Dieser Fall überrascht, wenn man das Ausgangsbild nicht genau anschaut und die entsprechende präendodontische Diagnostik ungenügend ist.
Die Patientin stellte sich mit einer Schwellung und aktiver Fistel am Zahn 21 vor. Die stark erhöhten Sondierungstiefen labial deuteten bereits eine Fraktur hin. Der Zahn wurde mehrfach wurzelbehandelt. Die palatinale Attrition lässt eine funktionell bedingte Überbelastung als eine mögliche Ursache der Fraktur und internen Resorption erscheinen.
Intrakanalär zeigte sich ein bereits gefüllter Frakturspalt.
Ein zur Implantatplanung angefertigtes DVT stellt die ossäre Situation mit den verbliebenen WF-Resten nach der intrakanalären Diagnostik und den Frakturspalt dar.
Ein präendodontisches DVT hätte durch die WF-Artefakte vermutlich keine Fraktur so deutlich darstellen können.
Dieses leicht modifizierte Zitat des einstigen Fußballprofis Jürgen „Kobra“ Wegmann kam mir sofort in den Sinn, als ich den nachfolgenden Patienten mit seiner persönlichen „Zahngeschichte“ erstmals bei uns in der Praxis traf.
Zur Vorgeschichte:
Bei dem Anfang vierzig jährigen Patient war bereits vor längerer Zeit vom Hauszahnarzt an Zahn 26 eine asymptomatische apikale Parodontitis bei Zustand nach endodontischer Behandlung diagnostiziert worden.
Als Therapie der Wahl wurde eine Wurzelspitzenresektion angesehen. Für diesen Eingriff erfolgte die Zuweisung an einen sehr versierten Oralchirurgen, der den Eingriff vor Kurzem in Lokalanästhesie durchführte. Alle drei Radices wurden mittels bukkalen Zugang reseziert und nach minimalinvasiver retrograder Präparation mit einer MTA-Füllung verschlossen.
Hier das nachfolgend angefertigte Kontrollröntgenbild des Chirurgen:
Mit sehr grossem Entsetzen mussten alle Beteiligten feststellen, dass fälschlicherweise Zahn 16 statt 26 operiert worden war. Dem Oralchirurgen war der Fehler unerklärlich und (quasi) unverzeihlich. Auf eine finanzielle „Regelung“ des Schadens durch seine Berufshaftpflichtversicherung wollte er nicht warten bzw. vertrauen und sicherte dem Patienten seine persönliche Haftung zu.
Nach dem ersten „Schock“ entschied sich der Patient für zahnerhaltende Massnahmen an dem ersten oberen rechten Molaren. Die nunmehr notwendige endodontische Behandlung sollte daraufhin bei uns durchgeführt werden. Diese gestaltete sich ohne grosse Besonderheiten.
Intrakoronal fielen besonders eine bukkal und palatinale Infraktur sowie ein ausgeprägter Dentikel auf.
Intrakanalär erhärtete sich der präoperative Verdacht eines unvollständigen Randschlusses der retrograden Füllung palatinal.
Anbei einige Impressionen der Behandlung.
Klinische Impression während der endodontischen Behandlung von Zahn 16. Nach Entfernung des alten Füllungsmaterials und der Sekundärkaries imponierten zwei Infrakturen bukkal und palatinal (Pfeil)
Die endodontische Behandlung erfolgte aber ansonsten nach dem auf WURZELSPITZE wiederholt vorgestellten Bonald-Decker-Protokoll.
Hier unsere Abschlussaufnahme:
Es ist zu hoffen, dass dem Patienten zukünftig eine weitere derartige Pechsträhne erspart bleibt…
Infrakturen und/oder Risse (der Zahnkrone oder Wurzel) zählen zu den gravierensten Befunden, die Zähne aus endodontischer Sicht aufweisen können, da deren Vorhandensein die Prognose erheblich (negativ) beeinflusst. Um deren (eventuelle) Existenz besser visualisieren und verifizieren zu können hat sich allgemein besonders Methylenblau zur Anfärbung dieser „Cracks“ bewährt.
Mittels Methylenblau visualisierte und verifizierte vertikale Wurzelfraktur. Als Folge zeigt sich eine massiv erhöhte Taschensondierungstiefe
Leider ist das von uns in der Vergangenheit verwendete Produkt kommerziell nicht mehr erhältlich und so waren wir auf der Suche nach einer Alternative. Am naheliegendsten war die Anwendung eines Karies-Detektors. Während die intrakoronale Anwendung des bei uns vorhandenen roten Färbemittels suffiziente Ergebnisse lieferte waren wir wegen des fehlenden Kontrastes zu Gingiva und Blutung wenig zufrieden.
Suffiziente Anfärbung einer Infraktur mittels rotem Kariesdetektor
Ein blauer Kariesdetektor (im 12 ml-Fläschen) der Firma Pulpdent. Zu beziehen über den Dentalhändler ihres Vertrauens für ca. 35,60 – 57,00 €
Disclaimer: Es besteht beim Autor kein Interessenkonflikt in Form einer finanziellen oder persönlichen Beziehung zu Dritten, deren Interessen vom Beitragsinhalt positiv oder negativ betroffen sein könnten. Es besteht beim Autor kein Interessenkonflikt in Form einer finanziellen oder persönlichen Beziehungen zu Dritten, deren Interessen vom Beitragsinhalt positiv oder negativ betroffen sein könnten.
Der Patient, ein Kollege, fragte mich: „Was würden Sie machen, wenn es Ihr Zahn wäre?“
Meine Antwort lautete: „Wahrscheinlich, wenn ich ganz ehrlich bin, trotz der ungünstigen Prognose würde ich einen Erhaltungsversuch bei mir wagen. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Zahn länger als 2 Jahre erhalten bleibt ist nicht gegeben. Die Vernunft rät zum Behandlungsabbruch und Extraktion.“
Das läuft also unter dem Motto:“ Die Hoffnung stirbt zu letzt.“
Der Patient hat sich nach etwas Bedenkzeit für den Behandlungsversuch entschieden.
Im palatinalen Kanal haben wir uns entschieden möglichst tief adhäsiv zu arbeiten und die Kunststoffanteile möglichst gering zu halten um dem Schrumpfungsstress entgegen zu wirken. Dazu haben wir einen Glasfaserstift als eine Art Insert genutzt.
Anbei die weiteren Bilder und der Behandlungsverlauf.
Folgender Patientenfall. Ein Patient meldet sich selber in unserer Praxis an. Nach der Diagnostik und einem Beratungsgespräch werden die Termine vereinbart.
Die folgenden Befunde wurden erhoben:
17 Sensibilität fraglich, anbehandelt und Ledermix-Einlage, zuvor Beschwerden in Form einer akuten Pulpitis, kein Lockerungsgrad, keine erhöhten Sondierungstiefen, Füllungslage od. Ansonsten saniertes Restgebiß ohne Lücken.
Auf Grund einer eingeschränkten Mundöffnung, eines sehr flachen Gaumens und eines Würgereizes war die Darstellung der palatinalen Wurzel kritisch.
Ausgangsbild
Ausgangsbild
In der ersten Sitzung zeigte sich nach Füllungsentfernung und Darstellung der Kanaleingänge eine mögliche Ursache der Pulpitis. Eine Infrakturlinie zog sich von distal zum palatinalen Kanal und eine weitere Linie von mesial.
Wir haben die Kavität gereinigt und adhäsiv präendodontisch aufgebaut. Vorher Frakturlinien möglichst weit aufgezogen, sandgestrahlt und gebondet. Die Pulpa wurde mit Ledermix abgedeckt.
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Im Anschluss haben wir den Patienten beraten und ihn informiert, daß dieser Befund „GAME OVER“ heißt, oder besser gesagt, es wäre ein unglaublicher Glücksfall, wenn es länger als 2-3 Jahre gut geht. Die Wahrscheinlichkeit, daß eine Reinfektion über die Frakturlinien entsteht ist sehr groß. Wir haben die Extraktion und Implantation empfohlen. Der adhäsive Aufbau dient dem Gewinn von Bedenkzeit, bzw. der möglicherweise gewünschten Weiterbehandlung. Nun fragte der Patient, was würden Sie machen, wenn es Ihr Zahn wäre?
Nicht immer endet eine Überweisung zur endodontischen Behandlung auch tatsächlich in einer Wurzelkanalbehandlung.
Am Freitag kam ein Patientin zu Nachkontrolle, die sich vor ein paar Wochen in unserer Praxis mit starken Aufbissbeschwerden an Zahn 16 vorgestellt hatte.
Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass die Beschwerdeproblematik mit einer Infraktur, einem Riss in der Zahnhartsubstanz in Zusammenhang stehen könnte.
Aus diesem Grund wurde mit der Patientin vereinbart, eine kürzlich durchgeführte Füllung zu entfernen und mittels dem Dentalmikroskop nach verborgenen Rissen zu suchen.
In der Tat fand sich eine Infraktur eines Zahnhöckers.
Der Zahn wurde mit einer dentinadhäsiv verankerten Kunststoffrestauration versehen. Die Nachkontrolle ergab, dass der Zahn „tausendmal besser sei als vor der Behandlung“ und die Wurzelkanalbehandlung nun nicht mehr notwendig sei.
Einen anderen Weg, Wurzelkanalbehandlungen zu vermeiden, beschreibt ein kurzes Video, das den Einsatz von Engelsymbolen zur Vermeidung von Wurzelkanalbehandlungen schildert. Unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis ein (mir bislang vollkommen unbekannter) interessanter Ansatz, wenn man bedenkt, dass eine solche Behandlung ja defacto keine Kosten verursachen kann und somit eine enorme Entlastung der Krankenkassenbudgets ermöglicht.
Es muss nur funktionieren.