Siemens M1 Behandlungsstuhl als Ersatzteilträger ?

Nächste Woche geht unser letzter noch vorhandener SIEMENS M1- Behandlungsstuhl nach 25 Jahren in seinen verdienten Ruhestand. All die Jahre bis zum heutigen Tag (und sicherlich auch noch nächste Woche) wird er uns treu funktionierend zur Seite gestanden haben.

Und wenn die Firma SIRONA mit ein wenig Einfühlungsvermögen an seine Kunden als Partner auf Augenhöhe gedacht hätte, dann stände in unserer Praxis vielleicht demnächst ein Sirona-Stuhl der neuesten Generation. So macht die M 1 Platz für ihren Nachfolger aus dem Hause MORITA.

Aber vielleicht kann unser Stuhl ja noch einer anderen Praxis weiterhelfen ?
Als Ersatzteilspender oder wie auch immer ?

Irgendwie fände ich es schade, wenn der Stuhl nächste Woche auf Halde geht (bzw. vom Depot zurückgenommen wird), auch wenn es für uns natürlich das einfachste ist.

Bei Interesse bitte eine Email an h_w_h@gmx.de.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Recall und Verlauf eines endodontischen Falles

Das Anliegen Fälle über einen möglichst langen Zeitraum nach zu verfolgen möchten wir gern, soweit es möglich ist erfüllen. (Link)
In diesem Fall mussten wir nach 5 Monaten feststellen, daß keine Heilungstendenz erkennbar war. Die schwierige apikale Anatomie ließ uns zusammen mit wieder auftretenden Beschwerden aktiv werden.

Diese zeigten sich in einem Druckgefühl bei Berührung apikal vestibulär.
Weiterhin ist die Wanderung des Sealerpuffs „in“ die apikale Osteolyse zu beachten.

Und nun? Was wäre Ihre Entscheidung?

 

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Start der WURZELSPITZE Plus -Artikelreihe

Am Wochenende geht ´s los.
Der erste Beitrag der WURZELSPITZE Plus – Reihe geht auf Sendung.

Unter der Rubrik: „50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ werde ich berichten über meinen Weg vom engagierten Generalisten mit Spaß an endodontischer Zahnerhaltung hin zur auf Wurzelkanalbehandlung spezialisierten und limitierten Praxis.

Wer nun meint, diese Artikelreihe sei nur für den/die LeserIn wichtig, der die Spezialisierung für sich als konsequent, gar zwingend obligat erkannt hat, dem seien die Beiträge dennoch ans Herz gelegt.  Denn auch der/die generell an Endodontie interessierte BehandlerIn profitiert vom Niedergeschriebenen.

Wichtige Denkweisen werden beleuchtet, hilfreiche Schritte und Wege aufgezeigt. Die Diskussion im Nachgang vertieft die niedergeschriebenen Inhalte noch zusätzlich.

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 4)

Das mit dem Zahn 27 etwas nicht stimmt, erschliesst sich schon aus den angefertigten zweidimensionalen Röntgenaufnahmen.

3420_hg_panorama_20190522124635gh27-x-20190617-132911-xzb7vc746hc-3Das DVT zeigt dann die ganze bittere Wahrheit. Perforation des Zahnes im Bereich des distalen Pulpakammerbodens zur Seite hin. Die mesialen Wurzeln Zustand nach WSR ohne Retrofüllung, der vorhandene distobukkale Wurzelkanal ist bislang unbearbeitet und weist zudem eine kavernöse Erweiterung im mittleren Kanaldrittel auf.

Die Wurzelkanalbehandlung ist dennoch „business as usual“ für uns. Die einzelnen Teilschritte wie folgt:

Orthograde Entfernung der „Wurzelkanalfüllung“ im Perforationsbereich
Deckung der Perforation mit Biodentine, interne Überdeckung mit Composite
WF – Revision der gefüllten Kanäle
Erschließung des bislang unbehandelten distobukkalen Wurzelkanals
Wurzelkanalaufbereitung
Medikamentöse Einlagen
Wurzelkanalfüllung

Die Patientin war nach/ist seit  der ersten Behandlung schmerzfrei.

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Apikale Aufhellung

von Jörg Schröder

Die 45 Jahre alte Patientin wurde aufgrund eines radiologischen Zufallsbefundes vor einer geplanten prothetischen Neuversorgung an uns überwiesen.

Zahn 47 zeigt im Fremd-OPG eine scharf abgegrenzte, weichgewebsdichte, homogene Verschattung im Bereich der distalen Wurzel. Klinisch ist Zahn 47 vollkommen beschwerde- und symptomfrei. Die Sondierungstiefen liegen zwischen 2 und 2,5 mm. Der Zahn ist normal beweglich, weder palpatorisch druckdolent noch perkussionsempfindlich. Der Randschluss der leicht subgingival präparierten Vollkeramikkrone ist nicht ideal, da leicht überkonturiert. Anamnestisch konnten zu Beginn des Beratungstermins keine besonderen Vorkommnisse erhoben werden.

Die vergrößerte Betrachtung des 1 Woche alten OPG brachte eher Verwirrung als Klarheit. Die Aufhellung zeigt klar einen knochendichteren Saum. Distal des 47 finden sich darüber hinaus weiter kleiner, nicht mit dem Zahn in Zusammenhang stehende Aufhellungen.

Wie kann ein weiteres Vorgehen aussehen? Probetrepanation ohne Anästhesie, da der elektrische Sensibilitätstest aufgrund der Versorgung mit einer Vollkeramikkrone mit subgingivalen Kronenrändern nicht durchführbar ist? Abwartendes Verhalten? Weitere Bildgebung?

Das in der Folge angefertigte DVT brachte es an den Tag. Da auch im 3. Quadranten eine prothetische Neuversorgung erfolgen sollte, wurde ein hochauflösendes DVT 4×8 cm zur Abbildung des gesamten unteren Zahnbogens angefertigt.

Die Darstellung der Periapikalregion lässt an Zahn 47 in allen Ebenen durchgehende Parodontalspalten erkennen.

Im koronalen Schnitt zeigt sich apikal und bukkal der Wurzeldes 47 ein mit einer sicheren Knochenschicht abgegrenzter waagerecht verlaufender aufgehellter Zylinder, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit iatrogen verursacht wurde.

Auf Nachfrage ( wurde im Bereich des rechten Unterkiefers jemals ein chirurgischer Eingriff unternommen?) berichtete die Patientin über eine viele Jahre zurückliegende Umstellungsosteotomie im Unterkiefer. Bei den weiter distal gelegenen kleineren scharf abgegrenzten Aufhellungen handelt es sich sehr wahrscheinlich um nicht vollständig ausgeheilte Defekte nach Entfernung der Osteosyntheseschrauben.

Eine endodontische Therapie des 47 wurde daher nicht empfohlen.

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 1

Ich mag den Freitag abend.
Fernsehen schaue ich so gut wie nicht mehr.
Aber voller Freude hänge ich freitags abends bis tief in die Nacht hinein vor dem Bildschirm meines Computers und schaue Musik- Videos bei Youtube.

Das Tolle daran.
Die Vorschläge für andere Videos, die einem fortwährend gemacht werden.
Es entsteht ein spannender Streifzug durch viele Genres der Musikgeschichte der letzten rund 200 Jahre. Und man entdeckt Neues, vollkommen Unbekanntes von teils herausragender Wertigkeit und Qualität.

Das Leben besteht selbst für mich nicht nur aus Zahnmedizin.
Und der Freitagabend ist ein Auftakt in eine zumindest bis Sonntagabend sich angenehm auftuende temporäre Welt des „Zahnlosen“.

Jeden Freitag abend nun möchte ich an dieser Stelle daher einen – aus meiner Sicht besonderen –  musikalischen Einstieg ins Wochenende präsentieren.
Selbstverständlich stark subjektiv. Aber vielleicht kann ich dennoch einigen hier eine Freude machen, zumindest aber den Künstlern Respekt zollen und meinen Dank erweisen.

Beginnen möchte ich den musikalischen Reigen mit einer Band russischer Musiker, die sich der Musik der 70er und 80er Jahre verschrieben hat.  Aus einer Laune heraus anläßlich eines Geburtstages entstanden, ist ein ernsthaftes Musikprojekt auf höchstem Niveau entstanden. Sie nennen sich Leonid & Friends und covern die Hits hauptsächlich der Gruppe Chicago. Neuerdings sind Lieder von Earth, Wind and Fire und Blood, Sweat & Tears dazugekommen. Allesamt Bands, die sich durch massive und ausgefeilte Blechbläsersätze in ihren Arrangements auszeichnen. Und dem Jazz nahestehen. Die 70er und 80er waren die große Zeit des Fusion und Cross Over, einer Vermischung von Jazz, Rock und Pop. Und ja, selbst Earth, Wind and Fire, DIE Giganten der tanzbaren Black Music gehören dazu, spielte ihr musikalisches Mastermind Maurice White doch zu Beginn seiner Karriere im Jazz Trio des Pianisten Ramsey Lewis Schlagzeug.

Noch ein Wort zum Satz „Sie covern Hits“.
Covern ist das falsche Wort.
Leonid & Friends reproduzieren die Lieder ihrer Vorbilder.
Und das auf so hohem Niveau, dass die exzellente Musikalität und Aufnahmequalität des Originals (die jeweiligen Schallplatten stehen aus Jugendzeiten alle im Regal) mühelos erreicht wird. Wer Live- Aufnahmen der Originale anschaut, der wird vermutlich nach dem Studiums des Musikmaterials von Leonid & Friends sich zweifelnd fragen, ob es nicht besser wäre, beim nächsten Konzert statt dem Original die Kopie aufzusuchen. Die gehen nämlich jetzt sogar auf Tournee. In den USA. Und leisten so einen Beitrag zur Völkerverständigung, der auf politischer Ebene seinesgleichen sucht.

Viel Spaß. Ein schönes Wochenende wünsche ich.

 

Jens Spahn – Eine Personen- und Charakterbeschreibung.

Ein Portrait.
Die Person treffend beschrieben.
Mit vielen Quellenangaben, die dem Geschriebenen die in Medizinerkreisen so wichtige Evidenz geben.

Lesenswert.

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 3)

Weiter geht es im Fall, der zunächst hier und danach hier schon initial dargelegt wurde.

Das angefertigte kleinvolumige DVT von regio 36 37 zeigt entgegen der Vermutung der Patientin einen apikal unauffälligen Befund an Zahn 37. Zahn 36 zeigt an einer einzigen Stelle an der distalen Wurzel eine minimale Aufhellung, wobei nicht klar ist, ob diese nicht lediglich einer an dieser Stelle positionierten trabekulären Struktur geschuldet ist. Es gibt (unsere Endo ist über 10 Jahre alt) kein DVT, das man zum Vergleich heranziehen könnte. Das konventionelle 2D Röntgenbild – der Zahnfilm regio 35 bis 37 – ist wie schon erwähnt vollkommen unauffällig.

Und Zahn 36 ?
Tomas Kupec schrieb: „Die distale Wurzel von 36 würde ich nicht unbedingt als radiologisch völlig unauffällig bezeichnen.“

Der angefertigte Screenshot der Apikalregion von Zahn 36 ist insofern ein wenig irreführend, weil die von mir gewählte und hier abgebildete Stelle den „schlimmsten“ Befund wiedergibt. Nur einen Millimeter weiter ist der die distale Wurzel umgebende Knochen absolut einwandfrei. Ein grundsätzliches Problem solcher Screenshots, geben sie doch ein dreidimensionales Geschehen auf einen zweidimensionalen Raum (konkret einen Schnitt mit einer Schichtdicke von 80 Mikrometern) reduziert wieder und stellen gewissermaßen nur eine „Momentaufnahme“ des Durchwanderns der DVT Befunde dar.

Einen besseren Eindruck liefert vermutlich dieses nachfolgende Video, wenngleich der WordPress- Upload mit einer starken Datenkompression einhergeht, der die Bildqualität des Videomaterials stark reduziert. (Immerhin: wenn man „HD enabled“ in der Menueleiste unten einschaltet, ist die Videoqualität etwas besser).

Halten wir fest, es gibt keine Hinweise auf eine endodontische Schmerzursache im Bereich des linken Untekieferseitenzahnbereichs.

Daher jetzt ein paar Worte zur klinischen Anamnese. 35 vipr positiv, Klopftest 35 , 36, 37 negativ. Dabei hatte die Patientin angegeben, dass Sie Schmerzen beim Beissen und zeitweise starke spontane Schmerzen (Schmerzskala 8 (von 10)). Die Patientin ist mit eigenem Geschäft selbstständig, eine Frau, die im beruflichen Alltag sprichwörtlich ihren Mann steht. Keineswegs wehleidig und zeitlich eher knapp aufgestellt. Langeweile als Triebfeder des Zahnarztbesuches kann daher höchstwahrscheinlich ausgeschlossen werden. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die ihr auferlegten Beschwerden wirklich sehr belastend sind. Und keineswegs mit einem Zahn 37, ja, auch nicht mit der fraglichen Knochensituation an der distalen Wurzel von Zahn 36 in Verbindung stehen.

Unser DVT, ein Morita X800, stellt in bei den kleinsten hoch auflösenden Volumina ein sogeanntes Scout-OPG zur Verfügung. Diese Scout- Orthopantomogramme liefern gegenüber normalen OPG´s deutlich geringerer Strahlenbelastung eine Bildqualität, die, analogen OPG´s weit überlegen, eine weitergehende Diagnostik ermöglicht. Und es zeigt sich nun der Zahn 27. Vor einiger Zeit alio loco wurzelkanalbehandelt, gab der Zahn auch postendodontisch keine absolute Ruhe, weshalb eine einzige Zeit später noch eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt wurde.

Im angefertigten Zahnfilm stellt sich Zahn 27 wie folgt dar.

Und gibt damit immerhin schon mal einen Hinweis, womit die geschilderte Schmerzproblematik in Zusammenhang stehen sollte. 

In der nächsten Folge gibt es die Auflösung.
Wer nicht so lange warten kann, darf gerne seine Mutmaßungen via Kommentar- Funktion preisgeben.

Seltenere Anomalie (II)

Von Bonald Decker

 

Letzte Woche habe ich hier begonnen über den klinischen Fall eines Dens invaginatus zu berichten.

Die erste Schmerzbehandlung erfolgte in der Zuweiserpraxis.

Dens invaginatus_Lilly.001 Kopie

Initial wurde der Zahn dort trepaniert und nach NaOCl-Spülung mit einer Ledermix-Einlage versorgt. Der provisorische Verschluss erfolgte mit Cavit.

Aufgrund der klinischen Untersuchung und der gewonnenen 3D-Röntgen-Informationen war von uns folgendes weiteres Vorgehen geplant:

  • 1. Termin:
    • (Möglichst) vollständige Entfernung der Invagination mittels Rosenbohren (und ggf. Ultraschallansätzen)
    • chemo-mechanisches Debridement (NaOCl und EDTA + Schallaktivierung ) unter weiterer Zuhilfenahme des XP-Finishers.
    • Medikamentöse Einlage Ca(OH)2 und provisorischer Verschluss

Geplante Zeitdauer: 1h

  • 2.Termin:
    • Anästhesie
    • Absolute Trockenlegung mittels Kofferdam und temporärer adhäsive Fixation der Kofferdamklammer an Zahn 12.
    • weiteres chemo-mechanisches Debridement
    • Verschluss des weit offenen Formamen apicale (laut DVT Messung > ISO 60) mittels MTA
    • intraoperative radiologische Kontrolle der korrekten MTA Position sowie der Invaginationsentfernung auf Vollständigkeit (ggf. weitere Korrekturen)
    • Backfill mit Guttapercha & Sealer
    • Verschluss der Zugangskavität mit Komposit

Geplante Zeitdauer: 1h

Hier die entsprechenden Schritte in Bildern:

Dens invaginatus_Lilly.002

Bei der ersten Kontrolle des MTA Verschlusses zeigten sich weiterhin unzureichend entfernte Anteile der Invagination. Diese wurden daraufhin mittels rotierender und diamantierter Ultraschall-Instrumente entfernt.

Das nachfolgende Abschlussbild zeigt die Situation nach weiterer MTA-Applikation und Backfill mittels Guttapercha & Sealer.

Das grosse Lumen der vormaligen Invagination wurde inkrementweise mittels Komposit aufgefüllt. Dens invaginatus_Lilly.003

Die Nachkontrolle in sechs Monaten muss zeigen, ob die Therapie eine Heilung der apikalen Pathologie bewirkt. Spätestens dann ist eine ästhetische „Korrektur“ der zapfenartigen Kronenform geplant…

 

ich werde weiter berichten…

Fragment (2)

Bei dem Instrument handelt es sich nach meiner Meinung um einen System A Kompaktor (Pac-Mac) oder Mc Spadden Kondensor.

Die Entfernung desselben gelang weder in der Kanülen-, noch in der Schlaufentechnik mit Rotation der Kanüle, bzw. Zug mit der Schlaufe.  Das Instrumentenfragment brach auf jede Zug- und Drehkraftanwendung sofort ab. Die Instrumente brachen auch bei den hohen Drehzahlen in der Anwendung dieser WF Technik öfters. Im Röntgenbild war das nicht oftmals nicht zu erkennen 😉

Nur durch Substtanzopferung und dem damit verbundenen Freilegen des Fragmentes gelang das Herausdrehen.

Nach der Entfernung, Aufbereitung und Reinigung des Kanalsystems wurde der Neoapex mit ProRoot MTA weiß verschlossen. Danach erfolgte die Wurzelfüllung und der weitere afhäsive prothetische Aufbau.

Der Versuch der Kronenerhaltung als LZP und das Herausschälen des Schrubenaufbaus war zunächst erfolgreich. Bei den Fragmentntfernungsversuchen wurde jedoch die Krone so gelockert, daß sie entfernt werden musste.

Im Nachhinerin muss ich resümieren, daß ich ein Pacmac -Fragment noch nie entfernt habe. Die Entfernung gelang durch leicht wechselnde Rotationkrafteinwirkung und Freilegen des Fragmentes. Die Drehrichtung spielte keine Rolle. Die periapikale Ossifizierung um das Fragment spielte wahrscheinlich auch keine Rolle, da dies dort nicht  bei der Entfernung brach.

Laut Überweiser wurde in der Praxis früher alle Frontzähne mit diesen Instrumenten aufbereitet und NICHT in der System A Technik gefüllt, sondern in einer 1Stift – Technik.

Da um das Fragment herum keine Guttapercha war ist es wahrscheinlich bei der falschen Anwedungstechnik frakturiert.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 2)

Zur Abklärung der Schmerzursache in diesem klinischen Fall wird ein DVT angefertigt . Das DVT zeigt vollkommen unauffällige Befunde, sowohl den Zahn 36 als auch den Zahn 37 betreffend.

Hier ein paar Screenshots der Apikalregion von Zahn 37.

Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.

Die mesiale Wurzel von Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.

Die distale Wurzel von Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.
Mindestens genau so wichtig. Die ausführliche Befragung, die Schmerzsymptomatik betreffend. Sie liefert, wie so oft, entscheidende Hinweise, die wahre Schmerzursache betreffend. „Es passt nicht zusammen“, das ist ein Satz, der sich mit Sicherheit in keiner Metaanalyse endodontischer Literatur jemals finden wird, der aber den Sachverhalt in diesem Falle gut wiedergibt.

Was wären die nächsten sinnvollen Schritte ?
Wer wissen will, wie es weitergeht, nutzt die Kommentar-Funktion für Therapievorschläge.

X-Bein- mit Überlegung zum Erfolg

von Jörg Schröder

Tiefe Aufgabelungen in der mesialen Wurzel oberer Molaren können mitunter schwierig zu instrumentieren sein. Insbesondere dann, wenn es im mittleren Kanaldrittel und nach einer nach distal verlaufenden Krümmung eine erneute Aufgabelung gibt.

Erfolgt die Aufgabelung im Übergang oberes zu mittlerem Wurzeldrittel so kann diese häufig nach gezieltem Abtrag kleinster Mengen von Zahnhartsubstanz (z.B. mit U-Files oder Endosonore-Feilen) visualisiert werden.

In vorliegendem Fall (Erstbehandlung alio loco bei irreversibler Pulpitis)  lag die Aufgabelung so tief und war so gestaltet, dass ein in MB2 eingebrachtes Instrument in den apikalen Teil des MB1 hineinrutschen könnte und dasselbe mit einem in MB1 eingebrachten Instrument im MB2 passieren könnte. Nun wird es sicher den Einwand geben, dass es mit einer großen Menge vorgebogener Handinstrumente gelingen würde, die apikalen Anteile der Aufgabelung getrennt zu bearbeiten. Das trifft sicher zu.

In Zeiten maschineller Gleitpfadpräparation kann aber auch über eine entsprechende vollrotierende Vorgehensweise nachgedacht werden. Das präoperativ angefertigte DVT ist dabei sehr hilfreich, lassen sich doch im Vorfeld die aufzubereitenden Strukturen in der Länge sehr exakt bestimmen.

Zunächst wurden die mesialen Kanalsysteme mittels Munce-Burs von Dentinüberhängen befreit. Das MB2-Kanalsystem entsprang einer kleinen schlitzförmigen feinen Rinne, die sich von MB1 nach palatinal hin zog. Die initiale maschinelle Erweiterung endete zunächst auf Höhe der Konflaution beider Kanäle im mittleren Wurzeldrittel. Dann wurde, im Gegensatz zum üblichen Vorgehen, der MB1 koronal nicht nach bukkal (rote Linie), sondern nach palatinal hin (grüne Linie) erweitert. Dafür eignen sich Instrumente wie die M2 15/05 oder 20/06 in bürstender Arbeitsweise. In gleicher Weise erfolgte die koronale Erweiterung des MB2. Auch hier kennzeichet die rote Linie die übliche Angulation des Kanaleinganges und die grüne die in diesem Fall sinnvolle.

Ziel war es, die rotierenden Instrumente so auf die apikale Aufteilung zulaufen zu lassen, dass sie von palatinal kommend, das MB1-System und von bukkal kommend das MB2-System erreichen.

Die angefertigte Messaufnahme zeigt die erfolgreiche Instrumentierung. Nachdem ein ausreichender Gleitpfad etabliert war, liessen sich die mesialen Kanalsystem problemlos erweitern. In diesem Fall wurden, auch aufgrund des s-förmigen Verlaufes des DB, Hyflex-Instrumente eingesetzt.

Nach schall-, ultraschall- und laserunterstützter Irrigation erfolgte die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion. Der Sealer-Puff über dem palatinalen Kanal hätte aus meiner Sicht ein wenig kleiner ausfallen können, ansonsten zeigt der Fall schön, wie die präoperative dreidimensionale Diagnostik zur Entwicklung einer erfolgreichen Behandlungstaktik genutzt werden kann.

Diagnose des Tages 20191004 Starke Schmerzen Unterkiefer Seitenzahnbereich Teil 1

Die 54 jährige Patientin sucht die Praxis auf wegen unklarer Beschwerden im Unterkieferseitenzahnbereich. Zahn 36 und Zahn 37 sind überkront und Zustand nach WK/WF alio loco und dann später WF – Revision in unserer Praxis vor mehr als 10 Jahren. Zahn 35 trägt eine bereits längere Zeit vorhandene Füllung. Die Patientin vermutet Zahn 37 als Schmerzauslöser.

Der Sensibilitätstest mittels Kältespray an Zahn 35 ist eindeutig positiv. Der Klopftest an den Zähnen 35 36 37 negativ, die parodontale Untersuchten an den Zähnen zeigt keine Auffälligkeiten. Beigefügt findet sich der zur Diagnostik angefertigte Zahnfilm mit der Frage an die interessierte Kollegenschaft, wie sinnvollerweise weiter verfahren werden sollte.

Bitte nutzen Sie die Kommentar-Funktion zur Erörterung der Situation und für therapeutische Vorschläge in der Sache.

Seltenere Anomalie (I)

Von Bonald Decker

Als Wiedereinstieg ins Blogger-Leben habe ich mir nachfolgenden Fall ausgesucht.

Eine bei uns nicht so häufig vorkommende Anomalie des Dens invaginatus (Typ II  nach Oehlers).

Dens invaginatus_Lilly.001

 

Diese klinische relevante Anomalie entsteht durch eine unterschiedlich ausgeprägte Invagination des Schmelzorgans während der Zahnentwicklung. Die Prävalenz wird in der Literatur mit 2–3% angegeben und betrifft, wie im vorliegenden Fall, zumeist obere seitliche Schneidezähne. Klinisch imponiert häufig eine ungewöhnliche Kronenform.

Das von uns angefertigte DVT verdeutlicht die seltenere Anomalie.

 

Im zweiten Teil dieses Beitrags erläutere ich unser klinisches Vorgehen mit den entsprechenden Arbeitsschritten…

bis dahin empfehle ich dem interessierten Leser noch diesen Artikel zur Vertiefung der Thematik.

Fragment (1)

Die Patientin wurde uns von ihrem Hauszahnarzt überwiesen. Dieser hatte die Praxis vor kurzem übernommen. Die Patientin stellte sich mit erheblichen Beschwerden vor. Klinisch zeigte sich ein suffiziente Kronenversorgung und eine Fistel, die bereits längere Zeit besteht. Der Zahn 12 zeigt keinen Lockerungsgrad, zirkulär leicht erhöhte Sondierungstiefen zw. 3-4mm und labial einen Palpationsschmerz im mittleren Wurzeldrittel.

Diagnose: 12 Z.n. WKB, P. apicalis mit Instrumentenfraktur

Das ihr verordnete Antibiotikum hatte zum Vorstellungstermin die Beschwerden und die damit einhergehende Schwellung im Sinne eines Abszeßes fast vollständig reduziert.

Anbei unser Ausgangsröntgenbild und eine Fisteldarstellung aus der Überweiserpraxis.

Laut Patientin wurde der Zahn im Jahre 2000 +-5 Jahre zuletzt endodontisch behandelt. Ihr war nicht bekannt, daß ein Instrumentenfragment in ihrem Zahn verblieben ist.

Was für ein Instrument könnte das sein?
Für die orthograde Entfernung des Fragmentes ist diese Frage sehr wichtig.

Wurzelspitze geht vom Netz

von Hans – Willi Herrmann

Nach 9,5 Jahren und exakt 2298 zahnmedizinischen Fachbeiträgen, fast 7000 Kommentaren der Leser, mit teilweise über 80.000 Klicks pro Monat und bis zu einer dreiviertelmillion Aufrufe unserer Seite pro Jahr geht WURZELSPITZE zum 25. Mai 2018 vom Netz.

Grund dafür ist die neue europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), ein Bürokratieungetüm von über 260 Seiten Gesetzestext. An dem vermutlich über viele Jahre mit großer Manpower und riesigem finanziellem Aufwand – bezahlt durch uns, die Bürger der EU – gearbeitet wurde, dass aber so viele Fragen ungeklärt und offen lässt, dass es uns hier bei WURZELSPITZE im Moment ratsam erscheint, diese Seite vorübergehend oder auch dauerhaft – das wird die Entwicklung der nächsten Zeit zeigen – vom Netz zu nehmen.

WURZELSPITZE hat niemals intentionell irgendwelche Daten von Irgendjemandem erhoben. Wofür auch. Um also mit Herbert Grönemeyer zu sprechen: „Was soll das ???“

Schon jetzt ist abzusehen, daß die Intention des Gesetzes, nämlich den Bürger vor kommerziellen Datenerhebungen und vor Missbrauch durch Firmen und Konzernen zu schützen, ins Leere laufen wird. Dafür wird eine neue Welle von Abmahnungen auf Privatleute, Geschäftsleute, Gesellschaften und Vereine zurollen und die Kolateralschäden, wie zum Beispiel das Ende der hier installierten und von zahnmedizinischen Kollegen wie Patienten gleichermaßen hoch geschätzten Wissensvermittlung via Internet werden schon jetzt sichtbar.

Wir, das sind

Christian Danzl, Christoph Kaaden, Olaf Löffler, Jörg Schröder

und ich, Hans- Willi Herrmann

bedanken uns für das große Interesse an unserem Blog, die zahlreichen Kommentare und Dankesschreiben. Gerne denken wir zurück an die schönen Begegnungen mit den Freunden von Wurzelspitze bei den WURZESPITZE-Tagen sowie mit allen Leuten, die uns bei Treffen am Rande endodontischer Fortbildungen Dank und Anerkennung haben zuteil werden lassen !

 

Zum Tode von PD Dr. Yango Pohl

von Hans-Willi Herrmann

Ich habe Yango Pohl nie persönlich getroffen.
Lediglich zwei seiner Vorträge gehört.
Er ist mir sofort wegen einer offensichtlichen Vorliebe für knallige Krawatten ins Auge gefallen.

Irgendwann fing er an, unseren Blog WURZELSPITZE für sich zu entdecken.
Und nutzte von diesem Zeitpunkt an ausgiebig die Kommentar-Funktion.

Sein Schreibstil war – nennen wir es – eher undiplomatisch.

Man kann darüber streiten, ob eine solche Vorgehensweise zielführend ist.
Aber unabhängig davon weisen alle seine Kommentare Yango Pohl als einen Menschen aus, der sich für die Sache, in seinem Fall die Traumatologie, leidenschaftlich einsetzt. Der dadurch aneckt. Queruliert. Streitet. Kämpft. Bereit ist, nicht den leichten, sondern auch den schwierigen, steinigen Weg zu gehen. Wenn er der Meinung ist, dass die Sache, für die er sich einsetzt, dies verdient hat. Unbequeme, aber wichtige Tugenden. Heute wichtiger denn je. Die Welt braucht Menschen wie Yango Pohl.

Vor Kurzem erreichte uns die Nachricht, daß Yango Pohl am 12.03.2018 verstorben ist.
In Yango Pohl verliert die Zahnmedizin einen äußerst engagierten Behandler und Zahnerhalter. Und genau so wird er mir in Erinnerung bleiben.

Ich hoffe, daß sein Tun weit über seinen zu frühen Tod hinaus Bestand haben wird.
Ich hoffe, daß sein Wirken weiter Früchte tragen wird, demnach sein Leben nicht umsonst war.

Das wünsche ich ihm und seiner Familie.

Salzburg here we come

Von Christoph Kaaden

 

Die letzte Wurzelkanalfüllung der Woche ist unter Dach und Fach, die 140 km Autofahrt sind bewältigt und das Hotelzimmer ist bezogen

Wir FREUEN uns auf den kommenden WURZELSPITZE Tag…

Be there or be square…

 

see you in Salzburg

Rote Karte für die TI

von Hans – Willi Herrmann

2003 wurde vom Gesetzgeber die Einführung der Teleinformatik-Infrastruktur beschlossen.
Heute, 15 Jahre später kann man schon einmal als vorläufiges Fazit festhalten, dass das Ganze keine Erfolgsgeschichte ist.

Sich vielmehr nahtlos einreiht in die von der Politik zu verantwortenden disatrösen Fehlschläge des neuen Milleniums wie Autobahnmaut, Berliner Flughafen, Kostenexplosion Elbphilharmonie oder Stuttgart 21.

Vorläufig, weil bis dato die längst überfällige Einführung, von begrenzten Pilotprojekten abgesehen, nicht stattgefunden hat.

Das soll sich nun ändern.
Schnellstmöglich.

Bis Ende des Jahres, so die Vorgaben des Gesetzgebers, muss die TI im Gesundheitswesen etabliert sein.
Und dass, obwohl offensichtlich ist, daß weder das System noch die Art der Einführung selbst auch nur den grundlegensten Anforderungen an Praxistauglichkeit zum jetzigen Zeitpunkt genügen. Und die Juristen gerade mit einem analogen System Schiffbruch erlitten haben. Dessen propagierte reibungslose Praxiseinführung fundamental gescheitert ist.

Für mich ist, nicht allein wegen den bekannten Mißständen der  TI per se, sondern vielmehr insbesonders auf Grund der arroganten und zynischen Vorgehensweise der Entscheidungsträger im Zusammenhang mit der  Systemeinführung, der Punkt erreicht, an dem ich sage: Es tut mir leid, ich werde nicht länger diese Dinge weiter schweigend hinnehmen. Ich möchte diese Entwicklung nicht stumm und widerstandlos mittragen. Und vielen ärztlichen und zahnärztlichen Kollegen, die als Gesamtheit sicherlich eher zu den nicht renitenten Teilen unserer Gesellschaft gehören, geht es genauso.

Der Kollege Thomas Weber – vielen der WURZELSPITZE – Leser als Autor des wunderbaren Nachschlagewerks „Memorix Zahnmedizin“ bekannt – ist  im bayrischen  Krumbach in eigener Kassenzahnarztpraxis niedergelassen. Er bezeichnet sich selbst als „Landzahnarzt“, hat sich bewusst gegen eine Hochschulkarriere an der Uni Würzburg entschieden und ist seit mehr als 2 Jahrzehnten bemüht, allen Widrigkeiten der Provinz zum Trotz  die Fahne der Zahnerhaltung unter widrigen Rahmenbedingungen, die nunmal das Arbeiten in einer ländlichen Region mit sich bringt,  hochzuhalten.

Wenn dieser nun, ein ebenso eloquenter wie ruhiger und besonnener  Zeitgenosse, zusammen mit Kollegen seine Stimme erhebt und eine Postkartenaktion „Rote Karte für die TI“ ins Leben ruft, dann ist dies ein Fanal, ein Menetekel. Und die Politik täte gut daran, dieses in seiner Brisanz zu erkennen, um noch größeren Schaden, als den, der bereits entstanden ist, abzuwenden.

Ich unterstütze die Aktion.
Daher habe ich  nachfolgendes Schreiben verfasst, das im Rahmen meiner Tätigkeit als endodontischer Spezialist meinen Überweiserschreiben und Arztbriefen beigelegt wird. Wer möchte, darf den Text gerne kopieren und für eigene Arztbriefe/Überweiserbriefe verwenden.

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

falls auch Sie der Meinung sind, dass

  • es sich bei der zur Inbetriebnahme anstehenden Teleinformatik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen gegenwärtig um ein unausgereiftes Produkt handelt, dass ohne Rücksicht auf die noch vorhandenen Schwächen im Markt schnellstmöglichst eingeführt werden soll
  • die von der Politik versprochene für die Praxis kostenneutrale Einführung sich schon jetzt als falsch erweist, weil die Praxis auf einem stattlichen Kostenanteil sitzenbleiben werden, das System zudem mit hohen kontinuierlichen Folgekosten behaftet ist.
  • eine zeitgerechte Einführung schon allein mangels zur Verfügung stehender Geräte und der für die termingerechte Einrichtung nicht vorhandenen, aber zwingend notwendigen Logistik und Manpower von Seiten der Hardware – und Softwareanbieter nicht zu realisieren ist.
  • die Nutzung der TI- Infrastruktur auch nach Ende der aufwandintensiven Einführungsphase dauerhaft mit einem zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden ist, der zumindest für die Praxen durch Synergieeffekte nicht kompensiert und schon gar nicht – wie lauthals und mantraartig repetitierend von Seiten der Politik vorgetragen – überkompensiert werden wird.
  • die Einführung der TI- Infrastruktur keine  Verbesserung der EDV – Sicherheit bringen wird, vielmehr auf Grund der Zwangsanbindung der Praxis EDV- Systeme an das Internet sich kriminellen Energien unerlaubte Zugriffsmöglichskeiten  eröffnen, die bislang in vielen  Praxis nicht vorhanden bzw. intentionell verschlossen sind.

Dann nutzen Sie ihr im Grundgesetz in Paragraf 17 GG verbrieftes Recht, „sich einzeln oder in der Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und die Volksvertretung zu wenden“ und senden die diesem Schreiben beiliegende „rote Karte“

z.B. an den neuen „Gesundheitsminister“ Jens Georg Spahn

oder

Ihr(e) Bundestagsabgeordneten => den/die jeweiligen Namen einsetzen, die Adresse lautet: Deutscher Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin

Jetzt nur noch das Tagesdatum, ihre Adresse und Unterschrift einfügen (zwingend notwendig, sonst landet die Karte gleich im Müll) eine 45 Cent Briefmarke aufkleben und absenden.

Und falls Sie noch weitere Karten brauchen oder sich über die Entwicklungen in der Sache zeitnah informieren wollen, besuchen Sie die Facebook-Seite https://www.facebook.com/Rote.Karte.TI/

Herzlichst

Ihr H.W. Herrmann

 

Es bleibt zu wünschen, dass die  roten Postkarten, die sich auf den Weg nach Berlin machen – versandt an die Entscheidungsträger des Bundestages, die Abgeordneten im Plenum gleichermaßen wie ihre prominenteren Pendants auf den Regierungsbänken –  nicht im Papierkorb landen. Und diese Aktion keine aneinandergereihten Worthülsen in Form eines belanglos-floskelhaften Textbaustein-Antwortbriefes produziert, vielmehr ein wie auch immer geartetes „Wir haben verstanden !“ daraus resultiert.

Wir werden sehen.

 

 

 

Offener Brief an den Landesminister für Gesundheit zur Nichtanpassung der GOZ seit 2012

von Guido Vorwerk

Hamm, den 19.03.2018

Sehr geehrter Herr Minister Laumann!

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen und uns im Rahmen der Frühjahrstagung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe ein Grußwort gehalten haben. Im Verlaufe dieser sehr netten Rede haben Sie uns aufgefordert die Freiberuflichkeit nicht schlecht zu reden. Einverstanden, nur wenn ich an die Entwicklung in unserem Bereich im Laufe der letzten 35 Jahre denke, solange bin ich Zahnarzt, sehe ich wenig Grund zum Optimismus. In meinen Augen werden wir von Politikern jeglicher Couleur als vernachlässigbare Gruppe betrachtet, wenn es um die gerechte Honorierung unserer sehr erfolgreichen Leistung für die Volksgesundheit geht. Sie selbst haben auf die entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen Bezug genommen.

Die GOZ ist 1988 erlassen worden, 2012 geringfügig „verschlimmbessert“, aber nicht ansatzweise den wirtschaftlichen und bürokratischen (Zusatz-)Notwendigkeiten angepasst, worden. Da auch 1988 schon nur eine kostenneutrale Umsetzung der aus den 60er Jahren stammenden Vorgängergebührenordnungen erfolgte, ist die Nichtanpassung noch deutlich länger andauernd.

Die Nutzung des Steigerungssatzes über 2,3 mit dem erforderlichen Zusatzaufwand der Begründung, ist bestenfalls als eine Art der Notwehr zu sehen und eigentlich im Grundkonzept der Gebührenordnung nicht vorgesehen. Hier ist nämlich eine regelmäßige Überprüfung der Gebührensätze niedergelegt.

Wie haben sich eigentlich die Abgeordnetendiäten in den letzten 30 Jahren entwickelt? Ich meine gehört zu haben, dass es dort keinen Stillstand gegeben hat. Wie ist das zu verantworten, wo die Diäten auch vom Staat also dem Steuerzahler bezahlt werden müssen (wie die Beihilfe, die ja wohl der Hauptgrund für die jahrzehntelange Nichtanpassung der GOZ ist)? Soweit ich informiert bin ergibt sich die Diätenerhöhung, aufgrund einer Anpassungsklausel, inzwischen fast automatisch. Warum wird eine solche Anpassungsklausel den Zahnärzten vorenthalten?

Die Thematik der Einbindung der Beihilfe wäre durch verschiedenste Möglichkeiten der Umgestaltung der Versorgung der Beihilfeberechtigten sinnvoller bzw. gerechter und vom jeweils Betroffenen direkt beeinflussbar zu lösen. Eine Privatgebührenordnung sollte die aktuellen fachlichen Möglichkeiten und ihre betriebswirtschaftlichen Hintergründe abbilden und nicht rein auf den finanziellen Interessen desjenigen, der als dritter im Bunde zahlen muss, aufgebaut sein. Die Politik wälzt hier ungerechtfertigter Weise ihre finanziellen Probleme auf uns Zahnärzte ab.

Die Zahnärzte haben im Laufe der über 30 Jahre noch ein nicht zu vernachlässigendes Problem: Die Laborkosten sind (berechtigterweise) kontinuierlich gestiegen. Sie sind für uns aber nur ein durchlaufender, häufig vorzufinanzierender Posten, also eine zusätzliche Belastung.

Die aktuelle GOZ berücksichtigt in keiner Weise die diversen Kostensteigerungen durch: Einführung neuer Hygienesystematiken,
Medizingeräteverordnung,
Röntgenverordnung,
Qualitätssicherungssysteme,
BUS-Dienst,
Mehrwertsteuererhöhung (wirkt sich beim Faktoring auf die gestiegenen Laborkosten aus),
Brandschutzverordnung,
Antikorruptionsgesetz (verhindert das Partner-Faktoring mit dem die Dentallabors für ihren Rechnungsanteil direkt die Faktoringkosten bis dahin übernahmen. Im übrigen hat ihr (früherer?) Parteifreund und Ministerpräsident a.D. Peter Müller jetzt als Verfassungsrichter, im Rahmen des Festvortrages in Gütersloh, die Notwendigkeit eines solchen Spezialgesetzes für Ärzte und Zahnärzte in Abrede gestellt),
europäische Datenschutzgesetzgebung
und wahrscheinlich habe ich noch einige Punkte verdrängt.
Um das gleich klarzustellen, ich bin nicht pauschal gegen all diese sicherlich zum Teil sinnvollen bzw. vertretbaren Punkte, nur wenn wir Zahnärzte/innen all diesen Aufwand betreiben sollen, muss er auch bezahlt werden und kann nicht immer weiter von unserem nicht angepassten Honorar abgezogen werden.

Im Hygieneaufbereitungsbereich zum Beispiel müsste der enorm gestiegene maschinelle und personelle Aufwand mit einer Hygienepauschale zur Deckung der gestiegenen Kosten durch die gesetzlich induzierten Hygieneanforderungen berücksichtigt werden.

Ein besonders einfach nachzurechnendes Beispiel sind die Beratungspositionen. Nehmen wir die Position Ä3 „Eingehende, das normale Maß überschreitende Beratung (Dauer mindestens 10 Minuten)“ im 2,3fach Satz 20,10 €. Das bedeutet, selbst wenn diese Leistung immer nur exakt 10 Minuten dauern würde, ergäbe sich ein Stundensatz von 120,60 €. Das BMG hat aber schon im Jahre 2009 auf eine Anfrage im Bundestag 196,- € als notwendigen Stundensatz (unrealistisch niedrig) für eine zahnärztliche Praxis zugrunde gelegt. Wie wird hier eine Nichtanpassung gerechtfertigt?

Ich habe im Rahmen einer Fortbildung am letzten Wochenende aus dem Kollegenkreis sehr differenzierte Positionen zur weiteren Vorgehensweise bezüglich der mittlerweile erneut über 6 Jahre unveränderten GOZ gehört. Persönlich halte ich es für dringend geboten die Politik in der ersten Hälfte der neuen Regierungszeit zum Handeln zu motivieren. Mit Blick auf herannahende Wahlen wird sich danach nichts mehr bewegen lassen.

Von einem Teil der Kollegen habe ich die Überlegung gehört, dass wir schon mit der Integration einer automatischen Anpassungsklausel in die GOZ, so wie das bei den Diäten der Fall ist, zufrieden sein müssten. Das (rückwirkend ab 2012) allerdings halte ich definitiv für absolut notwendig, um die zahnmedizinische Versorgung wirtschaftlich vertretbar aufzustellen.

Führen Sie sich bitte vor Augen, dass wir auch in Zukunft der Bevölkerung unseres Landes eine qualitativ hochwertige und zeitgemäße Zahnheilkunde anbieten wollen. Bedenken Sie weiterhin, dass wir auch als Arbeitgeber unsere Mitarbeiter/innen fair entlohnen wollen. Beides ist durch die Nichtanpassung des Punktwertes der GOZ ernsthaft gefährdet.

In der Hoffnung auf eine konstruktive Diskussion verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Guido Vorwerk

Quiz du jour März 2018

Von Bonald Decker

 

Ich persönlich vergleiche Revisionsbehandlungen gerne mit archäologischen Ausgrabungen, da man im Vorfeld trotz intensiver Voruntersuchung nie zu einhundert Prozent vorhersagen kann, was einen bei der Therapie tatsächlich erwartet. So wie in diesem oder diesem Fall der Vergangenheit…

Bei einer sehr kürzlich durchgeführten Revision war ich allerdings wieder einmal erstaunt, was wir nach initialer Trepanation der Krone vorfanden…

Kurz zur Vorgeschichte:

Die 70-jährige Patientin wurde uns von einem Parodontologen überwiesen. Dieser kümmerte sich seit einiger Zeit um die parodontal geschädigten Zähne. Zahn 26 war aufgrund mulipler Befunde (Furkationsgrad 3, apikale Parodontitis etc.) von ihm bereits als hoffnungslos eingeschätzt worden. Daher sollte unser Ziel sein den strategisch wichtigen 27 trotz ebenfalls ungünstiger Voraussetzungen endodontisch zu „sanieren“…

Quiz du jour März 2018.001

gesagt, getan:

Kurz nach der mühevollen Trepanation der ca. 8 Jahre alten Zirkonversorgung bot sich uns folgendes Bild:

Quiz du jour März 2018.002

Cavit „Unterfülung“

Direkt unter der Restauration fand sich Cavit als „Aufbau- bzw. Verschlussmaterial“. Ein Material was ich bei einer definitiven Restauration für diesen Verwendungszweck noch nie angetroffen hatte…

nun meine Frage an Sie…

Was glauben Sie, warum ausgerechnet dieses Material bei der Vorbehandlung Verwendung fand?

Spekulieren Sie und lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf.

Ich bin auf Ihre Vorschläge mittels Kommentarfunktion gespannt…

die „Auflösung“ werde ich demnächst bei WURZELSPITZE veröffentlichen…

 

Quick n’dirty II

Von Bonald Decker

 

Hier kurz und knapp ein neuerliches Recall, welches uns ein Zuweiser gerade hat zukommen lassen.

Kurz zu den Eckdaten:

  • Zweizeitige Behandlung
  • Aufbereitungsdurchmesser mesial 35.06, distal 40.06
  • med. Einlage Ca(OH)2
  • Wurzelkanalfüllung: warm vertikal verdichtete Guttapercha & AH plus
  • adhäsiver Verschluss der Zugangskavität mit Tetric Beach XL, SDR und A2
  • Zeitaufwand ca. 2 1/2h

 

Quick n'dirty II.001Quick n'dirty II.002

Quick n'dirty II.003

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:-)

Quick n’dirty

Von Bonald Decker

 

Heute vormittag ergab sich „per Zufall“ die Nachuntersuchung einer Behandlung, die wir vor 2 Jahren abgeschlossen hatten.

Bei dem Patienten handelte es sich um einen damals 75-jährigen Diplom-Ingenieur mit schlechten Allgemeinzustand (Koronare Herzerkrankung, Depressionen etc)

Aufgrund der Ausgangssituation (Zerstörungsgrad, Zugänglichkeit, Anatomie der Kanalsysteme) stellte sich die Behandlung als sehr schwierig dar.

Hier also quick n’dirty die Bilder der Behandlungsabfolge

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Ich freue mich mit dem Patienten und der zuweisenden Kollegen über die erfreuliche Entwicklung der letzten Jahre. Die Mühen haben sich gelohnt.

 

Immer schön skeptisch bleiben 3

von Ronald Wecker

Die Vorgeschichte liess verschiedene Deutungsmöglichkeiten zu:

Zahn 14 war aufbissempfindlich und zeigte eine deutliche palpatorische Druckdolenz. Bis zur Erstvorstellung in unserer Praxis erfolgten alio loco vier Behandlungen. Um die nicht abklingenden Beschwerden zu verringern erfolgte letztlich eine vestibuläre Inzision.

Das präoperativ angefertigte DVT zeigte neben einer fehlenden knöchernen Begrenzung bukkal (das bukkale Kanalsystem mündete quasi im Periost) im axialen Schnitt eine fast kreisrunde interradikuläre Aufhellung. Da die ersten vier, alio loco durchgeführten Behandlungen unter dem Mikroskop erfolgt waren, hielt ich eine Perforation für möglich, aber eher unwahrscheinlich.

Die Behandlung wurde zweizeitig durchgeführt. Nach Entfernung der intrakanalären Medikation wurde offensichtlich, dass in beiden Kanalsystemen die apikale Konstruktion fehlte. Bukkal waren geringe Anteile des Medikaments nach periapikal gelangt.

Angesichts der fehlenden knöchernen Begrenzung kann auch der Kontakt mit Spüllösung zu der deutlichen vestibulären Druckdolenz geführt haben.

Nach dem Anlegen der Zugangskavität fiel eine dünne, gewebegefüllte Rinne auf, die vom buckeln Kanal nach palatinal verlief. Trotz intensivem Spülen verblieb an dieser Stelle ein kleiner heller Punkt auf dem Pulpakammerboden, der sich mit einem nach palatinal gebogenem Microopener sondieren ließ. Mittels Endometrie wurde die Arbeitslänge dieses sehr ungewöhnlich gelegenen furkalen Seitenkanals bestimmt. Nach Erreichen der Arbeitslänge entleerte sich eine kleine Menge putriden Exsudats.

Nach medikamentöser Einlage und temporärem Verschluss, sowie adhäsiver Befestigung der provisorischen Krone erfolgte die erneute chemo-mechanische Aufbereitung und die Obturation 2 Wochen später. Der Zahn war mittlerweile vollkommen beschwerdefrei.

Da sich palatinal ein Masterpoint mit ausreichender Friktion einpassen liess, wurde hier in warmer vertikaler Kompakten gefüllt. Aufgrund der fehlenden knöchernen Begrenzung wurde in B auf ein sealerbasiertes Füllmaterial/- verfahren verzichtet und der Kanal mit MTA gefüllt. Der furkale Seitenkanal wurde ebenfalls mit MTA obturiert und anschliessend mit Komposit überschichtet. Der koronale Anteil von B wurde dann mit warmer Guttapercha gefüllt.

Sicher ein ungewöhnlicher Prämolar, aber ein schönes Beispiel dafür, dass immer mit allem zu rechnen ist.

Immer schön skeptisch bleiben 2

von Ronald Wecker

Häufig genügt uns schon ein Blick auf ein Röntgenbild, um den Kern eines (Behandlungs-) Problems erfassen zu können.

Mitunter urteilen wir aber anhand des Röntgenbildes vorschnell und wählen eine Therapie, die bei Kenntnis des tatsächlichen Sachverhaltes die zweitbeste gewesen wäre.

In vorliegendem Fall erscheint die Obturation überwiegend homogen, wenngleich sie apikal ausserhalb der Wurzelkontur endet. Die ausgeprägte apikale Aufhellung lässt auch einen von apikal nach koronal voranschreitenden Riss in Frage kommen.

Die klinische Inspektion zeigte ein fehlen jeglicher Symptomatik bei gesunden paradontalen Verhältnissen. Eine Druckdolenz war nicht vorhanden. Ein klarer Fall für Zystektomie und Wurzelspitzenresektion? Sicher eine von 4 Möglichkeiten (Belassen, WSR, Extraktion oder Revision).

Die ausgeprägte knöcherne Lyse -die palatinale Lamelle ist teilweise nicht mehr vorhanden- ließe sich aber auch durch eine in der vestibulo-palatinalen Dimension unvollständige Wurzelfüllung erklären.

Da das „Begraben“ von Bakterien durch einen langen retrograden Verschluss jedoch, ehrlich gesagt, nicht zu meinen Therapiefavoriten zählt,  habe ich in diesem Fall zum Ausschluss einer Längsfraktur zur Revisionsbehandlung geraten. Auch wenn man einem vielleicht ein solches Geschehen angesichts der Länge und Dichte der Obturation als eher unwahrscheinlich erscheinen mag.

Klinisch kam es dann so, wie vermutet. Die kreisrunde Guttapercha hatte den tropfenförmigen Kanalquerschnitt nur unvollständig füllen können. Zwischen palatinaler Kanalwand und Guttapercha gelang es mühelos einen Microopener über zwei Drittel der Kanallänge nach apikal zu führen.

Die Entfernung der extrudierten Guttapercha erfolgte in bewährter Weise mit endometrisch auf 0,0 eingebrachten Hedströmfeilen beginnend bei ISO 15. Wichtig ist es hierbei , den Durchmesser der Hedströmfeilen allmählich zu steigern, um ein Verbringend er kontaminierten Obturationsmassen nach periapikal zu vermeiden. Kurz darauf kam es zu einer spontanen putriden Exsudation.

Insbesondere Sealer und das apikale Guttaperchastück waren deutlich verunreinigt.

Nach chemo-mechanischer Irrigation erfolgte in gleicher Sitzung das Einbringen von CaOH2 und der adhäsive Verschluss der Zugangskavität.

14 Tage später wurde das Kanalsystem nach erneuter Irrigation und Anlegen eines kollagenen Widerlagers apikal mit MTA und weiter Korona mit warmer Guttapercha gefüllt.

Ich bin schon auf das Recall gespannt, wünsche ein schönes Wochenende und rate immer ein klein wenig skeptisch zu bleiben.

 

 

Tiefe Pulpotomie – das Recall

von Ronald Wecker

Unter dem Titel „Chance Pulpotomie“ hatte ich Ende 2016 an dieser Stelle eine heiss und fast schon emotional diskutierte  Fallvorstellung eingestellt.

Gestern nun das Recall 14 Monate nach der Intervention.

Wurzellängen- und -dickenwachstum sind weiter vorangeschritten. Der Zahn ist seit der Behandlung vollkommen  beschwerdefrei. Gutes Ende einer schlechten Story.

 

Immer schön skeptisch bleiben. Das Recall. Überfüllt oder nicht?

von Ronald Wecker

In der Kommentarfunktion wurde von thomasvilniusandrenio folgende Frage gestellt:

„Zwei Kanäle erscheinen jetzt überfüllt. Ist das grundsätzlich unproblematisch?“

Eine Überfüllung kann man ins 2D- Bild hineininterpretieren. Allerdings werden alle Arbeitslängen mehrfach endometrisch überprüft und der Sitz der Masterpoints metrisch und radiologisch mit dem Sitz der bei der Messaufnahme benutzten Instrumente verglichen. Insofern halte ich eine Überfüllung (Masterpopint zu lang) für unwahrscheinlich.

Zur Veranschaulichung die beiden PräOp-Bilder und die Einzeichnung des Verlaufs  des Parodontalspalts der bukkalen Wurzel.

 

 

 

Für Alle, die Kofferdam als nicht sinnvoll ansehen…

Hier  ein Bericht von Fox News von dieser Woche über einen 74 jährigen Mann, der im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung ein Wurzelkanalinstrument (ganz offensichtlich ISO 10)  verschluckte, welches anschliessend aus seinem Magen endoskopisch entfernt werden musste.

Screenshot 2017-11-30 23.01.17

 

Autogene Zahntransplantation

Von Christoph Kaaden

Nachdem ich gestern Abend auf einem gelungenen Vortrag zum Thema „dentales Trauma und Zahntransplantation“ war, möchte ich die Möglichkeit nutzen für diese Therapieform weiter zu sensibilisieren.

Auf WURZELSPITZE war in der Vergangenheit hier und hier über eine Prämolaren-Transplantation geschrieben worden. Weiterführende Literatur zu dieser Thematik finden Sie u.a hier in einer interessanten Dissertation.

Prof. Nolte hob ferner die Therapieoption einer Milchzahntransplantation hervor. Hier ein Fallbericht, der das Vorgehen näher erläutert.

 

Mein Fazit des gestrigen Abends lautet:

  • Man kann nie genügend Wissen über die dentale Traumatologie sammeln (hier der link zu der DGZMK-Leitlinie)
  • Zahntransplantationen (egal ob Zähne der ersten oder zweiten Dentition) bei verloren gegangenen bleibenden Zähnen sind eine Therapieoption, die mehr Beachtung finden sollte.

 

Quiz du jour 11/17 – update

Von Bonald Decker

 

Leider hielt sich die Beteiligung an dem aktuellen Quiz in Grenzen…

Insbesondere Daniel Calenberg hatte den Nagel aber auf den Kopf getroffen.

hier nun ein erstes Update der Behandlung.

Explizit die Radix entomolaris war auf den ersten Blick (für mich) nicht zu sehen…

Quiz du jour 11:17_new.003

Messaufnahme mit R-Pilot Instrument in dis-lin. Radix und Kontrolle der Fragmententfernung mesial

Quiz du jour 11/17

Von Bonald Decker

 

Liebe „Wurzelspitzler“…

Nachfolgend mal wieder ein „Quiz du jour“…

Eine 48-jährige Patientin wurde uns zur Revision des Zahnes 46 überwiesen.

Kurz zur Anamnese:

  • Z.n. Wurzelkanalbehandlung 1997;
  • Z.n. prothetischer Neuversorgung vor 1,5 Jahren.
  • Seit einigen Monaten Aufbissbeschwerden (=moderates,gleichbleibendes Schmerzbild)
  • weitere klinschen Befunde (Taschensondierung etc.) ohne pathologische Befunde.
  • Weitere Röntgenbilder sind nicht vorhanden

Quiz du jour 11:17.001

Wie schätzen Sie die Prognose des Zahnes ein?

Welche Herausforderung sehen Sie bei diesem Zahn?

Wie würde Ihre Therapie aussehen?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion…

 

 

Antibiotikagabe in der Enddontie

von Jörg Schröder

Heute ging eine E-Mail der ESE, namentlich von Paul Dummer, mit folgendem Betreff  im Postfach ein. Nach dem englischen Text folgt ein PPT-Dokument zur Kampagne und die Links zu verschiedenen PDF’s. Ich finde es lohnt sich das zu lesen.

„ESE awareness campaign on the correct use of Antibiotics in Endodontics“

There is international concern about the overuse of antibiotics and the emergence of antibiotic-resistant bacterial strains. As dentists prescribe approximately 10% of antibiotics dispensed in primary care, it is important not to underestimate the potential contribution of the dental profession to the development of antibiotic-resistant bacteria. For example, in the UK, it has been reported that 40% of dentists prescribed antibiotics at least three times each week, and 15% prescribed antibiotics on a daily basis.

Antibiotics do not reduce pain or swelling arising from teeth with symptomatic apical pathosis in the absence of evidence of systemic involvement. Furthermore, one Cochrane systematic review has found no evidence to support the use of antibiotics for pain relief in irreversible pulpitis. Thus, two systematic reviews concluded that infection must be systemic or the patient must be febrile or immunocompromised to justify the need for antibiotics. For these reasons, prescription of antibiotics by dentists should be limited.

Odontogenic infections, including endodontic infections, are polymicrobial involving a combination of gram-positive, gram-negative, facultative anaerobes and strict anaerobic bacteria. When bacteria become resistant to antibiotics, they also gain the ability to exchange this resistance.

Antibiotic sensitivity of the bacteria found within the oral cavity is gradually decreasing, and a growing number of resistant strains are being detected, in particular Porphyromonas spp. and Prevotella spp. However, the phenomenon has also been reported for alpha haemolytic streptococci (‘Streptococcus viridans’) and for drugs such as macrolides, penicillin and clindamycin.

Inappropriate use of antibiotics not only drives antibiotic resistance and misuses resources but also increases the risk of potentially fatal anaphylactic reactions and exposes people to unnecessary side effects. In addition, antibiotic prescribing for common medical problems increases patient expectations for antibiotics, leading to a vicious cycle of increased prescribing in order to meet expectations.

ESE ABC Awareness campaign

Doppelklick auf den Link öffnet ein Fenster aus dem heraus die ppt-Datei heruntergeladen werden kann.

Ein wichtiger Anstoss, wie ich finde. Denn auch wir Zahnmediziner können dazu beitragen, die in meinen Augen weit verbreitete unreflektierte Antibiotikagabe zu reduzieren.

Das Statement der ESE , findet man hier:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/iej.12781/full

Wer es lieber direkt mag, findet das PDF zum Download nachfolgend:

Segura-Egea_et_al-2017-International_Endodontic_Journal

Auch in der DZZ wird endlich wird geschrieben, was wir alle hier bestimmt längst schon wissen:

Der vermehrte Einsatz des Ausweichantibiotikums Clindamycin in der zahnärztlichen Versorgung stellt eine Fehlversorgung mit Antibiotika dar.

Wer es ein wenig ausführlicher nachlesen möchte, findet den Artikel unten angehängt.

58AC5A45554F4743A01AC9304D1E704E_em_oa_hussein_ii_antibiotikagabe_wurzelkanalbehandlung_gkv_1_original

Symposien 2018 in Kopenhagen – Save the date

Von Christoph Kaaden

Die Universität Kopenhagen richtet im Mai 2018 zwei interessante Symposien aus.Bildschirmfoto 2017-11-03 um 10.54.25.png

Insbesondere das sechste Kopenhagen Trauma Symposium erscheint mir für unsere Tätigkeit als besonders informativ.

Hier weitere Informationen zu dem Programm.

Anmelden können Sie sich hier

See you in Kopenhagen

:-)

 

P.S.: Mein Wunsch & Vorschlag wäre ferner, dass sich auch einmal eine zukünftige DGET-Tagung ausschliesslich dem Thema Traumatologie widmet.

Orales Absaugschild – Absaugung und Arbeitsfelddarstellung fürs 21. Jahrhundert, am Beispiel Mr. Thirsty

von Michael Logies

Der aus Verzweiflung über den intraoralen Speichelfluß 1864 von Barnum eingeführte Kofferdam geriet mit der Erfindung intraoraler, maschineller Absaugung fast in Vergessenheit, auch wenn er mittlerweile wieder zum Standardhilfsmittel insbesondere in der Endodontie geworden ist.

Die maschinelle Absaugung blieb dann in ihrer klinischen Anwendung die letzten Jahrzehnte aber nahezu unverändert: Ein dünneres, rundes Saugendstück (Speichelsauger), das mangels Saugkraft nur Flüssigkeit vom jeweils tiefsten Punkt der Mundhöhle effizient aufnehmen kann, wird meist mit einem runden Saugendstück größeren Durchmessers kombiniert, mit dem sich auch Spraynebel auffangen läßt. Beide Sauger müssen von Zahnarzt und Stuhlassistenz während des gesamten Behandlungsablaufes mehr oder weniger virtuos gehandhabt werden, was ständiges Nachstellen erfordert, zahnärztliche Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht und einen Großteil der klinischen Arbeitszeit der Assistenz bindet. Innovativ war hier die letzten Jahrzehnte nur die Strömungsoptimierung im großen Sauger, die die Geräuschentwicklung dämpfte (Dürr).

Ich war daher elektrisiert, als ich, lt. meinem Zoteroarchiv 2011, auf Isolite aufmerksam wurde (Isolite Systems, gegründet 2001), das seit 2002 diverse Industriepreise gewonnen hatte (u. a. Dental Products Report, The Dental Advisor, Dentistry Today, Business Week, World Congress of Minimally Invasive Dentistry Inventor Award, Dental Town). Leider wollte die Firma mir das Produkt damals nicht nach Deutschland liefern, und ich gab das Projekt vorläufig auf.

Vor kurzem wurde ich durch eine Werbewurfsendung auf Mr. Thirsty aufmerksam (Zirc, deutscher Vertrieb durch Loser), der wie ein Klon von Isolite aussah.

Die Grundidee von Isolite und Mr. Thirsty ist, auf den großen, also saugstarken Saugschlauch eine Absaugvorrichtung zu setzen, die besser an die menschliche Anatomie und die zahnärztlichen Notwendigkeiten angepaßt ist, als ein rundes Saugschlauchendstück. Ein flaches, hohes, vom Mundboden zum Gaumendach reichendes Gummischild teilt die Mundhöhle schräg, vom Mundwinkel bis zur Molarenregion der Gegenseite, in 2 Bereiche auf: Arbeitsfeld und hinter dem Arbeitsfeld. Das Schild ist doppelwandig und bietet damit Platz für Saugkanäle. Außerdem ist unmittelbar hinter dem Mundwinkel ein Aufbißkeil integriert, der dem Patienten das aktive Öffnen des Mundes erspart. Um den letzten Molaren herum läuft noch eine schmalere, weichere Verlängerung des Schildes, die sich an die Innenseite der Wange anlegt und diese schützt, eventuell abhält. Die Zunge bleibt hinter diesem Schild, kann nicht mehr stören. Sowohl zum Mundboden hin wie zum Gaumen verschließt das Schild weitgehend die Mundhöhle nach dorsal, so daß Spraynebel oder fliegende Materialfragmente den Patienten nicht mehr belästigen. In Anlehnung an eine ähnliche Vorrichtung für Schweißarbeiten möchte ich dieses Hilfsmittel orales Absaugschild nennen.

Der Effekt für das klinische Arbeiten ist erstaunlich und durchschlagend. Viele Tätigkeiten, die bisher ohne Assistenz nicht oder nur mit Mühe vom Zahnarzt alleine zu bewältigen waren, können jetzt mühelos alleine durchgeführt werden. Z. B. Deep Scaling, Zahnpräparationen bis zum Umspritzen der Zahnstümpfe mit Abdruckmaterial – erst danach Entfernen des Schildes, um den Abformlöffel einbringen zu können. Für die Füllungstherapie im Seitenzahnbereich wird die Assistenz bis zur Schlußphase, fürs Anreichen der Füllungsmaterialien, verzichtbar. Bei OK-Frontzahnfüllungen ist der Entlastungseffekt geringer, weil die Helferin noch irgendwie versuchen muß, den ventral austretenden Spraynebel zu bändigen, was schwierig ist, wenn der große Absaugschlauch vom Absaugschild besetzt ist. Eine angebotene Lösung dafür ist ein Y-Adapter, der den großen Saugschlauch aufzweigt (nicht getestet).
Auch mit Assistenz erleichtert das Absaugschild durch das Abhalten der Zunge die Arbeit enorm: etwa beim Zementieren von Kronen oder in der Füllungstherapie im dorsalen UK-Bereich.

Während der Behandlung im Seitenzahnbereich entfällt die Notwendigkeit der Umpositionierung der Absaugungen. Der Absaugschild alleine reicht, Watterollen entfallen fast völlig bzw. werden nur noch als Abstandshalter für die Lippe gebraucht. Kräftiges Sprayen und Luftpusten ist jederzeit möglich, da das Absaugschild das Wasser praktisch sofort aufnimmt und den Patienten vor Rachenspritzern schützt.

Mark Frias, RDH (http://markrdh.com), veröffentlicht seit Jahren Produkttests insbesondere zu verschiedenen Absaughilfsmitteln. Hier hat er 4 marktgängige Absaugschilde verglichen:

DryShield vs. Isolite vs. Mr. Thirsty vs. Izolation

Mr. Thirsty schneidet in diesem Video in seiner Einschätzung der Absaugleistung am schlechtesten ab, aber es fehlt jede Analyse, warum. Die Physik scheint nicht so kompliziert: Die Designer, wie in dem Video zu sehen ist, haben jeweils die Absaugkanäle und -löcher in den unterschiedlichen Produkten anders angeordnet, mit auch sehr unterschiedlichen Größen dieser Kanäle. Wenn die Summe der Querschnittsflächen der Auslässe sehr groß wird, fällt die Saugleistung pro Auslaß stark ab. Auch die Höhe der Auslässe ist wichtig. Bei Mr. Thirsty liegen sie etwas oberhalb des Randes des Absaugschildes, was ihr Verschließen durch den weichen Mundboden verhindert, durch den symmetrischen Schildaufbau im Gaumenbereich aber zu Saugleistungsverlusten führt. Was dann noch an Saugleistung im Mund lokal ankommt, hängt aber auch entscheidend von der Saugmaschine ab und davon, was an Absaugleistung nach den Wegeverlusten überhaupt noch dem Absaugschild anliegt. Außerhalb eines kontrollierten Experimentes mit unterschiedlichen anliegenden Absaugleistungen halte ich es für unmöglich zu entscheiden, welches Produkt das zur verfügbaren Absaugleistung optimal passende ist.

Auch der Adapter, mit dem der Absaugschild verbunden wird, um die Verbindung zum Saugendstück herzustellen, hat deutlichen Einfluß. Mark Frias hat seine Kona Adapter, leider nur aus Aluminium, entwickelt und vertreibt sie, mit denen sich Isolite- bzw. Dryshield-Absaugschilde anschließen lassen, so daß man auf die teureren Originaladapter verzichten kann (https://konaadapter.wordpress.com). Mr. Thirsty braucht keinen Adapter bzw. bringt diesen mit jedem Absaugschild schon mit.

Mir reicht die Absaugleistung von Mr. Thirsty völlig in Verbindung mit einer Dürr-Naßabsaugung an einer Heka Unicline (1996) bzw. einer F1 Side (2016), letztere mit Cattani-Absaugschläuchen bzw. -endstücken. In das Heka- bzw. Dürr-Endstück des großen Schlauches läßt sich Mr. Thirsty direkt fest einstecken. Das Cattani-Endstück ist minimal zu groß, so daß Mr. Thirsty herausfiele, obwohl sonst an beiden Dentaleinheiten gleiche Absaugkanülen von Dürr verwendet werden. Hier hilft der leichte Zwischenschlauch der Firma, das Mr. Thirsty Comfort Kit. Das Ende des Schlauches stecken wir locker in das senkrechte Absaugschlauchendstück, das in seiner Halterung hängen bleibt, nur minimal herausgezogen wird, damit es anfängt zu saugen und dann fixiert wird mit einem fest zwischen Halterung und Absaugendstück eingepreßten Interdentalkeil.

Hier einige Videos zur klinischen Anwendung:

How to use Mr Thirsty One Step -DENTALKART
Alternative Einbringtechnik (=1mal Falten, gedrehtes Einbringen):


mr. thirsty® One-Step

Weitere, alternative Einbringtechnik der Konkurrenz, die am geschicktesten erscheint (=2faches Falten vorm Einbringen, Verzicht auf Drehung):


DryShield Tutorial – Maximize Your DryShield Experience
(In diesem Video wird dazu geraten, dem Patienten Nasenatmung zu empfehlen, um mit dem Absaugschild entspannen zu können.)

Im Dentalmarkt http://www.aera-online.de lassen sich durch eine Suche nach „thirsty“ die verschiedenen Produktvarianten auffinden. Ein Trial-Kit mit je 5 großen und kleinen Ansätzen von Mr. Thirsty beginnt bei ca. 31 €. Angesichts der möglichen Zeitersparnis für Zahnarzt und Assistenz scheint ein Preis von unter 3 € pro Stück (100er Packung) angemessen, auch wenn zu hoffen ist, daß die Konkurrenz unter verschiedenen Absaugschilden mit den Jahren noch zu deutlich günstigeren Preisen führen wird.

Mr. Thirsty ist als Einmalprodukt gekennzeichnet, was einer Aufbereitung nach europäischem Medizinprodukterecht nicht im Wege steht, vorausgesetzt, man kann eine korrekte Aufbereitung gewährleisten. Mr. Thirsty besteht aus 2 Teilen, die nur zusammengesteckt sind: einem harten Plastikrohrwinkel, der die Verbindung zur Absaugung herstellt und dem weichen Absaugschild, s. Fotos. Einmal auseinandergezogen, sind die Teile einzeln auch von innen vollständig inspizierbar, zumindest mit Lupenbrille und LED-Licht, die bei uns auch die Mitarbeiterinnen tragen, was Mr. Thirsty als semikritisch A qualifiziert. Wenn eine deutliche Verunreinigung stattgefunden hat, etwa durch eingesaugtes Abformmaterial, scheint mir die Reinigung zu zeitaufwendig – aber wir sind hier noch in der Testphase. Rückstände z. B. in den Silikonwaben des Aufbißblockes könnten ein Problem sein, s. Fotos.

Der weiche Absaugschild hat bei uns Tauchdesinfektion, Geschirrspüler (70 °C) und Autoklav problemlos überstanden. Das harte Verbindungsstück hat sich aber im Autoklaven und auch noch im strömenden Dampf bei 100 °C stark verformt. Da dieser Teil aber außerhalb des Mundes sich befindet und damit als unkritisch A zu klassifizieren ist, ist hier Autoklavieren nicht zwingend, denn bis semikritisch A ist Desinfektion alleine schon ausreichend, also chemisch oder im Thermodesinfektor, sofern dort temperaturstabil (nicht getestet). Die Recherche, ob dieser Winkel z. B. durch einen gleich dimensionierten, metallischen aus dem Sanitärhandel ersetzbar wäre, ist noch nicht abgeschlossen. Auch eine gußtechnische Duplikation in NEM mit dem Kunststoffteil als verlorener Form wäre denkbar.

Mr. Thirsty hat sich nicht als bei jedem von bisher ca. 15 Patienten einsetzbar herausgestellt. Manchen ist das Draufbeißenmüssen auf den Aufbißkeil zu anstrengend, andere genießen es, den Mund nicht mehr aktiv aufhalten zu müssen. Würger sind auch mit Mr. Thirsty schwierig. Bei den beiden Größen von Mr. Thirsty (blau, lila) hat das kleinere Absaugschild (lila) auch einen flacheren Aufbißkeil, was schon helfen kann. Beschneiden des Absaugschildes mit der Papierschere ist leicht möglich. Wichtig scheinen die ersten 1-2 min der Nutzung, danach läßt die initiale Anspannung des Patienten angesichts des bisher unbekannten Hilfsmittels sichtbar nach und entscheidet sich die Akzeptanz. Auch vorherige, ruhige Aufklärung des Patienten und souveräne, standardisierte Einbringtechink helfen. Ich strebe initial immer die Plazierung distal des OK- u. UK-Eckzahnes an, weil die Eckzahnspitzen das Herausrutschen von Thirsty nach vorne blockieren helfen.

Obwohl die Zahl meiner damit behandelten Patienten noch überschaubar ist, bin ich mir sicher, daß das orale Absaugschild, von welchem Hersteller auch immer, künftig aus der Zahnheilkunde nicht mehr wegzudenken ist.

Michael Logies, Stand 22.10.17

 

 

Beautifil

Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau im Bereich des Materials für den präendodontischen Aufbau, meinen wir gerade wieder ein kleines Stück weiter gekommen zu sein.

Seit ca. 5 Monaten testen wir von Shofu das Beautifil Flow Plus in der Farbe BW (Bleaching White). Es handelt sich hierbei um ein relativ standfestes (F00) und zähfließendes (F03) Flow. Es ist für die Füllungsklassen I-V zugelassen!

In der Anwendung haben wir kaum Bläschen im Material festgestellt. Die Röntgenopazität ist gegeben  und das Material ist deutlich vom Dentin (siehe Röntgenbild – Abschlußkontrolle) zu unterscheiden. Im Röntgenbild ist ebenso der Unterschied zu Rebilea Weiss von Voco ( postendodontischer Aufbau ) zu erkennen. Farblich ist das Weiß etwas transparenter als das Grandio Flow XO von Voco oder Tetric flow belach XL von Vivadent.
Die Handhabbarkeit ist auf Grund der Standfestigkeit hervorragend.

Hier noch die Beschreibung vom Hersteller:

Injizierbares Füllungskomposit für den Front- und Seitenzahnbereich

Beautifil Flow Plus verbindet die Applikationseigenschaften eines Flows mit der Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Ästhetik von stopfbaren Hybrid-Kompositen. Es ist für jede Indikation freigegeben – einschließlich okklusal belasteter Flächen und approximaler Ränder. Mit verbesserten Handling-Eigenschaften, die eine injizierbare Applikation erlauben, war die Restauration von Seitenzähnen nie einfacher. Zudem reduzieren die Fähigkeit zur Freisetzung und Aufnahme von Fluorid sowie die Widerstandsfähigkeit gegen bakterielle Besiedlung das Auftreten von Sekundärkaries.

Beautifil Flow Plus steht in einer injektionsfähigen, aber absolut standfesten Variante „F00“ und einer moderat fließfähigen Variante „F03“ zur Verfügung. Beide können in den bekannten Flow-Indikationen, aber auch für die Füllungstherapie im Front- und Seitenzahnbereich, einschließlich okklusionstragender Klasse-I- und -II-Restaurationen, eingesetzt werden. Dank eines um 360º drehbaren „finger-grips“ und einer auswechselbaren feinen Kanüle können die Flow-Plus-Komposite unkompliziert direkt aus den Spritzen appliziert werden.

Ein breites Farbangebot und unterschiedliche Opazitätsstufen für ästhetische Restaurationen in der Ein- als auch Mehrfachfarbtechnik stehen zur Verfügung.

Vorteile

Restauration von Kavitäten der Klassen I bis V
Hohe Dehngrenze und Biegefestigkeit
Anwendung der „Cone Technique“ möglich
Chamäleon-Eigenschaften mit natürlicher Ästhetik
Nachhaltige Fluoridfreigabe und -aufnahme
Außergewöhnliche Röntgenopazität
Anwendungsbereiche

F00 ZERO Flow – absolut standfest
Zum Formen der okklusalen Anatomie, Randleisten und komplizierter Oberflächendetails; für Restaurationen aller Kavitätenklassen
F03 Low Flow – moderat fließfähig
Zur Restauration von Fissuren und gingivanahen Defekten; Auftrag als Baseliner

Stropko-Irrigator an KaVo-Einheit

von Dr. Oliver Schäfer

Bereits mehrfach wurde auf Wurzelspitze über den Stropko Irrigator berichtet. Dieser ist ein Adapter für Luft-/Wasserspritzen, der über ein Luer Lock Gewinde verfügt, um Needle Tips zu befestigen. Dies ermöglicht ein gezieltes Trocknen (oder „Fluten“) von kleinsten Hohlräumen. Was zunächst nach einer Spielerei für Spezialisten klingt, macht sich nach kurzem Einsatz neben der Endo auch in anderen Gebieten unseres Fachs unheimlich nützlich. Wie oft haben wir bisher -mehr oder weniger erfolgreich- versucht, Impregum Abformungen vollständig zu trocknen…

Der Stropko ist ursprünglich ein US-Produkt, welches in Deutschland über ADSystems vertrieben wird. Um den Adapter verwenden zu können, muss die an der Einheit vorhandene Luft-/Wasserspritze den in Amerika üblichen Quick-Disconnect Anschluss besitzen. Da unseren geliebten KaVo 3F-Multifunktionsspritzen solch ein Anschluss fehlt, war schnell klar, das wir auch in eine neue Spritze investieren mussten. Nur in welche? Die als „Zubehör“ von ADSystems angebotene Spritze passte nicht ohne größere Umbauarbeiten an unsere Einheiten und einen Technikereinsatz vor Ort versuchten wir -aus Sparsamkeit- zu vermeiden.

Glücklicherweise stießen wir auf die deutsche Firma Medtronic Dental, die sich auf Motoren- und Spritzenschläuche sowie entsprechendes Zubehör spezialisiert hat. Zum Lieferprogramm gehört auch eine Multifunktionsspritze mit Quick-Disconnect, die (und das ist das eigentlich Tolle) einen zu KaVo oder Sirona passenden Anschluss aufweist.

Die Spritze ist fest mit dem Schlauch verbunden und aus einem Polymer hergestellt, was sie wirklich angenehm leicht macht. Nachteile des „Plastiks“ bei der Desinfektion konnten wir bisher nicht feststellen. Die Spritze besitzt die Quick-Disconnect Aufnahme, welche neben dem Stropko Irrigator auch für übliche Einmalansätze passt. Angenehmer Nebeneffekt, unsere neuen Ansätze (Air-Water Spritzenansätze Spectrum über M2 Dental) sind günstiger als die bisher verwendeten Pro-Tips und gewährleisten dennoch eine zuverlässige Medientrennung. Was den Anschluss an die Behandlungseinheit angeht,  unterscheidet sich diese von der Farbe einmal abgesehen, optisch nicht vom Original und lässt sich problemlos auf das entsprechende Gewinde der Einheit drehen. Die Belegung der Tasten ist wählbar, entweder wie in Europa üblich Luft links – Wasser rechts, oder wie in den USA üblich vice versa. Ob die Dichtungsringe ähnlich schnell verschleißen, wie bei den Pro-Tips können wir noch nicht einschätzen, jedenfalls hatten wir bei unserer „alten“ Spritzen in letzter Zeit gefühlt häufiger mit diesem Problem zu tun.

Wie so oft steckte der Teufel jedoch im Detail. Dem „Beipackzettel“ des Stropko Adapters war zu entnehmen, dass der Betriebs-Luftdruck vor Benutzung reduziert werden musste. Damit soll (laut Hersteller) die Gefahr von Embolien vermieden werden. Ob dies tatsächlich nötig ist oder nicht, lässt sicher Raum für längere Diskussionen. Wir wollten jedenfalls kein Risiko eingehen. Daher bestellten wir ebenfalls bei Medtronic einen Durchflussregler, der ähnlich wie ein Licht-Dimmer, die Luftmenge am Auslass des Spritze reguliert. In unserem „normalen“ Behandlungsalltag ist dieser immer ganz offen, vor Endos reduzieren wir bewusst, insbesondere wenn der Stropko direkt im Kanal einsetzt werden soll. Die Montage des Reglers muss an einer geeigneten Stelle der Einheit erfolgen. Dazu trennt man den Luft-führende Schlauch auf und steckt ein Ende auf den Eingang, das andere auf den Ausgang des Reglers. Das wenn überhaupt „Kniffeligste“ daran ist, den richtigen Schlauch zu identifizieren. Wir haben einfach KaVo eine Mail mit Foto geschickt und binnen weniger Stunden eine leicht verständliche Antwort mit Anleitung erhalten.

Die fertig montierte Spritze inkl. Stropko Irrigator sitzt problemlos im Köcher der alten Spritze. Bei der Bestellung mussten wir unsere bisher genutzte Spritzenart angeben, damit die neue Griffhülse vom Durchmesser passt.

Der Durchflussregler wird über eine Mutter mit dem Gehäuse der Einheit verbunden, oben zu erkennen sind die Messingnippel für den Luftein- und Ausgang.

Die Nippel können vom Hersteller im Durchmesser je nach Bedarf variiert werden. Die „Montage“ ist dann wirklich leicht.

 

Tiefe Aufgabelung

von Ronald Wecker

Während das präoperative Einzelbild zumindest in einer Projektion an diesem 15 einen nach mesial gerichteten Kanalverlauf erkennen liess, war das zur Abklärung der Prognose des 16 und der periapikalen Situation am 14 angefertigte DVT hier nicht in der Lage, die tatsächlich vorhandene tiefe Aufgabelung zweifelsfrei zu bestätigen. Mehr als ein Verdacht blieb nach der Auswertung nicht zurück.

Klinisch zeigte sich nach koronaler Aufbereitung des sehr schmalen und s-förmigen Isthmus das für einen tiefen Split typische Bild zweier symmetrisch angeordneter Lichtreflexe.

Diese entstehen, wenn der Spülflüssigkeitspegel so weit abgesenkt wird, dass die Kanalorifizien geradeso mit Flüssigkeit gefüllt sind. Die Messaufnahme (nur der bukkale Kanal konnte initial instrumentiert werden) bestätigte die Vermutung durch eine nicht mittenzentrierte Lage des im Zahn befindlichen Instrumentes.

Nach beharrlichem, nach palatinal gerichteten „Bearbeiten“ mit ProFile-Instrumenten 15/04, 20/04 und 15/06 in pickender Bewegung konnte schliesslich auch der palatinale Kanal instrumentiert werden.

 

Revitalisierung – Recall nach 5,5 Jahren

von Ronald Wecker

Fünfeinhalb Jahre nach der im Alter von 8 Jahren durchgeführten Revitalisierungstherapie kann die damals gewählte Therapie als bislang erfolgreich bezeichnet werden.

Nach komplizierter Kronenfraktur mit nachfolgender Pulpanekrose an 21 und einer unkomplizierten Kronenfraktur an Zahn 11 wurde der 8-jährige Patient 2 Monate nach dem Trauma in unserer Praxis vorgestellt.

Die Frakturstellen waren zunächst alio loco mit einer Glasionomerfüllung abgedeckt worden. Die Kronenfragmente waren über zwei Monate in steriler Kochsalzlösung gelagert worden. Da 11 reproduzierbar auf elektrischen und Kältereiz reagierte und das Fragment sehr gut zu reponieren war, wurde hier ein adhäsives Reattachment durchgeführt.

Da es neben einer akuten apikalen Parodontitis bereits zu einer infektionsbedingten externen Resorption an Zahn 21 gekommen war, wurde den Eltern empfohlen, zeitnah eine endodontische Therapie des Zahnes 21 einzuleiten.

Weil das Wurzelwachstum nicht abgeschlossen und das Foramen eine ausreichende Weite aufwies, wurde nach ausgiebiger Irrigation mit NOCl eine medikamentöse Einlage mit einer Mischung zweier Antibiotika (Ciprofloxacin und Metronidazol) eingebracht. Zuvor war das Kronenfragment ebenfalls adhäsiv wiederbefestigt worden, um das Anlegen des Kofferdams zu ermöglichen.

 

In einer zweiten Sitzung erfolgte nach Spülung mit EDTA das Initiieren einer Blutung aus der apikalen Papille und die Abdeckung des Koagulums mit Kollagen und MTA. Der MTA Plug „landete“ schlussendlich leider deutlich weiter apikal als ursprünglich geplant.

Bereits 6 Monate nach der Therapie konnte ein Arretieren der externen Resorption und ein gewisses Wurzeldickenwachstum beobachtet werden. Der ehemalige Wurzelkanalhohlraum füllte sich zunehmend mit radiologisch dichterem Material.

Vier Jahre nach der Therapie wurde der Zahn kieferorthopädisch an seinen heutigen Endpunkt bewegt, was zu einer vorübergehenden Erweiterung des Parodontalspaltes  geführt hatte.

Fünfeinhalb Jahre nach der Revitalisierungsbehandlung weist Zahn 21 einen dünnen, durchgehenden Parodontalspalt, sowie einen normalen Klopfschall auf und ist frei von klinischen Symptomen. Zahn 11 reagiert weiterhin positiv auf elektrischen und Kältereiz und hat sein Wurzelwachstum mittlerweile abgeschlossen.

Somit rückt das ursprünglich formulierte Minimal-Ziel, den Zahn bis ins junge Erwachsenenalter zu erhalten, allmählich näher.

 

Neustart (III) – Deutschland vs. Schweden (II)

Von Christoph Kaaden

 

Circa sechs Jahre ist unsere Entscheidung nun her einen Getinge K5- Autoklaven für unsere Praxis anzuschaffen.

Nach dieser Zeit kann ich festhalten, dass das Gerät absolut zuverlässig (und ohne notwendige Reparaturen) seine Dienste tut.

Das Gerät hat sich mehr als bewährt …

ein sehr guter Kauf…

 

heute morgen dann aber ein Schreckmoment…

Nach Betätigen des Anschaltkippschalters…

keine Reaktion…

Die üblichen Kontrollen des Stromkabels und der Steckdose blieben ohne positive Wirkung…

die Kollegin, die das Gerät am Freitag zuletzt benutzt hat kann kurzfristig nicht nach Auffälligkeiten zum Ende der letzten Woche „befragt“ werden, da sie heute frei hat…

was für ein Start in die Woche…

Abhilfe schaffte ein Anruf bei der Wartungsfirma

Die Sicherung des Gerätes war herausgesprungen.

Ein Druck auf den kleinen unscheinbaren braunen Knopf auf der Rückseite (der uns bis dato nie aufgefallen war) liess den K5 aus seinem Dornröschenschlaf erwachen…

Getinge Sicherung.001

 

so kann die Woche doch noch gut starten und der Autoklav weiterhin seine sehr bewerten Dienste verrichten…

 

P.S.: Am Donnerstag steht die tonusmässige jährliche Wartung an

Ketac Silver retrograd

von Ronald Wecker

Bei Revisionsbehandlungen resezierter Zähne mit retrograden Wurzelfüllungen zeigt sich in der überwiegenden Mehrheit der Fälle, dass die retrograden Wurzelfüllmaterialien auf der gewebezugewandten Seite deutliche Kontaminationsspuren aufweisen.

In unserer Praxis wird daher immer eine vollständige Entfernung dieser Materialien nach orthograd angestrebt.

Zu den aus Sicht des Entfernenden unbeliebtesten Materialien zählt neben Amalgam seit dieser Woche auch Ketac Silver, ein Material, mit dem ich bisher noch nicht konfrontiert gewesen war.

Neben der besonderen Härte des Materials – die Wirkung der Endosonore-Feilen sind hier, selbst im modifizierten, weil an der Spitze geschärften Modus , recht überschaubar – stellte die räumliche Ausdehnung des retrograden Füllmaterials eine besondere Schwierigkeit dar.

Solange der retrograde Verschluss nur unwesentlich größer als der Kanalquerschnitt ist, muss es nur in kleine Teile „zerlegt“ werden, um nach orthograd entfernt werden zu können.

Schwierig wird es, wenn die mesio-distale oder vestibulär-orale Ausdehnung deutlich größer ist als der Kanalquerschnitt und die periradikuläre knöcherne Krypte ein „Wegtauchen“ des gelösten Materials begünstigt.

Mein Vorgehen in solchen Fällen sieht zunächst eine durchgehende Reduktion der Schichtstärke des Materials von orthograd bis deutlich unter 1 Millimeter vor. Ein vorzeitiges Ablösen von den Kanalwänden oder eine primäre Perforation lateral versuche ich zu vermeiden.

Im vorliegenden Fall habe ich die Reduktion des Ketac Silver „No-Look“, das heisst ohne direkte Sicht auf den Instrumentenkopf, mit Hilfe eines überlangen Munde-Rosenbohrers durchgeführt, dessen Durchmesser deutlich kleiner war als der Querschnitt des retrograden Füllungsmaterials. Dabei habe ich alleine mit taktiler Rückmeldung unter visueller Kontrolle des langsamen Eindringen des rotierenden Instrumentes arbeiten können. Aufgrund der Arbeitslänge von 20 mm war eine direkte Sicht nicht geggeben.

Intermittierend wurden die entfernten Ketac-Silver-Teile herausgespült und überprüft, ob die angestrebte zentrale Perforation bereits erzielt werden konnte.

Sobald diese realisiert war, konnten nun die verbleibenden Ränder mit Hilfe der Endosonore-Feilen „abgeklopft“ werden.

Der zentral vorhandene Raum wurde dabei genutzt, um den „überhängenden“ Teil des retrograden Füllmaterials in die Mitte des Kanallumens hinein zu bewegen, zu drehen und dann nach koronal heraus zu lösen.

Das angefertigte Einzelbild liess noch einen winzigen Krümel erkennen, der erst nach intensiver Spülung unter einem Weichgewebsvorhang entdeckt und nachfolgend entfernt werden konnte.

Im Anschluss erfolgte, nach Einbringen eines kollagenen Widerlagers, die Obturation mittels MTA und der dentinadhäsive Verschluss der Zugangskavität.

 

 

 

Die Macht ist stark in jenem Yedi…

Ein Tipp von Jaqueline Franzke in der  Zahnmed- Liste von Michael Logies.
Zum Wochenende der richtige Einstieg, zumindest für alle vor 1970 Geborenen.

 

Externe Wurzelresorption (IV)

Von Bonald Decker

 

Hier ein weiteres (fotografisches) Update dieses Trauma-Falles und den aktuellen Stand der kieferorthopädischen Behandlung.

Externe Resorption_update.001

 

Externe Resorption_update.002

Demnächst ist die ästhetische „Korrektur“ der Zähne mittels Komposit vorgesehen…

Externe Resorption_update.003

 

Deutliche Krümmung und kein DVT!

von Ronald Wecker

Auf der ESE-Tagung in Brüssel habe ich mit hellen Ohren die Äusserung von Shannon Patel wahrgenommen, dass er in seiner Praxis alle mehrwurzeligen Zähne vor einer endodontischen Behandlung in einem kleinvolumigen DVT darstellt.

Zwar hat die Zahl der monatlich in unserer Praxis seit der Installation des Gerätes im März 2011 angefertigten Aufnahmen zugenommen, von einem Scannen jeder mehrwurzeligen Anatomie sind wir jedoch noch weit entfernt.

In vorliegendem Fall frage ich mich im Nachhinein, ob ein präoperatives DVT meinen Horizont hätte erhellen können, oder ob es mir, angesichts der sehr deutlichen apikalen Krümmungen meine Lockerheit genommen hätte.

Nach präendodontischem Aufbau (hier habe ich das im Kofferdam-Kurs von Stephane Browet Erlernte sehr gut nutzen können) erfolgte in einer ersten Behandlungssitzung die initiale Aufbereitung aller 5 Kanalsysteme (initial ProFile, im weiteren Verlauf Hyflex CM) und eine medikamentöse Einlage mit CaOH2.

Nach Abklingen der deutlichen Perkussionsempfindlichkeit erfolgte heute die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion. Die in MB1 vorhandene iatrogene Stufe konnte zwar überwunden werden, allerdings nur auf Kosten einer Coca-Cola-Flaschen-Form des mittleren Kanaldrittels. DB1 und DB2 konfluierten im mittleren Wurzeldrittel.

Der einzige Hinweis auf die sehr deutlichen apikalen Krümmungen bestand in einem federnden „Nachgeben“ der zur Verifizierung der Arbeitslänge unter endometrischer Kontrolle manuell eingebrachten NiTi-Feilen.

Ich muss zugeben, dass ich nach Betrachtung der Masterpoint-Aufnahmen innerlich noch einmal tief durchgeatmet habe, da alle meine Instrumente die Kanäle in voller Länge verlassen hatten.

 

 

Prämolar mit Hürden

von Ronald Wecker

Dass es nicht einfach werden würde, zeigte der erste Blick auf das Einzelbild.

„Wirr“. Dieser Begriff fiel mir beim Betrachten ein.

Dass es mehr als ein Kanal sein würde, war auch klar. Was war im DVT zu erkennen?

Im axialen Schnitt erschien der 44 geradezu c-förmig. Nicht gerade ein Vergnügen, betrachtet man den zur Verfügung stehenden Hartsubstanzquerschnitt.

Nach einigem „Durchfahren“ der verschiedenen Schichten konnten die Rätsel gelöst werden.

Koronal war der erste von zwei aufeinander folgenden Hohlräumen recht weit. Was jedoch folgte war ein vollständig obliterierter Abschitt ohne erkennbaren Hohlraum. Erst nach Bearbeitung mit einem Munce-Bur 1/4 zeigte sich eine typische helle Dentinspaneinpressung. Ebenfalls ein kleines C. Es folgte ein enger runder Kanalabschnitt, bevor sich der Kanal weiter apikal erneut aufweitete.

Erst hier erfolgte die Abzweigung des initial sehr engen lingualen Kanalsystems. Im OpMi erschien der bukkale Kanalanteil ebenfalls als schwaches „C“. Aus diesem zweigte dann weiter apikal ein MB und ein DB ab, wie im DVT sehr gut zu sehen war.

Klinisch konnte ich den MB zwar ertasten, jedoch nicht visualisieren, sodass ich mich bei der Obturation hier völlig auf die hydraulischen Kräfte der Warmfülltechnik verlassen habe.

Zugegeben: Ein wenig Glück war dabei.

Nun muss es nur noch ausheilen!

Back to the Future

von Ronald Wecker

Wie die Reise in einer Zeitmaschine kam es mir vor, als ich den klinischen und radiologischen Befund dieses Oberkieferfrontzahns vor mir sah.

Hatte ich doch vor nicht allzu langer Zeit hier einen ähnlich gelagerten Behandlungsfall 6 Jahre nach Abschluss der endodontischen Behandlung vorgestellt. Zwar war die Ausgangssituation eine andere – der bereits vorgestellte Fall war das Ergebnis eines anamnestisch eindeutig zuzuordnenden Unfalls – aber ansonsten war die Lage und Ausdehnung des Hartsubstanzdefektes ähnlich.

In dem jetzt vorgestellten Fall konnte sich der junge Patient an kein zurückliegendes Trauma erinnern. Grund für die Vorstellung in unserer Praxis war eine vom Patienten bemerkte gaumenseitige Zahnfleischschwellung die mit einer deutlichen Kaltmissempfindung an Zahn 21 einherging.

Nach klinischer Inspektion – der einzig auffällige Befund neben der hyperplastischen palatianlen Gngiva und dem „pink spot“ – war eine deutlich positive Reaktion auf den Kältereiz – wurde zur Darstellung der Ausdehnung des Substanzdefektes ein kleinvolumiges DVT angefertigt. Nach Auswertung des DVT und Vorstellung der Behandlungsalternative (Zahnentfernung) wurde dem Patienten die chirurgische Freilegung des Hartsubstanzdefektes, die Präparation der Resorptionslakune mit anschließender adhäsiver Restauration des Hartsubstanzdefektes empfohlen. Sollte die Pulpa eröffnet sein, so würde je nach klinischer Situation (vitales Gewebe oder Pulpanekrose) eine Pulpotomie oder eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden.

Nach Infiltrationsanästhesie erfolgte unter dem Dentalmikroskop die chirurgische Darstellung der Resorptionslakune. Das hyperplastische Gewebe wurde exzidiert und die jeweils benachbarten Interdentalpapillen abgelöst. Die Papilla inzisiva wurde nur im unmittelbar an den Zahn angrenzenden Bereich mobilisiert. Nach der Entfernung der das Resorptionsgewebe bedeckenden hauchdünnen Schmelzschicht konnte die Resorptionslakune dargestellt und das Weichgewebe mit einer Kürette und einem scharfen Exkavator entfernt werden.

Eine ausreichende Hämostase wurde durch das Platzieren von je einem kurzen Retraktionsfaden mesial und distal des Zahnes und je einem kleinem Racellet erzielt.

Nach Entfernung der von Resorptionslakunen durchsetzten Hartsubstanz stellte sich die Pulpa als großflächig eröffnet dar. Nach Abdeckung des Pulpastumpfes mit CaOH2 und Abdeckung mit Cavit wurde der Defekt mit einem hochviskösen Flow-Komposit (Estelite Low-Flow, Tokuyama) Schicht für Schicht restauriert. Der Nahtverschluss schloss die Behandlung ab. Rückblickend hätte die Exzision im distalen Bereich der hyperplastischen Gingiva ca. 1mm kleiner gestaltet werden sollen, um eine primäre Abdeckung der exponierten Hartsubstanz

In einer zweiten Sitzung in 4-6 Wochen wird unter absoluter Trockenlegung die Versorgung der Pulpawunde durchgeführt werden.

Bleibt zu hoffen, dass sich der Zahn in 6 Jahren genauso funktionstüchtig erweist, wie es der ähnlich beschädigte Zahn im ersten „Zeitmaschinefall“ getan hat.

Dürr Vistascan – Defekt nach 7 Jahren

von Hans – Willi Herrmann

SANYO DIGITAL CAMERAGefühlte 7 Jahre funktionierte unser Dürr Vistascan Mini Röntgenspeicherfolien – Scanner wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk. Und auch noch am Freitag nachmittag bei unserem letzten Patienten war alles wie immer.

Einwandfrei.

Am Montag morgen dann leuchtete beim Einlesen der ersten WF- Kontroll- Röntgenfolie eine rote LED am Gerät auf, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Gefolgt von zwei Fehlermeldungen, die nichts Gutes verhiessen. Fehler E 1170. Interner Fehler. Keine weiteren Textinformationen.  Und kurz danach E1020: INTERN. Die Operation kann in diesem Zusammenhang nicht ausgeführt werden.

Und dann dieses Geräusch.

Ein Rattern, wie ich es zuletzt in ähnlicher Dramatik unverhofft erlebt hatte, als der Motor unseres VW Buses im dafür berühmt-berüchtigten 3. Zylinder  einen „Defekt“ hatte. Man weiss sofort – das bedeutet nichts Gutes.

Der am frühen Nachmittag eingetroffene Techniker des Dentaldepots hätte es nicht besonders erwähnen müssen – der Scanner müsse eingeschickt werden, Dürr würde einen Ersatzscanner schicken. Wenn wir Glück hätten, könnten wir in 2 Tagen mit dem Austausch rechnen. Ich erwähnte, die Hoffnung stirbt zuletzt, das wir als Endo-Praxis ständig auf Röntgenbilder angewiesen seien. Und bat meine Mitarbeiter, unsere Röntgenpatienten des heutigen und morgigen Tages anzurufen und die Termine umzulegen.

Erfreulicherweise – und entgegen den allgegenwärtigen Erfahrungen der Jetztzeit, in der vollmundige Werbe-Versprechungen der Hersteller – man denke an die Diesel-Affäre – sich als inhaltsleere Worthülsen erweisen – stand schon gegen 12 Uhr  am nächsten Tag das Austauschgerät in der Praxis. Per Expresslieferung unmittelbar nach Eintreffen des Reparaturauftrages verschickt. 300 Euro kostet der Service und zieht man die Schwierigkeiten in Betracht, die sich aus der Nichtnutzung der  Röntgenentwicklungseinheit ergeben, dann ist diese Summe definitiv sinnvoll investiert.

Ein Dank an Dürr für diesen vorbildlichen Service.

Schon wenn ich diesen Satz schreibe, höre ich die kritischen Stimmen. „Ein so teures Gerät sollte länger als die sprichwörtlichen 7 Jahre halten“. Richtig. „Es sei die Frage erlaubt, warum ein Gerät, dass einmal aufgebaut und nie wieder bewegt, demnach keinerlei Belastung von aussen ausgesetzt ist, solche offensichtlichen mechanischen Schäden aufweise.“ Richtig.

Aber dabei wird geflissentlich übersehen, dass auch die analoge Röntgentechnik ihre Macken und Tücken aufwies. Der Dürr- Röntgenentwickler, wie hiess das Gerät noch, irgendwas mit XR 24, das Premiumprodukt seinerzeit, auch der lief im Vergleich zu den Mitbewerberprodukten unproblematisch und war daher das Gerät der Wahl, dieser musste regelmäßig gewartet werden, das Rollenpaket wurde immer mal wieder getauscht, man erinnere sich bitte an den monatlich oder  sogar noch öfters durchzuführenden Wechsel des Entwicklers/Fixierers.

Alles in allem um ein Vielfaches mehr Aufwand als beim Vistascan Mini.
Würde man den XR 24 und den Vistascan MIni grafisch gegenüberstellen, dann wäre der XR 24 eine mehr oder weniger wellige Linie mit teilweise starken Zacken. Der Vistascan Mini ist ein wie mit dem Lineal gezogener gerader Strich, der nun, nach 7 Jahren, abrupt abgerissen ist.

Der Vergleich demnach, der im Raum steht, ist also nicht der Vergleich Analog – Digital, sondern vielmehr, wie auch schon bei der Kaufentscheidung für den Vistascan, die Wahl zwischen Speicherfolie und digitalem Sensor.

Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen geändert.
Damals war der Sensor reparaturanfällig und von der Bildqualität nicht überlegen, heute sieht das anders aus – Die Sensoren liefern schneller teilweise der Folie überlegene Bildqualitäten, sind viel standfester und im Schadensfalle wesentlich preisgünstiger zu reparieren oder zu tauschen als früher.  Die Speicherfolien wiederum zeigen im Alltagsbetrieb Verschleisserscheinungen, die einen Austausch weit vor den vom Hersteller angepriesenen 1000 Aufnahmen notwendig machen,  ein Verbrauchsartikel sind, wie es vorher der analoge Film war. Auch diese Kosten sind demnach auf der Sollseite des Vistascan einzurechnen.

Es wird also maßgeblich davon abhängen, was die Reparatur an Kosten generiert, wenn es darum geht, zu eruieren, ob der Kauf des Vistascan Mini betriebswirtschaftlich Top oder Flop war.

Ich werde berichten.

 

Unbild des Tages – Update

Von Bonald Decker

Eventuell erinnern Sie sich noch an diesen Beitrag des letzten Jahres.

Heute war Adi wieder einmal zur Kontrolle seines ehemals avulisierten Zahnes 21 bei uns.

Insgesamt stellt sich die Situation klinisch und radiologisch erfreulich dar.

Kälte-Sensibilität, Zahnbeweglichkeit und Klopfschall sind ohne Besonderheiten.

Die radiologische Untersuchung gibt ebenfalls Anlass zur Hoffnung, da das Wurzelwachstum seit dem Unfall stetig weitergeht.

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Es scheint als hätte die „suboptimale Schienung“ keinen negativen Einfluss auf den Heilungsverlauf nach nahezu optimaler Erstversorgung gehabt…

 

RIP Walter Becker

von Hans-Willi Herrmann

Falls Sie sich als Leser unseres Blogs WURZELSPITZE gefragt haben, was es mit dem von mir gewählten Pseudonym „Donald Becker“ auf sich hat -hier -aus gegebenem traurigen Anlass die Auflösung…

Ich war 16,17 Jahre alt und meine Freistunden in der Oberstufe des Gymnasiums, sowohl die echten, als auch die selbstgewählten, verbrachte ich oft in der von einem Hippie-Pärchen geführten ortsansässigen Teestube. Nicht so sehr des Tee wegen und schon gar nicht wegen irgendwelcher anderer Sachen, ich rauchte nicht und trank keinen Alkohol, sondern, weil es dort Schallplatten zu kaufen gab.

Ich hörte zu dieser Zeit schon vorrangig Jazz, wenn auch mehr das leichte Zeug. Dave Grusin, Stanley Clark, George Benson, Billy Cobham und vor allem Chuck Mangione waren meine Helden, meine Pink-Floyd-Phase hatte ich zu diesem Zeitpunkt, genauer gesagt seit dem unsäglichen Album „Animals“ komplett hinter mir gelassen.

Ich weiss noch genau, als Evelyn, die Chefin des Ladens, auf mich zukam, mit dieser Schallplatte in der Hand und sagte: Die hier ist auch ganz gut, die hör´ ich im Moment gerne.

Die LP, grünblaues Cover, naive Malerei, eher hässlich, hiess „Gaucho“.
Es wurde die erste Steely Dan-LP, die ich mir kaufte. Natürlich besitze ich sie heute noch, in mehr als 10 facher Ausführung, denn eine Steely Dan – LP lässt man nicht auf einem Flohmarkt liegen, egal wie oft man sie schon im Regal stehen hat.

Walter Becker, die eine Hälfte des kongenialen Duos „Steely Dan“, ist gestern im Alter von 67 Jahren gestorben. Auch wenn Becker immer im Schatten seines musikalisch übermächtigen Partners Donald Fagen stand, so war das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit doch über Jahrzehnte hinweg so grandios aus dem mediokren Grundrauschen des E-Musik-Mainstreams herausragend, dass sein Tod als ein großer Verlust für die Rockmusik gelten muss.

Der Begriff „Rockmusik“ ist natürlich insofern suboptimal gewählt, als das die Musik Steely Dan´s schon von Beginn an – man denke nur an ihre erste Single vom 72er Debütalbum „Can´t buy a thrill“, das durch Eumir Deodato kurze Zeit später verjazzte und damit auch formell geadelte „Do it again“ – sich allen Versuchen, ihr eine Schablone oder auch nur einen passenden Namen aufsetzen zu wollen, von vorneherein entzogen hat.

Mit sprichwörtlichem Wiener Schmäh gesprochen könnte man sagen, die Musik von Steely Dan war eine Melange aus Jazz, Pop und Rock, aber in Wirklichkeit war es viel mehr als das. Es war die musikalische Inkarnation des idealen „californian way of life“, nicht im zuckerbäckerhaften Truman-Show Heile Welt-Szenarios der „Beach Boys“ oder den hippiesken Traumphantasien der „The Mamas and the Papas“, sondern in einer intellektuellen, das Hipstertum des Postmilleniums viele Jahrzehnte vorwegnehmenden Coolness, die in ihrer brillanten Perfektion von Komposition, Arrangement und Ausführung, welche nur wahre Meisterschaft im fernöstlichen Sinne eines Vollkommen in sich Ruhen und über den Dingen Schweben überhaupt generieren kann, bis heute seinesgleichen sucht.

Ich muss gestehen, das mich Beckers Tod emotional nicht so berührt, nicht so tief trifft, wie es bei einem Freddy Mercury, Falco, Michael Jackson oder Prince der Fall war. Doch mit seinem Weggang geht eine Ära zu Ende und es bleibt nur der Blick zurück auf eine Zeit, die musikalisch so viel reicher war als die der Gegenwart. Steely Dan und damit auch Walter Becker wird immer ein wichtiger Teil meines Lebens bleiben.

RIP Walter Becker.

Wer fährt schon bei Regen ohne Scheibenwischer ?

von Hans – Willi Herrmann

Stellen Sie sich vor, sie sind mit dem Auto unterwegs, es regnet und ihr Scheibenwischer funktioniert nicht.

Würden Sie so Auto fahren ?
Vermutlich würde das keiner von uns.

In der Zahnmedizin tun wir dies permanent.
Achten Sie einmal darauf, wie oft sie bei der Kavitätenpräparation im Rahmen der Füllungstherapie oder der Präparation von Kronenzähnen im Rahmen der Anfertigung von Zahnersatz ihren Mundspiegel trockenwischen.

Sie machen es ständig.
Und auch wenn Ihnen diese Tätigkeit in Fleisch und Blut übergangen ist, so stellt dies doch eine permanente Unterbrechung ihres „Flows“ dar.

Wäre es da nicht schön, es gäbe eine Lösung, dieses lästige Abwischen und die damit verbundene Unterbrechung ihrer Bohrtätigkeit verschwinden zu lassen ?

Mit dem Yirro Plus Mundspiegel steht nun eine solche Lösung zur Verfügung.

Screenshot 2017-07-19 17.21.54Der Funktionsmechanismus ist weder neu, noch besonders aufwendig.
Eigentlich sogar banal.

Ein Luftstrom, der permanent auf die Oberfläche des Spiegels pustet, vertreibt die sich durch den Bohrvorgang auf der Spiegeloberfläche ansammelnden Wassertropfen.

Und das Ergebnis ?

Zunächst, um übertriebene Erwartungen auf ein realistisches Maß zurückzuschrauben, was man nicht erwarten darf, ist eine permanent vollkommen wasserfreie Oberfläche.

Was aber gut funktioniert, ist das die Spiegeloberfläche jederzeit eine Beurteilung des Bohrgeschehens zulässt.

Um den anfangs angeführten Vergleich mit dem Auto aufzugreifen, denken sie an eine Windschutzscheibe, die bei beginnendem Regen mit einzelnen Regentropfen bedeckt ist. Auch wenn die Scheibe damit nicht mehr absolut rein ist, so ist doch jederzeit eine vollständige und mehr als ausreichende Beurteilung der Strassensituation möglich.

Damit können sie leben ?
Gut, dann lassen sie uns darüber sprechen, warum sich bislang keines der früheren Systeme, denn natürlich ist der Yirro Plus Mundspiegel nicht der erste Versuch dieser Art, auf breiterer Basis durchsetzen konnte.
Der Yirro Plus Mundspiegel kommt in zwei unterschiedlichen Größen einher, die Spiegeloberfläche ist hochwertig, was sich in einer exzellenten Lichtwiedergabe , hier passt das Verb wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, „wiederspiegelt“.
Der Yirro Plus Mundspiegel benötigt einen permanenten Druckluftanschluss am Behandlungsstuhl. Dies lässt sich durch geringe Modifikationen seitens des Dentaldepots unproblematisch umsetzen.
Ist aber erst mal eine Hürde, die es zu nehmen gilt.
Ich habe aus diesem Grund, den Yirro Plus Mundspiegel gibt es in zwei Varianten, eine manuelle Version, die ein händisches Ein- und Ausschalten der Luftzufuhr erforderlich macht und eine Komfort- Variante, die mittels Magnetventil den Luftstrom automatisch bei Entnahme des Spiegels aus seinem Instrumentenköcher in Gang setzt, erst mal im Sinne eines „Proof of Concept“ für die kostengünstigere Variante entschieden.

Und natürlich muss die Luft dann irgendwie zum Spiegel gelangen können, der, nach Empfehlung des Deutschland – Vertriebs (ich hätte es intuitiv genau andersrum gemacht und die Fotos auf der Hersteller – Seite zeigen dies auch so wie von mir vermutet) auf der Arztseite montiert werden soll, hängt also an einer sprichwörtlichen langen Leine, einem dünnen Kunststoffschlauch.

Gretchenfrage – wie umständlich ist das Ganze im Behandlungsalltag, stören Gewicht und die schlauchbedingte Bewegungseinschränkung ?

Zunächst, die Kombination Schlauch/Mundspiegel ist federleicht, ohne fragil zu wirken. Das Handling mit der Assistenz ist bei 6 Hand – Technik überhaupt kein Thema, aber auch, wer mit nur einer Stuhlassistenz arbeitet, was vermutlich die große Mehrheit der Behandler ist, wird sehr schnell den Yirro Plus Mundspiegel in einen effizienten Workflow integrieren.

In meiner Praxis war es im Rahmen des vierhändigen Arbeitens lediglich notwendig, dass der für kurze Zeit vom Behandler abgegebene Spiegel nicht wie gewohnt von der Erstassistenz auf dem Behandlungstray abgelegt, sondern in der linken Hand gehalten wird.

Und wie ist es nun so, beim Arbeiten mit dem Yirro Plus Mundspiegel ?
Der Spiegel kommt umso mehr zum Tragen, je schwieriger sich die Situation klinisch darstellt. Und unter diesem, allerdings nur unter diesem einen Aspekt, bedaure ich fast ein wenig, dass ich heute keine Kronen mehr an einem Zahn 27 präparieren muss.

Achten Sie mal darauf, wenn sie dies tun.
Bei der Präparation der interdentalen Anteile sind sie mehr damit beschäftigt, ihren Spiegel sauberzuwischen, als Zahnsubstanz abzutragen, immer unter der Voraussetzung natürlich, dass sie nicht grundsätzlich auf eine visuelle Kontrolle ihrer Bohrtätigkeit verzichten. Und – nein – ohne die Qualifikation ihrer Behandlungassistenz in Frage stellen zu wollen, es ist nicht das Gleiche, wenn diese mittels Luftpuster versucht, die Spiegeloberfläche  trocken zu halten.

Fazit

Braucht man den Yirro Plus Mundspiegel ?
Nein, man braucht ihn nicht.

Wir sind die letzten 100 Jahre immer gut auch ohne dieses Hilfsmittel ausgekommen. Wenn ich aber sehe, wieviel Geld in Zahnarztpraxen für völlig nutzloses Handwerkszeug ausgegeben wird, dann hat es der Yirro Plus Mundspiegel verdient, dass sie sich einmal näher mit ihm beschäftigen.

Er ist sicherlich kein Werkzeug für jeden Behandler, aber er wird im Gegensatz zu seinen Vorgängern und im Vergleich zu alternativen Konzepten sich eine solide Fanbase sichern können.

Probieren geht über hier über Wischen.
Denn denken sie dran, ihr Auto ohne Scheibenwischer würden sie spätestens nach dem ersten Regen in die Werkstatt geben.

Disclaimer
Auf den Yirro Plus Mundspiegel bin ich aufmerksam geworden, durch eine Empfehlung von Stefan Verch, Berlin, der wiederum von Winfried Zeppenfeld, Flensburg von dem Spiegel erfahren hat. Mein Dank an Beide für den Tipp !

Vom Hersteller wurde ein Testgerät kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt.  Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

 

Kennen Sie die Coneheads ?

von Hans – Willi Herrmann

Vermutlich erinnert sich heute noch kaum jemand an Dan Aykroyd, einen der Hauptdarsteller der 80er Jahre Kultfilme „Blues Brothers“, Ghostbusters“ und „Die Glücksritter“. Aykroyd spielte auch eine tragende Rolle in der Filmkomödie „Die Coneheads“, in der er als mit seiner Familie auf der Erde gestrandeter Ausserirdischer mit namensgebend monströs kegelförmigen Kopf herumlief.

Und genau daran muss ich zuweilen denken, wenn ich das Dentafix-Kissen am Patienten angelegt in Funktion sehe.

Aber der Reihe nach.
Das Dentafix-Kissen war eine Empfehlung der Kollegin Isa Helbig, für die ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Geäußert gegenüber meiner endodontischen Erstassistenz, anlässlich unseres Praxisrundgangs im Rahmen des diesjährigen 2. „Weck, Worscht, Woi“ Endodontie Intensivseminars, dass im April diesen Jahres  stattfand.

Wir verwenden seit vielen Jahren ein Tempur – Kissen zur optimalen Langzeitlagerung des Patientenkopfes im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung. In Kombination mit Tempurauflagen bzw. Tempur- Sitzflächen unserer Behandlungseinheiten ergibt sich so eine Lagerung, die von den Patienten immer wieder hinsichtlich ihres Komforts gelobt wird.

So gesehen gibt es eigentlich keinen Grund, von diesem Prozedere abzuweichen, zumal wir vor etlichen Jahren schon besagtes Dentafix-Kissen zum Testen in der Praxis hatten und damals zu dem Ergebnis kamen, dass es gegenüber der bestehenden Tempur-Lösung keine Vorteile bot. Es liess sich auf unseren damaligen Behandlungsstühlen von Siemens und Ultradent nur schwierig positionieren. Die eine Kopfstütze war eher breit und flach, dass es dem Kissen an seitlicher Fixation fehlte, die andere so zierlich, dass dem Kissen nicht genügend basale Abstützung geboten wurde.
Heute arbeiten wir mit Morita Soaric-Behandlungseinheiten. Und diese ermöglichen es, das Kissen adäquat zu positionieren, so dass sich eine stabile Positionierung des Dentafix-Kissen ergibt.

Screenshot 2017-08-08 19.46.33Das Funktionsprinzip der Kissens ist aus der Krankenhaus OP – Bereich bekannt. Der Patient wird vor der Operation wird in optimale Position gebracht, anschließend wird dem bis dato weichen, leicht formbaren Kissen mittels der Luftabsaugung des Speichelsauger der Behandlungseinheit die Luft entzogen.  Der entstehende Unterdruck lässt das Kissen fest werden, der Patient ist in der festgelegten Position stabilisiert, ohne dass diese Positionierung in irgendeiner Art und Weise kurz oder längerfristig unangenehm wäre.

Nach kurzer Eingewöhnung gelingt die Positionierung im kongenialen Zusammenspiel von Behandler und Assistenz schnell und unkompliziert. Als sinnvoll hat sich erwiesen, zunächst die Positionierung des Patienten im Behandlungsstuhl für die jeweilige Behandlung in der notwendigen horizontalen Endposition vorzunehmen, bevor man diese, vom Patienten für angenehm befundete Stellung fixiert.

Zumeist wird das Kissen im Halsbereich im Sinne einer Nackenrolle eingeschlagen, um so, gedoppelt, dort für deine optimale Abstützung im Genickbereich zu sorgen. Und auch wenn die etwas ausladenden Ecken des Kissens die Behandlung nicht stören, so hat es sich als sinnvoll erwiesen, diese bei der Unterdruckerzeugung zum Hals des Patienten hin zu schieben. Eine noch stabilere Lagerung des Patientenkopfes bei gleichzeitig größerem Bewegungungsspielraum des Behandlers lässt sich so ohne großen Mehraufwand erzielen. Presst man hierbei noch die Oberseite der Ecken nach unten, lässt sich auch ein im Verlauf der Wurzelkanalbehandlung benötigtes Röntgenschutzschild optimal platzieren.

Die Assistenz befestigt nun den Anschluss des Speichelsaugers mit dem Ventil des Kissen. Innerhalb von ca. 3 Sekunden ist dem Kissen die Luft entzogen, die festgelegte Position nach Schliessen des Ventils somit manifestiert. Was hier kompliziert klingen mag, ist nach mehrmaligem Durchführen, demnach schon innerhalb des ersten Arbeitstages, in Fleisch und Blut übergegangene Routine geworden. Anfangsschwierigkeiten gibt es also keine, dafür aber die immer wieder positiv geäußerte Rückmeldung der Patienten über eine angenehme Lagerung über die gesamte Zeitdauer der durchgeführten Behandlungen.

Wie sieht es mit eventuellen Nachteilen aus ?

Hier wären zunächst die besagten ästhetischen Defizite, besagter Coneheads- Imitation zu nennen, weiterhin der Umstand, dass dieses Kissen das Design unserer Morita Soaric-Behandlungseinheiten nachteilig verändert.

Sie merken schon, es gibt eigentlich keine nennenswerte Nachteile, wenn man davon absieht, dass ihre in der Patientenbehandlung arbeitenden Assistenzen, denken sie an den Prophylaxebereich, für deren Behandlungssitzungen ebenfalls ein solches Kissen sich wünschen.

Mit Beidem, finde ich, kann man gut leben. Von daher gibt es von meiner Seite her die uneingeschränkte Empfehlung, das Kissen vielleicht einmal selbst auszuprobieren. Sollte ihr Behandlungsstuhl für das Kissen geeignet sein, das gilt es herauszufinden, werden sie das Dentafix-Kissen schon schnell nicht mehr hergeben wollen.

Disclaimer
Ein Testexemplar des Dentafix-Kissen wurde uns für die Dauer des Praxistestes kostenlos zur Verfügung gestellt.

Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Kabelsicherung am Dentalmikroskop

von Dr. Andreas Habash

 

In vielen Praxen wird heute schon routiniert und täglich mit dem Dentalmikroskop gearbeitet. Oft werden die Behandlungsfälle auch mit digitalen Kameras dokumentiert, die an den Mikroskopen angeschlossen sind. Hier gibt es Kabelverbindungen direkt mit der Kamera z.B. zu einem externen Monitor im Behandlungszimmer.

Aber auch andere Szenarien sind denkbar wie zum Beispiel die Fotografie von zahntechnischen Arbeiten. Für diese Art der Produktfotografie kann man z.B. die Kamera auch direkt per Kabel mit einem Computer verbinden und fernsteuern.
Mit Hilfe eines HDMI Kabels direkt an der Kamera erfolgt die Übertragung auf einen Monitor. Um die Funktionen fernzusteuern ist meist ein USB Kabel passend zum Anschluss notwendig. Dies wird beim Kamerakauf vom Hersteller mitgeliefert.

Der Monitor, der mit dem Dentalmikroskop verbunden ist, dient oft als Mitbetrachtermonitor für das Praxisteam oder auch für Schulungen. Oft wird er auch verwendet um damit besser vor dem Auslösen der Kamera fokussieren zu können.

Leider kommt es gelegentlich vor, dass die Steckverbindung in der Kamera mechanisch, durch hohe Kräfte auf die Steckverbindung, überlastet wird und dadurch ausbrechen kann. Eine Kamerareparatur ist dann entsprechend aufwändig und unter Umständen auch kostspielig. In bestimmten Fällen muss die komplette Kamera ersetzt werden, weil die Reparatur der Wert der Kamera übersteigen würde.

In unserer Praxis haben wir deshalb im Laufe der Zeit einige Dinge versucht die Krafteinflüsse auf die Steckverbindung zu reduzieren.
In der folgenden Bilderserie sehen Sie die Lösungen, die wir täglich in der Praxis verwenden.

  1. Hersteller-Lösung für die Sony Alpha 7S Serie
  2. Lockport der Firma Lockcircle (lockcircle.com)
  3. Jerk-Stopper der Firma Schafflhuber (dental-systemhaus.de)

Wer hätte es gedacht , …

von Ronald Wecker

… dass dieser Traumafall ein solch erfreuliches Zwischenergebnis zeigen würde.

6 Jahre nach Behandlungsbeginn und 7 Jahre nach einem Frontzahntrauma schickte mir mein Parodontologe letzte Woche das nachfolgende OPG.

Ich sah den Patienten erstmals in 2011. Zustand nach Frontzahntrauma mit Avulsion der Zähne 22,21 und lateraler Dislokation von 11 und 12.

Behandelt wurde, leider mal wieder, gar nicht. Abwarten wurde empfohlen.

Nach einiger Zeit dann eine Behandlungsempfehlung. Der Kollege, der das Morita Aquitomo DVT anfertigte, diagnostizierte subgingivale kariöse Läsionen an den Zähne 11, 21 und 22! Die ausgeprägten apikalen Aufhellungen wurden allerdings korrekt benannt.

Therapieempfehlung: Entfernung der Zähne 12-22 und 4!!!! Einzelimplantate.

Patient war in 2011 21 Jahre alt.

Mein Plan sah für die Zähne 21 und 22 aufgrund der tief infracrestalen Lage der externen, vermutlich infektionsbedingten Resorptionen die Entfernung vor. Regio 21 sollte implantologisch versorgt, 22 mittels distalem Anhänger ersetzt werden.

Für den Zahn 12 sah ich gute, für 11 zumindest mässige Erfolgschancen, sofern der Resorptionsdefekt einem adhäsivem Verschluss zugänglich wäre.

Zunächst wurde daher die Resorptionslakune chirurgisch dargestellt und nach Reduktion des crestalen Knochens unter absoluter, aber aufgrund guter Hämostase (Lidocain 1:50000, Adstringent, Tupfertamponade unter dem Lappen) ausreichender Trockenlegung mittels Flowkomposit abgedeckt.

Nach Austausch der spaltigen Kompositrestaurationen und medikamentöser Einlage erfolgte in zweiter Sitzung die Obturation mit MTA. Bei 12 mit einem zusätzlichen kollagenen Widerlager.

Die weitere Behandlung wurde in einem tollen Team realisiert: Michael Stiller implantierte, Holger Janssen versorgte temporär und definitiv mit den von Jürgen Mehrhof erstellten temporären und definitiven Restaurationen.

Nachdem ich den Patienten noch zum 1- und 2-Jahres-Recall motivieren konnte, ward er fortan nicht mehr gesehen. Jede Bemühung ihn zum Recall zu „erwischen“ lief ins Leere.

Umso überraschender dann das OPG nach 6 Jahren unmittelbar nach Eingliederung der definitiven Versorgung. Die fenestrierten Zirkonoxidgerüste (mehr Transparenz) haben einen bizarren Charme.

Was mich jedoch verwundert ist die Spaltbildung zwischen MTA und Kompositaufbau nach 6 Jahren. Wurzellängenwachstum wird es vermutlich nicht gewesen sein.

Immer schön skeptisch bleiben, …

von Ronald Wecker

… auch wenn das Röntgenbild Gutes verspricht.

Klar, anstelle des im apikalen Teil des palatinalen Kanals eingepressten Sealers, wäre Guttapercha zu bevorzugen gewesen, aber auf den ersten Blick sieht die Wurzelfüllung an diesem 15 radiologisch gut bis sehr gut aus.

Dennoch berichtet die Patientin über eine vestibuläre palpatorische Druckdolenz und Aufbissmissempfindungen, die auch 3 Monate nach dem Abschluss der endodontischen Behandlung nicht nachliessen.

Auf den zweiten Blick erscheint die Wurzelfüllung jedoch nicht mittenzentriert.

Das DVT bestätigt den Verdacht eines nicht aufbereiteten distobukkalen Kanalsystems.

Zunächst erschien der koronale Anteil des bukkalen Kanals mittenzentriert zu liegen. Im mittleren Drittel zeigte sich dann jedoch ein treppenförmiger Querschnitt an dessen schmalen Ende der Eingang zu DB lag.

Eine gemeinsame Messaufnahme mit drei eingebrachten Instrumenten war aufgrund des schmalen Querschnitts im Bereich der Aufgabelung nicht möglich. Die Obturation erfolgte in warmer vertikaler Kompaktion.

Interessant der Unterschied der Lage der Wurzelfüllmasse in DB zwischen dem Backfill und der WF-Kontrolle. Obwohl nach der Backfill-Aufnahme keine vertikale Kompaktion mehr erfolgte, erscheint die Obturation in der WF-Kontrolle in DB etwas zu lang.

Mutter aller Fallberichte (IV)

Von Bonald Decker

 

Zuletzt habe ich hier 2014 über unsere persönliche „Mutter aller Fallberichte“ berichtet.

Hier hatte 2012 die Fallvorstellung begonnen.

Heute nun das Update fünf Jahre nach Behandlungsabschluss:

Mutter aller Fallberichte 5 Jahre post op.001

 

Mutter aller Fallberichte 5 Jahre post op.002

Wie ich finde ein sehr erfreuliches Ergebnis…

P.S.: Der Sensibilitätstest mittels elektrischer Stimulation fiel positiv aus.

Frontzahntrauma nach Hundebiss – 4 Jahres-Recall

von Ronald Wecker

Im Mai 2013 hatte ich an dieser Stelle über ein eher ungewöhnliches Frontzahntrauma berichtet.

Im Alter von 2 Jahren wurde die Patientin von einem Hund ins Gesicht gebissen. Neben einigen Weichteilverletzungen kam es offensichtlich auch zu Keimschädigungen im Bereich der Zähne 11, 21 und 22. Während es an den Zähnen 21 und 22 „nur“ zu Veränderungen der Schmelzstruktur gekommen war, zeigte 11 eine deutlich vom Üblichen abweichende Anatomie (2 Wurzeln) und eine interne Resorption in der palatinalen Wurzel.

Da die Compliance fehlte, erfolgte die Behandlung erst 6 Jahre nach dem Trauma.

Die Behandlung wurde zweizeitig durchgeführt. Das erste Recall nach 6 Monaten zeigte bereits eine deutliche apikale Ausheilung. Die Mutter der Patientin wurde gebeten ihre Tochter zum Offenhalten der Lücke zwischen 11 und 21 sowie 11 und 12 bei einem Kieferorthopäden vorzustellen, sowie bei der behandelnden Hauszahnärztin ein laborgefertigtes Langzeitprovisorium für Zahn 11 erstellen zu lassen.

Die gleiche Empfehlung wurde beim Reclam-Termin 18 Monate postoperativ ausgesprochen.

4 Jahre nach der endodontischen Behandlung befindet sich immer noch der stuhlseitig gefertigte und adhäsiv befestigte Kompostaufbau in situ. Die  ehemals vorhandene Lücke ist mittlerweile geschlossen.

Bleibt zu hoffen, dass nunmehr die restaurativen und kieferorthopädiischen Massnahmen ergriffen werden die notwendig sind, um das Ziel, den Zahn wenigstens bis ins implantationsfähige Alter zu erhalten, ergriffen werden.

Perforierende interne Resorption – Recall nach 11 Jahren

von Ronald Wecker

Nachdem sie für 5 Jahre von unserem Radar verschwunden war, stellte sich Ende letzter Woche die Patientin wieder bei uns vor.

In 2006 kam sie wegen des 11 in unsere Praxis. Pulpanekrose, symptomatische chronische apikale Parodontitis und nach labial und palatinal perforierende interne Resorptionen.

Ohne ein DVT fielen mir die Resorptionslakunen erst klinisch unter dem OpMi und später durch die nicht reproduzierbare ELM auf. Und natürlich als ich das apikale Drittel des Wurzelkanals sowie die Resorptionen mit MTA verschlossen hatte.

Da es neben einem distal gelegenen parodontalem Abbau auch eine labiale Sondierungstiefe von 5 mm gab, hatte ich den Verdacht, dass die am koronalsten gelegene Perforation Verbindung zur Mundhöhle hatte.

Da ich meine  parodontalchirurgischen Fähigkeiten nicht höher als die der Abteilung für Parodontologie an der Zahnklinik in unserer Stadt hielt, hatte ich die Patientin an den besagte Abteilung zum adhäsiven Verschluss der Perforation überwiesen. 2 Wochen später stellte sich die Patientin mit der leider mobilen Füllung bei mir vor.

Also schritt ich selbst zur Tat. Die Wundheilung nach 4 Tagen (Entfernung der 7/0’er Naht) war nicht gerade das, was ich mir erhofft hatte. 2 Monate später war ich wieder zufrieden.

Letzte Woche nun das Recall nach 11 Jahren. Apikal sieht es ein wenig resorbiert aus. Irritiert hatte mich, dass im Verlauf nach 3 Jahren die Aufhellung wieder erkennbar ist, danach nicht mehr. Die ST beträgt 2 mm labial, es gibt eine kleine Rezession von 1 mm und die Beweglichkeit beträgt seit 11 Jahren Grad 1.

Hätte man es mir prophezeit, ich hätte es nicht geglaubt.

Rückblickend erstaunlich, was auch ohne DVT ging. Könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen. Und wie lange sich die suboptimal geratene WF an Zahn 12 (nicht von mir) wacker hält.

Viermal das Gleiche und doch nicht Dasselbe

von Ronald Wecker

Aufgrund eines Traumas vor mehr als 30 Jahren wurden die Zähne 12-22 damals erstmals endodontisch behandelt. Ungefähr ein Jahr nach der Wurzelkanalbehandlung traten erneut Beschwerden auf, sodass vor der geplanten Überkronung, an den mittlerweile mit Wurzelschrauben versehenen Zähnen 12-22 eine Resektion der Wurzelspitzen vorgenommen wurde. Die retrograden Verschlüsse wurden ursprünglich alle mit Amalgam angelegt. An den Zähnen 21 und 22 erfolgte dann wenige Jahre später eine erneute chirurgische Intervention, da sich erneut eine apikale Aufhellung gezeigt hatte. Dieses Mal wurde zum retrograden Verschliessen ein Zement eingesetzt.

Interessant, wie unterschiedlich sich die Zähne 3 Dekaden später zeigen.

Zahn 12 wurde nur retrograd gefüllt. Das Wurzelkanallumen blieb ungefüllt. Der retrograde Amalgamverschluss scheint dicht abzuschliessen, da in Einzelbild und  DVT keine apikale Aufhellung zu erkennen ist. Eine klinische Symptomatik besteht nicht.

Zahn 11 wurde bis kurz vor die Wurzelschraube resiziert. Die apikalen 1,5 mm sind des Kanals sind mit Wurzelfüllmasse versehen. Eine periapikale Pathologie fehlt. Klinisch ist der Zahn symptomlos.

Zahn 21 zeigt eine ausgedehnte periapikale Lyse mit darin befindlichem röntgenopakem Fremdmaterial. Klinisch besteht eine palpatorische Druckdolenz.

Zahn 22 zeigt im Einzelbild einen erweiterten Parodontalspalt. Klinische Symptome bestehen nicht.

Aufgrund der bevorstehenden prothetischen Neuversorgung der Zähne 12-22 sollten die vorhandenen Wurzelkanalfüllungen revidiert werden. Da die Zähne 12 und 11 keine periapikale Pathologie aufwiesen, wurde mit dem Patienten besprochen, nur die intrakanalären Füllmassen zu entfernen und die retrograden Amalgamverschlüsse zu belassen. Eine orthograde Entfernung erschien zudem aufgrund der im Vergleich zu den Amalgamfüllungen geringen Kanalquerschnitte nicht substanzschonend möglich zu sein. Die mögliche Notwendigkeit eines späteren chirurgischen Eingriffs wurde im Vorfeld der Behandlung erläutert.

Bei den Zähne 21 und 22 war geplant, die retrograden Füllmaterialien nach orthograd zu entfernen, soweit diese visualisier- bzw. mechanisch erreichbar waren. Insbesondere kranial und labial des Neo-Apex von 22 zeigten sich im DVT vermutlich in der labilen Schleimhaut eingelagerte Fremdmaterialien, die nur chirurgisch entfernt werden könnten.

Die Behandlung erfolgte in 2 Sitzungen. Den Anfang machten die Zähne 21 und 22.

Nach Entfernung der Kronen und nach präendodontischem Aufbau konnten die Wurzelschrauben nach absoluter Trockenlegung dargestellt werden. Die Entfernung der Retentionselemente erfolgte mittels feiner rotierender Instrumente. Nachdem die Schrauben auf den zylindrischen Teil reduziert waren, konnten sie mittels Ultraschallansätzen, die gegen den Uhrzeigersinn eingesetzt wurden, entfernt werden.

Sodann wurden die weiter apikal befindlichen Zementreste mit U-Files zerkleinert und durch wiederholtes Spülen aus dem Kanal herausbewegt. Mit Hilfe von vorgebogenen Microopenern konnten die retrograden Materialien nach orthograd entfernt werden.

Die Obturation erfolgte nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA Angelus grau. In gleicher Sitzung wurden Glasfaserstifte adhäsiv eingesetzt, die Zähne adhäsiv aufgebaut und nach Grobpräparation mit stuhlgefertigten provisorischen Kronen versorgt.

Die Zähne12 und 11 wurden in einer Sitzung 2 Wochen später behandelt. Das Vorgehen glich bis auf die nicht notwendigen kollagenen Widerlegen der Behandlung der Zähne 21 und 22.

Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Situation zum ersten Recall in 6 Monaten zeigen wird.

 

Wurzelspitze Tag 8, Wurzelspitze Team Day 9

von Hans – Willi Herrmann

Am 12. und 13. Mai 2017 fand in Berlin der 8. WURZELSPITZE Tag statt. Genauer gesagt am Rande von Berlin, in den Neuen Kammerspielen Kleinmachnow, die mit ihrer stilvollen Kulisse den Veranstaltungen einen ausserwöhnlichen Rahmen gaben, welchen man zeitgemäß und modisch up to date heute mit „Retro“ oder „Vintage“ benennen würde. Die Organisation und die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung lag in Händen der von den  Kollegen Dr. Jörg Schröder, Dr. Sebastian Riedel und ZA Mario Müller M. Sc.. geführten Endodontischen Privatpraxis Berlin.

Zeitgleich zum 8. WURZELSPITZE Tag wurde von den 5 WURZELSPITZE – Praxen der mittlerweile 9. WURZELSPITZE Team Day ausgerichtet. Nachdem sich in der Vergangenheit unter anderem schon Themata wie Erste Hilfe, Business English, Serviceverhalten in der Patientenkommunikation, zahnärztliche Behandlungen der Praxismitarbeiter am Phantom-Kopf, ein Foto- oder ein Selbstverteidigungskurs auf der Agenda befanden, standen vormittags im Fokus dieses, traditionell dem Fachvorträge-Tag vorangehenden Treffens unter Anleitung von 4 Personal-Trainern sportliche Übungen zur Rückenschule.

Und da für ein professionelles Auftreten auch das Äußere eine nicht unerhebliche Rolle spielt, vermittelte am Nachmittag ein Visagist im Rahmen eines Schmink- Kurses Tipps zum Thema. Alternativ gab ein Spaziergang auf dem Kleinmachnower Mauerweg unter kundiger Führung eines Zeitzeugen Einblick in die individuellen gesellschaftlichen Verhältnisse dieseits und jenseits der Mauer in der Zeit der Teilung Deutschlands und den ersten Jahren der Wiedervereinigung.

 

Abends gab es das traditionelle Get Together mit den Praxismitgliedern, Referenten, Überweisern und den „Freunden von Wurzelspitze“. Das besondere Ambiente des altehrwürdigen Provinzkinos bildete den geeigneten Rahmen für einen Auftritt des Improvisationstheaters „Theatersport Berlin“, deren Mitglieder an diesem Abend für die Anwesenden eine Privatvorstellung gaben und vom begeisterten Publikum mit langanhaltendem Schlussapplaus und erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gelassen wurden.

Der Samstag stand dann unter der Moderation von Jörg Schröder im Zeichen der Fachvorträge: Den Auftakt machte Mario Müller, M.Sc., er referierte über die unterschiedlichen Vorgehensweisen zur Fragmententfernung. Dr. Dinah Fräßle-Fuchs sprach über Endodontie im Milchgebiss, der Zahntechnikermeister Jürgen Mehrhof beeindruckte mit  wundervollen Bildern und Videos zum Thema „Implantatposition: Der Schlüsselfaktor für Ästhetik und Komfort“.  Die Medizinerin Dr. Astrid Kohl referierte im Dialog mit Dr. Sebastian Riedel über Komplementäre Medizin & Endodontie im Spannungsfeld chronischer Krankheiten und Materialunvertäglichkeiten, die Juristin Haya Hadidi über das Patienteninformationsgesetz mit praxisrelevanten Empfehlungen für den Praxisalltag. Dr. Hans-Willi Herrmann zeigte die Möglichkeiten einer substanzschonenden Trepanation als Eintrittskarte für eine optimale Endodontie unter Anwendung der Komet EndoExplorer- und EndoTracer – Instrumente. Den Abschluss bildete Dr. Christoph Kaaden mit einer weiteren Folge seiner Vortragsserie “ Rette mein Lächeln“ zur Wichtigkeit einer adäquaten Therapie von Traumafällen, um potentiell dramatische Folgen für den Patienten bei Unterlassung zu vermeiden.

Gerne würden wir auch im Jahr 2018 eine weitere „WURZELSPITZE – Tag“ Fortbildung ausrichten. Salzburg oder Bad Reichenhall stehen in der Auswahl, wir werden zu gegebener Zeit hier berichten.

 

Ortho- und retrograde Revision

von Ronald Wecker

Der Blick auf das präoperative Bild liess mich grübeln:

Zustand nach zweimaliger Resektion, apikale Aufhellung, aber eine merkwürdige Anordnung der retrograden Füllmaterialien. Klinisch imponierte eine druckdolente Schwellung im Bereich der Resektionsstelle und eine Perkussionsempfindlichkeit. Die Sondierungstiefen lagen innerhalb physiologischer Grenzen.

Das präoperative DVT brachte Licht ins Dunkel der eingesetzten Materialien.

Als retrograder Verschluss wurde bei der letzten chirurgischen Intervention offensichtlich ein vorgefertigter stumpfer Verschlusskegel eingesetzt. Die Einbring-Achse sitzt zwar rechtwinkelig zur nicht mehr empfohlenen schrägen Resektionsfläche, dichtet aber das Neo-Foramen nur unzureichend ab.

Im Vorfeld der Revisionsbehandlung wurde mit dem Patienten besprochen, dass es sich intraoperativ als notwendig erweisen kann, in der gleichen Sitzung den Verschlusskegel chirurgisch zu entfernen. Die Möglichkeit, den Kegel durch den orthograden Zugang entfernen zu können, wurde nicht ernsthaft in Betracht gezogen.

Allerdings wurde auch ein zweizeitiges, zunächst orthogrades und in einer zweiten Sitzung dann retrogrades Vorgehen erörtert. Dies könnte in Erwägung gezogen werden, falls der Verschlusskegel lagestabil war und das orthograde Vorgehen zunächst nicht kompromittieren würde.

Aus praxisorganisatorischer Sicht hätte ich dem zweizeitigen Vorgehen den Vorzug gegeben, da das Vorbereiten eines mikrochirurgischen Eingriffes unmittelbar nach einer orthograden Revision am gleichen Patienten einen stärkeren Personalaufwand erfordert.

Die Zeit- und Personalplanung des ersten Termins erfolgte jedoch so, dass ein kombiniert ortho- und retrograder Behandlungsansatz durchgeführt werden könnte.

Nach Abnahme des von der überweisenden Kollegin angefertigten Provisoriums und nach absoluter Trockenlegung wurde zunächst das orthograde Füllmaterial entfernt. Der retrograde Verscjusskegel konnte daraufhin visualisiert werden. Er war nicht lagestabil und konnte durch Manipulation bewegt werden. Um ein bestmögliches Abdichten des Neo-Formens zu ermöglichen, wurde daraufhin zunächst nach intensiver ultraschallunterstützter Spülung ein temporäres kollagenes Widerlager eingebracht. Somit konnte das anschliessend eingebrachte MTA Angelus optimal verdichtet werden. Zudem wird ein Verbringen des MTA in den Raum der periapikalen Lyse verhindert. Nach adhäsivem Verschluss und Wiederbefestigten der provisorischen Krone erfolgte dann die Vorbereitung des Behandlungszimmers für den chirurgischen Eingriff.

Die Schnittführung erfolgte innerhalb der alten Resektionsnarbe und gleicht einer Schnittführung nach OCHSENBEIN-LÜBKE.

Die Reduktion des vestibulären Knochens erfolgte so, dass der Kegel in Querlage entfernt werden konnte. Da das MTA Angelus aufgrund der mittlerweile verstrichenen Zeit bereits deutlich ausgehärtet war, erfolgte nach Inspektion  der alten Resektionsfläche eine Anfrischung derselben, eine kleine retrograde Präparation mittels Ultraschall und eine Abdeckung mittels Total Fill. Die Nahtentfernung wurde 4 Tage postoperativ durchgeführt.

7 Monate nach dem Eingriff stellt sich die Periapikalregion bereits deutlich in Abheilung befindlich dar.

Be there or be square!

von Ronald Wecker

Berlin callin`

Von Christoph Kaaden

Der letzte Zahn ist gefüllt, alle Patienten haben die Räumlichkeiten verlassen und wir sind dabei die Praxis zu schliessen…

Berlin.001.jpgkurzum…

der 8. WURZELSPITZE-Tag kann kommen…

wir sind quasi unterwegs und freuen uns auf die HAUPTSTADT und ein tolles Programm…

 

see you in Berlin

 

:-)))

Der präendodontische Aufbau in sequentieller Matritzentechnik

von Ostidald Wucker

In diesem Fall möchte ich an Hand von Bildern den Aufbau subgingival gelegener Kavitäten in Einzelschritten am Zahn 15 vorstellen.

Diagnose: P. apicalis 15, perkussionsempfindlich vertikal und horizontal, kein Lockerungsgrad erhöhte Sondierungstiefen zwischen 4 und 5mm zirkulär, Senibilität negativ.

Der Zahn ist mit einer suboptimalen Kunststofffüllung mit insuffizienten Kontaktpunkten versorgt. In Vorbereitung der endodontischen Therapie erfolgte der präendodontische Aufbau und nachfolgend die endodontische Therapie in unserer Praxis.
Zur besseren optischen Abgrenzung verwnden wir weiße Kunststoffe.
( In diesem Fall noch Grandio Flow und GrandioSO Heavy Flow )

Hier nun die BIlder.

 

 

Komplizierte Kronen-Wurzelfraktur

von Ronald Wecker

Manchmal entwickelt sich ein Behandlungsfall anders, als ursprünglich angenommen.

So ist der nachfolgende Fall trefflich beschrieben.

Im Okober 2015 erreichte mich am Sonntag Nachmittag der Anruf einer Überweiserin. Ihr 11-jähriger Sohn war  ca. 2 Stunden zuvor mit dem Skatebord gestürzt und hatte sich eine Kronen-Wurzelfraktur an Zahn 11 zugezogen. Allerdings verliefen die Frakturlinien stark vertikal, sodass nach Entfernung aller Fragmente nur die labilen zwei Drittel der distalen Ecke übrig blieben. Der Zahn war deutlich nach labial disloziert.

Die Kollegin hatte die freiliegende Pulpa mit CaOH2 abgedeckt und eine Zementfüllung etabliert. In diesem Zustand stellte sich der Junge am nächsten Tag in unserer Praxis vor.

Die Zähne 22,21 und 12 sowie die gesamte UK-Frontzähne reagierten positiv auf Kältereiz. Der Klopfschall aller nicht frakturierten Zähne war normal.

Angesichts der starken Zerstörung des 11 habe ich der Mutter empfohlen sich zunächst kieferorthopädischen Rat (Lückenschluss nach Entfernung des 11) einzuholen. Zusätzlich empfahl ich ihr, sich mit Andreas Filippi in Basel zu beraten, ob eine Prämolarentransplantation in Frage kommt ( in Berlin kenne ich keinen Kollegen, dem ich das zutrauen würde).

Die KFO war der Meinung, die Schliessung der Lücke realisieren zu können. Dann stünde allerdings noch die Umformung der Zähne  12 und 13, sowie evtl. auch des 14 im Raum, um ein akzeptables kosmetisches Ergebnis erzielen zu können.

Aufgrund des noch zu geringen Entwicklungsstandes der in Frage kommenden UK Prämolaren kam die Prämolarentransplantation Ende 2015 bzw. Anfang 2016 noch nicht in Frage, sodass die Zeit ins Land ging. Im November 2016 dann ein erneutes OPG. Der 11 sah apikal so schlecht nicht aus, die Mutter hatte sich jedoch mittlerweile gegen das Unternehmen „Prämolarentransplantation“ entschieden.

Nach klinischer Inspektion – Zahn 11 trug ein stuhlgefertigtes PV, welches mit definitivem Zement befestigt war – und nach einem erneuten Einzelbild, habe ich der Mutter vorgeschlagen, zu versuchen den Zahn soweit aufzubauen, dass eine endodontische Behandlung möglich wäre.

Das vorhandene, mit definitivem Zement befestigte, PV habe ich durch Präparation entfernt. Dabei fiel mir bereits die Zementfüllung entgegen und es entleerte sich spontan Pus aus dem Kanal.

Nachteilig war es zu diesem Zeitpunkt, dass ich die Defektränder noch nicht freigelegt hatte. Also den Kanal in relativer Trockenlegung mit NaOCl gespült und siehe da: Überraschung.

Das weite Foramen war apikal mit Knochen „gefüllt“. Und das bei normalem Klopfschall. Nach Trocknung und verwackeltem klinischem Bild dann CaOH2 und Abdeckung mit Cavit. Dann mittels Elektrotom (schön, dass wir in der Praxis noch eines haben) die Defektränder freigelegt. Durch entsprechende Anästhesie reichte die Hämostase aus, um den Defekt adhäsiv aufzubauen. Zuvor hatte ich allerdings noch die mesiale Resorptionslakune mittels Elektrotom vom Gewebe befreit.

Der Aufbau erfolgte mittels Optibond FL und Tetric Evo Flow. Im subgingivalen Bereich habe ich auf eine konvexe Kontur geachtet. Die Präparation des Kronenrandes erfolgte nach dem Prinzip der „Margin Elevation“ beinahe äquigingival mittels schallbetriebener Instrumente. Zum Abschluss der Behandlung wurde ein laborgefertigtes Schalen-PV mittels Signum und Struktur unterschichtet und anschliessend rezementiert.

Vor der endodontischen Behandlung erfolgte bei der Mutter des Jungen nach Abheilung der Gingiva eine Abformung des präparierten Zahnes und im Labor die Anfertigung eines in Form und Zahnachse optimierten Langzeit-PV’s aus Komposit.

Die zweite Sitzung war deutlich vorhersagbarer als die erste. Nach absoluter Trockenlegung (Klammer auf 14, Lochung bis 22, keine Klammer an 11), erfolgte nach erneuter Desinfektion die Obturation mittels MTA. Darüber eine Schicht Guttapercha nebst Sealer und der dentinadhäsive Verschluss des Zahnes. Abschliessend wurde das neue PV befestigt.

Kosmetisch stört noch der zu 21 etwas unterschiedliche Gingivaverlauf und die verbesserungsbedürftige Mundhygiene.

Bleibt zu hoffen, dass die Resorption arretiert werden konnte und der Zahn wenigstens das implantationsfähige Alter erreicht.

Traumaspätfolge – knöcherne Ersatzresorption

von Ronald Wecker

Vor fast 4 Jahren wurde an dieser Stelle der folgende Fall beschrieben:

Frontzahntrauma nach Sturz vor 5 Tagen.

Die Zähne 12,11 und 21 wiesen unkomplizierte Kronenfrakturen auf. Zahn 11 war nach Avulsion und  50-minütiger Trockenlagerung zunächst in einem Dento-Safe gelagert worden und nach Inspektion von Alveole undWeichgeweben reponiert worden. Die Dentinwunden der Zähne 12-21 blieben unversorgt. Zahn 11 wurde in eine glasfaserverstärkte rigide Kompositschienung  einbezogen. Eine systemische Antibiose wurde auf 2 Einzelgaben beschränkt.

Nach der Erstversorgung mittels direkter Kompositrestaurationen und TTS-Splint für 4 Wochen (Alveolarfortsatzfraktur) wurden die Zähne 11 und 12 endodontisch behandelt. Die Zähne 21 und 22 reagierten in den Verlaufskontrollen reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz. Die Periapikalregion der Zähne 12-22 wies einen durchgehenden Parodontalspalt auf.

Bereits bei der Erstuntersuchung wurde dem Patienten erläutert, dass die Prognose für Zahn 11 aufgrund der langen trockenen Lagerung stark eingeschränkt ist. Nach Erläuterung der Behandlungsoptionen wurde gemeinsam entschieden, einen Erhaltungsversuch zu unternehmen.

Beim Recall nach fast 12 Monaten fiel klinisch ein ankylotischer Klopfschall an 11 auf. Das DVT liess eine knöcherne Ersatzresorption vermuten.

Nach fast 4 Jahren nunmehr die traurige Gewissheit: Zahn 11 wird langfristig durch Resorption verloren gehen. Vorhersehbar mag man sagen. Die zeitnahe Zahnentfernung nach den ersten Hinweisen wäre einfacher gewesen. Ja. Wäre es.

Unberücksichtigt dabei bleibt jedoch die persönliche Situation des Patienten, der unmittelbar nach dem Unfall einige für ihn wichtige Termine, unter anderem seit langem geplante Vortragsreisen, wahrnehmen wollte und so kurz nach dem Unfall keine für ihn weitreichende und in den Konsequenzen nicht überschaubare Entscheidung treffen wollte.

Die vorhandenen Obturationsmassen werden im Vorfeld der nunmehr geplanten implantologischen Versorgung der Regio 11 unter dem Mikroskop entfernt, um eine „rückstandfreies“ Implantatbett sicher zu stellen.

 

 

Perforierende Resorption als Trauma(spät)folge

von Ronald Wecker

Mitunter wird man mit Behandlungsfällen konfrontiert für deren Therapie Lösungsansätze gefragt sind, die vom „Normalen“ abweichen und für die individuelle Behandlungsstrategien entwickelt werden müssen.

Die Behandlung eines solchen Falles und das 2-Jahres-Recall hatte ich vor einiger Zeit an dieser Stelle vorgestellt.

Das für mich Besondere an beiden Fällen liegt in der Behandlung einer im Mikroskop nicht einsehbaren Resorptionslakune. Die Behandlung konnte in erster Linie deshalb vorhersagbar durchgeführt werden, weil das präoperativ angefertigte DVT eine exakte Bestimmung des Beginns, des Endes und der räumlichen Ausdehnung der Resorptionslakune ermöglichte. Zudem konnten die benötigten Instrumente – im Falle des 13 eine Endosonore-Feile , im heutigen Fall ein „verlängerter“ Microopener- so in Länge und Krümmung individualisiert werden, dass die chemo-mechanische Aufbereitung der Lakune vereinfacht wurde.

Der heutige Behandlungsfall zeigt einen 21 ca. 20 Jahre nach Trauma. Das Einzelbild lässt apikal der zu kurzen Wurzelfüllung einen unregelmässig begrenzten Hohlraum erkennen. Eine apikale Aufhellung fehlt. Der Zahn weist klinisch einen ankylotischen Klopfschall auf. Das Einzelbild lässt eine knöcherne Ersatzresorption vermuten. Aufgrund der langen Anamnese halte ich diesen Umstand für nicht prognosebeeinträchtigend.

Das präoperative DVT zeigt eine perforierende externe Resorption am palatinalen Aspekt des apikalen Wurzeldrittels.

Erwartungsgemäss kam es nach Erreichen des Resorptionsarreals zu einer deutlichen Blutung aus dem Wurzelkanal. Nach intrakanalärer Applikation von Ubestesin forte® und anschließender ausgiebiger schallunterstützter Irrigation sistierte die Blutung und ließ eine reproduzierbare endometrische Längenbestimmung zu.

Die Obturation erfolgte aufgrund des schlitzförmigen Charakters der Resorptionslakune mittels BC Sealer® und  Guttapercha.

Bei der Erstbehandlung habe es offensichtlich initial Schwierigkeiten den Kanal zu lokalisieren, wofür die zu weit nach labil extendierte Zugangskavität (siehe präoperatives DVT) und die drei sealergefüllten „Abdrücke“ von endodontischen Handfeilen labil des eigentlichen Kanaleinganges sprechen.

Das Recall wird mit Spannung erwartet.

 

Dental Trauma Guide via VDZE

von Hans – Willi Herrmann

Es wurde bei WURZELSPITZE hier darüber berichtet.
Der „Dental Trauma Guide“ ist seit kurzem nicht mehr kostenlos verfügbar.

Der VDZE hat daraufhin gestern via Mail bekanntgegeben,  den VDZE Mitgliedern, finanziert durch die Mitgliedsbeiträge, den Zugang zu dieser Seite zu ermöglichen.

Florian Bertzbach, derzeitiger VDZE – Präsident, schreibt hierzu, daß durch eine Gruppenmitgliedschaft gute Konditionen erhalten werden konnten und der VDZE somit dieses Projekt zukünftig unterstützen wird.

Für VDZE – Mitglieder besteht lt. Bertzbach damit demnächst zum Beispiel die Möglichkeit, auf einem Rechner in der Praxis einen Zugang fest einzurichten und als Link auf dem Desktop zu hinterlegen. So können im Notfall schnell die benötigten Informationen abgerufen werden.

Schräge Horizontalfraktur

von Ronald Wecker

11 Avulsion und unkomplizierte Kronenfraktur, extraorale Verweildauer 20 Minuten bei sehr kalten Aussentemperaturen, Lagerung im DentoSafe, Reponierung 2 Stunden nach dem Unfall in einer Praxis, dort auch semirigide Schienung mit TTS-Splint. Kompositabdeckung der Dentinwunde.

21 schräg verlaufende Horizontalfraktur im, naja, mittleren Drittel mit palatinaler Dislokation.  Reposition des 21 nicht vollständig, palatinaler Frühkontakt mit Protrusion des 21.  Leider suboptimale Schienung, Bondingreste ausgehärtet im Zwischenraum 11/21, Schienung nur 22-12 und an 22 gelöst.

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4 Tage nach dem Unfall Vorstellung beim MKG. Dort DVT mit Bestätigung der schräg verlaufenden Horizontalfraktur.  6 Tage nach Schienung mit Frühkontakt in nicht reponierter Stellung des 21 mit Jiggling-Forces durch die UK-FZ Vorstellung bei uns.

8 Tage nach dem Unfall neue Schienung 53-63 und endodontische Behandlung des 11 bei uns. 11 mit Pulpanekrose und Foramendurchmesser ISO 100. Kollagenes Widerlager und MTA apikal. Dann Guttapercha und adhäsiver Verschluss. 21 wurde palatinal so eingeschliffen, dass es keine Frühkontakte mehr gibt.

6 Wochen nach dem Unfall gestern Wiedervorstellung: 21 noch gering lateral perkussionsempfindlich. Beweglichkeit nur noch Grad 1 in bukko-lingualer Richtung. Die Schienung wird noch belassen, da bei Protrusion 21 der einzige Zahn ist, der führt. Nach Eckenaufbau des 11 ist geplant, die Frontzahnführung durch laborgefertigte palatinale Kompositschalen auf die Zähne 22, 11 und 12 zu „verlagern“, um den 21 keinen protrusiven Kräften auszusetzen. Abschliessend wird der TTS-Splint entfernt.

 

Healing?

von Ostidald Wucker

Dieser Fall wurde von mir vor Behandlungsbeginn in der Prognose als ungünstig eingeschätzt. Die Ausdehnung der apikalen Veränderung und die Beteiligung des Sinus, sowie die klinischen Symptome haben mich da empirisch geleitet, oder verleitet?

Der Patient wollte trotzdem einen Versuch des Zahnerhaltes wagen. Zuvor wurde schon eine endodontische Behandlung versucht.
Der Ausgangszustand am Zahn 16 imponierte mit Lockerungsgrad 2, Sondierungstiefen zwischen 3-4mm mit Exsudation palatinal und akuten Aufbißbeschwerden. Die prothetische Restauration zeigte einen circumferenten Randschluß mit Keramikabplatzungen okklusal und distal, sowie überstehenden Kronenrändern.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig unter Einsatz der SAF in beiden Sitzungen. Spüllösungen waren NaOCl 5% und Zitronensäure 10%. Zur Trocknung der Kanäle wurde Alkohol verwendet. Diesen verteilen wir mit der SAF für 5-10 Sekunden. Danach spülen wir mit Alkohol und trocknen die Kanäle mit Papierspitzen und Luft.
Die palatinale Wurzel wurde auf Grund der externen Resorption als Begleiterscheinungen der apikalen P. mit ProRoot MTA weiss gefüllt. Auf ein kollagenes Widerlegen wurde hier auf Grund der Sinusitis mit Verbreiterung der Kieferhöhlenschleimhaut verzichtet.
Eine hauchdünne Schicht MTA Pulver wurde von uns auf das apikale Granulaionsgewebe aufgetragen und danach weiches MTA mit feuchter Papierspitze darauf adaptiert. Nach der anschießenden thermischen Obturation mit Guttapercha erfolgte der adhäsiver Verschluß des Zahnes mit langzeitprovisorischer Kronenreparatur intra oral.

Die weitere prothetische Therapie wurde dem Patienten jetzt angeraten.

IDS – Vorschau 2017: Meta Biomed EQ- V

von Hans – Willi Herrmann

eq_v-1Die IDS 2017 steht in den Startlöchern, der Countdown läuft.
Schon jetzt scheint sicher, es wird im Hinblick auf den Endobereich eine der interessanteren Jahrgänge werden, eine ganze Reihe von Neuheiten sind angekündigt.

Die koreanische Firma Meta Biomed ist, was Endo- Geräte angeht, gleich mit zwei Neuheiten am Start. Da wäre zunächst das EMS 200 Endo Magic. Eine  „All in One“ Endo-Lösung, den gesamten Endo- Workflow betreffend. Das EMS 200 hat, auf den ersten Blick zumindest, verblüffende Ähnlichkeit mit dem, in Deutschland bekannten und hoch geschätzten (weil als offenes System ausgelegtem und damit für eine Vielzahl von unterschiedlichen Nickel- Titan – Instrumenten verwendbarem) Schlumbohm Endopiloten. Für den bereits maschinell enodontisch aufbereitenden und somit motorbestückten Kollegen, der jetzt den Schritt zur warmen Wurzelfülltechnik wagen möchte, bringt Meta Biomed als kostengünstige Alternative zu ihren bereits vor 2 Jahren eingeführten Genesys–Geräten das EQ-V auf den Markt.

Ein weiteres akkubetriebenes, demnach kabelloses Füllsystem für die warme Guttapercha-Fülltechnik.

Beginnen wir mit dem Verkaufsargument, dass den „average dentist“ in der Regel zunächst am meisten interessieren dürfte: Während der Kaufpreis in Deutschland für das Genesys – System mit 1999 Euro zu Buche schlägt, wird für das EQ – V mit 995 Euro gerade mal die Hälfte aufgerufen. Das ist doch schon mal von der möglichen Ersparnis her eine Summe, die insbesondere den Einsteiger überlegen lässt, ob hier nicht das Billigere der Feind des Guten ist. Und ein solcher Preis verlagert zumindest die psychologische Schwelle des Einstiegs in die warmen Fülltechniken deutlich zum Positiven hin.

Wer sich demnach nun für den Einsatz warmer Techniken entscheidet, dem präsentiert sich das EQ-V  in der bereits von den B&L Geräten her bekannten Kombination eines kabellosen Gerätes in Penholder-Style/Lötkolben-Form für das Downpack und einer ebenfalls akkubetriebenen „Obtura“ – Pistole zum Backfill.

Was sogleich ins Auge fällt – die Hitze-Voreinstellungen der Backfill- Pistole sind nicht ganz so vielfältig wie beim Genesys.  Es stehen 160 und 200 Grad Celsius zur Wahl, das Genesys bietet als Abstufungen 140, 160, 180 und 200 Grad. Inwieweit sich diese Einschränkungen in der Praxis auswirken, bleibt abzuwarten.

Nächster Blick – diesmal ohne Frage vorbehaltlos positiv – die Geräte verfügen über Wechsel-Akkus.  Diese sind demnach im Bedarfsfalle vom Behandler sofort tauschbar und passen in beide Geräte gleichermassen. Gefällt mir. Das extrem ärgerliche Phänomen des „Mist, Vergessen auf die Ladestation zu stellen, Strom alle, muss geladen werden, Entschuldigung Chef“ fällt schon mal weg. Das Gerät wegen eines Akkuwechsels zur Reparatur einschicken zu müssen auch.  Und mit gegebenenfalls einem zusätzlichen, dritten Akku als Sicherheitsreserve, den ich, sie kennen mich, nix „Mut zur Lücke“, „Gürtel und Hosenträger“ ist meine berufliche Devise, persönlich mir beim Kauf „gönnen“ würde, sollte eine stetige Verfügbarkeit zuverlässig gewährleistet sein.

Der verwendete Kunststoff des EQ – V soll im Übrigen hochgradig wärme- und chemikalienresistent sein. Warum ich das erwähne ? Sowohl bei früheren  Meta-Geräten als auch bei Geräten von Sybron Endo kam es vereinzelt im Laufe der Zeit zu Haarrissen im Gerätekörper, die nicht alle mit unsachgemäßer Handhabung oder Anwendung aggressiver Desinfektionsmittel erklärt werden konnten.
Der Gebrauch des Gerätes war nicht beeinträchtigt, aber unschön war dieses Vorkommnis dennoch. Und soll der Vergangenheit angehören.

Rein haptisch ist am EQ – V schon mal nichts auszusetzen.
Zwar sind die Geräte sehr leicht (was ohnehin vermutlich die meisten Kollegen als positiv bewerten werden), liegen aber dennoch sicher in der Hand.

Die zu erwärmende Guttapercha kann im Übrigen sowohl in Form von „nachladbaren“ Pellets a la Original Obtura – Pistole, aber auch in Form von Einmalkartuschen verwendet werden, der Behandler hat hier freie Wahl. Meta Biomed weist darauf hin, dass der Pflege- und Reinigungsbedarf bei der Verwendung von Pellets gegenüber der Original Obtura – Pistole deutlich anwenderfreundlicher ausfällt, sowohl die Häufigkeit als auch die  Einfachheit der Pflegemassnahmen betreffend.

Wer die IDS nicht abwarten will und schon vorab genauere Infos zum Gerät möchte – Meta Biomed hat vor kurzem mit Sitz in Mülheim an der Ruhr auch den Bürobetrieb in Deutschland aufgenommen, einen deutschsprachigen Telefonsupport erreicht man unter  0208-309919-0.

Schlechte Nachricht: Der Dental Trauma Guide ist nicht mehr kostenlos.

von Lothar Pröbster

Schlechte Nachricht: Der Dental Trauma Guide ist nicht mehr kostenlos.

Seit dem ersten Februar 2017 ist der Dental Trauma Guide (https://dentaltraumaguide.org) nicht mehr frei und kostenlos zugänglich. Für den Zugang zum illustrierten Trauma Guide muß man Mitglied („certified DTG member“) werden und eine Jahresgebühr von 25 US-Dollar entrichten. Kostenlos zugänglich sind nur noch die Richtlinien aus dem Jahre 2012 (http://www.iadt-dentaltrauma.org).

Auf der einen Seite ist es verständlich, dass dieser exzellente Service Kosten verursacht, die irgendwoher gedeckt werden müssen. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die in normaler Praxis nur sehr selten mit Traumata konfrontiert sind, verständlicherweise nicht Mitglied beim DTG werden. Dies wird leider dann dazu führen, daß Traumata gegebenfalls nicht fachgerecht behandelt werden, weil der Zugriff auf den Dental Trauma Guide fehlt.

Alternativ kann auf die Dental Trauma App (2,99 Euro im Apple Store) zurückgegriffen werden.

Mutter aller Fallberichte – Neuauflage (II) – Recall

Von Bonald Decker

 

Vor längerer Zeit hatte ich hier den ersten Teil der Behandlung eines Oberkiefer-Prämolaren mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum vorgestellt.

Gestern war der mittlerweile 14-jährige Patient mit seiner Mutter zur Nachuntersuchung bei uns.

Hier das bisherige Ergebnis…

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Es scheint, als ob die bisherige Entwicklung als positiv bewertet werden kann.

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Die nächste Nachkontrolle ist in zwölf Monaten geplant. Das Ergebnis werde ich Ihnen dann wieder vorstellen.

P.S.: Wer sich mit dieser Thematik eingehender beschäftigen möchte hat auf der kommenden Frühjahrstagung (31.3./01.04.2017) der deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiz) in Würzburg hierzu Gelegenheit. Hier finden Sie das Tagungsprogramm.

Und wieder ein Recall…

von Ostidald Wucker

Vorgestellt wurde der Fall 2012. ( 1, 2, 3 )
Die Behandlung wurde 2011 begonnen und 2012 im März beendet. Die Die prothetische Therapie erfolgte 2014. Die Recallbilder klinisch und röntgenlogisch möchte ich Ihnen hier im 5 Jahres Recall vorstellen.

2D vs. 3D – Diagnostische Erleuchtung, die Behandlung

von Ronald Wecker

Vergangene Woche habe ich an dieser Stelle die Ausgangssituation dargestellt.

Zahn 26 mit Zustand nach WSR und palatinaler und bukkaler Fistelung.

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Die Behandlung erfolgte zweizeitig mit einer medikamentöser Einlage mit CaOH2 für 8 Tage. Ein eher kurzer Zeitraum, aber aufgrund terminlicher Restriktionen (Urlaub Patient, Urlaub Behandler) konnte der üblicherweise in unserer Praxis gewählte Abstand von 14 Tagen nicht realisiert werden.

8 Tage nach dem ersten Behandlungstermin zeigte sich sowohl die bukkale als auch die palatinale Fistelung verschlossen. Der Zahn war nach mehr als 2 Jahren erstmalig beschwerdefrei.

Am heutigen Tag erfolgte nach erneuter schallunterstützter Irrigation die Obturation. In P und MB1 wurde ein kollagenes Widerlager angelegt. MB2 konfluierte am Neo-Apex mit MB1 und hatte eine ca. 1mm lange rinnenförmige Fortsetzung nach distopalatinal. Diese sieht man auf den Kontrollbildern als kleinen dünnen Ausläufer der mesialen Wurzelfüllung. Da die distobukkale Wurzel unvollständig resiziert worden war und die belassene Wurzelspitze keine Pathologie erkennen ließ, wurde DB bis zum Neo-Apex in warmer vertikaler Kompaktion obturiert.

Das Recall in 6 Monaten wird zeigen, ob auch der Defekt apikal der mesialen Wurzel Tendenzen der Ausheilung zeigt, oder ob ein chirurgischer Eingriff indiziert sein wird.

 

Schmelzperle

von Ostidald Wucker

In einem DVT des letzten Jahres haben wir eine Schmelzperle als Nebenbefund diagnostizieren können. Im 2dimensionalen Röntgenbild fällt dieser Befund nur dem geübten Betrachter auf.
Die Schmelzperle hier zeigt sich mit einer isolierten Parodontits im Furkationsbereich.

Hier finden Sie noch etwas Literatur zu dieser nicht häufig vorkommenden Paraplasie.

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Unbild des Tages 12/16 -Update

Von Bonald Decker

nachdem sich die Patientin für einen weiteren konservativen Versuch der Zahnerhaltung  entschieden hatte ging es kürzlich in diesem Fall (Vorgeschichte: zweimaliger Versuch der orthograden Wurzelkanalbehandlung durch zwei Zahnärzte, nachfolgende Wurzelspitzenresektion mit retrograden Füllungen und prothetischer Neuversorgung mittels Teilkrone) bisher so weiter…

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Ausgangssituation = Zirkonkrone

Das Auffinden und Präparieren der vier Kanalsysteme gestaltete sich initial aufwändiger als vorab von mir vermutet (Darstellung und initiale Präparation ca. 30 Minuten)…

dank des Einsatzes eines Dentalmikroskops liess sich die Situation aber „meistern“

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Blick auf mesio-bukkalen Anteil der Kavität

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Zustand nach Darstellung, Katheterisierung und chemo-mechanischer Reinigung der vier Kanalsysteme

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Masterpointaufnahme;auf eine Entfernung des retrograden WF Materials wurde bisher verzichtet; anderes als distal ist das Verschlussmaterial mesial nicht visualisierbar

 

Weiterhin ist geplant den Zahn bei hoffentlich eintretender Beschwerdefreiheit in einigen Wochen abschliessend zu behandeln…

ich halte Sie über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden…

 

Revision nach Resektion

von Ronald Wecker

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Während die Revision bereits resizierter Seitenzähne noch vor einigen Jahren eher eine rare „Behandlungsaufgabe“ war, haben die Überweisungen derart vorbehandelter Zähne in letzter Zeit deutlich zugenommen.

Im vorliegenden Fall war erfreulich, dass die resizierten Wurzeln DB und MB retrograd gefüllt worden waren. Und auch das Vorhandensein eines MB2 wurde in Erwägung gezogen, wie der zweite retrograde Verschluss in der mesialen Wurzel zeigte.

Dennoch war die Behandlung nicht erfolgreich. 2 Jahre nach der Resektion trat eine bukkal gelegene Fistelung und einen palatinale Vorwölbung im Bereich des Apex der palatinalen Wurzel auf. Klinisch wies der Zahn keine erhöhten Sondierungstiefen auf, sodass eine Vertikalfraktur eher unwahrscheinlich erschien.

Nach Anlegen der Zugangskavität konnte zunächst das auf dem Pulpakammerboden gelegene Pulpakammerdach und die dazwischen befindlichen Gewebereste entfernt werde. MB2 war nicht aufbereitet. Nach der Entfernung der Guttapercha aus P entleerte sich spontan putrides Exsudat.

Anhand des präoperativ angefertigten DVT konnte die Lage der im Periapikalraum gelegenen Obturationsmassen, sowie die Lage der retrograden Füllungsmaterialien bestimmt werden. Dennoch gelang es in der ersten Behandlungssitzung nicht, alle retrograden Materialien vollständig zu entfernen. Über die Jahre bin ich davon abgekommen, das Glück erzwingen zu wollen und verlege derart „fummelige“ Tätigkeiten nach intensiver chemo-mechanischer Aufbereitung in die zweite Sitzung. Und ich fahre gut damit.

Mein Kopf ist freier, die Anzahl der zu nehmenden Hürden ist deutlich kleiner als beim ersten Termin und die Entfernung periapikal gelegener Fremdmaterialien gelingt in der Regel wesentlich geschmeidiger.

Während das 2D-Röntgenbild vor medikamentöser Einlage noch deutliche Reste von Obturationsmaterial in P zeigte, war das klinische Bild völlig anders. Nach distopalatinal hin war in P nur ein kleiner , gelber Materialkranz zu sehen.

Mittels vorgebogener Microopener und -debrider wurde jedoch im Anschluss ein erstaunlich großes und deutlich kontaminiertes Stück Sealer zu Tage gefördert. Die retrograden Massen unter MB und DB wurden mittels vorgebogener Endosonore-Feilen zerstäubt und dann herausgespült.

Da, wie erhofft, die bukkale Fistelung zu Beginn der zweiten Sitzung abgeheilt und die palatinale Vorwölbung abgeklungen war, erfolgte die Obturation nach bewährtem Standard:

Nach Anlegen eines kollagenen Widersachers unter MB1, DB und P kam MTA zum Einsatz. MB2 wurde, da sehr eng, in warmer vertikaler Kompakten obturiert.

Nun erwarte ich gespannt das erste radiologische Recall nach 6 Monaten.

Neupatientin mit Sammlung seltener Befunde

von Larn Beckof

Eine junge Frau von ursprünglich afrikanischer Herkunft , 28 J., kam
letzte Woche ohne Beschwerden zur Erstvorstellung. Es waren noch nie
Röntgenaufnahmen angefertigt worden. Vor 2 Jahren bestanden nach
Angaben der Patientin rechts oben Zahnfleischprobleme, die sich ohne
Behandlung zurückbildeten.

Beim ersten Blick in den Mund zeigten sich zwei sehr ähnliche aber doch
verschiedene ungewöhnliche Befunde, beim nachfolgenden Röntgen ein weiterer.

  1. Höckerähnliche Struktur vestibulär im Interdentalraum unmittelbar an
    und zwischen 15 und 16, bei forciertem Eindrängen eines Instrumentes
    minimal beweglich.

  2. Höckerähnliche Struktur vestibulär im Interdentalraum 17/18
    unmittelbar an 17 (cp und vital) bei forciertem Eindrängen eines
    Instrumentes (zwischen der Struktur und 18) unbeweglich.

  3. Im Knochen zwischen 34 und 35 Verschattung (6 mm Durchmesser) mit
    einer Röntgendichte wie Zahnsubstanz. Basal umgebend Verdacht auf
    zystische Aufhellung ca 2 cm, Kieferkamm und Schleimhaut o.B., keine Exostosen.

Frage: Welche Diagnosen würden Sie für die Befunde 1, 2, 3 stellen?
Welche weitere Diagnostik und welche Therapie würden Sie vorschlagen? –
Wie gesagt, ältere Aufnahmen liegen nicht vor.


Unsere Auflösung nach Stand der Dinge:

  1. Milchzahnrest, Extraktion

  2. Schmelzperle, Entfernung durch Abtrennen (Restauration der cp)

  3. Verdacht auf Zementom, Abklärung durch DVT

3 Haselnüsse (2)

von Donald Becker

Eine Schmerzpatientin.
Symptomatischer Zahn 45. Zustand nach WF.  Apikale Aufhellung.
Die vorhandene Stufe an 45 war ausgeprägt. Was spielerisch leicht aussieht im Endergebnis ist schwierige Arbeit und letztendlich das Resultat des stetigen Umgangs mit der Materie.

Im Anschluss an die endodontische Behandlung an Zahn 45 wurde die WF an Zahn 47 revidiert. Und dann zum Jahresende hin, noch ein unverhoffter Besuch, der Zahn 46, devital, machte Beschwerden. Die WF- Kontrolle an Zahn 46 zeigte als Nebenbefund die Ausheilung der ehemals vorhandenen apikalen Knochendestruktion an Zahn 45.

Ein Behandler, ein Patient, 3 Zähne – Ein schönes Beispiel für Konstanz und Reproduzierbarkeit in der Behandlung, unser höchstes Ziel.

3 Haselnüsse (1)

von Donald Becker

Ein Recall.

Einer der Fälle wo man nicht sicher ist, ob es gelänge, eine vollständige Ausheilung der apikalen Osteolyse zu erreichen, ist doch der periapikale Prozess schon mit deutlicher Entfernung von der Wurzel eventuell unseren Bemühungen im Hinblick auf eine mögliche extraradikuläre Infektion nicht mehr zugänglich, zumindest an 36, bei den beiden apikalen Aufhellungen an Zahn 37 sieht es weniger problematisch aus.

Der Patient zahlt die Behandlung aus eigener Tasche.
Er ist Anfang Dreissig.
Doch besser die Extraktion mit nachfolgender Implantation ?
Was soll man raten ?

Erfreulich das Ergebnis 2 Jahre nach Erstvorstellung.

 

3 Haselnüsse für Aschenbrödel

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von Hans – Willi Herrmann

„Ja ist denn schon Weihnachten“ schrieb hier vor ein paar Tagen Jörg Schröder und freute sich über 3 schöne Behandlungsergebnisse im Recall. Um diesenTag herum liefen in einer anderen Praxis ebenfalls 3 schöne Fälle auf,  die ich hier, in der Nacht vor Heilig Abend, einstellen möchte.

Denn wie sich mit dem wohl schönsten aller tschechischen Märchenfilme (weil mittlerweile durch alljährliche Repititionen analog  Whams „Last Christmas“ vorkonditioniert) die vertraute weihnachtliche Stimmung gewissermaßen automatisch einstellt, möchte ich das Motto des Films als Überschrift für den nachfolgenden Beitrag wählen, um damit die frohe Botschaft des „Voller Glauben an den Erfolg in der Sache nicht nachlassen in den Bemühungen“  in die Heilige Nacht weiterzutragen.

Ich wünsche im Namen aller WURZELSPITZE-Autoren unseren Lesern ein  frohes, friedvolles Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2017.

Herodontics (1)

von Ostidald Wucker

Die heutige Fallvorstellung hat schon einige Zahnärzte schwer beschäftigt.
Wir empfahlen die Extraktion und Implantation.
Von implantologischer Seite wurde der Patientin der Versuch einer Erhaltung des Zahnes 11 „so lang, wie möglich“ unbedingt nahe gelegt.

Was nun?
Behandlung ablehnen? Experiment wagen, weil es nun nicht mehr viel schlimmer kommen kann? Wir ( Patientin, Parodontologe und Endodontologe) haben uns nach eingehenden Beratungen für ein Erhaltungsversuch entschieden.

Zur Anamnese:
Die Patientin ist zahnärztliche Fachangestellte. 30 Jahre.
Kurzanamnese lt. Patientin:
– Sturz auf Frontzähne im Kindesalter (Datum unbekannt)
– Jan. 2005 WKB des obliterierten Zahnes 11 mit Via Falca
– Okt. 2007 Knochenaufbau und Membran an Perforationsstelle
– Dez. 2007 internes Bleaching mit erneuter Perforation

Klinische Situation:
11 massive eitrige Taschenexsudation seit Jahren, Lockerungsgrad 0, Sondierungstiefen labial 8mm, pd 4mm, p 2mm, pm 2mm, kein Perkussionsschmerz

Behandlung:
Die wichtigsten Dinge habe ich kommentiert. Der chirurgische Part wurde von einer Parodontologin in unserer Praxis übernommen. Zum chirurgischen Part: Nach Präparation eines buccalen Mukoperiostlappens von Zahn 12 bis 22 im Sinne einer papilla preservation technique, wurde die ehemalige Perforation dargestellt. Das dort vorhandene Kompositmaterial wurde bis auf das von intrakanalär applizierte Komposit entfernt. Durch die Verwendung von Surgitips war es möglich, den Bereich der Kavität optimal trocken zu halten. Diese hielten atraumatisch während der Füllungslegung das gingivale Gewebe ab und führten über leichte Kompression zur Reduktion des Blutflusses. Der adhäsive Verschluss erfolgte nach SÄT und Applikation des Adhäsivsystems Optibond FL mit Grandioflow WO und im cervicalen Bereich mit Grandioflow A3. An der distalen Schmelz-Zementgrenze des Zahnes 11 war eine weitere Perforation erkennbar. Der Verschluss dieser wurde ebenfalls wie beschrieben durchgeführt.
Der Nahtverschluss erfolgte interdental als double-o-Naht mit Seralene 5.0. Der Wundheilungsverlauf gestaltete sich komplikationslos. So konnten nach 7 Tagen die Nähte entfernt werden.

Prämolar nach Resektion

Von Bonald Decker

Der nachfolgende Fall fällt sicher in die Rubrik „heldenhafte Bemühungen“…

das Röntgenbild der Ausgangssituation zeigt warum:

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Es handelt sich um einen unteren  zweiten rechten Prämolaren der circa sechs Monate nach endodontischer „Behandlung“ und prothetischer Einbeziehung in eine dreigliedrige Brücke bei wiederauftretenden Beschwerden alio loco „reseziert“ wurde.

Der nachfolgende Desktop-Mitschnitt des angefertigten DVTs zeigt die Gesamtsituation:

Trotz aller widrigen Umstände haben wir uns für einen orthograden Revisionsversuch entschieden. Hier einige Impression der Behandlung:

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Entferntes WF-Material 

pramolar-nach-resektion-003pramolar-nach-resektion-004

pramolar-nach-resektion-005

pramolar-nach-resektion-006Bei aller Freude über die bisher erzielte Heilung müssen weitere Nachuntersuchungen die Nachhaltigkeit unserer heldenhaften Bemühungen unterstreichen…

4 auf einen Streich (2)

von Ostidald Wucker

An dieser Stelle möchte ich noch der Abschluss des letztens vorgestellten Falles mit multiplen Instrumentenfrakturen vorstellen.

Am Zahn 37 konnten wir das Fragment, wie beschrieben entfernen. Danach zeigte sich eine gewaltige Stufe und Blockierung. Dank der 3 dimensionalen Aufnahme war der weitere Verlauf der an dieser Stelle konfluierenden Kanäle bekannt. Die Blockierung und Stufe wurde mittels vorgebogener Ultraschallfeile (Endochuck + NSK Stahlfeile) überwunden. Die weitere apikale Aufbereitung erfolgte mit Nickeltitaninstrumenten bis #35.04. Die Desinfektion des Kanalsystems erfolgte mit PUI, Eddy und der SAF unter Verwendung von Natriumhypochlorit. Zur Beseitigung von Smearlayer und Debris kam Zitronensäure 10% zum Einsatz.
Abschließend wurde das Kanalsystem thermisch mit Guttapercha und AH Plus obturiert.

Hier die weiteren Bilder.

Unbild des Tages 12/16 – der kleinere Bruder

von Ronald Wecker

Knapp daneben ist auch vorbei.

Trotz Resektion und retrogradem Verschluss kam es zu keiner Ausheilung der apikalen Pathologie.

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Standards

von Ronald Wecker

Jeder der hier Mitlesenden hat sich über Jahre hinweg Standards erarbeitet.

Standards helfen, die Behandlungsqualität auf einem bestimmten Niveau zu halten , Komplikationen zu vermeiden und vorhersagbare Behandlungsergebnisse zu erzielen.

Für mich war der hier gezeigte Behandlungsverlauf einmal wieder ein von Zeit zu Zeit offensichtlich notwendiger Fingerzeig, meine selbst gesetzten Standards nicht zu verlassen. Nie. Unter keinen Umständen.

Der Patient hatte eine fast zweijährige endodontische Odyssee hinter sich. Eine nicht erfolgreiche endodontische Erstbehandlung der Zähne 16 und 17 und eine kurz darauf durchgeführte Revision der Erstbehandlung durch denselben Behandler. Dabei kam es an 17 zu einer Extrusion von Obturationsmasse in den Periapikalbereich und an 16 blieben zwei Instrumente kurz vor und deutlich nach der apikalen Krümmung im Zahn zurück. Die Qualität der provisorischen Versorgung spricht für sich.

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Aufgrund akuter Beschwerden an Zahn 16 wurde der Behandlungstag kurzfristig umgeplant, um ein entsprechendes Zeitfester für den Patienten zu generieren.

Dadurch wurde ein wichtiger Standard unterlaufen:

Immer ein eigenes Bild anfertigen, wenn der Verdacht besteht, dass die aktuelle Situation nicht der im mitgebrachten Röntgenbild entspricht.

Die Erstberatung war zwar an einem getrennten Termin erfolgt, das mitgebrachte Röntgenbild zeigte den Zustand 6 Wochen zuvor und ich hatte ich auf ein eigenes Bild verzichtet.

16d-002

Da der Termin sehr kurzfristig zustande kam, hatte ich auch nicht nachgefragt, ob es in der Zwischenzeit, neben der Versorgung mit einem laborgefertigtem Langzeitprovisorium, auch zu weiteren Massnahmen im Zahninnern gekommen war. War es aber.

Dass die Behandlung dennoch ohne Komplikationen durchgeführt werden konnte, habe ich einem eingehaltenem Standard zu verdanken.

Nachdem neben dem vor, auch das deutlich nach der Krümmung gelegene Fragment entfernt worden war, habe ich, obwohl ich die zwei im Fremd-Röntgenbild zu erkennenden Fragmente entfernt hatte, ein Kontrollbild angefertigt. Zum Glück.

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Denn offensichtlich war alio loco ein weiteres Instrument im apikalen Drittel frakturiert. Der Versuch, das deutlich gekrümmte Kanalsystem im apikalen Drittel zu erschliessen, hätte vermutlich zu einer weiteren Fraktur, nur dieses Mal meines eigenen Instrumentes geführt.

So konnten die in den anderen Kanalsysteme vor einer Fragmententfernung immer eingebrachten (Standard!) Schaumstoffpellets belassen und das apikal eingebolzte Instrument zunächst mit Handfeilen bis zur ISO-Größe 20 passiert und dann mittels Eddy herausgelöst werden.

MB1 und MB2 konfluierten im apikalen Drittel, P und DB mögen radiologisch kurz wirken, entsprechen jedoch in ihrer Länge der endometrisch bestimmten Arbeitslänge.

Standards zu etablieren ist mitunter anstrengend, sie konsequent einzuhalten offensichtlich aber die schwierigere Übung.

 

Unbild des Tages 12/16

Von Bonald Decker

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Zustand nach zweimaligem Versuch der endodontischen Behandlung an Zahn 36 mit nachfolgender Wurzelspitzenresektion und prothetischer Neuversorgung mittels Keramik-Teilkrone vor ca. 1 Jahr- aktuell neuerliches Beschwerdebild (u.a. Aufbissschmerz)

Quiz du jour 11/16 Desktopmitschnitt DVT

Von Bonald Decker

Hier also der Desktopmitschnitt des 3D-Scans.

U.a. aufgrund der Vorgeschichte haben wir uns zur Anfertigung eines DVTs entschieden…

aber sehen Sie selbst…

Quiz du jour 11/16

Von Bonald Decker & Sral heflrchi

 

Zum Wochenende noch ein kurzes Quiz du jour mit der Bitte um eine (Blick)Diagnose…

 

quiz-du-jour-112016-001quiz-du-jour-112016-002quiz-du-jour-112016-003Worum handelt es sich hier? Nutzen Sie die Kommentarfunktion.

 

Intrakoronale Anatomie unterer Molaren

Von Bonald Decker

 

Nachfolgend ein Fall von heute Vormittag…

Der Zuweiserin war es trotz Nutzung eines Dentalmikroskopes nicht gelungen das mesio-linguale Kanalsystem dieses unteren rechten Molaren ausfindig zu machen. Die drei anderen Systeme hingegen konnten von ihr erfolgreich bearbeitet werden…

 

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Bei der intrakoronalen Inspektion und Diagnostik fiel schnell auf, dass die Kollegin an der falschen Stelle gesucht hatte…

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Beim Auffinden des tatsächlichen Orifiziums haben mir zwei „anatomische“ Aspekte geholfen…

Zum einen die Lage und Ausdehnung der Entwicklungslinie zwischen den mesialen Kanalsystemen, die einen sehr guten Anhalt dafür liefert, wo sich ggf. verborgene Kanalstrukturen sicher auffinden lassen

 

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Ferner die Tatsache, dass alle Zähne der zweiten Dentition ausser obere Molaren symmetrisch aufgebaut sind. Legt man also eine gedachte Linie mittig von mesial nach distal durch den Zahn erhält man weitere Anhaltspunkte zur besseren Orientierung.

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Schon aus diesem Grund konnte die alio loco vermutete Position des lingualen Kanalsystems nicht stimmen…

In diesem Zusammenhang lesenswert ist der Artikel –Die endodontische Landkarte- von Dr. Christian Friedrichs 

Stillstand (?)-Update-Update Pat A.R

Von Bonald Decker

Vor einiger Zeit hatte ich hier die Situation des jungen Alex nach Avulsion des Zahnes 11 vor zwei Jahren vorgestellt.

Vor Kurzem konnten wir die Behandlung in der zweiten Sitzung abschliessen. Da das apikale Foramen grösser als 0,6mm war entschlossen wir uns für eine MTA-Apexifikation.  Die Applikation erfolgte wie hier gezeigt. Der im Röntgenbild zu sehende Masterpoint wurde dabei zum Teil verwendet, um den Portland-Zement apikal zu verdichten

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Die künftigen Nachuntersuchungen müssen zeigen, ob die ausgeprägte apikale Parodontitis auf die Therapie anschlägt…

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Zeiss- Lob (2)

von Hans – Willi Herrmann

Der Birnenwechsel am Zeiss Pro Ergo ist kein Hexenwerk.

Ärgerlich nur, wenn 10 Minuten nach Inbetriebnahme das neu installierte Licht erneut ausgeht.  Doch ein tiefergehender Fehler, der eines Service- Technikers bedarf ?

Die sprichwörtliche „Ka Ching“ – Registrierkasse im Kopf fängt an zu rattern.

Anfahrt, Technikerstunden, Ersatzteile ?
Etwa sogar eine Steuerplatine ?
Damit wären wir auf jeden Fall gefühlt deutlich 4 stellig.
Sofern der Techniker überhaupt zeitnah verfügbar wäre.

Eine Email und kurze Zeit später die Antwort meines Zeiss-Kontaktes mit der Telefonnummer einem Technik- Ansprechpartner.

Zunächst die von Callcentern bekannte Warteschleife, aber im Gegensatz zum heute Ubiquitären schnelle Verbindung und Weiterleitung. Die gründliche Telefondiagnose gibt zunächst keine zielführenden Hinweise, aber das Erörterte bringt mich wenige Minuten später zur Lösung – ich schreibe eine weitere Email, jetzt direkt an den Techniker:

Könnte es sein, dass ein nichtdrehender  Lüfter die Ursache des Problems sei, das Abdunkeln mit einer Hitzeschutzschaltung in Verbindung steht ? Mir war beim Auseinanderbauen aufgefallen, dass der Lüfter an einer Stelle des Gehäuses entlangschabte.

Könnte schon, so die Antwort,  was auch die Zeit von etwa 10 Minuten Betriebsdauer erklären würde, aber warum sollte der Lüfter sich nicht mehr drehen, sofern kein Fremdkörper diesen blockiert ?

Es stellte sich heraus, dass zwar kein Fremdkörper vorhanden, jedoch der federnd aufgehängte Lüfter sich leicht verkantet hat, an einer Stelle der Rotoraussenwand ein Hauch zu nahe gekommen ist und nicht mehr anläuft. Ein wenig den Lüfter wieder in Zentrik gebracht, dazu genügt ein kurzes Zurechtrücken, erledigt er nun wieder wie gewohnt seinen Job.

Ein sicherlich ebenso seltener wie bizarrer Zwischenfall, umso erfreulicher die Tatsache, dass das Problem via Telefon erfolgreich gelöst werden konnte.

Danke an Zeiss, insbesondere an die Herren Mario Köhler, Jürgen Ott,
Gregor Woltschenko für die schnelle und kostensparende Problemlösung.

 

Zeiss – Lob (1)

Es scheint, dass das leidige Thema nun endgültig vom Tisch ist – Die Rede ist vom Pro Ergo Handgriff- Problem. Anfang  des Jahres wurden bei den Kunden, die diesbezüglich Schwierigkeiten hatten, in einer konzertierten Aktion die Handgriffe getauscht.

Heute kann ich vermelden, dass besagter Fehler nicht mehr auftaucht.
Weder bei mir, noch bei den anderen 4 Behandlern in Wurzelspitze- Praxen, die davon betroffen waren.

Ich bin froh, dass Zeiss das Problem lösen konnte und möchte an dieser Stelle mein Lob aussprechen dafür, dass man allen Betroffenen eine adäquate Lösung zukommen liess, anstatt, wie heute leider zu oft praktiziert, den Kunden mit seinem Problem allein zu lassen.

 

 

Gegen die Funkstille…

von Bonald Decker

hier mal wieder ein Beitrag über einen Behandlungsfall mit Recall.

Kurz zur Vorgeschichte.

Der 57-jährige Patient hatte vor einigen Jahren eine prothetische Neuversorgung durchführen lassen. Gut eine Woche vor der Erstvorstellung bei uns hatte dann Zahn 35 ein erhebliches Schmerzbild produziert (moderate Schwellung, Aufbissempfindlichkeit etc.)

gegen-die-stille-001Durch die vom Zuweiser iniziierte systemische Antibiose waren die Beschwerden jedoch recht schnell rückläufig.

Die endodontische Behandlung wurde dann wie bei uns „üblich“ zweizeitig durchgeführt.

Die Füllung des bis 35.06 präparierten Wurzelkanalsystems erfolgte mit Guttapercha und Sealer (AH plus). Das Abschlussröntgenbild lässt anhand der Sealerspuren eine komplexe laterale  Anatomie im mittleren Wurzeldrittel vermuten.

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Zwei Jahre später stellte sich der Patient nun wieder bei uns vor. Zu unserer aller Freude zeigt die Nachkontrolle der Behandlung ein sehr erfreuliches Ergebnis.

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2207 Schritte

von Hans – Willi Herrmann

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Jede noch so lange Reise…
… beginnt mit einen einzigen Schritt.

Sagt ein altes chinesisches Sprichwort.

Klingt banal, ist aber viel Wahres dran.

So begann exakt auf den Tag genau vor 8 Jahren am 01. November 2008 der erste Beitrag unseres WURZELSPITZE – Blogs. Und führte weiter an:

Und es gibt einen (lustigen) Hollywood – Film mit Bill Murray (das wäre dann die zeitgemäße Sprichwortvariante), in welchem dieser seinen Psychologen in den Urlaub verfolgt und in den Wahnsinn treibt. Eines der Schlagworte dieses Films sind „Babyschritte“. Babyschritte, die der Psychologe seinem Patienten nahelegt, um zum Ziel zu kommen.

Und um genau solche Sachen geht es hier.

Als erster von „… hoffentlich vielen Schritten, vielen Artikeln und Beiträgen rund um die Endodontie.

Endodontie – das ist das, was man im Volksmund als Wurzelkanalbehandlung kennt. Und – um es gleich vorwegzunehmen, die Wurzelkanalbehandlung hat sich enorm verändert in den letzten 5,10,15 Jahren. Sie ist mit dem, was als Horrorszenario noch in den Köpfen der Patienten umherspukt, nicht mehr zu vergleichen.

Und auch wenn jeder dieser Blog – Beiträge nur einen einzigen Babyschritt darstellt, so ist meine begründete Hoffnung, dass viele dieser Schritte – allein oder in ihrer Gesamtheit – den interessierten Leser, ganz gleich ob Behandler oder Patient, voranbringen.

Von Nutzen sein werden.

Nun sind es genau 2207 Schritte geworden.
In einem Rutsch durchgelaufen, von kurzen Pausen in der Urlaubszeit mal abgesehen.

Da ist es an der Zeit, einmal innezuhalten.
Anlass, zurückzublicken, auf besagte mehr als 2200 Beiträge,
750.000 Besuche Interessierter pro Jahr, 65000 – 80.000 pro Monat, macht zuletzt durchschnittlich 2499 Besuche pro Tag. Wenn man bedenkt, dass eine endodontische Firma von Weltformat im Rahmen eines Key Opinion Leader-Meetings letzte Woche stolz bekannt gegeben hat, dass die firmeneigene Homepage weltweit 13.000 Besuche pro Monat aufweisen kann, dann sind die von uns erzielten Zahlen für eine deutschsprachige Site als ausserordentlich zu bezeichnen.

Und natürlich würde es sich anbieten und wäre selbstverständlich der Bedeutung des Jubiläums mehr als würdig, das Erlebte detailliert Revue passieren, es angemessen hochleben zu lassen.

Aber wir sind, ohne drüber sprechen zu müssen, übereinstimmend  zu dem Schluss gekommen,  es bei den aufgezählten Fakten zu belassen und möchten vielmehr stattdessen kurz und knapp an dieser Stelle vermelden, dass es ab morgen  WURZELSPITZE in der Form,  wie es bislang war, nicht mehr geben wird.

Das klingt viel dramatischer als es ist, denn – das ist die gute Nachricht –  mit WURZELSPITZE wird es in modifizierter, sprich unregelmäßiger Form weitergehen.
WURZELSPITZE wird nicht verschwinden. Die vorhandenen Inhalte bleiben auch zukünftig verfügbar.

Wir werden weiterhin schreiben.
Worüber wir wollen.

Wann wir wollen.
Zunächst vermutlich erst mal gar nicht.
Oder wenig.  Dann wieder mehr. Bestimmt. Immer mal wieder. Versprochen. Naja, zumindest nehmen wir uns das fest vor.

So oder so jedoch: Wir geben das Staffelholz weiter.
An die Jungen. Die Wilden und Hungrigen.

Wie wir es waren.
Damals.
Vor 20 Jahren.

Eure Zeit ist jetzt. Wir möchten möglichst Viele aufrufen, es uns nachzutun.

Schreibt !
Fotografiert !
Dreht Videos !

Und laßt euch nicht entmutigen von den  wenigen beckmessernden Lautstarken, den Besserwissern und Besserkönnern, die mit vielen vielen Worten nicht müde werden, euch zu erzählen, wie ihr es denn unbedingt machen solltet, wie sie es selbstverständlich so viel besser machen würden, allerdings merkwürdigerweise -oder auch nicht – diesbezüglich bis dato nie etwas Konkretes folgen ließen.

Wir warten auf Euch, bei der 2207er Marke.
Um Euch „High 5“ abzuklatschen.
Mit Euch gemeinsam weiterzulaufen.
Oder Euch wehmütig hinterherzuschauen, wenn ihr, längst unseren Schuhen entwachsen und mit Riesenschritten, damit fortfahrt, ich zitiere Steve Jobs,  „eine Delle im Universum zu hinterlassen“.

Wir sind gespannt.

Eure

Christian Danzl, Ha-Wi Herrmann,  Christoph Kaaden, Olaf Löffler, Jörg Schröder

Vertucci Typ 3 / Typ 7

von Ronald Wecker

Klassifikationen sind hilfreich. Sie erleichtern die Kommunikation.

Hier ein oberer Prämolar, der sowohl etwas vom Typ 3 nach Vertucci (ein Kanal verlässt die Pulpakammer, teilt sich innerhalb der Wurzel in zwei Kanäle, welche vor dem Austritt aus dem Zahn wieder fusionieren (1-2-1)) als auch etwas vom Typ 7 (ein Kanal verlässt die Pulpakammer, teilt sich und fusioniert innerhalb der Wurzel und verlässt den Zahn mit zwei getrennten Kanälen (1-2-1-2)) hatte.

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Nach einem schlitzförmigen Pulpakavum zweigte sich der Pulpahohlraum in zwei getrennte Kanalsystem auf, die sich unter einer Dentinbrücke wieder vereinten um in ca. 17 mm Tiefe erneut aufzugabeln, um sich ca. 3 mm vor dem gemeinsamen Foramen wieder zu vereinigen. (1-2-1-2-1).

Neben stark obliterierten Kanalabschnitten lag die Schwierigkeit in einem bereits im präoperativ angefertigten DVT zuerkennenden, schräg nach apikal und distal verlaufenden Seitenkanal, der vom palatinalen Kanalsystem abzweigte.

Durch den schrägen Verlauf des Seitenkanals, war dieser für rotierende Instrumente „attraktiver“ als das stark eingeengte palatinale Kanalsystem.

Die Endometrie zeigte in P erwartungsgemäss zunächst sprunghaft und eine zu kurze Arbeitslänge an, da es durch den Kontakt mit dem im Seitenkanal befindlichen Flüssigkeiten zu einer Verfälschung des Messergebnisses kommen kann. Durch die präoperative Auswertung der 3D-Diagnostik war mit diesem Sachverhalt bereits zu rechnen, sodass die Beurteilung ob sich das Instrument im Seitenkanal oder im palatianlen Kann befand, taktil erfolgen musste.  Mittel vorgebogener Handinstrumente konnte der Gleitpfad schließlich so angelegt werden, dass ein vollrotierende Aufbereitung möglich war.

Die letzte apikale Krümmung konnte nicht erhalten werden, der kleine Sealerpuff an dieser Stelle, macht jedoch Hoffnung, dass auch dieser Bereich ausreichend gereinigt werden konnte.

Nunmehr gilt es auf das erste Recall nach 6 Monaten zu warten.

P.S. Zahn 25 reagierte reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz.

 

4 auf einen Streich

von Ostidald Wucker

Die Patientin wurde uns überwiesen mit der Bitte um endodontische Revision 36, 37, 38 vor prothetischer Rehabilitation. Die Patientin hatte keine Beschwerden an den Zähnen.
Röntgenbefunde, klinische Befunde:
36 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries, VD Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0, insuff. Kronenversorgung
37 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries,  Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0,
38 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries, VD Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0,
insuff. Inlay

Zur Lagebestimmung der Fragmente wurde ein DVT angefertigt.

38 habe ich zur Extraktion empfohlen. 36 und 37 als endodontisch lösbar aber nicht einfach eingestuft. Die Patientin wurde entsprechend beraten und wünschte die Erhaltungsversuche der Zähne 36,37.
36 hatte gleich eine Überraschung parat.
Im Zahn 36 habe ich ein Fragment vermutet, jedoch nicht mit 4 Teilen gerechnet.
Die ersten zwei Fragmente, alles Stahlinstrumente hatten sich inniglich umschlungen und vereint. Diese zu trennen kostete etwas Geduld und damit auch etwas Zeit.
Zur Instrumentendarstellung wurde im Bereich des Isthmusses präpariert um die approximalen Wurzelwände weitestgehend zu schonen.

Nach der Entfernung der 3 Instrumentenfragmente schaute mich noch ein 4. Fragment an. Alle Fragmente wurden mittels Ultraschall und Endochuck NSK Stahlfeile #25 und #20 entfernt. Die Auflösung der Blockierung gelang mittels Profile 15.04.
Danach erfolgte in diesem Fall die Entfernung der Krone, da ein Zahnerhalt nach der Lösung der endodontischen Probleme wahrscheinlicher ist.
Die Wurzelfüllung erfolgte in thermischer Obturationtechnik.
Am Zahn 37 haben wir mesial das Fragment entfernt. Die Behandlung wird noch fortgesetzt.

 

 

Wurzelperforation

Von Bonald Decker

Der gestrige Beitrag widmete sich bereits dem Thema Perforation. Auch ich möchte diese Thematik heute aufgreifen und Ihnen einen weiteren Fall dieser häufigen Komplikation vorstellen. Unsere Kasuistik ist allerdings komplett anders gelagert, da es sich um eine seit vielen Jahren bestehende Wurzelperforation handelt.  Laut Kvinnsland et al. entstehen 53 Prozent aller iatrogenen Zahnverletzungen bei der Aufbereitung des Wurzelkanals für einen Wurzelstift.

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Kurz zu den Hintergründen:

Im Zuge einer alio loco geplanten Parodontitis-Therapie  war bei der 74-jährigen Patientin die Problematik an Zahn 35  aufgefallen. Laut Patientin war die Krone samt Stift seit mehr als 10 Jahren in situ. Klinisch zeigten sich bei bestehender Beschwerdefreiheit keine Besonderheiten.

Nach eingehender Aufklärung über die verschiedenen Therapieoptionen entschied sich die Patientin für einen Revisionsversuch. Die Stiftentfernung gelang mittels verschiedener  Ultraschallansätze problemlos.

Da prä- und intraoperativ kein parodontaler Defekt bis zur Perforationsstelle evident war entschieden wir uns für eine „klassische“ MTA-Deckung der lateral gelegenen Perforation nach erfolgtem Downpack von Guttapercha und Sealer.

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Das weitere Kanallumen wurde im Anschluss an die MTA-Applikation (bei Verzicht auf resorbierbares Widerlager) für die Befestigung eines adhäsiven Glasfaserstiftes genutzt.

 

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Kürzlich war die Patientin zur Nachkontrolle sechs Monate nach Behandlungsabschluss bei uns. Es scheint, als wäre die gewählte Therapie bisher erfolgsversprechend…

 

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Unauffälliges Röntgenbild (Teil 2)

von Donald Becker

Letzte Woche fragte ich an dieser Stelle nach der Mutter aller ????

Wer, den Satz zu Ende führend, mit „die Mutter aller Perforationen“ geantwortet hat, der lag richtig.
Betrachtet man hierzu die nachfolgenden Videos, wird man allerdings zugeben müssen, daß das Ausmaß der Hartsubstanzdestruktion am Zahnfilm-Röntgenbild nicht einmal annähernd abgeschätzt werden kann.

Die 45 jährige Patientin stellte sich auf Überweisung des Hauszahnarztes am 28.01.2015 zur Weiterbehandlung des im Notdienst an Heiligabend 2014 alio loco initial wurzelkanalbehandelten Zahnes 16 vor.

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Der Zahn 16 war vor der endodontischen Initialbehandlung stark symptomatisch (Schmerzskala 8), nach der Behandlung liessen die Schmerzen für mehrere Tage nach (Schmerzskala 3), um dann wieder zuzunehmen. Bei Vorstellung in unserer Praxis war der Zahn schmerzfrei, die Patientin vermied es allerdings, auf dem Zahn zu beissen. Die PA-Messung an 6 Messpunkten ergab Taschentiefen von 2mm, der Zahn 16 war klopfempfindlich.

Erst nach Entfernung des provisorischen Füllungsmaterials offenbarte sich das ganze Ausmaß der Zerstörung, wenngleich das prätherapeutisch angefertigte DVT schon die Aussage zuliess, das die Prognose des Zahnes eher pessimistisch eingeschätzt werden muss. Vor Einführung der Tri-Silicate in die Zahnmedizin wäre sogar von vornherein ein solcher Zahn als zweifelos nicht erhaltungsfähig eingestuft worden.

Heute besteht zwar grundsätzlich eine nicht vorhersagbare Chance der  Erhaltungsfähigkeit des Zahnes, dennoch ist angesichts der für die Wiederherstellung des Zahnes aufzuwendenden Kosten und des nicht vorhersagbaren Risikos des Zahnverlustes der Extraktion mit nachfolgender Implantation oder Brückenversorgung der Vorzug gegenüber heldenhaftem Bemühen zum Zahnerhalt zu geben.

Die Patientin fragte allerdings nach dieser Empfehlung zur Extraktion, ob es denn gar keine Möglichkeit des Zahnerhaltes gäbe. Sie wolle sich den Zahn nur ziehen lassen, wenn alle Möglichkeiten des Zahnerhaltes ausgeschöpft seien.

Ehrlicherweise muss man an dieser Stelle, angesichts der Möglichkeiten, die uns Materialien wie MTA und Biodentine an die Hand geben, die Frage in den Raum stellen, was man verlieren könne in einer solchen, scheinbar hoffnungslosen Situation, wenn man einen ultimativen Erhaltungsversuch unternähme, sofern wie in diesem Falle die Patientin dies unbedingt wünscht und bereit ist, das Risiko des Zahnverlustes  aller Rettungsbemühungen zum Trotz einzugehen.

Am 05. 02.2015 erfolgt die Versorgung des Zahnes 16 mit einer dentinadhäsiven Composite- Restauration. Am Tag darauf die Trepanation, die klinisch dann das ganze Ausmaß der Perforation offenbart.

Es erfolgt die Deckung des rund 22 Quadratmillimeter großen Perforationsdefektes mittels Biodentine. Die Möglichkeit, einzeitig nach Wartezeit von ca. 15 Minuten post Applikation mit der Behandlung weitermachen zu  können, ist insbesondere bei wie im vorliegenden Fall nicht ortsansässigen Patienten ein großer Vorteil. Die Perforation ragte in den Bereich des mesiobukkopalatinalen Kanals hinein. Die Notwendigkeit, den Defekt decken zu müssen, gleichzeitig jedoch die Penetration und Erweiterung des Kanals sicherzustellen, ohne die Perforationsdeckung wieder zu kompromittieren oder gar zunichte zu machen, stellte eine weitere große Herausforderung dar.

WF-Kontrolle 05.05.2015

WF-Kontrolle 05.05.2015

Letztendlich gelang die Wurzelkanalbehandlung in weiteren Sitzungen am 16.02.2015, 24.04.2015 und 05.05.32015 unter Berücksichtigung der vorliegenden extrem schwierigen Ausnahmesituation reibungslos. Die bis nach apikal getrennt voneinander verlaufenden sehr engen Wurzelkanäle in der mesiobukkalen Wurzel sowie der distobukkale Kanal werden bis zu 35.06 aufbereitet, der palatinale Kanal bis 60.04.

WF-Kontrolle 20.11.2015

WF-Kontrolle 20.11.2015

WF-Kontrolle 19.05.2016

WF-Kontrolle 19.05.2016

Es erfolgten Nachkontrollen am 20.11.2015 und 19. Mai 2016. Der Zahn 16 war in all der Zeit vollkommen unauffällig bei im Röntgenbild stabiler Knochensituation und Taschentiefen von circulär weniger als 3 mm, weshalb 12 Monate post WF eine Empfehlung zur Kronenversorgung des Zahnes durch den Hauszahnarzt gegeben und das Recallintervall auf 12 Monate hochgesetzt wird.

Am 20.10. 2016 sucht die Patientin wegen einer unklaren Schmerzproblematik im rechten Oberkiefer überraschend zur ausserplanmäßige Kontrolle unsere Praxis auf. Die vorhandene klinische Symptomatik (starke Heiß Kalt-Empfindlichkeit vor einigen Tagen, jetzt nachlassend) deutet eher nicht auf den Zahn 16 als Schmerzauslöser hin.

WF-Kontrolle 20.10..2016

WF-Kontrolle 20.10..2016

 

 

Klinische Kontrolle, Röntgenbefund und PA – Befund des Zahnes 16 sind weiterhin unauffällig.

 

 

Doppelt hält besser.

von Ronald Wecker

Aber offensichtlich nicht immer.

In vorliegendem Fall wurde an Zahn 16 zweimal eine Resektion der bukkalen Wurzeln vorgenommen. Eine Revision der inhomogenen  Wurzelfüllung  – ich persönlich finde damit das Erscheinungsbild der mesialen Wurzelfüllung mehr als wohlwollend beschrieben – war zu keiner Zeit in Betracht gezogen worden. Erst der patientenseitig angestrengte Behandlerwechsel brachte diese Option ins Spiel.

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Klinisch imponierte eine auf Höhe der Furkation befindlich aktive Fistelung, die seit mehr als einem Jahr persistierte. Das präoperativ angefertigte DVT zeigte, dass mesial nur ein Kanalsystem aufbereitet worden war. Die Wurzelfüllung zeigte sich nicht mittenzentriert, sodass ein unaufbereitetes  MB2-System zu vermuten war. Auch die palatinale Wurzel weist eine apikale Aufhellung auf.

Das die chirurgische Intervention mesial nicht erfolgreich war, verwundert angesichts der Lage der retrograden Füllung distal der Foramina nicht. In der mesiobukkalen Wurzel  zeigt sich zusätzlich distopalatinal eine intraradikulär gelegene, rundliche, scharf abgegrenzte, homogene Aufhellung im Apikalbereich.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Nach Entfernung der Krone und präendodontischem Aufbau konnten in der ersten Sitzung zwar die orthograden Obturationsmassen vollständig, die retrograden Materialien hingegen nur teilweise entfernt werden. Nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Irrigation wurde CaOH2 eingelegt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Zum zweiten Behandlungstermin war die Fistelung zwar nicht mehr aktiv, zeigte aber noch eine halbkugelige Vorwölbung.

Um das retrograde Material vollständig entfernen zu können, wurde die Dentinbrücke über dem schmalen apikalen Isthmus zwischen MB1 und MB2 mittels U-File aufgezogen. Das Foramen an DB wurde dazu tropfenförmig erweitert.

Nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers erfolgte die Obturation in DB und MB mittels MTA. Bei der ultraschallgestützten Kompaktion des MTA in MB wurde leider MTA nach periapikal extrudiert. P wurde in warmer vertikaler Kompaktion obturiert. Das in 6 Monaten geplante Recall wird zeigen, ob die Behandlung zumindest initial erfolgreich gewesen war.

Zementoblastom

von Ostidald Wucker

Im heutigen Fall haben wir ein DVT, welches ein Zementoblastom im Unterkiefer am Zahn 37 darstellt. Auf dem DVT erkennt man einen schmalen, radiotransluzenten Saum um das Zementoblastom, ebenso den Zusammenhang mit einer externer Resorption am Zahn 37. Der Zahn 37 ist sensi positiv.

Das Zementoblastom gilt als gutartiger, odontogener Tumor, der selten vor dem 10. und nach de, 70. Lebensjahr auftritt. Die Ätiologie ist unklar. Differenzialdiagnostisch ist an ein Osteoblastom zu denken. Dieser Tumor zeigt jedoch keine Fusion mit einer Zahnwurzel, so daß dieser radiologische und morphologische Befund die Unterscheidung ermöglicht.

Das Zementoblastom ist gutartig, größere Läsionen zeigen jedoch eine hohe Rezidivneigung (etwa in 20% der Fälle), wobei es zu lokalen Destruktionen kommen kann. Fast alle Rezidive treten innerhalb von 2 Jahren auf. Therapeutisch wird in der Literatur empfohlen, Zementoblastome zusammen mit dem betroffenen Zahn und dem unmittelbar angrenzenden Knochen zu entfernen.

Literaturtip:

Benign odontogenic ectomesenchymal tumors.
Jundt G, Reichart PA.
Pathologe. 2008 May;29(3):199-204. doi: 10.1007/s00292-008-0997-z. Epub 2008 Apr 9. German.
PMID: 18392828