Endo oder doch X

von Bonald Decker

So lautete der Betreff einer E-Mail die mich gestern erreichte.

Nachfolgend finden Sie Auszüge des Textes sowie das dazugehörige Röntgenbild. Mehr Informationen besitze ich nicht.

Mich würde sehr interessieren, was Sie dem Kollegen bzw. der Patientin (Alter ca. 75 Jahre) empfehlen würden.

Sehr geehrter Herr Kollege,

 in der Anlage sende ich Ihnen eine Rö-Aufnahme mit der Bitte der Patientin um Stellungnahme.
Bei der Patientin, Frau XYZ, handelt es sich um die Schwester einer Ihrer Patientinnen. So kam Sie auf die Idee Sie zu Rate zu ziehen und hat mich darum gebeten. Die Pat. lebt im Schwarzwald.
Am Zahn 27 hatte Sie nun mehrmals Schmerzen und nach Anfertigung der Rö-Aufnahme bin ich der Meinung dass 27 wegen der Lagebeziehung zum retinierten 28 nicht erhaltungsfähig ist. Ihre Bitte wäre nun Ihre Meinung dazu.
Ich hoffe Sie haben Verständnis für diesen besonderen Weg der Konsultation.
 
Mit freundlichen Grüßen“
Endo oder doch X.001

8 Gedanken zu „Endo oder doch X

  1. Für eine Entscheidung fehlen aber noch dramatisch viele Informationen: komplette Anamnese, inkl. Wunsch/Vorstellung der Patientin sowie finanzieller Leistungsfähigkeit, vollständiger Befund, u.a. Bezahnung im Gegenkiefer und auf der kontralateralen Seite – und v.a. Hinweise auf eine mögliche Ursache der Beschwerden. Sensibilität 27? Radiologisch nicht erkennbare Karies an 27? Gingivitis/Parodonitis? Perikoronitis 28? Sinusitis? Usw.
    Das ist das Problematische an der „Telemedizin“: Nicht nur fehlen meist wichtige Befunde, es ist auch zweifelhaft, ob die Befunde bei eigener Untersuchung identisch wären…

  2. Ich stimme meinem Vorredner zu, interessant sind darüberhinaus die Taschentiefen ( v.a. auch an 25) und Lockerungsgrade die durch die Verblockung eher nicht zu bestimmen sind. Fraglich bleibt ja ob die Schmerzen durch den 8er, oder vielleicht durch eine mesiale sekundäre Kronenrandkaries ausgelöst werden. Von medizinischer Seite sind sicherlich mehrere Herangehensweisen denkbar. Sollte tatsächlich ein Geschen von 28 ausgehen und die Entscheidung für eine Ost 28 fallen bleibt weiterhin fraglich wieviel Restknochen Distel von 27 verbleibt und wie die prothetische Wertigkeit danach für 27 und 25 einzuschätzen ist. Hier kommen dann die oben angesprochenen finanziellen Aspekte in die Waagschale. Eine valide “ telezahnmedizinische“ Einschätzung gestalten sich also sehr schwierig. Im Zweifel kann es also durchaus vernünftiger ( sowohl zahnmedizinisch als auch finanziell) sein, dass die Patientin den Weg aus dem Schwarzwald zum Kollegen Decker auf sich nimmt, um im Rahmen einer Voruntersuchung weitere Informationen bezüglich eines Zahnerhaltes zu bekommen, eine DVT-Aufnahme könnte ebenfalls hilfreich sein.

  3. Lieber Bonald,
    Mr. Beam meint, daß in Ergänzung zu den Kommentaren von Yango und Sebastian ein DVT sehr hilfreich wäre, weil sich der Verdacht eines Resorptionsgeschehens i. r. von Zahn 27 aufdrängt. Ferner scheint die PSP defekt, denn die Struktur im oberen rechten Bildeck scheint nicht patientenkorreliert zu sein.
    Herzliche Grüße
    Marc

      • Hier ein Update mit mehr Informationen:

        „Vorhandener alter ZE wurde 2009 abgenommen und eine PA durchgeführt. Taschentiefen vor PA 2009 an 25 distobucc 7mm und distopal 8mm an 27 mesiobucc 6mm und mesiopal 7mm. Distale Taschentiefen 27: 3 bzw. 4mm. Lockerung 25, 27 I. Rö anbei vom 12.01.2010. Weitere Maßnahmen bis zur ZE-Neuversorgung: erste PZR nach PA und Periochip 25,27. Distal 27 kein Anhalt für Zugang zu 28.
        Die Brücke ist vom Feb 2010. Eine Entfernung 28 wurde erwogen, wegen des hohen Risikos für 27 damals nicht durchgeführt.
        Letzte Taschentiefen vom 28.02.2012: 27 distal bucc und pal 3mm.
        Bei diesem Termin wurde eine Karies an 27 mesial in die entsprechende Furkation ziehen gefüllt. 27 zu diesem Zeitpunkt vipr +.Bißflügel liegen leider nicht vor.“

  4. Es waren ja Empfehlungen gefragt:
    m.M.n. liegt keine lang-/mittelfristige Erhaltungswürdigkeit vor. Nur auf Grund des Alters (Allgemeingesundheit, implantierbar?) der Patientin wäre ein Zahnerhalt bis ultimo ggf. berechtigt. Mein Vorschlag: Entfernung 27,28 und Implantat 26 mit int. Sinuslift.
    Schöne Grüße,
    MH

  5. Mir fehlt hier vor allen Dingen noch das Beschwerdebild und die Sensibilitätsproben. Denn den Weg von dem Ausgangsröntgenbild zum endodontischen Problem an 27 kann ich noch nicht nachvollziehen.
    @marc semper: PSP bedeutet Playstation Portable – alles andere ist frei erfunden!

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