Vorträge bei der ESE, die ich mir gerne anhören möchte

von Hans – Willi Herrmann

Auch nach vielen Jahren und vielen Gelegenheiten, die ich ihm zuhören konnte, bin ich  ein Freund der Vorträge von Cliff Ruddle. Ich bewundere ihn für seine Fälle (die so ausserordentlich sind, dass diese schon mal still und heimlich von anderen Referenten vor großem Publikum gezeigt und als eigene Glanztaten ausgegeben werden). Und darüber hinaus ist er im positiven Wortsinne ein „showman“ alter amerikanischer Schule, ein Wanderprediger der Endodontie, vergleichbar im Deutschsprachigen vielleicht noch am ehesten mit Alexander Gutowski.

Wer also Ruddle noch nicht live erlebt hat, der sollte, falls möglich,  die von Christian Danzl gestern hier angesprochene Möglichkeit wahrnehmen.

Aber – es sind nicht nur die Giganten der Endodontie, die hörenswert sind.

Und gerade bei den ESE – 2 Jahrestagungen wie nächste Woche in Barcelona sind es oft die „kleinen“ Vorträge des Nebenpodiums, die den Reiz der Tagung und einen gegebenenfalls nachhaltigen Wissensgewinn mit sich bringen. Während illustre Namen  allzuoft mit altbekannten und eher trivial- grundsätzlichen Inhalten die Massen in die Haupttagungsräume ziehen, findet hier großteils  im Verborgenen immer wieder „the cutting edge of endodontics“ ihr Podium.

Nachfolgend ein paar Vorträge aus den „kleinen“ Vortragssälen 4 oder 5,  die ich auf meiner Auswahlliste habe:

Donnerstag, 17.09.2015

11:30 Guided Endodontics: Accuracy of a novel method for guided access cavity preparation and root canal location
*Connert T, Zehnder MS, Weiger R, Krastl G, Kühl S
12:10 The effect of ferrule and different reattachment designs on strengthening of the vertically fractured teeth using fiber and adhesive materials
*Kurnaz S, Keçeci AD, Kaya Ureyen B

12:30 Canal and isthmus cleanliness of mesial roots of mandibular molars after Laser Activated Irrigation: a micro-computed tomography study.
*Verstraeten J, Meire MA, Jacquet W, De Moor RJ

15:00 Microsurgical re-treatment of endodontically treated teeth with incomplete vertical root fracture: a clinical case report
Taschieri S, *El Kabbaney A, Tsesis I, Corbella S, Rosen E, Del Fabbro M

15:22 A new technique and a new device to remove broken endodontic instruments from root canals
*Widera N

15:44 Non-surgical root canal treatment of a maxillary lateral incisor with triple dens in dente and five canals
*Amezcua O, Cruz A, Cholico HP, Cabada A

16:06 Contemporary management of a perforated mandibular first molar by a multidisciplinary approach: report of a case with 7-year follow-up
*Tsurumachi T, Tsurumachi N

17:22 Dose reduction and Cone-Beam Computed Tomography accuracy
*Al-Nuaimi N, Patel S, Foschi F, Mannocci F

18:06 Tooth survival following root canal treatments in Sweden. First report from a Scandinavian Endodontic Research Collaboration network (EndoReCo)
*Fransson H, Dawson VS, Frisk F, Bjørndal L, Kvist T

Freitag, 18.09.2015
9:22 Micro-CT Root canal configuration and main foramina number investigation of 302 maxillary molars
*Wolf TG, Paqué F, Willershausen B, Briseño Marroquín B

9:44 Cone-Beam Computed Tomography study of root and canal morphology of mandibular first and second molars in a Spanish population
*Mora Christian J, Abella Sans F, Nuñez Avellaneda A, Roig C M

11:22 A prospective comparative study of root canal treatment using Thermafil and Cold lateral compaction in teeth with periapical lesions
*Kandemir Demirci G, Çalışkan M

12:28 Pastinject: Is it a novel instrument for root canal irrigation?
Kayahan MB, Pamukçu Güven E, Türk T, *Çiftçioğlu E, Küçükay I

12:50 Advances and new approaches in endodontic irrigation procedures
*İriboz E

15:22 Laser-activated irrigation using pulsed erbium lasers: principles and physical basis
*Meire MA, Poelman D, Verschraege A, De Moor RJ

15:44 Laser-activated irrigation using pulsed erbium lasers: value added cleaning and disinfection
*De Moor RJG, Meire MA

16:06 Laser-Assisted Endodontic Treatments: A Paradigm-Shift.
*Martins MR, Martins MA, Gutknecht N

17:00 An ex-vivo study to demonstrate the effect of direct current on the efficacy of 1% sodium hypochlorite
*Logani A, Chahar M, Shah N

17:22 A new alternative for intracanal negative pressure irrigation: The iNP needle. Characteristics and suggestion for the protocol of clinical use
*Adorno CG

17:44 Evaluation of the antibacterial and antifungal activity of benzydamine hydrochloride and conventional antimicrobial agents: an in vitro study
*Kaval ME, Yılmaz FF, Karavana SY, Güneri P

18:06 New perspective for endodontic irrigation: nanodroplets
*Alovisi MA, Pasqualini D, Cavalli R, Cuffini AM, Mandras N, Scotti N, Berutti E

 

Und um das Hauptpodium nicht ganz zu vernachlässigen: Ende des letzten Milleniums habe über das ROOTS- Emailforum die Fälle von Carlos Boveda aus Venezuela kennengelernt und die gezeigten Resultate haben mich ebenfalls tief beeindruckt. Ich bin gespannt, wie nach so langer Zeit sich Carlos Boveda zwischenzeitlich weiterentwickelt hat und werde daher den Vortrag:

How to: preparing minimal access cavities
Carlos Boveda

auf jeden Fall anschauen.

Hat jemand der Leser noch einen Tipp für einen sehenswerten Vortrag, der hier noch keine  Erwähnung fand ?

Dann nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion, um dies kundzutun.

Frühes Weihnachtsgeschenk

von Hans – Willi Herrmann

Es ist Ende September und ich habe keine Ahnung, ob es bereits Lebkuchen und Spekulatius in den Supermärkten gibt.
Aber das erste Weihnachtsgeschenk lag schon am 24. September bei mir in der Post.

Der VDZE hat mit dem Elsevier- Verlag eine Übereinkunft erzielt, seinen Mitgliedern den Zugang zur Onlineausgabe des JOE zu ermöglichen.
Für 20 Euro im Jahr.
Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass die Druckversion 180 Euro kosten würde.

Heute stehen demnach dem endodontischen Interessierten an wissenschaftlichen Journalen die „Endodontie“, das IEJ, das JOE und die ENDO Endodontic Practice Today zur Verfügung, zu einem Bruchteil des Preises, den man noch vor ein paar Jahren hierfür zahlen musste.

Und WURZELSPITZE gibts sogar noch als Zugabe umsonst obendrein.
In diesem Sinne – schon jetzt eine schöne Vorweihnachtszeit.

Neue Instrumente bei der ESE (2) – Maillefer Proglider

von Hans – Willi Herrmann

Als VDW 2005 in Deutschland das MTwo – System vorstellte und dessen Erfinder, Prof. Malagnino, den Verzicht auf Handinstrumente und die rein maschinelle Erschließung von Wurzelkanälen vorschlug, war in der Endoszene der kollektive Aufschrei groß.

3 Jahre später, mit der Einführung der Pathfile- Instrumente durch Maillefer war diese zunächst hart kritisierte Idee dann schon „mainstream“ geworden, wenngleich offiziell eine Handinstrumentation bis zur ISO Größe 10 vorgeschrieben und nur hinter vorgehaltener Hand die rein maschinelle Erschließung propagiert wurde.

proglider-1

Mit dem proglider – Instrument, bei der ESE – Zweijahrestagung in Lissabon vorgestellt, bringt nun demnächst Maillefer ein weiteres „maschinelles Gleitpfad“- Instrument auf den Markt. Die initiale Erschließung bis zu einer ISO 10 – Feile wurde am Stand nachwievor als notwendig benannt, wenngleich die Produktbroschüre schon die Vorteile der rein maschinellen Erschließung hervorhebt.  Der Spitzendurchmesser des proglider beträgt 16/100 mm. Darüber hinaus besitzt das Instrument  einen vom ProTaper – Instrument her bekannten progressiven  Taper. Und – richtig gelesen –  der Singular ist korrekt, ein einzelnes Instrument soll die Arbeit der 3 bisherigen  PathFile – Instrumente schultern, was am Plexiglas- Block vollkommen unproblematisch, ja sanft und dennoch effizient gelingt.

Leider kann ich bislang von praktische Erfahrungen, die über den berühmt-berüchtigten  Plexiglasblock hinausgehen, nicht berichten, die am Stand vorhandenen Instrumente waren limitiert und für die ESE – Teilnehmer beschränkt.

Die Markteinführung ist für November 2013  Frühjahr 2014 geplant.

60 mal Lissabon

von Hans – Willi Herrmann

Die große Anzahl der gewonnenen Fotos  in der Kürze der wenigen vorhandenen Zeit ausserhalb des ESE- Kongresses ist ein starkes Indiz für die hohe fotografische Qualität Lissabons, aber auch für die gute öffentliche Mobilitätsinfrastruktur der portugiesischen Hauptstadt, welche die notwendigen schnellen Ortswechsel erst möglich machte.  Mein Dank geht  an Diogo Guerreiro für seine Gastfreundschaft und – wie so oft in der Vergangenheit – an Jörg Schröder für seine Reisebegleitung

Fata Morgana?

von Jörg Schröder

Neben dem Fehlen von klinischen Symptomen steht bei der Einschätzung des Behandlungserfolges die radiologische Untersuchung der periradikulären Strukturen im Vordergrund. Ein durchgehender Parodontalspalt sowie das Fehlen radiologischer Transluzenzen wird dabei als Ausdruck vollständiger Heilung und somit als Behandlungserfolg angesehen. Sollte eine präoperative vorhandene Transluzenz  nicht innerhalb eines 4-jährigen Beobachtungszeitraumes rückgebildet sein, so ist der Fall als Misserfolg zu werten. So steht es im Konsensus-Report der ESE. Die Grundlage unserer Bewertung bildet dabei in erster Linie ein zweidimensionales Röntgenbild.

Das die Realität oftmals von dem im Röntgenbild vermittelten Eindruck erheblich abweicht kennt sicher jeder von der elektronischen Bestimmung der Arbeitslänge mit Hilfe eines Foramenlokatorgerätes.

Wie stark jedoch die zweidimensionale Darstellung das tatsächliche Geschehen verschleiert zeigt nachfolgender Fall:

Zahn 27 wurde alio loco vor 3 Monaten endodontisch behandelt. Der Zahn zeigt keinerlei klinische Symptomatik. Die Wurzelfüllung im distobukkalen Kanal erscheint deutlich überextendiert. Mesial zeigt sich eine knöcherne Struktur, ein dezenter Sealer-Puff, sowie eine geringe Transluzenz. Die palatinale Periapikalregion ist projektionsbedingt nur unzureichend zu beurteilen.

Anlässlich der Frage ob die Schaltlücke in regio 26 implatologisch versorgt werden kann wurde ein digitales Volumentomogramm (DVT) angefertigt. Darauf sind an allen Wurzeln ausgedehnte knöcherne Lysen zu diagnostizieren, deren Existenz 3 Monate postoperativ zwar nicht beunruhigend sind, deren Ausdehnung mich bei der Betrachtung des Einzelbildes jedoch stark verwundert hat.


Die zur Zeit auf einer internationalen Newsgroup fast täglich eingestellten DVT-Befunde zeigen ein ähnliches Bild: ausgedehnte knöcherne Läsionen die im zweidimensionalen Röntgenbild nicht oder nur mit viel Phantasie zu erkennen sind.

Es scheint so zu sein, dass die knöcherne Regeneration periapikaler Parodontitiden deutlich mehr Zeit benötigt und unsere bisherige Röntgendiagnostik nicht in der Lage ist das wahre Geschehen darzustellen. Unter Umständen müssen wir angesichts dieses Sachverhaltes die Kriterien für den endodontischen Behandlungserfolg neu definieren.