von Maurice Eugene Brezner
Die Patientin ist selber ZA-Helferin. Im Urlaub am Gardasee bekam sie plötzlich Zahnschmerzen. Der 46 machte massive Beschwerden. Vor Ort ging suchte sie eine Zahnarztpraxis auf.
Trepanation, medikamentöse Einlage, provisorischer Verschluss mit Cavit. Nach dem Urlaub kam sie zu mir in die Praxis, um die Wurzelbehandlung fertig stellen zu lassen. Die Frage nach momentanen Schmerzen konnte sie verneinen. Nach der Behandlung in Italien hatte sie noch zwei Tage Schmerzen.
„Aber ich glaube, sie hat Toxavit genommen. Der Geruch war unverkennbar.“, sagte die Patientin mit gerunzelter Stirn. Sie war sichtlich nicht begeistert. Nach klinischer Inspektion und Sichtung des Röntgenbildes konnte man nur eine perfekte Trepanationsöffnung und deren anschliessende saubere Verschluss mit Cavit ausmachen.

Nach der restlichen Entfernung des Cavits war der spezifische Geruch deutlich vernehmbar. Die Kanaleingänge und der Pulpaboden waren sehr sauber dargestellt und es fand sich noch paraformaldehydhaltiges Devitalisierungsmittel auf dem Pulpaboden. Dieses wurde entfernt und die Pulpakammer und die Kanaleingänge gespült. Anschliessend wurden die Kanäle aufbereitet.
Der Geruch von paraformaldehydhaltigem Devitalisierungsmittel.war aber noch nicht ganz weg. Nach weiterer Inspektion der Kanäle fiel mesial unter einem kleinen Überhang ein Isthmus ins Auge, der noch Reste von paraformaldehydhaltiges Devitalisierungsmittel. enthielt.
Der Isthmus wurde mit einer US-Spitze aufgezogen und das verbliebene paraformaldehydhaltiges Devitalisierungsmittel konnte entfernt werden. Anschliessend wieder Spülung mit NaOCl, Med mit Calciumhydroxid.
Die WF erfolgt beim nächsten Termin. Die Kollegin in Italien hat wie aus dem Lehrbuch trepaniert, uns anschliessend dicht und ohne Wattepellet verschlossen. Alles perfekt.
Das ist kein Kunststück, sagen sie?
Ist es auch nicht. Wirklich nicht.
Trotzdem sehe ich jeden Tag in der Praxis, dass es anscheinend doch eines ist, das nicht jeder ZA beherrscht. Also ein dickes Lob an die Kollegin.
Nun zum paraformaldehydhaltiges Devitalisierungsmittel: Das kann jeder machen wie er will, da Jeder seine Behandlung selber verantworten muss, bei uns in der Praxis gibt es das Mittel schon Jahre nicht mehr.
Durch die saubere Trepanation, die 4-wandige Kavität und den dichten Verschluss konnte das paraformaldehydhaltige Devitalisierungsmittel nicht koronal aus dem Zahn austreten und somit hier keinen Schaden anrichten. Ob es apikal Schaden angerichtet hat, kann ich nicht beurteilen, zumindest ist auf dem Röntgenbild nichts zu erkennen und die Patientin ist schmerzfrei.
Da die Kollegin sehr gut gearbeitet hat, sind keine primären Schäden aufgetreten, allerdings wäre ein ähnliches Ergebnis (zwei Tage nach Primärbehandlung noch Schmerzen) wahrscheinlich auch mit anderen Mitteln zu erreichen gewesen.