Leitlinie Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne

von Olaf Löffler

Die aktuelle Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne “ können Sie hier nachlesen und downloaden:

Klicke, um auf 083-004l_S2k_Dentales_Traume_bleibende_Zähne_Therapie_2015-06.pdf zuzugreifen

Aktuelle Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und deren Gültigkeit sind auf dieser Seite der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) nachzulesen:

http://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/deutsche-gesellschaft-fuer-zahn-mund-und-kieferheilkunde.html

 

Jahrestagungen der DGmikro und DGET

von Hans – Willi Herrmann

Unsere Gastautor Tomas Lang hat mich in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Gesellschaft gebeten, auf die Jahrestagung der DGmikro am 27. und 28. September an der Uni Witten hinzuweisen. Das tue ich mit einem Link auf das Tagungsprogramm gerne und Bild 3erwähne in diesem Zusammenhang auch gleich die diesjährige 3. Jahrestagung der DGET, die vom 10. – 12.Oktober erstmalig als Gemeinschaftstagung der DGZ und der DGET mit der DGPZM und der DGR2Z in Marburg stattfindet.

 

DGZ GABA Praktikerpreis

von Hans – Willi Herrmann
Schon zum zweiten Mal innerhalb von kurze Zeit bin ich in der dentalen Regenbogenpresse auf folgende Meldung gestoßen.
Sie verfolgt mich gewissermaßen.
Beim ersten Mal habe ich noch geschwiegen, aber jetzt muss es raus.
Doch zunächst der Tatbestand:

DGZ und GABA verleihen Praktikerpreis

Auszeichnung geht an Dr. Stefan Rupf für seinen Vortrag zum Thema Wurzelkanalbehandlungen

Hannover, 18. Mai 2009 – Erneut hat die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) auf ihrer Jahrestagung den GABA Praktikerpreis der DGZ für herausragende praxisorientierte Arbeiten auf dem Gebiet der Zahnerhaltung verliehen. Die Auszeichnung ging diesmal an PD Dr. Stefan Rupf aus Homburg/Saar für seinen Vortrag „Diagnose und Behandler bezogene Erfolgsrate von Wurzelkanalbehandlungen“, präsentiert auf der Jahrestagung der DGZ im vergangenen Jahr. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

9 Kurzvorträge hatte die Jury, bestehend aus Hochschullehrern und Praktikern, zu bewerten. „Dr. Rupf beschäftigte sich in seiner sehr klaren und sachlichen Präsentation mit der in der Praxis vom Behandler und Patienten immer wieder gestellten Frage nach der Erfolgsprognose einer Wurzelkanalbehandlung (WKB)“, heißt es in der Begründung der Jury. Rupf war zu dem Fazit gelangt, dass der Erfolg einer WKB unabhängig von der Tatsache sei, ob die Behandlung von einem Studenten oder einem approbierten Zahnarzt durchgeführt wurde. Er wies nach, dass 62% der Behandlungen nach 3 Jahren erfolgreich abgeschlossen werden konnten und nur 18% als Misserfolg bewertet werden mussten. Selbst bei Zähnen mit nachgewiesener apikaler Läsion konnte laut Rupf fast die Hälfte (47%) erfolgreich therapiert werden.

Der Praktikerpreis wird jährlich von der DGZ in Zusammenarbeit mit GABA, Spezialist für orale Prävention, vergeben. Die Auszeichnung der besten Falldemonstration eines approbierten Zahnarztes oder Studierenden der Zahnheilkunde im Praktikerforum der DGZ erfolgt immer im Rahmen der DGZ-Jahrestagung im Folgejahr. Wichtige Kriterien für die Vergabe sind nicht nur die Qualität der Dokumentation, die Komplexität der Problemdarstellung und der Vortragsstil, sondern auch die Praxisrelevanz. „Mit dem Praktikerpreis wollen wir die klinische Tätigkeit auf dem gesamten Gebiet der Zahnerhaltung unterstützen und den Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft fördern“, erläutert Dr. Andrea Engl, Direktorin Medizinische Wissenschaften bei GABA.

Soweit die Pressemeldung.

Und jetzt ein paar Gedanken von Jemandem, der sich seit einer Reihe von Jahren mit der Endodontie beschäftigt.
Herausragend und praxisorientiert, das sind die ersten Schlagworte, die mir ins Auge fallen.

Hohe Messlatte.
Erfolgsprognose von Wurzelkanalbehandlungen, ich stimme zu, dass interessiert jeden Patienten.
Die Frage kommt eigentlich immer: „Wie gut sind meine Chancen, den Zahn zu erhalten, Herr Doktor ?“

Soweit bin ich noch  d´ accord.
Aber jetzt kommt das erste KO – Argument.
Der Erfolg der WK ist unabhängig davon, ob die Behandlung von einem Studenten oder Praktiker durchgeführt wurde.
Hallo ? Zwickt mich, wenn ich träumen sollte…

Was sind das für Studenten ?
Die fantastischen Vier ?
Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen ?
Die Unglaublichen ?
Alvin und die Chipmonks ?

Es muss sich sehr viel verändert haben an den deutschen Unis in den letzten 19 Jahren.
Denn zu meiner Zeit hätte sich kein Student auf die Fahnen geschrieben, erfahrenen Zahnärzten im Bereich der Endodontie auch nur annähernd das Wasser reichen zu können.
Hut ab also vor dem, was heute den Studenten geboten wird.

Komisch nur, dass man, wenn man mit frischgebackenen Zahnärzten, direkt von der Uni, spricht, von dieser Einschätzung nicht viel zu spüren ist.
Und vielmehr der Eindruck entsteht, dass nach wievor im Bereich der Endodontie universitärer Nachholbedarf besteht.

Gut, die andere Schlussfolgerung wäre, dass die Praktiker, die als Vergleich herangezogen wurden, nicht viel dazugelernt haben im Laufe ihres Berufslebens, also auf dem Niveau der Studenten stehengeblieben sind.

Auch keine besonders prickelnder Gedanke.

Wie groß war denn nun die Erfolgsquote ?
62 % Erfolg nach 3 Jahren ?
Hab ich richtig gelesen ?
Nicht einmal 2 von 3 Zähnen erfolgreich behandelt ?
Nach 3 Jahren ?

So dass davon auszugehen ist, dass diese schon jetzt schlechte Quote, im Laufe der nächsten Jahre sich noch weiter verschlechtern wird.

Au Backe. Im wortwörtlichen Sinne.
Und im Falle von von nachgewiesenen apikalen Läsionen nur 47 Prozent Erfolgsquote.

Da kann ich ja gleich Roulette spielen und auf Rot oder Schwarz setzen.
Das ist unterirdisch, um Herrn Bohlen zu zitieren.

Und eine Steilvorlage für jeden Implantologen.

Take them out.
Raus damit. Und rein mit dem Titandübel.
Der hält wenigstens.
So schlecht kann man so gut wie  kein Implantat setzen, dass es nicht mindestens in 62  % der Fälle 3 Jahre lang durchhält.

Und ich kann es keinem Patienten verübeln, der zu solchen Schlüssen kommt.
Offensichtlich kann man sein Geld verbrennen oder in wurzelzubehandelnde Zähne stecken.

Beides kommt vermutlich aufs selbe raus.

Fakt ist.
Es geht besser als die anvisierten 62 %.
Deutlich besser.

Ich sage sogar, dass bei Zähnen mit „nachgewiesener apikaler Läsion“ nach 3 Jahren eine deutlich höhere Erfolgsquote erzielt werden kann als jene 62 %, die hier als „herausragender“ Maßstab insgesamt vorgestellt wurden.

Kann ich den Beweis erbringen ?
Noch nicht.

Aber als Erstes werde ich versuchen, an die Studie im Original heranzukommen, um zu schauen, ob das Studiendesign für eine weitere Untersuchung im eigenen Klientel durchführbar ist.

Toxavit – In den Osterferien auf Platz 1

von Hans -Willi Herrmann

Es war schon vor der Osterpause abzusehen und es so ist es auch gekommen.
Denn es vergeht selten bis kaum ein Tag, an dem der  Begriff   „Toxavit “ sich nicht in der Auflistung der WordPress – Suchbegriffe wiederfindet.

„Toxavit“ ist gegenwärtig der meistnachgefragte Suchbegriff bei WURZELSPITZE und kein anderer Artikel wird zur Zeit häufiger aufgerufen als unser Blogbeitrag „Toxavit – Nekrose“.
Wie schon erwähnt geht aus den Suchanfragen hervor, dass es Laien sind, also vermutlich zumeist Patienten, die  hier nachfragen.
Und leider lassen die eingegebenen Stichworte auch den Schluss zu, dass offensichtlich schon unangenehme Dinge passiert sind, die den Patienten veranlassen, Suchmaschinen wie Google und Co diesbezüglich in Anspruch zu nehmen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein heftiger Streit über den Sinn und Unsinn, den fraglichen oder tatsächlich vorhandenen Nutzen von CHKM entbrannt ist. Mit  öffentlichen Diskussionsveranstaltungen wortgewaltiger Vertreter aus Hochschule und Praxis, die deutschlandweit fachintern hohe Beachtung finden.

Keine Ahnung, ob CHKM per se krebserregend ist, wie es neulich zu hören war.
Wenn ja, in welchen Konzentrationen, in welcher Menge, über welchen Zeitraum müsste dieser Wirkstoff einwirken, um seine krebserregende Wirkung entfalten zu können ?

Auch Röntgenstrahlen sind krebserregend, ebenso wie Zigarettenrauch.
Das radioaktive Edelgas Radon hilft Patienten. Diese kommen nach Bad Kreuznach, um sich bewußt einer potentiell krebserregenden Substanz auszusetzen.
LSD führt bei Spinnen in geringen Dosen dazu, dass diese perfekte Netze weben, viel genauer, als sie dies ohne diese Substanz vermögen würden.  Höhere LSD – Gaben führen allerdings dazu, dass die Spinne nicht mehr in der Lage ist, ein auch nur einfach strukturiertes Netz aufzubauen.

Jedes Ding ist Gift und kein Ding ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“  Wer sagte das ? Paracelsus.

Während also laut und wortstark diskutiert wird, ob CHKM nützlich und harmlos oder ohne Nutzen und schädlich sei , kommen währenddessen unentwegt, ohne dass vernehmbarer Widerstand auch nur von  einer der beiden Parteien geäußert werden würde, paraformaldehydhaltige Medikamente zur Devitalisierung von Zähnen zum Einsatz.
In hoher Zahl wohlgemerkt, daran besteht kein Zweifel, dokumentiert durch in Anspruch genommene Abrechungspositionen der Behandler.

Wir sprechen nicht von Tausenden von Behandlungen pro Jahr, nein von Zehntausenden, ja von Hunderttausenden  von Behandlungen pro Jahr und dass, obwohl die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund und Kieferheilkunde (DGZMK) bereits seit vielen Jahren eine solche routinemäßige Vorgehensweise als nicht mehr indiziert und obsolet eingestuft hat.

Warum also kommen paraformaldehydhaltige Medikamente weiterhin zum Einsatz ?
Amalgam und Glühbirnen sollen  verboten werden,  aber die Gebührenposition DEV, die den Einsatz besagter Mittel beschreibt, wurde bei der letzten Änderung der BEMA – Gebührenordnung höher bewertet.
Dass heisst,  der Zahnarzt, der ein solches Verfahren anwendet, bekommt sogar mehr Geld als früher.
Gleichzeitig mit der Aufwertung der DEV wurden  andere, zahnmedizinisch sinnvolle Massnahmen niedriger bewertet oder ab 2005 sogar aus dem Gebührenkatalog gestrichen wurden.

Warum werden zum Beispiel zahnmedizinische Massnahmen, wohlgemerkt sinnvolle zahnmedizinische Maßnahmen im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung, die als PHYS bis 2004 von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst wurden, aus dem Gebührenkatalog herausgenommen.

So dass diese nicht mehr erbracht oder vom Kassenpatienten selbst bezahlt werden müssen.

Stattdessen wird ein  Verfahren, für dass es meines Erachtens (was wenig zählt) keine Notwendigkeit, keine Berechtigung mehr gibt ( ich habe im Rahmen meine zahnärztlichen Tätigkeit seit 1990 noch nie ein paraformaldehydhaltiges Präparat eingesetzt) und welches nach Ansicht der Fachgesellschaften nur noch in Ausnahmefällen, wenn überhaupt, zum Einsatz kommen sollte,  weiterhin bezahlt und sogar höher bezuschusst  als früher.

Das verstehe, wer will…

Ich will weder den Gebrauch von CHKM noch von LSD propagieren und ich bin froh, dass es ein Rauchverbot in der Öffentlichkeit gibt.

Aber – ich finde, es wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn im Schatten jeglicher CHKM – Diskussionen  die Tatsache nicht wegzudiskutieren ist,  dass paraformaldehydhaltige Präparate Tag für Tag in  deutschen Praxen zum Einsatz kommen.
Bei einer Dosierung (siehe Paracelsus),  die, sofern auch nur die geringste Öffnung einen Austritt aus dem Zahn in den Knochen zulässt, ein Absterben des den Zahn umgebenden Knochens zur Folge haben kann.

Totenkopf