Ungewöhnliche Traumaursache

Fäuste, Bordsteinkanten, Knie, Hockeyschläger, Steine. Alles schon dagewesene Ursachen für traumatische Zahnverletzungen.

Nachfolgend hat ein Poloball die Zähne 11 und 21 lateral disloziert und zu einer palatinalen Verlagerung gesorgt. Zudem war die Unterlippe über eine Länge von 1,5 cm eingerissen. Die Erstversorgung durch einen MKG-Chirurgen verdient ein Lob: TTS-Splint nach Reposition von 12 und 22. Sehr gute Nahtversorgung der Weichteilverletzung.

Die Bildgebung beschränkte sich bei der Erstversorgung auf den deutlich stärker betroffenen Oberkiefers. Das 3 Wochen nach dem Unfall in unserer Praxis erstellte DVT des OK und des UK zeigt, dass der bislang unbeachtete Unterkiefer, offensichtlich ebenfalls betroffen war.

Zahn 42 war erheblich rötlich verfärbt und deutlich perkussionsempfindlich. Das DVT zeigt eine sehr weit apikal gelegene Wurzelquerfraktur an Zahn 42. Der elektrische Sensibilitätstest verlief an den Zähnen 21,31,42 und 11 negativ. Während 42 und 11 deutliche Einblutungen aufwiesen, erschienen die Zähne 21 und 31 klinisch unauffällig. Eine apikale Aufhellung bestand nicht.

Da es nach Trauma zu einem transientenSensibilitätsverlust kommen kann, habe ich mich bei den Zähnen 31 und 21 zu einem abwartenden Verhalten entschieden. Bei Auftreten einer apikalen Aufhellung wird zeitnah endodontisch behandelt.

An 42 und 11 erfolgte die sofortige einzeitige endodontische Behandlung. Interessant, wie die erste endometrische Längenmessung die Arbeitslänge als deutlich zu kurz anzeigte. Aufgrund des DVT wusste ich, dass die Arbeitslänge 1 Millimeter länger ein musste. Nach einigen Spüldurchgängen entspräche die indometrische Arbeitslänge der im DVT erhobenen.

Horizontale Wurzelfraktur – Recall nach zehn Jahren

Von Christoph Kaaden

Gut zehn Jahre ist es her, dass ich damals von diesem Fall mit Recall berichtet habe.

Im Herbst 2020 war die junge Frau wieder zur Nachkontrolle bei uns in der Praxis.

10 Jahres Recall – interessant finde ich die laterale Resorption an Zahn 11
Prä-OP vs. 10 Jahre post-op

S O machen Recalls Spaß

:-)))

Sturz im Bad (III)

Von Christoph Kaaden

Vor ein paar Tagen erreichte uns eine kurz gehaltene E-Mail des Zuweisers zu diesem bzw. diesem Traumafall.

Magdalena war heute bei mir zur Kontrolle. Beschwerdefrei, klinisch fest, keine apikale Druckdolenz“

Hier noch die mitgeschickten Recallaufnahmen.

Alio loco angefertigtes Kontrollröntgenbild ca. 6 Monate nach Trauma

Klinische Situation – alio loco aufgenommen

Ich werde weiter über den Verlauf bei Magdalena berichten…

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (IV)

Von Christoph Kaaden

Circa acht Monate nach dieser bzw. dieser Behandlung erfolgte heute ein weiteres Recall.

Zahn 21 reagiert weiterhin vital auf Kältestimulation.

Auch klinisch stellt sich die Situation erfreulich dar.

In weiteren sechs Monaten wissen wir mehr…

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (III)

Von Christoph Kaaden

Vier Monate ist der Behandlungsbeginn dieses Zahntraumas nun her.

Ende August haben wir daher die Schienung entfernt und die Zähne klinisch und radiologisch nachuntersucht.

Bisher stellt sich die Situation als stabil dar (Sens, Perk etc) und die nächste Kontrolle ist für Ende November diesen Jahres geplant…

Sturz im Bad (II)

Von Christoph Kaaden

Vor einiger Zeit habe ich hier von Magdalena berichtet.

Leider kam es auch in diesem Fall nach circa zwölf Wochen zu einer Pulpanekrose an Zahn 11. Begünstigend hierfür war die zusätzliche vormalige unkomplizierte Kronenfraktur des Incisivus.

Osteolyse im Bruchspalt – Rö-Aufnahme alio loco

Das weitere Procedere erfolgte wie hier kürzlich vorgestellt.

MTA zum Verschluss des Neoapex

Abschluss-Aufnahme

Das nächste Recall ist in drei Monaten vorgesehen. Die Schienenentfernung ist nach insgesamt vier Monaten Tragedauer vorgesehen. Zahn 21 reagiert aktuell positiv auf Kältereiz.

Wir werden sehen, wie es weitergeht…

Und wieder eine horizontale Wurzelfraktur

Von Christoph Kaaden

Der 10-jährige Joshua war Mitte März mit seinem Longboard gestürzt und hatte sich bei dieser Gelegenheit die Wurzel seinen rechten zentralen Schneidezahn frakturiert.

Die Erstversorgung inklusive Repositionierung und Schienung erfolgte alio loco.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Schienung des frakturierten Zahnes 11

Leider zeigten sich vier Wochen nach dem Unfall verschiedene Entzündungszeichen, die eine endodontische Intervention notwendig machten.

Beginnende Schwellung mit Rötung

Beginnende Osteolyse im Bruchspalt

 

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Der Neoapex wurde mittels MTA verschlossen.

In den weiteren Schritten erfolgte das Backfill mit Guttapercha und Sealer sowie der adhäsive Verschluss der Zugangskavität.

– Neoapex mit apikaler Blutung – MTA Verschluss – Guttapercha&Sealer-Backfill

Abschluss-Röntgenaufnahme

In drei Monaten ist die erste radiologische Nachkontrolle und die Schienenentfernung vorgesehen…

Ich werde berichten…

Sturz im Bad (I)

Von Christoph Kaaden

 

Obgleich horizontale Wurzelfrakturen zu den sehr seltenen Zahnverletzungen zählen scheinen Patienten mit dieser Unfallart in dieses Jahr  vermehrt den Weg in unsere Praxis zu finden.

Vor Kurzem war es ja dieser Fall..

Heute möchte ich Ihnen die Situation der 17-jährigen Magdalena vorstellen. Das junge Mädchen erlitt vor einigen Wochen im Badezimmer eine vasovagale Synkope und stürzte in der weiteren Folge.

Das Resultat dieses Traumas verdeutlicht das alio loco angefertigte Röntgenbild.

Der initial behandelnde Zahnarzt überwies die junge Patientin daraufhin in eine implantolgische Praxis der Münchner Innenstadt.

Einer der dort tätigen Implantologen schätze die Situation für eine mögliche „chirurgische Lösung“ aufgrund des Patientenalters und weiterer Begleitumstände (Diabetes Typ I, Bulämie)  als sehr ungünstig ein.

Daher erfolgte die Bitte einer Zweitevaluation durch uns.

Klinisch stellte sich die Situation zwei Tage nach Trauma in unserer Praxis wie folgt dar:

Zustand nach Erstversorgung und Schienung alio loco

Zahn 11 hatte neben der „Wurzelproblematik“ auch eine unkomplizierte Kronenfraktur erlitten. Die Sensibilität des Zahnes war negativ. Die restlichen Zähne reagierten positiv auf Kältestimulation.

In der von uns angefertigten 3D-Darstellung liessen sich die Verläufe der Bruchspalten exakt beurteilen:

Wie sollte es ihrer Meinung nach weitergehen?

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (I)

Von Christoph Kaaden

 

Am Montag dieser Woche stellte sich ein 31-jähriger Mann bei uns vor, der am vorherigen Freitag einen Radunfall hatte (durch Autofahrer beim Abbiegen übersehen)…

Neben einer offenen Fraktur der rechten Zeigefingers mit Teilverlust der Fingerkuppe erlitt er ferner ein dentales Trauma in der oberen Front. Hierbei wurde laut Patient Zahn 21 stark nach palatinal disloziert. Ferner brach ein Teil der Zahnkrone des rechten Schneidezahns ab…

Die Erstversorgung mit Repositionierung von 21, „direkter“ Überkappung von 11 und Schienung erfolgte in einem kieferchirurgischen Notdienst. Eine Röntgendiagnostik erfolgte nicht.

Nachfolgend sehen sie die Eindrücke und Befunde der klinisch-radiologischen Untersuchung …

dabei hatte ich ein gewisses Déjà-vu und  musste zwangsläufig an diese Situation denken…

 

ich werde weiter berichten…

 

Und nun? Die Auflösung.

von Jörg Schröder

Die Patientin wurde bei ihrer behandelnden Zahnärztin vorstellig, weil sie im linken Oberkiefer seit einigen Wochen diffuse Beschwerden bemerkte. Kein direkter Schmerz, aber ein Unbehagen beim Kauen. Die Patientin empfand Zahn 24 dabei als minmal beweglicher als seine Nachbarn.

Anbei das angefertigte Röntgenbild. Was fällt auf? Wie wäre das Geschehen zu erklären? Was wäre zu tun?

Die Sondierungstiefen der Zähne 23-25 lagen im physiologischen Bereich. Die Beweglichkeit war an Zahn 24 unmerklich größer als an den benachbarten Zähnen. Es bestand keine palpatorische Druckdolenz, keine Fistelung, keine Schwellung. Die elektrische Sensibilität des 24 war von bukkal und von palatinal positiv, wenngleich im oberen mittleren Bereich der Skala des Elements Diagnostic Gerätes. (Maximal-Wert 80, bukkaler Wert 48, palatinaler Wert 52). Es besteht ein mit Transillumination detektierbarer Haarriss in der mesialen Randleiste.

Um einen möglichen Artefakt im Überweiserbild auszuschliessen wurde nach klinischer Inspektion und elektrischem Sensibilitätstest ein eigenes Einzelbild angefertigt.

Der Parodontalspalt erscheint apikal durchgehend. Es imponiert jedoch eine geradlinige Kontinuitätsunterbrechung der Wurzelkontur im mittleren Wurzeldrittel, die nicht vollständig nach distal weiterläuft. Das Pulpakavum erscheint stark obliteriert.

Das angefertigte DVT zeigt das Nachfolgende:

Es besteht eine Horizontalfraktur der palatinalen Wurzel kurz unterhalb des Limbus alveolaris. Zahn 24 ist zudem dreiwurzelig und weist zwei bukkale Wurzeln auf.

Daraufhin nochmals nach einem Unfallgeschehen befragt, gab die Patientin an, dass sie vor 1,5 Jahren auf die rechte! Gesichtshälfte und insbesondere auf den rechten Unterkiefer gestürzt war und sich massive Prellungen und nachfolgende Blutergüsse zu gezogen hatte.

Die Missempfindungen in Regio 24 traten etwa 6 Monate nach dem Unfall auf und wurden nicht mit dem Vorfall in Verbindung gebracht.

Vermutlich entstand die Fraktur, weil die Zahnreihen beim Aufprall in maximaler Interkuspidation standen. Durch die auftretenden Scherkräfte wurde Zahn 24 nach vestibulär ausgelenkt.

Meine Therapieempfehlung an die Patientin war die folgende:

1,5 Jahre nach Auftreten der zervikalen Horizontalfraktur ist eine Schienung nicht mehr sinnvoll. Da sich im DVT keine Aufhellung apikal (bei Horizontalfraktur eher nicht zu erwarten) oder im Bereich des Frakturspaltes zeigt, die Sondierungstiefen eine Kommunikation zwischen Bruchspalt und Mundhöhle unwahrscheinlich erscheinen lassen, ist eine endodontische Intervention nicht indiziert.

Hingegen sollte die Gussrestauration am 24 (mesialer Haarriss) entfernt werden und der Zahn mit einer die Höcker fassenden laborgefertigten Restauration – vorzugsweise einer Teilkrone – versorgt werden, um Kontakte in der dynamischen Okklusion auszuschliessen.

Mit regelmässigen elektrischen Sensibilitätskontrollen und radiologischen Kontrollen sollte der Verlauf kontrolliert werden.

Die alio loco ursprünglich empfohlene implantologische Lösung des Frakturproblems kann so hoffentlich vermieden werden. Kleine Randnotitz: Der alio loco durchgeführte Sensibilitätstest mittels Kälteapplikation verlief mehrmals negativ.

 

Schräge Horizontalfraktur

von Ronald Wecker

11 Avulsion und unkomplizierte Kronenfraktur, extraorale Verweildauer 20 Minuten bei sehr kalten Aussentemperaturen, Lagerung im DentoSafe, Reponierung 2 Stunden nach dem Unfall in einer Praxis, dort auch semirigide Schienung mit TTS-Splint. Kompositabdeckung der Dentinwunde.

21 schräg verlaufende Horizontalfraktur im, naja, mittleren Drittel mit palatinaler Dislokation.  Reposition des 21 nicht vollständig, palatinaler Frühkontakt mit Protrusion des 21.  Leider suboptimale Schienung, Bondingreste ausgehärtet im Zwischenraum 11/21, Schienung nur 22-12 und an 22 gelöst.

4 Tage nach dem Unfall Vorstellung beim MKG. Dort DVT mit Bestätigung der schräg verlaufenden Horizontalfraktur.  6 Tage nach Schienung mit Frühkontakt in nicht reponierter Stellung des 21 mit Jiggling-Forces durch die UK-FZ Vorstellung bei uns.

8 Tage nach dem Unfall neue Schienung 53-63 und endodontische Behandlung des 11 bei uns. 11 mit Pulpanekrose und Foramendurchmesser ISO 100. Kollagenes Widerlager und MTA apikal. Dann Guttapercha und adhäsiver Verschluss. 21 wurde palatinal so eingeschliffen, dass es keine Frühkontakte mehr gibt.

6 Wochen nach dem Unfall gestern Wiedervorstellung: 21 noch gering lateral perkussionsempfindlich. Beweglichkeit nur noch Grad 1 in bukko-lingualer Richtung. Die Schienung wird noch belassen, da bei Protrusion 21 der einzige Zahn ist, der führt. Nach Eckenaufbau des 11 ist geplant, die Frontzahnführung durch laborgefertigte palatinale Kompositschalen auf die Zähne 22, 11 und 12 zu „verlagern“, um den 21 keinen protrusiven Kräften auszusetzen. Abschliessend wird der TTS-Splint entfernt.

 

Die Tücke der Endometrie …

von Ronald Wecker

… liegt im Detail.

5 Wochen nach einem Fahrradunfall stellte sich diese Patientin bei uns vor. Die Versorgung der verunfallten Zähne 22, 21 und 11 erfolgte zeitnah durch den überweisenden Kollegen.

22 hatte eine unkomplizierte Kronenfraktur erlitten und wurde dentinadhäsiv aufgebaut. Die Zähne 21 und 11 erschienen nach palatinal disloziert. 21 deutlich mehr als 11. Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis war der TTS-Splint- nach 4 Wochen in situ – bereits entfernt.

Die Zähne 13,12, 22 und 23 reagierten reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz. 21 und 11 zeigten keine Reaktion. Die Beweglichkeit der OK-Frontzähne lag im physiologischen Bereich. Die Sondierungstiefen waren nicht erhöht. Der Patient berichtete über eine allmählich zunehmende Druckmissempfindung an Zahn 21.

Das eigene Einzelbild bestätigt den Verdacht einer schräg verlaufenden Horizontalfraktur an 11. Zur Klärung einer Aufhellung im Bereich des Bruchspaltes und der weiteren Behandlungsplanung wurde ein DVT erstellt.

Dieses zeigt einen unregelmässig breiten Bruchspalt an 11, sowie den exakten Verlauf der Frakturlinie. Eine Aufhellung im Bruchspaltbereich war nicht zu erkennen. Zahn 21 weist einen deutlich verbreiterten Pa-Spalt auf. Dies weist zusammen mit der fehlenden Sensibilität auf den elektrischen Reiz auf eine Pulpanekrose hin. Bei genauerer Betrachtung fällt an 21 im unteren Wurzeldrittel ein horizontal verlaufender Seitenkanal auf, der im weiteren Behandlungsverlauf noch eine Rolle spielen soll.

Bei der endodontischen Behandlung des 21 wurde nachdem die ELM reproduzierbare Werte anzeigte eine Messaufnahme angefertigt. Diese zeigt, dass das Instrument deutlich vor dem radiologischen Apex positioniert war. Das Ende des Kanalsystems? Möglich.

Nach mehreren intensiven schallunterstützten Irrigationsvorgängen wurde erneut gemessen. Und siehe da, das Ende des Kanalsystems im DVT und die Lage des Masterpoints, sowie die nun erneut durchgeführte ELM stimmten überein. Auch der im Kontrollbild abgemessene Abstand des Seitenkanals zum radiologischen Apex stimmt mit den im DVT gemessenen Abstand überein.

Eine Messaufnahme ist in keinem Fall nötig? Ich persönlich finde sie in vielen Fällen sehr hilfreich, da die Tücke der Endometrie … , siehe oben.

Im regelmässigen Recall wird sich zeigen, ob es Zahn 11 „schaffen“ wird.  Mit einem Wiederaufleben einer Sensibilität auf elektrischen oder Kältereiz ist nicht zu rechnen.

 

2D vs. 3D (XXXII)

von Ronald Wecker

Der klinisch deutlich dunkel verfärbte und nicht auf elektrischen Reiz reagierende Zahn 12 sollte einer endodontischen Behandlung zugeführt werden.

Im präoperativen Einzelbild imponierte neben einer nicht mit dem Pulpakammerhohlraum in Verbindung stehenden intrakoronalen Aufhellung mit röntgenopakem Randbereich, dass sich die apikale Hälfte der Wurzel von Zahn 13 sehr scharf und ohne die sonst übliche knöcherne Zeichnung darstellt.

Zudem erscheint die apikale Hälfte der Wurzel des 14 zu fehlen. Die Zähne 14 und 13 reagieren positiv auf elektrischen Reiz. Das angefertigte DVT zeigt zum einen das wahre Ausmass der Läsion und einen Zufallsbefund an Zahn 21. Eine klinische Symptomatik besteht nicht. Der Patient ist beschwerdefrei. Die Zähne 13 und 14 zeigen eine normale Beweglichkeit. Die Sondierungstiefen sind unauffällig.

Die Anregung zur endodontischen Behandlung kam vom aufmerksamen überweisenden Kollegen.

Der Behandlungsplan sieht vor, zunächst den Zahn 12 endodontisch zu behandeln. Parallel dazu wird ein erfahrener MKG konsiliarisch einbezogen, der die verschiedenen Behandlungsoptionen mit dem Patienten erörtern wird (chirurgische Intervention mit und ohne vorangehende Dekompression, Defektheilung, augmentative Massnahmen.)

Die Möglichkeit der Vitalerhaltung der Zähne 13 und 14 hat oberste Priorität, scheint jedoch insbesondere am Zahn 14 fraglich zu sein. Zahn 21 bedarf derzeit keiner Therapie. Die negative Sensibilitätstestung stellt keine Indikation für eine endodontische Intervention dar.

An ein zurückliegendes Trauma – die Horizontalfraktur des 21 lässt sich anders kaum erklären – kann sich der Patient nicht erinnern.

Wie hätte die Planung ohne das DVT ausgesehen? Wie hätte die Aufklärung ohne das DVT erfolgen können?

 

Tag des Frontzahnes II – Update Fall IV und mehr

Von Bonald Decker

Gefühlt häufen sich bei uns in der Praxis die endodontologischen Behandlungen an Frontzähnen nach Trauma. Darüber habe ich bereits hier und hier berichtet.

Heute ein kurzes Update zu Fall IV aus diesem Beitrag.

Ausgangssituation

Nach Entfernung des Wurzelfüllmaterials und eingehender chemo-mechanischer Reinigung mit nachfolgender Applikation von Ca(OH)2 erfolgte der Abschluss der Behandlung einige Wochen später. Aufgrund der ausgeprägten Osteolyse kam in diesem Fall vor der MTA-Applikation Kollagen als Widerlager zur Vermeidung einer Zement-Extrusion zum Einsatz. Abschliessend wurde ein Glasfaserstift adhäsiv zementiert und die Zugangskavität mit Komposit verschlossen.

postoperative Situation nach MTA-Apexifikation

Ich bin guter Dinge, dass die Nachkontrollen einen positiven Heilungsverlauf dokumentieren werden, obgleich für die Entfernung der Invagination einiges an Zahnhartsubstanz entfernt werden musste.

Wie die nachfolgenden (z.T bewegten) Bilder zeigen wird uns die Thematik der Frontzahnbehandlungen auch in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen…

Zustand nach Frontzahntrauma vor mehr als 30 Jahren mit nachfolgender Wurzelspitzenresektion vor ca. 5 Jahren nach erneuter Exazerbation; nun neuerliche moderate Schwellung Regio des Neoapex, Röntgenaufnahme alio loco – geplante Behandlung: orthograde Revision etc. mit Verschluss des Neoapex mittels MTA

Zustand nach alio loco „begonnener“ Wurzelkanalbehandlung und dort fehlender Auffindbarkeit des Wurzelkanalsystems -(geplante) Behandlung: orthograde Wurzelkanalbehandlung nach Identifikation des Kanalsystems unter Mikroskop-Vergrößerung

Zufallsbefund einer ausgeprägten  asymptomatischen apikalen Osteolyse bei Zustand nach alio loco durchgeführter endodontisch-prothetischer Behandlung einer 16-jährigen Patientin vor circa zwei Jahren – geplante Behandlung: orthograde Revision mit intrakanalärer Diagnostik zur weiteren Klärung der primär lateral gelegenen Osteolyse; Verdacht auf laterale Wurzelperforation durch Stiftbettpräparation

Zustand nach Frontzahntrauma (Ball in Gesicht) vor circa zwei Wochen;Verdacht auf horizontale Wurzelfraktur – Röntgenaufnahmen alio loco

Hier Ausschnitte des entsprechenden DVTs zur Absicherung der Diagnose:

Und der letzte Fall verdeutlicht leider sehr sehr anschaulich, welchen Leidensweg diese Patienten zum Teil beschreiten (müssen).

Zustand nach multiplen „Wurzelspitzenresektionen“ in Oberkieferfrontzahnregion

Zustand nach multiplen „Wurzelspitzenresektionen“ in Oberkieferfrontzahnregion – Einzelzahnröntgenaufnahmen – alio loco

Hier Ausschnitte des daraufhin angefertigten DVTs der Region.

Ein weiterer Versuch der Zahnerhaltung fällt in meinen Augen definitiv in die Kategorie -heldenhafte Bemühungen- …

oder?

Horizontalfraktur x 2

von Ronald Wecker

8 Wochen nach den bei einem Sturz  an den Zähnen 21 und 11 erlittenen horizontalen Wurzelfrakturen stellte sich dieser 70-jährige Patientin in unserer Praxis vor.

Die Erstversorgung mittels palatinal befestigter Metallnetzschienung erfolgte in der MKG-Abteilung eines Universitätsklinikums. Laut kurz gefasstem Arztbericht  war auch der Zahn 12 betroffen gewesen. Dieser erlitt eine nach palatinal gerichtete Dislokation.

Nachdem sich die ursprünglich von 12-22 ausgedehnte Schienung immer wieder an 22 löste (offensichtlich war die Glasur der keramischen Krone nicht entfernt worden) wurde die Ausdehnung der Schienung auf die Zähne 12-21 beschränkt.

Klinisch zeigen sich die Zähne 21 und 11 gering perkussionsempfindlich. Palpatorische Druckdolenz fehlt. Die Sondierungstiefen überschreiten 2 mm nicht. Die Beweglichkeit ist erstaunlich gering, obwohl das Metallnetz alles andere als rigide ist.

Der Zahn 12 und 22, sowie die Zähne 13, 23, 42-32 regieren reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz. Die Zähne 21 und 11 reagieren negativ. Der Klopfschall aller Oberkieferfrontzähne ist normal. Es gibt weder Schwellungen noch Fistelungen im Bereich der betroffenen Zähne.

Besonders auffällig ist die deutliche Okklusionsstörung, die insbesondere durch die Überextendierung der Kompositbefestigung der Schienung in regio 12 verursacht worden ist. Die Seitenzähne haben weder links noch rechts Okklusionskontakte. Nach Reduktion der Kompositmassen palatinal an Zahn 12 näherten sich die Seitenzähne zwar, es bestand aber weiterhin Non-Okklusion. Auf der Rückfläche des nach palatinal stehenden 12 zeigte sich weiterhin ein deutlicher Frühkontakt, der auf eine nicht ideale Reponierung während der Erstversorgung schließen lässt.

Die radiologische Diagnostik zeigt im 2D-Bild die für eine schräg verlaufende Horizontalfraktur typische doppelte Frakturlinie. Während der Parodontalspalt an den Zähnen 21 und 11 unverändert erscheint, kann man an 12 apikal eine gewisse Verbreiterung vermuten. Das DVT zeigt den tatsächlichen Verlauf der Fraktur: An 11 im Sagittalschnitt wellenförmig mit verbreitertem Frakturspalt. An 21 schräg verlaufend. Auch im DVT sind die Periapikalregionen unauffällig.

Klinisch konnte nach Rekonturierung der überstehenden Zahnhalsfüllungen bestätigt werden, dass der Bruchspalt labil exakt am Füllungsrand verläuft und somit von einem Kontakt des Bruchspalts und der Mundhöhle auszugehen ist.

Aufgrund der Lage der Fraktur erscheint ein langfristiger Erhalt der Zähne 11 und 21 als unwahrscheinlich. Die endodontische Behandlung des apikalen Wurzelanteils müsste durchgeführt werden um eine Stiftverankerung des koronalen Fragmentes nach Herauslösung desselben aus der koronalen Gingiva zu ermöglichen. Das nachfolgende adhäsive Befestigen des koronalen Fragmentes wäre nur unter relativer Trockenlegung und mit vager mechanischer Prognose durchzuführen. Dieser experimentelle Ansatz weist zudem eine deutlich schlechtere Prognose auf, als eine implantologische Versorgung, wenngleich bei letztgenannter mit gewissen Einbussen in der roten Ästhetik zu rechnen ist.

Um dem Patienten eine normale Okkasion zu ermöglichen wurde als Zwischenversorgung zunächst ein labil befestigter TTS-Splint angebracht. Nachfolgend wurde die palatinale Netz-Schienung nebst Komposit-Resten entfernt und die Seitenzahnkontakte durch schrittweises Einschleifen im Ober- und Unterkieferfrontzahnbereich wieder hergestellt.

Das Ausmass der Einschleifmassnahmen überraschte am Ende ziemlich und lässt sich nur mit einer innerhalb der 8 Wochen stattgefunden Elongation von Zähnen erklären.

Die Zeit bis zum Entfernen der Schienung, in diesem Fall einer Horizontalfraktur im oberen Wurzeldrittel 4 Monate, soll nun zur Klärung der implantologischen und aber auch prothetischen Versorgungsmöglichkeiten genutzt werden.

Comeback nach horizontaler Wurzel-Fraktur – Recall

Von Bonald Decker

 

Vor Kurzem habe ich in diesem Beitrag über ein Comeback nach horizontaler Wurzel-Fraktur berichtet. Letzte Woche war die junge Patientin gut zwei Jahren nach dem erlittenen Unfall zur Nachuntersuchung bei uns in der Praxis. Sowohl klinisch wie radiologisch fanden sich keine Besonderheiten. Einzig eine „Taillierung“ der Wurzel auf Höhe des ehemaligen Frakturspalts läßt die Historie dieses Zahn erahnen…

Radiologisches Recall 25 Monate nach erlittener horizontaler Wurzelfraktur bei ehemals nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum; es zeigt sich eine vollständige Remission

Erfreulich, finden Sie nicht?

Kleines Wunder?

Von Bonald Decker

Der Wunsch nach „Zahnerhalt mit allen Mitteln“ bei zum Teil hoffnungslosen Fällen wird von Patienten (und Zuweisern) regelmässig geäussert. Nachfolgend möchte ich Ihnen in dem heutigen Beitrag einen solchen Patientenfall vorstellen.

Im Sommer 2012 wurden wir gebeten eine Einschätzung zur Prognose eines Zahnes 12 vor geplanter kieferorthopädischer Behandlung abzugeben. Die damals 11-jährige „Besitzerin“ des Zahnes gab (im Beisein ihre Mutter) an, dass sie vor einigen Jahren einen Schulunfall erlitten habe. Hierdurch sei der kleine rechte obere Schneidezahn in Richtung Gaumen verschoben worden. Ferner habe das Zahnfleisch in dieser Gegend stärker geblutet.

Laut weiterer Anamnese sei der Zahn daraufhin von einem Zahnarzt wieder in Position gedrückt und für einige Zeit geschient worden. Eine weitere Therapie schloss sich nach Schienenentfernung nicht an. Im Zuge einer kieferorthopädischen Erstuntersuchung im Sommer 2012 sei dann aufgefallen, dass der beschriebene Zahn eine sehr kurze Wurzel aufweisen würde. Weitere Angaben liessen sich nicht erheben.

Alio loco angefertigtes OPG vor geplanter KFO-Behandlung

Anhand des alio loco angefertigten OPGs bestand der Verdacht, dass damals eine horizontale Wurzelfraktur vorlag, wobei sich die beiden Fragmente stark disloziert darstellten.

Bei unserer klinischen Untersuchung zeigte Zahn 12 einen Lockerungsgrad II bei unauffälligen Taschensondierungswerten. Die Sensibilitätstestungen waren nicht aussagekräftig. Dafür der radiologische Befund umso mehr:

Einzelzahn-Röntgenaufnahme Regio 12 bei Z.n. Frontzahntrauma mit nachfolgender Wurzelresorption

Radiologisch macht es den Anschein, dass die klinische Krone einzig von einem kleinen mesialen Wurzelanteil noch in situ „gehalten“ wird. Mit etwas „Phantasie“ erkennt man ferner noch die stark resorbierten apikalen Wurzelanteile.

Meine Empfehlung fiel damals daher eindeutig aus. Unter keinen Umständen sollte der Zahn kieferorthopädisch bewegt werden. Ferner machte ich Kind und Mutter wenig Hoffnung auf einen (langfristigen) Zahnerhalt.

Vorgestern stellte sich die junge Patientin gemeinsam mit ihrer Mutter erneut vor, um die Situation neu bewerten zu lassen. Ihrem eigenen Empfinden nach gab die nun 12-Jährige an, dass der Zahn (subjektiv) fester geworden sei und sie keine Einschränkungen in der täglichen Nutzung empfand.

Die klinischen Untersuchungsergebnisse unterschieden sich nicht signifikant von denen im Sommer 2012. Einzig der Zahnbeweglichkeit war nun Grad I(-II). Richtig erstaunt war ich dann beim Anblick des aktuellen Röntgenbildes:

Situation 9 Monate nach Erstuntersuchung

9 Monate nach unserer Erstuntersuchung scheint es, als wäre es zu einer Art knöchernen „Einwachsung“ in die klinische Krone gekommen. Klinisch und radiologisch gab es keine akuten Entzündungszeichen.

Für mich ein „kleines Wunder“ dessen Nachhaltigkeit ich nicht abschätzen kann. Aber mit jedem Monat oder Jahr, die dieser für mich zunächst schier hoffnungslose Zahn weiter problemlos und funktionstüchtig im Mund verbleiben kann, ist viel gewonnen.

Von dem Wunsch der jungen Patientin nach „perfekter“ kieferorthopädischer Einordnung des Zahnes in den Zahnbogen habe ich dennoch abgeraten. Man sollte sein Glück nicht herausfordern.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

Letzte Ausfahrt Regeneration – Recall

von Ronald Wecker

vor über einem Jahr wurde an dieser Stelle der Behandlungsfall zweier Oberkieferfrontzähne 3 Jahre nach horizontaler Wurzelfraktur vorgestellt.

Eine zahnärztliche Therapie war trotz, im alio loco angefertigten DVT zu erkennenden, apikaler Parodontitiden und  klinisch imponierenden Fistelungen nicht eingeleitet worden.

13 Monate nach Durchführung einer Regenerations- bzw. Revitalisierungstherapie stellt sich die Situation wie folgt dar:

Beide Zähne zeigen keinerlei klinische Symptomatik. Die Fistelungen sind abgeheilt. Der Klopfschall ist unauffällig.

Radiologisch zeigt sich innerhalb des Wurzekanalhohlraums in Zahn 21 eine röntgendichte  Struktur. Die Wurzelkanalwand erscheint insbesondere nach mesial dicker.

Zahn 11 weist deutlich erkennbar ein Wurzeldickenwachstum auf. Apikal ist eine röntgendichte „Barriere“ zu erkennen.

Somit scheint zumindest das Primärziel, beide Zähne bis ins implantationsfähige Alter erhalten zu können, in greifbarere Nähe zu rücken.

Horizontale Wurzelfraktur (II) – Recall

von Bonald Decker

Heute möchte ich mal wieder den Recall eines „Wurzelspitze“-Falles veröffentlichen…

Erinnern Sie sich noch daran?

Fast zwei Jahre ist der Beginn der Behandlung her.

In der weiteren Folge direkt nach dem damaligen Unfall hatte sich noch einiges „getan“.

Die regelmässig durchgeführten Nachkontrollen ergaben in der weiteren Folge auch die Notwendigkeit einer endodontische Behandlung des Zahnes 21.

Das klinische Procedere unterschied sich nicht signifikant von dem des Zahnes 11.

Nachfolgend die radiologischen Aufnahmen.

In dem Nachuntersuchungszeitraum stellt sich die Situation klinisch (Lockerungsgrad I; Taschensondierung ohne pathologischen Befund,Klopfschall normal) wie radiologisch bisher als positiv dar. Die Fragmente sind in engem Kontakt; die Frakturspalten sind nicht oder gering sichtbar, was auf eine hartgewebige Ausheilung hoffen lässt.

All dies scheint den damaligen Therapieansatz zu unterstützen und lässt uns in diesem Fall positiv in die Zukunft blicken…

Horizontale Wurzelfraktur und späte Folgen

von Ronald Wecker

Ungefähr 15 Jahre ist es her, dass dieser 21 einen ungewünschten Kontakt mit einem Hockeyball hatte.

Die Erstversorgung bestand damals in einer sofortigen orthograden Wurzelfüllung mit Wurzelspitzenresektion in gleicher Sitzung. Vor einigen Monaten traten labial von 21 Druckmissempfindungen im Vestibulum auf. Das von der überweisenden Kollegin angefertigte Einzelbild zeigt unregelmässig begrenzte Aufhellungen innerhalb der Wurzelstruktur, eine in ihrer Kontinuität unterbrochene Wurzelfüllung, sowie mesial ein schräg verlaufender Frakturspalt.

Das DVT lässt im Sagittalschnitt deutlich eine schräge Horizontalfraktur erkennen, die labial am Übergang mittleres zu unterem Wurzeldrittel beginnt und palatinal kurz vor dem Limbus alveolaris endet. Das koronale Fragment zeigt unregelmässig begrenzte, weichteildichte Aufhellungen innerhalb der Wurzelstruktur. Das apikale Fragment erscheint unauffällig. Der dezent verbreiterte Parodontalspalt ist wohl eher als narbige Abheilung nach WSR als als apikale Pathologie zu interpretieren.

Klinisch zeigt sich der Zahn bis auf einen leicht metallischen Klopfschall und die labiale Druckmissempfindung unauffällig. Es besteht im Vergleich zum kontralateralen Zahn 11 eine deutliche inzisale Stufe, die sich nach Auskunft des Patienten erst im Laufe der Jahre entwickelt hat.

In der ersten Behandlungssitzung kam es bereits bei leichter Manipulation der vorhandenen, mit nekrotischen Geweberesten durchsetzten Obturationsmaterialien zu einer starken Blutung aus dem Kanal.

Die Kanalwand war in verschiedener Höhe von gut vaskularisiertem Gewebe perforiert worden. Nach großvolumiger ultraschallunterstützter Spülung mit NaOCl konnte de Blutung deutlich reduziert und anschliessend die im koronalen Fragment befindlichen Obturationsmaterialien unter Sicht entfernt werden. Apikal war die Blutung nicht zu stillen, sodass der Zahn nach Einbringen von CaOH2 adhäsiv verschlossen wurde.

In der zweiten Sitzung, 14 Tage später, konnte das Kanalsystem nach Anästhesie mit Lidocain 1:50000 ohne störende Blutung inspiziert werden. Der Zahn war vollkommen beschwerdefrei.

Die Resorptionslakunen waren deutlich an der Kanalwand zu erkennen. Apikal konnte nun auch das verbliebene Guttaperchastück visualisiert und anschliessend entfernt werden. Die Obturation erfolgte mit MTA. Beim Anmischen wurde, um das Einbringen in die Resorptionslakunen zu erleichtern, eine geringfügig feuchtere Konsistenz gewählt. Somit wird das Eindringen des MTA in die Lakunen mit Hilfe eines ultraschall“aktivierten“ Pluggers ermöglicht. Anschliessend wurde der Zahn dentinadhäsiv verschlossen.

Es ist bekannt, dass die knöchernen Strukturen der Kiefer auch im Erwachsenenalter gewissen Umbau-/“Wachstumsvorgängen“ unterliegen.

Aus der Implantologie gibt es Berichte, dass es auch bei Erwachsenen nach Implantation im Frontzahnbereich im Verlauf von Jahren zu einem „Zurückbleiben“ des Implantates nebst umgebenden Knochen kommt. Offensichtlich hat im vorliegenden Fall posttraumatisch eine teilweise Ankylose eingesetzt und das „Mitwachsen“ des den Zahn umgebenden Alveolarfortsatzanteils verhindert.

Die damals gewählte Therapie ist nach heutigen Erkenntnissen sicher als suboptimal zu bezeichnen. Eine Pulpanekrose nach Horizontalfrakturen wird in weniger als 50% der Fälle auftreten. Eine endodontische Therapie kurz nach dem Trauma ist daher primär nicht indiziert. Die aktuellen Empfehlungen zur Versorgung von Zähnen mit Wurzelfraktur findet der interessierte Leser im Dental-Trauma-Guide.

Letzte Ausfahrt „Regeneration“

von Ronald Wecker

im Herbst 2011 kam dieser Patient zum ersten Mal in unsere Praxis. 3 Jahre nach horizontaler Wurzelfraktur beider mittlerer Oberkiefer-Inzisivi. Die Ausgangssituation wurde hier bereits eingestellt.

Mittlerweile konnten beide Zähne initial behandelt werden. Die lange Zeit bestehenden Fistelungen heilten bereits 1 Woche nach Erstbehandlung ab.

Im Vorfeld der Behandlung wurden mit der Mutter des Patienten zwei Vorgehensweisen erörtert.

1. Nach ultraschallunterstützter Irrigation (NaOCl ) eine Einlage mit CaOH2 bis zur Abheilung der Fistelungen und anschliessende Obturation des koronalen Wurzelanteiles mit MTA.  Beide Zähne könnten vorhersagbar in je zwei Behandlungssitzungen versorgt werden.

Für den schon bei der Erstvorstellung sehr ängstlichen kleinen Patienten (9 Jahre) schien dies zunächst das Vorgehen der Wahl zu sein. Als Nachteil ist zu nennen, dass es dabei mit Sicherheit zu keinem weiteren Wurzeldickenwachstum kommen würde. Angesichts der dünnen Wurzelwände und der daher stark erhöhten Frakturgefahr war es fraglich, ob so das primäre Behandlungsziel, die Zähne bis zum 18. Lebensjahr zu erhalten, erreicht werden würde.

2. Nach ultraschallunterstützer Irrigation mit NaOCl Einlage eines Antibiotikamixes bis zur Abheilung der Fistelungen und Versuch einer Regenerationstherapie. Verläuft diese erfolgreich, so ist mittelfristig mit einem Wurzeldickenwachstum und einer geringeren Frakturgefahr zu rechnen. Als Nachteil ist zu nennen, dass bei einem Fehlschlag dieser Therapie je Zahn ein weiterer Behandlungstermin erforderlich wäre. (Obturation mit MTA wie unter 1.)

Ausserdem ist das „Kreieren“ des Blutkoagulums, das Abdecken desselben mit einer Kollagenmembran und die Erstellung eines MTA Verschlusses technisch aufwendig und aufgrund der Notwendigkeit mit einem Anästhetikum ohne Vasokonstringens zu arbeiten einem gewissen Zeitdruck ausgesetzt. Bei einem Patienten mit unsicherer Compliance zudem dem Risiko eines Behandlungsabbruches unterworfen.

Gemeinsam mit der Mutter wurde verabredet, die Therapie von der „Mitarbeit“ des Patienten abhängig zu machen.

Nachdem die Anästhesie und das Anlegen des Kofferdams an 21 problemlos gelang wurde nach ultraschallunterstützter Irrigation das in Kapseln vorgehaltene Antibiotikumpulver mit steriler Kochsalzlösung angemischt und per Centrix-Kanüle blasenfrei in den Kanal eingebracht. Der Verschluss der Zugangskavität erfolgte adhäsiv.

Zur Behandlung des zweiten Zahnes war die Fistelung an 21 bereits abgeheilt. Die Erstbehandlung von 11 wurde in gleicher Weise wie bei 21 durchgeführt. Auch hier heilte die Fistelung innerhalb einer Woche ab.

Im dritten Termin wurde versucht entsprechend dem von Prof. Kenneth Hargreaves (San Antonio, Texas) auf der 10. DGEndo-Jahrestagung in Berlin vorgestellten Regenerationsverfahren Stammzellen aus der apikalen Papille bzw. der Hertwig’schen Epithelscheide dazu zu bewegen ein Wurzeldickenwachstum zu initiieren.

Wichtig dabei ist, dass weder eine Einlage mit CaOH2 erfolgt, noch mit CHX gespült wird, da diese Agentien Stammzellen schädigen können. Während in der ersten Sitzung nur mit NaOCl gespült wird, empfiehlt Prof. Hargraves in der 2. Sitzung nur EDTA einzusetzen.

Mittels eines Microopeners wird nach dem Entfernen der medikamentösen Einlage eine Blutung aus der Periapikalregion provoziert. Bei Verwenden eines vasokonstringensfreien Anästhetikums lässt sich dies einfach bewerkstelligen. Nunmehr wartet man das Ansteigen der „Blutsäule“ bis zur Schmelzzementgrenze ab. Nach wenigen Minuten beginnt die Koagulation.

In der Zwischenzeit kann eine etwas 0,5- 0,7 mm dünne Kollagen-„abdeckung“ zugeschnitten werden, die wie ein Deckel auf das Koagulum plaziert wird . Nach kurzer Zeit ist sie mit Blut gesättigt. Nun wird der koronale Abschluss mit MTA hergestellt. Die Kontrolle überschüssiger Flüssigkeit ist von großer Bedeutung, da es ansonsten zu einer starken Verdünnung des MTA und einem Wegschwemmen desselben kommt.

Nach Aushärtung des MTA (hier, MTA Angelus) erfolgt der dentinadhäsive Verschluss unter Verwendung eines Glasfaserstiftes als Makrofüller.

Die nachfolgenden Kontrollen werden zeigen, ob es wie beabsichtigt zu einem weiteren Wurzeldickenwachstum kommen wird.

DVT-Anwendung in der Endodontologie

von Christoph Kaaden

der zunehmende Einsatz der digitalen Volumentomographie in der Zahnheilkunde führt dazu, dass in vielen Teildisziplinen (wie der Endodontologie) täglich zahlreiche neue Erkenntnisse, Einschätzungen und Betrachtungsweisen gewonnen werden.

Häufig bestehen jedoch unterschiedliche Ansichten über die tatsächliche Notwendigkeit (und Indikation) dieser Röntgentechnik und deren sinnvoller Einsatz (s.h. z.B. Kommentare zu dem Fall hier ).

Ferner wird in diesem Zusammenhang gerne „angezweifelt“, dass sich tatsächlich „andere“ therapeutische Konsequenzen aus den DVT-Befunden ableiten lassen, als jene, die sich aus 2D-Aufnahmen ergeben würden…

In diesem Zusammenhang möchte ich auf zwei lesenswerte Veröffentlichungen zu diesem Thema verweisen.

1.:

2.: Endodontics Colleagues for Excellence Newsletter: Cone beam tomography in endodontics

Traurig …

von Jörg Schröder

… wird mir um’s Herz wenn Patienten wie diese Jahre nach einer nicht adäquat behandelten traumatischen Zahnverletzung zur Beratung kommen.

Anamnestisch zeigt sich dabei immer wieder, dass das minimale Basiswissen zur Behandlung traumatischer Verletzungen der Zähne und des Alveolarfortsatzes keine allgemeine Verbreitung gefunden hat.

Wie sollte es sonst zu erklären sein, dass die Mutter der hier vorgestellten kleinen Patientin (9 Jahre alt) angibt, dass ausser einer Konsultation am Tag des Unfalls und dem Rat die Zähne zu schonen keine Therapie der nach einem Sturz deutlich dislozierten und stark beweglichen Zähne 21 und 11 keine weitere Therapie oder Nachkontrolle erfolgte.

3 Jahre nach einer offensichtlich erlittenen horizontalen Wurzelfraktur der Zähne 21 und 11 zeigen sich die apikalen Fragmente mit fast durchgängigem Parodontalspalt und vorangeschrittenem Wurzeldickenwachstum, während die koronalen Fragmente deutliche Zeichen einer chronischen apikalen Parodontitis aufweisen.

Die Zähne 21 und 11 zeigen weder auf Kälte noch auf elektrischen Reiz eine Sensibilität. Es gibt keine Lockerung, keine erhöhten Sondierungstiefen, keine Schwellungen oder palpatorische Druckdolenzen. Der Klopfschall ist normal.

Einfachste Massnahmen wie im DentalTraumaGuide beschrieben und für jedermann nachzulesen hätten die Prognose dieser Zähne erheblich verbessern können. Das koronale Fragment hätte reponiert und bei Frakturen im mittleren oder unteren Wurzeldrittel für die Dauer von 4 Wochen semirigide geschient werden sollen.

Anschliessend erfolgen klinische und radiologische Kontrollen 4 Wochen, 6-8 Wochen, 4 Monate, 6 Monate, 1 Jahr und 5 Jahre.

Bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum besteht nach 3 Monaten immerhin ein mehr als 50%-iges Risiko einer Pulpanekrose bei vorangegangener lateraler Dislokation. Nach 12 Monaten beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Pulpanekrose bereits 75%. Ob die entzündlich bedingten Resorptionen der koronalen Fragmente durch eine endodontiche Behandlung noch zum Stillstand gebracht werden können ist unsicher.

Und wenn nicht, nimmt das Drama seinen Lauf. Traurig.

Traumatische Zahnverletzung – 2D & 3D (II)

von Bonald Decker

vor ein paar Tagen haben wir hier über den ersten Teil der Behandlung des jungen Toni berichtet. Nachfolgend möchten wir die 3D-Aufnahmen der Oberkier-Frontzahnregion vorstellen, die das Ausmass der knöchernen Osteolyse eindrucksvoll darstellt…

Vielleicht geht es Ihnen ferner wie uns und Sie sind von der Qualität (und „Zeichengenauigkeit“) dieser neuen DVT-Generation ähnlich beeindruckt

Traumatische Zahnverletzung – 2D & 3D (I)

von Bonald Decker

Traumatische Zahnverletzungen der ersten und/oder zweiten Dentition sind leider keine Seltenheit und kommen bei bis zu 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen vor. Ausprägungsgrad und deren Folgen können hierbei (leider) häufig stark variieren…

nachfolgend möchten wir kurz den ersten Teil eines Falles vorstellen, der uns aktuell beschäftigt …

kurz zur Vorgeschichte:

Der 11-jährige Toni erlitt vor einigen Monaten ein Frontzahntrauma in Regio 12-21. Die primäre Versorgung der Zähne erfolgte alio loco. Unter anderem wurde hier eine Wurzelkanalbehandlung an Zahn 21 durchgeführt.

Laut Mutter zeigte sich ferner einige Zeit später einer „Fistel“ zwischen den Zähnen 11 und 12, weswegen der laterale Schneidezahn einer endodontischen „Therapie“ im Sinne einer Trepanation mit nachfolgender „offener Drainage“ zugeführt wurde.

Trotz der durchgeführten Therapiemassnahme persistierte jedoch das ursprünglich festgestellte entzündliche Geschehen…

Daraufhin wurde uns der Patient zur chirurgischen „Sanierung des Herdes“ überwiesen…

die von uns nachfolgend angefertigte 2D-Röntgenaufnahme der Region stellte sich für uns so dar:

Es bestand der Verdacht einer horizontalen Wurzelfraktur an Zahn 11 bei vorhandener Transluzens im Bereich des Bruchspaltes. Zahn 12 zeigte radiologisch keine Entzündungszeichen bei fehlendem koronalen Verschluss der Zugangskavität…

Teil II des Falles stellen wir in Kürze hier vor…

(Kommender) Misserfolg du Jour (2)

von Bonald Decker 

Vor einigen Tagen ist mit dieser neuen Rubrik angefangen worden und ich möchte aus aktuellem Anlass einen Fall hierzu beisteuern…eigentlich könnte dieser Beitrag auch unter der Überschrift „Es geht den Bach runter…“ veröffentlicht werden.

Nachfolgend möchten wir gerne unseren jüngsten Trauma-Behandlungsfall und dessen aktuellen Entwicklungen vorstellen…

Kurz zur Vorgeschichte:

Der 11 Jahre alte Patient erlitt Anfang März ein Frontzahntrauma. Die zu diesem Zeitpunkt gestellten Diagnosen lauteten:

11: Z.n. Avulsion

21: horizontale Wurzelfraktur

22: Subluxation

Nach erfolgter Erstversorgung alio loco (Replantation bzw. Repositionierung und semirigide Schienung) wurde der Patient mit seinen Eltern an den Hauszahnarzt bzw. Kinderzahnarzt zur Weiterbehandlung verwiesen. In den nachfolgenden ca. 4 Wochen erfolgte allerdings keine weitere Behandlung. In der weiteren Folge entwickelte der junge Patient jedoch einen submukösen Abszess Regio 21. Nachdem zuvor die Schiene entfernt wurde erfolgte als weitere Therapie eine Inzision, Kürettage und Einlage eines Streifens in dieser Region.

Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung bei uns fand sich eine deutliche Rezession an diesem Zahn. Ferner fiel Zahn 11 durch einen metallischen Klopfschall auf, der eine beginnende Ersatzresorption vermuten ließ. Die daraufhin angefertigte DVT-Aufnahme verdeutlichte den vollen Umfang der Problematik. Bei beiden Zähnen war es in den posttraumatischen Wochen zu erheblichen Entzündungsprozessen mit nachfolgenden Resorptionsprozessen gekommen.

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Obgleich wir bei beiden Zähnen trotz der schlechten Prognose eine endodontische Therapie empfohlen haben, sehen wir den (langfristigen) Erhalt als fraglich an. Es ist zu befürchten, dass sich trotz aller Bemühungen ein Misserfolg einstellen wird.

Die Hoffung auf eine Verbesserung der Situation „stirbt jedoch zuletzt…“

 

P.S.: Als (mögliche) Ursache für die rapide Verschlechterung der intal guten Ausgangslage (nach nahezu optimaler Lagerung des avulsierten Zahnes in einer Zahnrettungsbox etc und anschliessend gut durchgeführter Erstversorgung) ist der erheblich verzögerte Behandlungsbeginn  zu sehen. 

Ferner würde zunächst wohl auch nicht realisiert, dass eine pulpale Nekrose des Zahnes 21 und nicht, wie vermutet, ein Kompositrest die Ursache für den submukösen Abszess war. Die suboptimale Compliance von Patient und Eltern tat ferner ihr Übriges, um sich nun in der gezeigten Situation zu befinden…  

Horizontale Wurzelfraktur (II)

von Bonald Decker

Im Rahmen der Blogreihe „horizontale Wurzelfraktur“ möchte ich heute den klinischen Fall einer jungen Patientin vorstellen.

Diese 15-Jährige hatte am Tag zuvor ein Frontzahntrauma erlitten. Sie war auf einem Hindernisparcour von ihrem Pferd abgeworfen worden und anschliessend frontal mit dem Gesicht gegen eine Hindernisstange geschlagen.

Bei der am Unfalltag alio loco durchgeführten Notfallbehandlung wurden zunächst die stark nach palatinal dislozierten Zähne 12-21 reponiert und mittels Titan-Trauma-Splint (TTS) geschient. Anschliessend erfolgte die Versorgung der Risswunden mittels Einzelknopfnähte. Da für den Ausschluss möglicher (Mittelgesichts-) Frakturen eine CT-Aufnahme geplant war, wurde bei der Behandlung auf die Anfertigung dentaler Röntgenaufnahmen verzichtet.

Abb.1/2.: Intra- und extraorale Situation ein Tag nach Erstversorgung alio loco

Abb.3/4.: Einzelzahnaufnahmen Regio 13-22 ein Tag nach Erstversorgung alio loco

Bei Betrachtung der von uns angefertigten Einzelzahn-Aufnahmen imponiert neben dem radiologischen Verdacht einer horizontalen Wurzelfraktur an den Zähnen 12-21 eine röntgenopake Substanz im Wurzelkanallumen des Zahnes 11 bei fehlender palatinaler Zugangskavität…

Die Erklärung hierfür lieferte die Auskunft des Erstbehandlers, der angab bei der Erstversorgung den stark dislozierten und extrem gelockerten Zahn 11 komplett aus der Alveole entnommen zu haben, um so extraoral eine Wurzelkanalbehandlung initiieren zu können. Nach Inspektion des Zahnes fiel dann allerdings auf, dass eine horizontale Wurzelfraktur vorlag…im Anschluss wurde daraufhin das pulpale Gewebe „retrograd“ extipiert, das Wurzelkanallumen gespült und dieses schliesslich mit einer medikamentösen Einlage (CA(OH)2) versorgt. Anschliessend wurde der Zahn reponiert und geschient.

Die bestehenden Befunde und Diagnosen sowie die bereits durchgeführten Behandlungen veranlassten uns zu folgendem weiteren Vorgehen:

  • Reevaluation nach 7 Tagen
  • Belassung der Schienung des Zahnes 11 für insgesamt 2 Wochen
  • Anschliessend orthograd durchzuführende Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 11 mit MTA-Verschluss der Apikalregion
  • „Herausnahme“ des Zahnes 11 aus dem Schienungsverbundes bei Belassung der Schienung
  • Entfernung der TTS nach 4 Wochen
  • Regelmässige Reevaluation der Zähne 12 und 21 hinsichtlich Sensibilität und klinischer Symptome…

Abb.5/6.: Intra- und extraoral Situation 7 Tage nach Erstversorgung

Abb. 7-9.: Zahn 11: Blick in Wurzelkanallumen nach Trepanation und anschliessendem Verschluss des Neoapex mit MTA

Abb.10/11.: Einzelzahnaufnahmen der Regio 11 intraoperativ (nach medikamentöser Einlage) bzw. postoperativ nach Verschluss des Kanallumens an Zahn 11 mittels MTA, Guttapercha/Sealer sowie adhäsivem Verschluss der Zugangskavität.

Die retrospektive Analyse dieses Falles fällt prinzipiell sehr vielschichtig und umfassend aus, welche den Umfang des heutigen Beitrages ggf. sprengen würde.

Eine Nachbetrachtung ist daher für einen späteren Zeitpunkt geplant… über Kommentare und Anmerkungen zu diesem Fall würde ich mich freuen…

Horizontale Wurzel-Fraktur (I)

von Christoph Kaaden

Der Anblick solcher klinischer und radiologischer Bilder führt nicht selten dazu, dass entsprechende Zähne als hoffnungslos angesehen werden und daher zur Extraktion „frei gegeben werden“.

Die nächsten Blog-Beiträge zum Thema „horizontale Wurzelfraktur“ (HW#) sollen dazu beitragen, diese häufige (Fehl-) Einschätzung zu korrigieren, da klinische Untersuchungen belegen, dass es sich hierbei um eine sehr beherrschbare Traumafolge mit guter bzw. sehr guter Prognose handelt.

Neben Erläuterungen zu Hintergründen der Entstehungsmechanismen werden ferner adäquate Therapien und Nachsorgeintervalle besprochen.

Hintergründe:

Mit 0,5 – 7% aller Verletzungen zählt die HW# zu den seltenen dentalen Traumaformen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr. Betroffen sind primär obere Incisivi, die bereits einen vollständigen Durchbruch mit abgeschlossenem Wurzelwachstums aufweisen. Ein Auftreten in der ersten Dentition gilt als sehr selten.

Entsprechend des Fraktur-Ortes ist diese im

  • koronalen
  • mittleren
  • oder apikalen Drittel

lokalisiert.

Aufgrund einiger in der späteren Folge näher zu erläuternden Punkte nimmt die koronale Fraktur eine gewisse Sonderstellung ein. Sie wird mit einer Inzidenz von 6-19 % angegeben.

Saving hopeless teeth (I)

von Bonald Decker

Zähne, die infolge eines Traumas eine horizontale Wurzelfraktur erleiden gelten langläufig als „hoffnungslose Kandidaten“ und werden daher nicht selten entfernt…

dies ist umso bedauerlicher (insbesondere für den Patienten!), als das diese Art der Zahnverletzung als therapeutisch _sehr gut_ beherrschbares Zahntrauma gilt  (s.h. Andreasen et al. & Cvek et al.).

Oftmals ist eine vierwöchige Schienung nach Repositionierung des Zahnes ausreichend, um eine Heilung der verletzen Hart- und Weichgewebe zu erlauben.

In nur etwa 25 Prozent aller Fälle entsteht als Traumafolge eine Nekrose des koronalen Zahnsegmentes, welches dann einer endodontischen Therapie zugeführt werden muss. Es gilt zu unterstreichen, dass das apikale Fragment, entgegen früherer Therapieversuche (Zugschraube etc. etc.), belassen wird und dies in aller Regel vital bleibt!!!

Anbei der Fall eines Patienten mit erlittener horizontaler Wurzelfraktur der Zähne 11 und 21 im März 2008.

Die Zähne wurden im kieferchirurgischen Notdienst lege artis geschient und der Patient zur weiteren Therapie an seinen Hauszahnarzt verwiesen. Hier sollten die betroffenen Zähne allerdings entfernt und mit zwei Implantaten ersetzten werden…

Auf Eigeninitiative des Patienten erfolgte die Vorstellung in unserer Behandlung. Zu diesem Zeitpunkt reagierten die Zähne 11 und 21 sensibel (thermischer & elektrischer Reiz). Gemäss der internationalen Trauma-Richtlinien (s.h. IADT- trauma guidelines) erfolgte ein regelmässiges Recall.

In der weiteren Folge zeigten sich insbesondere klinische Anzeichen einer Nekrose an Zahn 11, welche eine endodontische Therapie nach sich zogen. Es erfolgte eine in drei Terminen durchgeführte Behandlung, bei der der Neoapex mittels MTA verschlossen wurde. Laut Cvek et al. (Dental Trauma 2004) liegt die Erfolgsprognose einer Apexifikation bei 88 Prozent.

Ein Jahr nach dem Unfall zeigen sich beide Zähne klinisch und radiologisch unauffällig… bisher sind also beide Zähne alles andere als „hopeless teeth“ bzw. „hoffnungslose Kandidaten“…