Adventskalender 2015 – 1. Dezember

von Hans – Willi Herrmann
WOG-1Ich möchte auch in diesem Jahr die Adventszeit zum Anlass nehmen, Geräte/Instrumente/Materialien, die sich in unserer endodontischen Praxis besonders bewährt haben, auszuzeichnen. Das Augenmerk liegt dabei besonders auf den Newcomern, also denjenigen Dingen, die 2015 erstmalig bei uns zum Einsatz kamen und die wir  innerhalb kürzester Zeit so ins Herz geschlossen haben, dass wir nicht mehr darauf verzichten wollen.

Eröffnen möchte ich den bunten Reigen (im Hintergrund läuft gerade im Radio Ponchiellis Tanz der Stunden aus  „La Giaconda“; das bewirkt zwangsläufig die blumigen Redewendungen) mit den Wave One Gold – Instrumenten der Firma Maillefer.

Über die Vorzüge dieser Instrumente habe ich im September, unter anderem mit beigefügtem Video hier berichtet und in jenem Artikel auch schon eine Reihe von Gründen genannt, warum ich diese Instrumente so schätze. Seitdem sind weitere 3 Monate vergangen und die Wave One Gold haben ihren Stammplatz im Team weiter ausgebaut. Zu Lasten der VDW MTwo- Instrumente, wohlgemerkt, mit denen ich seit nunmehr bald 12 Jahren standardmäßig arbeite. Und das alleine ist schon einmal eine Ansage.

An zwei Beispielen der letzten Woche möchte ich den besonderen Nutzen herausstellen:

Zum einen behandelte ich einen Unterkieferprämolaren mit einem im zentralen Kanal tiefer intrakanalär abgehenden zweiten lingual gelegenen Kanal.  Ich habe ein gelbes Wave One Gold- Instrument vorgebogen und bin dann tastend im Kanal nach unten, bis ich das Instrument mit der Spitze in den Kanaleingang einführen konnte.  Bei deutlichem  Widerstand erfolgte dann die Betätigung des Anlassers und los ging es mit der maschinellen Aufbereitung. Weitere Instrumente nun einzuführen ist von nun an nach dieser initialen Bearbeitung deutlich einfacher möglich, wenngleich weiterhin die vorgebogenen größeren Wave One – Instrumente von Vorteil sind. Auf konventionellem Wege hätte ich hier deutlich weiter nach vestibulär aufziehen müssen. Auch die maschinelle Aufbereitung wäre deutlich schwieriger gewesen.

Zweiter Fall.
Ein Zahn 27 bei extrem eingeschränkter Mundöffnung und extrem geringer interokklusaler Distanz. Selbst Instrumente von 21 mm Arbeitslänge liessen sich nicht einführen, weder mit Handstück noch von Hand. Hier war guter Rat teuer. Letzendlich war es möglich, die Wave One Gold Instrumente vorzubiegen, um dann unter Sicht die Instrumentenspitze des gebogenen Instrumentes in den Kanaleingang einzulochen. Danach erfolgte wieder die Betätigung des Anlassers und die maschinelle Aufbereitung der Wurzelkanäle. Es ist in diesem Zusammenhang im Übrigen sehr erfreulich , dass die Aufbereitung bis 35/100 mm mit 3 Instrumenten durchgeführt werden konnte. In solche schwierigen Situationen ist jedes Instrument, das nicht benutzt werden muss, ein riesiger Vorteil.

Eingehen möchte ich noch auf folgende Fragen, die ich in diesem Beitrag zur IDS 2015- Neuheit „Wave One Gold“in den Raum gestellt habe:

„Bliebe nun der Acid- Test: Die Bewährung in der tagtäglichen Praxis.

Ist Wave One Gold genauso fehlerunanfällig wie Reciproc ?
Genauso wenig bruchanfällig ?
Was ist in den Fällen, in denen Reciproc nicht/nicht optimal auf Arbeitslänge geht ?
Wird Wave One Gold hier eventuelle Vorteile ausspielen können ?“

Nach mehr als einem halben Jahr tagtägliches Arbeiten mit diesen Instrumenten kann ich sagen: Es kam bislang zu keiner Instrumentenfraktur eines Wave One Gold- Instrumentes. Ich persönlich halte die VDW Reciproc 25- Instrumente für weniger bruchanfällig als die Wave One Gold 20 und 25.

Bislang klinisch zum Tragen kam dies nicht.
Ich rate aber dennoch sicherheitshalber dazu, in schwierigen Kanälen die Instrumente während der Benutzung routinemäßig auf Aufdrehung hin zu untersuchen (kommt immer mal wieder  in schwierigen Kanälen vor) und dann gegebenenfalls auszutauschen.

In Fällen, in denen eine VDW Reciproc 25 nicht auf Arbeitslänge geht, leisten die gelben und roten Wave One Gold – Instrumente gute Dienste. Diese Art der Hybrid- Technik ist zur Routineanwendung in unserer Praxis geworden.

Ich möchte nicht mehr darauf verzichten wollen.

 

 

Hoffentlich Allianz versichert ?

von Hans – Willi Herrmann

Die Patientin brachte letzte Woche zur ersten endodontischen Behandlungssitzung ein  Schreiben der Allianz- Krankenversicherung mit.

Es bezog sich auf unseren Heil- und Kostenplan, den wir anläßlich einer WF- Revisionsbehandlung erstellt und der Patientin zur Abklärung der Kostenübernahme ausgehändigt hatten. Das die Notwendigkeit eines DVT´s im Rahmen der endodontischen Behandlung grundsätzlich verneint wurde, ohne dass irgendjemand vorhandene Röntgenbilder begutachtet hatte, ist peinlicher Offenbarungseid des „Nicht Zahlen Wollens“ aber nichts Neues.

Zusätzlich jedoch wurde die Erstattung der VDW Flexmaster- und VDW MTwo- Instrumente negiert. Als Untermauerung dieser Vorgehensweise wurde ein gemeinhin bekanntes, weil in diesem Zusammenhang vor 2012 oft zitiertes Gerichtsurteil von 2004 angeführt. Spätere erlassene Urteile, die die privaten Krankenversicherer zur Erstattung verurteilten, wurden nicht aufgelistet.

Seit Inkrafttreten der GOZ 2012   dürfen anfallende Materialkosten, Nickel- Titan- Einmalinstrumente betreffend, dem Patienten in Rechnung gestellt werden können. Eine begrüßenswerte wie längst überfällige Neuerung,  verwende ich in meiner Praxis doch schon seit 2002 alle endodontischen Instrumente als Ein-Patienten- Instrumente.

Dabei ist es unerheblich, ob der Hersteller eine Wiederaufbereitung für dieses Instrument rein technisch als möglich erachtet: Ich verwende alle Instrumente nur bei einem Patienten, weil nur so eine Kreuzkontamination mit Prionen als Auslöser der Creutzfeldt- Jakob- Krankheit sicher ausgeschaltet werden kann.

Des weiteren werden im vorliegendem Fall einer schwierigen Revisionsbehandlung die frakturgefährdeten Nickel- Titan- Instrumente sehr stark beansprucht, so dass insbesondere bei den kleinen Größen gegebenenfalls sogar mehrere Instrumente gleicher Größe zur Anwendung kommen müssen, um das Aufbereitungsziel zu erreichen. Auch dabei spielt keine Rolle, ob der Hersteller das Instrument als Einmalinstrument deklariert hat oder eine Wiederaufbereitung grundsätzlich für technisch möglich hält. Durch die starke Beanspruchung wird das Instrument zwangsläufig im Laufe des Arbeitens zum Einmalinstrument.

Was nun tun, die verweigerte Kostenübernahme betreffend ?
Mit der Versicherung diesbezüglich korespondieren und hoffen, dass – den genannten Argumenten folgend – doch noch eine Kostenübernahme, die Flexmaster- und MTwo – Instrumente erfolgen wird ?

Oder – auf andere, allerdings deutlich teurere, vom Hersteller von vorneherein als Einmalinstrument konzipierte Instrumente zurückgreifen – deren Kostenerstattung aus rein formalen Gründen die Versicherung sich nicht entziehen kann.

Dies wäre der einfachere Weg.

Ich werde beides tun und berichten, für welche Lösung die Allianz sich entscheiden wird.

Wave One Gold – „We have a winner…“ IDS – Neuheiten 2015 (2)

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt nie nur EIN Aufbereitungssystem.
Nie DAS EINZIGE Instrument für eine bestimmte Ausgabe.

Nehmen wir die maschinellen Gleitpfadinstrumente, die Orifice Shaper, die Instrumente zur finalen apikalen Ausformung.

Immer sind es mehrere Systeme, die zur Auswahl stehen.
Und sehr oft ist es vor allem auch eine Sache der persönlichen Vorlieben, ob ich mich nun für das eine oder das andere Instrument entscheide.

Auch von den reziproken Systemen gibt es gegenwärtig zwei Instrumente, die miteinander konkurrieren.
Maillefer Wave One und VDW Reciproc.

Für mich zumindest gab es hier bislang aber kein „sowohl als auch“. Es waren also keine Nuancen, die den Auschlag gaben, warum ich in den letzten Jahren mit Reciproc gearbeitet habe, sondern vielmehr fiel der Unterschied so eklantant zugunsten von Reciproc aus, dass selbst kostenlose Instrumente mich nicht davon hätten überzeugen können, auf Wave One umzusteigen.

Mit VDW Reciproc arbeite ich im Übrigen grundsätzlich sehr gern und in jedem einzelnen Fall. Seit 2011 bis heute.

Es ist damit nach Profile (1996 – 2001), Lightspeed (1997 – 2001), Protaper (2001 – 2004) und MTwo (2004 – heute)  erst das 5. System überhaupt, das sich dauerhaft in meiner Praxis etablieren konnte. Und das, obwohl ich vermutlich so gut wie jedes in dieser Zeit in Deutschland erhältliche System getestet habe.

Warum ich das schreibe?
Weil es demnach etwas Besonderes ist, wenn das in der Praxis etablierte System einen Nachfolger erfährt. Die Entstehung von Reciproc und Wave One habe ich von 2008 an intensiv mitverfolgen können. Und war als jemand, der seine persönliche  Entwicklung zum Endodontisten Anfang und Mitte der Neunziger ausschließlich mit Maillefer- Instrumenten genossen hat – Maillefer steht für mich  als markenprägendes Endo – Synonym wie Tesa- Film oder Melitta – Kaffeefilter – schlichtweg enttäuscht, dass  die Schweizer ein meines Erachtens ihrer „Heritage“ nun so gar nicht gerecht werdendes Produkt wie Wave One auf den Markt gebracht haben.

Aber – „RI -CO-LA –  wer hat´s erfunden, die Schweizer „- Maillefer wäre nicht Maillefer, wenn diese nicht mit der sprichwörtlichen Schweizer Gründlichkeit sich auf ihren Hosenboden setzen, ihre Hausaufgaben machen würden.

Und jetzt mit einem neuen Produkt zurück sind.
Maillefer Wave One Gold.

Neues Instrumentendesign – an ProTaper Next angelehnt.

Also Quader- Querschnitt, Swagger- Effekt, demnach zwei Schneidekanten.
Variable Taper.
Neue Instrumente (20,25,35,45).

Und eine neue Legierung – wärmebehandelt (goldfarben, daher der Name), plastisch verformbar, hochflexibel.

Ein – zugegeben nur erster  Side by Side- Vergleich mit VDW Reciproc (es gab beim OPL- Treffen nur ein Wave One Gold- Instrumentenmuster, daß ich mir für die Praxis aufgespart habe)   zeigt mir:  Sehr interessantes System.
Hätte möglicherweise das Potential, VDW Reciproc in unserer Praxis abzulösen.

Und das ist – siehe meine Aufzählung von oben  – eine bemerkenswerte Aussage.
Eine Ansage.

Bliebe nun der Acid- Test: Die Bewährung in der tagtäglichen Praxis.
Ist Wave One Gold genauso fehlerunanfällig wie Reciproc ?
Genauso wenig bruchanfällig ?
Was ist in den Fällen, in  denen Reciproc nicht/nicht optimal auf Arbeitslänge geht ?
Wird Wave One Gold hier eventuelle Vorteile ausspielen können ?

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Wann ist ein DVT sinnvoll (3) – Zahn 36 mit radix entomolaris und Instrumentenfragmenten – Die WF

von Donald Becker

Zwischenzeitlich ist die Behandlung des hier und hier vorgestellten Zahnes 36 abgeschlossen und ich möchte über den Verlauf der Behandlung informieren und das Behandlungsergebnis im Röntgenbild darstellen. Man kann trefflich darüber streiten, ob man nicht auch ohne DVT die radix entomolaris und den „middle mesial canal“ aufgefunden und bearbeitet bekommen hätte.  In besagtem Fall war ich zumindest erstaunt darüber, wie wenig, um nicht zu sagen gar nicht sich klinisch einen Hinweis auf die radix entomolaris finden liess. Der reguläre distale Kanal lag zudem –  wie im DVT – Screenshot links zu sehen –  mittig zwischen den beiden mesialen Kanälen ohne Verbindung auf Pulpakammerniveau.  Ein Befund, der im Normalfall die Existenz eines weiteren Kanals unwahrscheinlich erscheinen lässt.

In der mesialen Wurzel gelang es, die Instrumentenfragmente zu passieren. Nach Aufbereitung des regulären distalen Kanals bis 60.04 und der anderen Kanäle bis 35.06 wurde nach medikamentöser Einlage schließlich mit der Wurzelkanalfüllung die endodontische Behandlung, sowie in darauf folgender Sitzung mit der  postendodontischen Stabilisierung die Gesamtbehandlung in unseren Händen abgeschlossen. Die Behandlung in Röntgenbildern finden sie in der nachfolgenden Galerie:

Wann ist ein DVT sinnvoll ? – Fortsetzung Beitrag 13.12.2013

von Donald Becker 

Wann ist eine DVT sinnvoll ? In diesem Beitrag vom Dezember 2013 wurde ein Fall vorgestellt, den ich vermutlich in meiner Prä- DVT – Zeit  als nicht DVT – notwendig eingestuft hätte. Die überweisende Hauszahnärztin schlug vor, ein DVT vorab anzufertigen, da ihr ein Instrument im Wurzelkanal frakturiert war.

Nachfolgend ein DVT- Video und ergänzende Sreenshots des Falles, das zeigt/die zeigen, dass es sich nicht nur um ein, sondern um zwei Fragmente handelt. Darüber hinaus sieht man einen mittleren mesialen Kanal und eine Radix entomolaris.  Die Gegenüberstellung zweidimensionaler und dreidimensionaler Röntgenbilder macht deutlich, welche dieser Befunde inwieweit in den jeweiligen Aufnahmen zu erkennen sind.

Duplizität der Ereignisse – Neuer Pfeil im Köcher

von Donald Becker

Just zu dem Zeitpunkt, an jenen Freitag, an  dem Jörg Schröder hier bei WURZELSPITZE von seinen positiven Erfahrungen  mit den Hyflex CM – Feilen berichtete, saß ich an einem Zahn 36, der mir bei der WF – Revision große Schwierigkeiten bereitete.

Vermutlich die härteste Nuss des Jahres bislang.

Und dieser Umstand war nur am Rande der Tatsache geschuldet, dass zunächst die vorhandene ThermaFil -Wurzelfüllung mit ihren in den Kanal gerammten Kunststoffstiften entfernt werden musste, sondern lag vielmehr in den massiven Stufenbildungen und Verblockungen in allen 4 Kanälen begründet.

Nach 2 Stunden Arbeitszeit hatte ich immerhin in 3 von 4 Kanälen apikale Durchgängigkeit hergestellt. Es fehlte nun noch der mesiobukkale Kanal. Mesiolingual hatte sich eine Wurzelkanallänge von 21 mm herausgestellt, mesiobukkal lag die Stufe bei 15 mm. 6 weitere Millimeter fehlten demnach.

Als ich endlich, nachdem ich fast schon nicht mehr daran geglaubt hatte, den Kanaleingang fand und mit vorgebogenen Handinstrumenten ISO 006 – 015 die Arbeitslänge erreicht hatte, versuchte ich, mit vorgebogenen Hyflex CM – Feilen, die ja für eine solche Situation besonders geeignet erscheinen, den Wurzelkanal aufzubereiten.

Mein Plan war es, das vorgebogene 15.04er Hyflex CM- Instrument über die Stufe hinweg in den Kanal einzuführen, dann das Endo- Winkelstück anzuklipsen und maschinell die weitere Kanalaufbereitung durchzuführen.

Wider Erwarten jedoch gelang es mir nicht , das Hyflex CM – Instrument auch nur ein einziges Mal über die Stufe hinwegzuführen. Auch nicht nach noch so viel vergeblichen Versuchen. Letztendlich ging ich dazu über, wie gewohnt in solchen Fällen Zug um Zug größer werdend konventionelle Greater Taper NiTi – Instrumente vom Typ ProFile und MTwo vorgebogen einzusetzen.  Mit denen war es mir, wie gewohnt in solchen Fällen, ohne Probleme möglich, die Stufe zu überwinden, um danach in mühevoller vorsichtiger Sisyphus – Arbeit von Hand die Kanäle zu erweitern, bis endlich das erste gerade Niti -Instrument eingeführt werden konnte. Zwischen den einzelnen NItI – Instrumenten immer wieder durchgeführte Checks mit dem Hyflex CM ergaben ausnahmslos  das niederschmetternde Ergebnis, dass dieses Instrument nicht seinen Weg über die Stufe hinweg fand.

Fazit: Auch beim nächsten Mal werde ich zunächst die Hyflex CM – Feile zum Einsatz bringen, wohlwissend, dass das Instrument funktionieren kann, aber nicht muss. Hyflex CM – die Wunderwaffe ?
Offensichtlich nicht. Zumindest nicht in diesem Fall, im Gegenteil.

Neue(r) (P)feil(e) im Köcher

von Ronald Wecker

Schon das Betrachten des präoperativ angefertigten Röntgenbildes  verhiess eine spannende Begegnung. Die mesiale Wurzel diese 16 war deutlich nach distal gekrümmt und die nach der Krümmung verbleibende Wurzelkanalstrecke war lang.

Auch werden die Vorzüge der Anfertigung eines eigenen Röntgenbildes bei zur endodontischen Behandlung überwiesenen Patienten deutlich. Im Bereich des distalen Pulpakammerbodens sind deutlich kleine röntgenopake Fremdkörper zu erkennen, die sich in der klinischen Betrachtung als bei der alio loco erfolgten Initialbehandlung dorthin verschleppte Metallpartikel erwiesen. Vor Instrumentierng der Kanleingänge wurden diese unter optischer Kontrolle durch großvolumige Spülung entfernt.

Die zunächst erforderliche Modifikation der Zugangskavität ermöglichte einen geraden Zugang zu allen Kanalsystemen. Der nicht dargestellte MB2 lag deutlich unter der mesialen Randleiste. Während die Aufbereitung von P und DB bis auf die etwas über dem Normalen liegende Arbeitslänge von 24 mm unaufregend war, zierten sich MB2 und vor allem der bereits „anbehandelte“ MB1 deutlich.

Nach koronaler Erweiterung und anschleissendem langem Scouten mit vorgebogenen Handinstrumenten der Größe 006, 008 und 010 konnte mit den in unserer Praxis gerne eingesetzten Path-Files nach einiger Zeit Patency erzielt werden.

Die Messaufnahme zeigt jedoch, dass die wahre Hürde noch vor uns lag: Um die lange Strecke nach der Krümmung in MB1 und das multiplanar gekrümmte und sehr enge MB2-System vorhersagbar obturieren zu können, musste eine ausreichend weite und getaperte Aufbereitung erfolgen.

Welchem Instrument sollte ich vertrauen? Meine über viele Jahre geliebten RaCe- Instrumente gibt es seit der Umbenennung in Bio-RaCenicht mehr in allen Durchmessern.

Auf der letzten DGET-Jahrestagung hatte ich Hyflex-Feilen von Coltene erworben, die ich bisher nur für die Überwindung von Stufen in stark gekrümmten Kanalsystemen verwendet hatte.

Die zur Verfügung stehenden Durchmesser und Konizitäten ermöglichen eine fein abgestimmte Aufbereitung, sodass in diesem Fall die mesialen Kanäle bis 30/06 erweitert werden konnten. Die taktile Rückmeldung ist dabei eine für mich sehr angenehme und ist etwas „weicher“ als bei ProFiles des Tapers 04. Der Abtrag ist sehr effizient und die mittels ProFile 02 endometrisch überprüfte Dimensionsgenauigkeit der Aufbereitungsweite entspricht meinen Erwartungen.

Obwohl nicht mehr ganz neu auf dem Markt möchte ich in Zukunft die Hyflex-Feilen nicht mehr in meinem „Instrumenten“-Köcher missen.

Nicht unerwähnt soll allerdings bleiben, dass ich die Feilen nach Anwendung an einem Patienten verwerfe.

Frakturierte Instrumente entfernen – noch ein Werkzeug

Von Winfried Zeppenfeld

Frakturierte Instrumente sind immer ein Ärgernis (vor allem, wenn man sie selbst abgebrochen hat), in jedem Fall aber eine endodontische sportliche Herausforderung . Dieses frakturierte Instrument (etwa 5 mm einer MTwo 04/10) ließ sich leicht darstellen und mit Ultraschall lockern. Schon kurz nach der Freilegung bewegte es sich etwa 0,5 mm auf und ab. Unglücklicherweise war die mesiolinguale Wurzel dieses 46 ausgesprochen stark gekrümmt und das gelockerte Instrument ließ sich nicht aus dem Kanal entfernen, weil es immer wieder an die Außenseite der Kurvatur dieses stark gekrümmten Kanals stieß und sich dadurch seiner Entfernung widersetzte. Straight line access hätte einen subcrestalen Zugang erfordert und war deshalb keine sinnvolle Option. Ich habe versucht, das Instrument um die Ecke zu bugsieren und mit der Schlingentechnik nach Michael Arnold herauszuziehen – leider vergeblich. Mein Versuch mit einem ultrafeinen Draht von Nils Widera war ebenso frustran.

Ein Versuch, das Instrument in eine Kanüle anzukleben und so herauszuziehen scheiterte ebenfalls, weil zwischen der Kanüle und dem Instrument ein so großer Winkel war, dass das die Kanüle sich nicht über das Instrument schieben ließ. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass mir eine Hand fehlte: ich hätte eine Hand gebraucht, um den Spiegel zu halten, eine weitere, um die Schlaufe über das Instrument zu bugsieren und eine dritte, um die Drahtschlaufe beim Herausziehen in Position zu halten.
Als nächsten Versuch habe ich eine Sonofeile von Acteon an der Spitze zu einem „U“ gebogen, dieses U hinter die Instrumentenspitze gemogelt und dann Ultraschall aktiviert. Eine Zehntelsekunde später war das Instrument durch die Vibration draußen, nachdem ich vorher 45 min vergeblich herum getrickst hatte.
Wahrscheinlich würde statt des „U“ auch reichen, die Spitze rechtwinkelig umzubiegen, so dass sie gerade hinter das frakturierte Instrument gedreht werden kann.

Gelockertes frakturiertes Instrument, das gegen die Außenseite der Kurvatur stößt und sich dadurch nicht entfernen lässt

 

 

 

 

An der Spitze zum „U“ gebogen Sonofeile mit dem entfernten Instrument

Video Maschinelle Arbeitsbewegungen bei vollrotierenden Nickel – Titan – Instrumenten

von Hans – Willi Herrmann

Die „Echternacher Springprozession“ ist nach bald 15 Jahren schon so etwas wie Allgemeingut geworden, aber ich bin am Wochenende gefragt worden, ob es eine Möglichkeit gäbe, das  im Rahmen des Curriculums der DGET gezeigte Video zum Thema sich noch einmal in Ruhe anschauen zu können und dieser Bitte komme ich gerne nach.

Im Nachfolgenden also ein Video zu maschinellen Bewegungen bei vollrotierenden Nickel- Titan – Instrumenten. Es zeigt pickende und bürstende Bewegungen ebenso wie besagte „Echternacher Springprozession“ und im Vergleich zur Original MTwo- Arbeitsbewegung des „simultanous shaping“ meine Alternative für Fortgeschrittene, den „Echternacher Pinselstrich“.

BIG FIVE – Endodontie

von Olaf Löffler

Im endodontischen Bereich haben sich in den letzten Jahrzehnten neue Möglichkeiten der Behandlungsdurchführung eröffnet.

Die „Big Five“ der modernen Endodontie in unserer täglichen Praxis sind:

– die elektronische Längenmessung,
– der Einsatz des Dentalmikroskops,
– die Verwendung von vollrotierenden oder reziprok rotierenden Nickeltitaninstrumenten
– die ultraschallgestützte Spülung zur hydrodynamischen Präparation
– die digitalen Röntgentechnologien

Natürlich könnten jetzt auch Materialien, wie MTA oder der präendodontische adhäsive Aufbau und der Einsatz von Kofferdam genannt werden. Dies sind Dinge, welche aus unserem Behandlungskonzept nicht wegzudenken sind. Aber besonders entscheidend sind für mich die oben aufgeführten Dinge.

In der kleinen Umfrage haben unsre Leser die Möglichkeit Ihre „big five“ zu benennen.
Vielen Dank für Ihre Mitarbeit.

Take Our Poll

Gewinner 2012

von Hans – Willi Herrmann

Es ist Anfang Januar. Das Jahr hat gerade begonnen. Und schon gibt es Gewinner 2012 ? Sollten wir nicht über die Gewinner 2011 reden ? Werden wir, in einem weiteren Beitrag, aber schon heute scheint festzustehen, wer die Gewinner 2012 sein werden. Es sind die Hersteller von endodontischen Nickel – Titan – Instrumenten, denn in der GOZ 2012 werden die Kosten von Nickel – Titan Einmalinstrumenten als berechnungsfähig genannt. Kaum bekannt, knallten da vermutlich Sektkorken im Hause der NiTi – Hersteller, denn diese Entwicklung wird zwangsläufig den Kauf von Ni -Ti – Instrumenten vorantreiben.

Und der  Zahnarzt hat nun beim PKV- Patienten die Möglichkeit, NiTi – Instrumente mehrmals zu verwenden, diese aufwändig zeit- und kostenintensiv  wiederaufzubereiten und die Instrumente auch noch aus eigener Tasche zu zahlen oder aber Einmalinstrumente zu verwenden und die Kosten dafür  der PKV in Rechnung zu stellen.

Man muss kein herausragender Prophet sein, um die Konsequenzen dieser Entwicklung vorhersagen zu können. Der Absatz an NiTi – Instrumenten wird weiter steigen.

Apropos Prophezeiungen – Hier noch zwei Mutmaßungen, die sich dem „test of time“ stellen müssen. Kann sein, dass ich falsch liege, wir werden sehen.

1. Um die SAF – Feile war es in der letzten Zeit sehr still geworden. Wurde  vor und kurz nach Markteinführung  den hier bei WURZELSPITZE vorgetragenen kritischen Sichtweisen zur SAF- Feile energisch widersprochen und eine neue Ära der Wurzelkanalaufbereitung herbeibeschworen, so scheint heute vieles von dem, was an möglichen Problemen genannt worden war, in der Tat sich bewahrheitet zu haben.

Ich persönlich sehe weiterhin in der SAF- Feile ein interessantes Mittel zur Reinigung von Wurzelkanälen. Man kommt aber nicht umhin, festzustellen, dass diesem Instrument der große Markterfolg bisher verwehrt blieb. Hier spielt nicht nur, aber auch der hohe Preis dieser Feile von über 40 Euro eine Rolle.

Dieser Pferdefuss ist seit dem 01.01.2012 weggefallen. Es besteht also kein Grund mehr, aus Kostengründen das System abzulehnen. Mal schauen, ob sich  dieser Umstand  in einer Revitalisierung des SAF- Systems äußert. Ich bin weiterhin zurückhaltend diesbezüglich, am Preis der Feile liegt es aber von nun an jedoch definitiv nicht mehr. Schafft die SAF – Feile nun den Durchbruch ? Wenn nicht, dann wirft dies das System auf längere Sicht nachhaltig zurück.

2. Ursprünglich stand hier etwas ganz anderes. Aber unmittelbar nach Erscheinen des Beitrags hat ein Kollege hat mich in seiner ihm eigenen, ebenso tiefgründigen wie unnachahmlichen Art  via Email darauf hingewiesen, man solle nicht die PKV auf Ideen bringen, auf die dort keiner von alleine kommen würde.

Und wie recht er hat, der Kollege.
Ich werde vermutlich schon in Rente sein, bevor bei der PKV irgendjemand sich die GOZ 2012 diesbezüglich einmal genauer anschaut.  Die lesen doch die neue GOZ höchstens ganz oberflächlich, jede Wette.

 

 

 

IDS 2011 Rückblick 2 – Neue NiTi – Feilen – HyFlex CM (Coltene)

von Hans – Willi Herrmann

Endodontisch sicherlich die meiste Beachtung fanden auf der diesjährigen IDS die Maillefer Wave One – Feile und die VDW Reciproc – Feile.

Wir haben hier im Vorfeld schon des öfteren berichtet über diese Feilen, nichts Neues also und so habe ich, die Zeit war knapp, beide Systeme bei meinem Messerundgang ausgelassen. Für mich neu hingegen  war die HyFlex CM – Feile von Coltene.

Eine Feile der 4. Generation, also mit Wärmebehandlung des Nickel – Titan – Ausgangsmaterials.

Und mit einer neuen Variante dieser „Veredelung“ des Materials.

Hatten wir bisher enorme Flexibilität (Twisted Files) und hohe Ermüdungsbruchresistenz (GTX, Wave One, RECIPROC) so weist (Zitat aus der Werbebroschüre) die HyFlex CM NiTi-Feile Dank eines speziellen Produktionsverfahrens  im Gegensatz zu handelsüblichen NiTi-Feilen fast keinen Rückstelleffekt auf und ist deshalb extrem flexibel. Somit kann sich die Feile optimal an die Kanalanatomie anpassen und reduziert die Risiken einer Via Falsa, Verlagerung des Kanalzentrums oder Perforation des Kanals erheblich.

Nun gut, dass war jetzt bislang auch nicht gerade das Problem mit NiTi – Instrumenten, aber 2 Aspekte an diesen Feilen sind sehr wohl interessant. Zunächst, ich zitiere noch einmal den Werbetext…

Dieser kontrollierte Rückstelleffekt (Controlled Memory) erlaubt auch ein Vorbiegen ähnlich wie bei Edelstahl-Feilen. Speziell bei extrem gekrümmten Wurzelkanälen ein entscheidender Vorteil, der eine Stufenbildung vermeidet.

Ich sehe das ein wenig anders.  Die Feile hat im Gegensatz zu den üblichen NiTi – Feilen keinen Rückstelleffekt, dass heißt, wenn ich sie verbiege, bleibt sie verbogen und stellt sich nicht wieder gerade.  Möglicherweise ist diese nicht vorhandene Rückstellung im stark gekrümmten Wurzelkanal von Vorteil. Was zu beweisen ist. Mit Sicherheit jedoch erlaubt uns die Feile, damit um Stufen drumherumzuarbeiten. Also – die vorgebogene Feile über die Stufe bringen, und dann – idealerweise das Instrument auf den Motor aufpoppen und maschinell weiterarbeiten. Wenn ich das in der Vergangenheit gemacht habe, dann immer unter Adrenalin und auf ein glückliches frakturfreies Ende hoffend. Ich bin gespannt, ob dies in solchen Situationen mit der HyFlex  nun stressfrei durchgeführt werden kann.

Und da wäre noch ein Killer – Feature, verspricht zumindest die Coltene – Werbung: HyFlexTM CM NiTi-Feilen reagieren bei extremem Widerstand mit Verlängerung der Spiralen, was eine Verblockung im Kanal vermeidet und die Bruchfestigkeit massiv verbessert.

Ganz ehrlich, da glaub ich erst dran, wenn ich es mit eigenen Augen sehe, denn es widerspricht allem, was wir bislang von RNTI wissen.

Was man allerdings sehen kann, ist, dass ein Aufdrehen des Instrumentes schnell rückgängig gemacht werden, indem man die HyFlexTM CM NiTi-Feile erwärmt, sei es durch Autoklavieren oder im Glasperlensterilisator.  Die Feile nimmt sofort ihre ursprüngliche Form wieder an. Bleibt die Feile nach der Wärmebehandlung verbogen oder aufgedreht, so ist das als Signal zu werten, die Feile nicht mehr einzusetzen und auszutauschen. Sagt Coltene.

Ich bin gesapnnt, wie sich die Feile im Wurzelkanal schlägt. Bisherige Erfahrungen mit ähnlichen Feilen haben gezeigt, dass diese sich gegenüber den konventionellen Feilen unter Belastung im Wurzelkanal wesentlich schneller aufdrehen und damit unbrauchbar werden.

Vielleicht macht die HyFlex CM durch ihre Möglichkeit der Reaktivierung eine Ausnahme, wer weiss ? Ich werde auf jeden Fall am Montag als Erstes überprüfen, ob unser seit  mehr als 15  Jahren nicht mehr benutzter Glasperlen – Sterilisator noch in der Praxis vorhanden ist. Ich befürchte, wir haben ihn weggeworfen….

RECIPROC® – One File Endo

von Hans – Willi Herrmann

Gestern habe ich auf die Wave One Feile hingewiesen.
Via ROOTS kam noch am selben Tag der Hinweis auf entsprechende Infos und Videos zur VDW Reciproc im Netz.


 

Wave One – Reziprokes RNiTi – Instrument von Maillefer

von Hans – Willi Herrmann

Seit ein paar Tagen finden sich auf der Homepage von Maillefer detaillierte Informationen zum  Wave One – Instrument, welches  ebenso wie das  VDW Reciproc – Instrument die von Ghassan Yared vorgestellte nichtkontinuierliche, teilweise rückgeführte Rotationsbewegung verwendet.

Sieht nach einer runden Sache aus. Und das mein ich jetzt nicht allein  bezogen auf den   Aufhänger der Werbe -Broschüre.

Ich bin zuversichtlich, dass viele Anwender, sobald sie sich mit dieser Technik erst einmal vertraut gemacht haben, den Nutzen und die Vorteile der reziproken Arbeitsweise für ihre endodontische Aufbereitung entdecken werden.

Das wird nicht über Nacht sein, weil schon so viele Leute mit  konventioneller rotierender NiTi – Aufbereitung arbeiten und für die neue Technik ein spezieller Antrieb erforderlich ist, dessen Anschaffung man zunächst scheuen wird.
Aber diejenigen, die sich darauf einlassen,  werden sukzessiv den Anteil an Aufbereitungsarbeit vom konventionellen Verfahren an die reziproke Vorgehensweise übertragen.

Falls der Preis stimmt, denn eins ist klar. Unterm Strich müssen die Vorteile (die Synthese aus Aufbereitungsergebnis, Zeitaufwand und Preis) überwiegen, sonst wird diese neue Technik, ungeachtet ihres tatsächlichen Potentials, wieder vom Markt verschwinden.

Wie wird es letztendlich ausgehen ?
Keine Ahnung, wird sicherlich spannend sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen, ich für meine Person kann nur sagen,  nach mehr als 2,5 Jahren Arbeiten mit der GYT würde ich es sehr bedauern, wenn ich wieder auf die konventionelle Technik umsteigen müsste.

Auf der exzellent gemachten Maillefer -Homepage findet sich neben einer Vielzahl von Informationen auch ein ausführliches Video zur Wave One.
Dort auch zu finden eine weitere Neuheit, der Thermaprep 2 Ofen.

FKG RACE Feilen für den maschinellen Gleitpfad – eine der Entdeckungen des Jahres 2010

von Hans – Willi Herrmann

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Anlass, zu überlegen, was sich in 2010 in der Praxis an Veränderungen ergeben hat.

Die VDW Reciproc  – Feile habe ich an dieser Stelle schon erwähnt.  Noch eine weitere Feile ist hinzugekommen. Genauer gesagt mehrere RACE – Feilen (FKG) in den Größen 10 und 15.

Seitdem VDW 2005 mit den Mtwo – Feilen das Arbeitskonzept einer initialen apikalen Aufbereitung mittels rotierender Nickel – Titan – Feilen offiziell in die Zahnmedizin einbrachte (und dafür viel Kritik hinnehmen musste) hat sich viel getan. Heute ist eine solche Vorgehensweise etabliert, was nicht heisst, dass man in jedem Falle so verfahren muss.

Aber  – es gibt Situationen, in denen der Einsatz solcher Instrumente Sinn macht und nützlich ist.
Ich habe hierfür von 2004 bis 2008 Mtwo 10.04 (VDW) –  und Flexmaster 15.02 (VDW) – Feilen eingesetzt, seit 2008 verwende ich dafür zumeist Pathfiles (Maillefer).

Und nun also RACE Feilen, die es in den Größen 10 und 15 mit Konizitäten von 2, 4, und 6 Prozent gibt.  Es ist wirklich erstaunlich, wie diese Feilen (FKG spricht bei den 2 Prozent – Feilen  von den Scout –  RACE – Feilen, ein offizieller Anwenderhinweis des Herstellers  findet sich am Ende des Blog – Beitrags) ihren Weg finden. „Mühelos“ ist wohl das Wort, dass die Art und Weise am Besten beschreibt.

Und wie sieht es mit der Sicherheit aus ? Ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich mit diesen Instrumenten arbeite. Wichtig: Initialer Einsatz von Handfeilen bis zur ISO 10 ist zwar keine Conditio sine qua non, fällt aber definitiv unter die Rubrik „vertrauensbildende Massnahmen“.  Im Zweifelsfalle also besser  „mit“.
Und – bei 600 Umdrehungen pro Minute bedarf es keiner Druckausübung.
Man lässt die Instrumente lediglich durch das Eigengewicht von Arbeitshand und Winkelstück von selbst nach apikal vordringen. Die „Echternacher Springprozession“ als Arbeitsbewegung ist auch hier sinnvoll.
Jegliche Rückmeldung aus dem Kanal sollte ein Zeichen sein dafür, das Instrument aus dem Kanal zu ziehen, es auf seine Integrität hin zu untersuchen und mit einem Handinstrument die Durchgängigkeit und den Verlauf des Wurzelkanals zu prüfen.

„Mechanical Glide Path“ – Feilen sind keine Wunderwaffen und eine gesunde Skepsis im Einsatz  ist wichtig. Wer sich aber mit Sinn und Verstand auf die Instrumente einlässt, diese, wie oben beschrieben, vorsichtig verwendet, der wird vermutlich wie ich sehr angenehm überrascht sein und die Scout – RACE sowie ihre größer getapeteren Varianten zukünftig häufiger einsetzen. Ob es im Einzelfall als Erstes eine 10er oder 15er ist und welche der drei Koniziäten ich initial einsetze, dass entscheide ich von Zahn zu Zahn wurzelkanalspezifisch.

Ultradent Tilos System für Wurzelkanalaufbereitung

von Hans – Willi Herrmann

Im Vorfeld des ROOTS Summit IX in Barcelona wurde das neue Tilos – System der Firma Ultradent vorgestellt.
Es ist die Weiterentwicklung des Endo AET Systems. Die grundlegende Vorgehensweise einer oszillierenden maschinellen Aufbereitung wurde beibehalten und um Nickel- Titan – Feilen ergänzt.

Angesichts der Allgegenwärtigkeit rotierender Nickel-Titan-Systeme erscheint heutzutage ein solcher „Oldtimer“ eher unsexy und es gehört Mut und ein gehöriger Glaube an die Sinnhaftigkeit dieser Vorgehensweise dazu, ein so unkonventionelles System auf den Markt zu bringen.
Aber ganz so abwegig ist das Tilos -System ja gar nicht. Zum einen ermöglicht es eine circumferente Bearbeitung besser als rotierende Systeme, die ja allzuoft in einen ovalen unregelmäßig geformten Kanal ein mittiges kreisrundes Loch bohren. Und Torsionsbruch – Frakturen der Nickel – Titan Instrumente sind prinzipbedingt ausgeschlossen.

Schönes Detail am Rande – Eine Metallöse im Griff der Handinstrumente ermöglicht den komfortablen Einsatz eines Apex – Lokators durch Einklipsen.

Einen ersten Einblick in das System gibt das nachfolgende Video.


GYT – ProTaper F2 im Vergleich

von Christian Danzl

Über die Ghassan-Yared-Technik wurde hier schon hin und wieder berichtet. Auch über die ATR-Motoren, die man dafür braucht, und wie man sie einstellt.

Nochmals eine kurze Zusammenfassung, der von Ghassan Yared beschriebenen Wurzelkanalaufbereitungstechnik:

  • Etablierung eines Gleitpfades mit einer K-Feile ISO 008
  • mit einer ProTaper F2 Nickel-Titan-Feile den Wurzelkanal in reziproker Drehung aufbereiten.
  • die NiTi-Feile dreht dabei abwechselnd 4/10 Umdrehung im Uhrzeigersinn und 2/10 Umdrehungen im Gegenuhrzeigersinn
  • regelmässige Spülung mit NaOCL 3%
  • bei sehr engen Kanälen empfiehlt Yared einen Gleitpfad bis ISO 15 zu erstellen
  • für einen größeren Taper wird nach der reziproken Aufbereitung eine „ausbürstende Bewegung“ in normaler Drehrichtung mit der F2 empfohlen

Die Technik hat meiner Meinung nach dramatische Vorteile:

  • es wird nur eine (teuere) NiTi-Feile gebraucht
  • Torsions- und Ermüdungsbrüche sind seltener
  • größtenteils ist die Aufbereitung erheblich schneller

Durch die Zeit- und Materialersparnis ist die Aufbereitungsmethode deutlich weniger preisintensiv.

Nachteil: Man braucht eine ATR-Motor, oder einen anderen, auf reziproke Arbeitsweise einstellbaren Motor. Ich kenne gegenwärtig keinen anderen Motor, der dies kann.

Soweit zur Technik. Yared hat seine Methode mit einer ProTaper F2 beschrieben.

Doch funktionieert diese Technik mit anderen Feilen?
Getestet habe ich die Technik mit folgenden Feilen (jeweils in 25/06 – was am ehesten einer PT F2 entspricht):

  • Komet Alpha Kite
  • Komet Easy Shape
  • FKG Easy RaCe
  • VDW Mtwo

Ergebnis:
Am schnellsten und schneidefreudigsten erschien mir die Easy RaCe, gefolgt von der VDW M2, und Komet Easy Shape, danach „das Original“  ProTaper F2 und schliesslich die Komet Alpha Kite.

Das Ergebnis ist mein persönliches Empfinden. Ein anderer Behandler wird durchaus zu einem anderen Ergebnis gelangen.

Anmerkung:

Wo Licht ist, wird auch Schatten sein:
Je schneidefreudiger die Feile ist, desto höher wird die Bruchgefahr sein. Und bei der Easy RaCe ist das Klicken – wo sich die Feile apikal klemmt und sich dann wieder löst – deutlich vernehmbar. Und deutlich öfter als bei den anderen getesteten.

„Life In Plastic, It’s Fantastic“

von Hans – Willi Herrmann

Vor einer Woche sinnierte ich an dieser Stelle über die vielen, vielen NiTi – Systeme im Markt.
Und die wenigen, die aus der Masse herausragen.

Mehr als 15 Jahre nach Markteinführung von RNTI ist der Anforderungsrahmen  vorgegeben. Die Eckwerte dessen, was die Marktführer zu leisten im Stande sind, stehen fest.

Und so ist es  also nicht einfach, für ein neues System im Markt, Zeichen zu setzen. Sich abzusetzen.

Gelungen ist dies dem Alpha Kite – System der Firma Komet.
Ich gebe zu, für mich unerwartet.
Denn um ehrlich zu sein, die beiden bisherigen Systeme, die M – und Alpha – Files konnten mich nicht überzeugen.

Der erste Kontakt mit einem neuen System führt meist über eine Demo im Plastikblock. So auch hier.

Der Acid – Test für jedes NiTi – System.
Der Plastikblock hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Er  macht dem Instrument das Arbeiten unnötig schwer.
Und verlangt ihm viel, meist sogar zuviel, ab.

Ein schlechtes Abschneiden im Plastikblock kann dennoch mit einem guten Behandlungsergebnis im natürlichen Zahn einhergehen, ist also kein KO – Argument.
Und umgekehrt ?

Gibt es nur ganz ganz wenige Instrumente, mit denen man besagte Plastikblöcke gut bearbeiten kann.

Und damit kommen  wir zum Alpha Kite System.
Mit dem im  Plexiglasblock sich wirklich ausgesprochen angenehm arbeiten lässt.
Ein Aha – Erlebnis.

Zurückzuführen ist dieses auf die asymmetrische Gestaltung der Instrumentenschneide.
Ich spreche in diesem Zusammenhang vom Wendeltreppen – Design.
Und in der letzten Zeit werden die NiTi – Systeme zahlreicher, denen ein solcher Aufbau, auf zum Teil unterschiedlichen Wegen verwirklicht, zugrunde liegt.

Ich kenne 4 solche Systeme  und allen 4 gereicht diese Konstruktion zum Vorteil.
Der Trick:
Die Asymmetrie lässt das Instrument einen größeren Raum präparieren als das Instrument von seinem Körper her einnimmt.

Das Resultat:
Effizienz.
Höhere Flexibilität als konventionelle Instrumente analogen Aufbaus.
Weniger bis kaum bis Null Einschraubeffekt.

Sind schon mal 3 gute Gründe.

Wie das Alpha Kite -System im Zahn abschneidet?
Keine Ahnung.
Vielleicht habe ich irgendwann mal die Gelegenheit, das System ausführlicher zu testen.

Bis dahin bleibt es beim Achtungserfolg.
Und das ist schon mal nicht schlecht.

Ach so, damit ich´s nicht vergesse.
Der Wendeltreppen – Aufbau hat natürlich- kein Licht ohne Schatten – auch seine Details, auf die es zu achten geht.
Geringer Kerndurchmesser bedeutet höhere Flexibilität und damit aber auch höheres Torsionsbruchrisiko. Zumindest der dünnen Instrumente.

Also – immer schön das Instrument auf Aufdrehungen hin untersuchen.

Und noch was – so am Rande – was hier mit der Rotation auf kleinstem Raum passiert, ist nichts anderes als die miniaturisierte „envelope of motion“ -Arbeitsbewegung Herbert Schilders.
Ein vorgebogenes  dünnes und damit flexibles Instrument präpariert durch Rotation mehr Raum als es seinem Nominaldurchmesser entspräche.
Auch in diesem Punkt war Schilder seiner Zeit weit voraus.

Dauerhaft

von Hans – Willi Herrmann

Wie lange arbeite ich eigentlich schon mit rotierenden Nickel – Titan – Instrumenten ?

14  Jahre. Zu Beginn, 1996, 1997  kannte ich 4 unterschiedliche Systeme.
ProFile, Quantec, Lightspeed, Miti Rotofile.

Wieviele verschiedene RNTI – Instrumentensysteme gibt es heute auf dem deutschen Markt ?

Keine Ahnung, aber sicherlich mehr als 30.

Wieviele davon habe ich bereits getestet ?

Fast alle.

Soweit sogut.

Aber nur ganz ganz wenige davon habe ich auf einer wiederkehrenden Basis längere Zeit benutzt.

Eigentlich nur 4 Stück.

ProFile.
Damit habe ich angefangen.
Und – ich finde es immer noch gut und setze es – zumindest in bestimmten Fällen – nach 14 Jahren immer noch und gerne ein.

Zeitweilig habe ich ProFile und Lightspeed – Instrumente miteinander kombiniert.
1997 habe ich damit begonnen, bis 2001 so gearbeitet. Zu einer Zeit also, da Hybrid – Technik noch kein feststehender und allgemeingültiger Begriff war, geschweige denn es alle“immer schon so gemacht haben“.
2001 kam Protaper auf den Markt und hat einen großen Teil der Aufbereitungsarbeit der Kombi /ProFile und Lightspeed übernommen.
Lightspeed wurde fast immer hinfällig.
Ich nutzte nach 2001  die Lightspeed – Instrumente nur noch selten zur Aufbereitung, aber noch – immer mal wieder – als Apical Gauging – Instrument.
Die Anwendung von ProFile wurde auf die initiale koronale und apikale und die finale apikale Aufbereitung reduziert.

2004 dann kam ich in Kontakt mit Mtwo.
Und setzte die Instrumente zunächst in der Kombi ProFile und ProTaper, mit Auftauchen der Mtwo 35/.06 und 40/.06 dann weitestgehend allein ein.

Und dabei ist es bis heute geblieben.

Für irgendein anderes der Systeme gab es nie eine ausgeprägte individuelle Indikation. Kein besonderes Qualitäts- oder sogar Alleinstellungsmerkmal, dass es gerechtfertigt hättte, dieses System zusätzlich aufzunehmen oder gar eines der bewährten Systeme dagegen einzutauschen.
Das ist  keine Wertung per se und soll keines der nichtgenannten Instrumentensysteme abwerten.
Viele Wege führen nach Rom , aber in meiner Arbeitsumgebung muss ein neues System  besser sein als das bestehende, sonst macht es keinen Sinn, zu wechseln.

Und warum schreibe ich das ?

Weil es für RNTI – Einsteiger sicherlich nicht das dümmste ist, mit einem dieser bewährten Systeme anzufangen.
Ganz gleich mit welchen Marketing-Getöse  Hersteller für ihre neuen, innovativen Produkte werben.

ProTaper. Mtwo.
Damit würde ich als Einsteiger meine ersten Erfahrungen sammeln.
Wenn etwas über viele Jahre vorne dabei war, dann kann es nicht ein totaler Fehlgriff sein.

Try  the best, forget about the rest.

Top 2009 (1) PathFile und Flexmaster 15/.04

von Hans – Willi Herrmann

Eigentlich sollte das Ganze ja schon zwischen den Jahren über die Bühne gehen, aber dann kam der Notdienst an Weihnachten und seine „literarische“ Aufarbeitung dazwischen.
Daher, hier nun, zu Beginn von 2010 die Tops 2009 in meiner Praxis.

Die Fragestellung lautete: Was hat sich bei mir nachhaltig verändert in meiner Praxis? Was habe ich 2009 im Laufe des Jahres begonnen und tue es Ende 2009 immer noch? Was hat einer meiner bisherigen Routinen, Arbeitstechniken, Geräte / Instrumente ersetzt?

Fangen wir an mit … naja ich muss weiter ausholen.
Seit 2004 arbeite ich mit Mtwo – Feilen, sie sind mein Hauptarbeitswerkzeug in der Endo.

Relativ schnell habe ich die 10.04 aussortiert.
Geniales Arbeitskonzept, dass Prof. Malagnino hier eingeführt hat: In Stichworten -effiziente maschinelle initiale Aufbereitung auf Arbeitslänge durch Erzeugung eines größeren Tapers, als es das Instrument eigentlich hergibt.
Allerdings – das Instrument ist mir zu fragil.

Ich habe stattdessen bis 2009 eine Flexmaster 15.02 Feile angewendet zur initialen Penetrierung.

Änderung  A 2009

An deren Stelle ist nun eine Pathfile getreten. Der Grund: deren quadratischer Querschnitt macht das Instrument noch stabiler als es die Flexmaster 15.02 ist.

Änderung B 2009

wurde initiiert durch Christoph Zirkel, Köln. Seit Jahren, wenn wir darüber reden, sagt er immer: Probier doch mal die Flexmaster 15.04 statt der 15.02.  Ich denke dann immer an Thomas Mayer, München. Wir saßen 2000 bei einem Key Opinion Leadertreffen in Manchester angesichts der bevorstehenden Markteinführung des AET – Systems (Ultradent) zusammen und schon damals arbeitete er mit einer Flexmaster 15.04  – Feile direkt auf Arbeitslänge. Ein unerhörtes Vorgehens, mit dessen öffentlicher Verbreitung man vorsichtig sein musste, denn die heftige Kritik des NiTi – Mainstreams wäre einem sicher gewesen, galt zu dieser Zeit doch eine strikte Crown Down Vorgehensweise  zunächst mit großen Instrumenten als der einzig gangbare Weg. Thomas Mayer, ebenso wie John Mc Spaaden, ihrer Zeit voraus.

Naja, aber wie´es so ist. Die eigene Methode funktioniert ausgesprochen gut. Never change a running system.
Das ist Quatsch, aber ich sage: „Why change an excellent setting“.  Und – „Mein Leidensdruck dies zu tun, geht gegen Null.“

Durch Zufall kamen mir im Dezember Flexmaster 15.04 – Instrumente in die Hände.

Ein Zeichen ? Okay, Christoph, das war das Zeichen.
Jetzt probiere ich es aus.

Und … funktioniert.
Auf den ersten Blick nicht besser, nicht schlechter als die Flexmaster 15.02. Und auch nicht in jedem Fall. Allerdings – in 80 Prozent der Fälle vermutlich sinnvoller und effizienter, weil, das Instrument auf Grund seines Tapers stabiler ist und einen größere Aufbereitung ermöglicht.

Also bleib ich dran. Fürs neue Jahr 2010 sieht es also so aus, dass ich beide Feilen (FM 15.04 und Pathfile)  vorrätig habe und im Einzelfall entscheide, ob ich die eine oder die andere (oder keine von beiden) verwende.

Ich bin gespannt, wie diese Entwicklung sich Ende 2010 darstellt.

„Entran“-Erfahrungen nach 12+ Monaten

von Christoph Kaaden

mit dem Beginn meiner rein endodontisch-ausgerichteten Praxistätigkeit vor gut einem Jahr habe ich einige Dinge in meinem Behandlungsablauf verändert.

Als wohl bis dato beste Neuerung hat sich für uns die Anwendung des akkubetriebenen Endo-Winkelstücks „Entran“ der Firma W&H erwiesen. Genauer gesagt zweier dieser Winkelstücke. Endlich ist es uns ohne lästigen Fussanlasser und „Kabelsalat“ erlaubt, eine möglichst ergonomische Wurzelkanal-Präparation durchzuführen.

Nähere Informationen zu dem Winkelstück finden sich auf der Firmen-Homepage.

Als besonders positiv möchte ich einige Punkte hervorheben:

  • keine Wartung & Reparatur in der bisherigen Nutzungsphase
  • subjektiv empfundene sehr gleichmässige Laufleistung und „Durchzugskraft“
  • sehr gute Akku-Leistung
  • auch nach einjähriger Anwendungszeit keine (bzw. kaum) Abnutzungserscheinungen an den Winkelstücken

Eine zusätzliche Ausstattung des Entran, die z.B. andere bzw. höhere Umdrehungszahlen erlauben würde, vermisse ich im klinischen Alltag (quasi) nicht, da die überwiegende Mehrzahl der Kanal-Präparationen mit der gegebenen Umdrehungszahl bewältigt werden. Einzig ein akustisches, anstelle eines rein optischen „Warnsignals“ beim Erreichen des eingestellte Drehmoments würde ich mir für zukünftige Weiterentwicklungen wünschen.

Unser persönliches Fazit steht daher fest. Der Entran ist ein „must buy“ und für uns ein unverzichtbares Gadget im täglichen endodontischen „Alltag“.

Tsunami Endodontics (2)

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Nach dem Intermezzo mit dem Endo -Aktivator bin ich wieder zurück zu einer dünnen „Slim Jim“ Edelstahl -Spitze von Gary Carr (www.eie2.com) mit der ich seit einigen Jahren schon gespült hatte.
Ultraschallaktiviert gespült hatte ich schon immer, zunächst mit den Endosonore Feilen und EMS -Gerät.
Leider brechen diese grazilen Ansätze mit der Zeit, wobei Zeit manchmal ein ziemlich kurzer Begriff sein kann.
Ich verwendete daher nur Spitzen von ISO 25, was in den von mir aufbereiteten Kanälen ab 35.06 kein Problem war.
Aber  im Hinterkopf schwebte immer die Bruchgefahr „über“ oder sagen wir besser „im“ Wurzelkanal und auch die Frage, was die Instrumentenspitze wohl mit der Kanalwand  anrichtet.
Aus diesem Grund schnitt ich so um das Jahr 2003 von einem Nickel Titan Fingerspreader den Instrumentengriff ab, spannte den Instrumentenschaft in einen „Endo Chuck“ und benutzte froh und glücklich dieses Hilfsmittel zur sicheren und vor allem tiefen Ultraschallirrigation.
Das ging eine ganze Zeit so, bis zu dem Tag, an dem eine frakturierte Ni Ti – Spitze im Kanal verblieb und „auf Teufel komm raus“ eben nicht rausgehen wollte.
Ich musste sie in Guttapercha einbetten, mich trösten (nicht wirklich) dass ThermaFil – Füllungen früher und System A – Füllungen heute noch möglicherweise genauso aufgebaut sind und kehrte wieder zum Slim Jim zurück.
Der Slim Jim –  eine sichere Bank. Unkaputtbar.
Aber starr und daher nicht in der Lage, bis in unmittelbare Nähe des Aufbereitungsendpunktes vorzudringen.
Im letzten Jahr dann zwei neue Alternativen.
Holm Reuver, der wohl wie kaum ein anderer niedergelassener Zahnarzt sich mit der Thematik und Problematik der Ultraschallaktivierung auseinandergesetzt hat, empfahl im Rahmen eines Seminars des 3. Südtiroler Endodontie -Oktobers den Einsatz von Maillefer Titan -Spitzen (siehe Bild).
Und dann die stark gehypten Irrisafe – Spitzen von Acteon.
Meine Erfahrung: Das „safe“ bezieht sich auf den sanften Umgang mit der Kanalwand.
Aber die Bruchgefahr ist hoch präsent, insofern ist die Namenswahl ein wenig irreführend.
Also, wieder zurück zum Slim Jim und da wäre ich heute noch, wenn nicht….
Doch darüber im nächsten Teil unserer Kolummne.

Titanspitzen

Vortex

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Schon ein bißchen merkwürdig.
Da gibt es seit April diesen Jahres neue Nickel – Titan Instrumente aus dem Hause Tulsa – Dental, dem Marktführer diesbezüglich in USA.

Und  – man hört nichts davon.
Fast scheint es, dass diese Instrumente, die offiziell ProFile Vortex .04 und .06 heißen, gar nicht beworben werden.
Selbst auf der Dentsply / Tulsa – Homepage nur eine spärliche Auflistung, nicht einmal Bilder von den Feilen.

Keine Vergleich zu dem Hype, der bei der Markteinführung der Twisted Files und der GTX -Files gemacht wurde:  Durchgestylte Homepages, Videos, Computeranimationen, Hochglanzprospekte, aufwändige Produktverpackungen (zunächst sogar ohne Feilen darin), nationale und internationale Roadshows.
Nichts davon.

Dabei sind die Vortex – Feilen genau wie die GTX ebenfalls aus M -Wire, also einer wärmebehandelten Nickel- Titan – Variante, die für höhere Flexibilität und höhere Frakturresistenz sorgen soll.
Darüber demnächst übrigens mehr an dieser Stelle.

Jetzt aber noch einmal zu Vortex.

Ich hatte diese Feilen die Tage in Händen.

Mit ProFile haben sie nur noch den Namen gemeinsam. Aber verständlich, dass man aus Marketing – Gründen den „fame“ dieses nach wievor stark verbreiteten Instrumentensystems mitnimmt.

Kurz und knackig beschrieben:

  • kein radial land mehr
  • gleichbleibender Taper von 4 und 6 Prozent
  • variabler  Schneidwinkel
  • M Wire

Vortex

GYT

von Hans – Willi Herrmann

„Hallo Kollege Herrmann,

habe Ihren Beitrag in der Wurzelspitze gelesen und kann bestätigen, dass die Pathfile eine gute Ergänzung für die Gleitpfaderschließung ist. Was ist allerdings GYT? Kann mit diesem Begriff noch nichts anfangen? Vielleicht könnten Sie eine kurze Auskunft geben bzw. ein Link mit Info`s dazu!“

Diese Mail erreichte mich letzte Woche und ich bin mir ziemlich sicher, dass es bislang über „GYT“ wenig zu googlen gibt, denn es ist ein Begriff, der vollkommen unbekannt sein dürfte.

Daher hier ein paar kurze Infos.

Bei „GYT“ handelt es sich um eine neuartige Art des maschinellen Antriebs von Nickel – Titan – Instrumenten.
In die Zahnmedizin eingeführt von Ghassan Yared werden die Instrumente nicht in einer kontinuierlichen rotierenden Bewegung eingesetzt, wie wir es bislang kannten, sondern reziprok.
So bezeichnet zumindest Yared diese Technik.

“ reciprocation“.

Meines Erachtens ist der Begriff  ein wenig unglücklich gewählt , denn traditionell ist dieser Begriff bei uns zumindest besetzt durch eine gleichmäßige Rechts / Links –  Bewegung, seit vielen Jahren von der guten alten Giromatic her bekannt.

Ghassan Yared´s Bewegung sieht ein wenig anders aus.
Einer Rotation im Uhrzeigersinn von sagen wir 140 Grad folgt eine Rotation kleineren Winkels (z.B. 90 Grad) im Gegenuhrzeigersinn.
Von daher würde ich eher von einer nichtkontinuierlichen rotierenden Bewegung sprechen oder noch besser von einer teilweise rückgeführten rotierenden Bewegung.

Beides ist zu lang.
Daher habe ich entschieden, in der Kurzform zu Ehren des Erfinders von der Ghassan Yared Technik (GYT) zu sprechen.

Eine solche Bewegung bietet 3 wichtige Vorteile gegenüber den bisherigen Vorgehensweise:

1. Die Gefahr des Torsionsbruches wird vollkommen ausgeschaltet oder zumindest deutlich reduziert. Eine Spitze, die nicht fortwährend weitergedreht wird, sondern wieder ein wenig zurückgedreht wird, kann sich im Wurzelkanal nicht festfressen und abdrehen.

2. Die Gefahr des Ermüdungsbruches wird reduziert. Weniger Rotationen pro Zeiteinheit bedeutet weniger Materialermüdung.

3. Es ist in einer Reihe von Fällen möglich mit wenigen oder sogar nur einen einzigen Instrument einen Wurzelkanal vollständig aufzubereiten.

Der Haken: Es gibt gegenwärtig nur 2 Motoren, die eine solche Bewegung anbieten.
Und beide Motoren sind schon seit langer Zeit nicht mehr im Handel.

Es ist der ATR (grün) und der ATR Vision (blau), beide wurden in Deutschland von Maillefer angeboten, der eine vor der Milleniumswende, der andere kurz danach.

Glücklich daher ist der, der noch so einen Motor in der Praxis hat.

ATR Vision für die Ghassan Yared – Technik – Programmieranleitung

von Hans – Willi Herrmann

Soll einer nicht sagen, dass wir nicht umgehend auf Wünsche reagieren.

Soeben erreicht mich eine Mail mit folgender Bitte:

„Ich bin heute beim Herumstöbern in der Praxis meines Chefs auf ein ATR Technika Vision – Gerät gestossen, was ungenutzt in der Ecke steht.
Wäre es Ihnen möglich, mir die Einstellungsmöglichkeiten, mit denen Sie in der Ghassan Yared – Technik arbeiten, zukommen zu lassen oder als Artikel auf Wurzelspitze zu veröffentlichen?

Tun wir doch gerne. Bei der GYT handelt es sich um eine besondere Antriebsart von Nickel -Titan – Instrumenten zur Wurzelkanalaufbereitung. die sowohl die Gefahr des Instrumentenbruchs reduzieren soll, als auch im Rahmen einer einfachen Anwendungstechnik mit wenigen Instrumenten auskommen soll.

Nachfolgend die Programmieranleitung, die Drew Moncarz, im Frühjahr 2008 bei ROOTS ins Netz gestellt hat. Er schreibt: .

“ I graduated from endo at the University of Toronto in 2004.  Ghassan Yared was one of my professors.  I’ve been using an ATR Tecnika for his reciprocating technique. The early results are very impressive.
I recently bought two ATR Vision motors.  It took some effort, but I got the programming sequence to make the Vision reciprocate.  The programming/storage cards aren’t necessary.  Ghassan is happy to have me share this with you.

Here is the sequence to get the motor to reciprocate:
1. Find a preset that you would never use.  I used „large canal prep“ „PF Or. Shaper #6/5“.   I’ll never get confused because I don’t use Profiles.
2. Decrease the torque to 5.
3. Press the „redct.“ button to change the reduction to 1:1.
4. Press the „ctrl“ button (the check mark) and the „torque“ increase buttons at the same time. „Forward Reverse“ will appear on the screen.
5.  Press the „redct.“ button to change the reduction back to 16:1.
6.  Press the „rpm“ up button to increase the RPM to 400.
7.  Press the „ctrl“ button (the check mark) and the music note button directly above it at the same time.
8.  Use the „Program“ down button to decrease the „trs. fwd“ to 0.4.
9.  Use the „torque“ down button to decrease the „trs. rev“ to 0.2.
10.  Use the „rpm“ down button to decrease the „del. inv“ to 25.
11.  Hit the „System“ up button to save the settings.

Soweit die Programmieranleitung.
Ich bin gespannt auf die ersten Eindrücke und Erfahrungen.
Kommentare sind ja seit Neuestem möglich !

IDS – 2009 (1): Twisted Files 30/.06 und 35/.06

von Hans – Willi Herrmann

Heute hat die IDS in Köln ihre Pforten geöffnet und auch wenn die revolutionäre Entdeckung im Endodontie – Bereich bisher ausgeblieben ist, so hat der erste Messetag doch eine Reihe von interessanten Dingen zutage gefördert, über die ich in den nächsten Tagen berichten werde.

Beginnen möchte ich mit den Twisted Files von Sybron  Endo.

Die enorme Flexibilität dieser Instrumente, die einer spezielle Wärmebehandlung unterzogen werden, um diese anschließend verdrillen zu können, schreit förmlich nach Greater Taper – Instrumenten mit größerem apikalem Durchmesser.
Aus Kapazitätsgründen waren bisher nur 25er Instrumente auf dem Markt.
Jetzt – endlich – gibt es auch Instrumente 30/.06 und 35/.06.
Die Flexibilität erscheint auf den ersten Blick noch einmal höher als bei den Mtwo – Instrumenten gleichen Durchmessers, die bisher die Messlatte angelegt hatten. 

Ich werde auf jeden Fall die neuen Twisted – Files in stark gekrümmten Kanälen zum Einsatz bringen, um zu sehen, wie diese solch schwierige Situationen meistern werden.

 

Twisted Files

Mtwo – Systemerweiterung 35/.06 und 40/.06

Seit mehreren Jahren ist das Mtwo – System der Firma VDW (München) auf dem Markt. 

Es hat neben den ProFile und ProTaper -Instrumenten (Maillefer, Ballaigues, Schweiz)  seinen festen Platz in unserer Praxis erobert und ist aus unserem täglichen Arbeiten nicht mehr wegzudenken.

Bislang vermisst habe ich die Möglichkeit, mit Mtwo im Rahmen der Wurzelkanalaufbereitung auch bei größeren apikalen Durchmessern von über 0.25 mm einen Konus mit einem Taper von 6 Prozent oder mehr präparieren zu können. Eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz warmer Guttapercha – Füllmethoden, wie wir sie in der Praxis anwenden.

Bisher mussten wir zum abschließenden  Finishing auf ProFile und ProTaper – Instrumente ausweichen.

Im Oktober 2008 wurde nun das Mtwo – System um 2 Feilen erweitert, die genau diese Lücke schließen, nämlich die Feilen 35/.06 und 40/.06.

Das Instrumentendesign der Mtwo – Instrumente, das mit hoher Flexibilität und sehr guter Effizienz einhergeht, ermöglicht, korrekt angewandt,  den vorhersagbar zuverlässigen Einsatz dieser Instrumente auch in stärker gekrümmten Wurzelkanälen.

Sowohl bei der Anwendung warmer Guttapercha – Techniken, aber auch beim Einsatz eines zur durchgeführten Präparation formkongruenten Guttaperchastiftes im Sinne einer Einstift – Technik lassen sich durch diese Instrumente Präparationen erzielen, die der vorhandenen Kanalanatomie Rechnung tragen bei gleichzeitiger Reduktion des Risikos der Stufenbildung oder der Instrumentenfraktur.

 


W & H – Vorbildlicher Service

Ich war am Wochenende des 3. Oktober in Ütrecht /Niederlande für 2 Handson – Workshops mit den Mtwo – Instrumenten der Firma VDW. Das Ganze fand statt im Rahmen eines „Tag der offenen Tür“ bei der Dental Union Niederlande.

Ich war absolut perplex, welche enormen Ausmaße dieses Event dort hat.
Von Freitag bis Sontag, von 10.00 Uhr bis 21.00 Uhr sind dort die Türen geöffnet, es kommen 2 -3000 Zahnärzte dorthin und diese erwartet dort eine Riesen-Dentalausstellung.
Beim Gang durch die Ausstellung konnte ich dort auch das neue Endo -Winkelstück der Firma W & H in Augenschein nehmen. Kabellos, akkubetrieben, liegt gut in der Hand.
Genau das Richtige für den „7 Samurai“ Team – Arbeitskurs, der das Wochenende darauf in Bozen / Südtirol stattfinden sollte. Sicherlich wäre es eine tolle Sache, wenn die Kursteilnehmer das Handstück dort ausprobieren würden können.

Der W&H Repräsentant vor Ort, den ich darauf ansprach, gab mir eine Telefonnummer und riet mir, in der W& H Zentrale anzurufen und um Demo – Geräte für die Vorführung nachzufragen. Auf meinen Einwand, dass ich bereits kommenden Mittwoch nach Bozen aufbrechen müsse, meinte er nur, dass ginge in Ordnung.

Gesagt getan. Montags ein kurzer Anruf, eine dezidierte Erläuterung unseres Vorhabens und die Geräte waren auf dem Weg nach Bad Kreuznach. Und – weniger als 24 Stunden später trafen die Demo – Geräte bei uns ein so dass wir sogar die Geräte schon vor dem Kurs in unserer Praxis ausprobieren konnten.

Nach dem Ende des 3. Südtiroler Endodontie – Oktober sind die Geräte jetzt bei uns in der Praxis zum Praxistest.

Ich werde über meine Erfahrungen im Alltagsbetrieb berichten.

Vorbildlich – kann ich nur sagen – ich wünschte, alle Dentalunternehmen würden so schnell und flexibel, so kundenorientiert reagieren wie W&H.