Tochter, damals 6 Jahre alt, beim Betreten des Zimmers mit der treffenden, aber vollkommen unerwarteten, (weil bislang aus ihrem Mund unbekannten)  Floskel kommentiert:  „Das ist aber ein Kackzimmer !“.
Recht hatte sie.

Es kam noch schlimmer.
Am Abend, als wir  aus der Stadt zurückkehrten, wurden wir mit den Folgen eines   15 Minuten zuvor  erfolgten  bewaffneten Raubüberfall in der Eingangshalle konfrontiert. Und nur damit keine Missverständnisse aufkommen, die LZK hatte das Hotel als „gehobene Mittelklasse“ tituliert, in dem viele der Referenten absteigen würden und es steht nicht am Hasenbergl, sondern auf dem Weg nach Solln und Pullach.

Wir zogen „spontan“ um. Aber die Alternativen waren zu dieser Zeit begrenzt.

Konkret – Sehr hohe Preise, hoher Komfort, niedrige Preise, (für mich) zu  wenig Komfort.

In den letzten Jahren hat sich das geändert.
Ein neuer Typus Hotel hat sich etabliert und immer mehr Exemplare  kommen hinzu, alle mit ähnlichem Schema.

Modernes geradliniges Design ohne Schnickschnack, Tendenz – im Zweifelsfall eher leicht spartanisch als zu üppig.

Eingangsbereich mit Loungecharakter, frei zugängliche  Apple – Rechner für die Gäste zur Benutzung, kostenloses Wifi im gesamten Haus, auf den Zimmern läuft im Fernsehen kostenlos SKY TV.

Und  – es verwundert nicht – der Erfolg ist da, zumal  die Zimmer nicht oder nur unwesentlich teurer sind als dies bisher für Zimmer (scheinbar)  gleicher Kategorie der Fall war.

In einem Hotel dieses Typus steige ich seit bald 2 Jahren, wann immer möglich, ab, wenn ich in München bin.
Durch Zufall kam ich dort hin.
Auf dem Weg zur Fortbildung fuhr das Taxi am Hotel vorbei.
Offensichtlich nagelneu, interessanter Anblick. Und im Internet dann der für örtliche Verhältnisse günstige Preis.

Ich buchte für meinen nächsten Besuch in der Stadt.
Und buchte immer wieder.

Anfangs, unmittelbar nach Eröffnung, waren Bar und Frühstückssaal relativ leer, wenn ich dort abstieg. Heute ist das Hotel voll besetzt zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten.

Das Hotel boomt und das ist kein Wunder, denn zur vorhandenen Ausstattung und dem für Münchner Verhältnisse günstigen Preis kommt noch das durch die Bank ausgesprochen nette und hilfsbereite Personal  hinzu. Das im Übrigen der eigentliche Grund war, warum ich immer wieder hier abgestiegen bin.
Eine Frau Günther, ein Herr Aßmann, König oder Singer. Stellvertretend für viele andere. Nett, hilfsbereit, locker.

Und damit hätten wir die Brücke zur Zahnmedizin.

Natürlich wird es auch zukünftig weiter  Zahnarztpraxen geben können, die eine Top- Leistung in Top- Ambiente für einen Top – Preis anbieten können.
Exzellenter Service und ebensolche Qualität vorausgesetzt.
Das ist und bleibt weiterhin ein Erfolgsmodell,  erkennbar daran, dass  in diesen Sphären sogar mit einer Aura von  Arroganz gearbeitet werden kann, die akzeptiert und von einer bestimmten Klientel nicht selten sogar eingefordert wird.

Aber diese Kundengruppe ist begrenzt, die Standortfrage strategisch von großer Bedeutung.

Wie viel mehr Potential hat eine Praxis, die es schafft, eine adäquate Leistung auf einem deutlich niedrigeren Preislevel anzubieten.
Die Zutaten: Moderne Arbeitsumgebung, wenngleich ohne Schnickschnack und vordergründlich beeindruckende potemkinische Fassaden.
Gutes Serviceangebot, dass in seinem Ergebnis den Vergleich mit den Top – Riegen nicht scheut und im praktischen Nutzen übertrifft.

Zurück zum Hotel, dass die Möglichkeiten aufzeigt.
Keine teuren Pay TV Programme, sondern kostenfreies interessantes TV – Angebot, das über die gewohnten frei öffentlich zugänglichen Satellitenkanäle hinausgeht.
Kein teueres Internet, sondern Wifi umsonst, und keine Parkgarage, deren Tagesgebühr einer 6 köpfigen Familie in Zentralafrika 4 Woche lang Essen, Kleidung und Unterkunft sichern würde, sondern kostenneutrale moderate Gebühren.

Und – freundliche und kompentete Mitarbeiter.

All diese Dinge vorausgesetzt, muss niemandem bange sein, auch in der Zukunft.
Im Gegenteil. Denn die eigentlichen Verlierer, in der Hotelerie wie in der Zahnmedizin werden die Anbieter am unteren Ende der Preis- und Qualitätsskala sein.
In diesem Segment werden zukünftig die Gewinnmargen immer mehr aufgefressen werden. Und zwar von ganz unterschiedlichen Enden her. Ein Teufelskreis: Niedriger Servicelevel, niedrige Qualität, der zwangsläufig bei wirtschaftsbedingt wegbrechendem Absatzmarkt geringere Einnahmen mitsichzieht und dadurch die Investition in Modernisierung und kompetentes Personal verringert, vielleicht sogar  unmöglich macht.

Abwanderung von Patienten und Personal wird die Folge sein, mit einer dadurch wiederum sich verschärfenden Einnahmesituation.

Grund genug, den Kopf hängen zu lassen ?
Keineswegs.
Nur Mut.
Bieten sie Qualität und Service.  Und sie werden immer gut zu tun haben.
Vielleicht sogar die unerwartete Entdeckung machen, das in schlechten Zeiten ihr Zulauf nicht ab- sondern zunimmt und ihre Praxis gegen den allgemeinen Trend hin sich positiv entwickelt.

Noch was vergessen ?
Ja, der Name des Hotels in München, das zwar nicht meine erste Wahl, aber  – fast immer die rational gesehen günstigste Wahl ist, wenn ich beruflich in München bin

Ich sollte ihn besser nicht nennen. Weil dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass ich zum Frühstück vielleicht irgendwann im vollbesetzten Restaurant keinen Platz mehr bekomme, größer wird.
Und – Vollauslastung bedeutet steigende Zimmerpreise.
Will ich eigentlich auch nicht.

Ich nenne den Namen trotzdem.
Design Hotel Angelo, Leuchtenbergring 21, München.

Positive Dinge sollte man beim Namen nennen. Das motiviert andere, es dem Vorbild gleichzutun.
In der Hotelerie wie in  der Zahnarztpraxis.