Große Lyse

von Jörg Schröder

Eine ausgedehnte periapikale Pathologie kann die Endometrie falsch positiv beeinflussen, da es aus dem periapikalen Raum heraus zum Eindringen von Flüssigkeit in den apikalen Wurzelkanalabschnitt kommen kann.

In der Folge touchiert das zur Längenmessung eingebrachte Instrument die abkaue Flüssigkeitssäule und zeigt das Erreichen des apikalen Endpunktes an.

Ein Grund für mich, in diesen Situationen ein zweizeitiges Verfahren zu bevorzugen und zugleich immer eine Instrumentenaufnahme, oder, wie in diesem Fall, sogar zwei Instrumentenaufnahmen anzufertigen.

Die Frage des Verursachers der ausgedehnten apikalen Aufhellung war anhand des elektrischen Sensibilitätstestes schnell geklärt. Die Zähne 31 und 42 reagierten reproduzierbar positiv auf den elektrischen Reiz.

Da das DVT deutlich in 41 einen längeren Kanalverlauf anzeigte, habe ich nach der ersten Messaufnahme (ProFile 40/04) mit 35’er Papierspitzen bis zu der im DVT ermittelten Kanallänge so lange getrocknet, bis die Papierspitze vollkommen trocken bleib.

Und dann mit einer ProFile 35/04 die zweite Messaufnahme in der nunmehr neuen , endometrisch bestätigten Endposition angefertigt.

Wie so oft galt: Schön skeptisch bleiben, wenn nicht alle Puzzleteile perfekt zusammen passen.

Messaufnahme – mit oder ohne?

von Jörg Schröder

Erst kürzlich auf Georgs „Saure-Zähne-Blog“ diskutiert:

Ist eine Messaufnahme notwendig? Immer? Oder eher ein anekdotisches und tradiertes Agieren?  Für die Älteren wie mich.

Aus forensischer Sicht, wie erst kürzlich auf dem Berliner Zahnärztetag von Prof. Bürklein ausgeführt, scheint sie sehr wichtig zu sein.

Aus anatomischer Sicht hilft sie Sachverhalte zu klären, die sich zumindest im 2D-Röntgenbild noch nicht einmal erahnen lassen.

Aus physikalischer Sicht –  die Endometrie zeigt unter bestimmten Bedingungen nicht korrekt an – hier seien einmal stellvertretend Seitenkanäle, periapikale Exsudation oder sehr weite Foramina genannt -, scheint sie sehr sinnvoll zu sein. Ein elektrisch leitender Masterpoint ist noch nicht verfügbar.

Aus behandlungstaktischer Sicht – welche Kanäle verlaufen wie im Raum und ist die endometrische Anzeige plausibel? – ist sie für mich häufig sehr wichtig, da auch unser sehr hochauflösendes DVT nicht jede im Mikroskop erkennbare Struktur auflösen kann. Die Messaufnahme ist entscheidend bei der Auswahl meines Feilensystems, beeinflusst in gewissem Masse die Aufbereitungsgröße und hilft, die optimale Obturationstechnik auszuwählen.


Dennoch ist eine Messaufnahme nicht immer möglich. Entweder ist ein intraoperatives Einbringen des Sensors ist aufgrund der Tatsache, dass der Klammerzahn zugleich der zu behandelnde Zahn ist, aufgrund der Platzforderung der Kofferdamklammer und einer sehr starken Zungenmuskulatur nicht möglich oder gefährdet den Sitz der Klammer (hier seien ausgedehnte präendodontische Umformungen beschliffener  Zähne mittels Adhäsivtechnik als Beispiel genannt) nicht möglich,

oder das Platzieren des Sensors ist zunächst nur nach Lokalanästhesie und ohne Kofferdam möglich – hier ist wohlgemerkt nur das präoperative Bild gemeint durchzuführen und intraoperativ: siehe Absatz zuvor.

Und in solchen Fällen verzichte auch ich auf eine Messaufnahme (Instrumentenkontrastaufnahme/ Masterpoints). Und messe jedes einzelne Instrument händisch endometrisch nach. Und nur, wenn alle Messungen immer gleich ausfallen, die taktile Rückmeldung (Tug-Back) stimmt, der Papierspitzentest positiv verläuft (keine Blutung/ Exsudation zu visualisieren) obturiere ich. Wissend, dass es dünnes Eis ist auf dem ich mich bewege.

 

 

Tücke des Details

von Ronald Wecker

Fragt man im Kollegenkreis herum, so gelten endodontische Behandlungen an oberen mittleren Schneidezähnen  als „No-Brainer“. Gerader Kanalverlauf, weite Kanäle und guter Zugang.

Gründe für einen nicht erfolgreichen Verlauf gibt es jedoch offensichtlich viele.

In vorliegendem Behandlungsfall erfolgte nach der alio loco durchgeführten Erstbehandlung zwar eine Reduktion der massiven Beschwerden. Zahn 21 blieb jedoch weiterhin deutlich perkussions- und palpationsempfindlich.

Das präoperativ angefertigte Einzelbild liess eine schwach radioopak wirkende medikamentöse Einlage vermuten. Die apikalen 4 mm schienen wenig Bearbeitungsspuren aufzuweisen. Der erkennbar aufbereitete Kanalanteil endete abrupt.

Die Patientin berichtete darüber, dass die Längenmessung endometrisch erfolgt war; aus der überweisenden Praxis wurde mitgeteilt, dass die initiale Aufbereitung bis ISO 40 durchgeführt wurde.

Nach teilweiser Entfernung der Verschlussfüllung fiel sofort das kontaminierte Pulpakavum auf. Zudem versperrte ein palatinal gelegener Dentinüberhang den Blick nach apikal. Nach Optimieren der Zugangskavität konnte im unteren Drittel eine iatrogene Stufe an der labilen Kanalwand visualisiert werden. Die apikal davon gelegenen ca. 4 mm Kanalanteil enthielten putride zerfallene Gewebereste.

Der Überhang lenkt das eingeführte, vermutlich nicht vorgebogene, Handinstrument nach labial ab. Die Stufe wird präpariert. Die Endometrie kann bei weiten Foramina mit putrider Exsudation falsch positive Ergebnisse zeigen. Eine Messaufnahme hilft, diese Fehlerquelle auszumerzen. Eine offensichtlich nicht volumenstabile medikamentöse Einlage ermöglicht die Rekontamination bereits desinfizierter Kanalanteile.

Einfache Zähne gibt es offensichtlich doch nicht.

 

Da ist guter Rat teuer (I)

von Bonald Decker

aktuell behandeln wir eine Reihe (für uns) nicht ganz alltäglicher endodontischer Problemfälle. Anbei unser jüngster Fall eines Dens in dente…

die Messaufnahme erfolgte mit einem ISO 010 Instrument.

Messaufnahme_ Dens in dente

Die weitere Präparation erfolgte bis zur Größe 30.05.

Das prä-operativ angefertige DVT zeigt die wahre Anatomie dieser „Laune der Natur“

Für Tipps und Erfahrungswerte hinsichtlich des zu wählenden Obturationsverfahrens etc wäre ich den WURZELSPITZE-Lesern sehr dankbar…