Pro Design S




von Jörg Schröder

Vor einer Woche hatte ich an dieser Stelle von meinen ersten Erfahrungen mit einem neuen Feilensystem berichtet.

Das“Pro Design S“- System, entwickelt von Dr. Henrique Bassi, besteht aus 4 Feilen mit folgenden Abmessungen: 30/10, 25/08 25/01 und 20/06. Die Schneidengeometrien und Querschnitte variieren zwischen den verschiedenen Instrumenten. Bei stark obliterierten Kanalsystemen kommt zur Erlangung der Patency eine 15/05 in reziproker Arbeitsweise zum Einsatz.

Der dazugehörige Motor kann sowohl in rotierender als auch in reziproker Weise betrieben werden. Bei der vollrotierenden Arbeitsweise wird kontinuierlich der Verschleiss/die Belastung der verwendeten Feilen ermittelt und in „% Lebensdauer“ angezeigt.

Leider konnte ich keine Muster der Feilen mitnehmen. Allerdings konnte ich Kanalsysteme extrahierter Zähne aufbereiten. Einen Zahn, einen oberen Molaren mit einer starken Krümmung im apikalen Drittel des MB1, habe ich nach der Aufbereitung als Souvenir mitgebracht und in der Praxis röntgenologisch betrachtet.

Die zur Messaufnahme eingebrachte ProTaper F1 (20/07) zeigte sich dabei äusserst störrisch und wies nach dem Einsatz deutliche Aufdrehungen des Arbeitsendes auf.

Die Aufbereitung dieses Kanalsystems mit den Pro Design S Feilen gestaltete sich unkompliziert, und dass trotz unzureichender Zugangskavität.
Dabei war das taktile Empfinden ähnlich dem beim Einsatz einer ProFile 15/04 oder 15/06 beim pickenden Erschliessen obliterierter Kanäle.

Ich denke, dass wir von diesem System noch hören werden.




Der Nabel der Welt …


von Jörg Schröder

… scheint zumindest im endodontischen Bereich wie selbstverständlich in Nordamerika und Mitteleuropa angesiedelt zu sein.

Hervorragend ausgebildetete Endodontologen mit ausgezeichnetem Fachwissen, die zudem über das modernste technische Equipment verfügen, gibt es sehr wohl  aber auch in Ländern, in denen die ökonomische Lage des Großteils der Bevölkerung dies nicht unbedingt vermuten lassen würde.

Dies wurde mir anlässlich eines Vortrages auf einem brasilianischen Endodontiekongress einmal mehr klar. Bereits zum 11. Mal hatte Henrique Bassi, ein Kollege, der neben der Tätigkeit als Hochschullehrer auch noch 3 Tage in der Woche praktisch tätig ist, zum „Encontro de Endodontia da Easy“ nach Itaparica im Bundesstaat Bahia geladen.

Im Rahmen eines Workshops hatte ich die Gelegenheit, das auf diesem Kongress erstmals vorgestellte Feilensystem „Pro Design S“ an extrahierten Zähnen auszuprobieren.

Kernstück des Systems ist die Weiterentwicklung eines seit 10 Jahren existierenden drehmomentkontrollierten Motors. Dieser erlaubt die Einstellung sehr geringer Torquewerte (bis unter 0,25 Ncm). Die Torqueeinstellung wird dabei auf den Bereich der Feile abgestimmt, der tatsächlich im Kanal arbeitet, sofern man der von BASSI empfohlenen Behandlungssystematik folgt.

Darüber hinaus erfasst der Motor den Verschleiss bzw. die Beanspruchung jeder eingesetzten Feile und gibt sie kontinuierlich in „% Lebensdauer“ wieder.

Die neu entwickelten Orifice-Shaper haben die Dimensionen 30/10 und 25/08. Die Feilengeometrien sind „Doppelhelix“ für 30/10 und „Triplehelix“ für 25/08.

Überraschend schmal kommt die nächste Feile daher: 25/01 und aufgrund ihres schlanken Aussehens mit dem Namen „Giselle“ bedacht (Giselle Bündchen, brasilianisches Supermodel).

Erstaunlich in wie vielen Kanälen damit Patency erreicht werde konnte. Wenn „Giselle“ nicht erfolgreich ist, wird mit wenigen Tasten der Motor auf reziproke Arbeitsweise umgestellt. Die dann eingesetzte 15/05 kam in allen Fällen (17 von 17 Kanälen) ohne Begradigung bis zum Foramen.

Obwohl es in Brasilien 15.000 Kollegen gibt, die überwiegend endodontisch tätig sind, hatten die meisten ein geradezu familiäres Verhältniss zueinander. In Deutschland auf großen Kongressen auch schwer vorstellbar, das der Vortragende ohne Anzug und Krawatte mit hochgekrempelten Ärmeln auftritt. Dabei hatte der Veranstaltungssaal eine mehr als ausreichende Klimatisierung.

Zwischendrin tritt auch schon einmal ein verdienter und hoch respektierter Kollege vor (53 Berufsjahre in der Endodontie, erfolgreiche Recallbilder die 40 Jahre und älter sind) und kommentiert das eine oder andere Gezeigte wohlwollend.

Neben den fachlichen Eindrücken haben wir eine große Portion Gelassenheit mit nach Hause nehmen können, was sowohl an der fröhlichen Art der brasilianischen Kollegen als auch an der schönen Umgebung lag. Nachfolgend einige Stimmungsbilder:

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