In eigener Sache – Berliner Zahnärztetag 2014

BER-29von Hans – Willi Herrmann

Am vergangenen Freitag und Samstag fand der 28. Berliner Zahnärztetag statt. Wie immer hervorragend besucht, hatte er  in diesem Jahr die Endodontie zum Thema. Und- um es vorwegzunehmen-das Ganze wurde inhaltlich sehr gut umgesetzt.  Für mich innerhalb von wenigen Wochen nach der Wintertagung in Braunlage  der Zahnärztekammer Niedersachsen die zweite Veranstaltung auf Kammerebene, die sich durch ein sehr hohes Niveau und viele renommierte Referenten – in Berlin zumeist als Zweierteams – auszeichnete. Ich teilte mir mit Dr. Helmut Walsch die Bühne zum Thema „Wurzelkanalfüllung – Material und Methoden – Fälle und Fakten“.

Am Ende des Vortrags kam ein mir unbekannter Kollege aus dem Auditorium ans Mikrophon, sprach öffentlich seinen Dank für den Vortrag aus und fügte dann an, dass er sich ausserdem ganz besonders für den Blog „WURZELSPITZE“ bedanken wolle. Er lese täglich mit und hätte durch den Blog mehr gelernt als in seinem gesamten Studium.

Es ist ein nicht zu unterschätzender Aufwand, diesen Blog, wie wir es nun schon im 6. Jahr tun, Wochentag für Wochentag mit Inhalten zu füllen.
Um so mehr freut es uns, wenn dieses Engagement entsprechend gewürdigt wird.
Ein tolles Lob!

Gerne hätte ich mich auch im Namen meiner Mitautoren Christian Danzl, Christoph Kaaden, Olaf Löffler und Jörg Schröder persönlich bei dem Kollegen bedankt, aber im Trubel des Kongresses bei geschätzt mehr als 500 Teilnehmern im Raum ergab sich nicht die Gelegenheit dazu, weshalb ich diesen Weg wähle, in der Hoffnung, dass sich der betreffende Kollege zur persönlichen Kontaktaufnahme mit mir in Verbindung setzt. 

Frühes Weihnachtsgeschenk

von Hans – Willi Herrmann

Es ist Ende September und ich habe keine Ahnung, ob es bereits Lebkuchen und Spekulatius in den Supermärkten gibt.
Aber das erste Weihnachtsgeschenk lag schon am 24. September bei mir in der Post.

Der VDZE hat mit dem Elsevier- Verlag eine Übereinkunft erzielt, seinen Mitgliedern den Zugang zur Onlineausgabe des JOE zu ermöglichen.
Für 20 Euro im Jahr.
Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass die Druckversion 180 Euro kosten würde.

Heute stehen demnach dem endodontischen Interessierten an wissenschaftlichen Journalen die „Endodontie“, das IEJ, das JOE und die ENDO Endodontic Practice Today zur Verfügung, zu einem Bruchteil des Preises, den man noch vor ein paar Jahren hierfür zahlen musste.

Und WURZELSPITZE gibts sogar noch als Zugabe umsonst obendrein.
In diesem Sinne – schon jetzt eine schöne Vorweihnachtszeit.

Zahnschutz

von Christoph Kaaden

„So etwas“ will Moritz nicht, dass ihm noch mal passieren…

ein Zahnunfall beim Basketballspielen.

„Gemeinsam“ mit Moritz und seinen Eltern haben wir daher entschieden nach der ersten Behandlungsphase einen individuellen Zahnschutz anzufertigen.

Die Wahl fiel auf einen individuellen Mulit-Layer-Zahnschutz.

Das klinische Vorgehen hierfür ist recht schnell erläutert:

  • Abformungen von Ober- und Unterkiefer inklusive Bissnahme

Da der Zahnschutz in den allermeisten Fällen im Oberkiefer getragen wird (Ausnahme bei ausgeprägter Progenie) sollte darauf geachtet werden, dass Umschlagfalte, Lippen- und Wangenbändchen sowie Gaumen bis zum 1. Molaren gut dargestellt sind.

Die eigentliche Herstellung erfolgt in einem zahntechnischen Labor. Im Vorfeld gilt es dabei zu berücksichtigen, bei welcher Sportart (mit damit ggf. verbundenen Krafteinwirkungen auf die Zähne) der Zahnschutz getragen werden soll. Dies hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl der verschiedenen Kunstoffschichten. Da beim Basketball mit einer flächigen Krafteinwirlung zu rechnen ist wurde bei Moritz ein Multi-Layer Zahnschutz mit 2 und 4 mm Schichten hergestellt.

Dieser macht das erste Zahntrauma zwar nicht unvergessen und rückgängig, sollte aber verhindern, dass ähnliches wieder passiert…

Dem interessierten Leser sei an dieser Stelle der sehr gelungene Artikel von Lang & Filippi zu dieser Thematik ans Herz gelegt.

Endo unplugged

von Christoph Kaaden

Endodontische Fortbildungen habe ich im Laufe meines Berufslebens zuhauf besucht. Ein absolutes Highlight stellt bis heute der Besuch der 5. DGEndo-Jahrestagung mit den Live-Behandlungen von Dipl.Stom Michael Arnold (Dresden) dar.

Erstmals habe ich u.a. damals gesehen und gelernt, dass z.B. die rein maschinelle Erschliessung von Wurzelkanalsystemen mittels Nickel-Titan-Instrumente ohne vorherige Etablierung eines manuellen Gleitpfades durchführbar ist. Ferner imponierte mir die für mich bis dato nie gesehene 6-Hand-Behandlung am Dentalmikroskop.

Ich könnte mir vorstellen, dass ich nicht der Einzige war bzw. bin, dem diese Behandlungen damals sehr imponiert haben…

Sechs Jahre später gibt es erneut die Möglichkeit diesem Endodontologen (quasi) über die Schulter zu schauen. Diesmal allerdings in Form des DVD Kompendiums Problemlösungen in der Endodontie.

Auf vier DVDs mit insgesamt 12 Behandlungsfilmen hat man die Möglichkeit kleine und grosse „Arnold`sche“ Lösungsansätze für diverse endodontische Problemfälle mitzuverfolgen.

Genauere Informationen zu den Inhalten des Kompendiums und mehr findet man hier.

Mein persönliches Kurzfazit für den interessierten „Endo-Liebhaber am Dentalmikroskop“ lautet: Absolut empfehlenswert!

Adventskalender 2012 (18) – Atul Gawande, Jürgen Thorwald

von Hans – Willi Herrmann

Von Atul Gwande hatte ich immer mal wieder was im „New Yorker“ gefunden.  Er wurde dort in die Nähe des ebenfalls  in diesem Magazin schreibenden, von mir gerne gelesenen  Malcom Gladwell gerückt, konnte mich aber mit seinen bis dato dort veröffentlichten Artikeln nicht in gleicher Weise beeindrucken.

Im Juni diesen Jahres empfahl dann James Gutmann in seinem Vortrag auf dem Quintessenz Endodontie – Symposium in Berlin das Gawande- Buch -„The Checklist Manifesto“.

Ich biss an.

Mittlerweile habe ich alle drei Bücher Gawandes (neben dem oben erwähnten noch „Better“ und „Complications“) gelesen und kann diese jedem Mediziner, Angehörigen des Gesundheitswesens oder auch lediglich  QM – Interessierten nur empfehlen.

Und bei der Gelegenheit noch der Hinweis auf 2 alte, aber dennoch, wie ich finde, sehr interessante Bücher von   Jürgen Thorwald:  Das Jahrhundert der Chirurgen, über die Entwicklung der Medizin im Allgemeinen und der Chirurgie im Speziellen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.  Und „Die Entlassung“ – über den beruflichen Niedergangs des mit Demenz (heute würden wir sagen mit „Alzheimer“) gestraften Ferdinand Sauerbruch. Ein drastisches Gegenstück zur von Film und Buch bekannten „Das war mein Leben“ – Darstellung zur Hochzeit seines Wirkens.

Und noch ein Klassiker.
Die Biographie von Ignaz Semmelweis, im Laufe der Jahre von mehreren Autoren vorgelegt. Heutzutage kaum zu glauben, welchen Anfeindungen Semmelweis während seiner Reformtätigkeiten ausgesetzt war.

Sein Scheitern an  der Ignoranz des medizinischen Establishments –  eine  Tragödie.

Mehrfachinstrumente oder Single Use: Stand der Diskussion

von Hans – Willi Herrmann

„Mehrfachinstrumente oder Single Use: Stand der Diskussion“ – Das war der Titel eines Fachvortrags von Prof. Edgar Schäfer (Münster) im Rahmen des 11. Quintessenz Endosymposiums, das vom 08. – 09. April 2011 in Berlin stattfand.

Nachfolgend ein paar Statements aus dem Vortrag:

  • Laut Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MpBetreibV) § 4, Absatz 2 Satz 3 (….Eine ordnungsgemäße Aufbereitung nach Satz 1 wird vermutet, wenn die gemeinsame Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte zu den Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten beachtet wird.)  ist das Robert Koch Institut für uns Zahnärzte  die Richtlinien festlegende Instanz.
  • Endodontische Handinstrumente werden gegenwärtig als kritisch A, rotierende Endo – Instrumente als kritisch B eingestuft. Die Differenzierung ist wissenschaftlich nicht haltbar und so ist zu rechnen, das in zukünftigen Abänderungen diese Ungleichheit beseitigt wird.
  • Kritisch B – Instrumente, demnach alle rotierenden Nickel – Titan – Instrumente, müssen validiert maschinell aufbereitet werden. Mindestens 10 Minuten im Thermodesinfektor bei 93 Grad Celcius. Anschließend Sterilisation im B – Sterilisator.
  • Extirpationsnadeln sind schon heute nach RKI Einpatienteninstrumente, da nicht wiederaufbereitbar.
  • Findet die Instrumentenwiederaufbereitung gemäß den Herstellerangaben nach DIN EN ISO 17664 statt, übernimmt der Hersteller die Verantwortung für das Gelingen der Reinigung. Besagte ISO – Norm legt dem Hersteller die Verpflichtung auf, dass er für jedes Instrument eine dezidierte Anweisung zur Wiederaufbereitung vorlegen muss oder gegebenenfalls die Instrumente als Einmalinstrumente ausweist. Gibt es eine solche dezidierte Wiederaufbereitungsanleitung nicht, darf das Instrument nicht in den Verkauf gelangen. Insofern müsste jeder Hersteller   Anleitungen für alle seine Instrumente haben.
  • Die Aufbereitungspflicht für die Dokumentation der B  – Sterilisationsvorgänge in der Zahnarztpraxis  beträgt 30 Jahre.
  • Die Materialkosten für rotierende Nickel – Titan – Instrumente sind gemäß GOZ berechenbar, sofern die Kosten für die Instrumente den Betrag von 16 – 17 Euro überschreiten. Zur Unterstützung dieser Aussage wurden die Aktenzeichen mehrerer Gerichtsurteile genannt.