DVT-Aufnahmen des 3De haben mich sehr beeindruckt. Unglaublich, was man darauf alles erkennen konnte. Unser F40 sah nach der Installation dagegen lau aus. Daraus ergab sich die Diskussion, was könnte die Ursache sein.
Der Kupferfilter, welcher im F40 vorhanden ist um die weiche Strahlung zu verringern, wurde irgendwann als mögliche Ursache angesehen. Dann kam die Softwareversion als Ursache dazu und so blieb bei mir haften, daß die Filter in der älteren Software wahrscheinlich besser sind.
Ich habe die Gelegenheit genutzt und Herrn Fleer von Morita darauf angesprochen. Er versprach mir das abzuklären.
Es kam zu einer Testkopfaufnahme durch Moritatechniker in meiner Praxis. Eine Aufnahme mit dem 3De Gerät von dem selben Kopf hatten die Mitarbeiter von Morita mitgebracht.
Danach haben wir beide Aufnahmen verglichen. Die Einstellung der Software auf vergleichbare Werte war mühsam und nicht 100% möglich.
Welche ist für Sie die bessere Aufnahme – A oder B?
Wie stand so schön am letzten Freitag in einem Kommentar zu diesem Beitrag hier, in dem es um die präoperative Anfertigung eines DVT´s bei einem symptomatischen Zahn eines jugendlichen Patienten als Zustand nach zurückliegendem Trauma ging:
„Mit Kanonen auf Spatzen schiessen“.
Ich oute mich jetzt mal.
Es ist nicht mein Patientenfall, aber ich hätte in diesem Falle (genau wie der Kollege) vermutlich ebenfalls vorab ein DVT gemacht.
Die Frage sei aber in diesem Zusammenhang erlaubt: Woran macht man fest, wann vorab ein DVT gemacht werden sollte ?
Wäre es nicht auf jeden Fall sinnvoll, zunächst einmal ohne DVT in den Zahn hineinzuschauen ?
So wie wir es die letzten 100 Jahre ja auch gemacht haben.
Es kann ja nicht alles schlecht gewesen sein, was wir bis dato getan haben.
IMHO (hier halte ich mal die englische Formulierung für passender als ein eingedeutschtes „meiner unerheblichen Meinung nach“) befindet sich das DVT in einer Rolle, in der sich, die Endodontie betreffend, das Dentalmikroskop vor 15 Jahren wiederfand. In einem Schwebezustand, eine wie auch immer geartete Evidenz, den diagnostischen Nutzen betreffend, ausweisen oder ausschliessen zu können.
Und solange diese Frage nicht erschöpfend geklärt ist, muss weiterhin erlaubt sein, zu hinterfragen: Gibt es überhaupt einen adäquaten zusätzlichen Nutzen, der den entsprechenden aparativen und finanziellen Mehraufwand und vor allem die damit zwangsläufig verbundene zusätzliche Strahlenbelastung rechtfertigt ? (Diese beträgt lt. Auskunft des Herstellers für unserer Gerät bei dem von uns verwendeten FoV ca. 20 MicroGray und bewegt sich damit in der Größenordnung eines analogen OPG´s, wie es in der Zahnmedizin seit mehreren Jahrzehnten bekannt und anerkannt ist).
Das Problem ist – eine diesbezüglich verwendbare allgemein gültige Antwort liegt (wenn überhaupt möglich) frühestens erst in ein paar Jahren vor.
Wie also bis dato im jeweiligen konkreten Einzelfall verfahren ?
Just zu dem Zeitpunkt, als der „Kanonen auf Spatzen“ – Kommentar bei Wurzelspitze eingestellt wurde, saß in unserer Praxis ein Patient wegen einer Wurzelkanalbehandlung 36 (Zustand nach initialer WK 36 durch den Hauszahnarzt, auf Grund einer Schmerzproblematik, seitdem schmerzfrei) im Behandlungsstuhl. Die parodontale Situation des ehemals pulpitischen, aber vitalen Zahnes ist einwandfrei, Taschentiefen zirkulär 2 mm, Lockerungsgrad 1.
Hier nun meine Frage:
Sehen Sie im Zahnfilm irgendwelche Befunde, welche die Anfertigung eines DVT´s rechtfertigen würden ?
Gibt es irgendwelche möglichen Befunde, die im DVT sich darstellen könnten, die im Zahnfilm verborgen bleiben ?
Ich persönlich würde im vorliegenden Fall für „auf das DVT kann verzichtet werden“ voten. Für mich sieht der Zahn unauffällig aus, und ich habe keinen Hinweis, dass dieser Zahn im Wurzelbereich(von einem nicht eindeutig deutbaren winzigen, leicht röntgenopaken Punkt in der mesialen Wurzel abgesehen) eine irgendwie geartete Besonderheit aufweisen könnte.
Es wurde im konkreten Fall aus Gründen, die ich nachliefern werde, ein DVT vorab erstellt.
Im DVT zeigten sich daraufhin 3 Befunde, die im Zahnfilm nicht sichtbar zu machen sind.
Haben Sie eine Idee, welche Befunde dies sein könnten ?
Dann, werter Leser, nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion.
Das Beste kommt zum Schluss.
So auch in unserem Adventskalender 2012.
Mein „Best Buy“ des Jahres 2012 war das Morita Veraviewepocs 3D F40.
Ich schreibe dies, wohlwissend, dass, genau wie vor 15 Jahren, als ich begann, über den Nutzen des Dentalmikroskopes (siehe Beitrag von gestern) zu berichten, es eine ganze Reihe von hochemotionalen Diskussionen geben wird, den Gegenstand der Betrachtung unseres heutigen Blogbeitrages betreffend.
„Brauchen wir nicht !“
„Ich sehe alles, was ich sehen möchte, in den normalen Röntgenbildern !“
„Geht auch ohne !“ „Ging schon immer ohne !“
„Wo ist die Evidenz ?“
„Zu teuer !“
„Die zusätzliche Strahlenbelastung steht in keinem Verhältnis zum Nutzen !“
Ich habe seit Februar 2012 das Morita Veraviewepocs 3D F40 in der Praxis.
Und kann sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Keinerlei Nachkaufdissonanz.
Das Gerät ist eine enorme diagnostische Hilfe in der Endodontie und in der Implantologie. Und ich prophezeie noch einmal, dass in 10 Jahren (falls ich falsch liege, werde ich die Häme, die sich über mich ergießen wird, tapfer ertragen) das DVT Standard sein wird in deutschen Praxen.
Standard dahingehend, dass bei der Neueinrichtung einer Praxis ein DVT ebenso selbstverständlich auf der Inventarliste steht wie heutzutage ein OPG- Gerät. Und Diejenigen, welche ihr altes OPG eintauschen für ein Neugerät, werden zum überwiegenden Teil die DVT – Option mitordern.
Was gibt es zum F40 zu sagen ?
Beginnen wir mit der Bildqualität.
Immer, wenn ich DVT´s von anderen Geräten aufgenommen sehe, dann freue ich mich über die hohe Aufnahmequalität, die das F 40 im Vergleich zu anderen Geräten im Markt liefert. Gerade als Early Adopter schwebt ja permanent das Damokles- Schwert des „Zu früh gekauft zu haben“ über einem. Sie kennen das – Der Fernseher, die Fotokamera, der Computer, gerade mal 6 Monate im Handel, ist jetzt 600 Euro billiger zu haben. Oder es kommt schon kurz nach dem Kauf ein neueres, besseres Gerät auf den Markt und dann ärgert man sich.
Meine Erfahrung diesbezüglich ist: Die einzigen mir bislang vorliegenden DVT´s, die bessere Ergebnisse liefern, sind High Resolution- Aufnahmen des Morita Accuitomo. Es geht also noch etwas besser, aber da sind wir sowohl finanziell als auch im Hinblick auf die Strahlenbelastung in einer ganz anderen Liga und für unsere Praxis und unsere Indikationen geht da die Schere sehr, sehr weit auseinander.
Zu weit.
Ansonsten sind auch von Seiten der Überweiser die Rückmeldungen ausgesprochen positiv. „Da kann man ja richtig was drauf sehen“ ist zum Beispiel so ein Satz, den ich des öfteren schon gehört habe von Kollegen, die bislang andere Ergebnisse aus DVTs gewöhnt waren.
Ein paar Worte zum Thema „Strahlenbelastung“. Das F40 hat ein“field of view“ (FOV) von 4*4 cm bzw. 4*8 cm. Das bedeutet, es wird ein Zylinder von 4 cm Durchmesser und 4 cm oder 8 cm Höhe abgebildet.
Ich bin sehr glücklich mit der Beschränkung des Gerätes auf ein Field of View von 4*4 cm. Für unsere Belange (Endo und Einzelzahnimplantate) brauchen wir kein größeres FOV. In 98 von 100 Fällen kommt der 4*4 Zylinder zum Einsatz.
Natürlich wäre es in einigen wenigen Fällen schön, den gesamten Kiefer in einem einzigen DVT abbilden zu können. Allerdings geht diese FOV- Vergrößerung mit einem Verlust an Abbildungsqualität einher. Es würde zuweit gehen, dies hier im Rahmen des Adventskalender auszuführen, nehmen wir diesen Umstand also, bis das Gegenteil de facto bewiesen ist, als physikalisch gegeben hin.
Kleines Field of View heißt – niedrige Anschaffungskosten im Vergleich zu größeren Geräten, niedrige Strahlenbelastung im Vergleich zu größeren FOV´s – man bedenke bei Letzterem insbesondere, dass im Hinblick auf die dreidimensionale Darstellung auch die Strahlenbelastung näherungsweise in der 3. Dimension zunimmt.
One more thing ?
Das Killer – Feature des Veraviewepocs 3d F40 ist für mich neben der guten Bildqualität die Möglichkeit, ein sogenanntes Scout-OPG zu erstellen, in dem die spätere Position des DVT – Zylinders mittels Mausklick durch ein Fadenkreuz platziert werden kann. Trefferquote bislang: 100 Prozent. Und das Ganze innerhalb von wenigen Sekunden. Wer einmal versucht hat, insbesondere im hinteren Seitenzahnbereich via Lichtvisiere, wie vom OPG her bekannt, die Position des Zylinders einzustellen, der weiß
a) dass damit suboptimale gegebenenfalls unbrauchbare Aufnahmen einhergehen können
und
b) dieses Feature zu schätzen.
Was fehlt jetzt noch ?
DVT – Röntgenbilder mit Bezug zur Praxis zur Bewertung des Gesagten.
Kommt im neuen Jahr. Versprochen. Zumindest habe ich es fest vor, für 2013 eine neue Rubrik auf hier aufzulegen bei WURZELSPITZE: Inwieweit unterstützt mich das DVT in meiner Diagnostik, in meiner Entscheidungsfindung, und eventuell auch konkret in der Behandlung.
Schon heute ist klar. Nicht mehr der Nutzen des DVT´s per se steht in Frage, sondern lediglich die Frage der Sinnhaftigkeit des Einsatzes im konkreten Fall.
Damit meine ich, ist die Aussagekraft des DVT´s im konkreten Fall hoch genug, um zusätzliche Informationen zu gewinnen, welche den Mehraufwand und die zusätzliche Strahlenbelastung rechtfertigen ?
Dies ist zum einen von der klinischen Situation abhängig, zum Beispiel von der Problematik der Artefaktbilung bei stark röntgenopaken Materialien im Wurzelkanal (Silberstifte zum Beispiel sind furchtbar), aber auch von der grundsätzlich möglichen Bildqualität des jeweiligen Gerätes.
Und da gilt es im Moment genau die Spreu vom Weizen zu trennen.
Es wäre sehr bedauerlich, wenn eine unzureichende Bildqualität nicht nur die Aussagekraft der Aufnahme im konkreten Einzelfall kompromitiert, sondern darüberhinaus das Diagnosemedium als solches kritisch infragestellt.
Die Gefahr besteht.
Schließlich ist ein neuer Gerätezweig ja auch ein vollkommen neuer Markt, den die Firmen für sich selbst zu entdecken, einzunehmen zu gedenken. Und der dementsprechend mit harten Bandagen umkämpft wird. Vorsicht ist also geboten bei vollmundigen Aussagen der Hersteller.
Umso wertvoller wären konkrete Beispiele aus der täglichen Praxis statt unter Idealbedingungen gestellter Musteraufnahmen aus dem Marketing – Portfolio der DVT – Firmen.
Wie immer, wenn es neue Entwicklungen in der Endodontie, wie auch generell in der Zahnmedizin gibt, finden sich kritische Stimmen.
So wie diese hier zum DVT.
Der Kollege Rüdiger Osswald schreibt (als Kommentar zu diesem Beitrag von Ronald Wecker)
„Sehr geehrter Herr Wecker,
Sie zeigen gelegentlich wirklich sehr interessante Fälle. Aber bei allem Respekt, in Ihren Berichten entwickeln Sie die Tendenz, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen: Von “dem ganzen Ausmaß der knöchernen Destruktion” kann hier doch wirklich keine Rede sein. Hier ist gar kein Knochen zerstört. Es handelt sich vielmehr um eine einfache Aufhellung, will heißen, der Knochen ist teilweise entzündlich demineralisiert, die Knochenstruktur jedoch in allen Bereichen noch sehr gut erkennbar. Das DVT übertreibt wie üblich. “
Tatsächlich ist es genau umgekehrt.
Das konventionelle Röntgenbild (gleich ob Zahnfilm oder OPG) untertreibt.
Es macht also gewissermaßen, um beim Zitat zu bleiben, aus einem Elefanten eine Mücke. Wir wissen das seit 1961, seit den legendären Artikeln von Bender und Seltzer (Roentgenographic and direct observation of experimental lesions in bone).
Als Jene Unterkiefer großzügig von Songiosa befreiten, dieses Vorgehen im Röntgenbild jedoch unerkannt blieb, sofern man die Kompaktaschicht des Knochens intakt liess.
Und jeder, der WSR´s durchführt, weiss, dass ein scheinbar kleiner Defekt im Röntgenbild in Wirklichkeit als ein großer raumfüllender Prozess sich herausstellen kann.
Oder wir entdecken nach Extraktion eines Zahnes ein „Granulom“, an der Wurzelspitze hängend, dessen Existenz oder wahre Größe im 2D- Röntgenbild nicht auszumachen war.
Wer also ist näher an der Wahrheit ?
Das DVT oder der Zahnfilm ?
Das DVT. Und – es wird sich durchsetzen.
Weil es etwas kann, was wir auf konventionellem Wege nicht adäquat erreichen können. Weil es einen Mehrwert bietet, uns nämlich in die Lage versetzt, in den Kiefer hineinzuschauen.
Auch das Dentalmikroskop konnte sich etablieren.
Es hat 15 Jahre gedauert, aber es ist geschehen.
Ein bemerkenswerter Erfolg, wenn man bedenkt, welche Investitionssummen hier im Raum stehen. Und dass man per se mit dem Dentalmikroskop kein Geld verdienen kann und CEREC – Gerät und Dentallaser, obwohl früher gestartet und als zusätzliche lukrative Einnahmequelle von den Herstellern angedient, es bis heute nicht geschafft haben, ihre Daseinsberechtigung nachdrücklich zu beweisen.
Meine Prognose ?
In 10 Jahren ist das DVT Röntgenstandard in der Zahnarztpraxis.
Es wird dann vermutlich keine Neueinrichtung endodontisch oder implantologisch Tätiger geben ohne DVT.
Für mich ist das DVT eine wichtigere Neuerung als digitale Zahnfilme oder das OPG per se.
Warum ?
Ob digital oder analoger Zahnfilm, die Unterschiede, die Diagnostik betreffend, mögen vorhanden sein, aber rechtfertigen sie allein schon den Umstieg ?
Und ein OPG mag eine einfache und schnelle Röntgenmöglichkeit des gesamten knöchernen Kauapparates ermöglichen, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle liefern Zahnstaten aus Einzelfilmen mindestens adäquate Befundungsmöglichkeiten. Geht nur nicht so schnell und komfortabel.
Das DVT hingegen gibt uns neue Einblicke.
Für die Implantologie, für die Endodontie.
Für Diagnose, Fallauswahl, Therapieplanung, Kontrolle.
Es wird unser Arbeiten in Zukunft ein stückweit neu ordnen, ihm seinen Stempel aufdrücken, es prägen, vielleicht sogar für eine Reihe von Dingen unentbehrlich werden.
Der Amerikaner beschreibt das als „game changer“, was sagen wir ?
Akzente setzen, die Spielregeln verändern ?
Ganz egal, wie wir es nennen, es bleibt spannend.
2022 wissen wir mehr.