2 Zitate des Tages

Am Wochenende sind mir 2 interessante Zitate, Medizin bzw. Zahnmedizin betreffend, in die Hände gefallen.

Das erste ist aus der  Biographie von  Peter Janetta.
Janetta hat das Operationsmikroskop in die Neurochirurgie eingeführt und es erging ihm am Anfang nicht anderes wie vielen anderen Vordenkern, seine Idee wurde zunächst mit Häme und Ignoranz bedacht.

Mark Shelton, Biograph und Autor von „Working in a very small place“, schreibt:

„It is one thing for a surgeon to device something new and try it himself; it may be successful, he may be eminently satisfied with the results, he may do it again and again and again. But it is another thing to get others to do it, too. Without that, a generation may pass before someone happens upon the same idea and try his hand at having it catch on. One person cannot change medicine until he changes the minds of enough of his peers for word to begin to get around.
Only then is the revolution safe.“

Das zweite Zitat ist noch wesentlich älter. Es stammt aus dem 1932 erschienenen Lehrbuch „Der Goldguß“ von Max Rosenzweig.
Dort heißt es, einleitend:

In allen unseren Spezialdisziplinen hat fast jeder Zahnarzt eine andere, seine Methode. Noch schlimmer, noch nachteiliger für die Zahnheilkunde aber ist es, daß jede offizielle Lehrstätte in Europa ihre Methode lehrt, obwohl schon vielfach auf den ersten Blick nicht alle Methoden gleichwertig, viele sicherlich unzulänglich sind. Ich bin kein unbedingter kritikloser Nachbeter der Amerikaner, aber um Institutionen, wie die Dental-Association, das Buerau of Standards etc. müssen wir die Amerikaner beneiden, wenn die zahllosen, bei fast allen unseren konservativen und technischen Arbeiten geübten Methoden von einer objektiven, wissenschaftlich und fachlich autorisierten Stelle aus überprüft und per exclusionem die besten festgestellt und standardisiert würden. So machen es die oben erwähnten amerikanischen Prüfstellen. Wie segensreich wäre eine solche Institution, um nur eine Beispiel herauszugreifen, beim Wurzelkanalbehandlungsproblem gewesen, wieviel Mißerfolge hätten wir uns und unseren Patieten ersparen, wieviel Zähne erhalten können. Es gab schlechtweg fast soviele Methoden der Wurzelkanalbehandlung als es Zahnärzte gab. Kaum in einer anderen Disziplin unseres Faches wird soviel Ballast mitgeschleppt, werden soviele wertlose, den Erfolg ausschließende Methoden geübt, als gerade bei der Wurzelkanalbehandlung.

Ein Gedanke zu „2 Zitate des Tages

  1. «Es handelt sich bei der Medizin ganz allgemein nicht um eine exakte Wissenschaft.»
    Prof. Dr. H. Kollaritsch in der Ärzte-Woche vom 16.7.2003.
    Wir sind in der Medizin leider nicht bei einer Sportveranstaltung, wo der Sportler mit der besten Zeit gewinnt, also recht hat. Schaut man sich die Vergangenheit hat, hinkt die Medizin IMMER der Realität hinterher. Aber anders kann es auch gar nicht funktionieren, außer man bedient sich netter Spielchen um eine Krankheit NACH dem Medikament zu finden. So wird glaube ich nur in Deutschland der niedrige Blutdruck als therapierbedürftige Krankheit angesehen, alle anderen Länder der Welt freuen sich darüber und lassen es gut sein (was aber auch eine Kostenfrage sein kann, und von Geld haben wir hier in Deutschland vom Prinzip ja genug).

    Es wurde ja im Text von Peter Janetta gesprochen, der SEINE Therapieform gewählt hat, und gegen den Willen – und die EXPERTENMEINUNG – Anderer durchgesetzt hat. Kann man das jetzt als Beispiel gegen oder für eine weitere „Vorgabeninstanz“ sehen?

    Ich würde es SEHR begrüßen wenn für jedes Problem EINE definierte Antwort formuliert wäre die zu 99,99999% zum Erfolg führt, aber anders als von allen QM-Hirten in Utopia visioniert, wird es das auch in 100 Jahren nur für den Austausch eines Autokühlers geben. Schaut man sich alleine die Streitigkeiten bei der „Med“ und „Ca(OH)2 vs. CHKM“ an, so wird die endodontische Therapie noch lange Konfliktpotential bergen.

    Oder noch weitergeführt, anhand der Expertenmeinung hier in Deutschland: Phys bringt bei Endo nichts, sagen jedenfalls die GKV. Auf Anfrage warum das so sei, kam die Antwort: “ Es ist nicht wissenschaftlich bewiesen das ein Nutzen durch die Wurzelkanalspülung vorliegt“. Soviel zum Thema „Regulation“ durch Behörden und Expertenmeinungen, die Entscheidung wurde garantiert nicht ohne einen „Experten“ entschieden. (Frage am Rande: Was macht ihr oder wie behandelt ihr, wenn der Patient keine Phys möchte, also rein nach GKV-Standard behandelt werden will? Spült ihr trotzdem,benutzt Endometrie, Kofferdam etc. obwohl es euch keiner bezahlt, geschweige denn die Zeit honoriert? )

    Eine kleine Buchempfehlung um etwas mehr Klarheit in das Studienwirrwar und meine Skepsis bezüglich nicht hinterfragter Studien oder Expertenmeinungen zu bringen:
    “ Der Hund, der Eier legt: Erkennen von Fehlinformation durch Querdenken“. Danach macht jede gelesene Studie richtig Spass, und man REDET mit und HÖRT mehr auf SEINE Patienten, anstatt blind einer Studie zu folgen, wo die meisten leider durch unsere Gesellschaft auf Quantität und nicht Qualität getrimmt sind.

    Hier noch ein Zitat das ich zum Besten geben will, der Ursprung ist mir leider nicht mehr geläufig, aber ich denke in meiner geistigen Umnachtung gerade an den berühmten Studenten „Schurik“ & Freunde bei seinen Abenteuern:

    “ Ich bin Chirurg: Ich muß Menschen erst weh tun damit es ihnen später besser geht.“

    (Ich hoffe natürlich das diese Zeile nicht zum Nachteil für uns Behandler falsch interpretiert wird :D)

    PS: Bitte mehr von solchen Beiträgen! DANKE für die ganzen Mühen!

    Gruß Gregor

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