Kanülenverlängerung

von Mario Schulze

Bei postendodontischen Aufbaufüllungen besteht der Wunsch, das Füllmaterial lufteinschlussfrei auch in die Wurzelkanaleingänge einzubringen. Die von den einzelnen Herstellern angebotenen Mischkanülen sind dafür entweder zu kurz oder/ und zu dick. Die in der Abbildung dargestellte Eigenproduktion löst dieses Problem.

Die Spitze einer grünen Capillary Tip (Ultradent) wird für die bei uns verwendete Mischkanüle vom CoreX- Flow (Dentsply) ca. 8mm eingekürzt und mit Klemmpassung in die Mischkanüle geschoben. Die Friktion reicht, um beim Applizieren des Komposits stabil zu bleiben.

34. Berliner Zahnärztetag.

von Jörg Schröder

Nun ist es geschafft. Der Zahnärztetag ist vorbei und ich kann es noch immer nicht fassen, dass 1300 Teilnehmer die Veranstaltung gebucht haben.

Bildschirmfoto 2020-02-22 um 21.54.20.png

https://www.quintessenz-news.de/live-blog-berliner-zahnaerztetag-2020/?strytlpage=17

Im Live-Blog können diejenigen, die an den vergangenen zwei Tagen nicht dabei sein konnten, einen auch inhaltlich sehr guten Überblick über das Geschehen auf dem Podium erhalten.

Klare Sicht

Es gibt einige Dinge, die mich früher schnell in eine große Unruhe versetzten.
Dazu gehörten u.a. Fingerabdrücke auf dem Monitor.
Mit dem Einzug des Touchscreen kam eine gewisse Toleranz bei mir auf. Die Reinigung dieser Bildschirme und der Monitore war immer etwas schwierig. Vor allem, wenn man beim ausgeschalteten Monitor und schräger Sonneneinstrahlung dies kontrollierte.

Nun habe ich ein Mittel gefunden, daß sich recht gut bewährt hat und alkoholfrei ist.
Rogge Duo-Clean – für Plasma / LED / TFT-LCD Bildschirme.

Ein Zusatzeffekt ist, daß wir unseren Objektivschutz am Mikroskop nach der Desinfektion, welche häufig streifige Spuren hinterlässt, damit einfach spurlos reinigen können.

Ich habe das Reinigungsmittel im Internet zum handelsüblichen Preis bei dem wahrscheinlich größten Internethändler gekauft. Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

 

Neues in 2020 (I)

Von Christoph Kaaden

Wir alle überlegen jeden Tag, was wir an unseren Praxisabläufen ggf. verbessern und optimieren können.

Mit der Beitragsreihe – Neues in 2020 – möchte ich Ihnen und Euch sukzessive kleinere und größere Neuerungen in unserem Praxisablauf vorstellen und ggf. zur Nachahmung anregen…:

Zu einer unserer ersten Neuanschaffungen seit Anfang des Jahres zählt unsere

Heldentafel

Kurz zu den Vorüberlegungen:

Da wir recht viele Kinder und Jugendliche nach Frontzahntrauma behandeln waren wir auf der Suche nach einer „einfachen Maßnahme“, die den Kindern verdeutlicht, dass Sie mit Ihrem Zahn-Problem nicht alleine sind.

Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid.

Außerdem könnten wir jungen Neupatienten beim „Erstkontakt“ andere Leidensgenossen zeigen und zusätzlich davon überzeugen, dass bereits auch andere Kinder diese Behandlung erfolgreich „überstanden“ haben…

Ferner wollten wir eine Art „Beurkundung“ über die von den oftmals sehr jungen Patienten geleistete Behandlung erstellen…

So entstand die Idee der HELDENTAFEL.

Seit der feierlichen Einführung fragen wir jetzt jeden jungen Patienten, ob er/sie sich durch ein Foto während und/oder nach der Behandlung auf unserer Tafel „verewigen“ möchte.

Wenn ja, erstellen wir ein Handyfoto, dass dann sofort per App mittels hierfür angeschafften Selphy-Drucker zu Foto-Papier gebracht wird.

Jedem Kind ist es dann selbst überlassen, ob bzw. was es noch auf dieses Foto schreiben möchte….

Abschliessend gilt es dann nur noch einen „geeigneten“ Platz an der hier maßgefertigten Magnetwand zu finden:

VOILA

Heldenwand.001

Unser sehr kurzes Fazit fällt bisher maximal gut aus.

Die HELDENTAFEL hat einen festen Platz in unserer Praxis gefunden !

 

PS: Vielleicht hat der Ein oder Andere ja auch eine Neuerung in 2020, die er gerne hier auf WURZELSPITZE teilen möchte…

Pick (3.1)

Vielen Dank für die Kommentare.

Auf Grund der zu erwartenden massiven Stufenbildung haben wir der Patientin zum Erhaltungsversuch des Zahnes mit der Prognose günstig-kritisch geraten.
Im angefertigten DVT haben wir den Kanalverlauf nach der Stufe im mb Kanalsystem erruieren können. Trotzdem war ich zurückhaltend mit der Prognose. Ich hatte bereits einige „dieser vorbehandelten Zähne“ in der Revision und es war jedesmal extrem schwierig und zeitaufwendig diese Fälle zu lösen.

Die im DVT erkennbare Kanalverlagerung war schon deutlich, ließ uns aber die Revision nicht aussichtslos erscheinen.

In der Behandlung konnten wir nach dp vorgebogenen Handinstrumenten nichts sondieren, bzw. nachverfolgen. Innerhalb einer Stunde konnten wir keinen Erfolg erreichen.
In der angefertigten Kontrollaufnahme waren Reste der Einlage eines unbekannten Materials oder die Spitze eines Eddy zu vermuten. Wir konnten dies mittels Schall- und ultraschallgestützter Spülungen nicht entfernen.
Die Instrumentenspitze traf immer wieder auf einen harten Widerstand in der Stufe.
Nach dieser Stunde hatten wir das Limit erreicht und brachen weitere Versuche ab.
Die Patientin wurde von uns über diesen erfolglosen Versuch informiert.
Wir hatten im Vorfeld vereinbart, daß wir bei erfolgloser Suche nach der ersten Sitzung die Behandlung abbrechen.

Auf mein Anraten und der Hoffnung doch noch über den mb2 Kanal etwas zu erreichen, haben wir einen weiteren Termin vereinbart um noch einen weiteren Versuch der Erschließung ggf. über mb2 zu unternehmen. Auch hier gelang uns nachweiteren 30 Minuten im mb1 Kanal kein Fortschritt.

Der unbehandelte mb2 Kanal konnte mittels der Balanced-force-Technik initial instrumentiert werden und wurde anschließend maschinell weiterentwickelt bis zur #25.
( Niti-K-Feilen werden mit geringem Druck in den Wurzelkanal bis zum Widerstand eingeführt und um ca. 90 Grad im Uhrzeigersinn rotiert. Danach wird unter forciertem Druck die Feile ca. 180° in die Gegenrichtung  nach apikal das Instrument gedreht und aus dem Kanal entfernt. )
Leider war keine Konfluation mit dem Kanal mb1 zu erkennen. Es lag eine Vertucci Klassifikation Typ IV vor.

Die Erweiterung und Behandlung des gesamten restlichen Kanalsystems konnte nur eine dezente Beschwerdeminderung erreichen.
Die Palpation in Höhe der mesiobukkalen Wurzelspitzeentsprach den Schmerzen und verstärkte die Beschwerden.

Die Patientin hatte sich nach Beratung gegen eine apikale Resektion der unbehandelten mesialen Kanalbereiche und leider für die Extraktion entschieden.

In unserer Praxis treten diese Fälle nicht selten auf. Zumeist in Folge von vorbehandelten schwierigen Kanalsystemen, welche ein gezieltes und bewusstes Vorgehen erfordern.

Die Röntgenbilder zeigen erhebliche Krümmungsradien. Diese erfordern ein geplantes Vorgehen ( siehe oben, Erschließung mb2 ).
Die Hoffnung auf einen Zugang zum mb1 über den mb2 Kanal war leider illusorisch.
Hedströmfeilen gehören nicht in in die Erschließung und Sondierung derartiger Kanalsysteme. Zur Differenzierung übereinander projezeirter Kanäle in Messaufnahmen oder zur Entfernung von Guttapercha sehe ich eine Indikation dafür.

Schade. In diesem Fall hätte ich der mikroinvasiven Resektion der mb nicht behandelten Wurzelbereiche eine Chance gegeben.

 

 

Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 6)

Wie oft kommt so etwas eigentlich vor ?

So ein Prämolar mit einem „apical split“ ?

Hier 3 Prämolaren von letzter Woche.
Zahn 15 und Zahn 25 waren die ersten beiden Zähne am Dienstag morgen, Zahn 34 der erste Zahn am Freitag morgen.

Welcher der 3 weisst einen „apical split“ auf ?
Und falls nicht, welche Besonderheiten des jeweiligen Falles wären zu vermuten ?

Die Auflösung des Rätsels gibt es am Samstag nach meinem Vortrag vom Berliner Zahnärztetag,  bis dahin bitte fleißig die Kommentar- Funktion zur Stimmabgabe und zur Erörterung sinnvoller Vorgehensweisen nutzen !

Traut Euch !

WS_AS.001WS_AS.002WS_AS.003

 

 

 

Endodontie in Berlin!

„Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will! „

Endodontologische Privatpraxis Berlin

Wir sind die endodontologische Spezialpraxis in Berlin. Und wir lieben was wir tun.

Sind Sie hoch motiviert, aufgeschlossen, begegnen anderen Menschen wertschätzend und respektvoll, lieben Qualität und legen Wert auf selbständiges und verantwortungsvolles Arbeiten? Sie suchen keine eintönige Routine, sondern ein abwechslungsreiches und besonderes Arbeitsfeld? Für Sie ist Teamwork keine Worthülse, sondern etwas, was es zu leben gilt? Dann sind Sie bei uns genau richtig!

Sie verfügen über mindestens eine erfolgreich abgeschlossene curriculare Weiterbildung oder über einen Master im Bereich Endodontie und sind mit dem Arbeiten am Mikroskop vertraut? Sie haben Erfahrung in der Behandlung komplexer Revisionsfälle, beherrschen die Entfernung frakturierter Instrumente ebenso, wie die Behandlung traumatisch geschädigter Zähne? Sie streben nach Perfektion und besitzen eine Liebe zum Detail?

Dann haben wir genau das Richtige für Sie!

Einen Arbeitsplatz mit langfristiger Perspektive in unserer vollständig auf Endodontie abgestimmten und überregional renommierten Praxis.

Unsere technische Ausstattung lässt keine Wünsche offen:

3 Zeiss-Mikroskope mit angeschlossener Foto- und Videodokumentation, das derzeit für endodontische Belange wohl beste kleinvolumige DVT- Gerät (VeraView X800M, Morita), 3 Premiumbehandlungseinheiten von Morita mit in der Einheit intergrierter Endometrie (RootZX), intraorales digitales Röntgen in jedem Behandlungszimmer, 2 B-Klasse Sterilisatoren (Miele 40B), Thermodesinfektor (Miele), vollständige Instrumentenorganisation im Tray-System, um nur die wichtigsten Eckpfeiler zu nennen.

Sie erwartet ein Team von erfahrenen und motivierten Mitarbeiterinnen, das Sie in der Behandlung sowohl in 4-Hand- als auch in 6-Hand-Technik unterstützen wird.

Unsere gesamte Praxisorganisation ist darauf ausgerichtet die Kommunikation mit unseren Patienten und unseren Überweisern so reibungslos wie möglich gestalten zu können.

Wir konnten Ihr Interesse wecken?

Dann freuen wir uns über Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen und auf ein persönliches Kennenlernen.

Dr. Jörg Schröder & Mario Müller M. Sc.

Ihre Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte an Dr. Jörg Schröder (persönlich).

Endodontologische Privatpraxis Berlin, Holsteinische Strasse 53, 10717 Berlin

Trauma, MTA und Extrusion

von Oliver Schäfer

Freitag Abend, die Praxiswoche liegt hinter mir, als plötzlich das Handy klingelt. Die 14-jährige Cousine meiner Frau ist mit dem Roller gestürzt, 1 Zahn ist abgebrochen, es blutet – mehr Infos habe ich nicht als ich etwa 30min später in der Praxis ankomme. Kurz bevor die junge Patientin eintrifft, „wünsche“ ich mir eine unkomplizierte Kronenfraktur mit aufgeschürfter Lippe. Doch schon der extraorale Befund mit massiver Weichteilschwellung lässt einen anderen Verlauf vermuten. Intraoral:

  • Massive Lazeration der Wangeninnenseite ca. 0,5cm tief, klaffend
  • 21 nach bukkal luxiert und leicht verlängert, Lockerungsgrad II, Blutung aus PA Spalt
  • 32 horizontale Kronenfraktur mit Eröffnung der Pulpa. Frakturlinie von bukkal 3mm supragingival schräg nach lingual deutlich subgingival
  • Fragment 32 vorhanden, Blutung der lingualen Gingiva
Zustand 21 nach Trauma 
Zustand 32 nach Trauma 
Mein Vorgehen der Reihe nach:
  • Tetanus Impfschutz geprüft
  • Röntgen- und Fotodokumentation – keine Muße, erstmal Weichteilblutung stoppen
  • Anästhesie, Wunde der Wange genäht
  • Röntgen muss noch warten, wir näheren uns der magischen 1h Grenze für die vitale Pulpa
  • Fragment einprobiert, Blutung und Schwellung macht ein sauberes Wiederankleben unter Koffersam unmöglich, also weiter ohne beides
  • Partielle Pulpotomie ca. 0,5 mm um evtl. infizierte Anteile abzutragen und MTA besser applizieren zu können
  • Angulus MTA appliziert und mit Flow Composite abgedeckt
  • Röntgen 32 und 21, keine Anhaltspunkte für Frakturen – „Glück“ gehabt
  • 21 mittels TTS geschient
  • Alles dokumentiert und Patientin für den kommenden Tag wieder einbestellt
Um es an dieser Stelle vorweg zu nehmen 21 und 32 weisen 1 Jahr nach dem Trauma (noch) keine Komplikationen auf, sind vital, nicht klopf- oder druckempfindlich, mit physiologischen Sondierungstiefen. 
Zustand 21, 30 Monate PostOp
Zustand 32, 30 Monate PostOp
Spannend war die Versorgung von 32. Ich entschied mich gegen die Fragmentbefestigung, da mir ein weit subgingival und unter kaum trockenhaltbaren Bedingungen befestigtes Bruchstück wenig erstrebenswert vorkam und zugleich meine PA Chirurgischen Fähigkeiten ausbaufähig sind. Da damit auch die Kronenverlängerung ausschied, blieb noch die KFO. Leider gab es in diesem Fall keinen via Multiband zu korrigierenden Engstand im UK. Also Magnetextrusion!? Ich bestellte Neodym Magnete 2x1mm und klebte einen mit Composite auf den Stumpf von 32. Das Gegenstück wurde in eine Aufbissschiene einpolymerisiert und die Patientin so in die Sommerferien geschickt. Wöchentlich erfolgte die Kontrolle und das Versetzen des Magneten in der Schiene um je 1mm.
Vom Zahntechniker hatte ich dafür Platzhalter drucken lassen, um die Magnete möglichst achsgerecht im Abstand von 1mm zueinander platzieren zu können. Eine Kunststoffpinzette aus dem Bastelbedarf war für die Handhabung unabdingbar. Nach 3 Wochen kam die vormals subgingivale „Präpgrenze“ isogingival zu liegen und es konnte für eine e.Max Krone abgeformt werden. Inzidiert habe ich dabei lediglich einmal nach 2 Wochen.
Bleibt wie bei jedem Trauma die Hoffnung, dass alles gut wird (bleibt).

Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 5)

Bisher hatte alles gut geklappt.
Die bisherigen Kapitel gibts hier, hier, hier und da.

Jetzt galt es nur noch, die beiden Wurzelkanäle abzufüllen.

Wobei – „nur noch“ als Umschreibung geht an der Sache deutlich vorbei, denn wie bitte sollte man diese beiden Kanäle adäquat verschliessen, wenn bei der Masterpointaufnahme gerade mal zwei ISO-genormte Guttaperchastifte sich an einander vorbei in die Tiefe quetschend auf Arbeitslänge einbringen liessen. 6 Prozent getaperte Stifte ? Keine Chance, schon die 4er Konizitäten scheiterten.


Grundsätzlich kommen für mich 3 verschiedene Verfahren in Betracht:

  1. Squirting – Sicherlich die einfachste Variante. Kanüle einführen bis zu Teilungsstelle oder sogar bis in den jeweiligen Kanal hinein. Gerät aktivieren. Nachkondensieren. Fertig. Die möglicherweise größere Überpressung des Wurzelfüllmaterials lassen wir jetzt mal ganz aussen vor, kommt für mich doch diese Variante in diesem Fall hier von vorne herein nicht in Frage. Die Teilungsstelle liegt mir VIEL zu hoch, es besteht die Gefahr der Unterfüllung eines Kanals, wenn die Kanüle nicht in den beiden Kanaleingängen platziert werden kann. Unter Sicht wunderbar, hier jedoch ein Va banque-Spiel.
  2. Guttapercha am Stiel. Die Länge des Wurzelkanals bis zur Teilungsstelle ausmessen mittels Pluggern, diese Länge von der Arbeitslänge abziehen. Ergibt die Länge des apikalen Mastercone – Anteils. Diesen entsprechend einkürzen (sinnvollerweise noch einen halben Millimeter  wenig kürzer bleiben, das erleichtert das Platzieren des zweiten Konus. Den eingekürzten Konus auf einen Fingerspreader aufspiessen (vorsichtig, er soll ja wieder abgehen hinterher) und dann den Konus mit dem Fingerspreader in den Kanal einschieben. Wenn man  am Fingerspreader noch einen Silikonstopp eingebracht hat, kann man die Gesamtarbeitslänge damit markieren und sieht dann, wann die Arbeitslänge erreicht wurde. Idealerweise stoppt an dieser Stelle auch das Vordringen. Nicht zu feste drücken, mit viel Gefühl platzieren, das erleichtert das Ablösen des Spreaders vom Guttaperchakonus. Den Sealer sehr fest und damit klebrig anmischen (wohl dem, der noch eine Handmischvariante wie den guten alten Kerr Pulp Canal Sealer XWT hat) ist ebenfalls hilfreich. Ich mag diese Variante.
    Im vorliegenden Fall habe ich mich jedoch bewusst für die 3. Variante entschieden.
  3. Einbringen von Konus 1, Abtrennen von Konus 1 auf Kanaleingangniveau, Einbringen von Konus 2. Verdichten. Backfill mit der Guttapercha- Pistole.

Warum die letztgenannte Variante?

Weil ich im vorliegenden Falle 2 deutlich unterschiedliche Arbeitslängen hatte und bei Variante 2 ich mangels Einsicht nicht sicher sein konnte, ob der jeweilige Konus im richtigen Kanal gelandet ist. Bei Variante 3 verlagere ich die Kontrollstelle in den sichtbaren Teil ausserhalb des Wurzelkanals und sehe sofort, ob der bukkale Konus auch wirklich im bukkalen Kanal landet oder nicht. Wenn nicht – Konus einfach wieder rausziehen. Genau das geht mit der GP am Stiel-Variante eben nicht.  Wichtig – Mit dem längeren Kanal anfangen.

Der Nachteil ?

Man kann sich beim Abtrennen  Guttapercha in den zweiten Kanal hineinschieben. Die man dann mühsam wieder aus dem Kanal herausbefördern muss, ein mitunter sehr frustranes Unterfangen, das eine gewisse hiob-eske Grundstimmung beim Endodontisten zwingend voraussetzt, so die gerade noch vorhandene euphorisch positive Stimmung im Team durch willkürlich und unwillkürlich vom Behandler ausgesandte negative Schwingungen nicht schlagartig in tiefe Depression umschlagen soll.

In diesem Fall gelang das Ganze wider Erwarten leicht und komplikationslos.Der zweite Kanal blieb sauber.

Bleibt mir also nichts anderes noch, als mich vorbehaltlos zu freuen  und das Endergebnis in Form des Abschluss- Röntgenbildes hier vorzustellen.

Auch hier wieder beeindruckend die enorme Diskrepanz zwischen der orthograden und der exzentrischen Aufnahme.

Im „normalen“ Röntgenild würde wohl keiner die vorliegende Anatomie vermuten.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

 

Oster-„Ei“ Update (III)

Von Christoph Kaaden

 

Vor Kurzem gab es über die Kommentarfunktion die Nachfrage, ob es zu dem Oster-„Ei“-Fall ein Weiteres Update (neben diesen I / II) gibt…

 

und tatsächlich kann ich mit einer 4-Jahres Nachkontrolle (inklusive Luftblase im Komponist der Deckfüllung) dienen…

oster ei.001

Bei beiden Zähnen erfolgte nach apikalem MTA-Verschluss ein Backfill mit Guttapercha & Sealer.

Auch hier scheint es so, als wäre der gewählte Therapieansatz erfolgreiche gewesen…

Pick (3)

Die Patientin wurde uns von Ihrem HZA überwiesen, mit dem Hinweis, man komme nicht mehr weiter. Zudem sind akute Beschwerden vorhanden.

Die mitgelieferten Röntgenaufnahmen zeigten erhebliche Krümmungsradien, mesial und distal. Wir haben die Patientin zur geplanten endodontischen Revision beraten.
Welche Prognose würden Sie der Patientin für die Behandlung von 26 geben?

 

Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 4)

Bis hierher hat alles gut geklappt.
Der erste der beiden Wurzelkanäle, der einfachere,  ist aufbereitet.

Warum sollte man mit dem leichteren, besser zugänglichen beginnen ?
Weil wir im vorliegenden Fall keine Einsicht haben, die jeweiligen Kanaleingänge betreffend und daher ausschließlich auf unseren Tastsinn angewiesen sind.

Die Vorgehensweise ist demnach wie folgt:

Vorbiegen des kleinsten maschinellen Instrumentes (in unserem Fall eine Meta Biomed GL 153 15.04) , um dieses in den Kanal einführen zu können.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, das Instrument findet ohne Widerstand seinen Weg nach apikal, dann befindet es sich im bereits bis 35.06 aufbereiteten Kanal. Oder – man verspürt vor der vorab mittels Handinstrumenten ermittelten Arbeitslänge einen deutlichen Widerstand, was als Zeichen zu werten ist, dass wir uns im richtigen, noch nicht aufbereiteten zweiten Wurzelkanal befinden.

Idealerweise führt man das Instrument bereits im Handstück eingespannt ein, bei stehendem Motor natürlich, um es in den Kanal einfädeln zu können. Zumeist, wie auch in diesem Fall gelingt dies jedoch nicht, weshalb zunächst das Instrument von Hand eingeführt und anschließend erst, wenn es seine Position im Kanal gefunden hat, das Winkelstück aufgesteckt wird.

Wir sind jetzt bereit für die maschinelle Aufbereitung. Hier sind reziprok arbeitende Instrumente wie VDW Reciproc oder Maillefer Wave One Gold von großem Vorteil, weil diese ein gefahrloses „Anfahren“ des Instrumentes gestatten. In vollrotierender Arbeitsweise wäre das Risiko des Torsionsbruches deutlich höher. Im vorliegenden Fall greife ich unterhalb der (gelben) Wave One Gold small auf besagte Meta 15.04 zurück. Hier hilft das Morita TriAutoZX2 Handstück enorm, weil es das Instrument in einem nicht rotierenden reziproken Modus betreiben lässt, die Frakturgefahr demnach ausgeschlossen ist.

Die Aufbereitung mit immer größer werdenden Instrumenten (Meta 15.04, Wave One Gold gelb, Wave one Gold rot, Wave One Gold Grün) gelingt auf diese Art und Weise problemlos.

Für die Masterpointaufnahme muss auf ISO-Guttaperchastifte zurückgegriffen werden, weil nur diese mit ihrem 2% Taper sich durch den schmalen Kanalbereich koronal der Vereinigungsstelle zusammen in die jeweiligen Kanäle einführen lassen.

Die Aufbereitung ist geschafft, jetzt steht nur noch Wurzelkanalfüllung im Raum.
Wie sinnvollerweise verschliesse ich bestmöglich die vorliegende Kanalkonfiguration ?

Darüber berichte ich im letzten Teil dieser Artikelreihe am Freitag dieser Woche.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

 

 

 

7 auf einen Streich

von Jörg Schröder

Nach nunmehr fast 8 Jahren, in denen ich ein kleinvolumiges und hochauflösendes VDT zur Verfügung habe, mittlerweile schon das zweite, noch besser auflösende desselben Herstellers, hat sich mein Behandeln deutlich geändert.

Es ist vorhersagbarer geworden, das Vorgehen wird präoperativ am „grünen Tisch“ geplant. Welcher Kanal zuerst, warum, mit welchem Instrument, bis zu welcher Aufbereitungsgröße. Sehr vorhersagbar. Ich suche gezielt nach den Strukturen und bewege mich quasi navigiert durch den endodontischen Raum.

Kann ich eigentlich noch ohne? Die Frage habe ich mir nicht gestellt, denn warum sollte ich mein sicheres Vorgehen gegen eine Mischung aus Vergrößerung, Erfahrung und Versuch-und -Irrtum eintauschen?

Vor 2 Wochen dann ein Anruf. Eine sehr bekannte zahnmedizinische Größe unserer Stadt wurde mir zur Behandlung überwiesen. Beratungstermin? Nicht nötig. Das bisschen 36 kann ja so schwer nicht sein. Dafür, auf telefonische Nachfrage, das Bild des im Ausland initial behandelten Zahnes.

Ich sprang schweren Herzens über meinen Schatten und räumte einen kurzfristigen Behandlungstermin ein. Zum Glück endständig im Tagesplan eines halben Behandlungstages.

Denn es kam wie es kommen musste: Die Anatomie war aussergewöhnlich. Zunächst fielen mesial mehrere kleine punktförmige Vertiefungen auf, in denen sich der Dentinabrieb verfing. Ein klarer Hinweis auf Kanalstrukturen oder zumindest Isthmen. Das Pulpakammerdach war zu großen teilen noch vorhanden.

Distal eine winzig kleine helle Stelle zwischen DB und DL. Sollte das etwa… ? Ja. es sollte. Nach einger Zeit waren DB1, DB2 und DL  bis zum Formalen präpariert. Die einzige Erleichterung: DB1 und DB2 konfluierten im mittleren Drittel.

Dann konnte mesial ja nicht mehr aufregend werden. Denkste! Vier Kanalsysteme mit vier getrennten Foramina. Und eng. Sehr eng.

Nach 3h15 war es dann vollbracht. Und sogar das Röntgenbild konnte das Erreichte dokumentieren.

Spass gemacht hat es auch ohne DVT. Muss ich aber nicht zum Standard erheben. Einziger Kompromiss? Das Belassen der distalen Wand der Notversorgung. Allerdings von innen kunststoffverstärkt. Der Erkenntnis geschuldet, dass es ein wenig länger dauern könnte.

Trauma, externe Resorption & Pulpotomie

von Jörg Schröder

Die für mich am meisten herausfordernden Behandlungsfälle stellen Situationen nach Trauma dar, da hier zumeist alle Gewebearten betroffen sind.

Neben der Behandlung pulpaler Strukturen, stehen auch die parodontalen Hart- und Weichgewebe im Fokus. Dabei sind besonders als Traumaspätfolge auftretende externe Resorptionen eine zusätzliche Erschwernis. Besonders, wenn sie wie im nachfolgenden Behandlungsfall lingual an einem Unterkieferfrontzahn gelegen sind.

Der 72-jährige Patient erlitt bei einem Sturz vor 4 Jahren eine äquigingivale Horizontalfraktur der Zähne 21 und 11, die im Notdienst einer deutschen Universitätszahnklinik „erstversorgt“ wurde. Das dabei die minimalen Erfordernisse einer Notbehandlung nicht erfüllt wurden, ist leider eine über die letzten Jahre unverändert zu beobachtende Konstante.

Vor 4 Jahren konnte leider nicht mehr getan werden, als dem Patienten bis zum Zeitpunkt der Zahnentfernung eine normale Okklusion zu ermöglichen, die durch die völlig deplatzierte palatinale Schienung verhindert wurde.

Da der Bruchspalt durch die zervikalen Füllungen der betroffenen Zähne verlief, wurden die Zähne durch zwei benachbart stehende Implantate ersetzt.

4 Jahre nach dem Trauma fiel in einer Routineuntersuchung im OPG eine intraradikulär gelegene Aufhellung an Zahn 31 auf. Klinisch imponierte eine Konturunterbrechung der Gingivagirlande und ein sonderbarer Hartsubstanzdefekt.

Das Einzelbild ließ bereits die Verdachtsdiagnose externe invasive zervikale Resorption zu. Klassisch dabei das zu erkennende Peripulpar Resorption Resistent Sheet (PRRS), die letzte Dentinbarriere zwischen Resorptionsgewebe und Pulpa. Erwartungsgemäss reagierte 31 positiv auf den elektrischen Reiz.

Um die Lage der Resorption im Raum und damit die Behandelbarkeit beurteilen zu können, wurde ein kleinvolumiges DVT der UK-Frontzahnregion angefertigt.

Nach ausführlicher Aufklärung über die möglichen Behandlungsoptionen entschied sich der Patient für einen Erhaltungsversuch. Dabei wurde bereits präoperativ im Falle einer Eröffnung der vitalen Pula eine Pulpotomie in Erwägung gezogen.

Die größte Hürde neben einer für den Moment der adhäsiven Versorgung ausreichenden Hämostase – im OP-Situs ist in diesen Fällen nur eine relative Trockenlegung möglich – ist die Präparation des Mukoperiostlappens und hier insbesondere die Schnittführung. Ich benutze dazu Micro-Blades die 25 Grad anguliert sind. Damit ist auch die Schnittführung unter dem Mikroskop und mit indirekter Sicht sehr gut auszuführen.

Nach Darstellung der Resorptionslakune und Entfernung der eingewanderten Weichgewebe kam es zu einer strichförmigen Eröffnung der vitalen Pulpa.


Diese wurde mit CaOH2 abgedeckt. Darüber kam eine kleine Schicht Ultrablend um das darauffolgende Säurekonditioniere nn zu ermöglichen. Da eine länger andauernde Trockenlegung es am apikalsten Punkt der Resorptionslakunenicht möglich war, habe ich die erste Schicht des Defektverschlusses mit Geristore ausgeführt. Dieses wurde im weiteren Verlauf mit einem Flow-Komposit überschichtet. Beim Manipulieren des grazilen Lappens kam es leider im Behandlungsverlauf zu einem vertikalen Einreissen des Lappens. Die Risswunde wurde, ebenso, bei der Lappenreposition, mit einer Einzelknopfnaht 7/0  versorgt.

4 Tage postoperativ wurde die Naht entfernt. 6 Monate postoperativ zeigt sich entgegen meiner Erwartung, die gingivale Situation geradezu beeindruckend. Die erwartete linguale Rezession ist ausgeblieben. Nur bei genauem Vergleich fällt die etwas dünnere keratinisierte Gingiva an Zahn 31 auf.

Der Zahn ist klinisch beschwerdefrei. eine apikale Aufhellung fehlt. Wird es so bleiben? Das wird die Zeit zeigen. Eine Alternative zur vollen Pulpektomie stellt die Pulpotomie gerade in Fällen externer Resorption auf jeden Fall dar.

Zu überprüfen bleibt, ob die auch an 41 lingual zu erkennende Konturunterbrechung Relikt einer transienten externen Resorption war, oder sich in der Zukunft als progredient erweisen wird.

So geht s

Nur einen Tag nach seinem Amtsantritt hat Thomas Kemmerich angekündigt, als Ministerpräsident in Thüringen zurückzutreten. Politisch mag er von dem Wahldesaster wenig profitieren, finanziell lohnt sich so ein Tag im Amt. Laut RedaktionsNetzwerk Deutschland muss der Steuerzahler ordentlich für Kemmerichs „Tätigkeit“ zahlen.

Ein Sprecher des Finanzministeriums in Erfurt bestätigt es dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“(RND): FDP-Mann Thomas Kemmerich erhält – unabhängig davon, wann er nun sein offizielles Rücktrittsgesuch einreicht – die vollen Februar-Bezüge als Ministerpräsident.

Laut RND liegt das Grundgehalt in dem Land bei 16.617,74 Euro bruttoim Monat. Dazu kommt eine Dienstaufwandsentschädigung von 766 Euro. Kemmerich ist verheiratet, also gibt es einen Familienzuschlag in Höhe von 153 Euro obendrauf. Insgesamt ist man also bereits bei 17.536,74 Euro.

Kemmerich hat Anspruch auf Übergangsgeld

Und das ist noch nicht alles. Die kurze Amtszeit – vorausgesetzt, er reicht heute oder in den kommenden Tagen seinen Rücktritt ein – wird laut RND rechtlich als voller Monat behandelt, damit erwirbt Kemmerich Anspruch auf ein Übergangsgeld. Dieses wird dem Ministerpräsidenten laut Thüringer Ministergesetz ab dem ersten Monat nach Ausscheiden aus dem Amt gewährt. Eigentlich bekommt der Ex-Ministerpräsident Übergangsgeld für so viele Monate, wie er im Amt war, maximal für zwölf. Aber: Die Mindestlaufzeit sind sechs Monate. Für die ersten drei Monate gibt es laut Gesetzestext Amtsgehalt und Familienzuschlag in voller Höhe, für den Rest der Bezugsdauer die Hälfte der Bezüge.

Im Fall Kemmerich heißt das: In den ersten drei Monaten bekommt der FDP-Politiker 50.312,22 Euro. Für die Monate vier bis sechs kommen noch einmal 25.156,11 Euro dazu. Zusammen sind das 75.468,33 Euro. Gemeinsam mit dem Februargehalt ergibt sich ein Betrag von 93.005,07 Euro. Und sollte Kemmerich kommissarisch Ministerpräsident bleiben, kassiert er für jeden weiteren Monat seine formalen Bezüge.

Ruhegeld aber, die Pension der Ministerpräsidenten, erhält Kemmerich nicht. Laut Gesetz hätte er darauf erst nach zwei Jahren im Amt Anspruch. Dann würden ihm laut RND 18,3 Prozent seiner Amtsbezüge zustehen – mehr als 2.900 Euro im Monat.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma bei offenem Apex

Von Christoph Kaaden

 

Hier wieder eine Nachkontrolle eines MTA-Falles.

Zur Vorgeschichte:

  • Zustand nach Frontzahntrauma an Zahn 21 mit unkomplizierter Kronenfraktur vor ca. 12 Monaten
  • Nachfolgende Kompositrestauration durch Hauszahnarzt
  • Vestibuläre Fistelbildung ca. ein Jahr später bei dem nun neunjährigen Jungen
  • Zweizeitiges Vorgehen mit zwischenzeitlicher Ca(OH)2-Medikation
  • Abgeheiltes Fistelmaul vor zweitem Behandlungstermin
  • MTA-Apexifikation (MTA Angelus) mit nachfolgendem Guttapercha&Sealer Backfill

 

  • Ausgeheilt nach Trauma mit offenem Apex.001

    Zustand nach Trauma bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

    Ausgeheilt nach Trauma mit offenem Apex.002

    Vestibuläre Fistel bei Pulpanekrose an Zahn 21

    Ausgeheilt nach Trauma mit offenem Apex.003

    Kontrolle der MTA-Apexifikation

    Ausgeheilt nach Trauma mit offenem Apex.004Ausgeheilt nach Trauma mit offenem Apex.005Ausgeheilt nach Trauma mit offenem Apex.006

 

Die alio loco durchgeführte Nachkontrolle stimmt uns positiv, dass die Behandlung angeschlagen hat…

Frontzahn mit stabilem Crack

Die junge Frau erschien bei uns zu Recall.

Ansicht nichts weltbewegendes. Allerdings habe ich bei der Stiftentfernung einen Riss palatinal dargestellt. Es waren keine erhöhten Sondierungstiefen messbar. Der Lockerungsgrad war Null und der Zahn war symptomfrei.
Die prothetische Therapie war insuffizient.

Zusammen mit der Patientin haben wir uns damals trotzdem zum Zahnerhalt entschieden. Leider sind keine scharfen, bzw. brauchbare klinischen Bilder vorhanden.
Zum Behandlungsart chluß haben wir damals ein LZP aus Zirkon inseriert.
Dieses wurde nun nach Jahren durch eine neue individualisierte Krone ersetzt.

Erfreulich ist die unveränderte röntgenlogische Situation.

 

Klaus Kinski läßt grüßen (2)

KKlg.jpgUnd genau das – so eine Klaus Kinski – Situation –  ist die Intention für unsere „Die Drei reden…“ – Fortbildung am 12. September 2020.

Wir drei reden nämlich über Problemfälle.
Und die Geschichten, die dahinter stecken.
Wie hätte der eine, der andere  von uns 3 versucht, diese Situation zu bewältigen.
Wir diskutieren. Erörtern. Arbeiten uns aneinander ab.

Im freien Gespräch.
Interaktiv mit dem Auditorium.

Weil dabei ganz unterschiedliche Lösungswege sichtbar werden.
Und aus der Diskussion heraus neue Lösungswege entstehen.

Die uns Alle weiterbringen.

 

Klaus Kinski lässt grüßen

Eigentlich wollte ich weiter von der Behandlung des Oberkiefer-Prämolaren 15 mit den apikal gespreizten Wurzelenden berichten.

Stattdessen möchte ich erzählen, was mir heute widerfahren ist.

Die erste Instrumentenfraktur für dieses Jahr.
Bei meinen Vorträgen gebe ich ja immer folgende Zahlen an: Seit 1996 pro Jahr jeweils 0 – 2 Instrumentenbrüche. Bei Null wars ein gutes Jahr, bei zwei Frakturen ein schlechtes. Hat (bis auf einen Ausreisser, sage und schreibe 4 Frakturen!) immer geklappt.

Daher ärgerlich der Fall von heute.

Stark gekrümmte Wurzeln, stark gekrümmte Wurzelkanäle, mesiobukkal im Röntgenbild die Situation gut sichtbar. Was man hingegen nicht sieht – die starke apikale Krümmung der distobukkalen Wurzel. Aber viel schlimmer aber – die extrem engen Kanäle (viel mehr, als man von der Röntgenaufnahme vermuten würde). Und das brutal harte Dentin.  Dennoch gelingt es in wirklich mühsamer Handarbeit in der ersten Sitzung, Patency im mesiobukkalen Kanal herzustellen. In der zweiten Sitzung dann zunächst die finale Aufbereitung des palatinalen Kanals, gefolgt vom mesiobukkalen Kanal. 6er, 8er 10er Handinstrument, dann eine Flexmaster 15.04 maschinell reziprok. Danach die Wave One Gold gelb (20), alternierend mit der VDW Reciproc 25 im Sinne eines Step Down Approachs, weil die Wave One Gold gelb von alleine nicht nach apikal geht. Finale Aufbereitung mit der Wave One Gold Medium (35.06).

Dann der distobukkale Kanal. Schwierige Handinstrumentation. Patency. Flexmaster 15.04 reziprok auf Apexlänge. Wave One Gold Gelb auf Apexlänge – 0.5 mm. Rekapitulation mit einer ISO 10 Handfeile. Nicht auf Apexlänge. Okay, alles klar. Blick durchs OPM bestätigt, die Wave One Gold gelb ist 2.5 mm kürzer als normal. Ohne Vorwarnung. Ich möchte Klaus Kinski mäßig ausrasten , aber ich behalte meine Frustration vornehm für mich und leide still vor mich hin. Kurzer Blick auf die Wave One Gold grün – auch diese ist aufgedreht ! Hätte auch schon im mesiobukkalen Kanal passieren können, die Instrumentenfraktur. Glück gehabt ? Naja :-(

Der mesiobukkopalatinale Kanal, der initial engste  von allen, lässt sich vergleichsweise einfach aufbereiten, vorsichtshalber jedoch mit vollkommen neuen Instrumenten. Vermutlich ein Vertucci Typ II (2:1). Die Einprobe der Masterpoints zeigt jedoch, wir haben es mit einer Vertucci Konfiguration Typ IV (1-1) zu tun.

Anbei die Masterpointaufnahme.

KB17Fraktur-2KB17FrakturKB17Fraktur-3

Wer hat Angst vor’m bösen Stift? Teil 2, Zirkonoxidstift

von Jörg Schröder

Zirkonoxidstifte haben Ihre Hochzeit (zum Glück) lange hinter sich gelassen. Die Verbreitung ist im Vergleich zu noch vor 10 Jahren deutlich zurück gegangen.

Die Aussagen zur Entfernbarkeit reichen von „Unmöglich“ bis zu „Ja, aber nur durch Ausbohren.“ (letztere findet sich in einem älteren Artikel der Endodontie).

Fakt ist, dass sich Zirkonstifte genau so entfernen lassen, wie adhäsiv befestigte Metallstifte. Mit viel Geduld und einer Kombination aus Endosonore-Feilen zur Desintegration des Befestigungskomposites und dem beharrlichen, aber nicht zu energiereichen Bearbeiten mit Ultraschallansätzen unter Wasserkühlung.

In vorliegendem Fall lag die Perforation bereits anhand der Betrachtung des mitgebrachten Einzelbildes auf der Hand. Die klinisch vorhandene Schwellung mit aktiver Fistelung passte zur Lage der Perforation im distalen Aspekt der Wurzel des 13.


Grund für die „Versorgung“mit einem Stift war das Lösen der Krone am 13, die zuvor mit den Kronen am 12 und 11 verbunden gewesen war. Wohl um die Fraktur der Krone an 12 im Bereich der distalen Verblockung „auszugleichen“ wurde die neue Krone am 13 mit einem mesialen Ausleger versehen, der sich auf der freiliegenden Dentinfläche des 12 „verankerte“. Ein Zement wurde in diesem Bereich nicht verwendet.

Das DVT bestätigte die Perforation als Ursache der lateralen Pathologie.

Nach Entfernung der Krone am 13 erfolgte zunächst in relativer Trockenlegung die adhäsive Versorgung des Defektes an 12. Anschliessend wurde 13 adhäsiv so umgeformt, dass eine absolute Trockenlegung möglich war.

Die Entfernung des Zirkonoxidstiftes wurde, wie oben beschrieben, mittels Ultraschall durchgeführt. Nachdem die Kleberreste in der Perforation entfernt waren, entlud sich spontan ein wenig Pus. Die mesial davon vorhandenen Obturationsmassen waren deutlich kontaminiert. Daher wurde die Behandlung zweizeitig durchgeführt.

Nach Einlage von CaOH2 – das Obturationsmaterial wurde absichtlich belassen – wurde der Zahn nach Abdecken des CaOH2 mit Schaumstoff und Cavit nach Insertion eines Glasfaserstiftes adhäsiv verschlossen und ein stuhlgefertigtes Provisorium eingeliedert.

Dieses wurde mit RelyXUniCem befestigt, damit in der zweiten Sitzung durch die provisorische Krone hindurch gearbeitet werden konnte. Das Durchdringen des Glasfaserstiftes gelingt mühelos mittels Munce-Rosenbohrern.

4 Wochen später war die Schwellung abgeklungen und die Fistelung abgeheilt.


Warum hatte ich die alten Guttaperchamassen im Originalkanal belassen? Sie dienten mir als Platzhalter, da ich aufgrund der spitzwinkeligen Aufgabelung  zwischen Kanal und Perforation so verhindern konnte, dass MTA unbeabsichtigt in den bereits aufbereiteten Kanal verbracht werden kann. Sicher wäre auch ein Abstopfen mit Schaumstoff denkbar, aber apikal bestand keine Pathologie und so konnte ich mir zusätzliche Arbeitsschritte ersparen.

Nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers und der Obturation der Perforation mit MTA Angelus habe ich nach Anätzen und Auftragen von Optibond FL das MTA mit einem lichthärtenden Flowable abgedeckt, um ein Auflösen durch die Irrigationslöung zu verhindern. Auch hier erweist sich das Vorhandensein der alten Guttapercha als vorteilhaft, da so die Gefahr eines Emphysems (Abspülen und Lufttrocknen der Ätzfläche) ausgeschlossen werden kann. Das fast Unmögliche bei dieser Art der Perforation (schräg verlaufender Zylinder) ist das sichere „Einhalten“ der Originalkontur der Wurzel. Häufig ist eine, wenn auch unbedenkliche , geringe MTA-Extrusion zu beobachten.

Interessant einmal wieder, wie man anhand der Spanräume das Geschehen in der Tiefe des Kanals beurteilen kann. Nach Erstellen der Patency erfolgte die warme vertikale Kompaktion und der dentinadhäsive Verschluss.

Nach erfolgreichem Recall in 6 Monaten kann die Region prothetisch neu versorgt werden. Und ja: Die Patientin wurde präoperativ über die eingeschränkte mechanische Prognose aufgeklärt und wünschte explizit einen Erhaltungsversuch und keine implantologische Lösung.

„Endo für Vegetarier“

von Jens Emmelmann

Die Patientin hat sich in unserer Praxis für eine Drittmeinung betreffs ihres Zahnes 41 vorgestellt. WSR sowie Entfernung und Implantation mit GBR wurden ihr bereits angeboten. Die Implantation war für sie prinzipiell eine Option, als Vegetarierin schreckte sie aber das bovine Knochenersatzmaterial ab.

Anamnese und Diagnostik wiesen uns auf eine Endo-Paro-Läsion primär endodontalen Ursprungs hin. Die Füllung war wenige Monate alt und es gab Hinweise auf kurzeitige pulpitische Beschwerden. Der Zahn zeigte einen leicht erhöhten Lockerungsgrad war aber ansonsten derzeit beschwerdefrei. Die Patientin war nach Parotherapie im regelmässigen Recall.

Nach Beratung und Aufklärung wollte die Patientin mit Hinblick auf ihre Ablehnung des „Kuhknochens“ dem Zahn zumindest eine Chance geben.

Die endodontische Behandlung der zwei Kanalanteile verlief unproblematisch und bereits das postoperative Röntgenbild lies uns hoffen…

Danke Marcus, Nils, Stephan, Andras 20200131

Zwei Fragmententfernungsfälle von heute, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wenn man davon absieht, dass es sich in beiden Fällen um sehr lange Fragmente handelt.

Fall 1

Fragmente

Zahn 47, neue Krone, nach Eingliederung mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung Schmerzen. Endo durch den Hauszahnarzt, dabei Fraktur eines sehr großen, sehr langen maschinellen Aufbereitungsinstrumentes. Es ragt (einen Hauch) in die Kavität hinein, die Entfernung gelingt in unseren Händen sehr einfach. Alle freuen sich, der Patient zahlt dennoch das Honorar für die Fragmententfernung bis heute, dem WF- Termin,  nicht und bittet um Stellungnahme. Seine private Krankenversicherung halte die Fragmententfernung für einen Teil der Wurzelkanalaufbereitung, das Honorar sei demnach nicht gerechtfertigt.

Heute fand die WF statt.

Fragmente-2

 

 

Fall 2

Fragmente-4Zahn 17, gekrümmte Wurzel, das Fragment liegt hinter der Kurvatur, ein extrem enger Wurzelkanal. Es dauert rund eine Stunde, bis wir es soweit freilegen können, dass der Fragremover (in diesem Falle die Variante von Andras Csögor) zum Einsatz kommen kann. Nachdem die Schlinge umgelegt werden kann, gelingt die Extraktion auf Anhieb. Getanzt, diese Anmerkung sei für alle Teilnehmer von Terauchi – Kursen angefügt, hat hier im Übrigen gar nix. Und das extrem festsitzende Fragment war so dünn, das über jeglichem Kontakt mit Ultraschall immer das Damoklesschwert der ermüdungsbedingten Fraktur im Raum stand.

Umso erfreulicher das Ergebnis der Fragmententfernung wie auch der Aufbereitung des Kanals bis hin zu einer Wave One Gold 35.

FragmentFragmente-3

 

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt bei Prämolar

Von Christoph Kaaden

Nachfolgend die Nachkontrolle eines oberen Prämolaren (14), den wir vor einiger Zeit behandelt haben. Zum Zeitpunkt des Behandlungsbeginns war der damals 50-jährige Patient schmerzfrei. Die apikale Aufhellung war im Zuge einer klinisch-radiologischen Untersuchung aufgefallen.

Ausgeheilt nach grosser Aufhellung_Prämolar.001Ausgeheilt nach grosser Aufhellung_Prämolar.002

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Als medikamentöse Einlage applizierten wir Ca(OH)2. Die komplette Behandlungsdauer betrug zwei Stunden.

Hier einige Impressionen der Therapie:

Ausgeheilt nach grosser Aufhellung_Prämolar.003Ausgeheilt nach grosser Aufhellung_Prämolar.004Ausgeheilt nach grosser Aufhellung_Prämolar.005Ausgeheilt nach grosser Aufhellung_Prämolar.006

Valo

Die Valo haben wir seit der Empfehlung von Stefan Verch bei uns im Einsatz. Auch wir haben die kabelgebundene Variante und haben dies bis heute nicht bereut.
Probleme in der Ergonomie sind für und nicht erkennbar, da die Lampe im Assistenzteil neben dem Absaugköcher der Behandlungseinheit angebracht ist.

In zwischen haben wir die Valo etwas aufgerüstet. Es gibt zur Lampe verschiedenste Aufsätze.

Translume Lens
TransLume Lenses dienen der Transillumination von Zähnen. Die grüne Linse hilft bei der Entdeckung versteckter Karies, von Schmelzsprüngen und anderen Defekten; die orange Linse enthüllt innere Strukturen, Stiftaufbauten, Blasen in Restaurationen etc.

ProxiCure Ball Lens
die ProxiCure Ball Lenses (klein & groß) erleichtern das Ausbilden von konvexen Kontaktpunkten bei approximalen Kapitänen

PointCure Lens
Die PointCure Lens ist eine Punktlinse und dient dem „Anheften“ von Verblendschalen beim Befestigen sowie dem Beleuchten eines lichtleitenden Wurzelstiftes.

Black Light Lens
Mit der Black Light Lens kann VALO durch fluoreszierende Indikatorlösungen angefärbte Plaque, Fluorid- und Versiegelungslacke sichtbar machen.

EndoGuide Lens
Die EndoGuide Lens mit „Mini-Lichtleiter“ erreicht apikale, retrograde Füllungen und andere Präparationen auf engstem Raum.

Letztere ist bei uns besonders regelmäßig im Einsatz. Beim präendodontische Aufbau an Molaren mit schlechter Zugänglichkeit kommt dieser Ansatz, welcher magnetisch auf dem Valokopf hält zum Einsatz. In letzter Zeit setzen wir die Val auch häufig zur intrakavitären Lichtpolymerisation ein. Intrakavitär heißt für mich, daß ich versuche möglichst alles nichtkariösen Dentinbereiche mit einem Flowkunststoff ( Beautiful ) abzudecken um diese vor den Spüllösungen zu schützen. Die Kunststoffbereiche werden nach der endodontischen Behandlung durch Sandstrahlen wieder „aktiviert“ und mit der postendodontischen Restauration, wie Glasfaserstiftaufbauten nach Silanisierung verbunden.
Dafür sind kleine Durchmesser des Lichtleiters notwendig um entsprechend dicht an die Oberfläche des Kunststoffes zu kommen.

Disclaimer
Auf die Valo bin ich aufmerksam geworden, durch eine Empfehlung von Stefan Verch, Berlin. Meinen Dank für den Tipp !

Ich habe das Gerät ganz normal im Dental Fachhandel gekauft. Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Kurz belichtet- Kurz berichtet 20200128

Letzten Donnerstag.
Letzter Arbeitstag der Woche. Vorträge am Wochenende zählen ja bekanntlich nicht. Soweit zum Thema Selbstausbeutung.
Egal – ein Tag, zwei 6 Monate-Recalls. Beide Fälle aus unterschiedlichen Gründen keine „textbook cases“, der zweite sogar phänotypisch ausgesprochen hässlich, aber dennoch Anlass, gut gelaunt ins Wochenende zu gehen.

Fall 1
Ein Kollege möchte gerne den Zahn 25 einer seiner Mitarbeiterinnen überkronen. 4 Jahre nach WF ist alles unauffällig. Er findet, man habe lange genug gewartet, möchte aber sicherheitshalber diesbezüglich meinen Rat. Das analoge Röntgenbild ist nicht eindeutig, erst recht nicht eindeutig positiv. Ich schlage ein DVT vor, aber schon im digitalen Kontrollröntgenbild im Rahmen der Patientenberatung zeigt sich eine ausgeprägte laterale Aufhellung, weshalb ich die Revision anrate.

Intraoperativ findet sich eine vorhandene Via falsa im apikalen Bereich. Eine Erschließung des ursprünglichen Kanalverlaufes ist nicht möglich.

Fast Forward.
Der Zahn nach WF und nun heute, 6 Monate post WF.


Fall 2



Ein Herodontics Fall ? 9 mm Tasche vestibulär. Sicherlich jedoch ein Zahn 36 mit einer ganz besonderen Anatomie. 3 Wurzelkanäle in der mesialen Wurzel, 2 Kanäle in der distalen. Soweit noch nichts SO Aussergewöhnliches. ABER – Die jeweilig vestibulären Kanäle liegen extrem weit aussen. Keine Isthmus, keine weisse Linie als Hinweis. Ohne DVT wäre ich niemals auf die Idee gekommen, so weit aussen zu suchen. Ich wäre von 3 Kanälen ausgegangen, weil die zunächst aufgefundenen scheinbar symmetrisch lagen, das klassische Indiz für eine regelkonforme Anatomie. Und trotz DVT musste ich distal noch sehr sehr lange suchen. Massive Überpressung von Sealer.


Woher ich weiss, das es Sealer ist, was überpresst wurde ?
Unser Calciumhydroxid hätte sich in der vergangenen Zeit schon wesentlich mehr abgebaut.

Aber immerhin. Die apikale Aufhellung an der distalen Wurzel ist schon verschwunden und um die mesiale Wurzel sieht es auch deutlich besser aus.

 

Wer hat Angst vor’m bösen Stift? Teil 1 , Metallstift

von Jörg Schröder

Diesen Titel trugen in der Vergangenheit bereits mehrere Einzelbeiträge und auch einige 90-minütige Podiums-Vorträge waren so benannt.

Denn immer noch werden viele Stift- oder schraubenversorgte Zähne einer chirurgischen Intervention zugeführt, die aufgrund verschiedener Abweichungen vom Idealverlauf (keine retrograde WF nach WSR, nicht korrekt platzierte retrograde Füllungen, nicht aufbereitete Kanalsysteme) leider nicht erfolgreich enden.

Der jeweils vorhandene Stift lässt offensichtlich nur einen Schluss zu:

Wurzelspitzenresektion!

Unvorstellbar offensichtlich, dass ein Stift oder eine Schraube vorhersagbar orthograd entfernt werden könnte. Dabei kann es – auch in schwierigen Fällen – so einfach sein.

In vorliegendem Fall war die Resektion bereits erfolgt. Das kontaminierte Wurzelfüllmaterial verhinderte bei gleichzeitigem Fehlen einer retrograden Füllung das Ausheilen der periapikalen Pathologie.

Ein Werkzeug, welches ich seit Jahren schätze und nicht mehr missen möchte, ist das Thomas-Post-Puller-System. Dieses und die von Zeit zu Zeit notwendigen Ersatzteile beziehe ich seit Jahren bei Hofmeester Dental in Rotterdam.

Mit diesem aus Silikonscheiben, Trepanbohrern, Gewindeschneidern und einer Art rändelrad-betriebener Spreize bestehende Set kann jeder metallische Stift oder jede Wurzelschraube vorhersagbar entfernt werden.

Selbst im weit distalen Bereich ist eine Anwendung möglich.

Dazu musste in diesem Fall zunächst die vorhandene Krone entfernt und  ein präendodontischer Aufbau angelegt werden. Nur so konnte nach absoluter Trockenlegung der massive gegossene Aufbau bis auf den im palatinalen Kanal verankerten Stift reduziert werden. Anschliessend wurde der der Stiftgröße entsprechende Trepanbohrer unter Wasserkühlung eingesetzt, um nachfolgend den Gewindeschneider verwenden zu können. Dieser ermöglicht eine Kraftübertragung auf den verankerten Stift. Bereits nach den vorbereitenden Schritten liess sich der Stift gering im Stiftbett drehen. Eine Entfernung mit Handkraft gelang jedoch nicht. Daher wurde die Spreize eingesetzt, womit die Entfernung in unter 30 Sekunden gelang. Gesamtaufwand für Ekr, Aufbau und Stiftentfernung ca. 50 Minuten.

Die Aufbereitung der weiten Kanalsysteme bis zum Neoforamen gelang anschliessend problemlos. Aufgrund der fehlenden Konstruktion wurde in P und MB ein kollagenes Widerlager eingesetzt, bevor die Kanalsysteme mit MTA und warmer Guttapercha verschlossen wurde. DB wurde in warmer vertikaler Kompaktion gefüllt.

Und wer hat noch Angst vor’m bösen Stift? Niemand.

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma – reloaded

Von Christoph Kaaden

Hier wieder eine Nachkontrolle eines vormals verunfallten Zahnes 21.

Kurz zu den Hintergründen:

  • zu Behandlungsbeginn 9-jähriger Junge
  • Ursprünglich unkomplizierte Kronenfraktur bei Sturz im Schwimmbad
  • 1 Jahr später Fistelbildung vestibulär
  • Beginn der Behandlung in Zuweiserpraxis…

 

Unser Vorgehen wie gehabt: 3 Termine (Dauer ins. 2 1/2h)

Asugeheilt nach Trauma reloaded.001Asugeheilt nach Trauma reloaded.002

Asugeheilt nach Trauma reloaded.003

3 Jahre post-op

Asugeheilt nach Trauma reloaded.004

Prä-op vs. 3 Jahre post-op

 

Apikale Raumforderung (II)

Von Christoph Kaaden

 

Vor einiger Zeit habe ich hier erstmals über diese große apikale Raumforderung berichtet.

Wir haben uns also zunächst für ein rein konservatives Vorgehen in zwei Terminen entschieden. Vor Kurzem haben wir den Behandlunsgfall abgeschlossen. Hier einige Impressionen der Behandlung und die einzelnen Schritte in der radiologischen Darstellung.

Große Raumforderung Abschluss.001

Dargestellte palatinale Wurzelfurche als mögliche Ursache der entstandenen Pulpanekrose

Große Raumforderung Abschluss.002

Spontaner Pusaustritt während der chemo-mechanischen Reinigung des Kanalsystems

Große Raumforderung Abschluss.003

Röntgenkontrolle nach med. Einlage mit Vitapex. Der Pfeil markiert die palatinale Wurzelfurche

Große Raumforderung Abschluss.004

Röntgenkontrolle drei Monate nach dem ersten Behandlungstermin

Große Raumforderung Abschluss.005

Verschluss der Apikalregion mittels MTA

Große Raumforderung Abschluss.006

Abschluss-Röntgenaufnahme

Die größte Herausforderung bestand für uns darin, dass MTA möglichst exakt apikal zu positionieren, obwohl die Apikalregion nicht vollumfänglich einsehbar war.

Das Backfill erfolgte mittels erwärmter Guttapercha und Sealer; zum Verschluss der Zugangskavität wurde eine Kompositfüllung gewählt.

Die Nachkontrollen müssen zeigen, ob der bisherige „abszessfreie Zeitraum“ auch weiterhin bestand hat und es zu einer Ausheilung der knöchernen Läsion kommt.

Hier noch eine Übersichtsarbeit zum Thema „palatinale Wurzelfurche“.

Pick, Pick (2)

In diesem Fall gab es mehrere Probleme.
Neben der apikalen palatinalen Problematik, apikale Transportation und Perforation mit extrudiertem WF Material, bestand die Schwierigkeit in der Erschließung der apikalen Bereiche des mesiobukkalen und distobukkalen Wurzelkanalsystems.
Distobukkal bestand eine Verblockung der apikalen Bereiche.
Nicht unerwähnt möchte ich die Schwierigkeit bei der präendodontischen Restauration lassen. Zum einen die multiplen Kunststoffmaterialien, zum anderen den im Röntgenbild erkennbaren Proc. coronoideus, welcher bei maximaler Mundöffnung im Röntgenbild zu erknnen ist. Daraus resultieren eventuell Probleme bei der Kofferdaminsertion durch den Klammerbügel distal.

In diesem Fall hat uns die Kofferdamklammer 27N geholfen.
(Sehr schön in der WF Kontrolle zu erkennen.)

Mesiobukkal gelang die apikale Erschließung nach Entfernung der Wurzelfüllung mit vorgebogenen Handinstrumenten Kerr Feile der #08,#10,#12,#15. Danach maschinelle Aufbereitung mit Profile Instrumenten.

Nach Entfernung der vorhandenen Wurzelfüllung distal sondieren wir die apikalen unbehandelten Bereiche mit einer vorgebogenen C-Pilot Feile circumferent, #8 oder #10.
Sobald wir ein „Touch back“ artiges apikales „Hängenbleiben“ der Pilotfeile bemerken versuchen wir durch pickende, stoßende – Wichtig nicht rotierende (!!) – Bewegungen die Blockierungen aufzulösen. Das Handinstrument muß in der sondierten Richtung vorgebogen sein.

Vor Behandlungsbeginn sind dazu hochauflösende Röntgen- und DVT Aufnahmen sehr hilfreich.

Das Auflösen der Blockierungen im diesen Fall bis Patency erreicht wird benötigte je Kanalsystem ca. 30-45 Minuten und ca. 8-15 Handfeilen!
Sobald Patency erreicht ist erarbeiten wir je nach Krümmung unter Verwendung von Handfeilen der Größe #12, #13, #15 den Gleitpfad. Anschließend erfolgt die weitere Gleipfadgestaltung maschinell mit Profile 15.04 oder Reziproc R-Pilot.

Das periapikal gelegene WF Material war nicht von orthograd erreichbar und wurde von uns belassen.

Anbei die klinischen und röntgenologischen Bilder.

 

 

 

 

 

 

Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 3)

Wenn ich für mich die schwierigst endodontisch zu behandelnden Zähne benennen müsste, ich würde, ohne zu zögern, die UK- Prämolaren wählen.  Wegen der teilweise sehr exotischen und häufig okkulten Kanalanatomie.  OK-Prämolaren sind diesbezüglich meist weniger bizarr, aber auch hier gibt es eine ganze Reihe scheinbar leichter, de facto aber schwerer Brocken. Schwer oder problematisch meist dann, wenn sich besagte Schwierigkeiten nicht im Röntgenbild zeigen. Noch schwieriger wird es, wenn auch der Blick durch das OP-Mikroskop keinen Hinweise auf die Komplikationen liefert.

Wie im vorliegenden Fall.
Der Hinweis kam auf Grund der Vorgeschichte.
Schmerzen an Zahn 15, nach Trepanation Schmerzfreiheit.
Die allerdings in dem Moment (wenn auch in abgeschwächter Form)  des Zeitpunktes der WF wiederkam. Die Hauszahnärztin entfernte die WF, soweit möglich und überwies die Patientin an uns.

Klassisches Symptom als Hinweis für ein zusätzliches Kanalsystem, auch hier wieder angegeben, die Schmerzempfindlichkeit bei „Warm“.
Nicht kalt, nicht heiss, es wird auffällig oft warm genannt.

Der angefertigte Zahnfilm aber eher unauffällig.
Keinen Hinweis auf ein 3. Kanalsystem (Vertucci VII) ja nicht mal ein doppelter PA- Spalt als Anhaltspunkt einer Vertucci-Konfiguration II (2:1), III (1:2:1), IV(2) oder V (1:2).

Nur so eine kamelhöckerartige minimale Ausbuchtung am Wurzelende.

hl15_apical_split

Gut, das ein hochauflösendes DVT zur Verfügung steht.
Es zeigt, was weder konventioneller Zahnfilm noch Dentalmikroskop zu offenbaren vermögen. Das Wurzelkanalsystem beginnt koronal scheinbar einkanalig, liegt zentral in der Mitte des Querschnittes der Wurzel. Im apikalen Drittel dann die Aufzweigung, die beiden dünnen Wurzelenden biegen teilweise stark gekrümmt und leicht korkenzieherartig in gegenteilige Richtung voneinander ab, weshalb auch die screenshots des DVT nicht die ganze Wahrheit, die Anatomie betreffend, offenbaren können.

3515_Hoffmann Lena_OtherImage_20191106083140_02.jpg

 

3515_Hoffmann Lena_OtherImage_20191106083140_04.jpg

3515_Hoffmann Lena_OtherImage_20191106083140.jpg

HL15ApicalSpilt-11

HL15ApicalSpilt-8HL15ApicalSpilt-9HL15ApicalSpilt-10Hier nun meine zwei wichtigsten Tipps für die erfolgreiche Aufbereitung solcher Kanalkonfigurationen:

  1. Beginne mit dem leichter zugänglichen Kanal und bereite diesen vollständig auf, bevor Du überhaupt nur Anstalten unternimmst, Dich dem 2. Kanalsystem zuzuwenden.
  2. Wenn du die Wahl hast, bereite zunächst den Kürzeren der beiden Kanäle vollständig auf.

Beide Merksätze sind banal.

Dennoch ist gerade bei schwierigen Zähnen (und dieser hier, um es vorwegzunehmen war ein extrem schwieriger Zahn) eine genau definierte, in jedem einzelnen Teilschritt aufeinander abgestimmte und von vorne herein strikt festgelegte Vorgehensweise im Sinne des Entlanghangeln eines Entscheidungsbaumes essentiell.

Tut man es nicht, verfällt man in ein „Lass uns doch mal schauen, wie der Zahn auf diese oder jene Vorgehensweise reagiert im Sinne eines „Neugierig ausprobieren“ riskiert man einen unwiderruflichen Schaden, der auch mit anschließend größtem zeitlichen und apparativen Aufwand nicht mehr zu beheben ist.

Der nächste Merksatz diesbezüglich lautet: „1 Sekunde was Falsches gemacht, 1 Stunde an  Lebenszeit vergeudet!“. Weil man so lange versucht, den Fehler wieder auszubügeln (und dann resignierend aufgibt).

Es erfolgt also zunächst ein vorsichtiges apikales Vordringen mit einer vorgebogenen ISO 008 VDW C- Pilot- Feile. Diese geht (glücklicher Moment 1) behutsam bewegt, bis zum mittels Apexlokatormessung ermittelten Wurzelkanalausgang. Die ISO 10er Feile folgt. Anschließend zahlt sich das DVT erneut aus. Es beinflusst die Wahl meiner ersten maschinell betriebenen Nickel- Titan- Feile.  Ich wähle ein META GL153 15.o4-Instrument. Ein NiTi-Instrument der 4. Generation, ähnlich einer Coltene CM 15.04, allerdings nicht ganz so extrem flexibel (was von Vorteil ist) und nicht so leicht sich aufdrehend. Vor allem hält es besser die vorgebogene Form als die Coltene CM – Instrumente. Im Anschluss folgte eine Wave One Gold small, das entspricht meinem Standard- Protokoll, danach wieder abweichend von der normalen Vorgehensweise eine Wave One Gold Primary.

Dann verliess mich zunächst der Mut, weiter noch aufzubereiten, wieder kam hier das DVT als Entscheidungshilfe zum Tragen. Es zeigte sehr  dünne Wurzeln, stark apikal abgebogen. Weshalb ich zum ersten Mal in vielen Jahren zunächst darauf verzichtete, die apikale Aufbereitung noch höher zu dimensionieren und mich nun zunächst dem zweiten Kanal zuwandte.

Es gilt jetzt, mit einem apikal vorgebogenen ISO 10er Instrument den verborgenen Kanaleingang zu finden.

Die Biegung gelingt einfach und schnell mit einer Pinzette in „Geschenkband“ – Bewegung. Diese wird in bukkale Richtung zeigend von koronal nach apikal an der Kanalwand hinabgleitend eingeführt.

HL15ApicalSpilt.jpg

HL15ApicalSpilt-2.jpgDann heisst es geduldig sein und das Instrument solange immer wieder in den Kanal einführen unter leichten Modifikationen der Einschubrichtung (Stichwort 5 Minuten- Rotation) bis das Instrument vor der Arbeitslänge einen deutlichen Widerstand zurückliefert.  Dieser Teilschritt der Behandlung birgt möglicherweise ein hohes Frustrationspotential, das zusätzlich gefördert wird durch die Tatsache, dass die Biegung des Instrumentes gegebenfalls häufig wiederholt werden muss.

Zumeist „fällt“ das Instrument widerstandslos auf die Apexlänge des Zuvor aufbereitenden Wurzelkanal. Das ist das Zeichen dafür, das wir uns NICHT im gesuchten Kanal befinden. Aber irgendwann (glücklicher Moment 2) rastet das Instrument ein vor der festgelegten Apexlänge.

HL15ApicalSpilt-4HL15ApicalSpilt-5HL15ApicalSpilt-6HL15ApicalSpilt-7

Wir haben den Kanaleingang des zweiten Wurzelkanals gefunden! Die Erschließung bis zum Apex geht leichter als gedacht  und (glücklicher Moment 3) die Arbeitslänge des zweiten Kanals weicht deutlich von der des ersten Kanals ab. Das angefertigte stark mesial exzentrisch ausgerichtete Meßröntgenbild visualisiert  eindringlich die besondere Anatomie.

HL15ApicalSpilt-3

Einmal durchatmen, bis jetzt hat alles gut geklappt – weiter geht es in Kürze hier in Episode 4 mit der detaillierten Schilderung der Aufbereitung des zweiten Kanals.

 

 

 

 

Und nun? Die Auflösung.

von Jörg Schröder

Die Patientin wurde bei ihrer behandelnden Zahnärztin vorstellig, weil sie im linken Oberkiefer seit einigen Wochen diffuse Beschwerden bemerkte. Kein direkter Schmerz, aber ein Unbehagen beim Kauen. Die Patientin empfand Zahn 24 dabei als minmal beweglicher als seine Nachbarn.

Anbei das angefertigte Röntgenbild. Was fällt auf? Wie wäre das Geschehen zu erklären? Was wäre zu tun?

Die Sondierungstiefen der Zähne 23-25 lagen im physiologischen Bereich. Die Beweglichkeit war an Zahn 24 unmerklich größer als an den benachbarten Zähnen. Es bestand keine palpatorische Druckdolenz, keine Fistelung, keine Schwellung. Die elektrische Sensibilität des 24 war von bukkal und von palatinal positiv, wenngleich im oberen mittleren Bereich der Skala des Elements Diagnostic Gerätes. (Maximal-Wert 80, bukkaler Wert 48, palatinaler Wert 52). Es besteht ein mit Transillumination detektierbarer Haarriss in der mesialen Randleiste.

Um einen möglichen Artefakt im Überweiserbild auszuschliessen wurde nach klinischer Inspektion und elektrischem Sensibilitätstest ein eigenes Einzelbild angefertigt.

Der Parodontalspalt erscheint apikal durchgehend. Es imponiert jedoch eine geradlinige Kontinuitätsunterbrechung der Wurzelkontur im mittleren Wurzeldrittel, die nicht vollständig nach distal weiterläuft. Das Pulpakavum erscheint stark obliteriert.

Das angefertigte DVT zeigt das Nachfolgende:

Es besteht eine Horizontalfraktur der palatinalen Wurzel kurz unterhalb des Limbus alveolaris. Zahn 24 ist zudem dreiwurzelig und weist zwei bukkale Wurzeln auf.

Daraufhin nochmals nach einem Unfallgeschehen befragt, gab die Patientin an, dass sie vor 1,5 Jahren auf die rechte! Gesichtshälfte und insbesondere auf den rechten Unterkiefer gestürzt war und sich massive Prellungen und nachfolgende Blutergüsse zu gezogen hatte.

Die Missempfindungen in Regio 24 traten etwa 6 Monate nach dem Unfall auf und wurden nicht mit dem Vorfall in Verbindung gebracht.

Vermutlich entstand die Fraktur, weil die Zahnreihen beim Aufprall in maximaler Interkuspidation standen. Durch die auftretenden Scherkräfte wurde Zahn 24 nach vestibulär ausgelenkt.

Meine Therapieempfehlung an die Patientin war die folgende:

1,5 Jahre nach Auftreten der zervikalen Horizontalfraktur ist eine Schienung nicht mehr sinnvoll. Da sich im DVT keine Aufhellung apikal (bei Horizontalfraktur eher nicht zu erwarten) oder im Bereich des Frakturspaltes zeigt, die Sondierungstiefen eine Kommunikation zwischen Bruchspalt und Mundhöhle unwahrscheinlich erscheinen lassen, ist eine endodontische Intervention nicht indiziert.

Hingegen sollte die Gussrestauration am 24 (mesialer Haarriss) entfernt werden und der Zahn mit einer die Höcker fassenden laborgefertigten Restauration – vorzugsweise einer Teilkrone – versorgt werden, um Kontakte in der dynamischen Okklusion auszuschliessen.

Mit regelmässigen elektrischen Sensibilitätskontrollen und radiologischen Kontrollen sollte der Verlauf kontrolliert werden.

Die alio loco ursprünglich empfohlene implantologische Lösung des Frakturproblems kann so hoffentlich vermieden werden. Kleine Randnotitz: Der alio loco durchgeführte Sensibilitätstest mittels Kälteapplikation verlief mehrmals negativ.

 

Und nun?

von Jörg Schröder

Die Patientin wurde bei ihrer behandelnden Zahnärztin vorstellig, weil sie im linken Oberkiefer seit einigen Wochen diffuse Beschwerden bemerkte. Kein direkter Schmerz, aber ein Unbehagen beim Kauen. Die Patientin empfand Zahn 24 dabei als minmal beweglicher als seine Nachbarn.

Anbei das angefertigte Röntgenbild. Was fällt auf? Wie wäre das Geschehen zu erklären? Was wäre zu tun? 

Die Sondierungstiefen der Zähne 23-25 lagen im physiologischen Bereich. Die Beweglichkeit war an Zahn 24 unmerklich größer als an den benachbarten Zähnen. Es bestand keine palpatorische Druckdolenz, keine Fistelung, keine Schwellung. Die elektrische Sensibilität des 24 war von bukkal und von palatinal positiv, wenngleich im oberen mittleren Bereich der Skala des Elements Diagnostic Gerätes. (Maximal-Wert 80, bukkaler Wert 48, palatinaler Wert 52).

Und nun?

Nutzt die Kommentar-Funktion. Auflösung ab 18.00 Uhr.

 

Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 2)

Wissen Sie, was das Schöne an WURZELSPITZE ist ?
Das hier Tag für Tag aus dem endodontischen Alltag berichtet wird.

Keine Sonntagsfälle, keine „textbook cases“.
Auch wenn das eine oder andere Ergebnis möglicherweise als druckreif zu bewerten wäre.

Tagesgeschäft also. Und deshalb passieren dann auch so Dinge wie „Duplizität der Ereignisse – zwei Prämolaren mit „apical split“ innerhalb von 24 Stunden in 2 unterschiedlichen WURZELSPITZE-Praxen.

Wäre das nicht eine prima Idee, einmal zu schauen, wie diese Fälle gelöst werden in den jeweiligen Händen?   Vor allem – mit Ansage demnach. Denn zur Erstvorstellung des Falles war der Zahn noch nicht berührt, lediglich die Erstuntersuchung und die Röntgendiagnostik waren gelaufen.

Kein Sicherheitsnetz.
Kein doppelter Boden.
Kein Vorhang, hinter dem man sich verstecken könnte, auch wenn die Situation möglicherweise ein schwierige ist, die ein Scheitern nicht unrealistisch erscheinen lässt.

Und ein toller Fall, um in die Details zu gehen.

Darüber werde ich ausführlich schreiben die nächste Tage.
Vorweg jedoch der Fragenkatalog an die Mitleser.

Was erwartet uns hier ?
Was muss man bedenken?
Wo sind die Schwierigkeiten ?
Und wie konkret geht man vor, was resultiert daraus?

Noch eine Vorab-Info, den Fall betreffend: Zahn 15 wurde auf Grund einer Schmerzproblematik wurzelkanalbehandelt. Nach initialer Behandlung schmerzfrei, nach WF wieder stärkere Schmerzen, weshalb die Hauszahnärztin die WF wieder entfernte (siehe Röntgenbild) und die Patientin an uns überwies.

hl15_apical_split

 

 

Pick, Pick (1)

In den hier, unter der Bezeichnung „Pick, Pick“, in loser Reihe vorgestellten Fällen möchte ich Revisionen mit Problemen vorstellen.
Das heißt – Revisionen mit Blockierungen, Begradigungen, Kanalverlagerungen, Resorptionen, etc.
An Hand dieser Fälle stelle ich mein Vorgehen vor.

Die Ausgangsröntgenbilder aus dem ersten Fall möchte ich heute zeigen.

Bereits im 2D Röntgenbild und im klinischem Bild zeigen sich verschiedenste Schwierigkeiten. Welches Probleme schätzen Sie an Hand der Bilder als schwierig ein?

Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

 

 

 

 

Ein Muss für jeden Zahnarzt – Bester Beitrag zur Lage des Gesundheitsystems in Deutschland, denn ich je gelesen habe

Der nachfolgende Text – durch Zufall gelesen, von einem ärztlichen Kollegen aufgetan – sollte eigentlich Pflichtlektüre sein für alle Beteiligten im Gesundheitswesen.

Zumindest jedoch für Jeden, der in Erwägung zieht, diesen Beruf zu ergreifen.
Jeder hier nehme sich zum Wochenende die 5 Minuten Zeit, um in Ruhe die Bestandsaufnahme des Kollegen zu Ende zu lesen.

Da steht alles drin, was man wissen muss.
Um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Denn merke – der Artikel ist von 1966 und es hat sich NICHTS aber auch wirklich GAR NICHTS geändert in diesem unserem Lande.

Was uns zur Erkenntnis führt – wer auf Hilfe oder Abhilfe von aussen oder von oben hofft, der ist hoffnungslos naiv. Oder total deppert.

„NUR KASSENLÖWEN HABEN ERFOLG“

Im Frühjahr 1965 kehrte Dr. Alfred W. Bauer, Kinderarzt und Mikrobiologe, nach Deutschland zurück. Der deutschbürtige Mediziner, der in der Bundesrepublik promovierte, hatte einige Jahre lang in Amerika gearbeitet. Nun wollte er sich als frei praktizierender Kinderarzt in einer süddeutschen Mittelstadt niederlassen. Knapp ein Jahr später, im März 1966, ging Dr. Bauer wieder nach Amerika — sein Versuch, in der Bundesrepublik eine Praxis auszubauen, war gescheitert. In seinem „Erlebnisbericht eines Rückwanderers“ sucht er die Gründe dafür zu beschreiben: Das deutsche Krankenscheinsystem, so meint Bauer, bringe es mit sich, daß die Ärzte — in hartem Konkurrenzkampf um Privatpatienten und um Krankenkassen

Von Dr. Alfred W. Bauer

Nachdem ich mit meiner Frau und meinen drei Kindern in meiner früheren Heimatstadt in Süddeutschland eingetroffen war, ließ ich meine Familie vorübergehend dort und machte mich mit meinem neuen Opel auf die Reise, um einen geeigneten Ort für die Eröffnung einer Praxis zu suchen.

In der näheren Umgebung hielt ich des öfteren an, um mich mit praktizierenden Kinderärzten zu unterhalten. Zu meiner Überraschung erfuhr ich, daß in Deutschland kein Ärztemangel bestand. Im Jahre 1939 kam auf 1390 Einwohner ein Arzt. Jetzt, 1965, war das Verhältnis 1: 690 und damit eines der niedrigsten der ganzen Welt. Fast überall fiel mir der harte Konkurrenzkampf zwischen den eng benachbarten Ärzten auf.

Acht Wochen lang fuhr ich durchs Land und besuchte Ärzte, Verwandte und Freunde. Auf einer meiner Reisen suchte ich einen bekannten Kinderarzt mit einer großen Praxis für Privat- und Kassenpatienten auf. Er selbst war zu beschäftigt, um mich zu empfangen; so sprach ich mit seiner Frau. Sie riet mir, die Praxis eines kürzlich verstorbenen Kinderarztes, Dr. Kranz, in einer nahegelegenen Industriestadt zu kaufen*.

* Der Name wurde vom Autor geändert.

Dort, so sagte sie, würden sich mir in dieser Gegend die besten Möglichkeiten bieten. Dr. Kranz hatte eine gutgehende Praxis geführt und sich ein schönes Haus gebaut; doch drei Jahre danach, im Alter von 57 Jahren, hatte er sich zu Tode gearbeitet. Ich fuhr hin und stellte mich seiner Witwe und seiner Tochter vor.

Sechs Tage später erklärte ich mich bereit, die Praxis für 45 000 Mark zu kaufen. Davon sollten 10 000 Mark für die ziemlich armselige Einrichtung sein (kein Laboratorium, kein Mikroskop, keine Schreibmaschine) und 35 000 Mark für den Patienten-Stamm. Die Praxis von Dr. Kranz war, gemessen an den Einkünften, eine der größten in der Bundesrepublik. Sein jährliches Bruttoeinkommen hatte in den vergangenen fünf Jahren zwischen 90 000 und 160 000 Mark gelegen; das war etwa anderthalb- bis zweieinhalbmal soviel wie die durchschnittlichen Bruttoeinnahmen eines bundesdeutschen Kinderarztes.

Schon bald, nach zwei Wochen in meiner neuen Praxis, merkte ich, daß ich einen kolossalen Fehler gemacht hatte.

Zunächst einmal stellte sich heraus, daß es eine Praxis eigentlich gar nicht mehr gab.

In den vier Monaten seit dem Tode von Dr. Kranz hatten sich sehr viele Eltern seiner Patienten einen anderen Arzt gesucht. Und die meisten sahen offenbar keine Veranlassung, den neuen und unbekannten Doktor aufzusuchen. Kurzum, mit den 35 000 Mark Abstand sollte ich praktisch etwas Wertloses kaufen.

Dann, und das war entscheidender, machte ich befremdende Entdeckungen in den Akten der Praxis — ich hatte ja Zeit, darin zu lesen. Die Patientenkartei enthielt ungefähr 7100 Namen. Davon waren etwa 85 Prozent Kassenpatienten und nur 15 Prozent Privatpatienten; das ist in Deutschland das übliche Verhältnis. Doch ungefähr zwei Drittel der Einnahmen des Dr. Kranz stammten von Privatpatienten und nur ein Drittel von Kassenpatienten.

Dr. Kranz hatte im Jahr durchschnittlich von jedem Privatpatienten 70 Mark kassiert, hingegen sieben Mark von jedem Kassenpatienten. Offenbar hatte er seine Privatpatienten übertrieben behandelt, darauf deutete vor allem eine unglaublich hohe Zahl von Hausbesuchen. Mein Vorgänger muß richtiggehend geschuftet haben; er hatte 40 bis 60 Hausbesuche am Tag absolviert und außerdem noch 50 bis 90 Patienten nachmittags in seiner Sprechstunde abgefertigt.

Etwa 80 Prozent seiner Hausbesuche hatten den Privatpatienten gegolten — das war seine Haupteinnahmequelle. Viele dieser Patienten waren privatversichert; Dr. Kranz hatte sie an jedem Tag im Monat, außer sonntags, besucht.

Allein auf 40 Karteikarten waren insgesamt 6105 Hausbesuche verzeichnet, für eine Zeit von durchschnittlich 42 Monaten. Währenddessen hatten dieselben 40 Privatpatienten Dr. Kranz nur 145mal selbst in seiner Praxis aufgesucht, so daß auf jeweils 42 Hausbesuche nur ein Praxisbesuch kam. Die auf diesen 40 Karten verzeichneten Honorare beliefen sich auf die schwindelerregende Summe von 60 000 Mark.

Von diesen 40 Patienten hatten 23 sogar Dr. Kranz nicht ein einziges Mal in seiner Praxis aufgesucht. Über sie gab es keine Krankenberichte, denn Dr. Kranz hatte sich über Patienten, die nicht in seiner Praxis erschienen nahezu nichts notiert. Nur einige Diagnosen waren in einer winzigen Handschrift zwischen den Reihen mit Kreuzen für die Hausbesuche vermerkt.

Die Unterlagen über die anderen Patienten bestanden in einigen kaum lesbaren Bleistiftnotizen. Außer gelegentlichen lückenhaften Blut- oder Urin-Werten fehlten jegliche Laborbefunde. Nirgends erschienen in diesen dürftigen Unterlagen Angaben über Untersuchungen der Patienten selbst, über die Abgrenzung der Diagnosen, die Therapie oder darüber, wie die jeweilige Behandlung gewirkt hatte.

Einer stattlichen Anzahl von Privatpatienten war Dr. Kranz offenbar besonders entgegengekommen. Einige Patienten, deren Krankenversicherung die Kosten nur teilweise deckte, hatten ihn anscheinend um Hilfe gebeten; so hatte er mehr Leistungen in Rechnung gestellt, als er wirklich geboten hatte.

Einige Patienten zum Beispiel erhielten von ihrer Versicherung von ihren aufgeblähten Rechnungen 75 Prozent zurückerstattet — etwa bei einem Arzthonorar von 200 Mark also 150 Mark. Dann gewährte Dr. Kranz, wie aus den Unterlagen hervorging, diesen Patienten einen Rabatt von 25 Prozent. Auf diese Weise brauchten die Patienten, die ordnungsgemäß mit 150 Mark hätten belastet werden müssen selber überhaupt nichts zu bezahlen. Wenn ihm die fingierten Kosten auch keine zusätzlichen Einnahmen einbrachten, so trugen sie doch dazu bei, diese Privatpatienten seiner Praxis zu erhalten.

Daß Dr. Kranz damit die Versicherungen betrogen hatte, wäre für jeden aus seinen Akten ersichtlich.

Frau Kranz hatte für die Privatpraxis ihres Mannes die Buchführung übernommen; ihre Notizen enthüllten, daß fingierte Hausbesuche berechnet wurden. So hatten einige Patienten in abgelegenen Dörfern die Wegegelder des Arztes nicht mitversichert. In diesen Fällen trugen die Karten den Vermerk: „Keine Kilometergelder. Berechnung zusätzlicher Hausbesuche.“ Die tatsächlich abgestatteten Hausbesuche waren als Kreuze mit Tinte eingetragen, die fingierten Besuche mit Bleistift.

Ich beanstandete meinen Vertrag gegenüber der Witwe und erklärte ihn wegen Irrtums und wissentlicher Täuschung für ungültig.

So kam der Fall vor die zuständige Ärztekammer und die Krankenkassenverwaltung. Es war August, und die Leiter beider Organisationen waren auf Urlaub. Die beiden Stellvertreter luden mich vor, nachdem sie meinen Brief gelesen und mit Frau Kranz Rücksprache genommen hatten.

Zu meiner Überraschung wurde mir mitgeteilt, daß ich nur eine geringe oder gar keine rechtliche Handhabe hätte, den Vertrag anzufechten. Die Herren behaupteten, Dr. Kranz habe seine Praxis durchaus nach der ortsüblichen Ordnung geführt.

Mir wurde der gute Ruf meines Vorgängers vorgehalten. Es habe niemals irgendwelche Klagen über ihn gegeben, und seine beruflichen Fähigkeiten seien über jeden Zweifel erhaben gewesen. Daß er keine Krankenberichte geführt habe, sei nichts Außergewöhnliches, weil ältere Ärzte wie er über eine reiche Erfahrung verfügten, ihre Patienten gut kennen, und ohnehin zu beschäftigt seien, um auch noch große Krankenberichte zu schreiben.

Die Vertreter der Ärztekammer warnten mich, daß die Chancen einer Vertragslösung vor Gericht für mich außerordentlich gering seien: Keiner der hier ansässigen Kinderärzte würde bereit sein, gegen einen Fachkollegen, noch dazu einen toten, auszusagen.

Nachdem mir meine Verhandlungspartner unmißverständlich zu verstehen gegeben hatten, daß ich das deutsche Ärztesystem einfach nicht verstünde und dem Andenken eines hingebungsvollen Kollegen eklatante Respektlosigkeit erwiesen hätte, arbeiteten wir ein neues Abkommen aus: Statt für 45 000 Mark sollte ich die Praxis für 20 000 Mark kaufen.

Ich mietete daraufhin einen Teil eines Vierfamilienhauses für 600 Mark im Monat und zog mit meiner Frau und meinen drei Kindern dort ein. Ich war sicher, die Praxis schnell wieder aufbauen zu können. Würde es mir hier nicht gelingen, so würde ich nirgends in der Bundesrepublik Fuß fassen können.

Ich hatte allerdings die Schwierigkeiten mit dem mir weitgehend unbekannten Krankenkassensystem stark unterschätzt. Das bundesdeutsche Krankenkassenwesen ist unvorstellbar kompliziert.

Dieser Apparat beschäftigt Tausende von Schriftführern und Buchhaltern auf allen Stufen der Bürokratie; er verschlingt viele Millionen Mark von den Aufwendungen für die Gesundheit und trägt so mit zu den hohen Kosten des staatlich reglementierten westdeutschen Medizinwesens bei.

In großen Bürohäusern werden alle Leistungen eines Arztes anhand der Zahl der behandelten Patienten (also keine Qualitäts-, sondern Quantitätskontrolle) von einem Heer von Angestellten geprüft, die nach Abschluß eines jeden Quartals drei Monate brauchen, um ihre Berechnungen abzuschließen und den Ärzten Bilanzen und Honorarschecks zu übersenden.

Sämtliche Rezepte werden überprüft, damit die Kassenpatienten nur die ihnen zukommenden Medikamente erhalten — berechnet nach dem Kostensatz pro Patient. Ein Arzt, der zehn Prozent mehr Arzneimittel verschreibt, als im Durchschnitt verordnet werden, erhält zunächst nur eine Verwarnung. Wenn er den zugebilligten Satz jedoch weiterhin überschreitet, muß er die Differenz selber bezahlen.

Ich habe von einigen aufsässigen Ärzten gehört, die solche Kassen-Bescheide kommentarlos an die Wände ihrer Wartezimmer hängten. Daraufhin forderte die Kasse sie unverzüglich auf, diese Dekoration zu entfernen, andernfalls würden sie ihre Kassenzulassung verlieren.

Nach dem Vertrag, der für die Jahre 1965 bis 1966 zwischen Ärzten und Krankenkassen abgeschlossen worden war, erhielt ein Arzt für einen Patientenbesuch in seiner Praxis drei Mark, für eine Konsultation mit gründlicher Untersuchung fünf Mark, für einen Hausbesuch am Tage einschließlich Fahrtspesen sieben Mark. Die Gesamtvergütung für einen Patienten je Quartal betrug durchschnittlich zwölf Mark.

Tut ein Arzt mehr für seine Kassenpatienten in einem Quartal und übersteigen seine Rechnungen somit den Durchschnitt, rechnet die Krankenkasse ihm das vor; er erhält dann den Bescheid, daß zusätzliche Leistungen nicht vergütet würden.

Die Einnahmen für die Behandlung von Kassenpatienten betragen 15 bis 20 Prozent des Satzes, der in den Vereinigten Staaten als angemessen gilt; die Lebenshaltungskosten in Deutschlands betragen jedoch 85 Prozent des vergleichbaren Aufwands in Amerika. Ich rechnete mir aus, daß ich 400 bis 500 Kassenpatienten im Monat betreuen müßte, um meine Praxiskosten decken zu können, und weitere 200 Patienten für unseren Lebensunterhalt.

Die Privatpatienten, die 15 Prozent der Krankenzahl einer durchschnittlichen Praxis ausmachen, können finanziell nicht sehr ins Gewicht fallen — vorausgesetzt, sie werden anständig behandelt. Ich selbst war nicht bereit, den doppelten Honorarsatz zu berechnen, wie es in Deutschland weitgehend der Fall und für einen Arzt, der sich ein Haus bauen möchte, anscheinend auch unerläßlich ist.

Dr. Kranz war dafür bekannt gewesen, daß er den doppelten Satz nahm. Wie viele andere Ärzte hatte er zwei Warteräume — einen einfachen mit abwaschbarem Mobiliar für die Kassenpatienten und einen gut ausgestatteten mit besseren Möbeln, mit Teppichen und Vorhängen für die Privatpatienten.

Kinder, deren Väter mehr als 1200 Mark im Monat verdienten, wurden mit großem Entgegenkommen behandelt. Kinder von ärmeren Kassenpatienten mußten hingegen, auch wenn sie zuerst gekommen waren, oft stundenlang warten. Dr. Kranz, so wurde mir gesagt, bat oft zwei bis vier Kassenpatienten auf einmal in sein Sprechzimmer; er sprach mit mehreren Müttern gleichzeitig, machte Injektionen, wog die Patienten und nahm sich selten mehr als fünf Minuten Zeit für einen dieser Patienten.

Die Behandlung von Kassenpatienten ist in den meisten Fällen eine Art Massenabfertigung mit willkürlichen Methoden und Zufallsergebnissen. Es ist daher kein Wunder, daß die Berichte über ernste Erkrankungen, die vom Kassenarzt nicht erkannt wurden, nicht zu zählen sind. Viele Ärzte untersuchen nicht einmal ihre Patienten, sondern lassen sich die Beschwerden schildern und verordnen dann etwas. Andere untersuchen nur das sogenannte Kassenpatienten-Dreieck — den Ausschnitt, der sichtbar wird, wenn ein Patient die oberen drei Hemdenknöpfe öffnet.

Viele deutsche Ärzte wenden merkwürdige Verfahren an, um aus ihrer wirtschaftlichen Misere herauszukommen. Sie verlegen sich etwa auf eine Art Privatmedizin, die mit den modernen medizinischen Erkenntnissen kaum noch etwas oder nichts mehr zu tun hat.

So führt ein mir bekannter Arzt eine ertragreiche Privatpraxis in einem Kurort, indem er hauptsächlich Irisdiagnosen stellt. Er behauptet, innere Krankheiten, auch wenn sie schon zurückliegen, aus den Augen lesen zu können.

Ein anderer hochgeachteter Arzt in einem Nachbardorf hat ein Vermögen mit Verjüngungskuren durch Frischzellentherapie gemacht. Das Honorar für eine Kur mit fünf bis acht Injektionen beträgt etwa 800 Mark — mehr als die Einnahmen aus hundert Hausbesuchen bei Kassenpatienten. Die deutsche medizinische Literatur enthält eine stattliche Zahl von Berichten über die Komplikationen einer solchen Behandlung.

Einige Ärzte locken Privatpatienten mit der Akupunktur, dem alten chinesischen Verfahren zur Behandlung innerer Krankheiten, das darin besteht, die Haut mit goldenen oder silbernen Nadeln zu ritzen oder zu punktieren.

Die Homöopathie ist in Deutschland erstaunlich weit verbreitet. Mehrere große pharmazeutische Firmen produzieren eine Vielzahl von Medikamenten aus stark verdünnten pflanzlichen und tierischen Gewebeextrakten. Hauptvorzug dieser „Heilmittel“ ist, daß sie keine Nebenwirkungen haben. Als Therapeutika sind sie wertlos; doch die Krankenkassen bezahlen für diese kostspieligen Flüssigkeiten, ohne den Nachweis der Wirksamkeit zu verlangen — sie verlassen sich ganz einfach auf Gutachten.

Die bundesdeutschen Krankenkassen scheinen nicht in der Lage zu sein die öffentliche Gesundheitspflege von der öffentlichen Quacksalberei zu trennen. Dies ist eines der vielen Probleme des mit Steuergeldern finanzierten Gesundheitsdienstes.

Da ich nicht bereit war, den üblichen doppelten Honorarsatz zu verlangen, und da ich weder Frischzellen-Therapeut noch Kräuterdoktor bin, konnte ich die geringen Kasseneinnahmen nicht durch hohe Erträge aus meiner Privatpraxis ausgleichen. Meine wohlmeinenden, freundlichen und sehr hart arbeitenden Kollegen konnten mir nur raten, meine amerikanischen Gewohnheiten abzulegen und die deutschen Praktiken so schnell wie möglich zu übernehmen, um wirtschaftlich keinen Schiffbruch zu erleiden.

Ebensowenig konnte ich mich an die ehrwürdige Tradition der Hausbesuche gewöhnen. Die Kassenvorschrift, nach der Hausbesuche nur gestattet sind, wenn der Patient nicht selbst in die Praxis kommen kann, wird nicht beachtet. Bald war ich als der neue Kinderarzt aus Amerika verschrien, der sich weigerte, Hausbesuche zu machen, weil er zu faul war.

Mütter, die zum erstenmal in meiner Praxis erschienen, fragten für gewöhnlich Sie machen doch Hausbesuche, wenn wir Sie rufen, nicht wahr?“

Im August antwortete ich noch: „Ja, in dringenden Fällen, oder wenn ich es für notwendig halte.“

Nach dem 1. September jedoch antwortete ich leutselig: „Ja, gern, wann immer und wohin immer Sie es wünschen.“

Zumindest 90 Prozent meiner Hausbesuche waren freilich unnötig, die übrigen waren großenteils nur aus Mangel an Verkehrsmitteln erforderlich. Ich schlug auch meinen Kollegen vor, unnötige Hausbesuche in der Stadt einzustellen; doch sie erhoben Einwände. So fuhr jeder Kinderarzt weiter jeden Tag durch die Stadt und legte im Durchschnitt täglich 100 Kilometer zurück.

Nun aber fehlte mir noch mehr die Zeit für die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten, wie ich sie aus unserer erfolgreichen Gruppenpraxis in Amerika gewohnt war. Während sich Rechtsanwälte und Architekten in Deutschland zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen, schrecken die Ärzte davor zurück. Jüngere Mediziner, die in den Vereinigten Staaten die Vorteile des Gruppenpraxis-Systems für Ärzte und Patienten kennengelernt haben, werden das womöglich bald ändern.

Ich hatte geplant, in meiner Praxis ein kleines bakteriologisches Labor einzurichten und es auch meinen Kollegen zur Verfügung zu stellen. Diesen Plan gab ich jedoch bald auf. Ich erkannte, daß ich meine ganze Zeit und meine ganze Energie darauf verwenden mußte, möglichst viele Patienten zu behandeln und möglichst viele Krankenscheine zu sammeln.

Niemand schien an dieser medizinischen Unzulänglichkeit Anstoß zu nehmen. Selbst eines der beiden Kinderkrankenhäuser der Stadt (ein Haus mit 300 Betten) konnte keine bakteriologischen Tests machen — und das im Lande eines Robert Koch und eines Paul Ehrlich.

Abermals kam ich mit dem allgemeinen Brauch in Konflikt, als ich keine antibakteriellen Medikamente zur Behandlung der alltäglichen Virus-Infektionen der oberen Luftwege und zur Behandlung von Diarrhöen verordnete. Ich verschrieb weniger Arzneimittel als jeder andere Kinderarzt in der Stadt und plädierte statt dessen für Diät, Kühlungen, richtige Kleidung und eine gesunde Lebensweise im allgemeinen. Trotz solcher sparsamen Verordnungsweise erhielt ich von der Krankenkasse zwei Rechnungen über eine medizinische Seife, die ich einem Patienten mit einer Hautflechte verschrieben hatte. Diese Seife wird, wie viele andere Mittel, von der Krankenkasse nicht bewilligt.

Die Entscheidungen der Kassen, ob sie ein Medikament bezahlen oder nicht bezahlen wollen, entbehren oft jeder Logik. Die Kosten für vorbeugende Keuchhusten-Impfungen werden nicht erstattet, aber der mehrwöchige Klinikaufenthalt für Kinder mit Keuchhusten wird anstandslos bezahlt.

Oft verbrachte ich eine halbe Stunde in einem überheizten Wohnzimmer, damit beschäftigt, ein stark fieberndes, erschöpftes Kind zunächst aus den Tiefen eines gepolsterten Kinderbettes. aus vier Decken <die oberste das in Deutschland übliche Federbett) und aus seinen Gummihüllen zu befreien und das Baby dann dadurch abzukühlen, daß ich es vor den entsetzten Augen der Eltern abwusch.

Sie waren davon überzeugt, daß ihr Kind infolge dieser Behandlung am nächsten Tag eine Lungenentzündung haben würde. Keine der Hunderte von Müttern schien je gehört zu haben, daß ein stark fieberndes Kind abgekühlt werden muß. Alle hingen der Vorstellung von vor 40 Jahren an, daß Fieber mit stärkerer Heizung und dickeren Decken bekämpft werden müsse. Die anderen Kinderärzte schienen keine Zeit zu haben, die Eltern eines Besseren zu belehren. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, hinter ihren Krankenscheinen herzujagen.

Ich verbrauchte viel Zeit mit dem Versuch, meine Patienten zu erziehen und ihnen beizubringen, wie man unnötige Praxis- oder Hausbesuche vermeidet und harmlose Erkrankungen wie die üblichen Erkältungen und einfachen Diarrhöen selbst behandelt.

Es gelang mir vereinzelt, Vertrauen zu erwecken; doch die Mehrheit der Patienten verspürte offenbar Unbehagen. Wie vorauszusehen war, wurde ich nur wenig empfohlen, und meine Praxis erweiterte sich nur langsam.

Dann versuchte ich ein Anmeldesystem einzuführen. Meine Wartezimmer, In denen mehr als 30 Patienten Platz hatten, blieben also leer, die meisten Patienten konnten sofort ins Sprechzimmer kommen. Einer meiner Kollegen hielt dieses Verfahren für untunlich und schlug vor, jeweils 15 Patienten am Nachmittag zur gleichen Zeit zu bestellen: Wartenden Kranken, so sagte er, scheint die Zahl der anderen Patienten zu imponieren, sie gewinnen dadurch Sicherheit und Vertrauen in den neuen Arzt.

Kurzum, indem ich wirksam praktizierte, schadete ich meiner Praxis. Ich schadete ihr auch dadurch, daß ich ehrlich blieb. Beispielsweise konnte ich bei einem kleinen Kind frühzeitig eine Hirnhautentzündung diagnostizieren. Am nächsten Tag brachte mir die Mutter als Zeichen ihrer Dankbarkeit drei Krankenscheine für ihre anderen Kinder. Weil sie jedoch gesund waren, reichte ich die Scheine unausgefüllt ein. Etliche Kollegen, sogenannte Kassenlöwen, hielten das für den Gipfel selbstzerstörerischer Dummheit.

Die betrügerische Unsitte, Krankenscheine auch von gesunden Patienten einzuheimsen, Diagnosen zu erfinden und die Krankenscheine dann bei der Kasse einzureichen, ist weit verbreitet und in mancher Praxis sogar an der Tagesordnung. Da das Honorar für jeden Patienten pro Quartal begrenzt ist, bleibt dies die einzige Möglichkeit, die Bezüge von der Kasse zu erhöhen. Manche Familien sind so gut erzogen, daß sie ihren Ärzten nach Beginn des neuen Quartals Krankenscheine für die ganze Familie vorlegen, von der Großmutter bis zum Kleinstkind, ob sie nun gesund oder krank sind.

Die Regierung hat zwar einmal eine Reform des Krankenkassenwesens angestrebt, nach der die Patienten einen Teil der Arztkosten hätten selbst tragen müssen. Dadurch wäre die Unsitte der Krankenschein-Hamsterei stark eingeschränkt worden. Leider wurde dieser Plan von der Mehrheit der deutschen Ärzte abgelehnt.

Ungefähr 20 Prozent meiner Patienten hatten keine Krankheiten. So vermerkte ich auf ihren Krankenscheinen: „Kind gesund, Untersuchung negativ.“ Und ich war mir darüber klar, daß dafür nichts bezahlt wird.

Vertreter der Krankenkasse erklärten mich aber für töricht. Ihrer Ansicht nach ist bei jedem Patienten irgend etwas nicht ganz in Ordnung, so daß sich immer eine Diagnose stellen läßt. Tatsächlich waren meine vierteljährlichen Einnahmen von der Krankenkasse „beklagenswert niedrig“, wie ein Kassenangestellter gutmütig erklärte.

Um in Deutschland mit einer Arztpraxis Erfolg zu haben, muß der Arzt — so stellte ich fest — bereit sein, es mit seinem Gewissen nicht allzu genau zu nehmen und minderwertige Massen-Medizin zu betreiben. Dennoch wollte ich mich nicht gern an eine Klinik verpflichten, obwohl mir die Chance geboten wurde, als stellvertretender Chefarzt in einem Kinderkrankenhaus tätig zu sein. Solche Stellungen bringen ein Jahresgehalt von ungefähr 35 000 Mark ein. Ich sah mich jedoch nicht in der Lage, mich wieder an ein deutsches Krankenhaus mit einem festangestellten Ärztekollegium zu gewöhnen.

Der Chefarzt der chirurgischen Abteilung ist gewöhnlich gleichzeitig Leiter des Krankenhauses. Das bedeutet, daß er über dem Krankenhaus-Verwalter steht, nicht aber, daß ihm die anderen Stationschefs unterstellt sind. Sie sind vielmehr auf ihrem Stockwerk allmächtig und leiten ihre Abteilungen wie Primadonnen.

Das Jahreseinkommen eines Chefchirurgen beträgt zwischen 80 000 und 200 000 Mark; es liegt damit weit über dem Einkommen jedes anderen Arztes. An zweiter Stelle rangiert der stellvertretende Chefarzt. Er mag die gleiche Arbeit tun wie der Chefarzt, oft sogar noch mehr, und ist in Abwesenheit des Chefarztes der verantwortliche Vertreter — aber er verdient mitunter nur ein Viertel.

Die deutschen Fachärzte kämpfen erbittert um den höchsten Krankenhausposten; gewöhnlich bewerben sich 50 Kandidaten und mehr um eine freie Stelle. Viele stellvertretende Chefärzte erkennen nach Jahren harter Arbeit als zweiter Mann, daß sie die Spitze nie erklimmen werden. So kann es vorkommen, daß ein stellvertretender Chefarzt, der fünf bis zehn Jahre Magen reseziert, Gallenblasen entfernt und Kröpfe operiert hat, plötzlich das Krankenhaus verläßt und sich als praktischer Arzt niederläßt, um für den Rest seines Lebens keine größeren Operationen mehr vorzunehmen — eine ungeheure Verschwendung an Kenntnissen und Erfahrungen.

In den Vereinigten Staaten war ich es gewohnt gewesen, in der pädiatrischen Abteilung eines Krankenhauses als einer unter mehreren Fachärzten tätig zu sein, von denen jeweils einer für die Dauer von zwei Jahren zum Chefarzt gewählt wird. Außerdem ist in den USA jeder Kinderarzt für nur wenige (selten mehr als vier) Krankenhauspatienten verantwortlich und kann ihnen so die beste Fürsorge angedeihen lassen.

In den Krankenhäusern der Bundesrepublik betreut der Chefarzt oft über 200 Betten und soll seine Patienten alle kennen und ihre Behandlung überwachen. Das ist natürlich unmöglich.

Der gesunde Menschenverstand gebietet, diese Mammutabteilungen in kleinere Einheiten zu unterteilen, denen jeweils ein Spezialist mit einem Team von Assistenzärzten und Medizinalassistenten vorsteht. Doch viele deutsche Krankenhäuser mit mehr als 200 Betten verfügen nur über chirurgische und innere Abteilungen, die jeweils von einem Chefchirurgen und einem Chefinternisten geleitet werden.

Die beiden Abteilungen vertreten angeblich alle Fachrichtungen, auch wenn es in der Stadt einen Geburtshelfer, einen Kinderarzt und einen Hals — Nasen — Ohren-Facharzt mit eigener Praxis gibt. Diese Spezialisten haben oft nicht einmal den Status eines Belegarztes, weil der Chirurg und der Internist des Krankenhauses ihre Betten eifersüchtig gegen jeden Eindringling verteidigen. Für die oft sehr gut ausgebildeten Fachärzte ist es entmutigend, ernstlich erkrankte Patienten in ein Krankenhaus einzuweisen und somit einem Kollegen übergeben

zu müssen, der die Probleme ihrer Patienten weniger gut kennt.

Die meisten bundesdeutschen Krankenhäuser führen kein nennenswertes Ausbildungsprogramm für Medizinalassistenten und Assistenzärzte durch, abgesehen von gelegentlichen Lektionen am Krankenbett. Viele Krankenhäuser besitzen nicht einmal eine Bibliothek. Die Mehrzahl der Kliniken würde den amerikanischen Anforderungen für eine Akkreditierung nicht genügen. Ohnehin wird die Ausbildung an deutschen Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten nicht anerkannt.

Fraglos ist die Bundesrepublik heute auf manchen Gebieten der Medizin ein unterentwickeltes Land. Einst Lehrstätte der größten Ärzte der Welt, ist Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in der Lage, an die Spitze des medizinischen Fortschritts zurückzukehren.

Es mangelt nicht etwa an brillanten Köpfen oder an Geld; die Nation hat beides reichlich. Das Übel steckt vielmehr in der Krankenhaus-Hierarchie, die jedes Wetteifern um erstklassige Leistungen lähmt, und in dem Krankenkassensystem, das Quantität, nicht aber Qualität belohnt.

Außerdem ist dem Deutschen, gewohnt zu befehlen und zu gehorchen, die Zusammenarbeit auf gleicher Ebene noch neu — das den Amerikanern so vertraute „team work“ und „team spirit“. Solange einsame Genies durch Beobachtung und Laborexperimente bahnbrechende Leistung auf dem Gebiet medizinischer Theorie und Praxis vollbringen konnten, leisteten die Deutschen tatsächlich Großes. Doch die meisten Fortschritte in der modernen Medizin wurden und werden auch künftig durch team work erzielt. Das Wort „team“ aber ist nicht ins Deutsche übersetzbar.

Mit am unerfreulichsten in deutschen Krankenhäusern ist der unnötig lange Klinik-Aufenthalt der Patienten. Durchschnittlich sind es 21 Tage — gegenüber sechs Tagen in den USA.

Da die Kassen Tagessätze zahlen und dieser Satz nur etwa 24 Mark beträgt, wird offenkundig die Entlassung so lange hinausgezögert, bis der Patient sich nur mehr erholt.

Sobald die Intensive Behandlung abgeschlossen ist, sobald also der Behandlungsaufwand geringer wird, kommt das Krankenhaus aus den roten Zahlen heraus. Müßte eine Klinik ausschließlich ernstlich erkrankte Patienten behandeln und sie so bald wie möglich wieder entlassen, würde sie schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten und mehr Subventionen benötigen als andere Häuser.

Es scheint selbstverständlich, daß überfüllte Krankenhäuser erweitert werden müssen, mehr Betten brauchen und neue Gebäude. Das bedeutet auch höhere Gehälter, mehr Macht und größeres Prestige für den Chefarzt und den Verwalter.

Die Stadt, in der ich arbeitete, zählte 310 000 Einwohner und verfügte erstaunlicherweise über mehr als 500 Kinderkrankenbetten. In den Vereinigten Staaten hatte meine pädiatrische Abteilung mit nur 20 Betten einen Bezirk mit 85 000 Menschen betreut. In deutschen Krankenhäusern sah ich in manchen Kinderstationen, wie Jungen in ihren Nachthemden umhersprangen, Kissenschlachten oder andere Spiele machten und herzhafte Mahlzeiten zu essen bekamen. Offenbar wurden diese Kinder nicht gerade wegen einer Krankheit dort behalten.

Aber auch die Patienten bedrängen oft den Arzt, sie in ein Krankenhaus einzuweisen, damit sie für eine Weile dem Beruf oder ihren Hausfrauenpflichten entkommen. Ich verlor mehrere Kassenpatienten, weil ich mich weigerte, sie wegen geringfügiger Krankheiten in eine Klinik zu schicken.

Werden sich die deutschen Ärzte jemals den vielfachen Sklavendiensten entziehen können? Ich wüßte nicht, wie. Die Ärzteschaft ist in rivalisierende Fraktionen und Organisationen zersplittert. Zu keiner Frage äußern sie sieh einstimmig. Es gibt eine Vereinigung für die leitenden Krankenhausärzte, eine für die Medizinalassistenten und Assistenzärzte der Kliniken (den Marburger Bund), zwei für Ärzte mit eigener Praxis (Hartmann-Bund und Verband niedergelassener Ärzte), eine für die Medizinalbeamten, eine für die Vertrauensärzte und so fort. Jede Gruppe vertritt Interessen, die den Interessen der anderen Vereinigungen oft entgegenstehen.

In den häufigen endlosen Verhandlungen mit den Krankenkassen über neue Verträge kämpfen die deutschen Ärzte für Erhöhungen der Honorarsätze um fünf oder zehn Prozent — zum Beispiel dafür, die Vergütung für eine Konsultation mit gründlicher Untersuchung von fünf auf 5,50 Mark anzuheben. Dabei wäre das Dreifache gerechtfertigt.

In den kommenden Jahren wird die Bundesrepublik weiterhin zu den Ländern mit den meisten Ärzten gehören. Gegenwärtig legen etwa 4800 Studenten jährlich das Mediziner-Examen ab; aber nur 2200 Ärzte setzen sich zur Ruhe.

Die medizinischen Fakultäten der Universitäten sind überfüllt. Doch in dem Maße, wie die Zahl der Ärzte zunimmt, wird sich ihre Verhandlungsposition weiterhin verschlechtern. Dann wird es wahrscheinlich zu einer Massenemigration deutscher Ärzte kommen.

Nach sieben Monaten Praxis in Deutschland gelangte ich zu der Überzeugung, in dem herrschenden System meinen Maßstäben als Facharzt nicht gerecht werden zu können. Wie die meisten anderen deutschen Kinderärzte hatte ich keinen Zugang zu Krankenhausbetten. Ich wurde zu einem praktischen Arzt für die jüngere Altersgruppe degradiert, der eine Art Massensiebung vorzunehmen hatte.

In den sieben Monaten meiner Praxistätigkeit hatte ich keine einzige intravenöse Infusion machen können, weder feinere Labortests gemacht noch den Behandlungsplan für einen Diabetiker aufgestellt. Ich hatte keinen Fall von Hirnhautentzündung, Sepsis oder anderer schwerer Infektionen behandelt. Ich hatte nicht einmal eine Röntgenaufnahme des Gehirns, ein Elektrokardiogramm, eine Knochenmarksprobe oder eine Bakterienkultur gesehen. Zur Behandlung von Neu- und Frühgeborenen, meinem Spezialgebiet, war ich nicht hinzugezogen worden.

Ich ertrank im Bürokratismus und wurde mit Broschüren, Memoranden, Berichten und Verfügungen der Krankenkassen überschüttet. Das Honorar, das ich pro Patient und Quartal erhielt, schien mir allein für die Schreibarbeiten angemessen. Erst im letzten Monat verdiente ich genug, um meine monatlichen Praxiskosten in Höhe von 2400 Mark zu decken.

An jedem Werktag machte ich ungefähr fünf Hausbesuche und empfing zehn Patienten in der Praxis, an den Wochenenden erhöhte sich die Zahl meiner Hausbesuche auf durchschnittlich 30. Dazu brauchte ich dieselbe Energie wie für meine Tätigkeit in den USA, wo ich täglich 28 Patienten in meiner Praxis empfing und außerdem noch im Krankenhaus arbeitete.

Am Ende des siebten Monats bot ich meine Praxis zum Verkauf an. Als ich drei interessierten Krankenhausärzten die Bilanz der letzten Monate vorlegte, verloren sie sofort das Interesse. Alle drei gaben aber auch zu, daß sie Angst hätten, die Sicherheit eines Krankenhauslebens gegen den Druck und die Not einer Kinderarztpraxis unter dem gegenwärtigen Krankenkassensystem einzutauschen.

So verkaufte ich den größten Teil meiner Einrichtung und meiner Utensilien und verschenkte den Rest. Die Enttäuschung und der finanzielle Verlust — ungefähr 90 000 Mark — waren beträchtlich.

Als ich aufbruchbereit war, hängte ich ein Schild an die Tür meiner Praxis, das ich — es war Karneval — mit einer Spottfigur dekorierte: „Kinderarzt Bauer ist am Verhungern. Diese Praxis wird am 1. März 1966 geschlossen. Die Krankenkassenpatienten des Dr. Bauer werden im März von einem Vertreter betreut.“

Wenige Tage später erhielt ich ein Schreiben des Vorsitzenden der zuständigen Ärztekammer. Ich erhielt Anweisung, das Schild sofort zu entfernen, da ein so verfehlter Humor mit der Berufsehre der Ärzte unvereinbar sei.

Unter dem herrschenden System des Gesundheitsdienstes im bundesdeutschen Wohlfahrtsstaat wird von Verwaltung, Patienten und Ärzten erwartet, daß sie zufrieden und glücklich sind. Wenn ein tüchtiger und fleißiger Arzt, der gute Arbeit leisten und gleichzeitig die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln ethischer Praxis befolgen möchte, finanziell nicht zurechtkommt und dies auch noch offen eingesteht, stört er diese Illusion.

DER SPIEGEL 9/1968

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma

Von Christoph Kaaden

Im Herbst 2018 stellte sich der damals 10-jährige Milo erstmals bei uns vor.

Hinter ihm lagen mehrere Tage starker Schmerzen und multiple Zahnarztbesuche mit endodontischen Behandlungen seines linken oberen zentralen Schneidezahns.

Erst mit dem gestrigen Beginn der Einnahme eines Antibiotikums stellte sich langsam eine gewisse Besserung ein…

Die Befragung des jungen Patienten ergab, dass er vor circa einem Jahr beim Fußballspielen ein Frontzahntrauma mit Lockerung des Zahnes erlitten hatte. Seit dieser Zeit war der Zahn in unregelmässigen Abständen ohne besondere Befunde kontrolliert worden.

Bei Betrachtung des aktuellen Röntgenbildes ist anzunehmen, dass eine radiologische Untersuchung in der Vergangenheit nicht Teil der Befundung war:

Apikale PA nach Trauma.001

Ausgeprägte apikale Aufhellung bei Zustand nach Frontzahntrauma vor ca. 12 Monaten

Gemeinsam entschlossen sich alle Beteiligten trotz der ausgeprägten apikalen Pathologie weitere endodontische Maßnahmen durchzuführen.

Am Ende  des dritten Behandlungstermins (Behandlungsdauer 2,5h) stellte sich die Situation wie folgt dar:

Apikale PA nach Trauma.002

Und so sah das Recall ein Jahr später aus:

Apikale PA nach Trauma.003

Apikale PA nach Trauma.004

Es sieht so aus, als hat Milos Zahn trotz des Fußballunfalls eine gute Prognose…

 

Recall eines Falls aus der Reihe Herodontics

Dieser Fall wurde von uns bereits hier vorgestellt.
Man kann diesen Fall in die Kategorie: „Erst hatte sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“ einordnen.

Nun haben wir wieder Recallbilder und möchte diese Ihnen nicht vorenthalten.

Nach 36 Monaten erscheint der Desmodontalspalt dezent verbreitert.
Wir haben eine Artikulations- und Okklusionskontrolle empfohlen.

Fall zum Wochenende Teil 4

Heute möchte ich abschließend berichten, wie es mit dem Fall, über den hier, hier und hier berichtet wurde, weiterging.

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Behandlung übel enden wird.

Man kennt das ja, dieses Gefühl, dass einem sagt, man sollte besser die Finger weg lassen vom Behandlungsfall, nicht der endodontischen Situation wegen, sondern wegen der Person, die an dem Zahn dranhängt. Und dann macht man es doch, wider besseres Wissen oder gegen sein Bauchgefühl und prompt wendet sich Alles zum Schlechten.

Toi, toi, toi verlief in diesem Fall alles gut und ohne Nachwehen.

Die Behandlungen im chronologischen Ablauf:

 

2018 Juni

27.06.2018 Untersuchung/Besprechung

 

2018 September

03.09.2018 Zahn 46 Behandlungsitzung 1 – Trepanation, Erschließung der Wurzelkanäle, vorhandene Restvitalität!, initiale Wurzelkanalaufbereitung

11.09.2018 Zahn 46 Behandlungssitzung 2 – vollständige Wurzelkanalaufbereitung

17.09.2018 Zahn 46 Behandlungsitzung 3 – Intensive Spülungen, Austausch der  medikamentöse Einlage Ledermix vs. Calciumhydroxid

2018 November

12.11.2018 Zahn 46 Behandlungssitzung 4 – WF

2019 Februar

04.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 1- Entfernung Krone, Entfernung Wurzelstift, initiale Wurzelkanalbehandlung, um Patency sicherzustellen als Voraussetzung für Weiterbehandlung, Aufbau des Zahnes mit Composite

12.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 2- Präparation für Kunststoffkrone, Kunststoffkrone (Protemp Garant, leider nicht röntgensichtbar) mit Rely X eingegliedert

21.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 3- Aufbereitung

28.02.2019 Zahn 46, Behandlungssitzung 5 – postendodontische Stabilisierung mit Composite

2019 Mai

09.05.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 4 – WF

28.05.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 5 – Glasfaserstift mit Rebilda eingegliedert

2019 Dezember

05.12.2019 Recall Zahn 46 13 Monate nach WF, Zahn 45 6 Monate nach WF

Und hier die Röntgenbilder im zeitlichen Verlauf.
Schön zu sehen, die Knochenregeneration im Laufe der Zeit.
Nicht nur apikal  46 und 45, sondern an Zahn 46 sowohl  distal wie auch interradikulär eine ebenso deutliche wie erfreuliche Verbesserung der ossären Situation gegenüber dem Ausgangsbefund.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

 

 

Mein endodontischer Alltag

von Jörg Schröder

Neben dem einen oder anderen besonders lehrreichen oder gar aussergewöhnlichen Behandlungsfall besteht mein endodontischer Alltag zu mehr als 90 Prozent aus endodontischen Revisionsbehandlungen. Ein Umstand, den ich inzwischen als sehr erfrischend, weil abwechslungsreich, empfinde.

Die Anzahl der möglichen Hürden geht über die einer Erstbehandlung hinaus, da es neben den anatomischen auch noch materialtechnische Herausforderungen zu meistern gilt.

Nicht nur Krümmung, Radius derselben, Arbeitslänge, initiale Kanalweite gilt es zu berücksichtigen. Es kommen hinzu Befestigungsart der Wurzelstifte/-schrauben, Art der retentiven Oberfläche, Passgenauigkeit der Stifte im Kanal, Art der Restauration (Füllung, Krone) Kofferdamfähigkeit der Behandlungssituation, iatrogene Stufen, Art der Obturationsmaterialien und noch einige Dinge mehr.

Der nachfolgende Fall bringt vieles mit, was meinen endodontischen Alltag interessant macht. Adhäsiv befestigte Wurzelstifte mit maximalen Retentionsrillen, X-Bein (ich hatte hier berichtet), obliterierte Kanäle, präendodontischer Aufbau, massive gegossenen Stiftaufbauten mit sehr guter Passung, abrupte apikale Krümmung (16 DB). Die Behandlung jedes Zahnes erfolgte einzeitig.

Ein schöner Alltag, wie ich finde. Langweilig ist definitiv anders.

DICOM Export Pflicht vorerst ausgesetzt

Weil wir im Kreise der WURZELSPITZE – Autoren gerade das Thema hatten, vielleicht auch für den einen oder anderen hier noch nicht bekannt und interessant/ wichtig: Die für 01.01.2020 vorgeschriebene Pflicht des Exportes von Röntgenbilder im DICOM – Format ist vorerst ausgesetzt. 

Eine entsprechende Quelle findet man hier.

Hintergrund – Die Industrie hat nicht rechtzeitig die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, es müssten demnach eine Vielzahl von Röntgeneinrichtungen vorübergehend stillgelegt werden.

Das freut sich zumindest eine mir bekannte Kollegin, der man von Deoptseite her angekündigt hatte, ihr wenige Jahre altes Röntgengerät sei nicht DICOM – kompatibel und müsse gegen ein neues getauscht werden.

 

 

 

 

Frontzahntrauma – das klinische Vorgehen.

von Jörg Schröder

Mit schöner Regelmässigkeit stellen sich in meiner Praxis sehr junge Patienten vor, die nach einem vor Wochen oder gar Monaten erlittenem Frontzahntrauma Beschwerden entwickeln. Die Erstversorgung ist also loco bereits erfolgt und leider führt genau diese Erstversorgung dazu, dass Behandlungsoptionen verloren gehen, die selbst bei komplexen Verletzungen eine Vitalerhaltung der pulpalen Gewebe ermöglichen könnten.

Diese junge Patientin, 9 Jahre alt, erlitt nach einem Sturz vor 3 Wochen offensichtlich eine Kronenfraktur an den Zähnen 21 und 11.

Nach der Initialversorgung der Dentinwunde mit Komposit – die frakturieren Kronenanteile waren am Unfallort in einem Dentosafe gelagert worden und konnten aufgrund der unfallbedingten Blutung aus den verletzten parodontalen Geweben nicht wiederbefestigt werden – wurde zunächst ein abwartendes Vorgehen empfohlen. Anamnestisch konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, ob es sich um eine komplizierte (mit Pulpaeröffnung) oder eine unkomplizierte Kronenfraktur handelte.

Nachdem an Zahn 11 eine deutliche Berührungsempfindlichkeit auftrat, suchten die Eltern Rat an einer Universitätsklinik. Es war Ihnen empfohlen worden, den Versuch einer Revaskularisierung unternehmen zu lassen. Da in der universitären Einrichtung ein etwaiger Behandlungstermin erst 8 Wochen später realisierbar gewesen wäre, wendeten sie sich an eine von der Klinik empfohlene Praxis.

Dort wurde, da der Sensibiltätstest mit Kälte negativ ausfiel, Zahn 11 ohne Anästhesie im Bruchbereich trepaniert und …… . Überraschung: es blutete und die Patientin war alles andere als begeistert. Daraufhin wurde Calxyl eingelegt und die Trepanationsöffnung mit einem Fissurenversiegelungsmaterial verschlossen. Es erfolgte die Überweisung an mich.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die empfohlene Praxis gar nicht in der Lage war, eine regenerative/ reparative Pulpabehandlung durchzuführen. Eine Aufklärung über das geplante Vorgehen erfolgt zudem auch nicht, es wurde einfach trepaniert!

Am Tag der Erstuntersuchung bei mir zeigten alle Oberkieferfrontzähne eine reproduzierbar positive Antwort auf den elektrischen Reiz. Eine ausbleibende Reaktion auf den Kältetest wird leider immer noch als ein sicheres Zeichen einer Pulpanekrose angesehen. Dabei kann es nach einem Frontzahntrauma bis zu 9 Monaten dauern, bis sich eine Sensibilität wieder einstellt. Dasselbe gilt für transiente apikale Aufhellungen. Insbesondere bei Dislokationsverletzungen. Diese sind eben kein sicheres Zeichen einer Pulpanekrose, was die Ableitung der „richtigen“ Therapie jetzt nicht unbedingt erleichtert.

Empfehlenswert und deutlich reproduzierbarer ist der elektrische Sensibiltätstest, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass dieser gerade bei jungen Patienten nicht zuverlässig ausfallen kann, da diese sehr schnell herausfinden, was „gut“ (ja, merke ich) oder „schlecht“  (nein, ich merke nichts) für sie ist.

Es empfiehlt sich immer, sicher nicht betroffene Zähne mit zu überprüfen, um die Befunde korrekt einschätzen zu können.

Da sich im Einzelbild eine die klinische Krone diagonal verlaufender Frakturlinie zeigte, wurde zur Klärung einer eventuell bestehenden Kronen-/Wurzelfraktur ein kleinvolumiges DVT erstellt.

Und, wie so oft, brachte dieses Licht ins Dunkel.

Durch den Sturz kam es offensichtlich zu einer partiellen Aussprengung eines palatinalen Kronenanteils, die bis in die Wurzel hineinreichte. Die Frakturlinie selbst hatte keinen Kontakt zum Pulpakammerhohlraum. Durch die Einblutung in den palatinal gelegenen Frakturspalt kam es zu einer Dunkelverfärbung der klinischen Krone. Diese wurde durch ein deutliches Leakage des Dentinwundenverschlusses aus Komposit verstärkt.

Die Probetrepanation, die in Wirklichkeit leider nicht auf Probe, sondern eine erfolgreiche war, führte zu einer weiteren Einblutung in den verbliebenen Kronenanteil.

Den Eltern der kleinen Patientin habe ich daher folgendes Vorgehen empfohlen:

  • Entfernung der Erstversorgung an Zahn 11 und Pulpotomie im Gesunden, falls sich die Pulpa am Behandlungstag elektrisch sensibel und klinisch vaskularisiert darstellt.
  • Entfernung des palatinalen Kronenfragmentes nach chirurgischer Darstellung und adhäsive Abdeckung der freiliegenden Dentinareale mittels Flow-Komposit.
  • Reattachment des beim Unfall frakturierten Kronenanteils mittels Komposit.

Eine vollständige Herstellung des palatinalen Volumens der Krone mittels Komposit erschien aufgrund der subcrestalen Lage der Fraktur nicht erstrebenswert. Ein kieferorthopädische Extrusion kann zu Verbesserung der parodontalen Verhältnisse zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden.

Die Pulpotomie erfolgte unter absoluter Trockenlegung. Die Kofferdamklammer fixierte dabei das palatinale Fragment durch nach vestibulär gerichteten Druck der palatinalen Klammeranteile. Die Kompositfüllung liess sich mittels Scaler absprengen. Darunter zeigte sich das Ausmass der Undichtigkeit.

Die Pulpotomie wurde bis in eine Tiefe hin durchgeführt, die eine Kontamination der Pulpa durch auf der Bruchstelle freiliegende Dentintubuli als unwahrscheinlich erachtet werden konnte. Ebenso sollten unerwünschte Auswirkungen der Begleitmassnahmen (Ansätzen, Bonden) der adhäsiven Abdeckung auf die Pulpa vermieden werden. Dazu wurde am DVT die Strecke bis zur palatinalen Bruchkante ausgemessen und die Pulpa bis in den Wurzelbereich reduziert.

Nach chirurgischer Darstellung der Frakturstelle, hier ist eine optimale Hämostase wichtig, konnte das mitgebrachte Kronenfragment adhäsiv befestigt werden.

Anschliessend wurden die fehlenden Kronen-/Wurzelanteile mittels Flowkomposit bestmöglich rekonstruiert. Ein geringer Unterschuss am Übergang zur Bruchstelle wurde dabei bewusst in Kauf genommen, um die Irritationen der parodontalen Gewebe durch Kompositmaterialien so klein wie möglich zu halten.

Zum Abschluss erfolgte die Reposition der mobilisierten Gewebe und die Fixierung mittels zweier Einzelknopfnähte 7/0.

Das Recall wird von mir schon mit Spannung erwartet:

Wird es die Pulpa in Zahn 11 schaffen? Wie entwickelt sich die Situation an Zahn 21, der im DVT klar Zeichen einer zurückliegenden lateralen Dislokation aufweist?

Nichtbehandlung (III)

Von Christoph Kaaden

 

In dieser Woche haben wir diesen Traumafall (I und II) abschliessen können.

Während die Zähne 12 und 21 die vormaligen Verletzungen und deren Therapie (bisher) gut überstanden haben zeigte Zahn 11 alle Anzeichen einer Pulpanekrose.

Daher haben wir uns für die Durchführung einer endodontischen Therapie entschieden.

Hier die Behandlungsabfolge:

Nichtbehandlung III.001Nichtbehandlung III.002Nichtbehandlung III.003Nichtbehandlung III.004Nichtbehandlung III.005

Die nächste Kontrolle in sechs Monaten muss zeigen, wie sich die bisher überwiegend positiven Befunde weiterhin entwickeln…

P.S.: Sieht man da bei der Gegenüberstellung von Prä-OP zu Post-OP an 12 ein Bridging?

 

Bezugsquelle Produkte Meta Biomed in Deutschland

Weil es sicherlich von allgemeinem Interesse ist, antworte ich auf die Frage nach der Bezugsquelle der Meta Biomed-Produkte nicht in den Kommentaren zu den Artikeln hier und hier, sondern in diesem Beitrag.

Bei dem verwendeten Calciumhydroxid handelt es sich um „Metapex“ der Firma Meta Biomed. Das Präparat ist nicht in Deutschland offiziell erhältlich. Grund ist eine nicht vorhandene Zulassung.

Es gab und gibt vermutlich nachwievor den Bezug über ADS /Vaterstetten.

Ich habe das Material allerdings, wenn immer möglich, von meinem USA-Besuch des New York Greater Dental Meeting mitgebracht. Zum Messe-Vorzugspreis, der im Hinblick für die von uns im Zeitraum benötigte Menge sogar die Flugkosten (ich flog allerdings immer Economy, nur das keine Missverständnisse aufkommen)  ,-) überkompensierte.

In Deutschland frei erhältlich ist das jodidfreie Alternativpräparat „Metapaste“.

Allerdings bleibt das Problem, das Meta-Produkte in Deutschland nur schwer erhältlich sind. Der einfachste Weg ist vermutlich, sich direkt an das Deutschland- Büro mit Sitz in Mühlheim zu wenden. Frau Park ist Koreanerin und spricht Deutsch.

Frau
Sinny Park
META BIOMED EUROPE GMBH
Wiesenstraße 35
45473 Mülheim an der Ruhr
Tel +49 208 309 91910
Fax +49 208 30 991 999

europe@meta-europe.com

 

Oder eine Email (in englischer Sprache) an den Präsident Meta Biomed USA/Südamerika/Europa Mr. Ian Yun.

ian@metabiomed-inc.com

Es ist zu sehen… (3)

Im dritten Beitrag zu diesem Fall möchte ich Ihnen nun die gesamte Behandlung vorstellen.

Im Beratungsgespräch erwähnte der Patient, nachdem wir ihn auf mögliche operative Eingriffe an den Kieferhöhlen angesprochen haben, daß vor mehr als 10 Jahren mehrfach an der Kieferhöhle operiert wurde. Später waren dann immer wieder mal Beschwerden, wenn er erkältet war oder beruflich stark gefordert war. „Und, ja,  die waren dann auch immer mal so, wie jetzt. Allerdings stärker ausgeprägt.“

Die vom Patienten angegebenen Beschwerden führten wir auf die unbehandelte Wurzelkanalstruktur im Zahn 24 zurück. Der Patient selbst bezweifelte dies.
Der mehrfach behandelte Zahn 25 wurde von uns revidiert. Es zeigte sich nach der Behandlung, daß die Beschwerden nahezu unverändert vorhanden waren.

Nach einiger Wartezeit, die sich der Patient ausbat, um möglicherweise doch noch Beschwerdefreiheit zu erreichen ohne Revision am Zahn 24, haben wir dann 24 doch revidiert.

Im DVT zeigte sich eine erhebliche Stufe in der mesiobukkalen Wurzel. An dieser mussten wir eine Mikroperforation (buccal) diagnostizieren. Patency ließ sich auf Grund einer apikalen, für uns trotz längerer Versuche nicht zu lösenden Blockierung, nicht erreichen. Die aufbereitete Kanalstruktur wurde bis zur Perforationsstelle gefüllt. Danach wurde mit einem ProRoot MTA Plug die Perforation verschlossen. Palatinal und mesiodistal gelang die Aufbereitung ohne größere Probleme und nach einer abschließenden Desinfektion erfolgte die thermische Obturation.

Bereits nach der ersten Behandlungssitzung am Zahn 24 haben sich die Beschwerden des Patienten deutlich reduziert. Zum Wurzelfüllungstermin war der Patient beschwerdefrei.

 

Anbei die Folien zur beschriebenen Behandlung.

Fall zum Wochenende Teil 3

Bislang berichtet wurde über diesen Fall hier und hier.

Wie ging´s weiter.

Ich hätte nicht übel Lust gehabt, die Behandlung gar nicht erst anzufangen.
Zur Erinnerung. Die Patientin betrat auf Grund einer Wartezeit von 30 Minuten zutiefst erzürnt das Behandlungszimmer.
Aber CAVE – gerade solche Patienten bergen auch bei Nichtbehandlung ein hohes Konfliktpotential. Eine wohl abgewogene Vorgehensweise ist zwingend erforderlich, zumindest sinnvoll, will man noch mehr Schwierigkeiten im Nachgang vermeiden.

Und in unserem Falle hatte die Patientin ja in der Tat 30 Minuten gewartet, das war Fakt, egal wie man ihren furienhafter Auftritt für sich selbst bewerten möchte.

Ich habe also die endodontische Behandlung, wie für die erste Behandlungssitzung anvisiert, durchgeführt. Es war extrem schwierig, aber ich konnte die Kanäle apikal  erschliessen und Patency herstellen, so dass aus meiner Sicht eine Weiterbehandlung als sinnvoll anzusehen war.

Dies habe ich der Patientin mitgeteilt.
Und sie anschließend an ihre Hauszahnärztin zurücküberwiesen.

„Wir haben die Voraussetzungen geschaffen dafür, dass ihre Hauszahnärztin die Behandlung wie von Ihnen gewohnt, weiter- und zu Ende führen kann.“

DAS allerdings wollte die Patientin aber auch nicht. Resolut antwortete sie : „Ich möchte, das SIE die Behandlung weiterführen!“

„Es tut mir leid, aber ich sehe mich ausserstande, ihre zeitlichen Erwartungen Ihnen garantieren zu können“, erwiderte ich.

Darauf die Patientin kühl:  „Ich denke, wir sollten das Ganze professionell angehen. Ich war verärgert. Und ich habe, das ist mein gutes Recht, meinem Ärger Ausdruck gegeben. Ich betrachte die Angelegenheit damit als erledigt.“

Und – um es vorweg zunehmen, genau so handhabte sie das die weiteren Behandlungstermine. Als hätte es ihren Auftritt nie gegeben.

Nachfolgend 3 Zahnfilme. Vor der Behandlung, nach Applikation CaOH2, nach WF.

gc4546-x-20180627-102727-xwgbdlsj38rk-3BZÄT-1-15BZÄT-1-14

 

 

 

 

Frontzahntrauma – und dann?

von Jörg Schröder

Mit schöner Regelmässigkeit stellen sich in meiner Praxis sehr junge Patienten vor, die nach einem vor Wochen oder gar Monaten erlittenem Frontzahntrauma Beschwerden entwickeln. Die Erstversorgung ist also loco bereits erfolgt und leider führt genau diese Erstversorgung dazu, dass Behandlungsoptionen verloren gehen, die selbst bei komplexen Verletzungen eine Vitalerhaltung der pulpalen Gewebe ermöglichen könnten.

Diese junge Patientin, 9 Jahre alt, erlitt nach einem Sturz vor 3 Wochen offensichtlich eine Kronenfraktur an den Zähnen 21 und 11.

Nach der Initialversorgung der Dentinwunde mit Komposit – die frakturieren Kronenanteile waren am Unfallort in einem Dentosafe gelagert worden und konnten aufgrund der unfallbedingten Blutung aus den verletzten parodontalen Geweben nicht wiederbefestigt werden – wurde zunächst ein abwartendes Vorgehen empfohlen. Anamnestisch konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, ob es sich um eine komplizierte (mit Pulpaeröffnung) oder eine unkomplizierte Kronenfraktur handelte.

Nachdem an Zahn 11 eine deutliche Berührungsempfindlichkeit auftrat, suchten die Eltern Rat an einer Universitätsklinik. Es war Ihnen empfohlen worden, den Versuch einer Revaskularisierung unternehmen zu lassen. Da in der universitären Einrichtung ein etwaiger Behandlungstermin erst 8 Wochen später realisierbar gewesen wäre, wendeten sie sich an eine von der Klinik empfohlene Praxis.

Dort wurde, da der Sensibiltätstest mit Kälte negativ ausfiel, Zahn 11 ohne Anästhesie im Bruchbereich trepaniert und …… . Überraschung: es blutete und die Patientin war alles andere als begeistert. Daraufhin wurde Calxyl eingelegt und die Trepanationsöffnung mit einem Fissurenversiegelungsmaterial verschlossen. Es erfolgte die Überweisung an mich.

Wie sähe ein alternatives Vorgehen aus? Welche Befunde sind zu erheben? Welche Behandlungsoptionen bestehen? Wie lautet die vermutlich richtige Diagnose der Verletzung? Wie ist der negative Kältetest einzuschätzen?

Die Auflösung gibt es am Freitag. Bis dahin freue ich mich über die rege Nutzung der Kommentarfunktion.

 

Jahresrückblick 2019

Viele Dinge, die angesprochen werden sollten, finden sich hier wieder.

Ich fand es fast durchgehend zutreffend und keine Sekunde langweilig.

 

In den YouTube – Kommentaren habe ich dann den Hinweis auf den SPON – Veriss gefunden

 

https://www.spiegel.de/kultur/tv/dieter-nuhr-satirischer-jahresrueckblick-in-der-ard-a-1302145.html#js-article-comments-box-pager

Und empfehle, danach die Kommentare zu studieren.

 

 

 

Vom Cavit-Saulus zum MD Temp Plus-Paulus

Viele Jahre lang, eigentlich mein gesamtes zahnärztliches Schaffen hindurch habe ich kein Cavit benutzt. Diese zunächst weiche, klebrige Masse, die sich nicht adäquat formen und ausarbeiten lässt. Und beim Ausbohren sich genauso ätzend, weil verschmierend verhält. Nicht dauerhaft kaustabil ist. Auch die vermeintliche Zeitersparnis bei Legen relativiert sich, vorausgesetzt, man benutzt zum Verschluss der endoodntischen Zugangskavität einen schnellabbindenden Glasionomerzement. Welcher innerhalb von 2 Minuten ausgehärtet und okklusal adäquat adjustiert ist. Diesen „unnötigen“ Luxus gönn ich mir. Der sich immer wieder auszahlt. Weil eben kein Patient unvorhergesehen in der Praxis steht, dem das Cavit- Provisorium verlustig gegangen ist oder  – Szenario 2 – zur Weiterbehandlung sich vorstellt mit einem seit Tagen schon offenen Zahn, er aber die Praxis nicht extra aufsuchen wollte. „Ich hatte doch den Termin sowieso.“ 

Na, kommt das bekannt vor ? 

Und dann hatten wir noch das Problem, dass unser Cavit (aus der Tube wohlgemerkt) nach der Erstentnahme zwangsläufig trotz Schraubverschluss vor sich hin atmend zum Zeitpunkt der Wiederverwendung sich als ausgehärtet und damit unbrauchbar präsentiert. 

Dabei hat das Material sehr wohl in der Endodontie Vorteile.
Oder sollte ich besser den Singular gebrauchen, einen großen Vorteil. Es ist ein sehr dichtes Material. Das dichteste überhaupt sogar, das darüberhinaus leicht feuchtigkeitsaffin sich präsentiert. Ein im Hinblick auf zu verwendende medikamentöse Einlagen im Wurzelkanal sicherlich ein nicht unwillkommenes Produktmerkmal. 

Aber – am Ende des Tages reichte das alles nicht aus, um die Bedenken bzw. die Tag für Tag erlebten Nachteile zu überkompensieren. 

Cavit kam daher in unserer Praxis nur sehr selten bis gar nicht zum Einsatz.
Zum Beispiel seit kurzem im Notdienst.
Seit uns von KZV-Seite her verboten wurde, Füllungen zu legen, wenn ein Patient mit rausgefallener Restauration dort sich vorstellte.
Das sei unkollegial.
Und beim Schmerzpatienten eine Lege Artis Endo (VitE, WK) durchzuführen sei unwirtschaftlich. Und Röntgen im Notdienst so gut wie nie notwendig. O Tempora, o mores ! Oder, wie es der geschätzte Kollege und „Memorix Zahnmedizin“- Autor Thomas Weber in einem Satz zusammenfasst #Deutschland_ist_nicht_zu_retten.

Da kam dann eine Produktprobe von Meta Biomed gerade richtig.

Erinnern Sie sich noch ? 
Früher konnte man neue oder unbekannte Produkte ausprobieren.
Weil die Firmen diese kostenlos zur Verfügung stellten.
Heute ist diese Geste – die (mit Speck fängt man Mäuse) sicherlich eine sinnvolle war, allerdings den Controllern in den Firmenbuchhaltungen, weil nicht quantifizierbar, offensichtlich nicht zu vermitteln ist – eigentlich nicht mehr vorhanden.
Der Hinweis auf das Anti – Korruptions- Gesetz bietet den Firma einen willkommenen Alibi-Lendenschurz für das Nicht-Zahlen-Wollen. Sei es drum. 

Auf der IDS 2017 kam mir eine Döschen MD Temp in die Hände. 

Lag danach in irgendeinem Schrank verborgen.
Bis zum dem Tag, an dem wieder einmal die Hiobsbotschaft verkündet worden war, die Cavit-Tube sei eingetrocknet. 

Fast Forward.
MD Temp Plus. Kam. Sah. Siegte.

Dieses Material macht- zu deutlich kleinerem Preis – alles viel viel richtiger, besser als der Marktführer. Die Konsistenz ? Nicht zu weich, nicht zu fest. Und vor allem nicht klebrig. 

Das Resultat. Nicht nur, dass Cavit aus unserer Praxis fast vollständig verdrängt wurde, vielmehr hat sich durch MD Temp Plus unser endodontischer Workflow – man möge fast schon sagen – revolutionär – verändert.  Wir setzen MD Temp Plus in jedem einzelnen endodontischen Fall ein. Nach Applikation der medikamentösen Einlage folgt – seit vielen Jahren – zunächst die Abdeckung mittels sterilem Teflonband. Gegen Feuchtigkeit aus dem Wurzelkanal kann so wirkungsvoll agiert werden.  Soweit,  so gut, so bewährt, so bekannt. Eventuell verbliebene Restfeuchtigkeit, sie denn noch vorhanden sein sollte, toleriert das in einer ca. 2 mm dicken Schicht eingebrachte  MD Temp Plus souverän. Den Abschluss bildet wie gewohnt  die kaustabile Deckfüllung aus Glasionomerzement, auch dieses Material in geringem Maße feuchtigkeitsverzeihend. 

Alles in Allem erreichen wir so auf schnelle Art und Weise eine kaustabile, dauerhafte, baktiereindichte Deckfüllung, die sich in der nächsten Sitzung schnell und einfach wieder entfernen lässt.  Und das  MD Temp Plus sogar etwas weniger schmiert als Cavit.

Das Döschen hält im Übrigen sehr lange. Erfreuliches Detail –  ein vorzeitiges Aushärten musste nicht, wie früher so oft,  festgestellt werden. 

Mein Fazit: Uneingeschränkte Empfehlung. MD Temp Plus – ein Material, dass wir nicht mehr missen wollen. 

Nun auch wieder beim CCC Treffen in Leipzig ein Thema – TI

Interessant ist die Diagnose und Therapieempfehlung des CCC.

https://www.ccc.de/de/updates/2019/neue-schwachstellen-gesundheitsnetzwerk

Später ist der Beitrag auch als Videostream anzusehen: www.media.ccc.de

Es ist zu sehen … (2)

Es ist zu sehen, was auf den schnellen Blick verborgen bleibt oder besser es ist zu sehen, was nicht auf die Schnelle zu sehen ist.

In diesem Fall lag die Lösung im genauen betrachten des Röntgenbildes.
An dieser Stelle möchte ich darauf verweisen, daß es sehr hilfreich ist die Röntgenbilder für die Befundung zu vergrößern, möglichst das Umgebungslicht auszublenden und sich Zeit zu nehmen um die Bilder aufmerksam zu betrachten.

Ich habe an Hand der unten eingestellten Folien versucht darzustellen, was man im Ausgangsröntgenbild bereits erkennen kann.
Wenn man die Kontur der Krone distal weiter nach apikal verfolgt, zeigt sich bereits die zweite bukkale (distale) Wurzelkontur.
Mit einigen Folien habe ich versucht den Strahlengang und die entstehenden Bilder in exzetentrischer Aufnahme zu verdeutlichen.

Im angefertigten DVT bestätigte sich dies. Allerdings zeigt das DVT auch noch weitere Überraschungen. Das dann beim nächsten mal.

 

 

Zum Heilig Abend 2019

Wie wird es weitergehen mit WURZELSPITZE im Jahr 2020 ?

Die wichtigste (und – dem heutigen Tage angemessen- selbstverständlich gute) Nachricht zuerst.

Wir werden WURZELSPITZE weiterführen.
Und zwar nicht nur – wie zunächst vorgesehen – bis zum 30.09.2020, sondern vielmehr das ganze Jahr 2020 hindurch.
Bis hin zu 31.12.2020.

Weil sich genügend Leute angemeldet haben.
Zumindest, um die Kosten zu decken für die Seite und die Begleitleistungen drumherum, die damit verbunden sind. Wir weiterhin davon ausgehen, dass die Leute, die sich bis dato eingeschrieben haben, auch für das Jahr 2020 sich einschreiben werden.
Und im Laufe des Jahres noch ein paar Leute hinzukommen.

Der Jahresbeitrag für 2020 beträgt für StudentInnen 24 Euro, für angestellte ZahnärztInnen 48 Euro, für ZahnärztInnen in eigener Praxis 96 Euro und für die WURZELSPITZE Plus-UnterstützerInnen 240 Euro. Die Überweisung (Bankdaten folgen nach Weihnachten) bitte bis spätestens 14.01.2020 auf das Konto einzahlen. Überweisungszweck- Teilnahmegebühr QZ Wurzelspitze 2020. Den vollständigen Namen nicht vergessen.

Sollte Jemand bis zum 14. Januar 2020 nicht überwiesen haben, gehen wir davon aus, dass kein weiteres Interesse besteht und wir nehmen die Person aus dem Verteiler.

Im Jahr 2020 wollen wir – zusätzlich zum Bekannten und Bewährten – versuchen, neue Wege zu gehen.
Das Blog soll interaktiver werden.
Wir wollen neue Formate ausprobieren.

Weitere Webinars sind angedacht und darüber hinaus Fragestunden, Fallbesprechungen, virtuelle Studiengruppen oder Ähnliches. Wie das Alles konkret aussehen und ablaufen wird, wissen wir selbst im Detail so genau noch nicht. „Neuland“ eben. Entdecke die Möglichkeiten. Immer vorausgesetzt, das ein entsprechendes Interesse beim Leser da ist. Das werden wir ausprobieren, setzen auf euer Feedback und werden im weiteren Verlauf entscheiden, inwieweit in die eine oder andere Richtung wir uns stärker engagieren wollen.

Sicher gesetzt ist auf jeden Fall schon einmal das angekündigte WURZELSPITZE-Event am 12. September.

Ein Vortrags-Tag.
Das Motto ?

Die Drei reden über…

Zugegeben, nicht unbedingt der eingängigste und naheliegendste Name für eine endodontische Fortbildung.

Dazu muss ich weiter ausholen.
Wer hat das diesjährige Tagungsprogramm der DGET gesehen?
Oder war im September in Wien bei der ESE?

Was von den dort dargebotenen Vorträgen hat mich angesprochen?
Bringt mich in meinem tagtäglichen Arbeiten weiter ?

Meine frustrane Antwort.
Wenig bis fast gar nichts.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Mit Sicherheit sind diese Programme und Kongresse interessant und wichtig für viele Kollegen, die sich der Endodontie zuwenden. Sie werden ganz viel lernen können. 

Aber wir anderen? Die diesen Lernprozess schon hinter sich haben.
Was wird es uns bringen?
Konkret???

Ein Vortrag im Jahr 2019 über die elektrische Längenmessung, der in dieser Form vom gleichen Referenten schon 2001 gehalten wurde und seitdem immer wieder auf den unterschiedlichsten Podien wiederholt wurde?
Brauchen wir das?
Wollen wir das?
Noch?

Vermutlich ebensowenig wie die 35. Vorstellung des 36. Ni-Ti-Systems, von dem selbst der Hersteller hinter vorgehaltener Hand zugibt, das das Schwierigste des gesamten Schaffungsprozesses es war, einen eingängigen Produktnamen zu finden, der noch nicht vergeben war.

Wie besser machen?

Nun – wir hätten gerne Details.
Möglichst viele.
Nicht nur den immer gleichen 45 Minuten langen groben Überblick, von dem auch noch 42 Minuten hinreichend bekannt sind.

Wie wäre es stattdessen mit –  Könner ihres Faches stellen ihre Behandlungssystematiken und Behandlungsstrategien vor ? 

Gab es schon.
Legendär. Cliff Ruddle.
Neue Gruppe. Ulm. Geschätzt 1997. Und dann noch mal 2001. 2002. 2007.
War immer toll. Aber auch schon über 20 Jahre her.

Jetzt also – „Die Drei reden über…

Ein neues, noch nicht dagewesenes Format. 

Wir gehen einen wichtigen Schritt weiter. 

Wir sind „Die Drei„.
Hans-Willi Herrmann. Christoph Kaaden. Jörg Schröder.

Tauschen uns seit 2001 intensiv miteinander aus.
Und haben dabei festgestellt – 5 Euro ins Architektur- Geschichte Phrasenschwein – „God is in the details.“ Oder die Tücke. Oder der über Erfolg und Mißerfolg, über Mediokrität oder Endodontic Excellence entscheidende Unterschied,  der im Detail zu finden ist.  

Und auf genau diese Unterschiede in den Details stösst man, falls über den allgemeinen, seit ewigen Zeiten nachgebeteten Grundkonsens –  wie man Endo machen sollte – hinausgehend nachgefragt wird.

Wenn es dann konkret wird.
Also – so richtig konkret wird.

Dann zeigt sich, im intimen persönlichen Erfahrungsaustausch, in der Fallbesprechung untereinander, dass selbst 3 ausgesuchte Spezialisten klinische Situationen ganz unterschiedlich angehen. Oft sogar erstaunlich unterschiedlich.  Teilweise konträr unterschiedlich. Die Gestaltung der Zugangskavität. Die initiale Erschliessung. Die Gleitpfaderstellung. Die Längenbestimmung. Die finale Aufbereitung.

3 mal ganz unterschiedlich.

Sogar, wenn wir die gleichen Instrumente benutzen sollten.
Was wir nicht tun.

Ist die Botschaft angekommen?

Bei „Die Drei reden über…“ schauen wir gewissermaßen mit dem Vergrößerungsglas, besser noch, platter aber natürlich- wo sonst, wenn nicht hier.- naheliegender Vergleich-  unter Operationsmikroskop- Kontrolle auf alle Feinheiten der Behandlung.
Starten am 12. September mit der Aufbereitung von A – Z.

Und fragen uns, gegenseitig, im Dialog und Kreuzverhör – stellvertretend für das Auditorium:

„Warum machst Du das ???
„Da wär ich nie draufgekommen. Weil, ich wäre das ganz anders angegangen.“
„Ach ja, wie denn, jetzt bin ich gespannt?!? Zeig her!“

Einen ganzen Tag lang, wohlgemerkt.
Nicht nur die alibimäßig eingeräumten „für eine Frage ist gerade noch Zeit“ 3 Minuten, die auf den großen Kongressen im Zeitplan dafür vorgesehen sind.

Und, lieber weihnachtlich gestimmter Leser ?
Wäre das was ?

Dann ruhig schon mal ein „Ich bin dabei am 12. September“ in die Kommentare schreiben. 

WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer profitieren im Übrigen gleich auf zwei Arten bei „Die Drei reden über…„.

Zum einen garantieren wir allen WURZELSPITZE Plus-Teilnehmern einen Platz bis zum 30.03.2020. Unabhängig von der Zahl der Anmeldungen. 

Zum anderen verringert sich für WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer  die Teilnahmegebühr um 60 Euro. Und zwar nicht als Early Bird – Rabatt,  sondern dauerhaft. 

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten und ein tolles Jahr 2020 !

 

Mikroskop, Kamera und Fernsteuerung

von Oliver Schäfer

Ein häufig unterschätzter Vorteil des Mikroskopes ist die Möglichkeit dem Patienten das „Innere“ seines Zahnes zeigen zu können. Die Möglichkeit eine Wurzelbehandlung „live“ mitzuverfolgen und sich die kleinsten Details selbst anzuschauen, schätzen viele unserer Patienten sehr. Um es mit den Worten eines Patienten von heute zu sagen: „Schön mal zu sehen, was da eigentlich rumgewerkelt wird“.

Von einer Firma wie Zeiss sollte man erwarten, dass die in unserem OPMI pico eingebaute HD-Kamera in puncto Bildqualität dabei keine Wünsche offen lässt. Leider ist das Gegenteil der Fall. Zum einen ist das Sichtfeld im Okular des Behandlers größer als der Bildausschnitt der Kamera. Zum anderen ist die Tiefenschärfe derart unterschiedlich, dass das was via Varioskop „scharf“ gestellt ist, im Kamerabild leider verschwommen wirkt. Also Hände weg von der Einbaulösung und geschickt nachrüsten.

Einem Tipp von Georg Benjamin sei Dank, wechselten wir auf den CJ Kameraadapter mit einem Sony Alpha 6000 Body am Strahlenteiler des Okulars. Schärfe und Bildausschnitt passten sofort, ohne jegliche Einstellungen. Einige wenige Kameraeinstellungen später, waren auch Belichtung und Farbgebung sehr nah am Original. Danke an dieser Stelle an Herrn Ermerling von HanChaDent, der alle Einstellungen (auswendig!) übers Telefon durchsagen konnte.

SONY Alpha 6000 via CJ Adapter am ZEISS OPMI pico

Das vom Kamerabody kommende microHDMI Kabel konnten wir problemlos selbst durch den Arm des Mikroskopes verlegen, wobei lediglich 2 Blenden kurz abgenommen werden mussten. Die Firma TetherTools bietet mit CaseRelay eine verlängerbare Stromversorgung an, die ebenfalls durch den Arm bis zur nächsten verfügbaren Steckdose (bei uns unter der Decke) gezogen werden kann.

Die Kabelführung gelingt „innen“ im Mikroskoparm. Statt in die Zeiss Kamera, wird das Bild einfach via HDMI-HDMI Kupplung weitergeleitet

Um nicht eine weitere Fernbedienung zur Auslösung des Bodys im Sprechzimmer rumliegen zu haben, nutzen wir einen Adapter der Firma IRTrans. Diese kleine Kiste wird (wahlweise per USB oder Netzwerk) an den PC (oder in unserem Fall Mac) angeschlossen und kann im Stile einer Universalfernbedienung IR Codes lernen. Das schöne daran ist, dass sich so im Stile eines Smarthome Szenen programmieren lassen. Mit einem Klick können alle benötigten (Fernseh-)Monitore eingeschaltet, der richtige HDMI Eingang ausgewählt und nach Ende der Behandlung auch wieder ausgeschaltet werden. Ebenso konnten wir die Fernbedienung des Kamerabodys einlernen und können jetzt über den Rechner Schnappschüsse auslösen.

MAGEWELL Capture HDMI Plus: Eingang für HDMI-Signal vom Mikroskop auf der rechten Seite, Ausgang via USB3 auf der linken Seite im Bild. Zusätzlich ist eine Art HDMI Doppler verbaut, um das Eingangssignal bspw. zu einem Monitor durchschleifen zu können.

IR Trans Funksender zur Fernbedienung über den PC. Beide Kisten sind klein genug, um hinter der Möbelzeile zu verschwinden.

Der eigentliche Funksender ist so platziert, dass er die Monitor und die Kamera „sehen“ kann. In der Wand läuft das entsprechende Kabel zur IR-Trans Box unter die Hinterkopfzeile.


Um das HDMI-Signal der Kamera für eine weitere Verarbeitung im Rechner verfügbar zu machen, landeten wir nach einigen Misserfolgen beim Adapter von Magewell (Capture HDMI Plus). Diese unscheinbare Box „konvertiert“ HDMI zu USB 3 und unterstützt Auflösungen bis 4K. Das robuste Metallgehäuse ist klein und lässt sich in jeder Hinterkopfzeile verstecken. Weitere Treiber oder Software sind nicht nötig. Abstürze wie bei den Blackmagic Produkten sind bei uns noch nie vorgekommen. Für den Rechner scheint es schlicht als wäre eine zusätzliche Webcam angeschlossen. In Verbindung mit einem Mac und der Facetime App, wären so sogar Videokonferenzen/Webinars/Konsile mit Mikroskopbild denkbar.

Standbild aus dem HDMI-Stream links versus Standbild mit der Sony Kamera rechts


So kann Digitalisierung im Gesundheitswesen doch noch Spaß machen. Bitte nicht Jens Spahn verraten.

Es gibt viele Arten, auf eine Mahnung zu antworten. Das hier ist eine davon.

Sehr geehrte Herr Dr. Herrmann,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie hiermit darüber informieren, dass ich soeben eine Zahlungserinnerung zu der Rech.-Nr. 20524 auf postalischem Weg von Ihnen erhalten habe.
Diese habe ich selbstverständlich umgehend beglichen.

Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mich niemals eine Rechnung (Datum der Rechnung: 16.07.2019) erreicht hat und ich eine telefonische Erinnerung einer schriftlichen Mahnung vorgezogen hätte. Genug Zeit wäre seit Juli gewesen!

Nichtsdestotrotz wünsche ich Ihnen und dem gesamten Team Frohe Weihnachten und ein zufriedenes Jahr 2020.

10 Jahres Recall nach RET Behandlung

Von Christoph Kaaden

Kürzlich liess mir eine meiner treuesten Zuweiserinnen das 10 Jahres Recall unserer allerersten regenerativen endodontischen Maßnahme zukommen.

Ursächlich für die damalige Pulpa-Nekrose war ein Dens invaginatus.

10 Jahres Recall RET.001

Seiner Zeit habe ich auf ein kollagenes Widerlager zur Stabilisierung des Blutkoagulums verzichtet.

Man sieht, dass dies keine gute Idee war, da der Blutpfropf alleine das Gewicht des MTAs nicht tragen konnte. Ungewollte sank der Plug  damals apikalwärts bis ins mittlere Wurzeldrittel.

Dem Wurzelwachstum hat dies nur bedingt „geschadet“.

10 Jahres Recall RET.002

Auch 10 Jahre nach Therapieabschluss zeigt sich ein erfreuliches Ergebnis.

10 Jahres Recall RET.003

10 Jahres Recall RET.004

10 Jahres Recall RET.005

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Obliteration

Hier ein jüngstes Recall zwölf Monate nach Therapieabschluss.

Das Ausgangsröntgenbild liess im Vorfeld stark obliterierte Kanalsysteme vermuten…

Ausheilung nach Obliteration.001

wie zumeist stellte sich die klinische Situation zwar knifflig aber lösbar dar.

Ausheilung nach Obliteration.002Ausheilung nach Obliteration.003

nach zwei Terminen und einer Behandlunsgzeit von 2 1/2 Stunden sah das Ergebnis so aus:

Ausheilung nach Obliteration.004

Meine bevorzugten Instrumente für die Präparation sind in solchen Fällen:

RECIPROC blue 25

C-Pilot / R-Pilot

Gold Glider

Wave One Gold 20

Wave One Gold 25

Wave One Gold 35

 

Ein Jahr später sieht es nun so aus:

Ausheilung nach Obliteration.005

Und wieder wird es höchste Zeit für eine prothetische Versorgung des Zahnes..

Duplizität der Ereignisse – Apical Split

Am Montag stellte Jörg Schröder den Fall eines Oberkieferprämolaren mit tiefliegender apikaler Aufspaltung des Wurzelkanals in 2 getrennt voneinander verlaufende Kanäle vor.

Und einen Tag später stellt sich diese Patientin bei uns vor.
Vermutlich kommen solche exotischen Wurzelanatomien doch häufiger vor, als man denkt.

Ich werde berichten, wie sich der Zahn 15 im Rahmen der WF- Revision präsentieren wird.

Es ist zu sehen…

Der Patient wurde mit länger bestehenden Beschwerden zu uns überwiesen. Der Hauszahnarzt war ratlos.

Der Zahn 25 wurde bereits mehrfach revidiert. Der Patient gab allerdings immer wieder nach der Wurzelfüllung Beschwerden an. Diese äußern sich in einem Druckgefühl bis zum Sinus. Vor allem in der Nacht, wenn der Patient auf dieser Seite schläft. Trotz der Entfernung der WF an 25 kam es nach der letzten Behandlung zu keiner Besserung.

Der Zahn 24 wurde von einer Praxis mit endodontischem Schwerpunkt behandelt und ist seitdem beschwerdefrei.

Die Befunde: kein Perkussionsschmerz an den Zähnen 24, 25, kein Aufbisschmerz, kein Lockerungsgrad. Die Sondierungstiefen sind zirkulär 3-4mm.

Was vermuten Sie? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Rückblick 2019 Ausblick 2020

Seit 1. Oktober 2019 ist WURZELSPITZE wieder auf Sendung.

Wir freuen uns.
Über die Wiederaufnahme.
Weil wir nachwievor Freude daran haben, unser Wissen weiterzugeben.

Und haben festgestellt, dass uns das neue Format neue Möglichkeiten gibt.
Der private Rahmen – nur angemeldete und damit bekannte Leser, nur ZahnärztInnen, also ein interner Kreis mit obligat Fachkundigen – erlaubt eine freie Aussprache, wie sie in dieser Form prinzipbedingt vor unserer DSGVO – Zwangspause –  wir waren ein offenes Forum – nicht möglich war. Vor allem im Bezug auf Themen, die in der Regel nur unter guten Freunden hinter der sprichwörtlich vorgehaltenen Hand angesprochen werden. Beiträge wie „Der maligne Patient“ wären im frei zugänglichen Blog WURZELSPITZE nicht machbar gewesen. Genauso wenig konträr diskutierte standespolitische und berufspolitische Themen oder Kritik an den Machenschaften der Dentalindustrie. Ich erinnere nur an die Unterlassungsdrohung der Firma „Lege Artis“, weil wir es vor vielen Jahren gewagt hatten, im Zusammenhang mit einer Osteonekrose nach Toxavit-Einlage den Namen des Produktes zu nennen.

Von der Resonanz zu WURZELSPITZE 2.0 sind wir sehr angetan.
Uns war klar, das nur ein Bruchteil der Leser von früher uns weiter folgen würden. In dem Moment, wo es was kostet, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das ist in unseren Praxen so, die Patienten betreffend, warum sollte das bei den Kollegen anders sein. Auch die Tatsache, dass es sich beim angesetzten Monatsbetrag um einen geringen, im Berufsalltag irrelevanten und darüberhinaus nach Berufszugehörigkeit/Finanzlage gesplitteten Betrag handelt, der aber scheinbar den Unterschied zwischen Lesenwollen und Nichtlesenwollen ausmacht, sagt viel aus.

Umso mehr haben wir uns über die KollegInnen gefreut, welche spontan und zeitnah sich der WURZELSPITZE-Neuauflage angeschlossen haben.
Oder sich sogar für die WURZELSPITZE Plus – Variante entschieden haben.
Uns damit das Zeichen gegeben haben, für das Jahr 2020 mit WURZELSPITZE weiterzumachen.

An dieser Stelle möchte ich schon einmal ankündigen, sich den 12.September 2020 vorzumerken. Das Datum steht fest für einen Vortrags-Tag, wie es ihn in dieser Form noch nicht gegeben hat bislang.

Am 24. werde ich hierzu mehr berichten, unser Beitrag zu Heilig Abend.
Und es gibt einen Bonus für die WURZELSPITZE Plus – Teilnehmer. Sie profitieren, sowohl was die Anmeldung, wie auch die Teilnahmegebühr angeht.

Darüber hinaus haben wir uns für 2020 entschlossen, über die Nutzung der Kommentar- Funktion hinaus, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, über das demnächst in Funktion tretende WURZELSPITZE-Email-Forum auch untereinander in Dialog zu treten. 1999 habe ich ENDONEWS, das erste deutschsprachige Emailforum zum Thema „Endodontie“ ins Leben gerufen. In meiner Zeit als Moderator kam es über viele Jahre hinweg zu einem intensiven, offenen und produktiven Dialog, rückblickend das goldene Zeitalter des virtuellen endodontischen Internet- Qualitätszirkels. Diese Atmosphäre wollen wir wiederbeleben, dem Erfahrungsaustausch ein Medium geben, welches es leider in den letzten Jahren zusehends verloren hat.

Die strikte Beschränkung auf die Gemeinschaft der  WURZELSPITZE – Teilnehmer soll auch hier die Intimität und Verschwiegenheit der Gruppe gewährleisten und einen freundlichen respektvollen Umgang untereinander fördern.

 

 

Tückisches X-Bein

von Jörg Schröder

Prämolaren nehmen im Ranking vieler Kolleginnen und Kollegen im Allgemeinen keinen der vorderen Plätze ein, wenn es um die Frage nach besonders schwierigen Aufbereitungssituationen geht. Und das zu Unrecht, wie ich finde.

Kommt dann, wie im nachfolgend beschriebenen Behandlungsfall geschehen, noch ein Tappen in die „Offensichtlichtkeits-Falle“ hinzu, so kann sich die endodontische Behandlung eines Oberkiefer-Prämolaren zur überraschend herausfordernden Angelegenheit entwickeln. Und das trotz einer gewissen Erfahrung, der Nutzung eines Mikroskops und einer präoperativen 3D-Diagnostik.

Aber der Reihe nach.

Im Vorfeld einer geplanten prothetischen Neuversorgung der Zähne 14-16, wurde seitens der überweisenden Kollegin um die Revision der insuffizienten Wurzelfüllungen an diesen Zähnen gebeten.

Da sich der Kanalverlauf in den Zähnen 14 und 15 im 2D-Röntgenbild nicht erschloss und um die Ausdehnung möglicher apikaler Veränderungen beurteilen zu können, wurde präoperativ ein kleinvolumiges und hochauflösendes DVT erstellt.

Bei der Auswertung der DVT-Befunde beging ich eine kleine Nachlässigkeit. Zu sehr auf den nicht aufbereiteten MB2 an Zahn 16 und die massiven Stifte im 14 fixiert, schenkte ich der Beurteilung des axialen Schnittes im Apikalbereich des 15 zu wenig Beachtung.


Hinzu kam, dass ich bei der Betrachtung des koronalen Schnittes (auch Frontalansicht genannt) zwar das Aufeinanderzufluchten von bukkalem und palatinalem Kanalsystem wahrgenommen hatte, nicht aber den weiteren Verlauf des bukkalen Kanals nach palatinal für wichtig erachtete. Das sollte mich in der Behandlungssitzung noch einholen.

Nach Anlegen der Zugangskavität, ich ging zu diesem Zeitpunkt von im mittleren Wurzeldrittel konfluierenden Kanalsystemen aus, wurde zunächst der massive Wurzelstift aus P entfernt. Bei den Obturationsmassen handelte es sich ganz offensichtlich um „Russian Red“, welches jedoch glücklicherweise nicht vollständig ausgehärtet war. Somit konnte ich dieses mittels rotierender Instrumente  – ich nutze dazu die 20/06 ProFile – bis zum Endpunkt der ehemaligen Aufbereitung im mittleren Wurzeldrittel entfernen. Dabei achte ich darauf, ohne Druck zu arbeiten, um eine vorhanden Stufe nicht zu verstärken. Geht man ganz auf Nummer sicher, so geht man zunächst nur bis 0,5 mm vor Ende der alten Wurzelfüllung. Am DVT kann diese Strecke recht genau bestimmt werden.

Das Scouten mit einem Reamer ISO 008 führte zu keinem Ergebnis, sodass ich dann begann den bukkalen Kanal mit der bewährten Abfolge von ProFile-Instrumenten (15/04, 20/04, 15/06) zu instrumentieren. Nach einigen „Runden“ gelang es den Kanal bis zum endometrisch verifizierten Endpunkt zu erweitern. In Erwartung konfluierender Kanäle wurde daraufhin der palatinale Kanal in gleicher Weise aufbereitet. Trotz des stark obliterierten Kanals gelang dies mit der oben beschrieben Instrumentenfolge problemlos. Gefragt waren nur Geduld und das regelmässige Verwerfen der eingesetzten rotierenden Instrumente.

Der (leider etwas bewegungsunscharfen) Messaufnahme mit auf Arbeitslänge eingebrachten Instrumenten wäre bereits die tatsächliche Kanalkonfiguartion zu entnehmen gewesen.

Wahlweise hätte ich auch noch einmal den achsialen Schnitt des DVT ausführlich betrachten können. Beides habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht gemacht bzw. realisiert. Erst das nach Abschluss der vollständigen Aufbereitung mit den Masterpoints erstellte Einzelbild weckte mich aus meinem gedanklichen Dämmerschlaf auf.

Obwohl die vor jeder Einprobe erfolgte endometrische Überprüfung der Arbeitslänge jedes der beiden Instrumente auf Arbeitslänge gelangen ließ, war der bukkale Masterpoint deutlich zu kurz eingebracht worden. Da klarte mein Verstand so langsam wieder auf.

Offensichtlich war mir entgangen, dass es sich hier um eine perfekte X-Bein-Konfiguration handelte. Die ursprüngliche Aufbereitung bei der Erstbehandlung war an der Gabelung/Kreuzung stehen geblieben. Durch das Verlegen der sekundären Zugangakavität nach bukkal für den bukkalen Kanaleingang und nach palatinal für den palatinalen Kanal, war es mir unbemerkt gelungen die beiden Kanäle bis zum Foramen zu erschliessen. Der Austausch der Spülflüssigkeit zwischen B und P war für mich die Bestätigung der von mir als sicher angenommenen Konfluation. Und bei der Auswertung der Messaufnahme beschäftigte ich mich mehr mit der Bewegungsunschärfe als mit dem deutlich zu erkennenden X-Bein.

Wie sollte es gelingen, beide Kanalsysteme zu füllen? Kurz nachgedacht und dann gehandelt. Die B und P trennende Dentinbrücke wurde mittels Ultraschallfeile der ISO-Größe 20 entfernt. Und schon konnte ich den Kreuzungsbereich visualisieren.

Und wieder zeigte sich der Prämolar störrisch. Es gelang trotz wiederholtem Probieren nicht, beide Guttaperchastangen zeitgleich bis auf Arbeitslänge zu bringen, da sie sich im mittleren Wurzeldrittel gegenseitig blockierten.

Daraufhin habe ich die Strecke vom Kreuzungsbereich bis zum apikalen Endpunkt des palatinalen Kanals abgemessen und den einzeln bis auf Arbeitslänge eingebrachten palatinalen Guttapoint so gekürzt, dass ich die letzten 4 mm Guttapecha unter dem Mikroskop auf einen Microopener der Dimension 10/04 aufspiessen konnte. Den mit BC Sealer bestrichenen Guttapercha“korken“ konnte ich nunmehr kontrolliert in P einbringen. Und anschliessend den bukkalen Masterpoint in seinem Kanal.

 

Ein erfreulicher Behandlungsgausgang. Aber auch ein  Lehrstück, mich in Zukunft nicht von vermeintlichen Einschätzungen (v-förmiger Verlauf, konfluierende Kanäle) leiten zu lassen, sondern die zur Verfügung stehende Bildgebung genauestens zu studieren.

 

 

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 10

Es war in den Schlagzeilen, füllte sogar die Feuilletons der renommierten Tageszeitungen.
Diese Woche ist Marie Fredriksson, die Sängerin des schwedischen Pop Duos Roxette verstorben.

Eine Band der 80er.
Nicht meine musikalische Welt.
Auch wenn die 80er ja einen großen Teil meiner musikalischen Prägung bestimmten. Welche auf 4 Säulen sich stützt: Elektronische Musik. Schwarze Musik (Funk, Soul). Jazz und Klassik.

Und daher die zweite Todesnachricht der Woche schon eher meine Kreise berührt, auch wenn ich mit dem Namen Bodo Staiger nichts anfangen konnte.
Dafür umso mehr mit dem Lied „Dreiklangsdimensionen“ der Gruppe Rheingold.
Beides der „Neuen Deutschen Welle“ zugeordnet, was dem Lied in seiner Qualität und Ernsthaftigkeit nicht gerecht wird.

Über die Neue Deutsche Welle wird sicherlich später einmal an dieser Stelle gesprochen werden, heute wollen wir uns den späten Siebzigern und frühen Achtzigern und vorrangig Musik aus England zuwenden. Von dort kamen nämlich die musikalischen und modischen Inputs, die meine Jugend, genauer gesagt meine späten Teenie-Zeiten bis in die Mitzwanziger Jahre hinein, prägten.

Beginnen wir also unseren Freitag Abend Musikreigen mit einem Lied, das für mich persönlich die 80er Jahre wie kaum ein anderes repräsentierend in der Erinnerung heraufbeschwört.

West End Girls.
Pet Shop Boys.

Und so ziemlich auch das einzige Lied, das in der Provinzdisco gefeiert wurde, konkret im „Las Palmas“ in Meisenheim, bevor es überhaupt seinen globalen Siegeszug antrat. Es gab nämlich eine 1984 schon veröffentlichte Ur-Version. Von Producerlegende Bobby Orlando produziert. Und die wurde mit „Burn Burn Burn“ Rufen vom Nahe- und Glanregion Red Neck-Auditorium gefeiert.

So provinziell war das „Las Palmas“ im Übrigen gar nicht mal, immerhin ein ziemlich großer Schuppen. Mit respektabler Lasershow, die ihren Vergleich mit der Disco aller Discotheken (das New Yorker Studio 54 mal aussen vorgelassen), dem Dorian Gray am Frankfurter Flughafen nicht scheuen brauchte. Mein erster Besuch dort wird mir für immer unvergessen bleiben. Die Autobahn – des Hörensagens nach zu dieser Zeit die einzige vierspurige in Deutschland – ohne Verkehr. Wir liefen kurz vor Mitternacht ein, einen unendlich langen verwaisten Korridor im Untergeschoss hinunter, der Flughafen menschenleer. Beides heute unvorstellbar.

Die spannende Frage, würde uns der Türsteher durchlassen.
Im Innern erstklassiger Sound aus JBL-Lautsprechern.
Die vermeintlich ganz Coolen lehnten in den mannshohen Basshörnern und erkauften sich ihren Status mit semipermanentem Tinnitus.
Und dann die Musik.

Being Boiled.
Von „The Human League“.
Die später mit Don´t you want me“ ihren Druchbruch feierten.

Vergleicht man die beiden Lieder miteinander und zieht ergänzend noch das spätere „Fascination“ hinzu, fällt die eklatante Andersartigkeit des Erstlingswerks auf. Nicht verwunderlich allerdings, wenn man weiss, das der Sänger Philip Oakey nur schmückendes Beiwerk, die wahre musikalische Kraft bei The Human Legaue aber Martyn Ware und Ian Craig Marsh waren. Die gründeten kurze Zeit später die Gruppe „Heaven 17“. Deren erste LP „Penthouse and Pavements“ mit (We don´t need this) Fascist Groove Thing noch zu rauh und unpoliert war, um mehr als einen Achtungserfolg zu erzielen. BTW History Repeated, man besingt darin die unverständliche Wiederwahl von Ronald Reagan, dem nicht ernstzunehmenden Hollywood- Schauspieler, der Präsident wurde. Später sollte Martyn Ware sich mit der Produktion des Tina Turner Comeback- Albums „Private Dancer“ seinen Platz im Pop – Mainstream sichern, als Heaven 17 blieben sie trotz Chart-Platzierungen im Mittelfeld und Anerkennung der Musikkritiker nur eine Interlektuellen-Minderheiten-Band. Aber immerhin. Being boiled war von der Kritik noch abgekanzelt worden: „Absichtlich mühsam, teuflisch aufreibend, sind sie so schön wie graue Zementplatten sein können, und in etwa genauso bunt“.

Düster und für Viele mindestens genauso verschreckend neuartig wie Being Boiled war Anne Clark. „Sleeper in Metropolis“ und „Our Darkness“ sind Pop- Musik Leuchttürme. Und der synthesizerunterlegte Sprechgesang war zur damaligen Zeit einzigartig. Und ist es in dieser dezidierten Form bis heute geblieben.

Aber Tanzen konnte man auf die Musik.
Da war wenige Jahre zuvor noch ganz anders.

Wenn Kraftwerk heute als die Erfinder oder Vorreiter des Techno ausgerufen werden, dann ist dies lediglich der Beweis für eine seltsame Verklärung der Realität durch die Zeit.

Kraftwerk, das war vollkommen verkopfte Musik, zum Tanzen vollkommen ungeeignet.
Die in Düsseldorf beheimatete Band – von ihrem Selbstverständis her und in ihrem Auftritt auf und neben der Bühne eher Kunstschaffende. Auch wenn der Bezug seinerzeit nie hergestellt wurde, vom artistischen Kontext her waren das Projekt mehr im Dunstkreis der Düsseldorfer Kunstavangarde um Joseph Beuys und Sigmar Polke anzusiedeln als in der ZDF-Hitparade.

Späte Rehabilitierung.
Bei einem vor ein paar Jahren aus sentimentalen Gründen besuchten Konzert von Kraftwerk im Karlsruher ZMK (man tritt gerne in renommierten Museen auf, sic!) lieferte die Band eine großartige Show. Ihr Repertoire behutsam an den musikalischen Zeitgeist angepasst, sich zeitgemäß und gerade dadurch zeitlos präsentierend, in einer Qualität und Wertigkeit, wie es die Originale nie vermitteln konnten. Ausdrücklich ausgenommen. Autobahn. Von Beginn an ein Meisterwerk, welches noch heute in seiner unveränderten Urform den „test of time“ besteht.

Zurück zu den Briten.
Die es früh schon verstanden, Härte, aber auch Tanzbarkeit in die elektronische Musik zu bringen. Stück für Stück hielten zudem Ästhetik und ausgefeilte Storylines in die Musikvideos Einzug. Gab es von den Liedern der späten Siebzigern keine Videos oder lediglich mitgefilmte Live- Auftritte, so hatte sich dies wenige Jahre später, M TV sei Dank, grundsätzlich gewandelt. Die hier benannten Gruppen – über „Human League“ und ihr durchgestyltes „Fascination“ wurde schon gesprochen – sind allesamt hierfür hervorragende Beispiele.

Die Pet Shop Boys drehten mit Bruce Weber, dem berühmten Fashion Fotografen ihr „Being Boring“ Video. Nachdem sie dessen Jazz- Doku über den Trompeter Chet Baker gesehen hatten und – mir ging es genauso – von der cineastischen Ästhetik begeistert waren. Wer auch nur die ersten Minuten der Doku sich anschaut, der weiss, warum Neil Tennant und Chris Lowe so angetan waren. „Let´s get Lost“ ein Film, der immerhin mit eine Oscar Nominierung bedacht wurde. Und – kleine Anekdote am Rande – mit dessen Director of Photography, Jeff Preiss, ich zufällig und zunächst unwissend der Identität seiner bei einer meiner Fototouren in New York bei einem Spaziergang den Hudson River entlang, mit ihm über die architektonische Qualität der Belüftungstürme des Holland Tunnel fachsimpelnd, ins Gespräch kam.

Und dann sind da noch „New Order“.
Die mit Sicherheit bei den Jungen eine Renaissance erleben werden. Prägt doch ihr „Blue Monday“ den Trailer des kommenden „Wonder Woman“- Hollywood- Blockbuster.

Im Video von 1983 noch zu offensichtlich schlecht gefaktem und asynchronen Play Back und mit Keyboarder im Bundeswehr-Hemd, ein in England in den Achtzigern immer mal wiederkehrendes provokantes Mode-Accessoire.

Im drastischen Gegensatz dazu 1987 „True Faith“ im durchchoreografierten stylischen und später preisgekrönten Pop Video. Produziert von einem Hollywood Regisseur. Bis heute ein Meilenstein der Musik- Video Historie.

Und – last, but not least – wir sind ja musikalisch in Great Britain, da passt diese Phrase wie die sprichwörtliche Faust auf s Auge.

The KLF.

Ein Künstler- Duo. Bill Drummond und Jim Cauty.
Die in die Öffentlichkeit traten mit dem Vorsatz, die Musikindustrie vorzuführen. Als musikalische Dilletanten einen Nr. 1 – Hit zu platzieren. Und in ihrem Buch „The Manual (How to Have a Number One – The Easy Way) detailliert ihre Vorgehensweisen beschrieben, wie man aus einer Handvoll Samples einen Nummer-eins-Hit konstruiert. Mit diesem Buch enttarnten Cauty und Drummond, Letzterer eine Zeitlang Manager bei einer Plattenfirma, klug und sarkastisch die Mechanismen des Musikgeschäfts.1992 gewannen die Beiden einen BRIT Award und absolvierten bei der Preisverleihung ihren letzten gemeinsamen Auftritt, der bis heute Kultstatus genießt: The KLF taten sich zum Auftritt mit der Black Metal Band Extreme Noise Terror zusammen, schossen mit Maschinenpistolen Platzpatronen in die Zuschauermenge und verließen nach einer zweieinhalbminütigen Grindcoreversion ihres Hits 3 A. M. Eternal und der abschließenden Durchsage „The KLF has now left the music business“ die Bühne. Die Verantwortlichen der BBC hatten gerade noch verhindern können, dass die Band Blut aus Eimern über das Publikum schüttete. Dafür hinterließ die Band bei der Aftershow Party allerdings einen Schafskadaver, der einen Zettel mit der Aufschrift „I died for you. Bon appetit“ trug.

Damit nicht genug. Einige Zeit später verbrannten die Beiden in einem videodokumentierten Happening 1 Million Pfund, nachdem sei zuvor den aufgeschichteten Banknoten- Stapel als Kunstwerk einem renommierten Britischen Museum zum halben Preis des Geldwertes angeboten hatten, ein Ankauf aber vom Museum abgelehnt wurde.

Dann tauchte The KLF vollkommen ab, um, wie zuvor angekündigt, nach exakt 23 Jahren wieder für einen Abend aufzutauchen. Alles in Allem, wir leben in einer Zeit des Kunstbetriebs, in der eine von einem Aktionskünstler mit Panzer Tape an die Wand geklebte Banane für 120.000 Dollar als Kunstwerk gehandelt und von einem anderen Aktionskünstler spontan gegessen wird, was den Wert der Installation dann noch erhöhen soll. Alles Dinge, die The KLF vor 30 Jahren schon vorhergesehen und gebrandmarkt haben. Und dann noch herausragende, auf Samples basierende Musik geschaffen haben. In künstlerisch anspruchsvolle, mit Ironie und Selbstironie gespickte Videos verpackt. Die Lieder ein Knüller. Man vergleiche mit Nr. 1- Hits von heute !

Überhaupt war die britische Musikszene damals gespickt mit noch einer Reihe mehr hochkarätiger Acts, sowohl auf der Musiker wie auf der Producer- Seite. Weiter geht es damit demnächst im 2. Teil.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 9: „ELEKTIONSVORTEIL!“

Nein. Kein Schreibfehler.
Und wir sind auch nicht beim Glücksrad.
Niemand muss ein „S“ kaufen.

Also wirklich Elektionsvorteil.

Denn der Patient, der zu uns kommt, ganz gleich, ob auf eigene Veranlassung oder durch Überweisung, tut dies freiwillig.

Erwartet, wünscht einen Behandlungsoption.
Eine Alternative.

Die wir ihm anbieten.

Und dabei – und das ist jetzt ein ganz wichtiger Punkt – unser freundliches Angebot präsentieren, die Behandlung betreffend.

Welches wir, unserem Aufwand gemäß – im Rahmen der juristischen Vorgaben der Gebührenordnung – frei kalkulieren.

Und damit losgelöst von den Sachzwängen, die uns im Sinne unserer Verpflichtung als Kassenzahnarzt auferlegt wurden.
Kennen wir doch alle – Die Behandlung muss ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich sein.

Wobei das Wirtschaftlichkeitsgebot nur für den finanziellen Rahmen gilt, den die Krankenkassen vorgeben. Nicht für den wie auch immer gearteten Aufwand, den wir betreiben müssen, um ein medizinisch adäquates, auf der Höhe der Zeit sich befindliches Ergebnis zu zielen.

„Wir zahlen Alles“, diesen Satz der Krankenkassen haben wir doch allzuoft gehört, ebenso wie die unverhohlen entgegengeschleuderte Drohung, diesmal von Krankenkasse und Zahnärztekammer unisono: „Als Kassenzahnarzt sind sie verpflichtet, dem Patienten eine kostenlose Kassen-Endo anzubieten.

2024 werde ich 34 Jahre nun schon als Zahnarzt behandelnd tätig sein.
Eine für mich surreale Situation.
Ich kann nicht glauben, dass dem so sein soll. Ich bin nun schon länger fertiger Zahnarzt als mein gesamtes Leben zuvor.

Und viele viele Jahre lang, mindestens 23 Jahre, genau genommen sogar 27 Jahre lang, habe ich mit dieser Last des „Machen Müssen“, des „Die Rahmenbedingungen fremdbestimmt vorgegeben Bekommen“ gelebt.
Gelitten.

All diese Einschränkungen.
Diese abstrusen Winkelzüge, die unternommen wurden, um ein krankes, längst bis in die kleinsten Bereiche hinein korruptes, pervertiertes System am Leben zu halten. Ihm nach aussen hin den Anschein des Korrekten, Bestmöglichen und Einwandfrei Funktionierenden zu geben. Gemäß der alten Maxime Christian Morgensterns „Nicht sein kann, was nicht sein darf“

 

Kleiner Exkurs ins Lterarische, soviel Zeit muss sein

 

Die unmögliche Tatsache


Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«

So werden Tag für Tag neue Winkel- und Klimmzüge unternommen, oder sagen wir besser, uns verordnet, die in vielen Fällen dem ärztlichen Denken und Handeln vollkommen konträr gegenüberstehen. Nur ein Beispiel von vielen, wir könnten stundenlang ähnliche Situationen aneinanderreihen: Der im 3. Quadrant alleinig fehlende Zahn 35 bedingt, dass für eine notwendige Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 36 der gesetzlich versicherte Patient keine Kostenerstattung der enddontischen Kassenleistungen erfährt. Kassenleistung sei, so heißt es, die Extraktion des Zahnes. Aus medizinischer Sicht ist der Zahn 36 unbedingt erhaltungswürdig, er ist auch ohne Zweifel sogar unproblematisch erhaltungsfähig, dennoch verweigert die gesetzliche Krankenversicherung die Kostenübernahme. Der Kollege, der die Behandlung dennoch durchführt, wird in Regress genommen, ungeachtet des positiven Behandlungserfolges im Übrigen ( und zukünftig Dank der hochgelobten aber bislang katastrophal gescjheiterten TI, vollautomatisch und zeitnah, man erinnere sich zu gegebener Zeit an meine Worte).

Zurück zum Thema.
In früheren Jahren kam es immer wieder vor, das die von mir vorgesehene Behandlung grundsätzlich in Frage gestellt und die Rechtmäßigkeit der Behandlung an sich und/oder damit verbundener Kosten (ob richtig oder nicht) negiert wurde.

„Der darf das nicht“.
Sagen KZV und Krankenkassen.

UND GENAU DAS geht nicht mehr.
Habe ich nicht mehr.

Der Patient kommt.
Ich untersuche.

Nenne die durchzuführende Behandlung.
Und die damit in Zusammenhang stehenden Kosten.
Aufwandgerecht kalkuliert.

Und dann warte ich.
Auf die Antwort des Patienten.
Der – so ist das richtige Leben – sich gegen unseren Therapieplan entscheidet.
Oder seine Zustimmung gibt.

Dann jedoch zu genau den Rahmenbedingungen, die ICH vorgebe.
Und nicht die Krankenkassen oder die KZV.

Heißt – ich behandle, was ich behandeln möchte, zu den Konditionen, die ich frei bestimme.

Und es geht mir gut dabei.
Das wir uns richtig verstehen. Gut hat mit Geld nix zu tun. Gut heisst „gutes Gefühl“. Freude. Spass. Uneingeschränkt. jeden Tag erneut.

Wann hatten sie dies das letze Mal ? Hinter der Tür von Behandlungszimmer 1 ?

Ehrlich jetzt. Nur Mut. Trauen Sie sich. Ab in die Kommentare mit ihrem Frust.
Immer dran denken. Mir ging´s 27 Jahre doch genauso.
Also mit Sicherheit viel viel länger als Ihnen.

Darum schreib ich hier.
Machen sie nicht den gleichen Fehler, den ich viel zu lang gemacht habe.
In dem Zusammenhang – Was antworten Sie eigentlich auf die alles entscheidende Frage?
Die Frage nach der kostenlosen Kassenendo ?

 Über die klassischen Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht werden und die bestmögliche Antwort spreche ich in der nächsten Episode unter dem Titel „CATCH 22“.

 

Fast 15 Jahre im Recall – Z.n. WSR (5)

Die Patientin stellte sich 2006 bei uns vor. Es sollte der Zahn 12 erneut reseziert werden, weil eine „Zyste“ wieder gekommen ist.

Ein Bekannter empfahl ihr bei uns dies noch einmal abklären zu lassen.
Damals waren wir mit den Prognosen sehr zurückhaltend. Trotzdem entschied sie sich zur Behandlung. Apikal haben wir MTA Grau verwendet und zuvor ein kollagenes Widerlager eingebracht.

Hier nun kurz und knapp die Historie.

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Fistel

Von Christoph Kaaden

Gut 1,5 Jahre ist der Therapie-Abschluss der Zähne 25 (Revision) und 26 (Initialbehandlung) her

So stellte sich die Ausgangssituation dar:

Ausgeheilt nach Fistel.001.

Nach insgesamt drei Behandlungsterminen (a 1,5h-1h-1,5h) stellte sich die Situation so dar:

Ausgeheilt nach Fistel.002

Und so im heutigen Recall.

Ausgeheilt nach Fistel.003

Es wird Zeit, dass sich von prothetischer Seite etwas tut…

Schöne neue Welt (2) Heute beim Hausarzt

Die Patientin, Anfang 50, Krankenschwester berichtet. Sie war heute beim Hausarzt. Nachuntersuchung nach Infektion Gürtelrose, im Krankenhaus diagnostiziert. Jetzt soll der weitere Verlauf beim Hausarzt nachkontrolliert werden. Man sitzt sich gegenüber. Der Hausarzt schaut in seinen PC. Sagen sie mal, sie haben ja noch an keinen Reha-Massnahmen teilgenommen? Und waren auch noch nie zur Kur. Das ist bei ihrem Beruf aber ungewöhnlich. Woher er das weiss? Er ist an die TI angeschlossen. Und kann alle Daten einsehen. Die Patientin ist entsetzt. Wenn der Hausarzt (und alle seine Mitarbeiter, Mitarbeiter der Krankenkassen oder des Krankenhauses) dies alles lesen kann, wie lange wird es dauern, bis sensible Informationen die Runde machen? Das war in der Vergangenheit ja schon so (Dschungelfunk im Haus), aber bekommt nun eine neue Dimension. Ganz glücklich ist der Hausarzt mit der TI aber auch nicht. Immer wieder Abstürze und die KV streicht unerbittlich Leistungen, die nicht korrekt über die TI + Karte abgerechnet wurden. Keine Diskussionen möglich, den Hinweis auf das zu dieser Zeit nicht funktionierende TI-System lässt man nicht gelten.

Schöne neue Welt (1) ApoBank und DIE ZA eröffnen erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“

Schöne neue Welt

Die erste ZPdZ dient auch als Showroom (Foto: ZPdZ)

Im Oktober 2019 wurde in Düsseldorf die erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“ (ZPdZ), ein Gemeinschaftprojekt der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und der ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft (DIE ZA), eröffnet. Unter dem Namen ZAP*8 – Zahnarztpraxis am Seestern behandeln hier zukünftig vier Zahnärztinnen in Voll- und Teilzeit in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) ihre Patienten. Am 8. November 2019 lud die ZPdZ zur Eröffnung und Führung durch die Praxis. Rund 120 Vertreter aus Standesorganisationen, Politik, Dental-Branche und Presse folgten der Einladung in die Praxisräumlichkeiten im Düsseldorfer Stadtteil Lörick.

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), eröffnete die Feierlichkeiten mit einem Grußwort: „Die ZPdZ ist ein zukunftsweisender Ansatz. Mit dem Konzept der Mietpraxis auf Zeit bietet sie jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten die Möglichkeit, einen Weg in die Niederlassung zu gehen, ohne sofort unternehmerische Risiken schultern zu müssen. Begleitet von Profis, die neben zahnärztlichem Know-how innovative digitale Kommunikations-, Verwaltungs- und Behandlungslösungen zur Verfügung stellen, werden sie schnell die Chancen der Selbständigkeit in einer freiberuflichen Zahnarztpraxis schätzen lernen.“

Im Dezember 2018 haben apoBank und DIE ZA gemeinsam die Zahnpraxis der Zukunft GmbH gegründet, um ein neues Praxismodell zu entwickeln. Beide Unternehmen sind zu 50 Prozent an der Tochtergesellschaft beteiligt. Das Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist es, innovative und moderne Standards der zahnmedizinischen Berufsausübung zu entwickeln und so die Freiberuflichkeit in der Zahnmedizin zu stärken. Das Konzept der ZPdZ bietet niederlassungswilligen Zahnärzten die Möglichkeit, vollausgestattete Praxisräume zu mieten und somit das finanzielle Investment zu Beginn einer Praxisgründung in Grenzen zu halten. Die Zahnärzte werden dabei in allen Gründungsfragen auf ihrem Weg in die eigene Praxis begleitet und erhalten regelmäßige Coachings sowie Teambuilding- und Beratungsmaßnahmen. Die Auslagerung administrativer Serviceleistungen und volldigitalisierter Praxisprozesse sollen es den Zahnärzten und dem Praxis-Team ermöglichen sich auch die eigentliche zahnärztliche Tätigkeit zu konzentrieren.

Die erste Zahnpraxis der Zukunft soll zudem Erkenntnisse aus dem Realbetrieb liefern, um das Praxismodell der ZPdZ stetig weiterzuentwickeln. Darüber hinaus wurde die Praxis in Düsseldorf auch als Showroom konzipiert. Interessierten Zahnmedizinern soll diese Umgebung fortan im Rahmen von Hospitationen und Seminaren zugänglich gemacht werden. Parallel prüfen die Initiatoren, inwieweit Bedarfe und Möglichkeiten bestehen, ZPdZ-Praxen oder Teile des Konzeptes vor allem in ländlichen Regionen in die Versorgung zu implementieren. Vor diesem Hintergrund sei momentan ein zweiter Standort in einer kleineren Gemeinde in Niedersachen in der Konzeption. Die Planung erfolge unter Einbeziehung möglicher Kooperationspartner.

Metalift (2)

Der Patient stellte sich mit einer irreversiblen akuten Pulpitis vor. Die Teilkrone wurde vor  6 Wochen eingegliedert.
Nach der Diagnostik und Beratung des Patienten haben wir uns auf Grund der intakten prothetischen Versorgung entschieden diese möglichst zu erhalten.

Die Befunde am Zahn 36:  keine pathologischen Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0, kein Perkussions- und jedoch Aufbißschmerz und akute anhaltende Schmerzen nach warmen und kalten Speisen, bzw. Getränken.
Diagnose: irreversible Pulpitis, verbreiterter Desmodontalspalt.

Mit einem Hartmetallfräser haben wir eine initiale ca. 1 mm große Bohrung zentral durch die Teilkrone durchgeführt. Die Sondierung ergab eine „hartes“ Widerlager.
Im Anschluß haben wir mittels der Hartmetallfräser aus dem Metaliftsystem diese Bohrung auf 1,4 mm erweitert und danach mit dem Regularmetalift das Gewinde in die Restauration geschnitten. Nach dem Widerstand auf dem Zahn wird beim weiterdrehen die Restauration aus der Präparation gedrückt.

Anschließend erfolgte die Wurzelkanalbehandlung. In diesem Fall haben wir bei vitaler Pulpa in Singlevisit die Behandlung durchgeführt. Die thermische Obturation nach Schilder erfolgte nach abschließender Desinfektion mit Schall und Ultraschall. Als Spüllösungen wurden NaoCl 3% und Zitronensäure 10% eingesetzt.

Die apikale Sealerextrusion in ein Gefäß war nicht gewollt, zeigt uns dafür die nicht instrumentierten Bereiche einer apikalen Verzweigung.
Der Patient ist seitdem schmerz- und symptomfrei.

Die okklusale Perforation der Teilkrone konnte problemlos im Labor repariert werden.

Fall zum Wochenende – reden wir Tacheles …

Vielen Dank für die Kommentare zum Thema.

Ich möchte als Einstieg in den heutigen Beitrag einen Kommentar herausheben:

Abend! Ich versuche immer den Patienten in so einer Situation sozusagen in die Position des Patienten VORHER zu dirigieren:“ Tut mir leid das ich bei dem Patienten gerade eben mehr Zeit benötigt habe als ursprünglich eingeplant weil noch ein akuter Schmerzpatient versorgt werden musste, aber ich nehme mir für jeden Patienten die Zeit die benötigt wird um die Arbeit optimal auszuführen, und breche nicht mittendrin ab nur um einen weiteren Patienten zu sehen, das verstehen Sie doch sicher. Sie wollen doch sicher auch das ich mir für Sie die selbe Zeit und Sorgfalt nehme, oder? Danke für Ihr Verständnis, dann wollen wir jetzt mal loslegen!“

So mach ich das. Wenn der Patient dann noch schlecht drauf ist biete ich neuen Termin an…

Wie läuft das bei euch?

Bei uns oder besser bei mir ist es so, dass jede Wartezeit des Patienten mir körperliche Schmerzen verursacht. Ich spüre gewissermassen mein Magengeschwür wachsen, wenn dem nicht so sein sollte. Ein Kollege erzählte mir einmal (und ich glaube ihm), dass ihm ganz egal sei, wie lange die Patienten warten müssen, auch wenn es Stunden sind. Ich bewundere das, denn es macht das Arbeiten soviel leichter, aber ich kann das nicht. Ich möchte, dass die Patienten punktgenau behandelt werden und wir tun ganz ganz viel, damit es auch genau so ist. Ein pünktlicher Behandungsbeginn, auf die Minute genau, ist also kein blosses Lippenbekenntnis, sondern in jedem einzelnen Falle Ziel unserer Planungsbemühungen.

Im vorliegenden Fall kann ich nicht einmal sagen, woran es lag, dass besagte Patientin 30 Minuten warten musste. War es eine plötzlich sich auftuende Komplikation in der Behandlung des Patienten zuvor oder kam ein Patient zuvor spät, denn auch das kommt vor.

Was ich aber weiss, ist, dass besagte Patientin sich im Vorgespräch schon als „ich sag mal resourcenfordernder“ Patient vorgestellt hat. Soll heißen, es sind ganz ganz viele Aspekte der Behandlung sowie aller Behandlungsalternativen erklärungsbedürftig, jedes noch so kleine Detail erfährt eine aussergewöhnliche Aufmerksamkeit, der entsprochen wird, mit dem dafür notwendigen und gelieferten aussergewöhnlichen Zeitrahmen.

Und jetzt komme ich auf obigen Kommentar zu sprechen und möchte antworten: Natürlich tun wir das und haben dies oft genug getan in der Vergangenheit, dieses Entschuldigen, Erklären und um Verständnis bitten.

Aber soll ich was sagen.
Diesen Patienten ist das vollkommen egal.
Die hören nicht mal zu.

Solche Patienten setzen als selbstverständlich voraus, dass wir NATÜRLICH alles Erdenkliche an Aufwand betreiben, um Ihnen zu helfen. ABER – darüber hinaus- selbstverständlich auch auf die Sekunde genau mit ihrer Behandlung beginnen. Genauso selbstverständlich wie wir mit der Behandlung warten, wenn sie selbst einmal, aus welchen Gründen auch immer, zu spät kommen. Zunächst aber ihre Zähne noch putzen möchten, dafür war auf der Arbeit keine Zeit. Und um Zahnbürste und Zahncreme bitten, die wir kostenlos für Sie bereithalten.

Fakt ist. Besagte Patientin weiss/sollte wissen, dass wir ihre letzte Chance sind, den besagten Zahn 46 zu retten. Ihr Hauszahnarzt (m/w/d – diese politisch korrekte Lächerlichkeit füge ich gerne hier an) hat den Zahn aufgegeben, der zu kontaktierende Implantologe sowieso. Bei uns hat die Dame gesehen, dass wir uns für Untersuchung/Beratung eine Stunde Zeit genommen haben. Und – Entschuldigung, der Ton macht die Musik, es hätte viele viele Wege gegeben, der Frustration über die Wartezeit angemessen Ausdruck zu verleihen, aber dem war nicht so.

Das Problem liegt also nicht (nur) bei uns, sondern (auch) auf Seiten der Patientin, ist ihrer individuellen Persönlichkeitsstruktur geschuldet.

Ich prophezeie schon jetzt mal an dieser Stelle, dass wir – entweder zeitnah oder irgendwann einmal in naher oder fernerer Zukunft die Erwartungen dieser Patientin nicht erfüllen werden.

Dumm nur, dass wir ausgerechnet in ihrem Falle über der Zeit waren. Wir mögen das ja selbst nicht. Vielleicht aber auch gut, denn so zeigt sich von Anfang an, auf welche Konflikte wir schon jetzt und zukünftig noch mehr latent hinsteuern. Und können uns fragen, ob wir uns das antun sollen. Denn – sollte die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg zeigen – wie wohl wird die Patientin dies kommentieren aus ihrer Sicht der Dinge – Etwa – Ja, davon war leider auszugehen, dass dies, angesichts der Ausgangssituation so enden würde, aber VIELEN VIELEN DANK Herr Dr. Herrmann, wieviel Mühe sie sich gegeben haben. Oder eher – Wenn ich DAS gewusst hätte, dann hätt ich mich niemals hier so lange quälen lassen und dann das viele Geld, das ich jetzt zum Fenster rausgeschmissen habe, na vielen Dank dafür, ich hätte auf (wen auch immer) hören sollen, jetzt muss ich die Wurzelkanalbehandlung und das Implantat doppelt bezahlen.

Hören wir als auf, ich spreche hier aus eigener Erfahrung oder ich sage besser aus eigener Dummheit heraus, zu denken, uns jeden Stiefel anziehen zu müssen. Richtig, die Patientin musste warten, das war nicht unsere Schuld, wir haben weder getrödelt zuvor noch falsch eine klinische Situation eingeschätzt, aber wir sind letztlich verantwortlich dafür und jegliche Zeit ist kostbar. Heute ganz offensichtlich mehr denn je. Aber wir werden diese Problematik in unserem Bereich nie grundsätzlich ausschliessen können. Es sei denn wir behandeln nur ganz wenige Patienten am Tag und lassen zwischen besagten Patienten sehr sehr viel Luft, um alle Eventualitäten aufzufangen. DAS ist unrealistisch, wenn man nicht gerade der Leibzahnarzt vom Kim Yong Un ist, und auch das ist kein erstrebenswertes Berufsziel.

Wartezeiten, wie die erlebte, werden nie grundsätzlich vermieden, maximal das Risiko und das Ausmaß dessen wird reduziert werden können.

Und jetzt der Blick hinaus durch die nebelbeschlagenen oder in vielen Berufsjahren eingetrübten Glasscheiben des zahnärztlichen Gewächshauses.
Reiben wir doch mal an der Scheibe, wischeln diese sauber und was sehen wir dann ?

Waren Sie schon mal in letzter Zeit in einer anderen Arztpraxis, einem Krankenhaus ?
Auf einer Behörde ? Der KFZ – Zulassungsstelle? Am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn? Immer, wenn ich von dort zurückkomme, empfinde ich unsere Praxis aus der Sicht des gerade Erlebten als einen Ort, einen Hort der Glückseligkeit.

Und denke dann immerzu an eine Patientin aus meiner Zeit als Allgemeinzahnarzt, welche vor vielen Jahren, bis heute unvergessen, die Wartezeit auf ihre Prophylaxesitzung bemängelte, im gleichen Satz jedoch anfügte ACHTUNG Realsatire – Eigentlich kommt man (bis auf heute) ja bei Euch immer sehr schnell dran, bei meinem (angesagten) Friseur warte ich trotz Termin JEDES MAL 2 – 2,5 Stunden.

Die Lehre aus besagtem Vorfall.
Wir überprüfen unser QM: Warum musste die Patientin warten ? Hätten wir es vermeiden können? Wie können wir dies zukünftig im Vorfeld ausschliessen ? Was können wir tun, um die Wartezeit und die Frustration des Wartenden abzufedern ?

Aber darüber hinaus.
Auch.
Manchmal liegt das Problem nicht bei uns.

Und in solchen Fällen.

Nur in solchen Fällen, wohlgemerkt.

Hören wir auf, uns ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.
Der Patient – der unsere Bemühungen offensichtlich nicht adäquat anerkennt – ist frei, sich einen Ort zu suchen, an dem es ihm besser gefällt.

Das ist eine Win Win – Situation.
Wir freuen uns.
Für besagten Patienten.
Für unsere Patienten. Die wir statt dessen behandeln können.

Und für uns, unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit. Unser Leben.

Wie weit ist weit genug?

von Jörg Schröder

Arbeitslänge und Arbeitsweite. Über diese beiden Werte kann man lange diskutieren. Am Ende der Diskussion steht jedoch immer die Entscheidung für eine, hoffentlich gut begründete, Vorgehensweise.

In den ersten endodontischen Fortbildungen, die ich Ende der 1990’er besuchte, wurde empfohlen den Durchmesser der apikalen Aufbereitung so weit zu gestalten, dass sie den Durchmesser der ersten Feile, die apikal mit Friktion eingebracht werden kann (First-File-To-Bind) um 3 ISO-Größen übertrifft.

Nur ist es im manchen Fällen, wie zum Beispiel in stärker gekrümmten oder s-förmig verlaufenden Kanälen, gar nicht so einfach, die Lage der Friktionszone zu bestimmen.



Ich nutze seit langem die Möglichkeit, im Mikroskop die „Beladung“ der Spanräume meiner Instrumente als Hinweisgeber zu nutzen, um so die Zielweite meiner Aufbereitung festzulegen.

Hier ein praktisches Beispiel. Das Bild zeigt eine HyFlex-Feile 30/06 nachdem sie einmalig bis auf Arbeitslänge eingebracht wurde. Die nicht gefüllten Spanräume an der Arbeitsspitze zeugen von der vorangegangenen Aufbereitung des Kanals mit einer HyFlex 30/04.

Unter der Annahme, dass die eingesetzten Feilen innerhalb der zulässigen Maß-Toleranzen hergestellt wurden, kann ich anhand der gefüllten Spanräume, Rückschlüsse auf die apikale Geometrie der Kanalsysteme ziehen.

Und somit unter Berücksichtigung der weiteren Parameter, wie z.B. initiale Kanalweite und Krümmungsverlauf die Endaufbereitung festlegen.

 

 

Freitag Abend Youtube Video Episode 9

Diese Woche fand in New York das New York Greater Dental Meeting statt. Eine Art nordamerikanische IDS mit zusätzlichen Fachvorträgen und Kursen. Für Alle, die in diesem Jahr nicht teilnehmen konnten, eine musikalische Reise durch den „Big Apple“, die Stadt, die niemals schläft. Frank Sinatra bewusst ausgenommen, Frühstück bei Tiffany hatten wir schon hier.

Beginnen möchte ich mit zwei Beiträgen, die ich eher in die Rubrik „Nicht Mainstream“ einordnen würde, die aber beide die Ambivalenz, die New York in sich trägt, widerspiegeln. Nicht gerade der gefälligste Einstieg, aber vielleicht gerade deshalb ein angebrachter.

Und hier noch eine Variante mit Miles Davis als „voice over“. Kompliment an den Mixer, als hätte der „Godfather of Jazz Trumpet“ seine Klänge original drübergelegt.

New York hat sich erneut gewandelt in den letzten Jahren.
Schneller und schneller hat diese Stadt nach der 2008er Bankenkrise sich dem Turbokapitalismus wieder zugewandt. Nicht verwunderlich, wo sonst, wenn nicht hier. Unglaublich viele neue Wolkenkratzer und in den letzten Jahren eine stark zunehmende Zahl an Obdachlosen, die Seite an Seite mit den bei laufendem Motor auf ihre shoppende Kundschaft wartenden Luxulimousinen sich die Bürgersteige teilen. Kommt alles wieder ? Hoffentlich bleibt es lediglich beim musikalischen Rückblick auf die Anfänge des Rap (nix LA, nix Compton, hier an der Ostküste, im Big Apple gings los). 3 Lieder aus dieser Zeit stilbildend und unvergessen bis heute. Mit der Sugarhill Gang und Rapper ´s Delight begann alles. In dieser Zeit Adoleszente, mich eingeschlossen, können zumindest die erste Strophe mehr als 30 Jahre später noch Wort für Wort mitrappen. Die Basis des Songs, auch das damals eine Neuheit, heute ist Sampling ja gerichtlich anerkanntes Kulturgut, stammt vom congenialen Musikerduo Bernie „Bass- Gott“ Edwards und Nile „Gitarren-Gott“ Rodgers der Grippe Chic, der Song „Good Times“.

Kurz darauf folgte Kurtis Blow mit „The Break“.
1982 dann Grandmaster Flash, mit „The Message“.
Harter Text, zeigt die brutale Realität der damaligen Zeit, New York war kein Shopping Paradies und Städte-Trip Hot Spot, sondern der steingewordene Darwinsche Struggle for Life.

1985, als „It s Tricky“ veröffentlicht wurde, war sowohl Rap als auch Sampling schon Mainstream. Was man allein daran erkennen kann, dass gleich zwei Melodien verwendet wurden, zum einen das schon hier erwähnte „My Sharona“ von The Knack und „Mickey“ von Toni Basil, ein ebenso unsäglich furchtbares (Achtung Schweineorgel) wie für diese Zeit bezeichnendes Frühe 80er Jahre- Lied.

Run DMC, Rap Trio aus Queens waren die ersten Hip Hopper mit einem Multi Platinum Album und vermutlich die ersten (und damit garantiert unbezahlten) Adidas Markenbotschafter des Musikbusiness.

Fehlt noch Brooklyn.
Die Beastie Boys. Vor Eminem die ersten und einzigen weissen Rapper (ich sag nur Vanilla „Fremdschäm“ Ice), die auch ausserhalb der weissen Hood Respekt fanden.

Heute ist das Alles Geschichte. Rick Rubin, der Produzent der Beastie Boys und von Run DMC hat sich weit über die Genre Grenzen hinaus unter anderem mit einem herausragenden Johnny Cash Album seinen Teil der Musik – Historie gesichert und Russell Simmons, neben Rubin der zweite Gründer des Def Jam Records Labels verkaufte schon 1999 seine Firma für 100 Millionen Dollar. Damals ein unglaublicher Deal, heute im Hinblick auf Hip Hop Milliardäre wie Dr. Dre oder Jay-Z vermutlich nur noch einen Zweizeiler in der Tageszeitung wert. Rap – you have come a long way! Respekt!

Zurück zu meiner Jugend. Und damit zu Billy Joel.
Und ins nächste Borough der Stadt, die Bronx.

Was für ein Talent.
Was für ein unglaublicher Songschreiber. Und für mich schon heute substanzieller Bestandteil des Great American Songbook nachfolgender Generationen.

Müsste ich für mich das Beste des Besten von Joel herausgreifen, es wäre 52nd Street als Ganzes und natürlich „Just the way you are“ vom Album „The Stranger“. Liebe Radiostationen, das Saxophonsolo am Ende des Liedes NICHT Ausblenden. 52nd Street war im Übrigen das erste Sony Pop Album auf CD überhaupt. Ich habe es NATÜRLICH auf Schallplatte gekauft. Damals. Von der Kritik wird Billy Joel im Übrigen bis heute ein wenig snobistisch überheblich belächelt. Musikkritiker ?!? Einst schrieb auch ein Kritiker über Tschaikowski s Violinkonzert, wenn Musik riechen könnte, dieses Stück würde stinken. Die Zuhörer sehen dies zurecht anders. Einmal im Monat reist Billy Joel mit dem Hubschrauber von seinem Landsitz in den Hamptons an und füllt den 12000 Zuschauer fassenden Madison Square Garden. Immer ausverkauft.

Udo Lindenberg hat im Übrigen schon in den 80ern eine grandiose Eindeutschung des New York State of Mind auf seinem Rock Revue 2 Album veröffentlicht.

52 Street war im Übrigen in Manhattan der Bereich, in dem in den 30ern bis 50ern der Jazz der Stadt sein Zuhause hatte. Vom Glanz vergangener Tage ist heute nicht mehr viel übrig. Zwar gibt es noch (oder wieder) die bekannten Jazz Clubs wie das Blue Note oder das Birdland. Diese sind aber weitestgehend Touristen Franchises, die es gilt, „busladungsweise“ streng zeitgetaktet durch ein musikuntermaltes überteuertes Abendessen zu pressen, auch wenn die Künstler und ihr Werk davon unbenommen herausragend sein können. Lobenswerte und deshalb gar nicht zuviel hervorzuhebende Ausnahme, das nach wie vor authentische „Village Vanguard“ in der 7th Avenue in Greenwich Village. In dem Christian Danzl, Olaf Löffler und ich vor ein paar Jahren ein grandioses Jazzkonzert mit (vom Leben stark gezeichneten und ohne dieses Wissen auf den ersten Blick befremdlich wirkenden, aber am Instrument so wunderbaren) Tom Harrell an Trompete /Flügelhorn und dem von mir ebenfalls hochgeschätzten Wayne Escoffery am Saxophon erleben durften.

Der Broadway ist die andere berühmte Musikstrasse der Stadt. 
Wenn wir, musikalisch besehen, vom Broadway sprechen, dann ist der „Theater District“ gemeint, Ort des Musicalgeschehens der Stadt. George Benson hat dem mit seinem Song „On Broadway“ ich zitiere „cause i can play this year guitar and i won´t quit til I m a star“ ein musikalisches Denkmal gesetzt. Und dort, wo 7th Avenue und Broadway sich kreuzen, wie die Pet Shop Boys es in New York City Boy besingen, liegt der Times Square. Fehlt nur noch der Central Park, diese bemerkenswerte, größer als Monaco sich darstellende Grünfläche inmitten Manhattans, Schauplatz einiger legendärer Freiluftkonzerte. Das wohl berühmteste möchte ich herausgreifen, wir hatten es ja schon in dieser Rubrik mit Schlagzeugern, Simon and Garfunkel, Steve Gadd an den Drums mit seinem legendären Drum-Intro zu „50 ways to leave your lover“.

George Benson – On Broadway

Als Zugabe noch. New York im Film und TV. Ein paar wenige (in New York stolperte man fast täglich über Drehplätze von Film – und TV-Produktionen) im Anschluss. Kurz vor Weihnachten darf natürlich „Kevin – Allein in NY“ nicht fehlen. Musik von John Williams ! Hörenswert !

Schönes Wochenende und einen frohen 2. Advent !

Fall für s Wochenende – Extraktion Ja oder Nein ?

Die Patientin war aufgebracht. Regelrecht wütend.
Sie müsste jetzt mal ihren Ärger los werden. Eine halbe Stunde habe sie bei uns jetzt warten müssen. Was stimmte. So sehr wir auch versuchen, pünktlich (heisst on time, maximal die akademische Viertelstunde ausschöpfend) die Behandlung zu beginnen, es gelingt uns nicht immer. Ich persönlich wäre bereit, auf den Behandler meiner Wahl 30 Minuten zu warten, aber da gehen offensichtlich die Meinungen drastisch auseinander.

Wenn es doch wenigstens ein einfacher Fall wäre, um den es ginge, aber dem war nicht so.

Das Röntgenbild zeigt an Zahn 46 deutliche apikale Aufhellungen, zusätzlich eine interradikuläre Knochendestruktion sowie distal einen ausgeprägten vertikalen Knocheneinbruch. Keine banale Situation, die zumindest idealerweise einen hoch complianten Patienten voraussetzt. Was die Dame ganz offensichtlich nicht zu sein schien. Dabei hatte sie doch noch in der Beratungssitzung zuvor ihren unbedingten Willen zum Zahnerhalt zum Ausdruck gebracht.

Jetzt seid ihr, geschätzte Leser, gefragt:
Wie umgehen mit der Situation und mit der Patientin ?

Bitte fleissig die Kommentarfunktion nutzen.
Ich werde am Dienstag berichten, wie es in der Sache weitergegangen ist.

Sensibilitätsstörung nach Initialbehandlung

von Jörg Schröder

Endodontische Notfallbehandlungen führen nicht immer zum vollständigen Abklingen der bestehenden Beschwerden. Eine der häufigsten Gründe ist dabei die nicht vollständige chemo-mechanische Aufbereitung bei der initialen Behandlung. Direkt gefolgt von koronalem Leakage, dass nicht immer in Form eines insuffizienten Restaurationsrandes oder einer unbehandelten Karies vorliegen muss. Es reicht auch eine Infraktur mit Kontakt zum Pulpakammerhohlraum.

In nachfolgendem Fall kamen beide Ursachen zum Tragen. Der die distale Randleiste des Zahnes 47 bis kurz zum Kanaleingang  durchziehende Haarriss kann als Eintrittspforte der bakteriellen Kontamination angesehen werden, da der Zahn bis zum Auftreten der Beschwerden vollkommen restaurationsfrei war.

14 Tage vor der Erstvorstellung in unserer Praxis erfolgte im Notdienst die Trepanation des 47 und eine medikamentöse Einlage. Die Zugangskavität war mit Cavit verschlossen worden. Das okklusale Relief blieb unverändert. Nach anfänglicher Besserung traten nach einigen Tagen erneut Aufbissbeschwerden auf.

Zum Beratungstermin, einem Freitag, wies der Zahn eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit, jedoch keinerlei palpatorische Druckdolenz auf. Die Beweglichkeit war gering erhöht. Die Sensibilität im Bereich des rechten Unterkiefers war normal. Das präoperativ erstellte DVT ließ einen deutlichen Abstand der Apizes des 47 zum N. alveolaris inferior erkennen.

Um einen zeitnahen Behandlungstermin zu ermöglichen, wurde der Tagesplan des folgenden Montags durch Umorganisation so verändert, dass ein ausreichendes Zeitfenster für eine suffiziente Erstbehandlung (adhäsive Versorgung des Haarrisses, okklusale Umgestaltung mit Beseitigung exkursiver Frühkontakte und Reduktion der Kontakte in IKP, sowie vollständige chemo-mechanische Aufbereitung) zur Verfügung stand.

Zum Behandlungstermin hatte sich die Situation jedoch dramatisch verändert. Vom rechten Mundwinkel bis hin zur Mitte der Unterlippe und hinab bis zum rechten Kinn bestand 4 Tage nach der Erstvorstellung eine vollständige Anästhesie, die auf eine akute Exazerbation der apikalen Parodontitis zurückzuführen war.

Sensibilitätsstörungen, die auf eine akute endodontische Infektion zurückzuführen sind, habe ich ausschließlich im Bereich des N. mentales und/oder des N. alveolaris inferior vorgefunden. Angesichts der knöchernen und nicht ausdehnungsfähigen Umgebung dieser Strukturen kann eine Volumenzunahme durch entzündlich bedingtes Exsudat offensichtlich die Minderung oder den vollständigen Verlust der Sensibilität im betroffenen Gebiet nach sich ziehen.

Um bleibende Schäden der betroffenen nervalen Strukturen zu verhindern, ist ein rasches (Be)Handeln geboten. Neben der vollständigen Aufbereitung und bestmöglicher Desinfektion der Kanalsysteme der verursachenden Zähne verordne ich immer eine begleitende systemische Antibiose.

Wichtig erscheint mir zudem, die genaue Ausdehnung der betroffenen Areale zu erfassen und zu (foto)dokumentieren. Dazu benutze ich zwei gerade zahnärztliche Sonden, die ich mit zwei Händen in spitzem Winkel über die Haut führe. Eine Sonde auf der nicht betroffenen und eine Sonde auf der betroffenen Seite. Sobald die Sensiblitätsstörung  wahrgenommen wird, wird mit einem Faserschreiber (nicht wasserlöslich) ein Punkt markiert. Von nun an genügt eine Sonde, die in gleicher Weise über das betroffene  Gebiet geführt wird. Dabei ist wichtig, sich vom sicher normal sensiblen ins Richtung des sensibiltätsgestörten Areal zu bewegen. Sobald die Einschränkung wahrgenommen wird (mehrfaches Wiederholen verschafft Sicherheit) erfolgt die nächste Markierung. Auf diese Weise hat man nach maximal 5 Minuten die Ausdehnung der Störung erfasst und kann diese fotodokumentieren. Eine Einschätzung der Remission der Sensibilitätsstörung fusst somit auf leicht reproduzierbaren Befunden.

Im vorliegenden Fall zeigte sich bereits 8 Tage nach meiner ersten Intervention eine deutliche Verkleinerung des betroffenen Areals. Zudem hatte sich die vollständige Anästhesie in eine Hypästhesie umgewandelt. Interessante Randnotiz: bei allen derartigen Behandlungsfällen dauerte die Remission der Störung im Bereich des Überganges inneres zum äusseren Lippenrot und hier besonders im Mundwinkelbereich am längsten.

Die Obturation der Kanalsysteme erfolgte erst, nachdem der Patient 4 Wochen nach dem ersten Termin in unserer Praxis das vollständige Abklingen der Sensibilitätsstörungen telefonisch berichtet hatte.

Ein, vor allem für den Patienten, mehr als erfreulicher Behandlungsverlauf.

Vergleiche ich die präoperativen Bilder mit den postoperativen Bildern, muss ich jedoch kritisch anmerken, dass der letztlich resultierende Hartsubstanzdefekt erheblich ist. Radiologisch täuscht zwar die zweidimensionale Betrachtung, da die bukkale und linguale Wand vollständig erhalten sind, angesichts der Unversehrtheit vor Behandlungsbeginn ist der Substanzabtrag ein Wermutstropfen in der ansonsten erfolgreichen endodontischen Behandlung.

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem – Anatomie du jour

Von Christoph Kaaden

 

Überweisungen von Patienten, bei denen es alio loco bisher nicht gelungen ist alle Kanalsysteme aufzufinden und zu präparieren zählen bei uns zu den eher dankbaren Aufgaben.

Insbesondere dann, wenn rechtzeitig mit der Suche nach fehlenden Strukturen gestoppt wurde (und der Zahn nicht perforiert wurde).

Hier also der letzte Fall des gestrigen Behanlungstages.

Zu den Eckdaten:

45-jährige Patientin; aktuell in zahnärztlicher Behandlung bei laufender „Full mouth rehabilitation“.

Trepanation und initiale Aufbereitung des Zahnes 47 bei irr. Pulpitis alio loco (med.Einlage Ca(OH)2).

Bisher gelang es nicht das mesio-bukkale Kanalsystem aufzufinden…

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem.001

So stellte sich die Situation nach Entfernung des provisorischen Verschlusses dar.Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem.002

Nach initialer Bearbeitung des mesialen Kavitätenbodens mittels Rosenbohrer kam es zu den „typischen“ Dentineinpressungen (roter Pfeil).

Diese sind ein sehr guter Anhalt für vorhandene Hohlräume, die es nachzuverfolgen gilt.

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem.003

Weitere Darstellung des mesio-bukkalen Orifiziums.

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem.004

Mittels reziprok arbeitendem Instrument initial dargestelltes Orifizium.

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem.005

Situation nach vollständiger Präparation und Wurzelkanalfüllung

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem.006

Abschluss-Röntgenbild

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem II.001

Während der Präparation zeigte sich, dass die beiden Kanalsysteme nach ca 3/4 der Arbeitslänge konfluierten.

Bei Interesse möchte ich in Zukunft immer mal wieder solche Fälle vorstellen, um das Auge der WURZELSPITZE Leser für die intrakoronale Anatomie zu sensibilisieren…

 

Metalift

Im letzten Beitrag habe ich geschrieben. Die Krone wurde mit dem Metalift entfernt.

Es kam keine Nachfrage. Also kennt jeder den Metalift und dieser Artikel ist vielleicht für den einen oder anderen weniger interessant.
Da ich den Metalift sehr wertschätze, schreibe ich doch etwas dazu.
Für mich ist es das TOOL um Kronen, Teilkronen und Inlays mit einer Edelmetallegierung zu entfernen und ggf. wieder (nach Reparatur) einzusetzen!

Klicke, um auf Hager_MetaLift_PromoSheet_2016.pdf zuzugreifen

In meinen Händen funktioniert der Metallift besser als die WAMkey Kronenentferner.

An dieser Stelle gibt es noch mehr Informationen – http://www.metalift.com – und demnächst noch einen Fall dazu.

 

 

Flowchart ADA zum Thema Antibiotika im Rahmen endodontischer Behandlung

Die American Dental Association hat sich zum Einsatz von Antibiotika im Rahmen der endodontischen Behandlung geäußert. Die nachfolgenden Grafiken geben einen raschen Überblick im Praxisalltag.

Grafik 1 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung nicht möglich ist.

Grafik 2 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung stattfinden kann.

Tiefe Gabelung mit 90 Grad nach distal

von Jörg Schröder

Die im Vorfeld der Behandlung mehrwurzeliger Zähne angefertigten DVT tragen in aller Regel zu meiner Entspannung bei. Die zu überwindenden Hürden können im Vorfeld visualisiert und die ideale Vorgehensweise kann vor Behandlungsbeginn erdacht werden.

Somit reduziert sich das in früheren Jahren häufiger erlebte Überraschungsmoment und der oftmals damit verbundene Stress.

In diesem Behandlungsfall war es genau umgekehrt. Das Wissen um die in der distalen Wurzel des 46 nach einer 90 Grad nach distal verlaufenden Krümmung noch auf mich wartende Aufgabelung erhöhte mein Stresslevel enorm. Wird es möglich sein, die Aufgabelung mit vorgezogenen Handinstrumenten zu instrumentieren? Wie hoch ist das Risiko einer Instrumentenfraktur? Werde ich in der Lage sein, diese Kanalstrukturen zu obturieren?

Im Notdienst war Zahn 46 trepaniert und mit einer Ledermixeinlage versehen worden. Seitdem bestanden keine Beschwerden mehr. Vor der Applikation des Kofferdams musste der Zahn zunächst in bewährter Weise nach Entfernung der Krone und relativer Trockenlegung (Faden und Teflonband zur Verdrängung der Gingiva) mittels hochviskösem Komposit präendodontisch aufgebaut.

Die weit linguale Lage der mesialen Kanalsysteme und das weitere „Auseinanderdriften“ auf dem Weg nach apikal, war im axialen Schnitt sehr gut zu erkennen, sodass das Auffinden der wirklichen Kanaleingänge mittel Munce-Bohrern unproblematisch verlief.

Schon das klinische Bild (ein nicht mittenzentriert gelegener distaler Kanaleingang) ließ ein zusätzliches, weiter lingual gelegenes, distale Kanalsystem vermuten.

Um im Bereich der tiefen Aufgabelung keine Stufe zu setzen, wurde die Strecke bis zur Aufgabelung im DVT ausgemessen und der gemeinsame apikale Kanalabschnitt in D bis 0,5 mm vor der Aufgabelung bis 35/06 erweitert. Die Versuche, die apikalen Kanalanteile mittels vorgebogenen Reamern der ISO-Größe 008, waren alle erfolglos. Daher wurde die Spüllösung nach der Aufbereitung der mesialen Kanalsysteme in mehreren Zyklen laserunterstützt aktiviert. Dabei war nach dem dritten Spülzyklus eine geringe Blutung aus der Periapikalregion des Kanalsystems zu beobachten, die nach dem vierten Spülzyklus sistierte. Da bei initialer Instrumentierung in allen Kanalsystemen noch Reste vaskularisierten Gewebes vorhanden waren, nahm ich daher an, dass die nach dem letzten Spülen sistierende Blutung als Zeichen zu werten sein könnte, dass die in der tiefen Gabelung vorhandenen Gewebeanteile herausgelöst werden konnten. Und hoffte.


Darauf, dass es mit dem, bei der warmen vertikalen Kompaktion entstehenden, hydraulischen Druck gelingen würde, die Aufgabelung zu füllen. Und es scheint gelungen zu sein.

Hätte es auch mit nochmals wiederholten Eddy-unterstützten Spülungen gelingen können? Vielleicht. Klinisch beobachte ich jedoch immer wieder, dass in geometrisch kniffeligen Situationen (Aufgabelungen oder Konfluationen) die laserunterstütze Spüllösung den Unterschied macht. Evidenz? Null. Naja, zumindest sehr geringe, wenn überhaupt.

Der jüngste Artikel im IEJ zu diesem Thema aus dem März 2019 (International Endodontic Journal, 52, 1210–1217, 2019 1215) kommt beim Vergleich verschiedener Aktivierungsmethoden in Relation zur erzielten Penetrationstiefe der Spüllösung ins Dentin zu folgender Schlussfolgerung:

Conclusion: Thorough irrigation of straight, large canals in extracted teeth with simple root canal geometries enabled penetration in coronal and middle sections but faced limitations in apical areas. Activation of irri- gants increased penetration depths apically, where PIPS was associated with segments of deeper penetration, followed by EDDY and PUI. SWEEPS, on the other hand, did not show benefits compared even to manual dynamic activation.

Und ja, PIPS ist nicht gleich LAI, aber das Grundprinzip die gesamte Spüllösungssäule im Kanal mit im Vergleich zu ansatzgestützten Methoden (Eddy, PUI) sehr geringer Dämpfung zu aktivieren, ist beiden Verfahren gemein.

Webinar 18.12.2019 bei WURZELSPITZE Plus

Noch in diesem Jahr, genauer gesagt kurz vor Weihnachten, wollen wir bei WURZELSPITZE Plus erneut ein Webinar präsentieren: Nach Jörg Schröders Beitrag über endodontische Recalls möchte diesmal ich einen Punkt herausgreifen und näher beleuchten: Es geht um die diagnostische Wertigkeit von DVT´s im Rahmen endodontischer Behandlungsplanung.

Allerdings nicht an Hand ausgesuchter Beispiele, die es sicherlich zu hauf gäbe, um in möglichst eindrucksvollen Bildern den Nutzen dreidimensionaler Röntgendiagnostik hervorzuheben. Stattdessen möchte ich am Beispiel der letzten beiden Diagnostik- Tage in unserer Praxis (Mittwoch für Mittwoch finden die obligaten Erstuntersuchungen und Beratungen statt) einen realistischen Einblick geben, inwieweit bei der Gegenüberstellung der zweidimensionalen und dreidimensionalen Röntgenbefunde das Für und Wider der erweiterten Röntgendiagnostik sichtbar wird oder jedoch einen erhöhten Nutzen schuldig bleiben muss. Heißt konkret – alle Fälle des Tages – ohne Ausnahme. Mit dieser Vorgehensweise entsteht ein realistischeres Bild, ein Rosinenpicken ist ausgeschlossen.

Darüber hinaus vermittelt das Webinar auch den Stand der Technik, die Bildqualität unseres MORITA X 800 betreffend, sowohl im Vergleich zu anderen im Markt befindlichen Geräten wie auch zum in unserer Praxis 5 Jahre lang verwendeten und immer noch vorzüglichen MORITA Veraviewepocs 3D F 40.

Alle Interessierten sollten sich Datum und Uhrzeit schon mal vormerken:

Mittwoch 
18.12.2019 
18:00 Uhr

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 8

Bohemian Rhapsody hatten wir hier und hier schon.

Und natürlich kommt man irgendwann einmal an einem Freitag, genauer gesagt heute nicht an diesem Lied vorbei.

Wunderbares „Behind the Scenes“ Video über die Entstehung.
Unglaublich, dass Freddie die gesamte Bohemian Rhapsody von Anfang an im Kopf hatte und bei der ersten Vorstellung seiner Band als Piano-Version präsentieren konnte.

Dann natürlich die legendäre Anfangsszene von Waynes World.

Und es gibt Leute, in denen Freddie weiterlebt.

Mike Myers spielt auch im Film „Bohemian Rhapsody“ eine kleine Rolle. Mehr dazu hier.

Den Film habe ich bis heute nicht gesehen. Warum ? Weil ich Queen live erlebt habe. Und Rami Malek spielt. Imitiert. Was bei Freddie in jeder Bewegung echt – weil er selbst- war, ist im Film geschauspielert. Für viele Zuschauer loben Malek für seine Darbietung. Seine Choreographie des Wembley Auftrittes brilliert in der Tat durch ein bemerkenswertes Timing, eine fast perfekte Synchronität. Dennoch ist er im Vergleich zum Original für mich nur schwer zu ertragen.

Hier der Vergleich des legendären Live Aid Wembley Stadium Auftritts.

Zum Schluss noch ein Beitrag für die Kategorie „Skurriles“

und ein Beitrag aus der Kategorie“ Nervige Musik für beklemmende Fahrstühle“.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma und MTA -Extrusion

Von Christoph Kaaden

Die heute 15-jährige Patientin erlitt im Jahr 2013 ein Frontzahntrauma (unkomplizierte Kronenfraktur), als sie von ihrem Einrad stürzte.

Erst fünf Jahre später fiel die mittlerweile beträchtliche apikale Aufhellung an Zahn 21 auf.

Ausgeheilt nach Trauma und MTA Extrusion.001Ausgeheilt nach Trauma und MTA Extrusion.002

Die daraufhin eingeleitete zweizeitige Therapie erfolgte nach der auf WURZELSPITZE wiederholt vorgestellten „bewährten“ Vorgehensweise…

auch hier habe ich auf ein resorbierbares Widerlager verzichtet. Leider kam es in diesem Fall zu einer nicht unerheblichen Extrusion des MTAs.

Ausgeheilt nach Trauma und MTA Extrusion.003

 

Ein Jahre nach Abschluss der Behandlung sieht man trotz MTA Extrusion eine Ausheilung der vormals ausgeprägten apikalen Aufhellung…

Ausgeheilt nach Trauma und MTA Extrusion.004Ausgeheilt nach Trauma und MTA Extrusion.005

die Ergebnisse von Torabinejad et al. (1995) scheinen sich also auch in diesem Fall zu bestätigen 

Ausgeheilt nach Trauma und MTA Extrusion.006

Trotzdem hätte ich die Extrusion gerne vermieden.

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach WSR

Von Christoph Kaaden

Mit endodontischen Behandlungen hatte diese 49-jährige Patientin in der Vergangenheit wenig „Glück“…

Ausgeheilt nach WSR.001

Insbesondere die Vorgeschichte des Zahnes 13 verdeutlicht dies.

Der Zahn war vor einigen Jahren endodontisch behandelt worden und nachfolgend aufgrund von neuerlich auftretenden Beschwerden reseziert worden.

Keine sechs Monate nach dem Eingriff kam es erneut zu aufflammenden Beschwerden die mittels einer neuerlichen Wurzelspitzenresektion „therapiert“ werden sollten.

Ausgeheilt nach WSR.002

Klinisch wurde schnell klar, warum es neuerlich zu einem Misserfolg gekommen war:Ausgeheilt nach WSRII.001.jpegDem vormals eingebrachten WF-Material fehlte jegliche Deckfüllung und es war der Mundhöhle exponiert.

Es benötigte wenig bis keine Überzeugungskraft die Patientin für eine Revision statt einer Resektion zu motivieren…

die zweizeitige Therapie erfolgte nach der auf WURZELSPITZE wiederholt vorgestellten „bewährten“ Vorgehensweise…

Ausgeheilt nach WSR.004

Gute zwei Jahre nach Abschluss der Behandlung kann man guten Gewissens von einer Ausheilung der apikalen Aufhellung  sprechen…

Ausgeheilt nach WSR.005

 

Ausgeheilt nach WSR.006

 

Zu diskutieren wäre ggf, ob das Einbringen eines Glasfaserstiftes empfehlenswert gewesen wäre… was denken Sie?

Fast 15 Jahre im Recall – Zahn 36 (4)

Den hier vorgestellten Fall haben wir 2005 revidiert.

Die Krone haben wir mit dem Metallift entfernt.

Zunächst haben wir die Aufbaumaterialien entfernt und vorsichtig den Zementspalt mit Ultraschall erweitert.
Danach wurde mit dem Hohlfräseraufsatz aus dem Ruddle PRS der Stift koronal reduziert. Nun kann man mit dem Tap ein Gewinde schneiden. Dies geschieht entgegen gesetzt zur Uhrzeigerrichtung. Dadurch wird der Stift bereits in herausdrehender Richtung belastet und beginnt sich relativ schnell zu lockern.

Die weiter Aufbereitung erfolgte mittels Profile bis #35.06 und nach der abschließenden Desinfektion und thermischen Obturation (warm-vertikal) wurden Glasfaserstifte adhäsiv inseriert. Eine prov. Krone wurde inseriert. Leider hat das Flow- Material (DC-Flow), welches wir zum Unterfüttern und der Randgestaltung des Provisoriums verwenden keinen Röntgenkontrast.

Anbei die Bilder und Nachkontrollen.
2018 mussten wir eine Längsfraktur diagnostizieren. Netterweise stellte uns der Implantologe ein weiteres Recallbild zur Verfügung.
Welche Ursachen für die Fraktur könnten vorliegen?

Und hier noch die im Kommentar beantwortete Fehlerquelle – im Bild gekennzeichnet durch die Pfeile.

Grundrechtsaushöhlung – Ein Sündenfall.

Ein Gastbeitrag von Thomas Weber

In Deutschland wird als „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ der Anspruch des Einzelnen verstanden, grundsätzlich selbst „über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen“. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist zwar im Grundgesetz nicht explizit als solches benannt, wurde aber vom Bundesverfassungsgericht  aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) entwickelt und versteht sich als deren besondere Ausprägung. Es ist also ein Grundrecht, kein Gnadenrecht.

An erster Stelle unserer Verfassung stehen Wert und Würde der Person. Ihrem Schutz dient – neben speziellen anderen Freiheitsverbürgungen, die in den Artikeln 1 – 20 des GG behandelt werden – das in Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG gewährleistete allgemeine Persönlichkeitsrecht, das gerade auch im Blick auf moderne Entwicklungen und die mit ihnen verbundenen neuen Gefährdungen der Persönlichkeit Bedeutung gewinnt. Es umfasst auch die aus dem Gedanken der Selbstbestimmung folgende Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst zu entscheiden, wann und innerhalb welcher Grenzen persönliche Lebenssachverhalte offenbart werden.

Der Jurist Carlos A. Gebauer hat das für Gesundheitsdaten so formuliert:

„In meinem Weltbild geht es niemanden etwas an, unter welchen Krankheiten ich leide – es sei denn, ich sage es ihm. Dass Informationen über Körper- und Geisteszustände eines Menschen ein wie auch immer geartetes „Allgemeingut“ sein könnten, auf das andere als der Betroffene ohne oder gar gegen seinen Willen digitalen Zugriff haben, halte ich für eine rechtsethische Entgleisung. Gerade Zeiten der informationstechnisch jederzeit mindestens potentiellen Ubiquität von persönlichen Informationen (vulgo: Berichten über Intimes und Privates) erfordern, den Geheimnisschutz und den Vertrauensschutz zwischen Patienten und Ärzten nach allen Möglichkeiten zu intensivieren. Wer „der Allgemeinheit“ ein Recht zuweisen möchte, ungebeten Körperdaten anderer zu erheben und über das damit gewonnene Wissen zu herrschen, der verletzt m.E. den heiligsten Grundsatz, den die verfassungsrechtliche Juristerei zu hüten hat: Das Verbot, ein Individuum zum Objekt des Willens anderer zu machen. Die Menschenwürde hat unantastbar zu sein.“

Beitrag Carlos A. Gebauer, 29.07.2019, aend.de, https://www.aend.de/forum/topic/100612#924303

Nach Ansicht des Europäischen Parlaments leitet sich das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zudem aus Art. 8 Abs.1 der Europäischen Menschrechts-konvention ab:  

Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat– und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz.

Vorgestern hat der Deutsche Bundestag nun beschlossen, dem SGB V einen neuen Paragraphen 303b einzufügen: 

„§ 303b   Datenzusammenführung und -übermittlung

(1) Für die in § 303e Absatz 2 genannten Zwecke übermitteln die Krankenkassen an den Spitzenverband Bund der Krankenkassen als Datensammelstelle für jeden Versicherten jeweils in Verbindung mit dem unveränderlichen Teil der einheitlichen Krankenversichertennummer des Versicherten nach § 290 oder einer anderen krankenkassenübergreifend eindeutigen Identifikationsnummer des Versicherten (Versichertenkennzeichen)

1. Angaben zu Alter, Geschlecht und Wohnort,

2. Angaben zum Versicherungsverhältnis,

3. die Kosten- und Leistungsdaten nach den §§ 295, 295a, 300, 301, 301a und 302,

4. Angaben zum Vitalstatus und zum Sterbedatum und

5. Angaben zu den abrechnenden Leistungserbringern.

Das Nähere zur technischen Ausgestaltung der Datenübermittlung nach Satz 1 regelt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen spätestens bis zum 31. Dezember 2021.

(2) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen führt die Daten nach Absatz 1 zusammen, prüft die Daten auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz und klärt Auffälligkeiten jeweils mit der die Daten liefernden Stelle.

(3) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen übermittelt

1. an das Forschungsdatenzentrum nach § 303d die Daten nach Absatz 1 ohne das Versichertenkennzeichen, wobei jeder einem Versichertenkennzeichen zuzuordnende Einzeldatensatz mit einer Arbeitsnummer gekennzeichnet wird,

2. an die Vertrauensstelle nach § 303c eine Liste mit den Versichertenkennzeichen einschließlich der Arbeitsnummern, die zu den nach Nummer 1 übermittelten Einzeldatensätzen für das jeweilige Versichertenkennzeichen gehören.

Die Angaben zu den Leistungserbringern sind vor der Übermittlung an das Forschungsdatenzentrum zu pseudonymisieren. Das Nähere zur technischen Ausgestaltung der Datenübermittlung nach Satz 1 vereinbart der Spitzenverband Bund der Krankenkassen mit den nach § 303a Absatz 1 Satz 2 bestimmten Stellen spätestens bis zum 31. Dezember 2021.

(4) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen kann eine Arbeitsgemeinschaft nach § 219 mit der Durchführung der Aufgaben nach den Absätzen 1 bis 3 beauftragen.“

Quelle: Bundestags-Drucksache 19/13438 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/D/DVG_Bundestag.pdf

Eine Einwilligungsverpflichtung oder ein Widerspruchsrecht des Patienten zu dieser Datenübermittlung ist nicht vorgesehen. 

Immerhin haben Proteste der Datenschützer, vieler Ärzte und Ti-Gegner in den letzten Tagen noch erreicht, dass bereits die Krankenkassen ein versichertenbezogenes Lieferpseudonym zu verwenden haben, das eine kassenübergreifende eindeutige Identifikation des Versicherten ermöglicht. Die Vertrauensstelle, die gesetzlich dem Sozialgeheimnis unterliegt, überführt dieses Lieferpseudonym in ein periodenübergreifendes einheitliches Pseudonym.

Allerdings ist erwiesen, dass eine Pseudonymisierung oder Anonymisierung von Daten relativ leicht rückgängig zu machen ist, und erst im Juli hatte die SZ darüber berichtet. (https://www.sueddeutsche.de/digital/anonyme-daten-studie-1.4542458 und dazu:  https://www.nature.com/articles/s41467-019-10933-3).

Somit wird dieses Gesetz zu einer massiven Einschränkung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung, zu einer „rechtsethischen Entgleisung“. 

Der frühere Amtsarzt und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg, Mitglied des Vorstandes von Transparency International Deutschland e.V, schreibt dazu in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten: 

Angesichts der bisherigen streng an der Verfassung ausgerichteten Praxis im Datenschutzrecht ist diese Gesetzgebung ein Staatstreich.“ 

Der sehr lesenswerte Brief findet sich im Ganzen hier: https://www.wodarg.com/

Wie immer man selbst dieses Gesetz beurteilen mag, es folgt der von Jens Spahn seit Jahren öffentlich vertretenen Maxime: „Datenschutz ist was für Gesunde.“

De facto haben wir also hier gläserne Patienten und zugleich gläserne „Leistungserbringer“. Und genau das scheint der Zweck dieser Bestimmung.

Dieser Eindruck wird durch zahlreiche Statements von Politikern bestätigt. So findet der Unionspolitiker und Jurist Tino Sorge, MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit (Berichterstattung Digitalisierung und Gesundheitswirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion):

„Wir müssen nicht nur die Daten schützen, sondern die Patienten. Aktuell droht das Totschlag-Argument des Datenschutzes die elektronische Patientenakte mit all ihren Vorteilen auszubremsen. ……… Daten können hier Leben retten. Datenschutz nicht.“ 

Und so scheint Niccolò Machiavelli wieder Einzug in die deutsche Politik zu finden: „Lo scopo santifica i mezzi – Der Zweck heiligt die Mittel“.  

Das stimmt mich traurig und zugleich wütend. Vor 30 Jahren fiel die Mauer, auch sie ein Ergebnis der „Zweck-heiligt-Mittel“-Denke. Daran mag man ermessen, wie groß der politische Sündenfall im DVG im Prinzip ist. 


„Lieber Thomas, Datenschützer schützen keine Daten, sondern Menschen. Nicht aufgeben, es lohnt sich.“ schrieb mir Katharina Nocun als Widmung in ihr im letzten Jahr erschienenen Buch: „Die Daten, die ich rief –  Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen“. Ein lesenswertes Buch übrigens. 

Und das stimmt. Denn Herr Sorge und Herr Spahn irren: Datenschutz ist auch was für Kranke. Geleakte oder gehackte Gesundheitsdaten können Lebensplanungen über den Haufen werfen, Berufsausbildungen verhindern, Karrieren vernichten, Versicherungen und Kredite unmöglich machen, Menschen stigmatisieren, diskriminieren und in die Verzweiflung treiben.

Und deshalb sind Ärzte Datenschützer:  Sie schützen die Gesundheitsdaten ihrer Patienten seit mindestens 2500 Jahren – und sie sollten jetzt nicht damit aufhören.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – in Heilung (unter ungünstigen Bedingungen)

Die 55 jährige Patientin bekommt seit längerem Chemotherapie, Grund ist ein Tumorgeschehen, die Prognose ist leider infaust.

Man würde unter solch eher ungünstigen Rahmenbedingungen eventuell ein suboptimales Heilungsgeschehen vermuten. Nicht desto trotz zeigt sich im Laufe der Zeit im Rahmen der Nachkontrollen (letzte Kontrolle ist 20 Monate post WF) eine erfreuliche knöcherne apikale Regeneration am Zahn 47.

Das ist das Schöne an der endodontischen Behandlung. Wenn man dem Körper die Möglichkeit gibt zu heilen, sprich die vorhandenen Bakterien eliminiert, dann heilt der Körper sich selbst. Auch unter wie hier widrigen Umständen. Ich würde mich freuen, den weiteren Heilungsverlauf bei WURZELSPITZE präsentieren zu können. Das wünsche ich von Herzen der sehr netten Patientin. Die nächste Kontrolle ist in 24 Monaten vorgesehen.

Mit Navigation zum Erfolg


von Jörg Schröder

Der Titel des Beitrags ist eventuell ein wenig ungenau. Denn das was ich im Folgendem beschreibe, ist keine Navigation im Sinne einer schablonengeführten Navigation wie bei der Guided Endo oder der navigierten Implantation mit Hilfe von Bohrschablonen.

Es ist navigiertes Behandeln und am besten zu vergleichen mit navigiertem Autofahren. Der Fahrer (Behandler) hat eine Karte (DVT)  auf seinem Bildschirm (Monitor) und gleicht das reale Bild (das Mikroskopbild) mit dem Karten-(DVT-)Bild ab. Ständig.

Er weiß zum Beispiel, dass es in 150 Metern eine enge Rechtskurve geben wird und er die Geschwindigkeit reduzieren muss. Zumal nach der Kurve eine Einmündung zweier weiterer Straßen erfolgt.

Die mittlerweile mögliche Abbildungsgenauigkeit kleinvolumiger DVT versetzt den Behandler*in heutzutage in die Lage, bei der Aufbereitung komplexer Anatomie in ähnlicher Weise von seinem „Kartenwissen“ zu profitieren.

Das Vorhandensein eines Middle Mesial war im heute vorgestellten Behandlungsfall beim Durchfahren des achsialen Schnittes sofort ins Auge gefallen. Aus einem koronal schlitzförmigen Kanaleingang mesiolingual gabelt sich nach ca. 3 mm der MM vom ML ab, um im unteren Wurzeldrittel mit ML und MB zu konfluieren.

Eine tiefe Aufgabelung in D war ebenfalls präoperativ bekannt.

Worin liegt nun der Vorteil der dreidimensionalen Diagnostik? Reicht nicht mein Mikroskop alleine aus, um diese Fallstricke zu erkennen? Vielleicht ja. Aber anstatt mich zögernd im Bereich des Pulpakammerbodens nach unten zu bewegen, da ich ja erst beim Präparieren sehe, was als nächstes kommt (Aufgabelung, tiefer Isthmus, Konfluation oder Kommunikation), kann ich mit dem Wissen aus dem DVT meine Instrumente von Beginn an gezielt und effizient einsetzen.

Der Isthmusbereich zwischen MB und ML wurde von Beginn an mit Munce-Bohrern absteigender Größe bearbeitet. Aus dem schmalen schlitzförmigen Eingang mesiolingual wurde mit dem kleinsten Munce-Bohrer innerhalb weniger Sekunden die Aufgabelung von MM und ML freipräpariert.

Die initiale Instrumentierung erfolgte in üblicher Weise mit ProFile-Instrumenten 15/04, 20/04 15/06 bis ca. 1 mm fern des zu erwartenden apikalen Endpunktes. Diesen hatte ich mir bereits vor Behandlungsbeginn am DVT ermittelt. Der Verlauf des ML im koronalen Schnitt war harmonischer und weniger abrupt. Also erfolgte die Aufbereitung zunächst in diesem. Dann die des MB. Dieser krümmte sich stärker von bukkal nach lingual, als es der ML von lingual nach bukkal tat. Da der gemeinsame Kanalverlauf bereits vom ML aus aufbereitet war, musste das Instrument im MB apikal keine Klemmung befürchten.

Erst jetzt wurde der MM in vollrotierender Weise instrumentiert. Ein Scouten mit Handinstrumenten war nicht notwendig. Der Verlauf der Kanäle ja bereits bekannt.

Benutzt man zudem noch die Spanräume seiner Instrumente als Informationsträger, kann man seine Annahmen zum Kanalverlauf und der Lage der Kommunikation überprüfen. Der in den Spanräumen gefangene Debris gibt Auskunft darüber, wo das Instrument formatfüllend Wandkontakt hatte.

Auch ist das Wissen darüber, welche Aufgaben zu lösen sind, hilfreich, um das Behandlung-Setup perfekt vorbereiten zu können.  Meine Mitarbeiterinnen konnten alles vorbereiten, was im Verlauf der Behandlung zum Einsatz kommen würde.

Squirting-Technik für die tiefe Aufgabelung in D,  laserunterstützte Irrigation bei tiefer Konfluation von MB, MM und ML. Hyflex-Instrumente für die gekrümmten mesialen Kanalsysteme. Da das DVT präoperativ angefertigt wird, konnte sogar der Kostenplan die spätere Behandlungssituation exakt abbilden.

Auch wenn es einer gewissen Romantik entbehrt, zu wissen, was nach der nächsten Kurve kommt, vermisse ich das Fahren „ohne“ nicht eine Sekunde.

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 7

An diesem Lied gibt es nichts, was nicht perfekt wäre.
Bis ins kleinste Detail.

Jede einzelne Note, Jede Instrumentierung, jede Phrasierung, der Text, der Sound, die Ausführung. Im Video erfährt man etwas über die Entstehung.

Es geht nicht besser.
1974.
England.

10cc – I m not in love.
Queen – Bohemian Rhapsody.

Jetzt Du, 2019 ?

Wie bin ich drauf gekommen ?

Weil ich letzte Woche bei Jacob Collier dieses Lied hier gefunden habe.

Moon River.
Dessen Anfang in Colliers Version dieses All Time Favorite frappant an 10 CC erinnert.
Eine „Wall of Voices“.

Und eine Interpretation, die eigenständig neben dem Original bestehen kann.
Welches natürlich legendär ist. Die Eingangssequenz des Hollywood – Films „Frühstück bei Tiffany“. Henry Mancini der Komponist. Truman Capote der Storyteller. Blake Edwards der Regisseur. Audrey Heburn als Holly Golightly. Im Kleid von Givenchi. Die im Film selbst das Lied auf der Gitarre begleitend interpretiert. Und eine Stadt, die, man betrachte nur die Kamerablicke 5th Avenue Ecke 57th damals wie heute fasziniert.

Aber zurück zu 10 CC.

Am bekanntesten vermutlich war 10 CC neben I m not in love durch Dreadlock Holiday. Das war 1978.

Von „I m not in love“ gibt es eine relativ neue Live- Version von 2011.

So sah das damals im Fernsehen aus.

Kaum zu glauben, das nur ein Jahr zuvor die Band mit irgendwas in der Mitte zwischen Bubblegum Pop und Glam Rock in den Charts zu hören war.

Da fällt mir natürlich sofort „The Sweet“ ein. Ballroom Blitz.

Und jetzt kann ich mich nicht entscheiden.
Ballroom Blitz ruft mir The Knack in Erinnerung. My Sharona. Von 1979. War aber eigentlich damals aus der Zeit gefallene Musik. Die Jungs wurden im Übrigen als die neuen Beatles in der Musikpresse und vermutlich vom Bandmanagement hochgepusht. Wegen der ausgefeilten Chorgesänge. War von Beginn an peinlich der Vergleich, das hatten die Jungs eigentlich nicht verdient, auch wenn es bei zwei Hits (der andere war „Good Girls don´t“) geblieben ist. Egal, „My Sharona“ ist ein Meisterwerk, bei seinem Erscheinen aussergewöhnlich, aber ein Hit von vielen, heute, gereift wie guter Whiskey ein perfekter geradliniger Rocksong.

Zurück in die frühen Siebziger zu dem anderen Act, den Ballroom Blitz bei mir aufblitzen lässt. T Rex. Marc Bolan Superstar. Musikbanalitäten, die sich sofort und für immer im Gehörgang festsetzen. Wer sonst hätte es sich leisten können, in „Hot Love“ die vermutlich bis heute längste Ausblende aller Zeiten in einem Hit unterzubringen. Was hätten wir von Marc Bolan (keine Ahnung, wie der andere Typ bei T Rex hiess – Hallo Google – aha – Steve „Peregrin“ Took) erwarten können, wenn er nicht viel zu früh bei einem Autounfall ums Leben gekommen wäre. Steve Peregrin überlebte ihn nur ein paar Jahre, er starb an einer verschluckten Cocktail-Tomate. Auch das typisch Siebziger.

In den Achzigern wurde Get it On gecovert von „The Power Station“, einer sogenannten Super Group, mit Robert Palmer Gesang, Tony Thompson am Schlagzeug und mit Andy und John Taylor von Duran Duran an Gitarre und Bass.

Und schon sind wir bei „Girls on Film“.
Die New Romantics.
Frühe Eighties.
Damit gings los für Duran Duran.

Dabei wollte ich eigentlich hier nur The Making of “ I m not in Love“ hier posten.
Aber so sind die Freitag Abend Youtube Video – Nächte eben.

Frontzahntrauma und die Folgen einer Nichtbehandlung

von Jörg Schröder

Der hellste Fleck auf der Wissens-Landkarte der meisten Absolventen eines deutschen Zahnmedizinstudiums – und hier schließe ich mich ausdrücklich ein – liegt unmittelbar nach Abschluss des Studiums meiner Meinung nach im Bereich der Behandlung traumatischer Zahnverletzungen. Im weiteren Verlauf der beruflichen Karriere macht das Thema „Trauma“, wenn überhaupt, nur einen verschwindend geringen Teil der praktischen Tätigkeit aus. Warum sich also auf diesem Feld weiterbilden?  Zudem gerät erworbenes Wissen recht schnell in Vergessenheit, wenn es nicht regelmässig angewendet oder aufgefrischt wird.

Die tägliche Praxis zeigt dabei immer wieder erschreckend auf, wie Untätigkeit oder ein unangebrachtes abwartendes Verhalten die Ausgangssituation für einen Zahnerhalt dramatisch verschlechtert. Ein alltägliches Beispiel dafür wurde vor kurzem hier vorgestellt.

Dabei handelt sich bei den betroffenen Zähnen oftmals nicht um einen 6-Jahr-Molaren, dessen Verlust kieferorthopädisch vorhersagbar ausgeglichen werden kann, sondern zumeist Oberkieferfrontzähne, genauer die Zähne 12-22. Die jungen Patienten im Alter von 6-10 Jahren werden durch ein oftmals der Unsicherheit oder dem fehlenden Wissen geschuldetem Abwarten um relativ gute Chancen beraubt, die manchmal unwiederbringlich verloren gehen. Das zur Verfügung stehende Therapiespektrum ist, bei einem zeitlich stark verzögerten Behandlungsbeginn, häufig sehr eingeschränkt und kompromissbehaftet.

So auch in nachfolgendem Behandlungsfall eines 7-jährigen Patienten.

Zahn 11 mit unkomplizierter Kronenfraktur und massiver Intrusion. Das Röntgenbild wurde am Unfalltag erstellt. Nach also loco erfolgter forcierter Reposition wurde der Zahn in mir und unbekannter Weise geschient.

Zwei Monate nach dem Trauma, die Schienung war nach 3 Wochen entfernt worden, zeigt sich folgendes Bild.

Nachdem eine vestibuläre, druckdolente Schwellung auftrat, erfolgte die Überweisung in unsere Praxis. Der Zustand des Zahnes stellt sich 3 Monate nach dem Unfall radiologisch so dar:

Neben einem im Vergleich zu Zahn 21 arretierte Wurzelwachstum und einer apikalen Aufhellung sind deutlich infektionsbedingte externe Wurzelresorptionen zu erkennen, die schon im Röntgenbild 2 Monate nach dem Trauma zu erkennen sind.

Die Ausgangssituation für einen erfolgreichen Erhaltungsversuch ist durch das Abwarten deutlich kompromittiert worden. Welche Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung?

Neben dem Versuch der Revitalisierungstherapie kommt, bei entsprechendem Entwicklungsstand der „Spenderzähne“,  eine autologe Zahntransplantation in Frage.

Doch was, wenn es bis dahin noch eine längere Zeit dauert? Ein weiteres Abwarten führt dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Zahnverlust mit allen damit verbundenen negativen Auswirkungen auf das Wachstum dieser Kieferregion.

Daher wurde den Eltern des jungen Patienten zunächst ein zweizeitiges Vorgehen im Sinne einer Revitalisierungstherapie mit dem kurzfristigen Ziel vorgeschlagen, die infektionsbedingte externe Resorption zu stoppen.

In der ersten Sitzung wurde nach Aufbringen eines palatinalen „Bauches“ aus Komposit der Zahn 11 eröffnet, das nekrotische Pulpagewebe entfernt und nach ausgiebiger Irrigation mit 1,5&-igem NaOCl eine aus einer Mischung aus Ciprofloxacin und Metronidazol bestehende medikamentöse Einlage eingebracht. Nach 2 Wochen wurde diese entfernt und nach Initiierung einer Blutung aus der apikalen Papille das Blutkoagulum mit MedCem abgedeckt. Abschliessend erfolgte der dentinadhäsive Verschluss mit Komposit.

Die Abdeckung des MedCem erfolgte mit Ultrablend, einem lichthärtendem CaOH2-Präparat. Dies erleichterte den adhäsiven Verschluss deutlich, ermöglicht es doch eine Absprühen der Phosphorsäure und ein Verblasen des Bondings ohne dabei Gefahr zu laufen, den MedCem herauszulösen. Allerdings ist der Röntgenkontrats des Ultrablend geringer als der der übrigen Materialien.

3 Monate nach Abschluss der Behandlung erscheint zumindest das Zwischenziel in Reichweite zu liegen. Die externe Resorption scheint nicht weiter voranzuschreiten. Die apikale Aufhellung ist in Rückbildung begriffen. Klinisch ist der Zahn vollkommen beschwerdefrei. Der Klopfschall erscheint physiologisch. Die Beweglichkeit, erstaunlich für mich, nur minimal erhöht.

D

Kurz belichtet – Ausgeheilt ! „Trotz“ Puff

Von Bonald Decker

Hier ein Revisionsfall mit Nachkontrolle nach 3 Jahren von uns.

Zahn 46; zweizeitige Behandlung, med. Einlage Ca(OH)2, warm-vertikale Verdichtung von Guttapercha & Epoxidharz-Sealer; adhäsiver Verschluss der Zugangskavität, Behandlungsdauer insgesamt 2 1/2h.

Ausgeheilt trotz Puff.001

Alio loco angefertigtes Ausgangsröntgenbild

 

Ausgeheilt trotz Puff.002

Revision a la „Schröder-Hedströmtechnik“

Ausgeheilt trotz Puff.003

Mess- bzw. Masterpoint-Röntgenaufnahme

Ausgeheilt trotz Puff.004

WF-Kontrolle nach Downpack und erstem Backfill (Sealer:AH plus)

Ausgeheilt trotz Puff.005

Post-operative Situation

Ausgeheilt trotz Puff.006

3 Jahre post-operativ

 

„Trotz“ des für meinen Geschmack „zu gross“ ausgefallenen Sealer-Puffs mesial ist die vormals ausgeprägte apikale Parodontitis ausgeheilt…

zur Freude aller Beteiligten

Jetzt noch besser ! Zuhause ! Mit Ton !

Demnächst an dieser Stelle bei WURZELSPITZE Plus.

Ein Traum wird wahr ?
Vielleicht.

Wäre es nicht schön ?
Fachvorträge vom Sofa aus. Ohne das Haus verlassen zu müssen.
Wann immer man Zeit und Lust dazu hat. Das kann zwar reale Fortbildungstreffen nicht ersetzen (und ist deshalb auch nicht unser für 2020 angekündigter geheimnisvoller Count Down-Event). Aber ist vielleicht eine sinnvolle Ergänzung.

Und deshalb- lange lange schon gehegte Idee – wer fliegt schon gerne wegen eines Vortrages für 4 Tage nach USA, wenn er nicht muss – wollen wir das mal angehen, versuchen.

Den Anfang macht diese Woche noch Jörg Schröder.
Mit einem Vortrag über Recalls in seiner Praxis. 20 Minuten aus der Praxis für die Praxis.

Und dann sind wir gespannt auf das Feedback.
Wenn die Idee ankommt, werden wir das immer mal wieder machen.
Vielleicht sogar interaktiv.

Für Alle bei WURZELSPITZE Plus.
Zum Zuschauen. Teilnehmen. Austauschen. Lernen.

Fast 15 Jahre im Recall – Zahn 36 (3)

Heute möchte ich noch einen Fall, den wir länger nachuntersucht haben, vorstellen.
Der Zahn 36 verursachte 2005 Beschwerden. Die Patientin gab an, daß er aufbiß- und druckempfindlich ist. Die Sondierungstiefen waren nicht pathologisch erhöht und der Lockerungsgrad war 0. Die Erhaltung des Zahnes 36 war der Patientin sehr wichtig. Das Implantat als Alternative möchte die Patientin noch vermeiden.

Wir haben uns nach eingehender Beratung und Risikoeinschätzung mit der Patientin zum Erhaltungsversuch entschieden.
Unsere Diagnose: P. apicalis, Z.n. Wurzelkanalbehandlung mit Stiftinsertion mesial und distal.

2005 waren Ultraschallansätze nicht so entwickelt, wie derzeit. Unser damalig wichtigstes Stiftentfernung-Set war der Ruddle Post Remover. Ultraschallansätze kamen zusätzlich zur Anwendung.

Dadurch, daß es sich um geschraubte Stifte handelte sahen wir der Aufgabe in diesem Fall als lösbar an und rechneten nicht mit Problemen.                                                                                                                                                                                                          Hier das Ausgangsbild.
Wie sehen Sie die Prognose?

Dong Saeng

„Dong Saeng“ ist koreanisch und bedeutet kleiner Bruder.
So habe ich intern in unserer Praxis das neue EQ – S- Gerät der Firma Meta Biomed getauft.

Kleiner Bruder des VDW Eddy ?
Des Endo – Aktivators ?
Unseres Morita AdvErL Evo Lasers ?

Damit wäre schon mal ein Hinweis gegeben, worum es sich beim Dong Saeng handelt.
Ein Gerät zur Aktivierung von endodontischen Spülflüssigkeiten.

Ein kabelloses Gerät wohlgemerkt, das sich ideal in unseren endodontischen Workflow integrieren liesse, denn mittlerweile ist fast alles in diesem Zusammenhang frei von störenden Zuleitungen und damit optimal für das Arbeiten unter dem OP – Mikroskop abgestimmt.

Das große Aber ?

Die bisherigen Anwärter enttäuschten auf ganzer Linie.
Zunächst der Endo- Aktivator, großmündig als Tsunami für den Wurzelkanal angepriesen. Unser Exemplar, dem Hörensagen nicht das einzige, zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass auch bei Nichtbenutzung eine Batterieentladung stattfand. Worst Case ? Freitag mittag für den letzten Patienten die Batterie gewechselt, Montag morgen beim ersten Patienten kein Strom.

Und das Spülergebnis ?
Für mich ein Gerät, das dem Behandler ein gutes Gefühl vermittelt.
Man tut was.
Offensichtlich. Es blubbert in der Kavitiät.
Was aber vom beschworenen Tsunami im Wurzelkanal wirklich ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Wir sind, nach vielen Jahren des zufriedenen Arbeitens mit unterschiedlichen Prototypen seit dessen Markteinführung zum VDW Eddy gewechselt.

Nachteile ?
Kabelgebunden (kann man mit leben), Kavo Airscaler notwendig, Preis für die Einmal-Ansätze (ich sag mal „ambitioniert“) und- für mich am frustransten – Bruchrisiko der dünnsten Spitzenanteile.

Vor 4 Jahren ergab sich dann die Möglichkeit, ein kabelloses, akkubetriebenes Ultraschallgerät zur Spülung im Wurzelkanal zu testen. Den Namen behalte ich für mich, weil das Ergebnis einfach unterirdisch war. Nicht mal geschenkt hätte ich diese „Maschine“ in unserer Praxis eingesetzt. Schade, aber leider frustrane Realität. 2 Jahre später kam einer meiner WURZELSPITZE – Mitstreiter unabhängig von mir zum gleichen Ergebnis.

Der Traum vom optimalen Workflow der Spülflüssigkeitenaktivierung schien ausgeträumt. Daran ändert auch die Verwendung des Morita AdvErL Evo Lasers in unserer Praxis nichts. Denn die Schwanenhalsführung der Glasfaserzuleitung ist zwar vom Handling her wesentlich besser als die alternativ verwendete Spiegelarm-Variante des Mitbewerbers (einfach mal auf Fachmessen im Vergleich testen, wir hatten über ein Jahr hinweg beide Geräte side by side in der Praxis), aber das bodenständige, rollenbestückte Gerät am Ende und der genau festgelegte und damit limitierende Radius der Arbeitsräume des de facto festgebundenen Handstücks beschränken die gewünschten ergonomischen Freiheiten.

Auf der IDS 2019 hatte ich dann zum ersten Mal den EQ- S der Firms Meta Biomed in Händen. Im Grunde eine batteriebetriebenen Schallzahnbürste mit einer weichen flexiblen Spülspitze als Einmalartikel. Letztere aus Kunststoff oder Silikon, bislang keine Angaben vom Hersteller diesbezüglich, ich liefere die Info nach.

Kein „rocket science“ eigentlich, aber das Beispiel Endo-Aktivator hatte ja gezeigt, das die Tücke im Detail steckt.

Im Messestand bedingten In Vitro-Reagenzglas in Form eines IKEA – Wasserglases sah das vom EQ-S erzielte Verwirbelungsergebnis schon mal überraschend gut aus.

Grund genug, das Meta Biomed EQ-S in unserer Praxis auszuprobieren.

Und dort funktioniert seitdem das Gerät so gut, dass es in unseren Standard – Workflow integriert wurde.


Hier die wichtigsten Eckpunkte: Es spült. Augenscheinlich. Quirlig. Das sollte selbstverständlich sein, war es aber in der Vergangenheit bei 2-3 mal so teuren Geräten nicht. Von der Intensität her vergleichbar dem Endo- Aktivator. Aus der Erinnerung heraus geschrieben. Ich hätte ja gerne beide Geräte Seite an Seite miteinander verglichen, aber unser Endo- Aktivator ist kaputt. Durch den fortwährend notwendig werdenden Batteriewechsel ging nach vergleichsweise kurzer Zeit das dünnwandige Kunststoffgehäuse zu Bruch, es bekam einen Riss im Bereich des Batteriedeckels.

Der Eddy ist natürlich eine ganz andere Hausnummer, was die Spülwirkung angeht.
Hier wäre meines Erachtens das Wort Tsunami wesentlich eher angebracht als bei unseren beiden zweckentfremdeten Schallzahnbürsten. Allerdings birgt er aber auch, wie schon vorab beschrieben, die Gefahr des Bruchs der Spülspitze. Welche dann möglicherweise so ungünstig im Wurzelkanal eingeklemmt sich darstellt, dass eine Entfernung des Fragments nicht möglich ist. Was im Übrigen auch passieren kann, wenn man die üblichen Sicherheitsvorkehrungen befolgt. Den Eddy nie frei im Raum schwingen lassen und immer nur aus dem Kanal heraus arbeiten, niemals nach unten in den Kanal hinein vordringen, solange die Spitze aktiviert ist. Und mit einem Tip Snip den dünnsten Teil der Spitze abschneiden (der Apikalen Master-Feile vom Durchmesser her angepasst kann so auch ein versehentliches apikales Überinstrumentieren sicher vermieden werden) hat sich auch als sinnvolle Spitzenbruchprophylaxe erwiesen.

Das Gute am EQ-S ist, es bedarf dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht. Im Gegenteil. Der Spitzenansatz ist unkaputtbar. Bis heute ist keine einzige Spitze gebrochen, geschweige denn eingeklemmt im Wurzelkanal zurückgeblieben. Man kann sogar aktiv in die Kanäle vordringen. Die flexible Spitze leicht vorgebogen sucht sich von selbst ihren Weg in alle Wurzelkanäle, man muss die Spitze während des Spülvorganges nur so ungefähr in Kanalrichtung platzieren und merkt dann am Vordringen, wie das EQ- S seinen Weg nach apikal findet. Im aufbereiteten Kanal wohlgemerkt, nur das keine Missverständnisse auftauchen. Ebenso unverwüstlich scheint die Batterie. Wir arbeiten seit März 2019 mit dem Gerät und mussten bislang nur 2 mal die Batterie wechseln. Die Spülspitzen (in 3 Größen 15, 25 und 35 erhältlich, wir nutzen meist 35, seltener 25, 15 nie) sind deutlich günstiger als beim VDW Eddy-System. 30 Spitzen für das EQ-S kosten 45 Euro + MWS.

Alles in Allem hat uns das Meta Biomed EQ-S Gerät positiv überrascht.
Es hat seinen Platz in unserem endodontischen Arbeiten gefunden.
Den Eddy, den wir trotzdem nicht missen wollen, nutzen wir nur noch im Rahmen der Entfernung von pastösem Calciumhydroxid aus dem Wurzelkanal. Vor Wurzelkanalfüllung. Für die Spülung der Wurzelkanäle im Rahmen der Wurzelkanalaufbereitung kommt bei uns ergänzend zum Morita AdvErL Evo Laser nun das EQ-S zum Einsatz. Das Schöne ist, der Blick muss dabei auch beim vierhändigen Arbeiten nicht vom OP- Mikroskop weggewendet werden. Der Gerätewechsel vom Aufbereitungshandstück zum EQ-S und zurück geht innerhalb einer sprichwörtlichen Sekunde. Ein bedeutsamer, im Praxisalltag als sehr angenehm empfundener ergonomischer Vorteil.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen. Dem Autor wurde ein EQ-S- Gerät und 30 Spülspitzen für den Praxistest kostenlos zur Verfügung gestellt.

Hedströmfeile, eine Hassliebe!

von Jörg Schröder

Hedströmfeilen laden geradezu dazu ein, sie nicht so zu benutzen, wie es eigentlich vorgesehen ist. Anstatt einer reibenden Auf- und Abbewegung schreit sie geradezu danach durch rechtsdrehende Bewegung in Richtung Apex bewegt zu werden.

In der Folge treten insbesondere in Kombination mit der Mehrfachnutzung der Wurzelkanalinstrumente Instrumentenfrakturen auf, die sowohl durch Ermüdung als auch durch Tip-Lock entstehen. Und dies Fragmente zu entfernen ist in der Regel kein Vergnügen, da sie regelrecht in den Wurzelkanal eingebolzt wurden.

Verzichtet man darauf, mit Hedströmfeilen Wurzelkanäle erweitern zu wollen, leisten sie beim Entfernen vorhandener Wurzelfüllmassen aus Guttapercha jedoch hervorragende Dienste.

Dabei sollten ein paar Hinweise beachtet werden:

  1. Der gewählte Durchmesser  der einzusetzenden Hedströmfeile muss immer kleiner sein, als der apikale Durchmesser des zu entfernenden Guttaperchapoints.
  2. Bei sehr fester Guttapercha empfiehlt es sich, die obere Hälfte der Guttapercha zu entfernen, um die mögliche Friktion des zu entfernenden Restes zu verringern.
  3. Sind lateral Spalten zwischen Kanalwand und Guttapercha vorhanden, können diese als Weg des geringsten Widerstandes zum Eindrehen der Hedströmfeile gewählt werden.
  4. Gibt es keine laterale Spalten, wird eine Hedströmfeile kleinen Durchmessers (ich beginne sehr häufig mit einer Hedströmfeile ISO 20) zum Tunnelieren der Guttapercha benutzt.
  5. WICHTIG: Die Hedströmfeile unter endometrischer Kontrolle bis zum physiologischen Foramen (ELM 0,0) hineinbewegen. Eine kürzere Eindrigtiefe birgt die Gefahr des Abreißens des apikalsten Guttaperchastückes. Sollte dies Passieren, ist das Risiko eines unabeabsichtigten Verbringen nach periapikal sehr groß.
  6. Nach Erreichen der gerade beschriebenen Eindringtiefe kann zunächst mit Fingerzug versucht werden, die Hedströmfeile nach koronal herauszuziehen.
  7. Ich benutze  dazu fast immer eine über die Fläche gebogene Arterienklemme. Diese wird nach Verschieben des Silikonstopps so angesetzt, dass sie die Hedströmfeile direkt am Rand der Zugangskavität fasen kann.
  8. WICHTIG: Die Arterienklemme immer bis zur letzten Raste arretieren!
  9. Rutscht die zuerst gewählte Hedströmfeile aus der Guttapercha heraus, so wiederholt man die Prozedur mit der nächst größeren Hedströmfeile. Da die Eindringtiefe bekannt ist, kann die Mitarbeiterin die jeweils nächste Hedströmfeile auf die gewünschte Länge voreinstellen.
  10. WICHTIG: Der Versuchung widerstehen, einen Durchmesser zu überspringen. Wichtig ist die korrekte Auswahl des ersten einzusetzenden Instrumentes.
  11. WICHTIG: Immer fabrikneue Instrumente einsetzen und diese nach Benutzung verwerfen. Ist das Vordringen insbesondere von Feilen der Größe ISO 20 und 25 sehr schwierig, die Instrumente unter dem Mikroskop herausdrehen und auf Verdrillenden und Formveränderungen achten. Im Zweifel Instrument verwerfen. Kostet zwar ein wenig Geld, spart aber Zeit, weil man kein Fragment entfernen muss.

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 6

Über Marc Craney, den Ausnahmedrummer von Gino Vanelli habe ich schon (hier) berichtet.

Und wollte im heutigen Beitrag weitere hervorragende Schlagzeuger, alte und junge, legendäre und unbekannte vorstellen. Und auf einen hervorragenden Musikfilm hinweisen.

Aber ich bin vom Thema abgekommen im Laufe des Abends. Und so ist diese Episode gefüllt mit jungen Ausnahmetalenten.

Legen wir los.
Mit diesem japanischen Mädchen, zum Zeitpunkt des Videos 12 Jahre alt.
Sie treibt vermutlich 98 Prozent aller Schlagzeuger auf der Welt Tränen in die Augen.
Entweder vor Rührung über so viel Können oder aus Frust vor der Erkenntnis, das man nach vielleicht 30 Jahren Spielpraxis nicht annähernd eine solch eine Präzision, Kreativität und so viel Rhythmusgefühl erlangt hat wie Kanade Sato.

Gehts noch jünger ? Dieser kleine Musiker ist 4 Jahre alt. Und was der hier (Man denke dran, in dem Alter sind viele Kinder nicht in der Lage, aus Bauklötzchen einen Turm zu bauen) abliefert, ist einfach unglaublich.

Instrumentenwechsel. Stromgitarre.

Room 335. Larry Carlton. Gitarrengott.

Einer der gefragtesten Studiogitaristen der 70er und 80er. Sein Gitarrensolo zu Kid Charlemagne (wir werden später uns dem eingehend widmen) stand lange Zeit in der Top 5 der besten Gitarrensoli aller Zeiten in der Bestenliste des „Rolling Stone“.

Jess Lewis brilliert. Mit 17. Musikalität und Swing – 10 Punkte.

Und noch ein ganz junger Gitarren-Gott, dem die Musikalität offensichtlich in die Wiege gelegt wurde. Toby Lee. He´s got the Blues ! Mein Favorit „Long Train Running“ von den Doobies.

Wie wäre es mit Gesang ?

Jacob Collier.

Zu Beginn.

und heute.

Und da wäre noch der Wechsel ins Klassikfach. Mein Favorit. Aimi Kobayashi. Mit 4 Jahren.

Mit 7 Jahren. Und einer unglaublichen Leichtigkeit.

Mit 14 Jahren. Waldstein- Sonate ! Nicht Für Elise.

Chopin -Wettbewerb. Erst Trifonov. Jetzt Kobayashi. Was wohl in den Köpfen der Jury – Mitglieder vorgeht. Aber darin hat dieser Wettbewerb eine lange Tradition. Das war schon zu Zeiten Pogorelichs und Marta Argerich so und das (aus dem Gedächtnis heraus) war in den frühen 80ern.

Neue Rubrik: Der maligne Patient

Das kennen wir doch Alle.
Es gibt diese IMMER BESONDERS fordernden Patienten.

Und man schon Magenschmerzen bekommt, wenn man nur zufällig den Namen am Telefon hört. Die man mit Samthandschuhen anfasst, Ihnen jeden Wunsch (Ich möchte aber morgens immer als Erstes drankommen, damit ich nicht warten muss, würden Sie bitte die Musik ausmachen, ich hab mich bei Ihnen das letzte Mal erkältet, wegen der Klimaanlage, ihr Behandlungsstuhl ist sowas von unbequem, ich brauch eine Kissen und eine Nackenrolle) erfüllt, man peinlichst drauf bedacht ist, denen alles recht und vor allem in der Sache besonders gut zu machen und die einen trotzdem dann nach der Behandlung in die Pfanne hauen.

Die wollen wir hier bei WURZELSPITZE Plus vorstellen.

Drüber sprechen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Was man tun kann.
Damit man gut aus der Sache rauskommt und so etwas in der Zukunft nicht oder zumindest nicht mehr so leicht passiert.

Klar demnach: Diese Rubrik lebt von den Kommentaren der WURZELSPITZE Plus – Leser ! Weint mit uns ! Lacht mit uns ! Ballt mit uns gemeinsam die Fäuste !

Revitalisierung bzw. Regenerative Endodontie (I)

Von Bonald Decker

 

Über regenerative Maßnahmen in der Endodontie (vormals Revitalisierung) ist auf WURZELSPITZE in den letzten Jahren viel berichtet worden (u.a. hier I, II; III)

Unsere Erfahrungen mit diesem Vorgehen sind in der Mehrzahl der Fälle überaus positiv.

Hier einige unserer Fälle in der längerfristigen Nachkontrolle.

RET Behandlungen Muc.001RET Behandlungen Muc.002RET Behandlungen Muc.003RET Behandlungen Muc.004RET Behandlungen Muc.005RET Behandlungen Muc.006

Unser Protokoll ist seit vielen Jahren gleichgeblieben und folgt den Empfehlungen der ESE.

Geändert hat sich, dass wir seit einiger Zeit Biodentine statt MTA verwenden. Unsere Erfahrung damit ist, dass sich hierdurch die unschönen Verfärbungen vermeiden lassen… mehr dazu demnächst.

Hier ferner noch ein interessanter Artikel zu möglichen Gründen für Misserfolge der Technik

Regenerative Endodontics- A Systematic Analysis of the Failed Cases

Ausgeprägte Aufhellung bei UK-Prämolaren – Recall nach 12 Monaten

Von Bonald Decker

Ende Oktober diesen Jahres hatte ich hier über die Revision dieses Prämolaren berichtet:

Apikale PA mit Knochenfistel 1 Jahr post op.001

Was ich Ihnen damals vorenthalten hatte waren die Informationen des im Vorfeld angefertigten DVTs der Region…

es zeigt eine Art „Knochenfistel“ wie ich es in dieser Form bisher noch nicht kannte.

voila:

Vor zwei Tagen war der Patient zur 1-Jahres-Nachkontrolle bei uns.

Der Heilungsprozess stellt sich weiterhin sehr positiv dar.

Apikale PA mit Knochenfistel 1 Jahr post op.001

Apikale PA mit Knochenfistel 1 Jahr post op.002

Patient und Behandlerteam sind mehr als zufrieden. Wieder ein Zahn, den wir dem Patienten erhalten konnten.

Bereits 2008 hatten wir die Zähne 17 (Revision) und 18 (Primärbehandlung) endodontisch therapieren dürfen.

Apikale PA mit Knochenfistel 1 Jahr post op.003

Hier das letzte OPG aus der Zuweiserpraxis von 2018…

Apikale PA mit Knochenfistel 1 Jahr post op.004

Ich „liebe“ die Endodontologie, da diese Tätigkeit in meinen Augen die beste vertrauensbindende Maßnahme in der gesamten Zahnheilkunde darstellt.

 

E N D O    R U L E S

 

:-)

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 8: „MISCHKALKULATION!“

Mischkalkulation.

Den Begriff hat sicherlich jeder Zahnmediziner in eigener Praxis im Zusammenhang mit der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen schon vernommen. Nämlich immer dann, wenn eine Behandlung wesentlich mehr Zeit in Anspruch nahm, als vom dafür in Frage kommenden Gebührenrahmen her vorgesehen.

„Lohnt sich nicht!“ würde Benno, mein Freund, der Landmetzger sagen. „Mach ich nicht !“

„Interessiert die nicht!“ entgegne ich.
„Die“ das sind Krankenkassen, die KZV und Zahnärztekammern. Sogar in der Sache befragte Gerichte antworten diesbezüglich unisono. Und zwar wie folgt, ich zitiere von der Homepage der KZV Berlin:

Daneben endet die Behandlungsverpflichtung ebenfalls dann nicht, wenn Leistungen nicht kostendeckend erbracht werden können. Hier hat das Bundessozialgericht unmissverständlich klargestellt:

„Dem Zuschnitt der vertragsärztlichen Vergütung insgesamt liegt eine „Mischkalkulation“ zugrunde. Dieses bedeutet, dass es durchaus Leistungen geben kann, bei denen selbst für eine kostengünstig organisierte Praxis kein Gewinn zu erzielen ist.“

Es liegt in der Natur der Sache, das bei einem vorab festgelegten Honorar für eine Leistung, wie es nun mal in der Gebührenordnung für Zahnärzte, die Behandlung gesetzlich Krankenversicherter betreffend festgelegt ist, beim Überschreiten des hierfür vorgesehenen Zeitrahmens besagte Behandlung unwirtschaftlich wird. Man denke nur an eine schwierige Extraktion, die statt vorgesehener 15 Minuten 75 Minuten in Anspruch nimmt. Hätte das Bundesozialgericht lediglich darauf hingewiesen, dass in solchen Fällen die Behandlung eben nicht nach besagter Zeit abgebrochen werden darf, sondern der Patient weiter, zu Ende behandelt werden muss, unter Berufung auf die Verpflichtung als Kassenzahnarzt, dann wäre nichts dagegen einzuwenden.

Man sprach aber von einer „Mischkalkulation“. Und tut dies regelmäßig.
Immer wieder.
Seit vielen Jahren nun schon.

Was aber genau ist das ?
Eine Mischkalkulation ?

Diese ist wie folgt definiert (der Einfachheit halber und zum Nachlesen aus Wikipedia entnommen):

Unter einer Mischkalkulation (auch Ausgleichskalkulation genannt) versteht man eine Kalkulation, bei der die Verkaufspreise für einzelne Produkte nicht von den Herstellkosten, sondern von marktstrategischen Absichten bestimmt werden.

Man erwartet dabei in der Regel, dass die geringeren Gewinne oder sogar Verluste, die mit einigen dieser Produkte erzielt werden, durch entsprechende höhere Gewinne anderer Produkte ausgeglichen werden, so dass insgesamt ein akzeptabler Deckungsbeitrag erreicht wird.

Mischkalkulation kann dem Zweck dienen, die Preisgestaltung zu vereinfachen oder neue Zielgruppen zu erschließen, häufig wird damit aber auch das Ziel verfolgt, Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, die aufgrund anderer Kostenstrukturen keine entsprechende Mischkalkulation anbieten können.

Beispiele
Flatrates basieren meist auf einer Mischkalkulation. Intensive Nutzer verursachen mehr Kosten als Einnahmen, man erwartet jedoch, dass viele Nutzer mit geringerer Nutzung diese Verluste überkompensieren. Ein anderes Beispiel sind die verschiedenen Fruchtjoghurt-Sorten eines Herstellers, die trotz unterschiedlicher Preise für die Obstsorten zu einem einheitlichen Preis verkauft werden.

Wer diese Definition liest, dem wird klar, dass der Begriff „Mischkalkulation“ im Bezug auf die Honorarsituation in der Zahnmedizin fehlgedeutet ist. Ich möchte diesbezüglich auf 3 Aspekte näher eingehen, um diese Fehlbenennung zu verdeutlichen:

  1. Mischkalkulation ist ein Begriff aus der Wirtschaft und dient ganz offensichtlich dazu, neue Kunden zu gewinnen oder neue Märkte zu erschliessen.
    Sie ist ein bewußt und gezielt eingesetztes Werkzeug zur Umsatzsteigerung und ihr liegt in der Regel eine genaue Kalkulation zugrunde. Das Beispiel MEDIA MARKT mit seinen Lockangeboten „Ich bin doch nicht blöd“ ist sicherlich Jedem geläufig. Die entsprechenden Prospekte überbieten sich mit besonders günstigen Angeboten, Fernseher, Computer, Smartphones oder Kaffeemaschinen betreffend. Es gilt, neue Kunden zu werben, Bestandskunden zu binden und/oder diese zu vermehrten Käufen zu bewegen. Beides trifft auf die Zahnmedizin nicht zu. Zum einen ist der Patient, der bei uns auf dem Stuhl liegt, fast nie ein neuer Patient, den ein Werbebanner mit der Aufschrift „Geiz ist geil“ geradewegs zu uns in die Praxis geführt hätte. Vielmehr ein Patient, der zum Teil schon viele viele Jahre zu uns kommt. Zum anderen habe ich noch keinen Patienten erlebt, den ich mit einem „zahl 2, nimm 3“ davon überzeugen konnte, sich noch eine zusätzliche Füllung in den kariesfreien Nachbarzahn applizieren zu lassen.
  2. Sogenannte Mischkalkulationen sind zeitlich und von der Stückzahl her begrenzt. Das weiss jeder, der schon mal das Pech hatte, wegen der günstigen Thermomix -Clon-Küchenmaschine statt um 8 Uhr erst um 10 Uhr in der lokalen ALDI-Filiale zu erscheinen. Und man wird keinen Media-Markt finden, in dem das vor Weihnachten zum sensationell günstigen Preis im Prospekt beworbene Ipad auch am 27. Dezember noch zum Schäppchenpreis zu haben sein wird. Diese extreme zeitliche und stückzahlenmäßige Begrenzung (ich wollte neulich im KAUFHOF einen im Prospekt beworbenen gusseisernen Kochtopf einer bekannten französischen Marke erstehen, es waren nur 2 Töpfe überhaupt ausgeliefert worden) gibt es in der Zahnmedizin nicht.
  3. Ebenso wenig wie die Entscheidung, welche Leistung zu welchem Preis ich dem Patienten vergünstigt anbiete, in die Hände des Zahnarztes selbst gelegt wird.

Was als Mischkalkulation bezeichnet wird, ist demnach nichts anderes als die Verwendung von Lockangeboten. Um, wie oben beschrieben, neue Märkte zu erschließen, neue Kunden zu gewinnen oder den Mitbewerber aus dem Geschäft zu drängen. Zeitlich klar limitiert, genau kalkuliert und mit der entsprechenden Kompensation über Zusatzgeschäfte versehen.

Ganz anders bei uns: Jedes Mal, wenn wir zu lange brauchen für eine besonders schwierige Arbeit oder weil wir uns besonders viel Mühe geben, um ein besonders schönes Ergebnis zu erzielen, jedes Mal dann kommt die Preisunterdeckung zum Vorschein. Dieses Szenario ist auch nicht an einen bestimmten Patientenkreis gebunden. Nicht zeitlich begrenzt (vor Weihnachten oder am Geburtstag des Zahnarztes oder Patienten). Und kommt auch nicht nur bei bestimmten Leistungen zur Anwendung. Es ist mir auch nicht gestattet, kompensatorisch die Preise anderer BEMA – Leistungen anzuheben.

Daher sehe ich als einzige Situation, unsere Praxis betreffend, wo ich ein solches Szenario als zutreffend mir vorstellen könnte, das Erstgespräch, die Erstuntersuchung eines neuen Patienten. Hier investieren wir viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen und den Patienten dazu zu bewegen, unserer Therapieoption zu folgen. Viel Zeit, die mit der Gebührenposition ä1 in keinster Weise abgegolten ist. HIER tun wir dies intentionell. Auf einen bestimmten Kundenkreis beschränkt. Mit Gewinnabsicht.

Ansonsten haben wir es doch hingegen mit Arbeitssituationen zu tun, die nichts, aber auch gar nichts mit besagter Mischkalkulation zur Kundenaquise zu tun haben. Ganz abgesehen davon, dass wir keine Werbung für neue Patienten benötigen, handelt es sich bei besagter „Mischkalkulation“ ausnahmslos um Situationen, in denen die von uns geleistete Arbeit nicht ihrem Zeitrahmen entsprechend ausreichend bezahlt wird. Konkret bedeutet das: Für jede zu erbringende Arbeit steht ein genau festgelegter Zeitrahmen zur Verfügung.

Überschreitet wir diesen, so ist die gesamte zusätzlich geleistete Arbeitszeit kostenlos zu erbringen. Jede Füllung, jede Endo, jede Kronepräp oder Osteotomie, die länger dauert als vom BEMA zugestanden, zahlen wir Behandler aus der eigenen Tasche.

Und nur damit wir nicht aneinander vorbei reden.
Das keine Mißverständnisse aufkommen.
Ziel des „Tag für Tag morgens im Dunkeln aufstehen und abends im Dunkeln nach Hause kommen“ ist es, Geld zu verdienen.

DAS nennt sich ARBEIT.

Ziel dessen ist es nicht, umsonst zu arbeiten.
Sondern nicht umsonst zu arbeiten.


Das würde, wenn wir freiwillig und umsonst es tun würden, sich Spass nennen.
Wir nennen uns aber Arbeiter.
Nicht Spasser.
Sie verstehen was ich sagen möchte.
Wer arbeitet, ohne Kohle dafür zu bekommen, ist entweder ein naiver Depp oder er tut das nicht lange.
Sicherlich nicht dauerhaft.
Und schon gar nicht ein ganzes Arbeitsleben.
35 oder 40 oder bald noch mehr Jahre lang.

In keinem einzigen Fall möchte irgendjemand bei der Arbeit umsonst seinen Dienst verichten.
Niemand.
Keine Person die ich kenne, möchte zu Arbeit gehen und NICHT Geld dafür bekommen.

Jeder, den ich kenne, geht zur Arbeit UM Geld zu verdienen.
Sonst würde er nämlich zu Hause bleiben.

Denkt man das von Gerichts wegen abgesegnete Szenario im Übrigen konsequent zu Ende, wird der ganze Wahnsinns des Systems offenkundlich: Eine erbrachte Behandlung, die ihrem zeitlichen und materiellen Aufwand entsprechend unterbezahlt ist, wird als korrekt honoriert bezeichnet, weil es ja andere Behandlungen gibt, mit denen man noch Geld verdient. Folgt man dieser Argumentation, so beschränkt sich dies nicht auf eine einzige Honorarposition. So könnte ja auch eine gesamte Behandlungssituation (nehmen wir beispielhaft die Endodontie) defizitär bleiben, gibt es ja andere Behandlungen wie zum Beispiel die Parodontologie, die gewinnerbringend durchgeführt werden kann. Auf die Spitze getrieben würde man argumentieren können, dass, solange es noch irgendeine Leistung gibt, mit der in der Praxis Geld verdient werden kann, die Voraussetzungen für die Rechtmäßigkeit der gegenwärtigen Vorgehensweise gegeben sind. Man kann noch weitergehen. Theoretisch würde die Argumentationskette greifen, wenn es deutschlandweit nur noch eine einzige Praxis gäbe, die Gewinn erwirtschaften würde. Denn, wenn die Richter schon schreiben, dass selbst in optimal organisierten Praxen es zu Fehldeckungen kommen darf, dann impliziert die Verwendung dieses Ausdrucks doch bei häufiger vorkommenden finanziellen Defiziten, dass nicht die Sorgsamkeit des Arbeitens sondern der mangelhafte Workflow für die monitäre Problematik verantwortlich sein könnte. Da gibt es doch noch genug Praxen, die das hinkriegen. Oder zumindest die eine, die Leuchtturmcharakter hat. Das Gegenteil zu beweisen dürfte schwer fallen.

Zu überzogen, das Beispiel ?
Zu sehr auf die Spitze getrieben ?

Aber wo bitte schön würde die Grenze gezogen werden ?
Bei zehn Prozent unwirtschaftlicher Leistungen, bei 10 Prozent unwirtschaftlicher Praxen ?
Bei 30 %, bei der Hälfte aller Praxen, die nicht in der Lage sind, im vom BEMA vorgesehenen Zeitrahmen von 48 Minuten für die gesamte Molarenendo zu bleiben ?

„Wollen sie etwa sagen, dass ihre Kollegen eine schlechte Endo machen, nur weil diese im Gegensatz zu Ihnen keine 2,5 Stunden für die Behandlung benötigen ?“

Und schon sind wir wieder drin in der Unsäglichkeit der Argumentationspervertismus.

Denn das sind Sätze, ausgesprochen von den Kollegen in den Wirtschaftlichkeitsausschüssen, von den Standesvertretern der Zahnärztekammern. Deren Botschaft eigentlich sein müsste: Liebe Jugend, die so händeringend gesucht wird, um gerade auf dem flachen Land, in der Provinz die kurz vor dem Kollaps stehende ärztliche und zahnärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten, überlegt es euch gut, ob ihr zu diesen Bedingungen arbeiten wollt, für die jeder Handwerker, kopfschüttelnd oder laut lachend sich umdrehen und die Baustelle verlassen würde. Wir können es Euch nicht empfehlen. Studiert lieber was anderes, wo man Euch fair und nach Stückzahl entlohnt.

Warum nun gerade die Endodontie in unserer Praxis uns die Möglichkeit gibt, diesem Hamsterrad der Fremdbestimmung zu entkommen und eine aufwandgerechte Honorierung zu erzielen, darüber spreche ich in der nächsten Episode dieser Beitragsreihe mit dem Titel „ELEKTIONSVORTEIL„.