von Hans – Willi Herrmann
In 2010 habe ich den Wechsel von analogem zu digitalem Röntgen vollzogen. Spät ? Sicherlich, angesichts der Tatsache, dass seit ca. 15 Jahren es bereits die Option des digitalen Röntgen gibt.
Aber über lange Zeit war mir die Qualität des digitalen Zahnfilms nicht ausreichend.
Auch die immer wieder betonte Reduktion an Strahlendosis schien in der Praxis weitaus geringer als vom Hersteller propagiert. So bestätigte mehrmals der TÜV- Experte, der turnusgemäß die Überprüfung unserer Röntgengeräte vornahm, dass wir mit der gleichen niedrigen Strahlendosis röntgen würden wie Kollegen, die digital röntgen. Und bei meinen Arbeitskursen in Instituten, die über digitales Röntgen verfügten, konnte ich dies auch genau so feststellen.
Seit Juni 2010 arbeite ich nun mit digitalen intraoralen Aufnahmen und jetzt, Anfang 2012 haben wir den nächsten Schritt hin zur volldigitalen Röntgenpraxis vollzogen.
Im Nachfolgenden möchte ich über meine Entscheidungsfindung berichten und in mehreren Beiträgen über die nachfolgende Integration in die vorhandenen Praxisabläufe berichten:
Teil1
- Einleitung
- Entscheidungsfindung Möglichkeit 1: Sensor
Teil 2
- Entscheidungsfindung Möglichkeit 2: Speicherfolie
- Entscheidung
Teil 3
- Integration in die Praxis
- Fazit
Die Frage, die es zunächst zu beantworten galt, lautete: Für welches Systemkonzept (Sensor oder Speicherfolie) sollte ich mich entscheiden ?
Was stand zur Auswahl ?
Zunächst natürlich der Kodak- Sensor 6100. Denn es waren Röntgenbilder dieses Sensortyps, die ich bei Kollegen im Praxisalltag gesehen hatte, die mich überzeugten, dass wir es hier nun endlich mit einem Aufnahmegerät zu tun haben, welches die Bildqualität analogen Röntgens übertrifft.
Lange hatte es gedauert, viele mediokre Ergebnisstufen hatte es im letzten Jahrzehnt gegeben, aber nun offensichtlich war der Durchbruch geschafft, die Ergebnisse sogar besser als mit analogen Zahnfilmen zu erreichen.
Sensor oder Speicherfolie ?
Für den Sensor spricht sehr stark die sofortige Verfügbarkeit des Bildes. Unmittelbar nach dem Auslösen wird das Bild auf dem Monitor angezeigt. Ein weiterer Vorteil, den der Sensor beim häufigen endodontischen Behandeln bieten könnte, ist die Möglichkeit, durch Repositionierung der Röntgenröhre schnell und einfach exzentrische Aufnahmen erzeugen zu können oder auch notwendig gewordene Wiederholungsaufnahmen unmittelbar durchführen zu können.
2: 0 für den Sensor. Plus die Super- Bildqualität.
Zwischenstand 3: 0 also.
Was spricht dagegen ?
Zunächst die Tatsache, dass die Abbildungsfläche des Sensors kleiner ist als vom Zahnfilm her gewohnt. Es geht also weniger drauf, auf einen solchen „Sensorfilm“. Möglicherweise fehlt genau das, was wir sehen wollen. Die Wurzelspitze. Kleinerer Ausschnitt bedeutet aber auch, es müssen z. B. im Rahmen eines Zahnstatus mehr Aufnahmen gemacht werden und der Sensor muss präziser im Mund platziert werden. Apropos Platzierung. Die ist schon von vornherein schwieriger, teilweise sogar deutlich schwieriger als vom Zahnfilm her gewohnt.
Von den anderen Problemen, die von Kollegen berichtet wurden, ganz zu schweigen. Defekte Sensoren, Probleme in der Abstimmung mit der Röntgensoftware mit Ausfällen des angefertigten Bildes und damit nutzloser Bestrahlung des Patienten. Und mangelhafter bis nicht existenter After Sale- Service bestimmter Sensorenhersteller sowie hohe Anschaffungs- und Reparaturkosten. Ein Studienkollege hat in der Zeit seines digitalen Röntgens (nicht ganz 10 Jahre) 3 Generationen an Sensoren und 2 OPG – Varianten durchlebt, sprich wegschmeissen und wieder neu käuflich erwerben müssen. Er sagt, diese Investitionsverluste könne er im Laufe seines Berufslebens nicht mehr kompensieren, egal wie viele Röntgenbilder er zukünftig noch machen würde, Röntgen würde also, selbst wenn keine weiteren Kosten mehr hinzukämen, zeitlebens für ihn ein Verlustgeschäft bleiben.
Wie sieht es nun mit der Speicherfolie aus ?
Ist diese eine Alternative, vielleicht sogar die bessere ? Oder ist dieses Röntgenkonzept nur zweite Wahl, aus der Not heraus geboren und seine Existenz lediglich auf der Unzulänglichkeit der Sensoren und ihrer Rahmenbedingungen gründend ?
Darüber, und warum/wie ich mich letztendlich entschieden habe, berichte ich hier an dieser Stelle in meinem nächsten WURZELSPITZE- Beitrag.

Ich arbeite nun in meiner zweiten Praxis im zweiten Jahr als VB-Assi. In der ersten hatten wir einen Kodak-Sensor (welchen weiss ich nicht mehr genau), in der jetzigen Praxis haben wir Speicherfolien.Als Sensor-/ bzw. jetzt Filmplatzierer haben sowohl meine beiden Chefs mit je 20 Erfahrung, insgesamt 6-7 verschiedene ZFA’s (23 – 45 Jahre alt), und meine Wenigkeit, gewirkt – meine Beobachtung sind also einigermaßen „repräsentativ“ miteinander zu vergleichen:
– Die Bilder der Speicherfolie sind eindeutig besser aufgelöst. Es gab mit dem Sensor durchaus starke Schwierigkeiten, apicale Herde im Oberkiefer oder approximale Karies im Bissflügel zu erkennen. Daher wundert mich ihr Statement zum Kodak-Sensor bzgl. Bildqualität, aber evtl. hatten wir einen alten Sensor oder eine flaue Rö-Röhre.
– Der kleine Bildausschnitt des Sensors hat zu ständigen Wiederholungsaufnahmen geführt. Sei es die von Ihnen angesprochene Wurzelspitze, die fehlte, oder der 4er Mesial beim Bissflügel. Für eine 8er-Diagnostik musste der Patient fast immer ins OPG. Die Wiederholungsrate lag grob im Schnitt bei 1/10, während sie jetzt im Schnitt bei 1/20 liegt.
– Die Platzierung des äüßerst dicken Sensors in Kombination mit dem nervigen Kabel war oftmals schlichtweg eine Tortour für den Patienten, und damit einhergehend auch eine Tortour für Behandler/Assistenz. Wurzelspitze des UK 7 war oftmals mit Mundbodenschmerzen und Würgereiz vergesellschaftet.
– Technische Probleme mit dem Sensor traten im Schnitt einmal im Monat auf, so dass die Patieten den Raum wechseln mussten. (Wir hatte einen Tubus im Behandlungszimmer). Bei vollem Betrieb und mit vollgespeicheltem Kofferdam auch nicht gerade schön.
– Die Zeit ist natürlich ein Faktor, der sehr stark für den Sensor spricht. Denke ich aber an die endlosen Minuten, welche mit Sensorplatzierung, Wiederholungsaufnahmen oder Raumwechsel einher gingen, so negiert sich dieser Vorteil schnell wieder.
Mein Fazit:
Jetzt, mit der Speicherfolie, habe ich ein wesentlich ruhigeres Gefühl wenn das Röntgen-Kommando ausgesprochen wird. So gut wie jede Aufnahme „sitzt“, und das binnen weniger Minuten – auch wenn die Entwicklung jedes Mal 2-3 Minuten „frisst“. Zudem liebe ich einfach die neue Schärfe und Detailgenauigkeit der Bilder, die ich beim alten Sensor so kläglich vermisst habe. Der Patient, hätte er den Vergleich, würde sich auch freuen.
Sollte es in Zukunft keine detailgetreueren und, vor allem, SCHMALERE Sensoren geben, die zudem Kabellos über W-LAN laufen, so würde ich bisher in meiner imaginären eigenen Praxis irgendwann wohl zur Speicherfolie greifen!
Ich hatte gestern schon das Bedürfnis, dazu etwas zu schreiben: zum Einen, weil mir die Geschichte des Studienkollegen Herr Hermanns als „Ausprobierer“ für die Dentalindustrie ein trauriges Nicken abrang. Zum Anderen weil es sicher eine Frage des Glaubens ist, für was man sich entscheidet: Sensor oder Speicherfolie… wären beide in der Anschaffung günstiger, würde mancher sicher beides haben wollen.
Meine Erfahrung mit Speicherfolien: OPG´s könnten sicher noch besser auflösen, bei den kleinen größen ist es wirklich auch eine Frage des verwendeten Tubus´. Ist der Tubus zu alt, ist auch die theoretisch zu erreichende Auflösung von 40LP/2000dpi keine Qualitätsverbesserung.
Zum Punkt mit der Zeit: natürlich sind 3 Minuten Entwicklungszeit ein Minuspunkt für die Speicherfolie- an die alten Filmentwickler mag sich aber da wohl keiner mehr erinnern… was hat der an Zeit, Bildern und Nerven gekostet und natürlich auch Infos vorenthalten (sprich: nicht mehr aufgelöst), wenn der Entwickler die letzte Woche erreichte.
Letztlich bin ich gespannt, wie die beiden folgenden Teile auflösen, wie und warum sich der Autor so entschieden hat.
Viele Grüße,
KT
Die Kostensituation beim Röntgen (analog oder digital) war immer schon so, daß sich die Investition nie gerechnet hat, mit Mühe war es schon zu analogen Zeiten nur möglich (in einer durchschnittlichen Zahnarztpraxis ohne KfO), Geräte nach der Abschreibungszeit (8Jahre) mit entsprechendem Durchsatz an Aufnahmen gerade so bezahlt zu haben, Rücklagenbildung für Neuinvestition kaum möglich. Das, was uns das digitale Röntgen an Helferinnenzeit für Entwicklung und Archivierung einspart, greift die Industrie nun durch unausgereifte, fehlerbehaftete Produkte mit laufenden Hard-und Softwareupdates wieder ab, völlig unabhängig von Sensor-oder Speicherfolientechnik. Röntgen hat eine reine Servicefunktion für unsere Patienten, Ausnahme vielleicht sind KfO-und Kieferchirurgische Praxen mit hohem Röntgendurchsatz.