Wann ist ein DVT sinnvoll ?

von Donald Becker

Wie stand so schön am letzten Freitag in einem Kommentar zu diesem Beitrag hier, in dem es um die präoperative Anfertigung eines DVT´s bei einem symptomatischen Zahn eines jugendlichen Patienten als Zustand nach zurückliegendem Trauma ging:
„Mit Kanonen auf Spatzen schiessen“.

Ich oute mich jetzt mal.

Es ist nicht mein Patientenfall, aber ich hätte in diesem Falle (genau wie der Kollege) vermutlich ebenfalls vorab ein DVT gemacht.

Die Frage sei aber in diesem Zusammenhang erlaubt: Woran macht man fest, wann vorab ein DVT gemacht werden sollte ?
Wäre es nicht auf jeden Fall sinnvoll, zunächst einmal ohne DVT in den Zahn hineinzuschauen ?

So wie wir es die letzten 100 Jahre ja auch gemacht haben.
Es kann ja nicht alles schlecht gewesen sein, was wir bis dato getan haben.

IMHO (hier halte ich mal die englische Formulierung für passender als ein eingedeutschtes „meiner unerheblichen Meinung nach“) befindet sich das DVT in einer Rolle, in der sich, die Endodontie betreffend, das Dentalmikroskop vor 15 Jahren wiederfand. In einem Schwebezustand, eine wie auch immer geartete  Evidenz, den diagnostischen Nutzen betreffend, ausweisen oder ausschliessen zu können.

Und solange diese Frage nicht erschöpfend geklärt ist, muss weiterhin erlaubt sein, zu hinterfragen: Gibt es überhaupt einen adäquaten zusätzlichen Nutzen, der den entsprechenden aparativen und finanziellen Mehraufwand und vor allem die damit zwangsläufig verbundene zusätzliche Strahlenbelastung rechtfertigt ? (Diese beträgt  lt. Auskunft des Herstellers für unserer Gerät bei dem von uns verwendeten FoV ca. 20 MicroGray und bewegt sich damit in der Größenordnung eines analogen OPG´s, wie es in der Zahnmedizin seit mehreren Jahrzehnten bekannt und anerkannt ist).

Das Problem ist – eine diesbezüglich verwendbare allgemein gültige  Antwort liegt (wenn überhaupt möglich) frühestens erst in ein paar Jahren vor.

Wie also bis dato im jeweiligen konkreten Einzelfall verfahren ?

Just zu dem Zeitpunkt, als der „Kanonen auf Spatzen“ – Kommentar bei Wurzelspitze eingestellt wurde, saß in unserer Praxis ein Patient wegen einer Wurzelkanalbehandlung 36 (Zustand nach initialer WK 36 durch den Hauszahnarzt, auf Grund einer Schmerzproblematik, seitdem schmerzfrei) im Behandlungsstuhl. Die parodontale Situation  des ehemals pulpitischen, aber vitalen Zahnes ist einwandfrei, Taschentiefen zirkulär 2 mm, Lockerungsgrad 1.

Zahn36_Beratung-1

Hier nun meine Frage:

Sehen Sie im Zahnfilm irgendwelche Befunde, welche die Anfertigung eines DVT´s rechtfertigen würden ?

Gibt es irgendwelche möglichen Befunde, die im DVT sich darstellen könnten, die im Zahnfilm verborgen bleiben ?

Take Our Poll

Ich persönlich würde  im vorliegenden Fall für „auf das DVT kann verzichtet werden“ voten. Für mich sieht der Zahn unauffällig aus, und ich habe keinen Hinweis, dass dieser Zahn im Wurzelbereich(von einem nicht eindeutig deutbaren winzigen, leicht röntgenopaken Punkt in der mesialen Wurzel abgesehen) eine irgendwie geartete Besonderheit aufweisen könnte.

Es wurde im konkreten Fall aus Gründen, die ich nachliefern werde, ein DVT vorab erstellt.

Im DVT zeigten sich daraufhin 3 Befunde, die im Zahnfilm nicht sichtbar zu machen sind.

Haben Sie eine Idee, welche Befunde dies sein könnten ?

Dann, werter Leser, nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion.

12 Gedanken zu „Wann ist ein DVT sinnvoll ?

  1. Hawi, die distale Wurzel sieht von der Furkation beginnend im oberen Drittel nicht normal aus. Mehrere Frakturlinien? Wenn der Pat. die ca. 1200 € für eine Molarenendo beim Spezialisten ausgibt, wird er sich gegen ein DVT nicht sträuben. Geht er zu einem Hauszahnarzt wie mir, wird er kein DVT bekommen, sondern, was mit herkömmlichen Mitteln möglich ist (neben der Aufklärung über eine mögliche Spezialistenendo, die er in aller Regel wg. der Kosten dankend ablehnen wird).

    Insofern finde ich die Fragestellung nicht mehr sooo interessant. Die Frage ist doch: Gehört ein DVT in jede Praxis? Und die wird man angesichts der ökonomischen Rahmenbedingungen verneinen müssen. Eine endodontische Behandlung ist grundsätzlich eine Behandlung, die von vorneherein vermieden werden sollte und in aller Regel vermeidbar ist. Wenn es zur endodontischen Behandlung kommt, ist in aller Regel schon jahrelang vorher etwas schief gelaufen. Wenn man staatlicherseits bzw. von der Krankenkassenseite aus mehr Geld in die Zahnheilkunde stecken will, dann sicher nicht an dieser Stelle.

    • Hallo Herr Logies,

      wir können nicht jede Diskussion zum DVT-Einsatz in diese Richtung gehen lassen, auch wenn dieser Punkt sicher wichtig ist. Und so gesehen würde es Ihrem Ort vielleicht auch gut tun, wenn es zumindest die Option geben würde, diese Möglichkeit der Diagnostik zu nutzen. Ich persönlich würde es aber befürworten, wenn DVT´s abrechnungstechnisch den CT´s gleichgestellt würden.

      Zur Sache:

      1. Fragment mesialer Kanal
      2. Resorptionsgeschehen an der distalen Wurzel
      3. Radix entomolaris

  2. Hallo Hawi,
    ich habe mich für Anfangen und ggf. DVT entschieden, da mir die distale Wurzel bzw. der darin nur eingeschränkt erkennbare Kanalverlauf auffällt, die Strukturen interradikulär deuten auf eine Radix entromolaris hin und ggf. an deren Wurzelspitze auch eine apikale Aufhellung. Außerdem scheint der Kollege nicht nur Medikament auf die Pulpenstümpfe gelegt zu haben, sondern hat evt. sogar ein Instrumentenfragment in der mesialen Wurzel hinterlassen.
    Viele Grüße
    Guido

  3. Meine drei Ideen für möglichen Befunde:

    1. Perforation bei der suce des dsitalen Kanals
    2. Spitze eines WKB Instruments in der mes Wurzel
    3. Distaler Kanal im letzten drittel um ca 90 Grad gekrümmt

  4. Ich vemute:
    1. distal Radix entomolaris
    2. Perforation Furkationsbereich, bzw. zw. distalen Wurzeln
    3. Instrumentenfragment mesiale Wurzel und Richtung apical evt. zweiter Fremdkörper

    bin gespannt auf die nächsten Bilder

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