von Hans – Willi Herrmann
Mittlerweile ist es schon einige Jahre her, dass wir auf die Dürr Speicherfolien umgestiegen sind. Und fast so lange schon habe ich versprochen, über unseren Workflow im täglichen Ablauf zu berichten. Zwischenzeitlich von verschiedener Seite immer mal wieder angefragt (dieser Bericht war für August 2012 angekündigt), hier nun also unsere Erfahrungen diesbezüglich. Wenigstens kann keiner sagen, die gemachten Erfahrungen (hier finden Sie Teil 1 und Teil 2) seien nicht längerfristig bewährt.
Mittlerweile allgemein bekannt ist die Tatsache, dass die Speicherfolien- Systeme sich der Kombination eines zahnfilmähnlichen Aufnahmemedium und einer digitalen Entwicklungseinheit bedienen.
Was zwei augenscheinliche Vorteile hat: Das Handling ist wie von einem analogen Zahnfilm her gewohnt, es gibt also keine Ein- und Umgewöhnungseffekte von Seiten der Benutzer. Und im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit der Sensorsysteme ist die Speicherfolie kabelfrei und hauchdünn und lässt sich so für den Patienten angenehmer, weil zum Beispiel mit deutlich weniger Würgereiz platzieren. Manche Patienten beklagen allerdings das „Einschneiden“ der Speicherfolie im Mundboden, etwa im gleichem Maße wie es von den analogen Filmen bekannt ist.
Der Dürr Vistascan Mini Plus ist die digitale Entwicklungseinheit der Folien, vergleichbar mit unserem Dürr XR 24 Röntgenentwickler aus analogen Zahnfilm und OPG – Zeiten.
Im Gegensatz zu diesem (ehemals „zentral“ im Röntgenraum positioniert), haben wir den Folienscanner (bei deutlich kleineren Abmaßen, er geht in etwa auf eine Din A 4- Fläche) in unserem Behandlungszimmer 1 auf der Hinterkopfzeile aufgestellt.
Wohlwissend das dort ca. 90 % unserer Röntgenaufnahmen stattfinden.
Ziel war es, so schnell wie möglich die fertige Aufnahme vor Augen haben zu können.
Dies ist, nach Desinfektion und Weiterverarbeitung des Zahnfilms ( Aufreissen der Schutzhülle, Einlesen in den Scanner, Scanvorgang) nach 45 Sekunden der Fall.
Und damit rund 35 Sekunden später als beim Sensor.
Berücksichtigt man jedoch die wesentlich leichtere, einfachere und damit oftmals schnellere Platzierung des Sensors (ein Fakt, den uns sensorgewohnte Hospitanten immer wieder bestätigen), so relativiert sich der Zeitverlust in vielen Fallen noch weiter.
Voraussetzung für den Scanvorgang in dieser Zeit ist das Scannen bei 1270 dpi / 25 Linienpaaren. Diese Einstellung kommt bei uns für alle Aufnahmen zur Anwendung, die intraoperativ gemacht werden, wie zum Beispiel Röntgenmessaufnahmen. Kontrollaufnahmen zum Beispiel post WF, nach Ende der Behandlung, nach Abnahme des Kofferdams oder diganostische Aufnahmen im Rahmen des Recalls oder zur endodontischen Eingangsuntersuchung werden bei 40 Linienpaaren angefertigt, brauchen dafür aber rund 20 Sekunden länger. Ziel dieser Maßnahme ist es, die bestmögliche Bildqualität bei vertretbarem Zeitrahmen zu erhalten.
Die Speicherfolien werden bei uns, genau wie zu analogen Zeiten, in Rinn- Rechtwinkelhaltern verwendet. Röntgenmessaufnahmen machen wir ohne Halter, verwenden zur Fixation eine Moskito – Klemme. Da es sich bei den Speicherfolien um „Filme“ mit einer entsprechenden empfindlichen Oberfläche handelt, die im Rahmen der Röntgenmessaufnahmen vom Patienten an die im Munde sich befindlichen Kofferdam- Klammern gedrückt werden, schützen wir die Folien, indem wir sie nach Verpacken in der Dürr – Schutzhülle mit einer zusätzlichen Papp- Schutzhülle umgeben.
Hierfür verwenden wir die von der Firma Dürr als Zubehör erhältlichenBißschutzhüllen für Aufbißaufnahmen, die wir für unsere Zwecke zweckentfremden und auf die benötigte Größe hin zuschneiden. In 98 Prozent der Fälle sind dies Speicherfolien der Größe 2, die den bekannten „normalen“ Zahnfilmen von 3*4 cm entsprechen.
Worüber wir nicht diskutieren müssen: Klar den Speicherfolien überlegen ist ein Röntgensensor im Übrigen bei der Anfertigung mehrerer exzentrischer Röntgenaufnahmen oder für den Fall, dass die gewünschten Strukturen projektionsbedingt nicht im Bild erscheinen. Letzteres kommt zwar eher selten vor, aber in diesem Fällen ist das Handling mittels Sensor deutlich besser, die Speicherfolienvariante hingegen wesentlich zeitaufwändiger und schwieriger.
Noch eine Bemerkung am Rande: Um die oben genannte kurze Scanzeit zu erreichen, ist es notwendig, dass die die Behandlung begleitende Assistenz im Vorfeld alle notwendigen Vorbereitungen trifft. Dazu gehört das Einstellen aller Parameter am Röntgengerät, in der DBS Win- Software (Patient, Zahn, Behandlungszimmer, Überprüfung der vorgeschlagenen Belichtungszahlen), weiterhin die rechtzeitige Bereitstellung des Desinfektionstuches. Die Aufnahme an sich nehme ich im Rahmen endodontischer Maßnahmen persönlich vor, ebenso wie das Einlesen der Speicherfolie. Sind alle Voraussetzungen seitens der Assitenz erfüllt, was kein Hexenwerk ist, dann gelingt ein zeitnahes Betrachten des Röntgenbildes, so dass ein Gefühl der „Wartezeit“ gar nicht erst aufkommt.
Wie fällt nun mein abschließendes Fazit aus, nach mehreren Jahren des Arbeitens mit diesem System ? Darüber berichte ich nächste Woche (mit erläuternden Bildern) im abschließenden letzten Teil dieser Serie.
