Der Fall wurde hier vorgestellt und an Hand der Kommentare konnte man sehen, daß die Augen unserer Leser bereits sehr gut geschult sind.
Ich habe die Problematik in diesem Fall glatt übersehen!
Woran erkenne ich in der Behandlung an Hand der klinischen Situation, daß hier eine Besonderheit, wie Radix entomolaris vorliegt?
Zum einen kann ich dies ggf. an Hand der Kronen/Wurzelkontur lingual erkennen. Wenn eine Krone, wie im vorliegenden Fall vorhanden ist, ist dieses Merkmal nicht eindeutig.
Ein andrere Besonderheit ist, daß die Lage des distalen Kanaleingangs nicht mittenzentriert zu den beiden mesialen Kanaleingängen liegt. Zudem sind ggf. am Pulpenboden Dentin/Reizdentinveränderungen zu sehen, die sich in Richtung der Radix entomolaris hinziehen.
Die Patientin stellte sich zum zweiten Termin bei uns vor und gab an, es war fast 2 Wochen schmerzfrei, danach fingen latente Beschwerden an. Deutlich geringer als früher, aber bemerkbar. In der Aufbereitung und Vorbereitung zur Wurzelfüllung wurde endlich auch mit klar, da stimmt etwas nicht. Die Lage des distalen Kanaleingangs, die klar erkennbare Radix entomolaris in der Messaufnahme und die „Reizdentinablagerungen am Pulpenboden“ brachten die Erkenntnis. Ich habe mich entschieden, die bereits aufbereiteten Kanäle zu füllen und danach ein DVT anzufertigen um die Gefahr einer Rekontamination der aufbereiteten Kanäle möglichst gering zu halten. Nach entsprechender Beratung mit der Patientin haben wir den Kanaleingang distolingual dargestellt und diesen stark obliterierten Kanal, wie bereits beschrieben aufbreitet (Profile 15.04, Wave Gold) desinfiziert (NaOCl 3%, Zitronensäure 10%) und mit einer CaOH Einlage versehen.
Im dritten Behandlungstermin war die Patientin völlig schmerzfrei und wir konnten nach WF distolingual den Zahn adhäsiv verschließen.

Hallo Olaf,
schön gelöst.
Hast du das DVT dann nur für dich gemacht, oder der Patientin in Rechnung gestellt, da es für die Diagnostik notwendig war?
Hast du eigentlich Daten, wie häufig eine solche zusätzliche Wurzel bei unteren Molaren vorkommt?
Ich sehe die ab und an auch mal an 8er, weil ich viel operiere.
Habe aber keine validen Daten über die Häufigkeit gefunden.
LG,
Markus
Hallo Markus,
das DVT habe ich nicht in Rechnung gestellt.
Zu den Daten. Es gibt da eine Studie, in welcher genau Zahlen angegeben werden.
https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/article/836032/endodontie/2010/02/die-anatomie-von-unterkiefermolaren
Thiessen, Dirk / Schröder, Jörg / Kaaden, Christoph
Die Anatomie von Unterkiefermolaren
Afrikanische Völker 3%
Eurasien und Indien unter 5%
mongolische Völker (wie z.B. Chinesen und Eskimos) 30%
Kaukasische Völker 3,4-4,2%
in Deutschland bei dem Patientengut einer Zahnklinik 1,35%
Gruß
O.