von Hans – Willi Herrmann

Soll heißen, es wird immer häufiger unter Endointeressierten darüber gesprochen.
Macht man sich die Mühe, einmal ein wenig genauer über den Ausdruck selbst und das, was diese Instrumente im Wurzelkanal an Aufbereitungsarbeit verrichten, nachzudenken, wird schnell offenbar, das die Namensgebung für die verwendeten Instrumente unpräzise und widersprüchlich gewählt ist.
Nachdenklich sollte auch machen, dass, obwohl viel darüber geredet wird, eigentlich niemand genau stande pede eine Definition des Begriffs „Gleitpfad“ geben kann. Auf meine Frage an diejenigen, die den zwischenzeitlich schon zur Mode gewordenen Begriff „Gleitpfad“ im Gespräch verwenden, wie denn bitte schön ein solcher „Gleitpfad“ zu definieren sei, habe ich bis heute nur in den seltensten Fällen eine adäquate Antwort bekommen.
Nachfolgend also eine/meine Definition des Begriffs Gleitpfad:
Ein „Gleitpfad“ ist demnach…
… der Zustand eines Wurzelkanals, der es ermöglicht, ein vollrotierendes Nickel- Titan- Instrument ohne Fraktur, Stufenbildung oder Verblockung auf Arbeitslänge zu bringen.
Solch ein Gleitpfad kann von Natur aus existieren oder er muss manuell präpariert werden.“
Hans- Willi Herrmann
Ihre Verwendung soll den gefahrlosen Einsatz nachfolgend zu benutzender größerer vollrotierender Nickel – Titan – Instrumente ermöglichen.
Genaugenommen sicherstellen, dass diese Instrumente nicht frakturieren.
Denn darum geht es hauptsächlich (oder eigentlich sogar ausschließlich), da dürfen wir uns nichts vormachen.
Ein wenig schizophren ist das schon, dass wir die im apikalen Bereich frakturierte (und wenn auch noch so kleine) Instrumentenspitze als Behandlungsfehler anprangern (was sie nicht sein muss), ein verblockter Wurzelkanal jedoch weitestgehend in der zahnärztlichen Öffentlichkeit und darüber hinaus erst recht unbeachtet bleibt.
Aber das ist eine andere Baustelle, zurück zum frakturierten Instrument.
Legt man die oben genannte Definition des Gleitpfades als Basis weiterer Ausführungen zugrunde, wird klar, dass ein „Gleitpfad – Instrument“ immer dann gefahrlos den Weg nach apikal findet, wenn der Wurzelkanal als solcher dies zulässt.
Der Erfolg eines Gleitpfad – Instrumentes ist also nicht die Folge der Erschaffung eines solchen, sondern vielmehr lediglich das Resultat und defacto der Beweis der Existenz eines bereits vorab vorhandenen Gleitpfades per se.
Denn- auch Gleitpfad- Instrumente können frakturieren.
Grundsätzlich kennen wir Torsionsbrüche und Ermüdungsbrüche. Letztere sind auf Grund der hohen Flexibiliät der Gleitpfad- Instrumente zu vernachlässigen. Wenn demnach ein Instrumentenbruch auftaucht, dann können wir hier von einem Torsionsbruch ausgehen. Die Spitze des Instrumentes klemmt sich irgendwo ein, der Aufbereitungsmotor, dessen niedrigster Drehmomentgrenzwert viel zu hoch ist für die äußerst fragile Insturmentenspitze ist, dreht weiter, in Sekundenbruchteilen frakturiert das Instrument.
Warum ich das schreibe ?
Nennen sie es das Wort zum Pfingstmontag.
Maschinelle Gleitpfadinstrumente sind kein Allheilmittel.
Und folgt man unreflektiert ihrem Namen und den Versprechungen der Hersteller so lässt man sich ein auf eine vermeintliche, eine falsche Sicherheit, die das Instrument im Zweifelsfalle nicht liefern kann.
Wer also meint, auf Handinstrumente zur initialen Erschließung von Wurzelkanälen verzichten zu können, geht zwangsläufig ein höheres Risiko ein, Instrumente zu frakturieren. Punkt. Mag sein, dass der Einsatz eines Gleitpfadinstrumentes das Risiko des Bruchs eines konventionellen Nickel- Titan – Instrumentes verringert. Und in der Hand eines Erfahrenen mag das Bruchrisiko so oder so gering sein. Aber das war es bislang auch schon. Diese Zielgruppe wusste vorher schon, wie im Einzelfalle, einfach oder schwierig, zu verfahren sei.
Problematisch hingegen erscheint mir der Trend, diese „maschinellen Gleitpfad – Instrumente“ (sie merken im Übrigen, das mir nicht nur der Begriff „maschineller Gleitpfad“ sondern auch der Terminus Gleitpfad- Feile fast schon körperliche Schmerzen bereitet, denn das vollrotierend eingesetzte Instrument ist keine Feile, sondern ein Bohrer) Zahnärzten als besseres Hilfsmittel gegenüber Handinstrumenten zur initialen Erschließung von Wurzelkanälen anzudienen.
Gewiss, die initiale Erschließung von Wurzelkanälen ist techniksensitiv.
Aber gerade deshalb muss es das Ziel sein, den Kollegen diese Arbeitsschritte so nahezubringen, dass ein gleichermaßen sicheres wie effizientes Arbeiten möglich ist, statt ihnen ersatzweise ein vermeintliches „todsicheres“ und „kinderleichtes“ Ersatzinstrument anzudienen.
Wer weiß, was und wie etwas im Wurzelkanal zu tun ist, für den sind solche Instrumente zur „Initialen Rotierenden Aufbereitung“ eine sinnvolle Ergänzung des Einsatzinstrumentariums.
Wer nicht über ein solches Wissen verfügt, aber glaubt, von nun an auf das kleine ABC der Wurzelkanalaufbereitung verzichten zu können, wird erneut frustran scheitern.