Z.n. Schmerzbehandlung am Zahn 27 (2)

von Ostidald Wucker

Die entscheidende Frage wurde in einem Kommentar gestellt: Wo ist jetzt das Problem?

Was und wie will ich therapieren, wenn mir die Ursache unbekannt ist.
Zu den Fakten:
Eine irreversible Pulpitis lag vor.
Wie ist diese entstanden?

Am häufigsten wurden funktionelle Aspekte genannt.
Der Zahn zeigte im klinischen Bild keine Infraktur, keine Abrasion oder Attrition.Es waren keine erhöhten Sondierungstiefen, kein Lockerungsgrad zu verzeichnen.
Diese Fakten sprechen zunächst gegen eine funktionelle Komponente am Zahn.

Die Füllungslage ließ eine kariogene Ursache wenig wahrscheinlich erscheinen.

Die Entfernung der Weisheitszähne hat die Patientin erwähnt. Die distale Wurzel ist im Röntgenbild nicht genau zu erkennen. Ein erster Hinweis auf eine mögliche Komplikation mit den Weisheitszähnen.

Die Patientin hatte nach der ersten Schmerzbehandlung bei dem Kollegen noch leichte Aufbissbeschwerden an dem Zahn 27. Diese waren eindeutige reproduzierbar. Wir berieten die Patientin zur vorgesehenen und notwendigen endodontischen Behandlung. Die distale Wurzel zeigte ein mögliches Resorptionsgeschehen. Im Zusammenhang mit der Weisheitszahnentfernung 28, bzw der Lage des retinierten Zahnes 28 denkbar.

Wir haben zu einem DVT geraten. Verdachtsdiagnose: externe Resorption. Anbei die Aufnahmen.

 

Z.n. Schmerzbehandlung am Zahn 27

von Ostidald Wucker

Die Patientin ist beruflich stark eingespannt und sehr viel unterwegs. Seit einiger Zeit hatte sie latente Beschwerden an einem Zahn im Oberkiefer links. Diese waren mal kaum wahrnehmbar, mal etwas unangenehmer aber insgesamt aushaltbar.
Auf einer Dienstreise in Berlin kam es plötzlich zu akuten Beschwerden. Sie ging in eine ihr empfohlene Praxis. Der Berliner Kollege war etwas ratlos. Eindeutig waren die Aufbissbeschwerden am Zahn 27. Dieser hatte eine okklusale Füllung, keine Sekundärkaries, Lockerungsgrad 0 und keine erhöhten Sondierungstiefen. Vor 5 Jahren wurden die Weisheitszähne entfernt. Ansonsten hatte sie keine Probleme mehr – bis jetzt.

Nach einem Röntgenbild wurde der Zahn trepaniert und mit Ledermix versorgt. Die Beschwerden klangen etwas ab und wurden nach 2 Tagen wieder etwas heftiger.

Die Patientin stellte sich bei uns zur Schmerzbehandlung vor. Das von uns angefertigte Röntgenbild ließ keine eindeutige Ursache der endodontischen Problematik erkennen.

Was könnte eine mögliche Ursache sein? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Was sichert den Behandlungserfolg ?

von Donald Becker

Endodontisten lieben Seitenkanäle.
Zumindest wenn diese sich im Röntgenbild als gefüllt präsentieren.

Alles gut also in diesem Fall ?

Man weiss es nicht, ist doch eine nicht ins Auge fallende und demnach vollkommen unscheinbare Maßnahme im Vorfeld vermutlich der Vater oder hier sollte ich besser sagen die Mutter des Erfolges. Und die abgefüllten Seitenkanäle nur schmückendes Beiwerk, ihre  Bedeutung untergeordnet, ziemlich wahrscheinlich sogar unbedeutend.

Aber der Reihe nach.

Der jährige 51 jährige Patient wurde von seiner Hausärztin überwiesen.
Diese hatte an Zahn 21 ein starkes „Störfeld“ festgestellt.
Zahn 21 war vor ca. 4 Jahren von seiner Hauszahnärztin wurzelkanalbehandelt worden, der Patient hat gegenwärtig und hatte in all der Zeit keinerlei  Beschwerden.

Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich, dass die Kronen 11 und 21 miteinander verblockt sind.

Die gesamte Front von Zahn13 bis 23 ist klopfsensitiv.
Zahn 21 ist stark klopfempfindlich.

Auf die Sensibilitätsprüfung mit Kältespray reagieren die Zähne13, 22, 23 sofort eindeutig positiv, der Zahn 11 nach 1.5 Sekunden, die Zähne 12 und 21 reagieren nicht.

Der Zahn 21 zeigt sich parodontal unauffällig mit Taschen von maximal 3 mm und weniger.

Nennen Sie es klinische Erfahrung, aber irgendwie passen hier ein paar Dinge nicht zusammen, selbst wenn sich kein direkter Hinweis für diese Ahnung finden lässt. Auch das zu Hilfe genommenen Dentalmikroskop liefert kein Indiz für die von mir vermutete Dezementierung, aber letztendlich ist genau dies hier der Fall, wie sich beim Abtrennen der Krone offenbart.
Der Zahn wird  von der restaurativ tätigen Praxiskollegin mit einer Komposit- Restauration wiederaufgebaut, danach für die Aufnahme einer Krone präpariert. Nach Ausarbeitung und Konturierung wird die  angefertigte provisorische Krone abschließend bemalt und  mit Rely X adhäsiv eingegliedert.

Die eigentliche Wurzelkanalbehandlung erfolgt nun problemlos. Lediglich die Herstellung der apikalen Durchgängigkeit gestaltet sich als knifflig, erfordert angesichts der vorliegenden Situation (Stufe?, Obliteration?) einen höheren zeitlichen und instrumentellen Aufwand. Die abschließende WF mit warmer Guttapercha offenbart die beiden schon zu Beginn erwähnten Seitenkanäle, der Patient ist allerdings schon seit der ersten Behandlungssitzung beschwerdefrei, was, apikale Anatomie hin oder her, die Vermutung zuläßt, dass in der Tat die dezementierte Krone für die Schmerzsensation verantwortlich war.

Fazit: Gefüllte Seitenkanäle sind schön anzuschauen (und in Fällen wie diesem hier für den Behandlungserfolg verantwortlich). Hier jedoch war die koronale Abdichtung durch Kompositaufbau und Krone der Weg zum Erfolg. Mein Dank gilt meiner Teamkollegin für die hervorragende ästhetisch ansprechende Arbeit !

Helfer in der Praxis

von Christian Danzl

Heute mal zwei (kleine) Helfer.

Das erste Helferlein ist kaum der Rede wert, aber es ist doch immer wieder praktisch.
Es ist ein kleines Lineal.
Was macht es erwähnenswert?

3 Dinge:

  • es ist aus Aluminium, also autoklavierbar
  • die Null, also der Messbeginn ist nicht aufgedruckt, sondern die linke Kante, also brauchbar, um Endo-Feilen einzustellen (wenn gerade kein Messblock zur Hand sein sollte, oder zusätzlich für die Helferin) und zum Messen der Mundöffnung (Schneidekantendistanz) – auch das soll in der Zahnarztpraxis hin und wieder vorkommen.
  • der Preis. 3,50 € Für das Geld kann man mehrere davon in den Schubläden liegen haben

Zu beziehen bei Muji.

 

 

 

Der zweite Helfer ist größer, schwerer, teuerer und schwieriger.

Den Tip habe ich von meinem sehr geschätzten Kollegen Frank Sanner aus Frankfurt, einer der treibenden Kräfte der „Endopedia„.

„Orofacial Pain & Headache“ von  Yair Sharav und Rafael Benoliel,
ein umfangreiches Werk über Schmerzen in Kiefer- und Gesichtsbereich.


Es werden verschiedenste Aspekte von Diagnose, Einteilung, Hintergrund und mögliche Behandlungen usw. zum Thema dargelegt. Leider momentan nur in englischer Sprache verfügbar.