Ü- Day 6, Team- Day 7 WURZELSPITZE in Leipzig

von Hans – Willi Herrmann

Leipzig_Üday-1-2Am 27. – und 28. März 2015 fand in Leipzig nunmehr schon zum 6. Mal der traditionelle Überweisertag der 5 WURZELSPITZE- Praxen statt. Einmal im Jahr laden wir mit dem  Ü- Day unsere Überweiser zu einem Fortbildungsevent ein, dass an einem der 5 WURZELSPITZE- Praxenstandorte ausgerichtet wird. Nach 2012 war nun Leipzig ein weiteres Mal Zielort des Treffens.

Diese Fortbildungswochenenden bestehen aus 4 Bausteinen. Dem Get Together, einem Treffen der Überweiser, aller Praxisteams und Freunden von WURZELSPITZE. Dem Teamday, einer internen Fortbildung der Praxismitarbeiter. In diesem Jahr standen 2 Seminare auf dem Programm:

  • „Dental English“  – humorvoll und locker durchgeführt von H. Nathan Smith, einem in der Nähe von New York in New Jersey aufgewachsenen „native speaker“ vom Wall Street English- Team Leipzig – sollte die Sprachkenntnisse der Mitarbeiter im Hinblick auf fremdsprachige Patienten erweitern.
  • Und Pia Schwalm, ehemals Booz & Company, nun  L&D Europe Program Coordinator Strategy, zuvor in erstklassigen Hotels in Europa tätig, beleuchtete im  Seminar“ Wir sind ja nicht im Hotel“ das Thema „Servicequalität“ in der Zahnarztpraxis.

Paralellel dazu widmeten sich die Zahnärzte der WURZELSPITZE- Praxen im von Dr. Sabine Löffler gehaltenen Anatomiekurs am Humanpräparat interessanten, weil behandlungsrelevanten Aspekten der Kopf- Anatomie.  Am Nachmittag gab Dr. Sebastian Riedel Einblicke in seine von Prof. A. Guttowski (in dessen Praxis er als Ausbildungsassistent tätig war)  geprägten Arbeitsabläufe.

Am Samstag dann – im großen Hörsaal des Anatomischen Institutes der Universität Leipzig, einem der schönsten akademischen Hörsäle Deutschlands – zunächst die Vorträge der WURZELSPITZE – Referenten:

 Auf der Agenda standen:

  • Hans – Willi Herrmann – DVT – was nun? Ein Leitfaden für den Schnelleinstieg
  • Olaf Löffler – Update Endodontie (I) Was hat sich in meiner Praxis bewährt, was nicht.
  • Christian Danzl – Reziprok im endodontischen Alltag – Ein kurzes Update
  • Christoph Kaaden – Mythen der Endodontie (II) – Die medikamentöse Einlage
  • Jörg Schröder – Revitalisierung nach Frontzahntrauma

Auch in diesem Jahr stand der Vortrag eines externen Referenten als abschließender Programmpunkt im Mittelpunkt des Interesses:

Prof. Markus Jungehülsing, seit 2007 Leiter des Haut – und Kopfzentrums am Klinikum Ernst von Bergmann, ( Funktionsbereich HNO, Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie, Ophthalmologie, Dermatologie) und seit 2008 Honorarprofessor der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Potsdam referierte mit eindrucksvollen Videos unter der Überschrift: „45 cm3 Luft: Der Sinus maxillaris im Focus dreier Fachgebiete“ über die Kieferhöhle, ihre Anatomie, Physiologie und Pathologie sowie der Therapie von Sinuitiden aus HNO – Sicht.

Für das nächste Jahr ist ein weiterer Ü – Day geplant.
Er soll am 30. April 2016 in Bad Kreuznach stattfinden.

Abschliessend noch ein paar fotografische Impressionen vom Event.

 

Wurzelspitze Ü Day 4, Teamday 5 Salzburg 2013 in Bildern

von Hans – Willi Herrmann

Nachfolgend ein paar fotografische Impressionen vom diesjährigen WURZELSPITZE Ü-Day / Teamday in Salzburg.

Ein besonderes Dankeschön geht an unseren Patienten Herrn H. aus S., der mir liebenswerterweise seine Leica M Monochrom zum Ausprobieren zur Verfügung stellte.

2. DGET Jahrestagung 2012 in Leipzig

von Stefan Klinge

Vom 1.- 3. November fand die zweite Jahrestagung der DGET in Leipzig statt. Eine erfolgreiche Veranstaltung. Denn nicht nur hochkarätige Vortragende, sondern auch eine schier nicht enden wollende Zahl an Teilnehmern bescherten nicht nur fachlich, sondern auch menschlich einen regen Austausch. Die Tagung begann am Donnerstag nachmittag mit sieben Workshops, die sich neben verschiedenen Feilensystemen auch mit dem Einsatz des DVT in der Endodontie beschäftigten. Berichten kann ich von dem Kurs über WaveOne, der von Dr. Josef Diemer gehalten wurde. Mal abgesehen von der professionellen Abhandlung des Themas, vermittelt Dr. Diemer das Gefühl als ob er jeden Teilnehmer schon jahrelang kennen würde. Insgesamt ein hervorragender Kurs, der mein Behandlungskonzept mit Protaper / Profile und Pathfiles bestätigte. Das Single File Konzept des WaveOne Systems wurde von Dr. Diemer mit dem Einmalgebrauch der Feilen erklärt, welche als Teil einer hybriden Aufbereitungstechnik zu sehen sind. Dieser erste Kongresstag klang mit der Mitgliederversammlung aus, in der unter anderem über die Arbeit der DGET im Zusammenhang mit der neuen GOZ 2012 berichtet wurde. Hervorgehoben wurde dabei die Arbeit der GOZ AG, bei deren Mitgliedern sich der der Vorstand bei dieser Gelegenheit bedankte. Am Freitag beeindruckte mich der Vortrag über Milchzahnendodontie und Endo nach Trauma im bleibenden Gebiss von Dr. Hubertus van Waes / Zürich. Insbesondere wurde die Rolle des CaOH2 als Stimulation einer Hartgewebsbrücke kritisch hinterfragt und MTA im Vergleich als bessere Alternative empfohlen. Und dies nicht nur bei VitA oder kleinfächiger Eröffnung der Pulpa, sondern insbesondere bei der Behandlung des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums als Folge eines Traumas. Da es aber bei MTA immer wieder zu Zahnverfärbungen käme, wurde eine Alternative dazu entwickelt, die allerdings bis jetzt nicht röntgenopak war. Dies soll sich nun ändern, da eine neue, röntgensichtbare Variante des MED-PZ ( Medizinischer Portlandzement ) in Kürze über eine in der Schweiz ansässige Firma erhältlich sein soll. Es folgte der Vortrag von Prof. Dr. Löst / Tübingen über das Phänomen der Längsfrakturen bei endodontisch behandelten Zähnen. Eine allgemeingültige Aussage über die Ursache einer VRF läßt sich nach heutigem Wissensstand nicht formulieren. Sicher sei allerdings, dass eine vertikale Wurzelfraktur in den wenigsten Fällen bei vitalen Zähnen und bei avitalen Zähnen ohne endodontische Versorgung auftrete. Prof. Dr. Thomas von Arx / Bern brillierte mit einem fesselnden Vortrag über apikale Chirurgie. Mit eindrucksvollen Fallbeispielen konnte er vermitteln, dass eine chirurgische Intervention oftmals durch eine gründliche, präoperative Diagnostik vermeidbar sei. Hierzu zählten nicht nur das DVT sondern in erster Linie auch simple klinische, wie auch radiologische Untersuchungen, wie eine Taschentiefenmessung oder eine exzentrische Zahnfilmaufnahme. Nicht zuletzt sollte man die eigene Diagnose immer nochmals kritisch hinterfragen. Der Vormittag des Samstags wurde komplett vom Vortrag von Prof. Dr. Ove Peters / San Francisco eingenommen. Zum einen ist aus seiner Sicht nicht geklärt, weshalb eine endodontische Therapie gelingt oder misslingt. Denn nichts Wesentliches habe sich seit ca. hundert Jahren geändert, was er mit einem Film über eine endodontische Behandlung aus dem Jahre 1917 untermauerte. Zum anderen liege die Zukunft der Endodontie weniger in der Entwicklung neuer technischer Instrumentarien, als vielmehr im Verständnis komplexer, biologischer Zusammenhänge, wie er am Beispiel der Revaskularisierung verdeutlichte. Dr. Frank Paqué konnte nachfolgend in seinem Vortrag über anatomische Strukturen erneut beeindrucken. Seine Visualisierung des endodontischen Systems mittels MikroCT, läßt staunen und zweifeln zugleich. Insofern unterstützt sein exzellenter Vortrag die Ausführungen seines Vorredners, mehr auf die Biotechnik als auf neue Feilentechnik zu setzen. Der Nachmittag wurde dann durch Dr. Johannes Mente / Heidelberg und Thomas Clauder / Hamburg in einem gemeinsamen Vortrag bestritten. Mit schier unendlichen, aber packenden Fallbeispielen konnten beide Redner ausführlich die Einsatzgebiete von MTA ( Mineral Trioxide Aggregate ) in der Endodontie darlegen. Obwohl auf MTA schon mehrfach in den vorangegangenen Vorträgen eingegangen wurde, konnten beide das Auditorium bis zum offiziellen Ende der Tagung am späten Nachmittag begeistern. Insgesamt zeichnete sich diese Tagung nicht nur durch eine gelungene Auswahl an Vortragenden und Themen aus, sondern auch durch eine fast familiäre Atmosphäre. Ob in den Pausen, abends an der Bar oder zum abendlichen Event in Auerbachs Keller, es fand immer ein reger Austausch statt – ob nun auf fachlicher oder privater Ebene. Ein ganz besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hinter den Kulissen, die mit beispielhaftem Einsatz für einen reibungslosen Ablauf der Tagung sorgten. Im nachfolgenden Video habe ich versucht, zumindest ein paar wenige Impressionen festzuhalten.

Zwei an einem Tag

von Hans – Willi Herrmann

… ist nicht nur der Titel eines der diesjährigen Hollywood – Kinostreifen, sondern in der Tat finden am 2. und 3. November 2012  gleichzeitig die beiden Jahrestagungen der DGET und des VDZE statt.

Leider nicht am gleichen Ort, sondern räumlich mehrere hundert Kilometer getrennt, in Leipzig und Wiesbaden.

Tagungsprogramme finden sich hier (DGET) und hier (VDZE).

Wurzelspitze ÜDay 3 TeamDay 4 Berlin

von Hans – Willi Herrmann

Eine Tradition entsteht, so wurde mir einmal gesagt, wenn etwas zum 3. Mal stattfindet.
Das war  beim 3. Südtiroler Endodontie – Oktober in Bozen. 2008.
Und ist es jetzt wieder.

Denn am vergangenen Wochenende fand der 3. Überweisertag der WURZELSPITZE – Praxen statt, zusammen mit dem jetzt schon 4. TeamDay für alle Praxisteams.
Perfekt organisiert. Vielen Dank (ich bin sicher, ich spreche hier im Namen aller) dem WURZELSPITZE-Team „Berlin“ der Zahnarztpraxis Dr. Jörg Schröder/Dr. Sebastian Riedel.

Warum ein ÜDay, warum ein TeamDay ?
Beide Events sind angelegt als praxisinterne Weiterbildungen und mit  Fachvorträgen für die Überweiser gedacht als ein Dankeschön für die harmonische Zusammenarbeit der vergangenen 12 Monate.

Jahr für Jahr wechselnd.
Dieses Jahr, nach München und Lepizig, in der, wie es Jörg Schröder spaßeshalber gerne immer mal wieder betont, in der Hauptstadt, in Berlin.

Der Freitag begann  im Zeichen der internen Praxisweiterbildung  mit halbtägigen Vorträgen von Dr. Doreen Schubert  und Dr. Sebastian Riedel zu parodontalen und endodontischen Themen. Und – eine Neuerung beim ÜDay – mit einem Arbeitsseminar von Frau Jennifer Schnell „Reklamations und Konfliktmanagement“ zum Thema Interaktion Patient- Praxismitarbeiter.

Am Abend dann das traditionelle Get Together, mit reichlich Gelegenheit zum  Wiedersehen, Anekdotenaustausch oder auch „Erstmaligtreffen“. Das unter den Neuhinzugekommen auch Leute dabei waren, die ich schon lange virtuell kannte, aber noch nie zuvor persönlich getroffen hatte, hat mich besonders gefreut.

Der Samstag dann mit folgendem Vortragsprogramm:

Prof. Dr. Oliver Stoll
Mehr Leistung in der Praxis durch emotionale Intelligenz – Möglichkeiten und Grenzen von funktionaler Kommunikation

Christoph Kaaden
Regenerative“ Massnahmen in der der Endodontie

Christian Danzl, Jörg Schröder
Das DVT in der endodontischen Praxis – Nutzen und Grenzen

Hans – Willi Herrmann
Fotografie am Dentalmikroskop – Versuch einer Demystifizierung

Mit Oliver Stoll, Professor für Sportpsychologie und Sportpädagogik an der Martin Luther  Uni Halle-Wittenberg eröffnete ein weiterer externer Referent, ein weiteres Novum, diesen Vortragstag. Und er referierte zudem über ein nicht zahnmedizinisches Thema.

Ein Wagnis ? Möglicherweise aber auch eine Chance, neue Denkweisen in einen idealerweise reibungslos funktionierenden, aber dadurch vielleicht auch eingefahrenen Arbeitsablauf des Zahnarztpraxisalltags zu bringen. Und gewollte Parallelen zum Seminar von Frau Schnell gaben den Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, am Vortag aufgezeigte Thematiken zu vertiefen oder differenziert zu beleuchten.

Wir war´s, rückblickend ?
Für ein defintives Fazit ist es im Moment noch zu früh. Zum einen sind alle nach diesem Wochenende „geschlaucht“, denn das Event war ein richtige hartes Arbeitswochenende und so blieb den einen lediglich 2 Stunden zum Besuch der Gerhard Richter-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, den anderen das Musical „Tanz der Vampire“ als musikalischen Ausgleich.
Ausserdem wird sich, wie immer, erst im Laufe der Zeit zeigen, inwieweit die Anregungen der Vorträge ihren Einzug in das Repertoire der Zahnarztpraxen halten werden.

Aber ich bin zuversichtlich, denn wir haben heute schon erfolgreich die ersten Änderungen angegangen.

Eines hatten bislang alle ÜDays gemeinsam und da bildete Berlin keine Ausnahme: Sie waren allesamt sehr, sehr harmonisch.

Und deshalb freuen wir uns schon jetzt auf den nächsten ÜDay.
Er findet statt am 26. und 27.04.2013 in Salzburg.

Ü-Day 2, Team-Day 3 in Leipzig

von Hans – Willi Herrmann

Letztes Jahr in München zum ersten Mal durchgeführt, ging in Leipzig am vergangenen Wochenende der  2. Ü – Day der 5 WURZELSPITZE – Praxen über die Bühne. Die Idee – eine zahnmedizinische, vorrangig endodontische Fortbildung für die Überweiser der Praxen in Bad Kreuznach, Bad Reichenhall, Berlin, Leipzig und München. Und – parallel dazu, der nun schon 3. Team- Day für unserer Praxismitarbeiter, ein interner Erfahrungsaustausch unter Leitung von Sebastian Riedel und Doreen Schubert, diesmal unter anderem mit praktischen Übungen am Dentalmikroskop.

Auftakt für die Vorträge am Samstag war ein Abendessen im historischen Ratskeller als gemütliches, informelles  Get Together, das später dann an der Hotelbar ausklang.

Praktische Erfahrungen mit der reziproken Aufbereitung (Hans – Willi  Herrmann)  und der SAF – Feile (Olaf Löffler), ein Praxisleitfaden bei dentalen Traumata (Christoph Kaaden, Jörg Schröder) sowie nicht alltägliche Fallbeispiele unter dem Motto „Saving Hopeless Teeth“  (vorgetragen  von Christian Danzl, Hans – Willi Herrmann,  Christoph Kaaden, Jörg Schröder und Doreen Schubert) standen auf der Agenda des Ü – Days.

Das Resultat: Sehr gute Stimmung bei allen Teilnehmern und Ausführenden.

Die Konsequenz.: Wir freuen uns auf den nächsten 3. Ü – Day 2012, der am 20. und 21. April 2012 in Berlin stattfinden soll und bedanken uns herzlich bei Olaf Löffler und seinem Team, namentlich bei Mandy Möller, Kathrin Schimmel, Anja Hakelberg, Christin Büttner und Dr. Doreen Schubert für die tolle Aufnahme und Gastfreundschaft.

1 / 55

Ü-Day 2010

von Hans – Willi Herrmann

Es ist schön, wenn Ideen, die man seit langer Zeit mit sich trägt, Realität werden. Und noch besser, wenn alles genau so funktioniert, wie man es sich vorgestellt, erhofft hat.
So geschehen letztes Wochenende in München mit dem Wurzelspitze – Ü – Day 2010, der zeitgleich mit dem Teamday 1/2010 stattfand.

Das „Ü“ steht für Überweiser und charakterisiert eine kostenlose Fortbildungsveranstaltung für die regelmäßigen Überweiser der 5 WURZELSPITZE – Praxen.

Die Fotos sind vom gemütlichen „Come Together“ am Freitagabend im „Wirtshaus in der Au“.
Am Samstag dann, während die Praxisteams sich unter der Leitung von Sebastian Riedel der detaillierten Ausarbeitung der QM – Standards widmeten, Vorträge der Wurzelspitze- Behandler.

Direkte Überkappung mit MTA, Reziproke Aufbereitung, Handhabung dentaler Traumata, die Schwierigkeiten der Revisionsbehandlung, aber auch ein Ausblick in die Zukunft des Wirtschaftsunternehmens „Zahnarztpraxis“ waren die Themen.

Die Resonanz der 25 Ü-Day Teilnehmer: Uneingeschränkt positiv.

Die Konsequenz: Der nächste Ü-Day, 2011 in Leipzig, ist schon festgezurrt.

Tipping Point Montagsdemo

von Hans – Willi Herrmann

Vor ein paar Tagen habe ich an dieser Stelle über Malcom Gladwell berichtet und sein Buch „The Tipping Point“ erwähnt. Darin geht es um bedeutsame Entwicklungen, die von einer Keimzelle ausgehend epidemieartig ihren Siegeszug antreten.

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Das sagte schon Victor Hugo und es ist, denke ich, eine schöne Umschreibung, worum es in dem Buch geht, für dass ich hier noch einmal Partei ergreifen möchte.
Keine zufällige Wortwahl im Übrigen, denn, wie es der Zufall so will, heute in der Zeitung ein Paradebeispiel für einen Tipping Point in der jüngeren deutschen Geschichte.
Innerhalb von 6 Wochen von 1000 auf 300.000.

Renate Meinhof schreibt in der Süddeutschen Zeitung zum 20. Jahrestag der Leipziger Montagsdemo:

Am 4. September 1989 erlebte Leipzig die erste Montagsdemonstration. Am Anfang kamen nur 1000 Personen. Später sollten über 300 000 für einen Regimewechsel in der DDR demonstrieren.

Warum war es gerade Leipzig, die Stadt Johann Sebastian Bachs, wo am 4. September 1989 der Kampf um die Straße begann und der Untergang des kleinen deutschen Staates buchstäblich eingeläutet wurde? Leipzig war wie alle Städte der DDR heruntergekommen, sichtbar vor allem im Verfall der Altbauten. Die Wohnungsnot wuchs unerträglich, gerade für junge Familien.

Und doch war aufmüpfiges Leben in der Stadt, der Schuss Weltoffenheit, den vor allem die Messen mit sich brachten. Zweimal im Jahr fanden sie statt. Anfang September 1989 gab es hier schon eine aktive Opposition, es gab mutige Pastoren und 5000 Menschen, die Ausreiseanträge gestellt hatten, um dem Sozialismus den Rücken zu kehren.

„Die Stimmung ist mies, Genosse Minister“, so beschrieb Stasi-Generalleutnant Manfred Hummitzsch aus Leipzig seinem Chef Erich Mielke am 31. August die Lage in der Stadt. „Es ist tatsächlich so, dass aus einer zufälligen Situation hier und da ein Funke genügt, um etwas in Bewegung zu bringen“.

Diesen Funken fürchtete die SED. Längst hatte Mielke deshalb seine Untergebenen auf eine härtere Gangart eingeschworen, die Nationale Volksarmee war auf einen Einsatz im Inneren vorbereitet. Die Friedensgebete in der Nikolaikirche, die nach sechswöchiger Sommerpause am 4. September wieder beginnen sollten, mussten unbedingt verhindert werden. Auf Bischof Johannes Hempel und seine Pastoren wurde Druck ausgeübt.

Und doch kamen um 17 Uhr etwa 1000 Menschen in die Kirche. Versöhnung und Schuld, das war das Thema der Predigt. Nach dem Gebet traf man sich vor der Kirche. Die ersten Transparente tauchten auf, schon das war eine Revolution. „Reisefreiheit statt Massenflucht“, stand auf einem.
Es hielt sich nicht lange. Männer vom Ministerium für Staatssicherheit griffen sofort zu. Mehrere hundert Menschen, von Polizeiketten immer wieder abgedrängt, marschierten bis zum Hauptbahnhof. Die Leipziger Volkszeitung machte sich lustig über die „Störenfriede“. Die Masse der Leipziger habe einen „ganz normalen friedlichen Messe-Montagabend“ verbracht.

Bald war nichts mehr normal, nichts mehr gewohnt. Am Montag, dem 11. September, sprach Pastor Christian Führer zum Ausreiseproblem. Es gab Verhaftungen, Verurteilungen. Schnell solidarisierten sich Gemeinden in anderen Städten mit den Leipzigern, der Funke sprang über.

Am 25. September versammelten sich schon 6000 Demonstranten, die 1500 Einsatzkräften gegenüberstanden. Die aber waren überfordert, überrascht von der Wucht der Menge. Am 23. Oktober zogen 300000 Menschen durch die Innenstadt. Manche Demonstranten nahmen, zum Ärger der SED, sogar kommunistische Revolutionstraditionen auf und sangen den Refrain der „Internationale“-„Völker, hört die Signale!“ Vor allem aber riefen sie: „Montag sind wir wieder da.“

Wochen später fiel die Mauer.

(aus der SZ vom 04.09.2009)