ProTaper NEXT

von Hans – Willi Herrmann

als 2001 ProTaper auf den Markt kam, war dies wie ein Paukenschlag.
Innerhalb kurzer Zeit hatten viele Endodontisten national wie international auf dieses effiziente System umgestellt. So verwunderte es nicht, dass in den nachfolgenden Jahren ProTaper zum weltweit meistverkauften RNTI – System und zum Goldstandard im Studiendesign für maschinelle Aufbereitung wurde.

Die Konkurrenz schlief allerdings nicht.
Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Systeme, die mit besonderen Designmerkmalen und daraus resultierenden Vorteilen in der Wurzelkanalaufbereitung punkteten. Daran konnte auch ein zwischenzeitlich erfolgtes „facelift“ des Systems zu ProTaper Universal nichts ändern, war es doch eher eine Erweiterung des bestehenden Instrumentensortiments und behutsame Weiterentwicklung als Neuanfang.
Das Maillefer sich auf den verdienten Lorbeeren nicht ausruhen würde war klar.
Seit Jahren existierten Gerüchte und Prototypen eines „X Files“- Systems.

Und nach langer Entwicklungszeit erfolgt nun zur IDS 2013 in Deutschland die Vorstellung der nächsten ProTaper- Generation, die sinnigerweise ProTaper NEXT heißt.

Angesichts der Veränderungen, die vorgenommen wurden, ist es sicherlich erlaubt, von einem Neusystem zu sprechen, auch wenn der Name und die Wesensmerkmale „Variable Taper“ und „Progressive Taper“ vom Vorgänger beibehalten wurden.

Als wesentliche Neumerkmale sind zu nennen:

Die wendeltreppenförmige Ausformung der Schneidspirale.  Aus ihr resultiert eine „slaggering motion“, eine schlangenförmige Bewegung. Das Ergebnis in der Präparation ist eine Ausformung des Wurzelkanals, die über den Nominaldurchmesser des Instrumentes hinausgeht. Nichts Neues, hat doch der legendäre Herbert Schilder schon soetwas mit seiner Envelope of motion Präparation – Technik mit Handinstrumenten durchgeführt. Und auch Micro Mega hat schon länger ein Instrument im Angebot, dass ein solches Designmerkmal aufweist. Weiterhin sind die Verwendung von M -Wire, sowie ein flach quaderförmige Querschnitt zu nennen, aus dem in Kombination mit der „Wendeltreppe“ lediglich 2 Schneidekanten resultieren.

Alles in allem führt dies jedoch zu einem  flexiblen und schonend arbeitenden Instrument, dass sich in den ersten Versuchen am Plastikblock (von mir bis zur Größe  X3 durchgeführt) als sehr effizient, aber dennoch ausgesprochen angenehm in der Handhabung zeigte.

Wer in 3 Wochen die IDS besucht und nach neuen Endo- Instrumenten Ausschau hält, der sollte auf jeden Fall einen Abstecher zu Maillefer machen.

Ich kenne kein Instrument der letzten Jahre, daß ich bei erster Handhabung so angenehm empfunden habe als ProTaper NEXT. Auch der Unterschied zu den mir bekannten Prototypen im Sinne einer Weiterentwicklung zum fertigen Produkt empfinde ich als beeindruckend.
Ich bin gespannt, wie die Instrumente, die im Übrigen als Einmalinstrumente ausgewiesen sind, sich klinisch bewähren werden.

„Life In Plastic, It’s Fantastic“

von Hans – Willi Herrmann

Vor einer Woche sinnierte ich an dieser Stelle über die vielen, vielen NiTi – Systeme im Markt.
Und die wenigen, die aus der Masse herausragen.

Mehr als 15 Jahre nach Markteinführung von RNTI ist der Anforderungsrahmen  vorgegeben. Die Eckwerte dessen, was die Marktführer zu leisten im Stande sind, stehen fest.

Und so ist es  also nicht einfach, für ein neues System im Markt, Zeichen zu setzen. Sich abzusetzen.

Gelungen ist dies dem Alpha Kite – System der Firma Komet.
Ich gebe zu, für mich unerwartet.
Denn um ehrlich zu sein, die beiden bisherigen Systeme, die M – und Alpha – Files konnten mich nicht überzeugen.

Der erste Kontakt mit einem neuen System führt meist über eine Demo im Plastikblock. So auch hier.

Der Acid – Test für jedes NiTi – System.
Der Plastikblock hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Er  macht dem Instrument das Arbeiten unnötig schwer.
Und verlangt ihm viel, meist sogar zuviel, ab.

Ein schlechtes Abschneiden im Plastikblock kann dennoch mit einem guten Behandlungsergebnis im natürlichen Zahn einhergehen, ist also kein KO – Argument.
Und umgekehrt ?

Gibt es nur ganz ganz wenige Instrumente, mit denen man besagte Plastikblöcke gut bearbeiten kann.

Und damit kommen  wir zum Alpha Kite System.
Mit dem im  Plexiglasblock sich wirklich ausgesprochen angenehm arbeiten lässt.
Ein Aha – Erlebnis.

Zurückzuführen ist dieses auf die asymmetrische Gestaltung der Instrumentenschneide.
Ich spreche in diesem Zusammenhang vom Wendeltreppen – Design.
Und in der letzten Zeit werden die NiTi – Systeme zahlreicher, denen ein solcher Aufbau, auf zum Teil unterschiedlichen Wegen verwirklicht, zugrunde liegt.

Ich kenne 4 solche Systeme  und allen 4 gereicht diese Konstruktion zum Vorteil.
Der Trick:
Die Asymmetrie lässt das Instrument einen größeren Raum präparieren als das Instrument von seinem Körper her einnimmt.

Das Resultat:
Effizienz.
Höhere Flexibilität als konventionelle Instrumente analogen Aufbaus.
Weniger bis kaum bis Null Einschraubeffekt.

Sind schon mal 3 gute Gründe.

Wie das Alpha Kite -System im Zahn abschneidet?
Keine Ahnung.
Vielleicht habe ich irgendwann mal die Gelegenheit, das System ausführlicher zu testen.

Bis dahin bleibt es beim Achtungserfolg.
Und das ist schon mal nicht schlecht.

Ach so, damit ich´s nicht vergesse.
Der Wendeltreppen – Aufbau hat natürlich- kein Licht ohne Schatten – auch seine Details, auf die es zu achten geht.
Geringer Kerndurchmesser bedeutet höhere Flexibilität und damit aber auch höheres Torsionsbruchrisiko. Zumindest der dünnen Instrumente.

Also – immer schön das Instrument auf Aufdrehungen hin untersuchen.

Und noch was – so am Rande – was hier mit der Rotation auf kleinstem Raum passiert, ist nichts anderes als die miniaturisierte „envelope of motion“ -Arbeitsbewegung Herbert Schilders.
Ein vorgebogenes  dünnes und damit flexibles Instrument präpariert durch Rotation mehr Raum als es seinem Nominaldurchmesser entspräche.
Auch in diesem Punkt war Schilder seiner Zeit weit voraus.