Infratronic Desinfektionsspender – Langzeitupdate

von Hans – Willi Herrmann

Kaum zu glauben, das wir schon bald 4 Jahre mit dem Infratronic -Desinfektionsspender arbeiten sollen.

Eine Empfehlung des Kollegen Andreas Mrohs für die ich an dieser Stelle wieder einmal Danke sagen möchte, nachdem zuvor berührungsfreie Spender eines anderen Herstellers schon nach wenigen Monaten ihren Dienst quittiert hatten.

Die Ergebnisse nach dem ersten Jahr mit dem Infratronic – Spender waren vielversprechend, aber seitdem ist eine lange Zeit vergangen.

Was hat sich seitdem geändert ?
Nichts.

Nachwievor verrichtet der Spender einwandfrei seinen Dienst.

Bild 1Grund für uns, die gesamte Praxis (Behandlungszimmer,Steri, Labor, Röntgenraum, Patiententoilette und Eingangsbereich) mit berührungsfreien Spendern von Infratronic auszurüsten.

Muss ich mehr sagen.
Eigentlich nicht.

 

Hygiene- Tastatur – Keywi MediBoard – Langzeittest

von Hans – Willi Herrmann

Über Hygiene – Tastatur habe ich in den vergangenen Jahren hier bei WURZELSPITZE immer wieder berichtet. So zusammenfassend im ersten Überblick hier.

Es gibt mittlerweile eine Reihe unterschiedlicher Anbieter und Modelle am Markt.
Allen gemeinsam ist, dass die verbesserte Hygienefähigkeit mit einer Verringerung der Schreibergonomie und Schreibeffizienz einhergeht.
Müsste ich die unterschiedlichen Konzepte in Kategorien einteilen, so würde ich  3 Gruppen benennen:
Da sind auf der einen Seite die herkömmlichen Tastaturen, welche durch unterschiedliche Massnahmen hygienefähig gemacht wurden. Dazu zähle ich Silikon -Tastaturen oder desinfizierbare Tastaturen sowie desinfizierbare Tastatur – Überzüge. Im besten Fall resultiert daraus die gewohnte Schreibergonomie und Schreibeffizienz, allerdings bei prinzipiell vorhandenem zerklüftetem Oberflächenrelief, die – ungeachtet der Reinigungsfähigkeit des Oberflächenmaterials – einer suffizienten Reinigung, zumindest was Wischdesinfektion angeht, entgegensteht.

Auf der anderen Seite Glastastaturen wie zum Beispiel die CleanKeys -Tastatur. Hervorragende Hygienefähigkeit, die zu Lasten der Schreibfähigkeit geht. Mit entsprechender Nutzdauer  wird man seine Schreibtechnik sicherlich an die anderartige Schreiboberfläche ein gutes Stück weit adaptieren können, eine gewisse Diskrepanz wird jedoch vermutlich bleiben.

Zwischen diesen beiden Lösungen steht konzeptionell das KeyWi MediBoard, eine sehr gut wischdesinfizierbare Tastatur mit konvexen, leicht erhabenen Tasten, wie man es von den berühmten Braun- Taschenrechnern von Dieter Rams kennt. Die Gestaltung der Schreibtasten gestattet dem Vielschreiber die gewohnte „blinde“ Orientierung der Schreibhände. Blieb für mich die Frage, ob die routinemäßige Wischdesinfektion sich im Langzeittest auf die mit Silikondichtungen um die Tastaturknöpfen versehene Oberfläche auswirken würde.

Nach nunmehr über einem Jahr im Praxiseinsatz kann ich nun berichten, dass es bislang kein Anzeichen dafür gibt, das die permanente Einwirkung der Desinfektionsmittel zu negativen Veränderungen geführt hätte. Die Tastatur sieht noch aus wie am ersten Tag und im Bezug auf Schreibkomfort und Ergonomie kann ich für mich sagen, dass sich die vorhandenen Tasten positiv bemerkbar machen. Wäre die Tastatur jetzt noch etwas weniger raumfordernd, so würde ich sie im Hinblick auf die unterschiedlichen Anforderungen, die es unter einen Hut zu bringen gilt und mit den systemimmantenten Einschränkungen, die die Hygienefähigkeit mit sich bringt, als uneingeschränkt empfehlenswert bezeichnen. Ich würde mir eine Version 3.0 ein wenig kleiner wünschen, aber das ist nur eine Marginale im Sinne eines „nice to have“, die es zu erfüllen ginge und ändert nichts an den grundsätzlich positiven Eigenschaften des Produktes.

Jahrestagungen der DGmikro und DGET

von Hans – Willi Herrmann

Unsere Gastautor Tomas Lang hat mich in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Gesellschaft gebeten, auf die Jahrestagung der DGmikro am 27. und 28. September an der Uni Witten hinzuweisen. Das tue ich mit einem Link auf das Tagungsprogramm gerne und erwähne in diesem Zusammenhang auch gleich die diesjährige 3. Jahrestagung der DGET, die vom 10. – 12.Oktober erstmalig als Gemeinschaftstagung der DGZ und der DGET mit der DGPZM und der DGR2Z in Marburg stattfindet.

 

Unauffälliger Zahn 47

von Donald Becker

Vor 14 Tagen habe ich hier diesen Zahn 47 hier vorgestellt, war bislang jedoch urlaubsbedingt die WF – Abschlusskontrolle schuldig geblieben, was ich hiermit nachholen möchte.

Auch in der Abschlussaufnahme ist von der in der 3D- Aufnahme sichtbaren Knochendestruktion nichts zu sehen.
Insofern erhebt sich schon jetzt die spannende Frage, wie die erste WF – Recall – Röntgenaufnahme, die nach 6 Monaten im Herbst ansteht, zu beurteilen ist, wenn, wovon ich ausgehen möchte, sich keine Verschlechterung einstellen wird.

Ultraschall – Prothesenreinigung (4) Renfert Sympro – Ein Fazit nach 3 Jahren

von Hans – Willi Herrmann

Vor rund 3 Jahren ging es hier bei WURZELSPITZE erstmalig um Ultraschall- Prothesenreinigungsgeräte, nämlich hier und hier und hier und hier.

Letztendlich hatte ich mich für das Renfert Sympro entschieden, dass im Vorfeld der Entscheidungsfindung allerdings zunächst für mich einen entscheidenden Nachteil hatte.

Es sah zu gut aus.
Ich bin ohne Frage ein Freund guten Designs, aber muss ein Prothesenreinigungsgerät, dass die ganze Zeit im Labor steht, gut aussehen ?

Nein, muss es nicht.
Und so argwöhnte ich, nur für mich im Stillen, dass möglicherweise das gute Design, welches das Gerät zweifelsohne besitzt, dazu dient, über Schwächen in Konstruktion, Funktion und Haltbarkeit hinwegzutäuschen.

Nach 3 Jahren nun, denke ich, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen und ich bin mir nicht zu schade, freimütig zu gestehen, dass sich meine Bedenken, das Sympro betreffend,  in jeglicher Hinsicht als vollkommen unbegründet erwiesen haben.

Das Gerät hat bis heute einwandfrei funktioniert, es verrichtet, wenn man keine unerfüllbaren Forderungen, die Reinigungsleistung betreffend, an es stellt, tadellos seinen Dienst und auch die Kunststoffoberfläche des Sympro zeigt sich nach all der Zeit immer noch ohne Makel.

Alles in Allem Eigenschaften, die heutzutage in unserem Bereich immer seltener anzutreffen sind.

Ist das eine Empfehlung ?
Auf jeden Fall.

Eisbach Surfer

von Hans – Willi Herrmann

Im Sommer ist es lange hell und so nutzte ich den Abend meiner Anreise zu meinem letzten Münchner Curriculumskurs, um mir wieder einmal im Englischen Garten hinter dem Haus der Kunst die mittlerweile weltberühmten Eisbachsurfer anzuschauen. Mag sein, daß das Eisbachsurfen schon lange nicht mehr „underground“ und vermutlich aus dem Sichtwinkel der Gründerväter von vor 20 Jahren längst „kommerzieller mainstream“ geworden ist. Aber ich finde immer noch, das ist mit Abstand die coolste Sache, die München zu bieten hat. Ich kann dort jedes Mal stundenlang zuschauen, gäbe sehr viel darum, dies machen zu können und wenn es wirklich Idiotische Deppen geben sollte, die Müll in den Eisbach schmeissen, dann sollen diese in der Hölle schmoren.

Weitere Fotos der Surfer (alle gemacht ohne Autofokus) gibt es hier.

Was zeigt das DVT ? (4) – Resorptionen- Die Antworten Teil 2 : Fall 3

von Hans – Willi Herrmann

Fall 3

Zahn 47, 46

Die 62 jährige Patientin suchte wegen einer unklaren Schmerzsymptomatik im rechten Unterkiefer- Seitenzahnbereich  unsere Praxis auf.

Zahn 45 wurde deshalb schon extrahiert, die Schmerzen persistierten weiterhin, dann kam die Überweisung durch den Hauszahnarzt zur Revision der vorhandenen WF in Zahn 46.

Der Zahn 46 war bislang klinisch unauffällig, die Patientin konnte sich nicht erinnern, wann die WF ehemals erfolgte.

Auf den durchgeführten Klopftest reagierte der Zahn 46 leicht positiv, Zahn 47 reagierte nicht. Eine an Zahn 47 und 46 durchgeführte PA – Messung zeigte unauffällige Taschentiefen an beiden Zähnen.

Die Patientin machte auf uns einen zwiespältigen manischen Eindruck. Ein solch erster Eindruck kann trügen, aber als sich im Konzilgespräch mit dem Hauszahnarzt herausstellte, daß die Patientin, die vom Vorbehandler in der persönlichen Anrede nur mit Vornamen gesprochen hatte und der Eindruck entstand,dass sie diesen seit Kindertagen schon kannte, diesen erst seit wenigen Wochen zum ersten Mal aufgesucht hatte, konnte dies die Fragezeichen nicht entkräften.  Vermutlich jeder von uns kennt solche Patienten. Aussagen bezüglich der Symptomatik, insbesondere, was die Intensität der Schmerzsensation angeht, sind oft zu relativieren, da diese Patientengruppe zu drastischen Beschreibungen neigt. Im Gegensatz zum Hauszahnarzt, der nach dem Zahn 45 den Zahn 46 als Schmerzquelle ausgemacht hatte, vermutete die Patientin den Zahn 47 als Schmerzursache.

Auch wenn nichts auf den Zahn 47 als Grund der Beschwerden hindeutete, passte das im Rahmen der Anamnese zusammengestellte Schmerzprofil und die  klinischen Befunde nicht so recht zur  klinischen Situation des Zahnes 46. Insbesondere die heftige Heiß/Kaltempfindlichkeit irritierte, denn auch wenn der Zahn 46 radiologisch nicht einwandfrei war, so würde man zum Beispiel mit der um die distale Wurzel sichtbaren apikalen Aufhellung eine andere Beschwerdeproblematik vermuten.

Andererseits gab es im Zahnfilm 47 keinen Hinweis auf eine Karies oder eine pulpanahe Füllung. Wäre vielleicht ein Zahn im Oberkiefer die Schmerzursache ? Das diesbezüglich angefertigte OPG gab keine konkreten Hinweise.

Die Auflösung lieferte das DVT. Rein zufällig im Übrigen, ich hatte den betreffenden Befund  – eine externe Resorption, mesiovestibulär an Zahn 47 (im nachfolgenden Video ab 2.00 Minuten)- in keinster Weise vermutet.

Selbst mit dem Wissen um den vorhandenen Defekt war es danach im Übrigen nur schwierig möglich, klinisch die betreffende Stelle mit einer zahnärztlichen Sonde darzustellen. Und von aussen zu sehen war schon mal gar nix. Die ausgelöste Schmerzsensation bewies dann aber, dass dieser Defekt in der Tat für die seit einiger Zeit vorhandene Schmerzproblematik verantwortlich war. Aber auch mit diesem Wissen war es mir nicht möglich, an Hand des vorhandenen Zahnfilmes die Resorption zu diagnostizieren. Mit viel Fantasie liesse sich nun rückblickendvielleicht die Resorption im Zahnfilm erahnen. Eine gesicherte Diagnose jedoch auf besagten Zahnfilm vorab zu stützen wäre unmöglich. Fakt war jedoch, die Patientin – Manie hin oder her –  hatte den richtigen Zahn als Schmerzursache vermutet.

Der Patientin schlug ich die Deckung des vorhandenen Defekts mit einer dentinadhäsiven Kompositfüllung und nachfolgender Wurzelkanalbehandlung vor.
Angesichts der geringen und eher oberflächlichen Lokalisation der Resorption mit guter Prognose.

Die Patientin entschied sich jedoch für die Extraktion des Zahnes.

Epilog

Vor einigen Wochen suchte die Patientin wegen einer anderen Schmerzproblematik wieder unsere Praxis zur Beratung auf.

Zwischenzeitlich waren nicht nur der Zahn 47, sondern im gleichen zeitlichen Kontext mit der Extraktion 47 war auch der Zahn 46 entfernt worden.

Was zeigt das DVT (4) – Resorptionen – Die Antworten – Fall 1

von Hans – Willi Herrmann

Fall 1

Fall 1 war für mich angesichts des vorliegenden Röntgenbildes von Dezember 2011 eindeutig eine externe Resorption. Dezentral gelegen, unsymmetrisch, Ränder ausgefranzt, der Wurzelkanal in seiner Kontinuität erhalten.

Ein weiteres, exzentrisch angefertigtes Röntgenbild bestätigte die Vermutung einer externen Resorption.

Der Patient kam mit leichter extraoraler Schwellung im Bereich der rechten Wange. Im Bereich von 13 war die Wange druckdolent, der Druckschmerz hielt nach Palpation dann auch etwas länger an. Die Situation bestand seit etwa einer Woche, wobei die Schwellung im Laufe der letzten Tage zugenommen hatte.

Mit dem Heidemann-Spatel unter Dentalmikroskop- Kontrolle habe ich nach der externen Resorption gesucht und diese auf der palatinalen Seite gefunden, deutlich subgingival.

In der Behandlungssitzung wurde zunächst nach Anästhesie aufgeklappt, der bis an die Knochengrenze reichende Resorptionsdefekt präpariert und adhäsiv mit Floxkomposit verschlossen.

Anschließend wurde die Krone an Zahn 13 trepaniert und die eigentliche Wurzelkanalbehandlung durchgeführt.

Den Zustand nach Defektdeckung und endodontischer Behandlung zeigt das WF – Kontrollbild von Januar 2012 .

Was zeigt das DVT (4) ? Die Fälle

von Hans – Willi Herrmann

Im heutigen Beitrag – angestossen durch eine Diskussion auf Zahnmed, der zahnmedizinischen Emailliste von Michael Logies – möchte ich das radiologische Erscheinungsbild von Resorptionen ein wenig in den Mittelpunkt des Interesses stellen.

4 Röntgenbilder habe ich hierzu ausgesucht.
2 davon zeigen eine externe Resorption, das 3. eine interne Resorption, im 4. Fall findet sich keinerlei Resorptionsgeschehen.
Zwei Patienten hatten Schmerzen, zwei keine Schmerzen.
Als Hinweis sei noch angegeben, das in jedem Röntgenbild maximal ein Zahn ein Resorptionsgeschehen zeigt.

Nun hoffe ich auf rege Beteiligung in den Kommentaren, sei es denn eine kurze Nennung, gerne jedoch auch mit präziseren Diagnosen, Therapievorschlägen und Prognosen.

Dürr Speicherfolien – Praxisbericht (4): Fazit

von Hans – Willi Herrmann

Analog oder digital ?

Diese Frage kann ich nach nunmehr mehreren Jahren ganz klar mit „Ja zu Digital“ beantworten.

Im Vergleich zum analogen Film haben sich die Dürr- Speicherfolien bei uns in der Praxis bewährt und zwar  ohne Nachteile:

  • Die Verarbeitung geht wesentlich schneller.
    Kaum zu glauben, dass (wenn wir heute unsere Stoppuhr für das Aushärten des Impregum- Abformmaterials 6 Minuten  runterlaufen lassen) wir einstmals so lange haben auf unsere Röntgenbilder warten müssen.
  • Dann der Wegfall der Entwicklerwartung, die bei uns in der Regel nach 3 – 4 Wochen anstand.
    Eine Mitarbeiterin war damit insgesamt rund 45 Minuten beschäftigt. Und wehe, diese Mitarbeiterin war krank. Denn wie bei Allem brachte auch hier die Routine Sicherheit und Effizienz. Diese Problematiken fallen heute weg. Kein Entwickerl/Fixiererwechsel mehr, keine Entsorgung der Chemikalien. Auch die üblichen Veränderungen der Bildqualität zu Beginn und gegen Ende des Zyklusses, mit anfangs dunklen, aber irgendwann schlagartig hell werdenen Bildern gibt es nicht mehr.
    Sehr angenehm.
  • Dann die Bildqualität per se.
    Ich weiss noch, wie ich am Anfang die eingescannten Bilder mit meinen analogen Bildern verglich und zu dem Ergebnis kam, so schlecht seien die analogen Aufnahmen nicht. Heute kann ich diese Einschätzung – ganz ehrlich – nicht mehr nachvollziehen. Wenn ich heute analoge Bilder von Überweisern oder aus dem Altbestand diagnostizieren muss, dann vermisse ich die großformatige Darstellung der Speicherfolien und die Möglichkeiten ihrer Befundung und Auswertung auf dem Computerbildschirm. Ebenso wie die Möglichkeiten, mit dem Patienten am Bildschirm die radiologische Situation besprechen zu können.
    Mit dem analogen Röntgenbild am Röntgenbetrachter ? Keine Chance. Die Feinheiten im Format 3* 4 cm könnte man vielleicht einem Fachkundigen auf diese Art und Weise vermitteln, aber einem Laien ?
    Nur bei offensichtlichen Befunden, die sofort und unverkennbar ins Auge fallen, wäre  dies möglich, aber selbst das ist schwieriger. Natürlich könne man auch mit dem  Scan oder einem digitalen Foto des Röntgenbildes, auf den Computermonitor transferiert, arbeiten, aber der damit verbundene Aufwand ist doch im Praxisalltag ein größerer als im Falle der Speicherfolientechnik einfach das soeben gemachte Bild sofort zur Verfügung zu haben.  Als Beispiel, die unterschiedliche Bildqualität betreffend eine Gegenüberstellung eines analogen und eines digitalen Röntgenbildes, die gleiche Region zeigend.
  • Das Arbeiten mit den Speicherfolien ist weniger fehleranfällig. Sie tolerieren eine Über – oder Unterbelichtung wesentlich besser als der analoge Film. Selbst ein versehentlich falsch herum (also mit der Metallseite zum Röntgenstrahler hin) eingebrachtes Röntgenbild lässt sich noch gut auswerten. Scans mit 25 oder 40 Linienpaaren liefern sehr gute Ergebnisse. Weniger DPI sollten es dann aber nicht sein, hier werden das Qualitätsverluste sichtbar. Gut finde ich, dass bei jedem Röntgenbild die vorhandene Belichtung im Sinne einer korrekten (grün angezeigt) oder einer Unter/Überbelichtung (rot angezeigt) sofort am Computermonitor überwachen kann. Gerade in der Endodontie mit der Notwendigkeit mehrerer kurz aufeinanderfolgneder Aufnahmen ist damit die Möglichkeit gegeben, individuell auf die jeweilige patientenspezifische Situation angepasst, die Strahlenbelastung zu reduzieren. Apropos Strahlenreduktion – die immer wieder von Seiten der Industrie kolportieren deutlichen Einsparungen müssen leider als Marketing -Parolen angesehen werden. Bei uns liegt die durchschnittliche Aufnahmezeit lediglich eine Belichtungsstufe niedriger als zu unseren analogen Zeiten.

Aspekte der Wirtschaftlichkeit – analog vs. digital

Wer heute eine neue Praxis einrichtet, der wird  mit Sicherheit mit digitaler Röntgentechnologie starten. Wie steht es jedoch um Praxen, die zur Zeit noch analog röntgen und den Umstieg erwägen ?

Ohne Frage ist der Einstieg in die digitale Röntgentechnologie mit Investitionskosten nicht unerheblicher Größenordnung verbunden, die sich vermutlich nur amortisieren, wenn mit der digitalen Technik ein Zeitgewinn verbunden ist. Auch wenn eine solche Kosten/Nutzenrechnung im Praxisalltag nur schwierig bis unmöglich zu erstellen ist, so würde ich, aus dem Bauch heraus, postulieren, dass sich die digitale Technik auch finanziell lohnt, zumindest kein Zuschussgeschäft ist.

Für die „normale“ Zahnarztpraxis kann ich daher, selbst bei dafür notwendigem Umstieg von analog auf digital, die Speicherfolien – Technik als sinnvolle Anschaffung befürworten.  Gegenüber der konkurrierenden Sensor- Technik möchte ich noch ins Feld führen, dass insbesondere beim Arbeiten in mehreren unterschiedlichen Räumen mit jeweiliger eigener Röntgeneinheit (bei uns in 3 Behandlungszimmern) die Vorhaltung an Speicherfolien sowohl von der Logistik als auch von den Anschaffungskosten her in meinen Augen der kostengünstigere und einfacher zu handhabende Ansatz darstellt.

Leider kann ich diese Aussage für die endodontisch spezialisierte Praxis in dieser Form und Eindeutigkeit nicht mehr gelten lassen. Und dabei geht es mir nicht um die Vorteile des Sensors im Hinblick auf sofortige Verfügbarkeit des gemachten Röntgenbildes oder eine gegebenenfalls etwas bessere Bildqualität. Geschenkt, beide Aspekte sind im Praxisalltag zu relativieren.   Auch nicht um die Möglichkeit, schnell und einfach exzentrische Aufnahmen in Reihe durchzuführen, was zwar nicht oft gebraucht wird, dann aber in der Tat ein eindeutiges Plus der Sensoren darstellt. Vielmehr musste ich bedauerlicherweise feststellen, dass es uns nicht möglich war, die vom Hersteller angegebene Haltbarkeit der Speicherfolien von vielen Hunderten ja bis zu tausend Aufnahmen mit einer einzigen Speicherfolie zu erreichen. Nicht einmal näherungsweise.  In unserer Praxis stellten sich schon wesentlich früher Defekte auf der Speicherfolienoberfläche ein, die zu Artefakten auf den Aufnahmen führten.

Hierbei spielt sicherlich die endodontische Besonderheit unserer Praxis eine entscheidende Rolle. Die Patienten halten im Rahmen der Kontrollaufnahmen während der Wurzelkanalbehandlung den Zahnfilm mit dem Zeigerfinger fest und drücken diesen hierbei an den Flügel der Kofferdamklammer. Defekte auf der empfindlichen Filmoberfläche lassen sich so nicht immer vermeiden. Dies kann auch die von uns als zusätzlichen Schutz eingesetzte modifizierte Dürr Aufbissschutz- Pappfolie nicht grundsätzlich verhindern.

Die im Beispielröntgenbild Nr. 1 angeführten Defekte in Regio 25, 26 sind sicherlich als grenzwertig klein anzusehen. Dennoch können solche Defekte im Abschlussröntgenbild nach WF einen Seitenkanal, eine apikale Überpressung vortäuschen. Ab einer gewissen Defektgröße müssen daher die Folien aussortiert werden, selbst wenn gegebenfalls 99 Prozent der Folienoberfläche noch intakt ist. Beispiel Nr. 2 ist so ein Fall, der das Aussortieren der Folie zur Folge hatte.

Auch die Röntgenfilmhalter hinterlassen ihre Spuren, dies jedoch, wie im Filmbeispiel Nr. 3 zu sehen, am Bildrand auftreten,  was unschön aussieht, aber noch leichter zu tolerieren wäre. Alles in allem tauschen wir die Filmfolien nach ca. 6 Monaten aus. Über die Jahre kommt so eine nicht unbeträchtliche Summe an Filmkäufen zusammen. Ich buche dies für mich rechtfertigend als Verbrauchsmaterial ab, so wie es bei den analogen Zahnfilmen ja auch der Fall war. Aber ursprünglich war meine Entscheidung gegen den Sensor und für die Speicherfolie ja gerade im Hinblick auf den Aspekt der Kostenersparnis gefallen.  Zu einer Zeit, in der defekte Sensoren noch deutlich mehr an der Tagesordnung waren als  es heute zu sein scheint. Mit dem heutigen Wissen würde ich den Kostenaspekt im Vergleich Sensor- Speicherfolie als nebensächlich betrachten.

In der endodontischen Praxis wohlgemerkt, für die Allgemeinzahnarztpraxis mag das anders aussehen. Würde ich in einem solchen Szenario arbeiten, würde ich mich mit dem heutigen Wissen wieder für die Speicherfolien- Technik entscheiden. Für die endodontisch ausgerichtete Praxis ist die Speicherfolie kein Flop, aber der Sensor kann hier deutlich mehr Argumente in die Waagschale werfen, Boden gut und vielleicht sogar das Rennen machen.

Dürr Speicherfolien – Praxisbericht (3): Der endodontische Workflow

 von Hans – Willi Herrmann

Mittlerweile ist es schon einige Jahre her, dass wir auf die Dürr Speicherfolien umgestiegen sind. Und fast so lange schon habe ich versprochen, über unseren Workflow im täglichen Ablauf zu berichten. Zwischenzeitlich von verschiedener Seite immer mal wieder angefragt (dieser Bericht war für August 2012 angekündigt), hier nun also unsere Erfahrungen diesbezüglich. Wenigstens kann keiner sagen, die gemachten Erfahrungen (hier finden Sie Teil 1 und Teil 2) seien nicht längerfristig bewährt.

Mittlerweile allgemein bekannt ist die Tatsache, dass die Speicherfolien- Systeme sich der Kombination eines zahnfilmähnlichen Aufnahmemedium und einer digitalen Entwicklungseinheit bedienen.

Was zwei augenscheinliche Vorteile hat: Das Handling ist wie von einem analogen Zahnfilm her gewohnt, es gibt also keine Ein- und Umgewöhnungseffekte von Seiten der Benutzer. Und im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit der Sensorsysteme ist die Speicherfolie kabelfrei und hauchdünn und lässt sich so für den Patienten angenehmer, weil zum Beispiel mit deutlich weniger Würgereiz platzieren. Manche Patienten beklagen allerdings das „Einschneiden“ der Speicherfolie im Mundboden, etwa im gleichem Maße wie es von den analogen Filmen bekannt ist.

Der Dürr Vistascan Mini Plus ist die digitale Entwicklungseinheit der Folien, vergleichbar mit unserem Dürr XR 24 Röntgenentwickler aus analogen Zahnfilm und OPG – Zeiten.
Im Gegensatz zu diesem (ehemals „zentral“ im Röntgenraum positioniert), haben wir den Folienscanner (bei deutlich kleineren Abmaßen, er geht in etwa auf eine Din A 4- Fläche) in unserem Behandlungszimmer 1 auf der Hinterkopfzeile aufgestellt.
Wohlwissend das dort ca. 90 % unserer Röntgenaufnahmen stattfinden.
Ziel war es, so schnell wie möglich die fertige Aufnahme vor Augen haben zu können.

Dies ist, nach Desinfektion und Weiterverarbeitung des Zahnfilms ( Aufreissen der Schutzhülle, Einlesen in den Scanner, Scanvorgang) nach 45 Sekunden der Fall.

Und damit rund 35 Sekunden später als beim Sensor.
Berücksichtigt man jedoch die wesentlich leichtere, einfachere und damit oftmals schnellere Platzierung des Sensors (ein Fakt, den uns sensorgewohnte Hospitanten immer wieder bestätigen), so relativiert sich der Zeitverlust in vielen Fallen noch weiter.

Voraussetzung für den Scanvorgang in dieser Zeit ist das Scannen bei 1270 dpi / 25 Linienpaaren. Diese Einstellung kommt bei uns für alle Aufnahmen zur Anwendung, die intraoperativ gemacht werden, wie zum Beispiel Röntgenmessaufnahmen. Kontrollaufnahmen zum Beispiel post WF, nach Ende der Behandlung, nach Abnahme des Kofferdams oder diganostische Aufnahmen im Rahmen des Recalls oder zur endodontischen Eingangsuntersuchung werden bei 40 Linienpaaren angefertigt, brauchen dafür aber rund 20 Sekunden länger. Ziel dieser Maßnahme ist es, die bestmögliche Bildqualität bei vertretbarem Zeitrahmen zu erhalten.

Die Speicherfolien werden bei uns, genau wie zu analogen Zeiten, in Rinn- Rechtwinkelhaltern verwendet. Röntgenmessaufnahmen machen wir ohne Halter, verwenden zur Fixation eine Moskito – Klemme. Da es sich bei den Speicherfolien um „Filme“ mit einer entsprechenden empfindlichen Oberfläche handelt, die im Rahmen der Röntgenmessaufnahmen vom Patienten an die im Munde sich befindlichen Kofferdam- Klammern gedrückt werden, schützen wir die Folien, indem wir sie nach Verpacken in der Dürr – Schutzhülle mit einer zusätzlichen Papp- Schutzhülle umgeben.
Hierfür verwenden wir die von der Firma Dürr als Zubehör erhältlichenBißschutzhüllen für Aufbißaufnahmen, die wir für unsere Zwecke zweckentfremden und auf die benötigte Größe hin zuschneiden. In 98 Prozent der Fälle sind dies Speicherfolien der Größe 2, die den bekannten „normalen“ Zahnfilmen von 3*4 cm entsprechen.

Worüber wir nicht diskutieren müssen: Klar den Speicherfolien überlegen ist ein Röntgensensor im Übrigen bei der Anfertigung mehrerer exzentrischer Röntgenaufnahmen oder für den Fall, dass die gewünschten Strukturen projektionsbedingt nicht im Bild erscheinen. Letzteres kommt zwar eher selten vor, aber in diesem Fällen ist das Handling mittels Sensor deutlich besser, die Speicherfolienvariante hingegen wesentlich zeitaufwändiger und schwieriger.

Noch eine Bemerkung am Rande: Um die oben genannte kurze Scanzeit zu erreichen, ist es notwendig, dass die die Behandlung begleitende Assistenz im Vorfeld alle notwendigen Vorbereitungen trifft. Dazu gehört das Einstellen aller Parameter am Röntgengerät, in der DBS Win- Software (Patient, Zahn, Behandlungszimmer, Überprüfung der vorgeschlagenen Belichtungszahlen), weiterhin die rechtzeitige Bereitstellung des Desinfektionstuches. Die Aufnahme an sich nehme ich im Rahmen endodontischer Maßnahmen persönlich vor, ebenso wie das Einlesen der Speicherfolie. Sind alle Voraussetzungen seitens der Assitenz erfüllt, was kein Hexenwerk ist, dann gelingt ein zeitnahes Betrachten des Röntgenbildes, so dass  ein Gefühl der „Wartezeit“ gar nicht erst aufkommt.

Wie fällt nun mein abschließendes Fazit aus, nach mehreren Jahren des Arbeitens mit diesem System ? Darüber berichte ich nächste Woche (mit erläuternden Bildern) im abschließenden letzten Teil dieser Serie.

HDMI ohne Kabel

von Oscar von Stetten

Mit der immer grösseren Verbreitung von HD-Signalen und HDMI-Steckern wird die Frage nach dem Übertragungsweg auch immer interessanter. Nicht immer ist es möglich, ein HDMI-Kabel zu ziehen. Kabelkanäle sind ebenfalls nicht jedermanns Sache. Die HDMI-Spezifikation sieht eine maximale Kabellänge von 15m vor. Wenn man nun bedenkt, dass 15m manchmal zuwenig sein können und ein gutes Kabel auch schnell weit über 150€ kostet, macht man sich Gedanken um Ersatzlösungen. Klar, man kann einen Repeater einsetzen oder auch an eine HDMI-HDSDI-Brücke denken, diese Lösungen kosten jedoch viel Geld. Und vorhandene Leerrohre stossen bei einem guten (sprich ausreichend geschirmten Kabel) schnell an ihre Grenzen, vor allem wenn starke Radien im Rohr vorhanden sind.

Bei unserem Umbau letztes Jahr hat leider der Elektriker ein in allen Zeichnungen vorhandenes und den morgendlichen Besprechungen auch öfter erwähntes HDMI-Kabel gleich mit in das Leerrohr zu verlegen komplett vergessen, bevor dieses wieder unter dem Estrich verschwindet…… bei den Leerrohrradien ist eine Verlegung leider nicht mehr ohne weiteres möglich. Es gibt zwar eine Löt-Lösung, die Lötung und die Buchsen tun der Qualität des Bildes jedoch nicht gut. Bei uns hängt ein Monitor an der Einheit, der mir während der Behandlung das Röntgenbild anzeigt. Wichtig. Ohne geht es bei uns nicht. Was nun?

Schnurlose Übertragung. Doch welche? Viele der Lösungen auf dem Markt benötigen eine direkte Sichtverbindung, manchen funken auf dem bereits jetzt überlasteten 2,4GHz-Band, andere auf dem (noch) nicht so überlasteten 5GHz-Band. Allen ist eine Latenz bei der Übertragung gemeinsam. Für das Röntgenbild ohne Belang, möchte man jedoch Bewegtbilder darüber übertragen (z.B. Mitbeobachtung oder Fokuskontrolle für die Dokumentation) wird es kritisch. Dafür benötigt man eine möglichst geringe Verzögerung.

Eine uneingeschränkte Empfehlung kann ich nach 12 Monaten Betrieb für das Zyxel 6215 Übertragungssystem aussprechen ( HYPERLINK „http://www.zyxel.com/de/de/products_services/whd6215.shtml?t=p“ http://www.zyxel.com/de/de/products_services/whd6215.shtml?t=p). Das Besondere: der Sender und Empfänger müssen nicht zwangsläufig Sichtkontakt haben. Die Geräte nutzen Mikroantennen und vorhandene Wände als Spiegelflächen um einen Kontakt herzustellen. Das klappt so hervorragend und schnell, dass man sich vor den Empfänger stellen kann, ohne dass die Verbindung abreisst. Die Bildqualität ist sehr gut, auch bei Videobildern. Keine spürbare Verzögerung, sehr stabile Verbindung.

Wir sind sehr zufrieden.

Was zeigt das DVT ? (3)- Die Auflösung

von Hans – Willi Herrmann

Im hier vorgestellten Fall suchte die Patientin unsere Praxis zur Revision der vorhandenen Wurzelkanalfüllung an Zahn 46 auf. Anlass war eine vor 9 Monaten aufgetauchte, auf Antibiotikagabe ansprechende extraorale, den Unterkieferrand umfassende Schwellung der linken Gesichtshälfte.

Das angefertigte DVT zeigte, den Zahn 46 betreffend, eher unauffällige Verhältnisse.
Zwar weist die distale Wurzel eine kleine apikale Aufhellung auf, als Ursache für eine massive Schwellung, wie von der Patientin beschrieben, erscheint der Befund aber eher atypisch.

Stattdessen zeigte sich im DVT (ein reiner Zufallsbefund wohlgemerkt) das Vorhandensein eines Speichelsteines im Ausführungsgang der Glandula sublingualis bzw. Glandula mandibularis. Der Speichelstein liegt einige Millimeter unterhalb des Mundbodens und ist daher klinisch nicht sichtbar. Selbst nachdem ich weiß, wo er aufzufinden ist, findet sich im Mund zunächst kein Hinweis. Komprimiert man den Mundboden mit dem Fingern oder einem Spiegel zeichnet sich der Speichelstein sichtbar ab, um nach Wegnehmen des Druckes sofort wieder in der sublingualen Tiefe des Mundbodens zu verschwinden.

Therapie
Chirurgische Exzision des Speichelsteines.

Eine Revision der Wurzelkanalfüllung erscheint nicht kausal notwendig, um eine erneute Schwellung zu verhindern, entsprechende Termine wurden gestrichen.

Wurzelspitze Ü Day 4, Teamday 5 Salzburg 2013 in Bildern

von Hans – Willi Herrmann

Nachfolgend ein paar fotografische Impressionen vom diesjährigen WURZELSPITZE Ü-Day / Teamday in Salzburg.

Ein besonderes Dankeschön geht an unseren Patienten Herrn H. aus S., der mir liebenswerterweise seine Leica M Monochrom zum Ausprobieren zur Verfügung stellte.

Was zeigt das DVT ? (3)- Der Fall

von Hans – Willi Herrmann

Die 35 jährige Patientin ist vom Hauszahnarzt überwiesen zur WF – Revision 46.
Ihr zweites Kind ist nun 6 Monate alt und endlich  findet sie  die Zeit zur Vorstellung in unserer Praxis.
In der Schwangerschaft hatte sie eine zwar nur leicht schmerzhafte, aber dafür umso mehr entstellende Schwellung der rechten unteren Gesichtshälfte, den  Unterkieferrand umfassend. Das Geschehen  wurde mit Antibiotikagabe therapiert und verschwand Gott sei Dank nach ein paar Tagen wieder. Zwischenzeitlich kam die Schwellung in geringer Form noch eins, zwei mal wieder, aber kein Vergleich zum Erstbefund und ohne Schmerzen.

Soweit die Schilderungen der Patientin.

Klinisch zeigt sich der Zahn 46 vollkommen unauffällig.
Taschenmessung an 6 Messpunkten ergibt an Zahn 46 Taschentiefen von 2 mm, der Klopftest an 46 ist negativ, der Kältetest natürlich auch.

Hier das Röntgenbild und wieder die Frage nach der Therapie.
Die Auflösung gibt es übernächste Woche.

VDW Gold Reciproc Version 2.0

von Hans – Willi Herrmann

Der VDW Gold Reciproc- Motor wurde mir im Rahmen einer kostenlosen Teststellung im August 2012 zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zu einem bis dato an seiner Stelle verwendeten VDW Silber Reciproc der ersten Stunde zeichnet sich der neue VDW Gold Reciproc durch zwei bedeutsame Unterschiede aus:

Zum einen durch die  Möglichkeit der Nutzung eines in das Gerät integrierten Apexlokators, zum anderen besitzt das Gerät auch im „Reziprok“ – Modus eine Sicherheitsfeature im Sinne eines „Auto Reverse Control“ bei Überbelastung.

Gleich zu Beginn: Über die ELM – Funktion des Gerätes kann ich im Praxisalltag nichts sagen, weil ich diese nicht nutze. Das hat nichts damit zu tun, dass ich (in der Tat) kein Freund der alleinigen maschinellen Aufbereitung bei simultaner Längenmessung bin, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass im Gegensatz zum linksseitig montierten Endopiloten von Zimmer 2 der Aufbereitungsmotor in Zimmer 1 auf dem Arztelement auf der rechten Seite des Behandlungsstuhls seinen Platz findet.
Und daher für meinen Weg der separaten und wiederholt immer wieder stattfindenden ELM zu umständlich die benötigten Kabel herbeigeholt und weggelegt werden müssten. Dieses Manko kann selbst die Zweitassistenz und ein Arbeiten in 6 Hand – Technik nicht wettmachen.

Auch den vom Hersteller als RECIPROC REVERSE Komfortfunktion angepriesenen Überlastschutz der Reciproc – Instrumente habe ich für mich zu Beginn als unnötiges Feature angesehen. Schließlich zeichnet sich ja die VDW Reciproc- Feile von vorneherein dadurch aus, dass sie so gut wie „unkaputtbar“ ist. Die bislang 2 Feilenbrüche einer Reciproc- Feile kann ich für meine Person als seit mehreren Jahren nicht aufgetretenes Ausnahmeereignis aus der Testphase mit Prototypen einordnen.

Nach mehr als einem halben Jahr Arbeiten mit dem Gold Reciproc hat sich meine Ansicht, die RECIPROC REVERSE – Funktion betreffend, vollständig gewandelt.
Nicht nur für Anfänger, aus didaktischen Gründen, auch in meinem Praxisalltag hat sich diese Sicherheitsfunktion bewährt.
Ich möchte sie nicht missen und bedauere den Tag, an dem der VDW Gold Reciproc seine Heimreise nach München antreten wird.

Und wer die VDW Reciproc- Feile in der von ihrem Erfinder Ghassan Yared propagierten (ich sach mal „dosiert druckvollen“) Arbeitsweise  einsetzt, der sollte auf jeden Fall auf einen Motor mit  RECIPROC REVERSE – Funktion zurückgreifen, zu groß sind einfach die Vorteile im Einsatz einer solchen Kombination im Vergleich zur bisherigen Version.

Was zeigt das DVT (2) – Die Auflösung

von Hans – Willi Herrmann

Der Fall von letzter Woche zeigte apikale Aufhellungen an den Zähnen 46 und 47 als Zufallsbefund bei für die Patientin vollkommen unauffälliger klinischer Situation (keine Beschwerden, geschweige den Schmerzen an den Zähnen 46, 47, die vorhandene Fistel blieb der Patientin verborgen). Hier noch einmal  Ausgangsröntgenbild und intraorales Foto des Fistelgangs.


Die Behandlungsbedürftigkeit stand für mich ausser Frage, Wurzelkanalbehandlung der Zähne 46 und 47.

Diese Therapieentscheidung zu treffen hätte es für mich keines DVT´s bedurft, da stimme ich GS in seiner Einschätzung zu.

Kollege K fragte nach Perkussionsbefunden, Sensibilitätstests und PA – Befund. Perkussion war negativ, der Sensibilitätstest mittels Kältespray beim  Untersuchungstermin am 02.04.2012  an Zahn 47 negativ, bei 46 aber noch positiv nach 1 Sekunde. Beim nächsten Termin am 02.07.2012 reagierte der Zahn 47 weiterhin negativ, der Zahn 46 schwach positiv nach 2 Sekunden, wobei  im Hinblick auf die stattgefundene Überkronung diese Ergebnisse immer mit einer gewissen kritischen Skepsis betrachtet werden sollten. Distal 47 zeigte sich eine 6 mm Tasche, ansonsten waren beide Zähne parodontal unauffällig mit Taschen kleiner 3 Millimeter.

OS stellte die Frage in den Raum, ob vielleicht der Zahn 46 nicht betroffen sein sollte. Dem war aber nicht so. Eine durchgeführte Probetrepanation ohne Anästhesie zeigte: Beide Zähne waren devital und es entleerte sich Sekret aus den instrumentierten Kanälen.

Was zeigt nun das DVT ?

Die Ausdehnung des Knochendefektes hat an zwei Stellen das Dach des Nervkanals des N. alveolaris inferior nicht nur erreicht, sondern dieses vollständig abgetragen. Es besteht die Gefahr, dass durch den Einsatz von Spülflüssigkeiten, medikamentösen Einlagen und Wurzelfüllmaterialien, sofern diese über den periapikalen Raum in den Alvoelarkanal gelangen, der N. alv. inf. reversibel oder gegebenfalls sogar dauerhaft geschädigt werden könnte. Das dieses Ereignis kein hypothetisches sein muss, belegen zwei anekdotische Berichte der letzten Zeit von Kollegen, bei denen es in einem Fall sogar zu einer dauerhaften Parästhesie des N. alv. inf. gekommen ist.

Eine eindringliche Aufklärung der Risiken diesbezüglich im Hinblick auf die anstehende Behandlung ist Pflicht. Schließlich ist die im Raum stehende Beeinträchtigung an Lebensqualität eine erhebliche und der Eingriff ist im Hinblick auf eine gegenwärtig nicht vorhandene Symptomatik als elektiv einzustufen.  Und mit der Therapie Option „Belassen“ bzw. „Extraktion“ stehen zwei adäquate Alternativen zur Auswahl.

Setzt aber nicht eine Wurzelbehandlung grundsätzlich eine entsprechende Risiko- Aufklärung voraus ?

Das ist richtig, allerdings ist es für den Patienten nicht immer einfach, aus der Fülle der Informationen, die er in kurzer Zeit verarbeiten muss, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Denken wir nur an die Liste an Risiken, die im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung sich auftun können. Instrumentenfraktur, Fraktur und Abplatzungen der Kronenverblendungen, Perforation, Wurzelfraktur, Schmerzen, Parästhesie durch Leitungsanästhesie, klinischer Misserfolg. Die Liste ist längst nicht vollständig. Das DVT kann in diesem Fall die vorhandene Knochendefektsituation und die sich daraus ergebenden möglichen Konsequenzen eindringlich verdeutlichen. Mit dem vorhandenen Zahnfilm  wäre dies nicht möglich gewesen, den vorhandene Befund in seiner Ausdehnung zu visualisieren, entsprechende Erläuterungen beschränken sich demnach auf vage Vermutungen. Meine Erfahrung ist in solchen Fällen, dass dem Patienten oft die Ernsthaftigkeit der Situation verborgen bleibt.

Nachfolgend zwei Screenshots und ein Video Snapshot des DVT´s zur Verdeutlichung des beschriebenen Sachverhaltes.

Auch die Behandlung per se wurde natürlich zwangsläufig durch die im DVT visualisierte anatomische Situation geprägt. So wurde durch verschiedenste Vorsichtsmaßnahmen noch mehr als unter normalen Umständen darauf geachtet, dass es nicht zu einer Penetration von

Spülflüssigkeiten/Medikamenten/Wurzelfüllmaterial in den periapikalen Raum hinein kommen würde. Zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in der Praxis vorhanden würde heute darüber hinaus das Endovac- System im Rahmen der Wurzelkanaldesinfektion zu Einsatz kommen, verringert es doch das Risiko unbeabsichtigter Überpressung von Spülflüssigkeiten, in diesem Falle ein besonders willkommener Vorteil. Zur Reduktion von Überpressungen durch warme Wurzelfülltechniken wurden die Guttaperchaspitzen sämtlich mit Lösungsmitteln im Sinne der „Chloropercha“- Technik an die apikale Situation angepasst. Das Ausmaß an Überpressung von WF – Material sollte so in diesem Falle trotz geringerem apikalen Gegenlagers sehr gering gehalten werden. Ob dies gelungen ist, mag ein jeder für sich selbst beurteilen. Parästhesien des Nervus aleveolaris inferior traten zu keiner Zeit der Behandlung und bis heute nicht auf.

Hier noch die WF – Kontrollaufnahme unmittelbar post WF.

Evidenzbasierte Wissenschaft im wilden Westen

via Dr. Hermann Derks

Was zeigt das DVT ? (2)- Der Fall

von Hans – Willi Herrmann

Es war ein Zufallsbefund bei der 01.
Ein Fistelgang in Regio 47 vestibulär bei für die Patientin vollkommen unauffälliger klinischer Situation. Der Zahnfilm zeigt eine ausgedehnte apikale Aufhellung an 46 und 47, zusätzlich einen massiven um die distale Wurzel sich bis nach zervikal erstreckenden lateralen Knochendefekt.

Vorgeschlagene Therapie: Wurzelkanalbehandlung an Zahn 46 und 47.

Die Patientin überlegte lange, ob sie eine solche Therapie durchführen lassen solle, willigte aber nach mehreren Monaten Bedenkzeit ein.

Ein DVT wurde vor der endodontischen Behandlung angefertigt.

Die Fragestellung für diese Woche: Ermöglicht das DVT über den Zahnfilm darüberhinausgehende Informationen oder wäre es in diesem Falle verzichtbar gewesen ?

Was zeigt das DVT ? (1) – Die Auflösung

von Hans – Willi Herrmann

Hier noch mal der Zahnfilm des Falles von letzter Woche.
Der Zahn 25 sieht im Zahnfilm unauffällig aus.

Im DVT hingegen sieht man eine tiefe Aufgablung des Wurzelkanals. Während er Hauptkanal fast gerade nach apikal geht, zweigt kurz vor der Wurzelspitze der 2. Kanal nach vestibulär ab.

Mit dem Wissen um die Existenz und Lage des Kanals war es möglich, diesen mit entsprechenden Instrumenten (zunächst vorgebogene Handinstrumente, danach VDW Reciproc 25  und abschließend MTwo 30.06 und 35.06 von Hand) zu instrumentieren.  Ohne dies wäre mit großer Wahrscheinlichkeit trotz abgenommener Krone nur der „Hauptkanal“ bearbeitet und mit einem einzigen Mastercone verschlossen worden.

Zwei Mastercones gleichzeitig einzuführen war auf Grund der Enge des Kanals im mittleren und koronalen Bereich unmöglich. Darüber hinaus gab es einen weiteren „klassischen“ Seitenkanal, dessen Eingang mit dem DM sichtbar war und der mit Handinstrumenten erschlossen wurde.
Alll dies berücksichtigend wurde die Wurzelkanäle gesquirtet, in Kauf nehmend, dass es bei der vorhandenen apikalen Größe der Kanäle zu einem größeren Füllungsüberschuss periapikal kommen würde.

Anbei der WF – Kontroll- Zahnfilm 25.

Nachfolgend noch ein Video Screenshot des DVT´s. Man sieht im Fenster rechts oben, daß zunächst der Kanal leicht oval angelegt ist, dann nach apikal voranschreitend einen kreisrunden Durchmesser annimmt, um sich dann circa 2,5 mm vor Ende der Wurzel in zwei Kanäle aufzuteilen. Im Fenster unten links kann man zu Beginn die eingestellte Zweiteilung erkennen. Die „Durchfahrt“ ist diesbezüglich weniger ergiebig, während im Fenster unten links bei der Durchfahrt in bukko-lingualer Richtung die Kanalzweiteilung gar nicht zu erkennen ist.

Geschichten aus der Unterwelt (2): Igitt, Glibber!

 

 von Lothar Pröbster

 

Aufgrund der Lage unserer Praxis in einer Klinik verlaufen die HT-Rohre der Absaugung im Stockwerk unter uns im Zwischenraum der abgehängten Decke. Obwohl wir natürlich täglich die üblichen Absauganlagenreiniger durchsaugten, kam es nach einiger Zeit dazu, dass sich, wohl bedingt durch die Wärme, jeweils über Nacht ein munteres Algenwachstum breitmachte, das dann morgens das vorgeschaltete Sieb der Absaugmaschine verstopfte und wir reichlich Glibbermasse entfernen mußten. Dies machte dann besonders Freude, wenn nach Behandlungsbeginn noch ein Nachschlag kam und das Sieb wieder dicht war und damit keine Saugleistung mehr am Behandlungsstuhl war. Eine erste Verbesserung brachte die strikte Anweisung ans Personal, nach dem abendlichen Durchsaugen der Reiniger die Saugmaschine noch fünf Minuten laufen zu lassen, um die Rohre leer und halbwegs trocken zu saugen. Unsere Hoffnung, durch die Installation der BlueSafety-Wasserdesinfektionsanlage (siehe meinen Beitrag vom 20.01.2013) auch einen desinfizierenden und biofilmentfernenden Effekt in den Absaugrohren zu erzielen, erfüllte sich leider nicht. Wahrscheinlich sind die Volumina des mit hypochloriger Säure dotierten Wassers in Relation zu den Oberflächen der Rohre zu gering.

 

 

Durch das Trockensaugen abends war das Problem der Glibbermasse im Sieb zwar behoben, aber die Absauganlage hatte auch schon vorher einen ziemlich unangenehmen Geruch entwicklet, des sich sehr störend im Maschinenraum, aber auch in der Umgebung des Abluftauslasses bemerkbar machte. Wir wissen ja alle, schlechte Gerüche machen schlechte Eindrücke. Wir führten eine wöchentliche Kontrareinigung mit Alprojet W ein, was nur eine leichte Verbesserung ergab. In diese unerfreuliche Situation hinein kam dann das Erlebnis der ersten Geschichte. Ich machte mir Sorgen, ob sich eventuell das Calciumcarbonat-Pulver auch in den Absaugrohren fest- und diese zusetzen würde. Also wurden die Möglichkeiten der Kalkauflösung (da hat sich der Chemie-Leistungskurs vor vielen Jahren wieder als richtige Wahl herausgestellt) überlegt. Salzsäure – sicher am besten was die Lösung des CaCO3 anginge, aber vielleicht doch ein bißchen heikel, Zitronensäure – wahrscheinlich zu schwach; Heureka!, ich hab´ doch noch aus meinen Fotolaborzeiten noch zwei Flaschen technischer Essigsäure im Keller! Wieder die chemischen Grundkenntnisse ausgegraben und nach der Konzentrationsformel c1 * V1 = c2 * V2 erst mal 5% Essigsäure angemischt und jeweils 10 Liter davon bei jeder Behandlungseinheit durchgesaugt. Die erste und völlig überraschende Beobachtung war, dass die Geruchsbildung verschwunden war. Dies hielt ungefähr zwei bis drei Tage an, dann kam der Muff wieder. Die zweite Beobachtung war, dass sich Stückchen einer harten, bis zu 1 mm dicken Kruste im Sieb der Saugmaschine fanden, also eine Reinigung der Rohre einsetzte. In der Metro fand ich dann 80%ige Speiseessigsäure (damit wird dann wohl der Salat in Großkantinen gewürzt, lecker, lecker) zu ca. sechs Euro den Liter, das ergibt 32 Liter 2,5%ige Gebrauchslösung (Handschuhe und Schutzbrille beim Verdünnen tragen!), mit der wir nun seit Anfang 2013 unsere Absauganlage behandeln. Seitdem saubere Rohre, kaum noch Ablagerungen im Sieb und vor allem kein Gestank mehr, nur noch eine kaum merkliche feine Essignote liegt gelegentlich in der Luft.

 

Was zeigt das DVT ? (1)

von Hans – Willi Herrmann

Hinterher ist immer einfach.
Hätt´s dieses oder jenes DVT gebraucht ?
Zum Beispiel ein DVT, dass angefertigt wurde, einen 4. Kanal im Oberkiefermolaren aufzuzeigen.
Der Kanal ist nicht vorhanden.
Soll´s geben.
Dann hätte man ja-  richtig – falls man es vorher gewusst hätte, auf dieses DVT verzichten können.

Weiss man aber eben vorher nicht.
Und oft sieht man – hier die Analogie zur Situation des Dentalmikroskopes in der Zahnmedizin vor ca. 15 Jahren- dem Abschluss – Zahnfilm post WF auch nicht an, welche Schwierigkeiten in den Wurzelkanälen auf einen lauerten.
Aus diesem Grund hier nun eine neue Rubrik, wie anfangs des Jahres versprochen.
Der Ablauf: Ausgehend von einem konventionellen digitalen 2D – Zahnfilm die Frage, was ist auf dem Bild zu sehen, wie sähe auf Grund dessen meine Behandlung aus ?

So dass sich jeder Leser für sich selbst eine Meinung bilden kann: Bräuchte ich hier ein DVT, wäre es gut, eins zu haben oder doch eher unnötig ?

Eins möchte ich von vorneherein klarstellen: Es geht also nicht darum, hier jemanden vorzuführen.
Sondern darum, beim Leser eine Meinungsbildung anzuregen.

Wer möchte, kann bei den Kommentaren angeben, was sie/er vermute.  Was einem bei der Sichtung der „D -Rö Aufnahme durch den Kopf geht. Was man also im Röntgenbild konkret sieht. Es geht nicht um die Dinge, die vielleicht sein könnten, die man aber im konkreten Röntgenbild eben nicht sieht.

Muss man aber nicht, die Antwort (das jeweilige DVT und gegebenfalls weitere konventionelle 2D – Röntgenbilder) kommt so oder so.
Eine Woche später.

Hier der erste Fall:

Zahn 25 (schon einmal aufgeführt bei „Zahnschmerzen sind grausam“).
Starke Schmerzen seit mehr als 4 Wochen.

Zahnschmerzen können grausam sein (II)

von Hans – Willi Herrmann

Ein Kollege schrieb in einer privaten Mail zu diesen Fällen: „Bemerkenswert einfach !“

Und da mag er – aus seiner Sicht – Recht haben.

Bemerkenswert einfach sind solche Fälle immer dann, wenn man weiss, „wie es geht“.

Für Andere, denen besagter Lösungsweg fehlt, mögen diese Fälle gar nicht mehr so einfach, möglicherweise sogar schwierig bis unlösbar sein.

Fakt ist, dass keiner der Vorbehandler den Patienten wissentlich die Schmerzausschaltung vorenthalten wollte.
Jeder Zahnarzt will dem Patienten helfen.

Der sadistische Zahnarzt als Stereotyp aus irgendwelchen Hollywood – Filmen ist eine Fiktion.
Im Gegenteil. Studien haben gezeigt, dass ein zahnärztlicher Behandler besonderem Stress ausgesetzt ist, wenn ein Patient Schmerzen erfährt. Und nichts ist unbefriedigender, als einen Patienten mit manifesten Schmerzen ohne adäquate Schmerzausschaltung ziehen lassen zu müssen.

Wir können also davon ausgehen, dass den Behandlern in den vorliegenden Fälllen nicht der Wille, sondern lediglich der notwendige Lösungsweg fehlte.

Ende Januar diesen Jahres habe ich mein 20 jähriges Berufsjubiläum „gefeiert“.

Rückblickend waren es nur wenige, banal erscheinende Ereignisse, die meinen Weg geführt, geprägt haben.

Ein Buch, das Augen öffnete für eine neue Welt der Zahnmedizin mit dem Dentalmikroskop. Ein Patient im Notdienst mit einer Knochennekrose nach Einlage eines Devitalisierungsmittels. Zu sehen, wie einfach Kofferdam auch in scheinbar schwierigen Situationen appliziert werden kann. Ein massiver Phönixabszess nach Offenlassen eines bis dato relativ unproblematischen OK- Schneidezahnes. Ein Artikel über eine effizeinte Aufbereitungstechnik bei engen Wurzelkanälen.

Ich hatte Glück. Ich habe in der so wichtigen ersten Zeit des Berufsstartes gelernt, gesehen, erfahren, dass Dinge funktionieren. In Situationen, von denen viele sagen, dass hier besagte Vorgehensweise nicht funktionieren kann.

Denn zu oft hört man: „Das klappt eh nicht. Das ist in der Praxis nicht umsetzbar. Das kann man an der Uni so machen, aber nicht im zahnärztlichen Alltag.“

Wir hier bei WURZELSPITZE möchten zeigen, wie es geht.
Unsere Lösungswege aufzeigen.
Es gibt viele andere.
Und das will keiner hier in Frage stellen. Hier geht es nicht darum, Dogmata aufzustellen. Lediglich um praktikable Lösungen. In der Hoffnung, dass Kollegen, so wie ich damals, dadurch ein wenig besser, einfacher, sicherer,erfolgreicher ihren Weg in die Zahnmedizin finden.

Die Staffette weitergeben. Dafür schreibe ich.

AH Temp – Calciumhydroxid- Material von Maillefer

von Hans – Willi Herrmann

Maillefer schreitet  auf dem Weg zum endodontischen Vollsortimenter weiter voran und bringt zur IDS 2013 unter dem Namen AH Temp ein Calciumhydroxid – Material auf den Markt.

Im Vergleich zu den Mitbewerbern soll sich das Präparat durch bessere Fließfähigkeit und längere Haltbarkeit nach Anbruch der Packung auszeichnen.
Auch die Hygieneproblematik hat man bedacht und liefert lobenswerterweise die Applikationsspritze mit Einmalhüllen aus.

ProTaper NEXT

von Hans – Willi Herrmann

als 2001 ProTaper auf den Markt kam, war dies wie ein Paukenschlag.
Innerhalb kurzer Zeit hatten viele Endodontisten national wie international auf dieses effiziente System umgestellt. So verwunderte es nicht, dass in den nachfolgenden Jahren ProTaper zum weltweit meistverkauften RNTI – System und zum Goldstandard im Studiendesign für maschinelle Aufbereitung wurde.

Die Konkurrenz schlief allerdings nicht.
Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Systeme, die mit besonderen Designmerkmalen und daraus resultierenden Vorteilen in der Wurzelkanalaufbereitung punkteten. Daran konnte auch ein zwischenzeitlich erfolgtes „facelift“ des Systems zu ProTaper Universal nichts ändern, war es doch eher eine Erweiterung des bestehenden Instrumentensortiments und behutsame Weiterentwicklung als Neuanfang.
Das Maillefer sich auf den verdienten Lorbeeren nicht ausruhen würde war klar.
Seit Jahren existierten Gerüchte und Prototypen eines „X Files“- Systems.

Und nach langer Entwicklungszeit erfolgt nun zur IDS 2013 in Deutschland die Vorstellung der nächsten ProTaper- Generation, die sinnigerweise ProTaper NEXT heißt.

Angesichts der Veränderungen, die vorgenommen wurden, ist es sicherlich erlaubt, von einem Neusystem zu sprechen, auch wenn der Name und die Wesensmerkmale „Variable Taper“ und „Progressive Taper“ vom Vorgänger beibehalten wurden.

Als wesentliche Neumerkmale sind zu nennen:

Die wendeltreppenförmige Ausformung der Schneidspirale.  Aus ihr resultiert eine „slaggering motion“, eine schlangenförmige Bewegung. Das Ergebnis in der Präparation ist eine Ausformung des Wurzelkanals, die über den Nominaldurchmesser des Instrumentes hinausgeht. Nichts Neues, hat doch der legendäre Herbert Schilder schon soetwas mit seiner Envelope of motion Präparation – Technik mit Handinstrumenten durchgeführt. Und auch Micro Mega hat schon länger ein Instrument im Angebot, dass ein solches Designmerkmal aufweist. Weiterhin sind die Verwendung von M -Wire, sowie ein flach quaderförmige Querschnitt zu nennen, aus dem in Kombination mit der „Wendeltreppe“ lediglich 2 Schneidekanten resultieren.

Alles in allem führt dies jedoch zu einem  flexiblen und schonend arbeitenden Instrument, dass sich in den ersten Versuchen am Plastikblock (von mir bis zur Größe  X3 durchgeführt) als sehr effizient, aber dennoch ausgesprochen angenehm in der Handhabung zeigte.

Wer in 3 Wochen die IDS besucht und nach neuen Endo- Instrumenten Ausschau hält, der sollte auf jeden Fall einen Abstecher zu Maillefer machen.

Ich kenne kein Instrument der letzten Jahre, daß ich bei erster Handhabung so angenehm empfunden habe als ProTaper NEXT. Auch der Unterschied zu den mir bekannten Prototypen im Sinne einer Weiterentwicklung zum fertigen Produkt empfinde ich als beeindruckend.
Ich bin gespannt, wie die Instrumente, die im Übrigen als Einmalinstrumente ausgewiesen sind, sich klinisch bewähren werden.

Zitat des Tages

von Hans – Willi Herrmann

Das folgende Zitat habe ich durch Zufall kürzlich auf einer Foto- Homepage gefunden.

Es schrieb der mir bis dato unbekannte Scott Bourne, nach eigenen Beschreibung „Publisher Photofocus, Founder Netradio/First-TV, Owner Bourne Motoro Sports – photographer, social marketer, author, teacher, speaker, race car driver/team owner and guy with gray hair for rent.“ in seinem Resumee „Five Changes For The Worse In Photography“:

5. The advent of naked aggression in the form of vicious critiques by anonymous cowards, attacks by trolls and general nasty behavior toward photographers online have driven many people out. It’s too bad because the Internet could have been used by these people to advance themselves. Instead they used it to destroy others.

It’s not too late to turn these trends around, but I don’t see that as my job. I am retiring so it will be up to whoever else is still standing to decide if they want to make this a better world for photography or not.

 

Und jetzt ersetzen wir „Fotografie“ durch Zahnmedizin und  bekommen so eine treffende Beschreibung des Status Quo des dentalen Internet – Universums.

 

Die Scheibe zum Abschneiden – Leica Customer Care

von Hans – Willi Herrmann

Man kann darüber streiten, ob an einer 4500 Euro teuren Fotokamera, ohne Fremdeinwirkung, einfach mal so, ein Plastik – Einstellrad abfallen darf.
So geschehen vor ein paar Wochen an meinem Leica DMR- Digital Rückteil.
Und um die Antwort vorwegzuschicken, nein, dass darf es nicht.
Aber – es passiert nunmal. Und dann ist guter Rat vermutlich schwierig und teuer obendrein.

Im November 2005 hatte ich besagtes Rückteil gekauft.
Für diejenigen unter Ihnen, die sich in der Fotografie nicht auskennen – das DMR macht nach leicht selbst zu bewerkstelligbarem Umbau aus meiner Leica R 8 – Spiegelreflexkamera, die Jahr ein Jahr aus einwandfrei ihren Dienst mit zumeist farbigen, seltener Schwarzweiß-Diafilmen ihren Dienst verrichtete, eine digitales Aufnahmegerät.

Das DMR war seinerzeits der sehr späte, aber dennoch lobenswert ernsthafte erste Versuch Leicas, mit einem eigenen Gerät im Digitalmarkt Fuß zu fassen.
10 Jahre sollte das DMR mir gute Dienste leisten, dass war die Grundvoraussetzung dafür, dass ich den Kauf vor mir selbst gerechtfertigt hatte.

Und jetzt war es kaputt. Nichts tat sich mehr.
Müsste ich das DMR als Totalschaden abschreiben ?

Das LEICA – Internet – User – Forum gab erste Infos (vielen Dank von hier an diese Stelle).
Der Fehler war anscheinend nicht nur bei mir, sondern auch noch bei anderen aufgetaucht. Ebenfalls, was mich beruhigte, ohne Fremdeinwirkung.
Man gab dort den Rat, sich an die Leica – Service – Abteilung zu wenden, neudeutsch Customer Care genannt.

Das tat ich via Email.
Prompte Antwort, ich möchte das DMR zur Prüfung einschicken, man könne das gelöste Drehrad wiederbefestigen. Knapp eine Woche später hatte ich das DMR wieder zurück, es funktioniert einwandfrei.
Keine Garantie mehr, nicht verwunderlich nach nunmehr 7 Jahren, die Reparatur war aber dennoch kostenlos.

Noch einmal.
Jeder von uns erwartet, dass bei einem so teuren Gerät ein solcher Fehler nicht passiert. Nicht bei 4500 Euro Kaufpreis.

Aber – ich kenne keine Firma – die, wenn nach 7 Jahren ein solcher Fehler auftaucht, diesen kostenfrei repariert.
Bei Leica hat sich viel verändert in den letzten Jahren. Vieles war sehr erfreulich, nicht alles war positiv.

In Sachen Kundenservice wird diese Firma noch immer ihrem sprichwörtlich herausragenden Namen gerecht.

Eine mittlerweile anachronistisch anmutende Ausnahme, die nicht hoch genug lobend herausgestellt werden kann.

Wie sieht es nun im Dentalbereich aus ?
Einem Kundenkreis, der, im Hinblick auf ein allgegenwärtiges Vorurteil, daß den Leica – Besitzers als nicht unerheblich Besserverdienenden beschreibt, mit der Gruppe der Zahnärzte eine vermutlich nicht unerhebliche Schnittmenge aufweist ?

Hier scheint das Gegenteil der Fall, wie auch immer wiederkehrende Kommentare von Lesern dieses Blogs zeugen, dass ein dem LEICA – Preisniveau vergleichbares Gerät ohne besagten vorbildlichen After Sale- Service auskommen muss.

Und ein Defekt, und zwar unabhängig davon, ob er konstruktionsbedingt ist oder nicht, nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Garantie, vom Käufer getragen werden muss.

Protein Art

von Hans – Willi Herrmann

Auf das Blog von May K. „Protein Art“ bin ich vor einiger Zeit durch Zufall gestossen. Sie tauchte als Pictogramm in unserer WURZELSPITZE – Familie in der Blog – Sidebar auf.

Ich finde das Gezeigte erfrischend kreativ.

Magic Cube – hygienefähige „Tastatur“

von Hans – Willi Herrmann

Über hygienefähige Tastaturen haben wir hier bei WURZELSPITZE schon des öfteren berichtet (wen ´s  interessiert – einfach das Wort „Hygiene“ als Suchbegriff rechts oben eingeben).

Eine glatte Oberfläche ist sicherlich das in dieser Hinsicht konsequenteste und sinnvollste Konzept und der Magic Cube der koreanischen Firma Celluon setzt dieses Designprinzip der Reduktion aller möglichen Schmutznischen am radikalsten um. Handelt es sich doch hierbei um eine mittels eines roten Lasers auf die Fläche unserer Hinterkopfzeile projizierte virtuelle Tastatur.

Das ist nicht neu, das Prinzip ist schon seit  einigen Jahren in einem kommerziell verfügbaren Gerät  auf dem Markt und allein diese Tatsache kann als Indiz dafür gelten, dass in der Praxis vermutlich einige Drawbacks vorhanden sein könnten.

Die CES 2013 Anfang Januar in Las Vegas stellte die gegenwärtige Generation des Magic Cube in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, wieder einmal berichteten Blogs und TV Sender über dieses Eingabegerät, dass einem Science Fiction- oder Agenten- Film ala „James Bond“ oder „Mission Impossible“ entliehen scheint und auf alle Technik – Begeisterten, neudeutsch Geeks, eine nicht entziehbare kindliche Faszination des Ausprobieren Wollen ausübt.

Und offensichtlich scheint  das Konzept zumindest soweit alltagstauglich, dass es für eine Anwendung wie in der Zahnarztpraxis (kurze Eingaben am Behandlungsplatz zur Behandlungsdokumentation) grundsätzlich brauchbar erscheint.

Würde mir so ein Teil irgendwo über den Weg laufen, ich würde es interessiert ausprobieren.

Letzten Freitag war es diesbezüglich soweit. Ich hatte den Kollegen Nils Widera  zu Besuch in unserer Praxis und – wie es der Zufall so will – er hatte besagten Magic Cube im Handgepäck, einen zierlichen Quader von circa 3*4*7 cm Kantenlänge. In den USB- Port des Mac eingestöpselt, wirft dieser eine 10*24 cm große virtuelle „Laser“ – Tastatur auf die Tischplatte.

Mit der man in der Tat schreiben kann. Und – im Hinblick auf die revolutionäre Andersheit des Konzeptes – überraschend gut. Hieß konkret, dass aus dem Stand in etwa die Schreibgeschwindigkeit anderer Hygiene – Tastaturen erreicht werden kann und auch die Anzahl der Schreibfehler mit diesen vergleichbar ausfällt.

Übung macht im Übrigen bei beiden Lösungen den Meister, Schnelligkeit des Schreibens und Reduktion der Schreibfehler gehen mit der Zeit positiv einher.

Als „proof of concept“ hat sich der Magic Cube definitiv bewährt.

Und auch das erfreuliche Feature einer mittels Tastendruck einschaltbaren virtuellen Maus, die mit der Fingerspitze die Funktion eines Trackballs liefert, ist grundsätzlich brauchbar, auch wenn es  an die Funktionalität einer Hardware- Maus nicht heranreicht.

Ob man den Magic Cube in  der Praxis einsetzen wird, muss daher sicherlich Jeder für sich selbst entscheiden.

Denn – vollkommen unabhängig von der Faszination des Möglichen und dem im Vergleich zu „konventionellen“ hygienefähigen Tastaturen günstigen Preis von ca. 140 Euro gibt es eine Reihe von – teilweise prinzipbedingten – Nachteilen zu akzeptieren. Mein persönliches Urteil fällt gegenwärtig zwiespältig aus. KO – Kriterien sind  das vorhandene US – Tastatur- Layout und die visuelle Qualität der Laserprojektion.

Während das gegenwärtige QWERY – Tastatur – Layout nur eine vorübergehende Erschwernis darstellt und mit Ausliefern eines alternativen QWERTZ – Layouts beseitigt werden kann, so ist die vorhandene Laser – Projektion zwar auch im Hellen gut erkennbar, aber dennoch für die Augen ein anstrengender und auf Dauer möglicherweise ermüdender Zustand. Den einen mag es stören, den anderen nicht, da hilft nur ausprobieren.

Ich werde weiterhin dieses in seiner Grundkonzeption revolutionäre Konzept im Auge behalten, sehe es an der Schwelle des Nutzbaren für unsere Einsatzzwecke.

Weitere Konzepte wie die evoMouse

oder ein Medical Keyboard sind ebenso vielversprechend. Ich werde diese ebenso wie die QWERTZ – Version des Magic Cube garantiert einer weiteren Überprüfung unterziehen, halte  persönlich aber nachwievor  in der Summe  der positiven Eigenschaften die IC Keys – Tastatur gegenwärtig für unerreicht.

Disclaimer
Der Magic Cube wurde mir vom Kollegen Nils Widera kostenlos für eine Woche zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt. Nach dieser Zeit wurde das Gerät von uns zurückgesandt. Der hier niedergeschriebene Artikel gibt die persönliche Einschätzung des Autors wieder. Es gab keine Vergütung von Seiten des Herstellers oder Dritter für die Erstellung dieses Artikels.

Kommentare bei WURZELSPITZE

von Hans – Willi Herrmann

Aus gegebenem Anlass hier noch einmal die Grundsätze für Kommentierungen bei WURZELSPITZE, wie sie auch auf der Seite „Gästebuch“ niedergeschrieben sind:

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Zahnschmerzen sind grausam – die Fortsetzung

von Hans – Willi Herrmann

Bei den 3 hier letzte Woche vorgestellten Fällen habe ich das gemacht, was ich immer tue.

Anästhesie, Kofferdam, Sondierung der Kanäle mit Handfeilen ISO 006 bis 010, Bestimmung der Wurzelkanallänge.
Danach Instrumentation mit einer VDW Reciproc 25- Feile auf Apex minus 0,5 mm in den Fällen, in denen sich die Wurzelkanallänge mittels Apexlokator  einwandfrei und reproduzierbar bestimmen lässt.

In Fällen, in denen die Apexmessung zwar durchführbar,  aber zu diesem frühen Zeitpunkt der Wurzelkanalbehandlung noch nicht eindeutig und reproduzierbar ist,  Aufbereitung mit VDW Reciproc 25 auf Apex minus 2 mm unter permanenter Kontrolle mittels Apexlokator.

In Fällen, in denen es nicht möglich ist, mit den Handinstrumenten bis auf Apexlänge zu kommen, erfolgt zunächst eine koronale Aufbereitung mit der VDW Reciproc 25, danach apikale Sondierung mit Handinstrumenten bis ISO 010. Anschließend wie oben beschrieben der apikale Einsatz der VDW Reciproc 25 – Feile.

Gespült wurde intermittierend mit 3%iger NaOCl- Lösung, auf 50 Grad erwärmt.

Am Ende der Behandlung wurden die Wurzelkanäle mit Papierspitzen getrocknet und danach in jedem Wurzelkanal das Endox – Gerät mit jeweils einem Stromstoss apikal angewandt.

Im Anschluss daran Ledermix – Einlage mittels Ultradent Skinny Syringe- Spritze und Kanüle in die Kanäle appliziert.

Abdeckung der Wurzelkanaleingänge mit Teflon- Band.
Abschließend Verschluß der Trepanationsöffnung mit einer Fuji F9 – Glasinonomerzementfüllung.

Alle 3 Patienten waren am nächsten Tag beschwerdefrei.
Und sind es bis Ende der Behandlung geblieben.
Alle 3 Wurzelkanalbehandlungen wurden zwischenzeitlich abgeschlossen.

Der von unserer Seite  obligatorische Anruf beim Patienten am Tag nach der Behandlung ergab, daß bei  allen dreien die zum Teil über einen Monat lang vorhandenen Beschwerden, welche zum Teil  starken Schmerzcharakter besaßen, verschwunden waren.

Für die Patienten wie von Zauberhand, insbesonders nach der langen Zeit.
Vor allem erstaunlich für diese im Hinblick darauf, dass ein Verschluss des Zahnes zwischen den Behandlungssitzungen als nicht zielführend eingestuft worden war und die Patienten dies im bisherigen Verlauf der Behandlung, wann immer der Versuch unternommen wurde, den Zahn zu verschliessen, als problematisch erlebt hatten.

Wo sind die Gründe für den Misserfolg zu suchen ?

Im Falle des Zahnes 47 wurde die vorhandene Krone abgetrennt.
Es fand sich eine zerbröselte Ausbaufüllung und Sekundärkaries. Der Zahn wurde mit einer dentinadhäsiv verankerten Kunststoffrestauration aufgebaut.
Gab diese Maßnahme hier den Ausschlag ? Vermutlich nicht, denn der Zahn war ja ohnehin offen, da spielte vermutlich die undichte Krone keine Rolle. Ist der stabile, bakteriendichte Aufbau eine Grundvoraussetzung adäquaten Arbeitens ?  Definitiv.

Im Falle des Zahnes 25 wurde die vorhandene Krone ebenfalls entfernt, um mehr Übersicht zu haben. Die vorhandene Krone war dicht und es gab keinen Hinweis für eine koronale Reinfektion durch die Krone, wenn man davon absieht, dass der Zahn einen Monat lang offen, die Trepanationsöffnung mit einem medikamentengetränkten Wattepellet versehen war.

Bei Zahn 44 wurde die vorhandene Krone (sie war relativ neu und zirkulär dicht, der Zahn kariesfrei) belassen.

An der bis dato durchgeführten Aufbereitung kann es in diesen Fällen sicher nicht gelegen haben. Die Wurzelkanäle sind in den Röntgenbildern einwandfrei zu sehen und schon röntgenologisch als erweitert zu erkennen. Intraoperativ zeigten sich in allen drei Fällen, dass die Aufbereitung auf jeden Fall soweit durchgeführt worden war im Vorfeld, dass eine ausreichende Wirkung der Spülflüssigkeiten und Medikamente vorausgesetzt werden kann.

Woran lag es also dann ?

An den eingesetzten Spüllösungen  ?
Den verwendeten medikamentösen Einlagen ?
Am Offenlassen des Zahnes ?

Es gibt keinen Grund, darüber zu spekulieren, solange man weiss, daß  die oben beschriebene Vorgehensweise funktioniert.
Dem Patient ist es ohnehin egal, Hauptsache, es wird ihm geholfen.
Denn – wie schon zu Beginn geschrieben – Zahnschmerzen sind grausam.
Und das vornehmste Ziel des Zahnarztes ist es, den Patienten von seinen – teils unerträglichen Schmerzen zu befreien und – ihm seinen Zahn zu erhalten.

Zahnschmerzen können grausam sein

von Hans – Willi Herrmann

Nachfolgend exemplarisch 3 Fälle des letzten Monats.
Ihnen ist  gemeinsam, daß die Patienten über einen Zeitraum von mindestens einem Monat (Minimum 4 – Maximum 6 Wochen) an immer wiederkehrenden, zum Teil sehr starken Zahnschmerzen litten.

Die Therapie bis dato trotz wiederholter Behandlungen brachte keinen Erfolg.

In allen drei Zähnen (Rö Bild 1 -Zahn 44, Rö- Bild 2 Zahn 25, Rö- Bild 3 Zahn 47)  sind die Wurzelkanäle weit aufbereitet, daß davon ausgegangen werden kann, daß eingebrachte Desinfektionslösungen und Medikamente ihre Wirkung entfalten konnten, die eingesetzten Substanzen sind  in der Zahnmedizin seit vielen Jahrzehnten bekannt und renommierte Endodontologen haben deren Wirksamkeit in Studien bestätigt.

Was sagt man nun diesen Patienten ?
Soll weiter der Versuch der Zahnerhaltes gewagt  oder sollte der jeweilige Zahn entfernt werden ?

Die Patienten sitzen bei uns auf dem Behandlungsstuhl und erwarten konkrete Hilfe.

Was wäre eine sinnvolle Vorgehensweise, um dem jeweiligen Patienten die Schmerzen zu nehmen und den Zahn zu erhalten ?

Ich werde nächste Woche berichten, wie ich konkret den jeweiligen Zahn behandelt oder gegebenenfalls auch nicht behandelt habe.
Das gibt dem interessierten Leser die Möglichkeit, Behandlungsvorschläge als Kommentar eingestellt werden.



CJ Consultation 2 fach Apo – Vergrößerungswechsler

von Hans – Willi Herrmann

Vor einiger Zeit habe ich hier über den Zeiss-Falttubus für unser Zeiss Pro Ergo Mikroskop berichtet, der gleich mehrere Funktionen vereinigt. Unter anderem einen integrierten Vergrößerungswechsler, der den Vergrößerungsbereich des Pro Ergo sinnvoll erweitert.

Beim Neukauf eines Zeiss -Dentalmikroskopes würde ich diesen Falttubus mir vermutlich zulegen, weil er- insbesondere im Hinblick auf das Arbeiten mit Assistenz am Mitbeobachtertubus – ein Plus an Ergonomie bringt.

Warum nur beim Neukauf ?
Bei bereits vorhandenem konventionellen Tubus schlägt der Mehrpreis, der ja de facto die Investition in 2 Tuben widerspiegelt, stark durch. Aus diesem Grund habe ich bislang auf die Nachrüstung meiner Zeiss – Mikroskope mit dem Falttubus verzichtet, auch wenn ich prinzipiell von den Qualitäten dieses Zubehörteils überzeugt bin.

Seit kurzem gibt es für Bestandskunden aber immerhin die Möglichkeit, die Funktionalität eines Vergrößerungswechslers für die Zeiss -Dentalmikroskope nachzurüsten.

Die Firma CJ Consultation bietet einen 2-stufigen apochromatischer Vergrößerungswechsler für Dentalmikroskope an.

Dieser wird vom Hersteller wie folgt beschrieben:
„Der neue CJ Consultation 2 fach Wechsler 0,77/1,3 vereint brillante Optik mit erhöhter Flexibilität des Vergrößerungsvermögen. Durch Drehen des Knopfes kann die Vergrößerung der Objekte um 2×30% vergrößert bzw. verkleinert werden. Gerade für das ProErgo wo Vergrößerungswerte von 24 fach aufgrund der Varioskopbrennweite unerreicht bleiben gibt es die Variante mit Festfaktor 1,3 welche nur einen minimalen Aufbau von ca. 30 mm hat.
Durch die apochromatische Korrektion entstehen keine Farbsäume und es ist kein sichtbarer Lichtverlust erkennbar.“

Ich hatte die Möglichkeit diesen Wechsler für einen Zeitraum von 3 Wochen an meinem Zeiss Pro Ergo – Dentalmikroskop auszuprobieren.

In dieser Zeit verrichtete der Wechsler unauffällig seinen Dienst. Tat also das,was er tun sollte und zwar ohne irgendwelche negativen Auffälligkeiten. Unauffällig ist also in diesem Fall eine positive Eigenschaft. Es fehlt natürlich der direkte Vergleich zum Zeiss- Pendant. Und es ist schon zu lange her, dass ich diesen in der Praxis hatte, um konkret dazu etwas sagen zu können. Interessenten kommen demnach nicht umhin, die Unterschiede  für sich selbst anzutesten.

Zwei Fotos des Wechslers habe ich hier beigefügt.

Einen Unterschied gibt es allerdings, der zumindest für die Assistenz mit Mitbeobachtertubus oder für die Assistenz, die über eine an den Strahlenteiler angedockte Kamera zuschaut, von Bedeutung ist.

Beim Jung- Wechseler haben sie die Möglichkeit, den Wechsler über oder unter dem Strahlenteiler zu montieren, im Gegensatz zum Zeiss -Gegenstück, der prinzipbedingt oberhalb des Strahlenteilers residiert.

Was spricht für oder gegen die Montage oberhalb des Strahlenteilers ?

Die lichtschluckende und gegebenenfalls qualitätsmindernde Wirkung des Wechslers schlägt sich nicht in den Fotos nieder, dafür fehlt natürlich aber auch die Möglichkeit, eben besagte Vergrößerung im Bild festzuhalten.

Bei Montage unterhalb des Strahlenteilers ist die Assistenz in der Lage, an der  vergrößernden Wirkung des Wechslers teilzuhaben, ebenso wie die Kamera. Allerdings geht dies unter anderem zu Lasten der Belichtungszeit, die zwangsläufig etwas in die Höhe gehen muss.

Was nun als das jeweils Bessere zur Anwendung kommt, ist nicht nur situationsbedingt sondern auch vom Gusto des Behandlungsteams abhängig.

Insofern ist es nicht schlecht, wenn man diesbezüglich wählen kann.

Nachfolgend noch drei Bilder, die einen Eindruck der Vergrößerungseigenschaften des Wechslers vermitteln sollen.


 

Disclaimer
Der CJ Consultation 2 fach Apo – Vergrößerungswechsler wurde uns von CJ Consultation kostenlos für eine Zeit von 3 Wochen zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt. Nach dieser Zeit wurde das Gerät für uns kostenfrei  zum Hersteller zurückgesandt. Der hier niedergeschriebene Artikel gibt die persönliche Einschätzung des Autors wieder. Es gab keine Vergütung von Seiten des Herstellers oder Dritter für die Erstellung dieses Artikels.

Top Ten 2012 und überhaupt

von Hans – Willi Herrmann

Wie jedes Jahr so auch nun wieder die Auflistung der meistgelesenen Artikel des vergangenen Jahres 2012 und der Jahre 2008 – 2012.

Nachwievor der Renner sind Artikel zum Thema Devitalisierungsmittel, das deckt sich auch mit den meistgefragten Stichworten von Anbeginn an.

Aufsteiger des Jahres 2012 – Die Mutter aller Fallberichte (1).

Web 3.0 für „Zahnis“

von Hans – Willi Herrmann

1997 oder 1998

Ein paar „verrückte“ Zahnmediziner fangen an (bald 10 Jahre nach der Einführung des WWW im Jahre 1989), das Internet in diversen Foren und Newsgroups  für einen, zunächst nationalen, später weltweiten fachlichen Erfahrungsaustausch zu nutzen.
Schnell stellt sich eine wunderbare offene Kameraderie ein, intensive und höchst produktive Diskussionen entstehen, den virtuellen Begegnungen folgen reale im Sinne von Gruppentreffen, ja sogar internationalen Kongressen.

2004

Startschuss für das Web 2.0 .

Mit Diensten wie Facebook und Twitter erobert das Internet auch den letzten Winkel der Welt. Das Zeitalter der allgegenwärtigen Vernetzung, aber auch totalen Veröffentlichung beginnt.

Merkwürdig war allerdings, daß besagtes  Web 2.0  (laut Wikipedia mit folgenden Stichpunkten charakterisiert ):

  • Durch die Benutzer generierter Inhalt (content), selbstpubliziert.
  • besitzt die  Möglichkeit, die kollektive Intelligenz der User zu nutzen. Je mehr User dazu beitragen, um so wichtiger und wertvoller kann die Web-2.0-Seite werden.
  • bildet eine neue Umgebung zur Kommunikation und Zusammenarbeit.

keine Verbesserung oder Intensivierung der vorhandenen „Studygroup“-Strukturen mit sich brachte.

Das Gegenteil war der Fall.
In der Folgezeit löste sich  der Enthusiasmus und gute Geist der frühen Jahre in Luft auf. Phänomene wie „Trolling“ trugen zusätzlich dazu bei, die ehemals vorhandene Diskussions- und Forschungsbereitschaft zu bremsen, teilweise fast vollständig zum Erliegen zu bringen.

2013

Seit einiger Zeit sind viele der vor 10 – 15 Jahren ins Leben gerufenen fachlichen ZM – Onlineforen national wie international nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Und es ist nicht damit zu rechnen, dass sich dieser Zustand in absehbarer Zeit wieder zum Besseren hin ändern wird.

Während der  Leser auf den vorhandenen Mainstream Info – Kanälen ertrinkt in einer Flut banaler Nichtigkeiten, die es schon rein aus Zeitgründen schwierig bis unmöglich machen, die wenigen vorhandenen Perlen des Wissens und der Weisheit aus der Masse der zumeist oberflächlichen, oft sogar sinnfreien Unterhaltungsbotschaften herauszupicken, haben die ehemals hoch motivierten Schreiber der ersten Generation längst kapituliert. Denn prinzipbedingt fehlt bei diesen Info- Kanälen  die Nachhaltigkeit ihres Schreibens.

Die neuen „Netzwege“ bieten der langfristigen Speicherung und Markierung von Wissen im Sinne eines längerfristig Sichtbarmachens herausragender Inhalte keine Basis und längst sind die Rezensenten überdrüssig geworden, der dem Schreiben ihrer Artikel geopferten kostbaren Zeit ein Vielfaches dessen in ermüdenden Diskussionen hinterherzuwerfen, von vorneherein wissend, dass jedes Bemühen um Überzeugung ihres virtuellen Gegenübers nur im seltensten Fall von  Erfolg gekrönt ist.

Was braucht´s ?
Eine Rückbesinnung aufs Wesentliche.

Während das  Web 3.0, von Futurologen als „Web 2.0 + künstliche Intelligenz“ gepriesen, noch in ungewisserZukunft vor sich hin nebuliert, reichen für die Belange der Zahnmediziner – und das ist die gute Nachricht – schon die gegenwärtig existierenden Werkzeuge aus, um einen Gegenentwurf zur einlullenden Zeitvernichtung der Tag ein Tag aus im virtuellen Briefkasten landenden  Sozial Media- Melange aufzutun.

Wie soll dies gelingen ?
Im Sinne eines Cocooning und Clanning erfolgt der Zusammenschluss engagierter Einzelner zu einem geschlossenen Kreis des Erfahrungsaustausches. Geschlossen allerdings nicht im Sinne eines elitären Geheimbundes, sondern lediglich als pragmatisches Abschotten gegenüber den zeitvernichtenden Nebenwirkungen der bisherigen Vorgehensweisen. Die Teilnehmer generieren als elementarer und obligater Nachweis ihres Engagements in festgelegten Perioden ihre Beiträge. Diskussionen finden intern statt und werden kontextbezogen zugeordnet und aufbewahrt. Neu hinzukommende Teilnehmer greifen auf den vorhandenen Erfahrungsschatz im Sinne niedergeschriebener Berichte und den  daraus abgeleitetenden Diskussionen zurück.

In dem das Web 3.0 sich in viele kleine Mikrokosmen aufteilt, die jede für sich die ihnen eigene Produktivität  zurückerobern, finden die Teilnehmer zurück zu altbekannten Effizienzen und Tugenden. Natürlich nicht alle. Zunächst vermutlich sogar  nur Minderheiten. Diese jedoch werden überproportional im Vergleich zum Status Quo von der Entwicklung profitieren.

Die Zeit ist längst reif für eine solchen nächsten Schritt. Alle Möglichkeiten sind vorhanden.
Wer ist bereit dazu ?

2012 in review

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

About 55,000 tourists visit Liechtenstein every year. This blog was viewed about 550.000 times in 2012. If it were Liechtenstein, it would take about 10 years for that many people to see it. Your blog had more visits than a small country in Europe!

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Adventskalender 2012 (23) Morita Veraviewepocs 3D F40

 Hans – Willi Herrmann

Das Beste kommt zum Schluss.
So auch in unserem Adventskalender 2012.

Mein „Best Buy“ des Jahres 2012 war das Morita Veraviewepocs 3D F40.

Ich schreibe dies, wohlwissend, dass, genau wie vor 15 Jahren, als ich begann, über den Nutzen des Dentalmikroskopes (siehe Beitrag von gestern) zu berichten, es eine ganze Reihe von hochemotionalen Diskussionen geben wird, den Gegenstand der Betrachtung unseres heutigen Blogbeitrages betreffend.

  • „Brauchen wir nicht !“
  • „Ich sehe alles, was ich sehen möchte, in den normalen Röntgenbildern !“
  • „Geht auch ohne !“ „Ging schon immer ohne !“
  • „Wo ist die Evidenz ?“
  • „Zu teuer  !“
  • „Die zusätzliche Strahlenbelastung steht in keinem Verhältnis zum Nutzen !“

Ich habe seit Februar 2012 das Morita Veraviewepocs 3D F40 in der Praxis.
Und kann sagen, dass ich alles richtig gemacht habe.
Keinerlei Nachkaufdissonanz.

Das Gerät ist eine enorme diagnostische Hilfe in der Endodontie und in der Implantologie. Und ich prophezeie noch einmal, dass in 10 Jahren (falls ich falsch liege, werde ich die Häme, die sich über mich ergießen wird, tapfer ertragen) das DVT Standard sein wird in deutschen Praxen.

Standard dahingehend, dass bei der Neueinrichtung einer Praxis ein DVT ebenso selbstverständlich auf der Inventarliste steht wie heutzutage ein OPG- Gerät. Und Diejenigen, welche ihr altes OPG eintauschen für ein Neugerät, werden zum überwiegenden Teil die DVT – Option mitordern.

Was gibt es zum F40 zu sagen ?

Beginnen wir mit der Bildqualität.
Immer, wenn ich DVT´s von anderen Geräten aufgenommen sehe, dann freue ich mich über die hohe Aufnahmequalität, die das F 40 im Vergleich zu anderen Geräten im Markt liefert. Gerade als Early Adopter schwebt ja permanent das Damokles- Schwert des   „Zu früh gekauft zu haben“ über einem.  Sie kennen das – Der Fernseher, die Fotokamera, der Computer, gerade mal 6 Monate im Handel, ist jetzt 600 Euro billiger zu haben. Oder es kommt schon kurz nach dem Kauf ein neueres, besseres Gerät auf den Markt und dann ärgert man sich.

Meine Erfahrung diesbezüglich ist: Die einzigen mir bislang vorliegenden DVT´s,  die bessere Ergebnisse liefern, sind High Resolution- Aufnahmen des Morita Accuitomo. Es geht also noch etwas besser,  aber da sind wir sowohl finanziell als auch im Hinblick auf die Strahlenbelastung in einer ganz anderen Liga und für unsere Praxis und unsere Indikationen geht da die Schere sehr, sehr weit auseinander.

Zu weit.

Ansonsten sind auch von Seiten der Überweiser die Rückmeldungen ausgesprochen positiv. „Da kann man ja richtig was drauf sehen“ ist zum Beispiel so ein Satz, den ich des öfteren schon gehört habe von Kollegen, die bislang andere Ergebnisse aus DVTs gewöhnt waren.

Ein paar Worte zum Thema „Strahlenbelastung“. Das F40 hat ein“field of view“ (FOV) von 4*4 cm bzw. 4*8 cm.  Das bedeutet, es wird ein Zylinder von 4 cm Durchmesser und 4 cm oder 8 cm Höhe abgebildet.

Ich bin sehr glücklich mit der Beschränkung des Gerätes auf ein Field of View von 4*4 cm. Für unsere Belange (Endo und Einzelzahnimplantate) brauchen wir kein größeres FOV. In 98 von 100 Fällen kommt der 4*4 Zylinder zum Einsatz.

Natürlich wäre es in einigen wenigen Fällen schön, den gesamten Kiefer in einem einzigen DVT abbilden zu können.  Allerdings geht diese FOV- Vergrößerung mit einem Verlust an Abbildungsqualität einher. Es würde zuweit gehen, dies hier im Rahmen des Adventskalender auszuführen, nehmen wir diesen Umstand also, bis das Gegenteil de facto bewiesen ist, als physikalisch gegeben hin.

Kleines Field of View heißt  – niedrige Anschaffungskosten im Vergleich zu größeren Geräten, niedrige Strahlenbelastung im Vergleich zu größeren FOV´s – man bedenke bei Letzterem insbesondere, dass im Hinblick auf die dreidimensionale Darstellung auch die Strahlenbelastung näherungsweise in der 3. Dimension zunimmt.

One more thing ?

Das Killer – Feature des Veraviewepocs 3d F40 ist  für mich  neben der guten Bildqualität die Möglichkeit, ein sogenanntes Scout-OPG zu erstellen, in dem die spätere Position des DVT – Zylinders mittels Mausklick durch ein Fadenkreuz platziert werden kann. Trefferquote bislang: 100 Prozent. Und das Ganze innerhalb von wenigen Sekunden. Wer einmal versucht hat, insbesondere im hinteren Seitenzahnbereich via Lichtvisiere, wie vom OPG her bekannt, die Position des Zylinders einzustellen, der weiß

a) dass damit suboptimale gegebenenfalls unbrauchbare Aufnahmen einhergehen können

und

b) dieses Feature zu schätzen.

Was fehlt jetzt noch ?

DVT – Röntgenbilder mit Bezug zur Praxis zur Bewertung des Gesagten.

Kommt im neuen Jahr. Versprochen. Zumindest habe ich es fest vor, für 2013 eine neue Rubrik auf hier aufzulegen bei WURZELSPITZE: Inwieweit unterstützt mich das DVT in meiner Diagnostik, in meiner Entscheidungsfindung, und eventuell auch konkret in der Behandlung.

Schon heute ist klar. Nicht mehr der Nutzen des DVT´s per se steht in Frage, sondern lediglich die Frage der Sinnhaftigkeit des Einsatzes im konkreten Fall.
Damit meine ich, ist die Aussagekraft des DVT´s im konkreten Fall hoch genug, um zusätzliche Informationen zu gewinnen, welche den Mehraufwand und die zusätzliche Strahlenbelastung rechtfertigen ?

Dies ist zum einen von der klinischen Situation abhängig, zum Beispiel von der Problematik der Artefaktbilung bei stark röntgenopaken Materialien im Wurzelkanal (Silberstifte zum Beispiel sind furchtbar), aber auch von der grundsätzlich möglichen Bildqualität des jeweiligen Gerätes.

Und da gilt es im Moment genau die Spreu vom Weizen zu trennen.
Es wäre sehr bedauerlich, wenn eine unzureichende Bildqualität nicht nur die Aussagekraft der Aufnahme im konkreten Einzelfall kompromitiert, sondern darüberhinaus das Diagnosemedium als solches kritisch infragestellt.

Die Gefahr besteht.
Schließlich ist ein neuer Gerätezweig ja auch ein vollkommen neuer Markt, den die Firmen für sich selbst zu entdecken, einzunehmen zu gedenken. Und der dementsprechend mit harten Bandagen umkämpft wird. Vorsicht ist also geboten bei vollmundigen Aussagen der Hersteller.

Umso wertvoller wären konkrete Beispiele aus der täglichen Praxis statt unter Idealbedingungen gestellter Musteraufnahmen aus dem Marketing – Portfolio der DVT – Firmen.

Hic Rhodos, hic salta.
Quod erat demonstrandum.

Adventskalender 2012 (22) – Zeiss Pro Ergo

von Hans – Willi Herrmann

Über dieses Adventskalendertürchen gab es sicherlich „wurzelspitzenintern“ die meisten Diskussionen und vermutlich die größte Bandbreite in der Beurteilung.

Nachfolgend also nur meine eigene, sehr persönliche Sicht der Dinge, das Dentalmikroskop ZEISS Pro Ergo betreffend.

Seit 1997 arbeite ich mit einem eigenen Operationsmikroskop in der Praxis.
Ich hatte mich damals, als junger Zahnarzt, gerade mal im 4. Jahr der Niederlassung,  für das hochpreisige Spitzenprodukt Zeiss Pro Magis entschieden.
75.000 DM, alle Anbauteile mitgerechnet.
Ne Menge Geld.
Insbesonders im Hinblick darauf,  dass der Nutzen des Mikroskops in der Zahnmedizin zu diesem Zeitpunkt keinesfalls als gesichert gelten durfte.

Und das ist vorsichtig formuliert.
Mikroskopanwender galten zum damaligen Zeitpunkt , wenn sie denn überhaupt wahrgenommen wurden, gemeinhin als wirre Spinner  und wer über die Endo hinaus das Mikroskop für andere Dinge wie zum Beispiel im Rahmen der ZE -Herstellung oder Füllungstherapie einsetzte, ganz ehrlich, dem war nicht mehr zu helfen.

Ich habe diese Entscheidung trotzdem keinen Augenblick bereut.

2009 dann ein zweites Dentalmikroskop.
Das Zeiss Pro Ergo.
Ich hätte ein weiteres Pro Magis genommen, weil ich sehr gut damit zurecht gekommen war und es in all den Jahren ohne eine einzige Störung seinen Dienst verrichtet hatte. Aber das gabs ja schon länger nicht mehr neu zu kaufen. Und gebrauchte Pro Magis fanden sich gar nicht, oder, wenn überhaupt, zu horrenden Preisen. Wengistens wurde mittlerweile die Sinnhaftigkeit eines Mikroskopes woll nur noch von Ewig Gestrigen oder aus ideologischen Gründen in Frage gestellt.

Warum nun die Auflistung des ZEISS Pro Ergo in diesem Adventskalender ?

Ich halte  Zeiss Pro Ergo für das beste „erschwingliche“ Mikroskop in der Zahnmedizin. Punkt. Ungeachtet der Tatsache, dass es Mikroskope für weniger als ein Fünftel des Preises gibt. Und allen Unannehmlichkeiten zum Trotz. Ja, die will ich nicht unter den Tisch kehren, liebe Kritiker und auch ich  würde mir wünschen, es würde sich diesbezüglich etwas ändern.

Aber – am Ende des Tages – um eine geliebte Redewendung meines  Freundes Christoph Z. zu zitieren –   gibt es für mich nachwievor kein anderes Dentalmikroskop, das ich als Alternative auch nur in Betracht ziehen würde.
Gibt es kein Dentalmikroskop, mit dem ich lieber arbeiten würde.

Würde ich das Pro Ergo hergeben, eintauschen wollen ?
Ich wüßte nicht, wofür.

Daher verleihe ich 5 Wurzelspitzen, auch wenn ich verstehen kann, dass nicht alle meiner Sicht der Dinge werden folgen können. Und ich kann jedem nur empfehlen, vor der Wahl irgend eines Dentalmikroskops mit dem ZEISS Pro Ergo probezuarbeiten und erst danach seine Kaufentscheidung zu treffen.

Adventskalender 2012 (18) – Atul Gawande, Jürgen Thorwald

von Hans – Willi Herrmann

Von Atul Gwande hatte ich immer mal wieder was im „New Yorker“ gefunden.  Er wurde dort in die Nähe des ebenfalls  in diesem Magazin schreibenden, von mir gerne gelesenen  Malcom Gladwell gerückt, konnte mich aber mit seinen bis dato dort veröffentlichten Artikeln nicht in gleicher Weise beeindrucken.

Im Juni diesen Jahres empfahl dann James Gutmann in seinem Vortrag auf dem Quintessenz Endodontie – Symposium in Berlin das Gawande- Buch -„The Checklist Manifesto“.

Ich biss an.

Mittlerweile habe ich alle drei Bücher Gawandes (neben dem oben erwähnten noch „Better“ und „Complications“) gelesen und kann diese jedem Mediziner, Angehörigen des Gesundheitswesens oder auch lediglich  QM – Interessierten nur empfehlen.

Und bei der Gelegenheit noch der Hinweis auf 2 alte, aber dennoch, wie ich finde, sehr interessante Bücher von   Jürgen Thorwald:  Das Jahrhundert der Chirurgen, über die Entwicklung der Medizin im Allgemeinen und der Chirurgie im Speziellen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.  Und „Die Entlassung“ – über den beruflichen Niedergangs des mit Demenz (heute würden wir sagen mit „Alzheimer“) gestraften Ferdinand Sauerbruch. Ein drastisches Gegenstück zur von Film und Buch bekannten „Das war mein Leben“ – Darstellung zur Hochzeit seines Wirkens.

Und noch ein Klassiker.
Die Biographie von Ignaz Semmelweis, im Laufe der Jahre von mehreren Autoren vorgelegt. Heutzutage kaum zu glauben, welchen Anfeindungen Semmelweis während seiner Reformtätigkeiten ausgesetzt war.

Sein Scheitern an  der Ignoranz des medizinischen Establishments –  eine  Tragödie.

Adventskalender 2012 (16) Mirrorless Cameras

von Hans – Willi Herrmann

Eine der, wie ich finde, besten Entwicklungen der letzten 2-3 Jahre im Fotobereich war die Einführung einer neuen Gruppe von Fotoapparaten, den sogenannten „mirrorless cameras“.

Das sind Systemkameras mit Wechselobjektiven, aber ohne den von den Spiegelreflexkameras bekannten namensgebenden Spiegelkasten. Das Resultat sind kompakte Kameras, die aber dennoch eine den SLR – Kameras vergleichbare Abbildungsqualität liefern.

Ich jedenfalls habe Schwierigkeiten, Fotos, die mit der LEICA R8 + DMR bzw. mit der Canon 5D Mk2, oder mit der Leica M9 gemacht wurden, von denen mit der Sony NEX 5N gemachten Fotos zu unterscheiden. Gleiche Objektive an allen 3 Kameras vorausgesetzt, ein weiterer Pluspunkt zum Beispiel der Sony NEX 5N, dass ich mein vorhandenes Leica R und Leica M- Glas (allerdings mit einem Crop -Faktor von 1,5) einsetzen kann.
Sehen Sie einen Unterschied ?



Im Moment gehe ich davon aus, mit der Canon 5D Mk 2 meine letzte Spiegelreflexkamera gekauft zu haben.

Wer also kurz vor Weihnachten mit dem Gedanken spielt, sich einen neuen Fotoapparat zuzulegen, dem möchte ich vorschlagen, sich  folgende Kameras näher anzuschauen:

Sony 

  • NEX 5N
  • NEX 5R
  • NEX 6
  • NEX 7

ausser Konkurrenz, weil ohne Wechselobjektiv

  • Sony RX 100
  • Sony RX 1

Fuji

  • X100
  • XE-1
  • X1 Pro

Olympus

  • OMD  E-M5
  • Kameras der PEN Serie
  • E- PL5
  • E-P3
  • E-PL3

Panasonic

  • GH2
  • GH3

Nikon

  • V1
  • V2

Diese Fotokameras (ganz gleich ob „mirrorless“ wie die Sony NEX oder die Panasonic GH2 und GH3 oder SLR ´s wie die Canon 5d MK 2 und Mk3) liefern im Übrigen nicht nur hervorragende Fotos, sondern auch qualitativ hochwertige Videos. Es ist wirklich unglaublich, daß man heutzutage mit „Fotoapparaten“ fernseh – und sogar Hollywoodkino- taugliche Filme drehen kann.

Anbei eine Filmdokumentation über Magnus Walker, einem Porsche- Enthusiasten aus Los Angeles, gedreht mit einer Canon 5 D Mk2.

URBAN OUTLAW – THE MOVIE from Tamir Moscovici on Vimeo.

Selbst mit einem Iphone kann man heute fernsehtaugliche Videos drehen. Vor ein paar Jahren undenkbar.

Gillian Chase – iPhone 4s Music Video from Camp 4 Collective on Vimeo.

Und hier noch ein Videovergleich 3er sehr unterschiedlicher Kamerakonzepte, den ich bei Datenschmutz gefunden habe.

Allein die Tatsache, dass man überhaupt einen derartigen Vergleich in Erwägung zieht, zeigt schon, inwieweit solche Amateurkamera – Konzepte sich in den letzten Jahren den professionellen und semi- professionellen Lösungen angenähert haben.

Ich für meinen Teil kann sagen, dass die SONY NEX 5N + EVF (dem elektronischen Sucher, den ohne Sucher geht gar nicht) mir weitaus mehr Spass macht als die LEICA R + DMR – Digitalmodul, Canon 5 D Mk 2, aber auch als die LEICA M9.

Und das ich gerade auch letzteres einmal sagen würde über eine 700 Euro Kamera- Kombi im Vergleich zur 6000+ Euro-  Ikone, hätte ich mir vor 2 Jahren nicht träumen lassen.

Adventskalender 2012 (15) Oraseal und Opaldam

von Hans – Willi Herrmann

Da saßen wir nun, Jörg Schröder und ich.
Im Vortrag von John Munce beim Roots Summit 2012 in Foz de Iguazu / Brasilien und wussten nicht so recht, ob wir ihn bewundern sollten für das, was er tat oder ihn fragen sollten, warum er kein …

Aber der Reihe nach.

Munce mixte Cavit mit Dycal, gab das Ganze in eine, nennen wir es „Centrix- Spritze“ und baute sich damit eine Isolierung vor Endo im Sinne eines temporären Aufbaus auf. Den er dann, nach kurzer Wartezeit mit einem roten Winkelstück und Diamanten ausdünnte, um anschließend, nach Freilegung der Kanaleingänge, die eigentliche Wurzelkanalbehandlung durchzuführen.

Beeindruckend.
John Munce ist ein Fuchs, hat wirklich jede Menge Tricks rund um die Endo drauf (legendär seine nach ihm benannten überlangen Rosenbohrer, die er vor vielen Jahren für den Eigengebrauch noch selbst, mittels zweier Winkelstücke, herstellte). Es kann  Jedem nur empfohlen werden,  einen seiner Vorträge zu hören, sofern sich die Gelegenheit bieten sollte.

Aber Jörg und ich fragten uns beide, warum er nicht für seinen temporären präendodontischen  Aufbau Opaldam verwende.

Opaldam – ein Kunststoffmaterial von Ultradent. Aus der Spritze appliziert. Und dann wäre da noch sein pastöser Zellulose – Bruder Oraseal aus gleichem Hause.

Beide Materialien sind uns seit ewigen Zeiten bekannt. Und sicherlich vielen Lesern hier ebenso. Ein uralter Hut also, den mir hier vorzustellen aus genau diesem Grunde eigentlich widerstrebt. Aber es vergeht dennoch eigentlich kein Vortrag, keiner  Arbeitskurs der WURZELSPITZE – Autoren, in dem nicht irgendjemand die Frage stellt, was das denn für ein weißes Zeug rund um den Kofferdam sei. Auch hier bei den Falldarstellungen taucht regelmäßig die Frage nach diesen  Materialien auf. Daher im Rahmen des Adventskalenders die Vorstellung der beiden Kofferdam- Abdichthilfsmittel.

In meiner Praxis wird in fast jeder Behandlung auf eines dieser Materialien zurückgegriffen. Anfangs fast ausschließlich Oraseal, in den letzten beiden Jahren kommt mehr und mehr  Opaldam zum Einsatz, und so nähere ich mich  vermutlich längerfristig einem Anwendungsverhältnis von 50:50. Oraseal hat die angenehme Eigenschaft, vorhandene Flüssigkeit aufzunehmen, dadurch aufzuquellen und so verstärkt abzudichten. Dafür neigt es teilweise zum Verschmieren und lässt sich auch hinterher nicht ganz  einfach entfernen, wir verweisen den Patienten auf die Zahnbürste als adäquates Hilfsmittel. Beim Opaldam wiederum sollte die Oberfläche vor Applikation vollkommen trocken sein und wiederholtes Ziehen am Kofferdam während der Behandlung ist zu vermeiden, weil sonst das applizierte Material seine Dichtigkeit im Randbereich verlieren kann. Dafür ist man mit Opaldam in der Lage, den Kofferdam bei geringer Retention des Pfeilerzahnes in Position zu halten, in dem man das Opaldam- Material in benachbarte untersichgehende Bereiche ausdehnt.

Ein Billig – Artikel ist weder Opaldam, noch Oraseal. Dass ich es dennoch routinemäßg verwende, zeigt den Nutzen dieser Hilfsmittel und wie sehr ich diese schätze.

Von mir 5 Wurzelspitzen.

Adventskalender 2012 (11) – Start X

von Hans – Willi Herrmann

Über die Start- X- Spitzen von Maillefer habe ich schon mal fast auf den Tag genau 2010 hier positiv berichtet und nachdem mittlerweile weitere 2 Jahre vergangen sind, kann ich sagen, dass die von mir verwendeten Spitzen weiterhin einwandfrei ihre Dienste verrichten.

In Verwendung sind die Spitzen Nr. 4  (der Kugelknopf zum Entfernen von metallischen Wurzelstiften ) und die Spitze Nr. 3 (zum Entfernen von provisorischem und definitiven Füllungsmaterialien).

Während die 4er Spitze nur für die entsprechende Indikation bereitgestellt wird (und sich mittlerweile diesen Platz mit der VDW MAXI MPR teilen muss, ist die Start-X Nr. 3 unser Standardinstrument, soll heißen, sie liegt in jedem unserer Endo- Container, wird grundsätzlich vor der Behandlung bereitgestellt und auch fast bei jeder Behandlung eingesetzt. Kaputtgegangen ist im Übrigen von diesen Spitzen in über 4 Jahren keine einzige.

Die Start-X Spitzen waren das erste Produkt überhaupt, das 2010 hier bei WURZELSPITZE 5 Wurzelspitzen bekamen.

Diese Wertung kann ich heute nur noch einmal bestätigen.

Adventskalender 2012 (9) Zitat des Tages

von Hans – Willi Herrmann

Das Zitat des Tages habe ich aus einem Vortrag von Prof. Gustavo de Deus (Rio de Janeiro, Brasilien). Es stammt von Hugo Rosetti und lautet:

Men have dentists and die without teeth.
Animals don’t have dentists, but die with their teeth.

Das Zitat hat hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Unabhängig davon, ob der aufgezeigte direkte Kausalzusammenhang wirklich so drastisch gegeben ist oder nicht (ich muss zugeben, es gelingt mir nicht, dies auf Anhieb eindeutig zu widerlegen), steht zunächst einmal die Tatsache als solche im Raum und zwingt,  sich mit dem Gesagten und damit zwangsläufig mit dem Status Quo der Zahnmedizin kritisch auseinanderzusetzen.

Hugo Rosetti ist im Übrigen selbst Zahnarzt. Früher behandelte er die Zähne der Kinder von Reichen und Prominenten in Argentinien. Eines Tages fasste er den Entschluss, sich um den Erhalt der Zahngesundheit der einfachen Menschen zu kümmern. Dieses Engagement führte ihn u.a. nach Kuba, Bolivien, in die Flüchtlingslager der Sahrauis und viele Länder mehr.

Adventskalender 2012 (8) SDR

von Hans – Willi Herrmann

Ich setze in meiner Praxis das SDR – Füllungsmaterial von Dentsply nur für eine einzige Sache ein. Für das initiale Auffüllen von Trepanationskavitäten. Initial heißt nach Ätzen, Primen, Bonden und der Applikation von Flowcomposite wird das Material in mehreren Schichten bis etwa 2 mm unterhalb der Trepanationsöffnung eingebracht. Die okklusale Deckfüllung wird mit konventionellem Composite durchgeführt.

Für die beschriebene Vorgehensweise hat sich das Material bewährt, so daß das vorgestellte Procedere unsere Standardtherapie darstellt und nach mehr als 2 Jahren auch als bewährt gelten kann dahingehend, daß eventuell vorhandene Nachteile und Fußangeln sich, wenn vorhanden,  bereits eingestellt hätten.  Ich schätze besonders das schöne Ausfließen, daß zudem fast immer blasenfrei geschieht. Gerade bei großen Kavitäten vereinfacht SDR den Behandlungsablauf, wobei ich allerdings immer darauf achte, daß das Material nur innerhalb des Zahnes zur Anwendung kommt.

Adventskalender 2012 (4) – VDW Ultra Maxi MPR


von Hans – Willi Herrmann

Auch bei diesem Instrument war ich anfangs sehr skeptisch. Und habe es nur benutzt, wenn ich mit meinen langjährig bewährten Kugelknöpfen (z.B. Maillefer START- X #4) nicht weiterkam.

Und jetzt ?
Erst letzte Woche habe ich wieder 2 Stifte damit rausgeholt, die mich erfahrungsgemäß (man kann es ja nicht beweisen, denn ein Stift geht immer nur einmal raus) mit anderen Ansätzen wesentlich hartknäckiger aufgehalten hätten. Für die Spitze spricht auf jeden Fall, daß, sobald sie in diesem Fall zum Einsatz kam, man fast schon zuschauen konnte, wie die Stifte anfingen, sich zu lockern. Und nach ein paar Minuten damit herausgeschraubt werden konnten, während zuvor, mit den anderen Spitzen sich nichts oder nur wenig getan hatte.


Die Maxi MPR Spitze (die wir in 2 Größen in der Praxis haben, vermutlich wurde irgendwann einmal die Produktion diesbezüglich umgestellt, ich benutze zumeist die kleinere Größe) ist mittlerweile zum Standard- Instrument aufgestiegen, gleichberechtigt neben der oben schon erwähnten START-X # 4 (Feedback zu den START-X Spitzen  insgesamt im Übrigen in einem Extra- Blogbeitrag).

Die Kosten für den MAXI MPR- Ansatz sind überschaubar, zumal diese Spitze eigentlich unkaputtbar ist und somit ein Praxisleben lang hält. Ihr Nutzen im konkreten Fällen ? „Priceless“, weil sie den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg (Entfernen des Wurzelstiftes in akzeptablem zeitlichen Rahmen vs. entnervt ausgeben) ausmacht.

Von mir daher 5 „Wurzelspitzen“.

Adventskalender 2012 (2): B & L Alpha


von Hans – Willi Herrmann

Ich gebs zu, ich war zunächst skeptisch, denn mit vergleichbaren Akkugeräten hatte ich bislang keine herausragenden Erfahrungen gemacht.

Aber ich benutze das B + L  Alpha nun lange genug (knapp 2 Jahre), um sagen zu können, dass es

  • absolut zuverlässig war bis heute,
  • wunderbar funktioniert und sehr gut in der Hand liegt
  • sein Handling unter dem Dentalmikroskop hervorragend ist
  • immer noch die erste Akkuladung aufweist
  • und trotzdem nicht schlappmacht.

Auch die Spitzenansätze halten lange.
Für mich ein sehr, sehr gutes Gerät, dessen Kauf ich nicht bereut habe und das ich keinen einzigen Tag missen möchte.

Von mir  gibts dafür 5 Wurzelspitzen.

Adventskalender 2012 (1)

von Hans – Willi Herrmann

Fast schon ist es rum, das Jahr 2012.
Der Countdown (ich bin zuversichtlich – über das unmittelbar bevorstehende Ende des Maya -Kalenders hinaus) zählt runter.

Und wir – hier in WURZELSPITZE – möchten das Jahresende mit einem Adventskalender der zahnärztlichen Art einleiten. Von morgen an, Tag für Tag, bis zum Heiligen Abend wollen wir Instrumente, Geräte, Materialien aufzählen, die uns kontinuierlich, in unserer täglichen Praxis, teilweise sogar über viele Jahre hinweg, die Arbeit erleichtern.

Gewissermaßen eine Liste der „Best of´s“. Wobei es gut möglich sein könnte, dass nicht nur ein Autor, sondern sogleich mehrere das betreffende Hilfsmittel beleuchten. Und-  soweit kann ich schon mal die Diskussionen im Vorfeld wiedergeben – gegebenenfalls unterschiedliche Erfahrungen preisgeben. Dann nämlich, wenn der Gegenstand der Besprechung, von dem einen enthusiastisch gelobt, bei einem anderen „Wurzelspitzler“ ehe gemischte oder gar zwiespältige Gefühle auslöst.

Zunächst jedoch noch eine Info, die WURZELSPITZE- Blogstatistik betreffend. Nochmals früher als gedacht, nämlich am gestrigen 30. November und mit einem neuen Monatsmaximum von über 80.0000 „visits“ hat WURZELSPITZE die „magische“ 1 Million-Klicks- Marke überschritten.

Ein deutscher Zahnarzt in Madrid (Teil 3)

von Alexander Knobel

Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu und das Abenteuer Madrid besteht jetzt schon seit 2 1/2 Jahren. UND es läuft gut.

Nein, Spanien geht es nicht gut und auch ich mache mir Sorgen zum Thema Europa und der Zukunft des Landes. Die Eurokrise ist hier allgegenwärtig und schlägt wild um sich. Immer mehr Freunde und Familienangehörige sind betroffen. Städte können ihren Haushalt nicht mehr bestreiten, Gehälter im öffentlichen Dienst werden radikal gekürzt, Sozialleistungen und bereits bewilligte Forschungsgelder ersatzlos gestrichen. Politik ist ein elendiges Geschäft und ich bin froh beruflich damit nichts zu tun zu haben. Keiner wird mir wohl erklären können, wie man ohne Investitionen in die Zukunft (z.B. in die Ausbildung und Forschung) wieder Boden gewinnen will…. nur blindes Sparen und Einkürzen, wie es gerade stattfindet, sehe ich persönlich nichts als sehr erfolgsversprechend. Aber das ist dann ja auch nur meine unbedeutende Meinung.

Ich bin aktuell nicht von alledem betroffen und gehe stur meinen Weg. Es läuft so gut, dass ich bereits vorzeitig meinen Maschinenfuhrpark auf ein DVT (Sirona XG3D) upgraden konnte und ab Januar mir personelle Verstärkung in Form einer Assistenzärztin ins Boot holen werde. Qualitätsoptimierung und moderne Zahnmedizin.

Fortbildung verstehe ich nicht als Zwang sondern als eine willkommene Möglichkeit meine Fertigkeiten zu verbessern. Gerade „Wurzelspitze“ liefert mir hierzu viele kleine nützlichen Tipps, die meinen Alltag deutlich erleichtern. Endo macht einfach auch Spaß! CAD/CAM Dentistry, moderne Endodontie und eine funktionsgerechte und ästhetische Zahnmedizin, alles Schlagworte die man an jeder Ecke hören kann. Ich versuche diese zu leben und jeden Tag ein Stück besser zu werden.

Speziell meiner kleinen Nebentätigkeit als Referent für das CEREC System ist es geschuldet, dass ich mich aktiv mit meiner eigenen Entwicklung beschäftige. Was gestern noch meine Zukunft war und heute vielleicht schon Standard ist, kommt nicht nur dem Patienten zugute. Auch meine Freude an der Zahnmedizin ist seit meiner Selbstständigkeit massiv gestiegen.

Ob man dies nur im Ausland erreichen kann? Sicher nicht, aber vielleicht ist es einfach leichter an sich selbst zu arbeiten und neue Techniken umzusetzen, wenn das Wartezimmer nicht mit 20 Patienten vollgestopft ist. Dazu muss aber keiner ins Ausland. Millionär werde ich wohl auch in Spanien nicht durch meine zahnärztliche Tätigkeit werden.

An der Situation der Zahnmediziner hat sich hier in Spanien nicht viel geändert. Ein brutaler Wettbewerb (Implantation für 250€ – was dübeln die da nur rein? Holzschrauben aus dem Baumarkt???) und Patienten die durch die Bestie Eurokrise eh in finanzieller Not sind.

Doch in der Krise zu starten hat auch gewisse Vorteile: dadurch, dass meine kleine Zahnarztpraxis stetig aber langsam wächst, habe ich deutlich mehr Kontrolle und auch die Gefahr, aus luftiger Höhe tief zu fallen, ist deutlich geringer.

– No hay mal que por bien no venga. –

Ich freu mich auf 2013!!!

Kofferdamgeschichten (2)

von Hans – Willi Herrmann

Jeder hat ja so seine eigene Kofferdam- Geschichten. Letzte Woche hat Olaf Löffler hier dieses Thema aufgetan, das über die hinreichend bekannte Brisanz des Themas „Kofferdam“ in der Zahnmedizin allgemein im Rahmen der Diskussion noch eine ganz andere, politische, weltanschauliche Komponente bekommen hat.

Hier nun meine Kofferdam- Geschichte, die zeigt, dass „diese“ Kofferdam- Problematik dies und jenseits des eisernen Vorhangs existierte:

Kofferdam war nicht mein Ding im Studium.

Ich glaube, dass zu meiner Zeit (Examen 1990) dies vermutlich nahezu  jeder Zahnmedizin- Student so empfunden hat.

Da traf es sich gut, daß, trotz aller im Rahmen der Kons- Vorlesung im großen Hörsaal stattgefundenen Anpreisungen und Lobhudelein, die Vorzüge des Kofferdams betreffend, zwei Stockwerke höher, im Kons – Kurssaal,  keiner mehr davon wissen wollte.

So blieb die Kofferdam – Anwendung während meines Studiums – abgesehen von einer schikanösen Auflage eines Kursassistenten im Hinblick auf eine Kompositfüllung im Frontzahnbereich –   auf die wenigen endodontischen Behandlungen beschränkt, die wir durchführten.

Mit diesen Eindrücken trat ich meine erste Assistentenstelle an.
Dort kam Kofferdam offensichtlich häufiger zum Einsatz. Und zwar grundsätzlich in der Endo und beim Legen von Komposit- Füllungen, vereinzelt auch beim Entfernen von Amalgam – Füllungen.

Natürlich wollte mein Chef wissen, wie dies in Mainz an der Uni gehandhabt wurde.
Ich schilderte meine Erfahrungen, die ich glaubte, in einem Bonmot eines Studienkollegen cool und zutreffend zugleich zusammenfassen zu können: Es lautete: „Dort, wo ich Kofferdam anlegen kann, brauch´ ich ihn nicht, und dort, wo ich Kofferdam brauche, kann ich ihn nicht anlegen.“

Mein Chef erwiderte nur: Ich solle es einfach versuchen, und wenn ich einen Fall hätte, in den ich nicht zurecht käme, dann solle ich ihn rufen.

Mein Ehrgeiz war natürlich geweckt. Falls ich meinen Chef rufen würde, dann nur bei einem Patienten, bei dem er selbst kapitulieren müsste. Er würde kommen, an der Situation scheitern und mir dann eingestehen müssen, dass es eben nicht immer möglich sei, Kofferdam zu legen.

Allzulange brauchte ich nicht zu warten.
Nach einer Woche wurde ich mit einem solchen Fall konfrontiert, von dem ich sicher war, daß auch mein Chef daran verzweifeln würde.

Ich rief ihn, er kam, setzte sich hin – und keine 2 Minuten später war der Kofferdam angelegt.

Und bei mir hatte es „Klick“ gemacht.

Das selbst in Situationen, die unmöglich handhabbar erscheinen, es gelingt, das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Es ist lediglich eine Frage des Wollens, dem das Machen folgt und danach der sich einstellende Übungserfolg, der letztendlich das ganze zur Routine werden lässt.

Ein bleibender Zahn geht – rechtliche Aspekte der fehlerhaften Extraktion eines Zahnes

von Haya Hadidi

Sachverhalt: 

Bei Zahnarzt Z stellt sich ein 10-jähriger Patient P zusammen mit seinem Vater V vor. Der Patient klagt über Schmerzen im Oberkiefer. Z untersucht Ps Mundraum klinisch und lässt ein Röntgenbild anfertigen. Sowohl die Untersuchung als auch das Röntgenbild ergeben, dass ein Backenmilchzahn extrahiert werden muss. Der daneben liegende bleibende Backenzahn sieht ebenfalls gefährdet aus, muss aber derzeit nicht extrahiert werden. Sowohl die Untersuchung als auch das Röntgenbild ergeben, dass es bei der Extraktion des Milchzahns dazu kommen kann, dass dieser Zahn ebenfalls beeinträchtigt bzw. sogar mitextrahiert wird. Z klärt P und V entsprechend auf und weist auch auf das Risiko hinsichtlich des Nachbarzahns hin. Z erklärt auch, dass es keine andere Behandlungsmöglichkeit gäbe. Bei der anschließenden Extraktion des Milchzahns wird der bleibende Backenzahn versehentlich mitextrahiert. P und V sind empört und fragen sich, was sie nun tun können. Womit muss Z nun rechnen?

Abwandlung: Z klärt P und V ausschließlich über die Extraktion des Backenmilchzahns auf und sagt nichts zu dem Risiko im Hinblick auf den Nachbarzahn.

Rechtliche Aspekte: 

Zunächst einmal können sich P und V an Z wenden und die Herausgabe der betreffenden Krankenunterlagen verlangen. Hierauf haben sie einen Anspruch gemäß §§ 242, 611, 810 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) (grundlegend hierzu BGH NJW 1983, 328). Dieser Anspruch ergibt sich „schon aus dem durch grundrechtliche Wertung geprägten Selbstbestimmungsrecht und der personalen Würde des Patienten, die es verbieten, ihm im Rahmen der Behandlung die Rolle eines bloßen Objekts zuzuweisen (vgl. dazu BVerfG, NJW 1979, 1925 (1929), und das Sondervotum daselbst S. 1930 f.).“ Der Anspruch umfasst dabei die naturwissenschaftlich konkretisierbaren Befunde und die Aufzeichnungen über Behandlungsmaßnahmen, insbesondere Angaben zur Medikation und OP-Berichte. Er bezieht sich nicht auf die Originale, Ablichtungen können auf Kosten des Patienten angefertigt werden. Es dürfen dabei Angaben abgedeckt bzw. geschwärzt werden, die nicht zu den oben genannten gehören, aber Teil der Patientenakte sind.

Hat P einen Schmerzensgeldanspruch wegen der Extraktion des bleibenden Zahns?

Der Grundsatz der Arzthaftung lautet:

Der Arzt schuldet die zur Zeit der Behandlung nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft berufsfachlich gebotene Sorgfalt (BGHZ 144, 296 (306); BGH NJW 1999, 1778 (1779)).

Weiterhin ist es so, dass der Patient die Beweislast für den behaupteten Behandlungsfehler trägt (vgl. Geiß/Greiner, Arzthaftpflichtrecht, 6. Aufl., Rn. B 200 m.w.N.; BGH VersR 1999, 716). Im Rahmen der Beweisaufnahme erfolgt die Hinzuziehung eines Sachverständigen, dessen schriftliches Gutachten dann Beweis liefert oder nicht.

Liegt ein Behandlungsfehler vor, so stellt dies eine Schlechterfüllung des Behandlungsvertrags dar. Ein Schmerzensgeldanspruch steht dem Geschädigten dann wegen dieser Vertragsverletzung aus §§ 280 Abs.1, 253 Abs. 2 BGB zu.  Dafür müsste die Extraktion des Zahns ein Behandlungsfehler gewesen sein.

Nach der Rechtsprechung ist eine Zahnextraktion eindeutig indiziert, wenn der Zahn nicht erhaltungsfähig war. Abzugrenzen ist dies von der Erhaltungswürdigkeit eines Zahns. Die Erhaltungsfähigkeit eines Zahns bestimmt sich nach der Prognose der Durchführbarkeit von erhaltenden therapeutischen Maßnahmen. Eine Kontraindikation kann z.B. sein: Ungenügender parodontaler Halt (s. Klimm: Endodontologie, Lehrbuch für Studium und Beruf, S. 234). Ein erhaltungsfähiger Zahn kann jedoch ebenfalls nicht erhaltungswürdig und damit extrahierbar sein: Die Erhaltungswürdigkeit ist gegeben, wenn der Zahn für Funktion und Ästhetik bedeutsam ist und eine ausreichend gute Prognose hat (Klimm, aaO m.W. Nachw.). Beide Fragen wären im Rahmen des Sachverständigengutachtens zu beantworten.

Wäre im dargestellten Sachverhalt also Ergebnis des Gutachtens, dass der gezogene Zahn sowohl erhaltungsfähig als auch –würdig war, so läge ein Behandlungsfehler vor. P hätte Anspruch auf ein angemessenes Schmerzensgeld. Im Falle der nicht indizierten Extraktion von acht Zähnen bei einem Minderjährigen erkannte das OLG Hamm auf die Zahlung von 30 000 DM Schmerzensgeld (OLG Hamm NJW 2001, 3417).

Weiterhin könnte sich auch eine weitergehende, strafrechtliche Haftung bei der Fallabwandlung ergeben. Voraussetzung der Straffreiheit eines ärztlichen Heileingriffs ist – neben der Durchführung des Eingriffs de lege artis – auch die Einwilligung des Patienten. Diese lag hier mangels Aufklärung nicht vor, so dass sich Z hier nach § 223 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar gemacht hat, indem er den Backenzahn ohne Einwilligung gezogen hat.

Fazit

Z muss damit rechnen, dass die Krankenunterlagen herausgegeben werden müssen. Weiterhin kann sich daran ein Verfahren wegen Schmerzensgeld wegen eines Behandlungsfehlers anknüpfen. Ergibt sich hierbei der Nachweis eines solchen, kann Z zur Zahlung verpflichtet werden.

Im abgewandelten Fall muss Z zusätzlich mit der Einleitung eines Strafverfahrens rechnen, dessen Ergebnis eine Verurteilung wegen Körperverletzung sein kann. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, kann dies Zahlungsverpflichtungen aus einer Geldstrafe sowie berufsrechtliche Folgen haben.

4 Jahre Wurzelspitze

von Hans – Willi Herrmann

Vor ein paar Tagen , genaugenommen am 01. November, ist WURZELSPITZE 4 Jahre alt geworden.

Vor 2 Jahren schrieb ich dazu hier zu diesem Anlass:

“ Die Bilanz:

654 Beiträge.
Mehr als 16.000 Besuche pro Monat.
212.906 Besuche insgesamt.

Und fast immer unter den TOP 100 und immer mal wieder unter den TOP 50 der meistgelesenen deutschsprachigen Blogs bei WORDPRESS.“

Und unsere damals in weiter Ferne liegenden, utopischen Ziele und Visionen, die Zukunft von WURZELSPITZE betreffend, waren:

„Ansonsten ist es unser großes Ziel nun, die 1 Million – Besuchermarke zu knacken.
Oder auf 1000 Besucher pro Tag zu kommen.

Innerhalb den nächsten 4 Jahre,vielleicht sogar früher.

Utopisch ? Sicherlich. Aber nicht unmöglich.
Schauen wir mal, wie es in 2 Jahren aussieht.

Wird es dann WURZELSPITZE noch geben ?
Keine Ahnung, aber im Moment sieht´s gut aus. “

Nun – zwei Jahre später können wir sagen, WURZELSPITZE gibt es immer noch  und hier sind die aktuellen Zahlen:

Zum ersten November 2012, also nach 4 Jahren WURZELSPITZE, haben wir im letzten Monat ein Besuchermaximum von über 70.000 Besuchen pro Monat erreicht, exakt 70.985 Besuche für Oktober 2012, das entspricht einer täglichen Klickzahl von durchschnittlich 2290 Besuchen.

Insgesamt gab es bis zum 04.November 2012 927.130 Besuche.
Ein Überschreiten der magischen 1 Million- Marke scheint noch in diesem Jahr möglich, selbst wenn erfahrungsgemäß im Dezember feiertagsbedingt die Besuche der Seite deutlich zurückgehen.

1211 Artikel wurden bis heute geschrieben, es gab 2504 Kommentare. Bei allen Gastautoren möchte ich mich im Namen des WURZELSPITZE – Teams bedanken für ihre Beiträge und bei den Kommentatoren für ihr Feedback.

Einzig die Zahl derer, die sich unter FvW als „Liker“ des Blogs geoutet haben, hätte man, gerade angesichts der hohen Zugriffszahlen, deutlich höher erwartet. Das ist schade, wird doch die Motivation für das wochentagtägliche Abliefern von Beiträgen (die über einen so langen Zeitraum konstant aufrechtzuhalten nicht einfach ist) gerade aus diesen Rückmeldungen und anspornenden Kommentaren gebildet.

Noch besteht WURZELSPITZE, allen Motivationserosionen zum Trotz. Wir freuen uns über das Erreichte, dass wie so oft zu Beginn belächelt und als nicht nachhaltig, sinnlos,  als Eintagsfliege abgetan wurde. Das Gegenteil ist  der Fall und selbst wenn dies heute der letzte Beitrag sein sollte, so bin ich sicher, würden wir die magische Millionen – Grenze erreichen.

Das war immer unser Ziel, das nun in greifbare Nähe gerückt ist. Wie es dann und ob überhaupt es dann weitergeht ?

Man wird sehen.

Stop Motion Video mit Moleskine Notizbüchern

von Hans – Willi Herrmann

Dieses Video hat überhaupt nichts mit Zahnmedizin zu tun, ist aber einfach gut gemacht und daher wert, hier vorgestellt zu werden.

Verschlucktes Endo – Instrument – Ein Fallbericht im Netz

von Hans – Willi Herrmann

Hier der Link zu einem Fallbericht, den ich bei Hindawi im Netz gefunden habe.
Ich möchte an dieser Stelle nur anmerken, dass 2014 sich die 150 jährige Wiederkehr der Einführung des Kofferdams in die Zahnmedizin jährt.
Zu einer Zeit also, als es noch keine Autos, Flugzeuge, kein Telefon, keine Computer und Fernseher gab. Ja nicht einmal das Fahrrad, weder als Hochrad noch als heutzutage geläufige niedrige Variante, waren bis dato erfunden.

Wie würde man jemanden nennen, der auf all dies heutzutage verzichtet ?
Oldfashioned ?

Wäre vermutlich noch eine harmlose, wohlwollende Beschreibung.

 

Roots Summit 2012 Brasilien – Eindrücke abseits der Kongresssäle

von Hans – Willi Herrmann

Auch von meiner Seite ein paar fotografische Impressionen, abseits der ROOTS Summit Kongresssäle, sowohl in Farbe, als auch in Schwarz Weiss.

 

Bose® QuietComfort® 15 Acoustic Noise Cancelling® Kopfhörer – ein kurzer Erfahrungsbericht

von Hans – Willi Herrmann

Bis zum Jahr 2006 bin ich regelmäßig, teilweise mehrmals im Jahr, beruflich bedingt an die Westküste der USA geflogen. Die lange Reise hat mich zusehends davor zurückschrecken lassen. Grund waren die lange Flugdauer und der Umstand, dass ich im Flugzeug – wenn überhaupt –  schlecht und dann auch nur kurz schlafen kann. Von Jahr zu Jahr  länger anhaltende jet lags  waren die Folge und damit einhergehend immer stärker der  Wunsch, mir solche Situationen nicht mehr aufbürden zu wollen.

Mit Unbehagen sah ich daher meinem 12 Stunden Flug nach Brasilien zum ROOTS Summit 2012 entgegen. Und das gab den Ausschlag, mir einen Bose® QuietComfort® 15 Acoustic Noise Cancelling® Kopfhörer zuzulegen. Über diese Kaufentscheidung hatte ich als Technik – Interessierter  schon immer mal wieder in der Vergangenheit spekuliert. Da ich , wie oben beschrieben, beruflich bedingt öfters weitere Strecken mit Flugzeug und Bahn zurücklegen musste. Aber letztendlich habe ich das Ganze als „Verdammt viel Geld und wer weiss ob´s überhaupt funktioniert und deshalb muss ich es nicht unbedingt haben“ eingestuft und immer wieder verworfen.

Denn auch ein Test im Bose-Shop konnte letztendlich nicht ausreichend klären, ob der Kopfhörer wirklich seinen Zweck wie erwartet würde erfüllen können. Von vorneherein war klar, daß lediglich tiefe und mittlere Frequenzen zuverlässig unterdrückt wurden, Flugzeugturbinenlärm zum Beispiel. Aber hatte mich das im Flugzeug eigentlich so sehr gestört ? Zumal dauerhaft gleichbleibend und damit vom Kopf ohnehin nach kurzer Zeit ausgeblendet. Waren es nicht vielmehr laut sich mitteilende Sitznachbarn, schlagende Flugzeugtoilettentüren und schreiende Babys, die einem die Nachtruhe raubten ?

Weiterhin stand die Frage im Raum, ob es unbedingt das Kopfhörer Top – Modell von BOSE sein müsste ? Von einer  Firma, die in der Vergangenheit es immer schon verstanden hatte, einen möglicherweise sogar nur vermeintlichen Vorteil marketingmäßig aufzublasen und mit einem Premiumpreis  zu versehen. Noice cancelling Kopfhörer gibt es immerhin schon für rund 100 Euro. Von  renommierten Anbietern wie Sennheiser, AKG, Panasonic, Sony. Und dann die Optik des BOSE QC 15 ? Schon zu seiner Markteinführung langweilig, würde ich das Design heute wohlwollend als „attraktiv für Rentner“ einstufen, ehrlich befragt als häßlich und spiessig obendrein einordnen.

Bewertungen bei Amazon und ein Kurztest im Apple Store haben mich letztendlich bewogen, mir Anfang September aller negativer Stimmen zum Trotz den BOSE QC 15 zuzulegen. Zwischenzeitlich hatte ich dann auf Kurzflügen nach Moskau und Budapest, die Möglichkeit,  den Kopfhörer anzutesten. Die Nagelprobe war dann der Flug nach Rio de Janeiro und zurück.

Kurz und knapp. Das Teil funktioniert.
Und nicht nur im Flugzeug, sondern auch in „normalen“ lärmbelasteten Bereichen, wie den Flughafenterminals. Sogar Stimmen werden weit besser als erwartet herausgefiltert. Es ist immer wieder erstaunlich, wie stark die Lärmbelastung im Flugzeug ist, sobald man den Kopfhörer ausschaltet, um sich  zum Beispiel mit dem Sitznachbarn zu verständigen. Was den Tragekomfort angeht, habe ich den Kopfhörer nicht als unangenehm empfunden. 12 Stunden Tragezeit waren kein Problem. Für mich war der Erwerb kein Fehlkauf, im Gegenteil, eine Bereicherung und Erleichterung, was das Reisen angeht. Daran mag auch die ausladende Reisehülle nichts ändern. Die bei Amazon von verschiedener Seite als unzureichend beschriebene Klangqualität kann ich für mich, trotz diesbezüglich von Jugend an hohen Ansprüchen, nicht bestätigen.

Und was das Schlafen im Flugzeug angeht – für mich war der BOSE QC 15 auf  meinem Rio- Flug eine Erleichterung, verbesserte die Nachtruhe. Mein Geld war also gut investiert und der BOSE QC 15 gehört jetzt, wenn möglich, zum Reisegepäck dazu.

IC Keys- Hygiene Tastatur im Praxistest

von Hans – Willi Herrmann

14 Tage lang hatte uns der Hersteller IC medical seine IC Keys- Tastatur zum Testen zur Verfügung gestellt.

Ich habe gerne mit ihr geschrieben.
Von den hygienefähigen Tastaturen ist sie mir als am angenehmsten in Erinnerung geblieben, wenngleich sie mir – aus der Erinnerung heraus – der Cleankeys – Tastatur nicht unähnlich erschien.

Viel- und Schnellschreiber wie ich werden ihre gewohnte Schreibeffizienz damit nicht erreichen können. Der fehlende Druckpunkt und die nicht vorhandenen Tastenerhebungen bringen mit sich, dass die Finger keinerlei haptische Orientierung erfahren. Blindschreiben ist also nicht und auch die akustische Rückmeldung des Tastendrucks alleine ist nicht ausreichend.  Permanenter Sichtkontakt zur Tastatur ist demnach empfehlenswert. Wer dem ohnehin bedarf, so die Rückmeldung meiner Assistentinnen, der erlebt dies nicht als Nachteil, ist  mit dem Schreibkomfort vollends zufrieden.

Was die Hygienefähigkeit angeht, so ist die Tastatur im Vergleich zu  konventionellen Konzepten unerreicht. Das wir dann doch wieder (zumindest vorübergehend) zur Melitta – Folie als Einwegabdeckung zurückgekehrt sind, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass bei einem Preis von netto 299 Euro das Investitionsvolumen für unsere Praxis – man verzeihe mir den nostalgischen Rückgriff – über 3500 DM beträgt. Nur die potentiell kontaminierbaren Bereiche berücksichtigt, wohlgemerkt. Würden wir auch noch Anmeldung und Büro mit diesen Tastaturen ausstatten, würde sich die Investitionssumme noch einmal deutlich erhöhen.

Dafür kann man schon einiges an Melitta – Folie kaufen und noch ein wenig länger nach Alternativen Ausschau halten, zumal, pünktlich nach gerade mal 14 Tagen der mitgelieferte fabrikneue Batteriesatz  der 2,4 Gigahertz Funktastatur aus Kapazitätsgründen seinen Geist aufgab. Für mich überraschend, wenn man bedenkt, dass die seit Jahren bei uns verwendeten Apple  – Tastaturen mit einer einzigen Batteriebestückung mehrere Monate halten,  entspricht jedoch  ziemlich exakt den vom Hersteller gemachten Angaben von 60 Stunden Betriebsdauer und ist vermutlich für die meisten Betreiber ohnehin unerheblich, da diese die Tastatur kabelbetrieben nutzen.

Neuer Kofferdam – Rahmen

von Hans – Willi Herrmann

Am Freitag habe ich diesen neuen Kofferdam – Spannrahmen zum Testen in die Praxis bekommen. Brandneues Teil also, demnach für einen  Praxisbericht zum jetzigen Zeitpunkt noch deutlich zu früh, aber mit ein paar Bildern kann ich immer hin schon aufwarten.

Der Kollege Stephan Gäbler aus Dresden-Radebeul hat ihn erdacht.
Ich bin gespannt, wie sich der Rahmen in der Praxis bewährt. Der „Gäbler – Rahmen“ ist sehr leicht, klappbar, aus Edelstahl. Und hat damit gegenüber dem von uns verwendeten Hygenic Master 6  U – Kunststoffrahmen 2 Vorteile. Er wird nicht unansehlich mit der Zeit und die seitlichen Zacken, die dem Kofferdam Retention geben, stumpfen nicht ab. Beides Problematiken, die als Auswirkungen der Sterilisation einzustufen sind.
Ob mit der Klappbarkeit ein weiterer Vorteil aufzuführen ist, muss sich hingegen im Testbetrieb noch beweisen.

Erhältlich ist der Kofferdamrahmen bei Hanchadent.

 

Yee-haw

von Hans – Willi Herrmann

Herr Ermerling von Hanchadent hatte mir endlich „seinen“  bereits vor Jahren zum Ausprobieren versprochenen Behandlerstuhl (dazu in einem anderen Beitrag)  für das Arbeiten unter dem Dentalmikroskop zur Verfügung gestellt. Um ihn dann ausserplanmäßig  kurze Zeit später schon wieder abholen zu müssen. Als Ersatz schleppte er  einen „neuartigen“ Stuhl (der angeblich ein ganz besonderes Sitzgefühl liefern sollte) die Treppen hoch.

Den ich zunächst nicht ausprobieren wollte.
Hatte dieser doch die mir sattsam bekannten Teleskoparmlehnen meines „Schwedenstuhls“, den ich Mitte der 90er erworben hatte, der dann aber schon kurz danach mit Einführung des Dentalmikroskopes in unserer Praxis ein Schattendasein erleidete.

Zu wacklig, zu klein, zu wenig fixierbar waren damals dessen Armlehnen.

Und jetzt hier, mehr als 15 Jahre später ein Dejavü ?

Dazu noch eine – bezogen auf ihre Dimensionierung –  lächerlich zu nennende Rückenlehne und eine Sitzmulde in Form einer überdimensionalen Käseecke.
Auch das nicht unbedingt etwas, was sofortigen Sitzkomfort suggerierte geschweige denn  „Unbedingt Testen – Muss“-  Reflexe auslöste.

Ich hab den Stuhl dann doch ausprobiert und muss sagen, ich habe extrem angenehm gesessen und gerne damit gearbeitet.  Und damit ging es nicht nur mir so. Eigentlich jeder, dem ich den Stuhl zum Probesitzen angeboten hatte, zeigte sich anschließend angetan vom Sitzgefühl. Der Stuhl besitzt eine ihm eigene Sitzdynamik, die man vielleicht am ehesten mit den  Bewegungen eines Jockeys beim Pferderennen assoziieren könnte.

Wer also die Möglichkeit hat, auf dem  Stuhl probezusitzen, der sollte dies unbedingt mal tun. Allerdings auch aus einem anderen Grund.

Um zu testen, ob man mit den Armlehnen zurecht kommt.
Es gibt im Übrigen 2 Varianten.
Die zweite, mit festen, OP -Stuhl ähnlichen Armstützen ist unten abgebildet.

Ich kam im Übrigen wider Erwarten mit der Teleskop -Version (die nicht meinem Armlehnideal entspricht, nachwievor nicht) besser zurecht als mit der mit  unbeweglichen, aber auch ein wenig mühsam zu justierenden  festen Variante.

Aber das ist vermutlich Geschmack- und Übungssache.

Drahtschlingentechnik zur Entfernung von Instrumentenfragmenten aus dem Wurzelkanal

von Nils Widera 
Die Entfernung frakturierter Instrumente stellt im Alltag der endodontischen Tätigkeit (für mich) eine besondere Herausforderung dar.Auf der einen Seite erwarten Überweiser und Patient das gerade dieses Missgeschick vom „spezialisierten“ Kollegen mit seinem Wundermikroskop gelöst werden müsste. Auf der anderen Seite wissen wir selbst nicht immer genau, unter welchen Umständen die Fraktur zu Stande kam.

Handelt es sich um ein neues Instrument welches sich eingeschraubt hat oder führte Materialermüdung aufgrund mehrfacher Aufbereitungszyklen zum Worst Case?

Schließlich sitzt man vor dem Mikroskop und hofft das Altmetall mit etwas Glück und Geschick nach 30 Minuten entfernt zu haben. Und dann stellt man fest – Torsionsfraktur – das Instrument sitzt unter Spannung im Kanal und auch noch von bukkal nach oral gekrümmt.

Jeder der oft endodontisch tätig ist, hat eine solche oder eine ähnliche Situation schon einmal erlebt.

Es gibt diverse Hilfsmittel und Techniken  die ich hier nicht alle erwähnen möchte. Die Schlingentechnik nach M. Arnold brachte einen Kollegen aus Ohorn/ Sachsen auf den Gedanken, diese Schlinge irgendwie flexibler zu gestalten. Und so kamen wir auf die Idee, einen Draht durch eine möglichst dünne Spülkanüle zu führen. Wenn man das zweimal schafft, entsteht am Austrittsende der Kanüle eine flexible Schlaufe, die man dann in der Art eines Lassos um dass Fragment legen kann und durch Zug an den beiden Enden strafft. Das Fragment drückt sich gegen das Ende der Kanüle und kann mit etwas Gefühl herausgezogen werden .

Soweit die Theorie.

In der Praxis stellten sich folgende Fragen:  1. Gibt es einen Stahldraht in entsprechend feiner Ausführung? 2. Kann dieser extrem dünne Draht eine ausreichende Zugfestigkeit aufweisen?

Die Recherche im Internet und Anrufe bei diversen Herstellern führten schließlich zur Firma „Feindrahtwerk Sassenscheid“. Dort wird ein säure – und rostbeständiger Sonderstahldraht mit dem Namen  „W.-Nr. 1.4301“ und einem Durchmesser  von unglaublichen 0,05 mm hergestellt. Das entspricht in etwa der Dicke eines menschlichen Haares. Die Zugfestigkeit wird mit ca. 2200 N/qmm angegeben.

Nachdem also ein entsprechendes Muster in der Praxis angekommen war, machte ich mich unter zu Hilfenahme des Mikroskops an das Fädeln. Die dünnste Kanüle mit der es gelang, war eine 0.3 mm Spülkanüle. Die Sterilisierbarkeit stellt so kein Problem dar und es ist sehr gut möglich, leichte Krümmungen oder Biegungen  in die Kanüle zu bekommen. Die Größe der „ Lasso – Schlaufe“ lässt sich sehr gut regulieren.

Im nachfolgend dargestellten Fall handelte es sich um eine Torsionsfraktur einer Feile im mesiolingualen Kanal des Zahnes 47. Längeres Arbeiten mit dem US brachte keine Bewegung und da der Kanal und damit auch das Fragment stark nach bukkal gekrümmt war, führte die Spannung dazu, dass das sichtbare Fragmentende permanent gegen die linguale Kanalwand drückte.

So startete ich also einen Versuch mittels Lassoschlaufe. Da der Draht so super fein ist, liess er sich erstaunlich gut um den sichtbaren Fragmentanteil legen. Danach wird der Draht mit sehr viel Gefühl von der Assistenz mittels eines chirurg. Nadelhalters vorgespannt. Dann muss man leider ohne Sicht selbst vorsichtig eine ausreichende Spannung erzeugen und die Kanüle aus dem Kanal ziehen. Nach dem zweiten Versuch hat das im vorliegenden Fall zum Erfolg geführt und ich war sehr erstaunt, wie viel Zugkraft der Feindraht aushält.

Natürlich ist diese Methode der Fragmententfernug nur eine von vielen Möglichkeiten, aber – die entsprechende Situation vorausgesetzt –  ist es sicherlich sinnvoll, sie einmal auszuprobieren.

Zur Strafbarkeit eines Zahnarztes / Arztes beim Einsatz von Cloud Computing in der Praxis

von Haya Hadidi

Cloud Computing ist ein Trend: Es verspricht sicher, einfach und all zeit verfügbar zu sein. (zur aktuellen Diskussion auf der Ebene der EU, s. z.B.http://www.trend-zeitschrift.de/2012/07/06/cloud-computing-%E2%80%93-zwischen-wachstum-und-datenschutz/):  Der professionelle oder private Anwender ist in der Lage, seinen Datenmengen und -anwendungen Herr zu werden, ohne eigenen Speicherplatz und IT-Ressourcen managen zu müssen. Dazu gehört, dass er sich z.B. auch nicht um das Backup seiner Daten oder auch das Virusscannen kümmern muss. Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter auf dem deutschen Markt, sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland. Dabei ist zu beachten, dass Cloud Computing eine Form der Auftragsdatenverarbeitung ist und nach den Vorschriften des § 11 Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) gesondert vereinbart werden muss.

Für Berufsgeheimnisträger wie z.B. Ärzte und Zahnärzte stellt sich jedoch die Frage, ob sie sich bei der Nutzung von Clouddiensten im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit möglicherweise wegen des unbefugten Offenbarens von Geheimnissen nach § 203 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar machen.

Was ist Cloud Computing? 

Unter Cloud Computing versteht man, dass Daten, Soft- und sogar Hardware nicht mehr ausschließlich lokal nutzbar sind, sondern dass Aufgaben wie Datenspeicherung, -bearbeitung und -ausführung auf sogenannten Cloud-Servern innerhalb einer mehr oder weniger – abhängig vom Umfang der genutzten Dienste- komplexen Netzwerkinfrastruktur erledigt werden können. Diese Dienste werden dem Nutzer üblicherweise in Echtzeit über weit verbreitete Schnittstellen, wie z.B. Webbrowser, bereitgestellt. Cloud Computing ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden: Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags veröffentlichte 2010, dass nach einer Schätzung der International Data Corporation (IDC) der Branchenumsatz europäischer Clouddienste von 971 Millionen Euro im Jahre 2008 auf etwa 6 Milliarden Euro im Jahre 2013 ansteigen wird (s. http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2010/cloud_computing.pdf).

Wie könnte sich ein Zahnarzt / Arzt strafbar machen, wenn er Clouddienste z.B. für seine Praxis nutzt ?

Nach § 203 StGB machtsich ein Zahnarzt / Arzt strafbar, wenn er unbefugt ein fremdes Geheimnis offenbart, das ihm in seiner beruflichen Eigenschaft anvertraut oder sonst bekannt geworden ist.

Denkbar wäre es also, dass der Zahnarzt durch das Hochladen von Patientendaten auf einen Cloudserver, diese als fremde Geheimnisse den Clouddiensteanbietern offenbart. § 203 StGB bedroht die unbefugte Offenbarung von Geheimnissen mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Es handelt sich also um eine minder schwere Straftat, um ein sogenanntes Vergehen gemäß § 12 StGB. Auch ein Vergehen kann beispielsweise die Zahlung einer Geldstrafe aufgrund eines berufsgerichtlichen Verfahrens vor der Ärztekammer nach sich ziehen. Nach einem rechtskräftigen Urteil kann als Folge auch das Ruhen der Approbation und/oder der Kassenzulassung für einen bestimmten Zeitraum angeordnet werden.

Was ist ein Geheimnis im Sinne von § 203 StGB?

Ein Geheimnis ist eine Tatsache, die sich auf die Person des Betroffenen bezieht. Diese muss geheim sein. Das bedeutet, dass sie höchstens einem beschränkten Personenkreis bekannt sein darf. Außerdem muss der Betroffene auch ein Interesse an der Geheimhaltung durch den Geheimnisträger haben: Es muss sich also objektiv und subjektiv um ein Geheimnis handeln (s. § 203 StGB Rn. 4 ff.  in : Fischer, StGB, 56. Aufl. 2009). Alle Voraussetzung werden von Patientendaten wie z.B. Notizen zu durchgeführten  Behandlungen, Diagnosen, Röntgenbildern etc. erfüllt. Bei Patientendaten handelt es sich also um ein taugliches Tatobjekt.

Offenbaren?

Liegt denn nun auch ein Offenbaren darin, dass die Daten in die Cloud hochgeladen werden? Offenbaren ist jedes Mitteilen eines zur Zeit der Tat noch bestehenden Geheimnisses. Dies kann auch in der Verschaffung von Zugang zu Dateien gesehen werden, wenn die Offenbarung sowohl Tatsache als auch Person des Berechtigten umfasst. Genau dies tut der Zahnarzt ja im Normalfall, wenn er die Dateien auf den Server hochlädt. Man mag nun annehmen, dass dieses Problem nicht mehr gegeben sei, wenn die Dateien verschlüsselt auf dem Server abgelegt werden. Zumindest bei amerikanischen Clouddiensten, wie z.B. bei Apples iCloud-Dienst, ist dies jedoch nicht der Fall: „So kann Apple trotz verschlüsselter Speicherung in der angebotenen iCloud auf die Kundendaten im Klartext zugreifen“ (so Foresman, C. (2012): „Apple holds the master decryption key when it comes to iCloud security, privacy.“, Ars technica, 03.04.2012, http://arstechnica.

com/apple/news/2012/04/apple-holds-the-master-key-when-it-comesto-

icloud-security-privacy.ars aus: Marit Hansen, Vertraulichkeit und Integrität von

Daten und IT-Systemen im Cloud-Zeitalter, DuD 2012, S. 407 ff.).

Unbefugt? 

Das Offenbaren müsste auch unbefugt sein. Eine Befugnis ist gegeben, wenn die Mitteilung der Patientendaten – oder eben auch das Speichern der Daten in der Cloud – z.B. auf einer Einwilligung beruht. Praktisch könnte der Zahnarzt also, wenn er eine Cloud für die Daten benutzen möchte, eine Einwilligung seiner Patienten einholen, ähnlich der Einwilligung der Weitergabe von Patientendaten an Verrechnungsstellen. Zwar ist die Einwilligung im Bereich des Strafrechts grundsätzlich formfrei möglich (s. Fischer, aaO, Rnr. 33), aus eigenem Interesse für den Fall eines späteren Streits sollte die Einwilligung jedoch schriftlich eingeholt werden. Nun könnte man meinen, durch die Einwilligung sei nun das Problem leicht lösbar. Die Frage ist nur, wie damit umgegangen werden soll, wenn Patienten nicht einwilligen oder ihre Einwilligung später widerrufen. In diesem Fall müsste auf die Verwendung der Cloud verzichtet werden, was den Betrieb einer parallelen Datenstruktur außerhalb der Cloud bedeutenden würde. Dies ist jedoch im Einzelfall unwirtschaftlich und umständlich und daher keine stets erstrebenswerte Lösung.

Lösungsmöglichkeiten

Was gibt es nun für Ansätze, einer möglichen Strafbarkeit zu entgehen, aber dennoch die Cloud zu nutzen?

Zum einen sind technisch-organisatorische Lösungsmöglichkeitendenkbar, d.h. es wird z.B. ein Clouddienst verwendet, in welchem sichergestellt ist, dass die Daten verschlüsselt  abgelegt werden können und auf welche dann im entschlüsselten Zustand auch nur der Zahnarzt Zugriff hat. Nachteil dieser Lösung ist jedoch, dass die Daten nicht so schnell für Anwendungen verfügbar sind und zahlreiche Zusatzdienste der Clouddienste nicht mehr nutzbar sind, als Backupvariante ist dies jedoch vorstellbar (s. hierzu: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/verschluesselte-cloud-so-machen-sie-ihre-wolke-sicher-a-828372.html).

Schließlich wäre noch eine vertragsrechtliche Lösung denkbar: Erfolgt das Offenbaren gegenüber „berufsmäßig tätigen Gehilfen“ so ist der Arzt straffrei, da die Gehilfen (z.B. die Zahnarzthelfer/innen) als befugte Mitwisser zwar nicht selbst Adressat des Anvertrauens sind, aber an dem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient teilnehmen. Dies können z.B. auch ehrenamtlich oder nur zeitweise in der Praxis tätige Personen sein, wie z.B. Familienangehörige. Nicht umfasst sind jedoch zum einen Personen, deren Tätigkeitsbereich nicht notwendig mit der Kenntnis des Geheimnisses zusammenhängen (z.B. Reinigungspersonal, Boten, Kraftfahrer, Pförtner) und externe Dienstleister, wie z.B. Mitarbeiter zahntechnischer Labors, EDV-Wartungskräfte. Als Lösungsmöglichkeit in Betracht kommt also der Abschluss eines Doppelarbeitsverhältnisses bzw. der Arbeitnehmerüberlassung mit den betroffenen Externen. Für große Clouddiensteanbieter ist dies jedoch nicht denkbar, da regelmäßig eine unbestimmte Anzahl wechselnder Personen mit den personenbezogenen Daten in Berührung kommen.

Fazit

Es gibt derzeit leider keine für jeden Fall empfehlenswerte Variante der Cloudnutzung für Berufsgeheimnisträger. Zwar gibt es Möglichkeiten der gesetzeskonformen Nutzung, diese haben jedoch Nachteile in der Handhabbarkeit. Es wäre daher aus Sicht der Berufsgeheimnisträger wünschenswert, dass sich die Auslegung des Begriffs des „berufsmäßig tätigen Gehilfen“ dahingehend ändert, dass hiervon auch externe IT-Dienstleister erfasst werden (so auch: Maisch / Seidl in: Cloud-Nutzung für Berufsgeheimnisträger – § 203 StGB als „Showstopper“?, Datenschutz Berater S. 127 ff., 2012). Derzeit ist dies jedoch nicht der Fall und es sollte in jedem Einzelfall geprüft werden, ob sich der Berufsgeheimnisträger nach § 203 StGB strafbar macht.

Hygienefähige Tastaturen in der Zahnarztpraxis – ein Vergleich

von Hans – Willi Herrmann

Über die reine Behandlungstätigkeit hinaus fallen administrative Arbeiten in der Zahnarztpraxis an, sei es die Notwendigkeit der Dokumentation als auch der Erfassung der angefallenen Abrechnungspositionen.  Dies geschieht heute zum größten Teil im Behandlungszimmer, teilweise während der Behandlung. Dadurch kommt es gegebenenfalls zu einer Kontamination der Computertastatur. Und daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Reinigung, will man nicht Gefahr laufen, Keime im Sinne einer Kreuzkontamination von einem Patienten auf den anderen zu übertragen.

Normale Computertastaturen sind für eine Reinigung nicht geeignet.
Desinfektionsmittel können Schäden an der Tastatur verursachen und dabei geht es nicht allein um Schäden durch agressive Desinfektionsmittel, sondern vielmehr alleine durch Kurzschlüsse bei Feuchtigkeitszutritt, weil diese Tastaturen nicht gegen Feuchtigkeit abgekapselt sind.

Lösung 1 – Die „normale“ Computertastatur

Schreibgefühl/ Schreibkomfort – sehr gut

Kosten – ab wenigen Euro

Reinigungsfähigkeit  – nicht gegeben

…scheidet also aus. Was wären die Alternativen und wie schneiden diese ab ?

Lösung 2 – Cleankeys – Glastastatur

Kosten: Um 300 Euro (aus der Erinnerung)

Reinigungsfähigkeit – optimal

Schreibgefühl/ –  suboptimal, gewöhnungsbedürftig  – es gibt keine Tasten- nur Schreibflächen. Dementsprechend fehlt jeglicher Druckpunkt und damit auch eine taktile Rückmeldung beim Schreiben. Zwar gibt es ein akustisches Signal beim Schreiben, dass im Sinne einer Rückmeldung das Treffen des Schreibfeldes signalisieren soll, aber das ist nur ein schwacher Ersatz für das fehlende Schreibgefühl. Dennoch  – wenn man sich an die Tastatur gewöhnt hat, dann kann man damit akzeptabel gut arbeiten, man verfasst ja keine Romane, sondern nur kurze Eingaben und dafür ist die Tastatur okay. Ein Touchpanel als Mausersatz ist integriert.

Lösung 3 – Silikon Roll -Tastatur

Kosten: ca. 10 – 15 Euro

Die bei  Pearl erhältliche Tastatur ist wasserdicht.
Und somit desinfizierbar im Sinne von „sie funktioniert ohne Probleme weiter“, wenn man dies tut. Das Schreibgefühl  wurde in der Praxis unterschiedlich beurteilt. Es gab Mitglieder des Praxisteams, die damit lieber schrieben als mit der Cleankeys – Tastatur, was ich für mich nicht bestätigen kann.  Mir war der Druckpunkt der Tasten zu fest und ungenau, zumal die Wackligkeit der Tasten ein reproduzierbares Schreiben zusätzlich erschwerte. Aber auch die scheinbar vorhandene Desinfektionsfähigkeit hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Fakt ist nämlich, dass die herausragenden Tasten eine vollständige Desinfektion nicht zulassen. Man kommt schlicht und einfach nicht in die vielen vorhandenen Ritzen zwischen den einzelnen Tasten. Das Foto zeigt die Staubansammlung der ungenutzten freiherumliegenden Tastatur nach mehreren Monaten. Eine Tauchdesinfektion der gesamten Tastatur wäre denkbar, dass hierfür notwendige Szenario (Bereithaltung und Tausch mehrerer Tastaturen im Wechsel, Einrichten eines ausreichend großen Tauchbades, in dem die (rollfähige)Tastatur eingebracht wird), ist jedoch nicht wirklich praxisgerecht, weil aufwändig.

Lösung 4 – Cherry – Tastatur mit Silikon – Schutzhülle

Kosten ca. 80 Euro.

Schreibgefühl / Schreibkomfort – sehr gut, wie wir es von diesen Tastaturen gewohnt sind. Die Silikonhülle, über deren Preis man besser nicht sinniert oder gar versucht, ihn mit Materialaufwand und Herstellungskosten zu rechtfertigen, behindert nicht beim Schreiben. Die Silikonhülle hält auch lange, Bedenken das nach wenigen Wochen der Überzug undicht und damit nicht mehr zu gebrauchen wäre, sind unbegründet. Das Reinigungsmanko bleibt aber auch hier und wer nach einiger Zeit die Hülle von der Tastatur abzieht, der sieht, wieviel Schmutz sich dort im Laufe der Zeit ansammelt. Lösungsansatz wäre hier ähnlich wie bei der Silikontastatur die Tauchdesinfektion der Schutzhülle in einem speziell dafür vorgesehenen Tauchbad.

Lösung 5 Keywi – Tastatur

Kosten ca. 300 Euro.

Das Schreibgefühl mit der Keywi – Tastatur  ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig und mit einer guten Computertastatur wie der Cherry-Tastatur nicht einmal annähernd vergleichbar. Im Gegensatz zur Cleankeys Tastatur sind jedoch kugelsphärenartige, linsenförmige Tasten vorhanden wie bei den guten alten Dieter Rams Braun – Taschenrechnern. Sie verfügen über einen Druckpunkt, es bedarf jedoch einer deutlichen, bewußten Kraftanstrengung, um das Schreiben eines Buchstabens auszulösen. Ein Touchpanel als Mausersatz ist integriert.

Was die Deinsfektionsfähigkeit angeht, so ist diese grundsätzlich gegeben, ähnlich wie bei der Cleankeys- Tastatur. Längerfristig muss sich aber zeigen, ob der Materialmix aus Kunststoff und Silikondichtung den Desinfektionsmitteln trotzen kann, ohne Veränderungen zu zeigen.

Lösung 6 – „Der  Christo – Melitta Wrap“

Einpacken einer handelsüblichen Computertastatur mit einer hauchdünnen transparenten „Melitta“ – Folie.

Nachdem alle Schreibarbeiten beim jeweiligen Patienten gemacht worden sind, entfernt man die dünne Plastikfolie und ersetzt diese durch eine neue. Auch so kann eine Kreuzkontamination vermieden werden. Diese Lösung hat darüber hinaus den besonderen Charme, dass der Behandler, sofern er persönlich  nach Ende der Schreibtätigkeit die Folie entfernt, sich sicher sein kann, dass die neu adaptierte Folie bislang unkontaminiert ist. Dies ist sogar ein Vorteil gegenüber allen bislang genannten Verfahren, den eine per se reinigungsfähige Tastatur garantiert ja nicht automatisch, dass die Reinigung auch wirklich erfolgt ist.

Nachteilig bei der Melitta – Folien Variante ist, dass die Folie bei entsprechendem Lichteinfall spiegelt und, sofern sie nicht fest genug adaptiert wurde, beim Schreiben an den Fingern leicht kleben bleiben kann. Beides ist tolerierbar, aber gegebenenfalls nervig. Je öfter es vorkommt, umso mehr.

Lösung 7 Handschuhwechsel

Einfach, setzt aber – und da liegt bei aller Banalität die Schwierigkeit – höchste Disziplin voraus. Zum Schreiben ausnahmslos die Handschuhe ausziehen und nach dem Schreiben die Handschuhe wieder anziehen bzw. neue Handschuhe anziehen. So verfahre ich, weil es, insbesondere bei warmen Temperaturen deutlich schneller geht. BTW wer so verfährt, hat nach entsprechender Zeit die Kosten für eine hygienefähige Tastatur in Wechselhandschuhe gesteckt.

Gesunder Menschenverstand

von Hans – Willi Herrmann

Wenn ich innerhalb Deutschlands als Referent zu Fortbildungen muss, dann fahre  ich, wenn möglich, mit der Bahn.

Wenn möglich –  heißt, dass der Zeitbedarf den der Anreise via Flugzeug nicht deutlich überschreitet. Bis nach München oder Hamburg spart man in der Regel mit dem Flieger, wenn überhaupt, nur wenig Zeit. Lediglich nach Berlin oder Dresden macht für mich das Fliegen Sinn.

Merkwürdige Welt.
Mittlerweile ist Fliegen oft günstiger als Bahnfahren.
Zumindest solange man keine Bahncard 50 besitzt.

Ich habe seit ein paar Jahren diese Bahncard. Sie kostet 482 Euro. Privat nutze ich diese Card eigentlich nicht, mit der Familie bin ich fast ausschließlich  mit dem Auto unterwegs. Für die   Institutionen, in deren Auftrag ich Fortbildungen halte, lohnt sich die Karte aber auf jeden Fall.
Neulich war in Erfurt. Die Bahnfahrt kostete dank Bahncard 50 117 Euro. Anteilsmäßig habe ich 25 Euro für die Bahncard  in Rechnung gestellt. Macht eine Kostenersparnis für die Landeszahnärztekammer von 92 Euro gegenüber dem regulären Preis.  Leider sieht sich die Kammer ausserstande, den 25 Euro- Kostenanteil zu übernehmen.

Haben Sie sich schon gedacht ?
Dann wissen Sie ja auch, was die Konsequenz für mich ist. Das Kündigungschreiben an die Bahn ist soeben raus (hilfreich hierbei war die Internet – Seite Aboalarm, denn die Homepage der DB gibt sich hinsichtlich Kündigungsmöglichkeiten sehr zugeknöpft).
Leider ein paar Tage zu spät, das Bahncard -Abo verlängert sich automatisch bis September 2013.

Bis dahin werde ich nun vorab jedesmal anfragen, ob ich die Bahncard einsetzen soll oder nicht.
Mal sehen, ob die Landeszahnärztekammer Thüringen ein Einzelfall bleibt oder ob sich noch mehr Institutionen ausserstande sehen, eine für ihre Mitglieder und Kunden kostensparende Lösung einzugehen.

IC Keys „Hygienetastatur“

von Hans – Willi Herrmann


Über den Einsatz unterschiedlicher Tastaturen in der Zahnarztpraxis habe ich schon des öfteren berichtet.

Ein weiterer Zwischenbericht steht zur Veröffentlichung bereit, aber jetzt  ist mir noch folgende Alternative in die (bislang nur sprichwörtlichen) Hände gefallen.

Es handelt sich um die IC-KEYS- Tastatur. Diese ist  wasserdicht und kann lt. Aussage des Herstellers IC medical jederzeit mit Wasser und Reinigungsmitteln gereinigt und mit allen handelsüblichen Desinfektionsmitteln desinfiziert werden kann. IC-KEYS ist wasserdicht nach Schutzart IP 64.

Zur Reinigung  wird die Tastatur  über eine Tastenkombination gesperrt.

Für uns hat die Tastatur ihren Reiz in der Möglichkeit der Wireless – Anbindung, da unsere Rechner teilweise weit weg vom Behandlungszimmer stationiert sind und die Verbindung von Tastatur und Maus über mittlerweile vorsintflutliche PS2- Steckverbindungen erfolgen muss. Zur Verfügung stehende USB – Adapter funtionierten nicht dauerhaft zuverlässig, notwendige Resets der PC´s waren immer mal wieder die Folge, ein nicht akzeptabler Zustand.

Empfohlen wurde mir  die IC Keys – Tastatur durch DentalSynergie, den Deutschland- Vertrieb der WamKey -Produkte.

Ich hoffe, demnächst auch über praktische Erfahrungen berichten zu können. Der Preis wird gegenwärtig mit 299 Euro + MWS  angegeben und bewegt sich damit im Bereich der Mitbewerber.

Wurzelspitze macht Sommerpause.

Wurzelspitze macht Sommerpause.

Vom  16. Juli bis zum  31. Juli 2012.

Ab dem 01. August schreiben wir wieder über Großes und Kleines, Altbewährtes und Innovativ-Neues aus dem Bereich der Zahnmedizin.

Zwei an einem Tag

von Hans – Willi Herrmann

… ist nicht nur der Titel eines der diesjährigen Hollywood – Kinostreifen, sondern in der Tat finden am 2. und 3. November 2012  gleichzeitig die beiden Jahrestagungen der DGET und des VDZE statt.

Leider nicht am gleichen Ort, sondern räumlich mehrere hundert Kilometer getrennt, in Leipzig und Wiesbaden.

Tagungsprogramme finden sich hier (DGET) und hier (VDZE).

ESMD 2 Jahres- Tagung in Berlin

von Hans – Willi Herrmann

Der Herbst ist immer die heiße Zeit der Fortbildungen und Kongresse. Den Startschuss in diesem Jahr macht die ESMD (European Society of Microscope  Dentistry) – Zwei – Jahrestagung in Berlin.

Ich habe es aus Zeitgründen bislang noch nicht geschafft, an einem ESMD – Kongress teilzunehmen und 2012 bildet keine Ausnahme, aber wenn diese so gut sind wie jeder der AMED – Kongresse, die ich vor einigen Jahren besucht habe, dann lohnt sich die Teilnahme, zumal das Treffen gewissermaßen in unserem Wohnzimmer stattfindet.

Eine PDF des Tagungsprogramms finden sie hier: ESMD_2012_FA_0423

Dürr VistaScan Mini Plus und Dürr Speicherfolien im Einsatz – ein Praxisbericht (2)

von Hans – Willi Herrmann

Im zweiten Teil meines Praxisberichtes befasse ich mich genauer mit der Dürr VistaScan Mini Plus – Entwicklungseinheit im Praxisbetrieb und der von Dürr mitgelieferten Bildsoftware DBS Win.

Wie schon im ersten Teil beschrieben steht der Scanner auf der Hinterkopfzeile im Behandlungszimmer 1.
Hier finden rund 80 Prozent unserer endodontischen Behandlungen statt und aus diesem Grund wurde der Scanner dort platziert, damit insbesondere die intraoperativen Röntgenaufnahmen mit geringstmöglicher Zeitverzögerung (45 – 50 Sekunden)  zur Verfügung stehen, was im Praxisbetrieb auch einwandfrei funktioniert.

Der Mini Plus trägt hierzu seinen Teil bei, gestaltet sich doch der „Einleseprozess“ einfacher und schneller als beim Urmodell, dem großen Bruder. Bei letzterem werden die Speicherfolien nämlich zunächst in einen Bildschlitten überführt, der wiederum in den Scanner eingesteckt werden muss, damit anschließend das Bild mittels besagtem Schlitten in den Scanner eingeschoben werden kann. Beim Mini Plus wird das Bild nach Aufreissen der Schutzhülle direkt in den Scanner eingeführt, der Zwischenschritt über den Bildschlitten entfällt.
Es geht demnach schneller, allerdings wird der Zeitgewinn mit dem Nachteil erkauft, dass das  von Hand zugeführte Bild in der Regel nicht parallel eingeführt wird, was einen treppenartigen Versatz der Bilddaten bewirkt. Dieser wird zwar softwareseitig korrigiert, ist aber IMHO mit einem leichten Qualitätsverlust verbunden, der vermutlich jedoch  in den allermeisten Fällen gänzlich unbemerkt bleiben wird.

Davon abgesehen funktioniert der Scanner im Praxisalltag einwandfrei.

Meine zunächst vorhandene Unsicherheit, einen eventuellen Datenverlust betreffend (auch das ein Grund, warum wir zunächst die analogen Röntgenfilme als „Backup“ mitlaufen liessen), erwies sich als unbegründet.
In den vergangenen 2 Jahren gab es keinen einzigen Zwischenfall, bei dem das Bild in irgendeiner Weise im Rahmen des Scanprozesses verloren gegangen wäre oder nicht auswertbar gewesen wäre.

Lediglich ganz zu Beginn haben wir ein Bild verloren, weil versehentlich die Folie mit der Rückseite zum Scanner hin in das Gerät eingeführt wurde.
Typischer Anfängerfehler, vergleichbar dem nicht gelöschten Licht in der Dunkelkammer. Seitdem warnt ein von uns angebrachter Schriftzug „Bild mit Schrift nach vorne einführen“ vor versehentlicher Fehlbedienung. Bis heute mit Erfolg, das Ereignis ist ein einmaliges  geblieben hast.

Der Scanner hat sich demnach als ausgesprochen alltagssicher erwiesen.
Am Anfang verunsicherte uns eine periodisch wiederkehrende, überdurchschnittlich oft zu Beginn des Arbeitstages bei der ersten Nutzung auftauchende Fehlermeldung sinngemäß „Datenübertragung nicht möglich“. Wir brachen die Aktion ab und riefen erneut die Scan- Routine auf.
Manchmal jedoch fror das Programm auch an dieser Stelle ein.
Es  half zunächst nur der Programmschluss über ALT – F4 und der anschließende Neustart.

Die Daten waren danach ausnahmslos sicher vorhanden und konnten problemlos in DBS  Win übertragen werden.

Irgendwann erkannten wir die die Ursache des „eingefrorenen“ Programms.
Das  oben erwähnte Fenster mit der Fehlermeldung versteckte sich hinter allen geöffneten Fenstern der anderen Programme.  Es wurde nur sichtbar, wenn die Fenster der anderen geöffneten Programme ausgeblendet und das Fenster von DBS Win verkleinert und soweit verschoben wurde, daß das Fehlermeldungsfenster sichtbar wurde und dann in den Vordergrund geklickt werden konnte. Für diejenigen , die sich ein wenig auskennen, wir haben es hier mit einem modalen Fenster zu tun, dass jedoch nicht obligat im Vordergrund erscheint. Liebe Dürrianer, dieses „Feature“ liesse sich sicherlich einfach beheben und würde die Arbeit mit dem Programm im Praxisalltag erleichtern.

Was gibt es zur Weiterverarbeitung der Röntgenaufnahmen in DBS Win zu sagen ?

Funktioniert, soll heißen man kommt nach kurzer Eingewöhnung gut damit zurecht. Umgehauen hat mich das Programm jedoch nicht,  es besitzt den Charme und die Haptik einer Windows- Software der Jahrtausendwende.  Das macht die Konkurrenz besser.

Ich muss gestehen, dass ich im Praxisalltag nur wenige Basisfunktionen nutze.
In der Regel die drei Schieberegler zur Bildbearbeitung (Kontrast, Helligkeit, Gamma – Wert), um das Bild möglichst gut am Bildschirm darstellen zu können. Ausserdem die Längenmessung, die in 2 Varianten existiert, eine einfache gerade Linie und eine sich aus mehreren Punkten zusammensetzende Strecke. Letztere nutzen wir mit sehr guten Ergebnissen.

Alles, was darüber hinaus geht an bildbearbeitenden Funktionen fristet in unserer Praxis ein Schattendasein. In Fehlfarbendarstellungen oder zum Beispiel dem 3 D Embossing- Effekt  habe ich bislang keinen Sinn für die Endodontie entdecken können, mag sein, dass es in anderen Teilbereichen der Zahnmedizin anders ist, wenngleich mir auch hier  die Vorstellungskraft fehlt, wozu dies nützlich sein soll.

Darüber hinaus gibt es noch andere Filtereinstellungen, zum Beispiel zur Kariesdiagnostik oder eine weitere speziell für die Endodontie.

Insbesondere den Endo -Filter habe ich zu Beginn sehr häufig benutzt. Er führt sicherlich in einer Reihe von Fällen mittels „One Click“ zu einer  verbesserten Diagnostik,neigt aber in der Regel zu sehr kontrastreichen und „geschärften“ Bildern und schiesst oftmals über das Ziel hinaus mit entsprechend mediokren Ergebnissen.

Ich verwende ihn heute kaum noch und versuche stattdessen, über die drei oben beschriebenen Helligkeitsreglern das entsprechende Optimum aus dem Bild herauszuholen.

Ein Schärfe – Regler, wie ich ihn von Bildbearbeitungen aus dem Fotobereich kenne, wäre von großem Vorteil, hier sollte Dürr unbedingt nachbessern und sich ein Beispiel an den Mitbewerbern nehmen, die es schaffen, mehr aus den Ausgangsdaten herauszuholen.

Wie sieht es aus, wenn wir Röntgenbildern in den anderen beiden Behandlungszimmern anfertigen müssen ?
Zimmer 2 ist mit Zimmer 1 durch einen Verbindungsgang von etwa 4 Metern verbunden. Röntgenbilder lassen sich auch in solchen Fällen mit nur wenigen Sekunden mehr an Wartezeit erstellen.

Lediglich unsere ZMF in Zimmer 3 muss längere Laufwege absolvieren und ist zudem gehandikapt, dass der Zugang zum Scanner in der Regel durch die Behandlung in Zimmer 1 erschwert ist. Dieser Fall tritt aber eher selten auf, so dass er im Praxisalltag nicht negativ ins Gewicht fällt.

Wesentlich unangenehmer hingegen erschwert sich der Arbeitsablauf mit dem Scanner, wenn, zum Beispiel beim Erstellen eines PA – Status, mehrere Zahnfilme unmittelbar nacheinander aufgenommen und entwickelt werden müssen.
Zwar sind in unserer Praxis genügend Speicherfolien vorhanden, um einen solchen Status in einem Rutsch am Patienten aufnehmen zu können, die Entwicklung dieser gestaltet sich jedoch zum Geduldsspiel, müssen doch alle Folien nacheinander der Reihe nach eingelesen und jeweils der Scan – Vorgang abgewartet werden.

Beim „guten alten“ Dürr XR 24 Röntgenentwickler konnten diese Filme in der Regel parallel eingelegt werden, so dass nach etwa 1 Minute die Assistentin den Röntgenraum verlassen und sich in den nächsten 6 Minuten mit anderen Dingen beschäftigen konnte.
Jetzt ist sie die ganze Zeit am Gerät eingebunden und der Zeitgewinn zur analogen Entwicklung ist dahin, bei großen Zahnstaten verkehrt sich die Zeitersparnis sogar ins Gegenteil.
Hier wäre vermutlich der von Dürr angebotene VistaScan Perio Plus Scanner von Vorteil, der eine zeitgleiches Einlesen mehrerer Zahnfilme erlaubt.
Für uns lohnt sich das Gerät jedoch nicht, die Mehrkosten amortisieren sich nicht angesichts des seltenes Anlasses multipler beinahesimultaner Aufnahmen.
Dann würde ich eher einen zweiten VistaScan Mini Plus- Scanner als Anschaffung für unsere Praxis in Erwägung ziehen, aber auch dazu besteht nach 2 Jahren bislang kein Anlass.

Was gibt es weiter zu berichten ?
Der 3. Teil meines Praxisberichtes beschreibt unseren Workflow im konkreten Praxisablauf Schritt für Schritt für einen optimalen Arbeitsablauf. Dieser erscheint (nach der Wurzelspitze- Sommerpause) voraussichtlich am 07. August.

Dürr VistaScan Mini Plus und Dürr Speicherfolien im Einsatz – ein Praxisbericht (1)

von Hans – Willi Herrmann

Wir benutzen seit 2 Jahren die Dürr Speicherfolien / VistaScan Mini Plus Scanner System – Kombi. Demnach habe ich mir offensichtlich Zeit gelassen mit diesem Praxisbericht. Und die Länge des Zeitraums bis zum Erscheinen dieses Blogbeitrags   ist nicht der Tatsache geschuldet, dass soviel Zeit notwendig gewesen wäre, um ein solches Urteil fällen zu können. Sondern ist vielmehr zurückzuführen auf den Umstand, dass  a) die  Zeit rast und b)  (das ist schon ein erster Hinweis auf die Bewährung des Systems in unserer Praxis) – ich ganz einfach vergessen habe, dass wir schon so lange damit arbeiten.

Aber der Reihe nach.
Müsste ich ein Attribut wählen, welches in einem Wort und griffig die Dürr -Speicherfolien beschreibt, dann würde ich „unauffällig“ im Sinne von „nicht existent“ wählen.

Wird aber der Sache in sofern nicht gerecht, als dass es sich hier ja um einen positiven Befund handelt.
Es gab nämlich keinerlei Umgewöhnung beim Umstieg vom analogen Film auf das digitale Speicherfolien – Medium.

Ein Phänomen, das auch immer wieder  in unserer Praxis von Hospitanten, die selbst mit Sensoren arbeiten, anerkennend genannt wird.

Einfache Platzierung mit und ohne Kofferdam.
Kein übermäßiges Würgen.
Große Filmfläche.

In jedem unserer 3 Behandlungszimmer haben wir eine Röntgeneinheit am Stuhl.

Sensor hin- und herschleppen ?
Auf einen gerade in Benutzung befindlichen Sensor warten ?
Für uns kein Problem. Wir legen in jedes unserer Zimmer eine gewisse Auswahl an Speicherfolien zur sofortigen Benutzung bereit.

Und demnach ist alles so, wie wir es von den analogen Filmen her kennen.
Kann man dem System ein größeres Kompliment machen ?
Wohl kaum.

Das Beste zweier Welten. Analoge Handhabung, digitale Weiterverarbeitung.

Einzig die Lokalisation unserer Entwicklungseinheit hat sich verändert.
Während der Dürr XR 24 -Entwickler weiterhin seinen Dienst im Röntgenraum leistet, steht der Dürr VistaScan Mini Plus  -Scanner in  meinem meistgenutzten Behandlungszimmer. Dort also, wo ca. 80 Prozent unserer Endo – Behandlungen stattfinden. Ohne großartig Platz wegzunehmen wohlgemerkt. Denn der Scanner hat den Platzbedarf einer DIN A4 – Seite und befindet sich daher wenig raumfordernd sofort erreichbar auf unserer Hinterkopfzeile.

Damit ich für die Endo möglichst schnell meine Röntgenaufnahmen zur Verfügung habe. So war es gedacht und so funktioniert es auch.

Reproduzierbare 45 Sekunden nach Auslösung steht uns der desinfizierte und danach mit 25 LP/mm eingescannte Zahnfilm auf dem Monitor zur Verfügung.
Das fertige Röntgenbild wohlgemerkt. Keine Vorabschau des Scan- Vorgangs, dessen Existenz aus Marketinggründen schon nach 6 Sekunden angepriesen wird, aber in der Praxis keinerlei Relevanz besitzt, ausser vielleicht  der Tatsache, dass man schon ein wenig früher über das Gelingen oder Nichtgelingen der Aufnahme informiert wird, wenngleich auch diese Info in der Regel mehr als 20 Sekunden benötigt.

Alles in allem sind die genannten 45 Sekunden für uns eine für uns akzeptable Wartezeit. Zu Beginn unseres Umstiegs wie ein Wimpernschlag vorüberziehend,  hatten wir doch für das analoge Pendant bislang ziemlich exakt 6 Minuten benötigt.

Aber natürlich nicht vergleichbar mit den 5 – 10 Sekunden, die gerade mal vergehen, bis ein sensorbasiertes Röntgenbild auf dem Monitor des Computers erscheint.
Berücksichtigt man allerdings die gegebenenfalls schwierige und damit zeitaufwändige Positionierung des Sensors im Vergleich zur Speicherfolie, dann relativiert sich der Zeitvorteil wieder, denn es zählt ja nicht nur die Zeit des Wartens nach Auslösung, sondern auch die Zeit vor der Aufnahme.

Unser Dürr Entwickler blieb weiterhin in Gebrauch, für benötigte OPG´s.
Und bot uns so die Möglichkeit, Speicherfolie und Röntgenfilm miteinander zu vergleichen.

Bringt man nämlich einen analogen Zahnfilm hinter der Dürr- Speicherfolie an, so ist man in der Lage, beim selben Objekt beide Speichermedien zu belichten. Vorausgesetzt man verwendet  die Belichtungszeit des analogen Films.
Diese liegt bei uns in der Regel nur eine Belichtungsstufe höher als die der Speicherfolie, ein Schelm der Arges denkt. Natürlich ist man der Lage, die Belichtungszeit zu reduzieren, das Bildergebnis ist dann aber suboptimal, so dass man sehr schnell doch wieder bei höheren Zeiten landet. Der uns zur Verfügung gestellte Kodak – Sensor reagierte im Übrigen noch drastischer auf eine Unterbelichtung, so dass sich im Endeffekt sogar eine dem Analogfilm vergleichbare Belichtungszeit einstellte, sich also gar keine Strahlenreduktion erzielen liess.

Unabhängig davon – der Trick mit den hintereinandergelegten digitalen und analogen Filmmedien  gab mir Gelegenheit, beide Systeme direkt miteinander zu vergleichen.

Was ich nicht gedacht hätte – der Zahnfilm schnitt (zunächst) sehr gut ab. Mehr als einmal ertappte ich mich dabei, anerkennend festzustellen, dass ich in der Lage war, selbst kleine Details im analogen Zahnfilm zu erkennen, auch wenn dieser um ein Vielfaches kleiner sich präsentierte als sein digitales Gegenstück auf dem 24 Zoll Monitor.

Andersrum betrachtet. Den vielleicht insgeheim stande pede erhofften Quantensprung des Aufspüren  einer Vielzahl neuer Details im digitalen Röntgenbild gab es nicht. Keine Entdeckung neuer unbekannter Welten.

Hätte ich also beim analogen Röntgenfilm bleiben können ? Oder sollen ?

Auf keinen Fall.
Einfache Frage, ans Team und an mich selbst, nach den ersten 2 Wochen.

Wollten wir auf das neue System verzichten ? Sollten wir es (rein hypothetisch) zurückgeben ?

Keiner wollte. Warum nicht ?

Hier  3 KO -Facts für das Dürr – System.

1. Wesentlich schneller. 45 Sekunden vs. 6 Minuten

2. Gleichbleibende Entwicklungsergebnisse – Kein Vergleich zur Röntgenchemie mit den allmählich immer schwächer kontrastierten, zuweilen auch plötzlich hell und fad aus dem Entwickler kommenden Aufnahmen. Keine arbeitsintensiver und fehleranfällige Wechsel- und Reinigungsarbeit an der Entwicklungsmaschine.

3. Einfache Längenmessung – Die wurde zwar von mir in der Vergangenheit ebenfalls sehr präzise am Röntgenbild durchgeführt (in der Regel auf den halben Millimeter genau), aber das war mein Job. Mit dem Dürr- System macht diese meine Endo – Assistentin. Entweder vorab oder „on the fly“ während der Behandlung unmittelbar nach Erscheinen des Bildes. Das Messergebnis ist für mich jederzeit einsehbar und wird automatisch dokumentiert. Da kann kein analoger FIlm mithalten.

Wie gehts nächste Woche an dieser Stelle weiter ?
Teil 2 widmet sich einer genaueren  Betrachtung der Entwicklungseinheit im Praxisbetrieb und der von Dürr mitgelieferten Bildsoftware DBS Win.

Dürr Scanner – Welcher ist der Richtige ?

von Hans – Willi Herrmann

Wie lange wartet man eigentlich, bis man ein endgültiges Urteil fällt ?

Im Falle der Dürr- Speicherfolien sind es mittlerweile  2 Jahre, in denen wir diese in der täglichen Praxis nutzen.

Eigentlich Zeit genug, aber dazu später.

Wie alles anfing, im Vorfeld der Kaufentscheidung,  lässt sich unter anderem hier, hier  und hier nachlesen.

Der Entschluss zur Neuinvestition war zu Beginn 2010 gefallen.
Ich hatte mich gegen einen Sensor und für ein Speicherfoliensystem entschieden.

Und zwar für das Dürr – System.
Auf Grund der Tatsache, dass ich im Rahmen meiner Fortbildungstätigkeit das System an mehreren Stellen in Aktion gesehen hatte und die Ergebnisse für mich akzeptabel waren, was heißen soll, daß diese die mir bekannten Ergebnisse des Kodas 6100 – Sensors zwar nicht übertrafen, aber doch recht ordentlich daran heranreichten.

Das war zumindest mein ( zugegeben bei geringer Fallzahl) subjektiver Eindruck.

Aber mit der grundsätzlichen Entscheidung für das Dürr – System war die Entscheidungsfindung noch nicht abgeschlossen.

Denn Speicherfolien müssen eingelesen werden.  Und Dürr hat für diesen Zweck 3 unterschiedliche Scanner im Angebot. Es galt also eine weitere Entscheidung zu treffen für das betreffende Lesegerät.

Das erste und größte der drei Modelle sieht ein wenig aus wie der Warp – Antrieb von Raumschiff Enterprise  oder die vergrößterte Version des Fusions – Antriebs des Zeitreisen- De Lorean aus „Zurück in die Zukunft 1“. Der VistaScan Plus liest nicht nur Zahnfilme unterschiedlichster Größen (0 -4) sondern auch OPG´s ein.
Und wird daher von Dürr den Kollegen empfohlen, die beim Umstieg in die digitale Röntgenpraxis ihr  „analoges“ OPG -Gerät nicht in den Müll geben möchten, aber dennoch an den Vorteilen der digitalen Röntgenentwicklung teilhaben möchten. Darunter subsummiert sich der Verzicht auf die konventionelle analoge Entwicklung mittels Röntgenchemie und Entwicklungsgerät, eine schnellere Bildentwicklung und konstante Bildergebnisse, weil der Faktor der Chemikalienalterung und Abnutzung wegfällt. Im Vergleich zum „rein digitalen“ OPG ist der VistaScan Plus um einiges kostengünstiger, aber deutlich teurer als das Einsteigergerät VistaScan Mini.

Gerät Nummer 2 ist der Dürr VistaScan Perio Plus, der mehrere Zahnfilme auf einmal einlesen kann.

Und – als kleinstes und kostengünstigstes Gerät von Dürr gibt es den Dürr VistaScan Mini Plus. Er liest immer nur einen Zahnfilm zur selben Zeit ein.

Welchen also nehmen ?

Die Entscheidung fiel mir schwerer als gedacht. Und zwar – paradoxerweise -nicht weil ich keines der Geräte vor der endgültigen Kaufentscheidung, sondern gerade weil ich durch einen glücklichen Zufall (das Wunschgerät war nicht sofort lieferbar) die Gelegenheit hatte, sowohl den VistaScan Plus als auch den VistaScan Mini in der Praxis auszuprobieren.

Letztendlich habe ich dann den VistaScan Mini gekauft. Und mich so bewußt gegen den VistaScan Plus entschieden, obwohl ich den Eindruck hatte, dass dieser eine etwas bessere Bildqualität aufweist. Das war zumindest meine Empfindung, unmittelbar nachdem ich auf den VistaScan Mini gewechselt hatte.

„Kann nicht sein, sagte der Dürr- Aussendienstmitarbeiter, der mich beratend betreute. Eine eigene laienhafte, jedoch von Dürr dementierte Erklärung hätte ich trotzdem. Beim VistaScan Plus werden die Speicherfolien durch einen „Folienschlitten“ in das Gerät eingeführt. Eine absolut parallele Einführung ist so  gewährleistet. Beim VistaScan Mini führt man die Speicherfolie von Hand zu. Dies wird nur in den seltensten Fällen absolut gerade erfolgen, was man in der Regel an einem leicht treppenartigen Versatz der Bildkanten erkennen kann. Zwar korrigiert die Software diese Fehlstellung in Sekundenbruchteilen automatisch, aber vielleicht gehen im Rahmen dieses Rekonturierungsprozesses ja doch ein paar Feinheiten verloren.

Kaufentscheidend wirkte letztendlich, dass der VistaScan sich auf Grund seiner Größe nicht optimal in unser Behandlungszimmer integrieren ließ.
Zwar wäre er im Röntgenraum oder in unserem Sterilsationsbereich, der meine beiden Behandlungszimmer verbindet, problemlos zu stellen gewesen. Ich hatte jedoch die Vorstellung,  die Speicherfolien so schnell wie möglich entwickeln zu wollen und suchte daher eine Bereitstellung unmittelbar am Behandlungsstuhl.

Das die Bildverarbeitung durch effizienteres Handling mit dem Mini auch noch wesentlich schneller und einfacher geht als mit dem großen Gerät nahm ich gerne billigend in Kauf.

Und die OPG´s ?
Wollte ich zunächst weiterhin analog entwickeln. Ein digitales OPG kam für mich nicht in Frage, die Fallzahlen in unserer auf Endodontie spezialisierten Praxis in den letzten Jahren gingen gegen Null und auch die Investition in die Dürr OPG – Speicherfolien- VistaScan Plus – Variante machte wirtschaftlich keinen Sinn, zudem die Folie gegenüber der rein digitalen Variante deutliche Abstriche in der Bildqualität erkennen liess und auch die Entwicklungszeit gegenüber der Sensor- Variante deutlich höher anzusiedeln ist.

Der Perio Plus war im Übrigen sofort aus dem Rennen. Er kann prinzipiell nicht mehr als der Mini, nämlich auch nur Zahnfilme einlesen, ist aber deutlich teurer. Ob dieser Sofortausschluß  so eine gute Idee gewesen war,  würde sich allerdings erst einige Zeit nach dem Kauf zeigen.

Noch war alles rosig.
Und dann gab sich sogar eine Gelegenheit, den Kodak – Sensor und die  Dürr – Speicherfolien am gleichen Objekt unmittelbar in Folge zu testen. Das Ergebnis fiel unterwartet positiv für die Speicherfolie aus, das Sensorbild zeigte sich (insbesondere vor Anwendung der Softwarealgorithmen zur Bildbearbeitung) eher flau und verwaschen.

War es also die richtige Entscheidung gewesen ? Die Antwort darauf  und   wie es mir in den letzten 2 Jahren ergangen ist mit dem VistaScan Mini finden sie nächste Woche hier bei WURZELSPITZE.

WAMkey – Kronenentferner – wieder erhältlich

von Hans – Willi Herrmann

Die WAMkeys nutze ich seit vielen Jahren.
Genau genommen seit dem Zeitpunkt, als sie in Deutschland von Dentsply/Maillefer auf den Markt gebracht wurden.

In dieser Zeit haben sie sich einen Stammplatz in unserer Praxis erobert.  Sie kommen zwar nicht in jedem Fall, aber doch häufiger zum Einsatz.
Und stehen damit in der Startaufstellung der Praxisinstrumente, wenn es darum geht, Kronen oder Brücken zu entfernen.
Unser  vielfach teureres  Kavo Coronaflex fristet hingegen ein vergleichsweise selten genutztes Exotendasein, was nicht nur, aber vor allem auch damit zusammenhängt, dass man mit den WAMkeys eigentlich wenig falsch machen kann. Sie nutzen das Newtonsche Grundgesetz actio = reactio und solange die Kronendecke eine gewisse Mindeststärke nicht unterschreitet und der Zahn keine massive Sekundärkaries aufweist, genügt es, mit einem Hartmetallfinierer seitlich ein kleines Loch durch die Krone zu bohren, das entsprechend passende WAMkey- Instrument (man beginnt sinnigerweise meist mit dem kleinsten) durch die Öffnung hindurch waagrecht  in den soeben produzierten Spalt zwischen Kronendeckel und Zahnstumpf einzuführen und das Instrument leicht zu rotieren. Fast immer genügt ein erstaunlich leichter Krafteinsatz, um die Krone zu lösen.

Sie merken schon, ich mag die WAMkey- Instrumente. Um so verwunderter war ich daher, als ich kürzlich erfuhr, dass Dentsply / Maillefer diese Instrumente aus dem Programm genommen haben soll.

Wegen zu geringer Nachfrage ? Könnte sein.  Allerdings unter dem für uns positiven Aspekt, dass die Instrumente problemlos über lange Zeit ihren Dienst tun, ohne, das ist der springende Punkt, ohne kaputt zu gehen. Auch ich arbeite noch mit dem ersten Set und vermute, dass ich dies noch lange so tun werde, denn von den 3 Instrumenten in unterschiedlichen Größen, erscheint mir höchstens das kleinste so zierlich konzipiert, dass es irgendwann einmal ermüdungsbruchbedingt seinen Geist aufgeben könnte.

Und wenn es dann so wäre – hier kommt die gute Nachricht – gäbe es  die Möglichkeit, die WAMkeys bei Hanchadent zu ordern, denn diese haben die Instrumente in ihr Sortiment aufgenommen. Der Nachschub ist also gesichert und wer diese Instrumente noch nicht kennt, dem sei empfohlen, sich vom unspektakulären Äußeren nicht abschrecken zu lassen. Die oftmals im Gesicht des Erstbetrachters sichtbare Frage: „Kann das funktionieren?“, kann ich also nur mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten.

Versuchen Sie es.

Noch eine kurze Anmerkung, Metallkeramikkronen betreffend. Hier wurde zumindest in der Vergangenheit von Herstellerseite angegeben, dass es möglich sei, auch solche Kronen (von der Trepanationsöffnung abgesehen) zerstörungsfrei zu entfernen. Das ist mir bislang in keinem einzigen Fall gelungen. Reine Metallkronen sind, eine adäquate Randpassung vorausgesetzt, aber in der Tat problemlos zumindest temporär wiederverwendbar.

Was Zeiss von Porsche lernen kann

von Hans – Willi Herrmann

Sie haben es vielleicht gelesen vorletzte Woche, ich war auf einem HNO – Kongress in Mainz, um mir ein neues Mikroskop anzuschauen.

Der Kongress ging von Donnerstag bis Samstag.
Ich war am ersten Tag da, bereits um 10 Uhr morgens.

Noch war alles ruhig, die HNO – Mediziner zumeist in den Vorträgen, demnach war die Industrieausstellung angenehm leer.
Von langen Schlangen und Gedränge keine Spur.

Ich war schnell fertig bei Atmos und gerade auf dem Weg zu Morita, als mir  am nicht zu übersehenden und von der Aufmachung her sehr gelungenen ZEISS -Stand das ZEISS HNO Top – Modell Vario 700 ins Auge fiel.

Das nur als Vorabinformation, um das Nachfolgende einordnen zu können.
Eine Ausrede, man sei am Ende eines langen Messe- Marathons, wie es an einem Samstag nachmittag auf der IDS nachvollziehbar wäre, kann ich in diesem Falle nicht gelten lassen.

Ich trat also näher an das ZEISS Vario 700 heran, betrachtete und inspizierte es genauer. Ein ZEISS- Mitarbeiter kam herbei und  erkundigte sich, ob ich Interesse hätte an einem solchen Mikroskop.

Ich nickte zustimmend, gab aber zugleich an, dass ich kein HNO-ler, sondern Zahnmediziner sei und bereits 2  ZEISS- Mikroskope besäße.
Im Laufe des Gesprächs kam dann noch zur Sprache, dass ich ein Pro Ergo und ein  Pro Magis besitze und seit 1997 mit dem Mikroskop arbeite.

Wir fachsimpelten ein wenig über die Vor- und Nachteile des aufgebauten Gerätes, sprachen danach über die Möglichkeit der Vakuumabsaugung des Steril- Drapes beim ZEISS Pentero und ich  fragte  nach dem ZEISS Movena und wie denn ein solches Mikroskop im Vergleich zum Vario 700 preislich liege.

Ich hatte das ZEISS Movena -Mikroskop zum ersten Mal etwa 2 – 3 Wochen zuvor bei Jadent / Aalen gesehen und vom ersten Eindruck her  für mich als eine günstigere Alternative zum Pro Ergo eingestuft. Jedenfalls wesentlich eher als ein ZEISS Pico, dass normalerweise als Einstieg angepriesen wird, und welches für mich nie als Alternative zum Pro Magis / Pro Ergo in Frage gekommen war.

„Was kostet denn das Movena ? „, fragte ich.

„Mehr als ein ZEISS Pico“, war die knappe Antwort.

Was für eine Antwort ??? Ich war verblüfft. Konnte es nicht glauben. Der Verkäufer hatte offensichtlich keinerlei Interesse, sich um mich als potentiellen Kunden zu bemühen. Er gab sich nicht einmal die Mühe, sein Desinteresse nicht auffällig werden zu lassen.

„Das war mir klar“, entgegnete ich, „ich hätte aber gerne gewußt, was ein  Movena genau koste.

„Das müsste ich extra in der Preisliste nachschauen“, antwortete der ZEISS – Mitarbeiter, bewegte sich dabei keinen Millimeter und die Art, wie er es sagte, stellte unmissverständlich klar, daß er dies auch auf keinen Fall tun wolle.

Vorurteile wollen offensichtlich gepflegt werden. Der Firma Zeiss haftete in der Vergangenheit der Ruf an, arrogant im Umgang mit ihren Kunden zu sein und sich wenig  um die Belange und Wünsche der Zahnärzte zu kümmern.
Seit ein paar Jahren stelle ich fest, dass im Management und im Bereich der Führungsebene versucht wird, diesen angeknacksten Ruf von ZEISS wieder zurechtzurücken. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar sagen, dass man genau dort überdurchschnittlich viel und voller Engagement tut, um ZEISS  den Status im Bereich Kundenbetreuung wiederzugeben, den die Firma in früheren Jahren und, meines Erachtens die Qualität ihrer Produkte betreffend, noch immer inne hat.

Wie schade, wenn solche Bemühungen an der Basis kontrakariert werden.
Meinen ursprünglichen Wunsch nach einer Probestellung des ZEISS Movena habe ich  nicht mehr vorgetragen.

Was kann nun ZEISS von Porsche lernen ?

Einer meiner Patienten, Herr Müller-Maier-Schmidt, Chef eines florierenden Sanitärinstallationsbetriebes, sah auf dem Weg zu einem Kunden  die nagelneue Audi A6 Limousine im Schaufenster des Audi – Händlers stehen, auf die länger schon gewartet hatte. Vermutlich sein nächstes Auto. So hatte er es fest vor.
Er ging hinein, um sich das Auto anzuschauen, wurde aber auf Grund seiner Dienstkleidung, bei uns sagt man „Schaffklamotten“ dazu, vom dem ihn beratenden Verkäufer mit arroganter Herablassung gestraft.

Man ließ sich kaum dazu herab, Auskünfte zu erteilen. Ähnlichkeiten mit besagtem ZEISS – Mitarbeiter sind vermutlich rein zufällig, aber nicht von der Hand zu weisen.

Herr MMS, der alle seine Firmenwagen und seine Privatautos bisher in diesem Autohaus der VW – Gruppe  gekauft hatte,  verliess das Autohaus mit der festen Absicht, dort in Zukunft  nicht mehr zu kaufen.

Wie es der Zufall so wollte, war Herr MMS ein paar Tage später beruflich bedingt in Wiesbaden. Und kam in der Mittagspause nach Besuch eines Schnellrestaurants am in der Nähe gelegenen Porsche- Autohaus vorbei.
Er ging, weil sich ihm eine solche Gelegenheit nicht jeden Tag  bot, hinein, um die Autos in Augenschein zu nehmen,  war sich aber angesichts seines „Blaumann“ – Anzuges innerlich sicher, dort ebenfalls mit Mißachtung gestraft zu werden.

Das Gegenteil war der Fall.
Er wurde ungeachtet seines „nicht standesgemäßen“ Äußeren sehr höflich und zuvorkommend betreut und es wurde ihm sogar eine Probefahrt angeboten. Das lehnte Herr MMS aus Zeitgründen ab, kam aber an einem der nächsten Wochenende zum Testen wieder und – kaufte.

2 Zitate des Tages

Am Wochenende sind mir 2 interessante Zitate, Medizin bzw. Zahnmedizin betreffend, in die Hände gefallen.

Das erste ist aus der  Biographie von  Peter Janetta.
Janetta hat das Operationsmikroskop in die Neurochirurgie eingeführt und es erging ihm am Anfang nicht anderes wie vielen anderen Vordenkern, seine Idee wurde zunächst mit Häme und Ignoranz bedacht.

Mark Shelton, Biograph und Autor von „Working in a very small place“, schreibt:

„It is one thing for a surgeon to device something new and try it himself; it may be successful, he may be eminently satisfied with the results, he may do it again and again and again. But it is another thing to get others to do it, too. Without that, a generation may pass before someone happens upon the same idea and try his hand at having it catch on. One person cannot change medicine until he changes the minds of enough of his peers for word to begin to get around.
Only then is the revolution safe.“

Das zweite Zitat ist noch wesentlich älter. Es stammt aus dem 1932 erschienenen Lehrbuch „Der Goldguß“ von Max Rosenzweig.
Dort heißt es, einleitend:

In allen unseren Spezialdisziplinen hat fast jeder Zahnarzt eine andere, seine Methode. Noch schlimmer, noch nachteiliger für die Zahnheilkunde aber ist es, daß jede offizielle Lehrstätte in Europa ihre Methode lehrt, obwohl schon vielfach auf den ersten Blick nicht alle Methoden gleichwertig, viele sicherlich unzulänglich sind. Ich bin kein unbedingter kritikloser Nachbeter der Amerikaner, aber um Institutionen, wie die Dental-Association, das Buerau of Standards etc. müssen wir die Amerikaner beneiden, wenn die zahllosen, bei fast allen unseren konservativen und technischen Arbeiten geübten Methoden von einer objektiven, wissenschaftlich und fachlich autorisierten Stelle aus überprüft und per exclusionem die besten festgestellt und standardisiert würden. So machen es die oben erwähnten amerikanischen Prüfstellen. Wie segensreich wäre eine solche Institution, um nur eine Beispiel herauszugreifen, beim Wurzelkanalbehandlungsproblem gewesen, wieviel Mißerfolge hätten wir uns und unseren Patieten ersparen, wieviel Zähne erhalten können. Es gab schlechtweg fast soviele Methoden der Wurzelkanalbehandlung als es Zahnärzte gab. Kaum in einer anderen Disziplin unseres Faches wird soviel Ballast mitgeschleppt, werden soviele wertlose, den Erfolg ausschließende Methoden geübt, als gerade bei der Wurzelkanalbehandlung.

Atmos Iview 31 – Frische Luft in der Dentalmikroskopie

von Hans – Willi Herrmann

Vergangene Woche fand in Mainz die 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für HNO statt. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, vorbeizuschauen, wenn nicht der Mainzer Kollege Jürgen Wettlauffer dankenswerterweise mich darauf aufmerksam gemacht hätte, dass dort die Firma ATMOS als Neu- und Eigenentwicklung ihre ATMOS- Iview- Mikroskope vorstellt.

ATMOS MedizinTechnik, ein familiengeführtes Mittelstandsunternehmen mit 260 Mitarbeitern und Firmenzentrale im Schwarzwald,  bezeichnet sich selbst als führendes Unternehmen der Medizintechnikbranche und Global Player mit hunderttausenden ausgelieferter Atemgeräte und HNO – Arbeitsplätzen in Praxen und Kliniken in 70 Ländern der Welt.

Ich schreibe dies, weil ich davon ausgehe, dass den hier mitlesenden Zahnärzten diese Fakten genauso unbekannt sind wie mir.

Das trifft auf  Carsten  Jung, den Entwickler des Atmos- Mikroskopes, sicherlich nicht zu. Dieser war langjährig als  Kaps – Produktentwickler tätig und hat sich danach mit eigener Firma (CJ Consultation, Wetzlar) und Neuentwicklungen wie dem „Hanchadent“- Adapter (der, Ehre, wem Ehre gebührt, eigentlich „Jung“- Adapter heißen sollte)  oder nachrüstbaren LED -Beleuchtungs – Kits für Zeiss Mikroskope Anerkennung verschafft.

Und jetzt, als nächster, bedeutender Schritt nun also ein komplett selbst entwickeltes HNO- Operationsmikroskop, dass demnächst in modifizierter Form auch als Dentalmikroskop erscheinen wird.
Angesiedelt im mittlerweile stark frequentierten Mittelklasse – Segment, der „VW Golf “ – Klasse. Mit dem Anspruch, es in vielen Details besser machen zu wollen als  der Marktführer mit seinem ZEISS Pico, das sicherlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt als Referenz in dieser Preisklasse gelten kann.

Wie war mein erster Eindruck ?
Nicht schlecht.
Ich, weiss, sie hätten jetzt  mehr Euphorie erwartet.  Erhofft.

Aber meine Zurückhaltung ist zunächst einmal der Tatsache geschuldet, dass das vorhandene Mikroskop eben ein HNO -Mikroskop ist. Und dessen Inbetriebnahme und Nutzung sich, wie nicht nur ich, sondern auch andere zahnmedizinischen Kollegen an diesem Tag feststellen konnten,  deutlich von der eines Dentalmikroskopes unterscheidet. „Was zählt, ist auf dem Platz“.  Ein erstes fundiertes Urteil kann also gegenwärtig noch nicht erfolgen.

3 Details halte ich jedoch in der Tat für vielversprechend. Die breite Stereobasis könnte Plastizität und Raumwirkung erhöhen. Der Bildeindruck ist im Übrigen auf den ersten Blick näher an LEICA als an Zeiss (Fotografie- Enthusiasten wissen, was gemeint ist, zeichnen sich doch Zeiss- und Leica- Fotoobjektive durch eine ihnen jeweils eigene, im Bildeindruck unterscheidbare Charakteristik aus), was wohl weniger direkten Nähe zum Wetzlarer Foto – Giganten als vielmehr der Nutzung gemeinsamer personeller wie auch von Material- Resourcen geschuldet ist.
Und in naher Zukunft soll eine Lichtquelle lieferbar sein, die auf LED- Basis dem gegenwärtigen Xenon – Standard nicht nur standhalten, vielmehr ihn sogar noch übertreffen soll.

Wird das Atmos Iview diesen Ansprüchen gerecht werden können ? Das wird erst ein ausführlicher Praxistest zeigen können.  Sofern sich hierzu Gelegenheit bieten wird, werde ich darüber berichten.

Aus dem Stand heraus kann man jedoch ohne Zweifel die Neuentwicklung als erfreulich und bemerkenswert einstufen, sie ist – sofern das Seriengerät die qualitativen und preislichen Versprechungen der Vorserie halten kann – eine Bereicherung für den Dentalmikroskopiemarkt.
Und das in vielerlei Hinsicht. Insbesondere die Grundeinstellung und der Anspruch des Entwicklers unterscheidet sich sehr angenehm vom längst nicht mehr zeitgemässen, aber offensichtlich zumindest als konkretes Negativbeispiel auf dem Mainzer HNO – Kongress präsenten Standesdünkel des  Mikroskop – Establishments. Hierzu mehr nächste Woche an dieser Stelle.

Was fehlt ?

Gegenwärtig eine Möglichkeit, einen Mitbeobachtertubus andocken zu können.
Das mag für die Mehrzahl der Kollegen unbedeutend sein, für unsere Praxis stellt dies leider ein K.O. – Kriterium dar. Es gibt nur einen Dokumentationsausgang, der ist für die Kombi „Jung- Adapter“ und NEX 3/5/7 belegt und zudem auf der rechten Seite, also für Rechtshänder im Zusammenhang mit dem Mitbeobachtertubus nicht nutzbar.

Achja, und Magnetbremsen wären schön.
Sind vorgesehen, sagt Herr Jung.

Die offizielle Markteinführung soll im Übrigen zum 3. Kongress der ESMD, am 04. – 06. Oktober 2012 in Berlin erfolgen.

Wir sind gespannt.

Donald Becker und Freunde

von Hans – Willi Herrmann

Immer mal wieder wird gefragt, wer denn die WURZELSPITZE- Autoren Donald Becker oder Roland Wecker seien. Zuletzt erzählte mir ein Kollege, er habe, um der Frage auf den Grund zu gehen, nach entsprechenden Zahnärzten gegoggelt, aber Niemanden gleichen Namens gefunden.

In der Tat sind Donald Becker und seine Freunde mit den teilweise merkwürdig klingenden Namen wie Ostiwald Wucker oder Rahald Birdele Pseudonyme. Sie werden immer dann eingesetzt, wenn bei WURZELSPITZE ein klinischer Fall mit Vorher/Nachher- Ergebnissen gezeigt wird, um von vorneherein auch nur dem Risiko einer Abmahnung wegen unzulässiger Werbung aus dem Weg zu gehen.

Und der  Name Donald Becker, der als erstes Pseudonym weitere Variationen vorgab, ist eine Hommage an die kreativen Köpfe der Gruppe „Steely Dan“ – Donald Fagen und Walter Becker.

Video Maschinelle Arbeitsbewegungen bei vollrotierenden Nickel – Titan – Instrumenten

von Hans – Willi Herrmann

Die „Echternacher Springprozession“ ist nach bald 15 Jahren schon so etwas wie Allgemeingut geworden, aber ich bin am Wochenende gefragt worden, ob es eine Möglichkeit gäbe, das  im Rahmen des Curriculums der DGET gezeigte Video zum Thema sich noch einmal in Ruhe anschauen zu können und dieser Bitte komme ich gerne nach.

Im Nachfolgenden also ein Video zu maschinellen Bewegungen bei vollrotierenden Nickel- Titan – Instrumenten. Es zeigt pickende und bürstende Bewegungen ebenso wie besagte „Echternacher Springprozession“ und im Vergleich zur Original MTwo- Arbeitsbewegung des „simultanous shaping“ meine Alternative für Fortgeschrittene, den „Echternacher Pinselstrich“.

Zeiss- Dentalmikroskop „Manuelles Pro Ergo“

von Hans – Willi Herrmann

Schon bemerkenswert, welche Entwicklung der Markt und das Angebot an Dentalmikroskopen in den letzten 20 Jahren genommen hat. Als ich 1997 anfing, mit dem Mikroskop zu arbeiten, gab es Modelle um die 40.000 DM, mit denen man beim besten Willen nicht wirklich suffizient arbeiten konnte und es gab das Zeiss Pro Magis. Ergonomisch eine Klasse für sich, allerdings auch, was den Preis anging,  alles in allem habe ich rund 75.000 DM hingelegt, bis es in seiner endgültigen Form in der Praxis stand.

Heute hingegen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote in allen möglichen Preisklassen. Das Pro Ergo steht nach wie vor an der Spitze der „bezahlbaren“ High End – Mikroskope (es gibt bei Zeiss in der Produktpalette noch einige Angebote zum Beispiel aus der Neurochirurgie, die preislich sogar deutlich höher angesiedelt  sind).

Warum also kein kostengünstigeres Mikroskop kaufen für das zweite Behandlungszimmer ?
Weil die Diskrepanz an Leistung mir den geringeren Preis nicht wert war. Soll konkret heißen, die billigeren Mikroskope, und da zählte ich immer auch das Zeiss Pico hinzu, konnten mir zu wenig, dass ich den Preisvorteil für mich in Anspruch genommen hätte.

So wurde das zweite Mikroskop ein Zeiss Pro Ergo. Das steht bei Vollausstattung dann mit über  60.000 Euro in den Büchern.

Vorletzte Woche habe ich bei Jadent dann zum ersten Mal ein Dentalmikroskop gesehen, dass ich für mich als interessante Alternative zum Pro Ergo sehen könnte.
Es hört auf den wenig griffigen Namen „Manuelles Pro Ergo“ und ist dahingehend gegenüber dem Zeiss Pro Ergo in der Ausstattung reduziert, dass ich mit den Abstrichen(Verzicht auf Motorzoom und Motorfokusierung, Festbrennweiten statt Zoomobjektiv, keine Magnetbremsen, besitzt aber den vom Pro Ergo bekannten riesigen variablen Arbeitsbereich von 20 – 41 cm), denke ich, leben könnte, bei dementsprechendem geringeren Kaufpreis.

Würde ich heute eine Praxis neu einrichten, ich würde ernsthaft in Erwägung ziehen, mit einem „manuellen Pro Ergo“ anzufangen, um dann später ein zweites hinzuzunehmen.

Noch mehr freuen würde ich mich, wenn Zeiss mir das oben genannte Gerät mit Magnetbremsen liefern würde, aber dies wird vermutlich auf ewig ein Traum bleiben.

Wenn ich auch nur mit dem Gedanken spielen würde, ein Dentalmikroskop zu kaufen…

von Hans – Willi Herrmann

… dann würde ich auf jeden Fall vorab zur Entscheidungsfindung nach Aalen fahren zu Jadent.

Denn dort sind, Seite an Seite, eine so große Auswahl an unterschiedlichen Dentalmikroskopen verschiedener Hersteller und Preisklassen aufgebaut, wie ich es bislang noch nie bei einem Händler gesehen habe.

Die Palette reicht vom untersten Preissegment mit China – Mikroskop bis hin zum Zeiss Pro  Ergo. Vertreten sind Produkte der Firmen Alltion, Global, Kaps, Leica, Zeiss.
Alle betriebsbereit, so dass in ruhiger Atmosphäre und bei fachkompetenter Beratung eine Auswahl getroffen werden kann.
Und – ein Händler, der (mir fällt von den namhaften Herstellern spontan nur Möller und Wedel ein, die ich dort nicht vorgefunden habe) alles anbieten kann, hat zumindest keine Notwendigkeit, ein Produkt, dass er nicht im Angebot hat,“suboptimal zu promoten“. Denn der Kunde braucht sich ja nur aus den vielen vorhandenen Dentalmikroskopen das Mikroskop seiner Wahl auszusuchen.
Eine Win-Win- Situation.

Wurzelspitze ÜDay 3 TeamDay 4 Berlin

von Hans – Willi Herrmann

Eine Tradition entsteht, so wurde mir einmal gesagt, wenn etwas zum 3. Mal stattfindet.
Das war  beim 3. Südtiroler Endodontie – Oktober in Bozen. 2008.
Und ist es jetzt wieder.

Denn am vergangenen Wochenende fand der 3. Überweisertag der WURZELSPITZE – Praxen statt, zusammen mit dem jetzt schon 4. TeamDay für alle Praxisteams.
Perfekt organisiert. Vielen Dank (ich bin sicher, ich spreche hier im Namen aller) dem WURZELSPITZE-Team „Berlin“ der Zahnarztpraxis Dr. Jörg Schröder/Dr. Sebastian Riedel.

Warum ein ÜDay, warum ein TeamDay ?
Beide Events sind angelegt als praxisinterne Weiterbildungen und mit  Fachvorträgen für die Überweiser gedacht als ein Dankeschön für die harmonische Zusammenarbeit der vergangenen 12 Monate.

Jahr für Jahr wechselnd.
Dieses Jahr, nach München und Lepizig, in der, wie es Jörg Schröder spaßeshalber gerne immer mal wieder betont, in der Hauptstadt, in Berlin.

Der Freitag begann  im Zeichen der internen Praxisweiterbildung  mit halbtägigen Vorträgen von Dr. Doreen Schubert  und Dr. Sebastian Riedel zu parodontalen und endodontischen Themen. Und – eine Neuerung beim ÜDay – mit einem Arbeitsseminar von Frau Jennifer Schnell „Reklamations und Konfliktmanagement“ zum Thema Interaktion Patient- Praxismitarbeiter.

Am Abend dann das traditionelle Get Together, mit reichlich Gelegenheit zum  Wiedersehen, Anekdotenaustausch oder auch „Erstmaligtreffen“. Das unter den Neuhinzugekommen auch Leute dabei waren, die ich schon lange virtuell kannte, aber noch nie zuvor persönlich getroffen hatte, hat mich besonders gefreut.

Der Samstag dann mit folgendem Vortragsprogramm:

Prof. Dr. Oliver Stoll
Mehr Leistung in der Praxis durch emotionale Intelligenz – Möglichkeiten und Grenzen von funktionaler Kommunikation

Christoph Kaaden
Regenerative“ Massnahmen in der der Endodontie

Christian Danzl, Jörg Schröder
Das DVT in der endodontischen Praxis – Nutzen und Grenzen

Hans – Willi Herrmann
Fotografie am Dentalmikroskop – Versuch einer Demystifizierung

Mit Oliver Stoll, Professor für Sportpsychologie und Sportpädagogik an der Martin Luther  Uni Halle-Wittenberg eröffnete ein weiterer externer Referent, ein weiteres Novum, diesen Vortragstag. Und er referierte zudem über ein nicht zahnmedizinisches Thema.

Ein Wagnis ? Möglicherweise aber auch eine Chance, neue Denkweisen in einen idealerweise reibungslos funktionierenden, aber dadurch vielleicht auch eingefahrenen Arbeitsablauf des Zahnarztpraxisalltags zu bringen. Und gewollte Parallelen zum Seminar von Frau Schnell gaben den Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, am Vortag aufgezeigte Thematiken zu vertiefen oder differenziert zu beleuchten.

Wir war´s, rückblickend ?
Für ein defintives Fazit ist es im Moment noch zu früh. Zum einen sind alle nach diesem Wochenende „geschlaucht“, denn das Event war ein richtige hartes Arbeitswochenende und so blieb den einen lediglich 2 Stunden zum Besuch der Gerhard Richter-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, den anderen das Musical „Tanz der Vampire“ als musikalischen Ausgleich.
Ausserdem wird sich, wie immer, erst im Laufe der Zeit zeigen, inwieweit die Anregungen der Vorträge ihren Einzug in das Repertoire der Zahnarztpraxen halten werden.

Aber ich bin zuversichtlich, denn wir haben heute schon erfolgreich die ersten Änderungen angegangen.

Eines hatten bislang alle ÜDays gemeinsam und da bildete Berlin keine Ausnahme: Sie waren allesamt sehr, sehr harmonisch.

Und deshalb freuen wir uns schon jetzt auf den nächsten ÜDay.
Er findet statt am 26. und 27.04.2013 in Salzburg.

Billytoys

von Hans – Willi Herrmann

William „Bill“ Wiemann ist US – Amerikaner, lebt seit vielen Jahren schon in Deutschland und postet regelmäßig auf der Zahnmed- Liste von Michael Logies, auf die ich  einmal mehr an dieser Stelle aufmerksam machen möchte.

Bill ist, ich sag´s mal so, ein Original.
Und seine eigenwilligen Statements zum Weltgeschehen hatten mich bislang eher davon abgehalten, sich mit seinem „Business“ zu beschäftigen, denn,  wenn Billl nicht gerade mailt, ist  er Betreiber der Firma „BILLYTOYS„. Welche kleine Gastgeschenke vertreibt, die in Zahnarztpraxen an die jungen Patienten verteilt werden.

Letztendlich habe ich (steter Tropfen höhlt den Stein, Herr Wiemann und vielleicht sind ihre kryptischen Mails ja doch ein ganz raffiniertes Werbekonzept) es dann doch gewagt und ein Spielzeugpaket (200 Stück, ca. 83 Euro) bestellt.

Meine erste Bilanz ?
Die Auswahl an unterschiedlichen Spielzeugen (jedes für sich allein hygienisch verpackt) ist sehr hoch, die Qualität für diese Art von Artikeln weit überdurchschnittlich und Billytoys sollte nicht nur Zahnärzten, sondern auch Losbudenbesitzern auf Rummelplätzen und Jahrmärkten für Trostpreise ans Herz gelegt werden.

Fotografisches Fundstück: Praxisschilder in Venedig.


von Hans – Willi Herrmann

Der Zahn der Zeit nagt an der Stadt in der Lagune und die Zahnmedizin bleibt nicht verschont davon.

Zumindest bei ersterem Beispiel kann man nicht von einladendem Entree sprechen. Und es scheint eine Frage der Zeit, wann das DVT seinen Einzug auf dem Praxisschild halten wird, wenn das OPG schon seinen in Messing gemeiselten Platz gefunden hat.

Aber vielleicht ist auch hier der Behandler wichtiger  als ein erster Eindruck. Erstklassige Zahnmedizin ist unabhängig von  vordergründig beeindruckenden Fassaden.

Neue LED – Beleuchtung für Zeiss Pico

von Hans – Willi Herrmann

Seit einiger Zeit gibt es eine nachrüstfähige LED – Beleuchtung für das ZEISS Pico – Dentalmikroskop. WURZELSPITZE- Gastautor Andreas Habash hat hier und  hier darüber berichtet.

Ich hatte am Wochenende im Rahmen eines Arbeitskurses in Dresden die Gelegenheit, mit einem Zeiss Pico + LED- Licht aktueller Generation zu arbeiten. Es ist schon bemerkenswert, wie viel besser sprich leuchtstärker die LED´s für die Mikroskope geworden sind in den letzten Jahren. Und LEDs haben gegenüber Halogen und Xenon schon eine Reihe von Vorteilen (Geräuschentwicklung, Lichtfarbe, Preis, Alterungsbeständigkeit der Lichtleistung, Haltbarkeit).
Allerdings – in der hohen Vergrößerung war es dann aber ziemlich dunkel in der Kavität. Von den Tiefen des Wurzelkanals einmal ganz abgesehen.

Da trifft es sich gut, dass eine neue,  lichtstärkere Generation an LED- Einschüben für das ZEISS Pico in den Startlöchern steht.

Erste Bilder (man beachte die Seriennummer) habe ich nachfolgend angeführt.

Weitere Informationen zu Preis und Liefertermin gibt es bei Hanchadent.

Von Mücken und Elefanten

von Hans – Willi Herrmann

Wie immer, wenn es neue Entwicklungen in der Endodontie, wie auch generell in der Zahnmedizin gibt, finden sich kritische Stimmen.
So wie diese hier zum DVT.
Der Kollege Rüdiger Osswald schreibt (als Kommentar zu diesem Beitrag von Ronald Wecker)

„Sehr geehrter Herr Wecker,
Sie zeigen gelegentlich wirklich sehr interessante Fälle. Aber bei allem Respekt, in Ihren Berichten entwickeln Sie die Tendenz, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen: Von “dem ganzen Ausmaß der knöchernen Destruktion” kann hier doch wirklich keine Rede sein. Hier ist gar kein Knochen zerstört. Es handelt sich vielmehr um eine einfache Aufhellung, will heißen, der Knochen ist teilweise entzündlich demineralisiert, die Knochenstruktur jedoch in allen Bereichen noch sehr gut erkennbar. Das DVT übertreibt wie üblich. “

Tatsächlich ist es genau umgekehrt.
Das konventionelle Röntgenbild (gleich ob Zahnfilm oder OPG) untertreibt.

Es macht also gewissermaßen, um beim Zitat zu bleiben, aus einem Elefanten eine Mücke. Wir wissen das seit 1961, seit den legendären Artikeln von Bender und Seltzer (Roentgenographic and direct observation of experimental lesions in bone).
Als Jene Unterkiefer großzügig von Songiosa befreiten, dieses Vorgehen im Röntgenbild jedoch unerkannt blieb, sofern man  die Kompaktaschicht des Knochens intakt liess.

Und jeder, der WSR´s durchführt, weiss, dass ein scheinbar kleiner Defekt im Röntgenbild in Wirklichkeit als ein großer raumfüllender Prozess sich herausstellen kann.
Oder wir entdecken nach Extraktion eines Zahnes ein „Granulom“, an der Wurzelspitze hängend, dessen Existenz oder wahre Größe im 2D- Röntgenbild nicht auszumachen war.

Wer also ist näher an der Wahrheit ?
Das DVT oder der Zahnfilm ?

Das DVT.  Und – es wird sich durchsetzen.

Weil es etwas kann, was wir auf konventionellem Wege nicht adäquat erreichen können. Weil es einen Mehrwert bietet, uns nämlich in die Lage versetzt, in den Kiefer hineinzuschauen.

Auch das Dentalmikroskop konnte sich etablieren.
Es hat  15 Jahre gedauert, aber es ist geschehen.
Ein bemerkenswerter Erfolg, wenn man bedenkt, welche Investitionssummen hier im Raum stehen. Und dass man per se mit dem Dentalmikroskop kein Geld verdienen kann und CEREC – Gerät und Dentallaser, obwohl früher gestartet und als zusätzliche lukrative Einnahmequelle von den Herstellern angedient,  es bis heute nicht geschafft haben, ihre Daseinsberechtigung nachdrücklich zu beweisen.

Meine Prognose ?
In 10 Jahren ist das DVT Röntgenstandard in der Zahnarztpraxis.
Es wird dann vermutlich keine Neueinrichtung endodontisch oder implantologisch Tätiger geben ohne DVT.

Für mich ist das DVT eine wichtigere Neuerung als digitale Zahnfilme oder das OPG per se.

Warum ?
Ob digital oder analoger Zahnfilm, die Unterschiede, die Diagnostik betreffend, mögen vorhanden sein, aber rechtfertigen sie allein schon den Umstieg ?

Und ein OPG mag eine einfache und schnelle Röntgenmöglichkeit des gesamten knöchernen Kauapparates ermöglichen, aber in der überwiegenden Zahl der  Fälle liefern Zahnstaten aus Einzelfilmen mindestens adäquate Befundungsmöglichkeiten. Geht nur nicht so schnell und komfortabel.

Das DVT hingegen gibt uns neue Einblicke.
Für die Implantologie, für die Endodontie.
Für Diagnose, Fallauswahl, Therapieplanung, Kontrolle.

Es wird unser Arbeiten in Zukunft ein stückweit neu ordnen, ihm seinen Stempel aufdrücken, es prägen, vielleicht sogar für eine Reihe von Dingen unentbehrlich werden.

Der Amerikaner beschreibt das als „game changer“, was sagen wir ?
Akzente setzen, die Spielregeln verändern ?

Ganz egal, wie wir es nennen, es bleibt spannend.
2022 wissen wir mehr.

Ungewöhnliches Röntgenbild

von Hans – Willi Herrmann

„Ungewöhnliches Röntgenbild“ – so tituliert ein Kollege seine Mail und führt weiter aus:

„Hallo Herr Dr. Herrmann,

seit langem verfolge ich den Wurzelspitze Blog, auch wenn ich eher von der oralchirurgischen „Konkurrenz“ bin.

Ob folgendes etwas für die Wurzelspitze ist weiß ich nicht, aber vielleicht können sie weiterhelfen:

Ich habe von einem Überweiser das Rö vom Anhang bekommen, laut seiner Aussage ist der Zahn klinisch unauffällig, vital, der Pat kann sich an keinen Eingriff o.ä. erinnern.

Eine Erklärung habe ich für die röntgenopake Struktur leider nicht in petto.

Könnte man das Bild evtl auf Wurzelspitze stellen und dort zum „Ideensammeln“ veröffentlichen?

Vielen Dank schon mal für ihre Antwort,

Grüße von der anderen Seite des Wurzelkanals ;-)“

Das tun wir doch gerne und auch ich bin gespannt, was an Rückmeldungen zum Bild kommen wird.

Interview Dentalzeitung – Vollständiger Text

von Hans – Willi Herrmann

In der „Dentalzeitung“ 1 2012 ist ein Beitrag über WURZELSPITZE erschienen.

Diesem lag ein Interview zugrunde, dass mit der Redakteurin Frau Christinn Bunn geführt wurde. Da der Artikel, hier als PDF downloadbar ( Interview_Herrmann), aus Platzgründen dieses in seiner Gesamtheit nicht wiedergeben kann, nachfolgend das vollständige Interview:

Herr Dr. Herrmann, im Jahr 2008 gründeten Sie das zahnmedizinische Blog „Wurzelspitze“. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Blog und wie kam es zustande? 

Ich bin seit 1998  zahnmedizinisch im Internet unterwegs, sei es in nationalen Email – Newsgroups wie zum Beispiel in der „Zahnmed“ – Liste des Wallenhorster Kollegen Michael Logies, oder in internationalen Foren wie „Dentaltown“ des US – Kollegen Howard Farran. 

2001 habe ich, nach dem Vorbild von ROOTS, einer Emailliste des kanadischen Endodontologen Ken Serota, mit ENDONEWS die erste deutschsprachige Internet – Newsgroup zum Thema „Endodontie“ ins Leben gerufen.

In all dieser Zeit habe ich, wie viele andere auch, Tausende von Mails geschrieben. Der Wissensgewinn durch diese Art des fachlichen Erfahrungsaustausches ist außerordentlich, setzt aber auch einen enormen Zeitaufwand voraus, sowohl für das Lesen wie auch noch viel mehr für das Verfassen der jeweiligen Beiträge.

Umso frustraner ist es daher, daß als systembedingter Nachteil dieser Art der Kommunikation  die gesendeten Mails der Nachwelt in der Regel nicht zur Verfügung stehen. Das hat zur Folge, daß bestimmte Themen als zahnmedizinische Dauerbrenner immer wieder als Fragen im Verteiler auftauchen. Diese Redundanz wirkt auf Dauer ermüdend, sowohl für die Schreiber, die es irgendwann leid werden, auf immer wiederkehrende Fragen erneut zu antworten, wie auch für den schon länger im Emailverteiler anwesenden Leser, den die häufigen Wiederholungen langweilen.

Als Gegenstück dazu gibt es Internet – Foren, in denen im Sinne eines digitalen Nachrichtenbretts Fragen gestellt und beantwortet werden. Einmal geschriebene Einträge sind hier dauerhaft nachlesbar, allerdings fehlt die direkte Kommunikation der  Teilnehmer untereinander. Während Email – Groups von ihren Mitgliedern zumeist kontinuierlich gelesen werden, sucht man Info- Foren in der Regel nur gezielt mit einer bestimmten Fragestellung auf und hält keinen direkten Kontakt zu den Redakteuren.  

Ein Blog, gewissermaßen die virtuelle Variante eines Tagebuchs oder in unserem Falle einer fachbezogenen Tageszeitung bewegt sich zwischen diesen beiden Extremen. Er liefert kontinuierliche, im Idealfall tägliche  Informationen, so daß der Leser regelmäßig die Blogseiten aufsucht, wie er ja auch in einer von ihm abonnierten Fachzeitung in jeder Ausgabe blättert. Darüber hinaus gestattet die Kommentar- Funktion die Kommunikation von Leser und Autor, die zudem automatisch niedergeschrieben und für die Nachwelt erhalten wird. 

So entsteht im Laufe der Zeit eine Wissenssammlung mit assoziierter FAQ- Sammlung, die sich im Idealfall permanent aktualisiert.

Ziel des WURZELSPITZE- Blogs, den ich zusammen mit den Kollegen Christian Danzl, Christoph Kaaden, Olaf Löffler und Jörg Schröder 2008 gründete und den wir gemeinsam  mit einer Reihe von Gastautoren betreiben, sollte es daher sein,  im Praxisalltag erworbenes zahnmedizinisches Wissen für alle wissbegierigen Kollegen niederzuschreiben und damit festzuhalten und weiterzutragen. 

Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Endodontie. Denn dies ist das Teilgebiet in der Zahnmedizin, auf dem wir uns seit vielen Jahren sehr engagiert bewegen und unsere Erfahrungen auch seit all dieser Zeit in Fortbildungen weitergeben. Das Internet ist demnach eine folgerichtige virtuelle Erweiterung unseres Tuns.

 

Hört sich danach an, dass Sie das Internet als solches schon immer als optimale Plattform für einen kollegialen Austausch betrachtet haben, lange Zeit jedoch das perfekte Medium fehlte, welches dann ab dem Jahr 2004 durch eine regelrechte Blogging-Welle aus den USA nach Deutschland kam ?

Stimmt, ich schätze das Internet sehr, weil es uns Zahnärzte, die wir systembedingt als Einzelkämpfer in unseren „Bohrhöhlen“ vor uns hin eigenbröteln, aus der anonymen Einsamkeit befreit,  mit gleichgesinnten Kollegen verknüpft und zwar weltweit. 

So hat sich vor 14 Jahren im Internet mit der bereits erwähnten ROOTS – newsgroup eine weltweite virtuelle „endodontic community“ etabliert, die zunächst Erfahrungen via Email austauschte und dann als folgerichtigen nächsten Schritt Kongresse ausrichtete, so dass es zur realen Begegnungen der Gruppenmitglieder kommen konnte.

So inspirierend diese Kommunikationsform auch war, im Laufe der Zeit zeigten sich aber auch Nachteile und Schwächen dieser Kommunikationsform. Die Zeit war reif für etwas Neues. Mit der von Ihnen erwähnten Blog- Welle hat das nichts zu tun. Wir haben WURZELSPITZE nie als Modeerscheinung konzipiert, vielmehr ist das Blog für uns nur ein äußerst praktisches Medium der zahnmedizinischen Informationsvermittlung, denn es ist sehr einfach und umfassend zu nutzen.

 

Wie ging es nach der Gründung des Blogs weiter – Wie lang hat der Aufbau eines festen Leserstammes gedauert und wie ist die Resonanz heute?

Alles braucht seine Zeit, dass ist im virtuellen Leben nicht anders als im realen.  Zu Beginn stiessen Leser  vermutlich nur durch Zufall via Suchmaschinen auf unseren Blog, denn WURZELSPITZE wurde bewußt nie aktiv beworben. Ich bin der Meinung (das trifft für ein virtuelles Printprodukt, wie  WURZELSPITZE im gleichen Maße zu wie für eine Dienstleistung, wie sie eine Zahnarztpraxis darstellt) dass sich Qualität durchsetzt oder das entsprechende Produkt vom Markt verschwinden sollte und dies auch irgendwann tut. Werbung hätte nur einen kurzfristigen, nicht einen dauerhaften nachhaltigen Erfolg, den wir als ideellen Lohn unserer Arbeit anstreben.

 

Sind Sie zufrieden mir den Visits und Page Impression?

Wir sind mit knapp 1500 Besuchen im ersten Monat gestartet und landen nun regelmäßig bei über 25.0000 – 30.0000 Besuchen pro Monat, mit  knapp 40.000 Besuchen pro Monat als bisherigem Maximum.  Das sichert uns fast täglich einen Platz in den Top 100 der deutschsprachigen WordPress-Blogs. Wenn man es  sogar unter die Top 20 dort schafft, wie es uns 2011 mehrere Male gelungen ist, dann ist das schon außerordentlich. Schließlich handelt es sich bei WURZELSPITZE um einen Nischenblog mit extrem kleiner Zielgruppe, der kein Interesse auf breiter Ebene wecken kann. Und was unsere Zugriffszahlen angeht, brauchen wir selbst den Vergleich zu etablierten Webangeboten aus dem professionellen Dentalpresse- Bereich nicht zu scheuen, was umso bemerkenswerter ist, weil wir die Arbeit für das Blog  nicht hauptberuflich betreiben, sondern lediglich zusätzlich zu unserer Praxistätigkeit am Ende des Arbeitstages und am Wochenende.

 

Sie erwähnen den enormen Zeitaufwand, den ein Social Media Projekt nach sich zieht. Jeden Tag neuen Content für die Leser schaffen – das ist sicherlich  anstrengend neben Ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Zahnarzt? Woher nehmen Sie Ihre Motivation?

Darüber sollte man besser nicht sinnieren, denn sonst kommt man schnell ins Grübeln, inwieweit und ob überhaupt der notwendige Zeitaufwand und der Nutzen in einer noch akzeptablen Relation stehen. 

Dem ist nicht so, um die Antwort gleich vorwegzunehmen, insofern können sie uns zu Recht Utopisten oder naive Träumer nennen. 

Aber – wir sind, auch nach vielen Jahren des Berufslebens weiterhin felsenfest davon überzeugt, dass kleine Dinge einen wertvollen qualitativen Unterschied machen können und – jetzt gehe ich von der Zahnmedizin weg und werde global, abstrakt – daß die Welt ein bisschen besser wird, wenn jeder von uns ein paar kleine Dinge nicht für sich, sondern für  Andere tut.

Ich hatte das Glück, in entscheidenden Phasen meiner Berufstätigkeit Kollegen zu treffen, die mich durch ihr Werken nachhaltig geprägt haben. Einer davon ist Gary Carr, ein berühmter US- Endodontologe, der unter anderem maßgeblich die Etablierung des Dentalmikroskopes in der Endodontie vorangetrieben hat. Er sagte mir: „Um ein erfülltes Berufsleben zu haben, musst Du  4 Dinge tun: 

1. Hochwertig arbeiten

2. Dich ständig weiterbilden

3. Klinische Forschung betreiben

4. Dein erworbenes Wissen weitergeben.“

Und genau das tun wir mit WURZELSPITZE.

 

Wir halten also fest, dass das Web 2.0  gegenwärtig ein wichtiges soziales Kontaktmedium ist. In der Ärzteschaft stößt Social Media oft noch auf Widerspruch. Wie stehen Sie zu der zunehmenden Dynamik der modernen Medienlandschaft?

Es wird sie vielleicht überraschen, aber im Bezug auf die Medizin sah ich in der Auflösung des Werbeverbotes von Beginn an jede Menge Problematiken und Nachteile, welche die wenigen Vorteile bei weitem überwiegen. Die Möglichkeiten  von Social Media und Web 2.0  expotenzieren in der Tat noch die Folgen. Den Ärzten muss klar sein und da genügte bereits vor 15 Jahren ein Blick über den großen Teich, dass Werbung zunächst und unmittelbar der Werbeindustrie dient. 

Werbung macht Sinn, sofern  Alleinstellungsmerkmale vorhanden sind, die herausgestellt werden können. Je weniger dies der Fall ist, umso ineffizienter werden die Werbemaßnahmen, von kurzzeitigen Aha- Effekten abgesehen. Und diese Situation sehe ich bei gefühlten 98% der Zahnarztpraxis – Homepages gegeben. So verkommt der Werbeinhalt  zur Ansammlung wohlklingender Worthülsen und Phrasendrescherei. Eine teure und nutzlose Geldverschwendung. 

Für jemanden, der wirklich was zu sagen hat,  wären in der Tat die neuen Medien eine interessante Möglichkeit, Patienten anzusprechen. Ich benutze bewußt den Konjunktiv, denn ich bezweifle,  dass es in solchen Fällen Werbemaßnahmen bedarf. Die beste „Werbung“ ist immer noch die Mundpropaganda zufriedener Patienten und solche Kollegen haben eher das Problem, keine Patienten mehr aufnehmen zu können.

 

Der aufgeklärte E-Patient wird von Ärzten als Gefahr wahrgenommen. Viele sind der Meinung, dass das Wissensmonopol der Mediziner durch die für Laien im Internet verfügbaren Informationen ins Wanken gerät. Ihr Blog ist auch für Patienten find- und lesbar. Fürchten Sie keine „Besserwisser“?

 Im Gegenteil. In Zeiten wie diesen, in denen die Zahnmedizin zunehmend zur überwiegenden Selbstzahlertherapie verkommt, ist ein aufgeklärter, wissender Patient eine Conditio sine qua non für eine zeitgemäße zahnmedizinische Therapie. Und das nicht nur aus forensischen Gründen, sondern auch, ganz pragmatisch, weil der Patient die Therapie, „seine“ Therapie bezahlen muss. 

WURZELSPITZE ist allerdings ein Blog, das sich nicht an den Patienten richtet, sondern an zahnmedizinische Kollegen. Würde ich einen patientenzentriertes Blog einrichten, so würde ich es völlig anders, nämlich an den Bedürfnissen des Patienten ausgerichtet, konzipieren. 

 

Wie geht es weiter mit „Wurzelspitze“, was kommt nach dem Web 2.0?

Ich glaube, daß nach dem großen Hype bei Facebook & Co des „Alle  leben Alles öffentlich“ eine Rückbesinnung auf ´s und ein Rückzug ins Private folgen wird. Das wird das Web 2.0 nicht überflüssig machen, aber ihm seine eigentliche Rolle zuweisen, es ist kein Selbstzweck, sondern lediglich ein (im Moment grotesk überschätztes) Kommunikationsmedium. Für WURZELSPITZE sehe ich als weitere Schritte zunächst die Zusammenführung virtueller und realer Welten. Unser Blog ist eine Sammelstelle engagierter Zahnmediziner, die unter konventionellen Bedingungen sich nie zusammengefunden hätten. Wenn wir Ihnen die Möglichkeit geben, sich persönlich zu treffen, sich auszutauschen, sich zielgerichtet fachlich hochwertig weiterzubilden, geht dies weit über den gegenwärtigen Benefit des bloßen Lesens am heimischen Computerbildschirm hinaus.

Abenteuer Spanien: Bilanz nach 2 Jahren

von Alexander Knobel


Die Zeit rennt.
Vor 1 1/2 Jahren wurde ich von Wurzelspitze gebeten, etwas über meine Erfahrungen aus dem europäischen Ausland zu berichten. Jetzt sind bereits zwei Jahre in der Ferne vergangen und es ist an der Zeit, erneut Bilanz zu ziehen.

Kurz gesagt: das Auf und Ab meines Körpergewichts spiegelt die Höhen und Tiefen der letzten zwei Jahre (+/- 10kg) extrem gut wieder. Während man sich in Deutschland über das kostspielige QM, die neue GOZ oder immer mehr Bürokratie ärgern darf, sorgt in Spanien eine brutale Finanzkrise für leere Wartezimmer. Angestellte Zahnärzte werden schonungslos entlassen und sind froh, wenn sie als „Helferin“ einen Job finden. Alternativ kann bei einer der Zahnarztketten wie z.B. Vitaldent, Unidental… für laue 5-8€/h angeheuert werden. Diese Ketten verhalten sich wie Heuschrecken und verbreiten sich übers komplette Land. Ist ein Gebiet abgegrast wird eingepackt und weitergezogen. Einzig der Aufwand und die Qualität des „product placements“ sind erstklassig und extrem hochwertig. Wirklich bemerkenswert, was da an gelungener Reklame in den Medien rausgehauen wird. Ansonsten ist die dort betriebene Zahnmedizin weder modern noch in vielen Fällen hygienisch. Dafür auf den ersten Blick billig. Auch sprießen immer mehr Versicherungen mit eigenen Praxen auf den Markt. Nicht sehr erfreulich für meine Kollegen, die der Reihe nach ihre Zusammenarbeit mit den Versicherungen aufgekündigt bekommen.

Andere Länder, andere Probleme.
In diesem Fall sind jedoch aus meiner Sicht die Lösungen identisch: Nur mit hochwertiger Zahnmedizin und großem Engagement kann diesem Strudel entkommen werden. Ansonsten sollte man sich den ganzen Aufwand und die vielen Arbeit einfach nicht geben. Im Media Markt ist man wenigsten gegen die drohende Arbeitslosigkeit versichert und kann sich auch mal bei einer Grippe schön umsorgen lassen. Niemand stört einen am WE, die Urlaube sind gesichert und es gibt geregelte Arbeitszeiten…

Meine Strategie ist relativ simpel.
Ich will besser als der Großteil der Zahnmediziner in Madrid sein.
Mich abheben von der breiten Masse Zahnarztpraxis. High-End-Dentistry und moderne Zahnmedizin zu einem angemessenen und fairen Preis.
Den deutschen Qualitätskriterien im Bereich der Hygiene und des Behandlungsmanagements unterwerfe ich mich freiwillig. Nach dem Motto: „form follows function“. Nur so kann ich mich abheben. Und nur so macht auch mir Zahnmedizin wieder Spaß. Kaum vorstellbar wie ich früher im Schnitt 18(+) Patienten pro Tag anständig versorgen konnte.

Täglich findet hier mein CEREC AC, der Laser, meine Lupenbrille und besonders mein wiederbelebter und geliebter Kofferdam Anwendung. Nicht immer schneller und mehr Patienten durchschleusen. Klasse statt Masse. Den Patienten wieder in den Mittelpunkt stellen. Sicherlich: ich wurde hier auch dazu gezwungen, da ich mich nicht auf Kassenpatienten mit der Motivation auf Zuzahlung ausruhen kann. Keiner kommt mal vorbei, nur um zu schauen wie der Deutsche so ist. Mein Patientenstamm wächst langsam, aber er wächst und 80% der Neupatienten kommen einzig durch ausgesprochene Empfehlungen. Meine Rechnung scheint aufzugehen, auch wenn ich hier locker eine 70-80 Stunden Woche habe und wenig vom milden Klima mitbekomme. Nach nur 2 Jahren bin ich hier in Madrid bekannter als ich es hätte jemals in meiner alten Wirkungsstätte hätte werden können. Referent für das CEREC System und Betatester für neue Soft- und Hardware für verschieden namenhafte Hersteller. Nur durch eine Standard- Zahnmedizin, die sich mit Zahnextraktionen und Zementfüllungen über Wasser hält, hätte ich hier keine Chance. Dieser Markt ist gesättigt. Spanien ist aktuell nicht wirklich ein guter Ort für Zahnmediziner. Speziell da zusätzlich zur Immobilien- und Bankenkrise südamerikanische Zahnärzte den Markt überfluten. Die Mentalität und Lebensweise ist eine komplett andere und darf auf keine Fall mit der deutschen Lebensweise verglichen werden. Es ist schwierig zu erklären, aber bereits zu Beginn meines Abenteuers hatte mir eine netter Kollege es versucht so zu erklären: Leben kann man in Spanien besser, aber zum Arbeiten (was die Professionalität und Qualität angeht), wäre man doch lieber in Deutschland geblieben.

Zumindest Eines habe ich aber bereits in Deutschland gelernt: Die Standortfrage wird maximal überbewertet und „wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ [Philip Rosenthal] Auch ich bin gespannt, was mir die nächsten Jahre bringen werden und ich bin gespannt was es in weiteren 2 Jahren zu berichten gibt.

Digitales Röntgen – Der Umstieg – ein praxisbezogener Erfahrungsbericht (2)

von Hans – Willi Herrmann

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich mich mit den Vorzügen und Nachteilen digitaler Sensoren beschäftigt. Heute möchte die die Speicherfolien etwas genauer betrachten.

Eins vorneweg.
Nachwievor erscheinen mir die Speicherfolien ein wenig wie die „Ugly Betty“ der digitalen Röntgentechnik. Im Deutschen würde man vielleicht vom „häßlichen Entlein“ sprechen. Das trifft es aber nicht exakt, denn, wie wir alle  wissen, verwandelt sich das häßliche Entlein am Ende des Märchens in einen schönen Schwan. Ich  bin mir nicht sicher, ob dies bei der Speicherfolientechnik genauso sein wird.

Speicherfolientechnik ist definitiv unsexy.
Warum ?

Im Gegensatz zum Röntgensensor, der unmittelbar nach Auslösung der Röntgenröhre sein Röntgenbild auf den Monitor unseres Praxiscomputer wirft, folgt auf die Belichtung der Speicherfolie zunächst wie beim analogen Röntgenbild  in einem separaten Arbeitsschritt die Entwicklung des Röntgenbildes.
Zwar gibt es keinen Röntgenentwickler (wir haben in unserer Praxis den Dürr XR 24) und demnach auch keine Röntgenchemie mehr mit ihren Nachteilen (einerseits Wechsel von Entwickler/Fixierer mit nachfolgender Entsorgung, Reinigung des Entwicklungsgerätes, andererseits Nachlassen der Entwicklungsleistung mit zunehmender Alterung der Entwicklungschemikalien über die Zeit und durch entsprechenden Gebrauch).

Geblieben ist aber der Entwicklungsvorgang an sich. Er dauert keine 6 Minuten mehr, aber es vergeht doch eine gewisse Zeit, bis das Bild zum Betrachten zur Verfügung steht.

Hätten wir es nicht mit Röntgentechnik, sondern mit Fotoapparaten zu tun, dann wäre der Röntgensensor die heute allgegenwärtige  digitale Kamera mit Sofortbetrachtung des Bildes nach Auslösung auf dem Kameradisplay.
Die Speicherfolie wäre eine Art digitale Polaroidkamera, deren „Bild“ eine gewisse Zeit benötigt, bevor wir es betrachten können. Oder wäre vergleichbar einem Diascanner, der erst nach getaner Arbeit das eingescannte Bild am Monitor anzeigen kann.

Wir alle wissen, welche Technik sich durchgesetzt hat. Wird es in der Radiologie genauso kommen ?

Aber es gibt auch Vorteile der Folientechnik:
1.  Das Handling, das de facto mit der gewohnten Vorgehensweise analoger Röntgenfilme identisch ist. Umstellungen in der Anwendung fallen also weg bzw. gar nicht erst an. Dies ist beim Sensor deutlich schwieriger.

2. Die Kosten. Eine Röntgenfolie, laut Aussage des Herstellers bis 1000 mal benutzbar kostet mit rund 60 Euro nur ein Bruchteil eines digtalen Röntgensensors. Da tut es kaum weh, wenn die Folie zu Boden fällt. Das sieht beim Röntgensensor schon anders aus. Und Kabel, die abknicken oder sich lösen können gibt es auch nicht. Wir haben in jedem unserer 3 Behandlungszimmer ein Kleinröntgengerät. Speicherfolien in der Schublade erlauben jederzeit sofortige Röntgenaufnahmen. Dies zu erreichen, bedürfte es 3 Röntgensensoren pro Praxis. Wollte man noch zumindest einen kleinen Sensor vorhalten für entsprechende beengte Kieferverhältnisse, müsste man sogar 4 Sensoren kaufen. Ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

Wie sieht es nun mit der Qualität aus ?
Sie scheint (ich beziehe mich im Nachfolgenden auf die Dürr Speicherfolie) gut zu sein, allerdings empfinde ich persönlich die Qualität des Kodak 6100 – Sensors noch ein wenig besser.

Und damit kommen wir zu einem großen Problem.
Der Katze im Sack nämlich, die wir kaufen, wenn wir uns für ein digitales Röntgensystem entscheiden.

Es gibt nämlich keine Möglichkeit, das Ganze mal auszuprobieren.
Geschweige denn mehrere Systeme im direkten Vergleich beurteilen zu können.

Es bleiben also flüchtige Eindrücke auf Messen. Mit Beispielröntgenbildern der Hersteller, die, wer will es Ihnen verübeln, vermutlich eine Positivauswahl darstellen. Am Besten wäre die Chance eines Einblicks in die Röntgenpraxis eines Kollegen, aber auch dies ist nur den Wenigsten möglich.

Eine Entscheidung mit hoher Tragweite stand also im Raum, noch problematischer im Hinblick auf die Tatsache, dass es nicht nur ein System, sondern eine Vielzahl verschiedener Speicherfolien und Sensoren zur Auswahl gab.

Letztendlich blieben für mich 2 Systeme übrig. Der Kodak 6100 – Sensor und die Dürr – Speicherfolie.

Ich habe mich für die Dürr – Speicherfolie entschieden.
Keine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Denn dann hätte ich den Kodak- Sensor gewählt.
Vielmehr ein nüchternes Abwägen des Für und Wider.
Den Ausschlag gaben die Berichte einer Reihe von Kollegen, Defekte der Sensoren betreffend und die von Ihnen geschilderten Anekdoten im Bezug auf den  After Sale – Service des Herstellers.

Was bleibt ?

Zunächst einmal nur ein schales Gefühl, denn das Bauchgefühl ist meistens richtig.

Welche Erfahrungen ich in der Praxis gemacht habe, das Dürr – Speicherfolien – System und den entsprechenden Scanner betreffend, darüber berichte ich im nächsten Beitrag an dieser Stelle.

Auslegungskriterien unklarer Bestimmungen in der GOZ 2012

 von Rechtsanwältin Doris Mücke, Bad Homburg

Mit der Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte durch die neue GOZ/2012 beabsichtigte der Verordnungsgeber u.a. die Anpassung des Gebührenverzeichnisses der GOZ/87 an die medizinische und technische Entwicklung und die Klärung häufig aufgetretener gebührenrechtlicher Streitfälle durch Klarstellung der Berechenbarkeit dieser Leistungen.

Trotz der weitgehenden Klarstellung der bekannten streitigen Positionen bedarf es leider auch nach der Novellierung der Gebührenordnung juristischer Kenntnisse, um zu einer fundiert begründeten Berechnung einzelner neu geregelter oder nicht geregelter Leistungen zu kommen.
Betroffen hiervon sind einzelne auf den ersten Blick wiederum nicht ganz eindeutige Regelungen im Leistungsverzeichnis, die bereits zu unterschiedlichen Aussagen über deren Berechenbarkeit seitens der Zahnärztekammern bzw. Bundeszahnärztekammer geführt haben (vgl. z. B Pos. 2390, 2197 etc.). Desweiteren ergibt sich Auslegungsbedarf durch die Neureglung des § 6 GOZ, der in Abs. 1 die analoge Berechnung nicht im Gebührenverzeichnis aufgenommener selbständiger zahnärztlicher Leistungen zulässt, da der Verordnungsgeber den Anspruch fallengelassen hat, dass das Gebührenverzeichnis den Stand der aktuellen Zahnmedizin abschließend beschreibt.

Insbesondere im Bereich der endodontischen Leistungen bildet das Leistungsverzeichnis die modernen Behandlungsmöglichkeiten nur unzureichend ab, so dass sich insbesondere hier die Frage nach der analogen Berechnungsfähigkeit dieser nicht aufgenommenen oder bedachten Leistungen stellt.
Anzuknüpfen ist dabei an der Vorgabe des Verordnungsgebers, dass es sich um „selbständige“ zahnärztliche Leistungen handeln muss, Leistungen also, die nicht methodisch notwendiger Bestandteil anderen Leistungen (Zielleistungen) sind, d.h. sie dürfen nicht inhaltlich von der Leistungsbeschreibung der Zielleistungen umfasst und in deren Bewertung berücksichtigt sein. Insoweit stellt sich z.B. die Frage der gesonderten analogen Berechnung der präendodontischen Kompositfüllungen, der Entfernung von Fragmenten und Entfernung alter Wurzelfüllungen etc.

Sowohl bei der Frage der Berechenbarkeit einzelner Leistungen nach dem Gebührenkatalog als auch bei der Frage der analogen Berechenbarkeit einzelner Leistungen gilt es folgende juristische Grundsätze zu beachten:

1. Maßgeblich für die Berechenbarkeit einer Leistung ist der Wortlaut des Gesetzes bzw. der Verordnung, hierbei sind die Regelungen im Allgemeinen Teil wie auch in dem Leistungsverzeichnis zu beachten.

2. Nur für den Fall, dass diese Regelungen unklar sind, sind die sog. Auslegungskriterien heranzuziehen, wie z.B. systematische Stellung der Regelung im Gesetz bzw. der Verordnung, die Sinnhaftigkeit der auslegungsbedürftigen Regelung und schließlich auch der Wille des Verordnungsgebers, der vorrangig in der amtlichen Begründung zu suchen ist. Unter Berücksichtigung vorstehender juristischer Grundsätze lässt sich eine stichhaltige Antwort auf die Frage der Berechenbarkeit einzelner Leistungen finden.

Eine detaillierte Erörterung der Sachverhalte und konkrete Hilfestellung bei der Verfassung notwendiger Vereinbarungen mit dem Patienten sowie notwendigerweise in der Korrespondenz mit Kostenstellen gibt das Seminar “ Die Neue GOZ 2012 – GOZ-Fachseminar mit Schwerpunkt Endodontie“ am 25.02.2012 in Bad Homburg.
Für nähere Infos senden sie eine Email an D.Muecke@t-online.de.

WURZELSPITZE – Seite – Klinische Fälle

Über 1000 Artikel haben wir in WURZELSPITZE mittlerweile veröffentlicht.

Es wird langsam schwierig, selbst für uns Autoren, den Überblick zu behalten.

Ich habe diese Woche eine klinische Nachkontrolle eines Endo- Falles reinbekommen, den ich vor mehreren Jahren behandelt hatte,  aber nicht mehr gefunden, ob und wo ich den Fall bei WURZELSPITZE veröffentlicht hatte. Dabei war ich mir ziemlich sicher, dass ich dies getan hatte und ich dachte, über die Tags den Fall schnell finden zu können.

Um dieses Problem zu lösen, haben wir   haben nun eine Seite eingerichtet, in der wir unsere klinischen Fälle aufgelistet haben.

Das Ganze ist gegenwärtig noch „work in progress“. Ich hoffe, das jeden Tag ein paar neue Fälle aus dem Archiv verlinkt werden können, damit diese leicht und lückenlos aufgefunden werden.

Dentsply- Endo- Neuvorstellungen

von Hans – Willi Herrmann

Zu Beginn des Jahres 2012  hat Dentsply Deutschland eine Reihe von Produktneuheiten vorgestellt. Unter endodontischen Gesichtspunkten  interessant sind vor allem 2 Neuerungen:

Zunächst ist mit dem XSmart Plus ein neuer, schön designter Endodontie- Motor am Start, der nicht nur die vollrotierende, sondern auch die reziproke Arbeitsweise der Ghassan Yared-Technik beherrscht. Neben dem Endopiloten und den VDW Reciproc Motoren Gold und Silber ist die nun der 4. Motor auf dem Markt.
Ein deutliches Zeichen, dass Reciproc in der Zahnmedizin angekommen ist. Das belegen auch die von Dentsply genannten Zahlen für Wave One: Mehr als 1000 verkaufte Einheiten innerhalb von 11 Monaten belegen den enormen Erfolg des zu Beginn von der Kritik so argwöhnisch beäugten Konzeptes. Denn, um mit den Feilen arbeiten zu können, mussten ja nicht nur neue Feilen, sondern auch der entsprechende Motor erworben werden und diese nicht nur psychologische Schwelle wird vom kritischen Zahnarzt nur  überwunden, wenn die neue Lösung handfeste Vorteile aufweisen kann, die sie auch unter schwierigen Gesichtspunkten bestehen lässt.  Diese Abstimmung mit den Füßen oder sollte ich besser sagen mit dem Portemonnaie ist ein deutliches Zeichen „Pro Reziprok“.
Es ist gegenwärtig davon auszugehen, dass das Interesse an diesen Systemen weiter anhalten und vermutlich sogar noch zunehmen wird und zwangsläufig weitere Anbieter von Antriebskonzepten sowie andere Instrumentenhersteller auf den Plan rufen wird.

Neuerung Nr. 2  – Mit Guttacore ist nun auch in Deutschland  eine Thermafil- Evolution erhältlich, die es in sich hat.
Oder vielmehr gerade „nicht mehr“, denn ein grundsätzliches Problem der Thermafil- Technik, der im Rahmen einer WF- Revision gegebenenfalls schwierig bis gar nicht zu entfernende Kunststoff- Carrier ist weggefallen, durch einen Guttaperchakern ersetzt worden. Dieser ist fast so stabil handbabbar wie sein Kunststoff- Vorgänger, lässt sich aber im Falle eines Falles unkompliziert entfernen.  Das zusätzlich die Handhabarkeit  verbessert wurde und die Einführung von geblisterten Einzelpackungen wird die Akzeptanz des Systems sicherlich noch steigern.

Digitales Röntgen – Der Umstieg – ein praxisbezogener Erfahrungsbericht (1)

von Hans – Willi Herrmann

In 2010 habe ich den Wechsel von analogem zu digitalem Röntgen vollzogen. Spät ? Sicherlich, angesichts der Tatsache, dass seit ca. 15 Jahren es bereits die Option des digitalen Röntgen gibt.

Aber über lange Zeit war mir die Qualität des digitalen Zahnfilms nicht ausreichend.
Auch die immer wieder betonte Reduktion an Strahlendosis schien in der Praxis weitaus geringer als vom Hersteller propagiert. So bestätigte mehrmals der TÜV-  Experte, der turnusgemäß die Überprüfung unserer Röntgengeräte vornahm, dass wir mit der gleichen niedrigen Strahlendosis röntgen würden wie Kollegen, die digital röntgen. Und bei meinen Arbeitskursen in Instituten, die über digitales Röntgen verfügten, konnte ich dies auch genau so feststellen.

Seit Juni 2010 arbeite ich nun mit digitalen intraoralen Aufnahmen und jetzt, Anfang 2012 haben wir den nächsten Schritt hin zur volldigitalen Röntgenpraxis vollzogen.

Im Nachfolgenden möchte ich über meine Entscheidungsfindung  berichten und in mehreren Beiträgen über die  nachfolgende Integration in die vorhandenen Praxisabläufe berichten:

Teil1

  • Einleitung
  • Entscheidungsfindung Möglichkeit 1: Sensor

Teil 2 

  • Entscheidungsfindung Möglichkeit 2: Speicherfolie
  • Entscheidung

Teil 3

  • Integration in die Praxis
  • Fazit

Die Frage, die es zunächst zu beantworten galt, lautete:  Für welches Systemkonzept (Sensor oder Speicherfolie) sollte ich mich entscheiden ?

Was stand zur Auswahl ?

Zunächst natürlich der Kodak- Sensor 6100. Denn es waren  Röntgenbilder dieses Sensortyps, die ich  bei Kollegen im Praxisalltag gesehen hatte,  die mich überzeugten, dass wir es hier nun endlich mit einem Aufnahmegerät zu tun haben, welches die Bildqualität analogen Röntgens übertrifft.
Lange hatte es gedauert, viele mediokre Ergebnisstufen hatte es im letzten Jahrzehnt gegeben, aber nun offensichtlich war der Durchbruch geschafft, die Ergebnisse sogar besser als mit analogen Zahnfilmen zu erreichen.

Sensor oder Speicherfolie ?

Für den Sensor spricht sehr stark die sofortige Verfügbarkeit des Bildes. Unmittelbar nach dem Auslösen wird das Bild auf dem Monitor angezeigt. Ein weiterer Vorteil, den der Sensor beim häufigen endodontischen Behandeln bieten  könnte, ist die Möglichkeit, durch Repositionierung der Röntgenröhre schnell und einfach exzentrische Aufnahmen erzeugen zu können oder auch notwendig gewordene Wiederholungsaufnahmen unmittelbar durchführen zu können.

2: 0 für den Sensor. Plus die Super- Bildqualität.
Zwischenstand 3: 0 also.

Was spricht dagegen ?
Zunächst die Tatsache, dass die Abbildungsfläche des Sensors kleiner ist als vom Zahnfilm her gewohnt. Es geht also weniger drauf, auf einen solchen „Sensorfilm“. Möglicherweise fehlt genau das, was wir sehen wollen. Die Wurzelspitze. Kleinerer Ausschnitt bedeutet aber auch, es müssen z. B. im Rahmen eines Zahnstatus mehr Aufnahmen gemacht werden und der Sensor muss präziser im Mund platziert werden. Apropos Platzierung. Die ist schon von vornherein schwieriger, teilweise sogar deutlich schwieriger als vom Zahnfilm her gewohnt.

Von den anderen Problemen, die von Kollegen berichtet wurden, ganz zu schweigen.  Defekte Sensoren, Probleme in der Abstimmung mit der Röntgensoftware mit Ausfällen des angefertigten Bildes und damit nutzloser Bestrahlung des Patienten. Und mangelhafter bis nicht existenter After Sale- Service bestimmter Sensorenhersteller sowie hohe Anschaffungs- und Reparaturkosten. Ein Studienkollege hat in der Zeit seines digitalen Röntgens (nicht ganz 10 Jahre) 3 Generationen an Sensoren und 2 OPG – Varianten durchlebt, sprich wegschmeissen und wieder neu käuflich erwerben müssen. Er sagt, diese Investitionsverluste könne er im Laufe seines Berufslebens nicht mehr kompensieren, egal wie viele Röntgenbilder er zukünftig noch machen würde, Röntgen würde also, selbst wenn keine weiteren Kosten mehr hinzukämen,  zeitlebens für ihn ein Verlustgeschäft bleiben.

Wie sieht es nun mit der Speicherfolie aus ?
Ist diese eine Alternative, vielleicht sogar die bessere ?  Oder ist dieses Röntgenkonzept nur zweite Wahl, aus der Not heraus geboren und seine Existenz lediglich auf der Unzulänglichkeit der Sensoren und ihrer Rahmenbedingungen gründend ?

Darüber, und warum/wie ich mich letztendlich entschieden habe,  berichte ich hier an dieser Stelle in meinem nächsten WURZELSPITZE- Beitrag.

Body Tray- Instrumentenablage

von Hans – Willi Herrmann

Die  nachfolgende Behandlungsweise ist gar nicht mein Ding. Zwei renommierte endodontisch tätige Kollegen, die ich sehr schätze, sind hingegen bekennende Fans besagter Ergonomie und für die ist vielleicht das „Bodytray“ eine interessante Entdeckung.  Worum handelt es sich ? Um eine Instrumentenablage, die direkt auf dem Brustkorb des Patienten platziert wird. Hier geht es zur Homepage, zu einem Anwendungsvideo und zur Produktbroschüre.

Den Hinweis zum Bodytray verdanke ich Johannes Beckmann via Emailverteiler der Studiengruppe für Restaurative Zahnheilkunde.

Crystal Tips – Update

von Hans – Willi Herrmann

Unser ehemals riesiger Vorrat an Riskontrol- Ansätzen der Firma Acteon (gekauft, um die Praxis mit kostenlosen Adaptern ausrüsten zu können)  ging langsam zu Ende.
Das hatte ich schon länger zum Anlass genommen, mich nun intensiver mit den Crystal Tips – Ansätzen zu beschäftigen. Vielleicht erinnern sie sich – ich hatte die Crystal Tips auf der  Info- Dental in Frankfurt im November 2010 kennengelernt und der erste Eindruck in der Praxis, hier beschrieben, war vielversprechend. Alles funktionierte einwandfrei, lediglich die Länge der Kanülen hatte ich als zu lang empfunden.

Und genau das ist jetzt geändert, es gibt zwei Varianten, Crystal Tip Original und Crystal Tip HP, letztere 2,5 cm kürzer als die Standard – Variante.

HP steht im Übrigen für High Pressure.
Diese Kanülen weisen lediglich 2 Luftkanäle auf gegenüber 4 Luftauslässen bei der Original- Kanüle. Ein höherer Luftdruck soll das Resultat sein. Warum diese Änderung ? Je nach Adapter kam es mit den Original- Kanülen zu einem deutlich feststellbaren Druckluftabfall gegenüber dem Original- Ansatz.  Die Modifikation soll nun dies beheben.

Kurze Kanüle, 4 Luftauslässe.

Das wäre eigentlich meine Traumkombination, denn ich war mit dem Luftausstoss an meinen Sirona Sprayvit – Spritzen eigentlich zufrieden.
Gibt es noch nicht, soll aber in absehbarer Zeit erhältlich sein.
Es ist nämlich von Herstellerseite geplant, sowohl die kurze wie auch die lange Variante als normale und HP – Variante anzubieten. Dann sollte eigentlich alles perfekt sein. Fast zumindest – bei der Riskontrol habe ich es als vorteilhaft empfunden, die Spitze biegen zu können. Das geht bei der Crystal Tip nicht in gleichem Maße, wenngleich im Schaftbereich sehr wohl eine gewisse Biegung möglich ist. Dafür ist der Kopf wesentlich kleiner als bei der Riskontrol, und der Adapter ist drehbar, was die geringere Flexibilität ausgleicht, für manche Anwender sogar überkompensiert.

Nachwievor gibt es die Crystal – Tip Ansätze (einschließlich kostenloser Adapter) nur im Direktvertrieb. Bei Interesse wenden Sie sich an CRYSTAL TIP GERMANY / EUROPE

Soren & Lars Schneider
Wettiner Strasse 5

04105 Leipzig

Oder  direkt per eMail über:

wr.germany@me.com

Ausserdem  existiert eine kostenfreie Nummer zur Bestellung für Anrufe aus dem Fest- oder Mobilfunknetz:

0800 801 12345

Wäre noch der Preis.
Den hatte ich günstiger in Erinnerung.
Ein schneller Preischeck ergab Kosten von 13 Cent für die Riskcontrol und 23 Cent für die Crystal Tip. Sind sie den Aufpreis wert ?  Ich werde es ausprobieren. Bislang funktioniert alles einwandfrei. Meine Riskontrol – Adapter habe ich dennoch erst mal nur beiseitegelegt, um sie gegebenfalls reaktivieren zu können.

Gewinner 2012

von Hans – Willi Herrmann

Es ist Anfang Januar. Das Jahr hat gerade begonnen. Und schon gibt es Gewinner 2012 ? Sollten wir nicht über die Gewinner 2011 reden ? Werden wir, in einem weiteren Beitrag, aber schon heute scheint festzustehen, wer die Gewinner 2012 sein werden. Es sind die Hersteller von endodontischen Nickel – Titan – Instrumenten, denn in der GOZ 2012 werden die Kosten von Nickel – Titan Einmalinstrumenten als berechnungsfähig genannt. Kaum bekannt, knallten da vermutlich Sektkorken im Hause der NiTi – Hersteller, denn diese Entwicklung wird zwangsläufig den Kauf von Ni -Ti – Instrumenten vorantreiben.

Und der  Zahnarzt hat nun beim PKV- Patienten die Möglichkeit, NiTi – Instrumente mehrmals zu verwenden, diese aufwändig zeit- und kostenintensiv  wiederaufzubereiten und die Instrumente auch noch aus eigener Tasche zu zahlen oder aber Einmalinstrumente zu verwenden und die Kosten dafür  der PKV in Rechnung zu stellen.

Man muss kein herausragender Prophet sein, um die Konsequenzen dieser Entwicklung vorhersagen zu können. Der Absatz an NiTi – Instrumenten wird weiter steigen.

Apropos Prophezeiungen – Hier noch zwei Mutmaßungen, die sich dem „test of time“ stellen müssen. Kann sein, dass ich falsch liege, wir werden sehen.

1. Um die SAF – Feile war es in der letzten Zeit sehr still geworden. Wurde  vor und kurz nach Markteinführung  den hier bei WURZELSPITZE vorgetragenen kritischen Sichtweisen zur SAF- Feile energisch widersprochen und eine neue Ära der Wurzelkanalaufbereitung herbeibeschworen, so scheint heute vieles von dem, was an möglichen Problemen genannt worden war, in der Tat sich bewahrheitet zu haben.

Ich persönlich sehe weiterhin in der SAF- Feile ein interessantes Mittel zur Reinigung von Wurzelkanälen. Man kommt aber nicht umhin, festzustellen, dass diesem Instrument der große Markterfolg bisher verwehrt blieb. Hier spielt nicht nur, aber auch der hohe Preis dieser Feile von über 40 Euro eine Rolle.

Dieser Pferdefuss ist seit dem 01.01.2012 weggefallen. Es besteht also kein Grund mehr, aus Kostengründen das System abzulehnen. Mal schauen, ob sich  dieser Umstand  in einer Revitalisierung des SAF- Systems äußert. Ich bin weiterhin zurückhaltend diesbezüglich, am Preis der Feile liegt es aber von nun an jedoch definitiv nicht mehr. Schafft die SAF – Feile nun den Durchbruch ? Wenn nicht, dann wirft dies das System auf längere Sicht nachhaltig zurück.

2. Ursprünglich stand hier etwas ganz anderes. Aber unmittelbar nach Erscheinen des Beitrags hat ein Kollege hat mich in seiner ihm eigenen, ebenso tiefgründigen wie unnachahmlichen Art  via Email darauf hingewiesen, man solle nicht die PKV auf Ideen bringen, auf die dort keiner von alleine kommen würde.

Und wie recht er hat, der Kollege.
Ich werde vermutlich schon in Rente sein, bevor bei der PKV irgendjemand sich die GOZ 2012 diesbezüglich einmal genauer anschaut.  Die lesen doch die neue GOZ höchstens ganz oberflächlich, jede Wette.

 

 

 

Was tun, Xavier ? (69 Prozent Teil 5)

von Hans – Willi Herrmann Haben sie über die Analogie „Pilot – Zahnarzt“ aus den „69 Prozent Teil 1-4“- Beiträgen einmal genauer nachgedacht ? Es gibt in der Tat eine ganze Reihe von Parallelen.  Hochwertige technische Ausbildung, große Verantwortung für die anvertrauten Passagiere/Patienten und vieles mehr. Es gibt aber dennoch einen entscheidenden Unterschied in der öffentlichen Wahrnehmung. Jeder Flugpassagier weiss den Nutzen und die Notwendigkeit eines erstklassigen Piloten zu schätzen. Darum wird ja auch nach Landungen geklatscht. Denn im Zweifelsfall (das weiss der Passagier spätestens bei der ersten heftigen Turbulenz oder einem Durchstart am Zielflughafen, weil urplötzlich die Landebahn blockiert ist) hängt das eigene Leben davon ab. Für die Passagiere ist auch intuitiv klar, dass ein entsprechendes Niveau an Wartung und Sicherheit nicht unterschritten werden darf, will man nicht das eigene Leben riskieren. Und dieses Niveau kostet Geld. Auch das ist jedem klar. Selbst bei Billigflügen will man vielleicht auf Essen unterwegs verzichten, aber nicht auf ´s sichere Ankommen. Solche für den Patienten sofort, auf den ersten Blick, unmittelbar erfassbare, „erlebbare“ Qualitätskriterien gibt es in der Zahnmedizin nicht. Im Gegenteil. Möglicherweise urteilt der Patient sogar gegensätzlich („Die Behandlung hat aber lange gedauert, bei ihrem Vorgänger ging das immer viel schneller“, den Satz hat wohl jeder schon mal gehört). Standespolitisch ist das  allgemeingültige Statement seit ich weiss nicht wieviel Jahrzehnten („weil nicht sein darf, was nicht sein darf“): „Die deutsche Zahnmedizin befindet sich auf international höchstem Niveau und ist vorbildlich !“ Kritiker (zum Beispiel Hochschullehrer wie Marxkors, Staehle, Hülsmann oder – mit aktuellem Bezug –  die Gutachter der kürzlich im Stern publizierten Ergo- Studie) werden als Netzbeschmutzer gebrandmarkt, die Aussage der Studien grundsätzlich als nicht zutreffend negiert. Dabei zeigt schon ein überfliegendes Lesen des Stern- Artikels (aller vorhandenen Schwächen der Untersuchung zum Trotz, die leider der Sache mehr schaden als nutzen), daß die dort beschriebene Einteilung der Zahnärzte nichts Skandalöses darstellt, sondern ziemlich genau den normalen statistischen Verhältnissen entspricht, wie sie mit Sicherheit für jeden unserer Lebensbereiche des Alltags zutreffen. In besagter Studie zeigt sich nämlich, dass ein Drittel der untersuchtem Zahnärzte überdurchschnittlich, ein Drittel durchschnittlich und ein Drittel unterdurchschnittlich arbeitet. Und das kennt doch wohl jeder von uns aus jedem Bereich des täglichen Lebens. Ich nenne beispielhaft die Schulerziehung  (wir alle kennen sehr engagierte Lehrer, aber auch gegenteilig agierende) oder jedes Handwerk, seien es die Bäcker um die Ecke oder die Elektroinstallateure. Was also tun ? Eine weit überdurchschnittliche Qualität liefern und diese für den Patienten sichtbar, transparent machen. „Transparent machen“ heißt, alle mit besagter Leistung in Zusammenhang stehenden Begleitparameter aufzeigen und damit den zeitlichen, apparativen und organisatorischen Aufwand, der damit obligat verbunden ist, dem Patienten darlegen. Im zweiten Schritt muss folgerichtig über die damit verbundenen Kosten gesprochen werden und die Tatsache, dass diese Kosten nur teilweise von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen gedeckt werden. Dem widerspricht allerdings (weil auf den nachfolgenden Umstand nicht nachhaltig genug hingewiesen wird) ein dadurch zwangsläufig im Raum stehendes weiteres standespolitisches Statement, dass nicht der deutschen Realität entspricht. Betreibt man eine am aktuellen Stand der Zahnmedizin 2012 ausgerichtete Zahnarztpraxis (der Amerikaner spricht hier von „cutting edge“), so ist der damit verbundende Aufwand nicht durch die Aufwendungen der zur Abrechnung zur Verfügung stehenden Gebührenpositionen in ihrer Gesamtheit, also nur unvollständig gedeckt. Zur Erläuterung ein aktuelles Beispiel aus der druckfrischen GOZ 2012, die Gebührenposition für den Einsatz eines Dentalmikroskopes, in Höhe von  22,50 Euro pro Behandlungssitzung. Unser Zeiss Pro Ergo- Mikroskop kostet  60.000 Euro. Bei zwei Mikroskopen pro Praxis sind dies – man verzeihe mir, zehn Jahre nach Einführung des Euro die Umrechnung in eine harte Währung – fast eine Viertel – Million DM.  Die  Materialkosten für die Xenon- Beleuchtung (Laufzeit 500 Stunden) belaufen sich auf 1300 Euro. Die Wartung der Mikroskope wird von Zeiss auf 641 Euro pro Mikroskop pro Jahr veranschlagt. Wären also nochmal rund  25.000 Euro zusätzliche Praxiskosten, auf 10 Jahre gesehen. Darüber hinaus ist diese Position nicht für alle Einsatzbereiche der Zahnmedizin vorgesehen. Ich prophezeie, dass, zum Beispiel beim Einsatz des Mikroskopes in der konservierenden Zahnheilkunde und der Prothetik eine Zahlungsübernahme von Seiten der PKV en negiert werden wird und die Seriösität des Behandler wie bisher (wir kennen aus eigener Praxis das Spiel der PKVen (und der GKVen bis 2005) diesbezüglich seit 14 Jahren) pauschal, also ohne Berücksichtigung der tatsächlich vorhandenen Behandlungssituation in Frage gestellt werden wird. Um die Kosten für unsere beiden Mikroskope via DM – Zuschlagsposition herauszubekommen, müssten 8.000 Wurzelkanalbehandlungen durchgeführt werden. Das entspricht einem Zeitrahmen von 10  Jahren. Vorausgesetzt, es geht nichts kaputt oder die Mikroskope müssen finanziert werden, denn dies generiert zusätzliche Kosten. Noch ein anderes Beispiel ? Die RKI – Richtlinien und ihre dadurch notwendig gewordenen Änderungen in Praxis- Ausstattung und Organisation. Ich begrüße diese Richtlinien, (emotional gesprochen bin ich sogar ein ein großer Fan davon, aber dass darf man nicht laut sagen, sonst wird man als Spinner abgetan). Vieles davon tun wir seit geraumer Zeit und sind lange verlacht worden dafür. (z.B. Sterilisation all unserer Instrumente, aller Bohrer, Winkelstücke seit 1993, patientenspezifische Wurzelkanaleinmalinstrumente seit 2002). Jetzt -2012- ist alles richtig, was wir schon so lange taten. Aber es kann doch nicht sein, dass die obligat damit in Zusammenhang stehenden Kosten nicht von Erstatter- Seite berücksichtigt werden. Denn diese Mehrkosten gegenüber der traditionellen Vorgehensweise sind enorm. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen, dass einen Riesen- Kostenunterschied besteht. Genauso im Übrigen, wenn man statt eines N -Sterilisators  mehrere hochempfindliche und wartungsintensive computergesteuerte B – und S- Steri´s betreibt. Oder nehmen wir den Kostenaufwand, der mit einem DAC oder Thermodesinfektor (Anschaffung, Betrieb, Wartung) verbunden ist. Und noch was – es ist nicht wahr, dass Winkelstücke nicht leiden, wenn sie permanent sterilisiert werden. Sie tun es und verursachen über die einmalige Anschaffung hinaus weitere, nicht unerhebliche Kosten. Warum werden diese Dinge nicht ihrer tatsächlichen Bedeutung entsprechend artikuliert? Vielleicht weil es wesentlicher einfacher ist, das Potemkinsche Dorf der deutschen Spitzenqualität zum Null – Tarif aufrecht zu halten. Klingt kuschelig, trifft aber merkwürdigerweise außerhalb der Zahnmedizin auf nichts zu, weder im idealen und erst gar nicht in  realen Leben und das nicht nur nicht in Deutschland, nein auch überall sonst nicht auf der Welt. Was bleibt ? Eine Vision, ein möglicher Weg. Spitzenqualität, offen dargelegt und damit zwangsläufig losgelöst vom Erstattungsverhalten der Kassen. „Geht nicht“, hör ich sie sagen. Aber hatten wir nicht schon in der Vergangenheit  solche Situationen ? Es mag schon einige Zeit her sein, aber es gab schon bislang immer wieder Kollegen, die ihre Kassenzulassung zurückgegeben haben. Und nur noch privatzahnärztlich tätig waren. Die Voraussetzungen hierfür waren eine vorhandene Praxis- Klientel, die einen solchen Schritt wirtschaftlich tragbar machten. Und der Wille, sich von seinen GKV- Patienten trennen zu wollen. Für mich kam diese Option aus dem zweiten Grunde nie in Frage. Und was brauchen wir jetzt ? Sicherlich nicht ein Patientenklientel, dass zum größten Teil aus Privatpatienten besteht. Sondern vielmehr Patienten (gleich ob GKV oder PKV), die bereit sind, den Differenzbetrag zwischen Versicherungshonorar und tatsächlich patientenspezifisch entstandenem Behandlungsaufwand zu tragen. Die Voraussetzungen, nochmal zusammengefasst:
  • Die sprichwörtlich weit überdurchschnittliche Qualität muss vorhanden sein.
  • Sie muss für den Patienten sichtbar und nachvollziehbar sein. Dies setzt eine intensive Aufklärung und umfassende Dokumentation der Praxistätigkeit voraus in bislang unbekanntem Ausmass
Noch ein Pferdefuss – aus einer solch transparenten Darstellung des Preisgefüges und bei beschriebener Vorgehensweise lassen sich nie Riesenerträge generieren. Auch das ist eine unbequeme Wahrheit: „Schnell,schnell“ bedeutete gestern, heute und morgen machen wir mehr Geld. Zumal ja hier der schon zu Beginn erwähnte Umstand, dass ein Patient nur  unvollkommen die Vorgänge in seinem Mund beurteilen kann, verschleiernd zur Geltung kommt. Der behandelnde Zahnarzt, der sich für den hier skizzierten qualitativ hochwertigen Weg entscheidet, erhält aber ein Plus an Behandlungsqualität, dass Mindereinnahmen auf nicht pekunärer Ebene aufwiegt. In diesem Sinne: „Dieser Weg wird kein leichter sein Dieser Weg wird steinig und schwer Nicht mit vielen wirst du dir einig sein Doch dieser Leben bietet so viel mehr“ Grundvoraussetzung jedoch für all das: Eine pauschal vorgenommene Kriminalisierung von seiten der Privat- Versicherungen („Ihr Zahnarzt betreibt Überversorgung“) darf nicht länger durchgeführt werden. Ich vermute jedoch, dass an dieser in der Vergangenheit durchgeführten  Vorgehensweise (Große Versicherungen haben in Deutschland mehrere Millionen Mitglieder, ein vorgefertigtes Schreiben (zusätzlicher Arbeitsaufwand geht gegen Null) spart der Versicherung demnach viele Millionen Euro pro Jahr) aus genau diesem Grund weiter festgehalten wird. Aber ich lasse mich gerne durch Taten eines Besseren belehren, gerade die ERGO – Versicherung ist nach ihrer Budapest- Affäre sicherlich bemüht, verloren gegangenes Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen. Noch ein paar abschließende Bemerkungen: Zum einen der Hinweis auf einen Artikel von Janusz Rat von 1997, damals Vorstandsmitglied der BLZK, demnach von einem hochrangigen Vertreter der Standespolitik vorgetragen. So gesehen – kein neuer Weg. Und mein Dank geht an Hans Bodirsky, meinem Ausbilder in der Praxis direkt nach dem Studium, der mich schon 1990 auf diesen Weg einstimmte. Das Schöne ist: Im Verlauf der letzten 20 Jahre ist der skizzierte Weg leichter, begehbarer geworden. Und durch das Internet haben ungleich mehr Gleichgesinnte als früher die Möglichkeit, über räumliche Distanzen hinweg zusammenzufinden, sich auszutauschen, abzustimmen, Abläufe gemeinsam zu erarbeiten und miteinander zu teilen. Und zum Abschluss, was man auch 2012 auf gar keinen Fall tun sollte: Wenn ein Kunde im Gebäck eine Zigarettenkippe findet, nie als Bäckermeister und CHef der lokalen Bäcker-Innung dem Kunden vorhalten, dass sei vollkommen ausgeschlossen und der Kunde selbst habe die Zigarettenkippe in das Gebäck eingeschleust. Man sieht, QM wäre auch in anderen, nicht medizinischen Lebensbereichen eine gute Sache.

2012- Willkommen in der Realität! 4 KO – Kriterien (69 Prozent – Teil 4)

von Hans – Willi Herrmann 

Warum Flugzeuge abstürzen und Zahnarztpraxen pleite gehen“.

So titelte der Wiesbadener Zahnarztkollege und Airbus- Pilot Bernhard Sanecke vor einigen Jahren einen seiner Vorträge.

Auch ich habe hier an dieser Stelle wiederholt den Bezug zum Piloten aufgegriffen, eine abschließende Einschätzung fehlte bislang noch.

Ich möchte diese an den Jahresbeginn 2012 stellen, stellt dieses Jahr doch mit der Einführung einer neuen privatzahnärztlichen Gebührenordnung eine Zäsur dar, deren nachhaltige Konsequenzen sich vermutlich die meisten, weder Patienten noch Anbieter im Gesundheitswesen (damit meine ich die Zahnärzte), gar nicht bewußt sind.

Fest steht: Auch 24 Jahre nach der letzten Änderung der Gebührenordnung, der GOZ 88, ist es zu keiner Anhebung des Punktwertes gekommen.

Für den Laien: Der Punktwert ist so etwas wie der Benzinpreis in der Honorarberechnung. Nur wenn er steigt, erhält ein Zahnarzt für die gleiche Behandlung mehr Geld. Bleibt er hingegen gleich, so hilft nur, mehr zu arbeiten, um den Verdienst zu erhöhen. Steigen die Ausgaben, und wer will bestreiten, dass sich seit 1988 die Kosten (und nicht nur für Benzin, dass damals umgerechnet 47 Cent kostete) teilweise drastisch erhöht haben, so muss mehr gearbeitet werden, allein um das ehemals vorhandene Einkommen auch nur zu halten.

Tut man es nicht, so ist schnell der Bereich des Break Even unterschritten, die Zahnarztpraxis macht Verluste. Längeres Krankbleiben verbietet sich also von selbst, Kontinuität ist angesagt, die Tretmühle Praxis muss ständig in Bewegung bleiben, ein Umstand der paradoxerweise eben gerade nicht gesundheitsfördernd wirkt und Burn Out (ist ein Modewort aber es trifft zu) oder die Flucht in Scheinwelten fördert. Also nicht ganz ohne Grund ist der Anteil suchtkranker Ärzte, aber auch deren Suizidrate, überdurchschnittlich hoch.

Warum aber wurde der Punktwert nicht geändert ?

Die Antwort ist einfach.

Weil keine Notwendigkeit dazu besteht.

Nachfolgend 4 KO – Kriterien, warum es zu keiner Punktwerterhöhung gekommen ist und – schlimmer noch, aber nach der Lektüre dieses Artikels nachvollziehbar – warum es hierzu auch in absehbarer Zeit nicht kommen wird.

KO – Kriterium 1:

Die Deutschen sind ein spendefreudiges Volk.

Das hat auch das Jahr 2011 wieder gezeigt. 
Wenn irgendwo Not in der Welt ist, wird der Geldbeutel geöffnet.

Selbst in den gegenwärtigen Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation bei einer ganzen Reihe von Bürgern nicht rosig daherschaut. Ob Hungersnot, Erdbeben, Flutkatastrophe, es wird gespendet.

Eine Grundvoraussetzung muss allerdings erfüllt sein. 
Es muss den Empfängern der Spenden schlechter gehen als den Spendern.

Je größer die Diskrepanz, umso besser.

Und jetzt mal Hand aufs Herz.

Solange es „dem“ Zahnarzt, seine wirtschaftliche Situation betreffend, besser geht als 90 Prozent seiner Patienten, solange ist kein Verständnis von Seiten der Patienten zu erwarten.

Da hilft auch kein noch so ausdauerndes und monoton wiederholtes Klagen. „Dann heul doch“, dieses legendäre Zitat Gerd Knebels werden ihm die Patienten in Gedanken entgegenrufen, um sich stande pede wieder den eigenen Widrigkeiten des Alltages zu stellen.

Hilfe, aufrichtige Unterstützung von Seiten der Patienten ist demnach erst zu erwarten, wenn sich das Verhältnis deutlich in Richtung 50 % hin wandelt.

Davon sind wir im Moment noch weit entfernt.

Oder -anderes Szenario- sofern im konkreten Einzelfall der jeweilige, von seinen Patienten geschätzte Behandler seine Praxis zuschließt. Dann ist es jedoch zu spät.

KO – Kriterium 2:

Die von Berufsverbänden skizzierten Horrorgeschichten des Not darbenden Zahnarztes entsprechen nicht der Realität.

Natürlich sind die goldenen Zeiten der 70er und frühen 80er Jahre, in denen der Beruf des Zahnarztes (möglicherweise sogar weitestgehend losgelöst vom Können des Tätigen) eine Lizenz zum Gelddrucken darstellte, lange vorbei.

Sie waren schon Vergangenheit, als ich 1993 meine eigene Praxis eröffnete.

Fakt ist aber, dass unabhängig vom Festhalten an der GOZ 88 es Änderungen in der Zahnmedizin gab, die eine Anpassung an die Preisgestaltung ermöglichten und zwar losgelöst vom weiterhin festgeschriebenen Punktwert. Als Beispiele dafür möchte ich die dentinadhäsive Kunststoff – Restaurationen, die Veränderungen im Rahmen der Prophylaxe- Leistungen (ich verabscheue nachwievor den Begriff der „professionellen“ Zahnreinigung, denn auch eine „einfache“ Zahnreinigung ist professionell), die Änderungen im Bereich des Zahnersatzes im Hinblick auf Grund- und Wahlleistungen, sowie zuletzt die Veränderungen im Bereich der Endodontie aufführen. In diesen Bereichen war es dem Zahnarzt zumindest teilweise möglich geworden, seine Honorierung an die situationsbedingte Kostensituation anzupassen. Um auf unser Beispiel mit dem Benzin zurückzukommen, er konnte dem Patienten nun neben Benzin auch noch Super, Bleifrei, und Diesel anbieten und den Preis hierfür in einem gewissen Rahmen eigenverantwortlich festlegen.

So ist es zu erklären, dass, aller in der Realität defacto vorgenommenen Einschneidungen zum Trotz, die Einkommen der Zahnärzte (zumindest im Schnitt) sich auf einem gewiss niedrigeren, aber dennoch solidem Niveau konsolidieren konnten, in anderen Fällen moderat gestiegen sind. Von flächendeckenden Insolvenzen kann also nicht gesprochen werden.

Die Zahnärzte sind demnach zwar nicht die Gewinner dieser Reformen, das sind Politik und Krankenkassen, die in den letzten Jahren Milliardengewinne im Bereich der Zahnmedizin eingefahren haben, sie sind aber auch nicht die großen Verlierer. Das sind zweifellos die Patienten, denn die sind diejenigen, die immer mehr, Jahr für Jahr, aus eigener Tasche für ihre Gesundheit dazuzahlen müssen, und das ja nicht nur in der Zahnmedizin, sondern auch in gleichem oder sogar noch stärkerem Maße für die Bereiche Medizin, Pharmazie, sowie den Bereich der Kuren und der Gesundheitsvorsorge. Und die Patienten haben nur die Wahl, zu zahlen, oder einen Verlust an Gesundheitsqualität in Kauf zu nehmen.

So betrachtet, erscheint die Position der Zahnärzte, denen man zumindest de facto zugestanden hat, gewisse Teilbereiche in der Zahnmedizin marktregulativ anzupassen, nun gar nicht mehr so übel.

KO – Kriterium 3:

Wieviel Piloten kennen Sie ? Und wieviele Zahnärzte ? Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiß.

Wir bemühen jetzt ein Vorurteil, aber manchmal hilft es, Dinge durch Überspitzung plastischer darzustellen: Der Lufthansa- Pilot, der wie ich Mitte der 80er Jahre seine Ausbildung gemacht hat, arbeitet 24 Stunden die Woche, ist Porschefahrer, wohnt in einem repräsentativen Bungalow mit Swimmingpool im Vordertaunus, geht mit 160.000 Euro im Jahr nach Hause und mit 55, spätestens 60 Jahren in Rente.

Das neidet ihm aber keiner.

Weil ihn keiner kennt.

Oder ? Wieviel Lufthansa- Piloten kennen Sie persönlich ?

Zahnärzte gibt es dafür eine ganze Menge, die laufen jedem Patienten also zwangsläufig über den Weg. Und wenn das in einem Auto passiert, das größer ist als das eigene, der Urlaub auf den Malediven stattfindet und nicht in Side, der Sonntagsspaziergang durch das Neubaugebiet das schmucke Eigenheim des Dentisten offenbart, dann kommt in Deutschland (denn in diesem Punkt haben wir keine US – Verhältnisse, bei uns wird, anders als in USA eben nicht daran die Qualität des Behandlers gemessen im Sinne eines „Der kann offensichtlich was, sonst hätte er es nicht so weit geschafft…“) ein nicht wegzudiskutierendes Maß an Sozialneid zum Tragen.

Auch das lasse ich, lediglich beobachtend und als deutsche Eigenheit registrierend, unbewertet als Fakt im Raum stehen.

Fest steht jedoch auch hier wieder: Solange noch Insignien eines wie auch immer gearteten Praxiserfolges zu sehen sind, ist an eine vom Patienten sanktionierte Gehaltsanpassung nicht zu denken. Soll heißen, erst wenn das Auto des Zahnarztes deutlich kleiner und älter ist als das eigene und sein Jahresurlaub auf Balkonien in der Mietwohnung stattfindet, darf wieder die Stimme erhoben und eine Gehaltssteigerung postuliert werden.

Siehe KO- Kriterium 1.

Und die Piloten ?  Haben Glück, dass sie gewissermaßen noch unter der Nachweisgrenze laufen.

KO – Kriterium 4:

Wem gehört eigentlich das Flugzeug, dass der Pilot fliegt und wer bezahlt die Flugbegleiter ?

Streiks oder Streikandrohungen von Pilotenseite gab es des öfteren in der Vergangenheit. Und vollkommen unabhängig davon, ob diese berechtigt waren oder nicht, sie waren in der Regel von Erfolg gekrönt.

Wenn die „Pilotengewerkschaft“ zum Streik aufruft, dann lehnt sich der Pilot entspannt zurück und genießt die arbeitsfreie Zeit mit dem sicheren Wissen, bei der Wiederaufnahme seiner Arbeit mit einem satten Plus an Bezügen zum Pilotensitz zurückkehren zu können.

Auflaufende Kosten aus seinem „Kleinunternehmen Flugzeug“ gibt es für ihn nicht. 
Ein entscheidender Unterschied zum Kleinunternehmer „Zahnarzt“.

Der hat nämlich zur Praxisgründung einen Kredit von 350 – 500.000 Euro aufgenommen, den er abbezahlen muss, er hat laufende Kosten für Miete etc. und er zahlt die Gehälter für seine zahnmedizinischen Mitarbeiter in der arbeitsfreien Zeit.

Machen wir uns nichts vor. Wäre der Pilot anteiliger Kreditnehmer für sein Arbeitsgerät „Flugzeug“ und müsste er die Gehälter der Flugbegleiter aus eigener Tasche zahlen, jegliches Streikgebaren wäre sofort und ein für alle mal vom Tisch.

Auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Ein Zahnarzt, der in eigener Praxis steht, ist erpressbar. Er ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass seine Praxis läuft, dass er arbeiten kann.

Oder er geht pleite. Ziemliche ungleiche Hebel, was Gehaltsverhandlungen angeht, zumal die Machtverhältnisse offenliegen.

Ein cooler Bluff a la „Oceans Eleven“ scheidet also von vorne herein aus.

Wer es dennoch tut (oder auch nur andeutet), macht sich lächerlich.

Stellen sie sich einen Pokerspieler vor, der als einziger von allen Spielern von Beginn an seine 5 Karten offen auf den Tisch legen muss.

Ziemlich langweiliges Spiel.

Vorhersagbarer Ausgang.

Ein Ärztestreik mit diesen Voraussetzungen ?

Undenkbar.

Das wissen Gesetzgeber, Ministerialbürokratie und Krankenkassen.

Gibt es ein Ausweg aus diesem Dilemma ?

Einen Königsweg sicher nicht, aber es gibt eine Lösung.

Darüber morgen an dieser Stelle.

Top Ten – WURZELSPITZE – Hitliste 2011

von Hans – Willi Herrmann

Unter Top Ten 2011 findet sich die Auflistung der meistgelesenen WURZELSPITZE – Beiträge diesen Jahres, ergänzt durch eine Liste der „All Time Favorites“, der meistgelesenen Beiträge aller Zeiten.

Herzschlag eines schwarzen Loches

von Hans – Willi Herrmann

Ohne die Verdienste Darwins schmälern zu wollen, es gibt weitaus größere Mysterien unseres Seins, die nachwievor ungelöst sind.
Ganz gleich, ob es sich dabei um Schwarze Löcher oder um Mitochondrien handelt.

Video via Engadget.

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Das Jahr 2011, wir waren dabei

Abbitte

von Hans – Willi Herrmann

Vor einiger Zeit wurde ich gebeten, einen im Sortiment von  Acteon und VDW befindlichen Ultraschallansatz zu beurteilen, welcher der Entfernung von Wurzelstiften dienen soll.

Ich hab ihn interessiert zur Kenntnis genommen und anschließend zur Seite gelegt.
Was, ich muss gestehen, vermutlich vorrangig der Tatsache geschuldet ist, daß ich seit vielen Jahren mit den von mir verwendeten  Maillefer – Ansätzen (ProUltra Endo 1, Start-X 4) zur Wurzelstift – Entfernung sehr zufrieden bin. Und darüber hinaus vom martialischen Design des MAXI MPR- Ansatzes abgeschreckt wurde, zumal empfohlen wurde, den Wurzelstift am Stiftkopf von okklusal zu belasten, um so die Zementfuge aufbrechen zu können.

Da lag er dann, der neue Ansatz, im „Mohrschen Schrein“ der Baischschrank- Schublade und fristete ein unbeachtetes Exotendasein.
Bis zu dem Tag, an dem ein renitenter Wurzelstift sich allen Entfernungsversuchen widersetzte, ich aber nicht zum Äußersten, sprich zum Einsatz des Ruddle PRS- Kits schreiten wollte.
Da erinnerte ich mich.  Holte den MAXI MPR aus der Versenkung hervor, liess  ihn vorbehaltlos, jedoch ohne konkrete Erwartungshaltung losvibrieren und – siehe da – innerhalb von weniger als 60 Sekunden war der Wurzelstift locker, der Rest  schnell durchgeführte Routine.

Und dann letzte Woche.
Gleiche Konstellation, der Wurzelstift in Zahn 25 will partout nicht raus.
Ich mühe mich ab mit den gewohnten Hilfsmitteln, dünne Ultraschallspitzen für die Zementfuge, intermittierend der Start-X Ansatz Nr. 4. Aber wider Erwarten will der Stift, der zunächst gar nicht so schwierig erschien, sich nicht lockern lassen.

Schließlich lasse ich mir den  MAXI MPR- Ansatz aus dem Schrein holen. Der Stift, individuell gegossen, mit Glasoinomerzement eingesetzt, scheint einen Versuch prinzipiell zuzulassen. Das Resultat: es gelingt nicht ganz so schnell wie beim ersten Mal, aber doch innerhalb von 1-2 Minuten, den Wurzelstift loszuvibrieren.

Moment, hör ich sie sagen: Hätte ich nicht vielleicht auch das gleiche Ergebnis erzielt, wenn ich den Start-X 4 – Ansatz noch 2 Minuten weiter eingesetzt hätte ?

Kann sein, ist aber – aus meiner langjährigen Erfahrung heraus mit den Kugelkopf – Ansätzen – eher unwahrscheinlich.
Ich glaube eher, dass ich auch noch weitere 10 Minuten mit den mir vertrauten Ansätzen hätte arbeiten können, ohne das sich was gerührt hätte.

Ich werde auf jeden Fall zukünftig bei nicht geschraubten Wurzelstifte den MAXI MPR – Ansatz intermittierend mit meinen gewohnten Kugelkopf- Ansätzen von Anfang an zum Einsatz kommen lassen.

Der Platz im Schrein ist leergeräumt, der MAXI MPR ein  neuer und zusätzlicher wertvoller Pfeil im Köcher der Stiftentfernungswerkzeuge.