Endo- Paro – Läsion

von Mesantiab Sanns

Die Patientin stellte sich wegen einer Fistel Regio 14 bei uns vor, die Taschentiefenmessung von 8mm mesial an Zahn 15 ließ schnell auf eine parodontale Beteiligung schließen. Zahn 15 ist seit einigen Jahren der distale Brückenpfeiler zu Zahn 13.
Die Ausgangsaufnahme wurde mit eingebrachter Iso15 Guttaperchaspitze, die sich ohne Widerstand fast komplett in den Fistelgang hat einbringen lassen, gemacht.
Nach der Röntgenaufnahme wurde ein 2. Kanalsystem vermutet, welches den Ausgang nach mesial in Richtung Regio 14 haben könnte, da dort die größte röntgenologische Aufhellung zu sehen ist.
Der palatinale Kanal wurde initial mit ProFile, final mit WaveOne revidiert. Nach Ausdehnung der Zugangskavität Richtung bukkal wurde tatsächlich ein zweites Kanalsystem gefunden und analog zum pal. Kanal aufbereitet. Interessanterweise lag hier eine deutliche Stufenbildung mit Instrumentenfragment im unteren Kanaldrittel vor, welches auf der Ausgangsaufnahme nicht zu erkennen war (evtl. überlagert durch in Fistelgang eingebrachte Guttaperchaspitze???). Die nur ca. 1,5mm lange Instrumentenspitze ließ sich erst nach ca. 30 Minuten mittels Ultraschall entfernen, was einen zeitlichen Mehraufwand für die Behandlung bedeutete, da ich Fragment und Stufe nicht erwartet hatte.
Nach elektrometrischer Messung (buc:16,5mm, pal:19mm) wurde Calciumhydroxid eingebracht und provisorisch Verschlossen, im Anschluss die PAR-Behandlung an 15 durchgeführt.
Nach 3 Wochen war kein Fistelmaul mehr zu entdecken, nach erneuter Messung und Ausformung der beiden Kanäle wurde mit NaOCl, Zitronensäure und CHX aktiviert gespült und thermoplastisch verschlossen. Gut zu sehen ist die abgefüllte Stufe des bukkalen Kanals, ein kleiner Seitenkanal wurde zusätzlich ausgepresst. Anschließend adhäsiver Verschluss und orthoradiale und exzentrische Röntgenaufnahme.
Obgleich der eher eingeschränkten Prognose des Zahnes wegen der großen Knochendefekte und Fistelbildung wagten wir den Versuch zur Erhaltung des Zahnes und somit der Brückenversorgung. Die Patientin ist beschwerdefrei und wird sich in 4-5 Monaten zur Kontrollaufnahme wieder in der Praxis einfinden, wir werden sehen was uns das Röntgenbild zeigt.


Abschließend hätte uns im Vorfeld evtl. eine weitere Ausgangsaufnahme ohne eingebrachte Guttaperchaspitze helfen können Stufe und/oder Fragment zu entdecken und somit eine bessere zeitliche Planung erlaubt.

Für Anregungen, Diskussionen und Kritik bin ich immer zu haben.

Viele Grüße aus dem Taunus,

Mesantiab Sanns

3 Gedanken zu „Endo- Paro – Läsion

  1. Vielen Dank für den interessanten Fall. Sie haben nach der endodontischen Ersthandlung eine PAR Behandlung durchgeführt. Welche Technik haben Sie dort angewendet?
    mfg E Kramer

    • Hallo E Kramer, mein Kommentar von heute Mittag scheint verloren gegangen sein. Die Therapie war ganz konservativ, natürlich geschlossenes Vorgehen, mittels Ultraschall und Airscaler zur Entfernung der vorhandenen Konkremente, um überhaupt erst ein Re-Attachment zu ermöglichen. Die schwierigste Frage diagnostisch ist für mich immer, ob ein rein parodont., ein rein endodont. oder ein kombibiertes Geschehen vorliegt. Endodontologisches Geschehen durch 2. kanalsystem ist klar, durch das Vorhandensein von Konkrementen in der Tasche war ein parodontologisches Vorgehen für mich obligat.
      Gruß
      Mesantiab Sanns

  2. Hall Herr Kramer,
    Therapie ganz konservativ mittels Ultraschall und Airscaler zur Entfernung der vorhandenen Konkremente, um ein Re-Attachment überhaupt erst wieder zu ermöglichen (unter Verzicht auf sytemische oder lokale Antibiose, Schmelz-Matrix-Proteinen, CHX-Einlagen oder solchen Späßen).
    Gruß

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