Immer gut… reloaded

Von Christoph Kaaden

Hier mal wieder ein Beitrag aus der Rubrik: „Immer gut…“

In der Vergangenheit haben wir (zum Teil „schmerzlich“) lernen müssen, dass es immer gut ist, vor Beginn der zugewiesenen Behandlung ein eigenes „präoperatives“ Röntgenbild zu machen…

diese „Regel“ sollte sich in dem nachfolgenden Fall mal wieder bewähren.

Wir sind von einem unserer Zuweiser gebeten worden die Behandlung dieses oberen Prämolaren weiterzuführen.

Röntgenaufnahme des Zuweisers vor Notdienstbehandlung

Im Vorgespräch eröffnete uns der Patient, dass der Zahn im Notdienst „anbehandelt“ wurde, da ein akutes Schmerzbild bestanden…

Röntgenaufnahme direkt vor der Notdienstbehandlung

Nachfolgend unsere präoperative Röntgenaufnahme, die schnell deutlich macht, dass sich die Behandlung gerade deutlich verkompliziert hatte…

Eigenes Röntgenbild mit zwei Instrumentenfragmenten
Klinische Eindrücke während Fragmententfernung und Kanaldarstellung der beiden bukkalen Kanalsysteme
Masterpoint-Röntgen- und WF-Kontroll-Aufnahme bei Mini-Molaren-Behandlung
Prä-OP vs. post-op- Aufnahmen

Insgesamt hat die Behandlung zwei Stunden umfasst. Aufgrund der sehr koronalen Lage war die Fragmententfernung kein wirkliches Problem. Trotzdem war es, wie immer (sehr) gut, vor Therapiebeginn ein eigenes Röntgenbild angefertigt zu haben…

New kid in town…(I)

Von Christoph Kaaden

Die mögliche Fraktur eines Präparationsinstrumentes während der endodontischen Behandlung zählt zu den unerfreulichen Komplikationen die vorkommen können…

diese Problematik kann und wird jedem Behandler/jeder Behandlerin im Laufe des Berufslebens (mehr oder minder häufig) widerfahren…

Die Frage ist, wie häufig es „passiert“ und wie es zu vermeiden ist…(zur persönlichen Vermeidungsstrategie berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt… )

Wenn es aber um die Fragestellung der möglichen Entfernbarkeit des Fragements geht (egal ob „selbstverschuldet“ oder „alio loco passiert“) ist der Schlüssel zum Erfolg (imho) primär die Visualisierung des Fragments.

Wie würde ihre Strategie in nachfolgendem Fall aussehen?

Was gilt es ggf. zu beachten (zB. zeitliches Management und Kosten der Behandlung etc.. ? ) Welche Technik und welche Hilfsmittel verwenden Sie?

Wo sind deren Limitationen?

Wie ist die Prognose ?

Ich bin auf Ihre Meinungen und Herangehensweisen gespannt…

Routine

Im heutigen Fall handelt es sich um eine reine Routinebehandlung.
Entfernung eines Instrumentenfragmentes und Fremdmaterial aus den Kanälen des Zahnes 25.
Vor 20 Jahren war das mal mein Traum…

In den Jahren 2000-2003 kam die Endodontie immer mehr in mein Blickfeld.  Zu viele Misserfolge haben mich gezwungen das ungeliebte Fachgebiet genauer zu betrachten.

Da gab es solche verrückten Kollegen, die mit einem Mikroskop in den Zahn schauten.
Das klang nicht uninteressant, aber die zu erwartenden Investitionskosten waren für mich utopisch. Es musste einfacher gehen.

Deswegen hatte ich einige Alternativen ausprobiert, wie beispielsweise Depotphorese mit Curapal. Aber auch das ließ die MIßerfolge nicht deutlich weniger werden.

Kupfer-Kalziumhydroxid (Cupral) hat einen 400fach höhere, keimtötende Wirkung) gegenüber herkömmlichen Medikamenten, welche im Wurzelkanal zur Anwendung gelangen, betonte Prof. Knappwost. Ihn hatte ich kontaktiert, weil ich wissen wollte, warum meine Misserfolge nicht dramatisch sinken. Er konnte es mir letztendlich nicht erklären.

Dann hörte ich von diesen neuen Nickeltitaninstrumenten.
Auf einer Dentalmesse erklärte mir eine nette Dame von Dentsply die Vorzüge. Und ich durfte mal am Stand probieren in einem Plastikblock. Es gab Protaper und Profile. Mit dem Protaper hatte ich ganz schnell eine Instrumentenfraktur geschafft. Die Profile waren deutlich weniger aggressiv. Diese bestellte ich sofort.
Am ersten Zahn, den ich behandelte nach einigen Tests am Plastikblock kam ich nicht wirklich vorwärts. Und meine Schlussfolgerung war, mehr Druck, damit die Feile nach unten geht. Die nachfolgende Fraktur hat mich in meiner ganzen weitern Praxistätigkeit nicht mehr losgelassen. Dieser Zahn war mein 100000 Eurozahn.

Viel mehr als diese Summe investierte ich in die nächsten Jahre an Weiterbildung, Geräten und Instrumenten.
Nach 100000 Euro habe ich aufgehört zu zählen. Danach kam noch eine neue Praxis mit Arbeitsplätzen, die mikroskopergonomisch aufgestellt waren.

Was hätte ich damals gegeben um dieses Fragment entfernen zu können.

Nun gehörte ich zu den Verrückten mit dem Mikroskop. Und die Misserfolge sind deutlich gesunken. Leider muß ich sagen, nicht auf Null. Aber wir behandeln Zähne, die ich früher abgewunken hätte. Aber ich weiß auch besser, wo die Grenzen liegen.

Der Weg war lang und hat mich Demut gelehrt. Jede Phase der Überheblichkeit wurde bitter bestraft.
Um so mehr freue ich mich, wenn so ein Behandlunsgfall erfolgreich ausgeht, wie diese routinemäßige und nicht wirklich schwierige Instrumentenentfernung. Die Stufe in diesem Fall zu überwinden, war eher die Herausforderung.

Fragment (1)

Die Patientin wurde uns von ihrem Hauszahnarzt überwiesen. Dieser hatte die Praxis vor kurzem übernommen. Die Patientin stellte sich mit erheblichen Beschwerden vor. Klinisch zeigte sich ein suffiziente Kronenversorgung und eine Fistel, die bereits längere Zeit besteht. Der Zahn 12 zeigt keinen Lockerungsgrad, zirkulär leicht erhöhte Sondierungstiefen zw. 3-4mm und labial einen Palpationsschmerz im mittleren Wurzeldrittel.

Diagnose: 12 Z.n. WKB, P. apicalis mit Instrumentenfraktur

Das ihr verordnete Antibiotikum hatte zum Vorstellungstermin die Beschwerden und die damit einhergehende Schwellung im Sinne eines Abszeßes fast vollständig reduziert.

Anbei unser Ausgangsröntgenbild und eine Fisteldarstellung aus der Überweiserpraxis.

Laut Patientin wurde der Zahn im Jahre 2000 +-5 Jahre zuletzt endodontisch behandelt. Ihr war nicht bekannt, daß ein Instrumentenfragment in ihrem Zahn verblieben ist.

Was für ein Instrument könnte das sein?
Für die orthograde Entfernung des Fragmentes ist diese Frage sehr wichtig.

Quiz du jour 11/17

Von Bonald Decker

 

Liebe „Wurzelspitzler“…

Nachfolgend mal wieder ein „Quiz du jour“…

Eine 48-jährige Patientin wurde uns zur Revision des Zahnes 46 überwiesen.

Kurz zur Anamnese:

  • Z.n. Wurzelkanalbehandlung 1997;
  • Z.n. prothetischer Neuversorgung vor 1,5 Jahren.
  • Seit einigen Monaten Aufbissbeschwerden (=moderates,gleichbleibendes Schmerzbild)
  • weitere klinschen Befunde (Taschensondierung etc.) ohne pathologische Befunde.
  • Weitere Röntgenbilder sind nicht vorhanden

Wie schätzen Sie die Prognose des Zahnes ein?

Welche Herausforderung sehen Sie bei diesem Zahn?

Wie würde Ihre Therapie aussehen?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion…

 

 

Calciumhydroxid- Überpressung (2)

von Donald Becker

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle von einer ausgeprägten Calciumhydroxidüberpressung an der mesialen Wurzel von Zahn 36 berichtet. Hier nun – wie sich die Bilder doch gleichen – ein  weiterer Zahn 36, ebenfalls mit massiver Überpressung von Calciumhydroxid (Metapex, Meta Biomed).  Und auch hier war die Überpressung nicht beabsichtigt.

Die zum Zeitpunkt der Erstvorstellung  41 jährige Patientin suchte unsere Praxis auf Grund einer starken Schmerzproblematik in Regio 36 auf Überweisung durch die Hauszahnärztin auf.

Die endodontische Behandlung gestaltete sich als unproblematisch, die Calciumhydroxidüberpressung war nicht gewollt. Typ 2:1 Konfiguration in der mesialen Wurzel. Lateraler Kanal im Bereich der Kanalvereinigung. Zum Zeitpunkt der WF am 25. Mai 2012 zeigte sich schon eine beginnende Knochenregenation, die mit einer Resorption des Calciumhydroxids einherging. Die Verlaufskontrollen nach 6, 20, 46 Monaten zeigten eine erfreuliche vollständige knöcherne Konsolidierung.

 

 

Und weil so gut ins Thema past, gleich noch 3 weitere Fälle von heute hinterher:

Fall 2
Zahn 46.
Keine Überpressung, aber auch Calciumhydroxid (Metapex, Meta Biomed) als medikamentöse Einlage. Heutige Röntgenkontrolle nach annähernd 4 Jahren, vollständige knöcherne Konsolidierung des apikalen und interradikulären Knochendestruktionsprozesses.

Fall 3

Zahn 46.
Zustand nach WF durch Hauszahnarzt. Apikale Aufhellungen an den Zähnen 46, 47, sowie an Zahn 25.  Überweisung durch einen unserer regelmäßigen Überweiser, einem Oralchirurgen, zu dem der Hauszahnarzt die Patientin geschickt hatte. Die 49 jährige Patientin hatte auf Grund parodontaler Probleme in der Vergangenheit schon eine Reihe von Zähnen verloren, besagter Zahn 25 sichert noch die weitspannige festsitzende Oberkieferversorgung. Nach endodontischer Behandlung des Zahnes 25 wenden wir uns den Zähnen 46 und 47 zu. Calciumhydroxideinlage (Metapex, Meta Biomed) an Zahn 46 für 9 Wochen.
Erste Röntgenverlaufskontrolle heute 6 Monate post WF 46.

Fall 4

Zahn 46.
47 jährige Patientin. Zustand nach WK/WF durch Hauszahnärztin im Mai/Juni 2015 und Metallkeramikrone 46. Seitdem immer wiederkehrende Beschwerden in Regio 46. Calciumhydroxideinlage (Metapex, Meta Biomed) für 16 Wochen. die Kontrollaufnahme zeigt eine vollständige Resorption des Calciumhydroxid bei beginnender knöcherner Konsolidierung sowohl an der mesialen als auch an der distalen Wurzel. Wurzelkanalfüllung mittels plastifizierter Guttapercha und Kerr Pulp Canal Sealer XWT. Überpressung von Wurzelfüllmaterial im Bereich der mesialen Wurzel.

Calciumhydroxid – Überpressung (1)

von Donald Becker

Zweimal Zahn 36.
Zweimal deutliche apikale Aufhellungen.
Zweimal für meine Verhältnisse weit überdurchschnittliche Überpressungen von Calciumhydroxid.

Ich habe kein Problem damit, wenn sich, insbesondere bei größeren und ausgeprägten apikalen Läsionen eine Überpressung von Calciumhydroxid ergibt. Aber in den beiden Fällen, die ich heute und nächste Woche vorstellen möchte, hätte es nicht ganz so viel sein müssen, hätte ich es vorbestimmen können.

Fall 1 habe ich im Jahr 2013 hier und hier zur Diskussion und Abstimmung gestellt.
Ob über den weiteren Verlauf der Behandlung berichtet wurde, weiss ich nicht mehr. Ich habe  gesucht, aber nichts im Archiv gefunden diesbezüglich. Das muss aber nichts heißen, bei 2000 Beiträgen kann auch mal etwas übersehen werden.

Nachfolgend daher (eventuell als Wiederholung) der Verlauf der Behandlung und die Ergebnisse der Nachkontrollen.

Hier zunächst einige Folien zum Behandlungsverlauf:

Als medikamentöse Einlage wurde in diesem Fall Calciumhydroxid (Metapex, Meta Biomed) verwendet. Es wird mit einer Kunststoffkanüle appliziert. An der mesialen Wurzel kam es in diesem Fall zu einer deutlichen Überpressung. Metapex weist gegenüber dem früher von mir verwendeten „Ultracal XS“ Calicumhydroxid- Präparat der Firma Ultradent eine deutlich pastösere Konsistenz auf. In bestimmten Konstellationen kann es wie in diesem Fall zu einem höheren Maß an Überpressungen kommen im Vergleich zu Ultracal XS.

Aber auch bei größeren Überpressungen wie im vorliegenden Fall kommt es fast immer zu einer raschen und vollständigen Resorption des Calciumhydroxides, die naturgemäß mit einer gewünschten knöchernen Konsolidierung einhergeht.

Zur Verdeutlichung der schnellen Resorption des Calciumhydroxids habe ich die nachfolgenden Röntgenbildern nach dem Aufnahmedatum sortiert. Bemerkenswert sind vor allem die rasche Resorption innerhalb von weniger als 3 Monaten zwischen Bild 2 und 3, aber auch die Veränderung innerhalb einer Woche zwischen Bild 3 und 4.

Fall 2 folgt dann nächste Woche.

 

 

Fragmententfernung mit Fragremover

von Donald Becker

Dieses Fragment war ein richtiges Biest.
Und der Kanal, in dem es abgebrochen war, so eng und obliteriert, dass es im nachhinein nicht verwunderte, dass es zum Instrumentenbruch kam.

Hier war guter Rat teuer.
Ein maschinelles Instrument, vermutlich 15.01 oder 15.02,  in Vollrotation in den Kanal eingeschraubt. Auf Kanaleingangsniveau frakturiert.

Anpacken konnte man es nicht. Passieren auf Grund des extrem engen Kanals unmöglich. Nicht mal die Spitze eines ISO 006-, 008-, 010- Instrumentes war noch irgendwo in den Kanal hineinzubekommen.

Und zu versuchen, mittels Ultraschall das Fragment loszubekommen, hätte lediglich zur Zerlegung in kleinere Fragmente geführt.

Bliebe noch die Hohlnadeltechnik, der ich aber in diesem Fall, gerade weil/obwohl ich diesbezüglich über viel Erfahrung verfüge, auf Grund der vorliegenden Besonderheiten wenig Erfolgswahrscheinlichkeit zutraute.

Mit einem Prototyp des Fragremovers gelang die Entfernung.
Es war nicht ganz einfach, diese Schlinge über das Fragment zu ziehen, aber danach gelang die Entfernung sicher und problemlos.

 

2015 Fallvorstellung 2

von Ostidald Wucker

Und noch zwei Fälle aus 2015, welche in meiner Erinnerung hängen geblieben sind.

Bei beiden Fällen haben wir die SAF eingesetzt. Diese gehört seit 2014 zum Standardprotokoll in fast jeder Aufbereitung.
Ausnahmen wären beispielsweise:
– schwer zugängliche Zähne mit geringer Mundöffnung ohne halbwegs geradlinigen Zugang,
– Kanaldurchmesser größer 2mm, bzw. Kanäle in denen die SAF rotieren würde.

Beide Fälle zeigen starke Krümmungen der Zahnwurzeln.

Der erste Fall zeigt ein extrem gekrümmtes Kanalsystem eines unteren Weisheitszahnes. Hier sollte im Überweisungsauftrag der Zahn mit allen Mitteln erhalten werden, da eine Implantation als Alternative nicht in Frage kam.
Die Diagnose lautet: infizierte Pulpanekrose, P. apicalis.
Der Patient wurde über die außergewöhnlich hohe Gefahr der Instrumentenfraktur aufgeklärt und wollte ebenso den Erhaltungsversuch wagen. Die Aufbereitung erfolgte in diesem Fall mit Profile und TwistedFile Instrumenten. Mesiobukkal konnte Patency nicht etabliert werden. Die SAF 1.5 wurde pro Kanal für 4 Minuten auf der gesamten Arbeitslänge nach Aufbereitung bis #25 eingesetzt. Interessant für uns ist die Frage – Wird es zur Heilung trotz fehlender vollständiger apikaler Aufbereitung kommen? Es sieht nicht danach aus.

Im zweiten Fall wurde die apikale Krümmung mit Handinstrumenten und Profilinstrumenten aufbereitet. Die apikale Krümmung konnte  sehr gut mit der SAF bearbeitet werden. Die Aufbereitung distal erfolgte bis #30.
Der Masterpoint distal gelangte überraschend nicht auf die genaue Arbeitslänge. Das Röntgenbild zeigte das Problem. Ein Fragmentenstück der SAF, nicht optisch erkennbar, war die Ursache. Das Entfernen war problemlos unter Einsatz des Eddy und Spüllösung möglich.
An der SAF war selbst haben wir unter mikroskopischer Kontrolle das fehlende Teil nur sehr schwer erkennen können. Bereits vor einiger Zeit haben wir einen ähnlichen Fall beschrieben. Damals konnten wir das apikal gelegene Fragment im Kanal sehen.

 

 

Rekordhalter

Von Bonald Decker

Geht es nach einem ansässigen Radiosender, dann ist München nicht nur die schönste Stadt der Welt, sondern auch eine Stadt der Rekorde: Das größte Volksfest, der erfolgreichste Fußballclub…

Ab kommendem Montag sind die Hörer der Station angehalten Rekordhalter zu finden, die bisher noch keiner kennt!

Bei der Behandlung des nachfolgenden Falles musste ich zwangsläufig an diese „Aktion“ denken…

Laut Zuweiser war bei dem Revisionsversuch an Zahn 13 ein Wurzelkanalinstrument frakturiert. Wir wurden daher gebeten dieses zu entfernen und die Behandlung weiterzuführen…

so weit, so gut.

Hier das uns zugesandte Röntgenbild:

Ausgangsröntgenbild (alio loco) – Laut Zuweiser handelt es sich um ein Nickel-Titan-Instrument der Größe 040

Meine erste Reaktion bei dem Anblick des Bildes war:

„Stimmt. Das nenne ich mal ein ordentliches Fragment“.

Für dessen Entfernung war hilfreich, dass es zu grossen Teilen in Guttapercha eingebettet war.

Blick in Zugangskavität mit in Guttapercha eingebetteten Fragmentkopf

Mittels Ultraschall gelockertes Fragment

Entferntes Fragment

Fragmentlänge 15mm

Zustand nach Fragmententfernung – Kontrollröntgenaufnahme

Mit einem Fragremover wäre es aber ggf. schneller gegangen… ;-)

Abschlussröntgenbild nach Wurzelkanalfüllung und Glasfaserstift-Kompositversorgung; Arbeitslänge 28mm;apikaler Aufbereitungsdurchmesser ISO 060

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Fall in den Augen der Radiostation als möglicher Rekordhalter in Betracht kommt. In unserer Praxis nimmt die Fragmentlänge von 15 Millimeter auf jeden Fall mit grossem Abstand Platz 1 in der Liste der bisher entfernten Fremdkörper ein…

„bietet“ jemand mehr?

 

Fragremover – Jetzt oder nie !

von Hans – Willi Herrmann

Bei dem Einen oder Anderen mag der Eindruck entstanden sein, durch die Entwicklungen der letzen 10 Jahre sei die Entfernung eines Fremdkörpers (Instrurmentenfragment, Silberstift, Thermafil- Carrier) aus dem Wurzelkanal leicht und vorhersagbar geworden. Sorry, wenn ich jetzt irgendwelche „rosaroten“ Luftblasen platzen lassen muss, aber-  nein, das ist es nicht.

Mag sein, dass man etwas entspannter die Sache angehen kann, wenn es nicht das eigene Instrumentenfragment ist, dass entfernt werden soll, aber selbst für diese Fälle gilt: Niemand weiss und kein präoperatives Röntgenbild gibt auch nur einen arbiträren, ja nicht einmal einen rudimentären Anhaltspunkt, ob die Fragmententfernung gelingen wird oder nicht. Und selbst wenn man nach zum Teil elendig langer Zeit es schaffen sollte, besagten Fremdkörper zu entfernen, dann ist noch nicht gesagt, mit welchem Substanzverlust die „erfolgreiche “ Entfernung verbunden war, welche Kompromititerung sich aus dieser Zahnsubstanzschwächung für die mittel- und längerfristige Prognose des Zahnes ergibt.

Unter diesen Vorzeichen sollten demnach 2 Dinge immer im Bewußtsein sein. Erstens- das von mir seit vielen Jahren den Kollegen auf meinen Fortbildungen ans Herz gelegte bon mot: „Der beste Weg, ein frakturiertes Instrument aus dem Wurzelkanal zu entfernen, ist, es gar nicht erst abzubrechen“ hat weiterhin uneingeschränkte Gültigkeit.

Und zweitens – Sollte uns jedes Mittel recht sein, dass die Fragmententfernung, einfacher, schneller, zuverlässiger, vorhersagbarer macht.

Der Fragremover ist so ein Hilfsmittel.

Man sollte nun meinen, dass es ein Leichtes wäre, die Kollegen für diese Idee zu begeistern und das in der Pipeline befindliche Gerät zur Marktreife zu bringen.

Dem ist leider nicht so.
Die Gründe dafür sind vielfältig und sind zum Teil der Tatsache geschuldet, dass die Entwickler (der Fragremover wurde Marcus Leineweber und Nils Widera erdacht und konzipiert, später trat noch Stephan Gäbler diesem Entwicklerteam bei) halt Zahnärzte sind, Tag für Tag in ihren Praxen stehen und nur in ihrer wie bei jedem von uns viel zu kurz bemessenen Freizeit sich diesem Projekt widmen können. Vorkenntnisse, wie man ein solches Unterfangen sinnvollerweise angeht, fehlen. Die finanziellen und organisatorischen Vorleistungen sind erheblich. Die Unterstützung durch die Industrie ist nicht existent, was der Tatsache geschuldet ist, dass man, vom Gerät selbst abgesehen, keine Verdienstquellen sich verspricht. Und es gibt ähnliche Geräte, bei denen der Hersteller versucht, über den Geräteverkauf hinaus ein Nachfolgegeschäft zu generieren.  Die Kosten für die benötigten Geräteansätze sind exorbitant, entsprechen dem branchenüblichen „Dentalaufschlag“, der Assoziationen mit mittelalterlichen Raubrittergebärden aufkommen lässt.

Hat der Fragremover – alll dies berücksichtigend – eine Chance ?

Eins steht mit Sicherheit fest.
Wird das Projekt heuer nicht zustande kommen, ist das Fragremover Geschichte. Man sollte sich vor Augen halten, dass die Entwickler gebrauchsfähige Prototypen besitzen, die es Ihnen erlauben, in ihrer Praxis vom Nutzen des Geräte zu partizipieren. Wer also jetzt nicht die Chance ergreift, der hat möglicherweise zukünftig keine Gelegenheit mehr dazu. Jede Leidensfähigkeit eines noch so enthusiatischen Erfinders hat irgendwann eine Grenze.

Das Verrückte ist:  Im Rahmen der Crowdfounding – Phase wird das Gerät gegenwärtig zu einem Preis angeboten, der für niemanden ernsthaft einen Grund darstellen kann, das Gerät nicht zu kaufen. Mein Endo- Aktivator – (möchte ihn jemand günstig erwerben)  hat deutlich mehr gekostet. Das Ruddle Post Removal System – das die meiste Zeit einen Platz im „Mohr´schen Praxisschrein“ der nutzlosen Zahnarztpraxisgegenstände belegt – ein Vielfaches. Selbst wenn das Projekt zustande kommen sollte. So günstig wie jetzt wird es den Fragremover nie wieder geben.

Ich bestelle jedenfalls hiermit verbindlich „meinen“ Fragremover. In der Hoffnung, dass sich zumindest 49 andere Kollegen finden lassen, die es mir gleichtun.

Noch eine Anmerkung zum Gerät an sich. Der Fragremover ist keine Wunderwaffe. Sie werden weder jedes Instrument damit entfernen können, noch wird es auf Anhieb  „im Spaziergang“ gelingen. Übung macht auch hier den Meister und ein Mikroskop ist meines Erachtens Grundvoraussetzung. Auch werden gegebenenfalls mehrere Kanülen notwendig sein, um die Entfernung durchführen zu können. Um so mehr ein Grund, auf dieses System zurückzugreifen, dass kostengünstig Kanülen verfügbar macht. Was nützt ein Konkurrenzprodukt, dessen Kanülenbedarf pro Jahr den Kaufpreis eines drakischen Kleinwagens übersteigt. Und noch ein Insider- Tipp. Wer den Fragremover schätzen gelernt hat, der wird sich – sobald er die Vorzüge des Gerätes kennengelernt hat – ein zweites Gerät zulegen, um im Bedarfsfalle ohne Unterbrechung weiterarbeiten zu können. Hier werden vermutlich viele den Kopf schütteln, aber durch den günstigen Preis lässt sich die Mehrinvestition nach kurzer Zeit überkompensieren. Wer weitschauend plant, ordert also jetzt 2 Geräte zum Vorzugspreis.

So – das Thema ist vermutlich durch hier. Vielleicht noch ein paar Fallbeispiele der Erfinder. Die nächste Info zum Gerät an sich wird dann entweder das Gelingen oder Scheitern des Projektes beinhalten.

Kolleginnen und Kollegen – Jetzt oder nie !

Disclaimer
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

8 auf einen Streich

von Ronald Wecker

Vor etwa 3 Monaten habe ich an dieser Stelle über die etwas überraschend verlaufende Fragmententfernung aus diesem 47 berichtet.

Heute nun das Ergebnis nach zwei Behandlungssitzungen.

Nachdem in der ersten Sitzung 7 von 8 in den mesialen Kanälen befindlichen Instrumentenfragmente entfernt werden konnten, sah es hinsichtlich der Entfernung des letzten verbliebenen Fragmentes nicht sehr rosig aus.

Zwar konnte das Fragment über den ML geradeso mit einer Handfeile ISO 008 passiert werden, das deutlich vernehmbare „Knattern“ während des Passierens führte jedoch zu einem stark erhöhten Ruhepuls beim Behandler. Da die beiden mesialen Kanalsysteme v-förmig konfluieren wurde folgendes Vorgehen geplant:

Zunächst sollte aus ML kommend das Passieren mit vorgebogenen Handinstrumenten weiter fortgesetzt werden. Mit etwas Geduld konnten die Instrumente der Größe 008, 010, 012, 015 und 017 am Fragment vorbeigeführt werden. Anschließend wurde dieser manuelle Gleitpfad mit Hyflex-Instrumenten 15/04, 20/04 und 25/04 vollrotierend erweitert.

Den vorübergehenden Abschluss der rotierenden Aufbereitung in ML bildete die Hyflex 20/06.

Die Idee war, zunächst im ML etwas Raum zu schaffen, die ein geringes Verlagern des Fragmentes aus MB nach ML ermöglicht. Die Verlagerung wurde mit einer vorgebogenen Handfeile ISO 008 erzielt, die nach einigen Versuchen aus MB kommend am Fragment vorbeigeführt werden konnte. Bereits der erste nachfolgende schallunterstützte Spülvorgang war von Erfolg gekrönt: Das stark gebogene Fragment konnte aus den mesialen Kanälen herausgelöst werden.

Die starke Krümmung des Fragmentes lässt vermuten, dass die apikal der Konfluation befindlichen Fragmente 2-7 das Instrument, aus dem dann Fragment 8 wurde, so deflektiert hatten, dass es aus MB kommend in koronaler Richtung in  ML eingedrungen und anschließend frakturiert ist.

Erfreulich, dass die im präoperativen Bild zu diagnostizierende deutliche apikale Aufhellung bereits nach initialer Behandlung und medikamentöser Einlage mit CaOH2 stark rückgängig ist.

Wann ist ein DVT sinnvoll ? – Fortsetzung Beitrag 13.12.2013

von Donald Becker 

Wann ist eine DVT sinnvoll ? In diesem Beitrag vom Dezember 2013 wurde ein Fall vorgestellt, den ich vermutlich in meiner Prä- DVT – Zeit  als nicht DVT – notwendig eingestuft hätte. Die überweisende Hauszahnärztin schlug vor, ein DVT vorab anzufertigen, da ihr ein Instrument im Wurzelkanal frakturiert war.

Nachfolgend ein DVT- Video und ergänzende Sreenshots des Falles, das zeigt/die zeigen, dass es sich nicht nur um ein, sondern um zwei Fragmente handelt. Darüber hinaus sieht man einen mittleren mesialen Kanal und eine Radix entomolaris.  Die Gegenüberstellung zweidimensionaler und dreidimensionaler Röntgenbilder macht deutlich, welche dieser Befunde inwieweit in den jeweiligen Aufnahmen zu erkennen sind.

und wieder ein Recall

von Ostidald Wucker

Die Patientin lebt für einige Zeit in Deutschland. Die Erstbehandlungen erfolgten in Japan.

Die Frontzähne zeigten eine stark erhöhte Aufbissempfindlichkeit. Die Patientin wurde uns von einem Kieferchirurgen überwiesen. Dank dessen Fachverstand erfolgte keine WSR.

Die metallenen Aufbauten unter den Frontzahnkronen wurden entfernt. Anschließend wurde die abgebrochene Feile dargestellt.
Die Hedströmfeile war nicht so einfach entfernter, da diese beim eindrehen sehr stark verkeilt wurde. Offensichtlich wurde damals beschlossen dies als verschraubte Wurzelfüllung zu belassen.
Nach Instrumentenentfernung erfolgte der präendodontische Aufbau und die Aufbereitung der Kanäle. Danach wurden provisorische Kronen inseriert.
Nach einer abschließenden Desinfektion und vorhergehender Zwischeneinlage mit CaOH wurden die Zähne mit Guttapercha in einer thermischen Obturationstechnik verschlossen.

Die Patientin hatte nach der Behandlung beschlossen alle weiteren endodontischen Behandlungen bei uns durchführen zu lassen. 36 ( Sekundärkaries/Wurzelkaries) und 34 (Längsfraktur) waren leider nicht erhaltbar. 47 war bereits entfernt. 45 konnten wir endodontisch versorgen.

Endo- Paro – Läsion

von Mesantiab Sanns

Die Patientin stellte sich wegen einer Fistel Regio 14 bei uns vor, die Taschentiefenmessung von 8mm mesial an Zahn 15 ließ schnell auf eine parodontale Beteiligung schließen. Zahn 15 ist seit einigen Jahren der distale Brückenpfeiler zu Zahn 13.
Die Ausgangsaufnahme wurde mit eingebrachter Iso15 Guttaperchaspitze, die sich ohne Widerstand fast komplett in den Fistelgang hat einbringen lassen, gemacht.
Nach der Röntgenaufnahme wurde ein 2. Kanalsystem vermutet, welches den Ausgang nach mesial in Richtung Regio 14 haben könnte, da dort die größte röntgenologische Aufhellung zu sehen ist.
Der palatinale Kanal wurde initial mit ProFile, final mit WaveOne revidiert. Nach Ausdehnung der Zugangskavität Richtung bukkal wurde tatsächlich ein zweites Kanalsystem gefunden und analog zum pal. Kanal aufbereitet. Interessanterweise lag hier eine deutliche Stufenbildung mit Instrumentenfragment im unteren Kanaldrittel vor, welches auf der Ausgangsaufnahme nicht zu erkennen war (evtl. überlagert durch in Fistelgang eingebrachte Guttaperchaspitze???). Die nur ca. 1,5mm lange Instrumentenspitze ließ sich erst nach ca. 30 Minuten mittels Ultraschall entfernen, was einen zeitlichen Mehraufwand für die Behandlung bedeutete, da ich Fragment und Stufe nicht erwartet hatte.
Nach elektrometrischer Messung (buc:16,5mm, pal:19mm) wurde Calciumhydroxid eingebracht und provisorisch Verschlossen, im Anschluss die PAR-Behandlung an 15 durchgeführt.
Nach 3 Wochen war kein Fistelmaul mehr zu entdecken, nach erneuter Messung und Ausformung der beiden Kanäle wurde mit NaOCl, Zitronensäure und CHX aktiviert gespült und thermoplastisch verschlossen. Gut zu sehen ist die abgefüllte Stufe des bukkalen Kanals, ein kleiner Seitenkanal wurde zusätzlich ausgepresst. Anschließend adhäsiver Verschluss und orthoradiale und exzentrische Röntgenaufnahme.
Obgleich der eher eingeschränkten Prognose des Zahnes wegen der großen Knochendefekte und Fistelbildung wagten wir den Versuch zur Erhaltung des Zahnes und somit der Brückenversorgung. Die Patientin ist beschwerdefrei und wird sich in 4-5 Monaten zur Kontrollaufnahme wieder in der Praxis einfinden, wir werden sehen was uns das Röntgenbild zeigt.


Abschließend hätte uns im Vorfeld evtl. eine weitere Ausgangsaufnahme ohne eingebrachte Guttaperchaspitze helfen können Stufe und/oder Fragment zu entdecken und somit eine bessere zeitliche Planung erlaubt.

Für Anregungen, Diskussionen und Kritik bin ich immer zu haben.

Viele Grüße aus dem Taunus,

Mesantiab Sanns

Anatomie eines Feilenbruches – Teil 2

von Noel Schabrack

Hier ging es los. Heute der 2. Teil.
So, die Feile war nun dargestellt. Zumindest der obere Ende war im mesio-buccalen Kanal zu erkennen.

Eine gespitzte NSK E5 Ultraschall-Spitze wurde aufgeschraubt und los ging es mit dem zirkulären Freilegen der Feile. Ich mache es ohne Wasser, die Helferin pustet den entstehenden Staub mit dem Luftbläser weg, so dass ich gut sehen kann, was ich gerade mache.
Schon nach kurzer Zeit war die Feile nicht mehr zu sehen. Also Spülung und wieder trockenen.
Die Feile war immer noch nicht zu sehen.

Mögliche Ursachen:

  • die Feile hat sich schon gelöst und ist herausgeflogen – bei der Lage und Länge der Feile eher unwahrscheinlich, ausserdem sieht man das normalerweise
  • die Feile liegt anders als vermutet

Wenn die Feile anders liegt als vermutet, muss man wieder suchen.
Aber wo?

Erste Frage:
Wo liegt sie sicher nicht?
Das ist relativ leicht zu beantworten.
Sie wird nicht buccal liegen, da im unteren 7er, wenn er zwei Wurzeln hat – und Hinweise auf drei oder mehr Wurzeln gab es auf dem Röntgenbild nicht, der mb Kanal eine starke Krümmung nach zentral aufweist.
Die mesiale und distale Richtung kann man mit dem Röntgenbild ausschliessen.

Also muss ich nach zentral weitersuchen. Der Kanaleingang wurde mit dem Rosenbohrer nach zentral erweitert – und schon war die Feile wieder zu sehen.

Nun musste die Feile weiter freigelegt werden. Es wird wieder zirkulär Dentin abgetragen. Sobald buccal vom Fragment Dentin abgetragen wurde, und ein Freiraum entstand, drückte sich das Fragment wieder nach buccal an die Wand. Das heisst ganz klar, dass das Fragment gebogen ist, und es sich gerade richtet, sobald es die Möglichkeit dazu hat.
Das heisst aber auch, dass, wenn buccal weiter Dentin abgetragen wird bis das Fragment spannungsfrei ist, buccal mit Sicherheit die Wurzel perforiert wird.
Also muss das Dentin dort abgetragen werden, wo die Perforationsgefahr am geringsten ist. Und das ist an der Innenkurvatur des Fragmentes.

So wurde das Fragment freigelegt, indem nach zentral Dentin abpräpariert wurde. Nach einiger Zeit hat sich das Fragment im Kanal entspannt und es lag locker, es kam jedoch nicht um die Kurve, erst nach weiterem Substanzabtrag konnte sich die abgebrochene Feilenspitze ganz lösen.
Im Laufe der Freilegung wurde klar, wie stark die Krümmung des Kanals nach zentral wirklich war.
Anschliessend wurde mit NaOCl desinfiziert und als Medikament Calciumhydroxid eingelegt. Zum nächsten Termin wird nochmals desinfiziert und abgefüllt.

Anatomie eines Feilenbruchs – Teil 1

von Noel Schabrack

Heute mal wieder eine Überweisung zur Fragmententfernung. Die Patientin stand mittags um 12.00 Uhr in der Praxis, sie komme direkt vom Kollegen aus dem Nachbarort, er habe gerade eine Endo-Feile abgebrochen, es sei noch eingespritzt, ob man die gleich entfernen könne. Sie hatte ein Rö dabei.
Theoretisch, ja.
Praktisch eher nicht, obwohl gerade am Spätnachmittag ein 90 min Termin abgesagt wurde.

Zuerst mal Aufklärung.
Risiken, Erfolgschancen, Kosten.
Anschliessend die geforderten 24 h Bedenkzeit.

Da wird es schwierig mit „sofort“.
Die Patientin wurde aufgeklärt und mit einem Termin nach Hause entlassen.

Zum vereinbarten Termin wurde nochmals ein Röntgenbild angefertigt.
Anschliessend erfolgte unter Kofferdam der erneute Zugang, Korrektur der Trepanationsöffnung, da diese viel zu klein war, Darstellung der Kanaleingänge und deren Erweiterung um einen gerade Zugang zu erreichen.
Dabei wurde ausgiebig gespült, um freie Sicht zu haben, denn Debris war auch noch genügend in den Kanälen.
Die Darstellung des Fragmentes erfolgte mit Gates-Bohrern und einem abgeschnittenen Gatesbohrer, um ein Plateau am oberen Ende des Fragmentes zu erreichen.
In keinem Kanal, auch nicht in den schon aufbereiteten konnte Patency hergestellt werden.

Wenn man liest wieviel Vorbereitung noch notwendig war, nur um das Fragment darzustellen, fragt an sich, ob diese Arbeiten nicht schon vor der Aufbereitung notwendig gewesen wären.
Sagen wir mal so:
Wenn die Vorarbeiten gemacht worden wären, wäre die Feile – wahrscheinlich – nicht gebrochen.

So wie es aussieht wurden hier grundliegende Regeln nicht beachtet, was dann in der Summe – und vielleicht auch noch in Kombination mit einem wiederaufbereitetem Instrument – zur Fraktur führte:

  • die Trepanationöffnung war zu klein, sie war zwar lang, aber viel zu schmal
  • die Kanaleingänge waren somit auch nicht begradigt
  • es wurde zu wenig gespült, sodass noch viel Debris im Kanal war und man nichts sehen konnte

Die Feile musste schon um zwei starke Kurven um überhaupt in den Kanal zu gelangen. Zuerst nach mesial, um den Eingang zu erreichen, dann nach lateral, um in den Kanal zu kommen.
Man kann davon ausgehen, dass ein so einem Fall (endständiger Zahn 47, aufgrund der zu kleinen Trepanationsöffnung muss die Feile von distal eingeführt werden, um nur in die Nähe des mesiobuccalen Ofificiums zu kommen, keine Sicht, somit keine Kontrolle) die Feile erst nach mehrmaligen Fehlversuchen in den Kanal eingeführt werden kann. Dies bringt zusätzlichen Stress auf die Feile und begünstigt einen Ermüdungsbruch.

Dann kommt noch die eigentliche Kanalkrümmung dazu, die bei diesem Zahn stark Richtung zentral geht.
Eigentlich hatte die Feile keine Chance.

Die Mutter aller WF – Revisionen – Recall nach 5,5 Jahren

von Donald Becker

Den nachfolgenden Fall habe ich immer „die Mutter aller WF – Revisionen“ genannt, weil er eigentlich alle Schwierigkeiten, die es im Rahmen einer WF Revisionen geben könnte, auch wirklich enthält.

11 an der Zahl.

Der überwiesene Patient, GKV versichert, hatte , nachdem wir den Zahn 37 wurzelkanalbehandelt hatten, mehrmals nachdrücklich darum gebeten, den vor etwa 8 – 10 Jahren endodontisch behandelten und zeitweilig symptomatischen Zahn 36 mit

  • Fistel
  • Apikalen Aufhellungen
  • Lateraler Aufhellung
  • Interradikulärer Aufhellung
  • Wurzelstift
  • Via Falsa / Perforation
  • Vorhandenes Instrumentenfragment
  • insuffizienter Wurzelfüllung
  • Stufen, Verblockungen,Obliterationen
  • 9 mm Tasche

durch eine Wurzelkanalrevision zu erhalten.

Ich hatte dies, mit Hinweis auf ein Implantat als in diesem Fall vorhersagbarerer und sichererer Versorgungsform 3 mal nacheinander abgelehnt, aber der Patient kam immer wieder, so dass ich schließlich in den Versuch des Zahnerhaltes einwilligte.

Mittlerweile sind 5,5 Jahre seit WF vergangen.
Die Zähne 37 und 36 sind mit Metallkeramikkronen und der Zahn 35 ist mit einer direkten Kompositrestauration versehen.

Das aktuelle Kontrollröntgenbild von vorletzter Woche zeigt eine vollkommene knöcherne Ausheilung aller ehemals vorhandener Knochendefekte.

Ein schönes Ergebnis und ein wirklicher Grund zur Freude für Patient und Behandler.

Nur eines macht mich nachdenklich.
Wäre es nicht fair, wenn der Patient, der die gesamte endodontische Behandlung aus eigener Tasche gezahlt hat, von seiner Krankenkasse angesichts des Heilungserfolges den Teil der Kosten übernommen bekäme, der in der der GKV für die endodontische Behandlung eines solchen Zahnes vorgesehen ist ?

…tiefer Fall

von Bigidald Wucker

Die Patientin kam mit dem Wunsch die Brücke und den Zahn  zu erhalten. Eine frühere Implantation scheiterte und nun lag die letzte Hoffnung im Zahnerhalt.
Diagnose:  Sekundärkaries, infizierte Pulpanekrose, P. apicalis, Fistelbildung, kombinierte Paro-Endo Läsion, Bifurcationsbefall Grad 1, Fragment mesial.

Die Prognose war kritisch zu sehen. Trotzdem wurde von Patientenseite ein Zahnerhaltungsversuch mit allen Mitteln gewünscht, da eine nochmalige Implantation von chirurgischer Seite abgelehnt wurde. Grund war ein erhöhte Nikotinkonsum.

Nach Brückenentfernung war ein großer ausgedehnter kariöser Defekt erkennbar.

Take Our Poll

Wenns mal richtig eng ist

von Hans – Willi Herrmann

Schwierige Wurzelkanäle sind ja unser täglich Brot, aber der erste Kanal von heute morgen hatte es richtig in sich. Es war der wohl am schwierigsten zu instrumentierende Kanal (per se, also ohne Fremdeinwirkung) seit langem.

Ein Zahn 27.
Brückenpfeiler, der Überweiser erhofft den Zahnerhalt, denn die Brücke ist neu und beim Verlust wäre die Verstimmung des Patienten vorprogrammiert.

Wenig interokklusale Distanz.
Handinstrumente müssen vorgebogen werden, um überhaupt in die Kanäle eingeführt werden zu können.

Der distobukkale Kanal ist so eng, dass es nicht möglich ist, auch nur ein ISO 010 – Instrument mehr als 2  mm einzuführen. Also maschinell erweitern ? Immerhin geht ein ISO 006 –  Instrument 6 mm tief.
Aber wie ?
Ein ProFile 25.04 dringt nicht weit genug vor, ein Mtwo 25.06 in GYT frakturiert unmittelbar nach initialem Einführen.

Danach erst mal 23 Minuten (für die Kanalaufbereitung unproduktive)  Fragmententfernung.
Dann ist der Kanal wieder frei.

Nun aber stellt sich die Frage – Wie weiter vordringen  ?

Zunächst der Versuch der GYT mit einer ProTaper F2, wie es Yared propagiert.
„Bricht nicht“, sagt Ghassan.
Mag sein.
Aber es gibt auch kein Vorankommen. Nicht einmal annähernd auf Arbeitslänge.

Nächster Versuch: Single Length.

3 Instrumententypen stehen zur Auswahl: Mtwo, Flexmaster und PathFile.
Ich wähle eine PathFile, weil diese  mir am wenigsten bruchgefährdet erscheint.
Sie erreicht mühelos ihr Ziel.

Wie weiter ?
Bei der Mtwo 10.04 oder 15.05, mit denen ich gut koronal erweitern könnte, ist mir das Frakturrisiko in diesem Fall zu groß.

Eine Mtwo 20.06 muss schon relativ weit oben schwere Aufbereitungsarbeit leisten.
Ich breche ab und wechsele zu Bio Race. Dieser Zahn erscheint mir ideal, um die verschiedenen Systeme miteinander zu vergleichen.
Wie werden sich  die Race – Instrumente  im Kanal schlagen ?

Feile 1 geht gut auf Arbeitslänge.
Feile 2 dringt nicht automatisch auf Arbeitslänge vor.
3 mm vor dem Ende  müsste ich abrupt deutlichen Druck aufwenden, ein größerer Widerstand ist spürbar.

Zu groß.
Ich ziehe das Instrument zurück.

Und kehre zurück zu Mtwo.
Und siehe da, die 15.05 und 20.06 läuft, zwar nachhaltig im Kanal arbeitend, aber ohne Schwierigkeiten bis auf Arbeitslänge. Danach ist alles kein Problem mehr. Mtwo 25.06 und 30.05 vollrotierend, Mtwo 35.06 reziprok in GYT.

Fazit:

1. Die PathFiles haben wie nicht selten in der letzten Zeit bewiesen, dass sie eine Erweiterung des Instrumentensortiments sind und in bestimmten Fällen eine entscheidende Erleichterung sein können. Sie sind mittlerweile fester Bestandteil meines Erschließungskonzeptes in den entsprechenden Fällen.

2. GYT schützt nicht grundsätzlich vor Instrumentenbruch und kann in sehr engen Kanälen ineffizient sein.

3. Die Mtwo – Feilen haben letzendlich den Erfolg gebracht. Ihre Effizienz ist auch nach der langen Zeit, in der ich mit diesen Instrumenten arbeite, noch  beeindruckend und es zeigt sich nachwievor die Ausnahmestellung dieser Instrumente. Die Race – Feilen konnten im vorliegenden Fall die Chance nicht nutzen, sich  gegenüber den Mtwo -Instrumenten vorteilhaft in Szene setzen.