Neue Wege gehen

von Hans – Willi Herrmann

Ich bin mir bewusst, dass dieser Beitrag gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden wird. So wie es immer ist, wenn man etwas neu und anders macht als bisher.
Ich möchte niemanden bekehren, viele Wege führen nach Rom, lediglich auf neue und – wie ich finde – interessante Möglichkeiten hinweisen, wie sie bislang in dieser Form nicht zur Verfügung standen.

Nachfolgend  zwei Fälle der letzten Woche: KU13R-1Während man beim ersten Fall (einem devitalen Zahn 13 bei einer 74 jährigen Patientin) sicher darüber streiten kann, ob die gezeigte Vorgehensweise zwingend notwendig wäre (sie ist es nicht, zeigt aber dennoch die Möglichkeiten einer minimalinvasiven Vorgehensweise bei der Trepanation), so liegt im zweiten Fall bei einem 13 jährigen Mädchen eine starke Obliteration des Wurzelkanals vor als Folge eines Traumas in jungen Jahren. Erst bei 13 mm lässt sich mit dem Dentalmikroskop ein erster Hinweis auf den ehemals vorhandenen Wurzelkanal erkennen, ein Befund, den ich auf Grund des geringen Alters und der großen Ausdehnung der apikalen Pulpa nicht erwartet hätte. Ohne die angewandte Vorgehensweise hätte ich Blut und Wasser geschwitzt.  Auch wenn ich bislang schon eine ganze Reihe ähnlich schwierige Zähne (mit tiefen Obliterationen bei selbst unter Dentalmikroskopkontrolle nicht  sichtbarem ursprünglichen Kanalverlauf) behandelt habe, stellen doch solche Ausnahmesituationen jedes Mal wieder eine  Herausforderung dar, über der das Damoklesschwert der Perforation und des Zahnverlustes schwebt.

Umso mehr freut es mich, dass wir in diesem Fall vorhersagbar und mit sehr geringem Substanzverlust die Trepanation des Zahnes durchführen konnten.

10 Gedanken zu „Neue Wege gehen

  1. Wurde die Trep mit den Endoguide Bohrern gemacht? Ich habe in solchen Fällen gute Erfahrung damit gemacht. Nett ist auch der Markerpunkt auf dem Frontzahn damit der richtige Zahn behandelt wird, und es nicht zu einem „Mr. Bean’schen“ Zahnarztbesuch wird :-) …. Wurde hier eine „guided trep“ nach DVT gemacht? Es wurde zwar im Text nicht erwähnt, aber DVT wurde mit diesem Artikel verschlagwortet…

  2. Hallo Ha-Wi,
    ich schließe mich der Frage von Gregor S. an. Für mich ist bei diesen Obliterationsfällen eine der größten Schwierigkeiten bei der Präparation mit Endosonore-Feilen das Finden bzw. Beibehalten der korrekten Achsrichtung. Hast Du da eine besondere Technik bzw. worauf bezieht sich Deine Formulierung „ohne die angewandte Technik…“?

    Herzliche Grüße aus Berlin

    Bernard

  3. Fällt das schon unter die Kategorie Ninja Access oder machen das manche noch kleiner?
    Auf jeden fall interessant .. machst du bei Ok 1ern immer einen Punkt auf den zu behandelnen Zahn… erinnert mich ein wenig Atul Gewande Checklisten

  4. Die Fistelung am 13 erscheint ungewöhnlich weit koronal zu verlaufen, das ist m.E. nicht der kürzeste Weg für eine Osteodemineralisation zur Außenwelt Mundhöhle. Wie erklären Sie sich das? Zeigt das Weichgewebe narbige Anteile? Danke!

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