Wer hat Angst vor’m bösen Stift? (II)

von Ronald Wecker

Niemand.

Die Entfernung zementierter Wurzelstifte mit zylindrischen Querschnitt stellt aufgrund der in der Regel großen Friktionsfläche eine besondere Herausforderung dar.

Neben der reinen, mitunter zeitaufwändigen, Desintegration des Befestigungszementes mittels Ultraschall oder dem Entfernen mittels Stiftentfernungs-System eröffnen sich mit der Verwendung der Endo-Guide Hartmetallinstrumente neue Möglichkeiten.

Mithilfe der sehr schlanken, nur 1,5 mm breiten FG-Instrumente kann der koronale Stiftanteil in geringer Zeit reduziert werden und ein vorhandener Zementspalt „aufgearbeitet“ werden. Anschliessend wird der Zementspalt mit einer Endosonore-Feile der Größe 20 weiter nach apikal verfolgt. Ist aller sichtbarer Zement entfernt, führt der Einsatz kräftigerer Ultraschallansätze dann relativ zeitnah zu einer Lockerung des Wurzelstiftes.

In vorliegendem Behandlungsfall stellte der insgesamt dreifache Zylinder das Problem dar, da direkte Sicht auf den Zementspalt nur nach Reduktion des koronalen Stiftanteils möglich war.

Nach Entfernung der Obturationsmaterialien erfolgte der temporäre Aufbau nach medikamentöser Einlage in der bewährten Reihenfolge:

CaOH2 – Schaumstoff – Cavit – Quarzfaserstift – adhäsiver Aufbau.

Das Freilegen des Kanalsystems erfolgt dann in zweiter Sitzung durch den Quarzfaserstift hindurch. Nach Anlegen eines Kollagenen Widerlagers wurde der Wurzelkanal mit MTA obturiert. Der Hohlraum der Zugangskavität wurde nach Insertion eines weitern DT Light Posts adhäsiv verschlossen.

„Konfektionierter“ Stiftaufbau

von Ronald Wecker

Beim Betrachten des präoperativen Röntgenbildes fiel sofort die ungewöhnliche apikale Form des metallischen Stiftes ins Auge. Ein mit Befestigungszement gesicherter Unterschnitt, der das Herausziehen nach koronal verhindern soll. Nach Angaben des Patienten wurde die Stiftversorgung nebst WSR vor über 30 Jahren durchgeführt.

Klinisch erwies sich dieser Stift als besonders hartnäckig. Die Zementfuge musste mühsam mit einer Endosonore-Feile der Größe 20 bis ins apikale Drittel desintegriert werden. Erst der Einsatz des Thomas-Systems in Verbindung mit Ultraschall  ermöglichte nach zähen Versuchen das Entfernen nach koronal.

Apikal zeigte sich eine große knöcherne Krypte, die zum Teil mit Granulationsgewebe gefüllt war. Nach Einlage von CaOH2 wurde zur temporären Versorgung ein Quarzfaserstift adhäsiv befestigt.

In der zweiten Behandlungssitzung wurde der erneute Zugang  durch den Quarzfaserstift hindurch angelegt. Nach Entfernen der medikamentösen Einlage wurde Kollagen zur Erstellung eines periapikalen Widerlagers eingebracht. Nach der Obturation wurde erneut ein Quarzfaserstift eingebracht und der Zahn dentinadhäsiv aufgebaut.

Der apikale Stiftanteil liess mich lange grübeln, welches Siftsystem hier wohl verwendet wurde. Christian Danzl war es, der die zündende Idee hatte: es handelt sich um ein seiner Arbeitsspitze beraubtes rotierendes Instrument.

Top 2009 (2) 19 mm

von Hans – Willi Herrmann

Ich hatte mich schon geoutet. Die C – Pilot Feilen in 19 mm Arbeitslänge sind offensichtlich viele Jahre an mir vorbeigegangen und erst der Hinweis von Frau Corinna Ludwig, Senior Produktmanagerin bei VDW und zuständig für den Geschäftsbereich „Stahlinstrumente“ veranlasste mich, diese Instrumente erstmals einzusetzen.
Das ist gerade mal ein paar Monate her und schon  jetzt zählen diese Instrumente in vielen Fällen für mich zur Grundausstattung.

Wie kommt´s ?

Weil ich, wegen der Fälle, die mir so tagein tagaus überwiesen werden,  mich überproportional oft (und das ist noch untertrieben) mit Wurzelkanälen beschäftigen muss, die entweder durch iatrogene Massnahmen verschlossen oder aber von sich aus schon sehr sehr eng sind.
Und da sind die „19er“ einfach besser für die initiale Penetrierung. Denn sie sind steifer und biegen sich daher nicht so leicht um.

Wo ist der Haken ?
Er ist vor allem darin zu sehen, daß natürlich  im Laufe der Behandlung fast immer auf längere Instrumente umgestiegen werden muss. Doppelte Kosten also und damit ein Grund, gleich mit den längeren Instrumenten anzufangen. In der Realität sieht es aber meist so aus, dass die längeren Instrumente auf dem Weg zum Apex auf Grund der Situation im Wurzelkanal sich umbiegen und damit für die weitere Penetration unbrauchbar werden.

Die Kürzeren sind also oft die Besseren und man spart Zeit und Geld.

4 Jahres Follow up – apikale Aufhellung (14)

von Bodald Necker

Vor ca. 4 Jahren kam eine neue Patientin zu mir in die Praxis, sie wurde überwiesen vom MKG-Chirurgen zur Wurzelkanalbehandlung.

Die Patientin bekam von ihrem Hauszahnarzt im 4. Quadranten 5 neue Kronen eingesetzt. Soweit so gut. Doch sie konnte nie ohne Schmerzen darauf kauen. Nach einem halben Jahr empfahl ihr der Zahnarzt die Extraktion von 44 – 47 mit anschliessender Implantatinsertation.

Die Begeisterung der Patientin hielt sich in Grenzen. Selbständig suchte sie einen MKG-Chirurgen auf, und fragte, ob man mit einer Wurzelspitzenresektion noch etwas könne, oder ob es noch andere Alternativen gäbe.

Die Antwort war eine Überweisung zur Wurzelkanalbehandlung.

Nach der ersten Sitzung – Trepanation des 44  mit anschliessender WK und Med – war die Patientin für’s erste schmerzfrei. Aber auch die anderen neu überkronten Zähne schmerzten nach und nach. So wurden nach und nach die Zähne 44 bis 46 wurzelbehandelt und der 47 revidiert. Nach einer Wartezeit von ca. 6 Monaten wurden die Zähne wieder überkront.

Seitdem verrichten sie ihren Dienst ohne Probleme.

In meinem diesjährigem Urlaub konsultierte die Patientin die Vertretungspraxis wegen Schmerzen auf der rechten Seite. Röntgenbilder  vom 1. und 4. Quadranten wurden angefertigt. Der Verdacht fiel auf den 17. Dieser wurde – da er noch vital war – erst mal aus der Okklusion genommen.

Wieder bei mir in der Praxis folgte die Endo an 17.

Durch die Bilder vom Kollegen hatten wir wieder ein follow-up vom 4. Quadranten nach ca. 4 Jahren.

Apikale Aufhellung (11,12)

von Donald Becker

Zahnschmerzen tauchen ja immer dann auf, wenn man sie gar nicht gebrauchen kann.

Zum Beispiel im Urlaub wie bei diesem Patienten.

Unterwegs in Oberbayern musste er wegen starker Schmerzen in Regio 47 einen Kollegen aufsuchen.

Zwei verblockte Kronen auf Zahn 46 und 47  1,5 Jahre alt, vor Überkronung durchgeführte WF.
Apikale Aufhellungen an beiden Zähnen.
6 Monate nach Überkronung Schmerzen im rechten Unterkieferseitenzahnbereich.
Inzision und Antibiotika- Gabe ohne dauerhaften Erfolg.
Es folgte zunächst die Extraktion des Zahnes 16 und des Zahnes 48 als vermutete Schmerzauslöser.
Die Schmerzen blieben.


Therapieempfehlung des Hauszahnarztes: Extraktion 46 durch Oralchirurg.
Doch vor dem vereinbarten Termin fuhr der Patient noch in Urlaub….

Der Kollege im Urlaubsort entfernte zunächst die Kronen, ermittelte dann den Zahn 47 als alleinigen Schmerzauslöser, revidierte mit viel Enthusiasmus soweit es ihm möglich war das alte WF -Material in 47, sorgte für weitgehende, den Urlaub wieder lebenswert erscheinen lassende Schmerzfreiheit und gab dem Patienten zu guter  Letzt mit auf den Weg, dass es in Heimatnähe des Patienten (Nähe ist relativ, es waren rund 120 km)  jemanden gäbe, an den er sich zur Weiterbehandlung wenden könne.

So kam der Patient zu uns.

Wir führten im November 2007 eine WF – Revision an Zahn 47 und 46 durch.

Die Schmerzen verschwanden und kamen nicht wieder. Die apikalen Aufhellungen bildeten sich zurück.

Im Februar 2009 kam der Patient wieder.

Mit Zahnschmerzen im Unterkiefer links an Zahn 37.

Zahn 37 und 36 waren kurz zuvor (von einem neuen Behandler) wurzelkanalbehandelt worden, jedoch waren die Zähne (zumindest der Zahn 37) weiterhin nicht schmerzfrei.

Ich habe beide Wurzelfüllungen revidiert, woraufhin Schmerzfreiheit eintrat.