Tag des offenen Zahnes (I)

von Bonald Decker

Ich möchte Ihnen heute kurz unseren gestrigen Behandlungstag vorstellen:

Acht Patienten hatten im Zeitraum vom 09:00 bis 19:00 (mit einer Pause von 1h) Termine vereinbart.

Davon zwei Voruntersuchungen/Beratungen und sechs Behandlungen.

Ungewöhnlich für uns war die Tatsache, dass drei der zu behandelnden Zähne von drei unterschiedlichen zuweisenden Kollegen nach initialer „Schmerzbehandlung“ offen gelassen wurden.

Eine Form der Behandlung, welche ggf. in zahnärztlichen Praxen häufiger Anwendung findet, die aber evtl. aus bakterieller Sicht (je nach Diagnose ggf.) mehr Nach- als Vorteile (für den Patienten) hat.

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist die Kakehashi-Studie von 1965…

Tag des offenen Zahnes.001

Bei zwei der drei von uns zu behandelnden Zähne war „übersehene Anatomie“ in Form von bisher unzureichend erschlossenen Wurzelkanalsystemen wohl ursächlich für auftretende bzw. persistierende Beschwerden nach initialer endodontischer Therapie mit Verschluss der Zugangskavität der Fall.

Hier einige Impressionen bzw. Röntgenbilder der Behandlungen:

In einem der nächsten Beiträge stellen wir Ihnen den weiteren Behandlungsverlauf vor…

10 Gedanken zu „Tag des offenen Zahnes (I)

  1. Manche Dinge werden sich vermutlich nur sehr langsam, wenn überhaupt ändern. Ich musste erst nachschauen, mein Artikel in der „Quintessenz Endodontie “ ist nun schon 14 Jahre her:

    Endodontische Maßnahmen bei bakterieller Infektion des Wurzelkanals

    Ist das Offenlassen von Zähnen im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung devitaler Zähne noch notwendig, noch sinnvoll, noch indiziert ?

    Endodontie 1999; 1 33 – 43

    So etwas macht mich auch nach vielen Jahren Berufstätigkeit noch traurig.

      • Hallo Herr Kaaden, Hall Herr Herrmann,

        ich kann Ihre Haltung verstehen, aber:
        wir hatten hier mal mit Frau Hadidi eine schöne Diskussion über das, was med. machbar ist und was med. notwendig ist. Ergänzt wurde das Thema um das, was im BEMA oder in der GOZ abrechnungstechnisch möglich ist.
        Meine Erkenntnis aus der Dikussion damals: wenn wirtschaftliche Notwendigkeiten massiv auf eine Praxis Einfluss ausüben (egal aus welchem Anlass, innen oder außen), dann wird die Auslegung dessen, was heute als anerkannte Therapie zu gelten hat, zu einem ganz weiten Feld.
        Wenn Ihnen im BEMA für die Notfallbehandlung noch Trep + med anerkannt werden und VitE + med im BEMA als unmöglich angesehen wird- was dann? Genau, privat abdingen. Für mich hat das Besprechen von KVA´s im Angesicht großer Zahnschmerzen immer ein „G´schmäckle“…

        VG,

        KT

          • Hallo Herr Semper,

            können Sie für die Nichtwissenden ein wenig Licht ins Dunkel beim Thema „Gutowski-Klassen“ bringen?

            Ich möchte die Kollegen da auch nicht in Schutz nehmen, aber in der Medizin gibt es selten eindimensionale Erklärungsmodelle.

            Hallo Herr Kaaden,

            trotz meiner Antwort hätte ich hier sogar auf 3 PKV-Patienten getippt ;)

            Vielen Dank und viele Grüße,

            KT

          • Hallo Herr Hermann,

            Anderes will ich auch nicht behaupten.
            Und ja, wir hätten die Versorgung alle anders angegangen.
            Was Sie eine „angemessene medizinische Versorgung“ nennen, ist aber leider kein Standard, sondern immer noch ein Ziel, auf das wir hinarbeiten.

            Viele Grüße in den Süden,

            Kaj Todt

          • Hallo Herr Todt,

            Schon zu meiner Studienzeit war es Standard in allen Lehrbüchern, vitale Zähne nach initialer Wurzelkanalbehandlung zu verschliessen. Nennen Sie mir doch bitte auch nur eine Quelle, dass sich dies in den letzten 25 Jahren geändert haben und es nun „standard of care“ oder „lege artis“ sein soll, dies nicht mehr zu tun. Und devitale Zähne sollten nur in Ausnahmefällen und nicht routinemäßig offen gelassen werden.

            Herzliche Grüße

            H.W. Herrmann

          • Hallo Herr Hermann,

            wir schreiben wohl aneinander vorbei.
            Ich hatte zu meiner Studienzeit eher das Glück, Hülsmann als Referenten zu haben.
            Deswegen kenne ich auch keine Literatur zu, nennen wir sie mal „alternative Behandlungsmethoden“. Die drei Patientenfälle belegen aber eindrucksvoll, dass es wohl a) solche Literatur geben könnte, b) das es Kollegen gibt, die so behandeln und c) das es wohl darüber hinaus Gründe geben muss, so zu therapieren.
            Wenn Sie nach dem konkreten „Warum?“ fragen, dann müssen Sie an die vorbehandelnden Kollegen ran, ich habe nur Vermutungen angestellt.

            Das Schmerzbehandlungen und Notdienst-Endos mit offen gelassenen Zähnen enden, kommt mir auch unter, allerdings nicht in dieser Häufigkeit.

            Eine kleine Anekdote aus dem Studentenleben: ein ehemaliger Kommilitone hatte im Notdienst einen Prämolaren trepaniert bekommen. Auf Grund der Pulpanekrose entschied man sich für ein offenlassen des Zahnes. Er war bekennender Cola-Trinker, wahlweise ergänzt durch andere Softdrinks und war der Meinung, der hohe Säuregehalt des Getränks würde alles dahinraffen, was im Kanal noch leben könnte. Er spülte also regelmässig die Mundhöhle mit Cola, welches im Übrigen meines Wissens nach nicht zum Verlust des Zahnes bis zum Ende meines Studiums führte…

            Aber da snur am Rande ;)

            VG,

            Kaj Todt

Kommentar verfassenAntwort abbrechen