Eine ausgedehnte periapikale Pathologie kann die Endometrie falsch positiv beeinflussen, da es aus dem periapikalen Raum heraus zum Eindringen von Flüssigkeit in den apikalen Wurzelkanalabschnitt kommen kann.
In der Folge touchiert das zur Längenmessung eingebrachte Instrument die abkaue Flüssigkeitssäule und zeigt das Erreichen des apikalen Endpunktes an.
Ein Grund für mich, in diesen Situationen ein zweizeitiges Verfahren zu bevorzugen und zugleich immer eine Instrumentenaufnahme, oder, wie in diesem Fall, sogar zwei Instrumentenaufnahmen anzufertigen.
Die Frage des Verursachers der ausgedehnten apikalen Aufhellung war anhand des elektrischen Sensibilitätstestes schnell geklärt. Die Zähne 31 und 42 reagierten reproduzierbar positiv auf den elektrischen Reiz.
Da das DVT deutlich in 41 einen längeren Kanalverlauf anzeigte, habe ich nach der ersten Messaufnahme (ProFile 40/04) mit 35’er Papierspitzen bis zu der im DVT ermittelten Kanallänge so lange getrocknet, bis die Papierspitze vollkommen trocken bleib.
Und dann mit einer ProFile 35/04 die zweite Messaufnahme in der nunmehr neuen , endometrisch bestätigten Endposition angefertigt.
Wie so oft galt: Schön skeptisch bleiben, wenn nicht alle Puzzleteile perfekt zusammen passen.
Den nachfolgenden Behandlungsfall – ein Schlagtrauma hatte Folgen für die Unterkieferfrontzähne dieses jungen Patienten – hatte ich vor einigen Wochen noch einmal aufgegriffen, da es an Zahn 42 zu einer sich von apikal nach koronal ausdehnenden internen Resorption gekommen war.
Bei der nun durchgeführten endodontischen Behandlung zeigte die Endometrie an Zahn 42 reproduzierbar, wie die Einprobe des Masterpoints eindrucksvoll zeigt, erheblich zu kurz an.
42 wies im DVT eine Aufgabelung in zwei recht weite apikale Kanalanteile auf, die sich kurz vor dem Foramen wieder vereinten. Da das bukkale Kanalsystem die wesentlich geringere Krümmung aufwies, erfolgte die Präparation des apikalen Kanalanteils zunächst über B.
Die mit einer apikal leicht friktiv sitzenden ProFile wurde die Arbeitslänge viele Male bestimmt und dann, obwohl das DVT eine deutlich größere Arbeitslänge vermuten ließ, mit einer apikal klemmenden Guttaperchaspitze überprüft.
Dass der radiologische Apex nicht der Lage des Foramen entspricht ist seit langem bekannt. Aber 3mm? Die nach Erstellung der Masterpointaufnahme auf die anhand des DVT ermittelten Arbeitslänge eingebrachte sterile Papierspitze zeigte eine Markierung, die mit 3 Millimetern exakt der Streckenlänge der internen Resorption entsprach.
Bei der nächsten Überprüfung (endometrisch und radiologisch) passten nunmehr die klinisch ermittelte und die am DVT ausgemessene AL überein.
Das Phänomen, dass es falsch positive Endometrieanzeigen gibt, tritt meiner Erfahrung nach sehr häufig bei Vitalexstirpationen auf. In diesem Fall genügte ein recht kurzer apikaler Gewebeanteil, um die Messung zu verfälschen.
Zu der häufig geäusserten Aussage, dass eine wie auch immer geartete Messaufnahme im Zeitalter der Endometrie obsolet ist, möchte ich sagen: Ich glaube nicht.
Erstbehandlungen kommen in meiner Praxis sehr selten vor. 95% meiner Tätigkeit besteht aus Re-Dentistry. Wiederholungszahnheilkunde.
Insofern sind die beiden im Folgenden dokumentierten Behandlungen einerseits eine Rarität weil Erstbehandlung, andererseits jedoch Fälle, wie sie täglich hundertfach in deutschen Zahnarztpraxen auftreten.
Eigentlich war letzte Woche die endodontische Behandlung des Zahnes 17 geplant gewesen. Die tiefe Approximalkaries hatte die Pulpa großflächig erreicht und wurde alio loco erstversorgt.
Die Initiative uns zu konsultieren ging vom Patienten aus. Ein Umstand, der laut Patient dazu führte, dass eine kurzfristige Behandlung der kurz nach der Erstbehandlung des 17 -die im übrigen zur Beschwerdefreiheit führte – an Zahn 47 auftretenden pulpitischen Beschwerden für „terminlich nicht realisierbar“ befunden wurde.
So mussten wir den zur Behandlung des 17 geplanten Termin kurzfristig mit einem anderen Inhalt füllen.
Nach klinischer Diagnostik (47 mit stark verzögerter Antwort auf den elektrischen Reiz, deutlicher Perkussionsempfindlichkeit bei fehlendem Okklusionskontakt zum Antagonisten, pulpanaher Füllung) und Einschätzung der anamnestisch eruierten Befunde (starke, reizüberdauernde Warmmissempfindung, pulsierende Schmerzen, die die Nachtruhe störten) war die Diagnose einer irreversiblen Pulpitis recht eindeutig.
Nach lokaler Anästhesie und absoluter Trockenlegung konnte eine extrem pulpanahe Füllung, die distolingual nur noch einen Hauch vom Pulpakammerhohlraum entfernt endete und nicht in kariesfreiem Dentin lag, als Ursache ermittelt werden. Der koronale Anteil des Pulpagewebes war bereits nekrotisch. Ca. 2 mm weiter im Kanal befand sich noch vaskularisiertes Pulpagewebe.
Die Mundöffnung war sehr eingeschränkt, sodass sich die Darstellung der Kanalsysteme und die nachfolgende Aufbereitung als nicht sehr einfach gestaltete. Eine Positionierung des Röntgensensors war aufgrund von geringer Mundöffnung und Platzeinschränkung durch die Kofferdamklammer nach Kofferdamapplikation nicht möglich, sodass die gesamte Behandlung ausschliesslich unter indometrischer Kontrolle durchgeführt wurde. In diesen Fällen kontrolliere ich die Arbeitslänge nach der initialen Bestimmung mittels ISO 008 nach jeweils 3 rotierenden NiTi-Instrumenten händisch mit dem zuletzt verwendeten Durchmesser in einer 4’er Konizität.
Nach Abschluss der Aufbereitung wird die Längenmessung wiederholt und die Einprobe der Masterpoints durchgeführt diese müssen klemmungsfrei die Arbeitslänge ereichen und dennoch einen ausreichenden Tug-Back zeigen. MB und ML konfluierten im mittleren Wurzeldrittel.
Nach Obturation und adhäsivem Verschluss wurde das Ergebnis der radiologischen Kontrolle mit Spannung erwartet.
War ich zufrieden? Sehr! Reiner Instrumentenflug und eine Punktlandung. Fühlte ich mich wohl dabei. Nein!
Daher wurde die Behandlung des 17, weil sich hier der Sensor deutlich unkomplizierter platzieren ließ, nach meinem Standardprotokoll (Messaufnahme, Masterpoint, Kontrolle) durchgeführt. Die endometrische „Zwischenkontrolle“ der Arbeitslänge erfolgte zusätzlich wie im Fall des 47.
Erschreckend war, wie sich die bei der Erstversorgung alio loco eingebrachte Füllung im Kastenbereich unter dem Mikroskop darstellte. (Ja, hätte ich die Kofferdamklammer noch einmal kurz gelöst und wieder platziert, hätte das kleine Gingivadreieck abdeckt werden können ;) )
Zeigt sich nun für mich ein Unterschied im Ergebnis zwischen beiden Vorgehensweisen? Nein. Nur das die Überprüfung der Zwischenschritte mir die Zuversicht gibt, ein auch radiologisch perfektes Ergebnis „abliefern“ zu können. Denn daran werden wir gemessen und nicht weniger wird von uns erwartet, wenn Patienten zur endodontischen Behandlung überwiesen werden.
Reproduzierbar sein und gleichbleibende Ergebnisse liefern muss unser tägliches Bestreben sein.
Erst kürzlich auf Georgs „Saure-Zähne-Blog“ diskutiert:
Ist eine Messaufnahme notwendig? Immer? Oder eher ein anekdotisches und tradiertes Agieren? Für die Älteren wie mich.
Aus forensischer Sicht, wie erst kürzlich auf dem Berliner Zahnärztetag von Prof. Bürklein ausgeführt, scheint sie sehr wichtig zu sein.
Aus anatomischer Sicht hilft sie Sachverhalte zu klären, die sich zumindest im 2D-Röntgenbild noch nicht einmal erahnen lassen.
Aus physikalischer Sicht – die Endometrie zeigt unter bestimmten Bedingungen nicht korrekt an – hier seien einmal stellvertretend Seitenkanäle, periapikale Exsudation oder sehr weite Foramina genannt -, scheint sie sehr sinnvoll zu sein. Ein elektrisch leitender Masterpoint ist noch nicht verfügbar.
Aus behandlungstaktischer Sicht – welche Kanäle verlaufen wie im Raum und ist die endometrische Anzeige plausibel? – ist sie für mich häufig sehr wichtig, da auch unser sehr hochauflösendes DVT nicht jede im Mikroskop erkennbare Struktur auflösen kann. Die Messaufnahme ist entscheidend bei der Auswahl meines Feilensystems, beeinflusst in gewissem Masse die Aufbereitungsgröße und hilft, die optimale Obturationstechnik auszuwählen.
Dennoch ist eine Messaufnahme nicht immer möglich. Entweder ist ein intraoperatives Einbringen des Sensors ist aufgrund der Tatsache, dass der Klammerzahn zugleich der zu behandelnde Zahn ist, aufgrund der Platzforderung der Kofferdamklammer und einer sehr starken Zungenmuskulatur nicht möglich oder gefährdet den Sitz der Klammer (hier seien ausgedehnte präendodontische Umformungen beschliffener Zähne mittels Adhäsivtechnik als Beispiel genannt) nicht möglich,
oder das Platzieren des Sensors ist zunächst nur nach Lokalanästhesie und ohne Kofferdam möglich – hier ist wohlgemerkt nur das präoperative Bild gemeint durchzuführen und intraoperativ: siehe Absatz zuvor.
Und in solchen Fällen verzichte auch ich auf eine Messaufnahme (Instrumentenkontrastaufnahme/ Masterpoints). Und messe jedes einzelne Instrument händisch endometrisch nach. Und nur, wenn alle Messungen immer gleich ausfallen, die taktile Rückmeldung (Tug-Back) stimmt, der Papierspitzentest positiv verläuft (keine Blutung/ Exsudation zu visualisieren) obturiere ich. Wissend, dass es dünnes Eis ist auf dem ich mich bewege.
5 Wochen nach einem Fahrradunfall stellte sich diese Patientin bei uns vor. Die Versorgung der verunfallten Zähne 22, 21 und 11 erfolgte zeitnah durch den überweisenden Kollegen.
22 hatte eine unkomplizierte Kronenfraktur erlitten und wurde dentinadhäsiv aufgebaut. Die Zähne 21 und 11 erschienen nach palatinal disloziert. 21 deutlich mehr als 11. Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis war der TTS-Splint- nach 4 Wochen in situ – bereits entfernt.
Die Zähne 13,12, 22 und 23 reagierten reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz. 21 und 11 zeigten keine Reaktion. Die Beweglichkeit der OK-Frontzähne lag im physiologischen Bereich. Die Sondierungstiefen waren nicht erhöht. Der Patient berichtete über eine allmählich zunehmende Druckmissempfindung an Zahn 21.
Das eigene Einzelbild bestätigt den Verdacht einer schräg verlaufenden Horizontalfraktur an 11. Zur Klärung einer Aufhellung im Bereich des Bruchspaltes und der weiteren Behandlungsplanung wurde ein DVT erstellt.
Dieses zeigt einen unregelmässig breiten Bruchspalt an 11, sowie den exakten Verlauf der Frakturlinie. Eine Aufhellung im Bruchspaltbereich war nicht zu erkennen. Zahn 21 weist einen deutlich verbreiterten Pa-Spalt auf. Dies weist zusammen mit der fehlenden Sensibilität auf den elektrischen Reiz auf eine Pulpanekrose hin. Bei genauerer Betrachtung fällt an 21 im unteren Wurzeldrittel ein horizontal verlaufender Seitenkanal auf, der im weiteren Behandlungsverlauf noch eine Rolle spielen soll.
Bei der endodontischen Behandlung des 21 wurde nachdem die ELM reproduzierbare Werte anzeigte eine Messaufnahme angefertigt. Diese zeigt, dass das Instrument deutlich vor dem radiologischen Apex positioniert war. Das Ende des Kanalsystems? Möglich.
Nach mehreren intensiven schallunterstützten Irrigationsvorgängen wurde erneut gemessen. Und siehe da, das Ende des Kanalsystems im DVT und die Lage des Masterpoints, sowie die nun erneut durchgeführte ELM stimmten überein. Auch der im Kontrollbild abgemessene Abstand des Seitenkanals zum radiologischen Apex stimmt mit den im DVT gemessenen Abstand überein.
Eine Messaufnahme ist in keinem Fall nötig? Ich persönlich finde sie in vielen Fällen sehr hilfreich, da die Tücke der Endometrie … , siehe oben.
Im regelmässigen Recall wird sich zeigen, ob es Zahn 11 „schaffen“ wird. Mit einem Wiederaufleben einer Sensibilität auf elektrischen oder Kältereiz ist nicht zu rechnen.
Wer kennt diese Situation nicht? Die Endometrie zeigt reproduzierbar das Erreichen der Arbeitslänge an, nach Betrachten der Messaufnahme oder der Masterpointaufnahme kommen jedoch Zweifel hinsichtlich der Korrektheit der Arbeitslänge auf.
Das in diesem Fall zwecks Beurteilung der Periapikalregionen des 16 und 46 angefertigte DVT 8×4 cm ließ bereits präoperativ erkennen, dass das Foramen des 45 nach bukkal mündet.
Diese Vorabinformation, sowie die Bestimmung des Abstand des Foramen vom radiologischenApex im DVT konnte im Behandlungsverlauf an den intraoperativ erstellten Röntgenaufnahmen verifiziert werden. Hilfreich war dabei die Verwendung eines Haltersystems, das einen reproduzierbaren Strahlengang und somit verzerrungsarme Röntgenbilder ermöglicht.
Die apikale rundliche Erweiterung spricht für eine nach vollständiger Pulpanekrose arretierte interne Resorption. Die (zu kurze) Initialbehandlung hatte vermutlich zunächst apikal vitales Pulpagewebe zurückgelassen. Die laterale Sealerspur „passt“ zur lateralen Ausdehnung der periapikalen Aufhellung.
Die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge ist ein etabliertes und verlässliches Verfahren, während hingegen die rein radiologische Bestimmung in vielen Fällen zu einer Überinstrumentierung führen kann (El Ayouti 2001, bei 50 % der aufbereiteten Prämolaren – AL war radiologisch 0-2 mm koronal des radiologischenApex- kam es zu einer Überinstrumentierung).
Dennoch beschleicht einen ein ungutes Gefühl, wenn die Messaufnahme trotz reproduzierbarer Endometrie eine deutliche Abweichung vom radiologischen Apex zeigt.
An diesem extrahierten Molaren kann „bestaunt“ werden, wie weit radiologischer Apex und Foramen auseinander liegen können.
Die endometrische Längenbestimmung ist aus unserer Praxis nicht mehr wegzudenken.
Bei Zähnen mit metallischen Restaurationen besteht insbesondere bei klein gehaltenen Zugangskavitäten immer wieder das Problem, dass durch kurzzeitigen Kontakt des zur Messung eingeführten Instrumentes mit dem Metall der Restauration eine falsch positive Messung angezeigt wird. das Endometriegerät zeigt die Überschreitung des apikalen Formens an, obwohl das Instrument noch weit vom Formen entfernt ist.
Der in unserer Praxis zur zusätzlichen Abdichtung des Kofferdams verwendete Opaldam schafft hier überzeugend Abhilfe. Vor der endometrischen Längenmessung wird der lichthärtende Opaldam mit Hilfe eines Microopeners dünn auf die durch die Bearbeitung aufgeraute Metalloberfläche aufgebracht. Falsch positive Messergebnisse können so vorhersagbar vermieden werden.
Bereits im „Adventskalender 2012“ hatte ich von der in der Behandlungseinheit Soaric integrierten Endometrie berichtet. Leider ohne Bilder, die auf meinem, zu dieser Zeit aufgerauchten, MacBook verborgen waren.
Seit fast drei Monaten kommt die integrierte Endometrie (sie basiert auf dem altbekannten Root ZX bzw. Dentaport ZX von J.Morita) in unserer Praxis zum Einsatz. Ein Komfort, den ich nicht mehr missen möchte. Nachfolgend die Bilder:
Eigentlich sollte dieser Beitrag ausführlich bebildert sein und die Vorteile der in einer Behandlungseinheit integrierten elektronischen Längenmessung aufzeigen.
Nach dem Ableben meines MacBook Pro am gestrigen Abend sind die Bilder jedoch zur Zeit nicht verfügbar. Daher kann ich den geneigten Lesern nur die „Erzählvariante“ bieten.
Seit 2 Monaten haben wir das Vergnügen an neuen Behandlungseinheiten von Morita zu arbeiten. Das seit Jahren bewährte RootZX wurde dabei in den „Soaric“- Einheiten integriert.
In der Rückenlehne befindet sich, in etwa auf Höhe der linken Schulter der Patienten, eine kleine Kabelbuchse in welche das Kabel für Mundschleimhautelektrode und Feilenklemme eingesteckt werden kann. Das unter der Kopfstütze laufende Kabel ist so kurz, dass unerwünschte Kabelfallen ausgeschlossen sind und das Arbeitsfeld deutlich an Übersicht gewonnen hat.
Das Kabel läuft nunmehr nicht mehr vor dem Patienten und die Gefahr ist gebannt, dass Änderungen in der Patientenlagerung entweder die Schleimhautelektrode in einen Angelhaken verwandeln, oder das auf dem Tray befindliche Längenmessgerät herunterreissen können.
Die Anzeige erfolgt auf einem der beiden Monitore der Behandlungseinheit und kann in unterschiedlicher Größe und an unterschiedlichen Positionen wiedergegeben werden. Als besonders angenehm empfinde ich die Möglichkeit, das gewünschte Röntgenbild formatfüllend im Hintergrund darzustellen und die Anzeige der Längenmessung als kleines Bild im Vordergrund zu haben. Durch die Anordnung des Monitors kann ich meine Position am Mikroskop auch während der Messung beibehalten und habe ohne eine Kopf- sondern nur durch Augenbewegung die Endometrieanzeige im Blick.
Die Endometrie kann sowohl „händisch“ als auch begleitend zum vollrotierenden drehmomentkontrollierten Aufbereiten durchgeführt werden.
Obwohl erst seit kurzem im Einsatz stellt für mich die Integration eines exzellenten und lange bewährten Endometriegerätes in eine Behandlungseinheit eine deutliche Arbeitserleichterung dar. Fehlt nur noch die Einblendung der Anzeige in die Mikroskop-Okkulare.
Hier das von einer Web-Seite heruntergelassene Bild unseres Set-Ups.
Im Anschluss an die Implantatinsertion in regio 24 klagte der Patient über eine langsam zunehmende Druckdolenz im Apikalbereich von Zahn 23.
Klinisch wies der Zahn eine kleine Kompositfüllung mit distopalatinaler Ausdehnung auf. Allerdings gab es keine Reaktion auf thermischen oder elektrischen Reiz. Das präoperative Röntgenbild konnte, da nicht exzentrisch projeziert, einen Kontakt zwischen Implantat und Wurzeloberfläche nicht sicher ausschliessen.
Klinisch zeigte sich nach Anlegen der Zugangskavität und Eröffnung des Pulpakavums zunächst eindeutig vitales Gewebe. War die Pulpa nur nicht sensibel, jedoch noch vital gewesen? Ein Kontakt zwischen Füllungsmaterial und Pulpa konnte ebenfalls nicht bestätigt werden.
Bereits 2mm weiter apikal dann unzweifelhaft nekrotisches Gewebe. Und noch weiter apikal: Nichts. Ein leerer Wurzelkanal. Aus welchem Grund konnte die Nekrose von apikal nach koronal vorangeschritten sein?
Die Längenmessung und der Papierspitzentest bestätigten die ermittelte Arbeitslänge, wenngleich dies radiologisch sowohl bei der Mess- als auch bei der Masterpointaufnahme als „zu kurz“ erscheinen mag. Während der abschliessenden endometrischen Einprobe des zuletzt eingesetzten NiTi-Instrumentes ein erster Hinweis auf die möglcihe Ursache: Die Endometrie zeigt deutlich vor Erreichen der Arbeitslänge 0,0 an. Erst ausgiebiges Trocknen mit sterilen Papierspitzen konnte diese Phänomen beseitigen.
Das Röntgenbild nach Backfill brachte es dann zu Tage: Ein im mittleren Wurzeldrittel vorhandener Seitenkanal war ausgefüllt worden. Offensichtlich hatte die Verletzung dieses hauchfeinen zuführenden Blutgefässes während der Implantatinsertion zur endodontischen Problematik an Zahn 23 geführt.
Die endometrische Längenmessung ist neben dem Mikroskop und dem digitalen Röntgen eines der Geräte die ich um nichts in der Welt vermissen möchte.
Sie arbeitet in der Mehrzahl der Fälle äusserst zuverlässig und ermöglicht somit eine präzisere Aufbereitung. In einigen Behandlungssituationen ist eine verlässliche Längenmessung jedoch deutlich erschwert. Größere Seitenkanäle, ausgedehnte apikale Lysen aber auch mit Metallkeramikkronen versorgte Zähne sorgen ziemlich regelmäßig für nicht reproduzierbare Messergebnisse.
In letztgenanntem Fall der Metall- bzw. Metallkeramikkrone führt der Kontakt zwischen dem Instrument und dem Metall der Krone zu einer falsch positiven Fehlmessung, d.h. das Gerät zeigt an, dass der Apex bereits erreicht ist bzw. bereits eine Überinstrumentierung vorliegt.
Bleibt die Ursache unerkannt und wird, wie von manchen Behandlern propagiert, auf eine Röntgenmessaufnahme verzichtet, kann daraus eine deutlich zu kurze Aufbereitung resultieren.
Um das Problem zu lösen kann bei Zähnen mit ausreichend großer Zugangskavität die Innenseite der Krone mit Opaldam ausgekleidet werden oder zunächst der Zugang etwas erweitert werden, wodurch das Instrument mit ausreichend Abstand zum Metall in den Kanal eingeführt werden kann.
Im Falle des im nachfolgenden Video gezeigten unteren Eckzahnes (distaler Brückenpfeiler, kleiner Durchmesser der klinischen Krone) war eine Erweiterung der Zugangskavität aus ästhetischen Gründen nicht gewünscht und der Platz im Inneren der Kavität für eine Auskleidung mit Opaldam zu gering.
Die dritte Möglichkeit die Endometrie zuverlässig arbeiten zu lassen ist das Abisolieren mit einer gekürzten Cappilary Tip Kanüle. Diesen Trick verdanke ich Hans-Willi Herrmann.
Es empfiehlt sich, um auch größere Instrumentenquerschnitte isolieren zu können, die gekürzten Kanülenteile zunächst auf kleine Feilendurchmesser aufzubringen (ISO 12,5 oder 15). Anschliessend wird die Isolierung auf das nächst größere Instrument aufgebracht und somit allmählich erweitert. Ein Einreissen kann so verhindert werden und das Kanülenstück lässt sich jedes Mal bis an das Griffende heranführen.
Im zweiten Teil des Videos wird das Einbringen einer NiTi-Feile zur Messaufnahme in einen unteren zweiten Molaren gezeigt. Dies gestaltet sich manchmal aufgrund stark eingeschränktem Interokklusalabstand bzw. starker Angulation der mesialen Kanäle unter Zuhilfenahme der Finger als schwierig. Das Anklemmen an die Feilenklemme der Endometrie ermöglicht ein sicheres Einbringen des Instrumentes unter indirekter Sicht und erspart im Vergleich zu Klemmpinzetten oder Arterienklemmen einen zusätzlichen Arbeitsschritt.
Die endometrische Längenmessung ist aus der modernen Endodontie nicht mehr wegzudenken. Die meisten der verfügbaren Geräte besitzen eine große Messgenauigkeit.
Die Verlässlichkeit der Längenmessung kann m. E. auch ohne Vivisektion an der Reproduzierbarkeit der angezeigten Arbeitslänge festgemacht werden.
Korreliert ein geringfügiges Vorschieben des Instrumentes nach apikal in einem gleichermaßen geringen Ausschlag der optischen Anzeige des Endometriegerätes und lässt sich diese „Reaktion“ verlässlich wiederholen, gibt es keine plötzlich springenden Anzeigen scheint dies ein Hinweis auf eine „korrekte“ endometrische Längenmessung zu sein.
Das Anfertigen einer Messaufnahme mit einer in den Kanal auf Arbeitslänge eingebrachten endodontischen Feile ist in jedem Fall ratsam wie der nachfolgende Fall erkennen lässt.
Die präoperative Aufnahme lässt im apikalen Anteil des Zahnes 12 einen etwas nach distal gekrümmten Kanalverlauf vermuten. Trotz einer, wie oben beschrieben, reproduzierbaren Längenmessung (Kanal mit Papierspitzen getrocknet, Messung auf Anzeige 0,0 davon metrisch 0,5 mm subtrahiert = Arbeitslänge, Instrument weist Tuck-Back auf) kommen angesichts der präoperativen Aufnahme Zweifel an der Korrektheit der Längenmessung.
Nach initialer Aufbereitung, ausgiebiger ultraschallunterstützter Spülung wurde in den getrockneten Kanälen eine erneute endometrische Längenmessung durchgeführt. Auch diese war auf der nun neu ermittelten Arbeitslänge reproduzierbar. Patency war gegeben, der Papierspitzentest bestätigte die neu ermittelte Arbeitslänge.
Als mögliche Ursache für das geschilderte Phänomen kommen größere Seitenkanäle, aus dem Periapikalbereich in das Foramen einsickernde Flüssigkeiten (die im Kanal befindliche Flüssigkeitssäule „verlängert“ dann bei der endometrischen Längenbestimmung das eingebrachte endodontische Instrument) oder aber auch größere apikale Lysen in Frage, die einen Kontakt des Messinstrumentes mit dem periapkalen Gewebe erschweren.
Es ist daher m. E. mehr als empfehlenswert, die endometrisch ermittelte Arbeitslänge radiologisch, selbstverständlich unter den Einschränkungen eines 2D-Bildes zu verifizieren. Endometrie und Röntgenbild schliessen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.
Die Isolierung der für eine subgingivale Keramikschulter präparierten Zähne erfolgte in der von Olaf Löffler entwickelten „Flow-Komposit-Klammer-Technik“.
Die Aufbereitung des Zahnes 12 „endete“ aufgrund der stark reduzierten Hartsubstanz bei 35/04 da Instrumente mit einem größeren Taper zu Aussprengungen an der koronalen Hartsubstanz geführt hatten.
Dieser obere Eckzahn verlangte einen tieferen Griff in die endodontische Trickkiste.
Zustand nach perforierender externer Resorption 2 Jahre nach operativer Entfernung von Zahn 22 mit gleichzeitiger Zystektomie. Pulpanekrose und stark obliterierter koronaler Kanalanteil. Hinzu kam, daß die Kronenachse nach langzeitprovisorischer Versorgung deutlich von der Zahnachse abweicht.
Bereits der Zugang erforderte ein wenig mehr Überlegung als sonst. Um die Zugangskavität zahnachsengerecht anlegen zu können wurde die Zahnachse präoperativ mit einem Permanentmarker auf die Labialfläche der provisorischen Krone aufgezeichnet.
Um den Zahn, der der distale Brückenpfeiler einer dreigliedrigen Brücke ist, zu isolieren wurde das Kofferdamgummi von 24 bis 21 gelocht und die gestanzten Löcher von 23 bis 21 durch Durchtrennen der Stege zu einem einzigen „Langloch“ erweitert. Die Befestigung des Gummis erfolgte durch 2 Klammern: Eine „2A“ auf 24 und eine „1“ auf 21. Das „Langloch“ wurde mittels Opaldam abgedichtet.
Die Zugangskavität führte geradewegs zum stark obliterierten koronalen Kanalanteil. Anhand der endodontischen Landkarte war der Kanaleingang recht schnell aufgefunden. Bereits nach initialer Erweiterung imponierte eine Blutung aus dem Resorptionsbereich die nach Spülung mit erwärmtem NaOCl recht schnell zum Erliegen kam.
Die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge konnte nur mittels Isolierung des Handinstrumentes durch eine abgeschnittene und über den mittleren bis koronalen Teils des Instrumentes geschobenen „Capillary Tip“ durchgeführt werden, einen Tip den ich von Hans-Willi Herrmann erhalten hatte. Der Kontakt des unisolierten Handinstrumentes mit der Resorptionslakune führte nämlich immer wieder zu Fehlmessungen.
Da die Blutung weiterhin sistierte und die Resorptionslakune halbkreisförmig um den Originalkanal angeordnet war beschloss ich zunächst die Aufbereitung des Kanals zu beenden und dann diesen zu obturieren, bevor ich die Resorptionslakune nebst Perforation mit MTA verschliessen würde.
Die Arbeitslänge betrug 27 mm, sodaß eine Verlängerung der Guttaperchaspitze gefragt war. Dies geschah in der an dieser Stelle schon einmal beschriebenen Art und Weise.
Um die Guttaperchaspitze so abzulängen, daß sie gerade ein wenig unterhalb des Kanaleingangs endet, musste zunächst die Strecke vom Referenzpunkt bis zum Kanaleingang ermittelt werden. Dies geschah mit Hilfe eines auf einem Plugger aufgebrachten Silikonstopps. Von der Gesamtlänge der Guttapercha (27mm) wurde daraufhin oben genannte Strecke abgezogen (16 mm) sodaß die apikal benötigte Guttaperchaspitze eine Länge von 11 mm besitzen musste. Das Einbringen erfolgte indem der gekürzte Masterpoint auf die Spitze eines Microopener platziert wurde. Nur so war zu verhindern, daß Guttapercha und /oder Sealer in die Resorptions- bzw. Perforationslakune verbracht wurde.
Nachdem dies erfolgt war wurde der apikale Guttaperchteil warm vertikal kompaktiert. Anschliessend erfolgte eine inkrementelles Backfill bis knapp unterhalb des Kanaleingangs. Darauf hin wurde MTA Angelus in mehreren Portionen eingebracht und durch indirekte Ultraschallaktivierung kompaktiert. Nach Aushärtung des MTA erfolgte der dentinadhäsive Verschluss der Zugangskavität.
Ich bin gespannt wie sich der Zahn in den mittel- und langfristigen Recalls zeigen wird.
Folgender Behandlungsfall zeigt die Wichtigkeit der endometrischen Längenmessung bei der Bestimmung der Arbeitslänge. Zugleich wird deutlich, daß das zweidimensionale Röntgenbild in diesem Punkt Raum für Interpretationen lässt und kein verlässlicher Ratgeber sein kann. Darüber hinaus wird klar, daß der Einsatz von Lösungsmitteln im Zuge der Revisionsbehandlung alles andere als vorteilhaft ist.
Die Patientin wurde zur Revision der Wurzelfüllung an Zahn 16 überwiesen. Das präoperative Röntgenbild zeigt eine apikale Aufhellung an der mesialen Wurzel. Das klinische Bild zeigt ein unbehandeltes 2. mesiobukkales Kanalsystem.
Die Entfernung des Obturationsmaterials aus der palatinalen Wurzel gestaltete sich überaus zäh. Im Gegensatz zu den anderen Kanälen liessen sich die im Dentalmikroskop im apikalen Drittel deutlich zu erkennenden Guttaperchareste nicht entfernen. Die vor der vollständigen Entfernung angefertigte Messaufnahme zeigt, daß das unter endometrischer Kontrolle eingebrachte Instrument deutlich vor dem Ende der Guttaperchaspitze endet. Da mehrfach wiederholte Messungen immer wieder die gleiche 0-Länge ergaben lag der Verdacht nahe, daß die restliche Guttapercha überwiegend periapikal liegt. Nach „Eindrehen“ einer Hedströmfeile der ISO Größe 30 unter endometrischer Kontrolle gelang es schliesslich das Guttaperchstück in toto zu entfernen.
Das anschliessend angefertigte Röntgenbild zeigt eine mit der ersten Messaufnahme vergleichbare Lage des Wurzelkanalinstrumentes. Das röntgenologische Ende des Zahns weicht in diesem Fall erheblich vom Ende des Wurzelkanalsystems ab. Die Verwendung von Lösungsmittel hätte mit großer Sicherheit zu einem Verbringen von potentiell infiziertem Fremdmaterial in den Periapikalraum geführt.
Zwar dauert das Entfernen der Guttapercha mittels Handinstrumenten und Ultraschallansätzen auf den ersten Blick etwas länger. Der Vorteil der besseren Kontrolle über das zu entfernende Fremdmaterial wiegt diesen Nachteil jedoch mehrfach auf.