Kombinierte Paro Endo Läsion? (2)

von Olaf Löffler

An dieser Stelle baten wir um die Meinung der Leser. Hier nun der transparente Zahn.

Nach folgendem Vorgehen haben wir gearbeitet:
Die Desinfektion des Zahnes erfolgte mit 5% Natriumhypochlorit im Ultraschallbad in einem Glasgefäß für 15 Minuten. Alternativ haben wir das auch auf einem Laborgipsrüttler (30 Minuten) erfolgreich versucht. Der extrahierte Zahn wurde von Zahnstein und Konkrementen gereinigt. Die Konkremente der distalen Wurzel ließen sich nur äußerst schwer und unvollständig entfernen.

Der Zahn wurde für 4 Tage in ca. 30 ml Salpetersäure 5% eingelegt und öfters bewegt. Danach wurde die Salpetersäure abgewaschen und der Zahn in einer alkoholischen Reihe (70% , 90% , 96 %) entwässert. Abschließend wurde der Zahn mit Mull abgetupft und in Methylsalicylat eingelegt. Nach ca. 2 Stunden zeigt sich die vollständige Transparenz.
Dieses Verfahren entspricht nahezu dem von Holm Reuver beschriebenen Vorgehen.

Beim betrachten des Zahnes zeigen sich einige frakturierte Instrumente und deutliche Hinweise auf bakterielle Besiedelung, bzw. verbliebene Gewebereste in Kanalbereichen der distalen Wurzel. Diese stellen sich durch bräunliche Verfärbungen dar. Im mesialen Kanalsystem sind geringere Spuren erkennbar. Dies bedeutet, daß das Kanalsystem unvollständig und unzureichend desinfiziert wurde.
Wahrscheinlich ist von einer kombinierten Läsion auszugehen, da neben der endodontischen Problematik auch die parodontale Situation entscheidend war. Die orale Mikroflora gilt als Infektionsquelle. Eine Infektion von Endodont und Parodont unabhängig voneinander ist typisch für die kombinierte Läsion. Dafür sprechen die große Füllungslage und die manifestierte P. marginalis der Patientin.

Literaturtip:

„Da es sich um opportunistische Infektionen handelt, ist schwierig festzustellen, welche Keime ursächlich mit den Erkrankungen assoziiert sind und welche nur deshalb gefunden werden, weil die Umgebung ihre Auslese begünstigt. Exazer- bationen periapikaler Läsionen scheinen mit der Anwesenheit schwarz pigmentierter gramnegati- ver Stäbchen im Wurzelkanal zusammenzuhängen“

Endodontie 13 (2004), Nr. 2, Seite 133-146
Paro-Endo-Läsionen: Ätiologie, Diagnostik und Therapievorschläge – Eine Literaturübersicht
Zehnder, Matthias / Paqué, Frank / Gold, Steve / Hasselgren, Gunnar

Kombinierte Paro Endo Läsion?

von Olaf Löffler

Die Patientin suchte unsere Praxis wegen parodontologischer Probleme auf. Der Zahn 37 zeigte nach 1,5 Jahren nach der Behandlung keine Heilungstendenz. Die Patientin lehnte eine Revision der Behandlung ab und entschied sich für die Extraktion des Zahnes.

Die Diagnose: Verdacht Kombinierte Paro Endo Läsion

Röntgenologisch sah die Behandlung nicht 100% optimal aus. Jedoch kann man bei der Aufbereitungsgröße der Kanäle eine ausreichende Desinfektion vermuten. Deshalb erscheint die Ursache des Misserfolges nicht klar auf der Hand zu liegen. Wir haben uns entschlossen den Zahn transparent zu machen und so der Ursache näher zu kommen.

Was denken Sie ist die mögliche Ursache?

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Shit happens. (1)

von Ostidald Wucker

Immer von Erfolgen zu berichten zeigt nicht die Realität. Wir möchten Fälle mit möglichen und unmöglichen Komplikationen sowie vermeidbaren Fehlern vorstellen. Aus Fehlern lernt man am meisten.

Der Patient kam mit Beschwerden und einer Fistelbildungam Zahn 36. Die Wurzelbehandlung wurde vor einigen Jahren durchgeführt und jetzt stand die Frage Wurzelspitzenresektion oder Extraktion des Zahnes. Der Patient wollte den Zahn erhalten.
36 zeigte einen Perkussionsschmerz okklusal, einen deutlichen Aufbisschmerz, keine erhöhten Sondierungstiefen, keinen Lockerungsgrad und einen palpierbaren Druckschmerz im Bereich der distalen Wurzelspitze 36.

Wir rieten dem Patienten zu einem Erhaltungsversuch mittels endodontischer Revision ohne Wurzelspitzenresektion. Die Erfolgswahrscheinlichkeit schätzen wir auf 50%-70%.

Der Patient wollte den Erhaltungsversuch durchführen lassen.
Das vorhandene Inlay zeigte keine Sekundärkaries, so daß wir uns entschieden dies zunächst zu belassen. Die Entfernung des Kunststoffes aus der früheren Zugangskavität gelang recht einfach. Die Guttaperchastifte waren in dem Compositeblock fest „verankert“. Der erste Guttaperchastift distal ließ sich mit einem grazilen Greifinstrument fassen und entfernen. Ebenso schnell konnte der zweite distale Stift gefasst werden. Allerdings gab es kleinen Ruck beim Entfernen.  In entsprechender Vergrößerung stellte sich zwischen den distalen Foramina ein kleines apikal klemmendes Guttaperchastück dar. Wahrscheinlich der kleine Ruck und durch Spülung und Ultraschalleinsatz transportiert. Der Versuch mit einem modifizierten Microopener die Guttapercha zu fassen misslang. Es verschwand noch weiter nach periapikal. Der versuch mesial die Guttapercha im Ganzen mittels Hedströmfeilen zu entfernen misslang ebenfalls. Auch hier verblieb Guttapercha und wurde wahrscheinlich bei den weiteren Entfernungsversuchen ohne Sicht nach periapikal verlagert. Nach 2,5 Stunden Behandlung eine unschönes Ergebnis. Sollten wir den Behandlungsversuch abbrechen?

Wir besprachen es mit dem Patienten und dieser stimmte einem weiteren Versuch zur Entfernung der Guttaperchareste zu.
Wie es dann weiter geht lesen Sie an dieser Stelle in einer Woche…

Adventskalender 2012 (6): Transparente Zähne

von Olaf Löffler

Der ersten transparenten Zahn, welchen ich selbst nach der Anleitung von Holm Reuver herstellte, hat mich überrascht. Unglaublich, was zu erkennen war. Ein Danke an dieser Stelle an Holm Reuver. Ein wunderschönes Beispiel seiner, man muss schon sagen Kunst findet man hier.

Hier dessen Anleitung:

Material

  • Salpetersäure 5 %ig 500ml
  • Spiritus 1L
  • Methylsalicylat  200m

Umsetzung:

  • Extrahierte Zähne mit Handinstrumenten grob von Weichgewebe reinigen.
  • Verbliebenes Weichgewebe mit NaOCl 3%ig im Ultraschallbad entfernen; dazu die Zähne in ein kleines, verschließbares Gefäß mit NaOCl legen, Vorsicht beim späteren Öffnen, während der Reinigung baut sich etwas Druck auf. Konkrementreste und Zahnstein lassen sich später nach der Demineralisierung einfach abwischen.
  • Falls die äußere Kontur der Wurzel nicht von Interesse ist , kann sie poliert werden (gibt weniger störende Lichtbrechungen bei der späteren Betrachtung) und bei dicken Wurzeln kann das Dentin ausgedünnt werden (die Prozessdauer der einzelnen Schritte des Transparentmachens kann durch das Ausdünnen des Dentins verkürzt werden und das Bild der endodontischen Hohlräume wird klarer); allerdings können mit dem entfernten Dentin auch unbemerkt Seitenkanäle beseitigt oder verkürzt werden und die Topographie der endodontischen Hohlräume kann nicht mehr in ihrer Beziehung zur Wurzeloberfläche beurteilt werden.
  • Entkalkung in HNO3 5%ig; einfach einige Zähne in ein Gefäß (z. B. Plastikbecher) legen und mit der Säure übergießen, so dass der Becher zu einem Drittel gefüllt ist, 2-4 Tage wirken lassen; die erforderliche Zeit hängt von der Dicke des Dentins ab. Die Zähne ab und zu bewegen und die Säure am besten mehrfach auswechseln, denn sie verbraucht sich.  Die Vollständigkeit der Entkalkung mit scharfer Kanüle testen (die Konsistenz ist jetzt wie al dente gekochtes Gemüse); feine Wurzellängsfrakturen, die nach der Extraktion möglicherweise noch verborgen geblieben sind, können nach der Entkalkung oftmals erkannt werden.
  • Wässern durch abspülen mit Leitungswasser.
  • Dehydrieren in Ethanol (Spiritus ist billiger und funktioniert auch); 70%ig beginnen für ca. 1/2-2 Stunden, dann 90%ig und 98%ig für etwa gleiche Zeitspannen abhängig von der Dicke des Dentins.
  • Überführen in Methylsalicylat (Bezug über Apotheke; pur verwenden; Achtung: keine Plastikgefäße verwenden, denn Methylsalicylat ist ein potenter Weichmacher; Filmdosen und medizinische Spritzen und vor allem Glasgefäße sind geeignet). Präparate mit Mull trocken tupfen und hinein in die magische Flüssigkeit; die Zähne werden innerhalb von 1 bis 2 Stunden transparent und können über lange Zeit so aufbewahrt bleiben. Anfangs schwimmen die Zähne und sinken mit fortgeschrittener Penetration des Methylsalicylats zu Boden; falls sie zu Beginn schon untergehen sind sie nicht ausreichend dehydriert (dann noch einmal in reinen Spiritus oder Ethanol 96%) oder nicht ausreichend demineralisiert (dann nochmals rehydrieren und längere Zeit in Salpetersäure).

Ein interessanter Fall eines oberen Moralen (17) anbei. Der Isthmus zwischen dem mesialen und dem palatinalen Kanal war nicht behandelt und führte wahrscheinlich zum Zahnverlust.