Zu geringe Saugstärke …

von Jörg Schröder

… weist das Papier der aktuellen Ausgabe des IEJ auf (Vol 48, Nr. 7 Juli 2015).

Sonst hätte ich es nutzbringend einsetzen können. Zum Stirnabtupfen bei tropischer Wetterlage, zum Beseitigen des überschüssigen Kettenfetts an meiner Fahrradkette oder zum Trocknen der Arbeitsfläche unserer Küche.

Auf 78 Seiten hochwissenschaftlich präsentierte (Nullhypothese, negative Kontrollgruppen, P< 0,001, Chi-Quadrat-Test etc.) Banalitäten. Die Evidenz wird als nicht ausreichend befunden zumeist aber als verbesserungswürdig eingestuft.

Alleine schon der Satz : „Due to the lack of scientific evidence“ hinter jedem zweiten Artikel bringt mich auf die Palme.

Dafür werden aber im Gegenzug nach Befragungen unter deutschen Zahnärzten zur favorisierten Spüllösung in der Endodontie Rückmeldungsquoten von 20,5 % (ist ja auch nur 5 % schlechter als die Recallquote der Toronto-Studie) zu finiten Aussagen „verwurstet“.

„Die Mehrheit der deutschen Zahnärzte (die geantwortet haben) benutzen NaOCl in 3%iger Konzentration.“  Klinische Relevanz für den Leser?

Getoppt wird dieser Knaller an Information durch die Ausführungen der deutschen Autoren, dass Kofferdam in Deutschland ja bei der Verwendung von NaOCl zwingend vorgeschrieben sei, seit den 1950’ern Kofferdam auf dem Lehrplan deutscher Universitäten steht und daher im Fragebogen die Verwendung von Kofferdam gar nicht erst abgefragt wurde. Warum kennen dann die zu uns überwiesenen Patienten den Kofferdam in den meisten Fällen nicht?

Aber nicht nur in Deutschland treibt die Suche nach Evidenz ihr Unwesen. In Schweden fanden Forscher heraus, dass sich die Qualität der durch Durchschnittszahnärzte durchgeführten endodontischen Behandlungsergebnisse, gemessen am PAI-Score, nach dem Absolvieren eines NiTi-Anwendungskurses tatsächlich nicht verbessert hat. Nein! Echt? Als ob diejenigen, die diese Informationen lesen sollten, Zugang zur selben hätten.

Erinnert mich an die Untersuchung eines Kommilitonen von mir, der in seiner Promotionsarbeit tatsächlich herausfand, dass geölte Nadelhalter geringere Auslösekräfte benötigten als ungeölte. Nein!!!!! Echt?????

Dann noch drei Artikel zur Debris-Extrusuion bei reziprokierender Arbeitsweise des Aufbereitungsinstrumentes. Eine stellt fest, dass Arbeitslänge und die apikale Aufbereitungsgröße keinen Einfluss auf die apikale, Achtung!!!, Extrusion von Bakterien haben sollen. Die anderen beiden stellen fest, dass alle Instrumente Debris extrudieren. Ist also egal ob ich die apikale Konstruktion respektiere oder aufreiße, Arbeitslänge auf jeden Fall frei wählbar. Hallo!! McFly!!! Jemand zu Hause???

Hat eigentlich irgendjemand noch Immanuel Kant im Gedächtnis der als Evidenz die anschauende Gewissheit im Sinn hatte?

Wenn Konsens darüber besteht, dass eine apikale Parodontitis eine bakteriell verursachte Erkrankung ist, dann wundert es nicht, dass der Einsatz von NiTi-Instrumenten bei gleichbleibender Desinfektion nichts am Ergebnis ändert. Ist aber noch nicht als solche Erkenntnis wissenschaftlich begründet veröffentlicht worden.

Diese Ausgabe des IEJ war eine vollständige Enttäuschung.

Ok, eine Information die für mich zumindest in die Kategorie „nutzloses Wissen, das bei geeigneter Gelegenheit mein Gegenüber durchaus beeindrucken kann“ fällt, gab es dann doch noch: Wave One Instrumente der Gruppe „Large File“, also 40/08, sind bei D 0 gar nicht 0,4 mm groß sondern nur 0,32 mm.

Nein!!! Echt???

Lee- Block im Selbstbau

von Hans – Willi Herrmann

Als ich zum ersten Mal eine Abbildung des Lee- Block sah

(es war im IEJ oder JOE, ist einige Jahre her, ich habe die Quelle jetzt gesucht, aber auf die Schnelle nicht gefunden, vielleicht kann ein Mitleser helfen),

da dachte ich spontan, „Interessante Idee, muss ich sofort ausprobieren, bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich so gut funktioniert“.

Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt mit den Dovgan MTA- Carriern.
Die funktionierten gut, allerdings musste man peinlichst genau darauf achten, dass die Carrier unmittelbar nach der Anwendung gründlichst von MTA-Rückständen befreit wurden, da ansonsten die dünnen Kanülen sich sofort zusetzten und das teure Instrument damit unbrauchbar wurde.

Für den Lee- Block  hatte ich damals keine Bestellmöglichkeit in Deutschland und so beschloss ich, um auszuprobieren, ob der Lee- Block überhaupt funktioniert, mir ein Testmodell herzustellen.
Ich nahm einen Kunststoff- Plexiglasblock, wie wir ihn als Modell für Wurzelkanäle für die Endo -Fortbildungen verwendeten und schliff Rillen hinein. Mit einem Komet- Diamanten, Typ dünne rote Flamme und alternativ Korund- Trennscheiben setzte ich hierfür ein.

Überraschung 1. Es funktionierte einwandfrei. Überraschung 2: Die Kunststoffblöcke sind sterilisierbar.
Sie werden mit der Zeit gelblich, können aber viele Male wiederverwendet werden, so dass sowohl die geringen Materialkosten für den Block wie auch die Zeit für die Herstellung überkompensiert werden und sich auszahlen.

Warum ich trotzdem einen Lee- Block gekauft habe ?
Ich wollte irgendwann wissen, ob das Original besser ist als die Kopie.
Ist es, das ändert aber nichts am absoluten Gebrauchsnutzen und der Alltagstauglichkeit des Selbstbau – Teils.