von Ronald Recker Der Patient suchte unsere Praxis am 14.12.2010 mit Schmerzen an Zahn 15 und einer vestibulären Schwellung in Regio 15 auf. Die vorhandene Krone an Zahn 15 war vor einiger Zeit verloren gegangen. Jetzt – kurz vor dem geplanten Weihnachtsurlaub in Ägypten – machte der Zahn Probleme. Der Zahn 15 wurde mit einer Kompositrestauration versehen, anschließend trepaniert, initial aufbereitet und mit einer Ledermix – Einlage und abschließendem Glasionomerzementverschluss der Trepanationsöfnung versehen. Am nächsten Tag war der Patient beschwerdefrei, die Woche darauf trat er, wie vorgesehen, seinen Urlaub an. In der zweiten Behandlungsitzung am 25.01.2011 wurde der Zahn vollständig aufbereitet, der Masterpoint eingemessen und für die WF – Sitzung eingetütet. Nach der medikamentösen Einlage mit CaOH2 und dem abschließenden Glasionomerzement – Verschluss verließ der Patient die Praxis. Und kam knapp 2 Jahre nicht wieder. Erst der Verlust des Kompositaufbaus mitsamt F9 -Verschluss veranlasste den Patienten, einen neuen Termin zu vereinbaren. So saß er nun am 07. November 2012 wieder auf unserem Stuhl, etliche Wochen nach dem Verlust des Aufbaus, aber immer noch ohne Schmerzen. Diese waren unmittelbar nach der ersten Sitzung verschwunden und seitdem bis zu diesem Tage nie wieder aufgetaucht. Auch die ehemals vorhandenen Aufbissbeschwerden hatten sich nicht mehr eingestellt. Leider war der Zahn zwischenzeitlich weiter kariös weggefault. Koronal war kaum noch harte Zahnsubstanz vorhanden. Eigentlich sehr sehr schade, denn apikal war der ehemals vorhandene Knochendefekt vollständig ausgeheilt. Ein wenig sauberes Calciumhydroxid war im Übrigen mit dem Dentalmikroskop noch apikal auszumachen. Auch im Kontroll – Röntgenbild ist es zu sehen. Und jetzt die Fragen… Hätte das Ganze überhaupt heilen dürfen ? Und hätte nicht nach der langen Zeit sich ein Misserfolg wiedereinstellen müssen ? Hätte sich nicht spätestens nach Verlust der Deckfüllung der Misserfolg rasch wiedereinstellen müssen ?

Dieser Fall ist sicher eine Ausnahme von der Regel, Herr Becker, und nur wenn das nicht so wäre, müsste man irritiert sein und das Behandlungskonzept überdenken.
Die Frage, was es zur Heilung braucht, ist vor diesem Hintergrund nicht schwer zu beantworten:
a) eine ordentliche Reinigung der Hauptkanäle,
b) Desinfektionsmittel, die mit dem den Infekt verursachenden Bakterien fertig werden
c) körpereigene Immunabwehr, die mit dem Rest fertig wird,
d) _keine_ zu hohe Zahl an Bakterien, für die b) und c) aufrgund ihrer Virulenz nicht ausreichen, weil sie nicht ausreichend wirksam sind
Herzliche Grüße
Rüdiger Osswald
Hallo Herr Becker,
in meinen Augen stellt dies, wie der Kollege Osswald schreibt keine Ausnahme sondern eher die Regel da, wenn denn die Deckfüllung dicht bleibt.
Die WF dient doch letzendlich nur zur Visualisierung der chemomechanischen Desinfektion. Habe in meinem Patientenkollektiv ähnliche Fälle erlebt wie den hier geschilderten, aus den gleichen Gründen.
Viele Grüße,
Markus Thiele