Oster-„Ei“

von Bonald Decker

Geschickt wurde uns der Patient, weil seinem Hauszahnarzt die Kombination aus großer apikaler Aufhellung und unvollendetem Wurzelwachstum nicht „geheuer“ war.

Einige Tage vor Erstvorstellung bei uns hatte der junge Patient (16 Jahre) eine submuköse Schwellung Regio 12 entwickelt, die sich durch die Trepanation des Zahnes 12 drainieren liess und so schnell rückläufig war. Ferner wurde dem Patienten ein Antibiotikum verschrieben.

Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis einige Tage nach Behandlungsbeginn war keine Schwellung mehr ersichtlich. Über den offenen Zahn entleerte sich (weiterhin) geringe Mengen Sekret.

Röntgenologisch zeigte sich folgendes Bild:

Die weitere Untersuchung ergab, dass auch Zahn 11 devital war und eine apikale Parodontitis aufwies. Ferner imponierte ein diskretes Fistelmaul mesio-palatinal (!). Die Zähne 13 und 14 reagierten bei der Sensibilitätsprobe positiv. Anamnestisch lag im Alter von ca. 11 Jahren ein Frontzahntrauma in der entsprechenden Region vor (wahrscheinlich komplizierte Kronenfrakturen).

Folgende erste Therapieschritte wurden von uns nach eingehender Darlegung aller Optionen durchgeführt.

Therapie:
Anästhesie, Gruppen-Kofferdam-Applikation; Trepanation Zahn 11 und Modifikation der Zugangskavität Zahn 12, Ultraschallaktivierte Spülung mit NaOCl, EDTA und CHX, medikamentöse Einlage (CaOH2) nach Trocknung der Kanalsysteme und fehlender Sekretion, provisorischer Verschluss (Cavit&Ketac molar) der Zugangskavitäten.

Leider entwickelte sich bereits einige Tage danach erneut eine Schwellung in Regio 12. Daraufhin wurde Zahn 12 erneut eröffnet und bei fortlaufender Sekretentleerung nicht wieder verschlossen.

Ein Schritt, der bei uns zur absoluten Ausnahme zählt…

Um ein besseres Bild von der tatsächlichen Ausdehnung des Entzündungsprozesses zu haben wurde daraufhin eine DVT-Aufnahme der Region angefertigt.

Schnell scheint (uns) bei der Betrachtung der Bilder klar, dass eine alleinige nicht-chirurgische orthograde Behandlung wenig (bis gar nicht) erfolgsversprechend sein wird.

Daher ist jetzt ein kombiniertes Vorgehen aus „chirurgischer“ Dekompression (wie z.B. hier nachzulesen) und anschließender endodontischer Behandlung geplant. Eine mögliche Penetration des Nasenbodens durch die große Osteolyse hätte diesen Behandlungsplan übrigens (wohl) zunichte gemacht.

Die weiteren Nachuntersuchungen müssen dann zeigen, ob dieser eingeschlagene „konservative“ Weg den gewünschten Erfolg zeigen wird.

Eines scheint aber klar… alle anderen Behandlungsoptionen (z.B. Zystektomie) bedeuten weitreichende und gravierende Konsequenzen für den jungen Patienten.

Weisse Linie

von Bonald Decker

Die radiologische Ausgangssituation des nachfolgenden Falles sah bei Betrachtung des Röntgenbildes eigentlich (vermeintlich) gut aus. An Zahn 35 zeigte sich ein röntgenopakes Wurzelfüllmaterial, welches sich als „hübsche“ weisse Linie bis unmittelbar in Apexnähe (und in Form eines „Puffs“ auch leicht darüber) projizierte und eine erfolgreiche Behandlung versprechend (bzw. erhoffen) liess…

Leider hatte der Patient kurze Zeit nach der alio loco durchgeführten Wurzelkanal-behandlung/füllung erneut Schmerzen an dem entsprechenden Zahn entwickelt. Klinisch imponierte ferner eine diskrete vestibuläre Schwellung. Nach eingehender Aufklärung des Patienten über die verschiedenen Behandlungsoptionen entschied sich dieser für eine Revision…

die daraufhin vorgefundene Situation bekräftigte uns in unserem Therapievorschlag. Eine Wurzelspitzenresektion hätte in dieser Situation (wie wohl auch in den meisten anderen) nicht den gewünschten Erfolg gezeigt…

Nach eingehender chemo-mechanischer Reinigung und medikamentöser Einlage war der Patient zum zweiten Termin beschwerdefrei und so konnte die Behandlung nach WF und abschliessender adhäsiver Deckfüllung abgeschlossen werden.

Uns freut das bisherige Ergebnis und zeigt, dass wir keine Röntgenbilder behandeln und eine rein radiologische Beurteilung einer Situation kritisch zu sehen ist…