Calciumhydroxid- Überpressung (2)

von Donald Becker

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle von einer ausgeprägten Calciumhydroxidüberpressung an der mesialen Wurzel von Zahn 36 berichtet. Hier nun – wie sich die Bilder doch gleichen – ein  weiterer Zahn 36, ebenfalls mit massiver Überpressung von Calciumhydroxid (Metapex, Meta Biomed).  Und auch hier war die Überpressung nicht beabsichtigt.

Die zum Zeitpunkt der Erstvorstellung  41 jährige Patientin suchte unsere Praxis auf Grund einer starken Schmerzproblematik in Regio 36 auf Überweisung durch die Hauszahnärztin auf.

Die endodontische Behandlung gestaltete sich als unproblematisch, die Calciumhydroxidüberpressung war nicht gewollt. Typ 2:1 Konfiguration in der mesialen Wurzel. Lateraler Kanal im Bereich der Kanalvereinigung. Zum Zeitpunkt der WF am 25. Mai 2012 zeigte sich schon eine beginnende Knochenregenation, die mit einer Resorption des Calciumhydroxids einherging. Die Verlaufskontrollen nach 6, 20, 46 Monaten zeigten eine erfreuliche vollständige knöcherne Konsolidierung.

 

 

Und weil so gut ins Thema past, gleich noch 3 weitere Fälle von heute hinterher:

Fall 2
Zahn 46.
Keine Überpressung, aber auch Calciumhydroxid (Metapex, Meta Biomed) als medikamentöse Einlage. Heutige Röntgenkontrolle nach annähernd 4 Jahren, vollständige knöcherne Konsolidierung des apikalen und interradikulären Knochendestruktionsprozesses.

Fall 3

Zahn 46.
Zustand nach WF durch Hauszahnarzt. Apikale Aufhellungen an den Zähnen 46, 47, sowie an Zahn 25.  Überweisung durch einen unserer regelmäßigen Überweiser, einem Oralchirurgen, zu dem der Hauszahnarzt die Patientin geschickt hatte. Die 49 jährige Patientin hatte auf Grund parodontaler Probleme in der Vergangenheit schon eine Reihe von Zähnen verloren, besagter Zahn 25 sichert noch die weitspannige festsitzende Oberkieferversorgung. Nach endodontischer Behandlung des Zahnes 25 wenden wir uns den Zähnen 46 und 47 zu. Calciumhydroxideinlage (Metapex, Meta Biomed) an Zahn 46 für 9 Wochen.
Erste Röntgenverlaufskontrolle heute 6 Monate post WF 46.

Fall 4

Zahn 46.
47 jährige Patientin. Zustand nach WK/WF durch Hauszahnärztin im Mai/Juni 2015 und Metallkeramikrone 46. Seitdem immer wiederkehrende Beschwerden in Regio 46. Calciumhydroxideinlage (Metapex, Meta Biomed) für 16 Wochen. die Kontrollaufnahme zeigt eine vollständige Resorption des Calciumhydroxid bei beginnender knöcherner Konsolidierung sowohl an der mesialen als auch an der distalen Wurzel. Wurzelkanalfüllung mittels plastifizierter Guttapercha und Kerr Pulp Canal Sealer XWT. Überpressung von Wurzelfüllmaterial im Bereich der mesialen Wurzel.

Calciumhydroxid – Überpressung (1)

von Donald Becker

Zweimal Zahn 36.
Zweimal deutliche apikale Aufhellungen.
Zweimal für meine Verhältnisse weit überdurchschnittliche Überpressungen von Calciumhydroxid.

Ich habe kein Problem damit, wenn sich, insbesondere bei größeren und ausgeprägten apikalen Läsionen eine Überpressung von Calciumhydroxid ergibt. Aber in den beiden Fällen, die ich heute und nächste Woche vorstellen möchte, hätte es nicht ganz so viel sein müssen, hätte ich es vorbestimmen können.

Fall 1 habe ich im Jahr 2013 hier und hier zur Diskussion und Abstimmung gestellt.
Ob über den weiteren Verlauf der Behandlung berichtet wurde, weiss ich nicht mehr. Ich habe  gesucht, aber nichts im Archiv gefunden diesbezüglich. Das muss aber nichts heißen, bei 2000 Beiträgen kann auch mal etwas übersehen werden.

Nachfolgend daher (eventuell als Wiederholung) der Verlauf der Behandlung und die Ergebnisse der Nachkontrollen.

Hier zunächst einige Folien zum Behandlungsverlauf:

Als medikamentöse Einlage wurde in diesem Fall Calciumhydroxid (Metapex, Meta Biomed) verwendet. Es wird mit einer Kunststoffkanüle appliziert. An der mesialen Wurzel kam es in diesem Fall zu einer deutlichen Überpressung. Metapex weist gegenüber dem früher von mir verwendeten „Ultracal XS“ Calicumhydroxid- Präparat der Firma Ultradent eine deutlich pastösere Konsistenz auf. In bestimmten Konstellationen kann es wie in diesem Fall zu einem höheren Maß an Überpressungen kommen im Vergleich zu Ultracal XS.

Aber auch bei größeren Überpressungen wie im vorliegenden Fall kommt es fast immer zu einer raschen und vollständigen Resorption des Calciumhydroxides, die naturgemäß mit einer gewünschten knöchernen Konsolidierung einhergeht.

Zur Verdeutlichung der schnellen Resorption des Calciumhydroxids habe ich die nachfolgenden Röntgenbildern nach dem Aufnahmedatum sortiert. Bemerkenswert sind vor allem die rasche Resorption innerhalb von weniger als 3 Monaten zwischen Bild 2 und 3, aber auch die Veränderung innerhalb einer Woche zwischen Bild 3 und 4.

Fall 2 folgt dann nächste Woche.

 

 

Internes Bleichen

Von Bonald Decker

Insbesondere Frontzähne, die eine Pulpanekrose aufweisen können sich in der weiteren Folge (stark) verfärben. Dies stellt für den betroffenen Patienten ggf. ein nicht zu unterschätzendes ästhetisches Problem dar.

Heute möchte ich Ihnen kurz einen Fall vorstellen, bei dem wir nach erfolgter endodontischer Behandlung ein internes Bleichen zur Korrektur der ausgeprägten Farbveränderung vorgenommen haben.

Zur detaillierten Erläuterung der Hintergründe dieser Thematik empfiehlt sich diese Stellungnahme der DGZMK.

Hier zunächst die radiologische Ausgangssituation:

 

Radiologische Ausgangssituation (Anfertigung alio loco) bei Zustand nach Frontzahntrauma vor 10 Jahren (Skistock vs. Zahn)

Grosses Bild: Klinische Situation des Zahnes 21, Sensibilitätstests (EPT & CO2) negativ – Kleines Bild: Intrakoronale Situation nach Trepanation mit deutlicher Rotfärbung des Dentins

Das von uns in solchen Fällen präferierte Bleaching-Material nach erfolgter Wurzelkanalfüllung ist Opalescence® Endo der Firma Ultradent.

Hier finden Sie eine Kurzanleitung hinsichtlich der empfohlenen klinischen Anwendung.

In dem vorliegenden Fall genügte eine einmalige Anwendung des Bleichmaterials für 2-3 Tage, um dieses Ergebnis zu erzielen:

Grosses Foto: Zustand nach internem Bleichen – Kleines Bild: Zustand nach Wurzelkanalfüllung, internem Bleaching und Kompositrestauration einige Wochen nach Abschluss der ästhetischen Korrektur

Prä-OP vs. Post-OP

 

Mit dieser recht simplen Vorgehensweise konnte die zunächst alio loco geplante Überkronung umgangen werden und es gelang die ästhetische Beeinträchtigung suffizient zu korrigieren.

Wenn Oraseal gerade nicht zur Hand sein sollte

von Christian Danzl

In Zeiten von QM kann OraSeal von Ultradent ja gar nicht ausgehen.
Sollte es doch mal sein, hat sich bei mir Prothesen-Haftcreme als Ersatz zum Abdichten von Kofferdam bewährt.
Eingefüllt in eine kleine Luerlock-Spritze und eine Ätzgel-Applikationskanüle mit größerem Durchmesser kann es aufgetragen werden wie OraSeal (caulking, also die „dünnflüssige“ Variante).
Die Haftcreme klebt auch relativ gut an feuchter Gingiva oder Kofferdam, ist ja auch auf Zellulose-Basis wie OraSeal.
Die Haftcreme hat nicht ganz die genialen Eigenschaften des OraSeal, lässt sich auch (noch) schlechter entfernen, aber wie gesagt, wenn das Original gerade nicht zur Hand sein sollte…..

Kofferdamabdichtung mit Haftcreme

Neuheiten 2013 (2) – 3M™ ESPE™ Adstringierende Retraktionspaste

von Hans – Willi Herrmann
498 DM legte ich Ende 1990 auf den Tisch für meine im Quintessenz – Verlag erschienene „Gerade mit dem  Studium fertig ich bin niegelnagelneu in der Zahnmedizin“- Bibel.

Viel Geld für einen Ausbildungsassistenten mit umgerechnet 1750 Euro Brutto- Monatslohn, aber Martignoni´s und Schönenberger´s „Präzision und Kronenkontur in der restaurativen Zahnheilkunde „beeindruckte mich durch den hohen Grad an Präzision bei der Anfertigung von festsitzendem Zahnersatz und vor allem durch unglaublich gute hochvergrößerte klinische Fotos von Zahnfleischsäumen und Kronenrändern, mit Hilfe eines Operationsmikroskopes und einer analogen (was sonst damals) Spiegelreflexkamera angefertigt.

Zum Darstellung der Kronenränder kam in diesem Buch eine Art feinporiger rosa „Bauschaum“, so sah es zumindest aus, zur Anwendung. Der offensichtlich, nachdem er in den Sulcus eingebracht wurde, aushärtete, sich infolgedessen ausdehnte und dadurch eine Freilegung des Sulcusraumes des und darin befindlichem Präparationsrandes herbeiführte.

Coole Nummer.
Hatte nur einen Nachteil.
Ich habe kein einziges Mal im Dentalhandel eine solche Paste irgendwo gefunden, keinen Hinweis, von Bezugsquellen oder gar anderen Anwendern keine Spur.

Vor ein paar Jahren dann kam (war es von Acteon ?) ein zumindest prinzipiell entfernt ähnliches Präparat auf den Markt.

Eine Paste – mittels einer Kanüle in den Sulcus appliziert führt eine blutstillende Wirkung herbei und ermöglicht so eine optimale Abformung.

So zumindest die Theorie.
Wenigstens war das Produkt erhältlich, wurde, wie wir das nunmal so kennen, euphorisch beworben.

Ich habe es nicht ausprobiert.
Keine Ahnung, was meine grundsätzlich vorhandene Neugier soweit abbremste. Vermutlich die Tatsache, dass das Präparat zwar blutstillend, aber nicht per se sulcuserweiternd wirken sollte. Das übliche Prozedere des Fadenlegens bliebe mir also vermutlich nicht erspart, eine adäquate Blutstillung war dank Astringdent und Dentalinfusor- Applikator (beides Ultradent) zum damaligen Zeitpunkt schon viele Jahre für mich kein Thema mehr.

Wo läge also der Vorteil ?
Mal abgesehen von einer möglichen negativen Interaktion des Materials mit unserem Impregum- Abdruckmaterial.

Wollte/sollte man das riskieren ?
Ich wollte nicht.

2013 fiel mir dann das 3M Espe Produkt die Hände.
Gleiches Wirkprinzip.
Gleiches Material ?

Ich habe keine Ahnung.
Es  liegt als Karpule vor und passt in unsere Kompositspritzen.
Wäre also betriebsbereit.
Für den Fall eines Falles.
Der kam irgendwann. Sie kennen das. Mühsam Doppelfäden gelegt, einen dünnen astringdentgetränkten, der im Sulcus verbleibt während der darüberliegende dickere ungetränkte Baumwollfaden unmittelbar vor Abformung entfernt wird. Manchmal gehen beide Fäden raus. In einem solchen Fall habe ich bislang einen neuen dünnen Faden gelegt. Und nun – stattdessen die Paste appliziert. Wie das geht ? Mit der dünnen Kanülenspitze die Paste in den Sulcus einbringen. Circulär und am besten ohne abzusetzen das Material applizieren.

Ein wenig Übung ist notwendig, aber, wenn man es einmal gemacht hat, dann weiss man schon worauf man zukünftig zu achten hat und dann läufts reibungslos.

2 Minuten warten. Dann die Paste mittels Wasserspray aus der Mehrfunktionsspritze von der Behandlungseinheit wegspülen. Nicht zu fest sprayen, sonst blutet es doch wieder. Auch das ist ein Erfahrungswert und wenn man das raus hat, dann kann man in der Tat auf diese Weise eine absolute Blutstillung erzielen.

Erstes Ergebnis – funktioniert.
Negative Interaktionen mit dem Abformmaterial (in unserem Falle Impregum) habe ich bislang nicht beobachtet.

Daraufhin wurde nachfolgend in Fällen, in denen eine Blutstillung mit den bisherigen Verfahren (Doppelfaden, Astringdent, Elektrotom) nicht bei der Erstabformung möglich war, die Retraktionspaste zum Einsatz gebracht.

Das kam nicht so häufig vor, funktionierte dann jedoch zufriedenstellend- eigentlich gut.

Kurze Zwischenfrage – Hat das Material eigentlich eine Zulassung für den Einsatz als blutstillendes Mittel in der Knochenchirurgie ? Dort würde sich der Einsatz anbieten und ich könnte mir vorstellen, dass es zum Beispiel bei der Wurzelspitzenresektion positiv wirkend tätig werden  könnte.

Der gegenwärtige Status in unserer Praxis sieht wie folgt aus: Ergänzende Maßnahme, falls die bewährten Verfahren keine optimalen Ergebnisse liefern können. Im Sinne einer willkommenen Ergänzung.
Würde ich auf meine bisherige Vorgehensweise zugunsten des Materials verzichten wollen? Gegenwärtig nicht, denn es fehlt mir die retrahierende oder sagen wir besser sulkuserweiterende Komponente.

Allerdings – nachdem die kostenlos zur Verfügung gestellten Testkarpulen aufgebraucht waren, haben wir das Material gekauft, weil ich auch zukünftig in bestimmten klinischen Situationen mit diesem Material arbeiten möchte.

 

Disclaimer: Die Firma 3 M Espe hat uns 9 Karpulen des Materials kostenfrei zur Verfügung zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt.

 

Adventskalender 2012 (15) Oraseal und Opaldam

von Hans – Willi Herrmann

Da saßen wir nun, Jörg Schröder und ich.
Im Vortrag von John Munce beim Roots Summit 2012 in Foz de Iguazu / Brasilien und wussten nicht so recht, ob wir ihn bewundern sollten für das, was er tat oder ihn fragen sollten, warum er kein …

Aber der Reihe nach.

Munce mixte Cavit mit Dycal, gab das Ganze in eine, nennen wir es „Centrix- Spritze“ und baute sich damit eine Isolierung vor Endo im Sinne eines temporären Aufbaus auf. Den er dann, nach kurzer Wartezeit mit einem roten Winkelstück und Diamanten ausdünnte, um anschließend, nach Freilegung der Kanaleingänge, die eigentliche Wurzelkanalbehandlung durchzuführen.

Beeindruckend.
John Munce ist ein Fuchs, hat wirklich jede Menge Tricks rund um die Endo drauf (legendär seine nach ihm benannten überlangen Rosenbohrer, die er vor vielen Jahren für den Eigengebrauch noch selbst, mittels zweier Winkelstücke, herstellte). Es kann  Jedem nur empfohlen werden,  einen seiner Vorträge zu hören, sofern sich die Gelegenheit bieten sollte.

Aber Jörg und ich fragten uns beide, warum er nicht für seinen temporären präendodontischen  Aufbau Opaldam verwende.

Opaldam – ein Kunststoffmaterial von Ultradent. Aus der Spritze appliziert. Und dann wäre da noch sein pastöser Zellulose – Bruder Oraseal aus gleichem Hause.

Beide Materialien sind uns seit ewigen Zeiten bekannt. Und sicherlich vielen Lesern hier ebenso. Ein uralter Hut also, den mir hier vorzustellen aus genau diesem Grunde eigentlich widerstrebt. Aber es vergeht dennoch eigentlich kein Vortrag, keiner  Arbeitskurs der WURZELSPITZE – Autoren, in dem nicht irgendjemand die Frage stellt, was das denn für ein weißes Zeug rund um den Kofferdam sei. Auch hier bei den Falldarstellungen taucht regelmäßig die Frage nach diesen  Materialien auf. Daher im Rahmen des Adventskalenders die Vorstellung der beiden Kofferdam- Abdichthilfsmittel.

In meiner Praxis wird in fast jeder Behandlung auf eines dieser Materialien zurückgegriffen. Anfangs fast ausschließlich Oraseal, in den letzten beiden Jahren kommt mehr und mehr  Opaldam zum Einsatz, und so nähere ich mich  vermutlich längerfristig einem Anwendungsverhältnis von 50:50. Oraseal hat die angenehme Eigenschaft, vorhandene Flüssigkeit aufzunehmen, dadurch aufzuquellen und so verstärkt abzudichten. Dafür neigt es teilweise zum Verschmieren und lässt sich auch hinterher nicht ganz  einfach entfernen, wir verweisen den Patienten auf die Zahnbürste als adäquates Hilfsmittel. Beim Opaldam wiederum sollte die Oberfläche vor Applikation vollkommen trocken sein und wiederholtes Ziehen am Kofferdam während der Behandlung ist zu vermeiden, weil sonst das applizierte Material seine Dichtigkeit im Randbereich verlieren kann. Dafür ist man mit Opaldam in der Lage, den Kofferdam bei geringer Retention des Pfeilerzahnes in Position zu halten, in dem man das Opaldam- Material in benachbarte untersichgehende Bereiche ausdehnt.

Ein Billig – Artikel ist weder Opaldam, noch Oraseal. Dass ich es dennoch routinemäßg verwende, zeigt den Nutzen dieser Hilfsmittel und wie sehr ich diese schätze.

Von mir 5 Wurzelspitzen.

Morita Soaric – Ein Herz für Endo

von Hans – Willi Herrmann

Vorletzte Woche hatte ich Gelegenheit, eine  neue Behandlungseinheit etwas näher ins Auge zu fassen.

Die Morita Soaric.
Und es scheint, als hätten wir es hier zum ersten Mal mit einem Stuhl zu tun,  der vom Start weg unter Berücksichtigung der Belange von Wurzelkanalbehandlungen konzipiert wurde.

Ist bei Morita nicht ganz abwegig, denn immerhin ist diese Firma in Deutschland durch ihr ROOT ZX- und Tri Auto ZX- Gerät bekannt geworden. Allerdings aber bislang auch nur durch diese beiden Geräte. Zwar werden seit vielen Jahren auch Klein- Röntgengeräte, OPGs (und neuerdings DVT´s) sowie die auf der Beach- Philosophie beruhende Behandlungseinheit „Spaceline“ vertrieben, aber mehr als eine Aussenseiterolle wurde diesen Produkten –  in diesem unserem Lande zumindest – nie zuteil.

Das könnte sich jetzt ändern, aber bevor ich näher auf die Gründe dafür eingehe,  zunächst jedoch eine Würdigung eines anderen Behandlungsstuhles:

Seit 1993 arbeite ich an Siemens M1 Behandlungseinheiten. Eigentlich sogar noch 5 Jahre länger, denn schon im Studium habe ich an diesen Einheiten gelernt und einen Teil meiner Ausbildungsassistenzzeit an diesen Stühlen verbracht.

Die Siemens M1 ist ein Meilenstein in der Geschichte des dentalen Industriedesigns.
Noch heute, mehr als 20 Jahre nach ihrer Markteinführung ist dieser Stuhl (zumindest in seinen neueren Evolutionsstufen) schön anzuschauen, wirkt zeitlos.

Ich hatte mal 3 M1.
Eine davon habe ich vor ein paar Jahren eingetauscht.
Nicht das der Stuhl auf Grund von Alterschwäche den Geist aufgeben hatte, nein, die M1en sind  robust und zuverlässig auch nach bald 20 Jahren. Bis auf den obligatorsichen Wechsel des Amalgamabscheiders und dem Austausch von Verbrauchsteilen wie Birnchen, Schläuchen und Mikromotoren verrichtet die M1, gemäß der alten Volkswagen Käfer Werbung „und läuft und läuft und läuft…“ zuverlässig ihren Dienst.

Warum also der Neukauf ?
Ich wollte einen Behandlungstuhl, der ergonomisch auf das endodontische Arbeiten und das Arbeiten mit dem Dentalmikroskop abgestimmt ist.  Das – bei allem guten Willen –  kann die M1 – ein Kind der Achtziger – nun wirklich nicht leisten.

So stieß ich eine von meinen 3 M1en  ab.
Kleiner Fehler – ich hätte den Stuhl behalten sollen, als Ersatzteilträger für alle Fälle, den einen Restwert besitzt so ein alter Stuhl nicht mehr.

Ich kaufte einen neuen Stuhl – hoch beleumundet und angepriesen vom Hersteller – als die zwar hochpreisige, dafür aber  ultimative und individuell abgestimmte Lösung für meine Einsatzzwecke.

Großer Fehler. Das hätte ich besser gelassen.
Rückblickend nach mehr als 5 Jahren kann ich nur sagen, das die Lobeshymmen des Herstellers auf die eigene Leistung in konträrem Gegensatz stehen zur Qualität des Stuhles und des After Sale – Services, der defacto nicht existent ist. Dass diese Erfahrungen von einem weiteren sehr renommierten  Kollegen aus dem Endobereich in gleicher Schmerztiefe geteilt werden, tröstet im Übrigen kein bisschen.

Was also wäre zu tun, würden morgen meine M1en ihren Geist aufgeben ?

Ich würde die Morita Soaric genau unter die Lupe nehmen: Der Stuhl bietet einen vollständig integrierten  Endomotor plus Apex-Lokator, der  die Messfunktionen auf den LCD – Monitor überträgt.  Man kann beim Aufbereiten des Wurzelkanals auf dem Display oder Monitor die Feilenspitzenposition im Kanal verfolgen. Nettes Feature, für jemanden, der die ganze Zeit durch sein Mikroskop schaut aber unerheblich. Viel wichtiger für mich ist jedoch, dass die Nickel-Titan-Feilen ohne separate Feilenelektrode das elektrische Signal weiterleiten, dies macht den Feilenwechsel schneller und einfacher. Und die Schleimhautelektrode wird in der Rückenlehne eingeklickt. Störende  Kabel, die über dem Patienten hängen, gibts damit nicht mehr.

In die Soaric können Mikroskope von Zeiss oder Leica integriert werden – genaugenommen das Zeiss Pico oder das Leica M320, fest eingebaut in die Beleuchtungs- und Schwebetischsäule. Ist die netzwerkfähige Soaric in das Praxisnetzwerk eingebunden, lassen sich die Mikroskopaufnahmen auf den Behandlungsmonitor übertragen.

Mittels eines (sogar eigen patentierten) sogenannten „Slow-Speed-Modus“ lässt sich der Soaric- Behandlungsstuhl sanft via Fusssteuerung hygienisch einwandfrei an die optimale Mikroskopposition anpassen.  Ein separates Fokussieren über das Mikroskop kann entfallen.

Klingt alles gut -trotzdem hoffe ich, dass meine M1en noch eine ganze Zeit lang halten. Aber – immerhin habe ich jetzt wieder eine Alternative, falls eine der Einheiten ihren Geist aufgeben sollte.

Dass diese (wie heißt es so schön – ausstattungsbereinigt) sogar kostengünstiger ausfällt als mein Stuhl, den ich vor ein paar Jahren gekauft habe, ist schon mal eine gute Sache. Viel wichtiger erscheinen mir aber zwei andere Morita – Facts. Zum einen ist Morita eine Firma, die, im Sinne des japanischen Firmengründers, mit dem Anspruch herangeht, ein Produkt nur auf den Markt zu bringen, wenn es wirklich gut ist. Das sagen alle Anderen auch, aber bei Morita gibt es bislang, man denke nur an  Root ZX oder Aquitomo, keinen Anlass, zu denken, dass dem nicht so sei. Zum anderen ist Morita – hätt ich nicht gedacht –  ein Dentalkonzern mit 2400 Mitarbeitern. Und demnach eine Firma, der genügend Manpower zur Entwicklung profunder Lösungen zur Verfügung steht.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Soaric in der Zukunft platzieren wird.
Bei Morita ist man offensichtlich gewillt, diesen Stuhl noch mehr an die Belange der Endodontie heranzubringen. Neben diversen möglichen kleineren Anpassungen bedeutet das für mich vorrangig die Integration des Zeiss Pro Ergo in die Behandlungseinheit. Und noch etwas ist zumindest nicht mehr blosse Fiktion:  Den Vorschlag der Integration der Displayanzeige des ELM in die Okulare des Pro Ergo im Sinne eines Head up Display will man wohlwohlend prüfen.

Das ist immerhin schon viel viel mehr, als man bislang von allen anderen Herstellern erwarten konnte.

Die Mortia Soaric ist im übrigen meiner Meinung nach kein Stuhl nur für den Endodontisten. Ich sehe als  Zielgruppe  all jene Zahnmediziner, die eine moderne Zahnmedizin machen, denn da gehört sowohl das Dentalmikroskop wie auch die Endodontie zwingend dazu.

Eine Sache noch.
Und die ist der Grund, warum ich mich überhaupt mit diesem Stuhl befasst habe.
Beim Arbeiten unter dem Dentalmikroskop sollte der Behandler idealerweise den Blick nicht von den Okularen wenden.

In der Praxis bedeutet dies, mit zwei Assistentinnen – sechshändig – zu arbeiten oder aber… das Ideal blosse Therorie sein zulassen und doch immer wieder zum Arztelement rüberschauen, weil sich die dort befindlichen Instrumente (Turbine, Ultraschall, Endomotor, Mehrfunktionsspritze) eben nicht blind aus dem Köcher nehmen und wieder zurückführen lassen.

Bei der Soaric ist das anders.
Ich habe mich – auf der IDS und vorletzte Woche wieder – an die Einheit gesetzt, und konnte sofort, ohne jegliche Übung an diesem mir unbekannten Stuhl die Instrumente greifen und wieder zurücklegen – den Blick nicht vom Okular abgewendet.
Es gibt kaum eine Einheit, wo dies in gleicher Weise gelingt.

Probieren Sie es aus.

Little Toys and Tools (3)

von Olaf Löffler

Ultradentkanülen werden in unserer Praxis sehr häufig eingesetzt. Neben den Capillary Tips für die Mikroabsaugung und den Navitips für die Spülung gibt es seit kurzem eine weitere Variante.

Navitip als eine Art Pastenkanüle für Ultracal (29ga). Dies haben einen Außendurchmesser von 0,33 mm und lassen somit durch einen ebenso größeren Innendurchmesser (0,29mm) Ultracal einfacher aplizieren. Bei den „normalen“ Navitips (30ga=0,25mm) gelingt das in meiner Hand eher selten.

Tipp von Jörg Schröder: Vorher mit NaOCl und den Navitip spülen. Danach an die Ultracalspritze und vorsichtig das NaOCl ausspritzen. Danach gelingt das applizieren mit den Navitip immer.

Endodontie 2011 – VDW Reciproc und Re- Dent-Nova SAF – Entdecke die Möglichkeiten

von Hans – Willi Herrmann

Wann sprechen wir von Fortschritten ?

Wenn etwas besser, oder genausogut und schneller oder kostengünstiger vonstatten geht.

Vielleicht haben wie demnächst das Glück, von einem bedeutsameren Fortschritt in der Entwicklung der Endodontie in der letzten Dekade zu sprechen, weil eine neue Methodik bessere und einfacher zu erzielende Ergebnisse ermöglicht.

Wird dem so sein ? Das werden die nächsten Jahre und unabhängige Untersuchungen zeigen.
Wir werden sehen.

Hier der Weg, die neuartige Vorgehensweise, welche eine einfache und sichere maschinelle Aufbereitung mit einer verbesserten Reinigungswirkung verbindet sowie den Einsatz bewährter Wurzelfüllmaterialien in einfacher „kalter“ Anwendung gestattet.

Schritt 1
Aufbereitung

1. Aufbereitung in GYT mit einer VDW Reciproc Feile 25.08.

Variante A: Initiale Erschließung mit ISO Handfeilen und Längenbestimmung, anschließend VDW Reciproc 25.08 in GYT

Variante B: Aufbereitung mit VDW Reciproc 25.08 in GYT mit simultaner elektrischer Längenmessung

Schritt 2
Reinigung und Desinfektion

Einsatz der SAF Feile

Schritt 3
Trocknung der Kanäle

Abschlussspülung mit höchstprozentigem Alkohol
Zur VDW Reciproc 25.08 Feile passende Papierspitzen zur Trocknung verwenden
Kavo Fine Air Luftpuster an die Papierspitze halten um durch Dochtwirkung eine zusätzliche Trocknung zu erreichen.

Optional Endox – Gerät zur Desinfektion und Trocknung zusätzlich einsetzen

Schritt 4
Wurzelkanalfüllung

Mit VDW 2 Seal Easymix (ein mit AH Plus vergleichbares Epoxy – Material) in einer Skini Syringe (Ultradent) mit Navi Tip – oder Capillary Tip-  Kanülen die Wurzelkanäle auffüllen.


Einen zur VDW Reciproc 25.08 – Feile passenden Guttaperchastift in den Wurzelkanal einbringen. Die Passung und Taperung des Guttaperchastiftes presst den Sealer in vorhandene Isthmen und Ramifikationen des Wurzelkanals, ohne dass komplizierte und verfahrenstechnisch aufwändige thermoplastische Verfahren hierfür zwingend notwendig wären.

Natürlich geht es immer besser.
Die Frage sei aber erlaubt, ob dem Patienten bei oben skizzierter Vorgehensweise nicht eine adäquate Behandlungsform zur Verfügung steht.

Die entscheidende Frage ist: Wie werden sich die beiden neuartigen Systeme in der Praxis bewähren ?

Zur VDW Reciproc  – Feile werde ich demnächst einen Praxisbericht hier einstellen. Und zum praktischen Arbeiten mit der SAF – Feile wird schon  an diesem Wochenende ein ausführlicher zweiteiliger Report von Oscar von Stetten erscheinen.

Valo LED Polymerisationslampe (Ultradent) – Ein Erfahrungsbericht

von Hans – Willi Herrmann


Die Valo LED Lampe von Ultradent  ist nicht ganz neu auf dem Markt und sowohl Olaf Löffler als auch Stefan Verch haben sich hier bei Wurzelspitze schon euphorisch darüber geäußert.

Ich hatte in den letzten Monaten die Möglichkeit, diese Lampe auszuprobieren.
Hier meine Erfahrungen kurz zusammengefasst:

Zunächst war ich ein wenig enttäuscht.
Vielleicht hatte ich, angesichts der euphorischen Berichte, zuviel erwartet.

Ich glaube jedoch eher, daß es daran lag, dass ich schon zu lange mit Akku LED Polymerisationslampen gearbeitet hatte. Denn die Valo LED Lampe ist für mich die beste kabelgebundene Lampe auf dem Markt und hätte ich bislang mit konventionellen Lampen gearbeitet, wäre ich überglücklich gewesen, mit einer Lampe zu arbeiten, die erfreulich,  ja erstaunlich   klein ist, aber denoch gut in der Hand liegt und deren Kabel so gut wie nicht spürbar ist. Nach über 3 Jahren des kabellosen Arbeitens war es für mich jedoch  wieder eine Umstellung, mit einer kabelgebundenen Lampe zu arbeiten. Nichts, woran man sich nicht wieder gewöhnen könnte, wenn man müsste, aber solange meine Bluephase einwandfrei funktioniert,  ist das Bessere, in diesem Falle das Freierbewegliche der Feind des Guten. Sofern der Akku mitmacht, wohlgemerkt, denn bei Ultradent hat man sich nicht ohne Grund für eine akkulose und damit in diesem Aspekt fehlerunanfällige Lösung entschieden. Und  – ich könnte mir gut vorstellen, daß Kollegen, die mit akkubetriebenen Geräten schlechte Erfahrungen gemacht haben, gerne auf die Valo zurückgreifen werden.

Noch zwei Dinge, die mir aufgefallen sind.
Bestimmte Areale (zum Beispiel unter permanentem  Dentalmikroskopeinsatz und mit Ultraschallansätzen rein indirekt präparierte Zahnhalskavitäten an einem endständigen Zahn 46 distal) sind schwierig zu erreichen. Der Kopf der Valo ist nämlich gerade, trägt also keinen der bekannten gebogenen Glaslichtleiter. Ein Schrägstellen der Lampe ist notwendig, wird jedoch durch die Mundöffnung im Einzelfall limitiert.  Des weiteren ist durch den fehlenden Lichtleiter generell auch  die Aufsicht auf die Kavität von okklusal eingeschränkt. Man kann nicht so einfach am Lampenkopf vorbeischauen. Nicht in jedem Fall, aber in bestimmten Situationen ist dies zwar kein Drama, aber doch gewöhnungsbedürftig oder zumindest auffällig.

Das wars aber schon mit den kleinen Nörgeleien. Bitte nicht missverstehen, ich möchte nicht Erbsenzählen, nicht im Baedeckerschen und erst recht nicht  im Beckmesserschen Sinne. Denn die Valo eine sehr gute Lampe, die handlich  und zuverlässig ihren Dienst tut.  Und – wenn man die nachwievor in der Mehrzahl der Praxis betriebenen Halogenlampen als Referenz heranzieht – ein Riesenfortschritt. An der Einheit montiert (innerhalb von Sekunden machbar)  immer funktionsbereit und auch unter Hygienegesichtspunkten einwandfrei, die vorhandenen und praktikablen Einmalschutzhüllen zur Verhinderung von Kreuzkontaminationen vorausgesetzt.

Ich schreibe über besagte kleine,  subjektive Auffälligkeiten, damit sich Jeder, der sich  ernsthaft für  eine Valo interessiert, speziell diese Aspekte genauer anschauen und für sich selbst bewerten kann,  ob er damit seinen Frieden machen und dann bewußt seine Entscheidung für das Gerät treffen kann.  Sicherlich eine gute Investition, die Valo ist ihr Geld wert. Ungeachtet dessen gibt es Gründe (wie Alles im Leben Geschmacksache), akkubetriebene Geräte zu verwenden.

Apropos Zuverlässigkeit.
An unserer Bluephase Lampe (mittlerweile Generation 2) ist wieder einmal ein Defekt zu beklagen.
Das Display leuchtet nicht mehr.

Ultradent Tilos System für Wurzelkanalaufbereitung

von Hans – Willi Herrmann

Im Vorfeld des ROOTS Summit IX in Barcelona wurde das neue Tilos – System der Firma Ultradent vorgestellt.
Es ist die Weiterentwicklung des Endo AET Systems. Die grundlegende Vorgehensweise einer oszillierenden maschinellen Aufbereitung wurde beibehalten und um Nickel- Titan – Feilen ergänzt.

Angesichts der Allgegenwärtigkeit rotierender Nickel-Titan-Systeme erscheint heutzutage ein solcher „Oldtimer“ eher unsexy und es gehört Mut und ein gehöriger Glaube an die Sinnhaftigkeit dieser Vorgehensweise dazu, ein so unkonventionelles System auf den Markt zu bringen.
Aber ganz so abwegig ist das Tilos -System ja gar nicht. Zum einen ermöglicht es eine circumferente Bearbeitung besser als rotierende Systeme, die ja allzuoft in einen ovalen unregelmäßig geformten Kanal ein mittiges kreisrundes Loch bohren. Und Torsionsbruch – Frakturen der Nickel – Titan Instrumente sind prinzipbedingt ausgeschlossen.

Schönes Detail am Rande – Eine Metallöse im Griff der Handinstrumente ermöglicht den komfortablen Einsatz eines Apex – Lokators durch Einklipsen.

Einen ersten Einblick in das System gibt das nachfolgende Video.


Modifizierte Mischkanüle für adhäsive Eingliederung Wurzelstift

von Maik Göbbels

Die angebotenen Mischkanülen dualhärtender Komposite zur Befestigung adhäsiver SSA im Wurzelkanal eignen sich nicht in jedem Fall für blasenfreies Arbeiten bzw. das Erreichen des Kavitätenbodens.
In unserer Praxis verwenden wir zur Befestigung der DT Light SL Glasfaserstifte von VDW als Komposite Rebilda DC der Firma Voco. Voco liefert seit einiger Zeit schmalere Mischansätze für die Applikation im Wurzelkanal (Bild 1). Diese erlauben jedoch nur eine Anwendung bei einem entsprechend weit aufbereiteten Kanallumen (Stiftgröße 3). Um auch durchmesserreduzierte Stifte der Größe 1 und 2 sicher befestigen zu können, benutzen wir seit einigen Monaten einen modifizierten Mischansatz. Dabei wird vom vorhandenen Ansatz der vordere Teil bis zum Beginn der Konizität mit einem Skalpell entfernt (Bild 2). Auf der so veränderten Spitze (Bild 3) klemmt man eine Kapillarkanüle von Ultradent derart fest, dass bei vorsichtiger Anwendung kein Material seitlich austreten kann (Bild 4).

Jetzt ist es möglich, unter Mikroskopsicht Komposite kontrolliert in tiefere Bereiche des Wurzelkanals einzubringen.


Fehler behoben ! (2)

von Hans – Willi Herrmann

Am Dienstag, beim Setzen eines Glasfaserstiftes und der Applikation des chemisch härtenden Komposits mittels einer „Skinny Syringe“ ging mir durch den Kopf:

Ich hatte schon lange keine „Capillary Tip“ mehr, die fehlerhaft war.

Genaugenommen, seitdem wir hier darüber berichtet haben, hatte ich solch ein Ereignis nicht mehr.

Und dann dachte ich: Eigentlich müsste man auch das mal schreiben.

Es wird ja immer nur das Negative berichtet.

Und das bleibt hängen.  Ich glaube, ich werde im Blog darüber berichten.

Und einen Tag später blättere ich in der Artikelvorschau von WURZELSPITZE und lese, was Jörg zu dem Thema geschrieben hat.

Bei ihm wie bei mir, alles wieder wie früher.

Und ich vermute, das es bei Olaf genau so ist. Vermutlich also nur eine einzige fehlerhafte Charge und jetzt, nachdem die Bulkpackung leer ist, ist das Problem behoben. Wie schön. Ich hätte nur ungern auf meine Capillary Tips verzichtet.

Aber da war noch das Problem mit dem Microsauger.

Das werde ich heute noch mal checken…



Fehler behoben!

von Jörg Schröder

An dieser Stelle habe ich vor einiger Zeit über Qualitätsmängel der Capillary Tips der Firma Ultradent berichtet. Auch Hans- Willi Herrmann und Olaf Löffler hatten ähnlich Beobachtungen gemacht.

Heute fiel mir auf, dass das Abknicken der Kanülen kurz nach dem Luer-Lock-Ansatz seit einiger Zeit nicht mehr auftritt und die Kanülen auch nicht mehr beim Einbringen des dualhärtenden Komposites entlang der Längsachse aufreissen.

Haben die Blogeinträge den Hersteller erreicht und zu einer Fehlerbehebung bewogen? War es nur das Problem von wenigen Chargen?

Ich freue mich jedenfalls, die Capillary Tips wieder in der gewohnten Ultradent-Qualität einsetzen zu können.

Schutzbrille reloaded

von Christian Danzl

Endlich habe ich die Schutzbrille gefunden, die ich gesucht habe. Mit meinen 2720 von 3M bin ich sehr zufrieden. Als Standard Schutzbrille zum Arbeiten für die Helferinnen und für mich. Es gab sie nur nicht mit orange-Roter Scheibe zum Ausfiltern des Blaulichtes der Polymerisationslampe. Die Swiss-eye war schon besser als nichts, aber im neuen Ultradent-Katalog (Dan Fischer) ist sie drin: Gleiche Form wie die 3M, aber in orange-rot. Sie filtert das Licht von 290 bis 320 nm Wellenlängen aus.

Wer sie braucht?

Ich nicht, aber Patienten, zum Schutz gegen das grelle blaue Licht der Polymerisationslampe.

Und Helferinnen, die nie dorthin schauen können, wo sie Komposit polymerisieren, und somit nicht immer dass Licht da ankommt, wo es hin soll…..

Polymerisationslampen im Praxistest (5) – Valo

Valo

von Olaf Löffler

Die Valo haben wir auf eine Empfehlung von Stefan Verch angeschafft.
Sie stammt aus dem Haus Ultradent.

Die Lampe zeichnet sich durch eine besonders schlanke Bauform und ständigen Netzbetrieb aus.

Zunächst die technischen Daten.

Gewicht: 77g
Länge: 20,5 cm
Spektrum: 395 nm – 480 nm

Polymerisationsmodi:

  • Standard: 1000 mW/cm2   5/10/15/20 Sekunden
  • High Power: 1400 mW/cm2   1/2/3/4 Sekunden
  • Xtra Power: 3200 mW/cm2   3 Sekunden

Die Lampe ist ohne Akku und besitzt ein Netzkabel. Zur Funktion ist eine Steckdose erforderlich.
Alugehäuse eloxiert und beschichtet

Für die Valo gibt es Hygieneschutzhüllen. Dabei ist festzustellen, daß die Handhabung der Lampe nicht beeinträchtigt wird.
Die Valo passt in so ziemlich jeden Geräteköcher der Einheit.

Bisher erweist sich die Valo als ergonomisch günstiges und einfach zu nutzendes Gerät. Durch die Netzleitung, welche sich nicht als störend zeigt, ist die Akkuproblematik ausgeschlossen. Ein nicht ablesbares oder reflektierenders Display ist nicht vorhanden. Die Bedienung ist einfach und an Hand der Statuslämpchen erkennbar.

Die Valo hat 4 eingebaute LED für die verschiedensten Farbspektren. Eine davon ist von geringer Leuchtintensität für unser Auge (405 nm). Das ist kein Defekt der LED. Das muss so sein.

Abschließend ist festzustellen, die VALO ist unser persönlicher Favorit. Es werden alle gängige Photoinitiatoren erreicht, die Ergonomie ist hervorragend und das Kabel erwies sich nicht als hinderlich. Letzteres wurde von uns nicht erwartet.

Valo

Sehr ärgerlich !

von Hans – Willi Herrmann

Wie hab ich sie all die Jahre gelobt, die capillary tips von Ultradent. Wer meine Kurse besucht hat, kennt meine Empfehlungen diesbezüglich.

Und jetzt das.
Jörg hat es beschrieben. Und ich weiss nicht, ob ich mich freuen soll darüber oder nicht. Denn ich habe das Problem seit einiger Zeit ebenfalls.

Beim Applizieren von chemisch härtendem Komposit zur adhäsiven Befestigung eines Wurzelstiftes platzt die Kanüle kurz vor der Spitze auf. Mit dem Risiko der Blasenbildung im Wurzelkanal. Eigentlich genau das, was ich mit dem Einsatz der capillary tips und der skinny syringes grundsätzlich ausschalten möchte.  Denn genau das ist schließlich der Grund, warum ich soviel Geld für diese Kanülen – Spritzen – Kombi ausgebe. Das es eine absolut narrensichere Methode ist, eben keine voids zu produzieren.

Und  – mindestens genauso schlimm. Die Kanülen passen nicht mehr auf die Adapter für die Mikroabsaugung. Sie lassen sich nicht mehr auf den Luerlock der Adapter aufdrehen. Sind ein wenig zu groß. Man muss sie mit einem Diamanten in Form bringen, um sie dafür verwenden zu können. Hatte ich in all den Jahren nie zuvor.

Was ist los, Ultradent ?  Ist das die Toyota – Inzidenz ?

Spiegelauflage selbstgemacht

Von Jörg Schröder

Der Einblick in die apikalen Kanalabschnitte unterer Molaren gestaltet sich aus unterschiedlichen Gründen oftmals schwierig: eine reduzierte Mundöffnung, die Lingual- bzw. Mesialkippung des zu behandelnden Zahns oder eine Krümmung im apikalen Kanaldrittel erschweren nicht nur die visuelle Inspektion sondern auch das kontrollierte Arbeiten mit Hand- oder Ultraschallinstrumenten unter Sicht.

Häufig muss aufgrund eingeschränkter Platzverhältnisse auf sehr kleine Spiegel zurück gegriffen werden. Nur eine lagestabile  Positionierung  des Spiegels erlaubt ein kontrolliertes Arbeiten in der Tiefe des Kanals. Kann der Spiegel nicht ruhig gehalten werden, gerät die Instrumentenspitze aus dem Fokus. Gerade die kleinen Spiegel neigen jedoch dazu nach dem „Anlegen“ von der Auflagefläche wegzurutschen.

Abhilfe schafft hier ein einfacher Trick:

1. Der Spiegel wird so platziert, dass der zu bearbeitende Kanalabschnitt scharf dargestellt ist.

2. Das einzusetzende Instrument wird so in den Kanal eingebracht, dass die geplante Bewegung unter Sicht im Spiegel nachverfolgt werden kann.
3. Nach erneuter Überprüfung der Spiegelposition wird unter und hinter dem Spiegel eine kleine Menge Opaldam aufgebracht und lichtgehärtet.

4. So entsteht eine stabile Spiegelauflage die ein reproduzierbares Einsetzen ermöglicht.

Das zeitaufwändige und mitunter nervige Korrigieren der Spiegelposition gehört der Vergangenheit an.

Calciumhydroxid – Koronaler Abschluss

von Hans – Willi Herrmann

Noch ein Tipp, die Verarbeitung von Calciumhydroxid betreffend.

Das Material, UltracalXS (Ultradent), ist eingebracht.

Mit den Capillary Tips kein Problem und gut kontrolliert unter Dentalmikroskop – Kontrolle.

Jetzt geht es um den koronalen Abschluss, die provisorische Füllung zwischen den Sitzungen, die bei uns fast ausschließlich mit Glasionomerzement stattfindet.

Wie aber den Glasionomerzement einbringen ?
Eine Isolation gegenüber dem Calciumhydroxid muss her.

Wattepellet ? Definitiv ungeeignet, ebenso wie Peletim – Schaumstoffpellets.

Teflonband wäre eine Möglichkeit, die funktioniert.

Wir gehen seit bald 10 Jahren einen anderen Weg.
Calciumhydroxid – Pulver (aus der 500 Gramm Dose von Merck)  in einem Dappenglas und eine Amalgam -Pistole, die mit dem Pulver gestopft wird.

Anschließend wird das Calciumhydroxid mit der Pistole in die Kavität eingebracht und  mit einem Zementstopfer verdichtet.
Es entsteht eine sehr feste Schicht aus Calciumhydroxid – Pulver, auf die der Glasionomerzement aufgebracht werden kann.

Zusätzlicher Nebeneffekt.
Das Calciumhydroxid in den Kanälen wird verdichtet und verteilt sich besser in den Kanälen.

Und auch das Rausbohren der Füllung gestaltet sich sehr einfach.
Den Bohrer soweit versenken, bis er das  Calciumhydroxid erreicht, was sich durch ein leichtes „Durchsacken“ bemerkbar macht.

Fakt ist, das Teflonband, so sehr ich es schätze, kann unsere altbewährte Vorgehensweise nicht ablösen, die Vorteile überwiegen.

Vielleicht einfach mal ausprobieren ?

 

Teilmatritzen – Update

von Oscar von Stetten

Auf der stetigen Suche nach Detaillösungen für schwierige Situationen fiel mir der neue Ultradent – Katalog in die Hand. Dort fand ich, neben anderen sehr nützlichen Dingen, diese Teilmatrizen mit einem breiteren „Zünglein“ apikal. 

Das kommt mir in manchen Situationen sehr gelegen, wenn der Zahn approximal einen sehr breiten und tiefen Defekt hat. Die Matrizen von ContactMatrix sind da oft erst nach dem Individualisieren gut zu gebrauchen.  Die Matrizen sind steifer als die ContactMatrix, was zum Verdrängen von Kofferdam oder Gingiva bei tiefen Defekten durchaus von Vorteil sein kann.

 

Ultracal, die 2te

von Ronald Wecker

Die  38 jährige Patientin stellte sich im Oktober letzten Jahres (2008) in unserer Praxis zur Routineuntersuchung vor.
Ohne Beschwerden, jedoch mit einem Missempfinden „unten links am Zahnfleisch“. Am Zahn 36 war die Gingiva buccal in Bereich der Furkation etwas dicker. Taschentiefen rund um den Zahn waren normal im Bereich von 2 – 3,5 mm. Nur buccal an der Furkation waren 12 mm zu messen. Sensibilitätstest mit Kältespray verlief negativ. Lockerungsgrad 0, Perkussion negativ.

Röntgenologisch imponierte eine Aufhellung zwischen den Wurzeln. Das interradikuläre Septum war nicht mehr zu erkennen – was mit der TT-Messung konform ging.
Die Patientin und ich entschieden uns für einen Erhaltungsversuch.
Der Zahn wurde trepaniert, die Wurzelkanäle dargestellt und aufbereitet. Spülung erfolgte nach unserem Standard-Protokoll mit CHX, EDTA, NaOCL und Alkohol, jeweils mit US-Aktivierung. Als medikamentöse Einlage wurde Ultracal XS von Ultradent verwendet. Die Trepanationsöffnung wurde verschlossen mit Cavit (ESPE 3M).
Nach einer Woche wurde der Zahn nochmals geöffnet, und dem Spülprotokoll unterzogen. Das Missempfinden war zwischenzeitlich verschwunden, die Patientin war beschwerdefrei.
Med wieder mit Ultracal XS , Verschluss diesmal mit Cavit und GIZ, da die Med diesmal mehrere Wochen liegen sollte.

Mitte Januar 2009 stellte sich die Patientin abermals vor.
Bisher keine Schmerzen oder Missempfinden.
Die Sondierung der Taschentiefen zeigte jedoch den Rückgang der Tasche an der Furkation buccal von 12 mm auf 3 mm.

Wegen des Rückgangs der Sondierungstiefe und einer röntgenologisch erkennbaren Ausheilungstendenz entschied ich mich zur Wurzelfüllung.
Diese wurde in vertikaler Kompaktioon durchgeführt, die Kanäle koronal und die Kavität anschließend adhäsiv verschlossen.

Wiedervorstellung in 3 Monaten, sollte die Heilung weiter voranschreiten wird der Zahn überkront.

Ultracal war hier sicher nicht der entscheidende Punkt, die Ausheilung betreffend, auch ein anderes Präparat hätte hier gute Dienste geleistet. Aber die Applikationsmöglichkeit über  die Kanüle bis an die Wurzelspitze erleichterte das Einbringen deutlich.

Ausgangszustand

nach 2 Monaten Calciumhydroxid

Masterpoint

Wurzelfüllung

Ein Stückchen Blech

von Hans -Willi Herrmann

Ist es notwendig, über einen Streifen Stahl überhaupt Worte zu verlieren ?
Auf jeden Fall, wenn es um die Interguards der Firma Ultradent geht. 

Ich bin der Meinung, Achtung, dass ist jetzt kein Scherz, die Krankenkassen sollten diese Hilfsmittel den Zahnärzten kostenlos zur Verfügung stellen und ohne Murren ein Honorar bei Anwendung zahlen.
Warum ?
Weil diese unscheinbaren Hilfsmittel den Kassen jede Menge Geld sparen.
Ich finde die Interguards „Klasse“ und setze Sie in jedem Fall ein, in dem ein aproximaler Defekt in unmittelbarer Nähe zum Nachbarzahne einer Bearbeitung mittels rotierendem Diamantbohrers bedarf.

Die Interguards schützen die Nachbarzähne und die haben es nötig.
Nach mehreren Studien von Lussi werden so gut wie fast alle Nachbarzähne (einmal 100%, einmal 95 %) , die im direkten Kontakt zu einer Approximalkavität stehen, bei der Exkavation verletzt. Und dann sind weitere Füllungen vorprogrammiert. Über einen Zeitraum von 7 Jahren entwickeln sich lt. Quist et. al. mehr als doppelt so häufig kariöse Lasionen an solchen Stellen als an unbeschädigten Zähnen.

Ein Interguard separiert diese Bereiche.
Und schützt sie.  Das lässt sich sehr leicht beweisen. Ein Interguard, der im Approximalbereich lagert und nach der Exkavation ohne Zerstörung seiner Oberfläche, also zwar mit Schrammen aber ohne Loch aus dem Mund entfernt wird, hat verhindert, dass der einer Füllung benachbarte Zahn in seiner Integrität verletzt wurde. Kein iatrogener Defekt, keine Füllung, gespartes Geld für das Gesundheitssystem.

Wird der Approximalbereich ganz aufgelöst, so ist es manchmal notwendig, das/den  Interguard mit zwei Fingern in Position zu halten und wer auf Nummer sicher gehen will, der sichert das/den  Interguard gegen Verschlucken/Aspirieren mittels einer Zahnseideligatur.

Zwar gab es schon früher immer wieder Versuche und Empfehlungen, diesen Bereich zu schützen, z.B. durch eine Separierung mit Keilen, mit Hilfe von Tofflemire – Matritzen oder Korund – Stahlbändern, aber nichts funktioniert so einfach und doch zuverlässig wie ein Interguard.

Das Foto zeigt links die schmale Variante, mittig einen Interguard nach Benutzung mit Schleifspuren  und rechts die breite Variante.

Die Crux mit dem Calciumhydroxid (2)

von Hans – Willi Herrmann

So um das Jahr 1997 meine ich zum ersten Mal gelesen zu haben, dass Calciumhydroxid in bestimmten Fällen nicht die Wirksamkeit entfaltet, die man ihm zugedacht hat.

Mittlerweile ist das eine Riesendiskussion und unterschiedlichste Parteien werden nicht müde, gebetsmühlenartig entweder die Unwirksamkeit oder die hochaktive Potenz dieses Mittels zu unterstreichen.
Merkwürdigerweise geht bei diesen Debatten niemand daher und hinterfragt, inwieweit das Material an sich oder jedoch vielmehr  seine  jeweilige Darreichungsform beziehungsweise die Art der Platzierung einen möglicherweise entscheidenden Einfluss haben auf die Effizienz der medikamentösen Einlage.

Ich habe Calciumhydroxid im Chemieunterricht kennengelernt.
Und später wieder in der Zahnmedizin als Calxyl rot und blau im Gläschen.

Nimmt man einen Universalindikatorstreifen und testet den pH -Wert des Materials, zeigt sich schnell, dass die bröcklige Masse, die sich innerhalb kurzer Zeit nach Öffnung des Gefässes einstellt, zu mehr oder weniger großen Teilen nicht mehr aus CaOH2 als wirksame Substanz allein, sondern auch aus einem nicht unbedeutenden Anteil CaCo3 besteht, weil eine Reaktion mit den Bestandteilen der Umgebungsluft stattfindet. Jeder von uns kennt diese bröcklige Masse, die über Monate  im Gläschen dahinvegetiert.

Die Folge – kein PH -Wert von 12, sondern ein deutlich neutralerer.
Die Wirksamkeit des Materials ist nicht mehr in ihrer vollen Form gegeben. So hatte ich es mit meinen Kenntnissen aus dem Chemieunterricht auch erwartet.

Die Konsequenz daraus: Das CaOH2 selbst anmischen, um damit immer frisches Material zur Verfügung zu haben.

Dies geht zu Lasten die Röntgensichtbarkeit (die nicht mehr gegeben ist, sofern man nicht Bariumsulfat noch zumischt (hab ich nie getan, kann man mit leben, wenn´ s wirkt)).

Ein weiteres Problem bleibt.

Die Frage der Applikation.

Ganz gleich, ob Lentulo, Micro Mega Füllspirale oder EZFill – Spezial – Lentulo.

Haben Sie schon mal Röntgtenbilder gemacht nach Applikation von CaOH2 ? Sie werden möglicherweise erstaunt sein darüber, wie wenig das Material in all die Bereiche vorgedrungen ist, die es ausfüllen soll.

CaOH2 erzielt seine Wirkung nämlich, dass wissen wir heute, vor allem bei direktem Kontakt mit den Bakterien.
Und in vielen Kanälen, in denen das Material lediglich das koronale Drittel ausfüllt, ist dies eventuell nur unzulänglich gegeben.

Warum also wirkt also das Material im Einzelfall nicht ? 
Weil CAOH2 an sich unwirksam ist ?
Kann ich nicht glauben, denn ich habe schon einmal eine Weichteilnekrose (nach Calciumhydroxidapplikation in das periradikuläre Gingivagewebe auf Grund einer vorhandenen Perforation) gesehen.
Was innerhalb von wenigen Sekunden im Zahnfleisch seine Wirkung deutlich sichtbar hinterlässt, dass killt auch Bakterien.

Oder ist CaOH2 scheinbar unwirksam, weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind, dass es wirken kann ?

Jetzt die gute Nachricht. 
Mit der Markteinführung von Ultracal XL (Ultradent) hat sich, die Wirksamkeit betreffend, etwas  entscheidend zum Guten gewendet.

In der Ultradent – typischen Applikatorspritze steht ein röntgensichtbares und dauerhaft pH -Wert beständiges Material zur Verfügung, dass in seiner Konsistenz so dünnfließend ist, dass es mit feinen Applikationskanülen eingebracht werden kann.

Von der  Tiefe des Kanals bis zum Kanaleingang ist es damit möglich, das Material zu applizieren.
Ein inniger Kontakt mit dem zu desinfizierenden Kanalinhalt ist damit gegeben.

Von den beiden abgebildeten Kanülen Navi Tip (blau) und capillary tip (purpur) verwenden wir fast immer die zweitgenannte weniger zur Verstopfung neigende Kunststoffkanüle.

 

„Be a Mac Gyver“

von Christoph Kaaden

zu den wohl besten technischen Neuerungen in der Endodontologie zählen moderne Endometriegeräte. Diese „Mini-Computer“ erlauben eine sehr vorhersagbare, zuverlässige und reproduzierbare Bestimmung der endodontischen Arbeitslänge mittels Impedanzmessung. 

Allerdings sieht man sich in der klinischen Anwendung gelegentlich mit gewissen anwendungstechnischen Problemen konfrontiert.
Hierzu zählen in erster Instanz Fehlmessungen bei Zähnen mit metallischen Restaurationen (z.B. Kronen).

Weiterlesen

Neuer Hut

von Hans – Willi Herrmann

Mit Opaldam hat Ultradent ein ein weiteres Eisen  im Feuer, wenn es um das Abdichten von Kofferdam – Undichtigkeiten geht. Ebenfalls in der Ultradent – typischen Applikations – Spritze geliefert, erscheint es auf den ersten Blick als die modernere, zeitgemäßere, smartere Variante des  Klassikers Oraseal, der an dieser Stelle schon vorgestellt wurde.

Trotzdem konnte es in unserer Praxis Oraseal nicht ersetzen oder gar überflüssig machen. Im Gegenteil kommt Opaldam zur Abdichtung von Kofferdam- Undichtigkeiten gegenüber Oraseal weniger oft zum Einsatz.

Für das Material spricht aus unserer Sicht, dass es im Gegensatz zu Oraseal nicht schmiert. Das nervt nämlich bei Oraseal. Insbesonders dann, wenn sich die Abdichtung in unmittelbarer Nähe der Kavität befindet und man versehentlich mit einem Instrument oder einer Spülkanüle an das Oraseal herankommt und dieses unkontrolliert in der Gegend  verteilt.
Opaldam, im Ausgangszustand mit einer Konsistenz, die an thixotrophere Flow – Komposits erinnert,  wird mit UV – Licht ausgehärtet und bildet danach eine feste Masse. Es kann punktgenau appliziert werden, viel genauer als es mit Oraseal möglich wäre und lässt sich nach Ende der Behandlung schnell und einfach, zumeist sogar mit dem Kofferdam per se entfernen.

Jetzt aber die Nachteile:

  • Zum einen muss die Oberfläche, die abgedichtet werden soll, vollkommen trocken sein.
    Ist dies der Fall, kein Problem.
    Was aber passiert, wenn dies nicht gegeben ist: Im Gegensatz zu Oraseal, dass von leichter Feuchtigkeit sich unbeeindruckt zeigt und diese sogar aufnimmt, führt ein Feuchtigkeitsfilm bei Opaldam dazu, dass sich das Material möglicherweise vom Zahn oder Kofferdam ablöst und damit unbrauchbar wird.
  • Wird der Kofferdam bewegt, zum Beispiel bei der Durchführung eines Röntgenbildes, so kann es sein, dass die Haftung des Opaldams verloren geht  und Feuchtigkeit zutritt oder das Material sich vom Zahn oder Kofferdam löst. Oraseal klebt besser am Zahn und ist deshalb, was diese Zwischenfälle angeht, weniger anfällig.
  • Das opake Material bedarf einer gewissen Zeit der Lichthärtung.
    Mit wenigen Sekunden ist es nicht getan, es sollte schon ein Zyklus von 20 Sekunden pro Härtung nicht unterschritten werden.
    Pro Seite, was bedeutet,dass man bei einer zirkulären Abdichtung schon eine Minute zum Aushärten einkalkulieren muss.
    60 Sekunden, nicht viel –  sagen Sie ?
    Naja, wenn man bei Oraseal die gesamte Prozedur in weniger als 5 Sekunden abgehandelt hat, dann fällt die Wartezeit bei Opaldam in bestimmten Fällen schon irgendwie ein wenig nervig ins Gewicht.
    Ich wollte es ja auch nur angesprochen haben …

Unser Fazit: Wenn möglich, greifen wir zu Opaldam, aber meistens ist doch Oraseal das Material der Wahl.

 

Alter Hut

von Hans – Willi Herrmann

Das Ding hat „so einen Bart“.
Ich würde mal sagen, jeder von uns kennt das Material seit vielen Jahren.

Merkwürdigerweise kommt aber auf den Fortbildungen immer wieder die Frage: „Was ist das denn für ein weißes Zeug um den Zahn und den Kofferdam herum ?“ 

Nehmen wir also diese Frage zum Anlass,  an dieser Stelle in loser Folge ein paar Tipps zur Abdichtung von Kofferdamisolierungen zu geben  und beginnen wollen wir natürlich mit Oraseal, dem Klassiker von Ultradent. Ein Material auf Zellulose – Basis, dass bei uns immer dann zum Einsatz kommt, wenn eine kleine Undichtigkeit schnell abgedeckt werden soll. Dabei spielt es im Übrigen keine Rolle, ob eine leichte Restfeuchtigkeit im Abdichtgebiet vorliegt. Denn Oraseal klebt ein wenig an Zahn und Kofferdam und quillt unter Feuchtigkeitszufuhr leicht auf. Man erreicht damit zumeist über die gesamte Behandlung hinweg ausreichenden Halt und Abdichtung.

Unser Fazit: Muss jederzeit griffbereit sein.

 

Abdichtung des Kofferdams mittels Oraseal

Abplatzer

von Donald Becker

Die Trepanationsöffnung in der  vorhandenen Metallkeramikkrone 46  war aus ästhetischen Gründen schon extra klein gewählt, aber trotzdem kam die Patientin kurze Zeit nach Abschluss der Wurzelkanalbehandlung unverhofft mit einer Hiobsbotschaft in die Praxis. „Nein, dem Zahn geht es gut, keine Schmerzen mehr seit die Behandlung begonnen worden war, aber ein Stück von der Krone sei abgeplatzt.“

Beim Biss auf ein weiches Brötchen im Übrigen, eine Antwort, die ich merkwürdigerweise von rund 90 Prozent aller Patienten zu hören bekomme, wenn es um die Fraktur eines Zahnersatzes, ganz gleich ob herausnehmbar oder festsitzend, handelt.

Das Ausmaß der Bescherung ?

Sehr unbefriedigend, denn nicht nur ein Teil der vestibulären Wand der Metallkeramikkrone an 46, sondern auch Keramik interdental zum Zahn 45 war weggebrochen. Der Kontaktpunktbereich nicht mehr intakt, eine Impaktion von Speiseresten vorprogrammiert.

Was tun ?
Die Krone sofort erneuern ?
Kurz, eigentlich sogar unmittelbar  nach WF ?

Nach Rücksprache mit der Patientin entschieden wir uns, den Defekt  mittels Komposit wieder auszugleichen. Um Zeit zu gewinnen, bis eine erste Röntgenkontrolle in der Nachsorge uns Aufschluss über der apikalen Zustand des Zahnes geben würde.

Nach Anlegen von Kofferdam und Defektpräparation wurde zunächst die Konditionierung der Defektoberfläche vorgenommen. Im Bereich der Keramik erfolgte die Ätzung mittels Ultradent Porcelain Etch. Anschließend wurde ein Silan aufgetragen.

Mindestens ebenso schwierig wie die Schaffung einer ausreichenden Mikroretention ist das Handling der Kompositmaterialien, will man zumindest  eine  akzeptable, idealerweise eine trotz ungünstiger Ausgangssituation ansprechende Ästhetik erreichen. Die uns zur Verfügung stehenden Komposite sind nämlich nicht dafür gemacht, auf eine lichtundurchlässige Oberfläche aufgebracht zu werden. Verwendet man sie dennoch wie vom natürlichen Zahn gewohnt, ist in der Regel ein häßliches, dunkel und gräulich schimmerndes Aussehen die Folge.

Um dem zu entgegnen, decke ich in solchen Fällen die Metallbestandteile der Krone mit einem weißen und stark opaken Flow – Komposit z.B. Tetric Evo Flow Bleach XL (Ivoclar – Vivadent) ab. Eine Vorgehensweise, wie wir sie durch Opakereinsatz vom Zahnlabor  her kennen.

Im vorliegenden Fall konnte so, in Kombination mit unterschiedlichen Kompositfarben, ein Ergebnis erzielt werden, dass den Defekt nur bei genauem Hinschauen sichtbar werden lässt.

Für den Behandler akzeptabel, für die Patientin sehr schön. So schön, dass es möglicherweise nicht einfach sein wird, diese von einer eventuellen Neuanfertigung der Krone zu überzeugen.

Andererseits, solange der Kunststoff hält und dicht abschließt, wäre auch für mich die Krone kein absolutes Muss.